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	<title>CARTA &#187; Julius Endert</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 24 May 2012 17:47:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Leute, kauft Facebook-Aktien!</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 12:05:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sollten wir nicht lieber Facebook-Miteigent&#252;mer als nur Mitglieder sein? Die Chance dazu wird uns bald gegeben - durch den B&#246;rsengang.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie Facebook unsere Zukunft verkauft, hat Sascha Lobo in seinem Text &#252;ber <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-facebook-verkauft-ihre-zukunft-a-831925.html">„Facebooks Vermessung der Gef&#252;hlswelt“</a> ja gerade sehr sch&#246;n dargelegt. Es wird Zeit, dass wir sie uns    zur&#252;ckkaufen.</p>
<p>Die Idee dazu ist ganz einfach (wenn auch eher ein Gedankenexperiment): Wenn die 900 Millionen Menschen auf der Welt, die aktuell Mitglieder bei Facebook sind, nun auch Facebook-Aktien kaufen w&#252;rden, w&#252;rde aus dem kapitalen Netzwerk wirklich ein soziales Netz f&#252;r die Gemeinschaft seiner Mitglieder. Aus dem Anteilsschein f&#252;r privilegierte Investoren w&#252;rde ein Volksaktie. Die Nutzer k&#246;nnten Facebook also ausgerechnet  mit einem kleinen Umweg &#252;ber den Kapitalmarkt sozialisieren, zu ihrem Eigentum machen, es f&#252;r sich nutzen und nach ihren Vorstellungen gestalten.</p>
<p>Die Aktion&#228;re w&#228;ren fortan an den Gewinnen, die das Unternehmen mit den von ihnen erstellten Inhalten erzielt, beteiligt. L&#228;uft es gut, winkt die Dividende – wird zu wenig auf Facebook (mit-)geteilt, f&#228;llt der Gewinn vielleicht magerer aus. Auch die Regeln f&#252;r das Zusammenleben in dieser Netzgemeinschaft bis hin zu den leidigen AGB – alles k&#246;nnten die Mitglieder-Aktion&#228;re unter sich ausmachen.</p>
<p>Es ist ein alte Forderung der Gewerkschaften, Mitarbeiter an Unternehmen zu beteiligen. Bei vielen B&#246;rseng&#228;ngen gibt es „Friends&amp;Familiy“-Programme – warum nicht auch „Member-Shares“ bei Unternehmen wie Facebook. Eigentlich w&#228;re das mal ein feiner Zug gewesen, den Menschen, die Facebook gro&#223; gemacht haben und die es mit sek&#252;ndlich mit Inhalten f&#252;llen, etwas zur&#252;ckzugeben.</p>
<p>Leider wird die Idee der Facebook-Volksaktien in der harten Realit&#228;t der B&#246;rsen nicht zu ohne weiteres umzusetzen sein. Denn zum einen stehen nicht gen&#252;gend Anteile zum Verkauf und zum anderen w&#252;rde eine massenhafte Nachfrage nat&#252;rlich den Preis in noch absurdere H&#246;hen treiben als derzeit ohnehin schon.</p>
<p>Obwohl also Mark Zuckerberg den Volksaktion&#228;r gar nicht f&#252;rchten muss, haben er und seine Vertrauten vor kaum etwas so viel Angst, wie vor der Mitsprache und dem Einfluss der Aktion&#228;re. Und sie haben deshalb, ohne viel Aufsehen zu erregen, Vorsorge getroffen.</p>
<p>Das Aktienrecht hilft ihnen dabei, sich vor l&#228;stigem Fremdeinfluss zu sch&#252;tzen. Zuckerberg besitzt zwar „nur“ noch einen Anteil von knapp 29 Prozent an dem Unternehmen aber er kontrolliert mindestens insgesamt 57,1 Prozent der Stimmrechte &#252;ber Vereinbarungen mit anderen Aktion&#228;ren. Er habe, so <a href="http://www.zdnet.com/blog/facebook/mark-zuckerberg-bought-facebook-shareholders-votes-for-100/8953?tag=search-results-rivers;item0">berichtet zdnet</a>, anderen Investoren ihr Stimmrecht f&#252;r 100 Dollar in bar abgekauft. Darunter einige der fr&#252;hen Investoren in das Unternehmen, wie der Napster-Mitgr&#252;nder Sean Parker, der gleichzeitig erster Facebook-Pr&#228;sident war (die Informationen finden sich alle in den SEC-Files, man m&#252;&#223;te sich nur die M&#252;he machen, das alles zu lesen). „Das zeige, welche &#220;berzeugungskraft Zuckerberg habe, den Investoren klar zu machen, dass er am besten wisse, was gut f&#252;r das Unternehmen ist“, schreibt zdnet.</p>
<p>Genau das ist der Punkt: Ein Kopf entscheidet &#252;ber 900 Millionen anderer K&#246;pfe hinweg. Facebook ist eben keine soziales Netzwerk, sondern ein Unternehmen zur Datenerhebung und Verarbeitung mit angeschlossener Werbeabteilung. Und es umgeht sogar in Teilen die Mitbestimmungsregeln des Kapitalmarkt.</p>
<p>Und so werden wir nun bald verkauft und mutieren zu einem „Asset“ in einem b&#246;rsennotierten Unternehmen. Wie f&#252;hlt sich das eigentlich an? Ich bin gespannt. Und vielleicht kaufe ich doch eine Aktie, auch wenn ich nicht mitreden kann. Dann ist es wenigstens auch mein Unternehmen und ihr m&#252;&#223;t f&#252;r mich arbeiten.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43608&amp;md5=0aeeaf8a3b305bc5dd4622a1a4c6fd27" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>ZDF-Interview mit dem &#8220;wohl gef&#228;hrlichsten Mann der Welt&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 09:36:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ahmadinedschad kann man nicht wie Kurt Beck interviewen. Das klassische Frage-Antwort-Frage-Spiel von Claus Kleber brachte keine neuen Einsichten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Claus Kleber hat f&#252;r das <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1598064/Ahmadinedschad-Atomwaffen-unmoralisch#/beitrag/video/1598064/Ahmadinedschad-Atomwaffen-unmoralisch" target="_blank">ZDF heute journal mit Irans Pr&#228;sidenten Mahmud Ahmadinedschad gesprochen</a>. Von welchen Voraussetzungen gehen wir aus und was w&#228;re das Ziel bei einem solchen Gespr&#228;ch? Geht es darum, ihn seine Holocaustleugnung auch vor deutschen TV-Kameras wiederholen zu lassen? Die Tatsache an sich ist keine neue Erkenntnis.</p>
<p>Das Gespr&#228;ch m&#252;&#223;te der weiteren Informationsgewinnung dienen. So geht Claus Kleber seinen Auftrag auch an. Er wird im Flugzeug gezeigt, wie er sich vorbereitet. Was belegen diese Bilder? Dass er sich vorbereitet?</p>
<p>Nein, sie setzen das Interview in eine Rahmenhandlung: Der Journalist ist wichtig und der Sender, der dieses Interview bekommt, auch. In meinen Augen, der erste Fehler. In dieser derart aufgeladenen Situation wird Kleber aber unsicher, gar fahrig. Und: Er nimmt nicht die Rolle des unvoreingenommenen Journalisten ein, sondern fragt, wie ein Politiker oder ein Emiss&#228;r der IAEO. Der zweite Fehler. Der Journalist ist nicht dazu da, seinem Gegen&#252;ber Verhandlungszugest&#228;ndnisse abzuringen, wie ein Egon Bahr im kalten Krieg.</p>
<p><strong>Interview-Schach</strong></p>
<p>Ein Interview dieser Art ist wie ein Schachspiel, in dem man vermutlich sehr viele Z&#252;ge vorausberechnen kann. Kleber er&#246;ffnet, er entwickelt aber sein Spiel nicht und ger&#228;t in die Defensive. Er fragt: Warum auf einmal jetzt das Gespr&#228;ch? Hatte man in der<br />
heute-journal-Redaktion im Ernst auf die Antwort gehofft: Weil mich neulich mein Parlament gegrillt hat und ich jetzt mal was tun muss? Weil ich Angst vor einem Angriff habe und vorher noch einmal sagen m&#246;chte, dass wir nur den Frieden wollen?</p>
<p>Und dann stellt der Iranische Pr&#228;sident pl&#246;tzlich die Fragen und bringt nach wenigen Minuten Kleber in Bedr&#228;ngnis: Wer hat Irak besetzt? Wer hat Afghanistan besetzt? Wir sind gegen die Atombombe! Wir haben keine Feldz&#252;ge gemacht! Am Ende, nach knapp 45 Minuten, wird der iranische Machthaber den gr&#246;&#223;eren Frageanteil haben.</p>
<p>Was Ahmadinedschad aber sagen w&#252;rde, war doch klar – sp&#228;testens nach der erneuten Holocaust-Leugnung w&#228;re ein anderer Zug zwingend gewesen als der diagonale Springerzug auf ein anderes Fragefeld. Bei diesem Thema h&#228;tte er ihn stellen m&#252;ssen. Es h&#228;tte vermutlich eines Philosophen bedurft, geschult in der sokratischen Gespr&#228;chsf&#252;hrung, der diesen absurden Gespr&#228;chsrhythmus h&#228;tte durchbrechen k&#246;nnen. Ob es gelungen w&#228;re?</p>
<p><strong>Ahmadinedschad diktiert das Spiel</strong></p>
<p>So aber hat der berechnende Ahmadinedschad dem ehrlichen Journalisten sein Spiel diktiert und kam dabei sogar optisch noch besser weg. Der Pr&#228;sident, in der K&#246;rpersprache offen und die wenigen Spitzen wegl&#228;chelnd gegen Claus Kleber, den verunsicherten und durch die Sprachbarriere eingeschr&#228;nkten Angreifer.</p>
<p>Ein in moralischen Kategorien denkender Journalist wie Claus Kleber wird mit den klassischen Methaphern f&#252;r ein Politiker-Interview dieser Person nicht Herr werden. So war das Interview mehr eine Art Regierungserkl&#228;rung Ahmadinedschads f&#252;r die eigenen Leute und das westliche Publikum – beide wurden in ihren Haltungen best&#228;tigt. Und Claus Kleber war nur der einbestellte Stichwortgeber. Erkenntnisgewinn? Man h&#228;tte es wohl besser gelassen.</p>
<p><em>Der Text ist ein Crosspost von <a href="http://navigarenecesseest.wordpress.com/" target="_blank">JBlog</a>.</em>
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		<title>Zeig mir deine Freunde</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 17:56:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Man kann nie genug Freunde haben, vor allem nicht in sozialen Netzwerken. Pers&#246;nliche Kontakte sind dort kein Geheimnis mehr, auch nicht gegen&#252;ber den Betreibern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fr&#252;her gab es einige Leute, die schrieben ein Tagebuch &#8211; das war das Allerheiligste. Unbefugtes Schn&#252;ffeln wurde mindestens mit dem Entzug der Freundschaft auf Lebenszeit bestraft. Gleich nach dem Tagebuch kamen diese kleinen Adressb&#252;chlein, die hatte jeder und sie waren nicht minder schutzw&#252;rdig.</p>
<p>Meist waren sie durch den h&#228;ufigen Gebrauch stark abgegriffen. Durch das h&#228;ufige &#196;ndern von Adressen und Telefonnummern war manches unlesbar. Diese Adressspeicher waren quasi lebende Gebilde und zeigten die Status&#228;nderungen in unseren Beziehungen schon damals. Hier war eine Nummer &#252;berschrieben, dort eine durchgestrichen. Ein Verlust war eine glatte Katastrophe.</p>
<p>Kaum vorstellbar, dass jemand einem fremden Dritten so mir nichts dir nichts sein kleines Ringbuch oder Moleskin-Heft zum kompletten Abschreiben &#252;berlassen h&#228;tte. Wenn &#252;berhaupt, durften nur Freunde einzelne Adressen erfragen. Man bekam sie nur nach reiflicher &#220;berlegung, manchmal nur nach R&#252;ckfrage bei demjenigen, um dessen Adresse oder Telefonnummer es ging. &#8220;Ich wei&#223; nicht, ob ich dir die Nummer geben darf&#8221;, hie&#223; es dann, „ich muss erst fragen“.</p>
<p>Aus und vorbei: Der Umgang mit den pers&#246;nlichen Kontakten hat sich innerhalb kurzer Zeit radikal gewandelt. Mit dem falschen Versprechen, bei Herausgabe seiner Daten noch mehr Freunde zu finden, entlocken uns die Anbieter von sozialen Netzwerken und Programmierer von Apps das komplette Verzeichnis unserer Freunde.</p>
<p>Gefragt &#8211; und wie sich jetzt <a href="http://t3n.de/news/path-app-ladt-heimlich-adressbuch-365300/" target="_blank">herausstellt</a> &#8211; manchmal auch ungefragt, laden Anbieter wie Path oder Foursquare die ganze Liste auf ihre Server. An Dreistigkeit ist das kaum zu &#252;berbieten: Es w&#228;re so, als w&#252;rde jemand eines anderen Adressb&#252;chlein heimlich aus dem Mantel nehmen, abschreiben und unbemerkt wieder hineinstecken.</p>
<p>Es hat sich eine merkw&#252;rdige Kultur im Umgang mit Freundeslisten herausgebildet: Begleitet vom Zuckerbergschen Mantra, dass es nicht genug Vernetzung unter den Menschen geben k&#246;nne: „Mark hat die Vision, von einer Welt wo es uns besser geht. Wo wir uns alle miteinander vernetzten“, umschreibt Sherly Sandberg, Facebook-Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin in der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wzdVlAfQSiY" target="_blank">ARD-Facebook-Doku</a> (bei 12:26 min) mit gespielter Empathie die Mission ihres Chef. „Mein Leben wird besser, wenn ich mich daf&#252;r interessiere, was du tust.“</p>
<p>Das Ergebnis ist mindestens ein Vertrauensbruch unter Vorspiegelung falscher Tatschen. Klar ist, dass unsere Adressen das einzige Kapital dieser Unternehmen sind. Am Wert unserer privaten Adressbest&#228;nde hat sich also nichts ge&#228;ndert. Sie sind und bleiben mit die wertvollsten Datens&#228;tze in unserem Leben. Und gerade weil das so ist, wollen sie die ach so sozialen Betreiber von sozialen Plattformen auch unbedingt haben.</p>
<p>Der Trick dabei: Sie werden im Handumdrehen zu einer Art &#246;ffentlichem Gut erkl&#228;rt, welches man doch bitte aus freien St&#252;cken hergeben sollte, um noch mehr davon zu bekommen. Ein Trugschluss. Nach allem, was die Forschung wei&#223;, lassen sich Beziehungsnetzwerke nicht bis ins Unendliche ausdehnen. Der digitalisierte Inhalt eines Adressb&#252;chleins reicht noch heute in den meisten F&#228;llen f&#252;r eine erf&#252;lltes soziale Leben aus. Wir sollten endlich mal anfangen, uns des Wertes der eigenen Kontakte und der Notwendigkeit des sorgsamen Umgangs damit bewusst zu werden. Womit keiner der genannten Anbieter verteufelt werden soll. Doch der Anspruch, unser Beziehungsnetzwerk f&#252;r uns managen zu wollen, geht mir zu weit. Wir haben denen unsere Adressen anvertraut und sie sollten sorgsamer damit umgehen.</p>
<p>Immerhin hat Apple jetzt reagiert: Der Zugriff auf die Kontakte soll nur noch nach ausdr&#252;cklicher Genehmigung des Nutzers m&#246;glich sein. Apps, die dagegen versto&#223;en, <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Apple-will-Apps-den-Zugriff-auf-iPhone-Adressbuecher-erschweren-1435332.html" target="_blank">sollen in Zukunft nicht mehr geduldet werden</a>.
