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	<title>CARTA &#187; Jürgen Kalwa</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Melker mit kalten H&#228;nden: Ein Leistungsschutzrecht k&#246;nnte auch f&#252;r die Hartplatzhelden neue Verh&#228;ltnisse schaffen</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Oct 2010 19:21:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Bundesgerichtshof erteilte dem Leistungsschutzanspruch von Sportverb&#228;nden eine Absage. Die gleiche Auslegung des Wettbewerbsrechts sollte auch f&#252;r die Verlage und ihre Forderung nach Artenschutz gelten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9de6ebf8765f4dee99c5b0575517a2f8" alt="" width="1" height="1" />Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat vor ein       paar Tagen       eine wegweisende Entscheidung gef&#228;llt, die mit dem Namen des       kreativen       Internetportals “<a href="http://www.hartplatzhelden.de/">Hartplatzhelden</a>”       verbunden ist. Die Richter verwiesen in ihrem Urteil das       Anspruchsdenken eines       Fu&#223;ballverbandes in die Schranken. Der hatte bis dato recht kess       geglaubt, er       k&#246;nne mit Hilfe von ein paar Advokaten und dem Gesetz gegen       unlauteren Wettbewerb       (UWG) eine Einnahmequelle monopolisieren, die ihm gar nicht       exklusiv geh&#246;rt.</p>
<p>&#8220;Kein wettbewerbsrechtlicher Leistungsschutz       f&#252;r       Amateurfu&#223;ballspiele&#8221;, stand &#252;ber der Erkl&#228;rung des BGH, mit der       der vom       W&#252;rttembergischen Fu&#223;ballverband angezettelte Rechtsstreit letztinstanzlich beendet       wurde. Das Besondere an dem Vorgang: In den beiden unteren       Instanzen in       Stuttgart – Landgericht und Oberlandesgericht – hatte der WFV ohne       Probleme       gewonnen. Die Ein&#228;ugigkeit der Richter war bemerkenswert.</p>
<p>Von       “einem katastrophalen       Fehlurteil” <a href="http://blog.beck.de/2009/03/14/hartplatzhelden-und-das-olg-stuttgart">sprach</a> damals Prof. Dr. Thomas Hoeren von der       Universit&#228;t M&#252;nster       nach der ersten Entscheidung und ehe das OLG den Hartplatzhelden       noch etwas       heftiger gegen das Schienbein trat. Ich <a href="http://carta.info/6667/hartplatzhelden-urteil/">nannte</a> das Verdikt einen       R&#246;sselsprung, zu behaupten, dass der Veranstaltung eines Fu&#223;ballspiels automatisch       auch das       exklusive Recht entspr&#228;nge, dieses in den Medien gesch&#228;ftlich zu <a href="http://www.telemedicus.info/article/1255-OLG-Stuttgart-Hartplatzhelden-Urteil-im-Volltext.html"> verwerten</a>.</p>
<p>Allein schon, dass die Hartplatzhelden mit dem       WFV in       Wettbewerb um die Vermarktung von Videobildern getreten waren, war       laut OLG ein       Versto&#223; gegen das Gesetz. Rechtsauslegung nach Gutsherrenart,       sozusagen.</p>
<p>Meine Sympathieerkl&#228;rungen zum BGH-Urteil, das       diese       Bastelarbeit aus dem Verkehr zog, habe ich bereits an anderer       <a href="http://twitter.com/#!/americanarena/status/28999779320">Stelle</a> <a href="http://twitter.com/#!/americanarena/status/28998675453">abgesetzt</a>.       Ich ziehe aber gerne auch hier noch mal den Hut vor den Betreibern       des Portals,       die sich nicht einfach geschlagen gaben, nachdem ihnen zwei       Gerichte ihre       Gesch&#228;ftsgrundlage zu entziehen versuchten. Ohne ihre       Kampfbereitschaft h&#228;tte       sich rasch der Zugriff der Verb&#228;nde auf Sportberichterstattung vergr&#246;&#223;ert. Denn in Hessen zeigte bereits       der erste       Verband, wer als n&#228;chstes zur Kasse gebeten werden sollte: <a href="http://www.zeit.de/sport/2010-10/hartplatzhelden-amateurfussball-videorechte"> Lokalzeitungen</a>, die       Videobilder von unterklassigen Fu&#223;ballspielen auf ihre       Online-Seiten stellen.</p>
<p>Mir ist in dem Zusammenhang noch etwas anderes       aufgefallen.       Das Leistungsschutzrecht, das sich die Sportverb&#228;nde anma&#223;en       wollten, &#228;hnelt       von der Uridee her stark dem Leistungsschutzrecht, das deutsche       Medienh&#228;user       durchdr&#252;cken wollen. Auch hier wird die gleiche Theorie ins Spiel       gebracht,       wonach die Verlage Rechte haben, weil sie es sind, die diese       &#220;berschriften auf       die Beine stellen, die Google kopiert und verlinkt.</p>
<p>Nat&#252;rlich       waren die       Verleger bisher schlauer als die Sportfunktion&#228;re und sind nicht       gleich vor       Gerichte gezogen, um den Anspruch durchzusetzen. Wahrscheinlich       weil ihnen ihre       Justitiare angedeutet haben, dass sie auf dem Weg die gleiche       Panne erleben       w&#252;rden. Sie antichambieren also lieber bei den Politikern.</p>
<p>Sie       sagen zwar       “Leistungsschutz”, aber meinen “Artenschutz”. Und damit das       auch       m&#246;glichst dramatisch klingt, beschw&#246;ren sie gleich noch etwaige       Gefahren f&#252;r       die Demokratie heraus, die angeblich darunter leidet, wenn       Journalismus nicht       mehr wie bisher durch ihre renditeversessenen Aggregate betrieben       wird.</p>
<p>Dabei k&#246;nnten sie aus dem Urteil des ersten       Zivilsenats in       Sachen Hartplatzhelden durchaus etwas lernen &#8211; und die Gesetzgeber       k&#246;nnten es       auch: So wie der Verband M&#246;glichkeiten hat, sich eine       wirtschaftliche       Verwertung zu sichern, so k&#246;nnen dies die Verlage ebenso tun.       Nicht nur weil       sie per HTML-Code auf ihren Webseiten den Suchmaschinen dieser       Welt versagen       k&#246;nnen, sich das Salz aus der Suppe herauszuklauben.</p>
<p>Viel st&#228;rker       ist der       Gedanke, den Till Kreutzer vor einem Jahr in einem lesenswerten       <a href="http://carta.info/15635/leistungsschutzrecht-fuer-verlage-mehr-schaden-als-nutzen/">Essay</a> aufgeworfen hatte: Es bleibe den Verlagen doch unbenommen, ihre       Inhalte im Netz       nur gegen Entgelt anzubieten. “Tun sie es – wie derzeit im       Online-Bereich       &#252;blich – nicht, ist das ihre eigene Entscheidung.” Wieso sollten       eigentlich       andere daf&#252;r bezahlen, dass sie ihren Stoff verschenken?</p>
<p>Doch anders als die obersten Richter des       Landes, die die       g&#252;ltigen Gesetze nur auslegen und keine neuen beschlie&#223;en, kann       der Bundestag       alles m&#246;gliche verabschieden. Zumindest alles, was nicht gegen das       Grundgesetz       verst&#246;&#223;t. Und so droht uns bis auf weiteres dank der effektvollen       Lobbyarbeit       der Verlage ein Gesetz, das neue Verh&#228;ltnisse schaffen kann.</p>
<p>Dieses Gesetz       k&#246;nnte vermutlich &#252;brigens die Plattform sein, um       Verbandsfunktion&#228;re neu zu       ermutigen und gegen Hartplatzhelden aller Art vorzugehen. Wie       sagte       WFV-Pr&#228;sident Herbert R&#246;sch in seiner offiziellen Stellungnahme       zum Urteil       (Hervorhebungen von mir): “Leider bietet aber die <em>aktuelle </em>Rechtslage nach Auffassung des         Gerichts <em>derzeit </em>keine ausreichende         Grundlage” f&#252;r seinen Allmachtsanspruch.         Ein Leistungsschutzrecht f&#252;r Verlage w&#228;re auch eine Hintert&#252;r         f&#252;r Verb&#228;nde,         erneut nach dem greifen, was nach ihrer Auffassung ja sowieso         nur ihnen         zusteht.</p>
<p>Wer will, kann sich aus Anlass dieses Urteils       die       Konsequenzen eines Leistungsschutzgesetz f&#252;r Verlage ausmalen. Es       gibt genug       Melker mit kalten H&#228;nden, die an den Euter der Kreativit&#228;t anderer       Leute       wollen. Die Anspruchsgesellschaft von heute… ja, so sieht sie aus.
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		<title>Die deutsche Mannschaft in der Fu&#223;ball-WM: Ein Spiel, das mir nicht vertraut ist</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 13:48:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die aktuelle Fu&#223;ballnationalmannschaft hat das Zeug dazu, sich den Weltmeister-Titel mit Glanz zu verdienen – ganz so wie jene Generation von Spielern, die bei WM 1966 das Finale erreichte. Was hierzulande jedoch noch fehlt sind Grandseigneure der Sportberichterstattung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6e4297a6514f45af8bf25856ec4ad103" alt="" width="1" height="1" />Heute ein paar Anmerkungen &#252;ber die Ereignisse im fernen S&#252;dafrika, wo  eine deutsche Fu&#223;ballnationalmannschaft einen Fu&#223;ball spielt, dem man  mit einer Anleihe aus dem amerikanischen Golf am n&#228;chsten kommt. Es ist  der Satz, mit dem der legend&#228;re Bobby Jones den jungen Jack Nicklaus  beschrieb und den der alte Jack Nicklaus zitierte, als er &#252;ber Tiger  Woods sprach: &#8221;He plays a game which I am not familiar with.&#8221;</p>
<p>Es  w&#228;re sch&#246;n, wenn wir im deutschen Fu&#223;ball auch solche Grandseigneure  h&#228;tten, die mit derart einfachen Mitteln den Generationen- und  Klassenunterschied beschreiben w&#252;rden, der sich in einer Golfnation wie  den USA etwa alle drei&#223;ig Jahre abspielt. <strong>Aber in der Fu&#223;ballnation  Deutschland wird das kollektive Ged&#228;chtnis im entscheidenden Moment von  M&#228;nnern wie Franz Beckenbauer usurpiert.</strong> Dessen One-Liner sind  bestenfalls zum Kichern und inzwischen Stoff f&#252;r Parodisten.</p>
<div id="attachment_30312" class="wp-caption aligncenter" style="width: 506px"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=vsT9M_xJ8VI"><img class="size-full wp-image-30312" title="wm66" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/wm66.jpg" alt="" width="496" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Die ziemlich junge deutsche Mannschaft war bei der WM 1966 eine &#228;hnliche Offenbarung wie Jogis Jungs von 2010. </p></div>
<p>Dabei  waren mal gerade dieser Franz Beckenbauer und die ziemlich junge  deutsche Mannschaft bei der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=vsT9M_xJ8VI">WM 1966</a> eine &#228;hnliche Offenbarung wie Jogis  Jungs von 2010. Qualifiziert hatte man sich nur knapp (in Beckenbauers  allererstem L&#228;nderspiel). Aber beim Turnier in England nahm diese auch  taktisch modernisierte Mannschaft (im 4-3-3) Fahrt auf.</p>
<p>Heute reden alle  nur noch vom Wembley-Tor. Man w&#252;nschte sich, die Leute w&#252;rden mehr von  Beckenbauers Toren und von Helmut Hallers Blick f&#252;rs Spiel und seine  Nebenleute reden. Und davon, dass diese Mannschaft einer  Once-in-a-Lifetime-Gruppe von erlesenen englischen Spielern mehr als  ebenb&#252;rtig war. Wolfgang Overath war damals 22, genauso wie Horst-Dieter  H&#246;ttges. Sigi Held war 23 und hatte erst im Fr&#252;hjahr 1966 zum ersten  Mal eine Berufung erhalten. Wolfgang Weber war ebenfalls erst 23. Es war  der <strong>Ausgangspunkt f&#252;r jene kleine Fu&#223;ball-Sinfonie</strong>, die mit dem  Europameistertitel 1972 und dem WM-Titel 1974 ihre ganz beachtlichen  Schlussakkorde produzierte.</p>
<p>Zur&#252;ck zur Gegenwart (aber mit einem  kleinen Schlenker). Der Sieg gegen Argentinien zeigte einen &#228;hnlichen  Quantensprung im deutschen Fu&#223;ball an wie der Auftritt jener Mannschaft  Mitte in den sechziger Jahren. Diese neue Generation von Spielern und  die verantwortlichen Leute im Hintergrund haben das Zeug, sich <strong>nicht nur  den Titel zu holen, sondern das auch noch mit Glanz zu tun</strong> – anders als  diese grauenvoll anzusehenden Zweckm&#228;&#223;igkeits-Kicker der Jahre 1982,  1986, 1990 und auch 2002.</p>
<p>Zu den Weltmeistern von 1990 f&#228;llt mir immer  nur diese eine Anekdote aus Hawaii ein, wo ich ein paar Jahre danach  zuf&#228;llig mit Pierre Littbarski im selben Hotel wohnte und im Interview  den Faux-Pas produzierte und ihm sagte, er habe ja leider noch nie einen  WM-Titel gewonnen. Nat&#252;rlich hat er protestiert. Und ich war der  Blamierte. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, weshalb mir das passiert  war: Diese Mannschaft von 1990 hatte einfach nichts geleistet, was  einem im Ged&#228;chtnis h&#228;ngen geblieben war.</p>
