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	<title>CARTA &#187; Oliver Geden</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Klimapolitik vor Cancún: Was kommt nach dem 2-Grad-Ziel?</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 10:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kann beim n&#228;chsten Weltklimagipfel kein Durchbruch erreicht werden, wird die internationale Klimapolitik ihr Momentum verlieren. Droht dann eine Phase des klimapolitischen Fatalismus? Die bislang dominierende Herangehensweise, eine globale Temperaturgrenze in exakte nationale Emissionsbudgets zu &#252;bersetzen, hat sich als politisch kaum praktikabel erwiesen. Die EU sollte sich statt dessen f&#252;r dynamische Zielformeln einsetzen, die sich an Orientierungsmarken wie »Klimaneutralit&#228;t« ausrichten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f4e0195c39104ab0b7c3dc738b0bb30d" alt="" width="1" height="1" /><strong>Das 2-Grad-Ziel ist derzeit der zentrale Bezugspunkt der Klimadebatte.</strong> Ein entsprechender Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gilt als Grenze, bei deren &#220;berschreiten die Folgen des Klima­wandels ein <a href="http://www.klimabuero-polarmeer.de/fileadmin/user_upload/Pictures/Downloads/wbgu_factsheet_2.pdf">gef&#228;hrliches Ausma&#223;</a> annehmen k&#246;nnten.</p>
<p>Das <strong>international von der EU durchgesetzte Ziel</strong> zeichnet sich durch eine spezifische <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wcc.62/full">Doppelfunktion</a> aus. Politisch fungiert es vor allem als einpr&#228;gsames Sym­bol f&#252;r die Orientierung an einer ambitionierten, aber gerade noch realistischen glo­balen Klimaschutzagenda. In wissenschaftlicher Hinsicht ist die Zielmarke zudem Ausgangspunkt f&#252;r aufwendige Rechen­operationen, insbesondere um jene Emis­sionsreduktionspfade zu ermitteln, die not­wendig sind, wenn die 2-Grad-Schranke mit hinreichender <a href="http://www.swp-berlin.org/de/common/get_document.php?asset_id=7343">Wahrscheinlichkeit</a> ein­gehalten werden soll.</p>
<p>Diese beiden Funk­tionslogiken vermochten sich &#252;ber mehr als ein Jahrzehnt hinweg <a href="http://www.bpb.de/publikationen/NDBRRO,0,Warum_zwei_Grad.html">gegenseitig zu st&#252;tzen</a>. Die Bem&#252;hungen um ein Main­streaming von Klimapolitik schienen wissenschaftlich legitimiert, die Klimaforschung wiederum konnte sich auf einen wachsenden politischen Konsens st&#252;tzen. Doch je l&#228;nger eine Umkehr bei den globa­len Emissionstrends auf sich warten l&#228;sst, desto weniger wird die politisch-symboli­sche Dimension des 2-Grad-Ziels noch mit der wissenschaftlich-kalkulatorischen zu <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7054">vereinbaren</a> sein.</p>
<p>Schon bald nach dem entt&#228;uschend verlau­fenen Klimagipfel von Kopenhagen zeigte sich in der EU eine erste <strong>Sollbruchstelle zwischen dem symbolisch-politischen und dem wissenschaftlich-kalkulatorischen Zu­griff</strong> auf das 2-Grad-Ziel. Europ&#228;ische Klimapolitiker hoben es als ausgesprochen positiv hervor, dass die Marke im »Kopen­hagen-Akkord« erw&#228;hnt wurde, und dekla­rierten die Gipfelergebnisse als »Schritte in die richtige Richtung«.</p>
<p>In den Klimawissenschaften hingegen war das Echo verheerend: Die in Kopenhagen vereinbarten nationalen Selbstverpflichtungen seien bei weitem nicht ausreichend, um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen. Da schon die bislang emittierten Treibhausgase einen Temperaturanstieg von etwa 1,5 Grad gegen&#252;ber dem vorindustriel­len Zeitalter verursachen werden, w&#228;­ren schnelle und gro&#223;e politische Fortschritte not­wendig, um die 2-Grad-Schranke noch einzuhalten.</p>
<p>Die gr&#246;&#223;te Sollbruchstelle f&#252;r das bislang symbiotische Arbeitsb&#252;ndnis zwischen der klima­politischen F&#252;hrungsmacht EU und der Klimaforschung liegt in dem von Naturwissenschaftlern und Klima&#246;konomen pr&#228;ferierten <a href="http://www.wbgu.de/wbgu_factsheet_3.pdf">Budget­ansatz</a> selbst begr&#252;ndet.</p>
<p>Ihm liegt ein <strong>hohes Ma&#223; an Steuerungsoptimismus und Rigidit&#228;t</strong> zugrunde, das sich mit den Struk­turen der globalen wie auch der europ&#228;ischen Klimapolitik nicht vereinbaren l&#228;sst. Zwar ist es in natur­wissenschaftlicher Perspektive durchaus sinnvoll, globale klimatologische Schwellenwerte zu defi­nie­ren. Auf dieser Basis zun&#228;chst ein welt­weites Emissionsbudget bis 2050 festzulegen und dieses dann im Rahmen eines v&#246;lkerrechtlich bindenden Weltklima­vertrags gerecht auf alle Nationen zu ver­teilen, w&#228;re durchaus problemad&#228;quat.</p>
<p><strong>Politikf&#228;hig ist ein solcher Ansatz jedoch nicht.</strong> Auf globaler Ebene fehlen in abseh­barer Zukunft die <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7372">Institutionen und Instru­mente</a>, mit denen sich ein solches Regime einrichten lie&#223;e.</p>
<p>Nicht einmal die EU, die ihre Klimapolitik als »wissenschaftsbasiert« bezeichnet, wird dem Budgetansatz in seiner strikten Form folgen k&#246;nnen. Nicht nur, dass sie beim Aufstellen von Klima­zielen flexibel bleiben muss, um in der Lage zu sein, die Rahmenbedingungen internationaler Politik, die innenpolitischen Ver­h&#228;ltnisse in den Mitgliedstaaten und die Interessen wirtschaftlicher Akteure hinrei­chend zu ber&#252;cksichtigen. Dar&#252;ber hinaus wird sich die EU auch nicht darauf ein­lassen k&#246;nnen, den Klimaschutz mittels eines strikten Budgetierungsmechanismus f&#252;r die n&#228;chsten vier Dekaden als oberste politische Priorit&#228;t festzuschreiben.</p>
<p>Die f&#252;r die kommenden Jahre zu erwartende Absetzbewegung vom 2-Grad-Ziel bedeutet nicht, dass die EU schon jetzt offensiv davon abr&#252;cken oder gar das Engagement f&#252;r seine Verwirklichung ein­stellen sollte. Doch die Energie- und Klima­politik der EU wird man nur dann als »stra­tegisch« bezeichnen k&#246;nnen, wenn sie den Entwicklungspfad einer internationalen Abkehr vom 2-Grad-Ziel vorausschauend einkalkuliert.  Mittel­fristig wird die EU eine Grundsatzentscheidung dar&#252;ber treffen m&#252;ssen, welches klimapolitische Globalziel sie anstrebt. Die EU sollte sich nicht darauf einlassen, eine <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7297">neue Obergrenze</a> festzulegen (etwa 2,5 Grad). <strong>Die Europ&#228;er sollte einen Paradigmenwechsel anstreben.</strong></p>
<p>Nach dem bislang geltenden Paradigma wird das Globalziel in naturwissenschaft­lichen Kategorien definiert und als absolute Obergrenze aufgefasst. Es bildet den unver­r&#252;ckbaren Ausgangspunkt f&#252;r alle politi­schen Implementierungsschritte. Im Rah­men dieses <a href="http://www.gmfus.org/brusselsforum/2010/docs/BF2010-Paper-Purvis-Stevenson.pdf"><em>Top-down</em>-Ansatzes</a> richten sich alle Anstrengungen zun&#228;chst darauf, einen Weltklimavertrag abzuschlie&#223;en. In der klimapolitischen Praxis f&#252;hrt dies zu einer starken Fokussierung auf die <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6612">globalen Verhandlungsarenen</a>, au&#223;erdem zu einer Vernachl&#228;ssigung konkreter Dekarbonisierungs-Fortschritte in den Volkswirtschaften der Industrie- und Schwellenl&#228;nder. Dies hat vielf&#228;ltige Blockaden zur Folge, da die <strong>Regierungen stets auf die Unt&#228;tigkeit der internationalen Verhandlungspartner ver­weisen</strong> k&#246;nnen. Selbst die EU weigert sich mit diesem Argument, ihr f&#252;r 2020 g&#252;ltiges Reduktionsziel von 20 auf 30 Prozent auf­zustocken, obwohl dies einer gerechten Lasten&#252;bernahme auf dem Weg zur Er­reichung der 2-Grad-Marke entspr&#228;che.</p>
<p>Ein alternatives Paradigma st&#252;nde vor der Aufgabe, klimapolitischen Realismus mit einer positiven globalen Leitidee zu verbinden. Um dauerhaft wirksame Ver­&#228;nderungen anzusto&#223;en, m&#252;sste ein neues Globalziel insbesondere das Kriterium er­f&#252;llen, sowohl der politisch-symbolischen als auch der wissenschaftlichen Funktionslogik gerecht zu werden. Gelingen kann dies nur mit einer <strong>dynamischen Zielformel</strong>, nicht mit einer exakt kalkulierten Emis­sionsobergrenze.</p>
<p>Eine der m&#246;glichen Varianten best&#252;nde darin, <strong>»Klimaneutralit&#228;t«</strong> auf VN-Ebene als globales Langfristziel festzuschreiben – also anzustreben, dass der Netto-Aussto&#223; von Treibhausgasen auf Null reduziert wird. Selbst wenn man dies zun&#228;chst noch mit einem breiten zeitlichen Zielkorridor verkn&#252;pfte, w&#228;re damit die Bewegungsrichtung gesetzt, an der sich alle Staaten messen lassen m&#252;ssten.</p>
<p>Ambitionierten klimapolitischen Akteuren wie der EU k&#228;me in diesem Rahmen die Aufgabe zu, sich auf ehrgeizige Dekarbonisierungs-Pfade zu verpflichten. Sie <strong>m&#252;ssten den Beweis antreten, dass die Transformation hin zu <em>low carbon economies</em> technologisch m&#246;glich und &#246;konomisch erfolgreich ist, mit positiven Effekten nicht nur f&#252;r das Klima, sondern auch f&#252;r Energiepreise und Versorgungssicherheit.</strong></p>
<p>Gel&#228;nge dies, w&#252;r­den andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder schon aus <a href="http://hir.harvard.edu/women-in-power/leading-by-example-revisited">Eigeninteresse</a> folgen. Ein solcher <em>Bottom-up</em>-Ansatz w&#252;rde zu deutlichen Emis­sionsminderungen f&#252;hren. Dagegen w&#228;re eine treffsichere Vorhersage, welchen Temperaturanstieg die Welt damit in Kauf neh­men w&#252;rde, aus heutiger Sicht nicht m&#246;g­lich. Allerdings ist zu bezweifeln, dass es sich beim derzeit favorisierten <em>Top-down</em>-Prinzip tats&#228;chlich anders verh&#228;lt.</p>
<p>Die klimapolitischen Anstrengungen an flexi­blen Orientierungsmarken wie »Klima­neutralit&#228;t« auszurichten w&#228;re kurzfristig effektiver und langfristig erfolgverspre­chender, als an einer strikten Temperatur-Obergrenze festzuhalten, die sich im politischen Prozess nicht realisieren l&#228;sst.
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		<title>Internationale Klimapolitik: Abkehr vom 2-Grad-Ziel</title>
		<link>http://carta.info/27399/internationale-klimapolitik-abkehr-vom-2-grad-ziel/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 12:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Klimadebatte besteht ein breiter Konsens dar&#252;ber, die Erderw&#228;rmung auf h&#246;chstens 2 Grad Celsius zu beschr&#228;nken. Doch ohne schnelle Umkehr der globalen Emissionstrends wird man das Ziel bald aufgeben m&#252;ssen. Bei der Re-Formulierung des 2-Grad-Ziels wird nicht der Klimaforschung das gr&#246;&#223;te Gewicht zufallen, sondern der Klimapolitik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/982746b958f04d37ab546e551067dc02" alt="" width="1" height="1" />Wenn in der internationalen  Klimadebatte etwas existiert, &#252;ber das <strong>zwischen fast allen relevanten Akteuren  Konsens</strong> besteht, dann ist es das so genannte <strong>2-Grad-Ziel</strong>. Klimaforschung und  Klimapolitik scheinen weitgehend einig darin, dass der schon jetzt  unvermeidliche Klimawandel auf ein Niveau begrenzt werden muss, das einem  Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von maximal 2 Grad Celsius  gegen&#252;ber dem vorindustriellen Zeitalter entspricht. Nicht nur die Europ&#228;ische Union, die G8+5 sowie das 17  Industrie- und Schwellenl&#228;nder umfassende „Major Economies Forum on Energy and  Climate“ (MEF) haben das 2-Grad-Ziel im Grundsatz akzeptiert. Auch im  Abschlussdokument des Kopenhagener Klimagipfels (COP 15), dem <a href="http://unfccc.int/resource/docs/2009/cop15/eng/l07.pdf"><em>Copenhagen Accord</em></a>, steht diese Zielmarke  im Zentrum.</p>
<p>Doch schon die Tatsache, dass in Kopenhagen keine  v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Emissionsreduktions-Beschl&#252;sse zur Erreichung  dieses Ziels verabschiedet werden konnten – und entsprechendes f&#252;r die nahe  Zukunft wohl auch <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6971">nicht zu erwarten ist</a> – spricht daf&#252;r, dass diese <strong>Zielmarke  von 2 Grad Celsius schon bald stark unter Druck geraten wird</strong>.  Schreibt man die gegenw&#228;rtigen <a href="http://www.et-energie-online.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=151:differenzierte-entwicklung-bei-insgesamt-weiter-steigenden-weltweiten-co2-emissionen-&amp;catid=24:klima&amp;Itemid=27">globalen Emissionstrends</a> fort, wird die  Klimaforschung bereits in absehbarer Zeit konstatieren m&#252;ssen, dass das  2-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen sein wird.</p>
<p>Angesichts der sich abzeichnenden  Massivit&#228;t des Klimaproblems wird dies jedoch nicht gleichbedeutend mit einem  klimapolitischen Fatalismus sein (k&#246;nnen). Es wird auch nicht gelingen, das  Thema Klimawandel wieder von der politischen Agenda zu nehmen. Der aus Sicht der  EU naheliegendste – weil in den Routinen des Politischen Felds fest verankerte – Umgang mit einem offenkundig  gewordenen Scheitern am 2-Grad-Ziel liegt vielmehr in der <strong>Re-Formulierung der  klimapolitisch derzeit noch sakrosankten Zielmarke</strong>.</p>
<p>Die <strong>Klimawissenschaften</strong> und insbesondere das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) werden zwar einen gewichtigen Einfluss darauf haben, in welchen Bahnen die Abkehr vom 2-Grad-Ziel verlaufen wird. Sie <strong>werden diese</strong> jedoch <strong>nicht verhindern k&#246;nnen</strong>. Auch wenn die EU permanent hervorhebt, dass ihre Klimapolitik einem „wissenschaftsbasierten Ansatz“ folgt, so bedeutet das nicht, dass sie bereit w&#228;re, sich ihre Problem- und Zieldefinitionen von den Klimawissenschaften vorgeben zu lassen. Entgegen landl&#228;ufiger Vorstellungen von der Funktionsweise <em>wissenschaftlicher Politikberatung</em> ist es keineswegs so, dass die Wissenschaft zun&#228;chst strittige Fragen kl&#228;rt, der Politik anschlie&#223;end klare Handlungsanweisungen gibt, die von dieser dann weitgehend umgesetzt werden.</p>
<p>Zentrale Fragen der Klimapolitik werden nicht in der Wissenschaft entschieden, sondern letztlich im Politischen Feld. In den Wissensgesellschaften der <em></em>Sp&#228;tmoderne werden <strong>wissenschaftliche Politikberater</strong> von politischen Entscheidungstr&#228;gern l&#228;ngst <strong>nicht mehr als Tr&#228;ger privilegierten Wissens</strong> behandelt, sondern grunds&#228;tzlich nicht anders als jeder andere Vertreter einer politischen Meinung auch.</p>
<p>Die Praxis des IPCC zeigt deutlich, dass Klimaforschung und Klimapolitik an einer <strong>Ko-Produktion von <em>politikrelevantem wissenschaftlichen Wissen</em></strong> interessiert sind. Dieses Arbeitsb&#252;ndnis w&#252;rde seitens der Politik jedoch aufgek&#252;ndigt oder zumindest gelockert werden, sobald die Klimaforschung nicht mehr willens oder in der Lage w&#228;re, politisch &#8220;verwertbares&#8221; Wissen zu liefern. Klimapolitik ist in westlichen Demokratien – selbst dort, wo prim&#228;r naturwissenschaftliche Fragen ber&#252;hrt sind – in erster Linie Politik. <strong>Nicht Wissenschaftler treffen kollektiv verbindliche Entscheidungen, sondern gew&#228;hlte Repr&#228;sentanten.</strong> Auch das 2-Grad-Ziel ist &#8211; wie seine <a href="http://www.european-climate-forum.net/fileadmin/ecf-documents/publications/articles-and-papers/jaeger-jaeger__three-views-of-two-degrees.pdf">Entstehungsgeschichte</a> zeigt &#8211; eher politisch als wissenschaftlich begr&#252;ndet.</p>