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		<title>Bei Facebook wohnen wir nur zur Miete</title>
		<link>http://carta.info/40937/bei-facebook-wohnen-wir-nur-zur-miete/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 18:39:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Timeline]]></category>

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		<description><![CDATA[Bevor die Plattform an die B&#246;rse geht, wird sie von ihren 800 Millionen Bewohnern noch h&#252;bsch gemacht.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Netz quillt gerade &#252;ber vor Anleitungen  und schlauen Hinweisen zur Bedienung der Facebook-Timeline: Hier ein H&#228;kchen setzen, dort eine Einstellung &#228;ndern und da noch ein schickes Profilbild dazu – fertig ist der &#246;ffentliche Lebens(ver-)lauf, der mehr oder weniger nah an der Realit&#228;t liegen kann aber nicht muss.</p>
<p>Dabei geht die Diskussion in eine merkw&#252;rdige Richtung: Datenschutz, Privacy und die ganze alte Leier. Was darf, soll, kann in Zukunft jeder &#252;ber mich wissen. Fest steht: Es ist Zeit, das ganze Facebook-Dings neu zu justieren. Darf man dabei gar l&#252;gen (ganz schlimm!) oder wenigstens das Erscheinungsbild ein wenig tunen? Viele Texte drehen sich aktuell um diese Fragen.</p>
<p>Doch Wahrhaftigkeit ist gar nicht das Thema, welches jetzt diskutiert werden sollte. Es geht auch nicht um das Thema Datenschutz. Schon gar nicht geht es um die Gebrauchsanleitung. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber schon sehr bald werden die allermeisten Facebook-Nutzer ihr Profil blind bedienen k&#246;nnen &#8211; wie ihr Autoradio bei Tempo 220 auf der Autobahn.</p>
<p>Und wer die Facebook-Bedienung nicht begreift, dem ist eh nicht zu helfen. Der wird aus der Zeit gefallen sein oder er geh&#246;rt zu denjenigen, die auch schon fr&#252;her jedem hergelaufenen Haust&#252;rwerber ganz blau&#228;ugig die Wahrheit und nichts als die Wahrheit &#252;ber sich erz&#228;hlt haben und sich dann wunderten, wenn sie anschlie&#223;end den Briefkasten voller M&#252;ll hatten oder ein unk&#252;ndbares TV-Schlau-Abo.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Schwarzes Loch Facebook</em></strong></p>
<p>Facebook hat es mit der <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/digitale-lebenschronik-timeline-zwang-fuer-facebook-nutzer-1.1267294">zwangsweisen Einf&#252;hrung</a> der Timeline wieder mal geschafft, dass die &#214;ffentlichkeit &#252;ber ein Ph&#228;nomen innerhalb von Facebook diskutiert, nicht aber &#252;ber Facebook selbst. Mit anderen Worten: Die Diskussion zu Facebook findet nur noch innerhalb der von Facebook gesetzten Grenzen statt. Wie bei einem schwarzen Loch wird s&#228;mtliche Materie angezogen und aufgesogen. Und so, wie bei einem schwarzen Loch kein Lichtstrahl mehr nach au&#223;en entfliehen kann, verl&#228;sst bei Facebook kein Gespr&#228;ch mehr die geschlossene Umgebung.</p>
<p>Noch nicht einmal gedanklich sind wir also in der Lage, ein Leben au&#223;erhalb von Facebook zu denken – wir setzen brav unsere H&#228;kchen an den vorgegeben Stellen und freuen uns &#252;ber das sch&#246;ne Profilbild. Wir lassen uns nun sogar bereitwillig einspannen und arbeiten damit unentgeltlich f&#252;r den &#220;berfreund Zuckerberg, pflegen ab jetzt als digitale Schreberg&#228;rtner unser kleines Ich-G&#228;rtchen umso sorgsamer, auf dass es auch nach au&#223;en pr&#228;chtig bl&#252;hen m&#246;ge.</p>
<p>Ich glaube dabei nicht &#8211; wie <a href="http://carta.info/40907/spieglein-spieglein-an-der-wand-wer-hat-die-schonste-chronik-im-facebook-land/">Matthias Schwenk</a> - dass das am Ende zu einem Problem f&#252;r Facebook werden k&#246;nnte. Im Gegenteil: Die von uns sorgsam kuratierte, sortierte und sch&#246;n gestaltete Timeline wird Facebook in vielerlei Hinsicht helfen.</p>
<p>Denn viele werden sich jetzt verpflichtet f&#252;hlen, mehr Arbeit in Facebook zu investieren, damit „es“ gut aussieht. Und genau das ist die Absicht hinter der konsequenten Einf&#252;hrung der Timeline. Es induziert die f&#228;llige Investition, die Facebook jetzt zu noch mehr Erfolg verhelfen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Wir wohnen nur zur Miete</em></strong></p>
<p>Man stelle sich das einmal vor: Wenn jeder der 800 Millionen Nutzer auch nur zus&#228;tzlich zehn Minuten investiert, sind das 1,3 Milliarden Stunden – das w&#228;re bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro ein Wert von fast zehn Milliarden Euro. HALLO!? Wir selbst r&#228;umen jetzt den Laden auf, machen digitale Inventur und packen alle Informationen &#252;ber uns sch&#246;n in die Regale und machen Facebook h&#252;bsch f&#252;r den Verkauf an die Aktion&#228;re.</p>
<p>Einige Privacy-Probleme werden sich dabei von selbst l&#246;sen, was die Datensch&#252;tzer dann pl&#246;tzlich ohne Argumente dastehen l&#228;sst. Doch leider gilt &#8211; um noch ein anderes Bild zu bem&#252;hen: Bei Facebook wohnen wir nur zu Miete und leisten nun f&#252;r den Vermieter die Luxussanierung p&#252;nktlich zum B&#246;rsengang.</p>
<p>Die gro&#223;e Kehrwoche hat begonnen und Zuckerberg ist der strenge Hausmeister. Wir selbst haben nicht viel davon, werden dem Dienst aber anschlie&#223;end umso treuer verbunden sein. Denn: Wer w&#252;rde sich jetzt noch von seinem digitalen Zuhause trennen, nachdem er so viel investiert hat.</p>
<p>W&#228;re es jetzt nicht endlich mal an der Zeit, &#252;ber Eigentum nachzudenken?</p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40937&amp;md5=0893291b5d83c65a70f7e8a1cabeb489" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Techniken der Macht: Warum das Netz bei uns keine Revolution macht</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Mar 2011 23:19:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Netzsperren]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Vorratsdatenspeicherung]]></category>

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		<description><![CDATA[Anders als den autorit&#228;ren Regimen in Nordafrika gelingt es den westlichen Regierungen ihr System der Machtaus&#252;bung auf das Internet zu &#252;bertragen - durch Ma&#223;nahmen, wie Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren. Die Regelbarkeit von Handlungsr&#228;umen soll so symbolisch in den Kommunikationsprozess des Netzes eingeschrieben werden. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Wort von der <a href="http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/die-twitter-revolution-erwacht-wieder/">Twitterrevolution </a> wird seit den Aufst&#228;nden im Iran immer wieder bem&#252;ht, wenn es darum geht, Gr&#252;nde bzw. Anl&#228;sse oder ausl&#246;sende Momente f&#252;r das pl&#246;tzliche Aufbegehren der Menschen gegen ihre Regierungen/Herrscher oder Diktatoren zu finden. So richtig gez&#252;ndet haben diese Theorien bei mir noch nicht und auch die <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/das-unbehagen-an-der-digitalen-macht/">Netzgelehrten streiten</a> dar&#252;ber, welchen Anteil das Internet an diesen Ereignissen wirklich hat.</p>
<p><strong>Top-Down-Revolution</strong></p>
<p>Vielleicht muss man das Ganze umgekehrt denken. Top-Down, w&#252;rde man heute ja sagen. Denn gr&#228;bt man etwas tiefer in der Soziologie, so finden sich (f&#252;r mich) &#252;berraschende, andere Gedanken, die eine bessere Theorie liefern k&#246;nnten. Sie besagt, dass die Formen der Machtaus&#252;bung in den aktuell von Aufst&#228;nden betroffenen L&#228;ndern in einem immer st&#228;rkeren Ma&#223;e nicht mehr auf die (Kommunikations-) Struktur der Gesellschaften passen. Dass es quasi zu einer Inkompatibilit&#228;t von vernetzten Gesellschaften und Herrschaftsformen kommt, sich aber im Augenblick der Revolution noch keine neue, passende Machtform herausgebildet hat.</p>
<p><strong>Somit sind diese Ereignisse auf die mangelnde Anpassungsf&#228;higkeit der Machthaber zur&#252;ckzuf&#252;hren – und nicht auf das Vorhandensein von Twitter und Facebook</strong>. Auch wenn bei uns im Westen keine Aufst&#228;nde zu erwarten sind, trifft dieser Sachverhalt auch auf die politischen Verh&#228;ltnisse in den USA und Europa zu. Die staatlichen Organe sp&#252;ren, dass ihnen der Kommunikationsraum Internet entgleitet, dass die demokratischen Formen der traditionellen Machtaus&#252;bung dort nicht hineinreichen. Insofern ist, wenn vom &#8220;rechtsfreien Raum Internet&#8221; gesprochen wird, den es nicht geben d&#252;rfe, in Wahrheit ein von staatlicher Macht befreiter Raum gemeint, welcher der Politik gro&#223;e Sorgen bereitet. Allerdings sind die politischen Systeme bei uns anpassungsf&#228;higer, doch dazu sp&#228;ter mehr.</p>
<p><strong>Ein Pfund Theorie bitte</strong></p>
<div id="attachment_38932" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/artbystevejohnson/4649623573/sizes/z/in/photostream/"><img class="size-medium wp-image-38932" title="aufmacher_45" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_45-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;In Wahrheit ist ein von staatlicher Macht befreiter Raum gemeint, welcher der Politik gro&#223;e Sorgen bereitet. Grafik: Steve Johnson (cc)</p></div>
<p>Zun&#228;chst kommt Theorie ins Spiel: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Foucault">Michel Foucault </a> hat die Verfahren der Macht analysiert und festgestellt, dass sich als Reaktion auf eine Krise neue Formen von Macht herausbilden. Benjamin Seibel hat das in einem <a href="http://weblab.uni-lueneburg.de/kulturinformatik/hyperkult/hk_19/seibel.html">Vortrag (Jenseits des Panoptismus)</a> hervorragend herausgearbeitet und zitiert dazu den franz&#246;sischen Philosophen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Deleuze">Gilles Deleuze</a> mit seinem <a href="http://www.nadir.org/nadir/archiv/netzkritik/postskriptum.html">&#8220;Postskriptum &#252;ber die Kontrollgesellschaften&#8221;</a> . Demnach w&#252;rden &#8220;statische Formen der (staatlichen) &#220;berwachung durch flexible Kontrollmechanismen, die unmittelbar in die Kommunikationsprozesse eingeschrieben sind, abgel&#246;st“ (so Seibel).</p>
<p>Diese neue Machtform funktioniere im Wesentlichen &#252;ber die Erfassung und Auswertung von Informationen. Gesellschaft wird definiert als &#8220;Ensemble aus Informationsgr&#246;&#223;en, die &#252;ber regulierende Eingriffe ausgesteuert werden k&#246;nnen.“ Die Idee vom &#220;berwachungsstaat ist also ein Auslaufmodell. Sie wird weiterentwickelt. „Strukturiert werden in Zukunft die R&#228;ume, in denen Individuen interagieren k&#246;nnen.“ <strong>Wenn Handlungsmodelle vorher festgelegt werden, bedarf es keiner &#220;berwachung mehr</strong> – wehe, wenn eines Tages die sogenannten Cognitive oder Smart-Cities Realit&#228;t werden!</p>
<p><strong>Neue Formen des Regierens</strong></p>
<p>Es handelt sich demnach um eine neue Form des Regierens, die alles Regelbare regelt und alles nicht Regelbare regelbar macht, zitiert Benjamin Seibel diesmal <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Vogl">Joseph Vogl</a>.</p>
<p>Mit anderen Worten: W&#228;hrend die autorit&#228;ren Regime in Nordafrika und Asien keine Antwort auf ein System wie das Internet gefunden haben und daher mit Gewalt, Unterdr&#252;ckung und Zensur &#8211; im schlimmsten Fall mit der Abschaltung des Netzes reagieren (m&#252;ssen), passen unsere westlichen Regierungen ihr System der Machtaus&#252;bung (landl&#228;ufig als Demokratie bezeichnet) &#252;ber Ma&#223;nahmen wie Vorratsdatenspeicherung und Netzsperren an die neuen Gegebenheiten an.</p>
