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	<title>CARTA &#187; Sebastian Lange</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Westerwelle und Merkel: Opfer ihrer Demoskopie-Versessenheit</title>
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		<pubDate>Wed, 04 May 2011 17:26:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutschland ist keine Basisdemokratie, doch k&#246;nnte man glauben, es sei eine: eine demoskopisch-mediale Basisdemokratie, ausgerichtet an st&#228;ndigen Befragungen des Volkes. Angela Merkel und Guido Westerwelle haben in den vergangenen anderthalb Jahren viel zu h&#228;ufig in ihren Umfragen- und Presse-Schminkspiegel geschaut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stellen Sie sich vor, unsere Politiker d&#252;rften keine Umfrageergebnisse mehr lesen oder es g&#228;be gar ein Verbot der politischen Demoskopie. W&#228;re das nicht wunderbar?</p>
<p>Pl&#246;tzlich w&#228;re ihnen die bisherige Richtschnur ihrer Politik genommen, und sie w&#228;ren gezwungen, sich Gedanken zuallererst dar&#252;ber zu machen, was dem Gemeinwohl dient. Den vermeintlichen Volkswillen k&#246;nnten sie nicht mehr zur Grundlage ihrer Entscheidungen machen, und sie m&#252;ssten sich fortan an eigenen &#220;berzeugungen und Werten orientieren. Schwierig w&#252;rde es dann allerdings f&#252;r diejenigen, die &#252;ber solche nicht verf&#252;gen – ihnen k&#246;nnte vielleicht eine Kommission aushelfen und Handlungsempfehlungen geben.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist es &#252;beraus gemein, das so pauschal zu behaupten, und die Meinungs- und Informationsfreiheit beschneiden will hoffentlich auch keiner; doch wird man den Politiker, dem Umfragen und Wiederwahl nicht so wichtig sind, wohl leider zun&#228;chst einmal unter den &#228;lteren Vertretern seiner Klasse suchen m&#252;ssen.</p>
<p>Besonders die einmal in ein Amt gew&#228;hlten schielen doch allzu sehr nach den Momentaufnahmen der Volksmeinung. Etwas zu verlieren, was man hat, ist denn wohl schlimmer, als nicht zu bekommen, was man nicht hat. Die Stimmungspolitiker von Schwarz-Gelb zeigen &#252;berdeutlich, wie gro&#223; die Angst vor dem Verlust ist: Erst die Verl&#228;ngerung der Atom-Laufzeiten, dann der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg – ohne dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse &#252;ber die Kernenergie vorl&#228;gen, war deren mangelnde Kontrollierbarkeit doch l&#228;ngst bekannt.</p>
<p>Mit Blick auf die Landtagswahlen vollzieht Schwarz-Gelb stattdessen eine Kurswende, die eine Ethik-Kommission im Nachhinein begr&#252;nden soll. Zudem ein „Nein“ zur Beteiligung am Libyen-Einsatz, wohl zumindest auch aus dem Glauben heraus, dass das Wahlvolk Friedensf&#252;rsten stets belohnt – dann internationaler Druck, schlechte Presse, und schon denkt man dar&#252;ber nach, wenigstens bei einem humanit&#228;ren Einsatz dabei zu sein.</p>
<p>Dies sind nur zwei Beispiele daf&#252;r, dass sich Politik heute vorrangig an der Annahme ausrichtet, was ankommt beim Volk. Dabei war die Entscheidung der M&#252;tter und V&#228;ter des Grundgesetzes f&#252;r die repr&#228;sentative Demokratie doch eine bewusste Entscheidung f&#252;r Politiker, die zwar durch das Volk legitimiert sind, die aber nach bestem Wissen und Gewissen tun, was sie selbst f&#252;r richtig halten.</p>
<p><strong>Deutschland ist keine Basisdemokratie, doch k&#246;nnte man glauben, es sei eine: eine demoskopisch-mediale Basisdemokratie, ausgerichtet an st&#228;ndigen Befragungen des Volkes</strong>, ausgerichtet am mithilfe von Media-Analysen ermittelten Meinungsbild. Allerdings ist es so, dass Erfolge im Kampf um die &#246;ffentliche Meinung politisches Handeln nicht legitimieren – sondern nur dann, wenn sie sich in Wahlergebnissen widerspiegeln.</p>
<p>Wer nur um Beliebtheit k&#228;mpft, kann nicht f&#252;hren, denn ein wesentliches Merkmal der modernen Definition von „Leadership“ ist es, anhand von Werten Ziele zu definieren und dann andere f&#252;r diese Ziele zu gewinnen. Dabei kann man auch scheitern.</p>
<p>F&#252;r Helmut Kohl beispielsweise war die europ&#228;ische Integration ein Fixpunkt, an dem er seine Au&#223;enpolitik ausgerichtet hat. Kohl hat unpopul&#228;re Entscheidungen wie die Einf&#252;hrung des Euro getroffen, weil er an den Sinn einer solchen fortschreitenden Integration glaubte. Gerhard Schr&#246;der hat die Agenda-Reformen durchgesetzt, weil er glaubte, dass sie dem Land nutzen – und letztlich auch den Sozialstaat erhalten helfen.</p>
<p>Menschen, die von allen gemocht werden wollen, sind meist keine angenehmen Menschen. Zu oft schauen sie &#228;ngstlich in den Spiegel, um sich ihrer Attraktivit&#228;t zu vergewissern. Angela Merkel und Guido Westerwelle jedenfalls haben bei ihrer nun schon anderthalb Jahre w&#228;hrenden Cabriofahrt st&#228;ndig in ihren Umfragen- und Presse-Schminkspiegel geschaut – anstatt mal auf die Stra&#223;e zu gucken. Das h&#228;tte geholfen, denn alle paar Meter gibt es Abbiegungen. Manch eine f&#252;hrt in die Zukunft.</p>
<p><a href="http://www.politik-kommunikation.de/"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-40106" title="puk_82_cover.indd" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/puk_aktuell-89x120.jpg" alt="" width="89" height="120" /></a><em>Dieser Text stammt aus der neuen Ausgabe von <a href="http://www.politik-kommunikation.de/">Politik und Kommunikation</a>, dessen Chefredakteur Sebastian Lange ist. </em></p>
<p>/th
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		<title>Helmut Metzner: Die M&#228;r vom FDP-Spion mit der Fliege</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 20:29:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Helmut Metzner. Qualitätsjournalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Geschichte des FDP-„Maulwurfs“ zeigt musterg&#252;ltig, wie der Polit-Betrieb Skandale produziert – echte und vermeintliche. Manch einer bleibt dabei auf der Strecke.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Sturm hatte sich gerade ein wenig gelegt, da gab es wieder eine Schlagzeile &#252;ber Helmut Metzner: „<a href="http://www.express.de/news/politik-wirtschaft/fdp-maulwurf-metzner-wuehlt-wieder/-/2184/5114070/-/index.html">Trotz Rauswurfs – FDP-Maulwurf w&#252;hlt wieder</a>“ schrieb der K&#246;lner „Express“, als der ehemalige Parteifunktion&#228;r im Januar zum Dreik&#246;nigstreffen der Liberalen nach Stuttgart flog.</p>
<p>„Gibt‘s doch gar nicht!“ zitierte die Zeitung „f&#252;hrende FDPler“. War Metzner denn nicht so eine Art Agent der Amerikaner gewesen, „a well-placed FDP source“, wie die US-Botschaft ihn in ihren Depeschen nannte? So stand es doch im „<em>Spiegel</em>“, der die Depeschen von Wikileaks bekommen hatte und einer breiten &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich machte.</p>
<p>Wer den Fall in den Medien verfolgte, musste jedenfalls glauben, es mit einer kapitalen Agentenstory zu tun zu haben. &#220;ber Jahre hinweg soll Metzner den Amerikanern aus seiner Partei berichtet haben, sogar aus den Koalitionsgespr&#228;chen mit der Union. F&#252;r die Medien ein gefundenes Fressen. Und dass die Amerikaner offenkundig &#252;bertrieben, als sie sich r&#252;hmten, sie h&#228;tten ihre Quelle in der FDP „platziert“ – was tut das schon zur Sache? Die Information kam von Wikileaks, und was die bislang lieferten, war doch immer brisant.</p>
<p><a href="http://www.muntermachermetzner.de/">Helmut Metzner</a> ist korrekt gekleidet, als p&amp;k ihn in Berlin trifft, der 42-J&#228;hrige tr&#228;gt wie &#252;blich Fliege. Bei sich hat er Zeitschriften, Zeitungsartikel und viele Notizen. Der Spross einer fr&#228;nkischen Beamtenfamilie – er ist das siebte von neun Kindern – hat auch Unterlagen der Bundesanwaltschaft dabei: Diese hatte n&#228;mlich zu pr&#252;fen, ob sie Ermittlungen gegen ihn aufnehmen muss, wegen landesverr&#228;terischer Agentent&#228;tigkeit.</p>
<p>F&#252;nf Anzeigen gab es gegen ihn, alle gest&#252;tzt auf die Medienberichte, allesamt von Menschen, die Metzner nicht kennt. Die Bundesanwaltschaft bat ihn im Januar zum Gespr&#228;ch nach Karlsruhe, pr&#252;fte den Fall – und fand keinen Anfangsverdacht, der Ermittlungen rechtfertigen w&#252;rde. Und dennoch schrieb eine Nachrichtenagentur zun&#228;chst einmal von „Ermittlungen“, die „eingestellt worden“ seien.</p>
<p>Metzner will sich eine neue Existenz als Politikberater aufbauen und hat dabei ein nicht geringes Problem: „Mein Ruf ist ramponiert“, sagt er. Als er und die Partei sich im Dezember darauf einigten, das Arbeitsverh&#228;ltnis aufzul&#246;sen, sei er erst einmal dem Rat einer befreundeten PR-Expertin gefolgt, nicht direkt an die &#214;ffentlichkeit zu gehen.</p>
<p><em>Diesen Text schrieb Sebastian Lange f&#252;r die Zeitschrift “<a href="http://www.politik-kommunikation.de">politik &amp;  kommunikation</a>”. Carta pr&#228;sentiert diesen Text mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag.</em></p>
<p>„Gegen diesen Sturm kannst Du jetzt nicht ankommen“, habe sie gesagt. Nun aber m&#246;chte er seine Sicht der Dinge schildern, was f&#252;r ihn einen Spagat bedeutet: Will er doch kein unfreundliches Wort &#252;ber die FDP sagen. Nach inzwischen 23 Jahren Mitgliedschaft h&#228;ngt er immer noch an der Partei, deren Spitze ihn aus der Parteizentrale weghaben wollte. Dort hat er sechs Jahre lang in verantwortlicher Position gearbeitet.</p>
<p><strong>US-Depeschen schlugen ein</strong></p>
<p>Helmut Metzner war in der FDP-Zentrale f&#252;r internationale Kontakte zust&#228;ndig, es war sein Job, mit Vertretern ausl&#228;ndischer Parteien, Stiftungen und eben Botschaften zu reden, ihnen auch die Politik der FDP zu erl&#228;utern. Das tat er regelm&#228;&#223;ig, manchmal kamen die Leute in sein B&#252;ro oder man traf sich in einem Café – nichts Ungew&#246;hnliches im politischen Berlin.</p>
<p>Ende November vorigen Jahres schlugen die Depeschen der US-Botschaft bei der Partei ein wie eine Bombe. Viele Liberale waren stinksauer auf die Amerikaner, zumal Parteichef und Au&#223;enminister Guido Westerwelle recht unvorteilhaft dargestellt wurde. Da die US-Botschaft von der „platzierten Quelle“ berichtete, die auch „interne Unterlagen ausgeh&#228;ndigt“ habe, sah es so aus, als h&#228;tten die Amerikaner sich gezielt einen Zutr&#228;ger herangezogen, wenn nicht sogar in die FDP eingeschleust.</p>
<div id="attachment_39321" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_Helmut_Metzner.jpg"><img class="size-medium wp-image-39321" title="aufmacher_Helmut_Metzner" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_Helmut_Metzner-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Politikberater Metzner: Als erstes fallen die Bauern.</p></div>
