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	<title>CARTA &#187; Justus Haucap</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Wie Nachrichten auch entstehen: Ein Erfahrungsbericht</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 16:16:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als Vorsitzender der Monopolkommission ist man auch ab und an in den Medien – das ist auch gut so, da der Wettbewerb an sich ja keine Lobby hat und Bundeskartellamt und Monopolkommission die einzigen Institutionen sind, die sich systematisch f&#252;r den Wettbewerb auf den M&#228;rkten stark machen.

Doch zum Thema: Am 22.12.2009 berichtete Spiegel Online von einem angeblichen Frontalangriff der Monopolkommission auf Wirtschaftsminister Br&#252;derle (hier). Das ist allerdings doch eine ziemliche journalistische Zuspitzung, man k&#246;nnte auch Quatsch sagen. Was war passiert?

Hintergrund war ein Gespr&#228;ch mit dem Handelsblatt Anfang Dezember f&#252;r eine Jahresr&#252;ckschau &#252;ber die Ma&#223;nahmen des Konjunkturpaketes, insbesondere den sog. Wirtschaftsfonds Deutschland. Der Beitrag erschien am 22.12.2009 im Handelsblatt im Rahmen der R&#252;ckschau „Das war 2009“ (hier). Schon im Januar 2009 hatte sich die Monopolkommission sehr kritisch mit den Hilfen f&#252;r die Realwirtschaft im Rahmen des Konjunkturpaketes II auseinander ge]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8eb29d41af704b7a80ffe366cd425c83" width="1" height="1" alt=""/>Als Vorsitzender der Monopolkommission ist man auch ab und an in den Medien – das ist auch gut so, da der Wettbewerb an sich ja keine Lobby hat und Bundeskartellamt und Monopolkommission die einzigen Institutionen sind, die sich systematisch f&#252;r den Wettbewerb auf den M&#228;rkten stark machen.</p>
<p>Doch zum Thema: Am 22.12.2009 berichtete <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,668746,00.html">Spiegel Online</a> von einem angeblichen Frontalangriff der Monopolkommission auf Wirtschaftsminister Br&#252;derle (<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/staatshilfen-monopolkommission-will-deutschlandfonds-abschaffen;2503460;0">hier</a>). Das ist allerdings doch eine ziemliche journalistische Zuspitzung, man k&#246;nnte auch Quatsch sagen. Was war passiert?</p>
<p>Hintergrund war ein Gespr&#228;ch mit dem Handelsblatt Anfang Dezember f&#252;r eine Jahresr&#252;ckschau &#252;ber die Ma&#223;nahmen des Konjunkturpaketes, insbesondere den sog. Wirtschaftsfonds Deutschland. Der Beitrag erschien am 22.12.2009 im <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/staatshilfen-monopolkommission-will-deutschlandfonds-abschaffen;2503460;0">Handelsblatt</a> im Rahmen der R&#252;ckschau „Das war 2009“ (<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/staatshilfen-monopolkommission-will-deutschlandfonds-abschaffen;2503460;0">hier</a>). Schon im Januar 2009 hatte sich die Monopolkommission sehr kritisch mit den Hilfen f&#252;r die Realwirtschaft im Rahmen des Konjunkturpaketes II auseinander gesetzt und einen m&#246;glichst zeitnahen Ausstieg gefordert (<a href="http://www.monopolkommission.de/presse/pressemitteilung090122.pdf">hier</a>)</p>
<p>Diese Forderung habe ich nun wiederholt und konkret angeregt, den Fonds Mitte 2010 zu schlie&#223;en. Da Herr Br&#252;derle nicht Wirtschaftsminister war, als der Fonds urspr&#252;nglich aufgelegt wurde, l&#228;sst sich aus der heutigen Wiederholung der Forderung der Monopolkommissionsforderung vom Januar 2009 eigentlich schwerlich ein Frontalangriff auf den heutigen Wirtschaftsminister konstruieren. Aber anders w&#228;re es vermutlich eher langweilig, wenn auch eher richtig.</p>
<p>Gew&#252;rzt wurde das Ganze im Spiegel Online noch mit dem Hinweise, dies sei meine zweite Attacke in zwei Tagen auf den Wirtschaftsminister (<a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,668746,00.html">hier nochmal</a>). Die zweite Attacke war noch viel konstruierter als die erste. Was war los? Im Gespr&#228;ch mit der S&#252;ddeutschen Zeitung &#252;ber die geplante M&#246;glichkeit, marktbeherrschende Unternehmen zu entflechten, hatte ich neben einer Reihe anderen Dinge auch zu bedenken gegeben, dass aufzupassen sein wird, dass man nicht auch „unschuldige“ Unternehmen trifft. Konkret war in der S&#252;ddeutschen Zeitung vom 21.12.2009 zu lesen (leider nicht online):</p>
<blockquote><p>„Das Kartellamt darf k&#252;nftig auch dann eingreifen, wenn ein Unternehmen seine Marktmacht nicht missbraucht hat. Dies soll m&#246;glich sein, wenn es um hochkonzentrierte, gesamtwirtschaftlich bedeutsame M&#228;rkte geht, „auf denen zwar noch kein konkreter Missbrauch festgestellt wurde, auf denen aber kein oder kaum Wettbewerb herrscht, obwohl Wettbewerb technisch m&#246;glich ist“, hei&#223;t es in dem Papier. Bei diesem Punkt hat Haucap allerdings Bedenken. ‚Es gibt Unternehmen, die auf Grund ihrer guten Gesch&#228;ftsstrategie sehr gro&#223; und m&#228;chtig geworden sind, ohne ihre Stellung missbraucht zu haben‘, sagt der Experte. Zerschl&#252;ge der Staat solche Konzerne, w&#252;rde er ja ‚Firmen f&#252;r ihren Erfolg bestrafen‘. <strong>Grunds&#228;tzlich h&#228;lt der Chef der Monopolkommission die Pl&#228;ne der Regierung jedoch f&#252;r richtig</strong>.“</p></blockquote>
<p>In Spiegel Online wird daraus dann: „Mit seiner Kritik am Deutschlandsfonds macht Monopolkommission-Chef Haucap bereits zum zweiten Mal diese Woche gegen Wirtschaftsminister die wirtschaftspolitischen Pl&#228;ne der Regierung Front. Am Montag hatte er bereits das geplante Entflechtungsgesetz bekrittelt.“ Abgesehen vom ungew&#246;hnlichen Satzbau (gegen den Wirtschaftsminister oder doch die Pl&#228;ne?) ist aus dem obigen Satz aus meiner Sicht kaum eine Frontenbildung zu erkennen. Aber es ist doch interessant, wie solche Nachrichten entstehen, wenn auch vielleicht nicht ein Zeichen f&#252;r Qualit&#228;tsjournalismus.</p>
<p>Auch die <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2156551_Zerschlagung-von-Konzernen-Kritik-an-Bruederle.html">Frankfurter Rundschau</a> hat meine &#196;u&#223;erungen &#252;brigens unter dem Titel „Kritik an Br&#252;derle“ laufen lassen, was sicherlich nicht den wesentlichen Kern meines Statements trifft – denn prinzipiell begr&#252;&#223;e ich eine Entflechtungsm&#246;glichkeit ja – aber immerhin sind dort im Text die Aussagen dann richtig.</p>
<p>Mal sehen, was 2010 jetzt bringt&#8230;.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=20937&amp;md5=488cbf7465666c822c72f50a9b5b2afa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Im Wendekreis des Opels</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 11:33:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Die staatlichen Rettungsma&#223;nahmen f&#252;r Opel waren von Anfang an ein Fehler. Staatsb&#252;rgschaften k&#246;nnen keine Arbeitspl&#228;tze dauerhaft retten und verschieben das Problem nur. Jetzt ist die Gelegenheit f&#252;r die neue Bundesregierung, die Fehler der alten Bundesregierung zu korrigieren. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hat sich die vorl&#228;ufige Rettung von Opel angesichts der j&#252;ngsten Entwicklungen als Fehler erwiesen? Aus meiner Sicht waren die staatlichen Rettungsma&#223;nahmen von Anfang an ein Fehler. Richtig war die Position des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers, dass eine &#8220;geordnete&#8221; Insolvenz die beste L&#246;sung gewesen w&#228;re. Damit h&#228;tte man einen sauberen Schnitt gemacht.</p>
<p>Es ist eine Illusion zu glauben, man k&#246;nne durch B&#252;rgschaften dauerhaft Arbeitspl&#228;tze sichern. Die &#220;berkapazit&#228;ten am Markt werden aufrecht erhalten, das Problem nur verschoben, nicht aber gel&#246;st. Ob die Verbraucher in Zukunft wieder verst&#228;rkt Opel kaufen w&#252;rden, steht v&#246;llig in den Sternen und l&#228;sst sich nicht verl&#228;sslich prognostizieren. Daher sollte in Sachen Opel jetzt die Kehrtwende vollzogen werden.</p>
<p>Die Bundesregierung hatte zwar urspr&#252;nglich angek&#252;ndigt, dass prinzipiell auch anderen Eignern B&#252;rgschaften zur Verf&#252;gung stehen w&#252;rden, doch sollte diese Position &#8211; so sie denn &#252;berhaupt ernst gemeint war &#8211; noch einmal gr&#252;ndlich &#252;berdacht werden. Die Bundesregierung selbst hat bereits mehrfach &#246;ffentlich kund getan, dass sie nicht an Opel als Teil des GM-Konzerns glaubt. Die Arbeitnehmer sehen das anscheinend genauso. Ob das richtig oder falsch ist, kann eigentlich nur der Markt beurteilen. Wenn aber die Politik selbst nicht an ein &#220;berleben von Opel als Teil von GM glaubt, w&#252;rde sie vollends unglaubw&#252;rdig, wenn auch GM jetzt B&#252;rgschaften erhalten w&#252;rde.</p>
<p>Jetzt ist die Gelegenheit f&#252;r die neue Bundesregierung, die Fehler der alten Bundesregierung zu korrigieren. Der Wahlkampf ist vorbei, jetzt sollte die Vernunft wieder Einzug erhalten und sachlichen Erw&#228;gungen mehr Raum gegeben werden als Emotionen. Der Kopf ist meist ein besserer Ratgeber als der Bauch. Das Opel-Fiasko sollte jetzt beendet werden und die Politik ihre Finger aus der weiteren Unternehmenspolitik heraushalten.
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		<title>Koalitionsvertrag: Besserverdienende sind vom Wettbewerb auszunehmen</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 13:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheitspoilitik]]></category>
		<category><![CDATA[Koalitionsvertrag]]></category>
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		<description><![CDATA[In den Zeilen 3935 bis 3939 des Koalitionsvertrags finden sich folgende Ausf&#252;hrungen:
"Die freiberuflichen Apothekerinnen und Apotheker spielen f&#252;r eine gute Arzneimittelversorgung eine zentrale und wichtige Rolle. Eine &#196;nderung des bestehenden Mehr- und Fremdbesitzverbotes lehnen wir deshalb ab. Wir werden die Ausw&#252;chse beim Versandhandel (Anmerkung: Man k&#246;nnte auch sagen: "den aufkeimenden Wettbewerb") bek&#228;mpfen, indem wir die Abgabe von Arzneimitteln in den sogenannten Pick-up-Stellen verbieten."

Ich finde das wirklich unglaublich: Wis soll man das interpretieren? Wir wollen Wettbewerb bei Post, Bahn und Energie, aber bitte nicht bei unserer eigenen Klientel? Den Postboten kann der Wettbewerb nicht schaden, aber den armen Apothekern nat&#252;rlich schon?

Besserverdienende sind vom Wettbewerb auszunehmen und bed&#252;rfen eines besonderen Schutzes? Sollte das das Verst&#228;ndnis einer liberalen Gesundheitspolitik sein, dann gute Nacht. Eine in der Sache konsistente Politik sieht sicher anders aus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ee9eb670472e498ca85e2b3c8155688c" alt="" width="1" height="1" />In den Zeilen 3935 bis 3939 des <a href="http://www.cdu.de/doc/pdfc/091024-koalitionsvertrag-cducsu-fdp.pdf">Koalitionsvertrags</a> finden sich folgende Ausf&#252;hrungen:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Die freiberuflichen Apothekerinnen und Apotheker spielen f&#252;r eine gute Arzneimittelversorgung eine zentrale und wichtige Rolle. Eine &#196;nderung des bestehenden Mehr- und Fremdbesitzverbotes lehnen wir deshalb ab. Wir werden die Ausw&#252;chse beim Versandhandel <em>(Anmerkung: Man k&#246;nnte auch sagen: &#8220;den aufkeimenden Wettbewerb&#8221;)</em> bek&#228;mpfen, indem wir die Abgabe von Arzneimitteln in den sogenannten Pick-up-Stellen verbieten.&#8221;</p>
<p>Ich finde das wirklich unglaublich: Wis soll man das interpretieren? Wir wollen Wettbewerb bei Post, Bahn und Energie, aber bitte nicht bei unserer eigenen Klientel? Den Postboten kann der Wettbewerb nicht schaden, aber den armen Apothekern nat&#252;rlich schon?</p>
<p><strong>Besserverdienende sind vom Wettbewerb auszunehmen und bed&#252;rfen eines besonderen Schutzes?</strong> Sollte das das Verst&#228;ndnis einer liberalen Gesundheitspolitik sein, dann gute Nacht. Eine in der Sache konsistente Politik sieht sicher anders aus.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=17036&amp;md5=42ba37b09050afdaf42380a8df7d8bd5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Rauchbomben und Nebelkerzen im Drei-Stufen-Test</title>
		<link>http://carta.info/16623/rauchbomben-und-nebelkerzen-im-drei-stufen-test/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 00:41:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Online-Angebote des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks durchlaufen momentan die sog. Drei-Stufen-Tests. In diesem Rahmen sind unter anderem die marktlichen Auswirkungen der bestehenden und geplanten Angebote zu ermitteln. Das soll mit Hilfe &#246;konomischer Gutachten geschehen (siehe dazu auch den Beitrag von Robin Meyer-Lucht hier).

