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	<title>CARTA &#187; Petra Thorbrietz</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Demokratie und Immunsystem: Ungarn spaltet sich an der Grippeimpfung</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jan 2010 17:35:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei den Magyaren ist die Einstellung zur Schweine-Influenza mehr politisches Bekenntnis als Sorge um die Gesundheit: Linke gehen impfen, die Rechten verweigern sich]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/faf0ba27cc554ff9b3ec21899edcde7c" width="1" height="1" alt=""/>Von wegen <strong>Pandemie.</strong> Die Schweine zumindest, die durch den Medienwald galoppieren, wenn es um die Grippe geht, laufen je nach Nationalit&#228;t in sehr unterschiedliche Richtungen. Zur&#252;ck aus <strong>Budapest</strong>, wo ich meine Weihnachtsferien verbrachte, frage ich mich, ob das mit der weltumspannenden Infektion <strong>H1N1 </strong>wirklich stimmen kann, wo doch ihr Erscheinungsbild schon kurz nach der Landesgrenze ein ganz anderes ist.<br />
In <strong>Ungarn</strong> zum Beispiel sprach mich so gut wie jeder darauf an, ob ich auch von den verheerenden <strong>Blutungen</strong> geh&#246;rt h&#228;tte, gegen die keine Medikamente h&#252;lfen und die besonders in der Schwangerschaft auftr&#228;ten. Doch kaum reagierte ich  mit zweifelndem Blick und der Frage, ob das nicht eher vor ein paar Jahren bei der Vogelgrippe der Fall gewesen sei, war ich auch schon Luft f&#252;r meine Gespr&#228;chspartner. Was n&#252;tzt schon meine Ignoranz angesichts der Tatsache, dass sich nach ungarischen Medienberichten Frauen reihenweise zum <strong>Kaiserschnitt</strong> anmelden und sich die Kinder lieber fr&#252;her quasi aus dem Leib rei&#223;en lassen, als dem unheimlichen Virus anheim zu fallen und zu verbluten.<br />
Auf diese Weise stehengelassen, suchte ich in meiner Budapester Wohnung im Internet nach Hinweise, scannte die Seiten des <a href="http://www.rki.de/influenza">Robert-Koch-Instituts</a> und fand wenig, was diese Ger&#252;chte best&#228;tigen w&#252;rde. Im Gegenteil, hierzulande wird gerade bei Schwangeren dar&#252;ber diskutiert, ob nicht die empfohlene Grippeimpfung zu leichten Blutungen f&#252;hren k&#246;nne, die allerdings von offizieller Seite als geringeres Risiko gegen&#252;ber einer Infektion betrachtet werden.<br />
Die vern&#252;nftige Diskussion, die ich daraufhin mit meinen ungarischen Freunden und Verwandten ansto&#223;en wollte, war nicht von Erfolg gekr&#246;nt. Sie scheiterte vor allem an der Tatsache, dass die<strong> Impfung</strong> f&#252;r die Magyaren wie f&#252;r uns vor allem ein Politikum ist, allerdings ein ganz anders gelagertes. In dem mitteleurop&#228;ischen Land geht es nicht wie bei uns um Glauben oder Skepsis, was die Segnungen der Medizin betrifft – das Vertrauen in Fortschritt und Technik n&#228;mlich ist in sozialistischen Zeiten unersch&#252;tterlich betoniert worden, und &#196;rzte sind als Vertreter dieses Optimismus immer noch die unangefochteten Herren &#252;ber Leben und Tod. Sie k&#246;nnen also einfach nur Recht haben.<br />
Einen Teil der Ungarn peinigt eher der Argwohn, dass die (im Niedergang befindliche) Regierungspartei der Reformsozialisten durch ihre <strong>Impfempfehlung </strong>das ganze Land mit in den Abgrund rei&#223;en wolle – wie die  (im Aufwind befindliche) Opposition irgendwie insinuiert. Fakten haben bei so viel Ideologie keine Chance: Wer ein guter Linker ist, geht also impfen und f&#252;rchtet sich vor der Schweinegrippe. Wer ein guter Rechter ist („konservativ“ w&#228;re zu besch&#246;nigend f&#252;r die ungarische Sammlung rechtskatholischer, nationaler bis hin zu faschistischen Gruppierungen) hat hingegen weder Angst vor irgendwelchen Viren noch vor der Regierung. Nicht zur Impfung zu gehen, gilt dort als Zeichen richtiger Gesinnung.<br />
Ein Wunder, dass die Opposition noch nicht die These aufgestellt hat, dass die traditionell von j&#252;dischen Ungarn getragene Linke durch spezielle Genabweichungen sowie volkssch&#228;digendes Verhalten an der Ausbreitung des Virus schuld sei. Die Tatsache, dass der Gesundheitsminster angeblich an einer in Zypern eingetragenen Firma beteiligt ist, die ein nur f&#252;r Ungarn zugelassenes Impfserum <a href="http://www.impfkritik.de/pressespiegel/2009111703.htm">(Fluval P)</a> produziert, erscheint da angesichts diverser <strong>Verschw&#246;rungstheorien</strong> geradezu harmlos.<br />
Im April sind in Ungarn <strong>Wahlen</strong>, und die Rechte wird sich vermutlich durchsetzen. Bleibt nur zu hoffen, dass zumindest die nicht-geimpften Antisemiten unter den Magyaren dann, anstatt zur Wahlurne zu gehen, immer noch das Bett h&#252;ten, um die Reste der hoffentlich letzten Grippewelle auszukurieren. Kleine Viren k&#246;nnen n&#228;mlich ganz gro&#223;e Politik machen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21512&amp;md5=9cbb028e44d5bb373e8fbc80a73b9155" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Zwiespalt bleibt: Prominenter Dirigent nutzt Sterbehilfe</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 06:12:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Freitod des englischen Dirigenten-Ehepaars Downes stellt erneut die Frage, wie die Gesellschaft mit dem Wunsch nach Sterbehilfe umgehen soll]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a070f675b7b860d1017df488a2ab76" width="1" height="1" alt=""/>Haben wir ein <strong>Recht auf Sterbehilfe</strong>? In England hat der Fall eines bekannten Dirigenten Aufsehen erregt, der gemeinsam mit seiner t&#246;dlich erkrankten Frau aus dem Leben schied –in der Schweiz, mit Hilfe der <strong>Sterbehilfeorganisation Dignitas </strong>(via <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/196/480674/text/">S&#252;ddeutsche</a>). Sir Edward Downes, 85, fast blind und immer mehr ertaubend, wollte nicht mehr – obwohl er „sein Leben gl&#252;cklich zu Ende gelebt haben k&#246;nnte“, wie die britische Pro-Life-Alliance erkl&#228;rte.  Downes h&#228;tte sicher auch blind und taub und ohne seine Frau weiterleben k&#246;nnen. Aber „gl&#252;cklich“?</p>
<p>Der <strong>Ruf nach Sterbehilfe</strong> w&#228;chst mit den Erfolgen der Medizin. Sie kann Leben so lange verl&#228;ngern, bis es zu Last wird. Dazu passt, dass einer der ersten Propagandisten der Sterbehilfe Christiaan Barnard war, der Arzt, der 1967 das erste Herz transplantierte.  Mit Hans Henning Atrott, dem Gr&#252;nder der inzwischen reformierten <a href="http://dghs.de/">Deutschen Gesellschaft f&#252;r Humanes Sterben</a>, der sp&#228;ter wegen Zyankali-Handels angeklagt wurde, tourte er in den 70er Jahren durch Europa und warb f&#252;r die Einf&#252;hrung der Euthanasie.</p>
<p>Die Herzverpflanzung war ein Erfolg mit weitreichenden Folgen, denn sie f&#252;hrte dazu, dem <strong>Tod einen anderen Platz</strong> zu geben: 1968 wurden in Harvard die Hirntod-Kriterien definiert: Der Tod wurde vor dem eigentlichen Lebensende konstatiert – um dem Sterbenden seine noch lebenden Organe entnehmen zu k&#246;nnen. Parallel zur ersten Herzverpflanzung war in London die erste <strong>Palliativ-Klinik </strong>gegr&#252;ndet worden, das legend&#228;re <a href="http://www.stchristophers.org.uk/">St. Christopher’s Hospice</a>.</p>