<p>So betrachtet handelt es sich bei Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung nicht nur um die vordergr&#252;ndige Kontrolle, sondern vor allem um die Herstellung von Handlungsr&#228;umen, von Regelbarkeit. Netzsperren und Vorratsdatenspeicherung sind Machttechniken, die das Netz symbolisch domestizieren sollen. Es geht also im Kern gar nicht um Kindesmissbrauch oder Terrorismus. Es geht ums Prinzip. Mit Sperren und Vorratsdaten soll die Regelbarkeit in den Kommunikationsprozess des Netzes eingeschrieben werden. Und genau um dieses Prinzip geht es den Konservativen dabei auch.</p>
<p>Dabei k&#246;nnten sich jedoch im Netz die „Ensembles der Informationsverarbeitung“ dauerhaft verschieben. Wenn sich Macht in der „Erfassung und Auswertung von Informationen“ manifestiert, dann wird die vernetzte Meinungsbildung Auswirkungen auf die Techniken der Macht haben. „Soziale Medien“ erschlie&#223;en auch neue Handlungsmodelle. Genau deshalb sind derzeit die Kr&#228;fte so stark, die versuchen, die Asymmetrie B&#252;rger &#8211; Staat auch f&#252;r das Informationszeitalter zu zementieren – durch &#220;berwachung, Sperren oder eine Abschw&#228;chung der Netzneutralit&#228;t. Zugleich werden neue Modelle der B&#252;rgerbeteiligung nur z&#246;gerlich erprobt und eingef&#252;hrt.</p>
<p>Das Netz wird also – wenn es schlecht l&#228;uft – geregelt, ohne dass die B&#252;rger es selbst regeln k&#246;nnen. Damit f&#228;llt die Netzrevolution bei uns bis auf weiteres aus.</p>
<p>(Robin Meyer-Lucht hat einige Gedanken zu diesem Text beigetragen)
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		</item>
		<item>
		<title>Der Retweet oder: Platz f&#252;r eine Fu&#223;note ist selbst bei 140 Zeichen</title>
		<link>http://carta.info/38239/der-retweet-oder-platz-fuer-eine-fussnote-ist-selbst-bei-140-zeichen/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Feb 2011 12:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Theodor zu Guttenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Kruse]]></category>
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		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[Zitierkultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Karl-Theodor zu Guttenberg steht stark unter Druck, weil er in seiner Dissertation abgeschrieben haben soll - ohne die Quellen alle genannt zu haben. Julius Endert stellt dem die Zitierkultur bei Twitter und deren Wirkungen gegen&#252;ber. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jetzt gibt es ja gerade viel <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,745913,00.html" target="_blank">Aufregung</a> um diese paar fehlenden Fu&#223;noten in der Doktorarbeit unseres Verteidigungsministers. Man k&#246;nnte ja meinen, gut, der Gutti hat einfach ein paar Abs&#228;tze aus andererleuts Aufs&#228;tzen retweetet – was ist schon dabei? Macht doch im Internet heutzutage jeder, dieses Retweeten?</p>
<p>Weit gefehlt: Gerade auf Twitter wird nicht einfach auf Ministerart abgeschrieben. Vielmehr hat sich hier eine interessante und hochdisziplinierte Fu&#223;noten- oder besser gesagt Zitierkultur entwickelt. <strong>Bei den schmal bemessenen 140 Zeichen ist die korrekte Quellenangabe die Regel und nicht die Ausnahme</strong>.</p>
<p>Da ist der automatische Retweet, bei dem die Twittermechanik werksm&#228;&#223;ig eine Absenderkennung hinzuf&#252;gt. Trotzdem sind viele <a href="http://blog.oliver-gassner.de/archives/3438-Was-ist-ein-Retweet-Twitter-erklaert-;.html" target="_blank">Retweets</a> handgemacht, manchmal sogar doppelt bis dreifach verschachtelt. Gleiches gilt f&#252;r das „via @twitteruser“, mit dem die Absender ausdr&#252;cken, dass jemand anders einen Link, eine Seite oder eine andere interessante Quelle im Netz gefunden hat und er diese Fundstelle gerne weiterempfehlen m&#246;chten. Die Autoren verzichten in diesen F&#228;llen sogar auf Platz f&#252;r ihre eigene Gedanken und geben einige von den kostbaren 140 Zeichen ab! Ihnen ist es wichtiger, den Absender zu kennzeichen, besser gesagt zu w&#252;rdigen.</p>
<p>Diesen Sinn haben auch die Fu&#223;noten in den meistens mehr als 140 Seiten dicken Doktorarbeiten. Die meisten Menschen auf Twitter arbeiten damit quasi wissenschaftlich. Indem sie sauber ihre Quellen auff&#252;hren, sorgen sie automatisch oder bewu&#223;t f&#252;r eine <a href="http://carta.info/30238/digitalisierung-der-gesellschaft-und-bist-du-nicht-willig-so-brauch-ich-geduld/" target="_blank">Vernetzung der Gedanken</a> und k&#246;nnen im besten Fall eine „Aufschaukelung“ oder eine „kreisf&#246;rmige Erregung“ erreichen (siehe: <a href="http://twitter.com/#!/peter_kruse" target="_blank">Peter Kruse</a>, Twitter, ebenda).</p>
<p>Nur weil sich die Leute an diese einfachen Regeln halten, funktioniert Twitter &#252;berhaut so gut. <strong>Denn Twitter ist eben nicht dieser „Nachrichtendienst“ wie viele in den traditionellen Medien schreiben, wenn sie nicht wissen, wie sie ihren Lesern Twitter erkl&#228;ren sollen</strong>. Wie viele andere vor mir schon erkannt haben, ist gerade die systematische Vernetzung der wichtigste Erfolgsfaktor. Wenn jeder einfach tolle Tweets von anderen abschreiben und sie als die eigenen ausgeben w&#252;rde, w&#228;re es mit Twitter als Quelle lustiger Gedanken und wertvoller Links schnell vorbei.</p>
<p><strong>Denn als Zitate-, Link- oder Ideengeber genannt zu werden, Reaktionen und Feedback auf die ge&#228;u&#223;erten 140 Zeichen zu erhalten, ist der entscheidende Motivationsfaktor bei diesem Spiel</strong>. Genauso ist und war es in der Wissenschaft.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38239&amp;md5=a2425870ad415e448e2231afd5b91578" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Gestatten, Monika Piel, erste &#246;ffentlich-rechtliche Verlegerin</title>
		<link>http://carta.info/37061/gestatten-monika-piel-erste-oeffentlich-rechtliche-verlegerin/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Jan 2011 11:27:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die neue ARD-Vorsitzende hat zu Jahresanfang eine erstaunliche Interview-Serie hingelegt. Und Julius Endert fragt sich, ob das, was Monika Piel sagte, ernst gemeint war oder nur eine ganz ausgekochte Strategie darstellt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern ereignete sich etwas medial Ungew&#246;hnliches: Monika Piel, die neue ARD-Vorsitzende, holte aus zum Interview-Rundumschlag: in der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em>, im <a href="http://goo.gl/ZF5Oq">Handelsblatt </a>und im <em>Tagesspiegel</em>. Zeitungen hassen es, wenn Gespr&#228;chspartner mit ihren Botschaften hausieren gehen, umso wichtiger muss die Nachricht sein, wenn man sie als Chefredakteur trotzdem bringt.</p>
<p>Aber klar, Frau Piel ist seit Jahresanfang die neue ARD-Vorsitzende und muss ihre Botschaft unter das Geb&#252;hrenvolk bringen und gleichzeitig politisch Position beziehen, besonders im andauernden Streit mit den Verlegern. Das hat sie versucht, indem sie sich einfach die Positionen ihrer Gegner zueigen gemacht hat und als eine Art &#246;ffentlich-rechtliche Verlegerin argumentierte. Die Spitzfindigkeit dabei versteht man nicht sofort.</p>
<p>Denn damit schl&#228;gt Piel den Zeitungsmachern im Lande die Waffen aus der Hand. Wenn <em>Google</em> eine Bedrohung f&#252;r die ARD und im &#220;brigen f&#252;r alle (wie auch immer definierten) Qualit&#228;tsmedien ist, so die Logik, sitzt man im gleichen Boot und zieht gegen einen gemeinsamen Feind zu Felde.</p>
<p>Und als sei das nicht schon genug der Gemeinsamkeit, bietet sie gleich noch Kooperationen mit den Zeitungsh&#228;usern an und ist bereit, zuk&#252;nftig ihre Apps kostenpflichtig anzubieten, wenn die Verleger mitziehen.<strong><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>&#214;ffentliche Aufforderung zur Kartellbildung</strong></p>
<p>So weit so schlecht, denn anderswo nennt man das die &#246;ffentliche Aufforderung zur Kartellbildung. Und ein Satz wie „Er (D&#246;pfner) will eine Allianz der Qualit&#228;tsanbieter im Wettbewerb, unter anderem gegen <em>Google</em>, <em>Apple</em> und <em>Vodafone</em>. Die ARD steht daf&#252;r bereit“, m&#252;sste zum sofortigen R&#252;cktritt nach drei Tagen im Amt f&#252;hren.</p>
<p>Frau Piel redet wirr und will sich offenbar mit Gewalt mit den Verlegern arrangieren, um an dieser Front Ruhe zu haben und ist bereit, daf&#252;r die eigene &#8211; vom Gesetzgeber gewollte und vorgeschriebene &#8211; Unabh&#228;ngigkeit aufzugeben. Und so reiht sich im <em>Handelsblatt</em>-Interview eine medienpolitische Ungereimtheit an die n&#228;chste. Leider hat der von mir sehr gesch&#228;tzte Kollege Siebenhaar nicht nachgefragt (oder es wurde nicht gedruckt), wo genau denn ausgerechnet Google eine Bedrohung f&#252;r die ARD sein soll und was Frau Piel meint, wenn sie sagt, „wir sollten das Online-Gesch&#228;ft nicht nur den multinationalen Konzernen &#252;berlassen“.</p>
<p>Sp&#228;testens an dieser Stelle h&#228;tte er fragen m&#252;ssen, wie sie denn den Auftrag der &#246;ffentlich-rechtlichen Medien interpretiert. Haben sie nun einen (unabh&#228;ngigen) Informationsauftrag, &#252;ber dessen optimale Verwirklichung (zum Beispiel im Netz) sich gerade die ARD-Vorsitzende mit den Verlegern zanken muss, oder haben sie irgend einen anderen Auftrag, den wir als Geb&#252;hrenzahler aber noch nicht kennen.</p>
<p>Offenbar sieht Piel sich in einer Gewinnerzielungsverpflichtung: „Den Geburtsfehler des Internet – kostenlose Inhalte – zu beseitigen, ist aber schwierig und langwierig.“ Sch&#246;ner h&#228;tte es Hubert Burda nicht formulieren k&#246;nnen, doch jeder andere vernunftbegabte Mensch in der Position der ARD-Vorsitzenden m&#252;sste doch diese Art der Informationsfreiheit im Netz begr&#252;&#223;en und verteidigen. Und dankbar sein, &#252;ber diesen Kanal mehr Menschen als jemals zuvor mit den eigenen (Qualit&#228;ts-)Inhalten zu erreichen.</p>
<p>Stattdessen f&#252;hrt Monika Piel auch noch den letzten Verleger-Kampfbegriff in das Gespr&#228;ch ein, indem sie von den Qualit&#228;tsmedien spricht, die von Google („nat&#252;rlich“) bedroht werden.</p>
<p>Ich mag das alles nicht glauben und hoffe, dass es sich bei ihrem Auftritt als erste &#246;ffentlich-rechtliche Verlegerin in diesem Interview wirklich nur um eine geniale politische Finte handelt, deren tieferen Sinn wir erst sp&#228;ter begreifen werden. Und wir &#8211; vielleicht demn&#228;chst im Netz &#8211; erfahren, dass alles nicht so gemeint war.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em><a href="http://julius01.de/gestatten-monika-piel-erste-offentlich-rechtl">Crosspost</a></em>