Im Auftrag des VPRT haben der Kollege Ralf Dewenter (TU Ilmenau) und ich Ende Juli ein konzeptionelles Gutachten erstellt, das nicht ein bestimmtes Online-Angebot evaluiert, sondern die Vor- und Nachteile verschiedener Methoden analysiert und Vorschl&#228;ge f&#252;r eine &#246;konomisch fundierte Vorgehensweise unterbreitet. Dabei haben wir auch die signifikanten Schw&#228;chen der bis dahin vorliegenden Gutachten offen gelegt. Insbesondere die beiden Gutachten der Unternehmensberatung EE&#38;MC (in Sachen kika.plus und www.kikaninchen.de) sind handwerklich und methodisch mit zahlreichen Schw&#228;chen behaftet. Die beiden Autoren der Gutachten, Dr. Dr. Doris Hildebrand und Dr. Ulf B&#246;ge, haben ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Online-Angebote des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks durchlaufen momentan die sog. <a href="http://www.telemedicus.info/article/1160-Was-ist-eigentlich-der-Drei-Stufen-Test.html" target="_blank">Drei-Stufen-Tests</a>. In diesem Rahmen sind unter anderem die marktlichen Auswirkungen der bestehenden und geplanten Angebote zu ermitteln. Das soll mit Hilfe &#246;konomischer Gutachten geschehen (siehe dazu auch den Beitrag von Robin Meyer-Lucht <a href="http://carta.info/14992/oeffentlich-rechtliche-wenn-qualitaet-zum-strukturproblem-wird/" target="_blank">hier</a>).</p>
<p>Im Auftrag des VPRT haben der Kollege <a href="http://www.tu-ilmenau.de/fakww/Wirtschaftstheorie.634.0.html?&amp;no_cache=1" target="_blank">Ralf Dewenter (TU Ilmenau)</a> und ich Ende Juli ein konzeptionelles <a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11881" target="_blank">Gutachten</a> erstellt, das nicht ein bestimmtes Online-Angebot evaluiert, sondern die Vor- und Nachteile verschiedener Methoden analysiert und Vorschl&#228;ge f&#252;r eine &#246;konomisch fundierte Vorgehensweise unterbreitet. Dabei haben wir auch die signifikanten Schw&#228;chen der bis dahin vorliegenden Gutachten offen gelegt. Insbesondere die beiden Gutachten der Unternehmensberatung EE&amp;MC (in Sachen kika.plus und www.kikaninchen.de) sind handwerklich und methodisch mit zahlreichen Schw&#228;chen behaftet. Die beiden Autoren der Gutachten, Dr. Dr. Doris Hildebrand und Dr. Ulf B&#246;ge, haben am 7. Oktober 2009 in den <a href="http://www.epd.de/medien/medien_index_68561.html" target="_self">epd medien</a> auf diese Kritik geantwortet.</p>
<p>Die Antwort der beiden Autoren geht strategisch so vor, unser Gutachten, die europ&#228;ische Praxis der Beihilfekontrolle, die Vorgehensweise der britischen Ofcom (die in UK die Market Impact Assessments im Rahmen der Public Value Tests durchf&#252;hrt) sowie die Rechtsprechung falsch darzustellen, vielleicht um Rundfunkr&#228;te durch Rauchbomben und Nebelkerzen zu verunsichern. Nun sind Hildebrand und B&#246;ge keine Wissenschaftler, die sich an die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis halten m&#252;ssen (hier bei <a href="http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/download/empfehlung_wiss_praxis_0198.pdf" target="_blank">DFG</a>, hier bei der <a href="http://www.humboldt-foundation.de/pls/web/docs/F4123/regelnwisspraxis.pdf" target="_blank">Alexander-von-Humboldt-Stiftung</a>). Von diesen sind die Gutachten als auch der j&#252;ngste Beitrag in den epd medien auch meilenweit entfernt. Aber vielleicht sollte man die Einlassung auch als Versuch einer Glosse oder Satire werten? Worum also geht es?</p>
<p>Ihre Kritik zu unserem Gutachten beginnen Hildebrand und B&#246;ge wie folgt: &#8220;In einem f&#252;r den VPRT erstellten Gutachten lehnen die Wissenschaftler Dewenter/Haucap die oben skizzierte, f&#252;r Wettbewerbsfragen weltweit &#252;bliche Methode der Marktabgrenzung f&#252;r Beihilfeverfahren ab und empfehlen Folgendes: Erst wenn es kein privates Angebot im Internet gibt oder geben k&#246;nnte, d&#252;rften die &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten ein Online-Angebot zur Verf&#252;gung stellen. Ein solches Angebot im Internet sei auch nur dann zu rechtfertigen, wenn damit demokratische, soziale oder kulturelle Ziele erreicht werden k&#246;nnten.&#8221;<!--[if !ppt]--><!-- .O 	{color:black; 	font-size:149%;} a:link 	{color:blue !important;} a:active 	{color:#C0504D !important;} a:visited 	{color:purple !important;} --><!-- .sld 	{left:0px !important; 	width:6.0in !important; 	height:4.5in !important; 	font-size:103% !important;} --><!--[endif]--></p>
<p>Dies ist erstens falsch und zweitens irref&#252;hrend: Zum einen wird unser Gutachten v&#246;llig falsch dargestellt &#8211; wir legen sehr ausf&#252;hrlich dar, dass ein &#246;ffentlich-rechtliches Online-Angebot auch dann sinnvoll sein kann, wenn es schon private Angebote gibt, n&#228;mlich zur Vielfaltssicherung. Dann schlagen wir vor, sich an den Kriterien &#8220;Gefahren verzerrter Darstellung durch private/Verifizierbarkeit der Inhalte&#8221; einerseits und &#8220;gesellschaftspolitische Relevanz&#8221; der Inhalte andererseits zu orientieren. Dar&#252;ber hinaus argumentieren wir <em>auch</em>, dass &#246;ffentlich-rechtliche Angebote erst recht ziemlich unproblematisch sind, wenn es kein privates Angebot in dem Bereich gibt oder geplant ist. Dies ist aber, wie wir ausf&#252;hrlichst erkl&#228;ren, nur eine von zwei m&#246;glichen Begr&#252;ndungen f&#252;r ein &#246;ffentlich-rechtliches Angebot. Vielfaltssicherung ist eben die zweite M&#246;glichkeit der Legitimation. Wer lesen kann, ist somit im Vorteil. Hier wird also unser Gutachten &#8211; wie ich denke, mit Absicht &#8211; falsch dargestellt, denn so l&#228;sst es sich nat&#252;rlich leicht angreifen. Weiter bringt das die Debatte nicht.</p>
<p>Zum anderen ist es irref&#252;hrend von einer <!--[if !mso]&gt; &lt;!  v\:* {behavior:url(#default#VML);} o\:* {behavior:url(#default#VML);} p\:* {behavior:url(#default#VML);} .shape {behavior:url(#default#VML);} v\:textbox {display:none;} --> <!--[endif]-->&#8220;weltweit &#252;blichen Methode der Marktabgrenzung&#8221; zu sprechen. Erstens ist die von Hildebrand und B&#246;ge benutzte Methode (der sog. Hypothetische-Monopolisten-Test) ledigliche <em>eine</em> Methode der Marktabgrenzung und auch keineswegs die weiter vebreitete. In Deutschland z.B. ist sie durch das Bundeskartellamt, dessen Pr&#228;sident B&#246;ge lange war, bisher kaum benutzt worden. Auch in der Praxis der europ&#228;ischen Beihilfenkontrolle hat die Methode bisher &#8211; anders als Hildebrand und B&#246;ge suggerieren &#8211; so gut wie keine Rolle gespielt. &#220;berhaupt spielt die Marktabgrenzung in der europ&#228;ischen Beihilfenkontrolle &#8211; ganz egal nach welcher Methode &#8211; sowohl bisher als auch nach den Pl&#228;nen f&#252;r die Neuausrichtung kaum eine Rolle. Genau das haben wir auch in der Monopolkommission kritisiert. Nicht pl&#228;diert haben wir jedoch daf&#252;r, blind bestimmte Testverfahren falsch anzuwenden. Dennn zweitens muss der Test, wenn er schon verwendet wird, korrekt angewendet werden und eben nicht falsch, wie in den beiden o.g. Gutachten der beiden Autoren.</p>
<p>Die britische Ofcom verzichtet daher aufgrund der zahlreichen, wohl bekannten Probleme und Schwierigkeiten auf eine solche kartellrechtliche Marktabgrenzung in ihren Market Impact Assessments und schl&#228;gt einen anderen Weg ein, um die marktlichen Auswirkungen von BBC-Angeboten zu ermitteln. Darauf haben wir auch in unserem Gutachten hingewiesen. Das Vorgehen der Ofcom ist vern&#252;nftig und durchdacht. Hildebrand und B&#246;ge ignorieren diese Tatsache und behaupten wie trotzige Kinder das Gegenteil. Sie schreiben: &#8220;Dewenter/Haucap weisen zur Untermauerung ihrer Position im VPRT-Gutachten auf die OFCOM hin. Die OFCOM – so Dewenter/Haucap – soll sich gegen die Verwendung kartellrechtlicher Marktdefinitionsverfahren ausgesprochen haben. Die Beh&#246;rde habe sich entschieden, &#8216;auf eine kartellrechtliche Marktabgrenzung ganz zu verzichten&#8217; (Seiten 38 und 63 VPRT-Gutachten). Diese Aussage ist falsch.&#8221;</p>
<p>Nun ja, die <strong>Ofcom</strong> selbst aber schreibt 2006 in ihrem <a href="http://www.ofcom.org.uk/research/tv/bbcmias/ondemand/bbc_ondemand/bbc_ondemand.pdf" target="_blank">Market Impact Assessment zu BBC New On-Demand Proposal</a>: &#8220;It is important first to clarify a methodological point. <strong>This analysis is not a competition law market definition exercise</strong>. Our focus is on assessing the impact of the BBC’s on-demand proposals on services in a range of related markets, and not on defining markets for the purpose of assessing dominance.“ (Tz 2.34) Und nachdem die Ofcom die Probleme einer kartellrechtlichen Marktabgrenzung ausf&#252;hrlich dargestellt hat, noch einmal: &#8220;Taken together, these differences suggest that <strong>we are not engaged in a market definition exercise as understood in competition law</strong>. Rather, we are seeking to identify the set of materially impacted services.“ (Tz 2.36). Im <a href="http://www.ofcom.org.uk/research/tv/bbcmias/statement/statement.pdf" target="_blank">Ofcom-Papier zur Methodology for Market Impact Assessments of BBC Services</a> steht noch einmal: &#8220;<strong>It should be noted that this analysis is not a competition law market definition exercise.</strong> Our focus is on assessing the impact of the BBC’s proposals on services in a range of related markets, and not on defining markets for the purpose of assessing dominance.&#8221; Jeder kann das in den Dokumenten im Internet nachlesen.</p>
<p>Wie soll ich verstehen, was die Ofcom hier schreibt? Ich w&#252;rde sagen, hier steht: Wir machen nicht einfach eine kartellrechtliche Marktabgrenzung. Hildebrand und B&#246;ge hingegen sagen: Doch, die Ofcom macht nat&#252;rlich nichts Anderes als eine kartellrechtliche Marktabgrenzung. W&#246;rtlich schreiben sie: &#8220;Dewenter/Haucap sehen in dieser Vorgehensweise eine neue OFCOM-Methode und eine Ablehnung der kartellechtlichen Methode. Diese Analyse ist sachlich falsch.&#8221; Was soll ich dazu sagen? Vielleicht: Wer kann besser Englisch? Was steht da oben jetzt? &#8220;Wir machen eine kartellrechtliche Marktabgrenzung&#8221; oder &#8220;Wir machen keine kartellrechtliche Marktabgrenzung&#8221;? Wie deutlich kann die Ofcom das noch schreiben? Ich empfehle dann vielleicht doch den Besuch eines Englisch-Kurses&#8230;..</p>
<p>Es kommt dann noch allerlei Quatsch dar&#252;ber, das Gerichte unsere Pr&#252;fmethode ablehnen w&#252;rden (v&#246;llig unsubstanziiert), w&#228;hrend Hildebrand und B&#246;ge suggerieren, ihre Methode entspr&#228;che einem akzeptierten Vorgehen, das auch die EU-Kommission in Beihilfenverfahren benutze. Ich kann nicht jedes Detail ausarbeiten, aber auch das ist v&#246;llig falsch und &#228;hnlich &#8220;gut&#8221; argumentiert wie die obigen Punkte.</p>
<p>Wenn die Qualit&#228;t der anderen Gutachten &#228;hnlich sein sollte, wird der ganze Drei-Stufen-Test zu einer Farce, der die Geb&#252;hrenzahler sehr viel Geld kostet, aber rein gar nichts bringen wird. Auf diesem Niveau f&#228;llt es mir noch schwer zu diskutieren &#8211; vielleicht, weil ich mich zu oft an Universit&#228;ten aufhalte und akademische Mindeststandards gew&#246;hnt bin. Da kann ich sicherlich noch dazu lernen. Ist vielleicht auch etwas&#8230;.
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		<title>Mindestl&#246;hne und soziale Gerechtigkeit</title>
		<link>http://carta.info/15206/mindesloehne-und-soziale-gerechtigkeit/</link>
		<comments>http://carta.info/15206/mindesloehne-und-soziale-gerechtigkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 16:08:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Mindeslohn]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiegel Online schreibt zutreffend: "Mindestlohn wird zum Wahlkampf-Schlager". Carta-Autor Justus Haucap hat sich bereits vor Monaten intensiv mit der Frage von Mindestl&#246;hnen und sozialer Gerechtigkeit besch&#228;ftigt. Sein Fazit: Trotz negativer Besch&#228;ftigungseffekte, kann man politisch sehr wohl f&#252;r einen Mindestlohn sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd10404878cea17bf66ca7289b9757" width="1" height="1" alt=""/>Hier noch einmal die zentralen Abschnitte des <a href="http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/">Haucap-Beitrags</a>:</p>
<p>Was ist gruns&#228;tzlich von gesetzlichen Mindesl&#246;hnen zu halten?</p>
<p>Mindestl&#246;hne bergen stets die Gefahr zus&#228;tzlicher Arbeitslosigkeit. Es gibt zwar einzelne Studien, die zeigen, dass dies nicht in jedem Fall so sein muss (ber&#252;hmt ist insbesondere die Studie zu Burger-Flippern in den USA von Card und Krueger aus dem Jahr 1994). Die Mehrheit der Studien belegt aber, dass die Besch&#228;ftigung tendenziell zur&#252;ckgeht, vor allem je h&#246;her der Mindestlohn ist.</p>
<p><strong>Die negativen Besch&#228;ftigungseffekte allein bedeuten jedoch nicht, dass ein staatlicher Mindestlohn sofort zu verwerfen w&#228;re</strong>. Politisch mag man sich ja durchaus f&#252;r einen Mindestlohn entscheiden, auch wenn er zu einer h&#246;heren Arbeitslosigkeit f&#252;hrt. <span><span>Denn dem Mehr an Arbeitslosigkeit steht ja ggf. ein zus&#228;tzliches Einkommen der Arbeitnehmer und Arbeit­nehmerinnen gegen&#252;ber, welche zum Mindestlohn besch&#228;ftigt werden und ansonsten einen geringeren Lohn bezogen h&#228;tten. Problematisch ist allerdings, dass auch letzteres keineswegs sicher ist, da zumeist staatliche Transfers entfallen, wenn das Arbeitseinkommen steigt. In diesem Fall ergibt sich h&#246;chstens ein positiver Effekt f&#252;r die &#246;ffentlichen Haushalte, da die staatlichen Transferleistungen sinken. Das verf&#252;gbare Einkommen f&#252;r die betroffenen Haushalte steigt dann aber kaum. Die &#246;konomische Literatur belegt, dass sich Armut mit einem Mindestlohn nur schwer bek&#228;mpfen l&#228;sst, weil dieser einfach nicht am Haushaltseinkommen ansetzt. </span></span></p>
<p><span><span>Die Abw&#228;gung zwischen mehr Arbeitslosigkeit einerseits und m&#246;glicherweise mehr Einkommen der zum Mindestlohn (weiterhin) Besch&#228;ftigten bzw. einer geringeren Belastung der &#246;ffentlichen Haushalte (aufgrund sinkender Transferleistungen) andererseits ist dann eine <strong>politische</strong> bzw. ethische <strong>Entscheidung</strong>. Aus Sicht des Finanzministers kann ein Mindestlohn deshalb jedoch sehr attraktiv sein: Er entlastet ggf. die &#246;ffentlichen Kassen aufgrund sinkender Sozialtransfers, selbst wenn er den Betroffenen kaum hilft, weil er deren Einkommen netto kaum erh&#246;ht.</span></span></p>
<p><span><span>Im Grunde ist jedoch der ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende soziale Gerechtigkeit sorgen k&#246;nnen. Das Schaffen sozialer Gerechtigkeit ist daher eine Aufgabe des Staates. Dies kann durch Transfers geschehen oder, besser noch, durch die Schaffung gleicher Bildungschancen und ein gutes Bildungssystem. Durch das Setzen staatlicher Mindestl&#246;hne soll nun aber gerade dem Markt eine Aufgabe &#252;bertragen werden, welche er nicht l&#246;sen kann. Unternehmen sollen Arbeitnehmern mehr zahlen als „der Markt hergibt“. Da bleibt das ungute Gef&#252;hl, der Staat versuche sich hier der Verantwortung zu entziehen, durch Bildungsm&#246;glichkeiten, Transferzahlungen, etc. selbst f&#252;r soziale Gerechtigkeit zu sorgen. <strong><span>Die Frage der sozialen Gerechtigkeit wird gewisserma&#223;en privatisiert</span></strong>. Unternehmen sollen nun f&#252;r soziale Gerechtigkeit sorgen, die der Staat anscheinend nicht mehr schaffen kann oder will.</span></span></p>
<p><span><span>Als Antwort auf die <a href="http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/#comment-48">Leser-Kommentare</a> schrieb Justus Haucap:<br />
</span></span></p>
<p>Ich sollte mich wohl zu einer Reihe von Kommentaren &#228;u&#223;ern, auch wenn sich kein einziger auf die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung bezieht, sondern sich in sehr, sehr allgemeiner Natur zum Thema Mindestlohn &#228;u&#223;ern. Einige haben wohl auch Teile meines Textes &#252;berlesen.</p>
