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	<title>CARTA &#187; Severin Fischer</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Klimapolitik nach Hans-Werner Sinn: nicht ausreichend</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Dec 2009 12:11:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutschlands wirtschaftstheoretischer &#220;bervater Hans-Werner Sinn erkl&#228;rte am Freitag in der FAZ die „paradoxe“ Umweltpolitik Deutschlands. Als Volkswirt hat Sinn seine Hausaufgaben gemacht. Doch er &#252;bersieht die Notwendigkeit politischer Steuerung, die die Marktintegration neuer Technologien unterst&#252;tzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/47dc3f71e66e4a519a03774853e8bc2f" alt="" width="1" height="1" />Es gibt eine Diskussion in der Klima&#246;konomie, die so alt und abgenutzt wie &#252;berfl&#252;ssig ist: Kann ein perfekt ausgestaltetes Emissionshandelssystem eine Volkswirtschaft tats&#228;chlich so kosteneffizient steuern, dass es keiner anderen umweltpolitischen Steuerungsinstrumente bedarf, um langfristige Emissionsreduktionen herbeizuf&#252;hren? <a href="http://www.faz.net/s/RubC5406E1142284FB6BB79CE581A20766E/Doc~E687AA80266144B979FCB151132EA23D6~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Sinns Antwort</a> auf diese Frage ist ein unmissverst&#228;ndliches „Ja“. Nur der Markt kann Marktversagen korrigieren.</p>
<p>Sinn argumentiert dabei wie folgt: Die Einpreisung der externen Umweltkosten in die Produktion von G&#252;tern setzt unmittelbar Signale, die von den Wirtschaftsakteuren aufgenommen werden, so dass letztlich dort Klimaschutz betrieben wird, wo es am g&#252;nstigsten ist. Da nur eine begrenzte Menge an Emissionszertifikaten im System verf&#252;gbar ist, wird zu jedem Zeitpunkt das gesetzte klimapolitische Ziel erf&#252;llt – unter den geringsten Kosten f&#252;r die Volkswirtschaft. Daher seien alle zus&#228;tzlichen regulierenden oder unterst&#252;tzenden Eingriffe &#252;berfl&#252;ssig, wenn nicht sogar sch&#228;dlich. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, Emissionsstandards f&#252;r Autos, Gl&#252;hlampenverbot – allesamt Teufelswerk. Einzige Ausnahme bildet die F&#246;rderung der Kernfusion. Hier meint Sinn sich eine Ausnahme von der Regel erlauben zu d&#252;rfen. Sein Argument: Die Kernfusion besitze ein so gro&#223;es Zukunftspotenzial, dass die geringe F&#246;rderung mit nur rund 200 Mio. Euro im Jahr der Bedeutung der Kernfusion f&#252;r die Zukunft der Welt nicht gerecht werde.</p>
<p>Sinn bekennt sich an dieser Stelle unvermittelt zu dem entscheidenden Argument, das bislang von seiner eigene Erkl&#228;rungslinie vehement bek&#228;mpft wurde: Umweltpolitik ist seit l&#228;ngerem nicht mehr nur aus dem Schutzaspekt heraus zu betrachten. Umwelt- und Klimapolitik sind heute vielmehr wirtschaftspolitische Steuerungsinstrumente, die einen &#220;bergang in eine neue Phase weltweiten Wirtschaftens erm&#246;glichen sollen. Will man das eigene Land in einen Innovationsstandort verwandeln, so muss die Klimapolitik genutzt werden, um hierf&#252;r fr&#252;hzeitig passende Rahmenbedingungen zu schaffen. Das bedeutet: Die k&#252;nftigen Technologieschwerpunkte erkennen, Expertise entwickeln und damit eine globale Vorreiterrolle im Umweltschutz wie in der Technologieentwicklung einnehmen.</p>
<p>Sinn hat erkannt, dass das Emissionshandelssystem in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument ist, um bereits heute korrekte Investitionssignale zu setzen. Der unumst&#246;&#223;liche Glauben in die Wirkungsmacht des Systems begr&#252;ndet jedoch Sinns eigenes Paradox: Er m&#246;chte dieser Reihenfolge entsprechend zun&#228;chst alle Emissionsvermeidungspotenziale mit niedrigen Kosten heben (Geb&#228;udesanierung etc.) und sich erst zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt den Vermeidungsoptionen mit hohen Kosten (Photovoltaik etc.) widmen.</p>
<p>Dabei blendet er bewusst oder unbewusst einen wichtigen Aspekt aus: Die Marktintegration von Technologien ben&#246;tigt stets eine Demonstrationsphase, in der das Verfahren h&#228;ufig noch nicht kosteneffizient wirksam ist (gleicherma&#223;en wurde &#252;brigens auch im Zusammenhang mit der Marktintegration der Kernenergie verfahren). Dieser Umstand ist gleicherma&#223;en f&#252;r effiziente Technologien in Industrieprozessen g&#252;ltig wie f&#252;r neue Energietechnologien und die Nutzung neuer Energietr&#228;ger. Der Politik kommt dabei eine Steuerungsfunktion zu, die sie auszuf&#252;llen bereit sein muss. „Technologieneutralit&#228;t“ ist ein Konzept der Wirtschaftswissenschaft des 20. Jahrhunderts.</p>
<p>Im Klartext: Wer im Jahr 2020 Niedrigkostenoptionen zur Emissionsminderung und Technologief&#252;hrerschaft f&#252;r den Industriestandort vorweisen will, der muss gezielte F&#246;rderung bereits heute betreiben. Gleiches gilt f&#252;r Effizienzstandards bei Produkten jeglicher Art. Nur durch eine gezielte Steuerung kann heute ein Potenzial abgerufen werden, das morgen kosteng&#252;nstig erh&#228;ltlich ist. Gleichzeitig werden so globale Standards entwickelt, die dem globalen Klimaschutzziel dienen.</p>
<p>Die internationale Klimapolitik befindet sich derzeit eingeklemmt im medialen Konflikt zwischen dem Marktglauben Sinn&#8217;scher Art und einem ideologisch gesteuerten „&#214;kologismus“ (siehe <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/245/496560/text/">David Suzuki am gleichen Tag</a> in der <em>S&#252;ddeutschen</em>). Dabei gelingt es beiden Seiten nicht, &#252;ber ihren eigenen Tellerrand zu blicken. Sinn bleibt in der Suche nach Marktl&#246;sungen f&#252;r das gr&#246;&#223;te Marktversagen der Geschichte – den Klimawandel – in seiner eigenen Disziplin verhaftet und &#252;bersieht – gewollt oder ungewollt – den Blick f&#252;r die Notwendigkeit politisch-strategischer Planung. Die &#214;kobewegung verliert gleichzeitig an Glaubw&#252;rdigkeit, indem sie sich im Windm&#252;hlenkampf zwischen Gut (Konsument l&#246;st das Problem) und B&#246;se (Markt l&#246;st das Problem) der Umweltpolitik verliert.</p>
<p>Keine dieser Str&#246;mungen wird in ihrer Reinform k&#252;nftig in der Lage sein,  die L&#246;sung f&#252;r ein komplexes globales Problem zu entwickeln. Daf&#252;r bedarf es einer Integration wirtschafts-, umwelt- und energiepolitischer Steuerung ohne dogmatische Vorbehalte.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=19784&amp;md5=7913b7c3c3f88150a8c8dcd82b2c4682" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vor dem Kopenhagener Gipfel: Klimaharmonie in Europa?</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 16:01:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Vorfeld des gro&#223;en Klimagipfels in Kopenhagen wird an vielen Fronten verhandelt. Die europ&#228;ische Wirtschaft pr&#228;sentiert sich hoffnungsvoll, in den EU-Institutionen werden klimapolitische Verteilungsk&#228;mpfe gef&#252;hrt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/fa8cdc3bb39a462180e99300ff41df80" alt="" width="1" height="1" />Einige Wochen vor Beginn der <a href="http://en.cop15.dk/">UN-Klimakonferenz</a> in Kopenhagen bleiben noch immer viele Fragen unbeantwortet. Weder Form noch Inhalt eines m&#246;glichen Abkommens sind derzeit absehbar. Stattdessen dominiert das Feilschen um Basisjahre, Anrechnungspotenziale und historische Klimaschulden. W&#228;hrend international um die gro&#223;en Fragen des Klimaschutzes verhandelt wird, finden in Europa die letzten Verteilungsk&#228;mpfe statt, f&#252;r die Kopenhagen eine geeignete Ablenkung darstellt.</p>
<p>Historisch betrachtet, k&#246;nnten diese Worte als gro&#223;er Moment in die deutsche Wirtschaftsgeschichte eingehen: Siemens-Vorstand Peter L&#246;scher <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/klimagipfel-wirtschaft-pocht-auf-strengen-klimaschutz;2478216">verk&#252;ndete</a> in dieser Woche, Europa m&#252;sse in seinen Klimaanstrengungen noch weiter vorschreiten, als dies bislang der Fall sei. L&#246;scher vertrat damit einen Standpunkt, der sich Beobachtern europ&#228;ischer Klimapolitik seit einiger Zeit immer deutlicher aufdr&#228;ngt. Erstmals gehen Politik und Wirtschaft mit &#228;hnlichem Elan auf die Kopenhagener Klimaverhandlungen zu, teilweise scheinen politische Akteure sogar getrieben von den Forderungen der Wirtschaft, m&#246;glichst heute und nicht erst morgen ein internationales Abkommen zum Klimaschutz zu pr&#228;sentieren. Hinterfragt man diese Position, so wird rasch klar, dass das prim&#228;re Interesse der europ&#228;ischen Wirtschaft in der Entwicklung gleicher Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen M&#228;rkten liegt. Daf&#252;r wird jedoch – von der medialen &#214;ffentlichkeit kaum bemerkt – an zwei Fronten gek&#228;mpft.</p>
<p>W&#228;hrend sich die Verhandlungsteams der UN-Klimarahmenkonferenz auf ihrem letzten Vorbereitungstreffen noch einmal dem Versuch  widmen, den Vertragstext f&#252;r ein k&#252;nftiges Klimaabkommen auf ein ertr&#228;gliches Minimum einzudampfen, tagt in Br&#252;ssel der Komitologieausschuss f&#252;r Klimafragen. Ihm geh&#246;ren Vertreter der Europ&#228;ischen Kommission und der Mitgliedstaaten an, die &#252;ber Fragen der Durchf&#252;hrung des Emissionshandels ab 2013 entscheiden. Im vergangenen Jahr wurde zwar die grobe Marschrichtung f&#252;r die Zukunft des europ&#228;ischen Emissionshandelssystems vorgegeben, doch beinhaltet die entsprechende Richtlinie noch immer zahlreiche Fragen, die erst durch ein &#246;ffentlich schwer einsehbares Verfahren, das unter dem Begriff <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Komitologie"><em>Komitologie</em></a> firmiert,  entschieden werden k&#246;nnen.</p>
<p>Die erste aus einer Vielzahl von Folgeentscheidungen stand nun in den vergangenen Wochen auf der Agenda: Es ging um die Frage, welche Branchen in Zukunft den &#252;berwiegenden Teil ihrer Emissionszertifikate umsonst zugeteilt bekommen sollten und welche Sektoren ihre Zertifikate &#252;ber Versteigerungen erwerben m&#252;ssen. In der Richtlinie wurden hierf&#252;r klare Bedingungen genannt (Quote der Au&#223;enhandelsintensit&#228;t und Kostenfaktor Energie beim Gesamtumsatz). Ausschlaggebend sollte die Gef&#228;hrdung europ&#228;ischer Unternehmen im internationalen Wettbewerb sein, die unter den Kosten der Klimapolitik zu leiden h&#228;tten. Die Situation der betroffenen Branchen wurde nun von der Kommission evaluiert. Nach Sch&#228;tzung der Kommission (<a href="http://ec.europa.eu/environment/climat/emission/pdf/draft_dec_carbon_leakage_list16sep.pdf">PDF</a>) fallen 164 Sektoren und Teilsektoren – in absoluten Zahlen: 77% der verarbeitenden Industrie – in der EU unter die genannten Grenzwerte und w&#252;rden damit in den Genuss einer &#252;berwiegend kostenlosen Zuteilung ihrer Zertifikate kommen. Neben der Stromwirtschaft, die ohnehin keinen Anspruch auf eine freie Zuteilung gehabt h&#228;tte, blieben also nur wenige Sektoren von einer vollen Auktionierung der Zertifikate betroffen.</p>
<p>Nach intensiven Diskussionen stimmte schlie&#223;lich auch der Umweltausschuss des Europ&#228;ischen Parlaments diesem Vorschlag zu, so dass die genannten Sektoren ab 2013 tats&#228;chlich in den Genuss einer freien Zertifikatzuteilung kommen k&#246;nnten. In welchem Umfang dies auf einzelne Unternehmen zutrifft, h&#228;ngt jedoch von einer weiteren Entscheidung ab, &#252;ber die in den kommenden Monaten entschieden werden muss. Dabei geht es um die sogenannten „Benchmarks“: Nur die klimaeffizientesten zehn aus hundert Anlagen einer Branche innerhalb der EU werden ihre Zertifikate komplett umsonst erhalten. Wer nicht nachweisen kann, dass er sparsam mit der genutzten Energie umgeht, wird entsprechend zur Kasse gebeten.<br />
Sp&#228;testens an dieser Stelle d&#252;rfte deutlich werden, dass es auch in der EU noch um klimapolitische Verteilungsk&#228;mpfe geht. Welche Kriterien werden f&#252;r die Bemessung der Klimaeffizienz angelegt? F&#228;llt das Gie&#223;en von Stahl unter den Sektor „Stahl“ oder wird ihm ein eigener Teilsektor zugeordnet? Vermeintlich kleine Entscheidungen k&#246;nnen in diesem Kontext &#252;ber die Zukunftschance einzelner Unternehmen entscheiden. All dies wird in den kommenden Monaten entscheiden, weitgehend unbemerkt vom Trubel der internationalen Klimapolitik.</p>
<p>Diese Fragen werden die Diplomaten in Kopenhagen &#252;berwiegend kalt lassen. Hier geht es um die gro&#223;en Entscheidungen der internationalen Klimapolitik. Wer reduziert wie viel? Welche finanziellen Mittel k&#246;nnen bereitgestellt werden? Unternehmen werden in Branchen behandelt und Branchen sollten, so weit m&#246;glich, einem sektoralen Abkommen unterworfen werden. Dies ist der Tonfall internationaler Klimapolitik.</p>
<p>Die Unterst&#252;tzung eines m&#246;glichen internationalen Abkommens k&#246;nnte f&#252;r die europ&#228;ische Wirtschaft jedoch im Zweifelsfall einen weiteren Vorteil haben: Tritt es tats&#228;chlich in Kraft, wird in Europa neu &#252;ber Emissionshandel und Durchf&#252;hrungsbestimmungen verhandelt. Eine weitere Chance die Regeln neu zu justieren.
