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	<title>CARTA &#187; Kai Burkhardt</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Jugendmedienschutz: Eine Online-Konsultation</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 11:13:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Burkhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist eine Ironie der Technikgeschichte, dass die Zukunft des Internets, seine Ordnung und Regulierung teilweise durch den lange bel&#228;chelten Jugendschutz entschieden werden k&#246;nnte. Ein Aufruf zur Beteiligung.


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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der siebzehnj&#228;rige Berliner Bahadir muss die n&#228;chsten anderthalb Jahre psychisch behandelt werden. Eine Clique von zwanzig Jugendlichen hatte ihm im M&#228;rz 2011 im U-Bahnhof Osloer Strasse schwere Kopfverletzungen zugef&#252;gt. Grund: Er wollte seine Freundin verteidigen, die im Internet Opfer von anonymen Beleidigungen und Verleumdungen geworden war. Die T&#228;ter waren Schulkameraden.</p>
<p>Bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sind gegen die Seite iSharegossip sechzig Strafanzeigen eingegangen. Die Seite iSharegossip, die mittlerweile nicht mehr zug&#228;nglich ist, war haupts&#228;chlich dazu genutzt worden, Mitsch&#252;ler und Jugendliche psychisch zu terrorisieren. Wenn man bedenkt, dass quasi alle Sch&#252;ler Internetnutzer sind, erscheint die Zahl nicht gro&#223;. Doch nach einer Forsaumfrage geben 36 Prozent aller Jugendlichen an, schon einmal Opfer von Cyberattacken gewesen zu sein und das w&#228;re eine immens hohe Zahl.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Es ist eine Ironie der Technikgeschichte, dass die Zukunft des Internets, seine Ordnung, Regulierung und Durchl&#228;ssigkeit, ausgerechnet durch den lange bel&#228;chelten Jugendschutz entschieden wird.</strong> Genau das aber wird passieren. W&#228;hrend n&#228;mlich andere Probleme wie Internetpiraterie oder Datenschutz zumindest manchmal auch digitalkommunistische oder Robin-Hood-artige Betrachtungsweisen erlauben, h&#246;rt bei Kindern und Jugendlichen der Spa&#223; auf.</p>
<p>F&#252;r Politiker gilt dies besonders, denn es gibt keine h&#228;rtere Opposition als besorgte Eltern. Vereine wie „M&#252;tter gegen Krieg“ oder „M&#252;tter gegen Atomkraft“ sind f&#252;r Politiker weitaus unangenehmer als die parlamentarische Opposition. Die „madres de la plaza mayo“ umrunden seit 1977 jeden Donnerstag in stillem Protest den Platz vor dem Regierungssitz.</p>
<p>Man braucht nicht viel Empathie, um sich vorzustellen, was der jeweilige Pr&#228;sident dabei empfindet. Nach dem Supergau von Tschernobyl brachen alle gut gemeinten Kommunikations- und Beschwichtigungsstrategien in sich zusammen, als besorgte V&#228;ter und M&#252;tter auf die Strasse gingen. Eine politische Klasse, die den Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht gew&#228;hren kann, ist am Ende.</p>
<p>Davon abgesehen gibt es in Deutschland ein Verfassungsrecht, das Kindern und Jugendlichen die freie Entfaltung ihrer Pers&#246;nlichkeit garantiert. Die meisten sind sich darin einig, dass frei zug&#228;ngliche Pornographie und<strong> aggressives cyberbullying</strong> diese Entwicklung beeintr&#228;chtigen. Wie also ist dem Problem beizukommen?</p>
<p><em>Hinweiss: Der Autor freut sich &#252;ber Beitr&#228;ge auf <a href="http://www.jugendmedienschutz-gestalten.de/">www.jugendmedienschutz-gestalten.de</a></em></p>