<p>„Den Tagen mehr Leben geben, statt dem Leben mehr Tage“, diesem Motto der Begr&#252;nderin der modernen Palliativ- und Hospizbewegung, <strong>Dame Cicily Saunders</strong>, h&#228;tte sicher auch Edward Downes zugestimmt. Es geht darum, eine qu&#228;lende Lebensverl&#228;ngerung, die durch die Hochleistungsmedizin in fast unbegrenztem Ma&#223;e m&#246;glich ist, in Frage zu stellen. Denn &#196;rzte k&#228;mpfen gegen den Tod, mit allem, was sie aufbieten k&#246;nnen. Fast immer haben sie noch eine letzte Chance, k&#246;nnen dem Leben ein paar Stunden oder Tage abringen, manchmal mehr. Krebspatienten sterben nicht mehr an ihrem Tumor, sondern an den Folgen der Chemotherapie oder Bestrahlung. Intensivpatienten &#252;berleben schwerste Verletzungen, aber vielleicht nicht den Krankenhauskeim, der alle Hygieneschleusen &#252;berwunden hat. Komapatienten erliegen nicht ihren Hirnsch&#228;den, sondern sterben,weil irgendwann beschlossen wird, die k&#252;nstliche Ern&#228;hrung einzustellen. Meist l&#228;sst erst der <strong>Verzicht</strong> auf eine weitere medizinische Behandlung den Tod zu.</p>
<p><strong>Palliativmedizin und Hospizbewegung</strong> sind eine Antwort auf die B&#252;rde, die uns die M&#246;glichkeiten der modernen Medizin auferlegt. Daraus – wie im Fall des Ehepaar Downes – eine Pflicht zum Leben ableiten zu wollen, ist absurd. Es sind immer die Betroffenen, die entscheiden was f&#252;r ihn oder sie noch lebenswert ist.</p>
<p>Allerdings ist es mehr als problematisch, wie das immer h&#228;ufiger auch in Deutschland geschieht, daraus den Anspruch abzuleiten, von anderen um das Leben gebracht zu werden. Nat&#252;rlich ver&#228;ndert die M&#246;glichkeit der <strong>Euthanasie,</strong> wie von den Pro-Life-Aktivisten vorgebracht, die gesellschaftlichen Ma&#223;st&#228;be, die Bewertung dessen, was lebenswert ist. <strong>Holland</strong> ist ein bekanntes Negativ-Beispiel: Dort erhalten 3000 Patienten j&#228;hrlich ganz legal eine t&#246;dliche Injektion, weil sie das w&#252;nschen und ihre Krankheit unheilbar ist. Aber auch weitere tausend Menschen, die nicht mehr imstande waren, diese Entscheidung selbst zu treffen  Nach einer Regierungsumfrage war dabei das Motiv jedes dritten Arztes nicht das Leiden des Patienten, sondern das der Angeh&#246;rigen. Oder sein eigenes. »Maak mij niet dood, Doktor«, »T&#246;te mich nicht«,steht auf der »Credo-Card«, die mancher Holl&#228;nder bei sich tr&#228;gt, um nicht aus Versehen erl&#246;st zu werden.</p>
<p>In der Schweiz, dem Land der Sterbehilfe, wo die Mitarbeiter von „<a href="http://exit.ch/">Exit</a>“ inzwischen sogar an den Universit&#228;tskliniken zugelassen sind, steigt die Zahl von Menschen, die nicht unheilbar krank sind und trotzdem des Lebens &#252;berdr&#252;ssig get&#246;tet werden m&#246;chte. Gerade hat der Kanton Z&#252;rich, so die <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/361/480838/text/">S&#252;ddeutsche</a>, die bisher gedultete Sterbehilfe legalisiert und zwar auch dann, wenn es sich bei einem &#8220;schweren, krankheitsbedingten Leiden&#8221; und psychische Symptome handelt, der Todeswunsch aber &#8220;wohlerwogen und dauerhaft&#8221; sei, ein &#8220;Bilanzsuizid&#8221;. Wieviel daran individuelles Schicksal oder gesellschaftliche Repression ist, ist schwer zu entscheiden. Zynisch waren jedenfalls die Spr&#252;che des Hamburger Politikers <a href="http://www.kuschsterbehilfe.de/">Roger Kusch</a>, der im Wahlkampf mit einem „Todesautomaten“ durch die Altenheime tourte und argumentierte, mit der M&#246;glichkeit, sich ums Leben zu bringen, m&#252;sse nun niemand mehr in Abh&#228;ngigkeit von anderen im Heim leiden.</p>
<p>Doch unterscheidet jemand, der im Heim einsam ist, von der Einsamkeit, die Edward Downes f&#252;rchtete? Sterbehilfe bleibt ein Thema, f&#252;r das es keine einfachen L&#246;sungen gibt. Der Philosoph <strong>Hans Jonas</strong> warnte vor einer Ethik des Mitleids, sie weise, so schrieb er, der seine Mutter in Auschwitz verloren hat, den Weg zu einer Gew&#246;hnung an den Akt des T&#246;tens, deren Folgen unabsehbar w&#228;ren. Seine Philosophie ist von dem Willen zur <a href="http://hans-jonas-zentrum.de/">Verantwortung</a> sich selbst und den anderen gegen&#252;ber gepr&#228;gt: „Zuletzt und im &#196;u&#223;ersten werden wir auf die einsamen Entscheidungen der Liebe zur&#252;ckgeworfen, die selbst dem Gesetz zu trotzen wagt“, betonte er und forderte den Verzicht auf eine eindeutig regelnde ethische Antwort.</p>
<p>Das Ehepaar Downes hat sich in einem Akt der Liebe einer professionellen <a href="http://www.dignitas.ch/">Sterbehilfeorganisation</a> anvertraut, die f&#252;r ihre zweifelhaften Praktiken genauso kritisiert wurde, wie sie vielen Menschen als letzter Garant f&#252;r Selbstbestimmung gilt. Immer &#246;fter werden sogar Hospizhelfer gebeten, die ihnen Anvertrauten in die Schweiz zu begleiten. Der Zwiespalt bleibt genauso wie die Not, mit der B&#252;rde der Lebensverl&#228;ngerung durch die Medizin umzugehen.
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		<title>Schwein gehabt Teil 2: WHO ruft Pandemie aus</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 15:07:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Trotz Quarant&#228;nen hat sich das Grippevirus auf seinem Weg rund um die Welt nicht aufhalten lassen. Jetzt soll das Borstenvieh st&#228;rker &#252;berwacht werden]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8b918bc67d5b11d2811c8b83132aa7" width="1" height="1" alt=""/>CARTA hat es gewusst: <a href="http:////carta.info/8949/schwein-gehabt-vorlaeufige-entwarnung-langfristiger-handlungsbedarf-bei-virusgrippe/">Anfang Mai</a> sagten wir voraus, dass die Weltgesundheitsbeh&#246;rde auch noch die <strong>letzte und h&#246;chste Warnstufe</strong> in Sachen <strong>H1N1-Virus</strong> ausrufen w&#252;rde, und jetzt ist es passiert (<a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,629930,00.html">via SPIEGEL Online</a>). &#8220;Anhaltende Mensch-zu-Mensch-&#220;bertragung&#8221; in mindestens zwei von einander unabh&#228;ngigen WHO-Regionen &#8211; so lautet die b&#252;rokratische Formel f&#252;r etwas, das die Welt zuletzt 1968 mit der sogenannten Hongkong-Grippe wahrgenommen hat. Zwei Millionen Menschen starben Sch&#228;tzungen zufolge zwischen 1968 und 1969 an dem Virus H3N2 <a href="http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/schweinegrippe/who-schweinegrippe-zur-pandemie-erklaert_aid_407314.html">(via FOCUS online)</a>. Doch es gab sicher noch einige andere Infektionen, die unbemerkt die Welt umrundeten.</p>
<p>Die <strong>Pandemie </strong>bedeutet nicht, dass das Virus gef&#228;hrlicher geworden ist, schreibt SPIEGEL Online zurecht &#8211; sein Potential w&#228;chst jedoch mit jedem Menschen, den es erreicht. Jahre, vielleicht mehr als ein Jahrzehnt, glauben Wissenschaftler inzwischen, hat sich dieses Virus schon unter <strong>Schweinen </strong>vermehrt und ver&#228;ndert, bevor es die geeigneten Bedingungen fand, auch den <strong>Mensch als Lebensraum</strong> zu erobern. Gestorben sind dabei bisher &#8220;nur&#8221; die Armen oder Schwachen &#8211; eine halbe Million New Yorker, rechnen die Epidemiologen <a href="http://www.nytimes.com/2009/06/11/nyregion/11flu.html?partner=rss&amp;emc=rss">(via New York Times)</a> zum Beispiel, haben sich mit der Schweinegrippe infiziert, aber &#8220;nur&#8221; zw&#246;lf sind gestorben, 530 mussten ins Krankenhaus &#8211; eine ganz normale <strong>Grippe</strong> also.</p>
<p>Weil die wie alle anderen auch ihren Ursprung im Schwein hat, sollen nun nicht nur Menschen, sondern vor allem auch Schweine <strong>epidemiologisch</strong> &#252;berwacht werden. Eine Mammutaufgabe: Gesch&#228;tzte eine Milliarde Schweine leben &#8211; meist nur f&#252;r kurze Zeit &#8211; auf diesem Planeten. Ihr Fleisch wird zur H&#228;lfte allein in China verzehrt  (<a href="http://www.worldwatch.org/">via Worldwatch</a>). 26 Prozent des Getreides wird dort inzwischen an Nutztiere verf&#252;ttert, vor 50 Jahren waren es nur acht. Die Gefahr einer todbringenden Pandemie ist nicht vorbei und ein weiterer Grund, &#252;ber den individuellen <strong>Fleischkonsum</strong> auch in Europa neu nachzudenken.