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		<title>Karlsruher Visionen f&#252;r Europa: Mehr Demokratie wagen</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 11:55:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bundesverfassungsgericht]]></category>
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		<category><![CDATA[Vertrag von Lissabon]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Bundesverfassungsgericht hat am 30. Juni &#252;ber das deutsche Ratifikationsgesetz zum europ&#228;ischen Reformvertrag von Lissabon entschieden. Lissabon-Gegner wie -Bef&#252;rworter f&#252;hlten sich nach dem Urteil zun&#228;chst in ihren Ansichten best&#228;tigt. Langsam weicht die Euphorie und vehemente Kritik an der Karlsruher Entscheidung tritt auf den Plan. Dabei wird jedoch &#252;bersehen, welche Botschaft die Richter eigentlich &#252;bermitteln wollten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9aa1c8c9cd5a9e07a9284897de02ca" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Wenn ganz Europa nach Karlsruhe blickt, dann ist selten Gutes zu erwarten. Es geschieht nicht h&#228;ufig, dass die Idylle des Schlossparks der badischen Hauptstadt von Vertretern der internationalen Presse heimgesucht wird und sich f&#252;r wenige Stunden die Augen der politischen Akteure in Br&#252;ssel wie Berlin auf die wegweisenden Worte der acht Richter in ihren roten Gew&#228;ndern richten. Selten bietet der politische Alltag spannendere Szenen, als den Moment, in dem der Gerichtssprecher mit bestimmter Stimme verk&#252;ndet: „Das Bundesverfassungsgericht!“</p>
<p>Am 30. Juni war es also wieder einmal so weit. <strong>Das m&#228;chtigste Verfassungsgericht der Welt hatte &#252;ber die Zukunft eines historisch einzigartigen Einigungsprozesses souver&#228;ner Nationalstaaten zu entscheiden.</strong> Juristisch gesehen war die Sache nat&#252;rlich weit weniger bedeutungsschwer. Die Richter hatten zu pr&#252;fen, ob das im vergangenen Jahr verabschiedete Zustimmungsgesetz des Deutschen Bundestags zum Vertrag von Lissabon sowie die ihm beigef&#252;gten zwei Begleitgesetze mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland zu vereinbaren seien. Dennoch ging es bei <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/es20090630_2bve000208.html">diesem Urteil</a> um weit mehr, als nur die vergleichsweise banale Verfassungsm&#228;&#223;igkeit eines Gesetzes. Es ging auch um die Frage, inwieweit der europ&#228;ische Integrationsprozess noch mit den Grunds&#228;tzen partizipativer und repr&#228;sentativer Demokratie im gr&#246;&#223;ten Mitgliedstaat der Europ&#228;ischen Union kompatibel ist.</p>
<p>Es war nicht das erste Mal, dass Karlsruhe &#252;ber Europa entschied. Bereits in den 1970er und 1980er Jahren widmete sich das Bundesverfassungsgericht der Frage nach der Vereinbarkeit des Grundgesetzes mit der zunehmenden Europ&#228;isierung deutscher Politik. Schlie&#223;lich durfte das Verfassungsgericht 1992 unter dem sp&#228;ter zu zweifelhafter Ber&#252;hmtheit gelangten Berichterstatter Paul Kirchhof ebenfalls &#252;ber ein Zustimmungsgesetz entscheiden. Diesmal &#252;ber das Gesetz zum <strong>Vertrag von Maastricht</strong> &#252;ber die Gr&#252;ndung der Europ&#228;ischen Union, bei dem es auch um die Frage ging, ob und inwieweit Deutschland &#252;berhaupt mit der Entwicklung eines politischen Systems in Br&#252;ssel, schlimmer noch, mit einer eigenen Gerichtsbarkeit im fernen Ausland zu vereinbaren sei. Derselbe <strong>Paul Kirchhof</strong>, der vergangene Woche das Urteil auf nahezu allen deutschen Fernsehkan&#228;len kommentierte, hatte damals ein <strong>„Nadel&#246;hr“ konstruiert</strong>, durch das Europa nach Deutschland kriechen d&#252;rfe. Stets unter der Voraussetzung, dass die Nadel in Karlsruhe steht und alles, was hindurch geht, mit kritischem Blick gemustert w&#252;rde. Auch die <strong>richterliche Konkurrenz in Luxemburg</strong> sollte „kooperativ“ mit den Karlsruher Richtern zusammenarbeiten – wobei stets klar w&#228;re, dass die Hackordnung nach Alter aufgestellt w&#252;rde. Das sogenannte „Maastricht-Urteil“ pr&#228;gte jedenfalls den europarechtlichen Diskurs in Deutschland &#252;ber die vergangenen 16 Jahre hinweg.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Diesmal, im Juni 2009, sollte alles jedenfalls viel glatter laufen. Der widerspenstige Richter Kirchhof mit seiner skeptischen Haltung zu „ausgreifenden Kompetenz-Kompetenzen“ war aus dem Gericht ausgeschieden und nach der langen Durststrecke, die das Scheitern des Verfassungsvertrags und sp&#228;ter der lange Kampf um eine Reanimation des Integrationsprojekts hervorgerufen hatte, da k&#246;nnten nun doch nicht die Richter in Karlsruhe so kurz vor dem Ziel noch alles vermasseln. Eine gewisse Selbstsicherheit hatte sich eingerichtet, die <strong>kurz nach der Urteilsverk&#252;ndung</strong> von <strong>allgemeiner Zufriedenheit</strong> verdr&#228;ngt wurde. Ein strahlender Au&#223;enminister Steinmeier betrat den sommerlichen Schlossgarten und verk&#252;ndete, dass Deutschland seiner Pflicht an Europa nachgekommen sei. Wenig sp&#228;ter erschienen jedoch auch die vermeintlichen Rebellen um den CSU-Abgeordneten Peter Gauweiler sowie Vertreter der Fraktion DIE LINKE, die ebenfalls allesamt einen guten Tag erlebt zu haben schienen. Wie ist das zu erkl&#228;ren?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Antwort darauf l&#228;sst sich erst mit einigen Tagen Abstand und einer genaueren Lekt&#252;re des rund 160 Seiten umfassenden Urteils verstehen. Einerseits, so die Bef&#252;rworter des europ&#228;ischen Vertragswerks, habe das <strong>Gericht die Europafreundlichkeit des Grundgesetzes anerkannt</strong> und die Verfassungsbeschwerden und Organstreitverfahren der Kl&#228;ger in so gut wie allen Punkten zur&#252;ckgewiesen. Gleichzeitig seien dem Bundestag einige formelle Fehler unterlaufen, die es nun im Rahmen einer Sondersitzung in der Sommerpause zu beheben gelte. Andererseits, so die Kl&#228;ger, habe das Gericht ihnen in zentralen Kritikpunkten Recht gegeben, was nicht nur durch die anteilige Prozesskostenerstattung belegt werde. Der Integrationsprozess, so Gauweiler, habe seinen H&#246;hepunkt vorl&#228;ufig &#252;berschritten, da der <strong>Br&#252;sseler Apparat zu weit vom deutschen B&#252;rger entfernt</strong> sei und das <strong>Grundrecht des Einzelnen auf Verwirklichung seines politischen Willens &#252;ber demokratische Wahlen nicht mehr erf&#252;llt</strong> werden k&#246;nne, da Gesetze aus Europa keiner rechtlichen Kontrolle im Staat unterworfen werden k&#246;nnten. Dies habe er moniert und die Richter h&#228;tten ihm durch die teilweise Verwerfung des Begleitgesetzes Recht gegeben. Immerhin: Das Maastricht-Urteil fand zwar scharfe Worte in der Urteilsbegr&#252;ndung, das Ratifikationsgesetz wurde jedoch als verfassungsgem&#228;&#223; anerkannt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Tats&#228;chlich muss jedoch beiden Seiten ein bodenst&#228;ndiges Ma&#223; an Ignoranz und eine <strong>Missachtung der meist feinen Nuancierung des Urteils</strong> vorgeworfen werden. Wenn die Bundesregierung und die Mehrheit des Bundestags nur denjenigen Teil der Entscheidung zur Kenntnis nehmen, der ihnen als Anleitung zur Neuanfertigung des Begleitgesetzes zu den Beteiligungsrechten von Bundestag und Bundesrat dient, so haben sie die Botschaft der Richter verkannt und h&#228;tten die Chance zu einer Neujustierung deutscher Europapolitik verpasst. Den Gegnern des Vertrags wurde durch das Urteil wiederum klar und deutlich vor Augen gef&#252;hrt, dass die Europ&#228;ische Union inzwischen einen kaum widerruflichen Teil des politischen Systems der Bundesrepublik darstellt, dessen Legitimit&#228;t solange bestehen bleibt, wie der Bundestag die ihn bindenden Verpflichtungen im Rahmen der deutschen Verfassungsordnung wahrnimmt und aktiv ausf&#252;llt.<strong></strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Entscheidend</strong> scheint bei aller Euphorie – ebenso wie bei aller Kritik –, dass <strong>zwei wichtige Aspekte des Urteils </strong>in der k&#252;nftigen Diskussion st&#228;rker in den Vordergrund r&#252;cken, die bislang von keiner der beiden Seiten n&#228;her erl&#228;utert wurden:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">1.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Sollte es in absehbarer Zeit den Willen zu einer <strong>substanziellen Erweiterung der Zust&#228;ndigkeiten Europas </strong>geben, etwa in den Bereichen der sozialen Sicherung, der Verteidigungspolitik, des Strafrechts oder &#228;hnlichen fundamentalen Prinzipien der Staatlichkeit der Bundesrepublik Deutschland, so kann die L&#246;sung nicht prim&#228;r in den Ver&#228;nderungen europ&#228;ischer Vertr&#228;ge und erweiterten Beteiligungsrechten des Parlaments begr&#252;ndet liegen. Nein, der Schl&#252;ssel zu einer derartigen Komepetenzerweiterung findet sich nur in der <strong>Entwicklung einer neuen deutschen Verfassung</strong>, die aufgrund ihrer Ausrichtung einen solchen Schritt erlauben w&#252;rde. Nur der Souver&#228;n – das deutsche Volk – k&#246;nnte Grundprinzipien der Verfassung so ver&#228;ndern, dass zentrale Bereiche des Grundgesetzes unter gemeinschaftliche europ&#228;ische Entscheidungshoheit fallen. Weder der Bundestag noch die Vertreter der L&#228;nder im Bundesrat sind zu einer solchen &#220;bertragung von Hoheitsrechten erm&#228;chtigt, wie das Verfassungsgericht in seinen Ausf&#252;hrungen festh&#228;lt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das Grundgesetz war stets ein Provisiorium, das seit erstaunlich langer Zeit &#252;berlebt und sich sogar &#252;ber die deutsche Wiedervereinigung rettete, gleichzeitig aber nicht f&#252;r weitere gro&#223;e Reformschritte hin zu einem m&#246;glichen europ&#228;ischen Bundesstaat ausgerichtet ist. <strong>&#220;ber Art. 146 GG k&#246;nnte sich das deutsche Volk mit einer gesamtdeutschen Verfassung ausstatten</strong>, die auch f&#252;r eine weitere Integration in ein friedliches, demokratisches Europa offen stehen w&#252;rde.