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	<title>CARTA &#187; Klaus-Peter Schöppner</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Herz schl&#228;gt Hirn</title>
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		<pubDate>Tue, 15 May 2012 12:52:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ Die CDU-W&#228;hler in NRW haben ja schon vieles erlebt, doch einen so steilen Abstieg vom Wunderkind zum desastr&#246;sen Verlierer wohl noch nicht. Hannelore Kraft bleibt beliebte Landesmutter - eine Wahlanalyse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine so extreme Wahl hatte selbst in Nordrhein-Westfalen kaum jemand f&#252;r m&#246;glich gehalten: Die CDU musste einen Stimmenverlust von 8,3 Prozent hinnehmen und erzielte mit 26,3 das schlechteste NRW-Ergebnis aller Zeiten &#8211; dar&#252;ber hinaus &#252;berraschte der R&#252;cktritt des Spitzenkandidaten bereits um 18:10 Uhr. Einen derart langweiligen, themenleeren, lustlosen Wahlkampf, wie ihn ausgerechnet der vor kurzem noch als potentieller Merkel-Nachfolger gehandelte Energiewendeminister Norbert R&#246;ttgen lieferte, hatte man noch nie gesehen. R&#246;ttgen lieferte einen Wahlkampf in Schockstarre, bei dem kaum jemand den Eindruck gewann, die CDU wolle wirklich zur&#252;ck zur Macht. Noch lange wird die NRW-CDU am schlechtesten &#8211; n&#228;mlich &#252;berhaupt nicht wahrnehmbaren &#8211; Wahlkampf ihrer Geschichte zu knacken haben. Und dies ausgerechnet bei der Wahl, die nun &#252;ber die Zukunftsstrategien der Parteien f&#252;r den  Wahl-Showdown 2013 bestimmt.</p>
<p>Der gute Mensch aus M&#252;lheim gegen den Zwischenstopper aus Berlin: R&#246;ttgen hatte die Wahl bereits verloren, als er die von der Opposition gen&#252;sslich hochgespielte Debatte um seine D&#252;sseldorf-Treue nicht stoppen konnte. „Bleibt er bei einer  Niederlage – oder geht er wieder zur&#252;ck nach Berlin?“ Die Nicht-Antwort auf diese Frage war der wahlentscheidende Fehler, weil jeder wusste: Er geht! F&#252;r R&#246;ttgen war das NRW-Schicksal nur Zwischenetappe zur Macht, ohne das den W&#228;hlern offen mitzuteilen. Seine Rolle als selbst &#252;berzeugter Taktierer fanden Zweidrittel der NRW-W&#228;hler ‚schlecht‘ f&#252;r die CDU. Mangelnde Glaubw&#252;rdigkeit: Nichts hassen die W&#228;hler in einer Zeit  gro&#223;er Verunsicherung mehr als Tricksereien, Unaufrichtigkeit, die Instrumentalisierung des W&#228;hlers zum Eigennutz. ‚Ich  bleibe‘ &#8211; das w&#228;r’s gewesen. Aber auch ein klares ‚Ich gehe‘ h&#228;tte NRW respektiert.</p>
<p>So aber wurde Schuldenabbau nie zum Thema, obwohl der hohe Schuldenstand 75 Prozent der B&#252;rger im Lande Angst macht. Noch vor zwei Jahren dominierte die CDU in den meisten Kompetenzbereichen, auch weil damals noch die sehr popul&#228;ren Landespolitiker Laumann und  Laschet pr&#228;sent waren. Diesmal hielten sich alle Rivalen wegen der sich abzeichnenden Niederlage auff&#228;llig zur&#252;ck. Die Quittung: Noch nicht einmal bei ihrem Winner-Thema Schulden konnte die CDU punkten: 28 Prozent der Nordrhein-Westfalen hielten die SPD f&#252;r kompetenter, die Verschuldung in den Griff zu bekommen: Nur 25 Prozent die CDU! Bei Schule/Bildung waren beide Parteien 2010 noch auf Augenh&#246;he, nun dominierte die SPD mit 40:27 Prozent. Auch beim Problembereich ‚Arbeitsmarkt‘ lagen die Genossen mit 39:34 vorne. Nur in der Wirtschaftspolitik konnte sich die R&#246;ttgen-CDU knapp mit 37:33 behaupten. Dennoch: Der Kandidat blieb fremd im eigenen Land: Nur f&#252;r jeden dritten NRW-W&#228;hler versteht R&#246;ttgen die hiesigen Probleme.</p>
<p>Wie viel b&#252;rgern&#228;her war da Hannelore Kraft: Ganz nah dran an den Sorgen der Menschen, die NRW-Versteherin, „eine von uns“, die auch im Knochenjob Ministerpr&#228;sidentin einer Minderheitenregierung die blieb, die die W&#228;hler wollten: Die Landesmutter. Kraft erwies sich als Meisterin des entpolarisierten Wahlkampfes. Ihr einziges Projekt, die ‚Enthartzung‘ der Schr&#246;derschen Agenda, k&#246;nnte nun zum wegweisenden Ansatz f&#252;r die SPD im Wahlkampf 2013 werden. Herz schl&#228;gt Hirn! Besonders bei den &#252;ber 60-J&#228;hrigen, bei denen die CDU 30 Prozent ihrer W&#228;hler von 2010 verlor.</p>
<p>Nat&#252;rlich kamen der K&#252;mmerer-Ikone aus dem Ruhrgebiet Konjunktur und Zeitgeist zugute: Nur drei Zusatzmilliarden Schulden musste sie wegen guter Wirtschaftslage aufnehmen. Und da sich das Wissen weltweit inzwischen alle f&#252;nf Jahre verdoppelt und damit kein W&#228;hler mehr politische Entscheidungen als richtig oder falsch einsch&#228;tzen kann, haben Vertrauen, Offenheit und Glaubw&#252;rdigkeit l&#228;ngst Kompetenz als wichtigste Politikereigenschaft abgel&#246;st. Was ist der richtige Weg, die Landesschulden langfristig abzubauen? Weshalb nicht die von Kraft propagierte ‚vorsorgende Finanzpolitik‘, die jetzt zwar viel Geld in Bildung und Soziales investiert, langfristig aber – so Krafts Theorie – NRW viel Geld f&#252;r dann nicht notwendige Sozialausgaben spart? Die ‚gute‘ Landesmutter Kraft f&#246;rdert und f&#246;rdert und f&#246;rdert, und macht damit eine Politik des ‚Allen Gutes tun‘ zur Staatsdoktrin. Geben ist seliger als nehmen, da fiel kaum auf, dass Kraft in den kommenden f&#252;nf Jahren vor einem Dilemma steht: Einhaltung der Schuldenbremse und gleichzeitig Wahrung ihrer (finanziellen) Wohltaten. Wer versteht NRW? Dreiviertel sagen Kraft, nur 25 Prozent R&#246;ttgen. Wer steht f&#252;r soziale Gerechtigkeit? Selten war der Vorsprung eines Kandidaten mit 58:18 gr&#246;&#223;er als der von Kraft in NRW! 75 Prozent waren mit Krafts Politik zufrieden, derzeitiger Spitzenwert unter den Ministerpr&#228;sidenten!</p>
<p>60 Prozent w&#252;nschten sich mit steigender Tendenz Kraft als Ministerpr&#228;sidentin, nur 30 Prozent R&#246;ttgen. Noch katastrophaler das Imageprofil des Bonner Juristen: B&#252;rgern&#228;he? 64 Prozent ordneten diese Kraft zu, nur 14 R&#246;ttgen. Bei ‚Sympathie‘ betrug Krafts Vorsprung 63:22. Und bei ‚Glaubw&#252;rdigkeit‘ dominierte die Ministerpr&#228;sidentin mit 53:18, soweit voraus wie selten ein Politiker. Immerhin hatte Kraft da Wort gehalten, wo es dem Land besonders viel kostete: Studiengeb&#252;hren abgeschafft, Elternbeitrag f&#252;r’s dritte Kindergartenjahr abgeschafft, ohne dass die offene Flanke ‚Finanzpolitik‘ auffiel.</p>
<p>Was f&#252;r ein Kontrast war da Christian Lindner, Hoffnungstr&#228;ger der ‚neuen‘ FDP, der die W&#228;hler mit etwas f&#252;r Politiker v&#246;llig Unbekanntem &#252;berraschte: Mit Prinzipientreue! Also mit einer NRW-FDP, die Gemeinwohl und &#220;berzeugung &#252;ber P&#246;stchen und Eigennutz stellte. Ausgerechnet zur Zeit ihrer Zwei-Prozent-Bodenbildung lie&#223; sie die Koalition wegen ihrer Verschuldungspolitik platzen. Das brachte der FDP Glaubw&#252;rdigkeit und B&#252;rgern&#228;he zur&#252;ck und mit 8,6 Prozent den Wiedereinzug in den NRW-Landtag. Und Lindner zus&#228;tzlich den Ruf des ‚Magiers f&#252;r die ganz besonderen Aufgaben‘. Selten konnte ein Politiker schneller und st&#228;rker verdeutlichen, dass Grundsatzpositionen und Haushaltskonsolidierung erfolgreich sein k&#246;nnen. Gerade f&#252;r entt&#228;uschte CDU-W&#228;hler wurde Ordnungspolitik-Ikone Lindner interessant, die so ihren Frust &#252;ber den verschlafenden CDU-Wahlkampf in NRW durch FDP-Wahl loswerden konnten. Jeweils 10 Prozent der CDU-W&#228;hler von 2010 votierten diesmal f&#252;r FDP und SPD.</p>
<p>F&#252;r eine Mehrheit der NRW-W&#228;hler steht Lindner f&#252;r die ‚neue‘ FDP, wird der neue FDP-‚Star‘ die Bundes-FDP entscheidend ver&#228;ndern. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun: Denn ausgerechnet in der Vorwahlwoche fielen die Liberalen in der <em>Emnid Sonntagsfrage</em> bundesweit wieder auf vier Prozent zur&#252;ck. An Kubicki und Lindner, den Architekten der FDP-Renaissance, f&#252;hrt nun auch auf Bundesebene kein Weg vorbei.</p>
<p>Im Gegensatz dazu ging es f&#252;r die Gr&#252;nen bergab. Vor einem Jahr lagen sie noch bei 20, nun nur noch bei 11,3 Prozent. Weil politische Erfolge &#252;berfl&#252;ssig machen, wurden die Gr&#252;nen Opfer ihrer eigenen Erfolge: Studiengeb&#252;hren abgeschafft, Nichtraucherschutz gest&#228;rkt, in der Energiepolitik Recht behalten, Schulfriede erreicht. Und doch blieben sie nur SPD-Anh&#228;ngsel, weil sie keine alternative Machtoption aufweisen konnten, immer &#228;lter werden und f&#252;r viele zum politischen Establishment geh&#246;ren. Aktuell haben die Gr&#252;nen im Grunde keine politischen Visionen mehr und sind damit weder jugendlich noch Protestpartei.</p>
<p>Dagegen bekamen die Linken nun auch in NRW mit 2,4 Prozent die Quittung f&#252;r ihr desastr&#246;ses Erscheinungsbild. Grund der herben Verluste war ein zweiseitiger Angriff ihrer W&#228;hler: Sie verlor fast ein Viertel an die ‚enthartzte‘ SPD und etwa gleich viele ‚Protestw&#228;hler‘ an die Piraten.</p>
<p>Die NRW-Wahl wird die politische Konfrontation bis zur Bundestagwahl in 16 Monaten brutal ver&#228;ndern. Weil die SPD nun ein Thema gefunden hat, das ihr offensichtlich neuen Schub verleiht: <strong>Hannelore Hollande</strong>, die dem ihrer Meinung nach rabiaten und konjunktursch&#228;dlichen Sparkurs nun die mitf&#252;hlende Unterst&#252;tzungspolitik gegen&#252;berstellt. Was Investitionen in Bildung und Soziales kosten, wird investiert bzw. den Reichen genommen. Haushalts-Konsolidierung dauert dann eben etwas l&#228;nger. Wodurch einerseits der Schuldenstaat seine b&#246;se Fratze verliert, andererseits Hannelore Kraft sich dann wahrscheinlich nicht mehr darum k&#252;mmern muss.</p>
<p>Nachdem Torsten Albigs &#8211; im Vergleich zu Kraft rigoroser &#8211; Sparkurs in Schleswig-Holstein nur m&#228;&#223;igen Erfolg zeitigte, gewann Sparaufschieberin Kraft deutlich hinzu. Der Erfolg fragt nicht nach Argumenten. Also wird die SPD nun wohl den Mut zum mitf&#252;hlenden Haushalt à la Hollande finden. Und wer die SPD zum ersten Mal seit 12 Jahren wieder zur st&#228;rksten Partei macht, der wird nicht verhindern k&#246;nnen, als potentieller Kanzlerkandidat ausgerufen zu werden. Kraft wird dieser Verlockung widerstehen, zumal ihr h&#246;here Weihen nur vier von 10 Deutschen zutrauen.