<p>(1) Dass Mindestl&#246;hne Arbeitspl&#228;tze gef&#228;hrden k&#246;nnen, auch wenn das nicht in jedem Einzelfall gilt, ist (leider) das Ergebnis der allermeisten empirischen Studien. So fassen z.B. die beiden amerikanischen Arbeitsmarkt&#246;konomen David Neumark und William Wascher ihren viel beachteten <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.aei.org/docLib/20061201_NeumarkWascherPaper.pdf');" rel="nofollow" href="http://www.aei.org/docLib/20061201_NeumarkWascherPaper.pdf">&#220;bersichtsartikel zum Thema Mindestl&#246;hne</a> wie folgt zusammen: “<em>Clearly, no consensus now exists about the overall effects on low-skilled employment of an increase in the minimum wage. However, the oft-stated assertion that this recent research fails to support the traditional view that the minimum wage reduces the employment of low-skilled workers is clearly incorrect. The overwhelming majority of the studies surveyed in this paper give a relatively consistent (although not always statistically significant) indication of negative employment effects of minimum wages. In addition, among the papers we view as providing the most credible evidence, almost all point to negative employment effects</em>.” <strong>Man mag diesen Befund sicher bedauern, aber diese Studien lassen sich nun einmal nicht einfach so als irrelevante Spinnereien beiseite wischen, nur weil einem das Ergebnis nicht gef&#228;llt.</strong></p>
<p>(2) Dass ein Mindestlohn sich positiv f&#252;r die &#246;ffentlichen Kassen auswirken kann, weil ggf. weniger Transfers n&#246;tig sind, steht ja auch in meinem Beitrag. Das ist dann aber ein ganz anderer Punkt und hat ja wenig mit dem Einkommen der Betroffenen zu tun. Fakt ist, dass wir in Deutschland beim so genannten Arbeitslosengeld II (eigentlich ein v&#246;llig falscher Name, die Leute arbeiten ja), ziemlich hohe “Transferentzugsraten” haben. Das hei&#223;t: Verdienen die Empf&#228;nger mehr, weil sie mehr arbeiten oder die L&#246;hne steigen, werden ihnen die Transfers recht drastisch gek&#252;rzt. Von einer Lohnsteigerung durch einen Mindestlohn (so die Betroffenenen denn besch&#228;ftigt bleiben) kommt ziemlich wenig bei den Leuten an. Das meiste kassiert (indirekt) der Finanzminister, indem er die Transfers k&#252;rzt. Das ist zwar vielleicht auch f&#252;r manche soziale Gerechtigkeit, aber doch eine eher un&#252;bliche Interpretation, w&#252;rde ich sagen.</p>
<p>(3) Es stellt sich dann auch die prinzipielle Frage: Soll ich lieber L&#246;hne aufstocken, wenn die Leute arbeiten, aber wenig verdienen (”also Arbeitspl&#228;tze subventionieren”), oder den Leuten lieber alles bezahlen, wenn sie arbeitslos sind? Man kann sich zwar w&#252;nschen, dass die Leute mehr f&#252;r das Haareschneiden bezahlen w&#252;rden, aber viele gehen dann eben doch seltener zum Fris&#246;r, schneiden ihren Kindern (und ggf. auch sich selbst) die Haare dann selbst oder organisieren das schwarz, was noch viel unsozialer ist, weil gar nicht mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beigetragen wird. Das gilt &#8211; so meine Einsch&#228;tzung &#8211; gerade in den Regionen, in denen die Fris&#246;re so weing verdienen, weil es eben Gegenden sind, in denen nicht gerade der Reichtum ausgebrochen ist, um das mal so vorsichtig zu formulieren. Wo die Leute mehr f&#252;r den Haarschnitt zahlen (k&#246;nnen), sind auch die L&#246;hne im Fris&#246;rhandwerk h&#246;her. Und bei Udo Walz d&#252;rften die Fris&#246;re vermutlich noch mehr bekommen (alleine an Trinkgeld).</p>
<p>(4) Nat&#252;rlich k&#246;nnen die Transfers, mit denen L&#246;hne aufgestockt werden, <strong>auch missbraucht werden, um L&#246;hne zu dr&#252;cken, ganz klar</strong>. Dann flie&#223;en die Subbventionen indirekt dem Unternehmen zu und nicht dem eigentlich zugedachten Empf&#228;nger. Um dem vorzubeugen, kann ein allgemeiner (und nicht branchenspezifischer) moderater Mindestlohn helfen &#8211; das bestreiten nur wenige.</p>
<p>(5) Ein Mindestlohn ist deshalb so schlecht geeignet, sozialen Ausgleich zu schaffen, <strong>weil er gar nicht an der individuellen Situation des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin ansetzt und auch nicht ansetzen kann. Wie viele Kinder leben im Haushalt?</strong> Hat mein Partner/Partnerin auch Arbeit? Habe ich &#252;berhaupt einen Partner/Partnerin? Und so weiter. Diese Faktoren bestimmen ja, wie viel Hilfe ein Haushalt braucht, um vern&#252;nftig leben zu k&#246;nnen. Danach kann man aber keine L&#246;hne anpassen, ohne den Arbeitsmarkt komplett auszuhebeln.</p>
<p><em>Justus Haucap ist  Professor f&#252;r Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universit&#228;t D&#252;sseldorf, Gr&#252;ndungsdirektor des D&#252;sseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und Vorsitzender der Monopolkommission. </em></p>
<p><em>Anmerkung der Redaktion: Haucap ist nicht <a href="http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm/Kuratoren-und-Botschafter.html">Botschafter</a> der INSM, hat aber mal in einem <a href="http://www.insm.de/insm/Aktionen/INSM-Kampagnen/Soziale-Marktwirtschaft-machts-besser/-bersicht-Detailseiten-/Prof-dr-Haucap.html">Plakatmotiv</a> mitgewirkt. Wir sch&#228;tzen Haucap sehr als Autor und Wissenschaftler und sind von seiner Unabh&#228;ngigkeit vollauf &#252;berzeugt.<br />
</em>
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		<title>Politisch motivierte Strafen gegen&#252;ber Energieversorgern</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 10:25:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die EU-Kommission hat Strafen in Milliardenh&#246;he gegen Gasversorger verh&#228;ngt. Die Botschaft ist unmissverst&#228;ndlich: wer nicht die politischen W&#252;nsche der Kommission erf&#252;llt, wird drastisch bestraft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a486466549a2c3341093e3a518abf8" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span>Es ist schon ein paar Tage her, aber dennoch wichtig: Am 7. Juli 2009 hat die EU-Kommission eine Strafe von insgesamt 1,106 Mrd. Euro gegen die beiden Gasversorger E.ON Ruhrgas und GdF Suez (ehemals Gaz de France) <a href="http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/8604_de.htm">verh&#228;ngt</a>, 553 Mio. Euro pro Unternehmen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erkl&#228;rte: </span></p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;">&#8220;Die Aufteilung von M&#228;rkten z&#228;hlt zu den schwerwiegendsten Kartellverst&#246;&#223;en. Die Kommission hat keine andere Wahl, als hohe Geldbu&#223;en zu verh&#228;ngen.&#8221;</p>
</blockquote>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span>Es ist das erste Mal, dass Br&#252;ssel wegen Kartellverst&#246;&#223;en im Energiesektor Bu&#223;gelder verh&#228;ngt. Zugleich handelt es sich um die <strong>zweith&#246;chste Kartellstrafe</strong>, die jemals von der EU in einem Kartellverfahren ausgesprochen wurde. </span>Die Kommission ahndet mit der Strafe die angebliche Aufteilung von Gas-M&#228;rkten in Deutschland und Frankreich. Die ehemalige Ruhrgas AG und Gaz de France haben sich 1975 anl&#228;sslich des gemeinsamen Baus der Megal-Pipeline darauf geeinigt, kein dar&#252;ber transportiertes Gas im Heimatland des jeweiligen anderen Unternehmens zu verkaufen. Durch die 628 Kilometer lange Pipeline wird russisches Erdgas von Tschechien durch S&#252;ddeutschland nach Frankreich importiert.</p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; background: white none repeat scroll 0% 0%; text-align: justify;"><span style="color: black;"> </span></p>
<p style="margin: 0cm 0cm 0.0001pt; background: white none repeat scroll 0% 0%; text-align: justify;">W&#228;hrend diese Praxis 1975 angesichts der ohnehin fehlenden Liberalisierung des Gasmarktes noch nicht besonders problematisch war, bezieht sich die Strafe auf die Zeit nach der Gasmarktliberalisierung. Denn auch nach der Liberalisierung der europ&#228;ischen Gasm&#228;rkte im Jahr 2000 h&#228;tten die beiden Unternehmen an ihrer Vereinbarung festgehalten, erst 2005 seien sie endg&#252;ltig davon abger&#252;ckt. Zuvor seien die Unternehmen regelm&#228;&#223;ig zusammengetroffen, um die Handhabung der Vereinbarung in dem neu liberalisierten Markt zu er&#246;rtern und das Gesch&#228;ftsverhalten der jeweiligen anderen Partei zu &#252;berwachen. <span>Die Strafe war zwar erwartet worden und &#252;berrascht angesichts der j&#252;ngeren Br&#252;sseler Bu&#223;geldpraxis auch nicht, dennoch versucht die Kommission hier ein sehr deutliches Zeichen zu setzen. Dementsprechend hat der Bund der Energieverbraucher die Strafe auch als „Genugtuung f&#252;r die Kunden“ bezeichnet. <strong>Jedoch stellt sich die Frage, was mit der Kartellstrafe eigentlich erreicht und bezweckt wird</strong>. Rache, Vergeltung oder Genugtuung k&#246;nnen keine sinnvollen Kriterien f&#252;r die H&#246;he eines Bu&#223;geldes sein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="color: black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="color: black;">Auch wenn eine Marktaufteilung ohne Zweifel ein schwerwiegendes Kartellvergehen ist, wirft die Strafe daher einige Fragen auf. Dies gilt insbesondere deshalb, weil der <strong>EU-Kommission keine politisch unabh&#228;ngige Beh&#246;rde</strong> ist. Im letzten Jahr hatte E.ON ein Bu&#223;geld abwenden k&#246;nnen durch die Zusage, sein &#220;bertragungsnetz sowie gewisse Stromerzeugungskapazit&#228;ten zu ver&#228;u&#223;ern. Diese eigentumsrechtliche Trennung war von der Kommission ausdr&#252;cklich gew&#252;nscht, politisch aber im Ministerrat nicht durchsetzbar. So wurde die Forderung unter Androhung eines hohen Bu&#223;geldes mit Hilfe des Kartellrechts durchgesetzt. In &#228;hnlicher Weise wurde das Verfahren gegen </span><span>RWE eingestellt, nachdem der Konzern zugesagt hatte, sein gesamtes westdeutsches Gasfernleitungsnetz einschlie&#223;lich der dazugeh&#246;rigen Verm&#246;genswerte und Dienstleistungen zu ver&#228;u&#223;ern. Aus Sicht der Monopolkommission wurde in den vorliegenden F&#228;llen das politische Ziel einer ad&#228;quaten Gestaltung der Marktstruktur in sachwidriger Weise mit Missbrauchsverfahren gegen marktbeherrschende Verbundunternehmen verkn&#252;pft.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="color: black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="color: black;">Die H&#246;he der Strafe suggeriert, dass auch im jetzigen Fall politische &#220;berlegungen eine wichtige Rolle gespielt haben. <strong>Die Botschaft ist unmissverst&#228;ndlich: wer nicht die politischen W&#252;nsche der Kommission erf&#252;llt, wird drastisch bestraft.</strong> Mit der H&#246;he des angerichteten Schadens d&#252;rfte die Strafe n&#228;mlich wenig zu tun haben, die Kommission legt auch keine Zahlen dazu vor. Geboten ist dringend eine Entpolitisierung der europ&#228;ischen Kartellrechtsanwendung. Dem Verbraucher nutzt die Strafe n&#228;mlich im &#220;brigen so gut wie gar nicht.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: justify;"><span style="color: black;"><em>Justus Haucap ist Vorsitzender der <a href="http://www.monopolkommission.de/">Monopolkommission</a> der Bundesregierung.</em><br />
</span></p>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/12054/politisch-motivierte-strafen-gegenueber-energieversorgern/">Politisch motivierte Strafen gegen&#252;ber Energieversorgern</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/12054/politisch-motivierte-strafen-gegenueber-energieversorgern/#comments">2 comments</a>
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		<title>Methodenstreit in der &#214;konomie: Was kann die Volkswirtschaftslehre f&#252;r die Gesellschaft leisten?</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Jun 2009 14:41:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ökonomen]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter deutschsprachigen &#214;konomen ist eine Debatte &#252;ber die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre ausgebrochen. Auf beiden Seiten dominieren bisweilen Wortf&#252;hrer, die mehr oder minder freim&#252;tig zugeben, die jeweils andere Forschungs- und Lehrausrichtung gar nicht zu kennen. Es fehlt ein gemeinsamer Bewertungsma&#223;stab.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/90af9a7d5276c2fdcb2142fd23784e" width="1" height="1" alt=""/>Viele CARTA-Leser werden es nicht unbedingt bemerkt haben: In Zeiten der gr&#246;&#223;ten Wirtschaftskrise mindestens seit der &#214;lkrise ist unter deutschsprachigen &#214;konomen eine gewaltige Debatte ausgebrochen. Worum? Um die richtigen Ma&#223;nahmen zur Bew&#228;ltigung der Krise? Weit gefehlt. Stattdessen streiten zwei Gruppen innerhalb der &#246;konomischen Profession an den Universit&#228;ten wie die Kesselflicker &#252;ber die Qualit&#228;t ordnungspolitischer Lehre und Forschung einerseits sowie die Relevanz mathematischer Methoden in der Wirtschaftswissenschaft andererseits. Zu beobachten ist eine vehemente, &#246;ffentliche Debatte um die Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre an deutschen Universit&#228;ten. Austragungsschaupl&#228;tze sind vor allem das Handelsblatt und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.</p>
<p>Ausgel&#246;st wurde diese Debatte durch einen <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/Das_Fach_Wirtschaftspolitik.pdf" target="_blank">offenen Brief</a> der beiden emeritierten K&#246;lner Professoren Hans Wilgerodt (85) und Christian Watrin (78). In <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/Das_Fach_Wirtschaftspolitik.pdf" target="_blank">diesem Brief </a>beklagen die beiden das Ende der Wirtschaftspolitik traditioneller Pr&#228;gung an ihrer Alma Mater in K&#246;ln. Dort sollen einige bislang traditionell wirtschaftspolitisch ausgerichtete Lehrst&#252;hle umgewidmet werden, um eine international orientierte Gruppe von sechs jungen Makro&#246;konomen zu gewinnen. Diese sechs &#214;konomen &#8211; R&#252;diger Bachmann (University of Michigan), Christian Bayer (Uni Bocconi, Mailand), Christian Hellwig (UCLA), David Jaeger (City University New York), Leo Kaas (Uni Konstanz) und Alexander Ludwig (Uni Mannheim) &#8211; sind zum Gro&#223;teil eher theoretisch als empirisch ausgerichtet, wenn auch nicht ausschlie&#223;lich.</p>
<p>Ob Olaf Storbeck wohl wusste, welche Diskussion er ausl&#246;sen w&#252;rde, als er &#252;ber diesen Brief im Handelsblatt vom 17. Februar 2009 unter dem Titel <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/der-koelner-emeriti-aufstand;2156259">&#8220;Der K&#246;lner Emeriti-Aufstand&#8221;</a> berichtete? Ich glaube kaum. Mich selbst &#252;berrascht die Intensit&#228;t der Angriffe auf beiden Seiten und das Ausma&#223;, das die Diskussion mittlerweile angenommen hat.</p>
<p>Als erste Reaktion auf den offenen Brief von Wilgerodt und Watrin folgte ein <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/CCvW+Brief+an+Willgerodt+und+Watrin.pdf" target="_blank">offener Antwortbrief</a> von Carl Christian von Weizs&#228;cker (71), ebenfalls Emeritus der K&#246;lner Fakult&#228;t, der die geplante K&#246;lner Neuausrichtung verteidigt, und &#252;ber den das Handelsblatt dann am 25. Februar 2009 ebenfalls berichtete (<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/von-weizsaecker-stuetzt-koelner-vwl-kurs;2173269" target="_blank">hier</a>). Danach ging es dann Schlag auf Schlag.</p>
<p>Im mindestens w&#246;chentlichen Rhythmus folgten nun Kommentare und Leserbriefe in FAZ und Handelsblatt (alles von <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/methodology.htm" target="_blank">R&#252;diger Bachmann </a>minuti&#246;s auf seiner <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/methodology.htm" target="_blank">Webseite</a> dokumentiert). Das Handelsblatt unterst&#252;tzt dabei prinzipiell die moderne Orientierung in der Wirtschaftspolitik, welche nach angels&#228;chsischem Vorbeil st&#228;rker quantitativ ausgerichtet ist und die sich mathematischer Modelle und statistisch-&#246;konometrischer Methoden bedient. Die FAZ hingegen favorisiert die traditionellere, ordnungspolitische Ausrichtung der Wirtschaftspolitik, die sehr institutionell angelegt ist und in der die eher qualitative Analyse und die &#220;berzeugungskraft verbaler Argumente dominieren.</p>