<p>Wenn &#252;brigens jemand  schon nach diesen zwei Erfolgen gegen England und Argentinien davon  spricht, es handle sich um die beste deutsche WM-Mannschaft aller  Zeiten, der sollte bitte mal ins Archiv gehen und nach den Filmen von  <a href="http://www.youtube.com/watch?v=qa-Hdyc2mLs">1954</a> fahnden. Das Team besiegte damals im Halbfinale in Lausanne die  favorisierten &#214;sterreicher mit 6:1 und produzierte im Endspiel in Bern  gegen Ungarn eine ph&#228;nomenale Leistung. Sollten Jogis Jungs allerdings  ebenfalls Weltmeister werden, kann man die Vergangenheit auch ruhen  lassen. Dann geh&#246;ren sie sicher auf Platz eins in der ewigen  Bestenliste.</p>
<p>Was in den vielen Betrachtungen &#252;ber die Spiele und  die Leistungen des Teams untergeht: Die FIFA-Statistiken zeigen an, dass  keine Mannschaft schneller l&#228;uft. Das w&#228;re abgesehen von der  exzellenten Ballbeherrschung sicher einer der Gr&#252;nde, weshalb man Gegner  mit schwacher Antizipation schlecht aussehen l&#228;sst. Auff&#228;llig  allerdings auch: Im Spiel gegen Ghana auf knapp 2000 Metern H&#246;he in  Johannesburg wirkten alle m&#252;de. Auf Meeresh&#246;he in Kapstadt und Durban  scheinen sich hingegen die roten Blutk&#246;rperchen richtig gut auszutoben.  Das Quartier liegt auf rund 1300 Metern. Da holt man sich die Reserven.</p>
<p>&#220;brigens  haben andere Mannschaften diese Ausgangslage sicher auch im Blick  gehabt. Argentinien hatte sein Quartier ebenfalls auf 1300 Meter H&#246;he.  Und auch Spanien residiert in dieser Zone. In der Vorbereitung gingen  die Mannschaften<a href="http://www.welt.de/sport/fussball/article7862057/WM-Teams-setzen-auf-Hoehen-Trainingslager.html"> unterschiedlich</a> mit der Herausforderung um. Eines der Probleme  eines st&#228;ndigen Pendelns zwischen oben und unten: &#8220;Wer aus der H&#246;he ins Tal kommt, kann die  Leistungsf&#228;higkeit  nach ein bis zwei Tagen abrupt abfallen.&#8221; (sic!) Das <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/article7862057/WM-Teams-setzen-auf-Hoehen-Trainingslager.html">sagt</a> zumindest Dr. Andreas  Rosenhagen, laut <em>Welt Online</em> ein Experte f&#252;r  H&#246;hentraining im Profisport.</p>
<p>Von der H&#246;he,  auf der Thomas M&#252;ller gerade spielt, scheint er nichts gewusst zu haben.</p>
<p>P.S.:  Die WM hat eine neue Generation von Fu&#223;ballbegleitberichterstattung  etabliert, die sich schon seit einer Weile anbahnte und ank&#252;ndigte. Die  neue Qualit&#228;t: Es geht nicht mehr ohne das Rundum-Programm von <em><a href="http://www.allesaussersport.de/">allesaussersport</a></em>,  die Hintergrundinformationen von <a href="http://jensweinreich.de/">Jens  Weinreich</a> und die Einsch&#228;tzungen von <a href="http://blog.zeit.de/sport-blog/2010/07/03/deutschland-argentinien-viertelfinale-live_1545">Spiel</a> und <a href="http://www.zeit.de/sport/2010-07/wm-deutschland-einzelkritik">Mannschaft</a> aus der Feder von Oliver Fritsch auf <em>Zeit  Online</em>.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://american-arena.blogspot.com/2010/07/ein-spiel-das-mir-nicht-vertraut-ist.html">American Arena</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=30310&amp;md5=15ab5a8131512243f4e15a347ccae5b1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die verblatterte Welt: FIFAs Angst vor der Technik</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Jun 2010 14:04:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Machtapparat FIFA arbeitet wie die Katholische Kirche. Ihr Papst Sepp I. ist unfehlbar. Seine Kurie wirtschaftet nach dem Motto: Augen zu und durch.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/53b23c074e9549f390d93ca29a6194ef" alt="" width="1" height="1" />Der amerikanische Fu&#223;ballpieler Landon Donovan hat bei dieser WM eine Menge f&#252;r sich selbst getan. Mit einem K&#252;sschen aus der Ferne fachte er live via Fernseh-Satellit die Beziehung zu seiner geschiedenen Ex-Frau wieder an, einer TV-Schauspielerin. Und dank eines ziemlich guten Auftritts auf dem Rasen brachte er sich bei bestens bezahlenden englischen Proficlubs ins Gespr&#228;ch. So soll es sein. Denn die Hauptfiguren bei einer solchen Veranstaltung sind nun mal die Spieler. W&#252;rde man zumindest denken.</p>
<p>Donovan durfte nach der Niederlage der Amerikaner im Achtelfinale gegen Ghana allerdings schon fr&#252;h wieder die Heimreise antreten. Vorher hatte er gleich in zwei Begegnungen erlebt, wie auf dem Leistungsgipfel des internationalen Fu&#223;balls Schiedsrichter die Leistungen der Hauptpersonen zunichte machen. Zwei wichtige Tore in zwei Spielen wurden den USA regelwidrig aberkannt.</p>
<p>“Jeder Sportler ist irgendwann mal Opfer oder Nutznie&#223;er von Fehlentscheidungen. Irgendwann gleicht sich das vielleicht aus oder vielleicht auch nicht. Damit muss man als Sportler umgehen.” So fatalistisch hat es Wolfgang Weber am Wochenende formuliert, als er von <a href="http://www.faz.net/s/Rub0880D9546AD54B17BA97B50EF7058A13/Doc~E2CB0092A28284946B60228A071C9DDD3~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><em>FAZ</em>-Redakteur Daniel Meuren</a> gebeten wurde, das ber&#252;hmte Wembley-Tor (das, wie Filmaufnahmen sp&#228;ter zeigten, keines war) und den klaren, aber nicht gegebenen Treffer von Englands Frank Lampard in Bloemfontein in einen Meta-Zusammenhang zu r&#252;cken. Weber hatte als Mitglied der deutschen Mannschaft 1966 im Finale den besten Eindruck vom Geschehen. Denn er k&#246;pfte den Ball &#252;ber die Latte ins Aus, nachdem er von der Linie zur&#252;ck ins Feld gesprungen war.</p>
<p><a href="http://i.imgur.com/QxJvh.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-29998" title="torlinie" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/torlinie-300x196.jpg" alt="" width="300" height="196" /></a>Die Bewusstseinspaltung einer solcher Beschwichtigungsrhetorik scheint Weber allerdings nie ganz klar geworden zu sein. Denn im selben Interview sagte er &#252;ber die Fehlentscheidung: “Es wird immer ein schlechtes Gef&#252;hl bleiben.” Und warum auch nicht? Nie wieder war er so nah an einem WM-Titel wie damals.</p>
<p>Dieses immerw&#228;hrende schlechte Gef&#252;hl darf man nach dieser WM auch den Mexikanern prophezeihen. Schiedsrichter Roberto Rosetti gab am Sonntag ihren Gegnern aus Argentinien ein Tor, das nur wenige Augenblicke sp&#228;ter durch die Bilder auf der Videowand im Stadion ad absurdum gef&#252;hrt wurde. Der Torsch&#252;tze stand im entscheidenden Moment meterweit im Abseits.</p>
<p>Nach dem Lampard-Schuss (gegen Deutschland) und dem Tevez-Kopfball (gegen Mexiko) am Sonntag begann unter meinungsfreudigen Fu&#223;ballinteressierten weltweit eine kompetente und sachliche Diskussion &#252;ber die Einf&#252;hrung einer <strong>Instant-Replay-Regel</strong>, die es dem Schiedsrichter gestattet, seine Irrt&#252;mer mit Hilfe der bereits vorhandenen Videotechnik an Ort und Stelle auszur&#228;umen. Es sind auch Alternativl&#246;sungen im Gespr&#228;ch, wie ein Chip im Ball, der eine Positionsbestimmung erlaubt, oder der Einsatz von speziellen Torrichtern wie etwa im Eishockey.</p>
<p>F&#252;r die Verantwortlichen der FIFA hingegen war das alles &#252;berhaupt kein Thema, wie der wackere Sportjournalist Jens Weinreich nicht zum ersten Mal <a href="http://www.jensweinreich.de/2010/06/28/sudafrika-tag-24-das-schiedsrichterproblem-und-das-schweigen-der-schlemmer">vor Ort best&#228;tigt bekam</a>. Das Echo bestand aus Indolenz, Ignoranz und windelweichen Ausreden. Das Motto lautete: Augen zu und durch. Auch die Schiedsrichter redeten nicht. Sie haben von der FIFA einen Maulkorb erhalten. Komisch nur, als Sepp Blatter, der Chef pers&#246;nlich am Dienstag ank&#252;ndigte, dass die Kardin&#228;le der Sportart &#252;ber den Einsatz von Technik zumindest nachdenken wollen, da bekamen einige Leute wieder den Mund auf. Dass sich allerdings irgendetwas Wesentliches &#228;ndert, ist nicht ausgemacht.</p>
<p>Denn die FIFA ist ein Laden, in dem niemand an der Aufkl&#228;rung essentieller Sachverhalte interessiert ist. So werden im Weichbild von Pr&#228;sident Sepp Blatter prinzipiell Korruption und Amtsmissbrauch notd&#252;rftig verschleiert. Und das bisweilen sogar mit Hilfe staatlicher Stellen wie sich jetzt beim offiziellen <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,702709,00.html">Abschluss</a> eines Gerichtserverfahrens in der Schweizer Stadt Zug zeigte, in dem die Staatsanwalt ein perfides Bestechungssystem bei der Vergabe von Fernsehrechten ermittelte, aber <a href="http://www.playthegame.org/news/detailed/court-links-fifa-officials-to-bribery-scandal-4839.html">keine Urteile</a> erwirken konnte.</p>
<p>Zu einer solchen Verschleierungspolitik passt der laxe Umgang mit der Beweisnot in entscheidenden Situationen auf dem Spielfeld. Dort kann angesichts einer relativ geringen Torquote fast jede Schiedsrichterentscheidung in Strafraumn&#228;he kolossale Folgen haben – f&#252;r das jeweilige Spiel und f&#252;r die Karriere von Spielern, d&#252;r die die WM eine Plattform ist, um sich gut bezahlenden Clubs zu empfehlen. Wer ungerechtfertigterweise fr&#252;h ausscheidet, wird m&#246;glicherweise um viel Geld gebracht.</p>
<p>Warum hat man bei der FIFA etwas gegen die Technologie des 21. Jahrhunderts? Wenn man all die romantisierenden Deklamationen &#252;ber den besonderen Charakter des vor knapp 150 Jahren in seinen heutigen Umrissen kodifizierten Mannschaftsspiels beiseite schiebt, kommt vor allem eines zutage: <strong>Niemand in der oligarchisch verwalteten Welt des internationalen Fu&#223;balls hat ein Interesse an einem Paradigmenwechsel.</strong> Das Spiel – gepr&#228;gt von einem ehrenwerten urenglischen Sportsgeist – kam lange Zeit ganz gut mit einem Minimum an Regeln aus (anders als etwa American Football, mit dessen dickem Vorschriftenhandbuch man Kleintiere erschlagen k&#246;nnte und das bei den Profis ein ausgekl&#252;geltes System mit Video-Replay-Entscheidungen der Referees besitzt). Aber inzwischen m&#252;ssen Mitwirkenden etwa im Bereich des DFB eine 120 Seiten dicke Kladde durcharbeiten, wenn sie die vielen Wechself&#228;lle des Alltags regelgerecht bewerten wollen.</p>
<p>Der Freiraum produzierte im Laufe der Zeit nicht nur eine exzessive Kultur der Interpretationen und Emotionen, gespeist von regionalen und nationalen Loyalit&#228;ten, die Fu&#223;ball-Anh&#228;nger als berauschend und euphorisierend empfinden. Zu den Resultaten geh&#246;ren aber auch noch andere Ph&#228;nomene. Ganz unten auf der sozialen Leiter sind es die besoffenen, gewaltbereiten Hooligans. Ganz oben in der Managementetage der Sportart ist es der Hang zu einer gesetzlosen, unkontrollierten Gewalt des Gebens und Nehmens, praktiziert in Missachtung der Strafgesetze. So l&#228;sst sich neben der Weberschen Meta-Hoffnung auf das Prinzip einer ausgleichen Gerechtigkeitung durchaus noch ein anderer Zusammenhang feststellen: So wie im Zentrum des Geschehens – also auf dem Platz und im Umgang mit den Spielern – kein Wert darauf gelegt wird, klare Beweise von Versagen und Fehlvergehen zu ber&#252;cksichtigen, so gilt auch f&#252;r die Arbeit der Funktion&#228;re eine Mathematik des sch&#246;nen Scheins. In der sind F&#252;nf im Zweifel immer gerade.</p>
<p>Die Vorgehensweise wirkt so &#228;hnlich wie in einer anderen historischen Institution von Rang und mit Massen-Appeal: der Katholischen Kirche mit ihrem unfehlbaren Papst und einer Bibel, mit der man f&#252;r alles und jeden Anlass einen Spruch finden kann. Der Vatikan k&#228;mpfte schon vor der Aufkl&#228;rung mit Macht und mit dem Scheiterhaufen gegen die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und deren Gesetze. Zuletzt zeigte er im Umgang mit seinen p&#228;dophilen Priestern, was er von den ebenso wichtigen staatlichen Gesetzen h&#228;lt, die etwa den Missbrauch von jungen Menschen unter Strafe stellen: Nichts.</p>
<p>Auch die Machtstruktur in der FIFA funktioniert nach dem gleichen Muster. <strong>Demokratie gibt es nur auf dem Papier.</strong> Wer es mal bis nach oben in der Hierarchie geschafft hat, denkt nur noch an eines: Wie er m&#246;glichst lange oben bleiben kann und wie er das Volk der Gl&#228;ubigen mit m&#246;glichst viel Opiumersatz abspeisen kann.</p>