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		<title>Yuri Milners goldene Wette &#8211; oder wie das mit Facebook wirklich funktioniert</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2011 14:58:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Facebook bekommt frisches Geld von Goldman Sachs und Yuri Milner, dem russischen Investor, der schon vor &#252;ber einem Jahr den Trend zu Social Media erkannte. Julius Endert erkl&#228;rt dessen Facebook-Spiel, das eine Wette auf ein Facebook-Welt-Imperium ist. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist knapp ein Jahr her, da sa&#223; der russische <a href="http://business.timesonline.co.uk/tol/business/industry_sectors/technology/article6368036.ece">Investor Yuri Milner</a> auf dem Podium der <a href="http://www.dld-conference.com/"><strong>DLD-Konferenz</strong></a> in M&#252;nchen und Moderator David Kirkpatrick fragte ihn leicht irritiert, ob es nicht sehr risikoreich sei, 200 Million Dollar f&#252;r einen kleinen Teil eines Unternehmens auszugeben, das damit eine Bewertung von 10 Mrd. Dollar bekommt. Milner erkl&#228;rte den mit offenen M&#252;ndern staunenden Anzugtr&#228;gern dann, warum er bei <a href="http://www.facebook.com">Facebook</a> eingestiegen ist und wie dieses <strong>Facebook-Spiel</strong> funktioniert.</p>
<p><script src="http://dld2.sevenload.com/api/embed?v=3JDh9Zy" type="text/javascript"></script></p>
<p>Heute lohnt es sich, <a href="http://www.dld-conference.com/videos/video/spotlight-dld10-jim-breyer-yuri-milner_aid_1295.html">das Video</a> noch einmal anzuschauen (ab Minute 26). Denn Milners Prognosen sind alle eingetreten. Damals sagte er: &#8220;We have to understand social media is really a big trend &#8230;and probably an overwhelming trend. We kind of came to that conclusion early on and that&#8217;s how the Facebook investment came about.&#8221;</p>
<p><strong>Die Facebook-Wette</strong></p>
<p>Milner ist Investor und in legitimer Weise an der Mehrung seine Geldes interessiert. F&#252;r ihn ist Facebook kein Unternehmen, sondern ist eine gewaltige Wette. Darum hatte es in M&#252;nchen auch den Anschein, als ob Milner Kirkpatricks Frage gar nicht versteht &#8211; irgendwie verlegen kratze er sich hinter dem Ohr: Warum im aller Welt soll ich mir Gedanken &#252;ber 200 Millionen aus der Portokasse machen, wenn ich bald ein Vielfaches davon zur&#252;ckbekomme? Was f&#252;r eine dumme Frage! Auf beharrliches Nachfragen des Moderators gab er dann schlie&#223;lich noch zu, dass er neben den Anteilen, die er direkt von Facebook gekauft habe, sogar noch weitere von anderen Investoren erworben habe: &#8220;It&#8217;s a few hundred million dollar investment&#8221; &#8211; &#8220;Beyond the 200 million?&#8221; &#8211; &#8220;Yes&#8221;. Im Investment-Gesch&#228;ft w&#252;rden gro&#223;e Schecks ausgestellt, so sei das eben, meinte Milner.</p>
<p>Doch seine Antwort l&#228;sst auch erkennen wie er das Facebook-Spiel begreift &#8211; ihm geht es nat&#252;rlich nicht um irgendwelche Umsatzzahlen (die Frage nach dem Umsatz ist auch so eine Anf&#228;ngerfrage), sondern ihm geht es um die gedankliche Vorstellung, das Unternehmen k&#246;nnte einst gewaltigen Umsatz machen, in der B&#246;rsensprache nennt man das die Bewertung und die kommt folgenderma&#223;en zustande: Gerade weil sich Facebook zun&#228;chst auf die Internationalisierung und nicht auf die Monetarisierung konzentriere, sei Facebook ein interessantes Investment. &#8220;Facebook has a tremendous monetization opportunity, even so it is not tapping into a lot of them right now. It doesn&#8217;t matter, how long it takes.&#8221;</p>
<p><strong>Facebook als nat&#252;rliches Monopol</strong></p>
<p>Mit anderen Worten: Erst wenn alle bei Facebook als dem weltweit dominierenden Netzwerk sind, lohnt es sich f&#252;r das Unternehmen, die Geldmaschine anzuwerfen. Netzwerke wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tencent_QQ">Tencent</a> in China machten bereits vor, wie das funktioniert. All diese Chancen habe Facebook auch, dann aber auf globaler Ebene. Facebook funktioniert &#252;berall gleich, &#8220;in a way it&#8217;s like one global social graph that exsists out there&#8221;. Das war die Kernbotschaft und das wird auch die Story sein, die die potentiellen Aktion&#228;re beim B&#246;rsengang zu h&#246;ren bekommen.</p>
<p>1 Milliarde Nutzer h&#228;lt Milner f&#252;r eine sehr realistische Zahl und dann werde sich erweisen, dass ein Unternehmen, dass auf dieser Nutzerbasis aufbaut, &#8220;tends almost to be a natural monopoly&#8221;. Und es werde sich weiter herausstellen, dass dieses Unternehmen Facebook ist. Facebook wird viele M&#228;rkte dominieren, glaubt Milner. Schon heute sei das Unternehmen weltweit in 40 M&#228;rkten f&#252;hrend. In dem Moment, wo mehr und mehr Menschen das Internet nutzen, insbesondere &#252;ber den mobilen Zugang, wird das Abrechnen nur noch ein Zwischenschritt sein.</p>
<p><strong>&#8220;Sch&#246;ne-Neue-Facebook-Welt-Vision&#8221;</strong></p>
<p>Facebook-Mitinvestor <a href="http://www.accel.com/people/index.php">Jim Breyer von Accel Partners</a>, der ebenfalls auf dem Podium sa&#223;, sieht Facebook sogar als die neue, dem Internet &#252;bergest&#252;lpte Infrastruktur, mit der die meisten, wenn nicht sogar alle Anwendungen im Web &#252;ber Facebook-Connect verbunden sind. „Hunderte, Tausende Drittunternehmen werden au&#223;erdem Anwendungen f&#252;r Facebook schreiben und Inhalte liefern“, lautete seine &#8220;Sch&#246;ne-Neue-Facebook-Welt-Vision&#8221; in M&#252;nchen.</p>
<p>Diese Geschichte vom <strong>Welt-Facebook-Imperium</strong> riecht so sehr nach Geld, dass heute <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-sammelt-weitere-500-Millionen-US-Dollar-Investitionen-ein-1162335.html">Goldman Sachs mit 450 Millionen Dollar bei Facebook eingestiegen ist</a>. Milner hat seinen Anteil um weitere 50 Millionen Dollar erh&#246;ht und die Bewertung von Facebook hat sich innerhalb eines Jahres <a href="http://techcrunch.com/2011/01/02/facebook-50-billion/">verf&#252;nffacht</a>. Seine Wette ist bislang perfekt aufgegangen, mit der Aussicht auf (viel) mehr im Falle des B&#246;rsengangs. Wie war noch mal die Frage, Mr. Kirkpatrick?
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		<title>Tomorrow Internet AG &#8211; kaufen! Oder was man im Sommer 2000 &#252;ber das Internet dachte</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Jan 2011 06:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Internet als digitales Kaufhaus und Aktien von Portalseiten-Anbietern als Kaufempfehlung: Als "Schatz" gilt heute nicht mehr die Aktie aus dem Jahr 2000, sondern die erhalten gebliebene Studie der Analysten, die uns einen kuriosen Einblick in damalige Sichtweisen bietet.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal fallen einem ja beim Aufr&#228;umen der B&#252;cherregale alte Sch&#228;tze in die Hand, l&#228;ngst vergessene B&#252;cher oder vom B&#246;rsengeschehen schon ewig &#252;berholte Analysten-Studien. Dann h&#228;lt man inne, vergisst die planvolle Absicht Ordnung zu schaffen und beginnt, ungeplant zu lesen.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/12/tomorrow.jpg.scaled.1000.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-36991" title="Tomorrow Internet AG, gesehen von Julius Endert" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/12/tomorrow.jpg.scaled.1000-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" /></a>In einer <strong>Studie der Berenberg Bank</strong> vom August 2000 (Sektor-Analyse Content Commerce Community) wird in fast prophetischer Weitsicht von der „anhaltend dynamischen Entwicklung des Internets“ gesprochen. Und weiter hei&#223;t es: „In der Vergangenheit konnten Unternehmen wie <strong>Yahoo</strong>, <strong>Altavista</strong> etc. eine gro&#223;e Nutzerzahl erreichen, in dem sie lediglich den Zugang zu einer gro&#223;en Menge an unstrukturierten Informationen lieferten. Zuk&#252;nftig wird es f&#252;r die Internet-Portale aber darauf ankommen, die Wandlung von der Startseite zum Mehrwertprovider zu schaffen. Nur durch hochwertigen Content und / oder eigene Tools wird es gelingen, die „Stickiness“ also die Verweildauer der Kunden auf der eigenen Seite zu erh&#246;hen und gleichzeitig die Community zu vergr&#246;&#223;ern. Eine breite Community ist in diesem Segment die Grundvoraussetzung f&#252;r den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen“.</p>
<p>Und wer ist nach Meinung der Autoren nun am besten „aufgestellt“, diesen Wettbewerb um die Gunst der Nutzer zu gewinnen? Nicht etwa Google, dieses Unternehmen wird im Jahre 2000 noch nicht einmal erw&#228;hnt, nein in der „Berenberg Erfolgsmatrix“ steht Tomorrow Internet mit an erster Stelle: „Wir halten die Unternehmen <strong>T-Online</strong> (sic!) und Tomorrow Internet f&#252;r am besten positioniert. … Tomorrow profitiert erheblich von der Kooperation mit der Verlagsgruppe Milchstrasse. Das Unternehmen ist somit in der Lage, hochwertigen Content zu liefern bzw. an der bestehenden Community der Printtitel zu partizipieren“.</p>
<p>Und dann folgt unter der &#220;berschrift „Content goes Online!“ das Kursziel: 37 Euro. Leicht benommen muss ich mich an mein B&#252;cherregal lehnen und lese dann folgenden Satz: „Neben Gr&#246;&#223;e ist unseres Erachtens das Angebot an hochwertigem Content ma&#223;geblich, um im sich abzeichnenden Konsolidierungsprozess der Internet-Portale in Europa eine aktive Rolle &#252;bernehmen zu k&#246;nnen. F&#252;r die daraus resultierende hohe Nachfrage nach Content sehen wir Tomorrow Internet aussichtsreich positioniert. Wir empfehlen die Aktien der Tomorrow Internet zum Kauf.</p>
<p>Habe ich etwa die Chance auf Reichtum verpasst? Nun, heute ist der letzte Tag des Jahres 2010. Viele der in der Studie positiv erw&#228;hnten Unternehmen gibt es mittlerweile gar nicht mehr oder nur noch als Pennystock – oder wer erinnert sich noch an die <strong>Endemann AG</strong>, an <strong>Lycos</strong> oder <strong>Fortunecity</strong>? Auch die <strong>Tomorrow Internet AG</strong> hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Sie <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Focus-Digital-und-Tomorrow-fusionieren-mit-Verlusten-53193.html">fusionierte schon 2001</a> mit der damals ebenfalls verlustreichen Focus Digital AG und steht heute bei einem Kurs von 3,61 Euro. Meine Bl&#228;sse ist gewichen &#8211; diese Aktien hatte ich zum Gl&#252;ck nie im Portfolio.</p>
<p><strong>Offenbar wurde von den Analysten und den Gr&#252;ndern der beiden Firmen nicht nur der Begriff &#8220;Community&#8221; als passive Leserschaft falsch gedeutet, auch die Bedeutung &#8211; oder besser gesagt &#8211; Werthaltigkeit von verlegerischen Inhalten hatten sie gr&#252;ndlich falsch eingesch&#228;tzt – oder die M&#246;glichkeit, diese auch im Web zu Geld zu machen</strong>. Die Studie sieht das Internet als ein gro&#223;es digitales Kaufhaus, dessen Waren und Dienstleistungen haupts&#228;chlich &#252;ber Portale erreichbar sind: &#8221;Ein Portal ist ein Eingangstor in die virtuelle Welt und besteht aus einer Portal-Seite, die beim Internet-User oft als Startseite seines Browsers voreingestellt ist. Diese Portale bieten dem Anwender &#220;bersicht und Orientierung.&#8221; Wie wir heute wissen, wurden die Aktion&#228;re mit Aktien von Unternehmen reich, die dem Nutzer auf andere Art &#220;bersicht und Orientierung bieten (die ich dann aber leider auch nicht im Depot hatte) und die Hoffnungstr&#228;ger von damals fordern heute ein gesetzlich garantiertes <a href="http://carta.info/36869/verlegerforderung-leistungsschutzrecht-ja-habt-ihr-denn-ueberhaupt-keinen-stolz/">Leistungsschutzrecht</a> – so &#228;ndern sich die Zeiten. Frohes Neues!