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		<title>Der neue Trend: Muss- statt Wunschkoalition</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 13:03:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[F&#252;r klare Mehrheitsverh&#228;ltnisse ist Schleswig-Holstein l&#228;ngst nicht mehr  bekannt. Seit Sonntag  bringen zus&#228;tzliche 8,2 Prozent Piraten–W&#228;hler die Koalitions-Restsicherheit vollends durcheinander.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Landtagswahl zwischen Nord- und Ostsee gibt einen Vorgeschmack einerseits auf Koalitionsbildungen im Sechs-Parteien-Deutschland: Stabile Mehrheiten? Fast unm&#246;glich! Und auf die unglaubliche Volatilit&#228;t der W&#228;hler: Aus 1,2 Prozent an der Saar sind in Monatsfrist  8,2 Prozent f&#252;r die FDP im Norden geworden.</p>
<p>Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein wirft perspektivisch mehr Fragen auf als Erkenntnisse ab: Ist die Union ohne strategischen  Partner? Hat die FDP ihre Krise &#252;berwunden? Sind die Gr&#252;nen wieder auf Normalma&#223; geschrumpft? Haben die Piraten bereits ihren Zenit &#252;berschritten? Ist die Linke wieder zur Ostpartei degradiert? Und: Bleibt die SPD die Nummer zwei? R&#252;ckschl&#252;sse der Landtagswahl auf den Bund bleiben Sp&#246;kenkiekerei.</p>
<p>Sieben Jahre nach dem Simonis-Debakel und drei nach dem krachenden Ende einer v&#246;llig zerstrittenen Gro&#223;en Koalition werden Regierungsoptionen immer ungewisser, da beide Gro&#223;e zusammen nur noch knapp &#252;ber 60 Prozent verf&#252;gen: Die CDU verlor, auch wegen ihres spr&#246;den Kandidaten de Jager, und die SPD verfehlte das von Spitzenkandidat Albig anvisierte Ziel von 40+x  mit 30,4 Prozent meilenweit.</p>
<p>Obwohl die Rahmenbedingungen f&#252;r die SPD au&#223;erordentlich g&#252;nstig waren: Ziemlich perfekt passte bei ihr das Good guy/Bad guy-Prinzip: Albig als Wohlf&#252;hl-Landesvater, SPD-Partei- und Fraktionschef Stegner als Wadenbei&#223;er, weil beide ehemaligen Konkurrenten um die Spitzenkandidatur exzellent miteinander den linken und rechten Parteifl&#252;gel bes&#228;nftigten, ohne sich gegenseitig zu besch&#228;digen. Albigs dadurch verbreitete Siegeszuversicht, nachdem er vor zwei Jahren das Kieler Rathaus klar eroberte, erzeugte die wichtige Wechselstimmung: 52 Prozent w&#252;nschten sich eine von der SPD, nur 31 eine von der CDU gef&#252;hrte Landesregierung.  Und schlie&#223;lich sprach die Masse der Koalitionsoptionen f&#252;r die SPD: Wir &#8211; so deren Botschaft &#8211; regieren im Gegensatz zur CDU auf jeden Fall: Am liebsten mit den Gr&#252;nen, f&#252;r 52 Prozent der W&#228;hler die pr&#228;ferierte Koalition, zur Not aber auch noch mit den 4,5 Prozent der d&#228;nischen Minderheitspartei SSW, f&#252;r die traditionsgem&#228;&#223; keine F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde gilt, deren Steigb&#252;gelhalterrolle allerdings nur von einer Minderheit  auch in der SPD gesch&#228;tzt wird. Zu gut noch ist den W&#228;hlern die 2005 geplante SSW-Duldung von Rot-Gr&#252;n in Erinnerung, die mit der Abwahl Heide Simonis‘ grandios scheiterte. Andererseits meistert Albig als Kieler Oberb&#252;rgermeister gerade dieses B&#252;ndnis, zudem noch ziemlich ger&#228;uschlos.</p>
<p>Deutlich schlechter die Ausgangslage der CDU, die &#8211; wie &#252;blich &#8211; nicht die Themenhoheit gewann. W&#228;hrend z.B. CDU-Spitzenkandidat  R&#246;ttgen in NRW dadurch in die Glaubw&#252;rdigkeitsfalle kam, sich bei einer Niederlage nicht zum Verbleib in D&#252;sseldorf zu bekennen,  spielte die Zukunft von Torsten Albig keine Rolle. Der Zugereiste durfte mit &#8216;Mein Lieblingsland&#8217; werben, konnte thematisch unklar bleiben und mit Pathos und Plattit&#252;den trotz aller Landesproblemen wahlwirksame Wohlf&#252;hlstimmung  verbreiten. Der Ministerpr&#228;sidentenbonus war die Folge: Nur 30 Prozent wollten Jost de Jager von der CDU, 51 Prozent hingegen Albig als zuk&#252;nftigen Ministerpr&#228;sidenten. Nicht Schleswig-Holsteins Urgestein, sondern der  SPD-Herausforderer aus Westfalen war der gesp&#252;rte Nachfolger des bodennahen  Ministerpr&#228;sidenten Peter Harry Carstensen, der zu wenig daf&#252;r tat, seinen Amtsbonus auf de Jager zu transferieren.</p>
<p>Der CDU unterlief im Endspurt auch der Fehler, nicht zu beachten, dass die W&#228;hler 25 Jahre lang politische Dramen zu &#252;berstehen hatten: Nach den ‚F&#228;llen‘ Barschel und Engholm, zuletzt nach dem grausame Ende von Schwarz-Rot 2009 sind sie besonders harmoniebed&#252;rftig. So dass die CDU-Stimmungsmache gegen die ‚D&#228;nen-Ampel‘ mit der vermeintlichen  Steigb&#252;gelhalterpartei SSW vor allem als Wut &#252;ber eigene fehlende Machtoptionen gesehen wurde. Damit aber untergrub sie die anerkannte Harmoniepolitik von Landesvater Carstensen und  fiel  wieder in die unangenehme alte Rolle der Angst- und Machtpartei zur&#252;ck. Dies schadete vor allem Jost de Jager, dem selbst ernannten &#8216;Substanz-Politiker&#8217;, dem auch nach Eindruck der W&#228;hler ein Wadenbei&#223;er-Wahlkampf  nicht  wirklich liegt.  Nicht authentisches Agieren, zumal auf dem R&#252;cken der seit 15 Jahren im Landtag  respektierten SSW-Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk, bescherten der CDU ein Mobilisierungsproblem: ca. zehn Prozent ihrer W&#228;hler 2009 gingen diesmal nicht zur Wahl.</p>
<p>Der nach der Demission von Christian von Boetticher kurzfristig als neuer Hoffnungstr&#228;ger inthronisierte CDU-Wirtschaftsminister de Jager &#252;bersah zudem, dass in einer immer komplexeren Welt nicht Kompetenz und Programm Wahlen entscheiden, sondern B&#252;rgern&#228;he, K&#252;mmern und &#8216;Ich bin einer von Euch&#8217;-Stimmung die entscheidenden Stimmen liefern. In weiser Voraussicht  hatte Kanzlerin Merkel den scheidenden Carstensen, den wohl der beliebteste Nord-MP aller Zeiten, zur erneuten Wahl bewegen wollen. So aber wurde gerade bei den &#8216;weichen Werten&#8217;  der Unterschied zum  Nachfolgekandidaten besonders deutlich, so dass in der Koalitionsfrage die &#8216;Gro&#223;e&#8217; erst an dritter Stelle mit 39 Prozent vor Schlusslicht  Schwarzgelb mit 26 Prozent gew&#252;nscht wurde.</p>
<p>Das politische Meisterst&#252;ck 2012 gelang dagegen Wolfgang Kubicki. Siebenfach mehr W&#228;hler als vor Monatsfrist an der Saar machten Kubicki zum bundesweiten Hoffnungstr&#228;ger der Liberalen, gaben eine Steilvorlage f&#252;r NRW. Und nahmen R&#246;sler aus der Schusslinie. War das die Initialz&#252;ndung  einer liberalen Renaissance im Bund? 8,2 Prozent waren vor allem Kubicki-Lob! Sein f&#252;nfter Wahlkampf als FDP-Spitze war sein genialster, weil er es schaffte, 63 Prozent der W&#228;hler zu verdeutlichen, dass die Landes-FDP nichts mit der im Bund gemein hat. Die Liberalen wurden in Schleswig-Holstein fast ausschlie&#223;lich mit dem streitbaren, extrovertierten, kommunikativen  &#8216;Kommando-Kubicki&#8217; in Verbindung gebracht. Sein Mut imponierte, seine Taktik brillierte, weil es dem Nord-Rebellen sogar gelang, rhetorisch geschickt das gr&#246;&#223;te Hindernis respektablen W&#228;hlerzuspruchs, mangelnde Machtoptionen, aus dem Wege zu r&#228;umen: &#8216;Jamaika im Norden&#8217; &#252;berzeugte die Schleswig-Holsteiner nicht nur wetterm&#228;&#223;ig. Die FDP k&#246;nnte sich sogar im Landtag wiederfinden, dann mit einem Finanzminister Kubicki.</p>
<p>In der Realit&#228;t sind dagegen die Gr&#252;nen angekommen. Trotz ihres jugendlich wirkende Spitzenkandidaten Robert Habeck verlor die Partei das Signet der f&#252;r Protestw&#228;hler attraktiven &#8216;Alternativen&#8217;. Zudem fehlten wie im Bund gr&#252;ne Themen: Andere von ihren Ideen &#252;berzeugt zu haben macht sie f&#252;r viele &#252;berfl&#252;ssig.</p>
<p>Ein Fehler war nach dem desolaten Ergebnis von Schwarz-Gr&#252;n im benachbarten Hamburg deren Anb&#228;ndelungen an die CDU, die vor allem linke Gr&#252;ne zu den Piraten trieb. Zu ihnen, deren Oberpiratin ausgerechnet die fr&#252;here Gr&#252;ne Angelika Beer ist,  ist jeder vierte Gr&#252;ne 2009 gewechselt. Neben bescheidenen Zuw&#228;chsen aus CDU, SPD und FDP holten die Enterer ein Viertel ihrer W&#228;hler von den Nichtw&#228;hlern, was trotzdem nichts an der bisher niedrigsten Wahlbeteiligung von 60,1 &#228;nderte. Dennoch haben die Piraten wohl &#228;hnlich wie im Bund ihren Zenit &#252;berschritten. F&#252;r Jux, Unkenntnis, Inkompetenz und mangelnde Verantwortungs&#252;bernahme sind die Zeiten dann doch wohl zu ernst. &#196;hnlich f&#252;r die wieder mit 2,1 Prozent zur Ost-Partei geschrumpften Linken, deren Ruf nach Oskar jetzt lauter wird.</p>
<p>Nach der Wahl beginnt die Qual: Denn was die Piraten auf jeden Fall erreicht haben‚ sind &#8216;Alles ist m&#246;glich&#8217;-Verh&#228;ltnisse. 8,2 Prozent vermasselten Rot-Gr&#252;n den Durchmarsch zur Macht, Schwarz-Gelb die Neuauflage  und  bescheren Schleswig-Holstein wom&#246;glich eine ‚D&#228;nenampel‘, die nur jeder Dritte, auch Mehrheiten innerhalb der SPD, so nicht &#8216;in Ordnung&#8217; finden. Wunschkoalitionen – so die Lehre aus Schleswig-Holstein – sind die Ausnahme, Muss-Koalitionen werden zur Regel.
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		<title>Bleiben die Piraten an Bord?</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 09:57:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei zieht vor allem Nichtw&#228;hler an, und sie differenziert das linke Milieu weiter aus. F&#252;r die etablierten Parteien bedeutet dies zun&#228;chst weniger Koalitionsoptionen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Frage: ‚Kann man die eigentlich w&#228;hlen‘? stellt sich nicht mehr, seitdem die Piraten mit dem Saarland nun auch Fl&#228;chenl&#228;nder entern. Das eindeutige ‘Ja‘! ist dabei weniger aufregend als die Konsequenzen: Dass ausgerechnet Politrebellen sich nun anschicken, das deutsche Parteiensystem vorerst mal geh&#246;rig durcheinander zu r&#252;tteln!</p>
<p>Denn mit den aktuellen sieben Prozent in der bundesweiten Emnid-Sonntagsfrage erh&#246;hen die Piraten den Anteil der W&#228;hler, der nicht koalitionsf&#228;hige Parteien w&#228;hlt, auf ca. 20 Prozent. Von seltenen F&#228;llen wie Bayern, Sachsen, evtl. auch NRW abgesehen, werden Mehrheiten bald unberechenbar, oder die Gro&#223;en einigen sich sofort auf die oft einzig verbleibende stabile Koalition: Schwarz/Rot. Die etablierten Kleinen werden durch die gro&#223; werdenden Piraten zumeist auf den Status ‚oppositionelles Beiwerk‘ zur&#252;ckgestutzt.</p>
<p>Das Ph&#228;nomen ‘Pirat‘ wurde im Grunde lange erwartet: Weil es in einer sich stark fragmentierenden Gesellschaft (‚Jeder hat seine Welt‘) kein eindeutiges ‘richtig‘ oder ‚falsch‘ mehr gibt und politische Rituale kaum mehr ernst genommen werden, reduziert sich die Macht der Autorit&#228;ten. Unzufriedene, Exoten und Basisdemokraten haben an deren Stelle Konjunktur: Mitdenken &#8211; Mitreden &#8211; Mitbestimmen ist ihre Marschroute, fast egal, was ‚hinten herauskommt‘, Hauptsache:  alle twittern mit. Und weil das Internet  einen gro&#223;en Transparenzschub ausl&#246;st, geh&#246;rt alles an die &#214;ffentlichkeit – und nichts mehr in die Hinterzimmer des Entscheider-Establishments.</p>
<p>Die Abkehr vom Etablierten macht die Piraten vor allem f&#252;r die Polit-Frustrierten interessant. Ihren gr&#246;&#223;ten W&#228;hleranteil rekrutieren sie folgerichtig aus den Nicht-W&#228;hlern, von denen derzeit fast jeder Vierte ‚orange‘ w&#228;hlen w&#252;rde. Unter den Links-, Gr&#252;n- und FDP-W&#228;hlern vom Herbst 2009 ist es etwa jeder Zehnte. Wenig attraktiv sind die Netzaktivisten dagegen f&#252;r die Gro&#223;en: Nur drei Prozent der SPD- und weniger als zwei Prozent der damaligen Union-W&#228;hler gehen derzeit an die Piraten verloren. Klammheimlicher  Sieger der Piraterie ist also CDU/CSU, weil sie relativ ungeschoren bleibt, sich das konkurrierende linke Lager dagegen weiter zersplittert.</p>
<p>Im Gegensatz zu den fr&#252;heren Gr&#252;nen, die in ihren Kinderschuhzeiten haupts&#228;chlich j&#252;ngere &#214;ko-Aktivisten ansprachen, sind die Piraten in allen Schichten der Parteiverdrossenen zu finden. Im Grunde sind sie eine ‚Partei der Mitte‘: Besonders h&#228;ufig unter den 30- bis 44-J&#228;hrigen, M&#228;nnern, Berufst&#228;tigen mittlerer Einkommen sowie mittlerer Bildungsabschl&#252;sse zu finden. Weil Staat und Gesellschaft  gerade von diesen B&#252;rgern am meisten fordern und ihnen am wenigsten geben, sind hier Politfrust und Abkehr vom etablierten Systemen besonders gro&#223;.</p>
<p>Dennoch ist eine Piraten-Karriere nach gr&#252;nem Muster noch ein weiter Weg: Den Praxistest m&#252;ssen die Politrevoluzzer erst noch bestehen. Denn Charme und Authentizit&#228;tsbewunderung halten nur eine beschr&#228;nkte Zeit.  Auch die Piraten m&#252;ssen sich die Frage: ‚Wof&#252;r stehen die eigentlich‘? gefallen lassen, m&#252;ssen was bewegen, m&#252;ssen liefern. Zudem kann das gro&#223;e Experiment maximaler Transparenz leicht in Widerspruch, Entscheidungslethargie  und Nichtverantwortung enden, wenn alle mitentscheiden – und ‚keiner es gewesen ist‘. Weitere Gefahren drohen durch ein m&#246;gliches ‚Sprechblasenparteiprogramm‘. Und wenn die ungez&#252;gelten Netzaktivit&#228;ten im ultimativen Frustmotiv, der innerparteilichen Zerstrittenheit, enden.</p>
<p>Schon in Schleswig-Holstein, erst recht am 13. Mai in NRW, erfolgt der richtige Praxistest, die vorl&#228;ufige Entscheidung &#252;ber das ‚Delete‘ oder ‚Enter’ der Piratenkarriere:  Dann n&#228;mlich, wenn in einem Lagerwahlkampf jede Stimme z&#228;hlt.
