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	<title>CARTA &#187; Steffen Rutter</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>&#8220;monitor&#8221;-Beitrag: Zwischen M&#228;rchenstunde und Motzki-P&#246;belei</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 16:52:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die WDR-Sendung "monitor" lieferte k&#252;rzlich ein Beispiel, wie Wirtschaftsjournalismus nicht funktionieren sollte: unpassende Vergleiche, vermeintliche Experten, stereotype Darstellung. Das Ergebnis ist so faktenbasiert wie eine M&#228;rchensendung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Qualit&#228;t und Integrit&#228;t von Wirtschaftsjournalismus steht angesichts der Krise ganz erheblich infrage: „<a href="../../23945/wirtschaftsjournalismus-in-der-krise-ahnungslos-und-meinungsschwach/">Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Ahnungslos, orientierungslos, &#252;berfordert</a>“, hei&#223;t es mittlerweile nicht mehr nur bei F&#252;hrungskr&#228;ften, Wissenschaftlern und Spitzenpolitikern.</p>
<p>Mit ihrem Beitrag „<a href="http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/0225/fdp.php5">Klientelpolitik  – Wie die FDP die Profiteure der Finanzkrise sch&#252;tzen will</a>“ hat auch die WDR-Sendung <em>monitor</em> r&#252;ckblickend die Wirtschaftsberichterstattung weiter Richtung M&#228;rchenstunde samt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Motzki">Motzki</a>-P&#246;belei verschoben. An dem Beitrag von Achim Pollmeier, Markus Schmidt und Kim Otto stimmt nicht einmal der Titel. Schlie&#223;lich geht es in dem 6-Minuten-Film, der Ende Februar ausgestrahlt wurde, nicht um einen dunklen Plan der FDP, sondern vielmehr um Werbung f&#252;r eine Idee der Redaktion. Man k&#246;nnte den Beitrag auch Reklame nennen.</p>
<div id="attachment_25110" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/0225/fdp.php5"><img class="size-medium wp-image-25110" title="Bildschirmfoto 2010-03-31 um 18.05.22" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/Bildschirmfoto-2010-03-31-um-18.05.22-300x184.png" alt="Bildschirmfoto 2010-03-31 um 18.05.22" width="300" height="184" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Vollkasko bei Bankengeld&quot; - der monitor-Bericht hier zum Anschauen</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p><strong>monitor-Regel 1: Phrasen dreschen</strong></p>
<p>Wer sind eigentlich die Profiteure der Finanzkrise, die laut Programmtitel von der FDP gesch&#252;tzt werden sollen? Laut Duden solche, die einen Profit aus etwas ziehen.</p>
<p>Intuitiv w&#252;rde man beispielsweise an den Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG (VW) Dr. Martin Winterkorn denken. Schlie&#223;lich haben die Finanzmarktturbulenzen das Wettringen zwischen der Porsche SE und VW um die zuk&#252;nftigen Eigentumsstrukturen entschieden. Statt fristloser K&#252;ndigung gab es dank dieser externen Umst&#228;nde eine <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,683062,00.html">Extrapr&#228;mie von 800.000 Euro</a>. Der Rest des Einkommens wurde ja bereits durch die staatliche Abwrackpr&#228;mie gesichert &#8211; sonst w&#228;re VW wohl mit Verlust aus dem Jahr 2009 gegangen.</p>
<p>F&#252;r die Redakteure sind die Profiteure auch nicht die f&#252;rstlich entlohnten Staatsangestellter des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), nicht die staatliche Deutsche Bundesbank mit ihren Milliarden-Finanzkrisen-Ertr&#228;gen, und nicht die B&#252;rgermeister in den Kommunen, die ihre Wahlversprechen dank der Konjunkturmittel erf&#252;llen k&#246;nnen. Nein, f&#252;r das Autorenteam sind die Profiteure der Finanzkrise die Gl&#228;ubiger von Instituten, die auf vertragskonforme Bedienung ihrer Kredite hoffen d&#252;rfen. Wenn &#252;berhaupt, haben diese von den <strong>Stabilisierungsma&#223;nahmen</strong> profitiert, aber das ist doch wohl ein fundamentaler Unterschied.</p>
<p>Anekdotisch sollte darauf hingewiesen sein, dass der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk selbst unbesichert rund 216 Millionen Euro an GEZ-Geb&#252;hren und Altersvorsorgegelder bei der HRE investiert hatte. Damit ist der WDR laut <em>monitor</em> ein Profiteur der Finanzkrise.</p>
<p><strong>monitor-Regel 2: Die Unwahrheit verbreiten<br />
</strong></p>
<p>Schon die Ansage von Sonia Seymour Mikich „Die Banken und Versicherungen, die diese Krise angerichtet haben, wurden nicht nach Abgaben, nicht nach Gegenleistungen gefragt“ erinnert doch stark an den „Rattenf&#228;nger von Hameln“. Denn ein Blick in die Finanzmarktgesetzgebung verdeutlicht selbst dem Laien das genaue Gegenteil. „<a href="http://www.soffin.de/leistungen_gebuehren.php?sub=3">Stabilisierungsleistungen gibt es nicht umsonst &#8211; sie haben einen Preis, der ihrem Wert entspricht.</a>“ Daher hat der staatliche SoFFin bereits in den ersten 15 Monaten seines Bestehens rund 650 Millionen Euro aus Zinsen und Geb&#252;hren eingenommen.</p>
<p>Doch die M&#228;rchenstunde geht auch im Beitrag munter weiter. So behaupten die Autoren: „Und die FDP? [..] Mehrfach haben wir gefragt, wie man Gl&#228;ubiger k&#252;nftig in die Haftung nehmen will? &#8211; Keine Antwort.“ Falsch! Neben zahlreichen Telefongespr&#228;chen hat der Fachreferent der Bundestagsfraktion in zwei schriftlichen Stellungnahmen ausf&#252;hrlich Antwort zu dem angesprochenen Sachverhalt gegeben und auf offene Fragen hingewiesen. Diese lie&#223;en sich hier auch dokumentieren.</p>
<p>Wer einmal l&#252;gt, dem glaubt man nicht. Doch was macht man mit Leuten, die damit gar nicht mehr aufh&#246;ren? Ich bin f&#252;r eine Pinocchio-L&#246;sung.</p>
<p><strong>monitor-Regel 3: &#196;pfel mit Birnen vergleichen</strong></p>
<p>Nah dran an der Unwahrheit sind auch <strong>unpassende Vergleiche</strong> &#8211; ein besonders beliebtes Stilelement von Achim Pollmeier, Markus Schmidt und Kim Otto. Im besagten M&#228;rchenbeitrag wird eine Restrukturierung eines Kleinstunternehmens aus dem produzierenden Gewerbes mit einer Rettung einer Gro&#223;bank verglichen.</p>
<p>Das scheint an sich schon ein gewagter „Ritt auf der Kanonenkugel“ zu sein. Schlie&#223;lich sollte das Wort <em>systemrelevant</em> gerade f&#252;r Wirtschaftsjournalisten kein Fremdwort mehr sein. Besonders fantastisch wird das M&#252;nchhausen-gleiche Redaktionsteam aber, wenn man einen reinen Forderungsverzicht von Gl&#228;ubigern eines Kleinstunternehmens als Aufh&#228;nger f&#252;r einen so genannten Fremd-zu-Eigenkapital-Tausch f&#252;r Gro&#223;banken macht. Das erste ist freiwillig und gesetzlich klar geregelt. Letzteres soll aus Sicht der Autoren verbindlich geregelt werden – wohl samt notwendiger Aufhebung der Verfassung.</p>
<p><strong>monitor-Regel 4: Experten, die keine sind</strong></p>
<p>Experten&#228;u&#223;erungen k&#246;nnen ein &#252;berzeugendes Stilelement f&#252;r die Vermittlung medialer Botschaften sein. Sie sollen f&#252;r die notwendige Autorit&#228;t, Integrit&#228;t sowie Unabh&#228;ngigkeit sorgen, um dadurch eine Position besonders wirksam zu untermauern.</p>
<p>Doch wenn sich keine Experten f&#252;r die Untermauerung der eigenen Position finden lassen, greift das Redaktionsteam gerne auch auf Pippi Langstrumpf zur&#252;ck: ich mach mir die Welt widdewidde wie sie mir gef&#228;llt. Deshalb darf der ausgewiesene Arbeitsmarkt&#246;konom <a href="http://www.uni-kiel.de/snower/">Prof. Dr. Dennis J. Snower</a> auch sinnfreie Finanzmarktideen des Redaktionsteams kommentieren. Dem gemeinen Zuschauer mag dies nicht besonders auffallen, f&#252;r jeden &#214;konomen ist das aber wie ein Auftritt von „Rotk&#228;ppchen“ im M&#228;rchen „Frau Holle“.</p>