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">2.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bis dieser Schritt verwirklicht werden kann, bedarf es <strong>weiterer Demokratisierungsprozesse in Europa</strong>. Ob die harsche Kritik der Richter an der verfassungsrechtlich weitgehend bedeutungslosen Funktion und der demokratisch-legitimatorischen R&#252;ckst&#228;ndigkeit des Europ&#228;ischen Parlaments gerechtfertigt ist, darf durchaus kontrovers diskutiert werden. Dass das <strong>Europ&#228;ische Parlament den Anspr&#252;chen des Grundgesetzes an die Repr&#228;sentation des Volkswillens nicht gen&#252;gt</strong>, sollte dem Beobachter der k&#252;rzlich vollzogenen Europawahlen allzu deutlich vor Augen gef&#252;hrt worden sein. Erst wenn sich die <strong>Entwicklung eines „europ&#228;ischen Volkes“</strong> in den Institutionen der Europ&#228;ischen Union widerspiegelt, kann auch realistischerweise &#252;ber eine &#220;bertragung von Grundrechtswahrungs- und Repr&#228;sentationsfunktionen an europ&#228;ische Institutionen verhandelt werden. Die Richter monieren zu Recht, dass im europ&#228;ischen Binnenmarkt die Frage nach der Herkunft eines Produktes als Diskriminierung wahrgenommen wird, bei Europawahlen die Herkunft des B&#252;rgers jedoch das entscheidende Kriterium f&#252;r den Z&#228;hlwert seiner Stimme darstellt. Folgt die politische Union der Wirtschaftsunion, so k&#246;nnte sich die Hoffnung auf ein demokratisches System f&#252;r Europas B&#252;rger erf&#252;llen, das f&#252;r die Anerkennung im Sinne des Verfassungsgerichtsurteils entscheidend w&#228;re.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nachdem die kommenden Monate in erster Linie von der Gerichtsschelte proeurop&#228;ischer Einrichtungen aus Wissenschaft und Politik, so etwa Ex-Au&#223;enminister <a href="http://www.zeit.de/2009/29/Lissabon?page=all">Joschka Fischer in der<em> ZEIT</em></a> einerseits, sowie von populistisch anmutendenden Auslegungen des Urteils in einzelnen europaskeptischen Gruppen – vergleiche die &#196;u&#223;erungen des CSU-Generalsekret&#228;rs Dobrinth – andererseits gepr&#228;gt sein werden, ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dieser weitreichenden Entscheidung vorl&#228;ufig nicht absehbar. Zu hoffen bleibt jedoch, dass sich verantwortliche Entscheidungstr&#228;ger nach dem irischen Referendum und dem m&#246;glichen Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon wieder in die Lage versetzt sehen, neue Visionen zu entwickeln. Diesmal jedoch <strong>nicht nur Visionen f&#252;r die Zukunft der eher technischen Funktionsweise der Europ&#228;ischen Union</strong> selbst, sondern gleicherma&#223;en <strong>Visionen f&#252;r die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland in eben diesem Europa</strong>.</p>
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		<title>Die SPD im Wahlkampf: Zwischen &#246;kologischer Avantgarde und fossiler Nostalgie</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 22:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die SPD hat den Klimaschutz als Wahlkampfthema f&#252;r sich entdeckt. Dabei hilft ein engagierter und pr&#228;senter Umweltminister sowie eine umweltpolitisch &#252;berwiegend erfolgreiche Regierungsarbeit in zwei Koalitionen. Trotz aller Bekenntnisse wirkt die Sozialdemokratie jedoch noch nicht vollst&#228;ndig im klimapolitischen Jetzt angekommen. Dazu m&#252;sste ein Bruch mit der eigenen Vergangenheit vollzogen werden, der im Moment allerdings noch fern zu sein scheint.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/91df93c1879744ecda80804a5fdb07" width="1" height="1" alt=""/>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wer bis heute Zweifel daran hegte, dass der Wahlkampf bereits voll im Gange ist, der konnte sich Mitte Juni auf der <a title="Innovationskonferenz BMU" href="http://www.bmu.de/innovationskonferenz/uebertragung/doc/44466.php">IV. Innovationskonferenz des Bundesumweltministeriums</a> vom Gegenteil &#252;berzeugen lassen. Unter dem Titel „Green Recovery“ konzentrierte sich das SPD-gef&#252;hrte Ministerium in erster Linie darauf, die <strong>&#246;kologischen Erfolge aus elf Jahren sozialdemokratischer Regierungsarbeit</strong> vor einer breiten &#214;ffentlichkeit darzustellen. Zu diesem Zweck waren alle Mittel recht, auch eine Einladung an Altkanzler Gerhard Schr&#246;der, der in der Vergangenheit nicht unbedingt f&#252;r seine N&#228;he zur Umweltbewegung bekannt war. Dieser wiederum bem&#252;hte sich in seinem Redebeitrag beinahe verzweifelt darum, die eigenen Leistungen im Kampf um eine nachhaltige Wirtschaftsstruktur glaubhaft zu belegen. Dass ihm dies sichtlich schwer viel, davon zeugten sowohl eine teils unbeholfene Wortwahl, als auch der simple Rekurs auf industriepolitische Erfolge, mit denen er den <strong>„gr&#252;nen Wandel“</strong> seiner Regierungsepoche zu beschreiben versuchte. W&#228;hrend Sigmar Gabriel &#252;ber <strong>&#246;kologische Industriepolitik</strong> referierte, verwies Gerhard Schr&#246;der in erster Linie auf seine Vorstellung einer industrialisierten Umweltpolitik.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Es d&#252;rften kaum Zweifel daran bestehen, dass durch Rot-Gr&#252;n eine klimapolitische Wende in Deutschland eingeleitet wurde. Von der Einf&#252;hrung des Emissionshandels &#252;ber das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis hin zur &#214;kosteuer – die Sozialdemokratie war stets dabei und musste allzu oft Pr&#252;gel von der eigenen Klientel einstecken. Zwar vollzog die Parteif&#252;hrung all diese Ma&#223;nahmen meist nur z&#246;gerlich und unter der Pr&#228;misse, Deutschlands Stellung als f&#252;hrenden Wirtschaftsstandort nicht in Gefahr zu bringen. Jedoch fanden die Parteistrategen im Laufe der Zeit offensichtlich zunehmend Gefallen an der neuartigen Mission, eine &#246;kologisch nachhaltige Wirtschaftspolitik zu verfolgen. Daher d&#252;rfte es kaum verwundern, dass die Sozialdemokratie sich schlie&#223;lich darum bem&#252;hte, das rot-gr&#252;ne Erbe zur Sch&#228;rfung des eigenen Profils auch unter der ver&#228;nderten Rahmenbedingung einer gro&#223;en Koalition weiterzuf&#252;hren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dabei trat vor allem Umweltminister Sigmar Gabriel immer wieder positiv in Erscheinung: Im Kampf um den Ausbau der Erneuerbare-Energien-F&#246;rderung (gegen massive Widerst&#228;nde innerhalb der Koalition), beim Festhalten am Atomausstieg oder im Rahmen der au&#223;enpolitischen Bem&#252;hungen im Post-Kyoto-Prozess. W&#228;hrend <strong>Angela Merkel</strong> ihrem Ruf als <strong>„Klimakanzlerin“ nur sporadisch</strong> nachkam, wirkte <strong>Gabriel</strong> stets als <strong>gr&#252;nes Gewissen der Bundesregierung</strong> und verteidigte die &#246;kologischen Zielsetzungen gegen die &#252;berwiegend gestrigen Vorstellungen des Bundeswirtschaftsministeriums. Im Zweifel auch im Kampf um die Erweiterung der eigenen Zust&#228;ndigkeiten f&#252;r energiepolitische Themen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die <strong>SPD</strong> bem&#252;hte sich mit tatkr&#228;ftiger Unterst&#252;tzung ihres Bundesumweltministers um ein <strong>&#246;kologisches Profil</strong> und hat damit gegen&#252;ber der Union einen deutlichen Vorsprung im Kampf um <strong>Deutschlands glaubw&#252;rdigste &#214;ko-Alternative zu den Gr&#252;nen</strong>; ein Resultat der politischen Anstrengungen in zwei Regierungskoalitionen. So weit, so gut. Bliebe da nicht noch eine Frage, bei der die Sozialdemokratie seit geraumer Zeit mit ihrer eigene Identit&#228;t ringt. Gemeint ist die sozialdemokratische Tradition der „Kumpel“, das „Revier“ als Teil der eigenen Identit&#228;t. Das verzweifelte <strong>Festhalten an einer ru&#223;igen Nostalgie</strong>, die unter den klimapolitischen Bedingungen des 21. Jahrhunderts in etwa so &#252;berholt wirkt, wie die Ostalgie der Gysis und Biskys. Kurz: Die <strong>Kohle als Identifikationsmerkmal der Sozialdemokratie</strong>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und damit zur&#252;ck zur <strong>„Innovationskonferenz“</strong>: Sigmar Gabriel, Gerhard Schr&#246;der, Frank-Walter Steinmeier – sie alle pl&#228;dierten vor gro&#223;em Publikum berechtigterweise f&#252;r einen gr&#252;nen Wandel durch mehr erneuerbare Energien, mehr Energieeffizienz, neue Technologien und ohne R&#252;ckgriff auf die verf&#252;hrerische Anziehungskraft der Kernkraft. Nur <strong>zur Rolle der Kohle</strong> in der bundesrepublikanischen Energiepolitik<strong> fiel kein einziges Wort</strong>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein Blick ins <a title="Regierungsprogramm SPD" href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/_media/pdf/090614_beschluss_regierungsprogramm.pdf">Wahlprogramm der SPD</a> hilft bei der Wahrheitsfindung: Dort wird noch immer mit der „Zukunft der Steinkohle“ um W&#228;hlerstimmen geworben. Dass dies mit der Zielsetzung einer emissionsarmen Stromversorgung kaum zu kombinieren ist, wird als notwendiger Widerspruch unkommentiert hingenommen. Fragt man die Genossen, wie eine solche Kombination aus Kohle und Klimaschutz aussehen k&#246;nnte, so lautet die <strong>einfache Antwort</strong> meist: <strong>CCS</strong>. Doch auch die <a title="CCS" href="http://carta.info/7120/wann-kommt-der-ccs-ausstieg/">CCS-Technologie</a> zur Abscheidung und unterirdischen Speicherung von CO2, die als technologische Teill&#246;sung des Klimaproblems angef&#252;hrt wird, kann mittelfristig nicht in einem solchen Umfang entwickelt werden, dass Deutschland in der Lage w&#228;re, einen nennenswerten Teil seiner Stromerzeugung durch das „saubere“ Verbrennen von Stein- und Braunkohle zu gewinnen – ganz zu schweigen von den Auswirkungen des sich formierenden gesellschaftlichen Protestes.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Sozialdemokratie man&#246;vriert sich mit ihrer <strong>Strategie der Zusammenf&#252;hrung von Gestern und Morgen</strong> bewusst in die n&#228;chste Glaubw&#252;rdigkeitskrise. Unterst&#252;tzt die Partei die klimapolitischen Ambitionen ihres Umweltministers, so kann dieser energiepolitische Abschnitt ihres Wahlprogramms nur als postoperativer Phantomschmerz der eigenen Parteihistorie betrachtet werden, der in Form eines geschichtlichen Bekenntnisses Einzug in das Wahlkampfpapier findet. Sollte sich die Sozialdemokratie jedoch langfristig nicht von ihrer fossilen Vergangenheit l&#246;sen, so b&#252;&#223;t sie nicht nur an umweltpolitischer Glaubw&#252;rdigkeit ein, sondern hat wieder einmal eine wichtige gesellschaftliche Trendwende verschlafen.</p>