<p>Als Anfang Dezember herauskam, dass der vermeintliche „Maulwurf“ Westerwelles B&#252;roleiter im Thomas-Dehler-Haus war, konnte sich mancher Journalist den sonst eher fernliegenden Vergleich zwischen Westerwelle und Willy Brandt nicht mehr verkneifen: Brandt war als Bundeskanzler zur&#252;ckgetreten, weil sein pers&#246;nlicher Referent G&#252;nter Guillaume Stasi-Spitzel gewesen war. Metzner war nun Westerwelles Guillaume.</p>
<p>Der Schaden f&#252;r die Partei war unbestreitbar, selbst wenn das Bild, das die &#214;ffentlichkeit von Metzners T&#228;tigkeit gewann, schief sein mochte. Der Druck auf die Parteif&#252;hrung wuchs, erst wollte man den Funktion&#228;r im Dehler-Haus halten, dann forderte der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki im „<a href="http://www.focus.de/politik/ausland/wikileaks/wikileaks-informant-kubicki-fordert-metzners-entlassung_aid_578538.html">Focus</a>“: „Der FDP-Mitarbeiter, der sich angedient hat, muss fristlos entlassen werden.“</p>
<p>Die Angelegenheit war nun Teil eines politischen Machtkampfs geworden, denn Kubickis Attacke galt nat&#252;rlich Westerwelle. Machtk&#228;mpfe fordern schnell Opfer: Als erstes fallen die Bauern.</p>
<p>Auf der Jagd nach einer guten Geschichte wurden die Journalisten unfreiwillig zu Assistenten in diesem Machtkampf. Sie verpassten Metzner das Etikett des Spions, machten ihn zum „Maulwurf“, womit sie eine Variante der Geschichte – die des willigen Gehilfen der Amerikaner – zementierten. Sie schauten sich auf seiner Homepage um, wo sie entdecken konnten, dass der Liberale leicht exzentrische Z&#252;ge hat: So hatte er sich mal im Hasenkost&#252;m auf dem Christopher Street Day pr&#228;sentiert und nennt sich selbst zuweilen „Mr. Helmut“. All das wurde nun ausgewalzt.</p>
<p>Doch dabei blieb es nicht: Weil Metzner wie Westerwelle bekennend homosexuell ist, warf die „<a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc%7EE967B63711A224F02B764340BFE26FABA%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</a>“<strong> die Regeln journalistischer Ethik &#252;ber Bord</strong> und spekulierte &#252;ber „homosexuelle Seilschaften“. Die Quelle: „Einer in der FDP“. Z&#246;gerten seine Vorgesetzten also deswegen erst mit dem Rauswurf? Hielt jemand die Hand &#252;ber Metzner, weil – ja, weil was eigentlich? Die Zeitung belie&#223; es bei den Andeutungen, die Diskussion aber war er&#246;ffnet, auch die „<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-enthuellungen-ueber-die-fdp-maulwurf-mauschelei-1.1032854">S&#252;ddeutsche</a>“ und andere Medien griffen die Spekulationen der Kollegen aus Frankfurt auf.</p>
<p>Der einzig handfeste Vorwurf gegen Metzner bleibt am Ende der, er habe zu viel geplaudert und interne Papiere herausgegeben. Das bestreitet er: „Was die Amerikaner f&#252;r interne Papiere hielten, war der Wahlaufruf vor der Bundestagswahl und eine Liste mit den Namen der FDP-Teilnehmer an den Koalitionsgespr&#228;chen.“</p>
<p>Beides hatte die Partei zuvor ver&#246;ffentlicht. Auch FDP-Sprecher Wulf Oehme teilt mit, Metzner habe „im Rahmen seiner Aufgaben“ gehandelt. Wollte die Botschaft also gegen&#252;ber dem US-Au&#223;enministerium gl&#228;nzen und peppte ihre Depeschen ein wenig auf? Metzner geht indes so weit zu vermuten, die von den Amerikanern genannte Quelle sei eine „fiktive Person“ gewesen, der die Botschaftsmitarbeiter auch den Medien entnommene Informationen zugeschrieben h&#228;tten.</p>
<p><strong>Kurzsichtige Parteifreunde</strong></p>
<p>Sollte der vermeintliche Maulwurf denn zu viel erz&#228;hlt haben – Spionage war das nicht, sind Informationen doch die W&#228;hrung der politischen Kommunikation. Dass Politiker zuweilen auch Vertrauliches mitteilen – zur Pflege einer Beziehung oder in der Hoffnung, daf&#252;r Informationen zur&#252;ckzubekommen – geh&#246;rt zum politischen Spiel dazu.</p>
<p>Juristisch gesehen ist die Aff&#228;re erledigt, auch arbeitsrechtlich: &#220;ber ihr liegt der Mantel des Aufhebungsvertrags, den Metzner und die FDP geschlossen haben, und &#252;ber dessen Details Stillschweigen vereinbart ist. Zu vernehmen ist jedoch, dass die FDP-Spitze ihm &#252;belnahm, dass er sich nicht umgehend „offenbart“ habe, als der „Spiegel“ &#252;ber die US-Depeschen berichtete. Metzner meint, es habe doch nichts zu offenbaren gegeben.</p>
<p>Beim Dreik&#246;nigstreffen jedenfalls konnte er immerhin mit Parteifreunden wie Katja Suding plaudern, der damaligen Spitzenkandidatin bei der Hamburg-Wahl. Auch w&#252;nschte Generalsekret&#228;r Christian Lindner ihm ein gutes neues Jahr. „Bei dem einen oder anderen machte sich allerdings offenbar eine Art altersbedingter Kurzsichtigkeit bemerkbar“, sagt er und l&#228;chelt.</p>
<p>Er nimmt die Maulwurf-Aff&#228;re inzwischen mit Humor, doch wird es dauern, bis er ihre Folgen bew&#228;ltigt hat. F&#252;r viele in der FDP, so ist zu h&#246;ren, gilt Metzner zwar nicht als Spion – ein Bundestagsabgeordneter aber bringt es so auf den Punkt: „ein armes Schwein“. Fragt sich, welches Urteil am Ende schmeichelhafter ist.</p>
<p><em>Diesen Text hat Sebastian Lange f&#252;r die Zeitschrift “<a href="http://www.politik-kommunikation.de">politik &amp;  kommunikation</a>” geschrieben. Carta pr&#228;sentiert ihn mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag.</em></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.politik-kommunikation.de/"><img class="aligncenter size-thumbnail wp-image-39326" title="puk_81_cover.indd" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/puk_aktuell-89x120.jpg" alt="" width="89" height="120" /></a></p>
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		<title>Wie viel Utopie kann sich unsere Gesellschaft noch leisten?</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Jan 2011 16:37:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Kommunismus-Debatte um Gesine L&#246;tzsch offenbart, wie flach der politische Diskurs in Deutschland inzwischen ist. Am Ende steht immer der &#246;ffentliche Exorzismus. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und nun also Gesine L&#246;tzsch. Die Politikerin darf sich einreihen bei denjenigen, &#252;ber denen pl&#246;tzlich eine Welle der Emp&#246;rung zusammenschl&#228;gt, weil sie – versehentlich, oder um zu provozieren – die Linie &#252;berschritten haben, die die Welt der Gerechten von der Welt der B&#246;sen trennt. Es reicht, dass die Vorsitzende der Linken in einem <a href="http://www.jungewelt.de/2011/01-03/001.php">Artikel</a> ihre politischen Ziele mit dem Begriff „Kommunismus“ umschreibt, um von Kommentatoren und Politiker-Kollegen reflexartig verdroschen zu werden: L&#246;tzsch stelle sich au&#223;erhalb der Verfassung, sagt CSU-Generalsekret&#228;r Alexander Dobrindt und denkt laut &#252;ber ein Verbot der Linken nach, zugleich ist von „<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,737780,00.html">Spiegel Online</a>“ bis „<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/die-linke-richtungsstreit-das-loetzsche-manifest-1.1043436">S&#252;ddeutsche Zeitung</a>“ unisono zu h&#246;ren, L&#246;tzsch d&#252;rfe nicht von Kommunismus reden, ohne die Opfer zu erw&#228;hnen, die Diktaturen in seinem Namen gefordert haben. Bei der „<a href="http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11981534/63629/Gesines-K-Gruppe-Henry-Lohmar-ueber-die-Kommunismus.html">M&#228;rkischen Allgemeinen</a>“ hei&#223;t es w&#246;rtlich: „Eine Verwendung des Kommunismus-Begriffs ohne historische Einordnung und Verweis auf die zahllosen Opfer in seinem Namen verbietet sich.“</p>
<p>Nun kann man einem Generalsekret&#228;r noch zugute halten, dass seine Jobausschreibung eine hohe Frequenz von drastischen Spr&#252;chen fordert; dass sich aber so viele Journalisten in der Debatte f&#252;r mancherlei Flachheiten nicht zu schade sind, zeigt, wie arm der politische Diskurs in Deutschland geworden ist. Gibt es eine Pflicht zur ritualisierten Erw&#228;hnung der Opfer kommunistischer Regimes? Bedeutet Nichterw&#228;hnung etwa, die Opfer gutzuhei&#223;en?</p>
<p>Jeder wei&#223;, dass der Versuch kommunistischer Parteien, das Paradies auf Erden zu schaffen, h&#246;llisch schiefgegangen ist. Es ist auch wichtig, das in Erinnerung zu behalten. Den L&#246;tzsch-Beitrag h&#228;tte man aber auch in Ruhe lesen, dann in der Sache dar&#252;ber diskutieren – oder ihn einfach ignorieren k&#246;nnen. Kommunismus ist f&#252;r die Linken-Chefin offenbar die Chiffre f&#252;r einen utopischen Gegenentwurf zu unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Sie sinniert &#252;ber die Wege zu einer anderen Gesellschaft – und macht dabei ziemlich deutlich, dass sie nicht etwa Stalinismus als den geeigneten Weg ansieht, sondern den „demokratischen Sozialismus“. Sie lobt Rosa Luxemburg als „konsequente sozialistische Demokratin“, der zugleich die individuelle Freiheit viel bedeutet habe.</p>
<p>Aus dem Text schl&#228;gt dem Leser sicher eine Menge Staub entgegen. Er enth&#228;lt allerdings nichts, was demokratiefeindlich w&#228;re oder gar verboten. Der Grund f&#252;r die dennoch vorherrschende Skandalisierung d&#252;rfte die Argumentationsfaulheit sein, die unsere politische Debattenkultur pr&#228;gt. Wenn jemand das Ende der Geschichte in Form des Kommunismus herbeisehnt, w&#228;re das doch eine Gelegenheit, sich dar&#252;ber zu unterhalten, ob es ein solches &#252;berhaupt geben kann – wir w&#252;rden vermutlich feststellen, dass die Geschichte bislang noch immer weiterging, egal von welcher ideologischen Warte aus ihr Ende verk&#252;ndet wurde. Wom&#246;glich ist die Utopie als solche noch das Interessanteste an dem Beitrag. Wie viel Utopie kann unsere Gesellschaft sich eigentlich leisten? – das w&#228;re eine sch&#246;ne Debatte gewesen, doch stattdessen allerorten reflexartige Flucht aus der Diskussionsarena.</p>
<p>Es w&#252;rde uns gut tun, mehr Debatte zu wagen, doch verhindern das die Gesetzm&#228;&#223;igkeiten des Polit- und Medienbetriebs. Wenn etwas einen Aufreger hergibt, wird sich gef&#228;lligst auch aufgeregt. Siehe Thilo Sarrazin mit seinen kruden Thesen &#252;ber Integration, siehe die Hartz-IV-&#196;u&#223;erung von Philipp Mi&#223;felder oder die Worte von Jens Spahn zu den Rentenerh&#246;hungen des Jahres 2008. Das Reaktionsmuster ist immer gleich, und manche derjenigen, die sich aufregen, nutzen die Gelegenheit, sich als die Guten und Gerechten in Szene zu setzen. Weil die Aufregung aber so kalkulierbar ist, ist es im &#220;brigen auch so leicht, gezielt zu provozieren.</p>
<p>Gesine L&#246;tzsch muss sich nun dem &#252;blichen, auch an Sarrazin praktizierten Exorzismus unterziehen. Der geht so: Sie pr&#228;sentiert ihre Thesen in Talkshows, muss dort gewisserma&#223;en den Beelzebub geben. Anschlie&#223;end hei&#223;t es Feuer frei, und wie Pilger auf der Mekka-Wallfahrt d&#252;rfen die Diskutanten (verbale) Steine auf den Teufel werfen. Damit versichern sie sich letztlich, dass sie zu den Guten geh&#246;ren. Eine Diskussion aber ist das nicht – es ist blo&#223; das Beschw&#246;ren gesellschaftlicher Tabus.