<p>Wer w&#252;rde zur Behandlung von Magenkrebs zum Zahnarzt gehen? Wer k&#228;me auf die Idee, einen Heilpraktiker bei der Behandlung eines offenen Armbruchs aufzusuchen? Eben. Deshalb l&#228;sst man Prof. Snower auch keine Finanzmarktreformen kommentieren.</p>
<p><strong>monitor-Regel 5: Stereotypen bedienen</strong></p>
<p>Was bei Motzki so erfolgreich war, dass darf bei <em>monitor</em> nat&#252;rlich nicht fehlen. Dauerndes N&#246;rgeln hat schlie&#223;lich auch schon fr&#252;her die Zuschauer angezogen. Und so wie Motzki auf die Ossis geschimpft hat, so macht es hier eben auf die FDP.</p>
<p>Man verkauft dann eine Einzelmeinung eines Abgeordneten als „die FDP“. Grundsatz: Es gibt sicher einen faulen Ossi, also sind die Ossis faul. Die Ironie in diesem Motzki-esken Beitrag ist nun aber, dass die Autoren s&#228;mtliche Gl&#228;ubiger von Banken als Klientel der FDP beschreiben. Und da jeder kleine Sparer eben ein Gl&#228;ubiger eines Instituts ist, ist quasi das gesamte Volk Klientel. So wird man also Volkspartei!</p>
<p><strong>Fazit: Programmstruktur &#228;ndern</strong></p>
<p>Nat&#252;rlich kann es nun nicht darum gehen, &#246;ffentlich-rechtliche Redaktionen wie <em>monitor</em> zu zensieren. &#196;hnlich faktenbasierte Sendungen wie „Wicky und die starken M&#228;nner“, „Raumschiff Enterprise“ und „Der 6-Millionen-Dollar-Mann“ werden ja auch nicht verboten, nur weil der Zuschauer das f&#252;r wahr halten k&#246;nnte, was dort gezeigt wird.</p>
<p>Vielleicht sollte man aber beim WDR dar&#252;ber nachdenken, die Sendung <em>monitor</em> zuk&#252;nftig auf dem Kinderkanal KI.KA auszustrahlen. Dort kann man auch andere M&#228;rchen sehen.</p>
<p><em>[Disclaimer: Steffen Rutter ist Mitarbeiter der  FDP-Bundestagsfraktion. Dieser Beitrag ist seine pers&#246;nliche Meinung. Die Redaktion von Carta begr&#252;&#223;t seinen Text ausdr&#252;cklich als Meinungsbeitrag &#252;ber die Qualit&#228;t von Wirtschaftsjournalismus. In der Qualit&#228;tsdebatte werden gerade auch die Stimmen von Betroffenen gebraucht.</em><em>]</em></p>
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</ul>
<p><em><br />
</em>
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		<title>Finanzkrise Griechenland: Muntere Marktmanipulation durch den Staat</title>
		<link>http://carta.info/24636/finanzkrise-griechenland-muntere-marktmanipulation-durch-den-staat/</link>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 13:18:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Verdacht, der griechische Staat habe &#252;ber statistische Falsch- und Fehlmeldungen die Finanzm&#228;rkte manipuliert, darf nicht heruntergespielt werden. Der Internationale Strafgerichtshof ist gefragt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man k&#246;nnte annehmen, dass in diesem Punkt Einigkeit besteht: M&#228;rkte zu manipulieren – das ist unzul&#228;ssig und geh&#246;rt umfassend sanktioniert. Doch ist dies wirklich so? Gilt dies auch f&#252;r Staaten?</p>
<p>Aus Sicht der Europ&#228;ischen Union ist die Gew&#228;hrleistung von Marktintegrit&#228;t eine wichtige Voraussetzung f&#252;r eine stabile wirtschaftliche Entwicklung in der Gemeinschaft. Daher wurde mit der <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:096:0016:0016:DE:PDF">Richtlinie 2003/6/EG &#252;ber Insider-Gesch&#228;fte und Marktmanipulation</a> (Marktmissbrauch) bereits im Jahr 2003 eine Regulierung der Finanzm&#228;rkte auf den Weg gebracht, welche marktsch&#228;digendes oder manipulatives Verhalten umfassend sanktioniert. Marktmanipulation umfasst alle Handlungen, die einen Preis herbeif&#252;hren, der nicht demjenigen entspricht, der bei einem unbeeinflussten Ausgleich von Angebot und Nachfrage entstanden w&#228;re. Hierzu z&#228;hlt auch die „Verbreitung von Informationen &#252;ber die Medien einschlie&#223;lich Internet oder auf anderem Wege, die falsche oder irref&#252;hrende Signale in Bezug auf Finanzinstrumente geben oder geben k&#246;nnten.“ Es scheint generell sachgerecht, vors&#228;tzlich unzutreffende amtliche Berichte &#252;ber Gesamt- und Neuverschuldung eines Mitgliedsstaates als Marktmanipulation aufzufassen. Diese beeinflussen n&#228;mlich den Preis – den Zinssatz – f&#252;r die Aufnahme von Schulden durch die &#246;ffentlichen Institutionen.</p>
<p>Es verwundert daher nicht, dass die Regierungen mit Artikel 7 eine Ausnahmeregelung vom Recht f&#252;r sich selbst gleich eingebaut haben: „Diese Richtlinie gilt nicht f&#252;r Gesch&#228;fte, die [..] im Rahmen der Verwaltung der &#246;ffentlichen Schulden von einem Mitgliedstaat [..] get&#228;tigt werden.“ Dies dr&#252;ckt nicht nur die Doppelmoral politischer Entscheidungstr&#228;ger aus, sondern erweist sich r&#252;ckblickend als fatale Einladung f&#252;r staatliche Angriffe auf das Vertrauen in die europ&#228;ischen Finanzm&#228;rkte und somit die Finanzmarktstabilit&#228;t.</p>
<p>Auch wenn ein Gro&#223;teil der gegenw&#228;rtigen Probleme der griechischen Staatsfinanzen wohl auf eine zu <a href="http://carta.info/24053/finanzkrise-griechenland-wie-die-europaeischen-chefaerzte-sarkozy-und-merkel-systematisch-behandlungsfehler-vertuschen/">expansive Zinspolitik der Europ&#228;ischen Zentralbank</a> zur&#252;ckzuf&#252;hren sind, darf der Verdacht auf Marktmanipulation durch den griechischen Staat nicht heruntergespielt werden. Nicht nur in der deutschen Presse halten sich Vermutungen &#252;ber statistische Falsch- und Fehlmeldungen zu wesentlichen fiskalischen Kennziffern.</p>
<p>Eine gerichtliche Pr&#252;fung des Verdachtes von Marktmanipulation ist durch die Ausnahmeregelung im europ&#228;ischen Recht wohl verbaut. Eine Sanktion dieser m&#246;glichen Straftat ist somit bislang ausdr&#252;cklich ausgeschlossen. Lediglich k&#246;nnte gegen Griechenland wegen eines m&#246;glichen Versto&#223;es gegen den Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakt vorgegangen werden – ohne pers&#246;nliche Konsequenzen f&#252;r B&#252;rokraten und Politiker.</p>
<p>Letztlich w&#252;rden diese Sanktionen auf die griechische Bev&#246;lkerung durchschlagen, welche mit Steuererh&#246;hungen und &#246;ffentlichen Leistungsk&#252;rzungen f&#252;r m&#246;gliche Straftaten von Regierungsvertretern in Haftung genommen werden. Bereits zum gegenw&#228;rtigen Zeitpunkt belasten die sprunghaft gestiegenen Finanzierungskosten des Staates – die Schulden von gestern sind die Steuererh&#246;hungen von heute – alle Alters- und Einkommensgruppen in Griechenland. Mittelfristig werden vor allem die Ratingabstufungen f&#252;r den Staat auch die Refinanzierung der Gesch&#228;ftsbanken verteuern, wodurch wiederum die Kreditzinsen f&#252;r B&#252;rger und Unternehmen weiter steigen werden. Der wirtschaftliche Schaden f&#252;r unbescholtene B&#252;rger in Griechenland ist immens.</p>
<p>Dass hierf&#252;r nicht Spekulanten verantwortlich sind, hat zuletzt die Bundesanstalt f&#252;r Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) noch einmal unmissverst&#228;ndlich klargestellt: „Bislang keine Anhaltspunkte f&#252;r massive Spekulation gegen griechische Anleihen“ hei&#223;t es in einer <a href="http://www.BaFin.de/cln_171/nn_722564/SharedDocs/Artikel/DE/Service/Meldungen/meldung__100308__cds__spekulation.html?__nnn=true">offiziellen Stellungnahme</a>. Die j&#252;ngst forcierte Initiative zur Regulierung behaupteter Spekulationen gegen Griechenland reiht sich in ein stimmiges Bild der politischen Verantwortungsvertuschung.</p>