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		<title>Matthias Kurth: „Wir werden Diensteklassen haben“</title>
		<link>http://carta.info/36321/matthias-kurth-wir-werden-diensteklassen-haben/</link>
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		<pubDate>Tue, 07 Dec 2010 14:16:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Matthias Kurth]]></category>
		<category><![CDATA[Netzneutralität]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer mit Matthias Kurth, dem Pr&#228;sidenten der Bundesnetzagentur spricht, dem wird schnell klar, dass er sich gedanklich/theoretisch bereits von der reinen Lehre eines einheitlichen und neutralen Netzes verabschiedet hat. Ein Video.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c056d5b5634041fbb132e436217d4771" alt="" width="1" height="1" />Auf dem F&#252;nften Nationalen IT-Gipfel in Dresden geht es heute um die Zukunft des Internet, sprich um dessen Ausbau und Regulierung. Da ist es sinnvoll, sich ein wenig Zeit f&#252;r die Ansichten des Menschen zum Thema Internet zu nehmen, der in Zukunft f&#252;r dessen Regulierung verantwortlich sein soll.</p>
<p>Manchmal verraten Menschen ja ihre Haltung zu bestimmten Themen durch Wortwahl und Betonung. Wer mit Matthias Kurth, dem Pr&#228;sidenten der Bundesnetzagentur spricht, dem wird schnell klar, dass er sich gedanklich/theoretisch bereits von der reinen Lehre eines einheitlichen und neutralen Netzes verabschiedet hat. Der oberste bundesdeutsche Netzregulierer unterscheidet klar zwischen einem <strong>„best-effort“-Internet</strong>, welches mehr schlecht als recht seinen Dienst versieht, und einem <strong>„next-generation“-Netz</strong>, in dem die Provider freie Hand beim Managen der Datenstr&#246;me haben und in dem es Diensteklassen mit einer garantierten Qualit&#228;t zu extra Geb&#252;hren geben soll.</p>
<p>F&#252;r Kurth stellt dieses neue Netz einen Fortschritt und eine zus&#228;tzliche Option f&#252;r die Nutzer dar, die mit „best-effort“ nicht zufrieden sind, weil es da bisweilen „ruckelt“. In diesem Netz der ersten Generation soll es zwar eine garantierte Mindestqualit&#228;t geben, es wird aber ansonsten zu einer Art <strong>Sonderwirtschaftszone</strong> f&#252;r mehr oder weniger anspruchslose Netznutzer.</p>
<p>Im Rest des Netzes ist aber fast alles erlaubt, solange der Wettbewerb funktioniert und es keine Diskriminierung von Diensten oder Inhalten gibt. Damit findet de facto eine Aufteilung zwischen einem Basisnetz und einem Netz der verschiedenen Klassen statt, genau so, wie es sich die Provider w&#252;nschen.</p>
<p>Das h&#246;rt sich f&#252;r viele vielleicht harmlos an, ist es aber nicht. Denn wie gro&#223; und wie gut diese Restmenge an best-effort Netz in Zukunft sein wird, wei&#223; noch niemand. Fest steht aber, dass es so kommt: Denn zum einen sieht der Entwurf des neuen Telekommunikationsgesetzes ebenfalls Diensteklassen vor und zum anderen soll Kurth in Zukunft zust&#228;ndig f&#252;r das Internet sein.  Aus diesem Grund sollten wir besonders gut zuh&#246;ren, was er sagt und welche Vorstellung er vom Netz der Zukunft hat:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.elektrischer-reporter.de/labor/video/233/"><img class="aligncenter size-full wp-image-36322" title="elektrischerreporter" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/12/elektrischerreporter.jpg" alt="" width="498" height="281" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36321&amp;md5=2f56f2c8a7e7b3358b59dd768baec243" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Open Data in Deutschland: Ein langer Weg zur Freiheit f&#252;r Beh&#246;rdendaten</title>
		<link>http://carta.info/35424/open-data-in-deutschland-ein-langer-weg-zur-freiheit-fuer-behoerdendaten/</link>
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		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 10:35:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Open Data]]></category>
		<category><![CDATA[Open Government]]></category>

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		<description><![CDATA["Informationen sollten frei sein!", an deutschen Beh&#246;rden ist diese Forderung bislang weitgehend abgeprallt. Daten sind dort so etwas wie der geheime Schatz. Einsicht wird nur auf Anfrage gew&#228;hrt und noch nicht einmal in allen Bundesl&#228;ndern gibt es das dazu erforderliche Informationsfreiheitsgesetz. Die Open-Data-Bewegung will das &#228;ndern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1b5909b5234c47ad9bcfeb7e4cdb57cc" alt="" width="1" height="1" />„Informationen sollten frei sein!“, an deutschen Beh&#246;rden ist diese  Forderung bislang weitgehend abgeprallt. Daten sind dort nach wie vor so  etwas wie der geheime Schatz. In Deutschland gibt es Einsichtnahme nur  auf Anfrage und noch nicht einmal alle Bundesl&#228;nder haben das dazu  erforderliche Informationsfreiheitsgesetz verabschiedet.</p>
<p>Die Open-Data-Bewegung will diesen Zustand &#228;ndern und fordert  Freiheit auch f&#252;r Beh&#246;rdendaten. Was der Staat einmal im Auftrag der  B&#252;rger gesammelt hat, sollen diese auch frei nutzen d&#252;rfen und zwar  kostenlos, lautet die Hauptforderung.</p>
<p>Es wird auch Zeit, dass sich etwas tut, denn bislang hat sich die  Politik gegen&#252;ber den Segnungen des Internets relativ immun gezeigt. Ein  wenig Vernetzung mit dem B&#252;rger hier, eine Prise Onlinewahlkampf da,  garniert mit einer Facebookgruppe und ein paar Videos auf Youtube – mehr  spielt sich nicht ab.</p>
<p>Da wo es spannend wird, n&#228;mlich bei der Frage, wie Entscheidungen  zustande kommen, funktioniert Politik heute noch genau so wie vor 10, 20  oder 100 Jahren.</p>
<p><strong>Informationsasymmetrie besteht weiter </strong></p>
<p>Vieles was online geschieht, hat lediglich Alibifunktion oder ist –  anders ausgedr&#252;ckt – Besch&#228;ftigungstherapie f&#252;r den W&#228;hler. Bislang  konnte auch das Netz die Informationsasymmetrie zwischen Mandatstr&#228;gern,  Parteivolk, Lobbyisten auf der einen und der &#214;ffentlichkeit auf der  anderen Seite nicht beseitigen.</p>
<div id="attachment_35426" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.elektrischer-reporter.de/labor/video/226/"><img class="size-medium wp-image-35426" title="epolitikdummy" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/epolitikdummy-300x196.jpg" alt="" width="300" height="196" /></a><p class="wp-caption-text">ePolitik: Aus dem Labor von Blinkenlichten. </p></div>
<p>Die politische Kommunikation blieb bis heute im Vakuum der  geschlossenen Systeme des Politikbetriebes. Aus gutem Grund: Denn  Information teilen, bedeutet Macht teilen. Und wer m&#246;chte schon, einmal  in ein Amt gew&#228;hlt, diese Macht gleich wieder mit dem W&#228;hler teilen?</p>
<p>Hinzu kommt: Das Wesen der Politik ist der Tauschhandel der  Interessen. Wenn diese Interessen nicht mehr innerhalb des  Politik-Systems geb&#252;ndelt werden k&#246;nnen, wird dieser Tausch erschwert.  Der Deal: Tausche l&#228;ngere Atomlaufzeiten gegen mehr &#214;kof&#246;rderung  funktioniert nicht mehr, wenn sich der B&#252;rger vorher in einer  Onlinepetition massenhaft gegen l&#228;ngere Laufzeiten ausgesprochen hat.</p>
<p>Der Grundlage f&#252;r die Teilnahme an der Onlinepetition w&#228;re aber die  transparente Information &#252;ber das Vorhaben, womit wir wieder beim Thema  sind. <strong>Open Data hat das Potential, die Politik zu ver&#228;ndern, wie keine  Idee zuvor.</strong> Auf dem <a href="http://data.gov.uk/">britischen Open-Data-Portal</a> hei&#223;t es: „Transparency is at the heart of this Government“. Und das  ist genau die Losung, die einem solchen Projekt vorangestellt werden  muss.</p>
<p><strong>Politik geht mit offenen Daten in Vorleistung </strong></p>
<p>Die Politik geht mit offenen Daten in Vorleistung. Indem sie dem  B&#252;rger das Angebot zu einer umfassenden Transparenz macht, nimmt sie ihn  gleichzeitig in die Pflicht. Offene Daten verlangen den viel zitierten  m&#252;ndigen und aktiven B&#252;rger, der diese Chance erkennt und annimmt.</p>
<p>Offene Daten k&#246;nnen die Qualit&#228;t der Politik auf mehrfache Weise  steigern, weil sie zum einen neue Sichtweisen auf Datenbest&#228;nde schafft &#8211;  besonders auch durch die M&#246;glichkeiten der Visualisierung. Zum anderen  werden Intelligenz und Kreativit&#228;t all derer einbezogen, die sich mit  den Daten besch&#228;ftigen, sie aufbereiten und zug&#228;nglich machen. Der Staat  verliert seine Interpretationshoheit.</p>
<p>Die Anwendungen, die dabei entstehen, reichen von n&#252;tzlichen  Serviceangeboten im Bereich der Verkehrsdaten bis hin zur Visualisierung  von Haushaltsdaten. Hinzu kommen neue Beteiligungsm&#246;glichkeiten f&#252;r den  B&#252;rger, wie beim <a href="http://www.frankfurt-gestalten.de/">Projekt Frankfurt Gestalten</a>, eines der ersten in Deutschland.</p>
<p>Gro&#223;britannien und die USA sind dabei, in vielen Bereichen eine Kultur der Offenheit zu schaffen &#8211; nicht in  allen, wie zum Beispiel der Widerstand gegen die Ver&#246;ffentlichung der  Milit&#228;rdokumente auf WikiLeaks zeigt.  Das gr&#246;&#223;te Potential zur Einflussnahme auf die Politik liegt dabei in  der Ver&#246;ffentlichung von entscheidungsrelevanten Datenbest&#228;nden.</p>
<p><strong>Erste Ans&#228;tze in Deutschland</strong></p>
<p>Und auch bei uns gibt es erste Ans&#228;tze. Der <a href="http://opendata-network.org/">Verein Open Data Network</a> wurde 2009 in Berlin „von &#252;ber 20 Vertretern von Parteien, Netzwerken  und Unternehmen gegr&#252;ndet, um die Themen Open Data, Open Access, Open  Government, Transparenz und Partizipation koordiniert auf die politische  Agenda zu bringen“, und ist eine gute Anlaufstelle f&#252;r weitere  Informationen und aktuelle Projekt.</p>
<p>Und wie geht es weiter? Gro&#223;britannien hat rund zehn Jahre Vorsprung.  Ein harter Kern von Aktivsten hat dort den Weg f&#252;r Open Data bereitet  und dann die Chance genutzt als die politischen Bedingungen g&#252;nstig  waren. Bis zum Aufbau von <a href="http://data.gov.uk/">data.gov.uk</a> ging dann alles sehr schnell,  weil mit Gordon Brown der Regierungschef selbst zu den Unterst&#252;tzern  z&#228;hlte – beraten von Tim Berners Lee, dem Erfinder des WWW h&#246;chstselbst.</p>
<p>In Deutschland befinden wir uns noch auf Stufe 1: Der Ausbildung  einer aktiven Szene, die sich f&#252;r Open Data stark macht und die versucht,  Politiker f&#252;r die Idee zu gewinnen und erste Projekte ins Netz stellt.  Immerhin: Einge (twitternde) Abgeordnete wie <a href="http://twitter.com/tj_tweets">Thomas Jarzombek (CDU)</a> finden schon gefallen an Open Data.</p>