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		<title>Lobby, Hektik und Symbolpolitik: Es gibt zu viele schlechte Gesetze</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 13:57:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wachstumsbeschleunigungsgesetz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Qualit&#228;t deutscher Gesetze ist mangelhaft: Viele sind handwerklich misslungen, die Regierung peitscht immer mehr von ihnen durchs Parlament – ohne ihre Folgen wirklich absehen zu k&#246;nnen. Eine Hysterisierung der Medien leistet zudem ihren Beitrag: Die Medien machen Druck, die Politik beugt sich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/0f4d00c40cb44975a4dbc44bc481db01" alt="" width="1" height="1" />Als der Finanzausschuss des Bundestags &#252;ber das Wachstumsbeschleunigungsgesetz beriet, lud er im November 16 Sachverst&#228;ndige zur &#246;ffentlichen Anh&#246;rung. Sie diskutierten den Gesetzentwurf mit den Abgeordneten – und nahmen auch Stellung zu der darin enthaltenen Mehrwertsteuer-Erm&#228;&#223;igung f&#252;r Hoteliers: Es liege wohl eher ein „Subventionswachstumsbeschleunigungsgesetz“ vor, meinte ein Wirtschaftsprofessor, die Verg&#252;nstigung sei jedenfalls „aus steuersystematischen Gr&#252;nden nicht zu rechtfertigen“. Und der Vertreter des Steuerberaterverbands beklagte, dass der Steuernachlass dem B&#252;rokratieabbau entgegenstehe, da er die Abrechnung f&#252;r Hoteliers doch arg verkompliziere.</p>
<p>Am Ende sprachen sich 15 der 16 Sachverst&#228;ndigen dagegen aus, und nur die Vertreterin des Deutschen Hotel- und Gastst&#228;ttengewerbes fand sie, nicht g&#228;nzlich &#252;berraschend, gut.</p>
<p>Und dennoch: Gegen den Rat der Experten beschloss der Bundestag dann im Dezember das Geschenk an die Hoteliers, das volkswirtschaftlich sinnlos ist; wenige Monate, nachdem die Gro&#223;e Koalition per Grundgesetz&#228;nderung die Schuldenbremse eingef&#252;hrt hatte. Trauten die Koalitions-Abgeordneten im Ausschuss sich nicht, vom Kurs ihrer Regierung abzuweichen? <strong>Ging die Koalitionsr&#228;son &#252;ber die Vernunft?</strong> Dann l&#228;uft wom&#246;glich etwas schief beim deutschen Gesetzgeber.</p>
<p>„Wir machen zu viele und qualitativ zu schlechte Gesetze“, konstatiert der Hamburger Rechtsprofessor Ulrich Karpen, der fr&#252;her Abgeordneter der Hamburgischen B&#252;rgerschaft war. „Gesetzesvorhaben werden zu oft in gro&#223;er Hektik durch das Parlament gejagt“, sagt er. Mit einer Arbeitsgruppe der Universit&#228;t Hamburg hatte er die in den ersten beiden Jahren der Gro&#223;en Koalition (2005 bis 2007) entstandenen Rechtsnormen systematisch untersucht, insgesamt 198 Gesetze und 500 Verordnungen.</p>
<p>Die Ergebnisse waren nicht schmeichelhaft f&#252;r Parlament und Regierung: Danach verursachten &#252;ber drei Viertel der Gesetze neue B&#252;rokratiekosten f&#252;r Unternehmen, weil sie diesen Informations- und Meldepflichten auferlegten. Fast 60 Prozent der Gesetze seien nach kurzer Zeit wieder ge&#228;ndert worden, und ebenfalls knapp 60 Prozent h&#228;tten weitere Regelungen notwendig gemacht. Die H&#228;lfte der Texte sei &#252;berdies sprachlich unverst&#228;ndlich gewesen.</p>
<p><strong>Normenkontrollrat: Politiker nutzen Empfehlung nur, wenn sie ihnen passt</strong></p>
<p>So vernichtend die Ergebnisse der Hamburger Studie auch sind: Die Politik ist sich des Qualit&#228;tsproblems zumindest bewusst. So installierte die Gro&#223;e Koalition im August 2006 – per Gesetz – den Normenkontrollrat, ein beim Bundeskanzleramt angesiedeltes Gremium, das ermittelt, in welchem Ma&#223;e durch neue Gesetze B&#252;rokratiekosten entstehen, die die Wirtschaft belasten.</p>
<p>Bleibt allerdings ein Haken: Die Empfehlungen sind nicht bindend, der Rat hat keine eigenen Kompetenzen im Gesetzgebungsprozess und kein Politiker wird sich an sie halten, wenn es ihm politisch nicht gerade in den Kram passt.</p>
<p>Oft fehlt der politische Wille, neue, einfachere Regeln zu schaffen. <strong>„Wir haben die F&#228;higkeit zur Kodifikation verloren“</strong>, sagt der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende G&#252;nter Krings, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft f&#252;r Gesetzgebung ist. „In der Gro&#223;en Koalition h&#228;tten wir nicht nur ein Umweltgesetzbuch, sondern auch ein neues Arbeitsvertragsrecht schaffen k&#246;nnen.“</p>
<p>Seit den 20er Jahren diskutieren Politiker und Wissenschaftler in Deutschland dar&#252;ber, das zersplitterte Arbeitsrecht zu vereinfachen. Auch Willy Brandt hatte in seiner ersten Regierungserkl&#228;rung angek&#252;ndigt, dieses „in einem Arbeitsgesetzbuch zusammenzufassen“. Ohne greifbare Folgen. In den 70er Jahren setzte die Bundesregierung noch einmal eine Kommission ein, die sie sp&#228;ter wieder aufl&#246;ste.</p>
<p>Zuletzt wollte die Bertelsmann-Stiftung die Diskussion wieder anschieben und beauftragte im Jahr 2005 die K&#246;lner Rechtsprofessoren Martin Henssler und Ulrich Preis, einen Entwurf f&#252;r ein Arbeitsvertragsgesetz zu erarbeiten. Sieben andere Gesetze h&#228;tte dieser &#252;berfl&#252;ssig gemacht, und die beiden Juristen erhielten daf&#252;r den „Preis f&#252;r gute Gesetzgebung“ der Deutschen Gesellschaft f&#252;r Gesetzgebung.</p>
<p>Doch obwohl Politiker aller Parteien eine Neuregelung bef&#252;rworteten, f&#252;rchteten offenbar zu viele, den Interessen ihrer jeweiligen Klientel nicht gerecht werden zu k&#246;nnen – schlie&#223;lich w&#252;rde ein solches Gesetz Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen in hohem Ma&#223;e ber&#252;hren. Am Ende fehlte es am politischen Willen – oder am Mut. Krings: „Um langfristig klare und eindeutige Gesetze zu bekommen, m&#252;ssen wir es auch einmal aushalten k&#246;nnen, dass bestimmte Regelungen kurzfristig als ungerecht empfunden werden.“</p>
<p><strong>150 Interessenvertreter f&#252;r ein Gesetz</strong></p>
<p>Dass ein Gesetzentwurf unver&#228;ndert ins Bundesgesetzblatt gelangt, ist aber ohnehin Utopie. Im Laufe eines Gesetzgebungsprozesses ergeben sich immer wieder teils drastische &#196;nderungen, u.a. auch wegen der Beteiligung von Interessengruppen. Schon im Stadium des Referentenentwurfs werden Gesetze von den Ministerien mit der Bitte um Stellungnahme an Verb&#228;nde geschickt. Brigitte Zypries berichtet, sie habe sich als Justizministerin einmal erkundigt, wen ihre Mitarbeiter zu einem bestimmten Entwurf angeh&#246;rt hatten: Zu ihrem Erstaunen waren es ganze 150 Verb&#228;nde. Das sei aber nur konsequent, findet die Sozialdemokratin: „Wenn man Gesetze im Konsens machen will, ist es vern&#252;nftig, so zu verfahren.“</p>
<p>Der Einfluss von Interessenvertretern geht manchen Politikern jedoch zu weit. So treibt den SPD-Bundestagsabgeordneten Marco B&#252;low seit langem der Einfluss der Lobby um. Besonders die <strong>„Profitlobby“</strong> – also die Vertreter m&#228;chtiger Unternehmen – schaffe es, Gesetze in ihrem Sinne zu beeinflussen, sagt der Dortmunder, der sich mit regelm&#228;&#223;iger Kritik an der politischen Kaste auch in der eigenen Fraktion nicht nur Freunde gemacht hat – zuletzt mit seinem Buch „Wir Abnicker“.</p>
<p>„Wer &#252;ber die gr&#246;&#223;ten Ressourcen verf&#252;gt, setzt sich durch“, sagt B&#252;low. So k&#246;nnten Nichtregierungsorganisationen mit den personell und finanziell gut ausgestatteten Hauptstadtrepr&#228;sentanzen von gro&#223;en Unternehmen kaum mithalten. Aber auch die Abgeordneten h&#228;tten angesichts einer solchen &#220;bermacht Probleme, Schritt zu halten. „Wir haben nur ein kleines Budget f&#252;r Mitarbeiter, so dass die eigentliche wissenschaftliche Arbeit zu kurz kommt.“ Da die Ministerien und Aussch&#252;sse zu einem Gro&#223;teil eben Interessenvertreter als Experten anh&#246;ren, m&#252;ssen die Parlamentarier sich oft auf die Zahlen und Studien verlassen, die diese vorlegen. „Wir sollten den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags ausweiten oder st&#228;rker auf Kooperationen mit Hochschulen setzen“, schl&#228;gt B&#252;low vor.</p>
<p>Berthold Welling sieht die Beteiligung der Interessenvertreter im Gegensatz zu Marco B&#252;low eher als hilfreich an – kein Wunder, er ist selbst einer. Welling ist Leiter der Abteilung Steuern und Finanzpolitik beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Das Fachliche, die Suche nach zweckm&#228;&#223;igen L&#246;sungen m&#252;sste beim Austausch zwischen Politik und Interessenvertretern im Vordergrund stehen, sagt der Lobbyist. Welling – der &#252;brigens einer der 15 Experten ist, die bei der Anh&#246;rung im Finanzausschuss die Hotelier-Subvention ablehnten – sieht die Gefahren woanders: n&#228;mlich da, wo die Politik sich zu Aktionismus verleiten lasse.</p>
<p><strong>„Florida-Rolf“ l&#228;sst gr&#252;&#223;en</strong></p>
<p>Nicht selten ist es der Zweck von Gesetzen, zu demonstrieren: „Wir tun was.“ Und dann tritt ein anderer Spieler auf den Plan, mit dem die Politik eine wechselseitige Abh&#228;ngigkeit verbindet: die Medien. Der Einfluss von Zeitung, Internet und Fernsehen auf die Gesetzgebung ist nicht zu untersch&#228;tzen.</p>
<p>So &#228;nderte die rot-gr&#252;ne Koalition 2003 die Regeln f&#252;r den Bezug von Sozialhilfe im Ausland, weil die „Bild“-Zeitung einen gewissen „Florida-Rolf“ entdeckt hatte, der auf Kosten des deutschen Steuerzahlers in dem amerikanischen Sonnenstaat lebte. „Bild“ prangerte den Fall von „Schmarotzertum“ publikumswirksam an. Da die rot-gr&#252;ne Regierung in eben jener Zeit dazu ansetzte, Ausw&#252;chse des Sozialstaats zu beschneiden, war das Timing der Zeitung perfekt.</p>