<p>Das gelingt inzwischen auf vielen Ebenen. So wurde zum Beispiel vor kurzem, als sich ein bekannter Torwart das Leben nahm und Anh&#228;nger mit der Projektionsfl&#228;che aus Fu&#223;ballplatz und Depression &#8220;die Funktionsweise unserer modernen Gesellschaft als Erregungsgemeinschaft&#8221; vorexerzierten, die &#8220;heillose Quasireligion der Sportlichkeit&#8221; inszeniert, wie das <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/themenderwoche/1069802/">Burkard M&#252;ller-Ulrich</a> im Deutschlandfunk charakterisierte. Im Suizid des Robert Enke sahen deutsche Fu&#223;ballfunktion&#228;re eine gute Gelegenheit, sich in eine gesellschaftliche Rolle vorzutasten, die keinen anderen Sinn hat, als “gemeinsame Ekstase&#8221; zu erzeugen.</p>
<div id="_mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 544px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;">http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,702709,00.html</div>
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		<title>YouTube im sicheren Hafen</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 14:34:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein New Yorker Richter wehrt mit Hinweis auf die “Safe- Harbor-“Bestimmung eine Milliarden-Klage von Viacom ab. Zum Gl&#252;ck: Ein kaputt geklagtes YouTube w&#228;re das Ende der neuen Online-Kommunikationskultur.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/785363feca524fa29933804fa5b250f5" width="1" height="1" alt=""/>Ein Richter in New York hat am Mittwoch der Videoplattform YouTube neue  Luft zum Atmen geschenkt. Der Sauerstoffanteil ist so hoch, dass wie  ganz gemeine Netz-Videoten davon ebenfalls profitieren werden. <strong>Denn ein  kaputt geklagtes YouTube w&#228;re das Ende der neuen  Online-Kommunikationskultur.</strong></p>
<p>Die Firma, die 2006 von Google f&#252;r ein  Aktienpaket von rund 1,65 Milliarden Dollar aufgekauft worden war,  verst&#246;&#223;t nicht gegen das amerikanische Urheberrecht, wenn sie ihre  Nutzer gesch&#252;tztes Material hochladen l&#228;sst. Der Digital Millennium  Copyright Act mit seiner sogenannten “Safe- Harbor-“Bestimmung sch&#252;tzt  die Internetanbieter vor Regressanspr&#252;chen. Und zwar solange sie jedes  Mal die Bilder aus Archiv nehmen, wenn sie vom Urheber darum gebeten  werden.</p>
<p>Die erstinstanzliche Entscheidung, die vermutlich in die Revision gehen  wird, hatte das Medienunternehmen Viacom mit einer Klage erzwungen.  Viacom geh&#246;ren solche Sendungen wie “The Daily Show with Jon Stewart”  Die Schadensersatzforderung belief sich auf eine Milliarde Dollar. Der  Richter erkl&#228;rte schlicht und einfach: “<strong>Der Anbieter muss von einem  Einzelfall wissen, ehe er ihn kontrollieren kann</strong>.” YouTube und andere  seien nicht gezwungen, von sich aus und vorab eine <strong>etwaige  Urheberrechtsverletzung</strong> zu ermitteln und abzustellen.</p>
<p>Ganz nebenbei erhielt im selben Verfahrenszug die englische Premier  League einen Nasenstuber. Die wollte ebenfalls Geld von YouTube haben  und musste sich belehren lassen, dass ihr Material in den USA <strong> urherberrechtlich gar nicht registriert sei</strong>.</p>
<p>Mal abgesehen von der offenen Frage danach wie die Berufungsinstanz das  Gesetz interpretiert, gibt das Urteil Google eine <strong>beachtliche  Gewissheit</strong>. Theoretisch k&#246;nnten sie bei YouTube nun sogar die  <strong>Filter-Arbeit</strong> einstellen, mit der sie seit einer Weile digital auch  legitime “Fair-Use”-Filme abblocken. Ein Problem, &#252;ber das ich im  letzten Jahr aus eigener Erfahrung <a href="http://carta.info/16106/kontrollsoftware-bei-youtube-post-vom-roboter/  ">geschrieben hatte</a>.</p>
<p>Sehr viel wichtiger allerdings sind dank der Verbreitung von YouTube die  Konsequenzen f&#252;r andere Urheberrechtssysteme in anderen L&#228;ndern. So  m&#252;ssen auch deutsche Rechteinhaber aus dem Film- und Fernsehbereich in  Zukunft brav jedes Mal YouTube einen Brief schicken, wenn sie daf&#252;r  sorgen wollen, dass ihre Bilder wieder aus dem Netz verschwinden. Denn  YouTube sitzt nun mal in den USA und ist zun&#228;chst nur amerkanischem  Recht unterworfen.</p>
<p>Solche Kopien zu lokalisieren, ist einfach, wenn &#220;berschriften und  Begleittexte von eingestellten Videos mit eindeutigen Stichw&#246;rtern wie  “Bundesliga” oder “Raab” ausgestattet sind. Doch Tags und Info-Zeilen  lassen sich auch verklausulierter formulieren.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=29638&amp;md5=4e26767a5c1fde09484c760b2c5b2449" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;The Big Lead&#8221;: Ein Dollar pro Leser</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 13:48:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein erfolgeicher amerikanischer Sportblog wechselte den Besitzer. Der Markt kommt in Bewegung. Was sind die Erfolgsmolek&#252;le von "The Big Lead"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/57e13d0f1d994d19a448629b4c08293a" alt="" width="1" height="1" />Der amerikanische Medienmarkt hat in den letzten Tagen zum ersten Mal  einen Kennwert produziert, der zeigt, wieviel Geld in dem jungen  journalistischen Online-Format “Sportblogs” steckt. &#220;ber den genauen  Preis wurde nicht viel bekannt. Die Beteiligten einigten sich darauf,  nach au&#223;en von “low seven figures” zu sprechen. Das w&#228;re irgendetwas  zwischen einer und f&#252;nf Millionen Dollar. Oder umgerechnet ungef&#228;hr  ein Dollar pro Nutzer.</p>
<p>Die Webseite tr&#228;gt den okkulten Namen “<a href="http://www.thebiglead.com/">The Big Lead</a>” und wurde 2006  ganz nebenbei zusammen mit ein paar Freunden von einem  Magazin-Journalisten auf die Beine gestellt, der damals bei der  Klatsch-Postille <em>US Weekly</em> in Lohn und Brot stand. Deshalb arbeitete  er anfangs auch mit Tarnkappe und outete sich erst nach zwei Jahren.  Selbst w&#228;hrend einer fr&#252;hen Krise, die seine Seite auf einen Schlag  ber&#252;hmt machte, zog Jason McIntyre es vor, der gro&#223;e Unbekannte der  Blogger-Branche zu bleiben.</p>
<p>Die Krise war nichts anderes als eine Attacke, die ein  ESPN-Radiotalkmeister ausgel&#246;st hatte, als im &#196;rger &#252;ber die neuen  kessen Sportblogs seine H&#246;rer aufforderte, “The Big Lead” einen Besuch  abzustatten. Er wusste, dass man mit einem Denial-of-Service-Attacke  eine Internetseite fluten und dadurch mundtot machen kann. – Allerdings  nicht f&#252;r lange.</p>
<p>Ein paar Erfolgsmolek&#252;le des t&#228;glichen McIntyre-Outputs:</p>
<ul>
<li>Der Ton der Texte ist eine Mischung aus witzig, frivol und  skeptisch, allerdings nicht so vergaggt wie bei der erfolgeichen  Konkurrenz <a href="http://deadspin.com/"><em>Deadspin</em></a>.</li>
<li>Texte werden ab dem fr&#252;hen Morgen gepostet. Die Seite verf&#252;hrt  Dauerkunden dazu, mehrmals am Tag vorbeizuschauen. Denn im Verlauf von  24 Stunden gibt es zwischen zehn und 15 neue Beitr&#228;ge.</li>
<li>Kommentarschreiber &#252;ben sich in sarkastischen Wortgefechten und  wollen sich dabei st&#228;ndig gegenseitig &#252;bertrumpfen.</li>
<li>McIntyre hat seine eigenen Quellen (vor allem in den Medien)  kultiviert und lebt nicht nur vom Nachrichtenfutter der Agenturen und  Zeitungen.</li>
<li>Jeder Tag beginnt mit irgendeinem <a href="http://thebiglead.com/index.php/2010/06/07/the-roundup-mushnick-vs-michael-kay-again-world-cup-drinking-in-canada-flyers-on-the-brink/">Foto einer attraktiven  Frau</a> aus dem Showgewerbe und ein paar Verweisen auf nicht-sportliche  Themen.</li>
<li>Jason McIntyre besch&#228;ftigt inzwischen eine Reihe von Bloggern, die  ihm vor allem am Wochenende einen Teil der Arbeit abnehmen.</li>
</ul>
<p>Der K&#228;ufer ist &#252;brigens die Firma Fantasy Sports, die 15 Millionen  Nutzer erreicht und eine ganze Reihe von Sport-Webseiten betreibt.  McIntyre hatte von Anfang an davon getr&#228;umt, seine Neugr&#252;ndung eines  Tages zu Geld zu machen. Vor allem, nachdem er mitbekommen hatte, dass  die Medienseite <a href="http://www.mediabistro.com/">mediabistro.com</a> f&#252;r 23 Millionen Dollar verh&#246;kert  wurde. “Ich sitze jeden Tag 14 bis 15 Stunden am Computer. Ich musste  eine Menge daf&#252;r aufgeben. Jetzt zahlt es sich aus.”
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			</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28528&amp;md5=2d24fe8f9fd8edc6a73ce8e33aeea6ff" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Trainer Baade: &#8220;Ich habe noch nicht dar&#252;ber nachgedacht, ob ich der Punk bin&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 11:49:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Trainer Baade]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Einsch&#252;chterungsma&#223;nahmen gegen Sportblogger sollen den Status Quo einer Medienlandschaft erhalten, in der das Machtkartell von Verb&#228;nden, Clubs und Medien entscheidet, was dem Publikum serviert wird. Aus Angst vor Anwaltspost sind deutsche Sportblogger ziemlich zahm.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6f62d4dcade64911a9aaead73708419e" alt="" width="1" height="1" />Vor einem Jahr formulierte der Spiegel in einem langen Artikel folgende <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,567038,00.html">Einsch&#228;tzung</a>: &#8220;Blogs bleiben ein Nischenprodukt. Mal lustig, mal interessant. Sehr oft mit nichts als sich selbst besch&#228;ftigt. Aber insgesamt ohne gro&#223;e Bedeutung. Man spricht nicht dar&#252;ber.&#8221; Das Urteil war voreilig. Denn wenig sp&#228;ter bot ein gewisser Theo Zwanziger seinen Stuhl als DFB-Pr&#228;sident an, falls er in einem Rechtsstreit um einen Blogkommentar unterliegen w&#252;rde. Der Kommentator Jens Weinreich hatte ihm vorgeworfen, er sei ein &#8220;unglaublicher Demagoge&#8221;.</p>
<p>Die Auseinandersetzung Zwanziger vs. Weinreich erzeugte querbeet eine Menge Beachtung. Weshalb sich im September auch kaum noch jemand wunderte, wie gro&#223; das Reservoir an Relevanz inzwischen ist. Da <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/09/01/wie-jako-anderen-leuten-das-letzte-trikot-auszieht/">berichtete</a> Kai Pahl alias dogfood von allesaussersport unter der &#220;berschrift &#8220;Wie Jako anderen Leuten das letzte Hemd auszieht&#8221; in einem ausf&#252;hrlichen Beitrag &#252;ber den skandal&#246;sen <a href="http://carta.info/14089/jako-abmahnungen/">Fall</a> einer Sportbekleidungsfirma und ihrer Rechtsanwaltskanzlei, die einen Sportblogger mit exorbitanten Forderungen in die Knie zwingen wollte.</p>
<p>Innerhalb weniger Stunden begann ein Sturm der Entr&#252;stung, der insgesamt mehr als 800 Kommentatoren auf die Palme brachte. Bei Twitter schaffte es das Stichwort <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23jako">#jako</a> bis in die obersten R&#228;nge. &#220;ber hundert Blogs <a href="http://www.probek.net/2009/09/01/vom-umgang-mit-bloggern-oder-wie-jako-anderen-leuten-das-letzte-trikot-auszieht/ ">schrieben</a> &#252;ber die Angelegenheit. Und so zogen sie nach: das <em>Handelsblatt</em>, die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em>, die <em>taz</em> und, ja, auch <em>Spiegel Online</em>. Selbst der Bayerische Rundfunk ging in einem umfangreichen Bericht &#252;ber den Stellenwert der Blogosph&#228;re in der Sendung &#8220;<a href="http://www.br-online.de/podcast/mp3-download/bayern2/mp3-download-podcast-zuendfunk-generator.shtml">Z&#252;ndfunk</a>&#8221; auf den Vorgang ein.</p>
<p>Die Sache h&#228;tte vermutlich noch mehr Wirkung erzielt, wenn der betroffene Blogger Frank Baade, der die Kunstfigur &#8220;<a href="http://trainer-baade.de/">Trainer Baade</a>&#8221; geschaffen hat und unter diesem Namen die besten Sportglossen in ganz Deutschland schreibt, sich nicht aus der Auseinandersetzung herausgehalten h&#228;tte. Der kreative Kopf, der Wortsch&#246;pfungen wie &#8220;Schlurchmarke&#8221; oder &#8220;Popelsblogger&#8221; erfunden hat, schwieg jedoch lieber. &#8220;Ich bin wie wahrscheinlich 98 Prozent der Bev&#246;lkerung juristischer Laie. Und ich hatte kein Interesse daran, Schritte zu begehen, die ich nachher bereuen w&#252;rde. Meine Trainer Baade-Seite ist keine Plattform f&#252;r eine juristische Auseinandersetzung&#8221;, sagte er jetzt in seinem ersten ausf&#252;hrlichen Interview – ein Gespr&#228;ch, das er und ich f&#252;r den zweiw&#246;chentlich erscheinenden Podcast der deutschen Fu&#223;ballblogger gef&#252;hrt haben. Bei <a href="http://american-arena.blogspot.com/2009/11/trainer-baade-das-exklusiv-interview.html">American Arena</a> gibt es eine kurze Einstimmung, bei probek.net die <a href="http://www.probek.net/2009/11/03/ballpod-ausgabe-7-2-november-2009/">Komplett-Fassung</a>.</p>