<p>Die Bundesregierung bleibt jedoch zaghaft: Das <a href="http://www.verwaltung-innovativ.de/SharedDocs/Publikationen/Pressemitteilungen/regierungsprogramm__vernetzte__und__transparente__verwaltung,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/regierungsprogramm_vernetzte_und_transparente_verwaltung.pdf">Regierungsprogramm &#8220;Vernetzte und Transparente Verwaltung&#8221;</a> erw&#228;hnt das Thema Open Data zwar, formuliert aber keine konkreten  politischen Ziele, beispielsweise den Aufbau eines Daten-Portals nach  dem Vorbild der USA oder Gro&#223;britanniens. Die Idee, einen Marktplatz f&#252;r  den Handel mit Geodaten aufzubauen, widerspricht sogar der Idee von  Open Data. Es bleibt also noch ein langer Weg zur Freiheit f&#252;r die  Beh&#246;rdendaten.</p>
<p><em><a href="http://julius01.de/freiheit-fur-behordendaten">Crosspost</a></em>.</p>
<p><em>Heute wurde im Labor des Elektrischen Reporters ein Dummy f&#252;r die Reihe &#8220;<a href="http://www.elektrischer-reporter.de/labor/video/226/">ePolitik</a>&#8221; ver&#246;ffentlicht, in dem Julius Endert f&#252;r das ZDF die Open-Data-Bewegung allgemeinverst&#228;ndlich aufbereitet hat:</em></p>
<p><iframe style="display: block" src="http://www.elektrischer-reporter.de/labor/embed_video_m/226" width="482" height="302" frameborder="0" scrolling="no"><br />
</iframe></p>
<p><small>(<a title="Creative Commons BY-NC-SA" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Creative Commons BY-NC-SA</a>)</small>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/35424/open-data-in-deutschland-ein-langer-weg-zur-freiheit-fuer-behoerdendaten/">Open Data in Deutschland: Ein langer Weg zur Freiheit f&#252;r Beh&#246;rdendaten</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/35424/open-data-in-deutschland-ein-langer-weg-zur-freiheit-fuer-behoerdendaten/#comments">6 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35424&amp;md5=c5b737b03c931490df8d229abbce250c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Google StreetView: Die Angst vor der &#214;ffentlichmachung des &#246;ffentlichen Raums</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 12:42:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Offenbar gibt es viele Menschen, die durch Google StreetView eine Zwangseingemeindung in Digitalien bef&#252;rchten. Zwischen Faszination und Kontrollverlust sollte man sich die M&#252;he machen, zu verstehen, warum das so ist – und sie nicht polemisch als Offliner disqualifizieren. Wenig transparente Unternehmen als Organisatoren der digitalen &#214;ffentlichkeit hinterlassen einfach ein ungutes Gef&#252;hl.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3489303101034f63958300d0f80fc4f1" alt="" width="1" height="1" />Wer glaubt, dass man das Thema <a href="http://www.google.de/help/maps/streetview/">Google Streetview</a> mit den Instrumenten der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit">Panoramafreiheit</a> in  den Griff bekommt, der irrt. Denn dass bei Google Streetview  Stra&#223;enz&#252;ge aufgenommen werden, ist nur ein kleiner Teil eines viel  komplexeren Themas. Viel wichtiger ist die Art der Ver&#246;ffentlichung, die  anschlie&#223;ende Nutzung und die Form der wirtschaftlichen Verwertung. Und  es ist f&#252;r mich ein Widerspruch in sich, wenn die Bef&#252;rworter  ausgerechnet mit diesen, aus der analogen Welt stammenden Begriffen, ein  neues digitales Ph&#228;nomen rechtfertigen wollen.</p>
<p>Das  Thema: Wir fotografieren den kompletten &#246;ffentlichen Raum zu einem  Zeitpunkt x und stellen diese digitalen Bilder dann ins Netz, verlangt  eine komplett neue Begrifflichkeit, ein neues Denken. Es wiederholt  sich, was wir beim Thema Urheberrecht schon seit L&#228;ngerem diskutieren:  Der Rechtsrahmen passt nicht mehr auf die Realit&#228;t und was hier nicht  taugt, kann da nicht als Begr&#252;ndung herangezogen werden.</p>
<div id="attachment_32109" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/normanbleventhalmapcenter/2674855383/"><img class="size-medium wp-image-32109" title="karte" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/2674855383_b49ebec1ea_z-300x236.jpg" alt="" width="300" height="236" /></a><p class="wp-caption-text">Wer die Karte beherrscht, regiert die Welt (Foto: Norman B. Leventhal Map Center, CC BY)</p></div>
<p>Mit vorschnellen Urteilen (von Kritikern oder Bef&#252;rwortern) ist es daher nicht getan. Und ebenso wenig hilft es, <a href="http://saschalobo.com/2010/08/10/google-street-view-widerspruch-widerspruch/">flux das Konzept einer digitalen &#214;ffentlichkeit</a> zu postulieren, in der dann jeder offenbar automatisch Mitglied ist und  dann damit Gegner und Kritiker oder Menschen, die ihr Haus nicht in  Streetview sehen wollen, als Offliner aus einer vergangen Zeit zu  disqualifizieren. So funktioniert keine Argumentation, sondern  allenfalls Polemik.</p>
<p><strong>Angst vor der &#214;ffentlichmachung des &#246;ffentlichen Raums</strong></p>
<p>Offenbar  gibt es viele Menschen, die eine (von ihnen nicht n&#228;her begr&#252;ndbare)  Angst vor der &#214;ffentlichmachung des &#246;ffentlichen Raums durch ein  Unternehmen haben. Die eine Zwangseingemeindung in Digitalien  bef&#252;rchten. Vielleicht sollte man sich die M&#252;he machen, zu verstehen,  warum das so ist.Ich  denke, es handelt sich hier um die Angst vor einem (erweiterten)  Kontrollverlust. Die Angst vor der Enteignung der Privatheit ist so alt  wie die Fotografie und die Massenmedien. So erschien schon im Dezember  1890 der mittlerweile ber&#252;hmte <a href="http://groups.csail.mit.edu/mac/classes/6.805/articles/privacy/Privacy_brand_warr2.html">Aufsatz von Samuel D. Warren und  Louis D. Brandeis</a>,  der sich, wenn man nur wenige W&#246;rter durch eine aktuelle Terminologie  austauscht, liest wie eine aktuelle Brandrede zum Schutz der  Pers&#246;nlichkeitsrechte und des Urheberrechts:</p>
<blockquote><p>“Instantaneous photographs and newspaper enterprise have invaded the sacred precincts of private and domestic life”</p></blockquote>
<p>Dabei  ist es geblieben. Denn w&#228;hrend sich die Technik in den letzten 120  Jahren seit Erscheinen dieses Textes dramatisch weiterentwickelt hat,  ist im Bereich des Rechts und der gesellschaftlichen Konventionen nur  wenig bis nichts geschehen. Eigentlich arbeiten wir heute noch immer in  vielen Bereichen mit Begriffen aus der Zeit vor der Erfindung der  Fotografie. Nur deshalb l&#228;sst sich dieser Text lesen, als w&#228;re er gerade  eben geschrieben.</p>
<p>War  es jedoch bis zu Beginn des digitalen Zeitalters so, dass der (gegen  seinen Willen) abfotografierte Mensch in der Regel in irgendeinem  privaten Fotoalbum landete, maximal f&#252;r einen Tag in der Zeitung, so  wird er heute (unfreiwillig) zum Bestandteil eben jener digitalen  &#214;ffentlichkeit. Auffindbar f&#252;r jeden und f&#252;r alle Zeit. Und nicht nur  das: Niemand wei&#223;, in welchem Mashup sein Bild, in welcher Werbeform  sein Stra&#223;enzug oder sein Haus verarbeitet wird. Die Erscheinung in  dieser digitalen &#214;ffentlichkeit ist von ihm nicht mehr  von keinem ihrer Mitglieder mehr zu kontrollieren. Nur der Organisator  dieser &#214;ffentlichkeit hat dazu alle M&#246;glichkeiten, wenn es sich dabei  auch noch um ein wenig transparentes Unternehmen handelt, steigt das  ungute Gef&#252;hl, wie aktuell zu beobachten.</p>
<p><strong>Die digitale &#214;ffentlichkeit ist gar nicht so &#246;ffentlich</strong><a href="http://saschalobo.com/2010/08/10/google-street-view-widerspruch-widerspruch/"></a></p>
<p><a href="http://saschalobo.com/2010/08/10/google-street-view-widerspruch-widerspruch/">Anders als Sascha Lobo vermutet</a>,  ist die digitale &#214;ffentlichkeit also gar nicht so &#246;ffentlich, sie  befindet sich in Privatbesitz einer Firma. Wenn es eine echte  &#214;ffentlichkeit w&#228;re, m&#252;ssten die Bilder unter einer CC-Lizenz stehen,  aber das nur nebenbei.</p>
<p>Das  digitale, auf immer gespeicherte und beliebig ver&#228;nderbare Abbild  widerspricht au&#223;erdem in gewisser Weise der Natur unserer Wahrnehmung. Wie <a href="http://www.transmediale.de/de/node/11343">Julius von Bismarck in einer sehr eindrucksvollen Installation</a> auf k&#252;nstlerische Weise nachgewiesen hat, beginnt unser Gehirn mit dem  Vergessen bereits im Augenblick der Beobachtung. Ein Foto h&#228;lt jedoch  immer einen Augenblick fest. Deshalb hei&#223;t es auch im Englischen sehr  zuteffend “to capture”, was f&#252;r (ein Bild) aufnehmen aber auch f&#252;r  erobern und gefangen nehmen steht.</p>
<p>Zunehmend  wollen sich die Menschen nicht mehr von den mittlerweile  allgegenw&#228;rtigen Digitalkameras “capturen” lassen, sie kommen zur&#252;ck zu  dem Reflex der Urv&#246;lker, die glauben, dass ihnen jemand ein St&#252;ck der  Seele stiehlt, wenn ein Foto von ihnen geschossen wird. Es ist meistens  ein Bauchgef&#252;hl, vermutlich verst&#228;rkt durch die eigenen  Nutzungsgewohnheiten im Netz. Gleiches trifft auf den Sachverhalt Streetview zu. Dass  Streetview von den Menschen, die sich oder ihr Haus nicht fotografieren  lassen wollen, sogar begeistert genutzt wird, wenn es um die Erkundung  ihres eigenen Urlaubsziels geht, ist dabei kein Gegenargument sondern  ein zus&#228;tzlicher Beweis, wie m&#228;chtig &#8211; weil faszinierend &#8211; das Thema ist.</p>
<p>Google  Streetview, Google Maps und Google Earth sind alles Formen der  Katografie, der Abbildung unserer Welt in noch nie gekanntem Ausma&#223;. <strong>Wer  die Karte beherrscht, regiert die Welt</strong> (oder so &#228;hnlich) lautet ein  Spruch aus den Zeiten der Eroberer, und da ist auch heute noch was dran.</p>
<p>Ich  denke auch, dass es eine neue, digitale &#214;ffentlichkeit gibt. Die  Umgangsformen in ihr m&#252;ssen wir erst entwickeln, die Erscheinungsformen  diskutieren. &#220;ber Bedenken von zwangsweisen Teilnehmern einfach  hinwegzugehen, hilft uns aber bei der Erfindung neuer Verhaltensweisen  jedenfalls nicht weiter.</p>
<p><em><a href="http://julius01.de/google-streetview-oder-die-angst-vor-der-offe">Crosspost.</a></em>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/32108/google-streetview-die-angst-vor-der-oeffentlichmachung-des-oeffentlichen-raums/">Google StreetView: Die Angst vor der &#214;ffentlichmachung des &#246;ffentlichen Raums</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/32108/google-streetview-die-angst-vor-der-oeffentlichmachung-des-oeffentlichen-raums/#comments">44 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=32108&amp;md5=0a60b7e2bd645bf683cfb8637bdb6a47" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Das digitale Flie&#223;band – mit der zweiten Industriellen Revolution zur Clickworker-Gesellschaft</title>