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		<title>27. M&#228;rz: Die Wende zum Wahlsieg der Union?</title>
		<link>http://carta.info/39649/27-marz-die-wende-zum-wahlsieg-der-union/</link>
		<comments>http://carta.info/39649/27-marz-die-wende-zum-wahlsieg-der-union/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Apr 2011 18:33:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Bundestagswahl 2013]]></category>

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		<description><![CDATA[69 Prozent der W&#228;hler erwarten derzeit, dass Rot-Gr&#252;n die n&#228;chste Bundestagswahl gewinnen wird. Doch 'gr&#252;ne' Meinungsklima k&#246;nnte vor&#252;bergehen, wenn der W&#228;hler egoistisch wieder auf die Kosten schaut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>So schnell kann es gehen: Nach Baden-W&#252;rttemberg ist urpl&#246;tzlich Rot-Gr&#252;n die Lieblingskoalition der Deutschen. Weit vor dem bisherigen Favoriten Schwarz-Rot. 69 Prozent der Deutschen erwarten sogar SPD und Gr&#252;ne als Bundestagswahlsieger 2013. Vor sechs Monaten waren es 33 Prozent: Nun ist also nach Meinung der Deutschen das gr&#252;ne Zeitalter angebrochen!</p>
<p>Wenn sich die W&#228;hler da mal nicht &#252;ber sich selbst t&#228;uschen. Wahrscheinlicher ist, dass der 27. M&#228;rz die Wende zum Wahlsieg 2013 f&#252;r CDU/CSU war.</p>
<p>Etwa 300 Wochen umfasst eine Legislaturperiode. Mit dem Zusammentreffen des Atomhorrors und der &#8211; wie 70 Prozent es sahen – nur der Wahltaktik geschuldeten Volte in der Atompolitik, fand die Wahl in der Woche mit dem ‚gr&#252;nsten’ Meinungsklima statt. Angst war bislang zwar immer ein guter Wahlgewinner, meist jedoch ein schlechter Politikgestalter.</p>
<p>Weil Emotionalit&#228;t als Wahlentscheid schnell durch Ratio, also pers&#246;nliche Vorteile, abgel&#246;st wird und der Reiz vordergr&#252;ndiger Attraktivit&#228;t schnell wieder verfliegt, wenn erst der Verstand einsetzt, bekommen die Gr&#252;nen bald ein Problem mit W&#228;hlern, die nie volatiler, nie emotionaler, nie egozentrischer waren. Wie zuletzt die FDP.</p>
<p>Gr&#252;n muss sich bald dem Stresstest vor dem W&#228;hler unterziehen, der f&#252;r sie wenig Gutes erwarten l&#228;sst. „Verteuert sich Ihr Leben durch gr&#252;nere Politik“? 70 Prozent der Deutschen bef&#252;rchteten „Ja“. Etwa die H&#228;lfte w&#228;re bereit, mehr daf&#252;r aufzubringen, die andere will die Gr&#252;nwende, wenn &#252;berhaupt ohne Zusatzkosten. </p>
<p>Mehrere Fakten lassen ein dauerhaftes Erfolgsmodell „Gr&#252;n“ zweifelhaft erscheinen:</p>
<p><strong>1. Die Kosten</strong></p>
<p>Weil zwei Drittel der W&#228;hler inzwischen ohnehin mit Einkommensverlusten rechnen, wird die Lust auf „teures Gr&#252;n“ schnell abnehmen. Nur eine Minderheit ist bereit, f&#252;r eine Ausweitung des „gr&#252;nen Stroms“ h&#246;here Energiekosten zu tragen. Zudem bef&#252;rchten sie, dass Abgaben, Sozialversicherungen, Benzin und Lebensmittel noch teurer werden.</p>
<p><strong>2. Die Unehrlichkeit</strong></p>
<p>Drei Viertel der W&#228;hler kritisieren, dass hinter der Grenze noch gr&#246;&#223;ere Atomgefahren lauern. Viele W&#228;hler bef&#252;rchten auch, dass der Ausstieg Arbeitspl&#228;tze kosten und die Wettbewerbsf&#228;higkeit durch hohe Energiekosten gef&#228;hrden k&#246;nnte. Auch bef&#252;rchten sie steigende Nahrungspreise durch Bio-Kraftstoffe.</p>
<p><strong>3. Unser Landschaftsbild</strong></p>
<p>Deutschland wird ein anderes Land, wenn Kollektoren, &#220;berleitungstrassen, Windparks und Monokulturen die Landschaft pr&#228;gen. Schon heute beklagen sich mehr als 50 Prozent der W&#228;hler &#252;ber die „Verspargelung“ der Landschaft durch Windr&#228;der.</p>
<p><strong>4. Die Arroganz des &#8220;So nicht&#8221;</strong></p>
<p>Der Wunsch, dass bei zentralen Aufgaben &#252;ber Parteigrenzen hinweg zusammengearbeitet wird, ist bei den tief verunsicherten W&#228;hlern ungebrochen. Es ist aber fraglich, ob ein J&#252;rgen Trittin oder ein Sigmar Gabriel aus der &#8220;So nicht&#8221;-Ecke heraufinden.</p>
<p>Zudem hat der Erfolg den Gr&#252;nen v&#246;llig neue W&#228;hler zugesp&#252;lt. Nicht mehr Gr&#252;ne aus Leidenschaft, sondern aus politischem Kalk&#252;l, die aus fast allen politischen Lagern kommen und nun konkrete Ziele haben, die die Gr&#252;nen nur schwer bedienen k&#246;nnen. Weil EU–Recht, Vertr&#228;ge, Bundesrat oder Finanzen dagegen sprechen. Politische Freiheitsgrade sind in Deutschland ausgesprochen eingeschr&#228;nkt.</p>
<p>Das gr&#246;&#223;te Manko der Gr&#252;nen jedoch ist eine demoskopische Sensation: Sie konnte zwar ihren W&#228;hlerstamm verdoppeln, ohne jedoch an Kompetenz hinzuzugewinnen: Die Gr&#252;nen „k&#246;nnen nur Umwelt, sonst kaum etwas“, attestieren ihnen 68 Prozent der W&#228;hler. Gerade noch 28 Prozent sehen Energiekompetenz. Bei sozialer Gerechtigkeit, Bildung, Wirtschaft und Au&#223;enpolitik liegen sie nur noch zwischen neun und vier, bei Arbeitsmarkt und innerer Sicherheit um drei Prozent.</p>
<p>Was passiert, wenn wir in die n&#228;chste Rezession geraten?  „Da bin ich echt &#252;berfragt“ &#8211; die sympathische Offenheit Winfried Kretschmanns ist da keine L&#246;sung.</p>
<p>Der Gegenentwurf, mit dem sich die Union profilieren k&#246;nnte, w&#228;re eine Ausgewogenheit: Eine Balance zwischen Wirtschaft und B&#252;rgern. Eine Balance zwischen neuem, gr&#252;nem Bewahren und dem Veto vor allzu viel Grottenmolchbehinderung.</p>
<p>Wenn sich die Union dazu durchringen k&#246;nnte, mehr partizipative Elemente in ihre parteiinterne Willensbildung aufzunehmen, wenn sie im Gegensatz zu Hamburg oder Baden-W&#252;rttemberg wahltaugliche Kandidaten aufstellen w&#252;rde und wenn sie Innovationsfreudigkeit mit Traditionalismus zu verbinden vermochte, k&#246;nnte sie wirkungsvoll ihre Zukunftskompetenz nachweisen.</p>
<p>„What goes up – must come down!” Diese politische Regel Nummer eins gilt f&#252;r Barack Obama, also auch f&#252;r die Gr&#252;nen. Das Risiko f&#252;r die Union besteht eher darin, dass der gr&#252;ne Abgesang in Hinblick auf die Bundestagswahl 2013 viel zu schnell gehen k&#246;nnte&#8230;
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		<title>Ist die deutsche „Tea-Party“ im Anzug?</title>
		<link>http://carta.info/33568/ist-die-deutsche-tea-party-im-anzug/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Sep 2010 10:13:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsumfragen]]></category>
		<category><![CDATA[Thilo Sarrazin]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Integrationsdebatte spaltet derzeit die Deutschen so intensiv, weil sie das grundlegende Unwohlsein vor allem der eher konservativen Kreise symbolisiert: Es geht um die immer weiter auseinanderklaffende Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/de4b749be279482baf19f2ff8f5c15ef" alt="" width="1" height="1" />Deutschland streitet wie selten. Doch die aktuelle Aufgeregtheit ist wahrscheinlich nicht nur dem Spalterthema „Migration“ geschuldet: Es tut sich grunds&#228;tzlich etwas im Meinungsklima der Bundesrepublik. Die Integrationsdebatte spaltet derzeit die Deutschen so intensiv, weil sie das grundlegende Unwohlsein vor allem der eher konservativen Kreise symbolisiert: Es geht um die immer weiter auseinanderklaffende Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Es geht um ein Diktat, das immer mehr Deutschen suspekt vorkommt: Das Diktat des Staates. Es geht um das Diktat der „Gutmenschen“.</p>
<p>Die von Thilo Sarrazin angesto&#223;ene Migrationsdebatte k&#246;nnte die Politik in Deutschland gleich doppelt ver&#228;ndern. Und zwar grundlegend.</p>
<p>Die entscheidenden Fragen: Nimmt die Union ihre W&#228;hler noch mit, oder tut sich etwas am rechten Parteifl&#252;gel, bildet sich da wohlm&#246;glich eine sechste Partei?</p>
<p>Die zweite: Unterwerfen sich die Deutschen weiterhin dem Diktat des W&#252;nschenswerten – und verlieren sie dabei den Sinn f&#252;r das Reale immer mehr aus den Augen? Oder trauen sich nun immer mehr, auch dort offene Aussprache zu fordern, wo sie es bislang unter dem Diktat des politischen Mainstreams nicht wagten: N&#228;mlich das f&#252;r viele &#252;berbordende Sozial- und Reglementierungsdiktat in Frage zu stellen.</p>
<p>Gut m&#246;glich, dass das Thema Ausl&#228;nder nur der aktuelle Vorbote eine neuer Bewegung, der deutschen „Tea-Party“, ist. Die eine zu „gutmenschliche“ Politik, bei der sich der Staat in alles einmischt, ablehnt. Eine, die Leistung nicht mehr anerkennt, eine die zu wenig die „Geber“ – und zu viel die „Nehmer“ ber&#252;cksichtigt, eine die glaubt, man k&#246;nne immer mehr von den „Rechtschaffenden“ erwarten. Deutschland ist f&#252;r viele Unionsw&#228;hler ungerecht geworden.</p>
<p>Eine Partei, die „auch Leistung muss z&#228;hlen“ auf ihre Fahnen schreibt, h&#228;tte nach Umfragen ein Potential von ca. 20 Prozent.</p>
<p>Nie waren Unionsanh&#228;nger politisch heimatloser als derzeit: Fast ein Drittel ihrer W&#228;hler vom September 2009 w&#252;rde die CDU heute nicht wiederw&#228;hlen. Aber im Gegensatz zu fr&#252;her votieren die Abtr&#252;nnigen nicht mehr f&#252;r andere Parteien: Jeder f&#252;nfte CDU-W&#228;hler der letzten Bundestagswahl ist inzwischen ins Lager der Nichtw&#228;hlern gewechselt.</p>
<p>Ein Riesen-Vakuum ist da entstanden: In Scharen wissen Konservative heute nicht mehr, wer f&#252;r sie noch w&#228;hlbar ist. Die fast 20 Prozent Deutschen, die sich vorstellen k&#246;nnen, eine rechte Partei zu w&#228;hlen, wollen keine extrem rechte, keine fremdenfeindliche oder Protestpartei, sondern eine Partei rechts von der aktuellen „sozialdemokratisierten“ CDU. Eine Partei, die Friedrich Merz neben Ursula von der Leyen im Kampf um die beste Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik stellt, den „normalen“ Familien politische Anerkennung einr&#228;umt, f&#252;r die Energie nicht nur gr&#252;n ist, die in der Bildung auch Leistung f&#246;rdert, nach Tabak nicht auch noch das Bier verbietet – und in der Ausl&#228;nderpolitik die Sarrazinsche Forderung nach Bringschuld einklagt.</p>
<p>Die Union hat als gr&#246;&#223;te Volkspartei das politische Ziel der „Ambivalenz“, des gesunden Interessenausgleichs zwischen Geben und Nehmen zuungunsten ihrer Stammw&#228;hler verlassen, und wird nun daf&#252;r abgestraft. Das Geordnete, das Christliche, das Wertehaftige, die Leistung besitzen keine Lobby mehr. Die Union hat f&#252;r viele klammheimlich Abschied genommen vom konservativ-christlichen Markenkern: Deutschland ist f&#252;r viele Unionsw&#228;hler ungerecht zu Lasten der „Rechtschaffenden“ geworden.</p>
<p>Der aktuelle Streit um die Migration macht das deutlich: Auch Ausl&#228;nderpolitik ist ambivalent, sie sollte zu gleichen Teilen f&#246;rdern wie fordern. 70 Prozent das so nicht gegeben: Migranten werden nach B&#252;rgeransicht vom Staat weit besser behandelt, als viele andere Problemgruppen. Die Ausl&#228;nder seien eine der wenigen gesellschaftlichen Gruppen, um die sich Berlin zu viel k&#252;mmert: 45 Prozent sehen sie bevorzugt, bei Arbeitslosen und Arbeitern haben nur 10, bei Alleinerziehenden nur 12 Prozent diesen Eindruck.</p>
<p>Zu viel Laissez-faire, verbunden mit gro&#223;en Zukunfts&#228;ngsten &#8211; &#252;ber 80 Prozent der Deutschen erwarten f&#252;r sich trotz scheinbarem Wirtschaftsaufschwung eine mittelfristige Schlechterstellung &#8211; haben bereits zu einem Paradigmenwechsel in der gesellschaftlichen Einstellung zur Migration gef&#252;hrt: Noch vor zehn Jahren wollten wir vor allen die Ausl&#228;nder aufnehmen, die es ben&#246;tigten, heute mehrheitlich diejenigen, die <em>wir</em> ben&#246;tigen.</p>