<p>Die vor und w&#228;hrend des Kopenhagener Gipfels (von Wissenschaftlern wie Politikern) vielfach verwendete Formel <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article1309792/Endspurt-in-Kopenhagen-Natur-verhandelt-nicht.html">„Die Natur verhandelt nicht“</a> ist Ausdruck eines technokratischen Verst&#228;ndnisses von Klimapolitik, das auf der Handlungsebene eine weitgehende Alternativlosigkeit impliziert. Doch <strong>auch in der der Klimapolitik muss es m&#246;glich sein, zwischen konkurrierenden politischen Optionen zu entscheiden</strong> – und sei es nur &#252;ber das Ausma&#223; an Klimawandelrisiken, das eine Gesellschaft oder die internationale Gemeinschaft in Kauf zu nehmen bereit ist.</p>
<p><a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6940">Klimapolitisches Leadership</a> zeigt die EU nicht mit fortw&#228;hrenden Deklarationen und dem unbedingten Festhalten an einem kaum noch zu erreichenden 2-Grad-Ziel. Entscheidend ist vielmehr, ob es ihr tats&#228;chlich gelingt, ihre Transformation zu einer <em>low carbon economy </em>erfolgreich zu gestalten<em>. </em>Wenn dies gelingt, dann werden andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder folgen &#8211; ganz gleich, welches Globalziel auf UN-Ebene vereinbart worden ist.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung eines <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7054">SWP-Arbeitspapiers</a> zur Zukunft des 2-Grad-Ziels.</em>
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		<title>Wie weiter in der EU-Klimapolitik?</title>
		<link>http://carta.info/25080/wie-weiter-in-der-eu-klimapolitik/</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 10:03:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Trotz zahlreicher Deklarationen hat die EU bislang noch nicht deutlich machen k&#246;nnen, wie sie den globalen Klimaverhandlungen nach dem Scheitern von Kopenhagen eine neue Dynamik verleihen will. F&#252;r 2010 steht zu bef&#252;rchten, dass sich die Europ&#228;er in der Klimapolitik weitgehend mit sich selbst besch&#228;ftigen werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a92a0db2ede14176978f9901d4416cf0" alt="" width="1" height="1" />Nach dem &#8211; <a href="http://carta.info/18242/jenseits-von-kopenhagen/">eigentlich absehbaren</a> &#8211; Scheitern des Kopenhagener Gipfels ist die internationale Klimapolitik in eine Art Schockstarre verfallen, allen voran beim ambitioniertesten Akteur, der <a href="http://www.swp-berlin.org/en/common/get_document.php?asset_id=6914#page=30">Europ&#228;ischen Union</a>. Die EU hat in den vergangenen Jahren sehr viel politisches Kapital in die internationalen Klimaverhandlungen investiert. Die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 Grad steht seit 2007 im Zentrum der europ&#228;ischen Energiestrategie. <strong>Die internationale Verhandlungsarena ist also eng mit der EU-internen Energie- und Klimapolitik verkn&#252;pft.</strong> Ein schleppender Verlauf auf der globalen Ebene wird sich unweigerlich auch auf die EU selbst auswirken.</p>
<p><strong>Seit Kopenhagen ist die Klimapolitik der EU von einer gro&#223;en Ratlosigkeit gepr&#228;gt.</strong> Die Europ&#228;er sind vor allem darum bem&#252;ht, eine Infragestellung des bereits eingeschlagenen Kurses zu vermeiden. An den bisher vereinbarten Reduktionszielen (von 1990 bis 2020 Reduktion um 20% unilateral; Erh&#246;hung auf 30%, wenn andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder mitziehen) soll zun&#228;chst nicht ger&#252;ttelt werden. Diese bereits 2007 beschlossenen Ziele bilden auch die Grundlage f&#252;r einen der Schwerpunktbereiche der k&#252;rzlich vorgestellten makro&#246;konomischen<a href="http://www.euractiv.de/zukunft-und-reformen/linkdossier/eu-2020-strategie-000108"> EU-2020-Strategie</a>. <strong>Die Taktik, die zwischen den Mitgliedstaaten existierenden Interessensunterschiede auf Basis eingespielter Kompromissformeln zun&#228;chst einmal stillzulegen, wird sich jedoch nicht mehr lange aufrechterhalten lassen.</strong> Denn in 2010 stehen noch einige grundlegende und zum Teil auch symboltr&#228;chtige Entscheidungen an.</p>
<p>Viele westeurop&#228;ische Mitgliedstaten setzen sich inzwischen daf&#252;r ein, das <strong>Minderungsziel auf 30 Prozent</strong> zu erh&#246;hen, selbst wenn andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder nicht mitziehen sollten. Angesichts der Erfahrungen in Kopenhagen &#8211; wo sich kein anderes Industrieland daran interessiert gezeigt hat, dass die EU auf 30% zu erh&#246;ht &#8211; streben die Westeurop&#228;er mit diesem Schritt nicht mehr in erster Linie an, die internationalen Verhandlungen voranzubringen. Im Zentrum steht das <strong>Aufrechterhalten der volkswirtschaftlichen Transformationsdynamik hin zu einer <em>low carbon economy</em>.</strong> Aufgrund der massiven Emissionsreduktionen im Zuge der Wirtschaftskrise w&#252;rde das urspr&#252;ngliche 20-Prozent-Ziel den Europ&#228;ern kaum noch nennenswerte Anstrengungen <a href="http://www.e3g.org/images/uploads/E3G_30_Percent_and_Beyond_Nov_09.pdf">abverlangen</a>. Diese Annahme wird nicht nur von der europ&#228;ischen Industrie bestritten, sondern auch von Mitgliedstaaten wie Polen und Italien. Diese waren zun&#228;chst in der Lage, eine Ver&#228;nderung der Zieldefinition zu blockieren. Eine Grundsatzentscheidung steht nun f&#252;r den Europ&#228;ischen Rat Ende Juni 2010 an, auf Basis eines Impact Assessments, das die Kommission nach <a href="http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/10/st07/st07562.de10.pdf">Aufforderung durch den Umweltministerrat</a> in den n&#228;chsten Monaten pr&#228;sentieren soll. Es kann als sicher gelten, dass die Kommission f&#252;r ein 30%-Ziel pl&#228;dieren wird. <strong>Ein polnisch-italienisches Veto wird sich aber nur dann umgehen lassen, wenn die klimapolitisch ehrgeizigeren Mitgliedstaaten den wesentlich gr&#246;&#223;eren Teil der zus&#228;tzlichen Belastungen &#252;bernehmen.</strong></p>
<p>Die Grundsatzentscheidung der 27 Staats- und Regierungschefs Ende Juni wird jedoch nicht nur den Weg bis 2020 vorpr&#228;gen, sondern auch die von der Kommission in der 2. Jahresh&#228;lfte vorzulegenden Konzepte, wie sich der Emissionspfad der EU bis 2030 bzw. 2050 entwickeln soll. Die innereurop&#228;ischen Konfliktlinien werden nicht nur bei den anstehenden strategischen Grundsatzentscheidungen zutage treten, sondern auch bei einer Reihe von Detailentscheidungen. Gro&#223;e Differenzen sind bei den Beratungen &#252;ber einen f&#252;r Mai zu erwartenden Kommissionsvorschlag &#252;ber die Einf&#252;hrung einer EU-weiten CO2-Mindestbesteuerung zu erwarten, ebenso bei den bereits begonnenen <a href="http://ec.europa.eu/prelex/detail_dossier_real.cfm?CL=en&amp;DosId=198768">Verhandlungen &#252;ber eine neue Richtlinie</a> zur Begrenzung der Emissionen von leichten Nutzfahrzeugen, die in der zweiten Jahresh&#228;lfte in die entscheidende Phase gehen d&#252;rften – und &#228;hnlich konfliktreich verlaufen, wie die <a href="http://carta.info/2708/eu-klimapolitik-verbindliche-verpflichtungen-wichtiger-als-symbolisch-aufgeladene-konflikte/">2008 abgeschlossenen Verhandlungen</a> &#252;ber die Begrenzung der Emissionen bei PKWs.</p>
<p>Trotz zahlreicher Deklarationen hat die EU bislang <a href="http://klimakrise.de/2010/03/30/europa-will-neue-verhandlungsdynamik-nur-wie-ist-unklar/">noch nicht deutlich machen k&#246;nnen</a>, wie sie den globalen Verhandlungen eine neue Dynamik verleihen will. <strong>F&#252;r 2010 steht zu bef&#252;rchten, dass sich die Europ&#228;er in der Klimapolitik weitgehend mit sich selbst besch&#228;ftigen werden.</strong>
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		<title>Die Versicherheitlichung des Klimawandels</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 17:36:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Warnungen vor der „Sicherheitsbedrohung Klimawandel“ z&#228;hlen inzwischen zum Standardrepertoire der Klimadebatte. Zwar kann eine Ver&#228;nderung regionaler Klimabedingungen als Konfliktverst&#228;rker wirken, die Angst vor einem Ansturm von „Klimafl&#252;chtlingen“ oder gar vor „Klimakriegen“ ist jedoch ma&#223;los &#252;bertrieben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7ccace3838b14403bb101e9ac9d045d6" width="1" height="1" alt=""/>Wie bei jedem der j&#228;hrlich stattfindenden Klimagipfel, so gewinnen die Prognosen auch im Umfeld der Kopenhagen-Konferenz <strong>vorhersehbar an Sch&#228;rfe und Dramatik</strong>. F&#252;r viele NGOs z&#228;hlt es ohnehin zum Kerngesch&#228;ft, im Wochentakt d&#252;stere Vorhersagen zu pr&#228;sentieren. Ende November wiesen auch <a href="http://www.copenhagendiagnosis.org/default.html">26 renommierte Klimaforscher</a> darauf hin, dass sich der Klimawandel deutlich schneller vollziehe, als bislang vom Weltklimarat IPCC vorhergesagt. In die Phalanx der Warner und Mahner reihten sich in der vergangenen Woche auch die <a href="http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/EN/foraff/111827.pdf">27 EU-Au&#223;enminister</a> ein, als sie zum wiederholten Male die <strong>m&#246;glichen Folgen des Klimawandels f&#252;r die internationale Sicherheit</strong> hervorhoben. Doch w&#228;hrend sich die Vorhersagen der naturwissenschaftlichen Klimaforschung immerhin auf computergest&#252;tzte Modellrechnungen st&#252;tzen k&#246;nnen, verharren die immer zahlreicher werdenden Warnungen vor der „Sicherheitsbedrohung Klimawandel“ in der <strong>Sph&#228;re des Spekulativen</strong>.</p>
<p>Bereits <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5673">zum dritten Mal in weniger als zwei Jahren</a> pr&#228;sentierte die EU einen Bericht, der zwar eindringlich vor den m&#246;glichen Folgen des Klimawandels f&#252;r die internationale Sicherheit warnt, zu sinnvollen Instrumenten aber nichts wirklich Neues zu sagen wei&#223; – ein Musterbeispiel f&#252;r deklaratorische Politik. Zwar weist die EU v&#246;llig zurecht darauf hin, dass eine Ver&#228;nderung regionaler Klimabedingungen als <a href="http://www.krium.de/front_content.php">Konfliktverst&#228;rker</a> wirken k&#246;nnte – aber das lie&#223;e sich mit guten Argumenten auch von jeder beliebigen Wirtschaftskrise behaupten. Was also macht das Thema „Klimasicherheit“ f&#252;r die EU so attraktiv? Die Antwort h&#228;ngt weniger mit dem meteorologischen als vielmehr mit dem politischen Klima zusammen: <strong>es n&#252;tzt der Imageaufwertung der EU</strong>.</p>
<p><a href="http://www.klimaktiv.de/article101_9231.html">87 Prozent der europ&#228;ischen B&#252;rger halten den Klimawandel f&#252;r ein ernstes Zukunftsproblem.</a> In der internationalen Klimapolitik schreiben sie Br&#252;ssel nicht ohne Grund die F&#252;hrungsrolle zu. Der <strong>Klimaschutz ist also einer der wenigen Bereiche, in denen der Mehrwert der EU von der Bev&#246;lkerung sehr hoch eingesch&#228;tzt wird. Gleichzeitig ist es eines der wenigen Politikfelder, in dem die EU auch von den internationalen F&#252;hrungsm&#228;chten wirklich ernst genommen wird.</strong> Dementsprechend hat die EU ein genuines Interesse daran, hier auch zuk&#252;nftig als fortschrittlicher Akteur gesehen zu werden. Die <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6612">internationale F&#252;hrungsrolle</a> wird ihr vorl&#228;ufig kaum zu nehmen sein. Selbst wenn sich China, Indien und die USA in den kommenden Jahren auf verpflichtende Reduktionsziele einlassen sollten, so werden diese sicherlich weniger ambitioniert ausfallen als die der EU. Weit gr&#246;&#223;er ist die Gefahr eines erneuten Bedeutungsverlusts der Klimapolitik. Denn aus Sicht eines politischen Akteurs gilt grunds&#228;tzlich: Je dr&#228;ngender ein Problem wahrgenommen wird, bei dem man selbst als Teil der L&#246;sung gilt, desto besser.</p>
<p>Genau hierin liegt die Motivation f&#252;r eine <strong>„Versicherheitlichung“</strong> des Klimawandels, einer Tendenz, die sich nicht nur in der EU-Politik, sondern auch bei Nichtregierungsorganisationen und vielen Wissenschaftlern beobachten l&#228;sst. Die &#220;berlegung dahinter: Wenn sich die Sichtweise durchsetzt, dass globale Klimaver&#228;nderungen neuartige Sicherheitsprobleme hervorrufen, dann liefert dies nicht nur zus&#228;tzliche Argumente f&#252;r den bereits eingeschlagen Pfad einer ehrgeizigen Klimapolitik. <strong>Klimaschutz wird dadurch auch zu einem „harten“ Politikfeld aufgewertet, das sich selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten nicht mehr einfach von der Agenda verdr&#228;ngen l&#228;sst.</strong></p>
<p>Seit es der britischen Regierung im April 2007 erstmals gelungen ist, die m&#246;glichen Folgen globaler Klimaver&#228;nderungen auf die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrats zu hieven, hat die Debatte um <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5680">„Klimawandel als Sicherheitsproblem“ </a>deutlich an Fahrt gewonnen. Der UN-Generalsekret&#228;r geht inzwischen soweit, den Darfur-Konflikt auf den Klimawandel zur&#252;ckzuf&#252;hren. Und <strong>kaum ein europ&#228;isches Redemanuskript kommt heute noch ohne den Verweis auf klimainduzierte Fl&#252;chtlingswellen aus</strong>, sorgsam changierend zwischen moralischer Betroffenheit („die &#196;rmsten werden am st&#228;rksten betroffen sein“) und der Gewissheit, dass Migrationsbewegungen nach Europa von der hiesigen Bev&#246;lkerung immer auch als Sicherheitsproblem „f&#252;r uns“ wahrgenommen werden. Bezeichnenderweise tr&#228;gt eines der hierzulande erfolgreichsten Klima-B&#252;cher den Titel <a href="http://www.amazon.de/Klimakriege-Wof%C3%BCr-Jahrhundert-get%C3%B6tet-wird/dp/3100894332">„Klimakriege – wof&#252;r im 21. Jahrhundert get&#246;tet wird“.</a> In den USA wird der Klimawandel bereits als Bedrohung der nationalen Sicherheit <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5837">diskutiert</a>, m&#246;glicherweise der einzige realistische Weg, um hartgesottene Republikaner f&#252;r das Thema zu erw&#228;rmen – aber um den Preis welcher Ma&#223;nahmen?</p>
<p>Naturgem&#228;&#223; lassen sich Zukunftsprognosen im Hier und Jetzt nicht wirksam widerlegen. Doch ein Blick auf &#228;hnlich gelagerte Debatten gibt Anlass zur Skepsis. Die schon seit Jahrzehnten prognostizierten <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6576">„Wasserkriege“</a> lassen sich empirisch kaum nachweisen. Wasserknappheit birgt zwar unbestritten gro&#223;e Konfliktpotenziale, ein Eskalationsautomatismus existiert jedoch nicht. Bei n&#228;herem Hinsehen zeigt sich, dass konkurrierende Staaten in der Regel ein kooperatives Ressourcenmanagement gegen&#252;ber gewaltsamen Auseinandersetzungen bevorzugen. Es wird in der Klimapolitik deshalb entscheidend darauf ankommen, neben der schnellen Reduktion des Treibhausgasaussto&#223;es auch die Kapazit&#228;ten zum Umgang mit den unvermeidlichen Folgewirkungen des Klimawandels auszubauen, gerade in den Entwicklungsl&#228;ndern.</p>
<p>Ganz gleich ob es um Energiesicherheit, Ressourcenkonflikte oder den Klimawandel geht: <strong>Schreckensszenarien halten ein Thema zwar auf der politischen Agenda – und den Alarmisten in den Medien</strong>. Aber es besteht die Gefahr, dass die bildreich pr&#228;sentierten Bedrohungen beim europ&#228;ischen Publikum mit der Zeit nur noch Fatalismus hervorrufen. Eine vorausschauende Politik aber braucht etwas anderes: ein langfristiges Mandat f&#252;r ein <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6519&amp;PHPSESSID=eb5bc717bbb5056aa8b9b429e25351b8">unaufgeregt-pragmatisches Risikomanagement</a>.