<p>JAKO hat inzwischen eingelenkt und alle angeleierten rechtlichen Schritte gegen Trainer Baade zur&#252;ckgezogen, wenn auch die Firma offensichtlich noch nicht alle versprochenen Zusagen eingehalten hat. Der Streisand-Effekt und der &#8220;PR-GAU&#8221; (Z&#252;ndfunk) hatten Wirkung gezeigt.</p>
<p>Anders als die Sache <a href="http://carta.info/1662/wenn-vasen-wackeln-2/">Weinreich contra Zwanziger</a>, die eine bemerkenswerte Spendenaktion produzierte, oder die Abmahnung der Journalistin Eva C. Schweitzer gegen einen Blogger, der ihren Artikel auf Zeitonline <a href="http://www.nomnomnom.de/2008/05/20/obama-of-nine">empfohlen</a> und verlinkt hatte, h&#228;lt der Fall JAKO contra Trainer Baade ein paar Erkenntnisse bereit, die &#252;ber die R&#252;ckschlagwirkung einer Bazooka-Taktik hinausgeht, mit sich der Leute ein paar Spatzen zum Fr&#252;hst&#252;ck schie&#223;en wollen.</p>
<p>Denn der Fall macht auch auf die Defizite des etablierten Sportjournalismus aufmerksam. Weil es dort fast &#252;berall an einer konsequent kritischen und skeptischen Haltung gegen&#252;ber Sponsoren, Investoren und angeblichen Experten wie Franz Beckenbauer mangelt (Trainer Baade hat ihm eine ganze Rubrik namens &#8220;<a href="http://www.trainer-baade.de/?cat=5">Der Dummschw&#228;tzer</a>&#8221; gewidmet), reagieren solche Herrschaften schnell &#252;berempfindlich, wenn ihnen jemand seine Meinung sagt. Dann schicken sie rasch ihren Anw&#228;lte los. Jede Einsch&#252;chterungsma&#223;nahme hat vor allem ein Ziel, eine Statuslandschaft zu erhalten, in der ein &#252;ber die letzten Jahrzehnte gewachsenes Milliarden-Machtkartell aus Verb&#228;nden, Clubs und Medien dar&#252;ber entscheidet, was dem gemeinen Publikum auf welche Weise serviert wird und wieviel es daf&#252;r bezahlen muss.</p>
<p>Dass aber ausgerechnet er mit seinem Geigerz&#228;hler f&#252;r Bullshit aller Art von einer Au&#223;enstelle des Kartells in die Mangel genommen wurde, hatte Trainer Baade trotzdem nicht erwartet. &#8220;Ich habe wenig dar&#252;ber nachgedacht, ob ich etwas neu erfinden will oder etwas aufbrechen will oder ob ich der Punk bin&#8221;, sagt Frank Baade, der es sprachpenibler Mensch ganz und gar nicht sch&#228;tzt, wie seine Lieblingssportart &#8220;zur Samstagabendunterhaltung degradiert und mit Dingen aus dem Showbereich vermengt&#8221; worden ist. Und der sich im Interview dar&#252;ber beklagt, dass das Fernsehen den Stoff &#8220;fast schon klamaukartig&#8221; pr&#228;sentiert und in einer &#8220;ehrerbietigen Rolle den vermeintlichen Gr&#246;&#223;en des Fu&#223;balls gegen&#252;ber, die uns aber auch keine neuen Erkenntnisse bringen&#8221;.</p>
<p>Um das Kontrastprogramm zu beschreiben, das er und viele andere mit ihren Sport-Blogs bieten, verwendet Frank Baade gerne die Metapher des in England lebenden deutschen Fu&#223;ball-Journalisten Raphael Honigstein, der die Sportblogger mit Indiemusikern <a href="http://catenaccio.de/?p=4008">verglichen</a> hat. Baade: &#8220;Die etablierten Medien sind der Mainstream.&#8221;</p>
<p>In ihrer Indie-Rolle sind die deutschen Sportblogger im Vergleich zu den Amerikanern, die sich inzwischen &#246;ffentlich auf dem Niveau der Boulevardmedien sogar mit dem Medienriesen ESPN <a href="http://backporch.fanhouse.com/2009/10/21/espn-horndog-dossier-deadspin-espn-fight-raises-legal-question/">anlegen</a>, &#252;brigens ziemlich zahm. Auch weil die Sorge vor der Post vorm Anwalt virulent ist. So provoziert kaum ein Thema in dem vor einem halben Jahr gegr&#252;ndeten informellen <a href="http://www.sportbloggernetzwerk.de/">Sportbloggernetzwerk</a>, einem nicht-&#246;ffentlichen Internetforum mit knapp f&#252;nfzig Mitgliedern, so viele &#196;u&#223;erungen wie die Sorge vor unabsichtlichen Verst&#246;&#223;en gegen das Urheberrecht.</p>
<p>Dass so viele Blogger im Sportbereich abseits irgendwelcher Fanloyalit&#228;t ein Zusammengeh&#246;rigkeitsgef&#252;hl entwickelt haben, schafft allerdings noch lange kein Gegengewicht gegen das Geld und die &#220;bermacht der Firmen und Verb&#228;nde. Auch wenn der Zuspruch w&#228;chst. &#8220;Der Aufschrei im Netz konnte nur deshalb passieren und so gro&#223; werden, weil die Zahl der Teilnehmer w&#228;chst&#8221;, sagt Baade, der die Bedeutung seines Falls herunterspielt. &#8220;Es ist &#252;berhaupt keine Kampagne passiert. Nat&#252;rlich kann es den Charakter eines Mobs gewinnnen, an den sich auch viele dranh&#228;ngen, von denen man sich nicht sicher sein kann, dass sie die Sache wirklich verstanden haben.&#8221; Immerhin haben wohl die meisten verstanden, um was es ihm geht: &#8220;Da ist jemand der authentisch schreibt und der vielleicht auch etwas &#252;bers Ziel hinausschie&#223;t und dennoch versucht, dabei authentisch zu bleiben.&#8221;</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/faZtGhxk3LA&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/faZtGhxk3LA&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
<small><a href="http://www.youtube.com/watch?v=faZtGhxk3LA">Video</a>: Fragen an das Universum Folge 3 – Was tr&#228;gt die Mannschaft von Trainer Baade?</small></p>
<p><em>Weiterf&#252;hrende Links zum Ballpod-Podcast: <a href="http://www.probek.net/2009/11/03/ballpod-ausgabe-7-2-november-2009/">Trainer-Baade-Interview</a>/ <a href="http://feeds.feedburner.com/fubapod">RSS</a> / <a href="http://www.itunes.com/podcast?id=332779256">iTunes</a></em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/18035/trainer-baade-ich-habe-noch-nicht-darueber-nachgedacht-ob-ich-der-punk-bin/">Trainer Baade: &#8220;Ich habe noch nicht dar&#252;ber nachgedacht, ob ich der Punk bin&#8221;</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/18035/trainer-baade-ich-habe-noch-nicht-darueber-nachgedacht-ob-ich-der-punk-bin/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18035&amp;md5=8eb68d98a3b54a0b55f41e8639a8b0a0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Journalismus: Jetzt auch aus Textbausteinen vom Kollege Automat</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 11:11:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die gr&#246;&#223;te denkbare Kr&#228;nkung des Journalistenethos steht bevor: Journalismus ohne Journalisten. Das Computerprogramm "Stat Monkey" kann Spielberichte so gut wie eilige Sportjournalisten produzieren. Es zeigt: Auch "Qualit&#228;tsjournalismus" geht h&#228;ufig nicht &#252;ber das Baukastenschema hinaus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5cde7b316029496eb35b8c239cc24e8f" width="1" height="1" alt=""/>Das Reden &#252;ber Qualit&#228;tsjournalismus verschleiert vieles. Nicht zuletzt jene traurige Tatsache, dass ein erheblicher Teil all dessen, was sich Journalismus nennt, alles andere verdient hat als das Etikett “Qualit&#228;t”. Der Erfolg der Vokabel mag daran liegen, dass sie auf unterschwellige Weise eine Illusion aufrecht erh&#228;lt: Medienarbeit wird von denkenden Menschen verrichtet, die honorige Auswahlkriterien benutzen, gr&#252;ndlich recherchieren, ausgewogen berichten und von niemandem f&#252;r diese T&#228;tigkeit bezahlt werden au&#223;er von ihrem Arbeit- oder Auftraggeber.</p>
<p><strong>Dream on.</strong> Denn diese Illusion wird nicht mehr sehr lange weiter existieren. Jedenfalls nicht, wenn man wei&#223;, woran Studenten an der Northwestern University au&#223;erhalb von Chicago arbeiten. Sie haben soeben in einem der Hauptarbeitsbereiche des Medienalltags – der Sportberichterstattung – ein Computerprogramm <a href="http://infolab.northwestern.edu/projects/stats-monkey/">entwickelt</a>, das zeigt, dass es ganz ohne Journalisten geht.</p>
<p>Allenfalls der Name ihres Konzepts ist surreal. Sie nennen es <em>Stat Monkey</em> – Statistik-Affe. Der Rest ist ungeheuer handfest. Denn das Programm wurde – &#228;hnlich der Analyseabl&#228;ufe in Schachcomputern – so weit verfeinert und ver&#228;stelt, dass es eine ganz bemerkenswerte Qualit&#228;tsstufe erreicht. Die Texte sind so gut wie das, was eilige Sportjournalisten unter dem Termindruck einer aktuellen Berichterstattung produzieren. Als Ausgangspunkt widmeten sich die Studenten dem in den USA popul&#228;ren Baseball, einer Sportart, die traditionell eine enorme Dichte statistischer Detailinformationen produziert. Die Daten wiederum bilden das Ger&#252;st f&#252;r das Material, das vom Computer zu koh&#228;renten Einsch&#228;tzungen des Geschehens umgetextet werden kann. Die Resultate sind nicht nur lesbar, sondern durchaus sinnig geschrieben, wie eines der Beispiele zeigt, das die <em>New York Times</em> in einem Bericht &#252;ber das Projekt <a href="http://mediadecoder.blogs.nytimes.com/2009/10/19/the-robots-are-coming-oh-theyre-here/">dokumentierte:</a></p>
<blockquote><p>BOSTON — Things looked bleak for the Angels when they trailed by two runs in the ninth inning, but Los Angeles recovered thanks to a key single from Vladimir Guerrero to pull out a 7-6 victory over the Boston Red Sox at Fenway Park on Sunday.</p>
<p>Guerrero drove in two Angels runners. He went 2-4 at the plate.</p>
<p>“When it comes down to honoring Nick Adenhart, and what happened in April in Anaheim, yes, it probably was the biggest hit (of my career),” Guerrero said. “Because I’m dedicating that to a former teammate, a guy that passed away.”</p></blockquote>
<p>Dass ein Programmmodul “Baseball” Sportreportern die Butter vom Brot nehmen kann, liegt nicht nur an dem vorhandenen Ausgangsmaterial. Es liegt vor allem an der limitierten und standardisierten Art und Weise der Nachrichtengebung in der Sportberichterstattung. In den <strong>K&#246;pfen der klassischen Sportjournalisten existiert gemeinhin nicht mehr als ein Baukastenschema</strong>, das den Stoff nach Merkmalen wie Gewinner und Verlierer, Favorit und Au&#223;enseiter, Erwartungen und &#220;berraschungen und anderen Denkschablonen abklopft und dann in Form einer immer gleichen Litanei, gespickt mit statistischen Infos, in ein im Grunde austauschbares St&#252;ck Prosa verwandelt.</p>
<div id="attachment_16755" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/vinspired_voicebox/3900001710/"><img class="size-medium wp-image-16755 " title="Journalismus ohne Journalisten. Foto: Flickr/vinspiredvoicebox" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/robot-300x199.jpg" alt="robot" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Journalismus ohne Journalisten: &quot;Auf fast alle Sportarten anzuwenden.&quot; Foto: Flickr/vinspiredvoicebox</p></div>
<p>Man kann sich leicht vorstellen, dass das System auf fast alle Sportarten anzuwenden ist. Auch auf Fu&#223;ball, dessen Free-Flow-Dynamik in Agenturberichten auf Kernausk&#252;nfte reduziert wird, die – angereichert um ein paar Zitate von Trainern und Spielern – ebenso austauschbar werden wie in stark datendefinierten Sportarten wie Baseball oder Football.</p>
<p>Die <em>Stat-Monkey</em>-Entwickler sehen das bereits am Horizont. Und zwar nicht nur im Wirtschaftsjournalismus, wo bei der Berichterstattung &#252;ber B&#246;rsenkurse oder Gewinn- oder Verlustnachrichten von Aktiengesellschaften ein &#228;hnlicher Bedarf besteht wie im Sport. Sie k&#246;nnen sich auch vorstellen, so schrieben sie auf ihrer Webseite, dass das “System ausgeweitet werden kann, dass es Zitate von Einzelpersonen oder Organisationen in diese Berichte einarbeitet und auch Geschichten in einem unterschiedlichen Erz&#228;hlstil f&#252;r unterschiedliches Publikum” produziert.</p>