<p>So k&#246;nnte die Integrationsdebatte zum Vorboten eines generellen Bewusstseins- und Artikulationswandels eher konservativer Kreise werden.  Einer, der auch die eigenen Interessen wahrgenommen haben will.</p>
<p><em>Klaus-Peter Sch&#246;ppner ist Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der TNS Emnid Politik- &amp; Sozialforschung GmbH.</em>
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		<title>Das „Jetzt-sind-wir-dran“-Problem der CDU</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 12:56:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwarz-Gelb]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Union schneidet in Umfragen so schlecht ab wie zuletzt bei der Spendenaff&#228;re und kaum jemand erwartet mehr, dass die Politik die Wirtschaft bestimmen kann. F&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung muss Politik in der Krise jedoch nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Verliert die CDU ihr wichtigstes Wahlmotiv "Wirtschaftskompetenz"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4f13941f916844d994e5cab9c5dcc48d" width="1" height="1" alt=""/>Normalerweise ist Krisenzeit CDU/CSU-Zeit. Die Union gilt als die Partei mit der deutlich besseren Kompetenz in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Und wurde bislang immer dann gerne gew&#228;hlt, wenn es Deutschland schlecht ging. Denn: In der Krise geht es ums &#220;berleben. In Boomzeiten um gerechtes Verteilen.</p>
<p>2010 ist alles anders: Der Beunruhigungspegel in der Bev&#246;lkerung &#252;berschreitet die nie dagewesene 90-Prozent-Marke, 85 Prozent erwarten eine dauerhafte Rezession. Kriegs-, Arbeitsplatz- und Inflationsangst hegen inzwischen fast 70 Prozent der Deutschen, sind pr&#228;sent wie nie zuvor. Und die Union liegt mit 31 Prozent in der Sonntagsfrage so schlecht wie seit der Spendenaff&#228;re im Jahre 2000 nicht mehr. Nur noch 66 Prozent ihrer (wenigen) W&#228;hler vom September 2009 w&#252;rden sie heute wiederw&#228;hlen, jeder f&#252;nfte – vornehmlich die eher rechten &#8211; ist inzwischen ins Lager der Nicht-W&#228;hler abgewandelt. Obwohl die SPD f&#252;r die meisten W&#228;hler keine wirkliche Alternative darstellt, ist sie von 23 auf 28 Prozent gestiegen. </p>
<p>Wieso ist das so? Weil Kompetenzzuschreibung bei der Wahlentscheidung nur noch wenig z&#228;hlt. Weil die Union ein h&#246;chst veraltertes Wirtschafts- und kein Arbeitsmarktprofil mehr hat. Weil sich das Bild von der „guten Wirtschaft“ grundlegend gewandelt hat. Und <strong>weil aus dem deutschen Gutmenschen in Zeiten einer dauerhaften Krise der „Jetzt-sind-wir-dran&#8221;-B&#252;rger geworden ist.</strong></p>
<p>Kompetenz unwichtig? Sp&#228;testens Banken- und Griechenlandkrise haben aus der Gestaltungs- das Feuerl&#246;scherprimat der Politik entwickelt. Und da stehen die Parteien ziemlich hilflos da. Fast jeder Zweite antwortet inzwischen „Keine von allen“ auf die Frage nach der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskompetenz. Nicht die Politik bestimmt die Wirtschaft, es ist genau umgekehrt: Die Multis dominieren! Die Regierung – so die Deutschen – ist nur noch gefordert, wenn Verluste sozialisiert werden sollen. 75 Prozent beklagen die „systemische Subventionitis“. Und gerade noch 19 Prozent erwarten, dass die Politik es schaffen k&#246;nnte, Bankenspekulationen zuk&#252;nftig zu verhindern.  </p>
<p>Kein Markenprofil? &#220;ber 70 Prozent der Deutschen sehen inzwischen f&#252;r sich keinerlei Ver&#228;nderungen, je nachdem, ob Union oder SPD den Kanzler stellt. Jeweils die eine H&#228;lfte ihrer W&#228;hler will die CDU st&#228;rken sozial-, die andere wirtschaftlich ausgerichtet haben. Und <strong>f&#252;r Zweidrittel der CDU-W&#228;hler geht mit Roland Koch der letzte profilierte Wirtschaftskopf.</strong> Noch 2005 wies die Arbeitsmarktkompetenz der CDU/CSU einen 13 Punkte Vorsprung auf, nun dominieren die Sozialdemokraten mit einem Vorsprung von acht Prozent. „Wof&#252;r steht die CDU?“ Die wenigsten sagen: „F&#252;r Wirtschaftskompetenz“. Und in der Qualit&#228;t ihres Krisenmanagements hat die SPD nun zum ersten Male mit der Union  gleichgezogen.</p>
<p>Ein anderes Wirtschaftsbild? Was „gute“ Wirtschaftpolitik ist, dar&#252;ber gibt es inzwischen einen grundlegenden Einstellungs­wandel unter den Deutschen! Nach „liberal“, das mit &#252;berm&#228;&#223;igen Freiheiten der Wirtschaft, ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitnehmern rabiat durchzusetzen, assoziiert wird, steht nun auch <strong>„Wirtschaftskompetenz“ auf der Liste wahlsch&#228;digender Begriffe</strong>. Weil Ludwig Erhards Wort nicht mehr gilt: Denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Besch&#228;ftigten l&#228;ngst nicht mehr gut. Wir sp&#252;ren <em>jobless growth</em>, also Wachstum ohne, schlimmer noch, auf Kosten von „normalen“ Arbeitspl&#228;tzen. „Gute“ Wirtschaftspolitik ist f&#252;r 75 Prozent, die Interessen der Unternehmen mit denen der Besch&#228;ftigten in Einklang zu bringen. Das aber kann die Union nicht mehr garantieren.</p>
<p>Jetzt-sind-wir-dran-Deutsche? Unsere Politik st&#252;tzt die anderen – und denkt an uns zuletzt. Nur noch 19 Prozent erwarten eine Kreditr&#252;ckzahlung der Griechen, die f&#252;r fast 80 Prozent allein die Schuld an ihrem Finanzfiasko tr&#228;gt. Nur 21 Prozent glauben an eine Beteiligung der Banken an den Schutzschildkosten. Daf&#252;r aber 70 Prozent, dass wir uns nicht mehr so viel wie unsere Eltern leisten k&#246;nnen, vor allem, weil wir unser Geld zu stark zweckentfremden. F&#252;r die gro&#223;e Mehrheit muss Politik im Zeitalter maroder Infrastruktur nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Und da ist nunmehr vor allem die SPD die Partei der B&#252;rgerinteressen. </p>
<p>Die Union ist dabei, ihr wichtigstes Wahlmotiv, ihr „Erhard-Profil“ – eben das der Partei der sozialen Marktwirtschaft – zu verlieren. Gutmensch sind wir gerne, doch nur, wenn wir uns das auch wirklich leisten k&#246;nnen.
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		<title>Was (leider) z&#228;hlt im NRW-Wahlkampf</title>
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		<pubDate>Tue, 04 May 2010 18:34:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Negative Campaigning“ ist auch in NRW zur Mutter aller Wahlkampfkonzepte geworden. „Negative Voting“ am 9. Mai wird wohl die Folge sein. – „Spalten statt Vers&#246;hnen“ ist scheinbar der Leitspruch des Wahlkampfs.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c689b59130534398b985cf76354bbf59" alt="" width="1" height="1" />Am 9. Mai w&#228;hlt das bev&#246;lkerungsreichste Bundesland Deutschlands ein neues Parlament. Zudem entscheiden die W&#228;hler &#252;ber die Handlungs(un)f&#228;higkeit der Bundesregierung, geht es in Nordrhein-Westfalen doch auch darum, ob Schwarz/Gelb best&#228;tigt wird und in Berlin durchregieren kann – oder ob eine andere Konstellation eine Blockademacht erh&#228;lt. Doch wer glaubt, die W&#228;hler wollten eine inhaltliche Auseinandersetzung, eine kritische Aufarbeitung der erster Regierung R&#252;ttgers oder eine Diskussion dar&#252;ber, was zuk&#252;nftig besser gemacht werden k&#246;nne, der sieht sich schwer get&#228;uscht.</p>
<p>Sponsoring, Spenden, Spekulationen &#252;ber ein m&#246;gliches Rot-Rot-Gr&#252;n und – in Umkehr von Johannes Raus gro&#223;em Leitsatz zu „Spalten statt Vers&#246;hnen“ – pers&#246;nliche Angriffe bestimmen den Wahlkampf und damit die Zukunft des Bundeslandes in den n&#228;chsten f&#252;nf Jahren.</p>
<p>„Negative Campaigning“ ist auch in NRW zur Mutter aller Wahlkampfkonzepte geworden. „Negative Voting“ am 9. Mai wird wohl die Folge sein.</p>
<p><strong>Vorbei die Zeit, als Wahlen in Deutschland noch nach Pers&#246;nlichkeiten oder nach Inhalten entschieden wurden.</strong> Die Zeit, als es um „Willy w&#228;hlen“ ging oder – auch bei uns – um Bill Clintons Motto: „It’s the economy, stupid!“, nur die Wirtschaft z&#228;hlt. – Also die Zeit, als es um K&#246;pfe und Konzepte ging.</p>
<p>Bei der skurrilen NRW-Wahl werden gespielte Entr&#252;stung, gerade jetzt ausgegrabene Aff&#228;rchen, Internet-Blogs, Diskreditierung des CDU/FDP-Personals, geschickte „Ihr-wollt-doch-wohl-nicht-etwa…“-Suggestion ein gewichtiges Wort mitreden. Fraglich nur wo? Beim Wahlentscheid, dann zugunsten der SPD. Oder bei der Wahlbeteiligung, wenn sich der Frust gegen alle richtet, dann zum Vorteil der CDU.</p>
<p>Dass es immer weniger um Inhalte, Argumente, Programme, Bilanzen oder Konzepte geht, sondern um psychologische Diffamierung, semantische Wortklauberei und teilweise groteske Selbstlobhudelei, ist Schuld der Parteien – und als Quittung folgt die Abkehr der W&#228;hler vom Parteiensystem.</p>
<p>Weil gerade noch 12 Prozent der Deutschen den Parteien vertrauen, ihnen <strong>weniger als die H&#228;lfte Probleml&#246;sungskompetenz unterstellen</strong>, nur 10 Prozent eine Politik nach Vision und Zukunftsplan vermuten und weil sich in Folge dieses Vertrauensverlustes gerade noch 25 – statt wie noch 1990 50 Prozent – der Deutschen f&#252;r Politik interessieren, ist der Wunsch nach Analysen und Argumenten ziemlich &#252;berschaubar. Schlie&#223;lich besagt dieser Befund, dass 75 Prozent Desinteressierte die Wahlen entscheiden. Was eine v&#246;llig ver&#228;nderte Wahl-Mechanik zur Folge hat: <strong>Wahlk&#228;mpfe werden emotional, banal, brutal – Sachlichkeit und Ringen um Argumente haben ausgedient.</strong></p>
<p>Wer so wenig Inhaltsschweres zu bieten hat, kann nur dann erfolgreich sein, wenn die „Abteilung Attacke“ dem W&#228;hler Grund genug gibt, den Gegner demonstrativ nicht zu w&#228;hlen.</p>
<p>Emp&#246;ren ist l&#228;ngst zur K&#246;nigsdisziplin von Wahlk&#228;mpfern geworden. Nur merken die Politiker nicht, wie sie sich durch st&#228;ndige Salven selbst schaden. W&#228;hrend die Mehrheit der W&#228;hler sie im B&#252;&#223;erhemd sehen will – und ihnen dann m&#246;glicherweise ihre Stimme geben w&#252;rde, feuern sie im Kampfanzug Breitseiten gegen gegnerische Stellungen ab, gerne von den Medien mit gro&#223;er Emp&#246;rung verst&#228;rkt. <strong>Ein Teufelskreis, der Wahlen immer sachferner und irrationaler erscheinen l&#228;sst.</strong></p>
<p>Entr&#252;sten ist erfolgreicher als argumentieren. Vordergr&#252;ndiges K&#252;mmern besser als Kompetenz. Verst&#228;ndnis zeigen wirksamer als f&#252;r Reformen zu k&#228;mpfen.</p>
<p><strong>„Wer sich f&#252;r morgen einsetzt und versucht, Zukunftsreformen zu thematisieren, ist selber schuld“</strong>, lautet die zentrale Spin-Doctor-Regel dieser Wahl: Zumal 85 Prozent der Deutschen mittelfristig ein „Bergab f&#252;r Deutschland“ erwarten und „Reformen“ von &#252;ber 80 Prozent mit „es wird uns dadurch schlechter gehen“ assoziiert werden. Gerade deshalb geht es im NRW-Wahlkampf fast ausschlie&#223;lich um Emp&#246;rung &#252;ber gestern, anstatt um Weichenstellung f&#252;r morgen.</p>
<p>Dieser Zeitgeist bietet m&#246;glicherweise vor allem der in Kompetenz und  Personal nicht gut aufgestellten SPD die Chance auf ein achtbares  Resultat. So k&#246;nnte am 9. Mai die Partei unerwartet gut abschneiden, die der anderen bei Umfragen in den meisten Kompetenzfeldern weit unterlegen ist und – ausgerechnet – im Wahlkampf mit Respekt, Vertrauen, Herzlichkeit und Fairness wirbt.