<p>Dass der Staat infolge des versch&#228;rften Gesetzes vielen der damals knapp 1000 Sozialhilfeempf&#228;ngern im Ausland einen Umzug nach Deutschland und sp&#228;ter die hierzulande h&#246;heren Lebenshaltungskosten zahlen musste – denn kaum einer lebte in Florida, viele aber in Polen –, das bedachten Regierung und Parlamentarier anscheinend nicht. Die Medien machten Druck, die Politiker beugten sich.</p>
<p>„Wenn einer Schlagzeile in der ,Bild‘ schon eine Gesetzes&#228;nderung folgt, dann stimmt etwas nicht“, meint Heribert Prantl, Innenpolitikchef der „S&#252;ddeutschen Zeitung“. Dann n&#228;mlich, so Prantl, betreibe der Gesetzgeber reine <strong>„Symbolpolitik“</strong>. Doch er f&#252;gt hinzu: „Wir Journalisten m&#252;ssen uns auch an die eigene Nase fassen. Wir fordern von den Politikern t&#228;glich schnelles Handeln und beklagen dann, dass es zu viele Gesetze gibt.“ <strong>Die „Hysterisierung der Medien“ habe insbesondere in Fragen der inneren Sicherheit dazu gef&#252;hrt, dass wir es mit einer „st&#228;ndigen Ausnahmegesetzgebung“ zu tun h&#228;tten.</strong> „Das Bundesverfassungsgericht kommt mit der Korrektur kaum noch nach“, sagt der regelm&#228;&#223;ig mit rechtspolitischen Fragen befasste Journalist.</p>
<p>Hysterisch geht es im politischen Berlin derzeit ohnehin zu, in diesen Tagen, in denen ein Krisenpaket das n&#228;chste jagt. Als der Bundestag im Mai &#252;ber das Euro-Rettungsgesetz diskutierte, da h&#228;tte der Beobachter einen Moment lang meinen k&#246;nnen, es sei um die Arbeit des Deutschen Bundestags bestens bestellt, lieferten sich Regierung und Opposition im Plenum doch eine engagierte Redeschlacht. Weil aber die Bundesregierung das Euro-Rettungspaket so schnell durch den Bundestag peitschte, dass sich kaum ein Abgeordneter &#252;ber dessen Folgen klar werden konnte, drehte die Debatte sich auch um die Frage, <strong>ob das Parlament bei einem solchen Verfahren &#252;berhaupt „noch ein Parlament sei“</strong>, wie es der rechtspolitische Sprecher der Gr&#252;nen, Wolfgang Wieland bezweifelte.</p>
<p>Und der schwerste Mangel, den ein Gesetz &#252;berhaupt haben k&#246;nnte, w&#228;re in der Tat der: dass es nicht mehr demokratisch ist.</p>
<p><a href="http://www.politik-kommunikation.de/magazin/Schlechte-Politik/76"><img class="alignleft size-full wp-image-30612" title="pk-deckblatt" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/pk-deckblatt.jpg" alt="" width="110" height="156" /></a><br />
<em>Sebastian Lange ist Chefredakteur des Fachmagazin <a href="http://www.politik-kommunikation.de/magazin/Schlechte-Politik/76">&#8220;politik &amp; kommunikation&#8221;</a>, wo auch dieser  Text in einer l&#228;ngeren Fassung erschienen ist. Abo-Infos <a href="http://shop.helios-repository.com/index.php?site=showProducts&amp;webID=22&amp;productID=14">hier</a>.</em><span style="color: #ffffff;"><em>.</em></span></p>
<p><span style="color: #ffffff;"><em>.</em></span></p>
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</em></p>
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		<title>Wikileaks: Aus einer Geheimsache machen wir keine weitere Geheimsache.</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 11:13:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Jede Minute, die wir in Wikileaks stecken, bewirkt etwas Gutes f&#252;r die Gesellschaft." Wikileaks-Sprecher Daniel Schmitt im Interview &#252;ber die Vorteile der Plattform f&#252;r den Journalismus, erodierende Pressefreiheit und die Motive und Risiken seiner ehrenamtlichen Arbeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2c0f88ee11fc4942bc99746f27c0bfcc" alt="" width="1" height="1" /><em>Von Sebastian Lange und Johannes Altmeyer</em><br />
<strong> </strong><br />
<em>Wikileaks hat in den vergangenen Monaten einige Scoops,  also Exklusivgeschichten, gelandet, mehr als die meisten etablierten  Medien. Was k&#246;nnen Sie, was die nicht k&#246;nnen?</em></p>
<p>Daniel Schmitt: Die Plattform produziert ja  naturgem&#228;&#223; Scoops: Wir ver&#246;ffentlichen nur Dokumente, die entweder noch  nie &#246;ffentlich zug&#228;nglich waren oder solche, die zensiert wurden. Den  klassischen Medien haben wir voraus, dass wir auf den Quellenschutz  spezialisiert sind und auf die Verarbeitung von verschl&#252;sseltem  Material. Ausschlaggebend daf&#252;r, dass Informanten zu uns kommen und  nicht mehr so oft zu den klassischen Medien, ist, dass wir ihr Material  tats&#228;chlich ver&#246;ffentlichen. <strong>Aus einer Geheimsache machen wir keine  weitere Geheimsache</strong>. Mancher Journalist l&#228;sst brisantes Material im  Schreibtisch verschwinden, nachdem er seine Story geschrieben hat.</p>
<p><em>Wie sehen Sie Ihr Verh&#228;ltnis zu den etablierten Medien: Ist  Wikileaks eine Erg&#228;nzung oder Konkurrenz?</em></p>
<p>Eine Erg&#228;nzung. Wir machen es jedem Medium m&#246;glich, Material zu  bekommen, das es sonst nicht bekommen k&#246;nnte. Selbst eine Lokalzeitung  kann mit unserer Hilfe &#252;ber Guantánamo Bay berichten oder &#252;ber  Korruption in Kenia, und zwar ohne, dass sie dorthin Kontakte haben  muss.</p>
<p><em>Welchen Anspruch haben Sie an die Zuverl&#228;ssigkeit des Materials,  das Sie auf die Webseite hochladen? Ihr Grundsatz lautet ja: „Im Zweifel  ver&#246;ffentlichen“.</em></p>
<p>„Im Zweifel ver&#246;ffentlichen“ bezieht sich nicht auf die Echtheit des  Materials. <strong>Wir haben einen hohen Standard, was die Authentizit&#228;t angeht.</strong> Wir unterhalten ein Netzwerk von 800 bis 1000 Spezialisten, darunter  IT-Leute, Kalligrafen, die Handschriften pr&#252;fen k&#246;nnen und Journalisten.  Wir arbeiten auch mit Menschenrechtsexperten und Anw&#228;lten zusammen. Das  alles l&#228;sst eine viel robustere Pr&#252;fung zu, als sie den meisten  Zeitungen m&#246;glich ist.</p>
<p><em>Also setzen Sie auf die „Weisheit der Vielen“? </em></p>
<p>Ja, dieses Prinzip spielt da ganz bestimmt mit rein.</p>
<p><em>Wie sch&#252;tzen Sie sich dagegen, dass Gegner von Wikileaks Sie  infiltrieren? </em></p>
<p>Das ist in der Tat ein Problem. Unser Netzwerk ist in den letzten  Jahren nicht sehr stark gewachsen. Es beruht auf Vertrauen. Wir arbeiten im Moment an einer Struktur, die viel mehr Leuten die Mitarbeit  erm&#246;glicht. Das funktioniert aber nur, wenn wir <strong>den Schutz der Quelle  garantieren</strong> k&#246;nnen. Dann werden wir auch viel mehr Journalisten die  Mitarbeit erm&#246;glichen, schaffen mehr Transparenz auch in Bezug auf  unsere Arbeit und k&#246;nnen die Akzeptanz bei den Medien steigern.</p>
<p><em>Im April haben Sie viel Aufsehen mit einem Video gesorgt, das  zeigt, wie US-Soldaten in Bagdad unschuldige Zivilisten t&#246;ten. Stimmt  es, dass das US-Milit&#228;r versucht hat, Ihre Server lahmzulegen?</em></p>
<p>Es gibt jedenfalls ein Strategiepapier des US-Milit&#228;rs, in dem wir  als Bedrohung dargestellt werden. Darin wird erkl&#228;rt, wie man unsere  Arbeit sabotieren kann, etwa, indem man uns falsche Dokumente  unterjubelt.</p>
<p><em>Da haben Sie sich m&#228;chtige Gegner ausgesucht. Haben Sie keine  Angst? </em></p>
<div id="attachment_26881" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/05/danielschmitt.jpg"><img class="size-medium wp-image-26881 " title="danielschmitt" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/05/danielschmitt-300x201.jpg" alt="Daniel Schmitt: &quot;Es ist wichtig, dass wir Gesicht zeigen.&quot; Foto: Moritz Vennemann" width="300" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">Daniel Schmitt: &quot;Es ist wichtig, dass wir Gesicht zeigen.&quot; Foto: Moritz Vennemann</p></div>
<p>Nein, Angst ist problematisch. Wenn ich Angst h&#228;tte, dann k&#246;nnte ich  ja gar nichts mehr machen. Und <strong>wenn alle Angst h&#228;tten, w&#252;rde sich die  Gesellschaft gar nicht mehr bewegen</strong>. Man muss absch&#228;tzen, welche Risiken  es gibt. Und f&#252;r jemanden wie mich, der in einem westlichen Land wohnt,  wo niemand bewaffnet durch die Stra&#223;en f&#228;hrt, sind es relativ wenige.  Nat&#252;rlich k&#246;nnte man versuchen, rechtlich gegen mich vorzugehen. Aber  die Wahrscheinlichkeit, dass mich ein schwarzer Helikopter mitnimmt, ist  nicht so hoch.</p>
<p><em>Sie haben angek&#252;ndigt, 37.000 interne Mails der NPD zu  ver&#246;ffentlichen. Bef&#252;rchten Sie nicht, dass bei einer Veranstaltung mal  Nazis auftauchen?</em></p>
<p>Das kann passieren. Aber in diese Gefahr begibt sich ja jeder  Journalist, der investigativ arbeitet. Und wenn wir nicht mit gutem  Beispiel vorangehen und zeigen, dass man so etwas machen kann, ohne, in  einem Loch wohnen zu m&#252;ssen und nie wieder ans Tageslicht zu gehen, dann  w&#252;rde ja auch niemand mitmachen. Es ist wichtig, dass wir Gesicht  zeigen.</p>
<p><em>Sie haben allerdings gewisse Vorkehrungen getroffen, denn Daniel  Schmitt ist nicht Ihr richtiger Name.</em></p>
<p>Anfang 2008 hatten wir ein bisschen &#196;rger mit dem Bankhaus Julius  B&#228;r, weil wir Dokumente aus dessen Umfeld publiziert haben. Damals brauchte Wikileaks einen Sprecher, und ich habe diese Aufgabe  &#252;bernommen. Ich bin unter diesem Namen aufgetreten, weil wir wussten,  dass das Bankhaus zu dieser Zeit zumindest gegen andere Leute  Privatermittler eingesetzt hat. Denen wollten wir es nicht zu leicht  machen. Der Name hat sich dann verselbstst&#228;ndigt.</p>