<p>Wann das ganze in die Praxis vor allem der Agenturarbeit umgesetzt werden k&#246;nnte, steht noch nicht fest. Nur soviel kann man mit Sicherheit behaupten: Es wird kommen. <strong>Der Kostendruck in den Medien wird schon daf&#252;r sorgen</strong>. Aber auch soviel darf man prognostizieren: Dass die Verlage in Deutschland f&#252;r Texte von einem solchen Affen sicher auch noch <a href="http://carta.info/16569/koalition-plant-leistungsschutzrecht-fuer-verlage/">Leistungsschutzrechte</a> in Anspruch nehmen werden. Sie haben dem Affen schlie&#223;lich Zucker gegeben. Daf&#252;r wollen sie honoriert werden.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=16739&amp;md5=93e58c8f60cfd94bf268640487bef02e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kontrollsoftware bei YouTube: Post vom Roboter</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Oct 2009 09:51:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Content ID Match" bei YouTube behindert zunehmend urheberrechtlich gestattete Formen der Auseinandersetzung mit Originalvideomaterial. Ein Erfahrungsbericht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7d2e9c561beb419dbb28d197dc80d8ee" width="1" height="1" alt=""/>Vor ein paar Tagen sa&#223; ich nachts vor meinem Monitor und wartete scheinbar ewig darauf, dass YouTube ein neun Minuten langes, von mir produziertes Video bereitstellt. Irgendwann kam eine Email, die erkl&#228;rte, weshalb sich die Sache hinzieht. Der Computer der popul&#228;rsten Plattform seiner Art hatte sich meine Arbeit angeschaut und festgestellt, sie beinhalte “m&#246;glicherweise Material, das FOX geh&#246;rt oder lizensiert hat”. Eine Weile sp&#228;ter erhielt ich das Urteil: Das Video wurde zwar hochgeladen, aber “in einigen L&#228;ndern” kann man es nicht sehen.</p>
<p>Ich habe keine Ahnung, um welche L&#228;nder es sich handelt. Und auf welche Weise die “Content ID Matches” funktionieren, die man bei YouTube und offensichtlich auch bei Google-Video mit Hilfe einer <a href="http://www.youtube.com/t/contentid">Software</a> durchf&#252;hrt. Ich wei&#223; nur soviel: Der beanstandete Inhalt wurde von mir – ich sitze in New York – nach den Grunds&#228;tzen des amerikanischen Urheberrechts zusammengestellt, das auch f&#252;r Google ma&#223;geblich ist.</p>
<p>Dieses Recht sanktioniert im Rahmen seiner Fair-Use-Klausel – unterf&#252;ttert und ausgedeutet durch eine Reihe von gerichtlichen Entscheidungen bis hinauf zum <em>Supreme Court</em> in Washington – eine ganze Reihe von Nutzungssituationen. Wozu unter anderem eine ganz logische geh&#246;rt: Wenn ich mich mit dem gesch&#252;tzten Werk im Rahmen des &#246;ffentlichen Meinungsaustauschs auseinandersetzen will, muss ich es schon aus illustrativen Zwecken zitieren k&#246;nnen. Sonst kann ich es gleich bleiben lassen. Das gilt nicht nur f&#252;r Texte, sondern analog auch f&#252;r Ton und Bild. Das gilt f&#252;r Lob und Kritik, Parodie und Satire. Der Rechtsanspruch eines Urhebers, der mit seinem Werk an die &#214;ffentlichkeit gegangen ist, geht nicht so weit, dass er das verhindern kann, was man in den USA “dissemination” nennt, oder auch f&#252;r die Verwendung des Materials Geld verlangen k&#246;nnte.</p>
<p>Nat&#252;rlich gibt es bei den Verwendungsm&#246;glichkeiten deutliche Grenzen. Mein Video muss vor Gericht nachweisen k&#246;nnen, dass es “transformative” ist und nicht “derivative”. In ihm muss das Ausgangsmaterial “umgestaltet” worden sein und eine Sch&#246;pfungsh&#246;he erreichen, die auf ihren eigenen Beinen steht. Eine Sekund&#228;rverwendung, die das Material nur “weiterentwickelt”, ist nicht gestattet.</p>
<p>Um Online-Videoproduzenten zu helfen, die sich keine Rechtsabteilungen mit Urheberrechtsspezialisten leisten k&#246;nnen und ihnen einen Weg durch das Minenfeld der Fair-Use-Interpretationen zu weisen, hat das Center for Social Media an der School of Communication der American University in Washington in diesem Fr&#252;hjahr einen au&#223;erordentlich hilfreichen &#8220;<a href="http://www.centerforsocialmedia.org/resources/publications/fair_use_in_online_video/">Code of Best Practices</a>&#8221; aufgestellt und publiziert. Der Text ist ein <em>eye opener</em>. Eine der Kernaussagen: <strong>Fair Use ist ein Recht, kein Privileg. Das Rechtskonstrukt erm&#246;glicht und f&#246;rdert sinnvolles kreatives Arbeiten im gesamtgesellschaftlichen Rahmen, es verhindert es nicht.</strong></p>
<p>Das Papier, an dem zahlreiche Spezialanw&#228;lte mitgewirkt haben, zeigt auf der einen Seite, an welche Grunds&#228;tze sich die Macher halten m&#252;ssen, um nicht auf dem d&#252;nnen Eis einzubrechen, auf dem die nicht lizensierte Nutzung von Fremdmaterial campiert. Es ermuntert aber auch, sich nicht einsch&#252;chtern zu lassen, wenn man den Marktplatz der &#246;ffentlichen Meinung nicht den riesigen Medienkonzernen &#252;berlassen will. Kreativit&#228;t w&#228;chst nur von unten. Von oben kommt nur Druck.</p>
<p>Nach Informationen des Center for Social Media zeigt eine konsequente Pro-Fair-Use-Haltung <a href="http://www.centerforsocialmedia.org/resources/publications/success_of_the_statement_of_best_practices/">eine ganze Reihe von Resultaten</a>: Dokumentarfilme wurden ver&#246;ffentlicht, die andernfalls nie entstanden w&#228;ren. Millionen von Dollar an ungerechtfertigten Lizenzzahlungen werden gespart. Ein signifikantes Beispiel: der Film “<a href="http://www.imdb.com/title/tt0420313/">Wanderlust</a>”, der hochgerechnet rund 400.000 Dollar mehr gekostet und vermutlich nie gemacht worden w&#228;re.</p>
<div id="attachment_16109" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.youtube.com/t/contentid"><img class="size-medium wp-image-16109 " title="YouTube Content ID Match" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/youtube_contentid-300x199.jpg" alt="youtube_contentid" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Content ID Match bei YouTube: Post vom Roboter (Foto: Screenshot YouTube)</p></div>
<p style="text-align: left;">Dass ausgerechnet Google im Zweifel auf der Seite der Konzerne steht und zensiert, ist die wirkliche Ironie der Geschichte. Denn es handelt sich um die gleiche Firma, die ohne Einwilligung von Autoren und Verlagen Millionen B&#252;cher auf den Scanner gelegt hat. Es ist nachvollziehbar, weshalb sich die Firma dem Druck der Multis beugt und Software entwickelt, die optisches Material filtert. Denn die anh&#228;ngigen Schadensersatzprozesse kosten Geld und k&#246;nnen nicht gewonnen werden, wenn das Unternehmen nicht ein Minimum an Konzilianz zeigt.</p>
<p><strong>Nat&#252;rlich kann ich mich bei YouTube &#252;ber die Entscheidung des Zensors beschweren.</strong> Ich w&#228;re gezwungen, der zust&#228;ndigen Abteilung zu erkl&#228;ren, was mein Interviewpartner und ich auf Deutsch &#252;ber die ausgew&#228;hlten fraglichen Filme gesagt haben. Und ich muss allerdings damit rechnen, dass das alles nicht nur lange dauert, sondern auch nichts bringt. Der &#8220;Content ID Match&#8221; blockiert &#252;brigens, wie man in einigen Foren lesen kann, sogar Eigenproduktionen mit purem Originalmaterial.</p>
<p>Da ist es vermutlich sehr viel besser, aus der Taktik zu lernen, die ein ambitionierter Amerikaner eingeschlagen hat. Der testete auf aufw&#228;ndige Weise mit systematisch manipulierten Tonspuren in seinen Videos die Musik-Lese-F&#228;higkeiten der YouTube-Kontrollsoftware und kam zu <a href="http://www.csh.rit.edu/~parallax/">Resultaten</a>, die zeigen, welches System dahinter steckt. Ich habe mich kurzfristig f&#252;r eine andere L&#246;sung entschieden und das Video bei <em>Dailymotion</em> hochgeladen. Dort ist die Aufl&#246;sung schlechter, aber zumindest erreicht es nun ein Publikum.</p>
<p>Wer sich f&#252;r das Video interessiert &#8211; es ist meinem Blog <em>American Arena</em> <a href="http://american-arena.blogspot.com/2009/10/neuer-podcast-die-besten.html">eingebettet</a>.</p>
<p>&#220;brigens: Niemand sollte davon ausgehen, dass er irgendwelche Fair-Use-Rechte aus dem deutschen Urheberrecht ziehen kann. Allerdings w&#228;ren Reformen in eine solche Richtung dringend angeraten.
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<a href="http://carta.info/16106/kontrollsoftware-bei-youtube-post-vom-roboter/">Kontrollsoftware bei YouTube: Post vom Roboter</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/16106/kontrollsoftware-bei-youtube-post-vom-roboter/#comments">6 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=16106&amp;md5=d9cf26b25c48ee71fb7ccfb8cffc2ca4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Meinungsstreit auf dem Niveau des Duells</title>
		<link>http://carta.info/14089/jako-abmahnungen/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 08:51:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[JAKO]]></category>
		<category><![CDATA[Jens Weinreich]]></category>
		<category><![CDATA[Kai Pahl]]></category>
		<category><![CDATA[Trainer Baade]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Beispiel JAKO vs. Trainer Baade zeigt: Der Abmahn-Wahn von Anw&#228;lten gef&#228;hrdet die Existenz von Bloggern und droht, den Meinungsstreit im Netz abzuw&#252;rgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bc44888b79f21f6ea7a90bfedd9ebe" alt="" width="1" height="1" />Irgendwann in den letzten Jahren muss sich im Lebensbild der Tugendhaften die Idee durchgesetzt haben, dass man sich im Meinungsstreit nicht mehr l&#228;nger mit klassischen Mitteln Geh&#246;r verschafft. Man greift nicht zum Telefon und redet miteinander. Man schreibt keine Leserbriefe mehr, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Man verlangt keine Gegendarstellungen, wie sie das Presseerecht vorsieht. Nein, das ist alles <em>old school</em>. Heute l&#228;sst man seinen Anwalt eine <strong>Unterlassungserkl&#228;rung</strong> aufsetzen und gibt sie zusammen mit einer Abmahnung auf die Post.</p>
<p>Rechtlich ist die Sache klar. Das Verhalten der Anw&#228;lte, obwohl meistens unverh&#228;ltnism&#228;ssig und teuer und nur auf dem Klagewege abzuwehren, wird von den Gesetzen und von den Gerichten gedeckt. Auch wenn wir uns damit gesellschaftspolitisch und kulturphilosophisch auf dem <strong>Niveau des Duells</strong> befinden, mit dem einst M&#228;nner von Stand um ihre Ehre k&#228;mpften.</p>
<p>Um ein richiges Duell handelt es sich nat&#252;rlich nur, wenn bei der Wahl der Waffen das Prinzip gilt: Florett gegen Florett, Pistole gegen Pistole. Der deutsche Abmahnwahn produziert jedoch st&#228;ndig Auseinandersetzungen, in denen der wirtschaftlich St&#228;rkere den Schw&#228;cheren so unter Druck setzt, dass dabei nur eine Seite gewinnt – egal ob sie vor Gericht &#252;berhaupt durchk&#228;me. Vielen Empf&#228;ngern der Anwaltspost fehlt der Mut und das Geld, sich mit Hilfe der Justiz gegen ungerechtfertigte &#220;bergriffe zu wehren. Ergebnis: Statt Meinungsstreit wird eine <strong>Kultur der Einsch&#252;chterung</strong> gef&#246;rdert.</p>
<p>Kurioserweise spielen sich neuerdings manche prototypische Auseinandersetzungen im Sportsegment der ver&#246;ffentlichten Meinung ab. Das mag manche &#252;berraschen, die wissen, wie rauh an Stammtischen geredet wird. Tats&#228;chlich spiegeln die Beispiele das <strong>Versagen der traditionellen Medien</strong> wider, die sich sich zusammen mit Athleten und Funktion&#228;ren, den Managern und den Sponsoren im Hintergrund in dem Gef&#252;hl aalen, man sei eine gro&#223;e Familie.<strong> </strong>Das Resultat: ein Alltag, in dem sich die Medien – allen voran das Fernsehen – zu willigen Marketing-Plattformen und Transmissionsriemen instrumentalisieren lassen.</p>
<p>Das durchschauen ganz normale Menschen nat&#252;rlich l&#228;ngst. Und so entwickelte sich online eine Gegen&#246;ffentlichkeit mit einer wachsenden Zahl von Autoren – Blogger wie Kai Pahl von <em>allesausserspor</em>t und Journalisten wie Jens Weinreich – die ein neues, kritisches Nachdenken &#252;ber Sport offerieren.</p>
<p>Weinreich war nicht der erste, dem von Verbandsseite ans Portepee gepackt wurde (diese Ehre geh&#246;rt dem Deutschen Olympischen Sportbund, der den Saft-Blog <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2006/12/19/dosb-vs-saftblog-dosb-drueckt-auf-den-abzugshahn/">in die Mangel nahm</a>. Aber er wurde zu einer <strong>Symbolfigur</strong>: f&#252;r das Risiko, dem man sich aussetzt, und f&#252;r die Solidarit&#228;t der Leser im Netz, die ihm im Rahmen einer Spendenaktion im inzwischen beigelegten Kampf gegen den DFB zumindest den Gegenwert der Anwaltskosten <a href="http://carta.info/1662/wenn-vasen-wackeln-2/">einbrachte</a>. A propos Anwaltskosten: Weinreich hat soeben in einem Blogbeitrag eine Spesenabrechnung <a href="http://jensweinreich.de/?p=5105">vorgelegt</a>. Ihm entstanden demnach im Streit mit Zwanziger Gerichts- und anwaltliche Beratungskosten von mehr als 17.000 Euro. Die wurden von der erw&#228;hnten Spendenaktion, an der sich 848 Menschen beteiligten, so gerade mal aufgefangen.</p>