<p>Die Bundesl&#228;nder, die in Deutschland f&#252;r Medien zust&#228;ndig sind, haben die undankbare Aufgabe, dieses Problem zu l&#246;sen. Bei der Suche nach einer Antwort, die irgendwo zwischen der &#228;gyptischen L&#246;sung (Abschalten des Internets) oder der chinesischen (Filtertechniken und psychologischer Druck auf Netzseitenbetreiber) einerseitts und einer umfassenden Liberalisierung andererseits liegen muss, sto&#223;en sie jedoch erwartungsgem&#228;&#223; an Grenzen.</p>
<p>In seiner heutigen Form kann das international strukturierte Internet kaum von nationalstaatlicher Seite reguliert werden. Aber da weder von der Europ&#228;ischen Union noch von irgend einer anderen Seite in absehbarer Zeit ein Vorsto&#223; zu erwarten ist, f&#228;llt das Problem an die Nationalstaaten zur&#252;ck. Eine m&#246;gliche L&#246;sung w&#228;re, das <strong>Internet insgesamt zu nationalisieren</strong>, was in schleichenden Prozessen schon vollzogen wird. Aber will man das?</p>
<p>Eine Alternative k&#246;nnte sein, die Nutzer selbst st&#228;rker an der L&#246;sung zu beteiligen. Auch dies geschieht zum Teil schon. Selbsthilfegruppen installieren Instrumente wie we rate it, die eine Alterskennzeichnung der Seiten durch die Nutzer erm&#246;glichen. Ein Selbstversuch der Aktivistengruppe <strong>AK Zensur</strong> hat allerdings ergeben, dass achtzig Prozent der Nutzer <strong>falsche Altersempfehlungen </strong>geben – jedenfalls wenn man die Kategorien des analogen Jugendmedienschutzes zum Ma&#223;stab nimmt. Ist die sogenannte Schwarmintelligenz, also die gemeinsame Aufmerksamkeit und Beratung aller Internetnutzer, vielleicht gar nicht in der Lage, einheitliche, objektive Kategorien zu entwickeln?</p>
<p>Vielleicht hilft die viel beschworene Medienkompetenz. Der einzige Ort, an dem ein ganzer Jahrgang von Jugendlichen erreicht werden kann, ist jedoch die Schule und der fehlt es an technischen und p&#228;dagogischen Vorraussetzungen. Die finanzielle Ausstattung von Schulen m&#252;sste erheblich aufgestockt werden, wenn man schnelle Abhilfe erwartet. Wir m&#252;ssten dar&#252;ber streiten, wieviel uns das wert ist.</p>
<p>Zu allem &#220;berfluss haben wir es mit Problemen zu tun, die aus der analogen Welt weitgehend unbekannt und infolgedessen auch unerforscht sind. Die Frage ist allerdings: Haben wir Zeit, jahrelang Daten zu erheben, w&#228;hrend Kinder und Jugendliche gleichzeitig den Gefahren des Netzes ausgeliefert bleiben?</p>
<p>Bleiben am Ende vielleicht doch nur immer feinere Filterprogramme, die heute schon von Providern und privaten Unternehmen angeboten werden?</p>
<p>Das sind ernsthafte Fragen, die eine breite Diskussion verdient h&#228;tten. Sie sind komplex und man ben&#246;tigt etwas technischen Sachverstand zu Funktionsweisen des Internets, um in die Diskussion einzusteigen. Die Schlichtungsgespr&#228;che in Stuttgart, aber durchaus auch die Diskussion um die gescheiterte Novelle des Jugendmedienschutzstaatsvertrages haben gleichwohl gezeigt, dass in der Bev&#246;lkerung teils verbl&#252;ffendes Detailwissen vorhanden ist und stille Beobachter ohne Amt und Beruf zahlreiche neue Gesichtspunkte in die Diskussion einbringen konnten.<strong> Was aber ist der geeignete Weg, dieses Wissen abzurufen</strong>?</p>
<p>Die politische Klasse experimentiert seit den Stuttgarter Gespr&#228;chen mit verschiedenen Formen der B&#252;rgerbeteiligung und auch Nordrhein-Westfalen geh&#246;rt zu den L&#228;ndern, die versuchen, breitere Schichten an der Diskussion zu beteiligen. Niemand wird bestreiten, dass diese<a href="www.jugendmedienschutz-gestalten.de."> </a>Online-Konsultationen bislang noch Experimentalcharakter haben. „Wir lernen im Vorw&#228;rtsgehen“, wie der zust&#228;ndige Staatssekret&#228;r Marc Jan Eumann formulierte.</p>