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		<title>Erzwungene Solidarit&#228;t: BVerfG best&#228;tigt den umstrittenen Basistarif</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 12:09:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Private Vorsorge ist gut und wichtig. Aber die Zeiten, wo eine Privatversicherung Privilegien bedeutete, sind l&#228;ngst vorbei.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8af32248811e740a36409418e650d6" width="1" height="1" alt=""/>Der Lack ist ab: <strong>Privat krankenversichert </strong>zu sein ist schon seit l&#228;ngerem keine Freude mehr. Zwar ist es nett, in der Lounge neben dem &#252;berf&#252;llten Wartezimmer auf einer Ledercouch zu sitzen und just-in-time dranzukommen, w&#228;hrend sich die <strong>gesetzlich Versicherten </strong>die Stunden um die Ohren schlagen. Doch was die &#228;rztlichen Leistungen angeht, so klagen Patienten wie Mediziner schon seit l&#228;ngerem, das die Gesundheitskontrolleure der Privaten schlimmer sind als die schlimmsten Alptr&#228;ume eines staatlichen Gesundheitssystems: Der <strong>Nachweis der Wissenschaftlichkeit </strong>einer medizinischen Methode wird – zum Beispiel bei einer Akupunkturbehandlung – h&#228;rter eingeklagt als bei den Gesetzlichen, und Bandscheibenoperationen werden schon mal mit dem Hinweis verweigert, man k&#246;nne ja auch Schmerzmittel nehmen&#8230; (<a href="http://tinyurl.com/lhq4ge">siehe WELT Online</a>).</p>
<p>Jetzt hat auch noch das <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rs20090610_1bvr070608.html">Verfassungsgericht die Klage</a> von f&#252;nf Privatversicherern und drei B&#252;rgern gegen den Basistarif abgelehnt. <strong>570 Euro</strong> betr&#228;gt der Satz, den die Krankenversicherer seit Januar dieses Jahres ihren Kunden anbieten m&#252;ssen, auch solchen, die derzeit gar nicht versichert sind (Sch&#228;tzungen nach sind das zwischen 180 000 und 400 000 Menschen). Doch entgegen den Kassandrarufen der Privaten, das werde sie ruinieren, sind erst rund 6000 von 8,4 Millionen Privatversicherten in den <strong>Billigtarif </strong>gewechselt.</p>
<p>Ulla  Schmidt ist damit erfolgreich in ihrem Versuch, mehr <strong>Solidarit&#228;t </strong>im Gesundheitswesen zu erzwingen. Das Mittel des Basistarifs rechtfertige den Zweck, so das Verfassungsgericht, „allen B&#252;rgern einen bezahlbaren Krankenversicherungsschutz“ zu gew&#228;hrleisten. Die zus&#228;tzliche Verpflichtung der Privaten, die <strong>Altersr&#252;ckstellungen</strong> beim Versicherungswechsel freizugeben und  <strong>l&#228;ngere Wartezeiten</strong> beim Eintritt untergraben ihr Fundament weiter.</p>
<p>Was bringt eine private Krankenversicherung &#252;berhaupt noch au&#223;er dem Ledersofa? Bessere Medizin f&#252;r zehn Prozent der Versicherten ist eine Illusion – wer wegen multipler Liquidationsm&#246;glichkeit jemals vom Chef operiert wurde anstatt von einem viel routinierteren Oberarzt kann ein Lied davon singen. Privat Versicherte sind auch in weit h&#246;herem Ma&#223;e ein Opfer der <strong>Ger&#228;temedizin</strong> – zum mehrfachen Satz l&#228;sst sich anscheinend auch mehr Nutzloses abkl&#228;ren.  Und nicht einmal der Zeitgewinn lohnt sich: Laut einer Studie von <a href="http://tinyurl.com/l83pfq">TNS Healthcare</a> (2008) kommen Privatversicherte im Schnitt nur <strong>sieben Minuten</strong> eher dran. Trotzdem steigen die Beitr&#228;ge &#8211; mehr als im gesetzlichen System.</p>
<p>So schlecht ist die Versorgung der gesetzlich Versicherten also gar nicht, schon gar nicht im internationalen Vergleich. Und so verwirrend und enervierend das Hin und Her der Gesundheitspolitik zwischen <strong>Solidarprinzip und Wettbewerb</strong> auch ist, so zeichnet sich doch zunehmend ein eindeutiger Trend ab: der zu <strong>Basisleistungen</strong>, die allen Mitgliedern dieser Gesellschaft in gleicher Weise zur Verf&#252;gung stehen m&#252;ssen. Und der zu <strong>Zusatzleistungen</strong>, die auf dem liberalisierten Markt der Gesundheitsanbieter k&#228;uflich erworben werden k&#246;nnen, zum Beispiel &#252;ber private Risikoabdeckung. Alles f&#252;r alle l&#228;sst sich in einer Gesellschaft der wachsenden M&#246;glichkeiten der Medizin wie der wachsenden Zahl chronisch Kranker nicht finanzieren. Auch die gesetzlichen Kassen werden ihr Versorgungsangebot weiter differenzieren m&#252;ssen. Gegen Krankheiten und Schicksalsschl&#228;ge ist keiner von uns gewappnet und braucht eine Basisabsicherung. F&#252;r Gesundheit aber kann und muss jeder selbst etwas tun.
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<a href="http://carta.info/10400/erzwungene-solidaritaet-bvg-bestaetigt-den-umstrittenen-basistarif/">Erzwungene Solidarit&#228;t: BVerfG best&#228;tigt den umstrittenen Basistarif</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/10400/erzwungene-solidaritaet-bvg-bestaetigt-den-umstrittenen-basistarif/#comments">4 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=10400&amp;md5=a9dd5ff10f36c41efa40632c36559f28" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Aus die Maus: Mit SZ-WISSEN verschwindet ein St&#252;ck &#8220;public interest&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 21 May 2009 17:36:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenige Monate nach dem Relaunch verliert die "S&#252;ddeutsche" das Interesse an ihrem Magazin. Wissenschaft gilt immer noch als "special interest" oder als netter F&#252;ller f&#252;r anzeigenbedingte Restfl&#228;chen. Ihre Rolle wird untersch&#228;tzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7f1edc9ebc334fbb31cef116c200e2" alt="" width="1" height="1" /><br />
„Das st&#228;rkste Argument f&#252;r <strong>S&#252;ddeutsche Zeitung WISSEN </strong>ist seine Herkunft.“  Weil das Internet unsterblich macht, steht er <a href="http://www.sueddeutscher-verlag.de/business/sueddeutsche_zeitung/magazine_supplements">da </a>jetzt immer noch, dieser Satz aus Gr&#252;nderzeiten, und macht uns nachdenklich. Hei&#223;t das, die S&#252;ddeutsche Zeitung sieht ein &#228;hnliches Schicksal f&#252;r sich wie f&#252;r das <strong>gerade versenkte </strong>WISSEN-Magazin? Hat doch das SZ-Freitags-Magazin gerade mit <a href="http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/liste/h/200919"><strong>„Wozu Zeitung?“</strong></a> eine ebenso bleilastige wie selbstkritische Nabelschau abgeliefert, aus der Unsicherheit und Pessimismus sprach.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-9588" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/animg_0_1239978000_image_teasergross_0_181.jpg" alt="animg_0_1239978000_image_teasergross_0_181" width="180" height="222" />&#8220;Verst&#228;rkt durch die <strong>Wirtschaftskrise</strong> zeichnet sich ab, dass aufgrund sinkender Anzeigenerl&#246;se und einer nicht den Erwartungen entsprechenden Auflagenentwicklung kurz- und mittelfristig keine realistische Aussicht auf einen <strong>nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg </strong>des Titels besteht.&#8221; So die magere Presseerkl&#228;rung. Das Team unter  Chefredakteur Christian Weber wusste seit ein paar Monaten, dass das Magazin nur einen Galgenfrist bis Juni hatte und k&#228;mpfte beharrlich um eine <strong>Steigerung der Auflage</strong>. Doch von 200 000 Exemplaren, mit denen SZ-WISSEN 2004 gestartet war,  blieben laut <a href="http://www.kress.de/cont/story.php?id=128324">Kress </a>am Schluss nur noch 63.558 durchschnittlich verkaufte Exemplaren (IVW I/2009), die harte Auflage betrug weniger als die H&#228;lfte. Zwar ging der Trend im 2. Quartal wieder bergauf, doch die Verlagsgruppe besann sich auf ihre Kernkompetenzen, das Druckgesch&#228;ft, und hielt die Pressen an. Aus.</p>
<p>„Unser Gesch&#228;ft waren immer nur die Zahlen“, sagte einer der Verleger, <strong>Eberhard Ebner,</strong> vor Monaten in einem privaten Gespr&#228;ch, und gestand ein, dass der Umgang mit einer selbstbewussten Redaktion gew&#246;hnungsbed&#252;rftig war. Fehlt deshalb die <strong>Blattmacher-Kompetenz</strong>? Hektisch wirkten Versuche wie mit dem <strong>Elternmagazin WIR</strong>, das (mit nicht mal 50 000 verkauften Exemplaren) schon nach einer Nummer <a href="http://www.wuv.de/news/medien/meldungen/2009/03/122986/index.php">eingestellt </a>wurde. Denn dass <strong>Magazine in der Krise</strong> sind und besonderes Durchhalteverm&#246;gen erfordern, sollte sich doch schon herumgesprochen haben. Immerhin h&#228;lt sich das mit SZ-WISSEN konkurrierende Zwei-Monats-Heft <strong>Zeit Wissen</strong> recht konstant mit 80.000 Exemplaren verkaufter Auflage. Und das Wissenschaftsressort im Mutterblatt SZ ist durchaus renommiert.</p>