<p><em>Leben Sie von der T&#228;tigkeit f&#252;r Wikileaks?</em></p>
<p>Nein, denn in den ersten drei Jahren haben wir das Projekt vor allem  aus unserem privaten Verm&#246;gen finanziert. Wir haben bis Ende des vorigen  Jahres ca. 25.000 Euro Spenden bekommen – gemessen an den Kosten ist  das sehr wenig, da wir in mehreren Dutzend L&#228;ndern Infrastruktur  unterhalten. Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Ich selbst arbeite seit  Januar 2009 in Vollzeit ausschlie&#223;lich f&#252;r das Projekt. Seitdem habe ich  auch kein Geld verdient; ich lebe von meinen Ersparnissen, wie alle  anderen, die im Moment in Vollzeit f&#252;r die Plattform t&#228;tig sind. Das  sind insgesamt f&#252;nf Personen.</p>
<p><em>Gab es denn erkennbare Angriffe auf Ihr Netzwerk?</em></p>
<p>Ja, wir beobachten regelm&#228;&#223;ig DoS-Attacken, das hei&#223;t: Jemand  versucht, &#252;ber eine Vielzahl von Anfragen unsere Infrastruktur  auszuhebeln. Es gibt Privatermittler, die auf uns angesetzt wurden, und  auch der Bundesnachrichtendienst hat uns kontaktiert: Wir sollten  Dokumente, die wir bekommen, l&#246;schen, sonst w&#252;rden wir rechtlichen &#196;rger  bekommen. Wir erhalten etwa einmal pro Woche Post von irgendwelchen  Rechtsanw&#228;lten, die uns rechtlich bedrohen.</p>
<p><em>Warum nehmen Sie in Kauf, Ihre privaten Ersparnisse aufzuzehren?  Treibt Sie der reine Idealismus – oder wollen Sie mit der Plattform auch  mal Geld verdienen?</em></p>
<p>Irgendwann nat&#252;rlich schon, allerdings habe ich mich bewusst gegen  meine Karriere entschieden, weil mir das Projekt wichtiger ist. Ich habe  all die Sicherheiten, die ich hatte, aufgegeben. Und das ist nat&#252;rlich  schon Idealismus, andererseits aber auch Realismus, weil ich t&#228;glich  merke, was so ein Projekt bewegen kann. <strong>Jede Minute, die wir in  Wikileaks stecken, bewirkt etwas Gutes f&#252;r die Gesellschaft.</strong></p>
<p><em>Sie haben einmal gesagt, dass Wikileaks den „instabilen Zustand  der Medien“ korrigieren will. Was hei&#223;t „instabil“?</em></p>
<p>&#220;berall auf der Welt schwindet die Pressefreiheit – hier in  Deutschland vielleicht noch nicht so stark, aber wir m&#252;ssen nur nach  England schauen: Da geraten Journalisten immer mehr unter Druck und  werden in ihrer Arbeit behindert, der Quellenschutz wird stark in Frage  gestellt. Das setzt die Presse schon in so eine Art instabilen Zustand.  Auch funktioniert die Finanzierung der Presse &#252;berhaupt nicht mehr so  gut wie fr&#252;her. Viele Verlage nehmen heute viel zu stark R&#252;cksicht auf  die Interessen ihrer Anzeigenkunden und arbeiten kaum noch investigativ;  auch geht es den Medien heute zu oft nur noch um Quote, um  <em>Tittytainment</em>.</p>
<p><em>Was ist f&#252;r Sie das entscheidende Kriterium bei einer  Ver&#246;ffentlichung? Dass ein &#246;ffentliches Interesse besteht? </em></p>
<p>Wenn man uns ein &#246;ffentliches Dokument zur Verf&#252;gung stellt, kl&#228;ren  wir vorher einen Katalog von Fragen. So muss es sich unter anderem um  Dokumente von politischer, historischer oder moralischer Bedeutung  handeln. Wir fragen die Quelle, worin diese Bedeutung besteht und warum  sie der Meinung ist, dass das ver&#246;ffentlicht werden soll. Wir  ver&#246;ffentlichen kein Dokument, zu dem diese Fragen nicht beantwortet  sind. Das ist schon einmal eine H&#252;rde f&#252;r jemanden, der etwas schickt,  nur um jemanden zu diffamieren.</p>
<p><em>Sie haben den Mailverkehr von Sarah Palin ver&#246;ffentlicht. Nehmen  Sie keine R&#252;cksicht auf private Interessen?</em></p>
<p>Wenn wir anfangen w&#252;rden zu zensieren oder Beitr&#228;ge auszuw&#228;hlen, w&#228;re  unsere Neutralit&#228;t nicht mehr gew&#228;hrleistet. Wie sollen wir unseren  Quellen glaubw&#252;rdig versichern, dass wir nicht nach einer bestimmten  Agenda Inhalte herausfiltern? Nat&#252;rlich sind manche F&#228;llen grenzwertig,  was die Privatsph&#228;re angeht. Das ist uns auch bewusst, aber wir haben  noch keine bessere L&#246;sung gefunden, das zu handhaben.</p>
<p><em>Dazu auf Carta:</em></p>
<ul>
<li>Stefan Mey: Interview mit Julian Assange: <a rel="bookmark" href="../../21005/wikileaks-finanzierung-julian-assange-interview/">Wikileaks: “Wir machen investigativen Journalismus  billiger”</a></li>
</ul>
<p>Daniel Schmitt bei der re:publica 2010 &#252;ber Wikileaks:<br />
<object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="350" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/LGKuQzNxEJI&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xcfcfcf&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="350" src="http://www.youtube.com/v/LGKuQzNxEJI&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xcfcfcf&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.politik-kommunikation.de/artikel/alle-sicherheiten-aufgegeben/1">politik &amp; kommunikation</a>.</em></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26867&amp;md5=18cd99cabe3ab913492e3ea0ac15655b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Betsy Myers: &#8220;Kommandieren und kontrollieren reicht nicht mehr.&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/23113/betsy-myers-interview-obama-kampagne/</link>
		<comments>http://carta.info/23113/betsy-myers-interview-obama-kampagne/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 11:48:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Betsy Myers]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Betsy Myers war Finanzchefin Barack Obamas im Wahlkampf. Im Interview spricht sie &#252;ber die unternehmerisch gef&#252;hrte Kampagne, Lobbyismus im Wahlkampf und Obamas F&#252;hrungsstil.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/353372de18db48af81729ba873fa12be" alt="" width="1" height="1" /><em>von Sebastian Lange und Johannes Altmeyer.</em></p>
<p><strong>Frau Myers, Sie haben sich bei Barack Obamas Wahlkampagne um die Finanzen gek&#252;mmert. Die Medien gaben Ihnen den Spitznamen „100-Millionen-Dollar-Frau“. Was mussten sie daf&#252;r tun?</strong></p>
<p>Der Name hat einen einfachen Hintergrund: Als „Chief Operating Officer“ (COO) habe ich mich um das operative Gesch&#228;ft und das Budget von „Obama for America“ gek&#252;mmert. Im Jahr 2007 haben wir insgesamt 103 Millionen US-Dollar eingenommen.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Was sagt diese Zahl &#252;ber den US-amerikanischen Wahlkampf aus?</strong></p>
<p>Vor allem, dass er sehr teuer geworden ist. Verglichen mit der Wahlkampagne von Bill Clinton im Jahr 1991 mussten wir bereits ein Jahr fr&#252;her anfangen. Das liegt daran, dass die Vorwahlen sehr fr&#252;h begannen. Clintons Kampagne verf&#252;gte 1991 nur &#252;ber drei Millionen US-Dollar.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wie hat die Obama-Kampagne das Geld eingesetzt?</strong></p>
<p>Wir haben uns zun&#228;chst auf vier Staaten konzentriert: Iowa, New Hampshire, South Carolina und Nevada. Dort fanden 2008 die ersten Vorwahlen der Demokraten statt. Wir mussten uns dabei auf Iowa und New Hampshire konzentrieren. W&#228;ren wir dort auf einem der hinteren Pl&#228;tze gelandet, w&#228;re das Rennen bereits vorbei gewesen. Gl&#252;cklicherweise gewannen wir Iowa. F&#252;r uns war das ein „Game Changer“, eine zukunftsweisende Wahl.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wieviel Geld konnte die Kampagne insgesamt sammeln?</strong></p>
<p>Insgesamt rund 750 Millionen US-Dollar. Das ist eine einmalig hohe Summe. Sie verdeutlicht, in welche Richtung sich US-amerikanische Wahlk&#228;mpfe entwickeln werden. Wir sind jedoch stolz darauf, dass unsere Kampagne allein von B&#252;rgern und ihren meist kleinen Spenden finanziert wurde. Von Unternehmen und Lobbyisten haben wir keine Spenden angenommen.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wodurch unterschied sich die Kampagne von denen Ihrer Gegner? </strong></p>
<p>Eines unserer Erfolgsgeheimnisse war das Ziel, die Kampagne wie ein Unternehmen zu f&#252;hren. Wir wussten zu Beginn nicht, dass wir 100 Millionen US-Dollar einnehmen w&#252;rden. Wir konnten zwar anhand der Quartalszahlen sehen, dass wir auf einem guten Weg waren; gleichzeitig bestand immer die M&#246;glichkeit, dass die Kampagne nach den ersten Vorwahlen vorbei sein w&#252;rde.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Was bedeutete das Ziel, die Kampagne wie ein Unternehmen zu f&#252;hren, f&#252;r Sie?</strong></p>
<p>Als COO stellte ich Mitarbeiter ein, die in der Wirtschaft arbeiteten und nicht in der Politik. Es sollten vor allem keine B&#252;rokraten sein. Denn f&#252;r Obama war es genauso wichtig, dass die Kampagne flexibel und effektiv blieb.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Durch was zeichnete sich die Kampagne noch aus?</strong></p>
<p>F&#252;r Obama war es wichtig, eine Kampagne zu betreiben, die auf Respekt aufbaut. F&#252;r ihn bedeutete das vor allem Respekt untereinander. F&#252;r mich bedeutete das: Kundenzufriedenheit. Der Umgang mit unseren Kunden, also den potenziellen W&#228;hlern, stand f&#252;r mich von Beginn an ganz oben. Dazu geh&#246;rten der Umgang mit B&#252;rgern, die in unsere Wahlb&#252;ros kamen, um sich zu informieren, sowie die Art, Telefonanrufe zu beantworten. Aber auch die Kommunikation unserer Zentrale mit den B&#252;ros in den einzelnen Bundesstaaten waren wichtig. Wir f&#252;hrten regelm&#228;&#223;ige Telefonkonferenzen ein, an denen sowohl Mitarbeiter aus der Zentrale als auch den einzelnen B&#252;ros teilnahmen. Alle Probleme kamen dort auf den Tisch.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Obama entschied sich f&#252;r seine Heimatstadt Chicago als Wahlkampfzentrale. Er sagte, dass das ein Schritt gegen die Lobbyisten in Washington sei.</strong></p>