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		<title>Die Fehler der FDP</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 16:58:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das einstige Demoskopie-Wunder FDP hat nach hundert Tagen an der Regierung ihre W&#228;hlerschaft halbiert. Doch das k&#246;nnte sich als Momentaufnahme erweisen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/76b2652f0436426796717e7b3c1b1bea" width="1" height="1" alt=""/>Es ist fast Normalzustand, dass die W&#228;hler mit Programm und Erscheinungsbild ihrer Partei nicht einverstanden sind. Also wechseln viele st&#228;ndig ihre Pr&#228;ferenz. Weg von der einen hei&#223;t hin zur anderen Partei. Der W&#228;hleraustausch ist tats&#228;chlich viel gr&#246;&#223;er, als die relativ stabile Sonntagsfrage vermuten l&#228;sst, denn die zeigt nur den Saldo. Selbst in Zeiten gro&#223;er Volatilit&#228;t &#228;ndern sich politische Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse oft nur tr&#228;ge.</p>
<p>Bei der FDP ist <a href="http://carta.info/22116/fdp-die-sternschnuppen-partei/">alles anders</a>: Hundert Tage nach dem Regierungswechsel hat sie bereits jeden zweiten ihrer W&#228;hler vom letzten September verloren. Und kaum neue hinzugewonnen: Einen so hohen Verlust an eigenen W&#228;hlern hatte selbst die SPD in ihren Chaosjahren zwischen 2005 und 2009 nicht zu vermelden.</p>
<p>Schlimmer noch: Der Regierungsstart verlief so holprig wie kaum ein anderer zuvor. Die 100-Tage-Bilanz der gro&#223;en Koalition stellte vor vier Jahren immerhin 55 Prozent der Deutschen zufrieden. Selbst die rot-gr&#252;ne Regierung kam 1999 auf 38 Prozent Zustimmung. Aktuell sind es nur 27 Prozent.</p>
<p>Warum ist das so? Weil die Psychologie und nicht die Politik immer st&#228;rker die Wertsch&#228;tzung von Parteien bestimmt. Zufriedenheit ist eine Kombination aus Erwartung und gesp&#252;rter Realit&#228;t. W&#228;hrend die W&#228;hler von der rot-gr&#252;nen Koalition Anf&#228;ngerfehler erwarteten und auch bei Merkel und M&#252;ntefering angenehm &#252;berrascht wurden, weil sie von einer langen Zeit des Zusammenfindens ausgingen, versprach die schwarz-gelbe Koalition reibungsarmes Durchregieren – und wird f&#252;r ihr heilloses Durcheinander nun nur noch intensiver abgestraft: Die selbsternannten K&#246;nner k&#246;nnen&#8217;s nicht.</p>
<p>Zweiter Kardinalfehler: Die neue Bundesregierung wollte Politik „f&#252;rs ganze Volk“ machen: Doch nur jeder zw&#246;lfte W&#228;hler konnte das bislang erkennen: Die – wahrscheinlich nicht im Zusammenhang mit der &#220;bernachtungsbesteuerung stehende – M&#246;venpick-Spende l&#228;sst wunderbar das Image der Spezipartei aufflackern, das doch l&#228;ngst &#252;berwunden schien. Zumal der Grund f&#252;r ihr &#252;berraschend gutes Abschneiden bei der Bundestagswahl vor allem darin lag, dass sie neues Vertrauen gewinnen konnte. Erst nach ihrer standhaften Anti-Ypsilanti-Haltung in Hessen entschwebten die Liberalen in bis dahin ungeahnte H&#246;hen.</p>
<p>Der FDP wurde vertraut wie keiner anderen Partei. Das ist nun dahin. Und zwar ohne die geringste Spur von Mitleid: 67 Prozent der W&#228;hler finden den starken Absturz der FDP „so in Ordnung“; auch weil der Eindruck, den ihre Minister hinterlassen, nicht den Erwartungen der W&#228;hler in schwieriger Zeit entspricht: K&#252;mmern, Aufrichtigkeit und Verst&#228;ndnis sind gefragt, doch arrogant, hochm&#252;tig und abgehoben erscheinen sie vielen.</p>
<p>Der n&#228;chste Grund: Herrscht nur noch Parteienstreit, ist der Absturz nicht mehr weit: Selten zuvor war die Regierung zugleich sosehr Opposition. Das t&#228;gliche Durcheinander von Rede und Gegenrede, H&#252; und Hott, von Ja und Nein erweckt den Eindruck heillosen Chaos&#8217;, selbst wenn die W&#228;hler innere Zerrissenheit und Zweifel am richtigen Kurs noch st&#228;rker mit der CSU verbinden. Als Emnid danach fragte, welche Partei innerhalb der Regierung die besten Konzepte habe, entschieden sich 17 Prozent f&#252;r die FDP, gerade noch sieben f&#252;r die CSU.</p>
<p>Die bayrischen Grantler sind der eigentliche Grund des Steilabsturzes, weit mehr als die Politik: Nach wie vor will eine knappe Mehrheit Steuererleichterungen, obwohl fast die H&#228;lfte der Deutschen zu Transferempf&#228;ngern geworden ist. Dieser Punkt im FDP-Wahlprogramm war der attraktivste. Die W&#228;hler nehmen den Liberalen kaum &#252;bel, in Zeiten leerer Kassen ihr Versprechen einzuhalten – wenn sie nur Sparvorschl&#228;ge, zum Beispiel im Subventionsbereich unterbreiten w&#252;rden. Und Steuererleichterungen werden nach wie vor als wichtigste Konjunkturma&#223;nahme angesehen.</p>
<p>Dennoch ist der freie Fall der Liberalen nur eine Momentaufnahme; selbst wenn Vertrauen und Image f&#252;rs erste verspielt sind. L&#228;ngerfristig haben sich die Wahlchancen der FDP wie auch die der Gr&#252;nen  verbessert: Das W&#228;hlerpotential („Welche Partei k&#246;nnten Sie sich vorstellen zu w&#228;hlen?“) beider Parteien ist seit 2008 von 20 auf 30 Prozent angestiegen, das der Gro&#223;parteien hingegen bei etwa 50 Prozent konstant geblieben. FDP und Gr&#252;ne sind auf dem Weg zu kleinen Volksparteien. Die FDP allerdings nur, wenn sie die Psychologie zu beherrschen versteht.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22753&amp;md5=9a902dd646555574bd24c9f81b642261" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>2010: Das Ende des politischen „Du-darfst-so-bleiben-wie-Du-bist“</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 10:39:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die B&#252;rger glauben nicht, dass Deutschland gest&#228;rkt aus der Krise hervorgeht. Die Parteien w&#228;ren 2010 gut beraten, sich vom Prinzip "Mitte f&#252;r alle" zu verabschieden. Fairness wird als politische Kategorie immer wichtiger.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e094f64d194f4df9a95df3fe2231f2b2" width="1" height="1" alt=""/>Wir sind im Jahr 2010, im Agenda-Jahr, im Jahr, in dem wir eigentlich auf ein Deutschland, das fit f&#252;r die Zukunft ist, schauen sollten. Doch die Deutschen rechnen mit einem Jahr ziemlicher Schwierigkeiten: Der positive Teil ihres Ausblicks f&#252;r dieses Jahr: „Ich komme schon durch, vielleicht sogar etwas besser als derzeit“ glauben immerhin 37 Prozent von Ihnen, vor einem Jahr waren es nur 29 Prozent.</p>
<p>Das Vertrauen in die eigene St&#228;rke nimmt also zu, trotz weiterhin mauer Wirtschaftserwartungen: Gerade mal jeder Zehnte rechnet mit einer Erholung, 50 Prozent hingegen, dass die deutschen Unternehmen weiterhin gro&#223;e Schwierigkeiten haben, im internationalen Wettbewerb zu bestehen – und die B&#252;rger weiterhin den Konsum verweigern.</p>
<p>Zugleich sp&#252;ren die W&#228;hler zunehmend, dass diese Krise auch eine Z&#228;sur darstellt: Vieles werde wohl nach der Krise nicht mehr so sein, wie es mal war. Das Jahr 2010 werde auch ein Jahr des Abschieds vom so manch’ Liebgewonnenem werden: 85 Prozent halten die Politiker-Parolen vom gest&#228;rkten Hervorgehen aus der Krise, vom „Du-darfst-so-bleiben-wie-Du-bist“ f&#252;r unglaubw&#252;rdig.</p>
<p>In der Folge verd&#252;stern sich in keinem Bereich die Erwartungen der B&#252;rger so stark, wie beim inneren Zusammenhalt hierzulande. Mehr als jeder Zweite erwartet beispielsweise dieses Jahr mehr Streiks und Verteilungsk&#228;mpfe. Nur f&#252;nf Prozent rechnen mit einem R&#252;ckgang.</p>
<p>Die Reihe alarmierender Signale und Umfragedaten ist beliebig fortsetzbar: F&#252;r nur neun Prozent wird es unseren Kindern in 10 Jahren besser gehen als heute. An bessere Lebensumst&#228;nde f&#252;r die Alten glaubt jeder Drei&#223;igste. Dass die Unternehmer von der Krise profitieren hingegen 55 Prozent. 2010 droht das Ende friedlichen Miteinanders.</p>
<p>Die zentrale Politikfrage 2010: Wie will Deutschland den inneren Zusammenhalt trotz Globalisierung, Demografie und Staatsverschuldung meistern? Wie kann man die Kluft zwischen Notwendigem und W&#252;nschbarem noch befrieden und erkl&#228;ren? Das geht an die Substanz der Identit&#228;t: Wof&#252;r steht Deutschland eigentlich: F&#252;r Wirtschaft oder Wirtschaftskritik? Wut oder Neuanfang? Starke Wirtschaft oder Staatsf&#252;rsorge?</p>
<p>Vieles spricht daf&#252;r, dass dieser Konflikt nicht &#252;ber gemeinsame Antworten, sondern &#252;ber das Prinzip „Jeder hat seine Welt!“ aufgel&#246;st wird. Ein solcher Zeitgeist fehlender gemeinsamer Werte, die Gefahr der „Atomisierung“, also des Zerfalls der Gesellschaft in unterschiedlichste Kleinstinteressen, wird zur gr&#246;&#223;ten Herausforderung der Parteien in 2010.</p>
<p>Um diese zu bestehen, werden sie Abschied nehmen von ihrer Lieblingsrolle als „Partei der Mitte“, weil die W&#228;hler ihre Eigeninteressen gerade in Zeiten des Wandels sch&#252;tzen wollen: Profil statt Verw&#228;sserung, St&#228;rken st&#228;rken, statt St&#228;rken dem Mittelma&#223; preiszugeben. Auf unterschiedliche Bed&#252;rfnisse eingehen, statt sie gleichzuschalten. Nicht „Mitte f&#252;r alle“, sondern „Auch Deine Interessen z&#228;hlen“ wird zur Erfolgsbotschaft: Nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern die dicke Klammer um begr&#252;ndbare Anliegen wird das politische Ziel f&#252;r 2010.</p>
<p>Sowohl-als-auch-Politik wird also zum Weg aus der Politfrustfalle. Beispiel Bildungspolitik, eines der zentralen Politfelder 2010: Nicht nur Elitef&#246;rderung oder nur Integration bildungsferner Schichten, beides zusammen dient dem langfristigen Wohl des Staates. In der Wirtschaftspolitik ist es nur vern&#252;ftig, wenn die Wachstumsbedingungen der Unternehmen an die Sicherheitsinteressen der Arbeitnehmer gekoppelt werden. In der Ausl&#228;nderpolitik sind Integrationsbed&#252;rfnisse und -anforderungen gleichrangige Ziele f&#252;r Deutsche und Ausl&#228;nder. Und in der Sozialpolitik haben Steuerzahler und Sozialempf&#228;nger Rechte und Pflichten. Wer nimmt, muss sich Bedingungen unterwerfen, wer gibt, hat das Recht auf Einhaltung dieser Regeln.</p>
<p>2010 werden die Parteien Abschied nehmen von der „It’s-the-economy, stupid!“-Mentalit&#228;t der letzten Jahrzehnte: „Allein die Wirtschaft z&#228;hlt“ hat ausgedient, die Deutschen fordern die „gute“ Wirtschaft. Nicht mehr nur gute Bedingungen f&#252;r Unternehmen, sondern gleichzeitig soziale Mitverantwortung. Der „Rheinische Kapitalismus“, der beide Teile der Sozialen Marktwirtschaft gleich bewertet, erlebt eine Renaissance.</p>
<p>2010 wird Politik zum ersten Mal nach „Fairness“, also dem fairen Interessenausgleich bei sich verringerndem Wohlstand bewertet. Wenn schon nie wieder „Wohlstand f&#252;r alle“, dann bitte eine sozial faire Verteilung des Mangels. Inwieweit es den Parteien gelingen wird, die Gesellschaft wieder zu vers&#246;hnen statt zu spalten, davon wird ihr Erfolg im ber&#252;hmten Agenda-Jahr und die Sonntagsfrage 2010 entscheidend abh&#228;ngen. Gesucht wird nicht weniger als ein neuer „Gesellschaftsfairtrag“ unter den Bedingungen abnehmender gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ressourcen.
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		<title>SPD weiter im Sinkflug: keine Richtung, kein Thema, keine Machtoption, keine Politiker</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 12:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Trotz ihres Bundesparteitags kann sich die SPD nicht aus dem Stimmungstief l&#246;sen. Die Zeiten w&#228;ren g&#252;nstig f&#252;r sie, doch f&#252;r die W&#228;hler ist die SPD nicht mehr die SPD.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9f525c30a12f45159117bfb33791f63f" alt="" width="1" height="1" />Die Situation ist dramatisch: Gerade noch 19 Prozent der Deutschen glauben an eine schnelle Erholung der SPD. Nur noch jeder zweite ihrer W&#228;hler von 2005 hat sie vier Jahre sp&#228;ter wiedergew&#228;hlt. Ein Negativrekord: Nur 21 Prozent w&#252;rden aktuell die ehrw&#252;rdige deutsche Sozialdemokratie w&#228;hlen. Was die SPD doppelt schmerzen muss – &#252;blich ist eher, dass Mitleid, Mitgef&#252;hl und Kopf-hoch-Botschaften ein f&#252;rchterliches Wahldesaster kurze Zeit sp&#228;ter nach oben korrigieren. Stattdessen bekr&#228;ftigen die W&#228;hler in der Sonntagsfrage die Denkzettelwahl: Die SPD ist trotz ihres <a href="http://parteitag.spd.de">Bundesparteitags</a> in einem bemitleidenswerten Zustand.</p>