<p>Was jetzt? Wissenschaftsjournalismus liegt laut Leserforschung mit dem <strong>Readerscan</strong>-Verfahren im Trend, doch in der Summe dominieren die <strong>Geschichten mit der Maus</strong> –nach dem Motto „Wie funktioniert&#8230;“, „Gefahr durch&#8230;“ oder „Die Zukunft des&#8230;“ Aktuell-kritische Debatten und gut recherchierte Hintergrundberichte verschwinden aus den Bl&#228;ttern, einfach, weil sie sich nicht an einem Tag erz&#228;hlen lassen, sondern f&#252;r ihr F&#252;r und Wider <strong>Kontinuit&#228;t der Aufmerksamkeit</strong> brauchen. Das Internet fraktioniert das vorhandene Interesse in <strong>Spezialthemen,</strong> denen wir „followen“.</p>
<p>Es fehlt an <strong>&#220;berblicken, Interpretationen, Debatten und Analysen </strong>–  da Wissenschaft eben nicht die eine Sicht der Dinge ist, sondern das unterschiedliche und h&#228;ufig gegens&#228;tzliche Interesse vieler. Es muss deshalb einen Wissenschaftsjournalismus geben, der keine Spezialinteressen bedient, sondern die Berichterstattung <strong>in allen Ressorts </strong>erg&#228;nzt, bereichert, ver&#228;ndert. Diese Kompetenz zu finanzieren muss in unserer Wissensgesellschaft eine Selbstverst&#228;ndlichkeit sein. Politiker, Sportler, Schlagers&#228;nger, Wirtschaftsbosse, das Wetter kommen und gehen. Die Suche nach Antworten bleibt.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=9586&amp;md5=95a90da73f964a27a9579071b74e7f3d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schwein gehabt: Vorl&#228;ufige Entwarnung, langfristiger Handlungsbedarf bei Virusgrippe</title>
		<link>http://carta.info/8949/schwein-gehabt-vorlaeufige-entwarnung-langfristiger-handlungsbedarf-bei-virusgrippe/</link>
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		<pubDate>Tue, 05 May 2009 12:30:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der neue Erreger wird sich vermutlich bald pandemisch verbreitet haben. Dann ruft die WHO "Stufe 6" aus und wei&#223; nicht so recht weiter. Denn vorl&#228;ufig bleiben die Millionen Toten aus, die Notstand und Quarant&#228;nen rechtfertigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/718de89ac99f1865fac45c98a6d3ba" alt="" width="1" height="1" /><br />
<strong>Die gute Nachricht:</strong> Den Schweinen geht es schon wieder besser. Nachdem in der kanadischen Provinz Alberta ein Landwirt nach seiner R&#252;ckkehr aus Mexiko seine Schweineherde angesteckt hatte, befinden sich alle Beteiligten, Mensch wie Tiere, auf dem Weg der Besserung. Eine nette Anekdote von der Virusfront. Wie &#252;berhaupt momentan allenorts wieder <strong>abgewunken</strong> wird – soooo schlimm scheints ja nun auch wieder nicht zu sein, auch wenn die Weltgesundheitsbeh&#246;rde die<strong> Warnstufe 5 </strong>ausgerufen hat – der letzte Schritt vor einer <strong>Pandemie</strong>.</p>
<p>Doch die <strong>&#246;ffentliche Wahrnehmung</strong> hat mit der Realit&#228;t kaum etwas zu tun. Im Gegenteil: Sie schafft sich ihre eigene. Denn dass das <strong>Influenza-A-Virus</strong> in den seltensten F&#228;llen t&#246;dlich ist, verschiebt das Problem m&#246;glicherweise nur <strong>weiter nach hinten</strong>. Wenn der Wirt nicht stirbt, hat auch das Virus mehr Chancen, sein Erbgut quer durch die Welt zu verbreiten. Schlimmstenfalls tauscht es dabei Teile seiner DNA mit b&#246;seren Verwandten und kehrt als <strong>Supervirus </strong>zur&#252;ck. Vielleicht schon im <strong>Herbst</strong>.</p>
<div id="attachment_8974" class="wp-caption alignleft" style="width: 265px"><img class="size-medium wp-image-8974" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/3493605447_00ce8a9f491-255x300.jpg" alt="Der neue Grippevirus H1N1 (Quelle: CDC)" width="255" height="300" /><p class="wp-caption-text">Der neue Grippevirus H1N1 (Quelle: CDC)</p></div>
<p>Das alles wurde in den letzten Tagen rauf und runter in den <strong>Medien</strong> beschrieben und versendet. Erstaunlich, dass Anleitungen zum H&#228;ndewaschen und keimfreier Begr&#252;&#223;ung immer noch Interesse finden. Der SPIEGEL widmete dem Virus immerhin eine umfangreiche Titelgeschichte ohne den sonst haus&#252;blichen Zynismus (siehe <a href="http://http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,622843,00.html">auch</a>) und <a href="http://tinyurl.com/d3aank">FAZ.net</a> wirft Fragen auf, die sonst keiner stellt (Noch ein Tipp der Autoren: das <a href="http://www.thegreatflu.com">Online-Pandemie-Spiel</a>). Das <strong>Fernsehen </strong>tut sich schwerer mit Differenzieren: Frank Plasberg machte in <strong>„Hart, aber fair“</strong> ungewollte Werbung f&#252;r das <strong>Grippemittel „Tamiflu“</strong>: Auch B&#228;rbel H&#246;hn (die Gr&#252;nen) „tut es“ (sie hortet das Medikament f&#252;r Notf&#228;lle), und Rangar Yogheswar, der wissenschaftliche Vordenker der ARD, durfte erkl&#228;ren, dass er von seinen vier Kindern zwei verlieren w&#252;rde, wenn er das Arzneimittel nicht zu Hause h&#228;tte – so &#228;hnlich zumindest kam es r&#252;ber. Dass Tamiflu nicht vorbeugend eingenommen werden kann, sondern punktgenau mit Ausbruch der Krankheit geschluckt werden muss und &#252;berdies, massenhaft eingenommen, schnell das Virus unempfindlich macht, trat angesichts von soviel gesundheitsbesorgter Prominenz eher in den Hintergrund. Weniger Tage sp&#228;ter setzte die ARD kurzfristig <strong>„Das Imperium der Viren&#8221;</strong> aufs Programm &#8211; eine so perfekte Mischung aus inszenierter Spielhandlung, Reportagen und Expertenstatements, dass die (diesmal von der <strong>Vogelgrippe</strong> Infizierten) quasi vor den Augen der Zuschauer ihr Leben aushauchten. Ein Pesthauch wehte durch den &#196;ther&#8230;</p>
<p>Kann man mit modernen Massenmedien Menschen <strong>informieren ohne sie zu alarmieren?</strong> Der <strong>Grad zwischen Panikmache und Prognostik </strong>ist ein ganz schmaler, und die <strong>G&#252;terabw&#228;gung neben der Genetik </strong>das zweitwichtigste Thema der Virologie. Zwang oder Aufkl&#228;rung? Was macht man, wenn Reisende aus Mexiko trotz aller Warnungen eine Massenveranstaltung der Industrie- und Handelskammer besuchen, bevor sie mit der Grippe in die Uniklinik Regensburg eingeliefert werden? W&#228;re es nicht einfacher, die Ank&#246;mmlinge eines Airbusses aus Mexico City drei Tage lang in <strong>Quarant&#228;ne </strong>zu setzen, anstatt hinterher nach dem Schneeball-System 1400 Kontakte der IHK-Veranstaltung zu verfolgen? Sollte man die kanadischen Schweine nicht keulen? <strong>„Aufsuchende Epidemiologie“</strong> hei&#223;t der Fachbegriff, wenn die Wissenschaft Krankheitserreger au&#223;erhalb des Labors verfolgt. Nur durch Hinterherlaufen k&#246;nnen die Forscher feststellen, wie virulent die Virusgefahr letztlich &#252;berhaupt ist.</p>
<p>Denn das ist die <strong>&#220;berraschung</strong> dieses neuen Grippevirus: Dass er zwar in abenteuerlicher Geschwindigkeit die Welt erobert hat, so dass die WHO jederzeit die<strong> letzte und sechste Stufe</strong> ihres Warnplans ausrufen kann – aber dass die <strong>„Pandemie“</strong> in diesem Fall nicht bedeuten muss, dass so viele Millionen Menschen sterben wie bei der ber&#252;chtigten Spanischen Grippe 1918 bis 1920. So etwas hat die Welt noch nicht erlebt – zumindest nicht bewusst wahrgenommen.</p>
<p>Zwar k&#246;nnen wir heute quasi <strong>in Echtzeit</strong> die Weiterverbreitung des H1N1-Virus verfolgen (ganz vorne <a href="http://https://twitter.com/#search?q=%23swineflu">TWITTER </a>), aber wir k&#246;nnen daraus noch lange nicht schlie&#223;en, was es bedeutet. F&#252;r Deutschland stellt sich konkret die Frage: Brauchen wir mehr <strong>Impfstoff gegen die alte Grippe </strong>(mit j&#228;hrlich mehreren tausend Toten) <strong>oder gegen die neue</strong>? Deutschland wird sich vermutlich zwei Produktionslinien leisten – doch in vielen &#228;rmeren L&#228;ndern der Welt wird die Grippe-Impfung als Russisches Roulette gespielt werden.</p>