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		<title>Jenseits von Kopenhagen</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 12:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum jemand geht noch davon aus, dass beim Kopenhagener Klimagipfel ein v&#246;lkerrechtlich verbindliches Abkommen zustande kommt. Das ist auch gut so. Weniger ermutigend ist, dass vor allem die Europ&#228;er die Hoffnung verbreiten, im Jahr 2010 werde man das in Kopenhagen verpasste ganz bestimmt nachholen k&#246;nnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6e02c2c7daf540b39fe9bd68887752ae" width="1" height="1" alt=""/>Es war bereits seit Monaten absehbar, doch erst seit Ende Oktober br&#246;ckelt die Front der unersch&#252;tterlichen Optimisten. Nachdem der Chef des Sekretaritats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (VN), Yvo de Boer, in mehreren <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/klima136.html">Statements</a> bekannt hatte, dass er den Abschluss eines v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Klimaabkommens in Kopenhagen angesichts der kurzen Restverhandlungsdauer f&#252;r unrealistisch halte, sprangen auch viele europ&#228;ische Klimapolitiker erleichtert auf den Zug auf. Endlich durfte laut gesagt werden, was ohnehin schon jeder wusste. Kopenhagen wird &#8211; gemessen den &#252;ber Jahre hinweg gehegten und von der EU auch aktiv gen&#228;hrten Erwartungen &#8211; kein Erfolg werden. <strong>Mehr als ein <em>political agreement </em>kann in Kopenhagen nicht erreicht werden &#8211; wenn &#252;berhaupt</strong>.</p>
<p>Diese &#8211; wenn auch sp&#228;te &#8211; R&#252;ckkehr des Realismus in die Klimadebatte ist sehr zu begr&#252;&#223;en. Doch es zeigt sich zugleich, dass die von europ&#228;ischen Klimapolitikern und -diplomaten in den letzten Monaten geradezu mantra-artig vorgetrage Formel <strong>&#8220;Es gibt keinen Plan B&#8221;</strong> tats&#228;chlich zu stimmen scheint.</p>
<p>Bewegung auf internationaler Ebene wird es zwar in der Tat erst dann geben, wenn die US-Adminstration eine pro-aktive Haltung einnimmt, da sich China und Indien vorher kaum zu Zugest&#228;ndnissen bereit erkl&#228;ren d&#252;rften. Nach den negativen Erfahrungen bei der Aushandlung und Ratifizierung des Kyoto-Protokolls unter Pr&#228;sident Clinton wird dies jedoch erst dann der Fall sein, wenn der us-amerikanische Kongress ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/American_Clean_Energy_and_Security_Act">Klimagesetz</a> verabschiedet hat &#8211; und damit vermutlich erst in der ersten Jahresh&#228;lfte 2010. Bislang ist weder absehbar, wie ambitioniert ein solches Gesetz und die daraus abgeleitete Verhandlungsposition tats&#228;chlich ausfallen wird.  Zudem ist offen, unter welchen Bedingungen die sp&#228;tere Ratifizierung eines v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Klimavertrags im US-Senat realistisch w&#228;re &#8211; denn daf&#252;r werden 67 (von 100) Stimmen ben&#246;tigt. Die (klimapolitisch keineswegs einheitlich auftretenden) Demokraten verf&#252;gen derzeit &#252;ber 60 Stimmen, nach den Senatsteilwahlen im November 2010 d&#252;rfte ihre Zahl wohl noch geringer ausfallen.</p>
<p>Es w&#228;re angesichts der bisherigen Erfahrungen kurzsichtig, sich in der <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6498">internationalen Klimapolitik</a> ausschlie&#223;lich auf den Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen zu verlassen. Selbst wenn es gel&#228;nge, ein ambitioniertes internationales Abkommen zu vereinbaren, eine erfolgreiche Ratifikation und Implementierung w&#228;re damit noch keineswegs garantiert. Die Einigung auf ein ambitioniert klingendes Abkommen ist <a href="http://carta.info/17707/klimagipfel-co2-reduktion/">kein Ziel an sich</a>, sondern nur <em>ein</em> m&#246;gliches Mittel auf dem Weg zur Dekarbonisierung der globalen &#214;konomie.  <strong>Wirkliche Fortschritte im globalen Klimaschutz werden sich nur erzielen lassen, wenn es den Europ&#228;ern gelingt, den Beweis anzutreten, dass das Erreichen ehrgeiziger klimapolitischer Ziele nicht nur realistisch, sondern auch wirtschaftlich erfolgversprechend ist.</strong> Deshalb m&#252;ssen die EU und dabei insbesondere Vorreiter wie Deutschland nicht nur konsequent an der Umsetzung der f&#252;r 2020 bereits getroffenen klimapolitischen Beschl&#252;sse arbeiten und schon bald eine klare Weichenstellung f&#252;r den wesentlich anspruchsvolleren Reduktionspfad bis 2050 vornehmen. Sie m&#252;ssen auch deutlich herausstellen, welche positiven Effekte dies auf angrenzenden Feldern wie der Versorgungssicherheit oder bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien nach sich zieht. <strong>Nur dann werden die USA, China und Indien tats&#228;chlich nachziehen wollen &#8211; ganz gleich, ob mit oder ohne internationales Klimaabkommen.<br />
</strong>
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		<title>Gaskrisenvorsorge: Mehr Binnenmarkt, weniger Au&#223;enpolitik</title>
		<link>http://carta.info/15689/gaskrisenvorsorge-mehr-binnenmarkt-weniger-aussenpolitik/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 15:23:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=15689</guid>
		<description><![CDATA[Der Winter naht, und damit auch die Hochsaison der Debatten &#252;ber die Sicherheit der Gasversorgung in Europa. In aller Regel richtet sich der Blick dabei nach au&#223;en, auf Liefer- und Transitl&#228;nder. Zielf&#252;hrender w&#228;re es, nicht mehr nur &#252;ber Importpipelines zu sprechen, sondern vor allem &#252;ber EU-interne Ma&#223;nahmen, vor allem &#252;ber den eigenen Gasbedarf und die Etablierung von effektiven Krisenreaktionsmechanismen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/499f6da5b45344d0ace7d7d066080455" width="1" height="1" alt=""/>Wenn in der Europ&#228;ischen Union &#252;ber die Sicherheit der Gasversorgung debattiert wird, richtet sich der Blick in aller Regel nach au&#223;en. Das Problem wird seit Jahren vor allem bei den Lieferl&#228;ndern verortet, allen voran bei Russland. Seit Beginn des Jahres ist immerhin auch das Bewusstsein f&#252;r die Bedeutung von Transitl&#228;ndern wie der Ukraine gewachsen. Aber das &#228;ndert nichts an der <strong>falschen Gleichsetzung von Versorgungssicherheit und Energieau&#223;enpolitik</strong>. Es ist h&#246;chste Zeit, nicht mehr nur &#252;ber neue Importpipelines zu sprechen, sondern vor allem &#252;ber EU-interne Ma&#223;nahmen. Dazu z&#228;hlt neben der Steigerung der Energieeffizienz, dem Ausbau der Erneuerbaren und der Schaffung eines Gasbinnenmarkts nicht zuletzt auch die <strong>Etablierung von effektiven Krisenreaktionsmechanismen</strong>.</p>
<p>Die EU-Kommission hat vor der Sommerpause einen <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:2009:0363:FIN:DE:PDF">Verordnungsvorschlag</a> zur Notfallvorsorge im Gassektor vorgelegt, der das Potenzial hat, einen <strong>Paradigmenwechsel in der europ&#228;ischen Versorgungssicherheitspolitik</strong> einzuleiten. Auch wenn dies von der Kommission wohl nicht wirklich beabsichtigt ist: Nach Jahren vergeblicher Versuche, eine gemeinsame europ&#228;ische Energieau&#223;enpolitik aufzubauen, d&#252;rfte nun eine Phase folgen, in der sich die EU zuallererst auf ihre eigenen St&#228;rken konzentriert. Denn es ist strategisch wenig sinnvoll, ein H&#246;chstma&#223; an politischer Energie darauf zu verwenden, sich mit bescheidenem Erfolg an selbstbewussten Gasproduzenten und zum Teil dysfunktionalen Transitl&#228;ndern abzuarbeiten – und dar&#252;ber die eigenen <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6249">Hausaufgaben</a> unerledigt zu lassen.</p>
<p>Mit ihrem Verordnungsvorschlag will die Kommission erreichen, dass die <strong>Mitgliedstaaten</strong> ein <strong>einheitliches Niveau der Risikovorsorge</strong> erreichen. Selbst beim Ausfall der wichtigsten Gasinfrastruktur mitten im Winter soll es m&#246;glich sein, Privathaushalte und andere „gesch&#252;tzte Verbraucher“ wie Schulen und Krankenh&#228;user noch 60 Tage lang zu versorgen. Diese Vorgabe w&#252;rde Mitgliedstaaten wie Deutschland, das im Gasbezug breit diversifiziert, mit den Nachbarl&#228;ndern gut vernetzt und mit Speichern hervorragend ausgestattet ist, kaum Kopfzerbrechen bereiten.</p>
<p>Mit ihrem Ansatz, die Pflicht zur Eigenvorsorge deutlich in den Mittelpunkt zu stellen, w&#252;rde die Verordnung vor allem einigen <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=4059">osteurop&#228;ischen Staaten</a> ganz erhebliche Anstrengungen abverlangen. Deren Versorgungssicherheitspolitik k&#246;nnte sich nun nicht mehr l&#228;nger darauf beschr&#228;nken, sich wortreich &#252;ber das Gebaren ihres russischen Haupt- oder gar Alleinlieferanten zu beklagen und auf die baldige Realisierung vision&#228;rer Pipelinekorridore zu hoffen. Gerade die von der Gaskrise im Januar besonders betroffenen L&#228;nder w&#228;ren gezwungen, eine pragmatische Politik der kleinen Schritte entwickeln, bei der vor allem die realen Effekte der eingesetzten Instrument im Vordergrund st&#252;nden &#8211; und nicht nur deren <a href="http://carta.info/6605/nabucco-pipeline-symbolische-politik-ohne-praktischen-wert/">symbolisches Potenzial</a>. Es bliebe allein den Mitgliedstaaten &#252;berlassen, ob sie eher auf unspektakul&#228;re Ma&#223;nahmen wie den Ausbau von Gasspeichern, L&#252;ckenschl&#252;sse im Pipelinenetz und unterbrechbare Vertr&#228;ge bei Gro&#223;verbrauchern setzen wollen – oder aber bevorzugt neue Fl&#252;ssigerdgas-Terminals und Importpipelines vorantreiben.</p>
<p>Eine europ&#228;ische Krisenvorsorge wird nur dann effizient sein, wenn sie den <strong>Aufbau eines funktionierenden Gasbinnenmarkt erg&#228;nzt, nicht aber versucht, ihn zu ersetzen</strong>. Dabei ist weniger die Entflechtung der integrierten Versorger von Belang. Im Vordergrund muss vielmehr die st&#228;rkere infrastrukturelle Verkn&#252;pfung der mitgliedstaatlichen Energiem&#228;rkte sowie die europaweite Harmonisierung der Handelsregeln und Netzkodizes stehen, kurzum: der koordinierte Aufbau eines europ&#228;ischen Netzverbunds, der einer einheitlichen Energiemarktregulierung unterworfen ist. In einem <a href="http://carta.info/8731/entflechtung-oder-marktintegration-die-beschluesse-zum-3-eu-energiebinnenmarktpaket/">europ&#228;ischen Gasbinnenmarkt</a> w&#228;ren Haushalte und Unternehmen wesentlich besser gegen das Risiko von Lieferunterbrechungen gewappnet als heute. Solange irgendwo in Europa noch Reservekapazit&#228;ten verf&#252;gbar w&#228;ren, w&#252;rden diese in Krisenf&#228;llen auch geliefert – wenn denn der Preis stimmt.</p>
<p>Dieser Marktmechanismus ist jedoch nicht mit dem viel beschworenen Prinzip der <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=4153">Energiesolidarit&#228;t</a> zu verwechseln. Wenn sich auch die &#228;rmeren EU-Mitgliedstaaten auf eine innereurop&#228;ische Unterst&#252;tzung verlassen k&#246;nnen sollen, werden verbindliche markterg&#228;nzende Regeln ben&#246;tigt. Deshalb sollte es  in Extremsituationen m&#246;glich sein, besser gestellte Mitgliedstaaten zur Freigabe vorhandener Reserven an unverschuldet in Not geratene Partner zu verpflichten – &#228;hnlich wie beim &#214;lkrisenmechanismus der IEA. Erst dann werden sich die Bef&#252;rchtungen vieler osteurop&#228;ischer EU-Mitglieder zerstreuen, sie k&#246;nnten gezielt durch einen Gasproduzenten unter Druck gesetzt werden.</p>
<p>Aus der Perspektive der europ&#228;ischen Gaswirtschaft m&#246;gen die politischen Bef&#252;rchtungen hinsichtlich der Versorgungssicherheit bisweilen &#252;berzogen erscheinen. Doch die seit Jahren zunehmende Politisierung des Themas wird sich nicht mehr vollst&#228;ndig r&#252;ckg&#228;ngig machen lassen.  Selbstverst&#228;ndlich wird die Versorgung auch in Zukunft durch bilaterale Vertr&#228;ge mit bedeutenden Gasexporteuren gew&#228;hrleistet werden. Im Unterschied zur heutigen Situation w&#252;rde der au&#223;enpolitische Streitwert der Ostseepipeline in einem um Elemente der solidarischen Krisenvorsorge erg&#228;nzten Gasbinnenmarkt jedoch gegen Null tendieren. Es w&#228;re dann nicht mehr entscheidend, ob eine neue Pipeline in Deutschland ankommt oder durch Polen verl&#228;uft &#8211; wichtig w&#228;re nur, dass sie Gas in die Europ&#228;ische Union bringt.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15689&amp;md5=62729772e1240676704e8583902022b3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Gl&#252;hbirnenverbot: ein letztes Flackern im Sommerloch</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 16:10:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am 1. September tritt in der EU die erste Phase des Verkaufsverbots f&#252;r klassiche Gl&#252;hbirnen in Kraft. Manche Medien in Deutschland und &#214;sterreich erwecken den Eindruck, als bilde sich bereits eine stille "Volksbewegung" gegen den "&#214;ko-Dirigismus" aus Br&#252;ssel. Doch die herk&#246;mmliche Kritik an der Effizienzregulierungspolitik der EU geht am Kern des Problems v&#246;llig vorbei.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b35f83f2dd2c012524a200cd8a7a3f" width="1" height="1" alt=""/>Wenn in wenigen Wochen die erste Phase des Handelsverbots f&#252;r klassische Gl&#252;hbirnen in Kraft tritt, werden deutsche und &#246;sterreichische Medien ihr Publikum noch einmal mit emotionalen Geschichten anzur&#252;hren versuchen, voll von bemitleidenswerten Menschen, die es leider vers&#228;umt haben, noch rechtzeitig 100-Watt- oder mattierte Gl&#252;hbirnen zu <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/05/04/gluehbirnen-hamsterkaeufe/eu-verbot.html">horten</a>, und die stattdessen im Dunkeln sitzen, oder &#8211; schlimmer noch &#8211; im fahlblauen Licht der Energiesparlampen. Noch einmal werden <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article4281664/Deutsche-kaempfen-gegen-das-Gluehbirnen-Verbot.html">Lichtdesigner und Lichtpsychologen</a> ihren gro&#223;en Auftritt haben, und &#8220;Br&#252;ssel&#8221; <a href="http://contracoma.blogspot.com/2009/08/energiesparlampen-blau-macht-glucklich.html">vors&#228;tzliche Gesundheitsgef&#228;hrdung</a> vorwerfen. Der ein oder andere Klimaexperte wird erneut verlauten lassen, dass das Verbot <a href="http://www.pnn.de/weltspiegel/199617/">f&#252;r den Klimaschutz nichts bringe</a>, weil der Emissionshandel den eingesparten CO2-Aussto&#223; lediglich &#8220;umverteile&#8221;. Die Blogs der <a href="http://www.oekologismus.de/">&#214;ko-Skeptiker</a> werden es ein weiteres mal <a href="http://www.ne-na.de/der-gl-hbirnen-schwindel-eine-neue-verbotsdebatte-wie-bei-zensursula-ist-nicht-in-sicht/">dankbar aufgreifen</a>. Willkommen im Sommerloch.</p>
<p>Was in der Debatte bislang jedoch &#252;berhaupt nicht wahrgenommen wird: Das <strong>Gl&#252;hbirnenverbot erfolgt nicht allein aufgrund von klimapolitischen Erw&#228;gungen </strong>und <strong>an die heutigen Energiesparlampen wird sich schon in wenigen Jahren kaum noch jemand erinnern </strong>k&#246;nnen.</p>
<p>Energieeinsparungen sind nicht nur aus klimapolitischen Gr&#252;nden sinnvoll, sondern auch aus solchen der Versorgungssicherheit und Wettbewerbsf&#228;higkeit der europ&#228;ischen Energieversorgung. Das v&#246;llig korrekte, aber in der &#214;ffentlichkeit weitgehend unverstandene Argument, dass die F&#246;rderung von Effizienztechnologien oder von <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,606532,00.html">Erneuerbaren</a> im Rahmen des Emissionshandels keine unmittelbaren klimapolitischen Effekte hat, geht am Kern der Sache zumindest teilweise vorbei. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die technologiepolitischen Aspekte solcher Regulierungsformen regelm&#228;&#223;ig unterschlagen werden.</p>