		<link>http://carta.info/30488/die-industrielle-revolution-teil-2-das-digitale-fliessband/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 11:22:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei Inhaltefabriken wie Demand Media werden digitale Inhalte am Flie&#223;band produziert. In so einer "Clickworker-Gesellschaft" wird die emanzipative Kraft des Internet ins Gegenteil gedreht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/14b79080893e47d58a4c195970fedbd7" alt="" width="1" height="1" />Gerne fangen wir ja Artikel mit  Definitionen aus der Wikipedia an. Warum nicht auch in diesem Fall: Laut  Wikipedia ist also „Das <strong>Flie&#223;band</strong> (oder die <strong>Flie&#223;bandfertigung</strong>) eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fertigungsart">Fertigungsablaufart</a>,  die in der industriellen Fertigung von Masseng&#252;tern angewendet wird.  Sie stellte eine Spezialisierung der <strong>Flie&#223;fertigung</strong> dar, in der die einzelnen Produkte jeweils einzeln, oft kontinuierlich,  von einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitssystem">Arbeitssystem</a> zum n&#228;chsten gef&#246;rdert werden.“ Das trifft es. Und als Henry Ford sein  Modell T mit dieser Methode produzierte, verschaffte ihm das einen  erheblichen Wettbewerbsvorteil. Denn jetzt war er in der Lage, genormte  Wagen, in hoher St&#252;ckzahl zu einem geringen Preis anzubieten.</p>
<p>Richard Rosenblatt und Shawn Colo, die  Gr&#252;nder von <a href="http://www.demandmedia.com/">Demand Media</a> sind  so etwas wie die Henry Fords des digitalen Zeitalters. Statt Autos  produzieren sie Inhalte, bzw. lassen sie produzieren, und zwar von  Werkt&#228;tigen, die &#228;hnlich eingesetzt werden, wie die Arbeiter von Henry  Ford.</p>
<div id="attachment_30497" class="wp-caption aligncenter" style="width: 482px"><a href="http://www.flickr.com/photos/jcspics/3282163449/"><img class="size-full wp-image-30497 " title="assemblyline" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/assemblyline.jpg" alt="" width="472" height="309" /></a><p class="wp-caption-text">Demand Media: die Henry Fords des digitalen Zeitalters – statt Autos  produzieren  sie Inhalte. Foto: Jim Crocker (cc by-nd)</p></div>
<p>Erstaunliche Parallelen lassen sich  zwischen der <strong>Industrialisierung der Fertigung von analogen und digitalen  G&#252;tern</strong> beobachten. Zun&#228;chst schaffen technische Erfindungen und neue  Infrastrukturen, also neue Netze die Voraussetzungen f&#252;r den  arbeitsteiligen Produktionsprozess. Anschlie&#223;end werden Teile der  vormals handwerklichen Fertigung durch automatische Prozesse ersetzt.  Aus dem Handwerker wird der Arbeiter, der selbst nicht mehr als ein  Produktionsmittel ist und weder den gesamten Produktionsprozess  beherrscht noch alle Schritte kennt oder versteht.</p>
<p>Der Inhaber der Produktionsanlagen –  nennen wir ihn ruhig Kapitalist – bringt sich dadurch in die  vorteilhafte Lage, dass er Einzelne aus den Vielen, die f&#252;r ihn arbeiten  jederzeit ersetzen kann. Der Einzelne aber – so lange er sich nicht  organisiert – so gut wie keine Einflussm&#246;glichkeiten auf die Parameter  der Arbeit hat.</p>
<p>Nicht nur Demand Media nutzt diese Logik  f&#252;r sich aus. Mehr und mehr Nachahmer wenden das Prinzip der digitalen  Arbeitsteilung auf unterschiedliche Art und Weise an. Immer arbeiten die  Vielen f&#252;r den Einen, was dann euphemistisch mit dem Begriff <strong> Crowdsourcing</strong> umschrieben wird. <strong>Doch immer bleibt die Crowd, die  Namenlose Masse, wie in den Fabriken des 19. Jahrhunderts.</strong></p>
<p>Andre Zalbertus, der Gr&#252;nder von <a href="http://www.wiegehtdas.tv/">wiegehtdas.tv</a>, nennt sein  k&#252;rzlich gegr&#252;ndetes Unternehmen folgerichtig auch gleich eine virtuelle  Fabrik. Auf der Seite selbst hei&#223;t es „Melden Sie sich an, teilen Sie  Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen und werden Sie ein anerkannter Experte  in der ‚wiegehtdas.tv‘-Ratgeber-Community“. Wer es dann zum  „zugelassenen Experten“ bringt, darf aus einer Liste von Themen w&#228;hlen  und dazu entsprechende Artikel oder Videos erstellen. Die Liste liefert  die Maschine, besser gesagt ein Algorithmus, der Suchanfragen im Web  auswertet.</p>
<p>Im Interview mit <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Texte-aus-der-Themenfabrik-1032416.html">heise.de</a> spricht Zalbertus dann auch unumwunden vom: „einer  digitalen Revolution, die auch die Strukturen der jetzigen  Medienlandschaft grunds&#228;tzlich ver&#228;ndert wird.“</p>
<p>Da k&#246;nnte er vielleicht sogar Recht  haben. Das Angebot <a href="http://www.clickworker.com/">clickworker.com</a> beispielsweise ist mit dem Aufbau seines Inhalteflie&#223;bandes schon ein  gutes St&#252;ck weiter. Hier werden die Menschen, die die Inhalte  bedarfsgerecht erstellen, von vornherein <em>Worker</em> genannt. 40.000 sind es  bereits, die ihre Arbeit in den Dienst des Unternehmens stellen –  welches witziger Weise als humangrid GmbH firmiert.</p>
<p>Sie erhalten von den  Disponenten der Inhaltefabrik sogenannte <em>Mikrojobs</em>, die sie dann zu  Hause vorm Rechner abarbeiten. Das k&#246;nnen Gebrauchstexte sein,  &#220;bersetzungen und Verschlagwortung von Texten oder Webrecherchen. Ein  teilautomatisiert Prozess sorgt dann f&#252;r Qualit&#228;tskontrolle und  Auslieferung an den Kunden. Anders als der Industriearbeiter in der  Autoproduktion erhalten Clickworker aber keinen Arbeitsvertrag.</p>
<p>Crowdsourcing ist immer freiwillig. Es w&#228;re sicher b&#246;se, sich an dieser  Stelle zu &#252;berlegen, ob da nicht eine gewisse <strong>Entfremdung bei den  Workern</strong> entsteht, die unter Zeitdruck alle am Computer ihre Arbeit  verrichten m&#252;ssen, um etwas zu verdienen. Immerhin sind bei „ge&#252;bten und  schnellen Bearbeitern 10 Euro und mehr pro Stunde drin“, wie  Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Wolfgang Kitza <a href="http://www.clickworker.com/wp-content/uploads/2010/04/Interview-W.Kitza-%C3%BCber-Clickworker.pdf">im Interview</a> erkl&#228;rt.</p>
<p>Die industrielle Produktion von digitalen  Inhalten ist sozusagen der Nachz&#252;gler der industriellen Revolution und  bedient sich ausgerechnet des <strong>Internets als wichtigstem  Produktionmittel, von dem eigentlich behauptet wird, es f&#252;hre zur  Emanzipation der Massen von ihren F&#252;rsten, zu mehr Individualit&#228;t und zu  dezentralen Strukturen.</strong></p>
<p>Wo das hinf&#252;hrt? Sicher nicht zur ersten  Clickworker-Gewerkschaft, vorerst. Denn das Verst&#228;ndnis von den  M&#246;glichkeiten des Webs und den Entwicklungen im Bereich der Arbeitswelt  ist auf Gewerkschaftsseite leider noch nicht besonders gut ausgebildet.</p>
<p><em><a href="http://julius01.de/die-industrielle-revolution-teil-2-das-digita">Crosspost</a></em>
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		<item>
		<title>Von R&#252;ckkopplung, Selbstverst&#228;rkung, Aufschaukelung und Resonanz im Falle K&#246;hler</title>
		<link>http://carta.info/28445/von-rueckkopplung-selbstverstaerkung-aufschaukelung-und-resonanz-im-falle-koehler/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 12:08:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>
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		<category><![CDATA[Rücktritt]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Kruses Theorie der Kommunikation im Netz und ihrer Wechselwirkung mit den klassischen Massenmedien wird durch die Berichterstattung rund um den R&#252;cktritt von Horst K&#246;hler best&#228;tigt. Weil die Medien absichtsvoll die Aufschaukelung verst&#228;rkt haben, weil sie gelernt haben, sich im Netz an Geschichten und Meinungen zu bedienen, kam diese Entwicklung in Gang.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c0b197c9f46d46fa90d11d831ecd5087" alt="" width="1" height="1" />Ich bin ja (<a href="http://carta.info/27533/volljournalismus-wie-die-faz-peter-kruse-erledigt/">anders  als andere</a>) ein Fan von <a href="http://twitter.com/peter_kruse">Peter Kruse</a>.  Durch die Ereignisse und die Berichterstattung rund um den R&#252;cktritt von  Horst K&#246;hler, sehe ich mich darin best&#228;tigt. Die Geschehnisse sind  zugleich Lehrst&#252;ck und Beweis seiner Theorie der Kommunikation im Netz  und ihrer Wechselwirkung mit den klassischen Massenmedien. Die geht so  (Auszug aus einem Interview, welches ich vor 6 Monaten mit ihm gef&#252;hrt  habe):</p>
<blockquote><p>Sie k&#246;nnen nat&#252;rlich gerne im Netz was anbieten, nur ob das  Netz bei dem, was sie anbieten auch Resonanz zeigt, so dass sich das  Ganze aufschaukelt, das liegt nicht in ihrer Hand. Sie k&#246;nnen sozusagen  mit aller Verve irgendetwas ins Netz stellen, und haben &#252;berhaupt keine  Reaktion und jemand anderes macht irgendetwas nebenbei, weil gerade die  Webcam gelaufen ist, und das Ganze explodiert nach oben.</p>
<p>D.h. ob  Sie im Netz Wirkung erzeugen oder nicht, liegt nicht an Ihnen als  Anbieter, sondern liegt an der Resonanzbereitschaft der Nachfrager. Also  man kann sie (die Resonanz) nicht erzwingen, das m&#252;ssen wir von  vornherein festhalten. Resonanz baut sich auf, wenn irgendetwas  sozusagen in der Lage ist, Emotionen zu erzeugen.</p>
<p>Man muss sich  mal &#252;berlegen, was das Internet eigentlich tut. Das Internet l&#246;st  Informationen in einen Strom von kleinen Informationen auf. D.h. da, wo  wir fr&#252;her die Entscheidungen hatten, ich gehe in einen Kanal, ich gehe  z.B. zu ZDF, ARD oder sonst wohin, dann war das eine (einzige)  Entscheidungen. Heute muss ich bei jedem Informationsquant eine  Entscheidung treffen. Und wenn ich bei jedem kleinen St&#252;ck Information  eine Entscheidung treffe, treffe ich diese nicht mehr auf der Basis von  Ratio, das schaffe ich nicht, sondern ich mache das auf der Basis  emotionaler Resonanzen. D.h. wenn ich &#252;berhaupt noch eine Chance haben  soll, vorherzusagen ob sich etwas aufschaukelt oder nicht, m&#252;sste ich  eigentlich die Wertedrifts in der Gesellschaft beobachten, weil diese  Wertedrifts geben mir eine Chance, noch ein bisschen vorherzusagen,  wann was sich eventuell aufschaukelt.</p>
<p>Es entsteht nicht Bedeutung,  das einzige, was entsteht, sind R&#252;ckkopplungseffekte. D.h. wenn Sie in  diesem Zusammenhang irgendeins dieser kleinen Elemente in die Resonanz  bringen, dann kommt es zur Aufschauklung. Im Prinzip ist Twitter ja  nichts anderes als ein perfektionierter Kettenbrief. Wann immer  irgendjemand etwas interessant findet, gibt er ein Retweet, der Retweet  hat wieder unendlich viele Follower, d.h., Sie gehen sozusagen  exponential vor: eins, 15, 5000, 50000 und hoch. Das geht unglaublich  schnell, das ist wie dieses Spiel mit dem Schachbrett, wo man auf jedes  Feld des Schachbretts das Doppelte legt – Sie erinnern sich an diese  Metapher – dass da irgendwann sich mal jemand vertan hat, der, der wenn  sie so wollen, gegen den Teufel gewettet hat und reingefallen ist, weil  er eben diesen Aufschaukelungseffekt benutzt hat.</p>