<p>Die Unw&#228;gbarkeit der Virusgefahren stellt auch die WHO vor ganz neue Probleme, was ihr Warnsystem angeht. Nicht mehr das Virus selbst r&#252;ckt ins Zentrum der &#220;berlegungen, sondern die <strong>Umst&#228;nde</strong>, die es erm&#246;glichen und potenzieren: Auch wenn die Agrarlobby sofort erfolgreich den Namen „Schwein“ aus dem Namen getilgt hat und das Virus jetzt offiziell <strong>„Influenza-A H1N1“ </strong>genannt wird (angeblich, um Araber und Juden nicht mit unreinen Krankheiten zu beleidigen), steht fest, dass dieses Virus zumindest schon <strong>Schweine</strong> von innen gesehen hat. Schweine sind wegen ihrer physiologischen &#196;hnlichkeiten zum Menschen (im Austausch mit diesen wie auch V&#246;geln) eine <strong>zentrale Brutst&#228;tte</strong> (Virologen sprechen von &#8220;Mischgef&#228;&#223;en&#8221;) f&#252;r Grippeviren. Die <strong>Massentierhaltung</strong> ist dabei nicht nur deshalb problematisch, weil die genetisch sehr &#228;hnlichen Tiere sich in der Enge der gro&#223;en St&#228;lle schneller anstecken. Die <strong>Monokultur</strong> in der Nutztierzucht  und –produktion f&#252;hrt zu <strong>weltweiter Arbeitsteilung und riesigen Abfallbergen</strong> – wie wir sp&#228;testens seit BSE wissen. Von Gefl&#252;gelkot als D&#252;nger &#252;ber Bruteier, Knochenmehl und Tierh&#228;ute werden tierische Materialien quer um die ganze Welt verkauft und nat&#252;rlich auch Lebendvieh. Bis ein Schwein ausgewachsen ist, wechselt es alle paar Wochen den Produzenten – es kann also sehr gut sein, dass <strong>das mexikanische Virus aus den benachbarten USA &#252;ber Tiertransporte eingeschleppt </strong>wurde.</p>
<p><strong>Aids </strong>kam angeblich aus dem Dschungel, dem wilden, unbeherrschbaren, undurchdringlichen Chaos. Die Schweinegrippe lebt bestens in industrieller Massentierhaltung, in hellen St&#228;llen mit internationalen Hygienestandards, hoher Arbeitsteilung, Welthandelsabkommen, Billigpreisen und allem, was dazugeh&#246;rt. Dagegen hilft kein Mundschutz.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=8949&amp;md5=ed482921a8842770c0ead6a7b43de011" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dubiose Pharma-Deals: Bei Krankheit &#8220;Geld zur&#252;ck&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Apr 2009 09:22:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den USA und England werben Merck und andere Arzneimittelhersteller jetzt mit "Performance". Sie koppeln Medikamentenpreise an Wirk-Garantien und wollen sich so eine Pole-Position bei den Krankenkassen sichern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6a2f7178337228d1907ca1daa08cb5" alt="" width="1" height="1" /><br />
In antiken China wurden &#196;rzte angeblich nur dann bezahlt, wenn der Patient gesund blieb. Auch wenn Historiker das l&#228;ngst als M&#228;r widerlegt haben, h&#228;lt sich dieser Mythos hartn&#228;ckig &#8211; weil er einfach so sch&#246;n ist. Der Pharmagigant Merck will jetzt daraus ein <strong>Gesch&#228;ftsmodell</strong> entwickeln. Mit Cigna, dem weltweit f&#252;hrenden Anbieter von Krankenversicherungen f&#252;r international t&#228;tige Unternehmen, hat Merck einen Deal geschlossen, der den Preis f&#252;r die Diabetes-Mittel Januvia und Janumet an ihre  Erfolgsquote koppelt (<a href="http://www.nytimes.com/2009/04/23/business/23cigna.html?_r=1&amp;p...">via New York Times</a>): Wenn das Medikament die Erwartungen nicht erf&#252;llt, bekommt der Hersteller nicht den gew&#252;nschten Preis.</p>
<p>In den USA mit ihrem traditionellen Optimismus, was die M&#228;chte des Marktes angeht, gelten solche <strong>Wirkgarantien als gro&#223;er Schritt in Richtung Gesundheit</strong>. Wenn sich ein Patient trotz des Medikaments Actonel (Procter  &amp; Gamble/Sanofi-Aventis) die H&#252;fte bricht, &#252;bernehmen die Hersteller mit 30 000 Dollar die Krankenkosten. In England verspricht Johnson&amp;Johnson R&#252;ckerstattungen, falls nach dem Chemotherapeutikum Velcade der Tumor nicht schrumpft.</p>
<div id="attachment_8434" class="wp-caption alignleft" style="width: 200px"><img class="size-full wp-image-8434" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/04/23cigna01-190.jpg" alt="Diabetes-Mittel Januvia von Merck" width="190" height="220" /><p class="wp-caption-text">Diabetes-Mittel Januvia von Merck</p></div>
<p>Klingt verf&#252;hrerisch, die &#8220;<strong>bei-Krankheit-Geld-zur&#252;ck-Idee</strong>&#8220;. Als h&#228;tte der Patient nun eine echte Garantie f&#252;r seine Gesundheit &#8211; oder zumindest f&#252;r das Geld, das er monatlich f&#252;r seine Versicherung bezahlt. Aber das Gegenteil ist der Fall: Solche Modelle verbreitern die Einbahnstra&#223;en im Gesundheitssystem. Schon die bisherigen Positivlisten der Krankenversicherer in Deutschland haben die Therapiefreiheit entscheidend eingeschr&#228;nkt. Die Kassen tun so, als w&#252;rde nur der Wirkstoff z&#228;hlen und finanzieren deshalb mit Vorliebe die billigeren Generika. Dabei wussten schon die Alchimisten als Vorl&#228;ufer der Pharmakologen, dass die Galenik, die Art und Weise, wie Wirkstoffe zubereitet und in einer Arzneiform verpackt werden, ganz entscheidend f&#252;r ihre Wirkung ist. Die Unterschiede zwischen Mitteln mit ein und demselben Wirkstoff k&#246;nnen deshalb beachtlich sein.</p>
<p>Zum zweiten verst&#228;rken solche Deals den Irrglauben, dass Gesundheit ein Produkt sei und der Patient ein Kunde. Aus diesem Denken resultiert die Annahme, dass dasjenige Medikament, was am meisten verschrieben wird, anscheinend das Beste ist. Das kann man aber so nicht sagen. Selbst die erprobtesten und etabliertesten Medikamente haben einen <strong>Prozentsatz von Therapieversagern</strong>, bei denen eine Arznei nicht anschl&#228;gt. W&#228;hrend die Biomedizin &#252;ber Genanalysen und immer bessere Erforschung der molekularen Vorg&#228;nge im K&#246;rper &#8211; Andock- und Aktivierungsmechanismen, Botenstoffe, neurovegetative Einfl&#252;sse &#8211; die Hintergr&#252;nde aufdeckt und an einer immer st&#228;rker individualisierten Therapie arbeitet (zum Beispiel in der Krebsforschung), versucht die Pharmaindustrie hier den umgekehrten Weg: <strong>Massenrabatte f&#252;r Massenbehandlungen</strong>. Denn, auch das zeigt das amerikanische Beispiel: Der Deal hat das Ziel, die Therapievielfalt zu begrenzen. Die Versicherer werden &#252;ber gro&#223;z&#252;gige Preisnachl&#228;sse dazu gebracht, ihre Mitglieder bei der Stange zu halten, was die ausgew&#228;hlten Pr&#228;parate angeht.</p>
<p>Auf der Strecke bleiben Patienten, die aufgrund genetischer Zuf&#228;lle nicht in das Massen-Muster passen. Auf der Strecke bleiben auch Pharmafirmen, die nicht die Marktmacht haben, um in dieser Weise mit den Kassen zu pokern. &#220;ber den Zwang, die Wirkweise eine einzelnen Substanz in teuersten Langzeitstudien nachzuweisen, waren schon viele pflanzliche Medikamente vom Markt selektiert worden, die auf Arzneistoffgemischen beruhen.  Auf der Strecke bleiben &#196;rzte, die auf diese Weise zum Vollstrecker eines Marktmechanismus werden. <strong>Medikamentenherstellung ist kein Milchkrieg</strong>, mit Dumpingpreisen, um die Kleinen vom Markt zu fegen. Leben ist Vielfalt. Ohne Geld-zur&#252;ck-Garantie.<br />
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		<title>Gendiagnostikgesetz: Nur ein l&#246;chriger Rahmen</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Apr 2009 14:07:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verbote sollen den Missbrauch privater Daten verhindern. Aber die Trennung zwischen "privat" und "&#246;ffentlich" existiert schon l&#228;nger nicht mehr. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist Illusion.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/63c99e51ac7bb2a6ee71b439b23b4d" alt="" width="1" height="1" /><br />
Was geht, das wird auch gemacht. So haben wir vor rund 25 Jahren argumentiert, als ich als Studentin an einer B&#252;rgerinitative „gegen Kabelkommerz“ (BIKK) mitarbeitete. Damals lief gerade die Debatte um die <strong>„Volksz&#228;hlung“</strong>. 1983 wurde sie vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erkl&#228;rt. Der B&#252;rger m&#252;sse wissen, wer welche Daten &#252;ber ihn sammle, so das Gericht, er habe ein <strong>Recht auf informationelle Selbstbestimmung</strong>.</p>