<p>Dabei sind sorgenvolle Zeiten eigentlich Zeiten der Sozialdemokratie: Gerade im Zeichen von Abschwung, Angst vor Arbeitslosigkeit, &#220;berschuldung und Zukunftsunsicherheit setzen die W&#228;hler auf soziale Gerechtigkeit und Sicherheit, auf das Soziale der sozialen Marktwirtschaft. Doch in dieser Krise verschwenden die Deutschen kein Herzblut f&#252;r die SPD.</p>
<p>Warum ist das so? Und wo liegen die Chancen einer baldigen Wiederauferstehung?</p>
<p>Grund der desolaten Verfassung: Die SPD ist nicht mehr SPD, nicht mehr die Partei, die soziale Gerechtigkeit in den Schnittpunkt zwischen Wirtschaft und Besch&#228;ftigung stellt. Die SPD hat durch den Zangenangriff von links und rechts ihre Mitte verloren. Bei ihren Themen Gerechtigkeit, Chancengleichheit, gute Gesundheit und sichere Rente haben andere, oft die Linke, die Meinungsf&#252;hrerschaft &#252;bernommen oder die Union sich als handlungsf&#228;higer erwiesen. Seit Ypsilanti mutet keine andere Partei ihren W&#228;hlern soviel Ungewissheit zu. 55 Prozent ihrer W&#228;hler wollen sie weiter links sehen, 39 Prozent in der gem&#228;&#223;igten Mitte – kaum jemand da, wo sie sich jetzt windet. Dennoch sind nur 34 Prozent f&#252;r Rot-Rot auf Bundesebene. Die SPD gilt als wenig vertrauensw&#252;rdig, ihre Worte haben kaum Bestand, zudem als  zerstritten durch Richtungsk&#228;mpfe, zerm&#252;rbt durch viele hohe Niederlagen. Sie steht f&#252;r Vergangenheit, nicht f&#252;r Zukunft.</p>
<p>Dann noch ihr Personal: Gabriel, Steinmeier und Nahles gegen Merkel, zu Guttenberg, von der Leyen und Westerwelle. In der Liste der Politiker, denen eine wichtige Zukunftsrolle zugetraut wird, liegt die Konkurrenz von der Union weit vorn, die SPD-Garde weit hinten. Im Sinkflug ist nun auch Fraktionschef Steinmeier, seitdem sein Angriff auf Merkel und seine Linksanbiederung als wenig authentisch angesehen werden. Dennoch wird er mit klaren Abstand als F&#252;hrungspolitiker gesehen. Unter den SPD-Anh&#228;ngern wollen 67 Prozent Steinmeier als Nummer Eins, nur 23 Prozent Gabriel, gerade noch 10 Prozent Andrea Nahles.</p>
<p>Keine Richtung, kein Thema, keine Machtoption, keine Politiker: So sieht der bemitleidenswerte Zustand der SPD f&#252;r die W&#228;hler derzeit aus.</p>
<p><strong>Und dennoch sollte Schwarz-Gelb nicht zu laut triumphieren</strong>. Sie SPD n&#228;mlich hat gro&#223;e Chancen auf baldige Wiedergenesung: Es gibt weiterhin einen breiten Konsens &#252;ber die Wichtigkeit politischer Aufgaben. Nach wie vor dominieren sozialdemokratische Themen die politische Agenda der Deutschen: Bildung, Abbau der Arbeitslosigkeit, gerechte Altersver-sorgung, richtige Verteilung der Steuerlast, Familienpolitik und Umweltschutz. Schwarz-gelbe Mehrheiten sind also keinesfalls selbstverst&#228;ndlich. Zumal die SPD im W&#228;hlerfazit &#252;ber Schwarz-Rot kaum schlechter als die Union bewertet wurde. Viele W&#228;hler suchen den Anwalt und Unterst&#252;tzer der kleinen, redlichen Leute. Die gem&#228;&#223;igt linke Kraft, die ihre Ziele auch durchsetzen kann. Und gerade dem wird die aktuelle SPD nicht gerecht. Gerade Gestaltungskompetenz jedoch k&#246;nnte ihr Abgrenzungsmerkmal gegen&#252;ber der Linkskonkurrenz sein.</p>
<p>Die gute alte Sozialdemokratie à la Brandt und Schmidt, die auch f&#252;r W&#228;hler der Mitte attraktiv war, ist also keinesfalls &#252;berholt. Nur braucht sie klassische SPD-Themen und keine falschen Machtstrategien; Sozialdemokraten und keine Parteisoldaten. Sie braucht die Renaissance sozialdemokratischer Kompetenz, sie braucht Steinbr&#252;ck und den Au&#223;enminister Steinmeier, nicht jedoch Parteistrategen vom Schlage Gabriels und Nahles&#8217;.</p>
<p>Wie ist das Ist-, wie das Wunschbild der SPD? Gesehen wird sie derzeit als an allen Ecken verbeultes Gef&#228;hrt, das – &#228;hnlich einem ICE – in beide Richtungen fahren kann. Viel lieber w&#228;re den W&#228;hlern dagegen ein guter, zuverl&#228;ssiger, solide laufender Polo. Einen, auf den – und dessen Geradeausfahrf&#228;higkeiten – man sich verlassen kann
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		<title>Ausgleich in Zeiten abnehmenden Wohlstands: Die Politik entdeckt Fairness</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Nov 2009 12:47:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Demoskopie]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Gelb]]></category>

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		<description><![CDATA[Der politische Kompass hat sich verschoben: Im Umgang mit den auseinanderdriftenden gesellschaftlichen Gruppen wird f&#252;r viele W&#228;hler "Fairness" immer wichtiger. F&#252;r die neue Bundesregierung k&#246;nnte das wahlentscheidend werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/04b6ae32d5014f7784dc53017ea743f6" width="1" height="1" alt=""/>„Was ist f&#252;r Sie die wichtigste Eigenschaft von Politikern?“ fragt TNS Emnid in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden. Noch 2005 dominierte <em>Kompetenz</em> mit weitem Abstand vor <em>Durchsetzungsst&#228;rke,</em> <em>Sympathie</em> und „<em>K&#252;mmererbewu&#223;tsein</em>“. 2009 f&#228;llt das Urteil v&#246;llig anders aus: Nun setzen &#252;ber 90 Prozent der Deutschen <em>Vertrauen</em> nach ganz vorn. <em>Kompetenz</em> (52 Prozent) landet mit weitem Abstand vor <em>Sympathie</em> auf Platz zwei.</p>
<p><em>Vertrauen</em> in Gestalt von 14,6 Prozent f&#252;r die FDP hat bereits die letzte Bundestagswahl entschieden: Dem aufmerksamen Beobachter demoskopischer Trends ist nicht entgangen, dass die FDP, die 2005 in der Sonntagsfrage noch bei acht Prozent lag, im Zuge der ordnungspolitischen CDU-“Schandtaten“ 2006 zwar auf 11 Prozent anstieg, den eigentlichen Schub aber Hessens FDP-Chef J&#246;rg-Uwe Hahn ausl&#246;ste: Erst dessen Standhaftigkeit im Zuge von Ypsilantis gebrochenem Versprechen katapultierte die Liberalen auf 15 Prozent – und marginalisierte anschlie&#223;end die SPD bundesweit.</p>
<p>Es ist etwas passiert in Deutschland: Der politische Kompass hat sich verschoben. Trauten die W&#228;hler fr&#252;her den Politikern noch zu, das Richtige zu tun, so leiden sie nun unter der zunehmenden Komplexit&#228;t des Lebens. Ob Autoreparatur, Medizindiagnose, Finanzberatung oder die politischen Fragen nach dem besten Gesundheitssystem, der Auswirkung des Mindestlohns, den Auswirkungen von Steuersenkungen oder nach dem besten Weg zum Frieden in Afghanistan: Weder wissen die W&#228;hler den richtigen Weg, noch erwarten sie ernsthafte L&#246;sungen von den Politikern: Der Alltag hat einen Komplexit&#228;tsgrad erreicht, bei dem <em>richtige</em> L&#246;sungen durch Entscheidungen <em>nach bestem Wissen und Gewissen</em> – und damit nach Vertrauen abgel&#246;st werden.</p>
<p>Nur die Parteien haben das zu Beginn der neuen Amtsperiode noch nicht wahrgenommen – und tappen wie schon Schwarz-Rot in die Glaubw&#252;rdigkeitsfalle. Nur 23 Prozent vertrauten ihren Aussagen im Wahlkampf, gerade noch 15 Prozent hielten das Scholz’sche Versprechen, die Rente werde niemals sinken, f&#252;r glaubhaft. Aktuell erwarten 92 Prozent, dass m&#246;gliche Steuersenkungen sofort durch Abgabenerh&#246;hungen woanders wieder einkassiert werden.</p>
<p>Die lange Jahre wie eine Monstranz vorangetragene „Du kannst so bleiben wie Du bist“-Rhetorik und das „Wir werden aus der Krise gest&#228;rkt hervorgehen“ glauben inzwischen weniger als 10 Prozent der Deutschen. Und ver&#228;ndern damit klammheimlich ihre politischen Beurteilungsma&#223;st&#228;be: Der Glaube „Die Kinder sollen es mal besser haben“ hat ausgedient. Nur noch neun Prozent der Deutschen erwarten, dass es den Kindern in zehn Jahren besser gehen wird als heute. An bessere Lebensumst&#228;nde f&#252;r die Alten glauben gerade noch drei Prozent. Daf&#252;r rechnen vier von f&#252;nf damit, dass es aufgrund der angespannten Haushaltslage, durch Globalisierungsdruck und demographischen Faktor in Zukunft zu weniger Wohlstand sowie zur Trennung von manch Liebgewonnenem kommen wird und dass wir uns tendenziell weniger leisten k&#246;nnen. 69 Prozent glauben, dass eine wirtschaftliche Erholung – wenn &#252;berhaupt – erst nach 2011 kommen wird. Zudem glauben 75 Prozent an ein immer st&#228;rkeres Auseinanderdriften unserer Gesellschaft.</p>
<p>Die gerade vereidigte Regierung wird nach v&#246;llig neuen Kriterien beurteilt werden. Sie ist die erste, die nach Glaubw&#252;rdigkeit und Vertrauen und nach einem v&#246;llig neuen politischen Ziel bewertet  wird: Nach <em>Fairness</em>, also dem fairen Interessenausgleich in Zeiten, in denen sich der Wohlstand verringert.</p>
<p>Damit ist bereits zum Start der neuen Bundesregierung klar, wonach die Wahl 2013 sich entschieden wird: N&#228;mlich nach <em>Fairness</em> im Umgang mit den auseinanderdriftenden Gruppen: Beim Interessenausgleich zwischen  Arm und Reich, Jung und Alt, Arbeitslosen und Arbeitsplatzbesitzern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Noch glauben 62 Prozent, dass es den Unternehmern, nur 11 Prozent dagegen, dass es den Arbeitnehmern in zehn Jahren besser gehen werde. Inwieweit die Parteien es schaffen, die Gesellschaft wieder zu vers&#246;hnen, anstatt sie weiter zu spalten, davon wird der Wahlsieg 2013 wesentlich abh&#228;ngen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=17448&amp;md5=2e147b1874a2d5c2fc48f4b1d3dd0532" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Nichtw&#228;hler: Eine unbekannte Spezies</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Sep 2009 15:12:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Nichtw&#228;hler ist der letzte gro&#223;e Unbekannte der politischen Forschung. Wie sieht er aus?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/353873e1c2564579bfdef51f7da1849f" width="1" height="1" alt=""/>Die zumeist gr&#246;&#223;te W&#228;hlergruppe ist den Politikern immer noch ein gro&#223;es Mysterium: Die Partei der Nichtw&#228;hler, die bei Bundestagswahlen zuletzt an die 30, bei Landtags- und Europawahlen auch mal &#252;ber 50 Prozent erreicht – und damit Wahlen entscheidet. Dennoch spielen sie im Wahlkampf keine Rolle. Denn: Nichts Genaues wei&#223; man nicht.</p>
<p><strong>Tatsache ist: Nichtw&#228;hler sind nicht einfach nur Nicht-W&#228;hler. Oft sind sie frustrierte, manchmal politisch besonders interessierte W&#228;hler.</strong> Wir analysieren rationale, antiautorit&#228;re und Protestw&#228;hler. Zumeist sind sie besonders desinteressiert, mitunter w&#228;hlen sie nicht, weil sie mit ihrer Stimme doch nichts bewegen k&#246;nnen. Und dann gibt es noch die „unechten“, weil nicht erfassbaren Nichtw&#228;hler. Die sind krank oder verzogen, ausgewandert, im Langzeiturlaub oder einfach nicht gemeldet.</p>
<p>Nichtw&#228;hler verweigern im Geheimen oder posaunen ihre Haltung in die &#214;ffentlichkeit. Sie sind sehr politisch interessiert – oder wissen noch nicht einmal, dass gew&#228;hlt wird. Sie passen in keine Schablone! Wer sie gewinnen will, muss zielgruppenorientiert viele Wege gehen.</p>
<p>Der Nichtw&#228;hler ist das unbekannteste Wesen der politischen Forschung – und entscheidet h&#228;ufig Wahlen, wenn den Parteien wieder mal die Mobilisierung ihrer Anh&#228;nger misslingt. Nichtw&#228;hler symbolisieren das Toyota-Syndrom: Alle Beweggr&#252;nde sind m&#246;glich! Frust – aber auch Lust: Die Pole hier dokumentieren die gesamte Bandbreite in der Volkspartei der Nichtw&#228;hler.</p>
<p>Einer Volkspartei, die immer breiteren Zuspruch erh&#228;lt: 1972 betrug die Wahlbeteiligung 90,8 Prozent, 2005 war sie auf 77,7 Prozent, aktuell auf knapp &#252;ber 70 gesunken. An der Europawahl beteiligten sich magere 43 Prozent, und der Landtag in Sachsen-Anhalt wird gerade noch von 44 Prozent W&#228;hlern legitimiert. Kaum etwas gelingt schwerer, als die Gr&#252;nde zu strukturieren und analysieren. Und nirgendwo sind Parteien erfolgloser, als beim Versuch, politisches Interesse bei Desinteressierten zu wecken.</p>
<p><strong>Doch so anders sind die Nichtw&#228;hler gar nicht.</strong></p>