<p>Ihren vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt erreichte die Debatte mit einem Aufruf von 83 VWL-Professoren: <a href="http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~EA1E6687105BC44399168BC77ADE64F8A~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Rettet die Wirtschaftspolitik an den Universit&#228;ten!</a>, publiziert in der FAZ vom 5. Mai 2009. In dem Aufruf wird die zunehmende Formalisierung der Wirtschaftstheorie kritisiert und die Tendenz, &#8220;aus jeweils gew&#228;hlten Annahmen logische Schlussfolgerungen abzuleiten&#8221;. Eine solche Methodik garantiere formale Rigorosit&#228;t, sei aber f&#252;r die Analyse realweltlicher Wirtschaftspolitik wenig geeignet (nun ja, vermutlich immer noch besser nat&#252;rlich als aus Annahmen unlogische Schlussfolgerungen abzuleiten). Das Problem sei aber, dass immer mehr &#214;konomen die Realit&#228;tsn&#228;he ihrer Analysen dem Ziel formal-logischer Stringenz opferten. Die VWL vernachl&#228;ssige als Fach &#8220;zunehmend den Beitrag, den es zur L&#246;sung praktischer wirtschaftspolitischer Probleme leisten k&#246;nnte und sollte.&#8221;</p>
<p>Die Antwort kam in Form eines Gegenaufrufes von 188 VWL-Professoren und Forschern: <a href="http://blog.handelsblatt.de/oekonomie/eintrag.php?id=64" target="_blank">Baut die deutsche VWL nach internationalen Standards um!</a>, publiziert im Handelsblatt vom 8. Juni 2009. Dort wenden sich die Unterzeichner gegen das im ersten Aufruf &#8220;gezeichnete Zerrbild der modernen &#214;konomik als reiner Wirtschaftslogik.&#8221; Die Unterzeichner wenden sich &#8220;aber auch gegen die weitere und international nicht &#252;bliche Zementierung der nicht fruchtbaren Trennung an deutschen Fakult&#228;ten zwischen Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik.&#8221; Stattdessen fordern die Unterzeichner &#8220;den an internationalen Standards und Strukturen ausgerichteten Aus- und Umbau der volkswirtschaftlichen Fakult&#228;ten, um so deutschen Universit&#228;ten eine f&#252;hrende Stellung in der internationalen Forschung in voller Breite und mit hoher Qualit&#228;t zu erm&#246;glichen.&#8221; Zugleich bem&#228;ngeln die Unterzeichner, dass in der Bundesregierung kaum f&#252;hrende Vertreter der VWL zu finden seien (gemeint war hier vermutlich die wirtschaftspolitische Beratung in Deutschland im Allgemeinen).</p>
<p>Die Debatte ist damit keineswegs verstummt, sie wird vielmehr nahezu t&#228;glich durch weitere Beitr&#228;ge gef&#252;ttert, alles wie gesagt sehr sch&#246;n von <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/methodology.htm" target="_blank">R&#252;diger Bachmann </a>auf seiner <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/methodology.htm" target="_blank">Webseite</a> dokumentiert. Was ist von der Debatte zu halten?</p>
<p>In Teilen stehen sich die Bef&#252;rworter der beiden Seiten v&#246;llig unvers&#246;hnlich und auch unverstanden gegen&#252;ber. Auf beiden Seiten dominieren bisweilen Wortf&#252;hrer, die mehr oder minder freim&#252;tig zugeben, die jeweils andere Forschungs- und Lehrausrichtung gar nicht zu kennen, trotzdem aber sehr genau wissen, dass „ihre“ jeweilige Ausrichtung der anderen haushoch &#252;berlegen ist. Beide Seiten sprechen sich weitgehend – von nicht ernst gemeinten H&#246;flichkeitsfloskeln abgesehen – gegenseitig jegliche Relevanz ab, machen sich gegenseitig daf&#252;r verantwortlich, die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht vorhergesehen zu haben. Als Kunstgriff der Debattenf&#252;hrung werden auf der einen Seite schlechte Theoretiker mit hervorragenden Ordnungspolitikern verglichen und auf der anderen Seite hervorragende Theoretiker mit schlechten Ordnungspolitikern, um dann zu dem Schluss zu gelangen, dass man nichts, aber auch wirklich rein gar nichts von der anderen Seite lernen k&#246;nne. Als Wissenschaftler kann man, so scheint es in der Debatte bisweilen, ohnehin nichts lernen, man kann dem Volk/der Politik nur ultimative Wahrheiten verk&#252;nden, die diese dann leider zu bl&#246;d sind zu verstehen. Dies wiederum ist nat&#252;rlich das alleinige Versagen der Sendungsempf&#228;nger ;-)</p>
<p>Auch wenn ich hier Gefahr laufe abzuschweifen – ich beobachte unter vielen akademischen &#214;konomen eine, wie ich finde, seltsame Haltung gegen&#252;ber der Politikberatung. Die Tatsache, dass der Rat vieler &#214;konomen oftmals kein Geh&#246;r findet, wird oftmals allein der Politik angelastet, ebenso wie die Tatsache, dass wir im Bereich der VWL schon seit Jahren r&#252;ckl&#228;ufige oder konstant geringe Studierendenzahlen haben, den Studierenden angelastet wird oder den „unfairen“ Wettbewerbern (hier vor allem der BWL). Wenn das Produkt (Lehre bzw. wirtschaftpolitische Beratung) am Markt (sei es in der Politik oder unter Studierenden) keinen Absatz findet, k&#246;nnte es auch sein, dass das Produkt nicht gut ist. Auf „Marktversagen“ w&#252;rde ich erst als zweites tippen. Aus meiner Sicht gibt es hier in der Tat gewaltige Defizite in der Volkswirtschaftslehre, wie sie sich momentan in Deutschland darstellt.</p>
<p>F&#252;r mich stellen sich in dieser Debatte prinzipiell zwei Fragen, die eigentlich relativ unabh&#228;ngig voneinander beantwortet werden k&#246;nnen, und zwar:</p>
<p>1) Welche Richtung(en) sollte die VWL an deutschen Universit&#228;ten einschlagen?</p>
<p>2) Welche Art von &#214;konomen sind am besten f&#252;r die Politikberatung geeignet?</p>
<p>F&#252;r lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg haben weite Teile der deutschen VWL (und auch der BWL) eine Art Dornr&#246;schenschlaf, abgeschottet von der internationalen akdemischen &#8220;Community&#8221; gef&#252;hrt. Dies hat sich insbesondere in den letzten 15-20 Jahren gewandelt, ganz besonders in den letzten 10 Jahren. Eine deutsche VWL gibt es heute nicht mehr. In der allerj&#252;ngsten Zeit gibt es zudem den Trend, Forschungsleistungen von einzelnen Forschern und auch ganzer Fakult&#228;ten relativ schematisch anhand von Zeitschriftenrankings zu bewerten. Entscheidend f&#252;r die gemessene Leistung eines Forschers ist die (gewichtete) Anzahl der Publikationen vor allem in internationalen Zeitschriften. Dies ist auch sehr bedeutsam f&#252;r die Reputation in der relevanten Bezugsgruppe der &#214;konomen an Hochschulen (und Forschungsinstituten).</p>
<p>Dass ein Erwachen aus dem Dornr&#246;schenschlaf, an dem auch die Studenten aufgrund r&#252;ckst&#228;ndiger Lehre in Theorie und empirischen Methoden zu leiden hatten, ohne Alternative war, ist unbestritten. Dennoch m&#246;chte ich auf einen Punkt hinweisen: &#214;konomie ist eine Sozialwissenschaft. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probeme in den USA sind nicht dieselben wie in Europa oder in Deutschland. F&#252;r internationale Zeitschriften sind spezifisch deutsche Probleme <em>relativ</em> (nota bene: nicht absolut) uninteressant und daher schwieriger zu publizieren. In internationalen Zeitschriften l&#228;sst sich am besten publizieren mit relativ allgemeinen Themen bzw., aufgrund der Gr&#246;&#223;e des Marktes, mit Themen, die f&#252;r die USA besonders relevant sind. Durch die sehr starke Fokussierung der Anreize hin auf internationale Zeitschriftenpublikationen besteht daher die Gefahr, dass spezifisch deutsche Probleme und Institutionen unterbelichtet werden bzw. ihre Erforschung nicht gleicherma&#223;en gew&#252;rdigt wird. Es ist f&#252;r &#214;konomen an Universit&#228;ten daher weniger interessant, sich mit den institutionellen Details deutscher M&#228;rkte und Wirtschaftspolitik auseinander zu setzen, als mit allgemeineren Fragen, zumindest tendenziell, also &#8220;at the margin&#8221;.</p>
<p>Ist das gut so? Ich habe da eine gewisse Skepsis. Aufs&#228;tze in wissenschaftlichen Zeitschriften sind, auch wenn ein Ausschluss de facto praktiziert wird, nahezu grenzkostenlos mehrnutzbar. F&#252;r das Lesen eines Aufsatzes ist die verwendete Zeit zumeist ein wichtigerer Kostenfaktor als der Zugangspreis (z.B. &#252;ber eine Datenbank wie JSTOR). Wer eine Erkenntnis produziert hat, ist f&#252;r die wirtschaftspolitische Verwendbarkeit nahezu irrelevant, d.h. es spielt keine Rolle, ob ein deutscher &#214;konom, ein indischer, ein britischer oder ein amerikanischer oder sonst irgendwer eine bestimmte Einsicht hatte. In internationalen Zeitschriften steht, was auch international von Interesse ist. Was hat der deutsche Steuerzahler davon, dass dieses Wissen gerade an deutschen Hochschulen produiziert wird und nicht in den USA? Spill-overs in die Lehre? OK, aber hier geht ja gerade der Trend in die Richtung, die besten Forscher zunehmend von Lehre zu befreien. Warum also sollte der deutsche Steuerzahler (da wir ja fast nur staatlich finanzierte Hochschulen haben) vor allem allgemein verwendbares Wissen unterst&#252;tzen, das auch anderenorts produziert werden kann? W&#228;re es aus Sicht des Steuerzahlers nicht besser, prim&#228;r solche Forschung zu finanzieren, die sich mit speziell deutschen und europ&#228;ischen Fragen bzw. Regeln, Institutionen, Problemen besch&#228;ftigt? Ist es f&#252;r den deutschen Steuerzahler tragisch, wenn Grundlagenforschung und allgemeine Zusammenh&#228;nge nicht in Deutschland erforscht werden, sondern sonstwo (gerade wenn man ber&#252;cksichtigt, dass sich &#246;konomische Erkenntnisse auch nicht patentieren lassen, im Gegensatz zu medizinischen oder ingenieurwissenschaftlichen Forschungsergebnissen und somit dieses Wissen auch zur Verf&#252;gung steht, wenn es nicht in Deutschland generiert wird)? Wer eine &#8220;Therapie&#8221; erfindet, ist doch egal, wenn jeder sie benutzen darf.</p>
<p>Hat der deutsche Steuerzahler wirklich mehr von einer fl&#228;chendeckenden internationalen Spitzenforschung als von einer st&#228;rker auf deutsche Probleme zugeschnittenen Forschung, die institutionelle Besonderheiten st&#228;rker ber&#252;cksichtigt und sich dann ggf. weniger gut publizieren l&#228;sst (zumindest &#8220;at the margin&#8221; muss dieses Argument wie gesagt gelten)? Ich wei&#223; es wirklich nicht, beides hat Vor- und Nachteile, was vielleicht wirklich f&#252;r ein Nebeneinander anstelle einer ausschlie&#223;lichen Ausrichtung in die eine oder andere Richtung sprechen w&#252;rde. Ist es f&#252;r den deutschen Steuerzahler wirklich so schlecht, dass sich die deutsche BWL eben auch sehr mit deutschen Themen (nicht nur bei Steuern und Bilanzen) befasst und international weniger sichtbar ist? Der Arbeitsmarkt scheint dies &#8211; gemessen an Einstiegsgeh&#228;ltern der Absolventen &#8211; jedenfalls durchaus zu honorieren. Wir haben in der VWL zumindest in manchen (sicher nicht in allen) Feldern erhebliche Defizite, was die wirtschaftspolitisch relevante Forschung angeht, die auch die institutionellen Besonderheiten ber&#252;cksichtigt.</p>
<p>Insgesamt fehlt mir in der Diskussion der Bewertungsma&#223;stab. Beide Gruppen scheinen &#8220;ihre&#8221; Art der Forschung f&#252;r besser zu halten, wobei die Bewertungskriterien nicht dieselben sind. Wirtschaftspolitische Relevanz (wie auch immer gemesen) einerseits, m&#246;glichst hochrangige Publikationen in &#246;konomischen Fachzeitschriften andererseits. Dass die Abschottung der VWL in Deutschland vom Rest der Welt wie fr&#252;her und die ehemals &#252;bliche Berufungspolitik (wie in dem o.g. Brief von C.C. von Weizs&#228;cker geschildert) auch f&#252;r den Steuerzahler mindestens &#8220;suboptimal&#8221; ist, steht au&#223;er Frage. Spannender ist, wie weit die Internationalisierung vorangestrieben werden soll und wie viel Wert auf internationale Publikationen und wie viel auf eher nationale und wirtschaftspolitisch orientierte Engagements gelegt werden soll. Ist bei einer starken Betonung von Publikationsleistungen in internationalen Journalen nicht doch eine &#220;berbetonung wissenschaftlicher Rigorosit&#228;t der Methoden gegen&#252;ber wirtschaftspolitischer Relevanz, zumindest aus deutscher Sicht,  zu bef&#252;rchten? Hier wird zum Teil darauf verwiesen, dass ja auch durchaus beides m&#246;glich ist. Das ist im Einzelfall (bzw. einer ganzen Reihe von F&#228;llen) richtig, aber mir geht es um das systematische Argument. Einzelschicksale z&#228;hlen da nicht &#8211; systematisch werden die Anreize aus meiner Sicht momentan durchaus stark in Richtung Rigor und zu Lasten der Relevanz ausgerichtet.</p>
<p>Sehr erhellend finde ich dazu den <a href="http://gcc.uni-paderborn.de/www/fb5/WiWi-Web.nsf/5a419d474f3279b3c1256c09002f3b2a/2c4c94d73815cc66c12572ec00444afe/$FILE/VHB-Vortrag-Wagenhoferneu%20%5BKompatibilit%C3%A4tsmodus%5D.pdf" target="_blank">Vortrag von Alfred Wagenhofer auf der Jahrestagung des Verbands der Hochschullehre f&#252;r Betriebswirtschaftslehre (VHB)</a> im Mai 2007 (also vor dem Methodenstreit in der VWL), der genau diesen Punkt f&#252;r mich durchaus &#252;berzeugend macht. Ich teile durchaus die Bef&#252;rchtung, dass das Pendel zu weit ausschwingt und sich die &#246;konomische Forschung in Deutschland, nach der fr&#252;heren Abschottung von der internationalen Wissenschaft, nun bei einer einseitigen Betonung von Publikationsrankings zu sehr um theoretische Fragen allgemeiner Natur oder um globale &#246;konomische Themen dreht und zu wenig um speziell deutsche und europ&#228;ische Themen und Institutionen.</p>
<p>Schlie&#223;lich noch ein paar S&#228;tze zur Frage der Politikberatung. Ich will das auch vor dem Hintergrund meiner eigenen Rolle nicht allzu sehr vertiefen, aber meine Erfahrung ist doch die, dass Forschung und Politikberatung nicht genau dieselben Talente und F&#228;higkeiten erfordern. Dies jedoch scheint mir der Gegenaufruf der 188 zu suggerieren. Ob Ben Bernanke ein besserer Zentralbanker ist als Jean-Claude Trichet, weil Bernanke besser in akademischen Fachzeitschriften publiziert hat? Keine Ahnung. das ist so &#228;hnlich wie zu behaupten, dass nur Spitzenfu&#223;baller auch gute Trainer werden k&#246;nnen. Sind J&#252;rgen Klopp und Otmar Hitzfeld schlechte Trainer, weil sie keine echten Spitzenfu&#223;baller waren? Oder ist gar  Lothas Matth&#228;us ein guter Fu&#223;ball-Trainer, weil er ein exzellenter Fu&#223;ball-Spieler war? Hmmm&#8230;wirtschaftspolitische Beratung erfordert unter Anderem auch die Bereitschaft, sich mit zahlreichen institutionellen Details auseinanderzusetzen (denn dort steckt oft der Teufel drin) und ein gewisses Verst&#228;ndnis der Rechtswissenschaft. Viele Juristen haben den &#214;konomen hier durchaus etwas Wichtiges voraus: Sie kennen die institutionellen Details und wissen, wor&#252;ber sie reden. Ein von der bestehenden Rechtsordnung v&#246;llig losgel&#246;stes Philosophieren ist hingegen nur manchmal hilfreich &#8211; in der Regel ist es besser, wenn wenigstens ein Bezug zum bestehenden Rahmen erkennbar ist, sodass Ver&#228;nderungsbedarf und auch -m&#246;glichkeiten auch identifiziert werden k&#246;nnen. Das scheint mir manchmal in der &#214;konomie zu fehlen.</p>