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		<title>Technologietransfer: Geistiges Eigentum vs. Klimaschutz?</title>
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		<pubDate>Fri, 08 May 2009 09:11:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Dezember 2009 soll sich die Weltgemeinschaft auf ein neues globales Klimaschutzabkommen einigen. Derzeit finden sich jedoch mehr offene Fragen als gel&#246;ste Probleme auf der Agenda. W&#228;hrend in der &#214;ffentlichkeit vor allem quantifizierbare Reduktionsanstrengungen diskutiert werden, fallen andere zentrale Aspekte eines zuk&#252;nftigen Klima-Regimes unter den Tisch. Eine dieser wichtigen Fragen betrifft den Technologietransfer zwischen Industriestaaten und Entwicklungsl&#228;ndern: Der Schutz geistigen Eigentums steht dabei der moralischen Verpflichtung zur Weitergabe von Wissen rund um „saubere Technologien“ im Weg.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/726996918d46f60b0f014f3231128d" alt="" width="1" height="1" /><br />
Seit dem Jahr 2007 pr&#228;gt der <strong>„Bali Action Plan“</strong> die <strong>Verhandlungen um ein Post-Kyoto-Abkommen</strong>, das seinen erfolgreichen Abschluss Ende 2009 in Kopenhagen finden soll. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der langfristigen globalen Reduktionsanstrengungen, die spezifischen nationalen Vermeidungsziele, Anpassungsma&#223;nahmen an den Klimawandel und grunds&#228;tzliche Entscheidungen &#252;ber die Bereitstellung von Finanzierungsmechanismen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Erh&#246;hung des Klimaschutzpotenzials in Entwicklungs- und Schwellenl&#228;ndern. Zu diesen breit debattierten Themenfeldern gesellt sich der <strong>Technologietransfer scheinbar als Nebenkriegsschauplatz</strong> im Ringen um den einen gro&#223;en Kompromiss. Urs&#228;chlich f&#252;r die geringe Aufmerksamkeit gegen&#252;ber diesem zentralen Thema ist einerseits seine mangelnde Quantifizierbarkeit (ganz im Gegensatz zur Reduktion um X Prozent oder der Bereitstellung von finanziellen Mitteln in H&#246;he von X Milliarden Euro), andererseits die komplexe Konfliktsituation.</p>
<p>Die Industriel&#228;nder – allen voran die Europ&#228;ische Union – haben sich mehrheitlich dazu bekannt, ihre Emissionen mittel- und langfristig zu reduzieren. Dies entspr&#228;che ihrer historischen und moralischen Verantwortung f&#252;r ein Wachstumsmodell, das ihnen zwar Wohlstand gebracht hat, dessen Kopie durch andere Regionen der Welt jedoch m&#246;glichst verhindert werden sollte. Trotz der beginnenden Klimaschutzbem&#252;hungen des Westens scheint es jedoch unumg&#228;nglich, dass auch die Entwicklungs- und Schwellenl&#228;nder einen Beitrag leisten, um den globalen CO2-Haushalt nicht langfristig aus dem Takt zu bringen. Bem&#252;ht man ein h&#228;ufig genutztes Beispiel, so wiegt die Erfolgsgeschichte erneuerbaren Energien in Deutschland aus globaler Perspektive wenig, wenn zur gleichen Zeit in China jede Woche ein Kohlekraftwerk ans Netz geht. Reduktionsanstrengungen k&#246;nnten entsprechend mit weniger finanziellem Aufwand auf der anderen Seite des Globus einen h&#246;heren klimapolitischen Nutzen bringen, als dies innerhalb der weiter entwickelten Staaten Europas der Fall ist.</p>
<p>Bislang wurden Ma&#223;nahmen in den Entwicklungs- und Schwellenl&#228;ndern in erster Linie &#252;ber den <strong>Clean-Development-Mechanism (CDM)</strong> gesteuert. Durch dieses Instrument konnten sich Unternehmen, die im Europ&#228;ischen Emissionshandelssystem zum Erwerb von Zertifikaten f&#252;r ihren CO2-Aussto&#223; verpflichtet sind, durch die Finanzierung von Projekten au&#223;erhalb des Emissionshandelssystems „freikaufen“. Auch wenn der Mechanismus in der Vergangenheit stark in die Kritik geriet, so muss doch festgehalten werden, dass er <strong>bislang das einzig wirksame internationale Klimaschutzinstrument</strong> darstellt. Europ&#228;ische Unternehmen k&#246;nnen somit vergleichsweise g&#252;nstig Klimaschutz betreiben, Investitionen flie&#223;en in die Entwicklungs- und Schwellenl&#228;nder und dem Klima ist es egal, wo auf der Welt die Emissionen eingespart werden.</p>
<p>Das zentrale Problem wird dadurch jedoch nicht gel&#246;st: Au&#223;er den durch CDM finanzierten Vorzeigeprojekten vollzieht sich die technische <strong>Entwicklung</strong> in China, Indien und anderen Staaten <strong>analog zum westlichen Wachstumsmodell</strong>, n&#228;mlich auf der Grundlage der Nutzung quasi unbegrenzt vorhandener fossiler Rohstoffe – in erster Linie der Kohle. Das Wissen rund um die Nutzung effizienter Technologien im Kraftwerksbau, die Entwicklung kostenneutraler erneuerbarer Energietechnologien oder die k&#252;nftige Verwendung von Carbon-Capture-and-Storage (CCS) zur unterirdischen Speicherung von CO2, all dies ist f&#252;r Unternehmen aus westlichen Industriestaaten finanzierbar, nicht aber f&#252;r Kraftwerksbetreiber oder produzierendes Gewerbe in Entwicklungsl&#228;ndern. Die technologischen Kapazit&#228;ten rund um den Bau von effizienten Anlagen stellen jedoch gleichzeitig das Gesch&#228;ftsgeheimnis europ&#228;ischer Unternehmen dar, die wiederum j&#228;hrlich einige Millionen Euro in Forschungsabteilungen investieren, um auf dem Weltmarkt konkurrenzf&#228;hig zu bleiben. Das Ideal einer freien Verteilung dieses Wissens w&#252;rde vermutlich zum Exodus einzelner Firmen, noch viel schlimmer aber, zum <strong>Ende der Investitionen in die unternehmerische Forschung in „saubere Technologien“ f&#252;hren.</strong></p>
<p>Das <strong>Dilemma</strong> liegt also im Ausgleich zwischen politischen Zielen, wirtschaftlichen Interessen und letztlich der Frage nach dem Recht auf geistiges Eigentum begr&#252;ndet. Aus klimapolitischen Gesichtspunkten ist der (m&#246;glichst kostenfreie) Transfer von technologischem Wissen in die Entwicklungs- und Schwellenl&#228;nder ein erstrebenswertes Ziel. Nur durch eine globale Ver&#228;nderung der Produktionsweise k&#246;nnte der Klimakollaps aufgehalten werden. Gleichzeitig w&#252;rde die freie Weitergabe von Wissen globale Wettbewerbsvorteile einzelner Branchen aufheben, da Produkte in Folge dessen in anderen Regionen der Welt ebenso ressourceneffizient produziert werden. Schlie&#223;lich erweisen sich langj&#228;hrige Forschungsanstrengungen von Unternehmen als Flop, wenn sie der ausl&#228;ndischen Konkurrenz umgehend zur Verf&#252;gung gestellt w&#252;rden. An dieser Stelle m&#252;sste es einerseits im Eigeninteresse des Staates liegen, das geistige Kapital seiner Volkswirtschaft zu sch&#252;tzen, andererseits jedoch ebenso auf einen raschen Transfer zu dr&#228;ngen, um die „Klimakatastrophe“ aufzuhalten. Die Problemlage erweist sich also als durchaus komplex und bedarf innovativer L&#246;sungsans&#228;tze.</p>
<p>Bislang stehen sich die <strong>Forderungen der Industriel&#228;nder</strong> auf der einen <strong>und</strong> der <strong>Entwicklungs- und Schwellenl&#228;nder</strong> auf der anderen Seite <strong>unvereinbar</strong> gegen&#252;ber. Die Staaten der Europ&#228;ischen Union scheinen nicht gewillt, Patentrechte ihrer eigenen Unternehmen zu erwerben, um diese gratis zu transferieren. Die Entwicklungsl&#228;nder hingegen geben sich nicht mit Vorschl&#228;gen wie der Gr&#252;ndung von Technologieinformationsplattformen zufrieden, die technologische Innovationen wie ein Werbekatalog mit Preisetikett anbieten.</p>
<p>Die Scheu vor dem Eingriff in die Eigentumsrechte europ&#228;ischer Unternehmen bzw. vor der Bereitstellung hoher Entsch&#228;digungsleistungen f&#252;r den Aufkauf von Patenten wiegt derzeit noch schwerer, als die Furcht vor dem Ansteigen der Meeresspiegel. Ob sich dies in naher Zukunft &#228;ndert, werden die Verhandlungen bis Dezember ergeben.<br />
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		<title>Wann kommt der CCS-Ausstieg?</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Mar 2009 14:19:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An diesem Mittwoch will die Bundesregierung ein Gesetz vorlegen, durch das die k&#252;nftige Anwendung der Technologie zur Kohlenstoffabscheidung und- speicherung (CCS) rechtlich geregelt wird. Auf europ&#228;ischer Ebene geschah dies bereits im Dezember 2008 durch die Einigung auf eine Richtlinie. W&#228;hrend das Thema CCS aus klimapolitischen Diskursen kaum mehr auszublenden ist, fehlt es bislang an einer gesellschaftlichen Debatte &#252;ber Nutzen und Risiken dieser Technologie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;">Anfang dieses Jahres ver&#246;ffentlichte das Bundesumweltministerium ein Strategiepapier unter dem Titel <a title="Roadmap Energiepolitik 2020" href="http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/roadmap_energiepolitik_bf.pdf" target="_blank">„Roadmap Energiepolitik 2020“</a>. Hier war, neben zahlreichen anderen interessanten Informationen zur Zukunft unserer Energiem&#228;rkte, zu lesen, dass <strong>Stein- und Braunkohle auch &#252;ber das Jahr 2020 </strong>eine <strong>wichtige Stellung im deutschen Energiemix</strong> einnehmen. <strong>Im Jahr 2030 sollte allerdings die H&#228;lfte aller Kohlekraftwerke mit CCS-Technologie ausgestattet sein und damit weitgehend „klimaneutral“ arbeiten.