<p>Heute kommt mir mein Engagement von damals genauso anachronistisch wie richtig vor. Die <strong>Digitalisierung</strong> (damals, das muss man den „Nachgeborenen“ schon erkl&#228;ren, wegen der vielfach noch fehlenden Datenverbindungen noch in den Anf&#228;ngen) hat jeden Versuch, der Datenflut Z&#252;gel anzulegen, &#252;berrollt. Kann man sich heute noch vorstellen, dass ich damals politische Debatten mit Bankangestellten gef&#252;hrt habe, &#252;ber die Frage, warum sie zulassen, dass mit der EC-Karte ihre Arbeitspl&#228;tze wegrationalisiert werden? Heute bin ich froh, wenn mich der Automat am Telefon versteht – „W&#228;hlen Sie EINS f&#252;r &#220;berweisungen&#8230;“</p>
<p>Aber wir hatten schon recht: Was m&#246;glich ist, wird auch gemacht. Was hei&#223;t schon informationelle Selbstbestimmung? <strong>Bespitzeln ist in</strong>. Die Videoaufzeichnungen der KassiererInnen bei Lidl sind ja noch vergleichsweise altmodisch (technisch und strategisch gesehen), Telekom und Bahn zeigen schon mehr Hintersinn und Raffinesse beim Auskundschaften ihres Managements: Nicht nur Telefondaten, sondern auch Bankdetails und Bewegungsprofile sind erstellt worden. Daimler speicherte heimlich <a href="http://www.zeit.de/online/2009/16/daimler-datenaffaere"><strong>Krankendaten</strong></a> und bei Drogerie-M&#252;ller wurden Mitarbeiter nach ihrer R&#252;ckkehr aus dem Krankenstand <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/868/465459/text/">interviewt</a>, ob sie denn auch wieder v&#246;llig <strong>gesundet </strong>seien?</p>
<p>Genauso anachronistisch wie meine damalige Hoffnung auf Datenschutz mutet nun das <strong>Gendiagnostik-Gesetz </strong>an, das diese Woche beschlossen werden soll. Das geplante <strong>Verbot heimlicher Vaterschaftstests</strong> kann man sehr kontrovers diskutieren – ich pers&#246;nlich finde es nicht richtig, weil M&#228;nner keine Kontrolle &#252;ber die Frage haben, ob ihre Partnerin schwanger wird – es sei denn, sie ben&#252;tzten immer und ewig ein Kondom. Dann sollten sie wenigstens herausfinden d&#252;rfen, ob sie wirklich der biologische Vater sind. Bei allen Problemen, die das mit sich bringen kann.</p>
<p>Fraglich ist auch, ob das <strong>Verbot vorgeburtlicher Untersuchungen auf Krankheitsrisiken im sp&#228;teren Leben</strong> funktionieren kann. Wie die Vaterschaftstests und das Interesse an Nabelschnurblut-Banken schon zeigen, gibt es eine Industrie von Labors, die nur darauf warten, Fragen aufzuwerfen, um sie (vielleicht) beantworten zu k&#246;nnen. Mit 2500 Gentests lassen sich theoretisch rund 500 Krankheiten vorhersagen. <strong>Der schnelle Blick in das Horoskop der Gene</strong> ist dabei so verf&#252;hrerisch wie unsicher: nur ein kleiner Teil der Krankheiten ist durch eine bestimmte Erbanlage definiert. Die meisten haben mehrere, wenn nicht viele Ursachen. Und was sagt mir das alles, wenn ich morgen unter den Bus komme? Aber die Tests werden schneller, einfacher und billiger (zur Zeit noch rund 1000 Euro f&#252;r eine Erbgutanalyse). Und was hei&#223;t schon, die vorgeburtliche genetische Untersuchung soll <strong>„auf medizinische Zwecke beschr&#228;nkt“ </strong>sein. Wie dehnbar das Argument ist, zeigt die „medizinische Indikation“ im Paragraph 218. &#220;ber 90 000 Tests werden jedes Jahr in Deutschland durchgef&#252;hrt, 700 000 sind es in der Europ&#228;ischen Union (<a href="http://www.zm-online.de/m5a.htm?/zm/10_05/pages2/titel1.htm">Zahn&#228;rztliche Mitteilungen</a>).</p>
<p>Bleiben noch <strong>Beh&#246;rden, Arbeitgeber und Versicherungen</strong>. DNA-Tests sollen (freiwillig) die &#220;berpr&#252;fung von <strong>Verwandtschaftsverh&#228;ltnissen bei Visa- und Passantr&#228;gen</strong> gestatten – da k&#246;nnte man schnell auch (illegal) herausfinden, ob Migranten und Asylanten krankheitsbedingt zum Sozialfall werden k&#246;nnten. <strong>Lebensversicherer </strong>sollen erst ab einer Summe von 250 000 Euro Auskunft verlangen – erstaunlich, wo doch der Ethikrat schon vor l&#228;ngerem kritisierte, dass die Risikopr&#252;fung der Versicherungswirtschaft zu weit ginge. Die Versicherungswirtschaft hat auch bereits Widerspruch gegen die Einschr&#228;nkung angemeldet. Und Arbeitgeber – da reicht ein Blick in die t&#228;gliche Skandalchronik.</p>
<p>Was also tun? Ein gesetzlicher Rahmen ist schon deshalb wichtig, weil er eine gesellschaftliche Norm ausdr&#252;ckt. Doch <strong>Spiros Simitis</strong>, Jurist, Datensch&#252;tzer und Mitglied des Nationalen Ethikrates, hat bereits daran gezweifelt, ob um Begriffe wie das Recht auf Nichtwissen nicht nur eine verbale Schlacht gef&#252;hrt werde, „vorbei an den Realit&#228;ten.&#8221; (<a href="http://www.zeit.de/online/2007/39/datenschutz-simitis?page=all">siehe ZEIT-Online</a>)</p>
<p>Alle Verbote, das zeigt die Praxis, sind in der digitalen Welt leicht zu umgehen. Sie ersetzen nicht die Debatte dar&#252;ber, wie wir mit Behinderungen und Krankheiten, mit sexueller Orientierung und anderen Daten unseres Lebensstils umgehen. Unsere <strong>Privatheit wird zunehmend &#246;ffentlicher</strong>. Die Zukunft wird nicht mehr erlauben, Informationen &#252;ber unsere Lebensrisiken wie Krankheiten geheimzuhalten. Sie wird uns zwingen, daf&#252;r zu k&#228;mpfen, dass diese akzeptiert werden.<br />
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		<title>Der Arzt als Dealer</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Apr 2009 17:09:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Au&#223;er Medikamente zu verschreiben, hat unser Gesundheitssystem keine Strategie gegen chronische Krankheiten. &#196;rzte machen uns nicht heil, sondern abh&#228;ngig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6388cbca4019f3a918c02aff8aebd6" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die <strong>Zahl der Tablettens&#252;chtigen in Deutschland ist wesentlich h&#246;her</strong> als gedacht. Mehr als 1,5 Millionen Patienten erhalten Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Medikamentengruppe der Benzodiazepine &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum, als in den Leitlinien der &#196;rzte vorgesehen. Das meldet der <a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,619746,00.html">SPIEGEL </a>unter Berufung auf eine noch unver&#246;ffentlichte Studie des Hamburger Instituts f&#252;r interdisziplin&#228;re Sucht- und Drogenforschung. Demnach schreiben &#196;rzte vermehrt Privatrezepte &#252;ber die Arzneimittel, die ein <strong>hohes Abh&#228;ngigkeitspotential</strong> haben. 800 000 Menschen sollen laut SPIEGEL auf diese Weise zu Dauerkonsumenten werden.</p>
<p>Der <strong>unkritische Umgang mit Benzodiazipenen</strong> ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Die wachsende Zahl chronischer Krankheiten (jeder F&#252;nfte in Deutschland) f&#252;hrt zu immer mehr Patienten mit einer Vielzahl von Symptomen, von denen die meisten mit Medikamenten bek&#228;mpft werden. <strong>Chronisch Kranke schlucken oft mehr als 15 verschiedene Arzneien</strong> &#8211; da &#252;berlagern die Neben- und Wechselwirkungen rasch die eigentlichen Symptome der Krankheit. Abzukl&#228;ren, was Krankheit und was Medikamentenwirkungen sind, geh&#246;rt inzwischen zum Standardprogramm jeder internistischen Visite in einer Klinik.</p>
<p>Krankheiten werden meist als Mangelzustand interpretiert – als <strong>„lack of medication syndrome“</strong>.  Andere Strategien hat die Medizin meist nicht parat. Dabei sterben an den Nebenwirkungen von Arzneimitteln allein in den USA j&#228;hrlich rund 100 000 Patienten. Das Leiden an den unerw&#252;nschten Begleiterscheinungen f&#252;hrt dazu, dass viele Kranke nicht das tun, was ihnen der Arzt sagt – das schafft neue Probleme. F&#252;r Deutschland wird gesch&#228;tzt, dass <strong>jedes f&#252;nfte Medikament nicht wie vom Arzt verordnet eingenommen</strong> wird. Die Folgekosten dieser mangelnden Therapietreue werden auf <a href="http://www.impulse.de/management/1000969.html">15 bis 20 Milliarden EUR</a> j&#228;hrlich gesch&#228;tzt. Das sind rund 10 Prozent der Gesamtausgaben f&#252;r unser Gesundheitswesen. Jede vierte Einweisung in ein Krankenhaus ist vermutlich Folge mangelnder „Compliance“ (Therapietreue). Allein 40 000 Herzkranke sterben j&#228;hrlich am falschen Umgang mit ihren Medikamenten.</p>