<p>Was ich am Ende auch noch loswerden will: Besonders ge&#228;rgert hat mich pers&#246;nlich in dieser ganzen Debatte ein Beitrag des Wirtschaftsinformatikers Professor August-Wilhelm Scheer, ehemals BWL-Professor in Saarbr&#252;cken, der in der <a href="http://www-personal.umich.edu/~rudib/verloreinderweltdermodelle_scheer.pdf" target="_blank">S&#252;ddeutschen Zeitung vom  09.05.2009</a> wortreich die Mathematisierung der VWL beklagt hat. Vor etwa 15 Jahren war er nicht unma&#223;geblich an der Schlie&#223;ung der Saarbr&#252;cker VWL beteiligt, damals einer wirtschaftspolitischen und institutionen&#246;konomischen Hochburg in Deutschland.  Die sog. „Saarbr&#252;cker Schule“, die auch die Redaktionsr&#228;ume der FAZ lange mitgepr&#228;gt hat, zeichnete sich dadurch aus, dass wirtschaftspolitische Aussagen stets theoretisch abgeleitet und empirisch basiert wurden. Gerade bei Rudolf Richter und Werner Pommerehne wurden Empirie und Theorie in hervorragender Weise miteinander verkn&#252;pft. Saarbr&#252;cken war vor etwa 20 Jahren schon da, wo andere erst jetzt ankommen. Die Fakult&#228;t war international eng vernetzt und zugleich lange eine Hochburg wirtschaftspolitischer Beratung in Deutschland. Dass Professor Scheer nun das angebliche Fehlen wirtschaftspolitisch relevanter Forschung und Ausbildung kritisert, nachdem er zur Beerdigung  just eines solchen Modells beigetragen hat, kommt mir doch etwas &#8211; sagen wir einmal &#8211; schelmenhaft vor.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<title>Wir sind die Jungs von der Opel-Gang</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Jun 2009 14:03:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir haben alle abgeh&#228;ngt, und einen Fiat ausgebremst... so wie die Toten Hosen es besungen haben, so m&#246;gen sich heute Management und Anteilseigner von Magna f&#252;hlen. Opel ist vorerst gerettet, dank gro&#223;z&#252;giger Intervention von Bund und betroffenen L&#228;ndern. Ich halte die staatliche (tempor&#228;re?) Rettung von Opel mit B&#252;rgschaften und Krediten von bis zu 4,5 Mrd. Euro f&#252;r einen gro&#223;en Fehler und habe mich in einem Gastkommentar f&#252;r das Handelsblatt heute auch dementsprechend ge&#228;u&#223;ert:

4,5 Mrd Euro w&#228;ren bei etwa 24.000 verbleibenden Arbeitspl&#228;tzen 187500 Euro pro Arbeitsplatz, das kann eine sehr teure Angelegenheit werden, vor allem wenn Opel in ein paar Jahren doch bankrott gehen sollte. Die Managementfehler der Vergangenheit werden so sicher nicht korrigiert, und es wird auch f&#252;r die Autofahrer nicht wirklich attraktiver, einen Opel zu kaufen. Die strukturellen Probleme bleiben also ungel&#246;st. Zudem drohen erhebliche Wettbewerbsverzerrungen, anderen Automobilherstellern macht man so das Leben ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/860b83d34db7880b9c2fc27e48375c" alt="" width="1" height="1" />Wir haben alle abgeh&#228;ngt, und einen Fiat ausgebremst&#8230; so wie die Toten Hosen es besungen haben, so m&#246;gen sich heute Management und Anteilseigner von Magna f&#252;hlen. Opel ist vorerst gerettet, dank gro&#223;z&#252;giger Intervention von Bund und betroffenen L&#228;ndern. Ich halte die staatliche (tempor&#228;re?) Rettung von Opel mit B&#252;rgschaften und Krediten von bis zu 4,5 Mrd. Euro f&#252;r einen gro&#223;en Fehler und habe mich in einem Gastkommentar f&#252;r das Handelsblatt heute auch dementsprechend ge&#228;u&#223;ert:</p>
<p>4,5 Mrd Euro w&#228;ren bei etwa 24.000 verbleibenden Arbeitspl&#228;tzen 187500 Euro pro Arbeitsplatz, das kann eine sehr teure Angelegenheit werden, vor allem wenn Opel in ein paar Jahren doch bankrott gehen sollte. Die Managementfehler der Vergangenheit werden so sicher nicht korrigiert, und es wird auch f&#252;r die Autofahrer nicht wirklich attraktiver, einen Opel zu kaufen. Die strukturellen Probleme bleiben also ungel&#246;st. Zudem drohen erhebliche Wettbewerbsverzerrungen, anderen Automobilherstellern macht man so das Leben schwer. Die &#220;berkapazit&#228;ten bleiben am Markt. Und der deutsche Steuerzahler subventioniert damit den Technologietransfer nach Russland.</p>
<p>Mit einer sozialen Marktwirtschaft ist das nicht zu vereinbaren. Das Prinzip, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren, steht im krassen Widerspruch zur Idee der sozialen Marktwirtschaft. Weil das Geld nicht vom Himmel f&#228;llt, muss die staatliche Hilfe f&#252;r Opel mittelfristig von produktiveren und erfolgreicheren Unternehmen und Wirtschaftszweigen aufgebracht werden, denn wo sonst kann das Geld herkommen? Erfolgreichen Unternehmen Mittel zu entziehen, um dann in Verlustbringer zu investieren, f&#252;hrt zu einem Abw&#252;rgen der Marktdynamik und letztlich zu wirtschaftlichem Siechtum. Ich frage mich, ob es allen Beteiligten klar ist oder nicht, dass es unm&#246;glich ist, alle Arbeitspl&#228;tze in Deutschland zu subventionieren, oder ob es das Bewusstsein gibt, dass das, was ich einem gebe, einem anderen weggenommen werden muss.</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass dies kein Dammbruch ist. Ich wei&#223; aber nicht, wie man den &#252;ber 50.000 Arcandor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jetzt erkl&#228;ren will, dass ihre Arbeistpl&#228;tze nicht rettungsw&#252;rdig sind. Opel und Arcandor sind schon seit Jahren in der Krise &#8211; da stellt sich die Frage, ob es &#252;berhaupt irgendeinen Arbeitsplatz gibt, der nicht rettungsw&#252;rdig ist. Oder sind nur Arbeitspl&#228;tzen bei kleinen und mittelst&#228;ndischen Unternehmen nicht rettungsw&#252;rdig? Es ist tragisch, dass wir uns in einem wichtigen Wahljahr befinden, an der Zeche f&#252;r diesen Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler werden wir noch lange zahlen. Ich habe die Bef&#252;rchtung, dass wir uns gerade in gro&#223;en Schritten von elementaren marktwirtschaftlichen Prinzipien verabschieden und wei&#223; nicht, ob der n&#228;chsten Regierung nach der Bundestagswahl eine Kehrtwende gelingen wird.<br />
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		<title>Der Deutschlandfonds: weder sozial noch mit Prinzipen der Marktwirtschaft vereinbar</title>
		<link>http://carta.info/9607/buergschaften-und-kredite-aus-dem-deutschlandfonds/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 May 2009 08:01:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[115 Milliarden Euro stellt der Deutschlandfonds der Regierung zur Rettung von Unternehmen bereit. Die Entscheidungen &#252;ber die Mittelvergabe sind v&#246;llig intransparent. Der Fonds h&#246;hlt das marktwirtschaftliche Prinzip der Risikohaftung der Eigent&#252;mer aus und sozialisiert die Verluste der Wirtschaft &#252;ber den Bankensektor hinaus. Der Strukturwandel wird nur hinausgez&#246;gert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7f2a8dd78432c2976972a52b23f3bb" alt="" width="1" height="1" /><br />
Am Mittwoch (20.5.2009) sind erstmalig im Lenkungsausschuss des „Wirtschaftsfonds Deutschland“ Entscheidungen &#252;ber staatliche B&#252;rgschaften und staatliche Gro&#223;kredite gefallen (mehr <a href="http://www.faz.net/s/RubD16E1F55D21144C4AE3F9DDF52B6E1D9/Doc~E157D0BE2527E45408264EC13732F1ABF~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed">hier</a>). Heidelberger Druck und die weniger bekannte Wadan Werft in Warnem&#252;nde und Wismar erhalten eine B&#252;rgschaft bzw. einen Kredit der Staatsbank KfW. Ein Antrag des Automobilzulieferers Aksys auf Staatshilfen hingegen wurde abgelehnt. &#220;ber die Zukunft anderer Unternehmen wie Arcandor, Porsche (?), Schaeffler (?) und wohl zahlreicher anderer Unternehmen wird noch entschieden, ihre etwaigen B&#252;rgschaftsw&#252;nsche waren noch nicht Gegenstand der Entscheidungen des Lenkungsausschusses.</p>
<p>115 Milliarden Euro stehen dem Deutschlandfonds zur Rettung von Unternehmen zur Verf&#252;gung, davon 75 Mrd. Euro f&#252;r B&#252;rgschaften und insgesamt 40 Mrd. Euro f&#252;r Kredithilfen. Das Geld soll Firmen zugute kommen, die im Grundsatz wirtschaftlich gesund sind, aber durch die aktuelle Finanzkrisen in Probleme geraten sind. Durch Missmanagement marode gewordene<br />
Unternehmen sollen nicht gest&#252;tzt werden. Ob dies der Fall ist, ermittelt der sog. Lenkungsrat, dem unter Anderem der fr&#252;here BDI-Pr&#228;sident Michael Rogowski, der Vorsitzende der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie, Hubertus Schmoldt, der ehemalige FDP-Wirtschaftsminister von Niedersachsen, Walter Hirche, aber mit Martin Hellwig auch ein Wissenschaftler angeh&#246;ren.</p>
<p>Zwar ist es zun&#228;chst einmal beruhigend, dass – wie der Fall Aksys zeigt – <strong>nicht jeder Antrag einfach abgenickt </strong>wird. Dennoch ist der wahltaktisch gut so genannte Deutschlandsfonds ein weiterer, nicht gerade kleiner Schritt zur Aush&#246;hlung der Sozialen Marktwirtschaft. Es ist weder sozial noch mit Prinzipen der Marktwirtschaft vereinbar, einzelnen Unternehmen Steuergelder zukommen zu lassen, weil offensichtlich kein Investor auf der Welt bereit ist, diesen Unternehmen mehr von seinem eigenen Geld anzuvertrauen. Der Steuerzahler schultert hier Risiken, die private Anleger nicht eingehen wollen.</p>
<p>Beunruhigend ist zudem, dass die Empfehlungen des Expertengremiums Lenkungsrat, der auch die Wettbewerbsauswirkungen solcher Beihilfen pr&#252;fen soll, unter Verschluss bleiben. Wie die Entscheidung dar&#252;ber zustande kommt, wer unsere Steuergelder bekommt und wer nicht, bleibt <strong>v&#246;llig intransparent</strong>. Hinzu kommt, dass auch au&#223;erhalb des Deutschlandsfonds staatliche Rettungsbeihilfen gew&#228;hrt werden. So wird am Fonds und seiner Gremien vorbei an einer staatlichen Unterst&#252;tzung f&#252;r Opel gebastelt. Diese Ma&#223;nahmen entziehen sich der <strong>Kontrolle des Lenkungsrates </strong>v&#246;llig.</p>
<p>Das Kernproblem des Fonds und der selektiven Unterst&#252;tzung einzelner Unternehmen liegt darin, dass so marktwirtschaftliche Prinzipen ausgeh&#246;hlt werden. Die Marktwirtschaft fu&#223;t darauf, dass Unternehmen Chancen nutzen und f&#252;r Risiko – wenn denn alles gut l&#228;uft – auch belohnt werden. Aber die Kehrseite diese Medaille ist auch, dass private Anleger auch <strong>die Konsequenzen tragen</strong>, wenn ihr Unternehmen am Markt vorbei produzieren oder Risiken falsch einsch&#228;tzen. Sich in guten Zeiten die Gewinne einzustecken, in schlechten Zeiten aber die Verluste auf den Steuerzahler, also die Allgemeinheit, abzuw&#228;lzen, steht in fundamentalem Widerspruch zur Marktwirtschaft. Die so wichtige Anreiz- und Disziplinierungsfunktion von Markt und Wettbewerb geht so verloren.</p>
<p>Nun mag man einwenden, dass ja nur Unternehmen geholfen wird, die <span style="mso-spacerun: yes;"> </span>„nur“ durch die Wirtschaftskrise in Not geraten sind, eigentlich aber langfristig erfolgreich sind (was ihnen jedoch anscheinend nicht hinreichend viele private Investoren glauben, sonst w&#228;re die staatliche Hilfe ja nicht n&#246;tig). Es ist jedoch mehr als fraglich, <strong>ob politische Instanzen beurteilen k&#246;nnen</strong>, ob Opel in f&#252;nf Jahren die Autos bauen wird, die die Verbraucher wollen, oder die Wadan Werft die entsprechenden Schiffe. Zudem wird die Expertenmeinung des Lenkungsrates nicht publik gemacht. Wenn der politische besetzte Lenkungsausschuss anders entscheidet als es der Lenkungsrat empfiehlt, entsteht noch nicht einmal ein &#246;ffentlicher Rechtfertigungsdruck.</p>
<p>Durch das selektive St&#252;tzen einzelner Unternehmen wird der einfach <strong>erforderliche Strukturwandel </strong>in bestimmten Branchen (Automobile, Warenh&#228;user) nur hinausgez&#246;gert, ohne dass nachhaltig geholfen w&#252;rde.</p>
<p>Auch zur St&#252;tzung der Nachfrage tr&#228;gt der Deutschlandsfonds so gut wie nichts bei, insofern ist er wenig geeignet, die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Konjunkturprogramme k&#246;nnen prinzipiell sinnvoll sein – die St&#252;tzung der Konsum- und Investitionsnachfrage sollte dann aber wettbewerbsneutral sein und sich nicht in der St&#252;tzung einzelner Unternehmen bestehen, die dann nach der Krise wom&#246;glich ohnehin vom Markt verschwinden.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		</item>
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		<title>Was wir von der Abwrackpr&#228;mie haben: Nichts als Schulden</title>
		<link>http://carta.info/7793/was-wir-von-der-abwrackpraemie-haben-nichts-als-schulden/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 19:49:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Heute hat die Bundesregierung beschlossen, weitere 3,5 Milliarden Euro Steuergelder sinnlos zu verpulvern: Es geht um die Abwrackpr&#228;mie, ein in Ausma&#223; und Fragw&#252;rdigkeit vielleicht einmaliges Ausgabenprogramm, das nun eine H&#246;he von bis zu 5 Milliarden Euro erreicht: Mehr als 60 Euro pro Steuerzahler – einfach mal abgezogen, heruntergesp&#252;lt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5b65865dd0f7794e582b533634f270" alt="" width="1" height="1" /><br />
Ich habe mich schon am Montag in der <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/gastbeitraege/abwrackpraemie-ist-unsinnig-und-fragwuerdig;2228481" target="_blank">Online-Ausgabe des Handelsblattes</a> dazu klar ge&#228;u&#223;ert, will an dieser Stelle aber noch einiges erg&#228;nzen. Um es ganz klar zu sagen: Die Abwrackpr&#228;mie ist &#246;konomisch unsinnig und &#246;kologisch fragw&#252;rdig. Funktionierende PKWs werden verschrottet und Ressourcen daf&#252;r ver(sch)wendet, neue Autos zu bauen, die man eigentlich noch nicht br&#228;uchte.</p>
<p>Auch die Behauptung, dass neue Autos schadstoff&#228;rmer sind als Neuwagen, ist oft nicht richtig. Ganz im Gegenteil sind &#228;ltere PKWs oftmals leichter und damit CO<sub>2</sub>-sparender: Ein &#228;lterer Golf 3 wiegt viel weniger als ein heutiger Golf 5. Heute geh&#246;rt die Klimaanlage oftmals zur Serienausstattung, und die Autos sind einfach gr&#246;&#223;er als fr&#252;her. Der technische Fortschritt schl&#228;gt sich nicht in reduziertem Spritverbrauch nieder, sondern in besserer Ausstattung und h&#246;herem Gewicht. Zudem wird die Umwelt auch durch die Produktion der neu verkauften PKWs belastet. F&#252;r die Umwelt kommt daher nichts dabei heraus. Daher hat sich auch der Bund f&#252;r Umwelt und Naturschutz heute kritisch zu dem Programm ge&#228;u&#223;ert und die sofortige Einstellung der Abwrackpr&#228;mie gefordert.</p>
<p><strong>Die Wegwerfgesellschaft wird zum gesellschaftspolitischen Ideal erhoben</strong><em>.</em> Statt Umweltpr&#228;mie h&#228;tte man auch den Namen Kulturpr&#228;mie oder Solidarit&#228;tspr&#228;mie nehmen k&#246;nnen – das hat mit der Verschrottung funktionsf&#228;higer Autos genauso wenig zu tun wie der Umweltschutz, w&#228;re aber weniger Augenwischerei gewesen – nichts Anderes ist der Name Umweltpr&#228;mie.</p>
<p>Man muss kein gro&#223;er &#214;konom sein, um zu erkennen, dass es nicht sinnvoll sein kann, das Vernichten von Wertgegenst&#228;nden (denn das sind funktionsf&#228;hige PKWs ja) zu belohnen. Vielleicht kommt auch noch jemand auf die Idee, den autonomen Zellen (oder wer auch immer in Berlin seit einiger Zeit PKWs anz&#252;ndet), eine Abfackelpr&#228;mie zu zahlen, als Belohnung f&#252;r das Anschieben der Konjunktur. Das k&#228;me doch zum 1. Mai gerade recht (ok, etwas polemisch, zugegeben).</p>
<p>&#214;konomisch ist die Abwrackpr&#228;mie jedoch auch ohne die obige Polemik unsinnig. Erstens werden zwar heute K&#228;ufe von Neu- und Jahreswagen vorgezogen, diese <strong>Nachfrage wird jedoch in der Zukunft entfallen</strong>. In zwei bis drei Jahren wird die Nachfrage dementsprechend zur&#252;ckgehen, die Gesamtnachfrage nach Autos &#252;ber einen 5-Jahreszeitraum wird sich kaum ver&#228;ndern. <em>Mehr</em> Autos werden sich die Verbraucher wegen der Abwrackpr&#228;mie kaum zulegen. Es wird lediglich ein Strohfeuer entfacht und nichts wirklich Nachhaltiges geschaffen. Letzteres w&#228;re z.B. durch Investitionen in Infrastruktur und Bildung m&#246;glich. (Zum Vergleich: Die so genannte Exzellenzinitiative von Bund und L&#228;ndern zur F&#246;rderung wissenschaftlicher Spitzenleistungen hat f&#252;r den Zeitraum von 2007 bis 2011 ein Volumen von 1,9 Mrd. Euro).</p>
<p>Zweitens profitieren, wenn &#252;berhaupt, vor allem ausl&#228;ndische Hersteller von dieser Subvention der deutschen Steuerzahler. Ein <strong>Gro&#223;teil der nachgefragten Kleinwagen wird au&#223;erhalb von Deutschland produziert</strong>. Audi, Mercedes und BMW und deren Arbeitnehmer und Zulieferer haben so gut wie nichts davon. Im Gegenteil sie werden sogar eher darunter leiden. Warum? Durch die momentane Nachfrageverschiebung hin zu kleinen Neuwagen und Jahreswagen, weg von &#228;lteren Gebrauchtwagen (deren Angebot nahezu unver&#228;ndert ist), sinkt der Marktwert dieser Wagen, d.h. Gebrauchtwagen erleben einen Wertverfall. Das hei&#223;t, wer heute einen Gebrauchtwagen verkaufen will, der zwischen zwei und acht Jahre alt ist, zahlt durch den Wertverfall jetzt schon indirekt f&#252;r die Abwrackpr&#228;mie.</p>