<p>Weinreich bekam neulich &#252;brigens wieder Post. Diesmal aus dem Umfeld der wegen Doping gesperrten Eisschnell&#228;uferin Claudia Pechstein. Diesmal waren es nicht nur eine Abmahnung, sondern gleich zwei – und zwar in derselben, wortgleichen Angelegenheit. Ein Fall von Schamlosigkeit, mit dem sich die Standesorganisation der Juristen besch&#228;ftigen sollte.</p>
<p>&#196;hnlich schamlos wirkt der j&#252;ngste Fall, in dem ein Anwaltsb&#252;ro den Sportblogger “Trainer Baade” ins Visier nahm und seine Auseinandersetzung mit dem Markenbild der Firma kurzerhand als “Schm&#228;hkritik” einstufte und sich in juristisch abenteuerlicher und anfechtbarer Weise <strong>als Gesch&#228;digte inszenierte</strong>. Die Angelegenheit hat inzwischen durch einen Blogeintrag bei <em>allesaussersport</em> ein anderes Kaliber bekommen: “<a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/09/01/wie-jako-anderen-leuten-das-letzte-trikot-auszieht/">Wie JAKO anderen Leuten das letzte Trikot auszieht</a>”. Die ausf&#252;hrliche Darstellung des Versuchs der Firma JAKO, Trainer Baade wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, sorgte f&#252;r Emp&#246;rung, Kopfsch&#252;tteln, jede Menge Twitter-Traffic und daf&#252;r, dass die Firmenleitung ihr Image-Team aus dem Urlaub zur&#252;ckrufen musste. Mit einem solchen Echo hatten sie nicht gerechnet. Eine erste noch etwas vage Stellungnahme aus dem Haus klang nach “Missverst&#228;ndnis” oder so. Dann wurde laut, dass es doch noch zu einer g&#252;tlichen Einigung kommen k&#246;nnte. Man wird sehen.</p>
<p>Das Nachspiel im Netz dokumentiert vieles: Nicht nur die Lautst&#228;rke der vielen Sympathisanten von Trainer Baade, einem Autor, der die besten Fu&#223;ball-Glossen in Deutschland schreibt. Da wurde auch die berechtigte Sorge laut, dass die neuen Meinungsmedien mit der Keule der Abmahnung mundtot gemacht werden k&#246;nnten. Es dokumentiert aber ebenso die hinreichend bekannte Ein&#228;uigigkeit in der Politik. Dort wird gerne und viel vom angeblich rechtsfreien Raum Internet gefaselt. Tats&#228;chlich wird im Internet zunehmend mit dem <strong>Alibi formaljuristischer Legitimit&#228;t </strong>durchaus Recht praktiziert. Meistens ist es das Recht des St&#228;rkeren.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<title>Olympisch fern sehen und Sport</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Jul 2009 15:53:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Olympische Spiele]]></category>
		<category><![CDATA[Senderechte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehsender sollten  einsehen, dass es nicht zu ihrem Auftrag geh&#246;rt, teuren Sport zu finanzieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a982e8b5740259477ba69e3ae67039" alt="" width="1" height="1" />In fast jedem gr&#246;&#223;eren Land der Welt geh&#246;rt es zum Alltag der Eliten,  sich aufmerksam und pomadig im Spiegel zu betrachten und genussvoll um  den eigenen Bauchnabel zu kreisen, um auf diese Weise zu erforschen,  wie der Rest der Menschheit wohl so ticken k&#246;nnte. Die Innensicht der  Au&#223;ensicht der Innensicht.</p>
<p>In Deutschland stand dieser Reflex zwar jahrzehntelang offiziell auf  der schwarzen Liste, weil dadurch die unfrohe Erinnerung an das  na(r)zis(s)tische Debakel wach gerufen wurde. Aber ausgerottet wurde er  nicht. Er tobte sich nur – gut kaschiert – in anderen Segmenten des  gesellschaftlichen Alltags aus.</p>
<p>Im Sport zum Beispiel, wo man sich mit einer Fu&#223;ballnationalmannschaft  identifizieren kann, die tradionell zu den besten der Welt geh&#246;rt und  die Mythologie mit dem “Wunder von Bern” bereichert hat. Wo man bei  Olympischen Spielen seit den denkw&#252;rdigen Tagen von Berlin 1936 im  Medaillenspiegel zwar nicht mehr mit den &#220;berm&#228;chten wie den USA,  Russland (vorher UdSSR) und neuerdings China Schritt halten kann, aber  sich notgedrungen auch an Disziplinen begeistert wie  Synchron-Turmspringen oder Dressurreiten.</p>
<p>Der <strong>Faszinationsmechanismus</strong> funktioniert vermutlich so &#228;hnlich wie bei  den Modeweinen, die immer etwa f&#252;nf Jahre lang brauchen, bis sogar die  Frau an der Kasse im Supermarkt wei&#223;, welche Sorte man trinken muss,  um als Kenner zu gelten. Nach weiteren f&#252;nf Jahren haben sich alle den  immer gleichen Geschmack leidgetrunken. Im Sport haben wir uns auf  diese Weise eine Zeitlang an Tennis besoffen. Und dann an Skispringen.  Radrennfahrer waren auch mal penetrant popul&#228;r. Dieser Tage erreicht  die Abw&#228;rtsbewegung in der Geschmackskurve gerade solche Kuriosit&#228;ten  wie Boxen und Biathlon. Nicht schlimm: Die Triathleten stehen bereit.  Snowboarder k&#246;nnten L&#252;cken schlie&#223;en.</p>
<p>Die Beispiele zeigen, dass Spitzensport jenseits der etablierten  gro&#223;en Ligen in wenigen Mannschaftssportarten weltweit trendabh&#228;ngig  ist und von der Hand in den Mund lebt. Das Fernsehen leistet einen  erheblichen Teil in der besinnungslosen Verwertungs- und  Verwurstungskette: Es sch&#252;ttet Geld in die Maschine und erzeugt  Aufmerksamkeit. Dieser Mechanismus ist mitverantwortlich f&#252;r die  Bereitschaft von Athleten zum Doping und zum Betrug und f&#252;r den  Zynismus der Hinterm&#228;nner, die ein idealtypisches Bild von einem  sauberen Sport auf die Fahnen geheftet haben, das sich naiven  Sponsoren aus der Industrie verkaufen l&#228;sst, die die Medienpr&#228;senz von  Sport als Vehikel f&#252;r ihre eigenen Gesch&#228;fte nutzen.</p>
<p>Da ist es nachgerade absurd, dass ausgerechnet die Geb&#252;hrenzahler des  &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehens solche Netzwerke mit ihrem Geld  f&#252;ttern. Genauso wie die Tatsache, dass das nach eigener Einsch&#228;tzung  so anspruchsvolle &#246;ffentlich-rechtliche Fernsehen keine Distanz zum  Thema Sport herstellen kann, sondern sich lieber als  Transmissionsriemen von Interessen einspannen l&#228;sst, die in einem  effektiv unkontrollierbaren, immer h&#228;ufiger auf Pump in  Milliardengr&#246;&#223;enordnungen basierenden, grenzen&#252;berschreitenden <strong>Kartell</strong> das Unterhaltungsbed&#252;rfnis der Massen bedienen.</p>
<p>Aber weil es an der notwendigen Distanz fehlt, darf man sich &#252;ber das  Lamento nicht wundern, das Bernd G&#228;bler in seiner neuesten Kolumne bei  stern.de aufgreift (siehe <em><a href="http://www.stern.de/unterhaltung/tv/:Medienkolumne-Das-Schachern-Olympia-Rechte/707311.html?eid=634649">Das Schachem um die Olympiarechte</a></em>). Da beklagen sich Vertreter des Geb&#252;hrenfernsehens doch tats&#228;chlich  dar&#252;ber, dass das IOC ihnen nicht mehr einfach f&#252;r vergleichsweise  kleines Geld die &#220;bertragungsrechte f&#252;r die Olympischen Spiele 2014  und 2016 &#252;berl&#228;sst. Die Olympiabosse hatten n&#228;mlich das Lizenzpaket,  das sonst immer geschlossen an die <em>European Broadcasting Union</em> (EBU)  ging, einem Makler in die Hand gedr&#252;ckt, der mit jedem einzelnen Land  Vertr&#228;ge abschlie&#223;en darf und nun hofft, dass die ARD, das ZDF und die  BBC im Wettbewerb mit Privatsendern wie SAT1, RTL oder Sky mehr  bieten als sie bisher gezahlt haben.</p>
<p>Was bei den Beschwerden stets untergeht, ist die Frage: <strong>Wer leidet  eigentlich wirklich darunter, sollten die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender dabei den K&#252;rzeren ziehen?</strong> Die Sportler, die in den  Glanzsportarten hinreichend Geld verdienen und in Deutschland  obendrein in einem beachtlichen Umfang vom Steuerzahler als Soldaten  oder Polizisten alimentiert werden? Oder vielleicht die Zuschauer, die  wom&#246;glich nicht mehr wochenlang von morgens bis abends z&#228;h  dahinzappelnde Veranstaltungen mit Athleten aus 200 L&#228;ndern geboten  bekommen, die keiner kennt (die Athleten nicht und auch nicht die  L&#228;nder)? Die Modernen F&#252;nfk&#228;mpfer und andere Exoten, die sowieso  niemand wahr nimmt? Oder leidet am Ende doch nur das Selbstverst&#228;ndnis  der Programmverantwortlichen, die nicht von alten Gewohnheiten lassen  k&#246;nnen? Wozu in Deutschland die absurde Sondersituation geh&#246;rt, dass  man nicht ein Team, sondern gleich zwei komplette Reporter-,  Redakteur- und Technik-Teams an die Veranstaltungsorte schickt – von  ARD <em>und</em> ZDF.</p>
<p>Was hat das mit dem eingangs erw&#228;hnten Bauchnabel zu tun, um den in  Deutschland bei solchen Themen gekreist wird? Das Betrachten desselben  f&#252;ttert ein falsches Selbstwertgef&#252;hl und f&#246;rdert Verzerrungen in der  Einsch&#228;tzung der wahren Verh&#228;ltnisse. Nur so l&#228;sst sich die Warnung  von ARD-Programmdirektor Volker Herres erkl&#228;ren (zitiert nach G&#228;bler):  &#8220;Sollte es zu einem Verlust der Fernsehrechte an den Olympischen  Spielen kommen, w&#252;rde dies zahlreiche, vor allem kleinere Sportarten,  entwerten. Wir w&#252;rden unser Engagement zwischen den Spielen f&#252;r jede  Einzelsportart &#252;berpr&#252;fen.&#8221; Da fragt man sich: Warum so lange warten?  Warum wird nicht bereits jetzt &#252;berpr&#252;ft? Oder anders: Warum wurde es  nicht schon vor Jahren getan?</p>
<p>Dass es dem IOC um viel Geld geht, ist sp&#228;testens seit 1984 klar, als  die Spiele von Los Angeles erstmals in der Geschichte der Spiele  enorme &#220;bersch&#252;sse erwirtschafteten. Dass Superstars die Plattform  bev&#246;lkern d&#252;rfen, um Publikum neugierig zu machen, wurde 1992  etabliert, als das Dream-Team der USA den Rest der Welt mit  attraktiven Basketball an die Wand spielte. Die Ver&#228;nderungsprozesse  gehen weiter. Wozu geh&#246;rt, dass inzwischen das ganze antiquierte  olympische Sammelsurium aus Kanu und Judo, Segeln und  Tontaubenschie&#223;en nur noch dann als medienrelevant wahrgenommen wird,  wenn es Event-Charakter bekommt. Auch das ist nicht neu. An dem Rad  haben die &#214;ffentlich-Rechtlichen doch gerade in Deutschland bis zum  Erbrechen selber gedreht –mit den Klitschkos und anderen Import-Boxern  aus L&#228;ndern, in denen die ARD und das ZDF von niemandem empfangen  werden. Wenn das Geb&#252;hrenfernsehen eine Chance auf Neubesinnung im  Umgang mit Sport h&#228;tte, dann jetzt. Jetzt, da ihm vom IOC die kalte  Schulter gezeigt wird. Dazu m&#252;sste man aber den Kopf nach oben bringen  und nach vorne schauen. Am besten in die Zeit nach 2016. Wenn die  Olympischen Spiele unter der Last der eigenen Gr&#246;&#223;enwahns  zusammenfallen.</p>
<p><em>Siehe dazu auch vom gleichen Autor: <a href="http://carta.info/6701/gold-silber-bronze-und-das-alte-eisen/">Gold, Silber und das alte Eisen.</a></em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=12685&amp;md5=3e9f942b88a4166e23f4d67ce2d712c8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gold, Silber, Bronze und das alte Eisen</title>
		<link>http://carta.info/6701/gold-silber-bronze-und-das-alte-eisen/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2009 14:06:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[IOC]]></category>
		<category><![CDATA[Olympische Spiele]]></category>
		<category><![CDATA[Sponsorengelder]]></category>

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		<description><![CDATA[In Denver sind am Wochenende die Mitglieder des Exekutivkomitees des IOC zusammenkommen, um sich mit den Auswirkungen der Finanzkrise und dem schwelenden Streit um die Verteilung von hunderten von Millionen von Sponsorengeldern zu besch&#228;ftigen. Nicht auf der Tagesordnung: Der schleichende Selbsttaufl&#246;sungsprozess der Organisation und einer Idee, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/45c2d9734cdfc8047d40b91fdff146" alt="" width="1" height="1" /><br />
Mir dr&#228;ut schon l&#228;nger, dass die &#8220;Olympischen Spiele der Neuzeit&#8221;, wie sie immer gerne genannt werden, mit ihrem Gold-, Silber- und Bronzekram demn&#228;chst zum alten Eisen geh&#246;ren werden. Die Prognose von dieser Stelle lautet:<strong> Nach 2016 Chicago wird das Licht ausgemacht</strong>.</p>