<p>Aufschaukelungseffekte  sind sehr m&#228;chtig, was man sich nur klarmachen muss, das Prinzip  Aufschaukelung f&#252;r sich genommen, ist noch nicht Erfolg und schon gar  nicht Bedeutung. Ich kann nur sagen, wenn es zur Resonanz kommt, dann  passiert es. Aber bedeutungshaltig muss das nicht unbedingt sein.</p>
<p>Das  Einzige, was ich Moment feststelle ist, dass grunds&#228;tzlich die  Resonanzbereitschaft bei den Menschen sich in der Maslowpyramide nach  oben arbeitet. Fr&#252;her war das Sex and Crime, heute sind das durchaus  ernstzunehmende Themen, die aufschaukelungsf&#228;hig werden. Nur hier ist es  so, das muss man sich eben klar machen, im hierachischen Modell bin ich  m&#228;chtig, im heteraischen Modell wird mir die Macht vom Netz verliehen.</p>
<p>D.h., ich bin nicht m&#228;chtig, sondern ich werde m&#228;chtig gemacht und  das muss man sich halt klarmachen. Ich habe keine Chance mehr,  absichtsvoll m&#228;chtig zu sein. Ich kann nur noch, wenn es eben geht, sehr  glaubw&#252;rdig bei meinen Dingen bleiben und wenn ich irgendetwas habe,  was in dieser Netzkultur Relevanz hat, dann schaukelt sich das sehr  schnell auf. D.h., Macht wird mir verliehen und nicht ich kann m&#228;chtig  sein. D.h., wir haben eine Umkehrung der Bedeutung, es ist derjenige,  der sagt, das ist wichtig, der dem ganzen Bedeutung verleiht, und nicht  der, der es absendet. Das ist eine grunds&#228;tzliche, unterschiedliche  Umgangsform mit Information, die &#252;ber die &#252;ber die Netze passiert und  das ist tats&#228;chlich eine Revolution.</p>
<p>Weil das ist mit diesen  Werkzeugen das erste Mal so ist, vorher war das immer anders. D.h., wir  haben Gespr&#228;che, die nicht mehr wie beim Massenmedium von einem zu  vielen gehen, sondern wir haben tats&#228;chlich die Situation, wo wir  permanent mit der M&#246;glichkeit der Aufschaukelung rechnen k&#246;nnen und  damit in einer ganz anderen Grundsituation von Kommunikation sind.</p></blockquote>
<p>Ich finde, das erkl&#228;rt sehr viel von den Ereignissen der  letzten Tage. Interessant dabei ist auch wie <a href="http://beim-wort-genommen.de/2010/06/02/blogger-sturzten-kohler-eine-klarstellung/">Jonas  Schaible &#8211; der angebliche Pr&#228;sidentenst&#252;rzer &#8211; in seinem Blogeintrag  (K&#246;hler und ich: Eine Klarstellung)</a> seine Rolle in diesem Spiel  genau im Sinne Kruses analysiert und exakt beschreibt, wie ihm von  anderen eben jene Bedeutung verliehen worden ist: <em></em></p>
<blockquote><p>Um Aufmerksamkeit  geht es mir nicht und ging es mir nie. Ja, ich wollte gelesen werden,  als Autor, als berichtendes Subjekt. Sollten meine Artikel inhaltlich  gefallen haben, freut mich das. Daran, Objekt der Berichterstattung zu  werden, habe ich nicht das geringste Interesse.</p>
<p>&#8230;Und erst  nach diesem zweiten Deutschlandfunk-Interview <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,696982,00.html">stieg</a> mit Spiegel Online das deutsche Leitmedium im Netz, stiegen auch viele   andere Nachrichtenseiten ein.</p></blockquote>
<p>Und er beschreibt in seinem  Beitrag auch sehr genau, wie es zu der Aufschaukelung kam: <em></em></p>
<blockquote><p>Ich habe  untersch&#228;tzt, dass viele Medien auf jede Geschichte anspringen, die  gute Klickraten und Zuschauerzahlen verspricht. Dabei h&#228;tte mir klar  sein m&#252;ssen, dass die Kombination aus K&#246;hler, dem vielen immer noch  fremden Internet und aufm&#252;pfigen Bloggern, personalisiert durch einen  20-j&#228;hrigen Studenten, genau eine solche gute (und schnelle) Geschichte  ist. Ob sie nun relevant ist oder richtig, ist da nur Nebensache. &#8230;</p>
<p>Ich soll nun zum Gesicht der gesamten Blogosph&#228;re gemacht werden. Dabei  geht es nicht darum, was ich geschrieben habe, sondern darum, dass ich  ein greifbares Gesicht bin, weil die dpa meinen Namen durch den &#196;ther  schickte. Das mag reizvoll sein als Kunstgriff, um das abstrakte Thema  zu personalisieren – in der Sache ist es v&#246;llig &#252;bertrieben. Darauf,  dass ich als Blogger eine besondere Rolle gespielt habe, gibt es keinen  Hinweis.<em><br />
</em></p></blockquote>
<p>Weil die Medien absichtsvoll die Aufschaukelung  verst&#228;rkt haben, weil sie mittlerweile gelernt haben, sich im Netz an  Geschichten und Meinungen zu bedienen, kam diese Entwicklung in Gang,  bis hin zu einem Bericht im <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1060454/K%C3%B6hler-von-Blogger-zu-Fall-gebracht">heute journal</a> in Form einer  Meta-Berichterstattung. Ob &#252;berhaupt und was das alles am Ende mit  K&#246;hlers R&#252;cktritt zu tun gehabt hat, vermag ich nicht beurteilen.</p>
<p>Fest  steht jedoch. Die Themenzyklen, die durchs Dorf getriebenen S&#228;ue laufen  immer schneller. An einigen Stellen degeneriert Journalismus zum  Realtime-Reflex. Ohne nachzudenken und manchmal auch ohne zu recherieren  werden Themen aufgegriffen und beschleunigt. Es herrscht offenbar in  manchen Redaktionen ein Bewusstsein (vielleicht auch der Stress) wie bei  der Tour de France: Wer den Zug der schnellen Fahrer verpasst, ist beim  Zielsprint nicht dabei.</p>
<p>Anstatt sich an einer von den Blogs  angesto&#223;enen, inhaltlichen Diskussion &#252;ber die Einsatzgrunds&#228;tze der  Bundeswehr zu beteiligen, instrumentalisierten einige Medien das Netz,  um des schnellen Effektes willen. Und finden dabei auch noch ausreichend  willige Komplizen in der Politik, die, wie in diesem Fall auch, durch  eigene &#196;u&#223;erungen zus&#228;tzlich zur Aufschaukelung beitragen (Schaible: <em>&#8220;Erst  Spiegel-Online bewegte die Opposition  zu Kritik. Damit war der Damm  gebrochen.&#8221;)</em></p>
<p>Am Ende hat sich die Berichterstattung dann vom  Thema gel&#246;st und dreht sich eigentlich nur noch um sich selbst. Und wenn  es dann mal ein Opfer gibt, schauen alle betroffen aus der W&#228;sche &#8211; bis  zur n&#228;chsten Themenhatz.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://julius01.de/von-ruckkopplung-selbstverstarkung-aufschauke">julius01</a>.</em>
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		<title>Was f&#252;r eine Heuchelei: Wenn K&#246;hler geht, muss auch Westerwelle zur&#252;cktreten. Beide sagten das Gleiche.</title>
		<link>http://carta.info/28280/was-fuer-eine-heuchelei-wenn-koehler-geht-muss-auch-westerwelle-zuruecktreten-beide-sagten-das-gleiche/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 08:44:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bundeswehr]]></category>
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		<category><![CDATA[Horst Köhler]]></category>

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		<description><![CDATA[K&#246;hler sagte das, was alle wissen und alle denken. Was f&#252;r eine beispiellose Oberfl&#228;chlichkeit in der Berichterstattung und der Analyse des R&#252;cktritts von Horst K&#246;hler von seinem Amt als Bundespr&#228;sident.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4d3f27ead7b24746ae230018677a9dce" width="1" height="1" alt=""/>Was f&#252;r eine unglaubliche Heuchelei. Was f&#252;r eine beispiellose  Oberfl&#228;chlichkeit in den Medien, in der Berichterstattung und der Analyse  des R&#252;cktritts von Horst K&#246;hler von seinem Amt als Bundespr&#228;sident.</p>
<p>Jeder, der sich auch nur eine Minute Zeit nimmt, findet auf Anhieb  heraus, dass es nat&#252;rlich zu den von Politik und Milit&#228;r klar  beschriebenen Aufgaben der Bundeswehr und der Nato geh&#246;rt, Handelswege  und unsere westliche Idee einer globalen (Wirtschafts-)Ordnung zu  sichern.</p>
<p>Sogar unser jetziger Au&#223;enminister Guido Westerwelle betonte diesen  Umstand in <a href="http://www.guido-westerwelle.de/Reden/909c83i35/index.html#">seiner  Rede bei der Deutschen Gesellschaft f&#252;r Ausw&#228;rtige Politik vor gut  einem Jahr in Berlin</a> geradezu (<a href="http://www.guido-westerwelle.de/files/328/DGAP2009Endfassung.pdf">Download  als PDF</a>):</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Wenn L&#228;nder wie das Afghanistan  der 90er Jahre zur Heimst&#228;tte international agierender Terroristen  werden, dann ergeben sich hieraus Risiken f&#252;r unsere Sicherheit.  Afghanistan ist nicht zuerst ein altruistischer Einsatz. Die Bundeswehr  in Afghanistan sch&#252;tzt auch nationale Interessen und Werte.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Wenn Handelswege nicht mehr  sicher sind, dann hat das sp&#252;rbare Auswirkungen auf unsere  Exportwirtschaft. Und wenn regional massive Eingriffe in das &#214;kosystem  erfolgen, dann haben m&#246;glicherweise noch Generationen nach uns mit heute  noch nicht absehbaren Folgen zu k&#228;mpfen.&#8221;</p>
<p>und an anderer Stelle:</p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;&#8230;hohe &#246;ffentliche  Aufmerksamkeit erf&#228;hrt Au&#223;enpolitik immer dann, wenn sie zur  Krisenpolitik wird – wenn die Bundeswehr eingesetzt werden muss, wie in  Afghanistan, wenn Konflikte aufbrechen, wie im Nahen Osten, wenn  Rohstofflieferungen gest&#246;rt werden&#8221;</p>
<p>Und es gibt viele weitere Belege f&#252;r diese Haltung in den  Einsatzgrunds&#228;tzen und Ausbildungsunterlagen der Nato und der  Bundeswehr, Wei&#223;b&#252;chern, in klugen Aufs&#228;tzen und Reden usw.</p>
<p>Jeder Politiker im Bereich Verteidigung wei&#223; das und jeder  Journalist, der ernsthaft &#252;ber das Thema berichtet, sollte es wissen. Und  die Soldaten wissen es erst recht. Warum sagt das jetzt keiner? Wo ist  beispielsweise der smarte und eloquente Herr zu Guttenberg, der ihn  verteidigt oder eben Herr Westerwelle? Bei beiden herrscht Funkstille  und Westerwelle zeigt sich gar noch ersch&#252;ttert und betroffen.</p>
<p>Nun soll sich ausgerechnet K&#246;hler verplappert haben, weil er das  gesagt hat, was alle wissen und alle denken. Weil er die Position unseres  Au&#223;enministers mit anderen Worten formuliert hat? Er soll  zur&#252;ckgetreten sein, weil er ausgesprochen hat, was g&#228;ngige Politik ist?  Und <a href="http://carta.info/28218/horst-koehler-ein-ruecktritt-unter-blog-mitwirkung/">Blogger</a> – wahlweise Radioh&#246;rer – sollen durch ihre Kritik den  Bundespr&#228;sidenten zum R&#252;cktritt gedr&#228;ngt haben? Entschuldigung, aber nun  wird es langsam absurd.</p>
<p>Man h&#228;tte ihm einfach nur zuh&#246;ren m&#252;ssen. Er ist zur&#252;ckgetreten, weil  er genau diese Heuchelei und Oberfl&#228;chlichkeit nicht mehr ertragen  konnte. Und nach den Politikerstatements und der Berichterstattung von  gestern und heute muss er sich in seinem Entschluss nur noch best&#228;tigt  f&#252;hlen.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://julius01.de/was-fur-eine-heuchelei-wenn-kohler-geht-muss">julius01</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28280&amp;md5=60a0a8a7d106ca0220e41306cd365b3c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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