<p>Es bedarf daher gesetzlicher Ma&#223;nahmen, um staatlich verursachte Marktmanipulation zuk&#252;nftig wirkungsvoller zu ahnden. Vor allem die individuelle Abschreckung von Entscheidungstr&#228;gern muss verst&#228;rkt werden. Das blo&#223;e Streichen der Ausnahmeregelung in der europ&#228;ischen Richtlinie scheint jedoch nicht ausreichend. Auch in diesem Fall w&#252;rde es wohl an einer individualstrafrechtlichen Verantwortlichkeit nat&#252;rlicher Personen fehlen, die gerade unabh&#228;ngig eines von ihnen bekleideten, offiziellen Amtes zu greifen hat.</p>
<p>Um es noch einmal klar zu sagen: Manipulationen, die nachweislich auf den B&#246;rsen- oder Marktpreis eingewirkt haben, sind nicht nur in der Bundesrepublik Straftaten, die mit Freiheitsstrafe von bis zu f&#252;nf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden k&#246;nnen. Dies sind keine Kavaliersdelikte! Es darf daher zum Schutz der Marktintegrit&#228;t keine doppelten Standards f&#252;r Spekulanten, Unternehmensvorst&#228;nde und B&#252;rokraten geben. Daher ist zu pr&#252;fen, das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) um staatliche Verm&#246;gensdelikte entsprechend zu erweitern.</p>
<p><em>Steffen Rutter ist Referent f&#252;r Finanzm&#228;rkte der FDP-Bundestagsfraktion.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=24636&amp;md5=762cea474623ecae4e879f03d986af30" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Finanzkrise Griechenland: Wie die europ&#228;ischen Chef&#228;rzte Sarkozy und Merkel systematisch Behandlungsfehler vertuschen!</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 13:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Krise der griechischen Staatsfinanzen ist das Ergebnis einer verfehlten Zinspolitik der Europ&#228;ischen Zentralbank. Die Staats- und Regierungschefs lenken von den Krisenverursachern ab und verhindern so langfristig tragf&#228;hige Probleml&#246;sungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd729f4b480f422fb604dc3a55e452fe" width="1" height="1" alt=""/><strong>Wo liegen die Probleme?</strong></p>
<p>Die Hellenische Republik Griechenland weist gegenw&#228;rtig eine offiziell gemeldete Staatsverschuldung von mehr als 120 Prozent des j&#228;hrlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf und z&#228;hlt damit zu den h&#246;chstverschuldeten Staaten der Europ&#228;ischen Union. Seit Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung im Jahr 2002 hat sich die Schuldenquote sp&#252;rbar um etwa <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&#038;init=1&#038;language=de&#038;pcode=tsieb090&#038;plugin=1">20 Prozent</a> erh&#246;ht. In den letzten acht Jahren lagen die Gesamtausgaben des Staates j&#228;hrlich zwischen drei und f&#252;nf Milliarden Euro &#252;ber den Einnahmen. In diesem Jahr wird sich das strukturelle Defizit noch einmal auf &#252;ber zehn Prozent des BIP versch&#228;rfen. Vieles deutet darauf hin, dass Griechenland ein Solvenzproblem hat.</p>
<p>Zugleich besteht die akute Gefahr eines Liquidit&#228;tsproblems. Griechenland scheint darauf angewiesen zu sein, auslaufende Schulden durch Aufnahme neuer Schulden zu bedienen. Das Vertrauen in den Schuldendienst des Landes hat sich in der letzten Zeit jedoch stetig verschlechtert. Je mehr Schuldtitel auf absehbarer Zeit f&#228;llig werden, desto h&#246;her ist daher der Finanzierungsdruck f&#252;r die Gebietsk&#246;rperschaften – mit einhergehenden steigenden Zinsen. Das aktuelle Liquidit&#228;tsproblem verst&#228;rkt dadurch das langfristige Solvenzproblem.</p>
<p><strong>Wie kam es zu den Problemen?</strong></p>
<p>Durch die Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung Euro haben sich die Finanzierungskosten f&#252;r &#246;ffentliche Schuldner in der Eurozone tendenziell angeglichen. Es war ein ausdr&#252;ckliches Ziel der W&#228;hrungsunion, Wechselkursrisiken zwischen den beteiligten Staaten auszuschlie&#223;en, um so Transaktionskosten f&#252;r die Marktteilnehmer zu senken. F&#252;r deutsche Riester-Sparer, die in griechische Staatsanleihen investieren, ist das Risiko einer Abwertung der griechischen Drachme entfallen – ein Risiko, dass nicht mehr mit h&#246;heren Zinsen verg&#252;tet werden muss. Es steht au&#223;er Zweifel, dass auch niedrigere Zinsen einen Anreiz f&#252;r die Aufnahme zus&#228;tzlicher Schulden darstellen. Gleichwohl sollte dieser Effekt sich angleichender Finanzierungskosten nicht &#252;bersch&#228;tzt werden.</p>
<p>Das oben beschriebene Solvenzproblem Griechenlands l&#228;sst sich jedoch mittelbar auf die Gemeinschaftsw&#228;hrung zur&#252;ckf&#252;hren. Griechenland verzeichnete zwischen den Jahren 2002 und 2008 relativ hohe Inflationsraten zwischen <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&#038;language=de&#038;pcode=tsieb060&#038;tableSelection=1&#038;footnotes=yes&#038;labeling=labels&#038;plugin=1">3,0 Prozent und 4,2 Prozent</a>. Damit lag die Inflationsrate in jedem Jahr seit Einf&#252;hrung des Euros &#252;ber den <a href="http://www.leitzinsen.info/eurozone.htm">Leitzinsen</a> der Europ&#228;ischen Zentralbank (EZB). Vor allem in den Jahren 2003 bis 2006 lag der Referenzzinssatz der EZB mit etwa einem Prozent unter der Inflationsrate Griechenlands. Die konjunkturorientierte Niedrigzinspolitik der EZB hat die Finanzierungskosten des Staates k&#252;nstlich so stark verbilligt, dass es wirtschaftlich rational war, stetig neue Schulden f&#252;r teils unsinnige Projekte aufzunehmen. Griechenlands Solvenzproblem ist daher kein Ergebnis hemmungsloser Spekulationen, sonder einer verantwortungslosen Zinspolitik der staatlichen EZB. Hier werden Verantwortlichkeiten durch die Staats- und Regierungschefs vertuscht.</p>
<p>Gleichwohl ist nicht auszuschlie&#223;en, dass sich das abzeichnende Liquidit&#228;tsproblem auch auf negative &#220;bertreibungen in den Finanzm&#228;rkte zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Als Folge asymmetrischer Informationen und Unsicherheit &#252;ber zuk&#252;nftige Entwicklungen greifen die Marktteilnehmer zu teils harschen Ma&#223;nahmen. Sie verhalten sich damit wie &#196;rzte. </p>
<p>Folgendes Bild illustriert dies: Wird ein Mensch mit offensichtlich hohem Alkoholisierungsgrad aufgefunden, so wird zu dessen eigener Sicherheit ein Brechreiz ausgel&#246;st, um die Gifte im Magen schnell zu entleeren. Nichts anderes l&#228;sst sich an den Finanzm&#228;rkte beobachten, wobei die sprunghaft steigenden Finanzierungskosten den „Brechreiz“ ausl&#246;sen sollen.</p>
<p><strong>Wie lassen sich die Probleme l&#246;sen?</strong></p>
<p>Die Krise der griechischen Staatsfinanzen kann nur nachhaltig &#252;berwunden werden, wenn die Probleme an der Wurzel angegangen werden. Die Krankheitsursache muss im Fokus stehen, nicht die Symptome. Die bisherigen Diskussionen von direkten Finanzhilfen &#252;ber B&#252;rgschaften bis hin zu strengerer Regulierung verdeutlichen, wie wenig Aufkl&#228;rungsinteresse die Staats- und Regierungschefs wirklich haben. Die Behandlungsfehler der staatlichen EZB d&#252;rfen nicht l&#228;nger von den Chef&#228;rzten in den Mitgliedsstaaten wie Sarkozy und Merkel vertuscht werden. Nur so kann die EZB auf den Pfad der Tugend in Form einer restriktiven Geldpolitik zur&#252;ckfinden.</p>