<p>Drittens wird mit der Pr&#228;mie der <strong>Strukturwandel bei den Autoh&#228;ndlern behindert</strong>, welche momentan prim&#228;r von der Pr&#228;mie profitieren. Hingegen verlieren KfZ-Werkst&#228;tten durch das Abwracken alter Autos einen Teil ihrer Kundschaft. Diese unbeabsichtigten Nebenwirkungen sind weitere Kosten der Abwrackpr&#228;mie. Weitere Nebenwirkungen hat die <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/zu-viel-schrott/" target="_blank">taz</a> heute beschrieben.</p>
<p>Ja, aber soll man den Opel einfach vor die Wand fahren lassen, wurde ich heute auf Radio Eins gefragt. Nat&#252;rlich ist der m&#246;gliche Bankrott von Opel ein soziales Problem, keine Frage. Aber: Durch die Abwrackpr&#228;mie wird Opel doch gar nicht gerettet! Die Pleite wird bestenfalls hinausgez&#246;gert – wenn der <strong>Nachfrageeinbruch nach Auslaufen der Abwrackpr&#228;mie</strong> kommt, trifft es die Automobilhersteller doch umso h&#228;rter. Und selbst, wenn die Pr&#228;mie nicht ausliefe, k&#228;me der Nachfrageeinbruch, wenn der Gro&#223;teil des Bestandes an abwrackf&#228;higen Autos verschrottet worden ist.</p>
<p>Insgesamt gesehen ist mit der Abwrackpr&#228;mie ein <strong>Milliardenprogramm zur Finanzierung von &#246;kologischem und &#246;konomischem Unfug</strong> aufgelegt worden. Der deutsche Steuerzahler kurbelt tempor&#228;r die Autoproduktion in Ost-Europa an, bezahlt f&#252;r die Vernichtung funktionsf&#228;higer Autos und finanziert den Wahlkampf der Regierungsparteien, welche diesen Unfug als Erfolg verkaufen. Was der Steuerzahler davon hat: Nichts als jede Menge Schulden. Es ist eigentlich v&#246;llig unglaublich, wie hier Schulden gemacht werden, um ein Programm zu finanzieren, dessen haupts&#228;chlicher Effekt darin besteht, Wertgegenst&#228;nde zu vernichten.</p>
<div class="box">Das schreiben die Anderen &#252;ber die Abwrackpr&#228;mie:</p>
<p>&#8220;Pech f&#252;r den, der Steuern zahlt und ein Auto j&#252;ngeren Datums f&#228;hrt. Die Abwrackpr&#228;mie ist ein bedenkenloses Gesch&#228;ft zu Lasten Dritter.&#8221; (<a href="http://www.sueddeutsche.de/556387/713/2839253/Die-abgewrackte-Koalition.html">S&#252;ddeutsche</a>)</p>
<p>&#8220;Es gab also schon immer eine staatliche F&#246;rderung unserer Premiumhersteller. Ihren deutschen Absatz subventionierte der Staat mit seiner allerdings so nicht titulierten Neuanschaffungspr&#228;mie. Das wird auch so bleiben &#8211; au&#223;er wenn unsere &#196;rzte auf den FIAT Panda umsteigen sollten.&#8221; (<a href="http://www.weissgarnix.de/?p=1947">Weissgarnix</a>)</p>
<p>&#8220;F&#252;r jede einzelne Hilfe finden sich Gr&#252;nde, unter denen auch gute sind. Doch wird mit jeder weiteren Subvention das staatliche Netz um den B&#252;rger enger gezogen und seine Abh&#228;ngigkeit von den &#8216;Transferzahlungen&#8217; vergr&#246;&#223;ert.&#8221; (<a href="http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E578F45414E3A405BB385D13AE5A09CA8~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a>)</p>
<p>&#8220;Die Leute werden mit &#246;ffentlichen Mitteln zum Ausgeben animiert (na sch&#246;n), aber einseitig und damit absehbar zulasten von anderen G&#252;tern oder Dienstleistungen, f&#252;r die bald Geld fehlen d&#252;rfte.&#8221; (<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/kommentare/1715481_Abwrackpraemie-wird-verlaengert-Wie-es-dem-Volk-gefaellt.html">Frankfurter Rundschau</a>)</div>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<title>Erbarmen! Zu sp&#228;t, die Retter kommen.</title>
		<link>http://carta.info/4557/erbarmen-zu-spaet-die-retter-kommen/</link>
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		<pubDate>Tue, 27 Jan 2009 08:56:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass staatliches Eingreifen in Zeiten wie der derzeitigen Krise grunds&#228;tzlich notwendig ist, ist unbestritten. Allerdings gilt das nicht f&#252;r alle Ma&#223;nahmen und jede B&#252;rgschaft und Subvention. Die Gefahr ist gro&#223;, dass das Kind nun mit dem Bade ausgesch&#252;ttet wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als der von mir so geliebte FC St. Pauli 2003 aufgrund inkompetenter Gesch&#228;ftsf&#252;hrung in eine dramatische wirtschaftliche Schieflage geriet, setzte dies alle kreativen Kr&#228;fte im Verein und im Umfeld frei. Die Idee, RETTER-T-Shirts zu ver&#228;u&#223;ern, wurde geboren – in k&#252;rzester Zeit wurden weit &#252;ber 100.000 T-Shirts an Retter in ganz Deutschland verkauft. Die Unterst&#252;tzung der Fans und Sympathisanten war enorm. Noch heute sind die T-Shirts ein Renner.</p>
<p>Die wirtschaftlichen Probleme vieler Unternehmen rufen keine &#228;hnliche Kreativit&#228;t zur Bew&#228;ltigung der Krise hervor. Stattdessen wird oft einfach und einfallslos nach staatlicher Hilfe gerufen und, wenn das nicht reicht, nach mehr staatlicher Hilfe. Das erinnert an Emir Kusturica, der einen seiner Protagonisten in „Schwarze Katze, wei&#223;e Kater“ (sinngem&#228;&#223;) sagen l&#228;sst: „Probleme, die Du mit Geld nicht l&#246;sen kannst, kannst Du mit viel Geld l&#246;sen“.</p>
<p>Eigentlich m&#252;sste nun jeder Bundesb&#252;rger ein &#228;hnliches RETTER-T-Shirt erhalten wie damals die Fans des FC St. Pauli (wenn vielleicht auch in etwas anderem Design). Mit fast 10.000 Euro b&#252;rgt jeder Bundesb&#252;rger (das Wort „Bundesb&#252;rger“ bekommt nun eine ganz neue Bedeutung ;-)) f&#252;r Banken und auch Industrieunternehmen. Der Unterschied zur damaligen Rettungsaktion des FC St. Pauli ist jedoch, dass dort die Fans die RETTER-T-Shirts aus freien St&#252;cken gekauft haben – der Steuerzahler hingegen kann heute nicht frei entscheiden, ob er bei den Rettungsaktionen mitmachen m&#246;chte.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist unbestritten, dass staatliches Eingreifen in Zeiten einer solchen Krise <strong>grunds&#228;tzlich </strong>notwendig und ohne Alternative ist. Das ist v&#246;llig klar. Allerdings gilt das nicht f&#252;r <strong>alle</strong> Ma&#223;nahmen und <strong>jede</strong> B&#252;rgschaft und Subvention. Die Gefahr ist gro&#223;, nun das Kind mit dem Bade ausgesch&#252;ttet wird. Der Versuchung, unter dem Deckmantel der Finanz- und Wirtschaftskrise aktive Industriepolitik zu betreiben, scheint die Politik teilweise nicht widerstehen zu k&#246;nnen. Sollte die von Anfang an hochgradig riskante &#220;bernahmen von Conti durch Schaeffler nun mit staatlicher Hilfe abgesichert werden, so w&#252;rde das den unverantwortlichen Umgang mit Steuergeldern auf die Spitze treiben.</p>
<p>In der <a href="http://www.monopolkommission.de" target="_blank">Monopolkommission</a> haben wir uns in der letzten Woche bereits veranlasst gesehen, deutlich vor &#220;bertreibungen zu warnen. Dabei hatten wir noch die wettbewerbsverzerrende Einflussnahme des Staates auf die Gesch&#228;ftspolitik der Commerzbank (zu Lasten kleiner Genossenschaftsbanken) vor Augen sowie die Gefahr, dass der Rettungsschirm f&#252;r die Realwirtschaft zu gro&#223;z&#252;gig ausf&#228;llt. Diese Bef&#252;rchtung best&#228;tigt sich, wenn Bayern und Niedersachsen den Deal zwischen Conti und Schaeffler mit Steuergeldern erm&#246;glichen: „Wer rettet uns vor diesen Rettern?“, hat Guido Westerwelle neulich schon gefragt – niemand, bef&#252;rchte ich (Und wenn sie kommen? Dann laufen wir! ;-))</p>
<p>Als Vorsitzender der Monopolkommission sehe ich eine gro&#223;e Gefahr f&#252;r das Wettbewerbsprinzip, das uns immerhin den bisherigen Wohlstand gebracht hat (auch wenn der Hinweis, das Wohlstand nicht durch Umverteilung von Steuermitteln erzeugt wird, mittlerweile schon als neoliberaler Unsinn gegei&#223;elt wird – aber erst muss der Kuchen gebacken werden, dann kann er verteilt werden). Sehr problematisch ist, dass es wohl prim&#228;r gr&#246;&#223;ere Unternehmen sein werden, die staatlich gerettet werden. Der kleine Handwerkerbetrieb oder ein Taxiunternehmen werden, um Beispiele zu nennen, wohl kaum unter den Rettungsschirm kriechen k&#246;nnen. Wenn aber in der Krise die kleinen Unternehmen bankrott anmelden, w&#228;hrend die gro&#223;en gerettet werden, dann bef&#246;rdert dies die Unternehmenskonzentration und die Vermachtung von M&#228;rkten. Wettbewerbspolitisch betrachtet w&#252;rde ich – wenn schon gerettet werden soll – tendenziell lieber viele kleine Unternehmen retten als die gro&#223;en. Dann h&#228;tten wir nach der Krise wenigstens weniger konzentrierte Marktstrukturen. Aber das ist ein frommer Wunsch, das wei&#223; ich auch.</p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt;"> </p>
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		<title>Keine frohe Weihnachtspost f&#252;r die Deutsche Post AG</title>
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		<pubDate>Sat, 20 Dec 2008 20:47:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wettbewerb]]></category>

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		<description><![CDATA[Kurz vor Weihnachten erkl&#228;rte ein Gericht die Rechtsverordnung f&#252;r unzul&#228;ssig, welche einen fl&#228;chendeckenden Mindestlohn f&#252;r die gesamte Postbranche vorsieht. Richtig, findet Justus Haucap: Der Post-Mindestlohn habe kein anderes Ziel, als die Post vor Wettbewerb zu sch&#252;tzen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/12822e212662fa21671db7d9f537e0" alt="" width="1" height="1" />Das Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg hat in dieser Woche die Rechtsverordnung des Bundesarbeitsministers f&#252;r unzul&#228;ssig erkl&#228;rt, welche einen fl&#228;chendeckenden Mindestlohn f&#252;r die gesamte Postbranche vorsieht. Als Vorsitzender der Monopolkommission habe ich das Urteil begr&#252;&#223;t.</p>
<p>Die Monopolkommission hat ziemlich genau vor einem Jahr in ihrem Sondergutachten dargelegt, dass der von der Deutschen Post AG und ver.di ausgehandelte Post-Mindestlohn nichts Anderes zum Ziel hat, als den Wettbewerb auf dem Post-Markt zu ersticken. Unsere Forderung war daher, dem Bundeskartellamt wenigstens ein Anh&#246;rungsrecht bei der Einf&#252;hrung branchenspezifischer Mindestl&#246;hne einzur&#228;umen.</p>
<p>Auch in den beiden j&#252;ngsten Gesetzesentw&#252;rfen der Bundesregierung zur Einf&#252;hrung von branchenspezifischen Mindestl&#246;hnen ist jedoch nach wie vor kein Anh&#246;rungsrecht f&#252;r das Bundeskartellamt als Anwalt des Wettbewerbs vorgesehen. Als Vorsitzender der Monopolkommission sehe ich hier dringenden Nachbesserungsbedarf, da sonst Wettbewerb und Verbraucher systematisch benachteiligt werden. Wenn der Wettbewerb ausgeschaltet wird, zahlt der Verbraucher letzten Endes die Zeche, w&#228;hrend Monopolrenten bei etablierten Unternehmen zementiert werden.</p>
<p>In unserem <a href="http://www.monopolkommission.de/aktuell_sg51.html" target="_blank">Post-Sondergutachten</a> vom Dezember 2007 hie&#223; es zum Post-Mindestlohn: &#8220;Dieser branchenweit verbindliche Mindestlohn hat offensichtlich nicht das Ziel, die Interessen inl&#228;ndischer Arbeitnehmer zu sch&#252;tzen, sondern vielmehr soll der Wettbewerb im Postmarkt torpediert werden. Die Deutsche Post AG kann damit die Kosten ihrer Wettbewerber massiv erh&#246;hen, ohne selbst betroffen zu sein. Gleichzeitig wird die Entstehung neuer Stellen im Niedriglohnsektor behindert.</p>
<p>Ein &#252;berh&#246;hter Mindestlohn verhindert zudem eine Senkung der Portopreise und schadet damit den Verbrauchern. Dabei haben die gesunkenen Preise und die verbesserte Qualit&#228;t im Paketbereich und auf Nischenm&#228;rkten wie dem Markt f&#252;r die f&#246;rmliche Zustellung gezeigt, dass der Wettbewerb auf den Postm&#228;rkten den Verbrauchern gro&#223;e Vorteile bringt. Die Monopolkommission schl&#228;gt vor, dem Bundeskartellamt bei jeglicher Form der Allgemeinverbindlicherkl&#228;rung eines Tarifvertrags durch den Bundesarbeitsminister ein generelles Anh&#246;rungsrecht einzur&#228;umen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Auswirkungen auf den Produktmarktwettbewerb und die Interessen der Verbraucher bei der Entscheidung des Ministers hinreichend ber&#252;cksichtigt werden.&#8221;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=3540&amp;md5=7679d506d4010255a9229ebe90b2e729" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Die Zukunft der Telekommunikationsregulierung: Weniger Pluralismus, mehr Gleichschaltung?</title>
		<link>http://carta.info/2035/die-zukunft-der-telekommunikationsregulierung-weniger-pluralismus-mehr-gleichschaltung/</link>
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		<pubDate>Sun, 23 Nov 2008 15:46:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Regulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Telekommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Am kommenden Donnerstag (27.11.2008) treffen sich die EU-Minister f&#252;r Telekommunikation, um &#252;ber das von der EU-Kommission vorgeschlagene Paket zur Reform der Regulierung von Telekommunikationsm&#228;rkten zu beratschlagen. mehr...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/032e973f0e8d002b7c37c007ef0e01" width="1" height="1" alt=""/>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="Arial;"><span style="small;">Am kommenden Donnerstag (27.11.2008) treffen sich die EU-Minister f&#252;r Telekommunikation, um &#252;ber das von der EU-Kommission vorgeschlagene Paket zur Reform der Regulierung von Telekommunikationsm&#228;rkten zu beratschlagen. Das Treffen wird das einzige im Rahmen der franz&#246;sischen Ratspr&#228;sidentschaft sein. Ob es &#252;berhaupt viel zu beratschlagen gibt, ist allerdings nicht ganz klar. Die zust&#228;ndige Kommissarin, Viviane Reding, hat in der letzten Woche „gedroht“, das von ihr ausgearbeitete <a href="http://www.euractiv.com/de/informationsgesellschaft/kommission-droht-ruckzug-telekom-pakets/article-177366" target="_blank">Reformpaket zur&#252;ckzuziehen</a>.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="Arial;"><span style="small;">Das Bestreben der Kommission besteht vor allem darin, die Regulierung der Telekommunikationsm&#228;rkte noch weiter zu zentralisieren und die noch bestehenden Unterschiede in der Regulierung zu beseitigen. Dass die teilweise bestehenden Unterschiede gute Gr&#252;nde haben, wird von der Kommission beiseite gewischt. So k&#246;nnen in den Niederlanden heute bereits 96% aller Haushalte Kabelfernsehen beziehen, in Griechenland hingegen nur 3%. Auch die Mobilfunkpenetration unterscheidet sich dramatisch, nicht nur zwischen Westeuropa einerseits und Mittel- und Osteuropa andererseits, sondern auch innerhalb Westeuropas. Man muss kein brillanter &#214;konom sein, um zu verstehen, dass auch die Regulierungserfordernisse bei solchen Differenzen unterschiedlich sind: „Horses for Courses“ wie die Briten sagen. </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="Arial;"><span style="small;">Ein wenigstens minimaler<strong> Pluralismus in der Regulierung</strong> ist gerade im Telekom­munikationssektor w&#252;nschenswert. Erstens ist gerade in so einem dynamischen Sektor unklar, welche Art der Regulierung f&#252;r wie lange effizient ist. Was heute noch ein nat&#252;rliches Monopol ist, kann morgen schon im Wettbewerb stehen, weil sich Technologien und Verbraucherverhalten &#228;ndern. Und umgekehrt sind gestern noch v&#246;llig uninteressante Infrastrukturen (wie der Zugang zu den Leerrohren der Deutschen Telekom), heute m&#246;glicherweise ein Regulierungsproblem. Aufgrund der ziemlich unterschiedlichen Infrastrukturen und der Unterschiede im Nutzerverhalten sind aber auch unterschiedliche Regulierungen angebracht. </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="none;"><span style="small;"><span style="Arial;">Zweitens sprechen die Unterschiede der nationalen M&#228;rkte auch deshalb f&#252;r ein gewisses Ma&#223; an Wettbewerb der Regulierungsmodelle, weil nur so Erfolge anderer kopiert und Fehler anderer vermieden werden k&#246;nnen. </span><span style="EN-GB;">Darauf hat auch die <a href="http://www.erg.eu.int/doc/publications/erg_06_68_effective_harmonisation.pdf" target="_blank">European Regulators Group (ERG)</a> hingewiesen, und Ed Richards, CEO von OFCOM, hat dies explizit so ausgedr&#252;ckt: „<span style="bold;">I am certainly not ashamed to admit that we study closely our fellow regulators’ work and are quite happy to borrow from them ideas which will translate effectively into the UK market.”