</strong> Die nun im Bundestag zu verhandelnde gesetzliche Rechtsgrundlage macht – ebenso wie die strategische Ausrichtung – deutlich, dass es bei diesem Thema um weit mehr, als um die kurzfristige Schnapsidee einiger Ingenieure geht. Ganz im Gegenteil, selbst globale Energieszenarien der Europ&#228;ischen Union oder der Internationalen Energieagentur (IEA) gehen von einem substanziellen Anteil von CCS im zuk&#252;nftigen Energiemix aus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Falls sich nun der Eine oder Andere die Frage stellen mag, was CCS eigentlich bedeutet: Keine Sorge, Sie sind nicht allein. Hinter dem K&#252;rzel CCS verbirgt sich der englische Begriff „Carbon Dioxide Capture and Storage“, der im Deutschen etwas sperrig mit „Kohlenstoffabscheidung und -speicherung“ &#252;bersetzt wird. Die Idee ist so einfach wie beeindruckend. CO2-lastige Kohlekraftwerke werden mit einer technischen Komponente ausgestattet, die entweder vor oder nach der Verbrennung des Energietr&#228;gers das Kohlenstoffdioxid von den &#252;brigen Gasen l&#246;st und &#252;ber Leitungen unter die Erdoberfl&#228;che presst. Hierf&#252;r sind leere Erdgasfelder, undurchl&#228;ssige Gesteinsschichten oder Salz-Aquifere nutzbar, durch die das CO2 nicht mehr an die Oberfl&#228;che dringen kann. Im Ergebnis k&#246;nnten also auch in Zukunft unsere „dreckigsten“ Energietr&#228;ger – Braun- und Steinkohle – ohne Sorge um die Atmosph&#228;re genutzt werden. Die Anwendung bleibt dabei nicht auf Kohlekraftwerke beschr&#228;nkt, sondern k&#246;nnte auch f&#252;r andere Verbrennungsprozesse oder Energietr&#228;ger genutzt werden. Vor der norwegischen und der algerischen K&#252;ste werden heute bereits unterschiedliche Formen dieser Technologie in gr&#246;&#223;erem Umfang getestet, hier wird das CO2 allerdings vorrangig in Erdgasfelder gepumpt, um somit an die tiefer gelegenen Reserven zu gelangen. Auch in Deutschland lief im vergangenen Jahr, allerdings in deutlichem kleinerem Umfang, das erste CCS-Projekt in der brandenburgischen „Schwarzen Pumpe“ an.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dass diese Technologie auf politischer Ebene ernst genommen wird, zeigt sich nicht nur an der gesetzgeberischen T&#228;tigkeit. Auch finanziell wird die F&#246;rderung vorangetrieben, wie in kaum einem anderen Bereich. Verkaufserl&#246;se von <strong>300 Millionen Zertifikaten aus dem EU-Emissionshandel</strong> sind nach Beschluss der EU <strong>f&#252;r die F&#246;rderung von CCS-Projekten und gro&#223;en Erneuerbare-Energien-Projekten reserviert</strong>. Legt man einen m&#246;glichen Zertifikatpreis von 20 Euro zugrunde, wird deutlich, dass es sich hierbei nicht um Peanuts handelt. Und auch das <strong>Konjunkturprogramm der EU</strong>, der <a title="EU Recovery Plan" href="http://energy.iep-berlin.de/pdf/2/b3.pdf" target="_blank">„EU Recovery Plan“</a>, sieht zus&#228;tzliche Zuwendungen f&#252;r CCS-Projekte in H&#246;he von <strong>1,25 Milliarden Euro</strong> vor.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Trotz der massiven F&#246;rderung und der sich entwickelnden Rechtsstruktur bleibt dem B&#252;rger der Zugang zum Verst&#228;ndnis f&#252;r den massiven Ausbau dieser Technologie weitgehend verschlossen. Dies mag unter anderem an der komplexen Natur der technischen Prozesse liegen, zu einem viel gr&#246;&#223;eren Teil basiert dieses Problem jedoch auf dem mangelnden Informationswillen politischer Akteure. Die gr&#246;&#223;te Sorge d&#252;rfte dabei wohl in der Entstehung des <strong>NIMBY-Effekts</strong> liegen, den wir derzeit bei nahezu allen energiepolitischen Projekten erleben.<strong> Selbst wenn eine grunds&#228;tzliche Unterst&#252;tzung f&#252;r die Nutzung einer bestimmten Technologie vorliegt, so soll diese „not in my backyard“ erfolgen</strong>. Dies d&#252;rfte wohl auch f&#252;r das Eigenheim auf der CO2-Blase gelten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Soll CCS k&#252;nftig eine gr&#246;&#223;ere Bedeutung in unserer Energieerzeugungsstruktur einnehmen, so sind deutlich mehr Anstrengungen n&#246;tig, als die Verabschiedung eines Gesetzes und das Aufbringen finanzieller Mittel. </strong>Ein gesellschaftlicher Dialog &#252;ber Sinn und Zweck, aber auch &#252;ber die Risiken der Speicherung von CO2 erscheint dringend geboten. Letztlich muss die Frage beantwortet werden, weshalb wir in Deutschland und Europa Treibhausgase unter die Erde pressen wollen, statt ihre Entstehung zu verhindern. Es g&#228;be hierf&#252;r durchaus &#252;berzeugende Antworten, wie die Funktion von CCS als Br&#252;ckentechnologie oder den Technologieexport nach Indien oder China, wo der Anstieg der Emissionen mittelfristig nur durch den massiven Ausbau von derartigen Technologien verhindert werden kann. Bislang hat diese Kontroverse sich jedoch auf die „Wissen“-Rubrik deutscher Tageszeitungen beschr&#228;nkt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;">Um emotional aufgeladene Scheindebatten zu verhindern, wie wir sie im heutigen Diskurs &#252;ber die Kernkraft in Deutschland f&#252;hren, sollte fr&#252;hzeitig ein breiterer Dialog &#252;ber CCS begonnen werden. Ansonsten k&#246;nnten wir uns in einigen Jahren vor die Frage gestellt sehen, wie  mit zahllosen CCS-Kraftwerken und CO2-Endlagern umzugehen ist. Die Debatte &#252;ber den CCS-Ausstieg scheint also vorprogrammiert. Sie k&#228;me dann allerdings wieder zu sp&#228;t.</p>
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		<title>Nachhaltig investieren? Nicht in der Krise!</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 16:38:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Energie- und Klimapolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Energiepolitik]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Klimapolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Der russisch-ukrainische Gasstreit hat Europa demonstriert, dass eklatante Energieinfrastrukturm&#228;ngel ein effektives Krisenmanagement verhinderten. Der Bedarf an umfangreichen Investitionen erscheint daher gewaltig. Die EU-Kommission hat im Kontext des „EU Recovery Plan“ einen Finanzierungsvorschlag vorgelegt, der bei den Mitgliedstaaten jedoch auf erheblichen Widerstand st&#246;&#223;t. Wieder einmal zeigt sich, dass europ&#228;ische Solidarit&#228;t meist scheitert, wenn sie &#252;ber den Rahmen deklaratorischer Politik hinausreichen soll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/374695f3d395375268216479da31f5" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die Gestaltung von Konjunkturprogrammen zur Bek&#228;mpfung der weltweiten Wirtschaft- und Finanzkrise pr&#228;gen die politischen Diskurse in diesen Tagen wie kaum ein anderes Thema. Auch in Br&#252;ssel werden Ma&#223;nahmen diskutiert, mit denen ein gesamteurop&#228;isches Programm und eine bessere Koordination der nationalen Projekte gew&#228;hrleistet werden kann. Die EU-Kommission hatte hierzu im November 2008 einen Plan vorgelegt, der in erster Linie auf eine <strong>Steuerung der nationalen Hilfspakete</strong> abzielte. Ein eigenes Investitionsprogramm wurde angek&#252;ndigt, allerdings nur in seinen Grundz&#252;gen ver&#246;ffentlicht. Die Staats- und Regierungschefs hatten dies auf ihrem Gipfel im Dezember noch ausdr&#252;cklich begr&#252;&#223;t.</p>
<p>Ende Januar wurden nun die Details des „EU Recovery Plan“ sowie die Finanzierungsmethode f&#252;r das vergleichsweise kleine Paket im Umfang von 5 Milliarden Euro ver&#246;ffentlicht. Die Kommission m&#246;chte nicht abgerufene Mittel aus dem EU-Haushalt des Jahres 2008 umwidmen und einen Anteil von 3,5 Milliarden Euro f&#252;r Investitionen im Bereich der Energieinfrastruktur verwenden, anstatt die gesamte Summe, wie bisher &#252;blich, in die nationalen Haushalte zur&#252;ckflie&#223;en zu lassen. 1,75 Milliarden Euro sollen in Strom- und Gasverbindungsleitungen investiert werden, 1,25 Milliarden Euro stehen f&#252;r die Entwicklung von Kohlenstoffabscheidung und -speicherung in Kraftwerken und Industrieanlagen bereit und 500 Millionen Euro k&#246;nnten f&#252;r die Weiterentwicklung der Offshore-Windanlagen vor den K&#252;sten Europas ausgegeben werden.</p>
<p>Nun bahnte sich ein Schauspiel an, das wieder einmal vor Augen f&#252;hrt, <strong>wie weit Anspruch und Wirklichkeit in Europas Hauptst&#228;dten voneinander entfernt liegen</strong>. Kurz nach Ver&#246;ffentlichung der Einzelheiten des Programms begannen die Regierungen zun&#228;chst einzelne Finanzierungsprojekte zu kritisieren, um schlie&#223;lich die rechtliche M&#246;glichkeit der Umwidmung der Mittel aus anderen Budgetposten in das Investitionsprogramm grunds&#228;tzlich in Frage zu stellen. Sicherlich ist es unbestritten notwendig, die juristischen Fragezeichen hinter der Umdeklarierung von Finanzmitteln auszur&#228;umen. Nichtsdestotrotz muss mit Blick auf den Ablauf der Ereignisse hinterfragt werden, ob es nicht vielmehr der <strong>mangelnde politische Wille</strong> als rechtliche Bedenken sind, die das Projekt nun aushebeln wollen.</p>
<p>Aus deutschen Ministerien wurde verlautbar, man solle das Geld nicht in langfristige Ma&#223;nahmen investieren, die keine L&#246;sung f&#252;r die aktuelle Wirtschaftskrise darstellen. „Geografisch und sektoriell unausgewogen“ lautete der Kommentar aus &#214;sterreich. Italienische Diplomaten sorgten sich um die sp&#228;ter m&#246;glicherweise ausbleibenden Mittel f&#252;r die Landwirtschaft. Frankreich beklagte, man bekomme m&#246;glicherweise weniger zur&#252;ck, als man vorher in den Haushalt gesteckt habe. Allesamt Argumente, die aus den komplizierten EU-Budgetverhandlungen bereits landl&#228;ufig bekannt sind. Deutschlands neuer Energieminister von Guttenberg fasste auf der Ministerratssitzung am 19. Februar schlie&#223;lich zusammen, dass <strong>allgemein „Skepsis“ gegen&#252;ber dem Programm</strong> sp&#252;rbar sei.</p>
<p>Genau an diesem Punkt muss nun jedoch die Frage erlaubt sein, ob das energie- und klimapolitische Programm Europas langfristig eher den <strong>Charakter einer Publicity-Kampagne</strong> entwickelt oder am Ende doch in eine Umstrukturierung der europ&#228;ischen Energiem&#228;rkte m&#252;nden wird?</p>
<p>Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland hatte Europa zu Beginn des Jahres vor Augen gef&#252;hrt, dass eklatante Infrastrukturl&#252;cken daf&#252;r verantwortlich waren, dass Ausgleichslieferungen, abseits des politischen Willens, rein physikalisch derzeit nicht zu gew&#228;hrleisten sind. Der verursachte volkswirtschaftliche Schaden ging dabei in die Milliarden. Ein gutes Argument also, um in die maroden Gasnetze zu investieren.</p>