<p>Das Gl&#252;hbirnenverbot ist auch ein Versuch, bislang im Leuchtmittelmarkt unterbliebene <strong>Innovationen</strong> anzusto&#223;en, die nicht zuletzt deshalb <strong>gehemmt</strong> wurden, <strong>weil &#214;ko-Idealisten die herk&#246;mmlichen Energiesparlampen trotz ihrer in der Tat schlechten Lichtqualit&#228;t gekauft haben</strong>.  Das erzwungene &#8220;Mainstreaming&#8221; sparsamer Lampen ist zwar eine Wette auf die Zukunft, aber wenn unsere Ingenieure und Techniker es nicht schaffen, f&#252;r einen Markt von 500 Millionen Konsumenten preisg&#252;nstige Leuchtk&#246;rper herzustellen, die warmes Licht bei sparsamem Verbrauch erm&#246;glichen, dann brauchen wir uns mit den wirklich komplizierten Zukunftsfragen gar nicht erst zu besch&#228;ftigen. Schon in den letzten Monaten hat sich auf dem Leuchtmittelmarkt einiges bewegt. Aber die mittelfristige L&#246;sung wird nicht bei klassischen Energiesparlampen liegen, sondern in der <strong>LED-Technologie</strong>, wie sie heute in <a href="http://www.heise.de/tr/LED-Lichter-auf-dem-Vormarsch--/blog/artikel/143395">Japan</a> schon relativ weit verbreitet ist &#8211; wenn auch noch zu sehr stolzen Preisen.</p>
<p>Das eigentliche <strong>Problem</strong> der EU-Politik im Bereich Energieeffizienz liegt aber nicht im Gl&#252;hbirnenverbot oder anderen vor&#252;bergehenden Einschr&#228;nkungen der Konsumentensouver&#228;nit&#228;t, sondern in der <strong>Architektur des europ&#228;ischen Regulierungsansatzes</strong>. Das immer wieder genannte Gesamtziel einer 20-prozentigen Effizienzsteigerung bis 2020 ist <a href="http://carta.info/1294/die-undurchsichtigen-energie-sparziele-der-eu/">rechtlich vollkommen unverbindlich</a>. Verbindlich sind lediglich die Verbrauchsobergrenzen, die im Rahmen der <a href="http://ec.europa.eu/energy/efficiency/ecodesign/eco_design_en.htm">&#214;ko-Design-Richtlinie</a> f&#252;r insgesamt 19 Produktgruppen in einem jeweils sehr aufw&#228;ndigen Verfahren beschlossen werden sollen. Dazu z&#228;hlt nicht nur die Gl&#252;hbirne, sondern auch Umw&#228;lzpumpen, Standby-Schaltungen oder K&#252;hlschr&#228;nke. Das ist grunds&#228;tzlich nicht sinnlos, aber man <strong>reguliert</strong> dabei eben <strong>nur den relativen Energieverbrauch, nicht den absoluten</strong>.</p>
<p>Wenn die B&#252;rger aber immer gr&#246;&#223;ere Wohnungen heizen, immer mehr Elektroger&#228;te immer l&#228;nger betreiben oder mit ihrem sparsameren Auto l&#228;ngere Strecken zur&#252;cklegen, dann wird in absoluten Mengen nichts oder nur wenig eingespart &#8211; das aber m&#252;sste das Ziel sein. Zudem geht der produktzentrierte Ansatz vollkommen an den systemischen Fragen vorbei, etwa der optimalen gesellschaftlichen Organisation des Personen- und des G&#252;terverkehrs, oder der Wirkungsgrade bei Energieerzeugung, -umwandlung und -transport. Besser w&#228;re es deshalb, die <strong>Einsparziele f&#252;r die EU-Mitgliedstaaten rechtsverbindlich</strong> zu <strong>machen</strong>. Die 27 Regierungen k&#246;nnten dann eigenverantwortlich &#252;berlegen, mit welchen Mitteln sie die Einsparziele am kosteng&#252;nstigsten erreichen wollen. EU-weite Standards f&#252;r einzelne Produktkategorien wie Leuchtmittel w&#228;ren auch in einem solchen Politikansatz noch sinnvoll. Aber sie w&#228;ren &#8211; aufgrund der vergleichsweise geringen Einspareffekte &#8211; nachrangig gegen&#252;ber den wirklich wichtigen Energieverbrauchssektoren.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=13268&amp;md5=f52448efbb3505450d25c73f667727c3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gute Pipeline, b&#246;se Pipeline?</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 19:07:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit bekannt geworden ist, dass Joschka Fischer das Konsortium der Nabucco-Pipeline beraten wird, inszenieren die Medien ein Duell mit Gerhard Schr&#246;der, der den Bau der Ostsee-Pipeline unterst&#252;tzt. Damit best&#228;tigt sich einmal mehr: Je komplexer der Sachverhalt, desto reduzierter die Berichterstattung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/94b240345c4596609fef8d87511567" width="1" height="1" alt=""/>Joschka Fischer wird &#8211; einer (unwidersprochenen) Meldung des <em>Manager Magazins </em>zufolge &#8211; in Zukunft das Konsortium beraten, das den Bau und den Betrieb der Nabucco-Gaspipeline plant. <strong>Nabucco ist das Flagschiff der <a href="http://carta.info/6605/nabucco-pipeline-symbolische-politik-ohne-praktischen-wert/">EU-Energieau&#223;enpolitik</a></strong>. Mit der Pipeline soll erstmals Gas direkt aus der Kaspischen Region nach Mitteleuropa geleitet werden &#8211; unter Umgehung Russlands. Doch das Projekt ist in <a href="http://www.swp-berlin.org/de/common/get_document.php?asset_id=5530">Schwierigkeiten</a>. Bislang gibt es weder ausreichende Lieferzusagen, noch ist der Transit durch die T&#252;rkei gekl&#228;rt. Nabucco kann Unterst&#252;tzung also gut gebrauchen.</p>
<p>Medial wirklich interessant wird die Meldung aber erst dadurch, dass sie sich in <strong>eingespielte Gegensatzpaare</strong> einf&#252;gen l&#228;sst. Denn einer der gr&#246;&#223;ten Bef&#252;rworter russischer Gaslieferungen hierzulande ist Gerhard Schr&#246;der, Vorsitzender der Aktion&#228;rsversammlung der Nord Stream AG, der Betreibergesellschaft der Ostsee-Gaspipeline, die Russland erstmals auf direktem Weg mit Westeuropa verbinden soll. Nord Stream konkurriert zwar nicht direkt mit Nabucco, wird &#252;berdies auch wesentlicher fr&#252;her fertig gestellt sein, aber die Konstellation<strong> &#8220;Schr&#246;der vs. Fischer&#8221;</strong> &#252;bt auf deutsche (Qualit&#228;ts-)Medien dennoch ihren Reiz aus.</p>
<p>Auf der einen Seite des Bildes: Gazprom und der Kreml, unterst&#252;tzt von Ex-Kanzler Schr&#246;der, die die EU in eine immer tiefere Abh&#228;ngigkeit von russischem Gas treiben wollen. Auf der anderen Seite: ein europ&#228;isches Konsortium (unter Federf&#252;hrung der &#246;sterreichischem OMV), beraten von Ex-Au&#223;enminister Fischer, das die EU aus den Klauen des russischen B&#228;ren befreien will &#8211; und den kaspischen Raum gleich mit.</p>
<p>Das ist <strong>geopolitisches Schwarz-Weiss-Denken</strong> par excellence. Landkarten, Einflusszonen, und jetzt auch noch zwei Hauptdarsteller mit  hohem  Wiedererkennungsfaktor.   Oder, um es mit der <em><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/64/476575/text/">S&#252;ddeutschen Zeitung</a> </em>zu sagen: &#8220;so etwas wie der <strong>Kampf Gut gegen B&#246;se</strong>&#8220;.</p>
<p>Was hat das alles mit Energieversorgungssicherheit zu tun? Eher wenig. Die Berichterstattung &#252;ber &#8220;Pipeline-Wettl&#228;ufe&#8221; (von den Betreibern im &#252;brigen aktiv mitinszeniert) ist spannend, aber v&#246;llig undurchsichtig. Sie unterliegt in weiten Teilen der <strong>Logik des Sportjournalismus</strong> &#8211; und kommt dem Realit&#228;tsgehalt von Meldungen &#252;ber Fu&#223;baller-Transfers in der italienischen und spanischen Sportpresse sehr nahe. Es vergeht kaum eine Woche, in der ein gro&#223;es Pipelineprojekt nicht f&#252;r gescheitert erkl&#228;rt wird und dann glorreich wiederaufersteht &#8211; obwohl sich &#8220;on the ground&#8221; nichts ver&#228;ndert hat.</p>
<p>Die f&#252;r die n&#228;chsten Jahre zu erwartende &#8220;Schr&#246;der vs. Fischer&#8221;-Erz&#228;hlung wird der <a href="http://carta.info/2113/energieversorgungssicherheit-mehr-pragmatismus-weniger-geopolitik/">Komplexit&#228;t der europ&#228;ischen Gasversorgungssicherheit</a> ganz sicher nicht gerecht. Vor allem aber wird das Mitfiebern im Pipeline-Wettkampf eine ganz entscheidende Frage nach hinten dr&#228;ngen: <strong>Wird die EU</strong> &#8211; angesichts ihrer ambitionierten Klima-/Effizienz-/Erneuerbaren-Politik &#8211; <strong>all diese neuen Pipelines &#252;berhaupt ben&#246;tigen?</strong>
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<a href="http://carta.info/11062/gute-pipeline-boese-pipeline/">Gute Pipeline, b&#246;se Pipeline?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/11062/gute-pipeline-boese-pipeline/#comments">4 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=11062&amp;md5=a744fd7490b989fb311ea780a175871b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Energieverbrauchs-Label: kein wirksames Mittel gegen den Klimawandel</title>
		<link>http://carta.info/10053/energieverbrauchs-label-kein-adaequates-mittel-gegen-den-klimawandel/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 May 2009 13:15:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[K&#246;nnen Verbraucher entscheidend zum Klimaschutz beitragen, etwa, indem sie Produkte mit niedrigem Energieverbrauch oder geringen Treibhausgasemissionen kaufen? Wohl kaum, denn es mangelt an Markttransparenz und konsequentem Konsumverhalten. Die strukturellen Grundlagen unseres Energiesystems werden sich nur durch politische Entscheidungen zielgerichtet ver&#228;ndern lassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/838f84c62ca8045c8d0527effc5392" alt="" width="1" height="1" /><br />
Vom 1.-12. Juni findet in Bonn die n&#228;chste <a href="http://unfccc.int/meetings/sb30/items/4842.php">Verhandlungsrunde</a> f&#252;r ein neues internationales Klimaabkommen statt, das Ende des Jahres in Kopenhagen verabschiedet werden soll. Die Verhandlungen kommen nur schleppend voran, eine Einigung bis/in Kopenhagen ist nicht sehr wahrscheinlich. Wenn aber die Politik es nicht schafft, den Klimawandel aufzuhalten, <strong>wer dann?</strong> Eine beliebte Antwort lautet: <strong>Der Verbraucher</strong>. Aber das ist eine <a href="http://carta.info/5028/lohas-als-klimaretter-abschied-von-einer-illusion/">tr&#252;gerische Hoffnung</a>.</p>
<p>Wenn der Konsument es richten soll, dann br&#228;uchte er zun&#228;chst einmal vollkommene Markttransparenz, nur dann k&#246;nnte er eine informierte Entscheidung treffen. <strong>Diese Transparenz ist aber nur schwer herzustellen.</strong> Am unkompliziertesten ist es noch, Daten &#252;ber den Energieverbrauch eines Ger&#228;ts zu erhalten. F&#252;r Waschmaschinen oder Autos l&#228;sst sich in standardisierten Verfahren relativ leicht feststellen, wie hoch der durchschnittliche Energieverbrauch ausf&#228;llt. Dies l&#228;sst sich in exakten Zahlen ausdr&#252;cken oder &#252;ber die Zuordnung zu Effizienzklassen &#8211; wie bei den klassischen Energieverbrauchs-Labeln &#252;blich.</p>
<p>Diese Angaben gelten jedoch nur f&#252;r die Nutzung des Ger&#228;ts, nicht f&#252;r die bei der Herstellung verbrauchte Energie. Noch schwerer ist es, korrekte Daten f&#252;r die korrespondieren Treibhausgas-Emissionen zu ermitteln. Zu diesem Zweck w&#252;rde man nicht nur die Energieverbrauchsdaten f&#252;r die gesamten Produktions- und Transportketten ben&#246;tigen, sondern auch Informationen dar&#252;ber, wie hoch der spezifische CO2-Aussto&#223; der bei Produktion- und Transport jeweils eingesetzten Energie ist. <strong>Ein schier unm&#246;gliches Unterfangen</strong>, jedenfalls, wenn man eine Umsetzung f&#252;r alle in einem Supermarkt erh&#228;ltlichen Produkte anstreben w&#252;rde. Entsprechende Untersuchungen existieren bislang nur f&#252;r einzelne Produkte und Energietr&#228;ger, etwa in Form eines <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Life_cycle_assessment">&#8220;Life Cycle Assessments&#8221;</a> oder eines <a href="http://www.pcf-projekt.de/main/news/">&#8220;Product Carbon Footprint&#8221;.</a></p>
<p>Doch selbst f&#252;r den recht hypothetischen Fall, dass f&#252;r die 1000 wichtigsten Produkte alle Bilanzierungsfragen restlos gekl&#228;rt w&#228;ren, ist es doch mehr als <strong>unrealistisch anzunehmen, &#8220;der Verbraucher&#8221; w&#252;rde sein Konsumverhalten halbwegs konsequent danach ausrichten</strong>. Hier liegt die Crux des Labelling-Ansatzes. Selbst wenn der Konsument &#252;ber alle Informationen verf&#252;gt, wird er dann &#8220;informiert&#8221; handeln? Wird sein Handeln der gleichen Rationalit&#228;t folgen, die der Konstruktion von Energieverbrauchs- oder Emissionslabeln zugrunde liegt? In der Mehrheit sicherlich nicht. Der Schritt von umweltbewusstem Denken zu umweltbewusstem Handeln gehen in der Regel nur die bildungsnahen Milieus einigerma&#223;en konsequent, wie inzwischen auch eine Studie des <a href="http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2008/pd08-085_umweltbewusstsein_der_deutschen_auf_hohem_niveau.htm">Umweltbundsamts erkennen musste</a>. Au&#223;erdem ist unrealistisch zu glauben, Individuen k&#246;nnten ihren <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5747">Alltag konsequent anhand einer politischen Leitidee</a> organisieren.</p>
<p>Selbstverst&#228;ndlich m&#252;ssen die Volkswirtschaften der Industriel&#228;nder energieeffizienter werden, wenn die Transformation zu &#8220;low carbon economies&#8221; erfolgreich sein soll. Aber <strong>diese Aufgabe kann nicht auf den Verbraucher abgew&#228;lzt werden. Dies ist eine Frage der effektiven politischen Regulierung</strong>. Die Konsumenten haben nicht entschieden, wie in Europa oder Nordamerika Energie produziert und transportiert wird. Sie treffen ihre Entscheidungen innerhalb vorgegebener systemischer Strukturen, auf deren zielgerichtete Ver&#228;nderung ihr Kaufverhalten kaum einen Einfluss hat. Die Europ&#228;ische Union &#8211; die derzeit entscheidende Instanz bei der Umgestaltung unseres Energiesystems &#8211; sollte sich deshalb weniger mit Fragen der Energieverbrauchskennzeichnung besch&#228;ftigen, &#252;ber die inzwischen ein <a href="http://www.euractiv.com/en/energy-efficiency/parliament-muddles-energy-labels-fridges-tvs/article-182060">heftiger politischer Streit</a> ausgebrochen ist. Die EU sollte sich besser darauf konzentrieren, die Effizienzstandards f&#252;r Produkte kontinuierlich zu erh&#246;hen und den Mitgliedstaaten <a href="http://carta.info/1294/die-undurchsichtigen-energie-sparziele-der-eu/">verbindliche Einsparziele vorzugeben</a>.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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			</a>
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<a href="http://carta.info/10053/energieverbrauchs-label-kein-adaequates-mittel-gegen-den-klimawandel/">Energieverbrauchs-Label: kein wirksames Mittel gegen den Klimawandel</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/10053/energieverbrauchs-label-kein-adaequates-mittel-gegen-den-klimawandel/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=10053&amp;md5=02140065c64ec66122fea4a06906c227" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Entflechtung oder Marktintegration? Die Beschl&#252;sse zum 3. EU-Energiebinnenmarktpaket</title>
		<link>http://carta.info/8731/entflechtung-oder-marktintegration-die-beschluesse-zum-3-eu-energiebinnenmarktpaket/</link>
		<comments>http://carta.info/8731/entflechtung-oder-marktintegration-die-beschluesse-zum-3-eu-energiebinnenmarktpaket/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 10:33:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Schaffung eines funktionierenden Energiebinnnenmarkts ist das zentrale Projekt einer gemeinschaftlichen EU-Energiepolitik, sie vollzieht sich seit Mitte der 1990er Jahre jedoch nur sehr schleppend.  Die j&#252;ngsten Beschl&#252;sse zum "3. Binnenmarktpaket" bringen zwar unzweifelhaft einige Fortschritte, vor allem aber eine Gewissheit. Das "4. Paket" wird nicht lange auf sich warten lassen.  