<p>Eine der nun initiierten Plattformen zum Jugendmedienschutz ist <em> <a href="http://www.jugendmedienschutz-gestalten.de/">www.jugendmedienschutz-gestalten.de,</a> </em>die an eine Veranstaltung auf dem Medienforum NRW anschlie&#223;t und vom Autor dieses Textes mitbetrieben wird.<em><br />
</em></p>
<p>Es ist der Sache &#252;brigens nicht besonders zutr&#228;glich, die Beteiligung an der Diskussion zu verweigern, weil das Design des Angebotes nicht gef&#228;llt. Die Diskussion wird ohnehin nicht auf einer einzigen Seite stattfinden und kann sich f&#252;r alle nachvollziehbar mal hierhin, mal dorthin verlagern. So ist die Natur des Internets und das ist gewiss kein Nachteil. Die Hauptsache ist, dass die Diskussion &#252;berhaupt noch einmal in Gang kommt.</p>
<p>Eine „verbriefte Wirkung“, wie sie der <a href="http://netzpolitik.org/2011/jugendmedienschutz-vergebene-chance-in-nrw/">Medienp&#228;dagoge J&#252;rgen Ertelt fordert</a>, kann man von einer B&#252;rgerkonsultation freilich nicht erwarten. Entscheiden m&#252;ssen am Ende, so lange man die Verfassung nicht &#228;ndert, eben doch die Landtage. Was die L&#228;nder jedoch leisten werden, ist eine eingehende Pr&#252;fung der Beitr&#228;ge und daran werden sie sich messen lassen. Die Laufzeit der Konsultation hat die Staatskanzlei in D&#252;sseldorf bis zum 7. August um drei Wochen verl&#228;ngert.</p>
<p><em>Kai Burkhardt ist Mitarbeiter beim Institut f&#252;r Medien- und Kommunikationspolitik gGmbH. Das Institut betreibt die Site <a href="http://www.jugendmedienschutz-gestalten.de/">www.jugendmedienschutz-gestalten.de</a>. Beitr&#228;ge sind dort herzlich willkommen.<a href="http://www.jugendmedienschutz-gestalten.de/"><br />
</a></em></p>
<p>&nbsp;
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			</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40615&amp;md5=8354ee68bcd75ba820fe09310676ef61" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dreistufiger Unsinn: Die Drei-Stufen-Tests gef&#228;hrden die Glaubw&#252;rdigkeit der Medienaufsicht</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Mar 2009 14:17:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai Burkhardt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit den ersten Drei-Stufen-Tests zeigt die ARD streberhaft-vorlaut, welch absurder Verwaltungsaufwand von ihr verlangt wird und zu welchen pseudo-wissenschaftlichen Mitteln sie greifen muss, um die Forderungen des 12. Rundfunkstaatsvertrags zu erf&#252;llen. Warum steht niemand auf und sagt, dass Drei-Stufen-Test in dieser Form Unsinn sind? Das Mediensystem in Deutschland braucht eine einheitliche, externe Aufsicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/3b927ae11ee4be5249e72b7ef17c7c" alt="" width="1" height="1" /><br />
Der Drei-Stufen-Test des MDR f&#252;r die „KiKaninchen-Website“ und „KiKaPlus“ sendet einen so un&#252;berh&#246;rbaren Unterton von „Das-habt-ihr-nun-davon“, dass man geradezu gen&#246;tigt wird, sich die Sitzung vorzustellen, die zu diesem Testverfahren gef&#252;hrt hat: Man sieht die leitenden MDR-Mitarbeiter vor sich – genervt, weil man ihnen nun auch das noch aufb&#252;rdet.</p>