<p>&#196;hnlich verh&#228;lt es sich mit dem Klimaschutz. Sollte die F&#246;rderung erneuerbarer Energien ernst gemeint sein und hofft man, dass im Jahr 2020 Kohle weiterhin &#252;ber Abscheidung und Verpressung des CO2 nutzbar ist, so bedarf dies einerseits massiver Investitionen in Technologief&#246;rderung, andererseits aber auch in den Ausbau der Stromnetze. Durch die <strong>Verschiebung der Erzeugungsinfrastruktur</strong> (Wind im Norden, Sonne im S&#252;den, statt Atom und Kohle punktuell verteilt) muss sich die Transportinfrastuktur fundamental ver&#228;ndern. Soll mit dem erzeugten Strom effizienter umgegangen werden, so muss in neue und bessere Netze investiert werden, um ein intelligenteres Management zu entwickeln und die hohen Verluste beim Transport zu minimieren. Beide Seiten, die Sicherheitsdimension bei Strom und Gas ebenso wie der Klimaschutz, erfordern in den kommenden Jahren grundlegende Netzumgestaltungen und -verbesserungen. Dass diese nicht mehr rein national vollzogen werden kann, erschlie&#223;t sich aus der Entwicklung eines europ&#228;ischen Marktes f&#252;r Strom und Gas und der zugegebenerma&#223;en langsam verlaufenden Netzintegration der Mitgliedstaaten.</p>
<p>Nun bieten sich f&#252;r dieses Problem genau <strong>zwei L&#246;sungsalternativen</strong>: Entweder die Politik verpflichtet die Energieversorger zu diesen Investitionen, indem Netzentwicklungspl&#228;ne von Regulierungsbeh&#246;rden abgenommen werden und die Rechtsbindung dieser Pl&#228;ne ersichtlich wird, oder die Regierungen nehmen die Verantwortung selbst in die Hand und investieren. Dies w&#252;rde mit der Aussicht auf langfristig sinkende Kosten durch effizienteres Netzmanagement und die Schaffung neuer Arbeitspl&#228;tze einhergehen. Da insbesondere Deutschland und Frankreich die Verhandlungen zu einer st&#228;rkeren Verpflichtung der Energieversorger im Rahmen des Dritten Binnenmarktpakets f&#252;r den Strom- und Gasmarkt blockieren, scheint derzeit ein eigenes finanzielles Engagement in diesem Sektor unumg&#228;nglich. Bleibt es aus, werden die energie- und klimapolitischen Ziele der Europ&#228;ischen Union f&#252;r das Jahr 2020 kaum zu erreichen sein.<br />
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		<title>Gasstreit: Europa hat wenig gelernt</title>
		<link>http://carta.info/3635/gasstreit-europa-hat-wenig-gelernt/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Jan 2009 09:52:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>

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		<description><![CDATA[Kaum beginnt es richtig kalt zu werden, schon kommen schlechte Nachrichten aus Moskau: Neuer Kalter Krieg, Gaswaffe, Erpressung ereifern sich die Kommentatoren. Doch so einfach ist das nicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/140834c75af1857980eaabf2507029" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p style="0cm;">Der russische Staatskonzern Gazprom, kontrolliert von Schattenpr&#228;sident Putin, lehrt Europa wieder mal das F&#252;rchten und zeigt gleichzeitig der Ukraine, dass die Westwendung der Orangenen Revolution ein korrigierbarer Fehler war. <strong>Neuer Kalter Krieg, Gaswaffe, Erpressung, so die Umschreibung f&#252;hrender, meist konservativer Medien im Lande.</strong> W&#252;rde der Nahostkonflikt nicht die Titelseiten dominieren, es w&#228;re das Top-Thema der Woche.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">Doch so einfach die stetig wiederkehrende Geschichte der politischen Ausbeutung energiepolitischer Abh&#228;ngigkeit auch aussehen mag, sie ist weit komplexer, als die meisten Kommentare uns glauben machen wollen.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">Bereits im Oktober und November des vergangenen Jahres k&#252;ndigte Gazprom-Chef Alexej Miller an, dass die Ukraine durch die Weigerung ihre Schulden f&#252;r vergangene Gaslieferungen zu begleichen und durch eine wenig kooperative Haltung im Zuge anstehender Preisverhandlungen, mittelfristig ihre eigene Versorgung mit russischem Erdgas gef&#228;hrde. Die Warnungen wurden im Laufe der vergangenen Wochen immer deutlicher und die russische Seite bem&#252;hte sich darum, auch in Europa Verst&#228;ndnis f&#252;r die sich anbahnende Situation zu erzeugen. <strong>Allein aus Europas Hauptst&#228;dten war im Vorfeld wenig zu h&#246;ren.</strong> Auch Angebote an Europa im Streit zu vermitteln, gingen entweder in den Feierlichkeiten der franz&#246;sischen Ratspr&#228;sidentschaft unter oder wurden wissentlich abgelehnt.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">Nachdem auch zu Beginn des neuen Jahres keine Einigung erzielt werden konnte, drosselte Gazprom die Lieferungen an die Ukraine. Diese wiederum schien sich eifrig an den Transitlieferungen westw&#228;rts zu bedienen. Der Vorhang f&#252;r den zweiten Akt war gefallen und Europa betrat die B&#252;hne.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">W&#228;hrend in den ersten Tagen des Konflikts die mediale Berichterstattung auf die starre Haltung beider Seiten und die teils intransparenten Praktiken des ukrainischen Staatsunternehmens Naftogas hinwies, scheint sich nun, da die Lage dramatischere Ausma&#223;e annimmt, der Schuldige wieder mal in Moskau zu finden. Beinahe reflexartig wird politische Erpressung der russischen Geheimdienstagenten in Gazproms Schaltzentralen gewittert.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;"><strong>Die Konfliktsituation ist komplex und vielschichig</strong>, enth&#228;lt jedoch eine Botschaft, die anhand eines einfachen Beispiels dargelegt werden kann: Man stelle sich vor, Person A ist junger Unternehmer und hat vor einigen Wochen sein erstes Gesch&#228;ft er&#246;ffnet. Um dieses erfolgreich &#252;ber die schwierige Anlaufphase zu bringen, hilft ihm ein ungeliebter, aber reicher Bekannter B monatlich mit 100 Euro aus. Solange bis A auf den eigenen Beinen stehen kann, muss er wohl oder &#252;bel mit B auskommen. B schickt A das Geld monatlich per Post. Eines Tages erreichen A nur noch 70 Euro. Im n&#228;chsten Monat nur noch 30 Euro. A ist w&#252;tend. Auf wen? Nat&#252;rlich auf B, da er diesen erstens pers&#246;nlich nicht ausstehen kann und ihn daher, zweitens, instinktiv als Schuldigen f&#252;r den abnehmenden Geldfluss wahrnimmt. Der Postbote C, der monatlich den Geldbrief bringt, macht hingegen einen freundlichen, vertrauensw&#252;rdigen und pflichtbewussten Eindruck. Er ist ein kleiner Mann und arbeitet schlie&#223;lich f&#252;r die Post.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">Das Beispiel bringt die Zwickm&#252;hle, in der sich Europa derzeit befindet anschaulich auf den Punkt. Grunds&#228;tzlich g&#228;be es nun drei M&#246;glichkeiten, diese Situation dauerhaft zu l&#246;sen. Entweder A geht stets direkt zu seinem Bekannten und holt sich das Geld pers&#246;nlich ab, um den Erhalt des vollen Betrags sicherzustellen, er wechselt den Postdienstleister oder aber er sucht sich einen anderen Bekannten, der ihn finanziert. Leider wird A bald klar, dass die Anzahl potenter Bekannter eingeschr&#228;nkt ist, also muss er sich langfristig f&#252;r eine der beiden ersten M&#246;glichkeiten entscheiden.</p>
<p style="0cm;">
<p style="0cm;">Die Europ&#228;ische Union unterscheidet sich kaum von Person A. Sie ist<strong> heute nicht viel weiter, als </strong>sie es <strong>w&#228;hrend des letzten Gasstreits im Jahr 2006 war.</strong> Die beinahe einhellige Antwort auf die Herausforderung lautet heute wie damals: H&#228;nde weg vom russischen Gas! Dass dies aufgrund des Mangels anderer Anbieter kaum m&#246;glich ist, wird dabei h&#228;ufig wissentlich vernachl&#228;ssigt. Naheliegender scheint hingegen eine weitere Diversifizierung der Transportrouten. Die viel geschm&#228;hte Ostseepipeline w&#228;re daf&#252;r ein passendes Beispiel. Doch auch Leitungen durch das Schwarze Meer bieten sich als Alternativen an. Insbesondere das von Lieferausf&#228;llen schwer betroffene Bulgarien d&#252;rfte an Gazproms &#8220;South Stream&#8221;-Projekt sehr schnell wieder Gefallen finden.</p>
<p style="0cm;">Dies alles macht jedoch nur dann Sinn, wenn Europa seine Hausaufgaben erledigt. Dazu geh&#246;ren der weitere <strong>Ausbau grenz&#252;berschreitender Infrastruktur</strong>, durch den Ausgleichslieferungen innerhalb Europas erst erm&#246;glicht werden, ein <strong>rechtsverbindlicher Solidarit&#228;tsmechanismus </strong>und nat&#252;rlich ein effizienterer Umgang mit den zur Verf&#252;gung stehenden Ressourcen.</p>
<p style="0cm;">Krisen wie die derzeitige lassen sich schwer verhindern. Doch Vorsorge zu treffen liegt in der Verantwortung nationaler wie europ&#228;ischer Politik.</p>
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		<item>
		<title>Finale ohne Sieger: Die EU findet einen Kompromiss zum Klimaschutz, der niemandem richtig gefallen d&#252;rfte</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 17:04:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der j&#252;ngste EU-Kompromiss zum Klimaschutz ist ein Flickenteppich  -  dennoch d&#252;rfte er die Treibhausgasemissionen in Europa ma&#223;geblich reduzieren. Zwei Verlierer aber lassen sich jetzt schon identifizieren: Die Schwellenl&#228;nder und das EU-Parlament. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0cb09fc97c4d87708f21fd91bda897" alt="" width="1" height="1" />Die gute Nachricht zuerst: Die 27 Staats- und Regierungschefs der Europ&#228;ischen Union haben einen Kompromiss zu den wichtigsten Projekten der europ&#228;ischen Klimapolitik gefunden. Dies ist insofern erstaunlich, da die Fronten im Vorfeld der Verhandlungen so verh&#228;rtet waren, dass das Erreichen eines Ergebnisses an sich schon als Erfolg gewertet werden muss. <strong>Aufgrund der zahlreichen Ausnahmeregelungen, Vorbehalte und unverbindlichen Erkl&#228;rungen f&#228;llt es jedoch schwer zu sagen, wer als Sieger aus den Verhandlungen gegangen ist und wem das Ergebnis wirklich weiterhilft.</strong></p>