<p>Betrunkenen gibt man nicht einfach ein Kopfschmerzmittel und eine kostenlose Taxifahrt zum n&#228;chsten Wirtshaus. Deshalb ist ein Europ&#228;ischer W&#228;hrungsfonds die falsche Antwort.</p>
<p><em>Steffen Rutter ist Referent f&#252;r Finanzm&#228;rkte der FDP-Bundestagsfraktion.</em>
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		</item>
		<item>
		<title>Endstation Medien: Wo die HRE-Aufkl&#228;rung stecken blieb</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 14:26:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hypo Real Estate]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Medien haben &#252;ber den HRE-Ausschuss nicht immer &#252;berzeugend unabh&#228;ngig und teilweise inhaltlich falsch berichtet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c629af5f9612d22bb3463c657c461f" alt="" width="1" height="1" />Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Aufkl&#228;rung des Falls Hypo Real Estate (HRE) wird am 18. September 2009 seinen abschlie&#223;enden Sachstandsbericht vorlegen. Nach rund f&#252;nf Monaten intensiver Aktenanalysen und mehr als 125 Stunden Zeugenbefragung werden der interessierten &#214;ffentlichkeit erste belastbare Aufkl&#228;rungsergebnisse pr&#228;sentiert. Doch wird es &#252;ber die blo&#223;e Vorstellung dieser Erkenntnisse hinausgehen?</p>
<p>Michael Hanfeld hat in seinem investigativen Artikel „<a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc%7EE8797BE618D894D14A91231895AE0DAAA%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">Sag mir, wo die Geb&#252;hren sind</a>&#8221; aufgedeckt, dass der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk unbesichert rund 216 Millionen Euro an GEZ-Geb&#252;hren und Altersvorsorgegelder bei der HRE investiert hatte. Wenn WDR und BR gegen&#252;ber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf die deutsche Einlagensicherung hinweisen, ignorieren sie bestenfalls die Ergebnisse des Untersuchungsausschusses. Eine Insolvenz der HRE h&#228;tte n&#228;mlich zu einem Zusammenbrechen dieser Sicherungsinstitution der privaten Kreditwirtschaft gef&#252;hrt. Als Folge w&#228;ren die spekulativ angelegten GEZ-Geb&#252;hren fast vollst&#228;ndig verloren. Mit der staatlichen St&#252;tzung der HRE wurden dem &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk somit erhebliche Spekulationsverluste erspart. Wie kritisch geht schon der Gerettete mit seinem Retter ins Gericht?</p>
<p>Joachim Peter war mit seinem Artikel „<a href="http://www.welt.de/die-welt/article4135762/Der-unangenehme-Weg-der-Banker-in-den-Zeugenstand.html">Der unangenehme Weg der Banker in den Zeugenstand</a>&#8221; einer der wenigen kritischen Journalisten, die das – nennen wir es ‚selbstbewusste&#8217; – Verhalten von f&#252;hrenden Vertretern der Finanzindustrie gegen&#252;ber dem deutschen Parlament &#246;ffentlich gemacht haben. Die privaten Urlaubsplanungen waren Dank des sozialdemokratischen Ausschussvorsitzenden Hans-Ulrich Kr&#252;gers ma&#223;geblich f&#252;r die Terminierung der Zeugenvernehmung so einiger Manager. Ein eigenartiges Selbstverst&#228;ndnis der jeweiligen Personen und des Parlamentes gleicherma&#223;en. Doch dieser Bericht in der Zeitung Welt war einer der wenigen kritischen Begleitberichte &#252;ber Vertreter der Finanzwirtschaft im Untersuchungsausschuss. Vor allem f&#252;r Printmedien mit klarem Fokus auf den Finanzmarkt &#8211; und entsprechenden Anzeigenkunden &#8211; galt scheinbar immer wieder die Devise „Anzeige vor Nachricht&#8221;. Die Wirtschaftskrise l&#228;sst gr&#252;&#223;en. Unvergessen ist vor diesem Hintergrund vor allem der Kommentar von Robert Landgraf „<a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/koepfe/der-unterschaetzte-krisenmanager;2443086">Der untersch&#228;tzte Krisenmanager</a>&#8221; &#252;ber den Vorstandsvorsitzenden der HRE Dr. Axel Wieandt. Ein einlullendes Empfehlungsschreiben der Finanzzeitung Handelsblatt. Kaum eine Woche sp&#228;ter findet Michael Br&#246;cker in der unabh&#228;ngigen Rheinischen Post zur Realit&#228;t zur&#252;ck. In „<a href="http://www.rp-online.de/public/article/wirtschaft/news/747182/Bankaufsicht-attackiert-HRE-Chef.html">Bankenaufsicht attackiert HRE-Chef</a>&#8221; wird darauf hingewiesen, dass „[d]ie oberste Aufsichtsbeh&#246;rde der deutschen Banken [..] den aktuellen Vorstand der maroden Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) offenbar f&#252;r unf&#228;hig [h&#228;lt]&#8220;. Eine gr&#246;&#223;ere Diskrepanz zwischen Meinung und Fakten kann es nicht geben. Wie kritisch hinterfragt schon der Anzeigennehmer die jeweiligen Interessen seines Anzeigengebers?</p>
<p>Man braucht keine guten Journalisten, um eine gewisse Skepsis gegen&#252;ber der Neutralit&#228;t der Berichterstattung von Medien zu entwickeln, die wesentlich der SPD-eigenen <a href="http://www.ddvg.de/wirueberuns/unserebeteiligungen/">Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft</a> (DDVG) zuzurechnen sind. Mindestens zu erwarten, wenn nicht gar zu planen, war daher ein Artikel wie Markus Sievers&#8217; „<a href="http://www.fr-online.de/top_news/?em_cnt=1891800&amp;">Nach dem Bankenbeben</a>&#8220;. Stellt der Autor der Frankfurter Rundschau doch treu auf SPD-Linie fest: „F&#252;r [..] Mutma&#223;ungen haben die Anh&#246;rungen im Parlament keine Beweise gebracht.&#8221; Wie kritisch begehrt das Objekt schon gegen seinen Eigent&#252;mer auf?</p>
<p><strong>Manchmal liegen die vier Gewalten in der Bundesrepublik sprichw&#246;rtlich in einem Bett.</strong> Pers&#246;nliche Verbindungen zwischen Journalisten und Politikern kennt man sp&#228;testens seit der Kanzlergattin a.D. Doris Schr&#246;der-K&#246;pf. Der Berliner Ger&#252;chtek&#252;che &#8211; und nicht mehr &#8211; folgend kann daher niemand dem Leiter der Parlamentsredaktion der S&#252;ddeutschen Zeitung ver&#252;beln, investigativen Journalismus gegen&#252;ber der Obfrau der SPD im Untersuchungsausschuss auch einmal etwas weiter auszulegen. Wenn Claus Hulverscheidt von eben dieser Zeitung aber parlamentarische Aufkl&#228;rungsarbeit als „<a href="http://www.sueddeutsche.de/finanzen/333/484766/text/">Das Wahlkampf-Instrument</a>&#8221; abkanzelt, verbleibt bei dem einen oder anderen Beobachter der Szene ein fader Beigeschmack. Wer tr&#228;gt ‚familieninterne Kritik&#8217; schon &#246;ffentlich aus?</p>
<p>Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: mir ist durchaus bewusst, dass Journalisten bei ihrer Arbeit nicht die Zeit von Denkmalpflegern oder Arch&#228;ologen haben. Das rechtfertigt aber nicht, wenn man auf falschen Eindr&#252;cken radikale Urteile f&#228;llt. So ist es exemplarisch dem Zeit-Autor Mark Schieritz in seinem Kommentar „<a href="http://www.zeit.de/online/2009/32/hre-untersuchungsauschuss">Der HRE-Ausschuss hat versagt</a>&#8221; ergangen. Es ist eine Sache, wenn der Autor vom Untersuchungsausschuss Aufkl&#228;rung in Dingen erwartet, die laut dem einschl&#228;gigen Gesetz &#252;ber parlamentarische Untersuchungsausschl&#252;sse &#252;berhaupt nicht m&#246;glich sind. Dies l&#228;sst sich noch als anekdotische Evidenz f&#252;r das journalistische Unverst&#228;ndnis &#252;ber Sinn und Zweck derartiger Kontrollgremien verstehen. Fachlich unertr&#228;glich ist aber, wenn Mark Schieritz der Opposition Skandal-Mache mit der Unterstellung vorwirft, „[d]ie Deutsche Bank kassiere Zinsen f&#252;r die Garantien, die sie an die HRE vergibt&#8221;. Es gibt keine derartigen Garantien. Das hat auch nie ein Vertreter der Opposition behauptet. Es gibt Darlehen. Schon ein schneller Blick in Wikipedia kann hier Aufkl&#228;rung &#252;ber den fundamentalen Unterschied liefern. V&#246;llig verzweifelt frage ich daher: Wie kann jemand urteilen, f&#252;r den Sorgfalt und Fakten l&#228;ngst vergessene Tugenden zu sein scheinen?</p>