<p>Na gut, werden sie sich gedacht haben, es w&#228;re nicht das erste mal, dass es gelingt, die inneren Prozesse des &#246;ffentlich- rechtlichen Rundfunks vor zudringlichen Blicken zu sch&#252;tzen. Obwohl die gesetzliche Grundlage noch gar nicht verabschiedet ist (der 12. Rundfunkstaatsvertrag soll erst im Sommer ratifiziert werden), zeigt die ARD der &#214;ffentlichkeit streberhaft-vorlaut, welch <strong>absurder Verwaltungsaufwand</strong> von ihr verlangt wird und zu welchen <strong>pseudo-wissenschaftlichen Mitteln</strong> sie greifen muss, um die Forderung der EU-Kommission und der privaten Verleger und Rundfunker zu erf&#252;llen. Diese vorauseilende Pflichterf&#252;llung kann nur den taktischen Grund haben, den 12. Rundfunkstaatsvertrag noch zu kippen.</p>
<div id="attachment_6190" class="wp-caption aligncenter" style="width: 483px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/gutachten_1.jpg"><img class="size-full wp-image-6190" title="gutachten_1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/gutachten_1.jpg" alt="KiKaPlus-Gutachten:" width="473" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">KiKaPlus-Gutachten: Ein anderes Ergebnis h&#228;tte ungef&#228;hr den &#220;berraschungseffekt von Christoph Daums Kokain-Haar-Test gehabt</p></div>
<p>Auf 185 Seiten weisen die Gutachter der European Economic &amp; Marketing Consultants nach, dass „das neue Angebot www.kikaninchen.de <strong>&#8220;die Konsumentenwohlfahrt zum Wohle der Vorschulkinder und der Gesellschaft erh&#246;hen wird</strong>.“ Ein anderes Ergebnis h&#228;tte ungef&#228;hr den &#220;berraschungseffekt von Christoph Daums Kokain-Haar-Test gehabt. Es war ja geradezu durchtrieben, ein Programm durch den ersten Drei-Stufen-Test zu jagen, dessen Name nach Haustier, Kind und Bambi klingt – bei dem man also ein Herz aus Stahl besitzen muss, um den Tod des Programms zu fordern. Auch der Auftrag an ein Institut, dessen N&#228;he zu Br&#252;ssel allen vor Augen f&#252;hrt, wer f&#252;r den Schlamassel verantwortlich ist! Dann wird auch noch Ulf B&#246;ge mit einem Gutachten beauftragt, der als ehemaliger Pr&#228;sident des Bundeskartellamtes nicht nur &#252;ber jeden Zweifel erhaben ist, sondern gegen den man nur schwer argumentieren kann, wenn man nicht &#252;ber entsprechende juristische und sprachliche Spezialkenntnisse verf&#252;gt – und wer verf&#252;gt schon dar&#252;ber? Schlie&#223;lich zahlt der MDR f&#252;r die Gutachten eine Summe (220.000€), die in einem v&#246;llig verzerrten Verh&#228;ltnis zu den Produktionskosten des Projektes steht (330.000 €). <strong>Der MDR hat also alles getan, um das Projekt in die Diskussion zu bringen</strong>, und erwartet einen Aufschrei der Politik, der Rechnungsh&#246;fe und der Geb&#252;hrenzahler. Dann ist der Spuk vorbei, denken die Verantwortlichen, dann kann man zum Tagesgesch&#228;ft zur&#252;ckkehren.</p>
<p>Nur leider: Der Aufschrei bleibt aus! Niemand steht auf und sagt, dass ein Drei-Stufen-Test in dieser Form Unsinn ist. Wohin man blickt, stellt sich – wenn nicht Ratlosigkeit &#8211; so etwas wie Zufriedenheit ein, weil die ARD sich um die Umsetzung einer europ&#228;ischen Richtlinie verdient macht. Damit war nicht zu rechnen. Die Lage ist ernst: <strong>Der Drei-Stufen-Test droht Wirklichkeit zu werden</strong>. Das hat der MDR nicht gewollt. Das kann er nicht gewollt haben. Aber was, wenn es so kommt? Wenn dies der Standard ist, mit dem k&#252;nftig Programme gepr&#252;ft werden? Dann droht eine ausufernde Gutachterb&#252;rokratie, die vom Geb&#252;hrenzahler und von den privaten Sendern wechselseitig finanziert wird. <strong>Sie wird Millionen kosten, die am Ende dem Programm entzogen werden</strong>. Die tiefen Gr&#228;ben zwischen den Verlegern und Rundfunkern, zwischen Privaten und &#214;ffentlich-rechtlichen werden noch tiefer. Die Medien werden in dieser Sache auf objektive Berichterstattung weitgehend verzichten und gegeneinander polemisieren. <strong>Die journalistische Qualit&#228;t wird leiden, die Glaubw&#252;rdigkeit erst recht</strong>.</p>