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6e928a454f29587e0f5e4ef13d899f" alt="" width="1" height="1" /><br />
In der Europ&#228;ischen Union fehlt es bislang an einem <strong>gemeinsamen (=grenz&#252;berschreitenden) Markt f&#252;r die netzgebundenen Energietr&#228;ger Strom und Gas.</strong> Die nationalen oder bestenfalls regionalen Teilm&#228;rkte sind weitgehend voneinander abgeschottet. Das behindert nicht nur den Wettbewerb sowie die Integration erneuerbarer Energien (v.a. Offshore-Windparks), sondern insbesondere auch die Versorgungssicherheit. In einem funktionierenden europ&#228;ischen Energiebinnenmarkt w&#228;ren Haushalte und Unternehmen wesentlich besser gegen das Risiko von Lieferunterbrechungen gewappnet. Teilausf&#228;lle von Gaslieferungen, wie sie im Januar etwa in S&#252;dosteuropa zu beobachten waren, w&#228;ren in einem europ&#228;ischen Energiebinnenmarkt sehr <a href="http://carta.info/2113/energieversorgungssicherheit-mehr-pragmatismus-weniger-geopolitik/">unwahrscheinlich</a>.</p>
<p>Angetrieben von der Kommission verfolgt die EU das Projekt einer Vollendung des Energiebinnenmarkts zwar schon seit Mitte der 1990er Jahre, vom endg&#252;ltigen Ziel ist die EU aber immer noch weit entfernt, auch wenn sich Marktakteure und -strukturen schrittweise in die gew&#252;nschte Richtung entwickelt haben. Weitere Fortschritte sind vor allem in drei Bereichen notwendig:</p>
<ul class="unIndentedList">
<li><strong> Diskriminierungsfreier Marktzugang f&#252;r alle Anbieter</strong></li>
<li><strong> Ausbau der grenz&#252;berschreitenden Infrastrukturen</strong></li>
<li><strong> EU-weite Angleichung von Marktregeln und Netzstandards</strong></li>
</ul>
<p>Beim wichtigsten energiepolitische Gesetzgebungsprojekt der letzten Jahre, dem „<a href="http://ec.europa.eu/energy/gas_electricity/third_legislative_package_en.htm">3. Binnenmarktpaket</a>&#8221; der EU-Kommission, wurde nun nach langwierigen Auseinandersetzungen endlich eine Einigung herbeigef&#252;hrt. Am 22. April hat das Europ&#228;ische Parlament nun f&#246;rmlich die zuvor  mit dem Ministerrat ausgehandelten Kompromissversionen f&#252;r insgesamt f&#252;nf Rechtstexte <a href="http://www.europarl.europa.eu/news/expert/infopress_page/051-54057-111-04-17-909-20090421IPR54056-21-04-2009-2009-true/default_en.htm">verabschiedet</a>. W&#228;hrend der Verhandlungen haben sich die bei der Binnenmarktintegration seit jeher z&#246;gerlichen Mitgliedstaaten in vielen Punkten gegen&#252;ber den ambitionierteren Vorstellungen von Parlament und Kommission <a href="http://energy.iep-berlin.de/php/1_binnenmarkt_vorgaben.php">durchgesetzt</a>. Einige Fortschritte werden die Beschl&#252;sse, die nach der formellen Best&#228;tigung durch den Ministerrat voraussichtlich im September in Kraft treten werden, dennoch mit sich bringen &#8211; allerdings nicht in den Bereichen, die in den letzten Jahren im Mittelpunkt der Debatte standen.</p>
<p>In der Diskussion um die 5 Rechtsakte standen <strong>zwei Fragen im Zentrum</strong>. Zum einen die nach der angemessenen Form der Entflechtung der vertikal integrierten Energieversorger, also der wirksamen Trennung von Produktion und Netzen &#8211; hierzulande gerne unter dem Stichwort „<strong>Zerschlagung</strong>&#8221; debattiert. Zum anderen die nach der Zulassung von Netzbetreibern, die von Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten kontrolliert werden, der sogenannten „<strong>Gazprom-Klausel</strong>&#8220;. In beiden Bereichen bringt das 3. Paket kaum Ver&#228;nderungen am Status Quo. Hinsichtlich der Frage der Entflechtung setzten Deutschland, Frankreich und sechs weitere Mitgliedstaaten ein Optionsmodell durch („Dritter Weg&#8221;), das den gro&#223;en Energieversorgern nur wenige Anpassungsleistungen abverlangen wird. Auch die &#220;bernahme von Mehrheitsbeteiligungen an &#220;bertragungs- und Fernleitungsnetzen durch Unternehmen aus Drittstaaten wird nicht der Kontrolle der EU-Kommission unterworfen werden.</p>
<p>Was in der Debatte jedoch weitgehend &#252;bersehen wurde: die <strong>Neuregelung der Eigentumsstrukturen</strong> von Netzbetreibern ist <strong>kein eigenst&#228;ndiges Ziel, sondern lediglich ein Mittel unter vielen</strong> auf dem Weg zu einer vollst&#228;ndigen Integration der europ&#228;ischen Strom- und Gasm&#228;rkte. Striktere Entflechtungsvorschriften und die &#8211; vom Parlament &#252;berschw&#228;nglich gefeierte &#8211; Erweiterung von Verbraucherrechten sind in diesem Zusammenhang zwar notwendig, weil sie die Wettbewerbsbedingungen f&#252;r neue bzw. ausl&#228;ndische Anbieter verbessern. Weitaus wichtiger aber ist die <strong>Qualit&#228;t der Energiemarktregulierung</strong>.</p>
<p>Positiv schl&#228;gt deshalb zu Buche, dass die neu gefassten Binnenmarktrichtlinien Vorschriften enthalten, mit denen eine <strong>EU-weite Angleichung der Befugnisse und Handlungsspielr&#228;ume der nationalen Energieregulierungsbeh&#246;rden </strong>erreicht werden soll. Im Mittelpunkt steht dabei zum einen die Gew&#228;hrleistung der tats&#228;chlichen Unabh&#228;ngigkeit gegen&#252;ber Regierungen und Energiewirtschaft, die in einigen (neuen) Mitgliedstaaten bislang noch nicht gegeben ist. Zum anderen ist die Ausweitung der Regulierungsbefugnisse auf den nationalen M&#228;rkten vorgesehen, etwa hinsichtlich der Kontrolle versch&#228;rfter Transparenzanforderungen oder beim Monitoring von 10-Jahres-Investitionspl&#228;nen der &#220;bertragungs- bzw. Fernleitungsnetzbetreiber. Daneben haben sich Parlament und Rat auf die Einrichtung einer genuin europ&#228;ischen Institution geeinigt: der <strong><em>Agentur f&#252;r die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbeh&#246;rden</em></strong>. Diese in den n&#228;chsten Jahren neu aufzubauende Institution wird sich vor allem den Fragen des grenz&#252;berschreitenden Energiehandels widmen und die zwar bereits existierenden, jedoch nur wenig verbindlichen Strukturen der Kooperation zwischen den nationalen Regulierern abl&#246;sen. Allerdings werden der Agentur auf Betreiben der Mitgliedstaaten zun&#228;chst nur sehr eingeschr&#228;nkte Entscheidungsspielr&#228;ume zugestanden. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Befugnisse der Agentur bei jeder zuk&#252;nftigen Versch&#228;rfung der der Binnenmarktgesetzgebung ausgeweitet werden und sie <strong>schrittweise zu einer EU-Energieregulierungsbeh&#246;rde fortentwickelt</strong> werden kann.</p>
<p>Zwei in der &#246;ffentlichen Diskussion &#252;ber das Binnenmarktpaket v&#246;llig unbeachtet gebliebene Verordnungen sehen dar&#252;ber hinaus die Schaffung von Instrumenten einer <strong>verbesserten EU-weiten Netzplanung und -koordination</strong> vor. Im Zentrum steht dabei die Vorschrift zur Gr&#252;ndung von zwei gesamteurop&#228;ischen Verb&#228;nden der &#220;bertragungs- (ENTSO-E) bzw. Fernleitungsnetzbetreiber (ENTSO-G), denen von der EU die Aufgabe zugewiesen wird, den europaweiten Ausbau der Strom- und Gasnetze zu planen, die Harmonisierung der Netzkodizes und Marktregeln voranzutreiben und f&#252;r ein h&#246;heres Ma&#223; an Transparenz zu sorgen. Der nun vereinbarte Kompromiss zielt fast ausschlie&#223;lich auf die koordinierende Funktion der beiden neuen Netzbetreiber-Verb&#252;nde ab. Die Schaffung einheitlicher Ansprechpartner f&#252;r Fragen der europ&#228;ischen Netzentwicklung ist deshalb allenfalls als wichtiger erster Schritt zu werten. Sollte sich in den kommenden Jahren herausstellen, dass die Zuweisung von Koordinationsverpflichtungen keine signifikanten Fortschritte bei der europ&#228;ischen Marktintegration nach sich zieht, l&#228;ge es durchaus in der Logik der EU-Sekund&#228;rrechtsentwicklung, die regulatorischen Eingriffsm&#246;glichkeiten gegen&#252;ber ENTSO-E/G schrittweise auszubauen.</p>
<p>Der Prozess der Binnenmarktintegration im Energiebereich vollzieht sich seit Mitte der 1990er Jahre nur schleppend. Die <strong>Schaffung eines funktionierenden Energiebinnnenmarkts</strong> ist jedoch <strong>das zentrale Projekt einer gemeinschaftlichen EU-Energiepolitik</strong>, gerade weil es hier um die &#220;berwindung zahlloser technischer, infrastruktureller und regulatorischer Hindernisse geht, die im politischen und medialen Tagesgesch&#228;ft systembedingt nur wenig Aufmerksamkeit erfahren. Die von Energiekommissar Andris Piebalgs bei Vorlage des Binnenmarktpakets im September 2007 get&#228;tigte Ank&#252;ndigung, das 3. Paket werde das letzte seiner Art sein, ist nach den Beschl&#252;ssen vom 22. April obsolet. Schon gegen Ende der n&#228;chsten Amtsperiode der Kommission (2009-2014) ist die Vorlage des „4. Binnenmarktpakets&#8221; zu erwarten. Bei der Gestaltung der europ&#228;ischen Energiem&#228;rkte gilt bis auf weiteres: <strong>Nach dem Paket ist vor dem Paket.</strong></p>
<p><span style="font-size: 12.5pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;"><br />
</span></p>
<p><span style="font-size: 12.5pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;"><br />
</span><br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=8731&amp;md5=da983d3f8c51927affc4189df5dab0f2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nabucco-Pipeline: Symbolische Politik ohne praktischen Wert?</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Mar 2009 11:40:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beim EU-Fr&#252;hjahrsgipfel steht einmal mehr die Haltung der 27 Staats- und Regierungschefs zur Nabucco-Gaspipeline zur Debatte. Doch deren Realisierung stockt nicht aufgrund zu hoher Investitionskosten, sondern weil nach wie vor kaum belastbare Lieferzusagen vorliegen. Die EU-Energiepolitik sollte sich nicht auf symboltr&#228;chtige Gro&#223;rojekte mit ungewissem Ausgang konzentrieren, sondern auf vergleichsweise unspektakul&#228;re Ans&#228;tze mit hoher Umsetzungschance.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4acd474fa4ff9b13e508fb0a1a4fd9" width="1" height="1" alt=""/><br />
<strong>Politik braucht eing&#228;ngige Symbole, europ&#228;ische Politik ganz besonders.</strong> In der Energiepolitik l&#228;sst sich das gut &#252;ber Pipeline-Projekte gew&#228;hrleisten. Deren Realisierungszeit ist sehr lang, ihr Weg l&#228;sst sich auf Landkarten anschaulich nachvollziehen, im Mittelpunkt steht &#8220;unsere&#8221; Versorgung. Die mediale Darstellung von Pipeline-Projekten bewegt sich zudem vornehmlich in den Kategorien der Au&#223;enpolitik des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine Gruppe von Produzenten-, Transit- und Verbraucherl&#228;ndern schlie&#223;t sich zusammen, um einen neuen Rohstoff-Korridor zu er&#246;ffnen, vorbei  an  Konkurrenten und potentiellen St&#246;renfrieden, immer in gespannter Erwartung der Interventionen der &#8220;Gegenseite&#8221; und des &#8220;Verrats&#8221; innerhalb des eigenen Lagers. Eine <strong>spannende <em>story line</em>, die &#252;ber mehrere Jahre hinweg tr&#228;gt</strong>.</p>
<p>Im konkreten  Fall der <strong>Nabucco-Pipeline</strong> besteht die Konstellation aus  Lieferl&#228;ndern des kaspischen Raums und Zentralasiens, zu deren Erdgas &#8220;wir Europ&#228;er&#8221; uns erstmals direkten Zugang verschaffen k&#246;nnten &#8211; unter Einbezug des Transitlands T&#252;rkei und unter Umgehung Russlands (Karte <a href="http://www.nabucco-pipeline.com/project/project-description-pipeline-route/project-description.html">hier</a>), das nicht nur mit &#8220;uns&#8221; um die Gunst dieser Lieferl&#228;nder konkurriert, sondern bestrebt ist, auch zuk&#252;nftig seine sehr dominante Stellung auf den europ&#228;ischen Gasm&#228;rkten zu behaupten.</p>
<p class="MsoNormal">Dieses in den Medien und weiten Teilen der europ&#228;ischen Politik gezeichnete Bild ist nicht komplett falsch &#8211; anderenfalls ginge auch keinerlei &#220;berzeugungskraft von ihm aus -, es unterschl&#228;gt jedoch eine ganze Reihe relevanter Ebenen, zuallerst die energiewirtschaftliche. Pipeline-Projekte dieser Gr&#246;&#223;enordnung (3300 km, bei einem gesch&#228;tzten Investitionsvolumen von 8 Mrd. Euro)  sind immer auch politisch, sie werden nie ohne Involvierung der Regierungen der betroffenen Staaten realisiert.</p>
<p class="MsoNormal">Die Entscheidung &#252;ber den Bau der Pipeline  treffen aber die am Nabucco-Konsortium beteilgten europ&#228;ischen Gasversorger &#8211; nicht die Politik.<span style="color: black;"> Fakt jedoch ist, dass f&#252;r dieses bereits seit Jahren intensiv diskutierte Projekt noch kaum belastbare Lieferzusagen existieren, denn auf absehbare Zeit sind in der kaspischen Region <strong>nicht gen&#252;gend Gaskapazit&#228;ten </strong><a href="http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Gastkommentar-Phantomdebatte-um-Nabucco-Pipeline/445034.html">verf&#252;gbar</a>, um die Pipeline wirtschaftlich  betreiben zu k&#246;nnen.</span></p>