</span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="Arial;"><span style="small;">Eine Harmonisierung nach der Rasenm&#228;hermethode ist daher absolut sch&#228;dlich. Frau Reding geht auf solche Argumente jedoch in keinster Weise ein. Dass es in der Generaldirektion Informationsgesellschaft im Gegensatz zur Generaldirektion Wettbewerb keinen Chef-&#214;konomen gibt, macht sich in der Formulierung der Politik nur allzu bemerkbar. Eine ungebremste Regulierungswut und <strong>der Glaube an die Machbarkeit des Mikro-Managements von M&#228;rkten kennzeichnen gro&#223;e Teile der Regulierungsphilosophie von Frau Reding. Gerade in dynamischen M&#228;rkten ist das besonders absurd. </strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="small;"><span style="Arial;">Beklemmend ist auch, dass sich die Politik der EU auf Expertisen st&#252;tzt, die jedoch diesen Namen kaum verdienen. So werden nahezu gebetsm&#252;hlenhaft die vorgeblichen Ergebnisse einer Studie zitiert, welche </span><span style="Times New Roman;"><a href="http://ec.europa.eu/information_society/policy/ecomm/doc/info_centre/studies_ext_consult/assessmt_growth_invst/investment.pdf" target="_blank">London Economics 2006 in Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers</a> im Auftrag der EU-Kommission erstellt hat. Der Studie gelingt es zwar keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen einer strengeren Regulierung und Investitionen herzustellen und erf&#252;llt zudem keine wissenschaftlichen Qualit&#228;tsstandards (siehe auch die bei&#223;ende <a href="http://www.muenchner-kreis.de/pdfs/TelekommunikationsregulierungEuropa/Gerpott.pdf" target="_blank">Kritik vom Kollegen Gerpott</a>, Universit&#228;t Duisburg-Essen, an dieser Studie</span></span><span style="Arial;">). Die Kommission selbst ignoriert diese Kritik jedoch hartn&#228;ckig und tut – ganz im Gegenteil – sogar so, als ob der gew&#252;nschte Befund dabei herausgekommen w&#228;re – n&#228;mlich, dass eine strengere Regulierung zu mehr Investitionen f&#252;hren w&#252;rde. Dies ist einfach der Versuch der Volksverdummung.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="small;"><span style="Arial;">Der ehemalige Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein hat im letzten Jahr in dem gemeinsam mit L&#252;der Gerken verfassten <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/handelsblatt-kommentar/protektionismus-und-regulierungswut;1244352" target="_blank">Gastkommentar f&#252;r das Handelsblatt</a> in der Politik der EU-Kommission selbst eine Gef&#228;hrdung des Binnenmarktes ausgemacht. Harmonisierung sei inzwischen zu einem Selbstzweck geworden, der </span><span style="Arial;">Binnenmarkt entwickle sich zu einer „Hochregulierungszone“. Die Kommission dr&#228;nge weniger auf einen Abbau von &#220;berregulierung als auf eine m&#246;glichst weit gehende Harmonisierung „auf hohem Niveau“. Bolkestein und Gerken sprechen gar von einem Paradigmenwechsel in der Philosophie der Kommission weg vom wettbewerblichen Abbau nationaler &#220;berregulierung hin zu deren Vereinheitlichung. Nationale Traditionen w&#252;rden dabei &#252;ber einen Kamm geschoren. Der Binnenmarkt werde auch dar&#252;ber hinaus zunehmend f&#252;r sachfremde Ziele miss­braucht. Dabei werde die in Artikel 95 EG-Vertrag angelegte Harmonisierungs­kompetenz immer h&#228;ufiger benutzt, „um EU-Regulierungen zu schaffen, f&#252;r die die EU keine Kompetenz besitzt.“ Vorgeschoben werde, „man wolle den Binnenmarkt sichern helfen, obwohl der Binnenmarkt nur marginal oder gar nicht ber&#252;hrt ist.“ Bolkestein und Gerken sprechen gar von einer „Pervertierung des Binnenmarktauftrages“.</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="Arial;">Bolkestein und Gerken befinden, dass das eigentlich Tragische sei, „dass sich die europ&#228;ische Politik auf wirtschaftspoli­tischem Gebiet Regulierungen, die beileibe nicht EU-weit geregelt geh&#246;ren, als Ersatz­befriedigung verschreibt“, w&#228;hrend „nationale Egoismen eine europ&#228;ische Politik in den Bereichen verhindern, wo sie wirklich notwendig w&#228;re.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="9.35pt;"><span style="Arial;">Vor diesem Hintergrund ist es beruhigend, dass das Europ&#228;ische Parlament der Harmonierungs- und Zentralisierungswut von Frau Reding bereits <a href="http://www.euractiv.com/de/informationsgesellschaft/parlament-unterstutzt-umfangreiche-uberarbeitung-telekommunikations-internetbranchen/article-175735" target="_blank">einen Riegel vorgeschoben</a> hat (<a href="http://www.euractiv.com/de/informationsgesellschaft/europaabgeordnete-lehnen-gemeinsame-eu-telekommunikationsbehorde-ab/article-174081" target="_blank">siehe auch hier</a>). Es ist auch erleichternd, dass der Ministerrat die Reformpakete nochmals &#252;berarbeiten wird. Sollte Frau Reding tats&#228;chlich das Reformpaket zur&#252;ckziehen, w&#228;re auch nicht allzu viel verloren. Zentrale Themen wie z.B. die Aufteilung der Digitalen Dividende werden ohnehin nicht behandelt. Vielleicht siegt am Ende doch noch die Vernunft – das w&#228;re ja mal was.</span></p>
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		<title>Brauchen wir mehr Staatsunternehmen?</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Nov 2008 23:05:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Krise der Sozialen Marktwirtschaft wurde nicht durch den credit crash ausgel&#246;st - es gab schon l&#228;nger einen Schwelbrand: Die Zustimmung zu st&#228;rkerem staatlichen Engagement in allen Lebensbereichen steigt seit l&#228;ngerem. Auch die Politik lieb&#228;ugelt vermehrt mit staatlichem Unternehmertum. Staatsunternehmen sind in bestimmten Bereichen einer politisch gestalteten Marktwirtschaft unverzichtbar. Mit ihnen sind aber auch erhebliche Nachteile verkn&#252;pft, die in der Krise nicht verdr&#228;ngt werden sollten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Von der Krise der Marktwirtschaft ist vielerorts zu lesen – die Finanzkrise hat auch die Idee der freien Marktwirtschaft in Verruf gebracht, schreibt z.B. die <a href="http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E32BC8DFB8D80446B9E779426BB7D2584~ATpl~Ecommon~Sspezial.html?rss_googlefeed" target="_blank">Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung</a>. Bert R&#252;rup, Vorsitzender des Sachverst&#228;ndigenrats, verteidigt <a href="http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E159A1011168C404DBB814ACB8802515A~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">in der Ausgabe</a> jedoch die „Idee des kontinentaleurop&#228;ischen Neoliberalismus, der Sozialen Marktwirtschaft“. <strong>Diese Idee bestehe nicht darin, den Kapitalismus abzuschaffen, sondern ihn politisch zu gestalten. </strong>Ich teile diese Haltung und m&#246;chte sie am Beispiel erl&#228;utern, welche Rolle staatliche Unternehmen spielen sollten. Mit dieser Frage war ich in dieser Woche im Rahmen einer Podiumsdiskussion befasst, aber dazu unten mehr. Zun&#228;chst will ich noch ein paar allgemeine Gedanken loswerden. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Im &#220;brigen scheint mir die Krise der Sozialen Marktwirtschaft nicht erst durch die Finanz­krise ausgel&#246;st worden zu sein. <strong>Mein Eindruck ist, dass es schon l&#228;nger mindestens einen Schwelbrand gibt, der jetzt nur durch die Finanzkrise richtig ausgebrochen ist.</strong> So ist ja auch der wachsende Erfolg der Linken kein urpl&#246;tzliches Ph&#228;nomen – vielmehr scheint die Zustimmung zu st&#228;rkerem staatlichen Engagement in allen Lebensbereichen schon seit l&#228;ngerer Zeit stetig wachsend. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Private Freiheitsrechte – das Recht, sich selbst f&#252;r oder gegen etwas zu entscheiden –<span style="yes;"> </span>sind nicht nur in wirtschaftlichen Bereichen gef&#228;hrdet, auch in anderen Bereichen unseres Lebens werden Freiheitsrechte zur&#252;ckgedr&#228;ngt, z. B. mit dem Argument der Terrorismusbek&#228;mpfung oder der inneren Sicherheit. Und d</span><span style="Times New Roman;">as Zur&#252;ckdr&#228;ngen pers&#246;nlicher Freiheitsrechte bedeutet auch ein Aush&#246;hlen des Subsidiarit&#228;tsprinzips, auf dem unsere Gesellschaftsordnung (auch) beruht, zumindest theoretisch und prinzipiell, wenn auch nicht immer faktisch. Danach sollten zentrale Institutionen dezentrale nur dann ersetzen, wenn dezentrale Institutionen eine bestimmte Aufgabe nicht zufrieden stellend l&#246;sen k&#246;nnen. Lokale (b&#252;rgernahe) L&#246;sungen vor globalen also, solange letztere nicht wirklich erforderlich sind (wie sicherlich beim Klimaschutz und bei der Regulierung internationaler Finanzm&#228;rkte).</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;"><strong>Das Subsidiarit&#228;tsprinzip impliziert auch, dass privates Handeln und Selbstverantwortung erst einmal staatlichem Eingreifen vorzuziehen sind.</strong> Erst wenn der Markt bestimmte Dinge nicht leisten kann, sollte der Staat einspringen. Steuergelder (also Zwangsabgaben) sollten nicht dazu verwendet werden, das zu bezahlen, was der Markt ohnehin erbringen kann.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Ich bin mir nicht sicher, wie verbreitet diese prinzipielle &#220;berzeugung momentan noch ist. W&#252;rde man heute fragen, ob Selbstbestimmung nicht Fremdbestimmung vorzuziehen sei, f&#228;nde diese Aussage vermutlich breite Zustimmung. <strong>Fragt man jedoch, ob privates Handeln prinzipiell erst einmal staatlichem vorzuziehen sei, so scheint mir die Zustimmung zu dieser Aussage zu schwinden.</strong> Ganz deutlich wurde mir das in dieser Woche, als ich an einer Podiumsdiskussion beim <a href="http://www.bde-berlin.org/wp-content/pdf/20081106_stadtwerkeforum.pdf" target="_blank">Deutschen Stadtwerkeforum</a> </span><span style="Times New Roman;">teilnehmen durfte. Deutlicher Tenor vieler Teilnehmer dort war, dass staatlichen Unternehmen zu enge Grenzen in der Expansion gesetzt seien und Kommunen sich nicht nur auf das beschr&#228;nken sollten, was der Markt nicht leisten kann, sondern auch mit privaten Anbietern auf Wettbewerbsm&#228;rkten konkurrieren sollten. Wenn sich irgendwo am Markt Geld verdienen lie&#223;e, dann sollte es den Kommunen freistehen, sich dort zu engagieren, um den &#246;ffentlichen Haushalt aufzubessern. Es d&#252;rfe kein Primat privaten Handelns &#252;ber staatliches Engagement geben – dies sei purer Neoliberalismus.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Als eben dies wurde dort von Kommunalpolitikern von SPD und CDU auch meine These bezeichnet, dass staatliche Unternehmen private nicht vom Markt verdr&#228;ngen sollten und Gewinnerzielung auf M&#228;rkten keine staatliche Aufgabe sei. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Gerade weil dies kein „Common Sense“ zu sein scheint, m&#246;chte ich darauf eingehen, warum viele &#214;konomen und auch ich so skeptisch gegen&#252;ber staatlichen Unternehmen sind. Der Grund liegt vor allem darin, dass (a) <strong>die B&#252;rger als &#8220;Zwangseigner&#8221; staatlicher Unternehmen</strong> im Grunde nicht entscheiden k&#246;nnen, ob sie sich an den Risiken staatlicher Unternehmen beteiligen wollen oder nicht, und (b) <strong>staatliche Unternehmen zugleich zur Ineffizienz neigen</strong>, was das Unternehmensrisiko noch erh&#246;ht.</span><span style="Times New Roman;"> Ineffizienz hei&#223;t auf Deutsch: Verschwendung von Ressourcen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Warum aber sind staatliche Unternehmen meist ineffizient? Weil es f&#252;r die ultimativen Eigent&#252;mer (also die B&#252;rger) keine starken Anreize gibt, die Unternehmensf&#252;hrung aufmerksam zu kontrollieren. <strong>Der Einzelne hat kaum die Anreize und M&#246;glichkeiten, detailliert das Gesch&#228;ftsgebahren &#246;ffentlicher Unternehmen zu studieren und von diesen mehr Effizienz einzufordern.</strong> </span><span style="Times New Roman;">Dasselbe gilt prinzipiell, wenn auch abgeschw&#228;cht, auch f&#252;r Politiker, an welche die Aufgabe der Kontrolle staatlicher Unternehmen quasi delegiert wird. Denn f&#252;r Politiker geht es nicht um das eigene Geld. Manchmal fehlt auch die Kompetenz. Dasselbe Problem mangelhafter Aufsicht gibt es zwar auch bei manchen privaten Unternehmen, aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Wenn in einem privaten Unternehmen die Kosten aus dem Ruder laufen und es bankrott geht, dann verlieren die Eigent&#252;mer ihr Kapital. Im Prinzip jedenfalls. Jeder kann sich aber frei entscheiden, ob er sich an einem privaten Unternehmen beteiligen m&#246;chte oder nicht. Und weil die Eigent&#252;mer ihr eigenes Kapital verlieren, haben sie auch Anreize, die Unternehmensf&#252;hrung entsprechend kritisch zu be&#228;ugen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Im Gegensatz dazu kann ich mich nicht entscheiden, ob ich mich an einem staatlichen Unternehmen beteilige oder nicht. Mitgehangen, mitgefangen. Geht das Unternehmen bankrott, zahlen die Steuerzahler die Zeche, oder aber der Leistungskatalog f&#252;r die B&#252;rger wird an anderer Stelle eingeschr&#228;nkt. Und weil es im Grunde nicht das eigene Geld ist bzw. die Auswirkungen pers&#246;nlich kaum sp&#252;rbar sind, hat auch niemand besonders starke Anreize, die Unternehmensf&#252;hrung intensiv zu kontrollieren. B&#252;rger und Steuerzahler tragen das unternehmerische Risiko und k&#246;nnen sich dem nicht entziehen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><strong><span style="Times New Roman;">Aus dem Grund sollte es im &#220;brigen auch keine &#220;berlebensgarantie f&#252;r private Unternehmen geben. Wenn man private Unternehmen systematisch mit staatlichen Geldern vor dem Bankrott rettet, dann kann man sie auch gleich durch Staatsunternehmen ersetzen.</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Die mangelnden Kontrollanreize f&#252;hren bei staatlichen Unternehmen oft zu einem verschwenderischen Umgang mit Ressourcen und einem Ausufern der Kosten. Dies wird dann zum Teil durch Privilegien wettgemacht, z.B. steuerlicher Art, welche dann den Wettbewerb verzerren. Nat&#252;rlich ist es nicht in jedem Einzelfall so, dass staatliche Unternehmen Kostendisziplin vermissen lassen, aber tendenziell f&#252;hrt die mangelhafte Aufsicht zu ineffizientem Wirtschaften wie die Erfahrung zeigt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Solange auf den betroffenen M&#228;rkten Wettbewerb herrscht, ist alles halb so schlimm, mag man denken, denn dann &#252;bt der Wettbewerb ja eine gewisse Disziplin auf das Unternehmen aus. Funktionierender Wettbewerb macht es den Unternehmen schwer, &#252;berh&#246;hte Kosten auf die Verbraucher abzuw&#228;lzen. Man kann dann ja auch woanders einkaufen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Das klappt aber nicht, wenn das staatliche Unternehmen auch noch ein Monopol hat oder der Wettbewerb mangelhaft ist. Dann gibt es kaum noch einen Schutz vor &#252;berh&#246;hten Preisen aufgrund ausufernder Kosten. Das staatliche Unternehmen macht dann wom&#246;glich auch noch satte Gewinne, alles auf Kosten der Verbraucher. Das Wehklagen der Stadtwerke &#252;ber die ach so strenge Anreizregulierung im Strom- und Gasbereich durch die Bundesnetzagentur kann mich daher auch nicht &#252;berzeugen. Eine strenge, politisch unabh&#228;ngige Preisaufsicht &#252;ber Monopole, seien sie in privater oder &#246;ffentlicher Hand, ist daher unbedingt erforderlich, um den Verbraucher vor Ausbeutung zu sch&#252;tzen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;"><span style="Times New Roman;">Auf <strong>Wettbewerbsm&#228;rkten</strong> jedoch haben <strong>staatliche Unternehmen</strong> eigentlich &#252;berhaupt nichts zu suchen. Hier wird den B&#252;rgern ein Risiko aufgeb&#252;rdet, dem sie sich nicht entziehen k&#246;nnen. Auch wenn die Versuchung der Kommunen gro&#223; sein mag, sich unternehmerisch zu bet&#228;tigen, sollten sie die Finger davon lassen und privaten Anbietern den Vortritt lassen. <strong>Steuern und andere Zwangsabgaben sollten f&#252;r die Dinge eingesetzt werden, die der Markt gerade nicht erbringen kann.</strong> Anderenfalls fehlt die Legitimation, den B&#252;rgern durch Zwang Mittel zu entziehen (also Steuern zu erheben), um mit diesen Steuergeldern dann Unter­nehmen zu betreiben, die privaten Anbietern Konkurrenz machen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="0cm 0cm 0pt;">