<p>Klingt gewagt, wird aber immer wahrscheinlicher. Erstens weil dieser Sportarten-Mix hundert Jahre nach der Erfindung der Mischung nur noch sehr wenig mit der Interessenlage des Publikums zu tun hat. Man kann zwar so tun, als lie&#223;e sich an Turnen oder Leichtathletik oder Eiskunstlauf im Vier-Jahres-Turnus hinreichend Interesse erzeugen. Aber dabei handelt es sich um Selbstbetrug. W&#252;rden die Olympischen Spiele &#252;ber Eintrittsgelder im Stadion oder in der Halle finanziert, w&#228;re diese Traumvorstellung vielleicht noch eine Weile l&#228;nger gestattet. Aber die Spiele werden von Sponsoren und Fernsehgeldern getragen (und refinanziert durch Werbeinnahmen, die aus den Kassen der gleichen Sponsoren kommen). <strong>Und diese Firmen wollen einen ROI, einen return on investment</strong>. Und was bekommen sie stattdessen? Einen Wasserkopf plus zahllose von Verb&#228;nden organisierte quasiindustrielle Trainingskomplexe, die alle immer teurer werden, aber weder den olympischen Gedanken noch das Interesse an sportlichen Wettk&#228;mpfen f&#246;rdern.</p>
<p>In den Gew&#246;lbekellern der olympischen Strukturen hausen die Termiten: die Manipulateure, die mit Geld (Stichwort: <strong>Korruption</strong>) und mit Chemie (Stichwort <strong>Doping</strong>) den Ausgang der Ereignisse beeinflussen. Und es liegt zum anderen daran, dass die olympische Idee aus einem Vielnationen-Europa stammt, in dem es eine jingoistische Rivalit&#228;t der gro&#223;en L&#228;nder gab, die im Sport ein Ventil f&#252;r ihre kriegsl&#252;sterne, menschenverachtende, politische Grundeinstellung sah.</p>
<p>In der Zeit des Kalten Kriegs wurde diese Rivalit&#228;t ein letztes Mal zum Spannungsfaktor f&#252;r Sport, als zuerst die Sowjetunion die Hegemonie der Altm&#228;chte in Frage stellte und dann die DDR mit einer effizienten Leistungsfabrik, wie es sie noch nie gegeben hatten, den alten Amateurbegriff endg&#252;ltig aushebelte. Die hohe Zeit wurde &#252;brigens von Leichtathletikl&#228;nderk&#228;mpfen markiert, die zwei Tage lang dauerten und riesige Stadien f&#252;llten. <strong>Sport als Symbol und Identifikationsszenario f&#252;r den Wettstreit der Systeme</strong> — ja, das hatte noch was. Das machte Lust auf mehr.</p>
<p>Schauen wir nach vorne und malen wir uns aus, was uns wohl in der Zukunft Lust auf mehr machen wird, kommt man ganz bestimmt nicht auf Leichtathletik oder Schwimmen, die beiden Kernelemente der Sommerspiele. Man kommt eigentlich auf gar nichts. Was nicht weiter schlimm sein sollte. Das hat es schon immer gegeben, dass Strukturen und Organisationsweisen verschwinden, die eine Zeitlang &#252;berhaupt nicht wegzudenken waren. Der Adel, der vor hundert Jahren noch das Heft in der Hand hatte, ist heute nur noch so eine Art Deko. Der real existierende Sozialismus, der einst unverr&#252;ckbar und machtvoll schien, ist zerkr&#252;melt. Kolonien wurden in die Unabh&#228;ngigkeit entlassen und k&#246;nnten, wie etwa im Falle Indiens, noch eines Tages ziemlich gro&#223; raus kommen. Und dass die neue Generation der Oligarchen (egal aus welchem Land) am Ruder bleibt, darf man bezweifeln. Denn bei denen handelt es sich nicht um n&#252;tzliche Mitglieder des Sozialverbands, sondern um <strong>Parasiten, die notfalls mit purer Brutalit&#228;t ihre Machtstellung behaupten</strong>.</p>
<p>Warum dieses Traktat heute und an dieser Stelle? Weil im IOC, dessen Exekutivkomitee sich in diesen Tagen in Denver trifft, um unter anderem &#252;ber die <strong>Verteilung der Sponsorengelder zwischen dem US-NOK und dem Rest der Welt</strong> zu verhandeln, alle Zeichen auf GAU stehen. Die Vergabe der Spiele 2016 wird im Oktober entschieden. Die US-Stadt Chicago ist ein starker Kandidat (gegen Hauptgegner Tokio). Die Fernsehrechte sind f&#252;r diesen Termin aber ungekl&#228;rt. Der gr&#246;&#223;te Teil des Fernsehgeldes kommt nat&#252;rlich auch aus den USA. Und dort sind die Spiele in fernen Zeitzonen nur schwer gut im Fernsehen zu pr&#228;sentieren. Besonders im Zeitalter des Internets. Weshalb man mit Sydney und Athen (aber auch bei den Winterspielen aus Turin) irre Klimmz&#252;ge sehen konnte.</p>
<p>Im Verteilungskampf um ein knappes Gut– das liebe Geld – haben sich die wichtigen Leute auf beiden Seiten schon mal die Schienbeinschoner angezogen. Dieser Kampf wird kein sportliches Spiel nach guter alter Sitte werden und nach dem Motto „Dabei sein ist alles&#8221; ablaufen.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		<title>Urteil gegen Hartplatzhelden: Nicht zur Nachahmung empfohlen</title>
		<link>http://carta.info/6667/hartplatzhelden-urteil/</link>
		<comments>http://carta.info/6667/hartplatzhelden-urteil/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2009 22:57:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit dem Urteil gegen das Videoportal Hartplatzhelden hat sich ein neues Rechtskonstrukt durchgesetzt: Bei einem Amateurvideo vom Fu&#223;ballplatz handelt es sich um eine "Nachahmung", nicht um ein eigenst&#228;ndiges Werk. Damit wird ganz normalen B&#252;rgern das Recht abgesprochen, mit einer ganz normalen Videokamera auf einem ganz normalen Fu&#223;ballplatz ganz normale Bilder zu drehen und zu ver&#246;ffentlichen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/483fcd78d8266b9fa9947ccc13ab12" alt="" width="1" height="1" /><br />
Das Oberlandesgericht Stuttgart (OLG) hat am Donnerstag in zweiter Instanz die Unterlassungsklage des W&#252;rttembergischen Fu&#223;ball-Verbands (WFV) gegen das Videoportal <a href="http://www.hartplatzhelden.de/">Hartplatzhelden</a> best&#228;tigt:  Hartplatzhelden darf demnach auf seinen Seiten keine Videos von Amateurfu&#223;ballspielen des Verbands mehr zeigen:</p>
<blockquote><p>Das Oberlandesgericht best&#228;tigt, dass der W&#252;rttembergische Fu&#223;ballverband verlangen darf, dass der private Betreiber „Filmaufzeichnungen von Fu&#223;ball-Verbandsspielen [...] , die im Verbandsgebiet des Kl&#228;gers ausgetragen werden und f&#252;r die der Kl&#228;ger oder seine Organe spielleitende Stelle sind“, unterlassen muss.<span style="color: #ffffff;"><br />
<span style="color: #000000;">&#8230;</span></span></p>
<p>Das Landgericht Stuttgart ist mit diesem Verbotsurteil dem Vorbringen des W&#252;rttembergischen Fu&#223;ballverbands gefolgt, dass er Veranstalter der Fu&#223;ballspiele im Amateurbereich sei und ihm als solchem das alleinige Verwertungsrecht zustehe, das die Beklagte unter Versto&#223; gegen das wettbewerbsrechtliche Nachahmungs- und Behinderungsverbot rechtswidrig verletzt habe.</p></blockquote>
<p>Mehr zur Entscheidung <a href="http://www.olg-stuttgart.de/servlet/PB/menu/1240612/index.html?ROOT=1182029">hier</a>.</p>
<p>Es ist traurig genug, dass die Hartplatzhelden nun erneut verloren haben. Die Sache kann nur dann weiter ausgefochten werden, wenn das von viel Enthusiasmus getragene Portal eine gro&#223;e Zahl an Menschen findet, die es mit <strong>Spenden</strong> unterst&#252;tzen. Aber was noch viel trauriger ist, ist die Art und Weise, wie nun bereits ein zweites Gericht in Deutschland ein Gesetz auslegt, das bereits in seiner &#220;berschrift klar macht, dass es im Wirtschaftsgeschehen ein Rechtsgut gibt, dass es zu sch&#252;tzen gilt: den Wettbewerb. Wo kein Wettbewerb ist, da ist kein Markt. Und wo kein Markt ist, da regieren die Monopolisten. Und <strong>wo die Monopolisten regieren, ist das sch&#246;ne Grundgesetz und der ganze Rechtsrahmen nicht viel wert, der auf dem Papier immer so attraktiv aussieht</strong>.</p>
<p>Sicher, das Kompendium, &#252;ber das wir hier reden, tr&#228;gt den vollst&#228;ndigen Titel &#8220;Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb&#8221; (UWG). Und das wollen wir auch gar nicht unterschlagen. Aber die Zuspitzung ist philosophisch betrachtet eher unbedeutend. Dabei handelt es sich um einen Sonderfall des nicht funktionierenden Wettbewerbs. Einen, in dem sich jemand einen Vorteil verschafft, der ihm nach unserem Rechtsverst&#228;ndnis nicht zusteht, Denn, so sagt es das Gesetz: Es gibt &#8220;gesch&#228;ftliche Handlungen&#8221;, die dazu geeignet sind, die &#8220;Interessen von Mitbewerbern, Verbrauchern oder sonstigen Marktteilnehmern sp&#252;rbar zu beeintr&#228;chtigen&#8221;. Und das wird – gut so! – durch das UWG untersagt. <strong>Und warum wird das untersagt? Damit der Wettbewerb so fair wie m&#246;glich funktioniert.</strong></p>
<p>Das Wort &#8220;sp&#252;rbar&#8221; steht da ganz bestimmt nicht zuf&#228;llig. Denn es geht im Streitfall auch darum, das Ausma&#223; der Beeintr&#228;chtigung ziemlich genau abzupr&#252;fen. Im konkreten Fall h&#228;tte der WFV also beweisen m&#252;ssen, dass seine Gesch&#228;fte durch die Videos der Hartplatzhelden &#8220;sp&#252;rbar&#8221; betroffen gewesen w&#228;ren. Er h&#228;tte eine &#252;berzeugende Antwort auf die Frage geben m&#252;ssen: Auf welche Weise haben die Hartplatzhelden dem Verband die M&#246;glichkeit genommen oder diese auch nur eingeschr&#228;nkt, seine eigenen Videos zu drehen und ins Netz zu stellen und daf&#252;r Geld zu bekommen? Die Antwort wurde nicht erbracht. Aber das war auch nicht n&#246;tig.</p>
<div id="attachment_6671" class="wp-caption aligncenter" style="width: 461px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/hardplatz.jpg"><img class="size-full wp-image-6671" title="hardplatz" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/hardplatz.jpg" alt="sdsdsd" width="451" height="302" /></a><p class="wp-caption-text">Neues Konstrukt: Bei einem Amateurvideo vom Fu&#223;ballplatz handelt es sich um eine &quot;Nachahmung&quot; einer Ware oder Dienstleistung</p></div>
<p>Denn das Oberlandesgericht ist auf eine andere Idee verfallen, um den monopolistischen Interessen des Verbandes nachzukommen, die nichts anderes beabsichtigen, als den Wettbewerb auszuschalten, den das Gesetz im Prinzip sch&#252;tzen und erm&#246;glichen soll. Es hat sich eine Auslegung von Paragraph 4, Absatz 9 zu eigen gemacht, die ein neues Rechtskonstrukt schaffen musste, um eine Entscheidung zu Gunsten des Verbandes &#252;berhaupt mit <strong>einem Anstrich von Logik </strong>auszustatten. In dem fraglichen Absatz des Gesetzes hei&#223;t es: Es handelt unlauter (und beintr&#228;chtigt mithin &#8220;sp&#252;rbar&#8221; und auf unfaire Weise den Mitbewerber), wer &#8220;Waren oder Dienstleistungen anbietet, die eine Nachahmung der Waren oder Dienstleistungen eines Mitbewerbers sind, wenn er<br />
a) eine vermeidbare T&#228;uschung der Abnehmer &#252;ber die betriebliche Herkunft herbeif&#252;hrt,<br />
b) die Wertsch&#228;tzung der nachgeahmten Ware oder Dienstleistung unangemessen ausnutzt oder beeintr&#228;chtigt oder<br />
c) die f&#252;r die Nachahmung erforderlichen Kenntnisse oder Unterlagen unredlich erlangt hat&#8230;&#8221;</p>
<p>Das neue Rechtskonstrukt lautet: <strong>Bei einem Amateurvideo vom Fu&#223;ballplatz handelt es sich um eine &#8220;Nachahmung&#8221; einer Ware oder Dienstleistung</strong> (in diesem Fall einer oder mehrerer beliebiger Fu&#223;ballszenen von einem irgendeinem Platz irgendwo in der Provinz). In den Zitaten aus der Berichterstattung &#252;ber das Urteil lie&#223; sich nicht genau erkennen, wie das Gericht auf diesen <strong>R&#246;sselsprung</strong> gekommen ist. Das h&#228;tte ich deshalb wirklich mal gerne erkl&#228;rt.</p>
<p>Nachahmung? Von was? Ein Video im vorliegenden Fall *) ist zuerst einmal ein Original. Im Sinne des Urheberrechts handelt es sich um ein Werk, dem ein Sch&#246;pfungsgang zu Grunde liegt. Es ahmt nichts nach, es stellt dar. Es stellt etwas her, was andernfalls gar nicht existieren w&#252;rde: die Abbildung einer Szene. Als solche unterliegt diese Abbildung sogar einem besonderen Schutz. N&#228;mlich dem des Urheberrechts. Das schlie&#223;t ein: Der Urheber kann dieses Recht verwerten, und zwar egal ob kommerziell oder nicht. Und kein Verband (oder Gericht) kann ihm dieses Recht streitig machen. Wenn aber ein Oberlandesgericht erkl&#228;rt, dass dieses Video nur auf eine Weise ausgewertet werden kann, n&#228;mlich &#252;ber den Fu&#223;ballverband, <strong>hebt es genau an dieser Stelle das Urheberrecht auf</strong>. Und den Wettbewerb um Videos vom Fu&#223;ballplatz dazu.</p>