<p>Und er hatte Recht damit. Schauen Sie sich die Kampagne von Al Gore im Jahr 1999 an. Er fing in Washington an, wechselte dann aber in seine Heimat Tennessee. Obama konnte so nicht nur Chicago unterst&#252;tzen, sondern auch der t&#228;glichen Ger&#252;chtek&#252;che in Washington entgehen.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Und Sie sind auch nach Chicago gezogen?</strong></p>
<p>Ja, 2007 bin ich nach Chicago gezogen. Im Laufe des Jahres teilte sich meine Rolle aber auf. Im Sommer wurde ich neben meiner Rolle als COO auch Vorsitzende der Frauengruppe in der Kampagne und am Ende des Jahres begann ich damit, durch die USA zu reisen. Mit den B&#252;ros in den einzelnen Staaten erarbeitete ich Strategien f&#252;r den Wahlkampf; dabei ging es vor allem um unentschlossene W&#228;hlerinnen. Als diese Aufgabe am Ende immer mehr meiner Zeit beanspruchte, &#252;bergab ich meine Aufgaben als COO an meinen Stellvertreter. Erst ganz am Ende der Kampagne gab ich den Titel COO offiziell ab.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wie oft haben Sie Ihre Familie w&#228;hrend der Kampagne gesehen?</strong></p>
<p>Das war der h&#228;rteste Teil f&#252;r mich. Am Anfang der Kampagne pendelte ich. Unter der Woche arbeitete ich in Chicago, freitags flog ich zu meiner Familie nach Boston. Im Sommer 2007 zogen mein Mann und meine Tochter zwar mit nach Chicago, jedoch musste ich zu diesem Zeitpunkt sehr viel reisen und war wieder von ihnen getrennt. Politische Kampagnen sind f&#252;r Familien eine schwierige Angelegenheit. Nur wenige Personen aus dem engsten Kreis unserer Kampagne hatten Kinder.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Das hei&#223;t, nach Obamas Wahlsieg sind Sie aus R&#252;cksicht auf Ihre Familie nicht mit ins Wei&#223;e Haus gegangen? </strong></p>
<p>Nach zwei Jahren war mir klar, dass ich meiner Familie nicht mehr zumuten konnte. Ich arbeite gerne in der Politik – will aber immer auch die Freiheit haben, aussteigen zu k&#246;nnen.<strong> </strong></p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Obama ist nun seit knapp &#252;ber einem Jahr Pr&#228;sident. Ge&#228;ndert hat sich vor allem der F&#252;hrungsstil im Wei&#223;en Haus: Der Pr&#228;sident bem&#252;ht sich, zuzuh&#246;ren und zu lernen. Ist das eine neue Art Politik, zu machen?</strong></p>
<p>Dieser neue Stil zeigt sich nicht nur in Washington D.C., sondern auf der ganzen Welt. Die Zeiten haben sich ver&#228;ndert: Nur noch kommandieren und kontrollieren reicht mittlerweile nicht mehr. Es kommt darauf an, zuzuh&#246;ren, authentisch zu sein und sich den Urteilen anderer zu befassen. All diese Eigenschaften werden zurzeit als Politikstil einer neuen &#196;ra bezeichnet. Interessanterweise sind all das Eigenschaften, die wir eher Frauen zuordnen. In der Politik – aber auch in der Wirtschaft.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Trotzdem ist der F&#252;hrungsstil des Pr&#228;sidenten umstritten. Er sei zu z&#246;gerlich, sagen seine Kritiker.</strong></p>
<p>Wenn die &#214;ffentlichkeit oder die Medien seinen F&#252;hrungsstil bem&#228;ngeln, vergessen sie, dass es unm&#246;glich ist, einen US-Pr&#228;sidenten im Wei&#223;en Haus zu haben, der zuh&#246;rt und abw&#228;gt, gleichzeitig aber leidenschaftlich ist und nach vorne st&#252;rmt. Obama &#252;bernahm die Gesch&#228;fte von einer Regierung, die das Land in einem desastr&#246;sen Zustand hinterlassen hat. Viele Probleme, beispielsweise die Wirtschaftskrise, die beiden Kriege in Afghanistan und im Irak sowie die Gesundheitsrefom, ging er direkt an – und wurde daf&#252;r kritisiert. In den USA kommt es oft vor, dass ein Pr&#228;sident im ersten Amtsjahr einige Niederlagen einstecken muss. Das war bei Bill Clinton nicht anders.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wodurch unterscheidet sich Obama von seinem Vorg&#228;nger Clinton?</strong></p>
<p>Bill Clinton ist ein gro&#223;er Charismatiker und einer der besten Menschenfischer weltweit. Er mag die Menschen und baut schnell eine Verbindung zu ihnen auf. Das lieben die Amerikaner an ihm, und deshalb konnte er auch die Monica-Lewinsky-Aff&#228;re &#252;berstehen. Die Menschen haben gef&#252;hlt, dass er ein guter Mensch war, der seine Aufgabe mit viel Leidenschaft aus&#252;bte. W&#228;hrend meiner Zeit im Wei&#223;en Haus scherzten die Mitarbeiter, dass Clinton den Zaun, hinter dem die Menschen bei Auftritten warteten, zweimal abschritt, weil er den Kontakt so gerne hatte.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Obama wirkt bei seinen Auftritten zur&#252;ckhaltender.</strong></p>
<p>Das entspricht seinem Naturell. Aber Obama ist nicht scheu, auch er geht gerne auf Menschen zu. Nur mit dieser Einstellung ist es &#252;berhaupt m&#246;glich, US-Pr&#228;sident zu werden.</p>
<p><em>Dieses Interview erschien zuerst in <a href="http://www.politik-kommunikation.de/interview/betsy-myers">politik &amp; kommunikation</a>. </em>
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		<title>Merkel: Eine gro&#223;e Kanzlerin muss das Scheitern riskieren wollen</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 13:58:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn Angela Merkels Kanzlerschaft nicht g&#228;nzlich ohne Spuren bleiben soll, kann sie nicht bei ihrem Regierungsstil des Fahrens auf Sicht bleiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c5023d621edf2369d5804e581a14dd" alt="" width="1" height="1" />Wir Journalisten haben es leicht: Wir schreiben nie f&#252;r die Ewigkeit, auch wenn manche Kollegen es vielleicht von sich glauben. Nein, wir schreiben eigentlich f&#252;r den Papierkorb oder f&#252;r die n&#228;chste Aktualisierung einer Webseite, und darum gibt es im Grunde auch keinen Journalisten, der den Titel &#8220;gro&#223;er Journalist&#8221; verdient h&#228;tte &#8212; abgesehen vielleicht von einzelnen Lichtgestalten wie Rudolf Augstein.</p>
<p>Ganz anders ist es bei Schriftstellern, Komponisten und – bei Politikern. Was diese tun, soll bleiben, zumindest hat es naturgem&#228;&#223; eine h&#246;here Halbwertzeit als unsere Artikel.<br />
Wann aber ist ein Politiker ein gro&#223;er Politiker? Wenn einer ein Spitzenamt bekleidet, hat er eine Chance, es zu werden, und wenn er schlie&#223;lich nicht mehr im Amt ist, steigen die Chancen noch einmal deutlich. Noch besser sieht es aus, wenn jemand schon tot ist, denn die Nachwelt ist gn&#228;dig auch mit denen, die zu Lebzeiten heftig kritisiert werden. Manchmal ist die heftige Kritik gerade ein Indikator daf&#252;r, dass jemand seine Sache nicht verkehrt macht.</p>
<p>Wie aber k&#246;nnten wir die Bilanz von Angela Merkel beurteilen, w&#252;rde ihre Kanzlerschaft sich auf diese eine Legislaturperiode beschr&#228;nken? W&#252;rde man je von einer &#8220;gro&#223;en Kanzlerin&#8221; sprechen? Sicher nicht. In den vergangenen vier Jahren hat sie nicht erkennen lassen, dass sie &#252;ber das verf&#252;gt, was die erste Voraussetzung f&#252;r Gr&#246;&#223;e ist: eine klare Idee davon, wie sie sich das Land und die deutsche Gesellschaft vorstellt. Wie gr&#252;n soll Deutschland werden? Wie sozial? Wie europ&#228;isch? Dar&#252;ber hat ihre Politik seit 2005 nicht viel verraten, und auch ihr Wahlkampf gibt dar&#252;ber keinen Aufschluss.</p>
<p><strong>Sollte sie nun eine weitere Legislaturperiode regieren, kann es nicht bei ihrem Regierungsstil des Fahrens auf Sicht bleiben, bei diesem Verwalten des Landes je nach Tageslage.</strong> Auch Merkel wird es dann ergehen wie Gerhard Schr&#246;der: Der erkannte nach seiner Wiederwahl, dass etwas geschehen muss, wenn seine Kanzlerschaft nicht g&#228;nzlich ohne Spuren bleiben soll – und so machte er sich an die Agenda 2010. Auch ihn kann man nicht als gro&#223;en Kanzler bezeichnen, doch sind die Agenda und der Widerstand gegen den Irakkrieg gro&#223;e politische Leistungen. Solche setzen in der Regel voraus, dass jemand auch gegen erheblichen Widerstand und auf die Gefahr des Scheiterns hin f&#252;r das k&#228;mpft, was er f&#252;r richtig erkannt hat. Siehe Brandts Ostpolitik, siehe auch Kohls Bereitschaft, die D-Mark f&#252;r die deutsche Einheit herzugeben.</p>
<p>Merkel muss man zugute halten, dass sie einer Gro&#223;en Koalition vorstand, in der der kleinste gemeinsame Nenner besonders klein ist; doch zeigen etwa die Gesundheitsreform oder die Kompromisse in der Klimapolitik, dass sie doch allzu gerne moderiert und nicht gef&#252;hrt hat. In den USA ist derzeit zu beobachten, wie Pr&#228;sident Barack Obama gegen massiven Widerstand versucht, eine Krankenversicherung einzuf&#252;hren. Seine Vorg&#228;nger sind alle daran gescheitert, und auch er f&#228;hrt ein erhebliches Risiko. Er kann scheitern, aber er wei&#223;: Wenn Gro&#223;es gelingen soll, muss man das Risiko des Scheiterns eingehen.</p>
<p>Politik mag die Kunst des Machbaren sein, aber man sollte doch wissen, was man &#252;berhaupt erreichen will. Die Welt bietet so viele Herausforderungen, da sind auch f&#252;r die k&#252;nftige Kanzlerin oder den k&#252;nftigen Kanzler welche dabei. Ob es das Klima ist, Europa oder all die Fragen, die die Finanzkrise aufwirft: Sie oder er sollte Gr&#246;&#223;e zeigen&#8211; und einige dieser Herausforderungen annehmen.