<p>Diese Beispiele der journalistischen Begleitung des Untersuchungsausschusses zur HRE rufen Otto von Bismarck in Erinnerung: „Die Presse ist f&#252;r mich Druckerschw&#228;rze auf Papier.&#8221; Wir brauchen daher eine neue Mediendebatte &#252;ber Unabh&#228;ngigkeit, Qualit&#228;t und Objektivit&#228;t der 4. Gewalt.</p>
<p><em>Disclaimer: Steffen Rutter ist Referent f&#252;r Wirtschaft und SoFFin bei der FDP-Bundestagsfraktion und f&#252;r den Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14989&amp;md5=8c44956635f807905a09967c7fa8b7c5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Opel: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende</title>
		<link>http://carta.info/13991/opel-lieber-ein-ende-mit-schrecken-als-ein-schrecken-ohne-ende/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 11:27:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bundesregierung]]></category>
		<category><![CDATA[Opel]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei den Rettungsbem&#252;hungen um Opel ignoriert die Bundesregierung die Entscheidung der Verbraucher. Opel erweist sich als Verbrennungsmotor f&#252;r Steuergelder.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bb8c08a9ef57a8644bda24e10179de" alt="" width="1" height="1" />„Ein unpers&#246;nlicher Markt trennt wirtschaftliche Aktivit&#228;ten von politischen Ansichten und sch&#252;tzt zugleich den Einzelnen vor Diskriminierung infolge von Gr&#252;nden, die mit seiner individuellen Produktivit&#228;t nichts zu tun haben.“ Dieser These Milton Friedmans folgend, lassen sich die t&#228;glichen Kaufentscheidungen unz&#228;hliger deutscher Verbraucher als eine basisdemokratische, von politischen Sonderinteressen befreite Aussage auffassen, was in unserem Lande gebraucht wird und gew&#252;nscht ist. Der kalte anonyme Markt gibt der Politik somit ein wichtiges Orientierungssignal.</p>
<p><strong>F&#252;r die Rettungsbem&#252;hungen um die Adam Opel GmbH wird dieses Orientierungssignal nunmehr zu einem roten Stoppschild</strong>. Seit zehn Jahren f&#228;llt das Unternehmen kontinuierlich in der Gunst der Menschen in Deutschland zur&#252;ck. Der relative Marktanteil derartiger Automobile in Europa liegt nach Angaben der Bundesregierung mit 7,9 Prozent sogar noch unter den 8,4 Prozent in der Bundesrepublik. Die Anzahl verkaufter Fahrzeuge hat sich binnen zehn Jahren von rund 522.000 St&#252;ck auf etwa 258.000 St&#252;ck mehr als halbiert. Es ist nicht sinnvoll, mit Steuerzahlergeld Brieftauben zu z&#252;chten, wenn die Steuerzahler Mobiltelefone kaufen.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-14008" title="opel_marktanteile" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/opel_marktanteile.png" alt="opel_marktanteile" width="494" height="267" /></p>
<p>Nach Angaben der Bundesregierung hat die Adam Opel GmbH seit dem Jahr 2003 kontinuierlich Verluste von insgesamt etwa zwei Milliarden Euro eingefahren (2003: -646; 2004: -69; 2005: -68; 2006: -716; 2007: -362; 2008: Verlust noch verdunkelt; Angaben in Millionen Euro). In diesem Zeitraum wurden also pro Tag mehr als eine Millionen Euro sprichw&#246;rtlich durch den Auspuff gejagt. So etwas kannte man sonst vor allem bei Volkseigenen Betrieben der DDR.</p>
<p>Das Wort &#8220;Verbrennungsmotor&#8221; bekommt am Beispiel Opel also eine ganz neue Bedeutung. Mit der Abwrackpr&#228;mie hat die Bundesregierung bei dieser Wertverbrennung noch einen Scheit nachgelegt. Die bislang rund 52.000 Abwrackpr&#228;mien-Antr&#228;ge f&#252;r Automobile der Marke Opel entsprechen etwa 30 Prozent aller Neuzulassungen dieses Herstellers im Jahr 2009. Fast jeder dritte neue Opel rollt also mit Subventionen von insgesamt rund 130 Millionen Euro.</p>
<p>Damit nicht genug. Im Rahmen der Rettungsbem&#252;hungen hat die Adam Opel GmbH quasi in letzter Sekunde einen staatlichen &#220;berbr&#252;ckungskredit in H&#246;he von insgesamt 1.5 Milliarden Euro erhalten. Kein Kreditinstitut und kein privater Investor waren zum gegebenen Zeitpunkt bereit, sich an einer derart risikoreichen Zwischenfinanzierung zu beteiligen. <strong>Die m&#252;ssen ja schlie&#223;lich mit ihrem eigenen Geld haushalten.</strong></p>
<p>Wieder einmal hat die Bundesregierung eine inkonsistente und durch Aktionismus gezeichnete Wirtschaftspolitik fortgesetzt. Dies verdeutlicht nicht zuletzt ein Blick auf die &#246;ffentliche Beschaffung von Institutionen des Bundes in der laufenden Legislaturperiode:</p>
<table border="1" frame="box">
<caption><strong>Beschaffungsvolumen Automobile Marke &#8216;Opel&#8217; &#8211; Institutionen des Bundes</strong></caption>
<tbody></tbody>
<tbody>
<tr>
<td>in TEuro; exkl. MwSt.</td>
<th>2005</th>
<th>2006</th>
<th>2007</th>
<th>2008</th>
<th>’06 zu ’08</th>
</tr>
<tr>
<td>GB BMWi</td>
<td>0</td>
<td>12</td>
<td>0</td>
<td>15</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMF</td>
<td>3.754</td>
<td>8.947</td>
<td>6.165</td>
<td>4.873</td>
</tr>
<tr>
<td>BMBF</td>
<td>0</td>
<td>0</td>
<td>15</td>
<td>0</td>
</tr>
<tr>
<td>BMI</td>
<td>0</td>
<td>0</td>
<td>25</td>
<td>0</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMI</td>
<td>30</td>
<td>129</td>
<td>499</td>
<td>83</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMFSFJ</td>
<td>15</td>
<td>13</td>
<td>14</td>
<td>168</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMELV</td>
<td>0</td>
<td>22</td>
<td>15</td>
<td>14</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMVBS</td>
<td>462</td>
<td>1.095</td>
<td>706</td>
<td>953</td>
</tr>
<tr>
<td>GB BMVg</td>
<td>31.683</td>
<td>46.412</td>
<td>24.104</td>
<td>8.594</td>
</tr>
<tr>
<td></td>
<td><strong>35.944</strong></td>
<td><strong>56.630</strong></td>
<td><strong>31.543</strong></td>
<td><strong>14.700</strong></td>
<td><strong><span style="color: #ff0000;">-74,04 %</span></strong></td>
</tr>
<tr>
<td>GB = Gesch&#228;ftsbereich</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Das staatliche Beschaffungsvolumen von Automobilen der Markte Opel wurde zun&#228;chst im allgemeinen Boomjahr 2006 massiv erh&#246;ht, um dann zeitgleich mit der Umsatzsteuererh&#246;hung im Jahr 2007 pro-zyklisch und krisenversch&#228;rfend zusammengek&#252;rzt zu werden. Letztlich ist diese R&#252;ckf&#252;hrung der Beschaffung genau in dem Zeitraum passiert, wo der Automobilabsatz in Deutschland schon unter Druck geraten war. Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie (VDA) sind die Neuzulassungen zwischen 2006 und 2008 von 3.467.961 auf 3.090.040 St&#252;ck zur&#252;ckgegangen. Das sind etwa elf Prozent. Wo staatliche Institutionen durch stetige Beschaffungsvorhaben eine Sockelauslastung h&#228;tten sichern k&#246;nnen, wurde Politik nach Kassenlage gemacht.</p>
<p>Es w&#228;re an der Zeit, den Opel-Irrsinn zu stoppen. Wie hei&#223;t es so sch&#246;n: Irren ist menschlich &#8211; aber wenn du den Radiergummi vor dem Bleistift aufbrauchst, &#252;bertreibst du.