<p>Das Interessante an der Entscheidung des OLG ist tats&#228;chlich, dass die Richter dieses Recht der Videobesitzer auf die Auswertung ihrer eigenen, ihnen geh&#246;renden Aufnahmen offensichtlich einfach elegant ignoriert haben, in dem sie munter ihr <strong>Konstrukt erfanden, wonach Videoaufnahmen, die die Wirklichkeit abbilden, eine &#8220;Nachahmung&#8221; seien</strong>. Das ist der eigentliche Skandal, der leider untergeht, wenn man den anh&#228;ngigen Streit nur als Auseinandersetzung zwischen den Hartplatzhelden und dem WFV definiert. Es geht hier n&#228;mlich tats&#228;chlich um etwas anderes und um viel mehr:<strong> um das Recht eines ganz normalen B&#252;rgers mit einer ganz normalen Videokamera auf einem ganz normalen Fu&#223;ballplatz ganz normale Bilder zu drehen. </strong>Wenn das nicht verboten ist (und wie k&#246;nnte das Wettbewerbsrecht das auch untersagen?), dann ist auch die Verwertung nicht verboten. Und dann kann ich auch weiterhin auf den Fu&#223;ballpl&#228;tzen im S&#252;dwesten Deutschland Videos drehen und entscheiden, auf welcher Plattform sie ver&#246;ffentlicht werden.</p>
<p>Weshalb es in diesem Zusammenhang auch gar nicht nur um eine Solidarit&#228;t mit den Hartplatzhelden geht, sondern um mehr. Es geht um die ureigenen Rechte von uns allen. Und deshalb sollten so viele Menschen wie m&#246;glich die Hartplatzhelden unterst&#252;tzen. Sie sind die einzigen, die momentan bereit sind, diesen Kampf zu f&#252;hren. Sie brauchen daf&#252;r Geld. Mehr Informationen gibt es <a href="http://www.hartplatzhelden.de/static/html/hph/spendenaufruf.html">hier</a>.</p>
<p><span style="font-size: 85%;">*) Es w&#228;re eine ganz anderes Thema, wenn wir &#252;ber Duplikate reden w&#252;rden, also &#252;ber Videos, deren Originalversion dem WFV geh&#246;ren, und die dann jemand als nachgeahmte &#8220;Ware oder Dienstleistung unangemessen ausnutzt&#8221;. In einem solchen Fall w&#228;re der Nachahmungsbegriff sinnvoll eingesetzt. Aber es gibt diese WFV-Videos nicht. Und die Hartplatzhelden haben die nicht existierenden Videos auch nicht kopiert (oder nachgeahmt). Obendrein hat der WFV nicht mal behauptet, dass ihm urheberrechtlich irgendetwas an den Fu&#223;ballspielen geh&#246;rt. Eine Streitfrage, die &#252;brigens in den USA bereits h&#246;chstrichterlich entschieden wurde. Nein, sagte der Supreme Court, den Ablauf eines Ballspiels kann der Betreiber nicht urheberrechtlich sch&#252;tzen. Das mag das Bundesverfassungsgericht anders sehen. Aber auf eine solche Begr&#252;ndung w&#228;re ich sehr gespannt.</span></p>
<p>Mehr:</p>
<ul>
<li>J&#252;rgen Kalwa:<a href="http://american-arena.blogspot.com/2007/11/mehr-schlecht-als-recht-die-attacke.html">Blick zur&#252;ck: Die Attacke auf die Hartplatzhelden, Teil 1</a></li>
<li>Heise.de: <a href="http://www.heise.de/newsticker/Hartplatzhelden-liegen-0-2-hinten--/meldung/134855">Hartplatzhelden liegen 0:2 hinten</a></li>
<li>Spiege Online: <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,613730,00.html">Showdown um die Sportschau der Kreisliga</a></li>
</ul>
<p>J&#252;rgen Kalwa blogt unter <a href="http://american-arena.blogspot.com/">American Arena</a>, wo auch <a href="http://american-arena.blogspot.com/2009/03/zur-nachahmung-nicht-empfohlen-das.html">dieser Beitrag</a> in &#228;hnlicher Form erschienen ist.</p>
<p class="post-footer-line post-footer-line-1"><span class="post-author"> </span><span class="post-icons"><span class="item-control blog-admin pid-1443883172"><a title="Post bearbeiten" href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=31384177&amp;postID=6743179270537322985"> </a> </span> </span></p>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=6667&amp;md5=59da45f244efe6caa12302804041f778" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>DFB vs. Blogs: Wenn Vasen wackeln &#8230;</title>
		<link>http://carta.info/1662/wenn-vasen-wackeln-2/</link>
		<comments>http://carta.info/1662/wenn-vasen-wackeln-2/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2008 12:41:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jens Weinreich]]></category>
		<category><![CDATA[Theo Zwanziger]]></category>

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		<description><![CDATA[Fu&#223;ballblogs zeigen dem DFB und Theo Zwanziger (Foto) die neue Relativit&#228;t der eigenen Medienmacht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man entdeckt Blogs meistens nicht zuf&#228;llig, sondern auf der Suche nach Informationen, die man nicht in den klassischen Quellen findet. Mein Aha-Erlebnis liegt schon eine Weile zur&#252;ck. Es war im Sommer 2005, als es die amerikanische Journalistin Judith Miller vorzog, monatelang ins Gef&#228;ngnis zu gehen, anstatt sich zu einer Zeugenaussage in einem Ermittlungsverfahren zu bequemen, durch das ein ganz besonders infames Beispiel des Machtmissbrauchs der amerikanischen Regierungsspitze aufgekl&#228;rt werden sollte – die Preisgabe der Identit&#228;t der hochrangigen CIA-Mitarbeiterin Valerie Plame. Die allgemeine Informationslage im Mainstream war damals von Zur&#252;ckhaltung gepr&#228;gt, insbesondere bei der <span>New York Times</span>, bei der Miller in Lohn und Brot stand. Das Vakuum war gro&#223;, aber es wurde von einer Reihe von Blogs gef&#252;llt, darunter von dem des Journalismus-Professors <a href="http://journalism.nyu.edu/pubzone/weblogs/pressthink/">Jay Rosen</a> von der Columbia University in New York.</p>
<p>Ich werde das Gef&#252;hl nicht los, dass in der letzten Woche in Deutschland in einem etwas anderen Themensegment und auf etwas niedrigerem Niveau etwas &#228;hnliches passiert ist: Dass viele Menschen, die sich f&#252;r Fu&#223;ball und f&#252;r Sportmedien interessieren, entdeckt haben, <strong>was Blogs leisten k&#246;nnen</strong>. Ich bin mir zwar sicher, dass die Autoren vom <span>Spiegel,</span> die neulich in einem ausf&#252;hrlichen <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,567038,00.html">Artikel</a> &#252;ber das &#8220;<strong>Blog-Entwicklungsland&#8221; Deutschland</strong> gel&#228;stert haben (&#8220;Hier regieren allenfalls Beta-Blogger statt massenmediale Alphatiere&#8221;) diesen Vorgang genauso abtun werden wie das auch in anderen, so genannten Qualit&#228;tsmedien gerne geschieht. Aber ich nehme das schon l&#228;nger nicht mehr ernst. Solche Darstellungen entspringen dem mangelhaften Neugierverhalten in deutschen Redaktionen, wo das Vergn&#252;gen der (fest angestellten) Journalisten daran, sich mit dem eigenen Bauchnabel und dem Status Quo zu besch&#228;ftigen, gr&#246;&#223;er ist als das Interesse daran, die Verschiebung der tektonischen Platten unter ihren eigenen F&#252;&#223;en zu vermessen.</p>
<p>Andere Leute werden trotzdem gesp&#252;rt haben, was da am Wochenende – einem leichten Erdbeben gleich – in der deutschen Medienlandschaft passiert ist. Sie haben gesehen, wie da ein paar Vasen im Regal gewackelt haben, als sie beim Spaziergang durch das alternative Informationsangebot die Geschichte rund um das Vorgehen des Deutschen Fu&#223;ballbundes gegen einen kritischen Journalisten zusammengetragen haben. Das Wackeln k&#246;nnte noch st&#228;rker werden, wenn der Hauptbetroffene, der Kollege Jens Weinreich, die Attacke der DFB-Spitze mit rechtlichen Schritten beantwortet. Denn wenn der Fall eine Gewissheit produziert hat, dann diese: Die Machtmenschen aus Frankfurt, gewohnt nach alten Medienregeln mit der undifferenzierten Kraft eines King Kong herumzuw&#252;ten, haben in diesem (von ihnen ohne Not aufgeworfenen) &#246;ffentlichen Streit ganz schlechte Karten. Sie m&#252;ssen aufgrund ihres eigenen Mangels an Realit&#228;tssinn einen ziemlich starken Imageverlust bef&#252;rchten.</p>
<p>Und alles nur wegen dieser neuen Kommunikationsplattform namens Blogs, die vom Establishment so gerne bel&#228;chelt oder ignoriert werden. <strong>Blogs sollten hiermit dem letzten Skeptiker eine ernsthafte Lektion in Sachen Medienrealit&#228;t erteilt habe</strong><strong>n:</strong> Ohne sie h&#228;tte <a href="http://american-arena.blogspot.com/2008/11/der-gtige-oligarch.html">die ganze Sache</a> nie begonnen, w&#228;re sie nicht &#246;ffentlich abgehandelt worden und w&#228;re die verlogene Kampf- und Kampagnenmentalit&#228;t der DFB-Spitze wohl kaum aufgedeckt worden. Ich wei&#223; nicht, wieviele tausende von Lesern sich auf Blogs wie <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">diesem </a>oder <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dfb-diffamieren-statt-klagen/#comments">diesem</a> oder<a href="http://www.direkter-freistoss.de/2008/11/15/die-lugen-des-dfb/">diesem</a> oder <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/11/15/befreit-theo-zwanziger/">diesem</a> oder meinetwegen auch bei <span>American Arena </span>einen Eindruck von der Geschichte gemacht haben und anschlie&#223;end den Links gefolgt sind, um die Dokumente, die Screenshots, die Argumente und die Kommentare zu verfolgen. Aber ich habe durchaus eine gewisse Vorstellung von der Zahl der Neugierigen und von ihrem Interesse am Thema. Auch hier kamen schlie&#223;lich viel mehr Leser als sonst vorbei.</p>
<p>Das w&#252;rde sich qualitativ kaum messen lassen, w&#252;rde man nur den Mainstream auswerten. Es gab bislang nur Geschichten in der <span><a href="http://www.ftd.de/sport/:Neuer-Prozess-Zwanzigers-Heimspiel/438378.html">Financial Times</a>,</span> der <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/1630746_Zwanzigers-verbissener-Kampf.html"><span>Frankfurter Rundschau</span> </a>und ein Kommentar im <a href="http://jensweinreich.de/?p=1811"><span>Deutschlandfunk</span></a>. Und <strong>s</strong><strong>ie alle haben einen entscheidenden</strong> <strong>medienimmanenten Mangel</strong>: So ausf&#252;hrlich und detailliert sie auch sein m&#246;gen, <strong>sie </strong><strong>s</strong><strong>tellen nicht jene Transparenz her</strong>, die durch die Arbeit von Jens Weinreich selbst produziert wurde. Die Argumentation des Landgerichts Berlin gegen Zwanzigers Antrag auf Einstweilige Verf&#252;gung (kann man <a href="http://jensweinreich.de/?p=1437">hier</a> finden). Der Vorfall in Gie&#223;en (Zwanziger wirft einem Journalisten &#8220;demagogische Fragen&#8221; vor) wird <a href="http://jensweinreich.de/?p=1547">hier</a> abgehandelt und verlinkt. Die Frage, ob Weinreich tats&#228;chlich eine irgendgeartete Erkl&#228;rung abgegeben hat, die Zwanziger dazu brachte, von der geplanten Klage abzusehen – kann man anhand dieser <a href="http://jensweinreich.de/?p=1722">Kopie eines Schreibens</a> seines Anwalts sehr viel besser beantworten. Das alles setzt einen neuen Standard f&#252;r Belegarbeit im kritischen Journalismus voraus. Genauso wie die Informationen, die man aus dem <a href="http://www.direkter-freistoss.de/2008/11/06/ich-bin-kein-prozesshansel/">ausf&#252;hrlichen Interview</a> von Oliver Fritsch mit Theo Zwanziger destillieren konnte. Genauso wie Stefan Niggemeiers <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dfb-diffamieren-statt-klagen/#comments">Analyse</a> der am Freitag von Generalsekret&#228;r Wolfgang Niersbach losgetretenen Kampagne gegen Jens Weinreich.</p>
<p>Ohne diese Arbeit h&#228;tte die Presseerkl&#228;rung des DFB am Freitag vermutlich eine Flut von Agenturberichten und eine beachtliche Resonanz in den Zeitungen ausgel&#246;st. <strong>Welche nicht weiter involvierten Sportjournalisten h&#228;tten schon das Wort des m&#228;chtigen Fu&#223;ballverbands angezweifelt und die infame DFB-Aktion durch eigene Recherchen und Telefonate auseinander gepfl&#252;ckt?</strong> In den USA gibt es ein altes Zitat aus dem Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch, das sehr gut illustriert, <strong>was die neue Medienrealit&#228;t leisten kann</strong> (und in den USA bereits nach Kr&#228;ften leistet, siehe Wahlsieg von Barack Obama): &#8220;<a href="http://www.nysscpa.org/cpajournal/2003/1203/nv/nv2.htm"></a><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Louis_Brandeis"></a><a href="http://thesophist.wordpress.com/2007/06/18/sunlight-is-the-best-disinfectant/">Sonnenlicht ist das beste Desinfizierungsmittel&#8221;</a>. Gepr&#228;gt wurde der Spruch von Verfassungsrichter <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Louis_Brandeis">Louis Brandeis</a>, der damit unter anderem meinte: die glaubw&#252;rdigsten und am meisten respektierten Organisationen arbeiten in einer Atmosph&#228;re bewusster Offenheit. Da wo das nicht geschieht, muss die Transparenz von anderen hergestellt werden.</p>
<p><em>Der Text ist urspr&#252;nglich auf J&#252;rgen Kalwas Blog </em><a href="http://american-arena.blogspot.com/2008/11/wenn-vasen-wackeln.html"><em>American Arena</em></a><em> erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors ver&#246;ffentlicht. </em>
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