<p>Hilfestellung bei der Analyse des „Ichs“ verlustiger W&#228;hler kann die simple Frage liefern: Was w&#252;rde passieren, wenn alle Nicht-W&#228;hler am 27. September w&#228;hlen gegangen w&#228;ren? Dann w&#252;rden – in Ma&#223;en –  SPD, FDP und Gr&#252;ne profitieren: 47 Prozent der Wahlabstinenzler k&#246;nnten sich vorstellen, sozialdemokratisch zu w&#228;hlen, nur 36 Prozent die Union. Zumindest aktuell; denn auch Nichtw&#228;hler sind volatil und entscheiden spontan: Von den 27 Prozent der Deutschen, die Ende August nicht w&#228;hlen wollten, sind etwa 60 Prozent auch 2005 nicht zur Bundestagswahl gegangen. Mehr als jeder Dritte stimmt dagegen ab: Jeweils neun Prozent der damaligen Verweigerer w&#252;rden heute Union und SPD w&#228;hlen, sechs die Gr&#252;nen, jeweils f&#252;nf Prozent FDP und Linke. Eine hohe Wahlbeteiligung schadet also CDU/CSU und n&#252;tzt Rot-Gr&#252;n.</p>
<p>Auch die Soziodemografie zeigt Auff&#228;lligkeiten: Frauen verweigern eher als M&#228;nner, B&#252;rger mit niedriger formaler Bildung deutlich mehr als Abiturienten 32 zu 19 Prozent). 28 Prozent der Geringverdienenden boykottieren, aber nur 22 Prozent der gut Verdienenden. Im Westen w&#252;rden sich aktuell 28, im Osten nur 24 Prozent ihrer Stimme enthalten. Vor allem aber: Unter den Erstw&#228;hlern werden gleich 33, bei den Rentnern nur 18 Prozent am Wahltag nicht gesichtet. Politisch bedeutsam ist nicht nur, dass der Anteil alter Menschen immer gr&#246;&#223;er wird. In Kombination mit der h&#246;heren Wahlbeteiligung wird das &#220;bergewicht der Senioren noch eklatanter.</p>
<p><strong>Sie sind also &#252;berall vertreten:</strong> Unter den Schlauen, Alten und Reichen ebenso wie unter den Dummen, Jungen und Armen.</p>
<p>Allerdings sind die systematischen Nichtw&#228;hler klar in der Minderheit. Also diejenigen, die ihre Partei abstrafen, es aber auch nicht mit einer Stimme f&#252;r den Gegner auf die Spitze treiben wollen. Diejenigen, die sich keiner Autorit&#228;t unterordnen wollen oder sich f&#252;r so schlau halten, dass sie sich weigern „politische Inkompetenz“ zu w&#228;hlen. Etwa 20 Prozent umfasst die Gruppe der „intelligenten“ Verweigerer.</p>
<p>Der typische Nichtw&#228;hler dagegen ist werte- und damit orientierungslos. Wie keiner anderen W&#228;hlergruppe mangelt es ihr am Werteprofil. Schlimmer noch: Gerade wahlunterst&#252;tzende Einstellungen wie Pflichtbewusstsein, Traditionsverbundenheit, Religi&#246;sit&#228;t, werteorientiertes Handeln, Rationalit&#228;t und kulturelles Interesse sind kaum vorhanden. Nichtw&#228;hlen ist also Folge von Orientierungslosigkeit. Also m&#252;ssen Wahlaufrufe scheitern. Daher haben einzelne Faktoren allein auch nur einen vagen Einfluss: 32 Prozent der Nichtw&#228;hler, aber auch 24 Prozent der W&#228;hler bezeichnen sich als desinteressiert, &#252;brigens besonders wenige Anh&#228;nger der FDP und der Gr&#252;nen.</p>
<p>Auch Politfrust allein erkl&#228;rt nur teilweise das Zuhausebleiben am Wahltag: „Wo geht es bei uns gerecht zu?“ fragte TNS Emnid: Nirgendwo gab es gravierende Unterschiede: W&#228;hler empfinden die politischen Verh&#228;ltnisse in Deutschland &#228;hnlich ungerecht wie Nichtw&#228;hler. Die Gesundheitsversorgung halten 36 Prozent der Urneng&#228;nger und 31 Prozent der Verweigerer f&#252;r gerecht. Bei der Rente betr&#228;gt das Verh&#228;ltnis 39 zu 33 Prozent, bei Bildung 47 zu 42. Linksw&#228;hler urteilen deutlich kritischer. Auf der Links-Rechts-Skala positionieren sich Nichtw&#228;hler zwar links der Mitte, aber bei weitem nicht so entr&#252;ckt wie die der Linken.</p>
<p>&#196;hnlich h&#228;ufig wird in beiden Gruppen b&#252;rgerferne Politik kritisiert. Dass W&#228;hlen gehen keinen Einfluss auf die Politik hat, vertreten 46 Prozent der W&#228;hler und 56 Prozent der Verweigerer. Und dass viel zu wenig auf die Belange der „Kleinen“ eingegangen wird, empfinden 72 Prozent der Nicht- aber auch 66 Prozent der W&#228;hler. <strong>Politik wird von den Deutschen universell kritisiert. Wahlabstinenz ist daraus nicht direkt ableitbar.</strong></p>
<p>Frust und Desinteresse sind zwar Treiber, allerdings weit geringer, als landl&#228;ufig vermutet. Ein Faktor allein reicht nicht, aber Frust und Desinteresse zusammen bedingen erst Wahlabstinenz. Die nur Frustrierten demonstrieren durch die Wahl an den politischen R&#228;ndern, die nur Ahnungslosen w&#228;hlen nach Haar- und Augenfarbe.</p>
<p>Wenn sie nicht zus&#228;tzlich noch durch abgehobene Politiker ge&#228;rgert werden! <strong>Denn kaum etwas trennt sch&#228;rfer:</strong> Das Kabinett Merkel/Steinmeier wurde zuletzt von 47 Prozent der W&#228;hler, aber nur noch 29 Prozent der Nichtw&#228;hler positiv beurteilt. Und geht es um das Einzelurteil der Ministerriege, schneiden die Ressortverantwortlichen bei den Verweigerern nur ann&#228;hernd halb so gut ab. Ulla Schmidts Dienstwageneskapade ist demnach ein eindeutiger Verweigerungsgrund. Die nach B&#252;rgermeinung v&#246;llig misslungene Gesundheitsreform noch lange nicht. Finanzielle Probleme sind der letzte wichtige Grund f&#252;r Wahlabstinenz: F&#252;r 69 Prozent der Nichtw&#228;hler hat sich die eigene finanzielle Lage im letzten Jahr deutlich verschlechtert, unter den W&#228;hlern ist es noch nicht mal jeder Zweite.</p>
<p>Frust und Desinteresse, Politikerwut und Not machen Nichtw&#228;hler. Die dann bei jeder Wahl nach aktueller Wasserstandsmeldung neu &#252;ber ihre Teilnahme entscheiden. Besonders die, die wegen geringer Parteienbindung ohnehin so h&#228;ufig wechseln wie die SPD ihre Parteichefs. <strong>Erst die Addition der Wutfaktoren macht aus latenten st&#228;ndige Nichtw&#228;hler.</strong></p>
<p>Was also k&#246;nnen die Parteien tun? B&#252;rgern&#228;her politisieren und informieren; vor allem aber, sich endlich wieder einen Markenkern geben, der die Partei pr&#228;gnant und unaustauschbar macht. &#220;ber 70 Prozent der Deutschen erwarten f&#252;r sich pers&#246;nlich keinerlei Ver&#228;nderungen, egal ob Merkel oder Steinmeier die deutsche Politik bestimmt. Fehlt der Markenkern, dann fehlen Schutzpanzer und Wahlmotivation zugleich.Wenn Parteien aber beliebig werden und zudem bei den anschlie&#223;enden Koalitionsverhandlungen ebenfalls alles m&#246;glich ist, macht W&#228;hlen f&#252;r viele keinen Sinn. Zumal auch die Wahlfestlegung immer sp&#228;ter erfolgt: Zwei Monate vor der Bundestagswahl waren erst 34 Prozent festgelegt. Gut ein Viertel wollte sich in der hei&#223;en Wahlkampfphase, 19 Prozent in der Woche davor und 12 Prozent erst am Wahltag entscheiden. Wer nicht wei&#223; was, der kann W&#228;hlen leicht als &#252;berfl&#252;ssige Zeitverschwendung empfinden.</p>
<p>Wer Wahlverweigerer wirklich zu W&#228;hlern wandeln will, muss sie „zielgruppenad&#228;quat“ &#252;berzeugen. Mysteri&#246;se <a href="http://www.gehnichthin.de/">Gehnichthin-Aufrufe</a> taugen ebenso wenig wie die <a href="http://www.wahlschlepper.net/">Wahlschlepper-Initiative</a>. Nichtw&#228;hler n&#228;mlich sind gerade deshalb Nichtw&#228;hler, weil nicht zu w&#228;hlen die nat&#252;rliche Reaktion auf Unzufriedenheit ist. Daher ist auch die h&#228;ufig ge&#228;u&#223;erte Idee zum R&#252;ckholen der W&#228;hler, Wahlkampferstattungen nicht vom Anteil, sondern von der absoluten W&#228;hlerzahl abh&#228;ngig zu machen, nicht zielf&#252;hrend. Nie h&#228;tten wir einen besseren Grund, unseren Frust an den Politiker auszulassen.</p>
<p><em>Klaus-Peter Schoeppner hat diesen Text f&#252;r <a href="http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&amp;item=4071">Cicero</a> geschrieben. Wir  &#252;bernehmen ihn hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.</em>
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		<title>Die Selbstentmachtung der W&#228;hler</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 09:25:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dreierkonstellationen im F&#252;nfparteienland: Die vergangenen Landtagswahlen werden das Wahlverhalten der Deutschen neu justieren. Doch der W&#228;hlerwille wird minimalisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast 60 Jahre lang passierte Politik in Deutschland so: Erst kam der Lagerwahlkampf, dann eine klare politische Richtung an die Macht: Zumeist  Schwarz-Gelb, wurde die FDP zu klein, auch schon mal die Gro&#223;e Koalition. Selbst als die Gr&#252;nen 1983 mit Sonnenblumen und Strickzeug in den Bundestag einzogen, waren Wahlen eine klare Sache: Entweder wurde Wirtschaft oder das Soziale gew&#228;hlt. Zwischent&#246;ne gab es nicht. Der W&#228;hler w&#228;hlte Klarheit.</p>
<p><strong>2009 ist das anders.</strong> Gerade noch 60 statt damals 85 Prozent der W&#228;hler entscheiden sich heute im Bund f&#252;r Union oder SPD, in den L&#228;ndern deutlich weniger. Vier von zehn votieren f&#252;r Gr&#252;ne, FDP, Linke oder f&#252;r eine der ganz Kleinen. Wir haben kleine Gro&#223;e – und gro&#223;e Kleine. Mit dem Effekt, dass der Sinn von Wahlen, die R&#252;cksichtnahme auf den W&#228;hlerwillen, verloren geht. Der W&#228;hler w&#228;hlt nun Unsicherheit.</p>
<p>Zwei-Parteien-Koalitionen werden zur Ausnahme. Das alte Freund-Feind-Denken aus Zeiten der schwarzgelben oder rotgr&#252;nen Lagerbildung geh&#246;rt der Vergangenheit an. Wo fr&#252;her tiefe Gr&#228;ben &#220;berg&#228;nge fast unm&#246;glich machten, gibt es heute alle paar Meter neue Br&#252;cken: Mal breite gro&#223;e, mal schwankende, voller Risiken, deren Fundamente aber mit jeder Wahl sicherer werden. Der kleinste gemeinsame Nenner der Zweierkoalitionen war gestern, morgen leben wir in klitzekleinsten Dreierkonstellationen.</p>
<p>Die Auswirkungen f&#252;r unser Wahlverhalten werden fatal. Lassen sich die W&#228;hler gefallen, dass pl&#246;tzlich die Gr&#252;nen mit 5,9 Prozent an der Saar zum K&#246;nigsmacher mutieren? Wenn die SPD mit 18,5 bzw. 24,5 Prozent in Th&#252;ringen und an der Saar m&#246;glicherweise den Epochenwandel von Schwarz zu Knallrot einleitet? Wenn pl&#246;tzlich: „Stell Dir vor, es ist Gro&#223;e Koalition – und die Gr&#246;&#223;te geh&#246;rt nicht dazu!“ zur Regel werden kann?</p>
<p><strong>Deutschland-F&#252;nfparteienland minimalisiert den W&#228;hlerwillen.</strong> Zudem ist es l&#228;ngst nicht ausgemacht, dass es bei nur f&#252;nf ernsthaften Optionen bleiben wird: Warum sollte es bald keine Jugend-, keine Mittelschicht oder Rentnerpartei geben?</p>
<p>Der 30. August wird das Wahlverhalten der Deutschen neu justieren: Das Toyota-Syndrom: statt klarer Kante nun „Alles ist m&#246;glich!“ Und: Jeder kann mit allen. Der Politikfrust wird noch weiter wachsen. Weil W&#228;hlerstimmen immer unwichtiger werden, bestimmt der Machterhalt der Parteien immer st&#228;rker unsere Politik. Allen Dementis zum Trotz glauben derzeit 40 Prozent der Deutschen, die SPD w&#252;rde – falls es zur Macht&#252;bernahme reichen w&#252;rde, im Bund mit den Linken koalieren.</p>
<p>Da zwei Drittel der Deutschen eine klare Koalitionsaussage Ihrer Partei erwarten, hinterl&#228;sst diese Koalitionspolygamie frustrierte W&#228;hler, die mit der Wahl ihrer Partei genau das bezwecken, was dann doch nicht eintritt: Wer an der Saar und in Th&#252;ringen SPD gew&#228;hlt hat, kann sich in einer Koalition mit der CDU, aber auch mit der Linken wiederfinden. Und hilflose W&#228;hler:  Jeweils ein Drittel der Deutschen wollen im Saarland Schwarz-Rot, Jamaika oder Rot-Rot-Gr&#252;n. Schlimmer noch: Selbst die eigenen W&#228;hler haben keinen Plan: Unter den CDU-Anh&#228;ngern w&#252;nschen 48 Prozent Schwarz-Rot, 47 Prozent Jamaika. SPD-W&#228;hler wollen zu 38 Prozent mit der CDU, zu 37 Prozent mit Rot und Gr&#252;n koalieren. Und selbst die Gr&#252;nen sind in zwei Lager gespalten, ob die Ampel oder Jamaika f&#252;r sie der beste Weg ist.</p>
<p>Der Frust, mit seiner Stimme doch nichts &#228;ndern zu k&#246;nnen, hat sich binnen f&#252;nf Jahren verdoppelt und wird nach politischem Desinteresse inzwischen als der zweith&#228;ufigste Wahlverweigerungsgrund angegeben.</p>
<p>Sollte Deutschland in Zukunft immer h&#228;ufiger von Drei-Parteien-Koalitionen nach g&#228;ngigem Wundert&#252;ten-Muster regiert werden, k&#246;nnte das sogar unsere Demokratie gef&#228;hrden: Die dann notwendigerweise noch st&#228;rkere Verw&#228;sserung politischer Markenkerne wird Wahlen noch unwichtiger, Regierungen noch zuf&#228;lliger, die Kritik am programmatischen Gemischtwarenlager noch gr&#246;&#223;er, die Wahlbeteiligungen noch geringer, die Ignorierung des W&#228;hlerwillens noch h&#228;ufiger, den Frust &#252;ber unsere Volksvertreter noch intensiver werden lassen.</p>
<p>Wahlen werden zum Macht-, nicht mehr zum Gestaltungsinstrument. In der Zeit der gr&#246;&#223;ten Probleme der Nachkriegszeit ist der W&#228;hler mitten drin, sich selbst zu entmachten.