<p>Jedes dritte Medikament, sch&#228;tzt das Umweltbundesamt, wird in Deutschland nicht eingenommen, sondern <strong>weggeworfen</strong>. Schon jetzt finden sich in unserem <a href="www.start-project.de/projekt.htm">Trinkwasser </a>Blutfettsenker, Antirheumaarzneien, R&#246;ntgenkontrastmittel und Schmerzmittel.</p>
<p>Einen <strong>besonders hohen Grad an Non-Compliance zeigen die chronisch Kranken</strong>: Die <a href="http://aerztlichepraxis.de/artikel_politik_patient_compliance_123910075994.htm">Deutsche Gesellschaft f&#252;r b&#252;rgerorientierte Gesundheitsversorgung</a> rechnet vor, dass nur jeder dritte dieser Patienten der Empfehlungen seines Arztes folgt, obwohl diese Gruppe Kranker 80 Prozent der Gesundheitsleistungen in Anspruch nimmt. Europaweit hochgerechnet, summieren sich hier <strong>Folgekosten von 200 bis 300 Milliarden Euro im Jahr</strong>. Jedes zus&#228;tzliche Compliance-Prozent w&#252;rde den europ&#228;ischen Gesundheitssystemen eine Ersparnis von ein bis drei Milliarden Euro bringen.</p>
<p><strong>Es wird Zeit, dass die Medizin umdenkt</strong> – zum Beispiel Naturheilverfahren in ihre Behandlungen einbezieht, aber nicht einfach nur „alternativ“ – nach dem Motto, „Was nichts n&#252;tzt, kann auch nichts schaden“ – so sehen das viele &#196;rzte. Sondern wissenschaftlich &#252;berpr&#252;ft und abgestimmt auf die konventionellen Therapieans&#228;tze, wie das etwa die in Deutschland noch junge <strong>Integrative Medizin</strong> an der <a href="http://www.uni-duisburg-essen.de/naturheilkunde/de/kontakt.php)">Essener Uniklinik</a> macht. Auf diese Weise lassen sich Symptome lindern und die Medikamentendosis reduzieren, in einem Gro&#223;teil der F&#228;lle.</p>
<p>Jeden Tag einen feuchtkalten Brustwickel – so simpel wie gut gegen &#220;berreizung und Schlafst&#246;rungen. Vielleicht zu simpel. Denn die Gesundheitsindustrie kann daran nichts verdienen. Und wir m&#252;ssen selbst was tun&#8230;<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=8132&amp;md5=4a2ac45cc45333413c870f52fb7b38b8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wissenschaft, Journalismus, Internet: Das gro&#223;e Desinteresse der Forscher</title>
		<link>http://carta.info/7421/wissenschaftsjournalismus/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Apr 2009 19:09:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch der Wissenschaftsjournalismus leidet unter der Krise der klassischen Medien. Dabei bot er zuletzt h&#228;ufig nicht mehr als Verlautbarungs-Bleiw&#252;sten und den Hang zur &#252;bereinfachen Antwort. Im Netz k&#246;nnte er sich im Dialog mit  bloggenden Wissenschaftlern neu erfinden – w&#228;re da nicht das gro&#223;e Desinteresse vieler deutscher Forscher.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/557079eaad4565c93b3341bea46fa1" alt="" width="1" height="1" />“Die unabh&#228;ngige Wissenschaftsberichterstattung ist vom Aussterben bedroht.” – Das <a href="http://www.nature.com/news/2009/090318/full/458274a.html">sagt</a> Wall Street Journal-Wissenschaftsjournalist Robert Lee Hotz und ist zugleich das Ergebnis einer Studie, die das britische Wissenschaftsmagazin Nature in seiner <a href="www.nature.com/news/2009/090318/full/458274a.html">j&#252;ngsten Ausgabe</a> ver&#246;ffentlicht hat [via <a href="http://medienlese.com/2009/03/23/nature-studie-wissenschaftsjournalismus-verlagert-sich-in-blogs/">Medienlese</a>].</p>
<p>In Deutschland sei der Negativtrend noch nicht angekommen, zitiert das renommierte Wissenschaftsmagazin <a href="http://www.wissenschaftsjournalismus.org/content/view/18/220/">Holger Wormer</a>, Kommunikationswissenschaftler an der Universit&#228;t in Dortmund, der sich auf die klassischen Wissenschaftsseiten von &#252;berregionalen Zeitungen wie der FAZ bezieht und betont, sie h&#228;tten Vorbildfunktion auch f&#252;r die regionale Presse (mehr dazu <a href="http://www.wissenschaftsjournalismus.org/content/view/406/439/">hier</a>).</p>
<p>Falsch! <strong>Wissenschaftsjournalismus war in Deutschland immer schon eine</strong> <strong>Bleiw&#252;ste aus Kongressberichterstattung und Verlautbarungen</strong>. Und die beschworenen Regional- und Lokalzeitungen  benutzen die bunte Welt der Forschung vor allem,  um damit durch Anzeigen verschuldete Restfl&#228;chen auf dem Papier zu f&#252;llen. So ist es auch kein Wunder, dass die spannendsten Debatten &#252;ber die gesellschaftlichen Auswirkungen von Wissenschaft <strong>in den Feuilletons</strong> gef&#252;hrt werden – in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung genauso wie etwa in der S&#252;ddeutschen, die &#252;brigens gerade diskutiert, ob sie sich ihr ambitioniertes <a href="www.sueddeutsche.de/wissen/845/301842/uebersicht/">WISSEN-Magazin</a> weiter leisten will oder nicht.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 190px"><img src="http://pix.sueddeutsche.de/wissen/845/301842/animg_0_1237474662_image_teasergross_0_18.jpg" alt="http://pix.sueddeutsche.de/wissen/845/301842/animg_0_1237474662_image_teasergross_0_18.jpg" width="180" height="222" /><p class="wp-caption-text">Kein Wunder, dass die spannendsten Debatten &#252;ber die gesellschaftlichen Auswirkungen von Wissenschaft in den Feuilletons gef&#252;hrt werden</p></div>
<p><img src="///Users/rml/Library/Caches/TemporaryItems/moz-screenshot.jpg" alt="" />Die wichtigen Fragen sind nicht, wer wann was und auf welchem Kongress gesagt hat. Wichtig w&#228;re zu beschreiben, <strong>wie Forschung und Technik sich auf unsere Welt auswirkt</strong>, was sie an unserem Alltag &#228;ndert, wer die Menschen sind, die den Wandel herbeif&#252;hren und was f&#252;r Ziele sie antreiben. Wer gibt das Geld daf&#252;r? Mit welchen Motiven? Wer kontrolliert? Wer blickt &#252;berhaupt durch?</p>
<p>Viele dieser Fragen lassen sich nicht in 1:30 im Fernsehen beantworten oder als Zweispalter zusammenfassen. Der Qualit&#228;tsjournalismus, der mehr erm&#246;glicht als Agenturmeldungen zusammenzufassen, ist jedoch in der Tat rasant im Schwinden begriffen – vor allem mit dem <strong>Untergang vieler Wochen-Medien</strong> stirbt eine Debattenkultur, die gerade dort wichtig ist, wo es keine einfachen Antworten, sondern Einstellungen, Meinungen und Haltungen gibt, die im Fluss sind – und bleiben m&#252;ssen.</p>
<p>Diejenigen also, die – wie in Nature zitiert – kritisieren, dass die Online-Welt den Dingen nicht wirklich auf den Grund gehe, sollten realistischer zur&#252;ckblicken (siehe auch <a href="www.scienceprogress.org/2008/10/the-science-writers-lament/">hier</a>). Gute Science Writer sind sich dessen schon l&#228;ngst bewusst und sammeln immer mehr Anh&#228;nger in ihren Blogs (z.B. <a href="http://blogs.discovermagazine.com/intersection/">Chris Mooney</a> bei Discover oder <a href="http://pollan.blogs.nytimes.com/">Michael Pollan</a> bei der New York Times). <strong>Plattformen wie <a href="http://scienceblogs.com/">Scienceblogs</a> sind wahre Fundgruben f&#252;r Interessierte und Engagierte</strong>, auch wenn deutsche Wissenschaftler sich noch schwer tun, die &#214;ffentlichkeit auch nur ernst zu nehmen.</p>
<p>Das n&#228;mlich ist hierzulande eines der Haupt&#252;bel – das <strong>Desinteresse vieler Wissenschaftler</strong>, &#252;ber ihren Tellerrand hinauszusehen und gesellschaftliche Verantwortung zu &#252;bernehmen. Es geht nicht nur darum, „hochwissenschaftliche Themen mit kritischer Distanz“ zu sehen, wie Caroline Neumann auf Medienlese <a href="http://medienlese.com/2009/03/23/nature-studie-wissenschaftsjournalismus-verlagert-sich-in-blogs/">schreibt</a>. Als Wissenschaft vermittelnde Journalisten m&#252;ssen wir <strong>konkrete Bez&#252;ge zu den Menschen herstellen</strong>, ob in Print, TV oder Netz.</p>