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		<item>
		<title>Deutschland wiederbeleben: verl&#228;ssliche Preise durch atmende Mehrwertsteuer</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 16:22:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Glosse: Babynahrung 19 Prozent – Tiernahrung 7 Prozent: Steffen Rutter fordert ein Ende der "umsatzpolitischen Irrfahrt" mit Hilfe einer "atmenden Mehrwersteuer". Tagesaktuell angepasste Steuers&#228;tze sollen f&#252;r stabile Preise, mehr Steuergerechtigkeit und eine "Aufl&#246;sung des Willk&#252;r-Paradigmas" sorgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a5599bcf386a3b9e7383cabc8a7a85" alt="" width="1" height="1" />Der Basar f&#252;r Mehrwertsteuers&#228;tze ist dank Sommerzeit gegenw&#228;rtig geschlossen. Doch bald werden die Marktschreiber ihre fauligen Angebote wieder unter das Volk bringen. Es wird daher Zeit, <strong>zivilisierte Alternativen f&#252;r die indirekte Steuer</strong> zu erw&#228;gen.</p>
<p>Das bestehende Umsatzsteuersystem in der Bundesrepublik ist undurchsichtig, inkonsistent, in sich widerspr&#252;chlich und l&#228;sst den Verdacht einer sozialpolitischen Willk&#252;r aufkommen. Daf&#252;r zeugen schon die skurrilen Praxisbeispiele f&#252;r die umsatzsteuerpolitische Irrfahrt:</p>
<ul>
<li>Babynahrung: 	19 Prozent – Tiernahrung: 		7 Prozent</li>
<li>Hummer: 		19 Prozent – 	Garnelen: 		7 Prozent</li>
<li>Wildschweine: 	19 Prozent – 	Hausschweine: 	7 Prozent</li>
</ul>
<p>Postdienstleistungen der Deutschen Post AG sind umsatzsteuerbefreit, die gleichen Leistungen der Konkurrenz unterliegen aber 19 Prozent Umsatzsteuer. Hier werden indirekte Steuern gar zur Verteidigung eines Monopols missbraucht.</p>
<p>Aber auch ganz grunds&#228;tzlich ist das deutsche Umsatzsteuerregime reformbed&#252;rftig. Statische oder feste Umsatzsteueraufschl&#228;ge verst&#228;rken pro-zyklisch die Belastungswirkungen steigender Preise f&#252;r Unternehmen und Privatpersonen zu Gunsten der Steuereinnahmen der &#246;ffentlichen Hand. 19 Prozent auf 100 Euro sind eben weniger als 19 Prozent auf 120 Euro.</p>
<div id="attachment_12211" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/slavers/3520367895/"><img class="size-medium wp-image-12211" style="margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" title="preise" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/07/preise-300x199.jpg" alt="preise" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Atmende Mehrwertsteuer: Fixe Bruttopreise dank tagesaktueller Umsatzsteuergestaltung</p></div>
<p>Zahlreiche G&#252;ter unterliegen an sich einer ausgepr&#228;gten Preisvarianz, wobei sich das Marktpreisniveau mittelfristig oftmals sinusartig nach oben oder unten entwickelt. Unternehmen und Privatpersonen k&#246;nnen sich oftmals nicht rechtzeitig auf die – steigende oder fallende – Marktpreisentwicklung einstellen. Produzenten unterliegen daher dem <strong>Schweinezykluseffekt</strong>, der f&#252;r die Unternehmen existenzbedrohend sein kann. Verbraucher sind vor – staatlich mitverursachter – Inflation ver&#228;ngstigt, wobei insbesondere die unteren Einkommensschichten belastet werden.</p>
<p>Staat und Privatwirtschaft versuchen bereits mit ineffizienten und letztlich wirkungslosen  Ma&#223;nahmen wie Mengensteuerungen &#252;ber Quoten, Preisindizierungen (&#214;lpreisbindung), Subventionen oder erm&#228;&#223;igter Mehrwertsteuer dem entgegen zu wirken. Hier wird aber nur an Symptomen herumgedoktert, statt die Ursachen nachhaltig anzugehen.</p>
<p>Ich schlage daher die Einf&#252;hrung eines<strong> Systems der ‚atmenden Mehrwertsteuer</strong>’ vor. Hiernach wird die Umsatzsteuerbelastung dynamisiert, der entsprechende Steuersatz &#228;ndert sich in Abh&#228;ngigkeit vom Nettopreis. Die <strong>Umsatzsteuerbelastung</strong> wird zuk&#252;nftig in einem flexiblen System <strong>tagesaktuell</strong> bestimmt. Ein noch einzusetzendes <strong>Zentralkomitee</strong>, beispielsweise ein Gremium aus Sozialpartnern und dem Bundesministerium f&#252;r Wirtschaft und Technologie, bestimmt einen <strong>fixen Bruttopreis</strong> f&#252;r jedes einzelne Gut mit G&#252;ltigkeit f&#252;r eine bestimmte Zeitperiode. Der Umsatzsteuersatz wird dann automatisch so angepasst, dass Preissteigerungen beim Nettopreis mit sinkenden Umsatzsteuers&#228;tzen kompensiert werden und vice versa.</p>
<p>Aus meiner Sicht &#252;berwiegen die Vorteile dieses Systems der ‚atmenden Mehrwertsteuer’. Dieses innovative, weltweit einmalige Umsatzsteuersystem dient der <strong>St&#228;rkung des Steuerstandorts</strong> Bundesrepublik Deutschland. Vor allem die <strong>Aufl&#246;sung des Willk&#252;rlichkeits-Paradigmas</strong> des bestehenden Umsatzsteuersystems entfaltet positive Effekte zur Gew&#228;hrleistung von Steuergerechtigkeit. Die bisher planwirtschaftliche Festlegung des Umsatzsteuersatzes wird durch Variabilisierung der Steuer &#252;berwunden; der durch Angebot und Nachfrage induzierte Nettopreis bestimmt marktnah den Umsatzsteuertarif.</p>
<p>Mittelfristig ergibt sich eine belastbare Prognostizierbarkeit der Bruttopreise f&#252;r Unternehmen und Verbraucher. Dies &#246;ffnet neue Handlungsm&#246;glichkeiten zum Verzicht auf teure, derivative Spekulationsinstrumente wie etwa Swaps (Hebung volkswirtschaftlicher Effizienzpotentiale). Die <strong>Transaktionskosten sinken</strong> perspektivisch. Ferner dient die ‚atmende Mehrwertsteuer’ der <strong>Entsch&#228;rfung des Inflationsdrucks</strong> f&#252;r Verbraucher durch Bereinigung staatlicher Inflationseffekte.</p>
<p>Vor dem Hintergrund der ausufernden Staatsverschuldung erm&#246;glicht die ‚atmende Mehrwertsteuer’ die Erwirtschaftung zus&#228;tzlicher fiskalischer Effekte bei sinkendem Nettopreisniveau. Einerseits lie&#223;e sich hierdurch die Haushaltskonsolidierung erreichen, andererseits werden Gestaltungsm&#246;glichkeiten f&#252;r die Schaffung von Zukunftsinnovationen in Familien, Bildung und Forschung neu geschaffen. Verbraucher und Unternehmen sind ja an das fixierten Bruttopreisniveau gew&#246;hnt, daher w&#252;rde der steigende Mehrwertsteueranteil absch&#246;pfbar sein.</p>
<p>Letztlich w&#252;rde dieses neue Mehrwertsteuersystem den Abbau systembedingter &#220;berbesch&#228;ftigung in Bundes- respektive Landesbeh&#246;rden zur Ermittlung, Eintreibung und Kontrolle der heute unverst&#228;ndlichen Umsatzsteuersystematik nach sich ziehen. Auch dies wirkt haushaltsentlastend.</p>
<p><strong>Nachteile der ‚atmenden Mehrwertsteuer’ sehe ich lediglich darin, dass mein Modell vom tradierten Preis- und Steuermodellen abweicht.</strong>
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		<item>
		<title>Regierungskoalition im „totalen Krieg“ mit Altautos!</title>
		<link>http://carta.info/10002/regierungskoalition-im-totalen-krieg-mit-altautos/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 May 2009 15:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern abend gegen 20.00 Uhr hat der Deutsche Bundestag die Abwrackpr&#228;mie auf 5,7 Milliarden Euro erh&#246;ht. Statt dringend ben&#246;tigter, nachhaltiger Strukturreformen zur L&#246;sung von Entwicklungsbremsen setzt die Gro&#223;e Koalition ihre inkonsistente und durch Aktionismus gekennzeichnete Wirtschaftspolitik fort. Denn gegen die Abwrackpr&#228;mie lassen sich zahlreiche Argumente vorbringen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/837f2a26b429aab5e4bd3c31f1c56b" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen f&#252;r den Industriestandort Deutschland haben sich seit 2005 sp&#252;rbar verschlechtert. Insbesondere der deutsche Automobilsektor ist von der seit Anfang 2007 geltenden, um drei Prozentpunkte erh&#246;hten Umsatzsteuer erheblich betroffen. Dies verteuert nicht nur die Anschaffung von privaten Neu- und Gebrauchtwagen, sondern ebenso Reparaturen, Fahrzeugaufwertungen und Betriebsmittel wie Benzin und Diesel. Der <strong>Besitz und Betrieb eines privaten Kraftfahrzeugs</strong> ist dadurch erheblich <strong>unattraktiver geworden</strong>. Mit der aktionistischen Biokraftstoffpolitik der Bundesregierung wurden Verbraucher zus&#228;tzlich verunsichert. Das Teilsegment &#8220;Lastkraftwagen&#8221; ist in Deutschland nicht zu letzt durch die Erh&#246;hung der Maut negativ betroffen. Der Absatz von Bussen ist ohnehin in erheblichem Umfang durch die &#246;ffentliche Beschaffungsnachfrage gepr&#228;gt, die scheinbar ausbauf&#228;hig ist. Die Politik der Gro&#223;en Koalition hat somit, wenn nicht bei der Entstehung, so doch bei der Auspr&#228;gung der gegenw&#228;rtigen Branchenkrise erheblich beigetragen.</p>