<p>Zun&#228;chst bleibt festzuhalten, dass die Europ&#228;ische Union ihre Zielsetzungen untermauert hat. 20 Prozent weniger Emissionen bis 2020 und eine Anhebung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent im gleichen Zeitraum. An diesen Festlegungen wurde nicht ger&#252;ttelt und sie d&#252;rften in naher Zukunft Rechtsform erhalten. Weit schwieriger gestaltet sich die Umsetzung der finanziellen Wirkungsmechanismen, die im Hintergrund dieser Zielsetzung eingesetzt werden sollten. Konkret geht es dabei um die Versteigerung der Emissionszertifikate f&#252;r die europ&#228;ische Industrie und die Elektrizit&#228;tswirtschaft. Weitgehend durchsetzen konnten sich hier die Unternehmen der energieintensiven Branchen, die einem internationalen Wettbewerb um den Absatz ihrer Produkte ausgesetzt sind. <strong>Die Bedingungen f&#252;r die Einstufung in die Kategorie „gef&#228;hrdete Branche“ erscheinen im Zuge der Einigung nicht sonderlich schwer zu erf&#252;llen und d&#252;rften f&#252;r die allermeisten der international agierenden Unternehmen erreichbar sein</strong>. Erst im Jahr 2027 soll hier eine volle Versteigerung der Zertifikate gew&#228;hrleistet werden.</p>
<p>Auch wenn dies als Etappensieg f&#252;r die Industrie gefeiert wird, bleibt doch festzuhalten, dass auch diese Branchen ihre Emissionen um j&#228;hrlich 1,74 Prozent reduzieren m&#252;ssen oder f&#252;r diesen Prozentsatz Rechte erwerben m&#252;ssen, die ihnen nicht frei zugeteilt werden. Zudem orientiert sich das Modell an Benchmarks. Das bedeutet, dass nur diejenigen Unternehmen ihre Zertifikate in vollem Umfang frei zugeteilt bekommen, die dem h&#246;chsten verf&#252;gbaren technologischen Standard entsprechen. Dies befreit die Unternehmen entsprechend nicht aus ihrer Verantwortung, erleichtert ihnen nur die Erf&#252;llung der Vorlagen.</p>
<p>Im Stromsektor sieht die Situation etwas anders aus. Auf den ersten Blick scheint sich die Forderung der mittelosteurop&#228;ischen Staaten um Polen durchgesetzt zu haben: Ab dem Jahr 2013 soll in der Elektrizit&#228;tswirtschaft nur ein Mindestanteil von 30 Prozent der Zertifikate auf entsprechenden M&#228;rkten erworben werden. Diese Quote soll, so der Kompromiss, bis 2020 hin zu einer vollen Auktionierung angehoben werden. Erst auf den zweiten Blick zeigen sich die Begrenzungen dieser Regelung. Einerseits k&#246;nnen sie nur von Staaten mit einem Nutzungsgrad von mindestens 30 Prozent eines einzelnen Energietr&#228;gers (Kohle) angewandt werden, andererseits ist die Annahme der &#220;bergangsregelung an strikte Vorschriften gekn&#252;pft. Dazu geh&#246;rt eine volle Verwendung der eingesparten Mittel in Neuinvestitionen, so etwa die Verbesserung der Anlagen oder Einf&#252;hrung sauberer Technologie. Die somit eingesparten Mittel verbleiben den Energieunternehmen also nicht zur freien Verf&#252;gung, sondern m&#252;ssen direkt reinvestiert werden. Dies erscheint mit Blick auf die Klimaschutzbestrebungen in jedem Fall besser, als eine Aussch&#252;ttung der h&#246;heren Dividende an die Aktion&#228;re des Unternehmens. Ein stetiger Kontrollmechanismus soll diesen Prozess zudem m&#246;glichst transparent gestalten.</p>
<p>Schlie&#223;lich mussten sich die alten Mitgliedstaaten diesen Kompromiss wie so oft teuer erkaufen. Zwei Prozent der Erl&#246;se aus dem Emissionshandel werden k&#252;nftig an diejenigen Staaten flie&#223;en, die 2006 weniger als die H&#228;lfte des durchschnittlichen europ&#228;ischen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt aufweisen konnten. Darunter fallen alle mittelosteurop&#228;ischen Mitgliedstaaten mit Ausnahme Sloweniens. Dieser Prozentsatz erg&#228;nzt einen ohnehin bereits von Seiten der Kommission vorgeschlagenen Solidarit&#228;tsfonds, in den zehn Prozent der Erl&#246;se flie&#223;en. Aus diesem Fond d&#252;rfen sich wiederum strukturschwache Mitgliedstaaten nach festgelegten Prozents&#228;tzen bedienen. Abh&#228;ngig von der H&#246;he des Zertifikatepreises und der Menge der versteigerten Rechte, k&#246;nnte es sich bei den Transferleistungen um mehrere Milliarden Euro handeln. Ein Zugest&#228;ndnis an die wirtschaftlichen Probleme, die durch die Klimaschutzbestrebungen f&#252;r diese Region mit billig produzierender Nachbarschaft (so etwa Belarus oder die Ukraine) entstehen k&#246;nnten.</p>
<p><strong>Der zu erwartende b&#252;rokratische Aufwand, der in Folge der Umsetzung des umfangreichen und &#228;u&#223;erst komplizierten Regelwerks erbracht werden muss, d&#252;rfte sowohl die Mitgliedstaaten, als auch die Europ&#228;ische Kommission vor unerwartete Herausforderungen stellen.</strong> Vielleicht ein Antrieb, alsbald auf eine Vereinfachung zu dr&#228;ngen und Ausnahmen zu streichen.</p>
<p><strong>Zwei klare Verlierer</strong> hat der Kompromiss dennoch. Der erste sind die <strong>Schwellen- und Entwicklungsl&#228;nder</strong>. Sie hatten lange darauf gehofft, an den Erl&#246;sen aus dem europ&#228;ischen Emissionshandel beteiligt zu werden. Vorstellbar w&#228;re die Finanzierung von Technologie zur Emissionsminderung oder von Ma&#223;nahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels gewesen. Zu einer solchen &#220;bereinkunft konnten sich die Staats- und Regierungschefs jedoch nicht durchringen und lie&#223;en eine Zweckbindung der Mittel offen. Sicherlich kein gutes Signal f&#252;r die weiterhin laufenden Klimaverhandlungen auf globaler Ebene.</p>
<p>Der zweite gro&#223;e Verlierer der europ&#228;ischen Klimaverhandlungen betritt die B&#252;hne erst mit Versp&#228;tung. Das <strong>Europ&#228;ische Parlament </strong>muss im Rahmen des europ&#228;ischen Gesetzgebungsverfahrens in der n&#228;chsten Woche ebenfalls &#252;ber das Klimapaket entscheiden. Die Parlamentarier tun dies im Bewusstsein, dass eine moralisch richtige Entscheidung f&#252;r sie kaum zu treffen ist. Stimmen sie dem Kompromiss des Europ&#228;ischen Rates zu, so widersprechen sie allen zuvor formulierten ehrgeizigen Pl&#228;nen zum Klimaschutz. Kaum ein anderer Akteur auf europ&#228;ischer Ebene lehnte sich so weit aus dem Fenster wie das Parlament. W&#252;rden die Abgeordneten das Paket jedoch platzen lassen, so w&#228;re dies blamabel f&#252;r Europas Bestrebungen, fr&#252;hzeitig mit konkreten Ma&#223;nahmen zum Klimaschutz voranzuschreiten und ein endg&#252;ltiges Ergebnis d&#252;rfte auf europ&#228;ischer Ebene lange auf sich warten lassen. Eine Gewissensfrage der besonderen Art, der sich die Parlamentarier nun stellen m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Alles in allem macht Europas L&#246;sung zum Klimaschutz eher den Eindruck eines Flickenteppichs</strong> als den eines vollst&#228;ndig durchdachten und nachhaltigen Konzepts, das Modellcharakter f&#252;r andere Regionen der Welt haben k&#246;nnte. Dennoch d&#252;rfte es sein wichtigstes Ziel erf&#252;llen: Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Europa. Wenn auch unter Verlust zahlreicher positiver Nebeneffekte.
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		<title>EU-Klimapolitik: Mit anschwellenden Ausnahmekatalogen in die Glaubw&#252;rdigkeitskrise</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 18:53:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Severin Fischer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit ehrgeizigen Zielen f&#252;r einen europ&#228;ischen Klimaschutz wollte die EU zur Climate-Change-Konferenz ins polnische Poznan reisen. Eigentlich. Doch von den anf&#228;nglich ambitionierten Absichten wird kaum etwas &#252;brig bleiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/073d9d405ed0e015172434c6f5e8ef" alt="" width="1" height="1" />Als im M&#228;rz 2007 die europ&#228;ischen Staats- und Regierungschefs ihre ambitionierten Beschl&#252;sse zur Umgestaltung Europas in eine „low-carbon-economy“ festlegten, herrschte Einigkeit dar&#252;ber, dass die Europ&#228;ische Union mit einem robusten und ehrgeizigen Klimaschutzkonzept nach Poznan reisen sollte. Doch nun, wo die Vorverhandlungen zum entscheidenden Weltklimagipfel Ende 2009 in Kopenhagen seit Anfang Dezember im polnischen Poznan anlaufen, ringt Europa um die Erf&#252;llung seines Zeitplans und seiner Zielvorstellungen. Die Umsetzung des anvisierten Klimaschutzkonzeptes scheint derzeit mehr als zweifelhaft. Ein Grund f&#252;r diese Entwicklung liegt in den wirtschaftlichen Problemstellungen, die aus der globalen Finanzkrise resultieren und den Klimaschutz in auf der Priorit&#228;tenagenda in den Hintergrund dr&#228;ngen. <strong>Der vielleicht entscheidende Grund liegt jedoch in der Verfasstheit der Europ&#228;ischen Union, die gerade in Krisenzeiten allzu h&#228;ufig demonstriert, dass sie von einer nachhaltigen Politikgestaltung noch immer weit entfernt ist.</strong></p>
<p>Hatten EU-Repr&#228;sentanten die Entwicklung einer ehrgeizigen Energie- und Klimapolitik<span><br />
</span>bislang zum Sinnbild europ&#228;ischer Handlungsf&#228;higkeit erhoben, so lassen die nun angek&#252;ndigten Blockaden aus Berlin, Warschau, Rom und anderen europ&#228;ischen Hauptst&#228;dten darauf schlie&#223;en, dass Europa wie so oft auf der Stelle tritt. Dabei gleicht sich die Problematik der Umsetzung europ&#228;ischer Beschl&#252;sse stets von Neuem: Sobald nationale Interessen ber&#252;hrt werden, ruft die Regierung des vermeintlich leidtragenden Mitgliedstaates zum Protest gegen den Ausverkauf des Landes auf. Was bislang f&#252;r Agrar- oder Strukturpolitik als sicher galt, scheint nun auch zum vorherrschenden Prinzip der Klimapolitik zu werden. Europ&#228;ische Regelungen bleiben der kleinste gemeinsame Nenner einer immer gr&#246;&#223;er werdenden Europ&#228;ischen Union.</p>