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		<title>Einstimmung auf die Zeit der Koalitionspolygamie?</title>
		<link>http://carta.info/14142/landtagswahlen-koalitionspolygamie/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 18:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach den Landtagswahlen scheint das Zeitalter der stabilen Zweierkoalitionen vorbei. Die Machtoptionen werden unklarer. Bricht nun das neue Zeitalter st&#228;ndig wechselnder Koalitionen an? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wahl paradox: Selten zuvor war die CDU an einem Wahltag gleich dreimal st&#228;rkste Partei, so wie bei den Landtagswahlen Ende August in Sachsen, Th&#252;ringen und im Saarland. Und dennoch war sie der gesp&#252;rte Verlierer. Zwar mit weiterhin deutlichem Vorsprung vor der SPD, doch was mehr z&#228;hlt, sind offensichtlich die unklarer werdenden Machtoptionen. Geht am 27. September Schwarz-Gelb? Oder muss sich auch die einzig noch verbliebene Volkspartei CDU/CSU auf das Zeitalter st&#228;ndig wechselnder Koalitionen einrichten? Nicht die W&#228;hler sind wichtig. Viel bedeutender werden die anschlie&#223;enden B&#252;ndnisverhandlungen, die bei ann&#228;hernd gleichen Parteist&#228;rken morgen das Ergebnis von gestern v&#246;llig auf den Kopf stellen k&#246;nnen.</p>
<p>Denn der L&#228;ndertrend ist nun auch in den Bund eingefallen: Noch vor sechs Jahren w&#228;hlten 80 Prozent der Bundesb&#252;rger eine der beiden gro&#223;en Parteien. Bei der Wahl am 27. September k&#246;nnen beide froh sein, zusammen die 60-Prozent-Marke zu knacken. Im Osten liegen Union und SPD nur noch bei rund 50 Prozent: Die Gro&#223;en sind klein, die Kleinen gro&#223; geworden. Zweierkoalitionen eher die Ausnahme. Und die Kleinen spielen die Rolle des K&#246;nigsmacher, die ihnen aufgrund ihrer W&#228;hleranteile im Grunde nicht zusteht. Links sei Dank.</p>
<p><strong>Die wichtigste Botschaft aus Dresden, Erfurt und Saarbr&#252;cken ist die „neue Un&#252;bersichtlichkeit“.</strong> Ist die sch&#246;ne Zeit der stabilen Zweierkoalitionen oder gar die des Alleinregierens vorbei? Wird nun von den Parteien und von den W&#228;hlern ein H&#246;chstma&#223; an Flexibilit&#228;t bei der Regierungsgestaltung und -bewertung gefordert? Steckt Deutschland bereits mitten im „Toyota-Fieber“: Nichts ist unm&#246;glich? Bricht nun das neue Zeitalter der Koalitionspolygamie an?</p>
<p>Indem sich ausgerechnet der klare Wahlverlierer SPD (schlechteste aller Zeiten an der Saar, in Th&#252;ringen unter 20 Prozent, in Sachsen gerade mal 10 Prozent) strategisch ein St&#252;ck Macht zur&#252;ck erobert? <strong>Denn trotz bemitleidenswerter Resultate hat die SPD ihre Chancen f&#252;r den Bundestag verbessert.</strong> Keine Partei spielt so virtuos auf der Koalitionsklaviatur: Schlie&#223;lich sind die Sozialdemokraten derzeit irgendwo mit jeder demokratischen Partei verbandelt.</p>
<p>Ein Grund der herben Verluste f&#252;r die Union in Th&#252;ringen und an der Saar ist das in Krisenzeiten ver&#228;nderte Wirtschaftsbild der W&#228;hler. Mit ihrer alten Wirtschaftskompetenz gelingt es der CDU immer weniger, zu punkten. Das Wissen um das W&#228;rmebed&#252;rfnis der W&#228;hler ist bei der Union weiterhin wenig ausgepr&#228;gt. Wirtschaft ist in Zeiten der Entsolidarisierung nicht mehr nur das Herstellen eines guten Wirtschaftsklimas. Sondern mit gleicher Wertigkeit auch das Social-Charta-Denken, also das gleichzeitige Einfordern sozialer Mitarbeiterverantwortung nach dem Modell des Rheinischen Kapitalismus. Die „gute“ Wirtschaft bewertet beide Teile der sozialen Marktwirtschaft gleichwertig. Dies wird von Teilen der Union l&#228;ngst nicht so gesehen. Eine wachsende Zahl von Wirtschafts-Protestw&#228;hlern ist die Folge.</p>
<p>Kann man sich angesichts von Globalisierung und demografischer Entwicklung allein auf Wachstum und Aufschwung verlassen? Oder sind Reichensteuer, Erbschaftssteuer, Schutzschirme und Manager-Restriktionen doch die besseren Alternativen? Schon oft hat die Polemik die Logik besiegt.</p>
<p><strong>Der 30. August geht in die Politikhistorie m&#246;glicherweise auch als Renaissance einer Politik der klaren Kante ein.</strong> Und da leiden die beiden Gro&#223;en unter der „neuen Beliebigkeit“ ihrer Bundesparteien: Deren Politik ist f&#252;r viele W&#228;hler ohne erkennbaren Markenkern. W&#228;hrend die Kleinen mit eindeutigen Botschaften: „Wir sind gegen alles“ (Linke) – „Steuern runter“ (FDP) oder „Wirtschaft &#246;kologisieren“ (Gr&#252;ne) –  in Verbindung gebracht werden, wissen die W&#228;hler l&#228;ngst nicht mehr, wie sich die sozialdemokratisierte CDU im Einzelfall entscheidet. Und wer bei der SPD das Sagen hat. Deren inzwischen etwa 60 Prozent Linken – oder die in die Minderheit abgerutschten Schr&#246;derianer?</p>
<p>Die Widerst&#228;nde, mit Links an die Macht zu kommen, sind zumindest auf L&#228;nderebene offenbar kleiner als bef&#252;rchtet, ausgerechnet w&#228;hrend der gr&#246;&#223;ten Rezession der letzten Jahrzehnte. Das Ypsilanti-Debakel war also nicht das Zusammengehen mit den Knallroten, es war die Unaufrichtigkeit der Spitzenkandidatin.</p>
<p>Waren also die Landtagswahlen typisch und damit richtungsweisend f&#252;r den 27. September?</p>
<p><strong>Nur in Sachsen herrschte Normalit&#228;t.</strong> Dort wurden Kompetenz, die Pers&#246;nlichkeit der Ministerpr&#228;sidenten seit Biedenkopf, die guten Kennwerte bei PISA, Staatsverschuldung oder Wirtschaftskraft gew&#228;hlt. Und Schwarz-Gelb. In Sachsen, dem Bundesland mit dem gr&#246;&#223;ten Anteil an W&#228;hlern, die stolz auf ihr Land sind, z&#228;hlen noch Inhalte und Wirtschaftsoptionen. Und nicht pers&#246;nlicher Ehrgeiz, Koalitionen und Demonstrationen.</p>
<p><strong>Untypisch dagegen sind die Wahlen in Th&#252;ringen und an der Saar.</strong> In Erfurt ging es nicht um inhaltliche Auseinandersetzung, zwei v&#246;llig situative Themen spalteten die W&#228;hler: Die eigenartige Au&#223;endarstellung von Ministerpr&#228;sident Althaus, der zum zweiten Male hintereinander deutlich – diesmal 12 Prozentpunkte – verlor. Zudem die Frage: Geht das – Nicht Koch, sondern Kellner als Ministerpr&#228;sidenten – nachdem SPD-Kandidat Matschie nur drittst&#228;rksten Kraft geworden war. Kann es einen SPD-Ministerpr&#228;sidenten unter linker Duldung geben?</p>
<p>Dass Th&#252;ringen wirtschaftlich sogar Sachsen &#252;berholt, in Bildungsrankings oben und infrastrukturell gut ist, spielte nur eine untergeordnete Rolle. Die Th&#252;ringer waren ganz einfach Althaus-&#252;berdr&#252;ssig, nachdem er seinen Skiunfall zur politischen Inszenierung nutzte und die Partei wie eine Ikone an ihm festhielt.</p>
<p>Auch an der Saar spielten Macht und M&#246;glichkeit, nicht politische Inhalte, die wahlentscheidende Rolle. Wie kann man als kleiner Mann besser seinen Frust gegen die Etablierten zum Ausdruck bringen, als durch die Wahl des angesehenen Alt-Ministerpr&#228;sidenten und CDU- und SPD-Hassers? Das allerdings zeigt, dass von Lafontaines linkem Wahlerfolg, dem ersten in einem westlichen Bundesland, nur ein geringes Signal f&#252;r Berlin ausgeht. Sein neuer Rekord, 19 Prozent in einem Bundesland, ist zum gro&#223;en Teil der spezifischen Situation in einer Region geschuldet, die gerade mal &#252;ber gut einem Prozent der bundesdeutschen Bev&#246;lkerung verf&#252;gt.</p>
<p><strong>Denn auch das ist die Wahlwirklichkeit 2009, wenn auch nur im Saarland:</strong> Nicht die st&#228;rkste, nicht die Katapult-, nicht die Rekordminuspartei, ausgerechnet die mit 5,9 Prozent seltsam schwachen Gr&#252;nen, die erst nach einer Zitterpartie in den Saarbr&#252;cker Landtag einzogen, sind zum K&#246;nigsmacher geworden. Ausgerechnet der mit Abstand schw&#228;chste Kleine k&#246;nnte, falls es nicht doch noch zur &#8220;Gro&#223;en&#8221; kommt, in Koalitionsverhandlungen das Maximum aushandeln.</p>
<p>Wie die SPD deutliche Niederlagen zu gesp&#252;rten Siegen hochstilisiert, sollten die politischen Gegner nun damit rechnen, dass sich die SPD nicht mehr l&#228;nger der Koalition mit der Linken verschlie&#223;en wird: Sie thematisiert ihre neue Machtoption sogar deutlicher denn je. Die Genossen sehnen Rot-Rot herbei, gerade weil Schwarz-Gelb deutlicher denn je das rot-rote Schreckgespenst stigmatisiert, das nun auch nach Westen expandiert. Mit ungewissem Ausgang.</p>
<p>Landtagswahl war gestern. Heute z&#228;hlen die Auswirkungen auf dem 27. September, wo sich die wie Blei um die 25 Prozent liegende SPD eventuell doch noch der 30-Prozent-Marke n&#228;hern k&#246;nnte. <strong>Drei Faktoren k&#246;nnen nach sechs konstanten Vorwahlmonaten nun doch noch die Bundestagswahl beeinflussen:</strong></p>
<ul>
<li>Die nach Saar und Th&#252;ringen nicht unrealistische D&#228;monisierung der bislang wahrscheinlichen schwarz-gelben Koalition: Schafft Steinmeier, wie einstmals Schr&#246;der, das Schreckgespenst des kalten neoliberalen Sozialabbaus an die Wand zu malen? Gewinnt die SPD mit ihrem Strategiewechsels an Boden? Oder geraten die Sozialdemokraten nur noch st&#228;rker in die Bredouille, weil sie dadurch bereits weit vor dem Wahltag nicht mehr auf eigenen Sieg, sondern auf die Niederlage der Anderen setzen? Viel h&#228;ngt davon ab, ob die Spitzen von Union und SPD den W&#228;hlern die Angst vor einem Sozialabbau nehmen k&#246;nnen.</li>
<li>Schafft die SPD angesichts zweier roten Verbesserungs- und schwarzen Verschlechterungsbalken doch noch die Stimmungswende? Gelingt es ihnen, allein aus der Tatsache, dass die CDU nat&#252;rlich nicht das Traumergebnis 2004 halten konnte, den Last-Minute-Swing zu thematisieren? Ist eine hohe CDU-Niederlage bereits ein SPD-Sieg? Selbst wenn sie in v&#246;llig atypischen Politikumfeld zustande kamen?</li>
<li>Wie entwickelt sich die Angst vor Rot-Rot, das nun auch im Westen m&#246;glich erscheint? Muss die SPD weiterhin mit der W&#228;hlerwut rechnen – oder leitet sie damit auch im Westen die Normalisierung ein?</li>
</ul>
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		<title>Bundestagswahl: Was ist eigentlich 2009 anders?</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 11:08:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerhard Schr&#246;der konnte 2002 und 2005 noch Prozente im Endspurt aufholen, Frank-Walter Steinmeier hat dies bisher nicht geschafft. Die politische Stimmung und der fehlende Glaube bei den SPD-Anh&#228;ngern markieren einen Unterschied zu den letzten Wahlk&#228;mpfen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b35dd60cfbb861d9649b74ff2e0a4c" alt="" width="1" height="1" />Lange Zeit war das „Mach’s wie Gerd, Frank!“, die klammheimliche Hoffnung der SPD-Anh&#228;nger auf einen furiosen Endspurt ihrer Partei. Drei Monate ben&#246;tigte Gerhard Schr&#246;der bei seinen Wahlk&#228;mpfen 2002 und 2005, nach riesigem R&#252;ckstand jeweils „im toten Rennen“ die Ziellinie zu ereichen. Jetzt ist die H&#228;lfte dieser Aufholzeit bereits vorbei, doch nichts hat sich bewegt. Damals hatte die SPD bereits sechs des 12-Prozentpunkte-R&#252;ckstands wett gemacht. Diesmal keinen einzigen.</p>
<p>Was ist eigentlich in diesem Jahr anders? Nicht unbedingt die Leistung der Genossen, einmal abgesehen von Steinmeiers uneinholbarem R&#252;ckstand in der Kanzlerfrage. Anders ist vor allem die bleierne, die Aufholjagd zerst&#246;rende Stille, die &#252;ber dem Wahlkampf liegt. Was Schr&#246;der tat, wurde zum Medienhighlight, des Kanzlers Machogetue Headline. &#8220;Kann Schr&#246;der es noch mal ‚wuppen’?&#8221; war ein glaubhaftes Topthema. Steinmeier hingegen sinniert und konzeptioniert, macht Wahlkampf mit stoischer Gelassenheit, nicht mit Saft und Kraft.</p>
<p>Nett statt keck. Stille statt Wille. Friede statt Hiebe! So ist kein Herzschlagfinale m&#246;glich.</p>
<p>Im Leistungs- und Kompetenzurteil wird die SPD keineswegs schlechter bewertet als 2005. Etwa 35 Prozent der W&#228;hler bescheinigen der SPD „gute Arbeit“, kaum weniger der Union. <strong>Mit der Regierungsarbeit sind sogar mehr W&#228;hler zufrieden als vor sieben und vier Jahren.</strong> Im Kompetenzprofil liegt die SPD zwar in sieben der zehn wichtigsten Politikfelder hinter der CDU/CSU. Aber auch das war 2005 &#228;hnlich. Und Steinbr&#252;ck und Steinmeier geh&#246;ren zu den f&#252;nf besten Ministern dieser Legislaturperiode. Einer mehr als 2005.</p>
<p>Nicht die politische Arbeit, die <strong>politische Stimmung</strong> ist also die zu hohe H&#252;rde. Und der gro&#223;e Unterschied zu den vorausgegangenen Bundestagsentscheidungen: Der Wahlkampf will einfach nicht in die G&#228;nge kommen. Schlimmer noch: Je &#246;fter das Herzschlagfinish fr&#252;herer Zeiten thematisiert wird, umso st&#228;rker der Aufholdruck, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, den Hoffnungen gerecht zu werden, desto lethargischer die W&#228;hler.</p>
<p><strong>Wahlkampf ist Psychologie. Und Frank-Walter Steinmeier ist Jurist.</strong></p>
<p>Deshalb kann der Herausforderer auch Kanzler, nicht aber Kanzlerkandidat. Erst Recht nicht aus der Position des Vizekanzlers. Denn gerade in Krisenzeiten geht f&#252;r ihn nicht Konfrontation, sondern Kooperation. Steinmeier kann nicht morgens gemeinsam regieren und abends polarisieren.</p>
<p>Steinmeiers Pech: Er besitzt nicht das Imageprofil eines Gerhard Schr&#246;der. Er ist der m&#228;nnliche Merkel. Und wo sich der letzte SPD-Kanzler noch auf eine namhafte Riege von Ministerpr&#228;sidenten verlassen konnte, sind die letzten der SPD-Riege bundesweit l&#228;ngst gescheitert.</p>
<p>Deshalb ist vor allem das politische Klima das bis zum Wahltag unl&#246;sbare Problem der SPD:</p>
<ul>
<li>Das Sicherheitsempfinden beg&#252;nstigt die Union umso mehr, je prek&#228;rer die Zeiten werden: Rezession w&#228;hlt Wirtschaftskompetenz, Konjunktur w&#228;hlt Verteilungskompetenz.</li>
<li>Eine Wechselstimmung ist zwar vorhanden, bei den meisten aber hin zu Schwarz-Gelb.</li>
<li>Vor allem, weil die SPD keine Machtoption hat, so lange 91 Prozent der W&#228;hler nur eine Chance der SPD als Juniorpartner der Union sehen.</li>
<li>Was ist das Thema? Worum geht es eigentlich bei der Wahl? Diesmal nicht um Krieg oder soziale Sicherheit. Nie zuvor gab es so wenig Konfliktstoff zur CDU. Auch weil diese geschickt sozialdemokratische Positionen &#252;bernimmt.</li>
<li>Was passiert wirklich mit den SPD-Stimmen? Solange 40 Prozent den Genossen zutrauen, im Zweifelsfall auch eine Koalition mit der Linken einzugehen, ist bei keiner Partei die Unsicherheit, eine unerw&#252;nschte Regierung gew&#228;hlt zu haben, st&#228;rker ausgepr&#228;gt.</li>
<li>Wof&#252;r steht der Kanzler? Steinmeier ist der 67-Seiten-Deutschland Plan – Schr&#246;der der Mann der drei klaren Botschaften. Das einzige Wahlziel, Schwarz-Gelb zu verhindern, hat l&#228;ngst kein D&#228;monisierungspotential mehr.</li>
</ul>
<p><strong>Das gr&#246;&#223;te Hindernis aber sind die Genossen selbst:</strong> Die <em>self-fulfilling prophecy</em>, also der Glaube, es doch noch zu schaffen, war die herausragende Dominante der Schr&#246;der Wahlk&#228;mpfe. Wenn sechs Wochen vor der Wahl aber nur noch 30 Prozent der SPD-Anh&#228;nger an ein &#8220;gutes Ergebnis&#8221; glauben, dann unterscheidet gerade diese fehlende Siegeszuversicht die Steinmeier- von der ehemaligen Schr&#246;der-SPD.</p>
<p>Der Glaube versetzt Berge, Zweifel dagegen f&#252;hren direkt ins Tal.
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