<p>Statt dringend ben&#246;tigter, nachhaltiger <strong>Strukturreformen zur L&#246;sung von Entwicklungsbremsen</strong>, setzt die Bundesregierung einseitig auf kurzfristigen Aktionismus. Mit der diesbez&#252;glich eingef&#252;hrten und am 28. Mai des Jahres ausgeweiteten Abwrackpr&#228;mie werden die Ursachen der gegenw&#228;rtigen Krise nicht angegangen. Durch die Abwrackpr&#228;mie wird vielmehr ein <strong>staatlicher Anreiz zur Vernichtung volkswirtschaftlichen Verm&#246;gens</strong> gesetzt. Die hierf&#252;r bereitgestellten Mittel sind von bislang 1,5 Milliarden Euro auf nun 5,7 Milliarden Euro einschlie&#223;lich Zinsausgaben aufgestockt worden. Bis zu zwei Millionen funktionst&#252;chtige Automobile lassen sich durch diese staatliche Ma&#223;nahme vernichten. Bislang sind etwa 1,4 Millionen Antr&#228;ge gestellt worden.</p>
<p>&#214;konomisch unsinnig und &#246;kologisch fragw&#252;rdig setzt die Gro&#223;e Koalition ihre <strong>inkonsistente und durch Aktionismus gekennzeichnete Wirtschaftspolitik</strong> fort. Denn gegen die Abwrackpr&#228;mie lassen sich zahlreiche Argumente vorbringen:</p>
<ul>
<li>Sie begr&#252;ndet erhebliche <strong>Wettbewerbsverzerrungen</strong> innerhalb des Automobilsektors und zwischen verschiedenen Wirtschaftssektoren. Die bislang verf&#252;gbaren Antragsstatistiken verdeutlichen erhebliche Marktanteilsverschiebungen zu Gunsten wertsch&#246;pfungsflacher Kleinwagenhersteller und zu Lasten wertsch&#246;pfungstiefer Premiumhersteller. Auch zwischen verschiedenen Sektoren kommt es zu sp&#252;rbaren Verzerrungen. Die Anschaffung hochwertiger, langlebiger Konsumg&#252;ter wird oftmals zur&#252;ckgestellt, um staatlich subventionierte Automobilanschaffungen vorzuziehen. Durch diese Substitutionseffekte wird die Wirtschaftskrise f&#252;r andere Wirtschaftssektoren noch versch&#228;rft. Die Bundesregierung spielt somit verschiedene Berufsgruppen gegeneinander aus.</li>
</ul>
<ul>
<li>Sie verursacht erhebliche <strong>Vorzieheffekte</strong>, wodurch perspektivisch Nachfrageausf&#228;lle im Binnenmarkt nach der Bundestagswahl erwartbar sind. Die dann notwendigen Anpassungsma&#223;nahmen bei Herstellern, H&#228;ndlern und Werkst&#228;tten werden die Unternehmen langfristig belasten. Von einer &#8220;Br&#252;ckenfunktion&#8221; der Abwrackpr&#228;mie kann schon deshalb nicht ausgegangen werden, weil wichtige Exportl&#228;nder bereits eigene konjunkturelle Programme zum Abverkauf von Automobilen aufgelegt haben. So beispielsweise: England (seit April 2.000 Pfund Abwrackpr&#228;mie f&#252;r ein &#252;ber 10 Jahre altes Auto), Frankreich (seit Ende 2008 1.000 Euro Abwrackpr&#228;mie), Japan (1.900 Euro Abwrackpr&#228;mie f&#252;r ein &#252;ber 13 Jahre altes Auto), Indien (Senkung der Mehrwertsteuer), Russland (staatliche Kredite f&#252;r den Fahrzeugkauf bis 8.000 Euro).</li>
</ul>
<div id="attachment_10040" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3386538183_5a42d22ac81.jpg"><img class="size-medium wp-image-10040" title="3386538183_5a42d22ac81" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3386538183_5a42d22ac81-300x193.jpg" alt="xxxxx" width="300" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Die Kosten der Abwrackpr&#228;mie tragen nicht nur die Steuerzahler.</p></div>
<p>Der dringend notwendige <strong>Strukturwandel wird gebremst</strong> und dadurch die <strong>nachhaltige Sicherung wettbewerbsf&#228;higer Arbeitspl&#228;tze verhindert</strong>. Vor allem f&#252;r freie, mittelst&#228;ndische KfZ-Werkst&#228;tten sind massive Auftragsr&#252;ckg&#228;nge in den kommenden Jahren prognostiziert.</p>
<ul>
<li>Sie verursacht erhebliche Mitnahmeeffekte, welche die Wirkung des Instruments einschr&#228;nken und den Haushalt mit bis zu 2,6 Milliarden Euro netto belasten. Dies geht aus Berechnungen des renommierten Instituts f&#252;r Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor, wonach bei etwa 75 Prozent aller abwrackpr&#228;miengest&#252;tzten Fahrzeugk&#228;ufen derartige <strong>Steuergeldverschwendungen</strong> eintreten. Konjunkturwirksame Multiplikator- und Acceleratoreffekte w&#252;rden sich durch nachhaltige Investitionen in Infrastrukturen sowie eine St&#228;rkung des Wissenschaftsstandorts ergeben.</li>
</ul>
<ul>
<li> Sie sch&#228;digt den Sekund&#228;rmarkt f&#252;r Fahrzeuge mit Betriebszeiten zwischen zwei und acht Jahren. Die <strong>Binnennachfrage nach Gebrauchtwagen</strong> wird durch die Abwrackpr&#228;mie <strong>k&#252;nstlich gesenkt</strong>, was in Teilbereichen zu sinkenden Verkehrswerten f&#252;hrt. Dieser Verfall der Restwerte kann kurzfristig die Finanz- und Ertragslage von Leasing-Gesellschaften erheblich eintr&#252;ben und mittelfristig zu insgesamt h&#246;heren Leasingraten bei Neuwagen f&#252;hren.</li>
</ul>
<p>Letztlich geht mit diesem Verkehrswertverfall ein <strong>Verm&#246;gensschaden f&#252;r den &#252;berwiegenden Teil von Fahrzeughaltern</strong> einher. Die Kosten der Abwrackpr&#228;mie tragen nicht nur die Steuerzahler.</p>
<ul>
<li>Sie weist auch weiterhin ein erhebliches <strong>Missbrauchspotential zur Erschleichung dieser staatlichen Subventionen</strong> auf. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Antragsteller einen Neuwagen erwirbt, ihn zul&#228;sst und die Abwrackpr&#228;mie beantragt, ihn anschlie&#223;end dem H&#228;ndler wieder ver&#228;u&#223;ert und letztlich als Gebrauchtwagen erneut kauft.</li>
</ul>
<ul>
<li> Sie birgt Gefahren f&#252;r Geringverdiener, denn sie kann zu unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Erwerbungen verf&#252;hren. Die staatlichen Subventionen k&#246;nnen die Verbrauchersouver&#228;nit&#228;t dadurch eintr&#252;ben, dass rationale Abw&#228;gungen unterminiert werden. Die gegebenenfalls &#252;ber Ratenzahlungen erfolgte Anschaffung zieht erhebliche Folgekosten beim Betrieb von Fahrzeugen nach sich. Die <strong>Gefahr steigender Privatinsolvenzen</strong> kann nicht ausgeschlossen werden.</li>
</ul>
<ul>
<li> <strong>Sie steht den umweltpolitischen Zielsetzungen der Bundesrepublik entgegen</strong>. Der technische Fortschritt im Automobilsektor hat sich in den letzten Jahren tendenziell weniger in reduziertem Treibstoffverbrauch niedergeschlagen, als vielmehr in besserer Ausstattung und entsprechend h&#246;herem Gewicht. Zudem wird die Umwelt auch durch die Produktion der neu verkauften Fahrzeuge belastet. F&#252;r die Umwelt kommt daher nichts dabei heraus.</li>
</ul>
<ul>
<li> <strong>Sie steht der entwicklungspolitisch gebotenen Intensivierung des internationalen Handels zwischen Industrie- und Schwellenl&#228;ndern entgegen</strong>. Nach Berechnungen des renommierten Wirtschaftsforschungsinstituts CESifo wurden 2006 mehr als 500.000 funktionst&#252;chtige Gebrauchtwagen nach Afrika, Osteuropa und Zentralasien ausgef&#252;hrt und dadurch rund sechs Milliarden Euro Handelserl&#246;se erwirtschaftet. Mit der Abwrackpr&#228;mie sollen nun 5,7 Milliarden Euro daf&#252;r ausgeben, einen Teil dieser Exporterl&#246;se zu vernichten und die Automobile stattdessen zu verschrotten.</li>
</ul>
<p>Nicht nur Importeure und Logistiker sind durch diesen <strong>staatlich verursachten Angebotsr&#252;ckgang</strong> negativ betroffen. Der Zugang zu sicheren und leistungsf&#228;higen Gebrauchtwagen als Grundlage f&#252;r die private und gewerbliche Lebensf&#252;hrung in Entwicklungs- und Transformationsl&#228;ndern wird k&#252;nstlich erschwert. Dies sch&#228;digt die langfristige wirtschaftliche Entwicklung dieser L&#228;nder.</p>