<p>Das Internet erweist sich dabei zunehmend als &#252;berlegenes Medium der Wissen(schaft)svermittlung. Der Wissenschaftsjournalismus muss mit bloggenden Wissenschaftlern um Deutungshoheit und Vermittlungskompetenz ringen. Nach einer Phase der Verwirrung sollte ihn dies best&#228;rken, sich neu zu erfinden. Hingegen herrscht gerade auch bei der deutschen Wissenschaft erheblicher Nachholbedarf in Sachen Online-Dialog.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=7421&amp;md5=6e11de21d454da89acef3447da59cd51" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kernspin-Aufnahmen: Wie sich Geld in Pixel aufl&#246;st</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Mar 2009 15:23:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jeder gute Arzt hat es schon immer gewusst: So faszinierend Bilder vom K&#246;rper sind, so sehr k&#246;nnen sie Diagnosen verzerren. Das Beispiel R&#252;ckenschmerzen zeigt, wie viel Geld sich in Pixel aufl&#246;st.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/44dabc915ddffb5d0017d8df6f76e4" alt="" width="1" height="1" /><br />
Eine Kernspin-Aufnahme sagt in den wenigsten F&#228;llen etwas dar&#252;ber aus, warum ein R&#252;cken wehtut oder ein Knie. Das best&#228;tigte gerade wieder eine <a href="www.nytimes.com/2008/12/09/health/09scan.html?scp=1&amp;sq=back pain MRI&amp;st=cse" target="_blank">gro&#223;e Studie aus den USA</a>: Zwischen 20 und 50 Prozent der Untersuchungen waren nicht nur &#252;berfl&#252;ssig, sondern auch v&#246;llig nutzlos.</p>
<p>In Deutschland f&#252;hren die Kassen jede dritte Krankschreibung und jeden zweiten vorzeitig gestellten Rentenantrag auf eine <a href="www.dgk.de/gesundheit/schmerzen/rueckenschmerzen/rueckenschmerzen.html" target="_blank">kaputte Wirbels&#228;ule</a> zur&#252;ck. 25 Milliarden Euro j&#228;hrlich kosten allein die Behandlungen. Doch in der Prim&#228;rversorgung werden die Patienten mit einer Vielzahl von Therapien behandelt, f&#252;r deren Wirksamkeit es keinen Nachweis gibt. Und l&#228;ngerfristige <strong>Strategien zur Behandlung chronischer Schmerzen gibt es nicht</strong>.</p>
<p>Wir sehen einen Vorfall auf einem Bild und glauben, er tue uns weh. Doch die Realit&#228;t ist anders: <a href="www.geo.de/GEO/mensch/medizin/1977.html?p=1&amp;pageview=" target="_blank">60000 Bandscheibenoperationen</a> werden hierzulande j&#228;hrlich durchgef&#252;hrt, und <strong>jede zweite w&#228;re</strong>, glauben Experten, <strong>nicht notwendig gewesen</strong>, wenn man die psychischen Ausl&#246;ser des Schmerzes – Angst, Depression, Stress, Mobbing – rechtzeitig behandelt h&#228;tte. Und schlimmer noch: Nach jedem sechsten Eingriff kehren die Schmerzen bald zur&#252;ck, zum Beispiel, weil sich Narbengewebe bildet und auf die sensiblen Nervenbahnen dr&#252;ckt.</p>
<p>Manchmal ist es ganz gut, Dinge auf die lange Bank zu schieben. Das zeigt sich in England, wo das staatliche Gesundheitssystem <strong>lange Wartezeiten vor eine Operation</strong> schiebt. Dort ist die Zahl der R&#252;cken-OPs deutlich geringer als in Deutschland: 90 Prozent der Leiden n&#228;mlich haben sich innerhalb von 12 Monaten verfl&#252;chtigt, obwohl sie <a href="www.focus.de/gesundheit/news/rueckenschmerzen-wirbel-um-die-wirbelsaeule_aid_155241.html" target="_blank">nicht behandelt</a> wurden.</p>
<p>Oder vielleicht auch weil?</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		<title>Roboter f&#252;r Demente: Digitale Gesundheitspolitik</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Mar 2009 19:40:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra Thorbrietz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Roboter sollen Alte auf Trab bringen: Die virtuelle Seniorenpflege verspricht Brainchips, Gehirnjogging und digitale Orientierungshilfen. Die Hilflosigkeit der Politik gegen&#252;ber der vergreisenden Gesellschaft k&#246;nnen sie nicht beheben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/3fb6eba148f9f5cfd539a37f0685fd" alt="" width="1" height="1" /><br />
Stillstand in der Bewegung – das Bild des franz&#246;sischen Soziologen Paul Virilio f&#252;r die Moderne (sein j&#252;ngstes Buch <a href="http://www.artnet.de/magazine/books/mayer/mayer07-09-08.asp">„Die Verblendung der Kunst“</a>) passt erschreckend gut auf die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft mit dem Vergreisen umgeht. In Japan treten die Alten bereits im Bett ein Laufrad, w&#228;hrend auf einem Monitor eine Landschaft an ihnen vorbeizieht. Dieses „<strong>Pflege-Spinning</strong>“ setzt die Hektik eines Lebens fort, das sich ohne Rast auf den Punkt des Sterbens zubewegt, ohne ihn jemals erreichen zu wollen &#8211; aber auch ohne jemals Zeit zum Leben gehabt zu haben.</p>
<p>Drei Millionen Euro spendet die Krupp-Stiftung f&#252;r ein neues <a href="http://portal.mytum.de/pressestelle/pressemitteilungen/news_article.2009-03-05.7401040596">Kompetenzzentrum zur F&#246;rderung &#8220;<span class="document">medizintechnischer<strong> </strong></span><span class="document">Systeme f&#252;r eine &#228;lter werdende Gesellschaft</span><span class="document"><strong>&#8220;</strong></span></a> an der M&#252;nchner Technischen Universit&#228;t, das, wie Pr&#228;sident Wolfgang A. Herrmann bei der Vertragsunterzeichnung versicherte, „angesichts der demographischen Entwicklung &#8230; einer <strong>ethischen Verpflichtung der Technikwissenschaften</strong>“ entspricht. Computerspiele sollen k&#252;nftig nicht nur von Kids gespielt werden, sondern <a href="http://portal.mytum.de/pressestelle/pressemitteilungen/news_article.2009-03-05.7401040596">„auf spielerische Weise die geistige Vitalit&#228;t erfassen und trainieren“</a>. Dr. Kawashima l&#228;sst gr&#252;&#223;en. Intelligente Implantate werden irgendwann jene F&#228;higkeiten ersetzen, die f&#252;r immer verloren gegangen sind – Namen, Telefonnummern, vielleicht auch Gesichter und K&#246;rperfunktionen. Oder sie helfen schlicht als eine Art elektronische Fu&#223;fessel der Orientierung, wenn die Demenz das Woher und Wohin vergessen macht.</p>
<p>Nun ist gegen intelligente Technik  nicht das Geringste zu sagen, wenn es nicht die einzige Strategie w&#228;re, mit der Hilflosigkeit eines langen Lebens fertigzuwerden. Die Reform der Pflegeversicherung n&#228;hert sich nur m&#252;hsam dem Ph&#228;nomen an. Soziale F&#252;rsorge, Hilfe bei der Organisation des Alltags oder seelische Betreuung gegen Depression und Einsamkeit lassen sich nicht takten wie der Windelwechsel und werden deshalb auch nicht unterst&#252;tzt. Pflegeberufe sind dramatisch unterbezahlt. Die <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,572527,00.html">Idee, Langzeitarbeitslose zur Betreuung von Menschen einzusetzen</a>, die schon <strong>erfahrene Altenpfleger zum Burnout treiben</strong>, ist grotesk.</p>
<p>Die Leiden der „Multimorbiden“ werden mit Medikamenten ruhig gestellt, von denen viele – Herzkreislaufmittel, psychiatrische Medikamente, Antirheumamittel, Cortison – neue Symptome produzieren, weil sie unkontrollierbare Wechselwirkungen produzieren. Geriatrie, das Expertentum des Alters, verl&#228;sst die Universit&#228;tskliniken nicht, <strong>weil es drau&#223;en, in der Praxis, nicht bezahlt wird</strong>. Aber auch nur einen Neurologen oder Orthop&#228;den zu einem Besuch im Heim zu bewegen, ist so gut wie aussichtslos. Die j&#252;ngsten Facharztstreiks zeigen einmal mehr, dass nicht das bezahlt wird, was die &#196;rzte leisten. Von den Haus&#228;rzten geht demn&#228;chst jeder vierte in Ruhestand. Die „Lotsen“, auf die die Gesundheitspolitik immer noch setzt, haben sich <a href="http://www.gesundheitpro.de/Hausaerztemangel-Toller-Beruf-aber-gesundheit-A080123FLG0P063454.html">l&#228;ngst abgesetzt</a>.</p>
<p>„Bedeutende Fortschritte an Lebensqualit&#228;t“ verspricht sich Kuratoriumsvorsitzender Berthold Beitz, mit 95 Jahren beeindruckendes Beispiel f&#252;r vitales Altern, durch das neue Medizintechnik-Zentrum „f&#252;r eine &#228;lter werdende Gesellschaft“.</p>
<p>7,8 Minuten dauert zur Zeit noch der durchschnittliche Arzt-Patientenkontakt in der ambulanten Betreuung.  Das entspricht laut Pflegeliste des Medizinischen Dienstes dem „Wechsel von Windel nach Stuhlgang“. Wir d&#252;rfen gespannt sein, welcher der beiden Vorg&#228;nge sind durch Digitalisierung noch optimieren l&#228;sst.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=6354&amp;md5=44f79e12688c608212f90a915c848b4a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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