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		<title>Die Macht des Establishments</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Apr 2009 15:28:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Internet stellt die Meinungsmacht etablierter Medien in Frage. Doch die Meinungsmacher im Wahljahr sind zun&#228;chst einmal die altbekannten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/57b93d10fa4d9908012b4a76fe9242" alt="" width="1" height="1" /><br />
Berlin, im November 2013: Ein Minister der neuen Bundesregierung steht der Bundespressekonferenz Rede und Antwort. Hat noch jemand eine Frage? Ja, der Kollege da vorn. Der Journalist stellt sich vor und fragt nach den Pl&#228;nen des Ressortchefs – ach nein, das ist ja gar kein Journalist. Es ist ein Blogger, der neuerdings zwischen den Korrespondenten von Zeitungen und Onlineportalen sitzt und am alten Frage-Antwort-Spiel teilnimmt.</p>
<p>Eine Zukunftsvision? Danach sieht es aus. Denn wenn heute auch so mancher deutsche Journalist nebenher bloggt und viele Blogger inzwischen auf hohem Niveau schreiben, ist der <strong>Einfluss von unabh&#228;ngigen B&#252;rgerjournalisten noch gering</strong>. Kein Blogger ist bislang Mitglied der Bundespressekonferenz – zumindest kein reiner Blogger ohne etablierten Verlag oder Sender im R&#252;cken. Anders in den USA: Im Pressekorps des Wei&#223;en Hauses sitzt inzwischen auch Sam Stein, ein Reporter der „Huffington Post“, des derzeit einflussreichsten Blogs des Landes. Der amerikanische Comedian Jon Stewart machte sich neulich in seiner Sendung dar&#252;ber lustig – aber nur vordergr&#252;ndig, denn tats&#228;chlich nahm er die etablierten Medien aufs Korn. Stewart zeigte die Bilder einer Pressekonferenz von US-Pr&#228;sident Barack Obama vor dem Pressekorps und bemerkte ironisch, so ein Sam Stein w&#252;rde doch vermutlich nur einen Link zur Frage des „New-York-Times“-Reporters setzen. Weit gefehlt: Stein ging den Pr&#228;sidenten offensiv an und fragte, ob er daf&#252;r sorgen w&#252;rde, dass die Missetaten der Bush-Regierung untersucht w&#252;rden. Der Reporter der etablierten „Washington Post“ bat Obama hingegen um einen Kommentar zum Fall eines beim Doping erwischten Baseball-Stars. Der Fairness halber muss jedoch erw&#228;hnt werden: Auch Stein ist gelernter Journalist und schrieb vorher f&#252;r das „Newsweek-Magazine“. Und die „Huffington Post“ ist auch nicht irgendeine Online-Klitsche: Ihre Gr&#252;nderin Arianna Huffington ist Million&#228;rin und hat kr&#228;ftig ins Personal investiert – der gr&#246;&#223;te Kostenfaktor eines Online-Mediums.</p>
<p>In Deutschland ist „online“ im Wahlkampf zwar auch das gro&#223;e Zauberwort: Die Parteien suchen die <strong>sozialen Netzwerke</strong> im Internet zu durchdringen und lassen auf Youtube die Puppen tanzen – doch fragt man nach den Meinungsmachern unter den Medien, so sind es immer noch die altbekannten: „Auch heute gilt noch die Schr&#246;dersche Weisheit, nach der es auf ,Bild, Bams und Glotze‘ ankommt“, sagt dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn. Zu erg&#228;nzen, so Herlyn, seien heute allerdings die <strong>Onlinemedien</strong>. Doch sind Internet-Portale meist nur da starke Spieler geworden, wo Verlage ihr Engagement offensiv ins Internet ausgedehnt haben. Davon zeugt der Erfolg von „Spiegel Online“: Das Portal kann sich &#252;ber die meisten „Unique User” bei den Nachrichtenseiten freuen, das hei&#223;t &#252;ber die h&#246;chste Zahl der Seitenaufrufe: Mehr als f&#252;nf Millionen sind es monatlich. Allerdings arbeiten auch 80 Redakteure bei dem Marktf&#252;hrer.</p>
<p>Doch ohne Quersubventionierung aus dem Printsegment w&#228;re es mit der Meinungsmacht der meisten gro&#223;en Onlineportale noch nicht weit her. Auch „Spiegel Online“ profitiert stark von der Verl&#228;ngerung der Marke „Spiegel“ ins Netz. K&#246;nnen unabh&#228;ngige Blogger da mithalten? „<strong>Die Online-Auftritte der klassischen Leitmedien sind noch die dominanten Akteure der Netzkommunikation</strong>“, sagt Robin Meyer-Lucht, der mit seinem „Berlin Institute“ Medienh&#228;user ber&#228;t und den Blog „<a href="www.carta.info">Carta</a>“ ins Leben gerufen hat. „Der Journalismus hat aber die alleinige Definitionsmacht dar&#252;ber verloren, wer mitreden darf und &#252;ber was. Blogger k&#246;nnen daher durchaus <strong>entscheidende Impulse</strong> geben“, sagt Meyer-Lucht. „Eine deutsche Mayhill Fowler halte ich im Wahljahr f&#252;r nicht unwahrscheinlich.“ Mayhill Fowler, ebenfalls „Huffington“-Bloggerin, hatte w&#228;hrend des US-Vorwahlkampfs einen „Scoop“ gelandet: die Exklusivmeldung, dass der damalige Kandidat Obama bei einem Dinner gesagt habe, einige Amerikaner w&#252;rden sich „an die Religion und an ihre Waffen klammern“.</p>
<div id="attachment_7754" class="wp-caption alignnone" style="width: 483px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/04/spiegel2.jpg"><img class="size-full wp-image-7754" title="spiegel2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/04/spiegel2.jpg" alt="&quot;Ohne Quersubventionierung aus dem Printsegment w&#228;re es mit der Meinungsmacht der meisten gro&#223;en Onlineportale noch nicht weit her.&quot;" width="473" height="303" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Ohne Quersubventionierung aus dem Printsegment w&#228;re es mit der Meinungsmacht der meisten gro&#223;en Onlineportale noch nicht weit her.&quot;</p></div>
<p><strong>Professionalit&#228;t als Plus</strong></p>
<p>Letztlich ist die konstante Qualit&#228;t aber das gro&#223;e Plus der journalistischen Internet-Medien. „Bei Quellen wie Blogs und Wikipedia kann man nach wie vor nicht sicher sein, dass Profis am Werk sind“, sagt die N&#252;rnberger Kommunikationswissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha. Dass ein Spa&#223;vogel im frei editierbaren Online-Lexikon Wikipedia Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zus&#228;tzlich zu seinen zehn Vornamen noch den elften Vornamen „Wilhelm“ angedichtet hatte, was zahlreiche Medien prompt &#252;bernahmen, sei „symptomatisch“, meint Holtz-Bacha. Ein Ruhmesblatt f&#252;r die etablierten Schreiber, die an dem „Wilhelm“ nicht zweifelten, ist es allerdings auch nicht.</p>
<p><strong>Fernsehen dominiert</strong></p>
<p>Doch dominieren im Wahljahr letztlich wohl ganz andere Medienmacher: „Wir werden im Sommer wieder einen Wahlkampf haben, der sich vor allem im Fernsehen abspielt“, sagt Christoph Bieber, Politikwissenschaftler und Betreiber des Blogs „Internet und Politik“. „Die<strong> TV-Duelle</strong> werden als <strong>zentrales Ereignis</strong> im Fokus stehen“, sagt Bieber. So sieht es auch Medienberater Michael Spreng, der im Wahlkampf 2002 Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber beraten hat: „Man darf nicht vergessen, dass einem Fernseh-Duell 20 Millionen Menschen zusehen. Auf eine solche Reichweite kommt nicht einmal die ,Bild-Zeitung‘.“ Schlie&#223;lich sei es f&#252;r Politiker &#228;u&#223;erst wichtig, im Wahlkampf Bilder zu produzieren, die von einem gro&#223;en Publikum wahrgenommen werden – und da macht es durchaus noch einen Unterschied, ob der Mediennutzer Texte und Bilder im Internet gezielt suchen muss oder ob er sie vorgesetzt bekommt, sobald er den Fernseher einschaltet. Das Wort von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender oder ARD-Chefredakteur Ulrich Deppendorf hat somit auch weiterhin erhebliches Gewicht im Wahljahl.</p>
<p>Der politische Streit um Brender hat eindrucksvoll belegt, welchen Einfluss die Parteien Meinungsmachern wie ihm zuschreiben. Aber auch der Einfluss anderer klassischer Medienmacher sollte nicht untersch&#228;tzt werden: So haben zum Beispiel die Nachrichtenagenturen wegen ihrer enormen Reichweite noch immer gro&#223;e Bedeutung f&#252;r Wahlk&#228;mpfer. Gelingt es diesen, ihre Forderungen, Meinungen und Statements &#252;ber die Agenturen zu verbreiten, k&#246;nnen sie sicher sein, dass sie in s&#228;mtlichen Medien pr&#228;sent sind. Nach wie vor k&#246;nnen Nachrichtenagenturen die Agenda bestimmen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: &#252;ber die Tages- und Wochenvorschauen zum Beispiel, in denen die wichtigsten politischen Termine angek&#252;ndigt werden. „Die Nervosit&#228;t der anderen Seite ist im Wahljahr durchaus zu sp&#252;ren“, sagt dpa-Chefredakteur Herlyn. „Anrufe aus den Parteizentralen bei unseren Redakteuren und Korrespondenten h&#228;ufen sich dann.“ An die dpa w&#252;rden zu Wahlkampfzeiten verst&#228;rkt auch Intervieww&#252;nsche herangetragen. „Die Medienstrategen der Parteien wissen sehr genau, wen man wann ansprechen muss“, sagt Herlyn. Die Agenturen sind dabei das, was Experten „<strong>Gatekeeper</strong>“ nennen: T&#252;rsteher, welche die eine Nachricht durchlassen und die andere nicht. Und hier entscheidet am Ende die journalistische Relevanz.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 170px"><img title="Politik &amp; Kommunikation" src="http://www.politik-kommunikation.de/_img/puk_aktuell.jpg?1238514163" alt="" width="160" height="226" /><p class="wp-caption-text">Dieser Text stammt aus der Fachzeitschrift &quot;politik &amp; kommunikation&quot;</p></div>
<p>Nicht zu untersch&#228;tzen ist &#252;berdies die Macht der Nachrichtenagenturen, den Sprachgebrauch zumindest der Journalisten zu beeinflussen. Zugunsten der Medienh&#228;user, die mehrere Nachrichtenagenturen abonniert haben, stimmen diese sich untereinander ab, und zwar &#252;ber Fragen der Rechtschreibung, aber eben auch &#252;ber die Verwendung von Begriffen: So verst&#228;ndigten sie sich nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2006 darauf, die Koalition zwischen Union und SPD nicht „Gro&#223;e Koalition“ zu nennen, wie es bei dieser Konstellation bis dato &#252;blich war. Die SPD war n&#228;mlich nur drittst&#228;rkste Kraft hinter der Linken geworden. Der Vorschlag stammte vom stellvertretenden ddp-Chefredakteur Rainer H&#246;hling, der fr&#252;her f&#252;r die DDR-Nachrichtenagentur ADN gearbeitet hat. Im Zusammenspiel mit den Agenturen k&#246;nnen <strong>auch die Regionalzeitungen wichtige Ansprechpartner f&#252;r Wahlk&#228;mpfer</strong> werden – in der hei&#223;en Phase des Wahlkampfs sogar die wichtigsten. Michael Spreng: „Edmund Stoiber hat 2002 in den letzten 14 Tagen vor der Wahl noch 30 Interviews mit Regionalzeitungen gef&#252;hrt.“ Interviews oder B&#252;rgersprechstunden vor Ort seien das beste Mittel, N&#228;he zu den W&#228;hlern herzustellen. Darauf, dass die Redaktionen Vorab-Meldungen mit den pr&#228;gnantesten Zitaten an die Agenturen geben, k&#246;nnen die Politstrategen sich verlassen, ist es doch auch f&#252;r die Zeitung wichtig zu demonstrieren, dass sie &#252;ber <strong>exklusive Informationen</strong> verf&#252;gt.</p>
<p>Dass die Parteien sich diesmal besonders intensiv um eine totale Durchdringung des Internets bem&#252;hen, ist vor allem dem Wunsch geschuldet, umfassende Pr&#228;senz zu zeigen und nach US-Vorbild Mitglieder zu mobilisieren. Beim Bem&#252;hen um mediale Pr&#228;senz werden sie allerdings auch selbst zu <strong>Lieferanten von Inhalten</strong> wie viral verbreiteten Videospots – etwa dem Film, in dem die CDU sich dar&#252;ber lustig machte, dass SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier von seinen Genossen jetzt nur noch Frank Steinmeier genannt werde. Solche Inhalte produzieren die Parteien selbst; sie setzen darauf, dass die Medien sie aufgreifen. Im Falle des Steinmeier-Clips ging die Rechnung auf: Er war bald auf den Webseiten von „Welt“, „Financial Times Deutschland“ und anderen zu sehen. „Wir reden viel von B&#252;rgerjournalismus“, kommentiert Christoph Bieber solche Aktionen, „doch vergessen wir dar&#252;ber den Politikerjournalismus.“ In den Parteizentralen s&#228;&#223;en nicht mehr blo&#223; Funktion&#228;re, die Pressemitteilungen tippen w&#252;rden, nein: „Die Parteien binden verst&#228;rkt gelernte Journalisten ein.“ Der etablierte Journalismus werde inzwischen von zwei Seiten in die Zange genommen, von B&#252;rgerjournalisten auf der einen und Politikern auf der anderen, meint Bieber. „Schauen Sie sich die wirklich guten Fotos von Obamas Siegesrede bei ,flickr.com‘ an – die hat nicht etwa ein Pressefotograf gemacht, das war jemand aus der Kampagne.“ So w&#252;rden die <strong>Grenzen zwischen Politwerbung und Publizistik verschwimmen</strong>.</p>