<p>Dabei geh&#246;rt eigentlich nur eine Spur gesunden Menschenverstands dazu, zu einer vern&#252;nftigeren L&#246;sung zu kommen und das &#220;bel bei der Wurzel zu packen: Der <strong>mangelhaften &#220;bersetzung von juristischen Vorgaben in konkrete Politik</strong>. Es ist nun mal die Aufgabe von Juristen, Vorgaben zu machen, die bewusst offen gehalten sind, um eine konkrete Ausformulierung durch Fachleute zu erm&#246;glichen. Wenn diese &#220;bersetzungsleistung nicht stattfindet, wenn Begriffe wie „Meinungsmacht“ oder „gesellschaftlicher Mehrwert“ nicht mehr Arbeitshypothesen, sondern schon Zielbegriffe sind, dann kommt es zu Fehlleistungen wie dem Drei-Stufen-Test. Wieder einmal vermisst man eine Institution, die m&#228;&#223;igend eingreifen k&#246;nnte. <strong>Eine solche Institution haben die L&#228;nder bislang erfolgreich verhindert</strong>. Die wirklich entscheidenden medienpolitischen Streitf&#228;lle sind in der Geschichte der Bundesrepublik deshalb immer vom Bundesverfassungsgericht entschieden worden, das aber seiner Natur gem&#228;&#223; den Ball als juristische Formel wieder ins Feld zur&#252;ckspielt. Der Erfolg des Bundesverfassungsgerichts in medienpolitischen Fragen ist &#252;brigens auch weniger seiner argumentativen Brillianz als vielmehr seiner anerkannten Autorit&#228;t als Gralsh&#252;ter zu verdanken, vor dem alle Parteien in Schweigen verfallen. Medienpolitisch ist diese Flucht des Kindes zur Mutter ein <strong>unhaltbarer, weil fachfremd bestimmter Vorgang</strong>, dem man endlich mit einer publizistisch wirksamen, zentralen Instanz begegnen sollte.</p>
<p>Die Landesmedienanstalten, die leicht in diese Richtung zu entwickeln w&#228;ren, sind als Anw&#228;lte eines qualitativ hochwertigen Mediensystems zum Scheitern verurteilt. Ihre Schw&#228;che liegt darin, dass sie <strong>keine Autorit&#228;t und keine weithin h&#246;rbare Stimme</strong> haben. Man k&#246;nnte auf dem Hamburger Jungfernstieg tausend Passanten bitten, zwei Direktoren einer Landesmedienanstalt zu nennen und w&#252;rde keine Antwort erhalten. Dies ist nicht den Direktoren vorzuwerfen, sondern dem System. &#196;hnliches gilt &#252;brigens f&#252;r die Gremien von ARD und ZDF oder f&#252;r den Presserat: Niemand kennt sie. Um im Bewusstsein der Bev&#246;lkerung anzukommen, ja um &#252;berhaupt Autorit&#228;t zu erlangen, fehlen den Anstalten Zust&#228;ndigkeiten, die nicht nur ein winziges Spezialpublikum interessieren. Dazu k&#246;nnte etwa die Aufsicht &#252;ber Teile des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks oder der Printmedien geh&#246;ren. Sie m&#252;ssten sich als Treuh&#228;nder von journalistischer Qualit&#228;t verstehen. <strong>Um zu einer anerkannten Autorit&#228;t zu werden, sind die bestehenden Anstalten in eine zentrale Einheit zu &#252;berf&#252;hren</strong>. Diese muss z&#252;gig und unabh&#228;ngig entscheiden k&#246;nnen, um zumindest die M&#246;glichkeit zu schaffen, der kommunikationstechnologischen Dynamik gerecht zu werden, anstatt von ihr alle drei Monate &#252;berrollt zu werden.<br />
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