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		<title>Mindestl&#246;hne und die Privatisierung der sozialen Gerechtigkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Oct 2008 22:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den Wirren der Finanzmarktkrisen geht fast unter, dass wir in Deutschland momentan auf einem ganz anderen Feld vor fundamentalen Weichenstellungen stehen:  In gleich zwei Gesetzen geht es um die Festsetzung staatlicher Mindestl&#246;hne. Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission, warnt davor, dass sich der Staat durch Mindestl&#246;hne seiner sozialen Verantwortung entziehen k&#246;nnte. Arbeitgeber und Gewerkschaften k&#246;nnten sich  mittels Mindestl&#246;hnen unliebsamer Konkurrenz zu entledigen versuchen. Leidtragende w&#228;ren die Arbeitslosen und Verbraucher - und langfristig die Tarifautonomie.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Wirren der Finanzmarktkrisen geht fast unter, dass wir in Deutschland momentan auf einem ganz anderen Markt vor einer <strong>fundamentalen Weichenstellung </strong>stehen: Auf dem Arbeitsmarkt. In der Beschlussfassung sind im Bundestag dieser Tage die Neufassungen des Gesetzes &#252;ber die Festsetzung von Mindestarbeitsbedingungen und des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes. In beiden Gesetzen geht es um die Festsetzung staatlicher Mindestl&#246;hne durch Rechtsverordnungen.</p>
<p>Ich darf heute (Montag, 3.11.2008) als Sachverst&#228;ndiger im Bundestag (<a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/22628564_kw45_arbeit/index.html" target="_blank">Ausschuss f&#252;r Arbeit und Soziales</a>) dazu Stellung nehmen. Diese Ausf&#252;hrungen beruhen auf meiner schriftlichen Stellungnahme. (Ich habe mich in dieser Form &#8211; der Ordnung halber sei darauf hingewiesen &#8211; auch bei <a href="http://wirtschaftlichefreiheit.de">www.wirtschaftlichefreiheit.de</a> dazu ge&#228;u&#223;ert). Was also ist von den Gesetzesvorhaben zu halten?</p>
<p>Mindestl&#246;hne bergen stets die Gefahr zus&#228;tzlicher Arbeitslosigkeit. Es gibt zwar einzelne Studien, die zeigen, dass dies nicht in jedem Fall so sein muss (ber&#252;hmt ist insbesondere die Studie zu Burger-Flippern in den USA von Card und Krueger aus dem Jahr 1994). Die Mehrheit der Studien belegt aber, dass die Besch&#228;ftigung tendenziell zur&#252;ckgeht, vor allem je h&#246;her der Mindestlohn ist.</p>
<p>Die negativen Besch&#228;ftigungseffekte allein bedeuten jedoch nicht, dass ein staatlicher Mindestlohn sofort zu verwerfen w&#228;re. Politisch mag man sich ja durchaus f&#252;r einen Mindestlohn entscheiden, auch wenn er zu einer h&#246;heren Arbeitslosigkeit f&#252;hrt. <span style="9.5pt;"><span style="Times New Roman;">Denn dem Mehr an Arbeitslosigkeit steht ja ggf. ein zus&#228;tzliches Einkommen der Arbeitnehmer und Arbeit­nehmerinnen gegen&#252;ber, welche zum Mindestlohn besch&#228;ftigt werden und ansonsten einen geringeren Lohn bezogen h&#228;tten. Problematisch ist allerdings, dass auch letzteres keineswegs sicher ist, da zumeist staatliche Transfers entfallen, wenn das Arbeitseinkommen steigt. In diesem Fall ergibt sich h&#246;chstens ein positiver Effekt f&#252;r die &#246;ffentlichen Haushalte, da die staatlichen Transferleistungen sinken. Das verf&#252;gbare Einkommen f&#252;r die betroffenen Haushalte steigt dann aber kaum. Die &#246;konomische Literatur belegt, dass sich Armut mit einem Mindestlohn nur schwer bek&#228;mpfen l&#228;sst, weil dieser einfach nicht am Haushaltseinkommen ansetzt. </span></span></p>
<p><span style="9.5pt;"><span style="Times New Roman;">Die Abw&#228;gung zwischen mehr Arbeitslosigkeit einerseits und m&#246;glicherweise mehr Einkommen der zum Mindestlohn (weiterhin) Besch&#228;ftigten bzw. einer geringeren Belastung der &#246;ffentlichen Haushalte (aufgrund sinkender Transferleistungen) andererseits ist dann eine politische bzw. ethische Entscheidung. Aus Sicht des Finanzministers kann ein Mindestlohn deshalb jedoch sehr attraktiv sein: Er entlastet ggf. die &#246;ffentlichen Kassen aufgrund sinkender Sozialtransfers, selbst wenn er den Betroffenen kaum hilft, weil er deren Einkommen netto kaum erh&#246;ht.</span></span></p>
<p><span style="9.5pt;"><span style="Times New Roman;">Im Grunde ist jedoch der ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende soziale Gerechtigkeit sorgen k&#246;nnen. Das Schaffen sozialer Gerechtigkeit ist daher eine Aufgabe des Staates. Dies kann durch Transfers geschehen oder, besser noch, durch die Schaffung gleicher Bildungschancen und ein gutes Bildungssystem. Durch das Setzen staatlicher Mindestl&#246;hne soll nun aber gerade dem Markt eine Aufgabe &#252;bertragen werden, welche er nicht l&#246;sen kann. Unternehmen sollen Arbeitnehmern mehr zahlen als „der Markt hergibt“. Da bleibt das ungute Gef&#252;hl, der Staat versuche sich hier der Verantwortung zu entziehen, durch Bildungsm&#246;glichkeiten, Transferzahlungen, etc. selbst f&#252;r soziale Gerechtigkeit zu sorgen. <strong><span style="underline;">Die Frage der sozialen Gerechtigkeit wird gewisserma&#223;en privatisiert</span></strong>. Unternehmen sollen nun f&#252;r soziale Gerechtigkeit sorgen, die der Staat anscheinend nicht mehr schaffen kann oder will.</span></span></p>
<p><span style="9.5pt;"><span style="Times New Roman;">Die beiden vorgesehenen Gesetze weisen jedoch neben diesen allgemeinen Erw&#228;gungen eine ganze Reihe von Schw&#228;chen auf. Ich habe in meiner schriftlichen Stellungnahme zur <a href="http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2008/22628564_kw45_arbeit/index.html" target="_blank">Expertenanh&#246;rung im Bundestag</a> hingewiesen, will diese aber auch hier kurz ausf&#252;hren.</span></span></p>
<p><span style="9.5pt;"><span style="Times New Roman;"><em><span style="9.5pt;">Branchenspezifische </span></em><span style="9.5pt;">Mindestl&#246;hne, so wie sie in Deutschland durch die beiden Gesetzesnovellierungen vorgesehen sind, bergen die <em>zus&#228;tzliche</em> Gefahr, dass der Wettbewerb auf den betroffenen Produktm&#228;rkten ausgehebelt wird, wie im Fall des Mindestlohnes im Postbereich klar zu erkennen war. Die Monopolkommission hat dies in ihrem <a href="http://www.monopolkommission.de/aktuell_sg51.html" target="_blank">51. Sondergutachten </a>vom Dezember 2007 deutlich herausgearbeitet. Leidtragende sind hier neben den vom Markt verdr&#228;ngten Wettbewerbern vor allem die Verbraucher, welche die Konsequenzen letztlich in Form h&#246;herer Preise und geringerer Auswahl zu tragen haben.<em></em></span></span></span></p>
<p><span style="9.5pt;"><span style="Times New Roman;">Die Gefahr ist somit, wie der Fall des Mindestlohnes bei der Post besonders eindrucksvoll belegt, dass Mindestl&#246;hne strategisch genutzt werden, um den Wettbewerb auf den Produktm&#228;rkten auszubremsen. Nat&#252;rlich mag man argumentieren, dass die PIN Group und andere ggf. auch ohne Mindestlohn nicht konkurrenzf&#228;hig gewesen w&#228;ren. Unstrittig ist jedoch, dass der Aktienkurs der Deutschen Post AG nach dem Beschluss des Post-Mindestlohnes einen kr&#228;ftigen <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,521477,00.html" target="_blank">Sprung nach oben</a> gemacht hat, d.h. der Markt hat als Reaktion auf den Mindestlohn steigende Gewinne der Deutschen Post AG (bzw. einen geringeren Wettbewerbsdruck) erwartet.</span> </span></p>
<p><span style="9.5pt;">An der &#214;ffentlichkeit nahezu unbemerkt vorbei geht zudem auch, dass es im Gesetz &#252;ber die Festsetzung von Mindestarbeitsbedingungen nicht mehr nur um eine absolute Untergrenze f&#252;r den Lohn, sondern um mehr oder minder umfangreiche <strong>staatliche Lohngitter bzw. Quasi-Tarifvertr&#228;ge</strong> geht. Vielmehr wird in §4 Abs. 4 die M&#246;glichkeit er&#246;ffnet, Mindestl&#246;hne nach Art der T&#228;tigkeit, Qualifikation der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen und nach Regionen zu differenzieren.</span></p>
<p><span style="&quot;Times New Roman&quot;;">Gerade weil die Gefahr der strategischen Manipulation insbesondere bei <em>branchenspezifischen</em> Mindestl&#246;hnen besteht, hat die Monopolkommission sich im Dezember 2007 auch daf&#252;r ausgesprochen, dem Bundeskartellamt als Anwalt des Wettbewerbs und damit auch der Verbraucher <strong>wenigstens </strong>ein Anh&#246;rungsrecht bei der Festlegung branchenspezifischer Mindestl&#246;hne einzur&#228;umen. Ansonsten werden die Verbraucher systematisch bei der Festlegung von Mindestl&#246;hnen ausgeschlossen, obwohl die Nachfrager systematisch durch die resultierenden Preiseffekte von Mindestl&#246;hnen betroffen sind. &#214;konomisch gesprochen besteht hier die Gefahr, dass Vertr&#228;ge zu Lasten Dritter geschlossen werden. Es ist nicht ersichtlich, warum nicht wenigstens ein Anh&#246;rungsrecht einger&#228;umt werden kann, sodass auf die eklatantesten Fehlentwicklungen wirksam hingewiesen werden k&#246;nnte.<span style="AR-SA;"><span style="&quot;Times New Roman&quot;;"> </span></span></span></p>
<p>Insbesondere die Differenzierung nach Art der T&#228;tigkeit und nach Qualifikation der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen macht deutlich, dass es nicht mehr nur allein um ein absolut notwendiges Einkommensminimum geht. Es ist jedenfalls als &#214;konom nicht leicht verst&#228;ndlich, warum f&#252;r einen qualifizierten Arbeitnehmer, wie einen Facharbeiter oder einen Akademiker, aus sozialen Gr&#252;nden ein h&#246;herer Mindestlohn notwendig ist als f&#252;r einen ungelernten Arbeitnehmer. Anders ausgedr&#252;ckt ist zu fragen, warum ein ungelernter Arbeitnehmer mit einem geringeren Lohn auskommen soll als ein h&#246;her qualifizierter, wenn der Arbeitsmarkt in keinem der beiden F&#228;lle einen h&#246;heren Lohn „hergibt“.</p>
<p>In Europa w&#228;re es daher auch einzigartig, wenn neben dem gesetzlichen Mindestlohn f&#252;r die unterste Qualifikationsstufe eine Ausdifferenzierung des staatlichen Mindestlohnes nach Qualifikation der Arbeitnehmer o.&#228;. vorgenommen w&#252;rde. Genau dies soll jedoch in Deutschland erm&#246;glicht werden, sodass von staatlicher Seite Quasi-Tarifvertr&#228;ge geschaffen werden. Die staatliche Tariffestlegung tritt dann in direkte Konkurrenz zu privaten Tarifverhandlungen. Die Verhandlungsmacht der Tarifparteien wird dadurch ver&#228;ndert, dass es als R&#252;ckfallposition nun die staatliche Lohnfestlegung gibt. <strong>Dies vermindert auch die Anreize, &#252;berhaupt zu Tarifabschl&#252;ssen zu gelangen</strong>. Es besteht die Gefahr, dass die Tarifbindung noch weiter als bisher zur&#252;ckgehen wird und es zu einer schleichenden Aush&#246;hlung der Tarifautonomie kommen wird. Im schlimmsten Fall ist die im Gesetzesentwurf vorgesehene Klausel der Einstieg in den umfassenden <strong>Ausstieg aus der Tarifautonomie</strong> und der <strong>Beginn zunehmender staatlicher Lohnfestlegungen</strong>.</p>
<p>Mit einer sinkenden Notwendigkeit, Tarifvertr&#228;ge auszuhandeln, sinkt auch die Notwendigkeit bzw. der Anreiz sich in einer Gewerkschaft oder einem Arbeitgeberverband zu organisieren. Warum soll jemand noch Mitglied einer Gewerkschaft werden, wenn nicht die Gewerkschaft, sondern der Staat f&#252;r die angemessene Entlohnung sorgt? Der Organisationsgrad d&#252;rfte daher in Folge weiter zur&#252;ckgehen. Dies wiederum w&#252;rde die Gewerkschaften weiter schw&#228;chen und eine staatliche Lohnfestlegung noch notwendiger erscheinen lassen. Dies ist der Beginn einer <strong>Abw&#228;rtsspirale</strong>, an deren Ende auch das Ende der Tarifautonomie stehen wird.</p>
<p>Verst&#228;rkt wird dieser Effekt durch den vorgesehenen Vorrang der Rechtsverordnungen &#252;ber Mindestentgelte gegen&#252;ber tarifvertraglichen Regeln, welche als f&#252;r den einzelnen „ung&#252;nstiger“ angesehen werden. Dies f&#252;hrt de facto zu einer Marktabschottung des „Gewerkschaftsmarktes“, d.h. die Konkurrenz um die kollektive Vertretung von Arbeitnehmerinteressen wird ausgebremst. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der restriktiven Auslegung des G&#252;nstigkeitsprinzips durch die Gerichte, die auch der Sachverst&#228;ndigenrat z.B. 2001 und 2002 kritisiert hat. Problematisch ist in diesem Kontext auch, dass die Konkurrenz alternativer Entlohnungssysteme beschnitten wird. Wie z.B. sollen Gewinnbeteiligungen oder Leistungsanreize mit Stundenl&#246;hnen verglichen werden?</p>
<p>Alternative Gewerkschaften, wie der Christliche Gewerkschaftsbund, drohen durch den Vorrang von Rechtsverordnungen gegen&#252;ber Tarifvertr&#228;gen vom Markt f&#252;r die kollektive Vertretung von Arbeitnehmerinteressen verdr&#228;ngt zu werden. Dies wiederum d&#252;rfte sich negativ auf den gewerkschaftlichen Organisationsgrad insgesamt auswirken und die Talfahrt auf der oben beschriebenen Abw&#228;rtsspirale noch beschleunigen.</p>
<p>Der Vorrang von Rechtsverordnungen &#252;ber Mindestentgelte d&#252;rfte auch kaum mit dem expliziten Ziel des Gesetzes vereinbar sein, die Tarifautonomie mit ihren Elementen der positiven und der negativen Koalitionsfreiheit zu st&#228;rken. Es ist zu bef&#252;rchten, dass das Gegenteil des Gew&#252;nschten eintritt und tarifvertragliche Regelungen weiter zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden zu Gunsten staatlicher Tariffestlegungen.</p>
<p>Was das Arbeitnehmer-Entsendegesetz angeht, so ist doch auff&#228;llig, dass in dem nach Besch&#228;ftigtenzahl gr&#246;&#223;eren Teil der Branchen, die bis zum 31.3.2008 eine Aufnahme in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz beantragt haben, keine gr&#246;&#223;ere Entsendeproblematik bekannt ist. Dies gilt f&#252;r die Zeitarbeit, das Wach- und Sicherheitsgewerbe, die Entsorgungswirtschaft und die au&#223;erbetriebliche Weiterbildung (zusammen &#252;ber 1 Mio. Besch&#228;ftigte). In den vier anderen Branchen (Altenpflege, Forstdienstleistungen, Textilreinigung und Bergbauspezialarbeiten (insgesamt etwa 300 000 Besch&#228;ftigte) k&#246;nnte teilweise eine Entsendeproblematik bestehen. Doch ist auch diese nicht hinreichend belegt, um von sozialen Verwerfungen zu sprechen, die das Gesetz eigentlich fordert.</p>
<p>In einigen dieser Branchen besteht jedoch eine rege Tarifkonkurrenz. Als Wettbewerbs&#246;konom dr&#228;ngt sich der Verdacht auf, dass es darum gehen k&#246;nnte, diese <strong>Tarifkonkurrenz </strong>zu unterbinden und eine „Entmonopolisierung“ des Gewerkschaftsmarktes zu verhindern. Diese Wirkung wird sich in jedem Fall auch dadurch entfalten, dass der Gr&#246;&#223;e bzw. Mitgliederzahl der Gewerkschaft (welche unter den Geltungsbereich des Tarifvertrages f&#228;llt) ein besonderer Stellenwert beigemessen werden soll. Somit droht die Gefahr, dass kleinere Gewerkschaften systematisch von den gr&#246;&#223;eren verdr&#228;ngt werden. Die Neugr&#252;ndung und Etablierung von (tariff&#228;higen) Gewerkschaften in Konkurrenz zu den DGB-Gewerkschaften d&#252;rfte damit erheblich erschwert werden.</p>
<p>Alles in allem bahnt sich hier eine unheilige Allianz an: Die Arbeitgeber m&#246;chten den Wettbewerb auf den Produktm&#228;rkten ausbremsen, die DGB-Gewerkschaften wollen die entstehende Tarifkonkurrenz auf dem &#8220;Markt&#8221; f&#252;r die kollektive Vertreung von Arbeitnehmerinteressen unterbinden und der Staat m&#246;chte die &#246;ffentlichen Kassen entlasten sowie die Sozialtransfers zur&#252;ckfahren. Leidtragende werden zun&#228;chst Arbeitslose und Verbraucher sein. Langfristig droht jedoch die besagte Tarifautonomie ausgehebelt zu werden. Dies kann auch nicht im Interesse der etablierten Gewerkschaften und der Arbeitgeberverb&#228;nde sein.
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