<p class="MsoNormal">Von der europ&#228;ischen Politik wird dieses Faktum nicht komplett ignoriert, aber doch gerne verschwiegen. Statt dessen dominieren <strong>Debatten um Probleme, die f&#252;r die Realisierung  Nabuccos eher nebens&#228;chlich sind</strong>, etwa &#252;ber die <a href="http://www.euractiv.com/de/energie/nabucco-pipeline-polen-trotzt-deutschland/article-180412">grunds&#228;tzliche Haltung der europ&#228;ischen Regierungen</a> zu dieser und anderen Gasimportpipelines (Nord Stream, South Stream) oder um m&#246;gliche Finanzierungsbeitr&#228;ge der EU. Diese Debatten kulminieren in sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit, etwa bei zahllosen Gro&#223;konferenzen (zuletzt in <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1231152919947%26_seite=2%26sap=2">Budapest</a>, demn&#228;chst in Sofia und in Prag), oder auch <a href="http://www.welt.de/politik/article3403224/Berlin-veraergert-vor-Gipfel-neue-EU-Mitglieder.html">im Umfeld des Fr&#252;hjahrsgipfels</a> der 27 EU-Staats- und Regierungschefs am 19./20. M&#228;rz.  Bei gro&#223;en Teilen des Publikums mag der Eindruck entstehen, dass die EU sich redlich bem&#252;ht &#8211; faktisch kommt das Projekt aber nicht voran. Erst k&#252;rzlich vermeldete das Konsortium zum wiederholten Male eine Verschiebung des Baubeginns um ein Jahr (auf 2011) &#8211; es d&#252;rfte nicht die letzte gewesen sein.</p>
<p class="MsoNormal">Keine Frage: Der Bau der Nabucco-Pipeline w&#228;re ein gro&#223;er Fortschritt f&#252;r die EU-Versorgungssicherheit. Es macht jedoch wenig Sinn, dieses Projekt symbolisch derart stark aufzuladen, denn angesichts der offenkundigen Probleme bei dessen Realisierung besteht die <strong>Gefahr, dass Nabucco </strong>eines Tages<strong> zum Symbol des Scheiterns einer gemeinsamen europ&#228;ischen Energiepolitik wird</strong>.</p>
<p class="MsoNormal">Es dr&#228;ngt sich die Frage auf, ob die Nabucco-Pipeline auch weiterhin die Top-Priorit&#228;t der EU-Politik im Bereich Energieversorgungssicherheit bleiben sollte, verglichen etwa mit der dringend notwendigen Verkn&#252;pfung der innereurop&#228;ischen Gasm&#228;rkte (inkl. solidarischer Krisenreaktionsmechanismen), dem verst&#228;rkten Einsatz erneuerbarer Energietr&#228;ger (inkl. Biogas), der Steigerung der Energieeffizienz oder dem Ausbau des sehr viel flexibleren Transports von verfl&#252;ssigtem Erdgas (LNG) per Schiff. Diese Diskussion ist zwar potenziell konflikttr&#228;chtig. Sich <strong>auf vergleichsweise unspektakul&#228;re Ans&#228;tze mit hoher Umsetzungschance </strong>zu<strong> konzentrieren</strong> w&#228;re jedoch weitaus sinnvoller, als weiterhin Phantomdebatten &#252;ber symboltr&#228;chtige Gro&#223;projekte zu f&#252;hren. Ihrem Anspruch, die Energieversorgungssicherheit Europas zu gew&#228;hrleisten, kann die EU nur dann gerecht werden, wenn <strong>geopolitische Phantasien nicht l&#228;nger den Blick auf energiewirtschaftliche Fakten verstellen</strong>.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		<title>LOHAS als Klimaretter? Abschied von einer Illusion</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 09:01:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Deutschland herrscht eine Obsession mit einer Spielart von Klima- und Umweltschutz, die sich als Identit&#228;tspolitik an der Ladentheke niederschl&#228;gt: kauf Dir eine bessere Welt. Dabei ist solch "kritischer Konsum" in etwa so erfolgversprechend wie die "freiwilligen Selbstverpflichtungen" der Industrie. Die M&#246;glichkeiten der institutionalisierten Politik werden stark untersch&#228;tzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/29d1eddc936234e55ad845963b239a" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die Umweltdebatte zeichnet sich hierzulande, aber auch in Gro&#223;britannien und den USA, durch eine bemerkenswerte Skepsis gegen&#252;ber den M&#246;glichkeiten institutionalisierter Politik aus. Die Notwendigkeit „umweltfreundlichen“ Handelns wird durchg&#228;ngig auf zwei Ebenen zugleich thematisiert. Gefragt sei nicht nur eine konsequente Umweltpolitik. Notwendig seien aber mindestens ebenso sehr auch Bewusstseins- und Verhaltens&#228;nderungen im Alltag eines jeden Einzelnen. Klimabewusstes Alltagshandeln gilt mindestens als notwendige Erg&#228;nzung, wenn nicht gar als Voraussetzung konsequenter Klimapolitik.</p>
<p>Doch im derzeitigen Boom von Klimaratgebern und &#214;ko-Lifestyle-Internetportalen, im Kauf von Autos mit Hybrid-Antrieb oder dem Wechsel zu &#214;kostrom-Tarifen dr&#252;ckt sich nicht nur ein fehlendes Vertrauen in den Politikbetrieb aus, sondern auch <strong>eine immense &#220;bersch&#228;tzung „politisierter“ Alltagspraxis</strong>. Denn diese gelangt h&#228;ufig kaum &#252;ber die Sph&#228;re der symbolischen &#214;konomie des Avantgarde-Bewusstseins hinaus, auch die klimapolitischen Effekte bleiben eher bescheiden.</p>
<p>Zwar ist das Umweltbewusstsein in Deutschland traditionell vergleichsweise stark ausgepr&#228;gt, in einer ver&#228;nderten Alltagspraxis schl&#228;gt sich dies jedoch nach wie vor nur bei den wenigsten nieder – ein Umstand, der eine ganze Generation von Umweltp&#228;dagogen und -psychologen nicht nur zur Verzweiflung, sondern auch in Lohn und Brot gebracht hat. Den Versuch eines „nachhaltigen Lebensstils“ unternimmt lediglich eine kleine, wenn auch diskursm&#228;chtige Minderheit, die sich nicht zuletzt durch eine <a href="http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2008/pd08-085_umweltbewusstsein_der_deutschen_auf_hohem_niveau.htm">Kombination von hohen Bildungsabschl&#252;ssen und mindestens durchschnittlichen Einkommen auszeichnet</a>.</p>
<p>Zu den seit den 70er Jahren bekannten &#8220;Verzichts&#246;kos&#8221; gesellen sich in j&#252;ngster Zeit auch Gruppen, die globales Verantwortungsbewusstsein mit ausgesprochener Konsumfreude kombinieren. Das Alltagshandeln der sog. LOHAS (abgeleitet von „Lifestyle of Health and Sustainability“) richtet sich nicht auf die Minimierung von Material- und Energiefl&#252;ssen, sondern auf deren Umlenkung in nachhaltigere Bahnen. <strong>Im Mittelpunkt steht nicht die pers&#246;nliche Einschr&#228;nkung, sondern der „strategische Konsum“.</strong> Das Motto des wichtigsten deutschsprachigen &#214;ko-Lifestyle-Portals <a href="http://www.utopia.de"><em>utopia.de</em></a> lautet dementsprechend: <strong>„Kauf Dir eine bessere Welt“</strong>.</p>
<p>Ein &#8220;klimabewusster&#8221; Lebensstil ist aus Sicht des Einzelnen aber nur dann erstrebenswert, wenn die eigenen Anstrengungen auch mit positiven Bedeutungskonnotationen versehen werden k&#246;nnen. Diese „emotionale Rendite“ kann oft schon allein durch das Gef&#252;hl realisiert werden, einen positiven Beitrag f&#252;r die Zukunft der eigenen Kinder geleistet zu haben. Am sichersten gelingt diese Operation noch immer im best&#228;ndigen Vergleich mit anderen, weniger umweltbewussten Existenzen – sei es in der moralisierenden Abwertung der Ignoranten in der eigenen Nachbarschaft („das muss doch wirklich nicht sein“), sei es in der selbstgerechten Verurteilung von China, Brasilien und den USA, die gern unter Generalverdacht gestellt werden, „unser Klima zu ruinieren“.</p>
<p>Man k&#246;nnte &#252;ber die <a href="http://www.sueddeutsche.de/leben/587/450309/text/">Fragw&#252;rdigkeit solcher Motivlagen</a> getrost hinwegsehen, wenn sie denn sp&#252;rbar positive Klima-Effekte nach sich ziehen w&#252;rden. Dies aber ist allzu h&#228;ufig nicht der Fall, vor allem deshalb, <strong>weil der Einzelne der Komplexit&#228;t klimapolitischer und energiewirtschaftlicher Funktionszusammenh&#228;nge meist nicht gewachsen</strong> ist.</p>
<p>Nur ein Beispiel: Dem gesunden Menschenverstand scheint es zwingend, dass Stromsparen im Haushalt zu einer Verminderung des CO<sub>2</sub>-Aussto&#223;es f&#252;hren wird. Dem ist jedoch mitnichten so. Denn das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/EU-Emissionshandel">EU-Emissionshandelssystem</a> ist so konstruiert, dass das Gesamtvolumen der Emissionsberechtigungen, die von Kraftwerksbetreibern und energieintensiven Industriezweigen erworben werden m&#252;ssen, schon auf Jahre hinaus festgelegt ist, mit stetig sinkender Tendenz. Eine verminderte Elektrizit&#228;tsnachfrage privater Haushalte &#228;ndert nichts an der Gesamtzahl der ohnehin knappen Zertifikate. Zwar kann durch privates Stromsparen zun&#228;chst der CO<sub>2</sub>-Aussto&#223; eines nahegelegenen Kohle- oder Gaskraftwerks sinken, es erm&#246;glicht den Kraftwerksbetreibern jedoch, die nun &#252;bersch&#252;ssigen Zertifikate an der Stromb&#246;rse zu verkaufen. Die Emissionen werden also lediglich verlagert, entweder auf andere Kraftwerke oder hin zu industriellen Gro&#223;verbrauchern von Elektrizit&#228;t.</p>
<p>Je mehr die umweltbewussten Haushalte einsparen, desto mehr und demzufolge g&#252;nstigere Zertifikate kommen auf den Markt. Davon profitieren vor allem energieintensive Industrien wie Stahl- und Aluminiumh&#252;tten, f&#252;r die der Druck zur Anpassung ihrer Produktionsprozesse ein wenig abgemildert wird – was in volkswirtschaftlicher Hinsicht nicht das Schlechteste sein muss, f&#252;r den klimasensitiven Verbraucher aber wohl kaum der Grund gewesen sein d&#252;rfte, sich eine effizientere Waschmaschine zuzulegen. Wer als Einzelner innerhalb des bestehenden Systems einen positiven Klimaeffekt erzielen will, hat im Grunde nur eine &#8211; erstmals von <a href="http://sandbag.org.uk/"><em>sandbag.org.uk</em></a> vorgeschlagene &#8211; M&#246;glichkeit: selbst Emissionszertifikate an der B&#246;rse kaufen und nicht wieder in Verkehr bringen.</p>
<p>Die Liste allt&#228;glicher Beispiele f&#252;r nicht-intendierte Effekte oder nur unzureichend durchschaute Zusammenh&#228;nge lie&#223;e sich beinahe beliebig verl&#228;ngern. Wer vermag schon mit Sicherheit zu sagen, welcher <a href="http://www.zeit.de/2008/26/U-Oekostrom">&#214;kostromtarif keine Mogelpackung</a> darstellt, sondern tats&#228;chlich positive Umwelteffekte zeitigt, ob Biogem&#252;se aus Spanien gegen&#252;ber konventionell angebautem aus der Region zu bevorzugen w&#228;re oder wie es um die CO<sub>2</sub>-Bilanz verschiedener Sorten von Biokraftstoffen bestellt ist?</p>
<p>Eine Minderheit – gewisserma&#223;en die Avantgarde der Avantgarde – konsultiert in solchen Fragen eifrig die einschl&#228;gigen Fachmedien. Die Mehrheit aber steigt an genau diesem Punkt aus, eben <strong>weil der Alltag in der Sp&#228;tmoderne noch ganz andere Herausforderungen bereit h&#228;lt</strong>, als einen zweifelsfrei nachhaltigen Lebensstil zu pflegen, etwa: Geld verdienen, die Kinder zum Sport bringen, den n&#228;chsten Kurzurlaub planen, mal eben kurz in die Mails schauen.</p>
<p>Die faktische Kapitulation vor der Komplexit&#228;t schl&#228;gt sich meist jedoch nicht in einem Zur&#252;ckfahren der Anspr&#252;che an das eigene Handeln nieder. Weil der Alltagsverstand aber nichts mehr f&#252;rchtet als fortw&#228;hrende Ambivalenzen, wird das Wissen einfach den eigenen M&#246;glichkeiten und Pr&#228;ferenzen angepasst. Die Systemausschnitte f&#252;r die m&#246;glichst positive Bewertung der eigenen Alltagspraxis werden so gew&#228;hlt, dass der Vorreiter-Anspruch gewahrt und das Gewissen beruhigt bleibt. Der <a href="http://www.nytimes.com/2007/07/04/business/04hybrid.html">Erfolg des </a><a href="http://www.nytimes.com/2007/07/04/business/04hybrid.html">Toyota Prius</a><em> </em>ist nicht zuletzt darauf zur&#252;ckzuf&#252;hren, dass er seinen Besitzern ein &#8220;gr&#252;nes&#8221; Image verleiht.</p>
<p>Misst man den Ansatz einer &#246;kologisch ausgerichteten „Alltagspolitik“ an seinen eigenen Anspr&#252;chen, so f&#228;llt die Bilanz der letzten 30 Jahre doch recht bescheiden aus. Nicht einmal Energiesparlampen und CO<sub>2</sub>-arme Autos haben sich bislang am Markt durchsetzen k&#246;nnen, allem Umweltbewusstsein zum Trotz. Auf die Energie- und Materialeffizienz von industriellen Produktionsprozessen haben Endverbraucher ohnehin keinen Einfluss. <strong>Eine „Individualisierung von Verantwortung“ kann deshalb nicht zum Ersatz f&#252;r den erfolgversprechenderen Weg einer politischen Regulierung werden</strong>. Es hat sich als wenig effektiv erwiesen, energie- und klimapolitische Entscheidungen mit gruppenspezifischen Moralvorstellungen aufzuladen. Weitaus zielf&#252;hrender ist es, durch politische Rahmensetzungen vermehrt Anreize f&#252;r professionelle Akteure zu schaffen, eine Vielzahl von energieeffizienten und klimafreundlichen L&#246;sungen zu entwickeln und diesen im gr&#246;&#223;eren Ma&#223;stab zum Durchbruch zu verhelfen.</p>
<p>So ist etwa der vergleichsweise hohe Ausbaustand bei erneuerbaren Energietr&#228;gern in Deutschland keineswegs einer besonders gro&#223;en Zahl an bewussten &#214;kostromkonsumenten zuzuschreiben, sondern dem regulatorischen Modell der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare-Energien-Gesetz">Einspeiseverg&#252;tung</a>, das den Anbietern ein hohes Ma&#223; an Planungssicherheit verschafft, indem es die gro&#223;en Energieversorger dazu zwingt, die Gesamtproduktion an Wind- und Solarstrom zu staatlich festgelegten Preisen in die Elektrizit&#228;tsnetze einzuspeisen und die anfallenden Kosten „ungefragt“ auf alle Stromkunden umzulegen. Und seit die EU im M&#228;rz 2007 im Grundsatz beschlossen hat, den Anteil der Erneuerbaren am Energieverbrauch bis 2020 auf 20% zu steigern, investieren auch die gro&#223;en Energieversorger massiv in diesen Sektor. Nicht deshalb, weil sie pl&#246;tzlich „gr&#252;n“ geworden w&#228;ren, sondern weil dieses Gesch&#228;ftsfeld aufgrund politischer Grundsatzentscheidungen &#246;konomisch lukrativ zu werden verspricht.</p>
<p>Eine <strong>De-Politisierung der Alltagspraxis</strong> w&#228;re keineswegs gleichbedeutend mit dem Ende von Umweltpolitik, ganz im Gegenteil. Sie br&#228;chte dem Einzelnen nicht nur eine Entlastung von letztlich uneinl&#246;sbaren Anspr&#252;chen an sein individuelles Handeln. Sie k&#246;nnte zugleich auch eine <strong>Re-Politisierung des Umweltbewusstseins</strong> befl&#252;geln. Denn die entscheidenden Auseinandersetzungen um gesellschaftliche Ver&#228;nderungen werden nicht auf dem Feld des privaten Konsums ausgetragen, sondern auf dem der institutionalisierten Politik.</p>