<p><strong>Europa wird seine internationalen Verpflichtungen im Rahmen des Kyoto-Protokolls f&#252;r den Zeitraum 2008-2012 aller Voraussicht nach nicht erf&#252;llen</strong>. Die Ursache hierf&#252;r liegt nicht nur in den durch industrielle Prozesse entstehenden Emissionen, sondern findet sich auch in anderen Bereichen, so etwa im Transportsektor. Dieser ist zwar nur f&#252;r rund ein Viertel der entstehenden Emissionen verantwortlich, <strong>kaum ein anderer Klimakiller w&#228;chst jedoch so best&#228;ndig wie der Verkehr</strong>. Die Europ&#228;ische Kommission sah sich im Dezember 2007 daher in der Pflicht, Ma&#223;nahmen einzuleiten, die dieser Entwicklung Einhalt gebieten sollten. Nachdem die europ&#228;ischen Autobauer den Selbstverpflichtungen zur durchschnittlichen Emissionsminderung ihrer Fahrzeugflotte in den vergangenen Jahren nicht nachgekommen waren, erschien dies nur als folgerichtig. Verbindliche 120 Gramm CO2 pro Kilometer als Durchschnittswert der gesamten verkauften Flotte eines Autohersteller bis zum Jahr 2012, so lautete der urspr&#252;ngliche Vorschlag der Europ&#228;ischen Kommission. Der absehbare Widerstand der Automobilindustrie formierte sich rasch. Bundeskanzlerin Merkel und der franz&#246;sische Staatspr&#228;sident Sarkozy trafen sich bereits im Sommer 2008, um in dieser Frage einen Kompromiss „f&#252;r Europa“ zu finden. Gerade so, als ob daf&#252;r das Votum zweier Mitgliedstaaten allein entscheidend sei. Die &#252;brigen 25, von diesem Schritt offensichtlich kaum betroffen, sollten sich anschlie&#223;end dem Beschluss f&#252;gen, so der Plan. Die Einigung auf dem deutsch-franz&#246;sischen Gipfel im bayerischen Straubing zielte zun&#228;chst darauf ab, sich gegen die Pl&#228;ne der Kommission zu wehren. Konkrete Vorschl&#228;ge sollten zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt pr&#228;sentiert werden.</p>
<p>Kurz vor Beginn der mit <strong>symbolischem Wert</strong> bedachten Klimaverhandlungen in Poznan, schien der Zeitpunkt gekommen, eigene Vorschl&#228;ge zu pr&#228;sentieren. Um eine Schw&#228;chung der, durch Finanzkrise und Missmanagement in der Wahrnehmung der Kundenw&#252;nsche schwer gesch&#228;digte europ&#228;ischen Autoindustrie zu verhindern, sollen die Regelungen f&#252;r strengere Emissionswerte auf 2015 aufgeschoben werden. Um den Schein nach au&#223;en hin zu wahren, wurde ein „Phase-in“-Mechanismus f&#252;r die Jahre 2012-2015 ins Leben gerufen, dessen Anforderungen die Autohersteller allerdings bereits heute erf&#252;llen. Im gleichen Zuge wurden die Strafzahlungen f&#252;r ein Verfehlen der Normen deutlich reduziert. Aus den Fehlern der Vergangenheit hatten Merkel und Sarkozy gelernt und so f&#252;r diese Entscheidung auch die Regierungschefs Gro&#223;britanniens und Italiens gewonnen – immerhin ein Fortschritt im Bewusstsein, dass eine EU-Verordnung entwickelt werden sollte.</p>
<p>W&#228;hrend die Unstimmigkeiten in der Frage zuk&#252;nftiger Emissionsregelungen f&#252;r Fahrzeuge im Gewirr der aufkochenden Debatten beinahe untergingen, erhielt ein anderer Sektor weit mehr Aufmerksamkeit: Die Energiewirtschaft. Kohle geh&#246;rt noch immer zu den meist genutzten Prim&#228;renergietr&#228;gern in Europa. Rund 40 Prozent des weltweit erzeugten Stroms wird durch ihre Verbrennung erzeugt. In Europa immerhin knapp 30 Prozent. Dass Braun- und Steinkohle die Energietr&#228;ger mit den vergleichsweise h&#246;chsten Emissionswerten sind, darf mittlerweile zur Allgemeinbildung gez&#228;hlt werden. <strong>Dass der Weg einer Energiewende also nicht daran vorbeif&#252;hren kann, sich von diesem Rohstoff des 19. und 20. Jahrhunderts zu l&#246;sen, scheint sich demgegen&#252;ber noch nicht in den K&#246;pfen durchgesetzt zu haben</strong>. Zumindest nicht im Lagezentrum der „Klimarebellen“ – der polnischen Hauptstadt Warschau.</p>
<p>Zum wichtigsten Schlachtfeld hat sich im Laufe der Verhandlungen die Versteigerung der <strong>Emissionszertifikate</strong> f&#252;r den Stromsektor entwickelt. Im Rahmen ihres Klima-Energie-Pakets vom Januar 2008 hatte die Europ&#228;ische Kommission vorgeschlagen, dass ab dem Jahr 2013 alle Verschmutzungsrechte im Stromsektor vollst&#228;ndig auf entsprechenden M&#228;rkten erworben werden m&#252;ssen. Dies galt bis dahin auch als „common sense“ unter den Mitgliedstaaten. Die Ursache f&#252;r diese urspr&#252;nglich weitgehend einm&#252;tige Entscheidung beruht auf zwei Tatsachen: Zum einen ist der Stromsektor keinem internationalen Wettbewerb ausgesetzt, kann also trotz vermeintlich kostspieliger Klimapolitik im Gegensatz zu anderen Produkten nicht in gro&#223;em Umfang g&#252;nstiger aus dem Ausland importiert werden. Zum anderen haben die Energieversorgungsunternehmen in der Vergangenheit bewiesen, dass sie eher dazu neigen, fiktive „Klimakosten“ an die Verbraucher weiter zu geben. Diese so genannten „Windfall-Profits“ kosteten die Unternehmen nicht nur Glaubw&#252;rdigkeit, sondern &#252;berzeugten die meisten Politiker auch davon, dass es wohl <strong>besser w&#228;re, die Einnahmen aus dem Emissionshandel selbst zu verwalten, statt sie von Energieversorgern an deren Aktion&#228;re verteilen zu lassen</strong>. Auf diese Weise sollten die rund 30 Prozent der europaweiten Emissionen, die durch die Stromerzeugung entstehen, k&#252;nftig von einem wirksamen Preismechanismus gedrosselt werden. So weit so gut.</p>
<p>Scheinbar erkannten  die polnischen Beh&#246;rden erst zu sp&#228;t, dass rund 90 Prozent ihrer Stromerzeugung auf der Verbrennung von Kohle basiert. Die Strategie schien nun klar: Der polnische Verbraucher musste in den Mittelpunkt des Interesses ger&#252;ckt werden, um die vermeintlich „unertr&#228;gliche“ Situation Polens in dieser Frage zu untermauern. Eine europaweit bekannte Beratungsagentur wurde mit der Untersuchung des Problems beauftragt und kam umgehend zum <strong>richtigen Ergebnis</strong>: 60 Prozent Mehrkosten entst&#252;nden durch die volle Auktionierung im Stromsektor. <strong>Der Beleg f&#252;r die eigene Berufung als ‚Jeanne d’Arc des emissionshandelsgesch&#228;digten B&#252;rgers war also erbracht. </strong>Kaum wahrgenommen wurde jedoch, dass diese Rechnung nicht den realen Gegebenheiten einer bereits etablierten Klimapolitik entspricht, die zuk&#252;nftigen Rahmenbedingungen f&#252;r den Einsatz erneuerbarer Energietr&#228;ger au&#223;en vor l&#228;sst und <strong>dem ungebremsten Ausbau der Kohlekraftwerksparks in China damit eine Absolution</strong> erteilt.</p>
<p>W&#228;hrend also der Kampf um neue Regelungen f&#252;r den Verkehrs- und den Stromsektor weitergeht, scheint die drohende Gefahr des Emissionshandels im Bereich der Industrie schon bezwungen. Nicht einmal die Europ&#228;ische Kommission hatte es gewagt, eine volle Auktionierung der Verschmutzungsrechte f&#252;r Stahl-, Papier- oder Zementhersteller oder andere emissionslastige Industriesektoren zu fordern. Stattdessen wurde vorgeschlagen, den betroffenen Industrien einen langsamen Einstieg bis 2020 zu erm&#246;glichen, um sie gegen&#252;ber der globalen Konkurrenz nicht zu sch&#228;digen. Welche Sektoren in den Genuss dieser Regelungen kommen sollten, sei Verhandlungssache und werde dann finalisiert, wenn die Grundz&#252;ge f&#252;r das Emissionshandelssystem ab 2013 beschlossen seien. Nicht so in Zeiten globaler Tumulte auf den Finanzm&#228;rkten und deren Folgen f&#252;r die europ&#228;ische Wirtschaft.</p>
<p>Italien preschte in Gesinnungspartnerschaft mit den mittel- und osteurop&#228;ischen Staaten um Polen voran. Klimaschutz d&#252;rfe nichts kosten, sonst werde Italien den Vorhaben der Kommission nicht zustimmen, so der O-Ton der italienischen Regierung. Wer nun dachte, dass dies nichts weiter, als einen kurzfristigen Meinungsumschwung des wankelm&#252;tigen Ministerpr&#228;sidenten Berlusconi darstellen w&#252;rde, hatte sich geirrt. Der italienische Vorschlag wirkte vielmehr als Katalysator f&#252;r andere Regierungschefs, die pl&#246;tzlich erkannten, dass eine ambitionierte Klimapolitik Kosten f&#252;r ihre Wirtschaft verursachen k&#246;nnte. Wiederum war es die deutsche Kanzlerin, die auf einem Treffen mit dem italienischen Ministerpr&#228;sidenten erkl&#228;rte dass zwar an den Klimaschutzzielen festzuhalten sei, dabei jedoch nicht zu viel Druck auf die Wirtschaft ausge&#252;bt werden d&#252;rfe. Auch bei der Industrie k&#246;nnte die L&#246;sung also in einer freien Zuteilung der Emissionszertifikate liegen: Ein konsensf&#228;higer Kompromiss w&#252;rde folglich  jedem Mitgliedstaat zugestehen, einen favorisierten Industriezweig zu benennen, der dann im Einklang mit den anderen Regierungschefs europaweit vom Emissionshandel auszunehmen w&#228;re. <strong>Ein Todesurteil f&#252;r die grundlegende Idee des Emissionshandels.</strong></p>
<p>Ob Verordnungen f&#252;r PKW-Emissionen verz&#246;gert, Verschmutzungsrechte im Stromsektor frei zugeteilt oder Industriesektoren vom Emissionshandel ausgenommen werden – all dies beeinflu&#223;t die Entwicklung des Weltklimas nur marginal. Die Prozesse deuten jedoch auf eine Reihe anderer, in ihrer Folgewirkung mitunter schwerwiegenderer Probleme hin. <strong>Dazu geh&#246;ren die Handlungsf&#228;higkeit Europas, das entstehende Glaubw&#252;rdigkeitsdefizit und der Verlust der Vorbildfunktion f&#252;r die Entwicklungs- und Schwellenl&#228;nder.</strong></p>
<p>Glaubt man einer k&#252;rzlich ver&#246;ffentlichten europaweiten Umfrage, findet sich der Klimawandel auf einer <strong>Spitzenposition der europ&#228;ischen Sorgenskala</strong>. Da bei jeder Gelegenheit gebetsm&#252;hlenartig wiederholt wird, dass Europa sich um die Belange seiner B&#252;rger k&#252;mmere, zeigt die derzeitige Entwicklung, dass dies auf den Bereich der Klimapolitik scheinbar nicht zutrifft. Auch mit Blick auf die beginnenden Verhandlungen in Poznan wiegt diese Entwicklung umso schwerer.</p>
<p><strong>Als Ironie der Geschichte darf mit Sicherheit verbucht werden, dass in dieser schwierigen Phase ausgerechnet der designierte amerikanische Pr&#228;sident Obama das Banner des Klimaschutzes hoch h&#228;lt.</strong> Trotz der bereits einsetzenden Wirtschaftskrise erkl&#228;rte er die Klimapolitik zu einer der Priorit&#228;ten seiner Amtsperiode. Gleichzeitig ging sein Appell an die Staaten der Welt, dass Amerika f&#252;r diesen Schritt Partner ben&#246;tige. In Europa d&#252;rfte dieses Angebot derzeit jedoch auf taube Ohren sto&#223;en.
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