<p><strong>Vorget&#228;uschte Modernit&#228;t</strong></p>
<p>Dass Parteistrategen wie SPD-Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrer Kajo Wasserh&#246;vel oder sein Pendant bei der FDP, Hans-J&#252;rgen Beerfeltz, nicht m&#252;de werden, die Bedeutung des Internets zu betonen, erweckt allerdings den Eindruck, dass da keine reinen Online-&#220;berzeugungst&#228;ter am Werk sind, sondern dass die Wahlk&#228;mpfer sich vor allem heftig um ein frisches Image bem&#252;hen. „Die Parteien t&#228;uschen Modernit&#228;t vor, um als ,en vogue‘ zu erscheinen“, sagt Michael Spreng. „Was die SPD derzeit im Internet alles macht, ist aber nicht schlecht“, findet der Medienberater. Und auch Robin Meyer-Lucht verweist darauf, dass der Auftritt von Politikern im Internet per se schon Stoff f&#252;r die Medien sei, was man im Fall des hessischen SPD-Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl, Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel, gesehen habe. Dieser hatte gebloggt, den Blogging-Dienst „Twitter“ f&#252;r Kurznachrichten genutzt und Videos bei Youtube eingestellt. „Wenn die Wahl vorbei und damit die Aufmerksamkeit wieder weg ist, l&#228;sst das schnell nach“, sagt Meyer-Lucht. Ein Teil der <strong>Inszenierung</strong> also, den die Medien dankbar annehmen.</p>
<p>Michael Spreng, der elf Jahre lang Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ war, ist inzwischen selbst unter die Blogger gegangen: Sprengs Blog namens „<a href="http://www.sprengsatz.de/">sprengsatz.de</a>“ erfreut sich einer gewissen Beliebtheit und erhielt sozusagen den Ritterschlag einer Empfehlung von „Bildblog“-Macher Stefan Niggemeier. &#220;ber die Bedeutung der Blogosph&#228;re hierzulande macht Spreng sich allerdings keine Illusionen: „In Deutschland sind wir bei den politischen Blogs entweder weit hinterher – oder sie sind langweilig. Ich glaube, dass die <strong>Bedeutung im Wahlkampf zunehmen</strong> wird, doch zur vollen Bl&#252;te wird es erst 2013 kommen.“</p>
<div class="box">Sebastian Lange ist Chefredakteur des Fachmagazin <a href="http://www.politik-kommunikation.de/">&#8220;Politik &amp; Kommunikation&#8221;</a>, wo auch <a href="http://www.politik-kommunikation.de/_files/aktuell/Die-Macht-des-Establishments.pdf">dieser Text</a> erschienen ist. Abo-Infos <a href="http://shop.helios-repository.com/index.php?site=showProducts&amp;webID=22&amp;productID=14">hier</a>.</div>
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		<title>Die FTD hat es vorgemacht: Wahlempfehlungen sollten kein Tabu sein</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Mar 2009 18:39:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<description><![CDATA[2002 hat die Financial Times Deutschland erstmals eine Wahlempfehlung abgegeben. Sie hat daf&#252;r viel Kritik einstecken m&#252;ssen. Dabei ist nicht zu verstehen, warum Redakteure f&#252;r Hintergr&#252;nde und Meinungsbildung zust&#228;ndig sein sollen - im letztlich entscheidenden Punkt aber keine Meinung vertreten sollen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/492c886432bf41434758ec16a210f2" width="1" height="1" alt=""/><br />
Vor der Bundestagswahl 2002 hat die Financial Times Deutschland erstmals eine <a href="http://www.ftd.de/meinung/kommentare/21847.html">Wahlempfehlung</a> abgegeben. Bis heute ist sie die einzige deutsche Zeitung, die dies praktiziert hat. Die Bundestagswahl 2009 gibt die Gelegenheit, dar&#252;ber noch einmal zu diskutieren.</p>
<p>Warum eigentlich nicht? Warum sollten Zeitungen keine Wahlempfehlungen abgeben? Bereits vor den Bundestagswahlen 2002 und 2005 hat Deutschland schon dar&#252;ber <a href="http://www.welt.de/print-welt/article411877/FTD_bricht_mit_Wahlempfehlung_jahrzehntelanges_Tabu.html">diskutiert</a>, ob die &#8220;Financial Times Deutschland&#8221; richtig handelt, wenn sie sich zur Wahl einer Partei bekennt. Die Zeitung hat daf&#252;r <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,214303,00.html">Kritik</a> einstecken m&#252;ssen. &#8220;Missionarisch&#8221; sei eine solche Empfehlung, fand Hans Leyendecker von der &#8220;S&#252;ddeutschen Zeitung&#8221;, und der Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg sprach von &#8220;Bevormundung&#8221; der Leser. Seltsam: Da leben wir in einer Demokratie, und eine Redaktion lebt vor, wie sie nach eingehender politischer Diskussion Stellung bezieht &#8212; und wird daf&#252;r gescholten. Dabei ist Meinungspluralismus einer der Grundpfeiler unserer Demokratie, <strong>warum um Himmels Willen sollten Redakteure einer Zeitung dann so tun, als h&#228;tten sie im letztlich entscheidenden Punkt keine Meinung?</strong><br />
Nun mag man einwenden, dass es die Aufgabe der Journalisten sei, zu recherchieren, Hintergr&#252;nde darzustellen und damit die Basis f&#252;r die Meinungsbildung der Leser zu schaffen. Sofern die Redaktion aber die Grundregel beachtet, zwischen <strong>Nachricht</strong> und <strong>Meinung</strong> zu trennen, stellt sich die Frage, warum es zul&#228;ssig sein soll, die Politik einer Partei zu kommentieren und zu bewerten &#8212; unzul&#228;ssig aber, dann konsequenterweise auch ihre Wahl zu empfehlen oder davon abzuraten. Nur Mut zur Offenheit, Zeitungsmacher! Die Leser werden kaum glauben, sie hielten nun ein <strong>Parteiblatt</strong> in den H&#228;nden.</p>
<p><em>Sebastian Lange ist Chefredakteur des Fachmagazin &#8220;<a href="http://www.politik-kommunikation.de/redaktion">Politik &amp; Kommunikation</a>&#8220;.</em><br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<item>
		<title>Politische Rhetorik: Die kraftlose Sprache von Merkel und Steinmeier ist ein Symptom</title>
		<link>http://carta.info/6224/merkel-steinmeier-kraftlose-sprach/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Mar 2009 22:20:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
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		<category><![CDATA["politische Rede"]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Spitzenkandidaten finden keine klare und lebendige Sprache. Doch wer nicht leidenschaftlich redet, dem fehlt es am wichtigsten Mittel zur politischen F&#252;hrung &#252;berhaupt. In der Krise ist dies ein schwer ertr&#228;gliches Vakuum.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/3def5f23d56eaeea90d11ecc448880" alt="" width="1" height="1" /> &#8220;Ich sage mit gro&#223;em Ernst – das meine ich auch so: In diesem Jahr muss sich Politik bew&#228;hren. Politik muss Substanz zeigen, muss Mut zur Verantwortung zeigen. Mit Show und M&#228;tzchen werden wir in diesem Jahr ganz sicher nicht durchkommen.“ So <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Presse/Reden/2009/090114-BM-BT-Konjunkturpaket.html">sprach</a> Au&#223;enminister Frank-Walter Steinmeier im Januar, als der Bundestag &#252;ber das zweite Konjunkturpaket zu entscheiden hatte (<a href="http://archiv.bundestag.t-bn.de/Archiv/servlets/Rede/Video?id=54543&amp;rate=adsl">Video hier</a>).</p>
<p>Dass Steinmeier die Sache wirklich am Herzen liegt, glaubt man ihm umso mehr, wenn man noch einmal nachliest, was er<a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1516/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2009/01/2009-01-13-pk-konjunkturpaket.html"> einen Tag vor bereits der Bundespressekonferenz erk&#252;ndet hatte</a>: „Ich will das mit ganz gro&#223;em Ernst sagen und unterstreichen: Es ist nach meiner &#220;berzeugung ein Jahr, in dem sich Politik zu bew&#228;hren hat.“ Und weiter: „Deshalb muss Politik in dieser Krise Substanz liefern und Verantwortung zeigen.” Und so <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/koalition-krach-um-umweltgesetzbuch-eroeffnet-wahlkampf_aid_366964.html">ziemlich das Gleiche sagte Steinmeier</a> dann auch Anfang Februar, als der Streit &#252;ber das Umweltgesetzbuch hochkochte und er mit Franz M&#252;ntefering vor die Presse trat. Zur Er&#246;ffnung der M&#252;nchner Sicherheitskonferenz <a href="http://www.securityconference.de/konferenzen/rede.php?id=223&amp;menu_2009=&amp;sprache=de&amp;">sprach er sie wieder</a>, die Worte von der Politik, die sich bew&#228;hren m&#252;sse. <a href="http://www.frank-walter-steinmeier.de/aktuell/interviews/090125_tas-interview.html">In einem Interview mit dem „Tagesspiegel”</a> meinte er schlie&#223;lich, jetzt nur noch bedingt &#252;berraschend: „<strong>Dies ist keine Zeit zum Spr&#252;cheklopfen</strong>, <strong>dies ist eine Zeit, in der sich Politik bew&#228;hren muss.</strong>“ Erfreulich. Kein Spr&#252;cheklopfen also. Was aber, wenn die Spr&#252;che nicht geklopft, sondern in getragenem Tempo vorgebracht werden?</p>
<p>Niemand sollte Steinmeier – ebensowenig wie Bundeskanzlerin Angela Merkel – die Redlichkeit und die Ernsthaftigkeit absprechen, mit der sie im Wahljahr Politik betreiben. <strong>Was aber beide vermissen lassen, ist eine klare und lebendige Sprache</strong>. Ihnen scheint der Mut oder der Wille zu fehlen, mit der Rede eine Richtung vorzugeben, auch in grunds&#228;tzlichen Fragen. Gerade im Wahljahr, gerade in der Krise w&#228;ren die B&#252;rger doch dankbar daf&#252;r. Immerhin steht unsere Wirt­schafts-, vielleicht sogar unsere Gesellschaftsordnung massiv in Frage.</p>
<p>Nat&#252;rlich m&#252;ssen Wahlk&#228;mpfer &#246;konomisch mit ihren Worten umgehen, und niemand erwartet von ihnen, dass sie f&#252;r jede Gelegenheit neue Worte finden. Das geht schon gar nicht im Sommer, in der hei&#223;en Phase des Wahlkampfs, auf den Marktpl&#228;tzen und in den Bierzelten. Doch wer sich rhetorisch so leidenschaftslos pr&#228;sentiert vers&#228;umt es, F&#252;hrung zu &#252;bernehmen. Schlie&#223;lich ist <strong>die Rede eines der wichtigsten Mittel, Menschen zu f&#252;hren, sie zu &#252;berzeugen und zu motivieren</strong>. Auch an dieser Stelle l&#228;sst sich also die inzwischen schon obligatorische Erw&#228;hnung von Barack Obama nicht vermeiden: Der US-Pr&#228;sident verdankt es in weiten Teilen seiner Rhetorik, dass er ins Amt gekommen ist. Sicher l&#228;sst sich da einwenden: ins Amt gekommen ja, aber mit sch&#246;nen Worten allein l&#228;sst sich ein Land nicht regieren. Nat&#252;rlich nicht, doch nutzt Obama die Rede eben auch als Mittel der F&#252;hrung, er setzt sie virtuos ein, seine Anh&#228;nger zu einen. Das erh&#246;ht die politische Durchsetzungsf&#228;higkeit.</p>
<p>Niemand erwartet von unseren Spitzenpolitikern die t&#228;gliche Ruck-Rede. Auch ein „Yes, we can” fordert niemand wirklich. Den amerikanischen Wahlkampf und die dortige politische Kultur kann man nicht ernsthaft kopieren wollen. Doch wie wenig deutsche Spitzenpolitiker im Wahljahr die Kunst der Rede pflegen, ist fahrl&#228;ssig. Es gen&#252;gt nicht, wenn der Redner – oder eben die Rednerin – sich darauf beschr&#228;nkt zu betonen, wie ernst es ihm sei, und mitzuteilen, dass er aus &#220;berzeugung spreche.</p>
<p>Der Regisseur Volker Schl&#246;ndorff hat k&#252;rzlich im Magazin „Cicero“ vorgeschlagen, Politiker sollten auf ihre Redenschreiber verzichten und wieder verst&#228;rkt frei sprechen. Diese aber sind nicht schuld an der Misere. Schuld sind eben jene, die f&#252;r die Reden die politische Verantwortung tragen. <strong>Ihre kraftlose Sprache ist ein Symptom</strong>. Ein Symptom f&#252;r den &#252;bergro&#223;en Willen, es m&#246;glichst vielen W&#228;hlern recht machen zu wollen. <em></em></p>
<p><em>Hinweis der Redaktion:</em> <em>Lesen Sie zu diesem Thema auch den Text von Leonard Novy: <a href="http://carta.info/4380/words-matter/">Die neuen Worte der Macht</a>. </em></p>
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