<p>Ambitionierte klimapolitische Ziele werden sich nur erreichen lassen, wenn Gesellschaften &#252;ber wirkm&#228;chtige und am Gemeinwohl orientierte Steuerungsinstanzen verf&#252;gen. Dass Regierungen und Parteien weltweit bislang nur einen bescheidenen klimapolitischen Leistungsnachweis erbracht haben, gibt Anlass zu gro&#223;er Skepsis, kann jedoch nicht bedeuten, das Potential staatlicher Regulierung schlicht zu negieren und statt dessen auf die scheinbare Macht des m&#252;ndigen Verbrauchers zu bauen. <strong>&#8220;Kritischer Konsum&#8221; ist als klimapolitische Strategie in etwa so erfolgversprechend wie &#8220;freiwillige Selbstverpflichtungen&#8221; der Industrie.</strong></p>
<p><em>Dieser Text ist eine gek&#252;rzte und &#252;berarbeitete Version eines Beitrags, der unter dem Titel <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5747">&#8220;Strategischer Konsum statt nachhaltiger Politik?&#8221;</a> im Schwerpunktheft &#8220;Klimapolitik und Solidarit&#228;t&#8221; der Zeitschrift &#8220;<a href="http://www.iwm.at/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=683&amp;Itemid=670">Transit &#8211; Europ&#228;ische Revue</a>&#8221; erschienen ist.</em></p>
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		<title>Energiediskurs in Erkl&#228;rungsnot: Wer (oder was) gef&#228;hrdet unsere Versorgungssicherheit?</title>
		<link>http://carta.info/3763/energiepolitik_versorgungssicherheit_gazprom/</link>
		<comments>http://carta.info/3763/energiepolitik_versorgungssicherheit_gazprom/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 15:28:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der diesj&#228;hrige Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine stellt die europ&#228;ische &#214;ffentlichkeit vor einige &#252;berraschende Interpretationsschwierigkeiten. Seit einem &#228;hnlich gelagerten Konflikt im Januar 2006, der als Geburtsstunde des europ&#228;ischen Energiesicherheitsdiskurses gelten kann, waren die Rollen stets klar verteilt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/16b9df82d43d1320cd366679f2bc85" alt="" width="1" height="1" />Auf der einen Seite <strong>Russland</strong>, als Rohstofflieferant, der seinen &#214;l- und Gasreichtum <strong>„skrupellos“ </strong>zur Durchsetzung der eigenen Interessen benutzt. Auf der anderen Seite die EU und einige ihrer &#246;stlichen Nachbarn, die dem russischen „Erpressungspotential“ entweder schutzlos ausgeliefert sind (etwa die Ukraine, Polen und die baltischen Staaten) oder aber gar nicht erst erkennen wollen, dass sie sich in eine „immer gr&#246;&#223;ere Abh&#228;ngigkeit“ von Gazprom begeben, allen voran Deutschland und Italien. Alternative Deutungsmuster, etwa die einer ausgepr&#228;gten energiewirtschaftlichen Interdependenz von Russland und seinen europ&#228;ischen Abnehmern, blieben im &#246;ffentlichen Diskurs relativ randst&#228;ndig.</p>
<p class="MsoNormal">F&#252;r die europ&#228;ische Sicht auf den aktuellen Konflikt ist es im Kern nicht so sehr entscheidend, welcher Gaspreis f&#252;r die Ukraine im Jahr 2009 gerechtfertigt sein k&#246;nnte oder auf welche H&#246;he sich die Transitgeb&#252;hren f&#252;r russisches Gas fairerweise belaufen sollten. Im Zentrum steht vielmehr die Frage: <strong>„Wer (oder was) gef&#228;hrdet <em>unsere </em>Versorgungssicherheit?“</strong> Dass es der Mehrheit der europ&#228;ischen Kommentatoren schwer f&#228;llt, darauf eindeutig mit „Russland“ zu antworten, dass die jahrelang dominierende Dichotomie in der derzeitigen Auseinandersetzung nicht mehr bruchlos funktioniert, ist bereits <strong>ein wichtiger Teilerfolg f&#252;r Gazprom und seine gemeinsam mit den Public Affairs Agenturen <a href="http://www.ketchum.com/">Ketchum</a> und <a href="http://www.gpluseurope.com/">GPLus Europe</a> entwickelten Kommunikationsstrategie.</strong> Diese sah nicht nur eine intensive russische Reisediplomatie bereits im Dezember vor, sondern auch einen beinahe t&#228;glichen Newsletter sowie eine spezielle <a href="http://www.gazpromukrainefacts.com/">Website</a>.</p>
<p class="MsoNormal">Offen bleibt jedoch, ob sich aus der jetzigen Konstellation heraus mittelfristig auch ein neues Energiesicherheitsnarrativ entwickeln k&#246;nnte. Da es der russischen Seite unm&#246;glich gelingen kann, den bisher dominierenden Deutungsrahmen binnen k&#252;rzester Zeit komplett zum Einsturz zu bringen, und Gazprom fortan ein &#252;berzeugendes Image als vertrauensw&#252;rdigem Energielieferanten zu verpassen, konzentrierte man sich zun&#228;chst vor allem auf die Desavouierung der ukrainischen Positionen. Zwar vermag das fortw&#228;hrende <strong><em>negative campaigning</em></strong> gegen die Ukraine die bisherige Diskursstruktur zumindest kurzfristig aufzubrechen, zumal es an glaubw&#252;rdigen Beispielen f&#252;r ukrainisches Fehlverhalten nicht mangelt. Im Resultat f&#252;hrt dies jedoch noch nicht zu neuen Eindeutigkeiten, zu keiner klaren Neuverteilung der Rollen.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Energiepolitische Diskurse aber weisen in der Regel sehr ausgepr&#228;gte Dichotomien auf,</strong> ganz gleich, ob es um Klimaschutz, hohe Energiepreise oder die Gew&#228;hrleistung von Versorgungssicherheit geht. Dass in diesen Feldern eine F&#252;lle von &#246;konomischen und technologischen, infrastrukturellen und moralischen, au&#223;enpolitischen und alltagspraktischen Fragen verhandelt werden muss, f&#252;hrt eben gerade nicht dazu, dass breite gesellschaftliche Debatten der Komplexit&#228;t der Wirkmechanismen auch nur ann&#228;hernd gerecht werden w&#252;rden. Im Gegenteil: Je vielschichtiger die Zusammenh&#228;nge, desto „interpretationsanf&#228;lliger“ die Wirklichkeit, desto gr&#246;&#223;er der Hang zur Komplexit&#228;tsreduktion, desto aufgeladener die zentralen Deutungsmuster.</p>
<p class="MsoNormal">Auch der europ&#228;ische <strong>Energiesicherheitsdiskurs </strong>leidet unter spezifischen Verengungen. Zentrales Charakteristikum hier: <strong>eine ausgepr&#228;gte Tendenz zur Freund-Feind-Orientierung</strong>. Da die Bedrohung der Versorgungssicherheit fast ausschlie&#223;lich jenseits der eigenen (nationalen oder europ&#228;ischen) Grenzen lokalisiert wird – und das obgleich ein Gro&#223;teil der schwerwiegenden Ausf&#228;lle auf Funktionsst&#246;rungen im „heimischen“ Elektrizit&#228;tssektor zur&#252;ckzuf&#252;hren ist –, liegt eine klassisch sicherheitspolitische, die Rolle der Staatenkonkurrenz &#252;berbetonende Sichtweise nahe. Geopolitische, den exklusiven Zugriff auf rohstoffreiche Regionen wie etwa Zentralasien betonende Denkmuster, dominieren im Energiesicherheitsdiskurs nach wie vor. Kooperation ist in dieser Logik nicht schlicht als pragmatische Zusammenarbeit zu mehrseitigem &#246;konomischem Nutzen denkbar, sondern allenfalls als B&#252;ndnis gegen Dritte, vom Rohstoffzugriff auszuschlie&#223;ende Konkurrenten. Im Mittelpunkt der Besorgnis stehen zudem fast ausschlie&#223;lich Produzentenl&#228;nder und -regionen, deren kulturelle und politische „Andersartigkeit“ betont werden kann, was wiederum den Raum f&#252;r weitreichende Spekulationen &#252;ber deren Handlungsmotive und -optionen &#246;ffnet.</p>
<p class="MsoNormal">Die Struktur dieses Energiesicherheitsdiskurses ist nicht derart wirkm&#228;chtig, dass sie jegliche energiepolitische oder gar energiewirtschaftliche Praxis vorstrukturieren w&#252;rde. Jedoch <strong>steht die Praxis permanent unter Druck, sich im Rahmen des dominanten Paradigmas legitimieren zu m&#252;ssen.</strong> Das Streben nach einer energiewirtschaftlichen Kooperation mit Russland ger&#228;t sehr schnell in den Verdacht eines „Appeasement“ auf Kosten schw&#228;cherer EU-Mitglieder, schon eine Investmententscheidung im „falschen“ Land kann den Vorwurf des Verrats an Europa nach sich ziehen. Und w&#228;hrend im geopolitischen Weltbild der Anspruch auf ein fortw&#228;hrend ausreichendes Angebot der gew&#252;nschten Rohstoffe nach wie vor nicht in Frage gestellt wird, steht der <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5505">pragmatische Ansatz</a>, m&#246;glichen Konflikten und Engp&#228;ssen auch durch Ver&#228;nderungen auf der Nachfrageseite zu begegnen, schnell in der Kritik. <strong>Eine Steigerung der Energieeffizienz, der Ausbau der erneuerbaren Energiequellen oder die Schaffung von EU-internen Ausgleichsmechanismen f&#252;r Krisenf&#228;lle erscheint in geopolitischer Perspektive lediglich als konfliktscheues Zur&#252;ckweichen vor den „eigentlichen Herausforderungen“ einer selbstbewussten Energieau&#223;enpolitik.</strong> Diese manifestiert sich nicht zuletzt in symbolisch bedeutsamen Projekten wie der an Russland vorbeif&#252;hrenden Nabucco-Pipeline in Richtung Kaspisches Meer, f&#252;r deren baldige Realisierung sich jedoch kaum Investoren finden lassen <a href="http://www.swp-berlin.org/de/common/get_document.php?asset_id=5530">werden</a>.</p>
<p class="MsoNormal">Wie sich die versorgungssicherheitspolitische Diskurslandschaft in Europa mittelfristig entwickeln wird, h&#228;ngt entscheidend vom <strong>weiteren Verlauf des russisch-ukrainischen Gasstreits ab, der mit der heute beschlossenen Monitoring-L&#246;sung ja noch nicht abgeschlossen sein wird und m&#246;glicherweise auch im kommenden Januar abermals eskalieren k&#246;nnte. </strong>Gazprom kann derzeit kaum mehr als eine Art negatives Unentschieden erreichen, das das wichtigste Gastransitland mit auf die Anklagebank der europ&#228;ischen &#214;ffentlichkeit zieht. Aus russischer Sicht w&#228;re dies jedoch nur ein Zwischenschritt, um anschlie&#223;end um eine st&#228;rkere europ&#228;ische Unterst&#252;tzung f&#252;r Pipeline-Projekte werben zu k&#246;nnen, mit denen sich Gas auf dem Weg durch die Ostsee und das Schwarze Meer direkt in die EU liefern lie&#223;e, bei gleichzeitiger Schw&#228;chung des Stellenwerts der derzeitigen Haupttransitstaaten.</p>
<p class="MsoNormal">Anders als die geopolitische Sichtweise es nahelegt, beweist der gegenw&#228;rtige Konflikt keineswegs, dass die EU zu stark von russischem Gas <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/117/453805/text">abh&#228;ngig</a> ist. Da alle anderen Transitpipelines von Russland bis an die Kapazit&#228;tsgrenze bef&#252;llt werden und die Speicher vieler europ&#228;ischer Energieversorger gut gef&#252;llt sind, <strong>zeigt sich im Konflikt eher eine zu starke Abh&#228;ngigkeit von einigen wenigen Pipeline-Routen</strong>, eine mangelhafte Vernetzung sowohl zwischen der EU und Russland als auch innerhalb der EU selbst./a&gt; Die europ&#228;ische &#214;ffentlichkeit t&#228;te deshalb gut daran, sich in Fragen der Versorgungssicherheit von ihrem Wunsch nach Eindeutigkeit und von der bislang dominierenden Methode des Verdachts zu l&#246;sen. Die Bringschuld zur Wiederherstellung des Vertrauens in die mittel- bis langfristige Verl&#228;sslichkeit der Energiebeziehungen liegt zun&#228;chst jedoch eindeutig bei Russland und der Ukraine.</p>
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		<title>EU-Klimapolitik: Verbindliche Verpflichtungen wichtiger als symbolisch aufgeladene Konflikte</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Dec 2008 15:36:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Energie- und Klimapolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[In der Berichterstattung zum j&#252;ngsten EU-Kompromiss in Sachen PKW-Emission erleben wir die x-te Wiederauff&#252;hrung der klimapolitischen Erz&#228;hlung Gut gegen B&#246;se. Gerade in Deutschland herrscht die Tendenz vor, Politik nicht vom angestrebten Ziel her zu denken, sondern statt dessen einzelne politische Ma&#223;nahmen hochgradig symbolisch aufzuladen. mehr...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1a6c84448a87da38fa3748ce9729b5" width="1" height="1" alt=""/>
<p class="MsoNormal">Als in der vergangenen Woche nach monatelangen Verhandlungen der Br&#252;sseler Kompromiss zum CO2-Aussto&#223; von PKWs feststand, waren sich die deutschen Medien weitestgehend einig: die EU ist von ihren urspr&#252;nglichen Zielen abger&#252;ckt und in einer entscheidenden umweltpolitischen Frage wieder einmal vor den Industrieverb&#228;nden eingeknickt.</p>
<p class="MsoNormal">Und in der Tat, die Automobilindustrie hat in den letzten Monaten sehr <span> </span>geschickt verhandelt, so sehr, dass sie sich am Tag nach dem Kompromiss mit &#246;ffentlichen &#196;u&#223;erungen auffallend <span> </span>zur&#252;ckhielt.</p>
<p class="MsoNormal">Aber ist diese Entscheidung wirklich ein „Signal, dass es die EU wom&#246;glich nicht mehr so ernst meint mit einem entschlossenen Klimaschutz“, wie der <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/EU-Abgasobergrenzen-Auto;art771,2675402">Tagesspiegel</a> meint? Mitnichten.</p>
<p class="MsoNormal">Was wir hier erleben, ist lediglich <strong>die x-te Wiederauff&#252;hrung der klimapolitischen Erz&#228;hlung <em>Gut</em> gegen <em>B&#246;se</em></strong> – und die Guten haben wie (fast) immer verloren, weil sich die Regierungen am Schluss auf die Seite der <em>B&#246;sen</em> geschlagen haben.</p>