<p>Da au&#223;erdem bei der Ausfuhr die Eigentumsverh&#228;ltnisse an einem Fahrzeug durch die Zollverwaltung entsprechend dem europ&#228;ischen Zollrecht nicht kontrolliert werden, wird durch die Politik der Bundesregierung ein Anreiz geschaffen, vorgeblich abgewrackte Fahrzeuge ohne das geringste Risiko illegal zu exportieren. Dadurch wird der Wettbewerb im Gebrauchtfahrzeugmarkt weiter verzerrt. Rechtstreue Exporteure haben im Preiswettbewerb mit ihren Konkurrenten das Nachsehen.</p>
<ul>
<li>Sie f&#252;hrt daher zur <strong>Verschwendung von Steuermitteln oder staatlichem Verm&#246;gen</strong>, gef&#228;hrdet dadurch die sozialpolitisch gebotene R&#252;ckf&#252;hrung der Steuer- und Abgabenlast, erschwert eine generationengerechte Haushaltskonsolidierung, engt den Spielraum f&#252;r Zukunftsinvestitionen ein und erodiert letztlich das Vertrauen der B&#252;rger in die freiheitlich-soziale Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik.</li>
</ul>
<p>Mit der Abwrackpr&#228;mie f&#252;hrt die Bundesregierung einen „totalen Krieg“ gegen Altfahrzeuge. Anders l&#228;sst sich dieses staatliche Vernichtungsinstrument jedenfalls kaum mehr erkl&#228;ren. Der einzige Trost, der f&#252;r den Steuerzahler noch bleibt ist, dass mehr Autos von Opel verschrottet als neu gekauft werden. Bislang entfallen etwa 20 Prozent aller abgewrackten Automobile auf Opel, w&#228;hrend der Anteil bei den Erwerbungen nur bei rund elf Prozent liegt. Mein Votum w&#228;re daher, die Abwrackpr&#228;mie einfach so lange auszuweiten, bis kein Opel mehr auf deutschen Stra&#223;en unterwegs ist. Dies w&#228;re wahrlich eine „aktive Sterbehilfe“ f&#252;r ein wohl langfristig nicht rettbares Unternehmen.</p>
<div class="box">Lesen Sie zu diesem Thema auch den Text <a href="http://carta.info/6010/adam-opel-gmbh-sterbehilfe-statt-palliativmedizin/">&#8220;Adam Opel: Lieber Sterbehilfe statt Palliativmedizin&#8221;</a> von Steffen Rutter.</div>
<p><em>Disclaimer: Die hier angegebenen Ausf&#252;hrungen stellen die private Meinung von Steffen Rutter dar und stehen in keinem Bezug zu seiner beruflichen T&#228;tigkeit.</em></p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		<title>Adam Opel: Lieber Sterbehilfe statt Palliativmedizin</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Mar 2009 12:44:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Adam Opel GmbH liegt zum wiederholten Male in der politischen Notaufnahme. Das betriebswirtschaftliche Immunsystem des Unternehmens scheint schon seit Jahren chronisch geschw&#228;cht. Die Erkrankung des Mutterkonzerns – General Motors Corporation – vermag dem heimischen Patienten nun letal zu sch&#228;digen. Braucht Opel jetzt Sterbehilfe oder weitere Palliativmedizin?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/3b0e78a37acc73d5f2e29e83aac475" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die industriepolitische Diagnose f&#252;r Opel ist eine ambivalente: <strong>der Patient scheint seit Jahren unheilbar erkrankt</strong> – man wei&#223; nur nicht genau woran und warum. Seit mehr als einem Jahrzehnt wurden deshalb bereits zahlreiche Behandlungen mit staatlichen Medikamenten ausprobiert. Aus der Patientenakte hei&#223;t es unter „Nummer 192 Schriftliche Frage an die Bundesregierung im Monat Februar 2009“, dass Opel seit etwa zehn Jahren regelm&#228;&#223;ig den Wirkstoff „Subventionen“ erhalten hat. Insgesamt mehr als 6,5 Millionen Euro hat diese Behandlung angabegem&#228;&#223; gekostet. Die Kostenbelege f&#252;r den zus&#228;tzlichen Kuraufenthalt aus der ‚Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur’ sind vorsorglich nicht in der Akte enthalten. <strong>Zu viel Transparenz kann ja auch sch&#228;dlich sein</strong>.</p>
<p>Erst Anfang des Jahres wurde Opel mit einem neuen, schnell wirkenden, aber leider ebenso schnell wieder nachlassenden Behandlungsansatz kurzfristig aufgepeppelt. Die so genannte „Abwrackpr&#228;mie“ sollte dem einschl&#228;gigen Patienten neue Erkenntnisse aus der Palliativmedizin zug&#228;nglich machen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft f&#252;r Palliativmedizin bedeutet dies eine „aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen [und] anderen Krankheitsbeschwerden [..] h&#246;chste Priorit&#228;t besitzt.“ <strong>Allem Anschein nach konnte die staatliche Abwrackpr&#228;mie in der Tat die Tr&#246;pfchenbehandlung mit dem Schmerz stillenden, staatlichen Kurzarbeitergeld zeitweise aussetzen.</strong></p>
<p>Die ganzheitliche Betreuung des Patienten ergibt sich zudem aus den diversen Besuchen vermeintlich politischer Chef- und Ober&#228;rzte. Manch ein freundlicher Quacksalber aus D&#252;sseldorf, Wiesbaden oder Berlin schl&#228;gt dann auch gerne teuere Placebomedizin wie staatliche Beteiligungen, Subventionen, Kredite und B&#252;rgschaften vor. F&#252;r den psychologischen Beistand kamen Steinmeier und Lafontaine vorbei. Man kennt solche unterhaltenden Auftritte ja aus der Clown-Therapie bei der Behandlung von chronisch erkrankten Kindern.<br />
Eine solche Behandlung mit Zuspruch und Seelsorge ist sicher dringend notwendig. Vielleicht l&#228;sst sich so auch wieder etwas davon heilen, dass Opel im Ausland jahrelang unter Decknamen wie Vauxhaull (Gro&#223;britannien) oder Holden (Australien) arbeiten musste. Man h&#228;tte den Patienten vielleicht schon vor Jahren umbenennen sollen. <strong>Vielleicht war ja der Name „Opel“ die Krankheitsursache?</strong></p>
<p>Vielleicht aber auch die durch den Wettbewerb verursachte &#220;beranstrengung. <strong>Wie alle Konkurrenten war Opel in den letzten Jahren immer bereit, etwas mehr zu machen, als eigentlich ben&#246;tigt wurde.</strong> Seit Jahren scheinen sich die Spezialisten in den unterschiedlichen wirtschaftsmedizinischen Laboren dar&#252;ber einig zu sein, dass in Europa einschl&#228;gige &#220;berkapazit&#228;ten von mindestens 20 Prozent bestehen. Dies hat zuletzt der Gesundheitsbeauftragte f&#252;r industriepolitische Fragen der Europ&#228;ischen Kommission G&#252;nter Verheugen best&#228;tigt. Es ist daher dringend <strong>an der Zeit, grundlegende Entscheidungen zu treffen.</strong> Das Krankenbett des Palliativpatienten Opel k&#246;nnte schon bald ein anderer, vielleicht wirklich heilbarer Patient ben&#246;tigen.</p>
<p>Im Grunde bestehen f&#252;r die behandelnden &#196;rzte <strong>wenig Handlungsalternativen</strong>. Die Hinterbliebenen von Nokia (2.300 Besch&#228;ftigte, Bochum) und BenQ (1.800 Besch&#228;ftigte, Kamp-Lintfort) werden genau darauf achten, welche Ma&#223;nahmen der Patient Opel (5.000 Besch&#228;ftigte, Bochum) noch erhalten wird. Allein um Klagen &#252;ber m&#246;gliche Behandlungsfehler bei Nokia und BenQ zu vermeiden, bietet sich nach all den Jahren die Einstellung der laufenden Palliativmedizin an. <strong>Vielleicht sollte man die unvermeidlichen Geschehnisse nicht l&#228;nger verz&#246;gern.</strong> Die Gesundheitsbeauftragten aus den Wirtschaftsministerien in Bund und L&#228;nder k&#246;nnten vielmehr staatliche Nullzins-Kredite an solche Interessenten geben, welche die bestehenden Werke in ihre Verantwortung &#252;bernehmen wollen. Es geht um die Sicherung von Arbeitspl&#228;tzen, nicht um die von Unternehmen. Aber Deutschland ist (noch) kein Land der Sterbehilfe.</p>
<p>Disclaimer: Die hier angegebenen Ausf&#252;hrungen stellen die private Meinung von Steffen Rutter dar und stehen in keinem Bezug zu seiner beruflichen T&#228;tigkeit.</p>
<p>Zur Opel-Thematik siehe auch <a href="http://carta.info/5421/hinter-dem-rubikon-liegt-ruesselsheim/">dieser Carta-Beitrag</a> von Hans Bellstedt.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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<a href="http://carta.info/6010/adam-opel-gmbh-sterbehilfe-statt-palliativmedizin/">Adam Opel: Lieber Sterbehilfe statt Palliativmedizin</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/6010/adam-opel-gmbh-sterbehilfe-statt-palliativmedizin/#comments">4 comments</a>
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