<p class="MsoNormal">Doch wie so oft ist die <strong>Realit&#228;t auch in diesem Fall ein wenig komplexer</strong>: Selbstverst&#228;ndlich w&#228;re der Auto-Industrie mehr zuzumuten gewesen, schlie&#223;lich haben die europ&#228;ischen Hersteller schon Ende der 1990er Jahre weitreichende <a href="http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,504021,00.html">Selbstverpflichtungen</a> zur Begrenzung der CO2-Emissionen abgegeben, sich seither aber nicht ernsthaft bem&#252;ht, diese Selbstverpflichtungen auch zu erf&#252;llen.</p>
<p class="MsoNormal">Der Kompromiss von Br&#252;ssel ist f&#252;r die Autohersteller ein gro&#223;er Erfolg, aber bedeutet er deshalb auch das Ende der europ&#228;ischen Vorreiterrolle in der Klimapolitik? Nein, denn wichtig ist nicht unbedingt, wie viele Emissionen in einem bestimmten Wirtschaftssektor eingespart werden. <strong>Entscheidend ist letztlich die Gesamtreduktionsmenge.</strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong>In Deutschland wie <span> </span>auch in der EU herrscht die Tendenz vor, Politik nicht vom angestrebten Ziel her zu denken, sondern statt dessen einzelne politische Ma&#223;nahmen hochgradig symbolisch aufzuladen</strong>. So auch hier. Die bestechend einfache Logik der Umweltverb&#228;nde: Da es nicht gelungen ist, die (deutsche) Automobilindustrie auf ambitionierte sektorale Ziele zu verpflichten, kann man die Klimapolitik der EU nicht mehr ernst nehmen.</p>
<p class="MsoNormal">Was diese Argumentation jedoch &#252;bersieht: <span> </span>In der Architektur der EU-Klimapolitik ist die <strong>Verringerung des CO2-Aussto&#223;es von PKWs kein Selbstzweck, sondern nur eines von vielen m&#246;glichen Mitteln</strong>, um die bis 2020 angestrebte Verringerung der gesamten europ&#228;ischen Treibhausgas-Emissionen um 20% zu erreichen. Wenn diese 20%-Zielmarke wie geplant verbindlich wird und ein Verfehlen in den Mitgliedstaaten somit von Kommission und Europ&#228;ischem Gerichtshof auch sanktioniert werden kann, dann relativiert sich die Bedeutung des Auto-Kompromisses betr&#228;chtlich.</p>
<p class="MsoNormal">Wenn im Autoverkehr weniger Emissionen eingespart werden als urspr&#252;nglich geplant, dann werden schlichtweg andere Sektoren, die wie der Verkehr nicht ins Emissionshandelssystem integriert sind (dort gelten – f&#252;r Kraftwerksbetreiber und ausgew&#228;hlte Industriezweige – separate Teilziele) daf&#252;r „einspringen“ m&#252;ssen, etwa die Landwirtschaft, die privaten Haushalte oder der Dienstleistungssektor.</p>
<p class="MsoNormal"><strong>Die Br&#252;sseler Auto-Kompromiss ist f&#252;r die PKW-Hersteller ohne Zweifel von gro&#223;er &#246;konomischer Bedeutung, im Kontext der EU-Klimapolitik ging es dabei jedoch nur um eine von sehr vielen Stellschrauben.</strong> Die wirklich relevanten Verhandlungen stehen erst beim Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs am 11. und 12. Dezember an, auf dem eine Einigung &#252;ber das Energie- und Klimapaket der EU ansteht. Erst dann wird sich zeigen, wie ernst es der EU im Kampf gegen den Klimawandel tats&#228;chlich ist. Dabei <strong>werden es nicht Kompromisse in symbolisch aufgeladenen Einzelfragen sein, auf die es entscheidend ankommt, sondern der faktische Verbindlichkeitsgrad des Gesamtziels.</strong></p>
<p class="MsoNormal">Zwar k&#246;nnen es sich die EU-Mitgliedstaaten schon in kommunikationspolitischer Hinsicht nicht leisten, pl&#246;tzlich vom 20%-Reduktionsziel f&#252;r 2020 Abstand zu nehmen. Aber es besteht die reale Gefahr, dass sie Hintert&#252;ren und Schlupfl&#246;cher in die Gesetzestexte einbauen, die es ihnen erm&#246;glichen w&#252;rden, sich ihrer klimapolitischen Verantwortung in einigen Jahren weitgehend unbemerkt zu entledigen.</p>
<p class="MsoNormal">Der Erfolg des Energie- und Klimapakets der EU wird nicht in erster Linie davon abh&#228;ngen, ob polnische Kohlekraftwerke ihre Emissionszertifikate schon 2013 zu 100% ersteigern m&#252;ssen, welche Ausnahmeregelungen energieintensive Industriezweige aushandeln k&#246;nnen oder welche Nachhaltigkeitskriterien f&#252;r Biokraftstoffe erlassen werden. <strong>Entscheidend sind wirksame Sanktionsmechanismen, mit denen sichergestellt werden kann, dass die Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen bis zum Jahr 2020 auch tats&#228;chlich erf&#252;llen werden.</strong></p>
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		</item>
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		<title>Auch in der Krise an &#214;l und Gas denken</title>
		<link>http://carta.info/2113/energieversorgungssicherheit-mehr-pragmatismus-weniger-geopolitik/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 12:16:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Versorgungssicherheit]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;r eine vern&#252;nftige Energieau&#223;enpolitik muss sich die EU von geopolitischen Kategorien wie Pipelinekorridoren und Einflusszonen verabschieden und statt dessen zun&#228;chst den eigenen Energiebinnenmarkt voranbringen. 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/04483048ff4b80ce1452e245850871" alt="" width="1" height="1" />Auch wenn die Rezessionserwartungen – und infolgedessen deutlich gesunkene &#214;lpreise – dazu beigetragen haben, das Thema Energieversorgungssicherheit vor&#252;bergehend von der Spitze der politischen Agenda zu verdr&#228;ngen, so gibt es doch keinerlei Grund zur Entwarnung. Alle seri&#246;sen Modelle, nicht zuletzt der <a href="http://www.worldenergyoutlook.org/">World Energy Outlook</a>, der Internationalen Energieagentur, gehen in ihren business as usual-Szenarien davon aus, dass die weltweite Nachfrage nach &#214;l und Gas mittelfristig weiter ansteigen wird.</p>
<p>Die Finanzkrise sowie die vor&#252;bergehend fallenden Rohstoffpreise lassen es jedoch noch unwahrscheinlicher werden, dass dringend notwendige Investitionen get&#228;tigt werden, sei es in zus&#228;tzliche Raffineriekapazit&#228;ten oder in die Erschlie&#223;ung neuer, aber relativ schwer zug&#228;nglicher <a href="http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/;art271,2661700">F&#246;rdergebiete</a>. Die negativen Effekte eines fortw&#228;hrenden Investitionsstaus werden sich jedoch nicht schon kurzfristig auswirken.</p>
<p>Was das Thema Versorgungssicherheit aber schon bald wieder auf die tagespolitische Agenda bef&#246;rdern d&#252;rfte, ist ein drohender <a href="http://derstandard.at/?url=/?id=1227286858625&quot; http://derstandard.at/?url=/?id=1227286858625">Gas-Streit</a> zwischen dem russischen Export-Monopolisten Gazprom und der Ukraine. K&#228;me es, &#228;hnlich wie schon im Winter 2005/6, zu dem von Gazprom angedrohten Lieferstopp – und m&#246;glicherweise auch zu (vermutlich nur geringf&#252;gigen) Beeintr&#228;chtigungen der europ&#228;ischen Gasversorgung – so werden wir zum wiederholten Male eine Debatte &#252;ber die mangelnde Durchschlagskraft der Europ&#228;ischen Union gegen&#252;ber Russland f&#252;hren d&#252;rfen. Der Tenor ist schon jetzt absehbar: „<strong>Was hat die EU auf dem Gebiet der Energieau&#223;enpolitik in den letzten Jahren erreicht? Fast nichts</strong>.“</p>
<p>Bei der Antwort gibt es kaum Interpretationsspielraum. Selbst Javier Solana, der Hohe Vertreter f&#252;r die Gemeinsame Au&#223;en- und Sicherheitspolitik der EU, hebt verschiedentlich hervor, dass eine EU-Energieau&#223;enpolitik im Grunde genommen noch gar <a href="http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressdata/EN/discours/98532.pdf">nicht existiert</a>. Und in der Tat, bis heute wird das von der EU permanent betonte Prinzip, in Fragen der Energieau&#223;enpolitik „mit einer Stimme“ sprechen zu wollen, nur selten konstruktiv umgesetzt. Aber ist die Frage eigentlich richtig gestellt? Ist es wirklich sinnvoll, beim Thema Versorgungssicherheit zuallererst an die Beziehungen der EU zu ihren Hauptlieferl&#228;ndern f&#252;r &#214;l und Gas zu denken? Nicht unbedingt.</p>
<p>Dass die 27 EU-Mitgliedstaaten in der Regel nicht willens und in der Lage sind, energieau&#223;enpolitisch eine gemeinsame Linie zu verfolgen, dass sie bilateralen Vereinbarungen mit wichtigen Lieferanten den Vorzug vor gesamteurop&#228;ischen L&#246;sungen geben, wird oft und gern beklagt. Dabei &#252;berwiegt ein geradezu moralisierender Tonfall, der eine Dominanz von nationalen Egoismen beklagt.</p>
<p><strong>&#220;bersehen wird dabei allerdings, dass die Differenzen zwischen den Mitgliedstaaten eine reale energiewirtschaftliche Grundlage haben</strong>. Aussagen &#252;ber <em>den</em> EU-Energiemarkt, &#252;ber <em>den</em> europ&#228;ischen Energiemix oder <em>die </em>Importabh&#228;ngigkeit der EU f&#252;hren im Grunde genommen in die Irre. Da die Mitgliedstaaten bei leitungsgebundenen Energietr&#228;gern wie Strom und Gas nach wie vor kaum miteinander verkn&#252;pft sind, ist die Aussagekraft von europ&#228;ischen Durchschnittswerten nur sehr beschr&#228;nkt. De facto existieren gegenw&#228;rtig 27 verschiedene Energiemixe und 27 unterschiedliche Importabh&#228;ngigkeitsstrukturen. Dass daraus letztlich ebenso viele energieau&#223;enpolitische Interessenlagen resultieren, kann niemanden ernsthaft verwundern.</p>
<p>Ein gemeinsames europ&#228;isches Interesse besteht derzeit nur auf einer sehr abstrakten Ebene. Bei wichtigen Detailfragen fallen die Positionen jedoch schnell wieder auseinander. So mag Russland zwar statistisch gesehen der gr&#246;&#223;te und <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=4234">bedeutendste Energielieferant der gesamten EU</a> sein. F&#252;r L&#228;nder wie Spanien und Portugal, die ihre Gasimporte beinahe g&#228;nzlich aus Afrika beziehen, sind die energieau&#223;enpolitischen Beziehungen zu Russland jedoch nur von nachrangiger Bedeutung. Wenn Ungarn eine eher pragmatische Haltung gegen&#252;ber Gazprom bevorzugt, Polen jedoch eine eher konfrontative, so erkl&#228;rt sich dies nicht zuletzt aus dem Umstand, dass der ungarische Pro-Kopf-Verbrauch bei Erdgas um ein vierfaches h&#246;her liegt als der polnische. Ungarn kann sich eine ideologisch aufgeladene Energieau&#223;enpolitik schlichtweg nicht leisten, denn bei etwaigen Lieferschwierigkeiten w&#228;re derzeit jeder EU-Mitgliedstaat auf sich allein gestellt.</p>
<p><strong>D</strong><strong>araus folgt nun keineswegs, dass man das Projekt einer europ&#228;ischen Energieau&#223;enpolitik ad acta legen sollte.</strong> Es ist jedoch illusorisch, den zweiten Schritt vor den ersten setzen zu wollen. Das vielbeschworene „Sprechen mit einer Stimme“ ist erst dann realistisch, wenn sich die energieau&#223;enpolitischen Interessenlagen der Mitgliedstaaten angeglichen haben. Zu erreichen ist dies auf zwei Wegen, zum einen &#252;ber die <strong>S</strong><strong>chaffung eines funktionsf&#228;higen europ&#228;ischen Energiebinnenmarkts</strong>, zum anderen &#252;ber den <strong>Aufbau von solidarischen Krisenreaktionsmechanismen</strong>.</p>
<p>Die verst&#228;rkte grenz&#252;berschreitende Verkn&#252;pfung der mitgliedstaatlichen Energienetze, die Beseitigung von Marktzutrittsbarrieren f&#252;r ausl&#228;ndische Wettbewerber, die Verpflichtung zum Aufbau von Reservekapazit&#228;ten bei Erdgas sowie zur gegenseitigen Hilfe im Krisenfall br&#228;chte f&#252;r jede Regierung ganz automatisch eine Europ&#228;isierung ihrer energiepolitischen Perspektive mit sich.</p>
<p>Die Staaten der iberischen Halbinsel w&#252;rden sich im Falle von Solidarit&#228;tsverpflichtungen auch f&#252;r die Qualit&#228;t der Lieferbeziehungen zwischen den osteurop&#228;ischen Staaten und Russland interessieren m&#252;ssen, da sie im Krisenfall mit eigenen Vorr&#228;ten einzuspringen h&#228;tten. Umgekehrt entfiele die theoretische M&#246;glichkeit, dass ein Lieferland einen einzelnen EU-Mitgliedstaat gezielt unter Druck setzt, da dieser jederzeit von seinen europ&#228;ischen Partnern mitversorgt werden k&#246;nnte. Ein „solidarischer Energiebinnenmarkt“ br&#228;chte zudem f&#252;r alle EU-Staaten einen weitaus st&#228;rkeren Diversifizierungseffekt mit sich als jedes weitere Pipelineprojekt in neue Lieferregionen.</p>
<p>Die EU-Kommission hat Mitte November bei der Evaluierung der EU-Energiestrategie erstmals einen vorsichtigen <strong>Perspektivwechsel in der Versorgungssicherheitspolitik</strong> vorgeschlagen. Im Vordergrund steht nicht mehr die Energieau&#223;enpolitik, insbesondere nicht in ihrer geopolitisch orientierten Variante, die in Kategorien wie „Einflusszonen“ und „Pipelinekorridoren“ denkt. Im Mittelpunkt stehen vielmehr EU-interne Ma&#223;nahmen, nicht nur Infrastrukturausbau, Bevorratungspflichten und Krisenreaktionsmechanismen, sondern auch eine Erh&#246;hung der Energieeffizienz sowie ein Ausbau der erneuerbaren Energien, was jeweils zur <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5505">Verringerung der &#214;l- und Gasimporte</a> f&#252;hren w&#252;rde. Ob sich die Mitgliedstaaten dem von der Kommission vorgeschlagenen Strategiewechsel tats&#228;chlich anschlie&#223;en werden, wird sich bis zum M&#228;rz 2009 entscheiden.</p>
<p>Eine europ&#228;ische Energieau&#223;enpolitik muss durch geeignete Ma&#223;nahmen innerhalb der EU vorbereitet werden, anderenfalls wird sie weitgehend wirkungslos bleiben. Dies hat nicht zuletzt den Vorteil, dass die Europ&#228;er die ersten notwendigen Schritte zur Erh&#246;hung ihrer Versorgungssicherheit ganz eigenst&#228;ndig gehen k&#246;nnen, noch unabh&#228;ngig von den Verhandlungspositionen schwieriger Energiepartner wie Russland. Wenn die EU es allerdings vers&#228;umen sollte, ihre Hausaufgaben rechtzeitig zu erledigen, wird sie die Schuld daf&#252;r nicht bei anderen suchen k&#246;nnen.
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