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	<title>CARTA &#187; Jörn Kruse</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Staatliche Schuldenkrise: Ein Senat soll das Monopol der Politiker aufbrechen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 15:23:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörn Kruse</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Politiker sind Spieler, Schiedsrichter und gleichzeitig auch Regelschreiber im politischen System. Das kann nicht gut gehen. Mit einem parteiunabh&#228;ngigen, langfristig gew&#228;hlten Gremium k&#246;nnte dieses Monopol aufgebrochen werden, – wenn so eine Reform nicht von eben jenen Politikern durchgef&#252;hrt werden m&#252;sste.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e3f9ea4270904f248cac8dfcc70059e0" alt="" width="1" height="1" />Die Spekulanten stehen jetzt am Pranger der Medien und der Politiker. Letztere f&#252;hren f&#252;r den Finanzsektor neue Regulierungen und Steuern ein, jedenfalls verbal. Auch wenn einige der vorgeschlagenen Ma&#223;nahmen notwendig oder mindestens erw&#228;genswert sein m&#246;gen, so folgen sie dennoch der bekannten Methode „Haltet-den-Dieb“.</p>
<p>Das Kernproblem der Griechenlandkrise – und gegebenenfalls weiterer Staatsschuldenkrisen – ist n&#228;mlich eine unseri&#246;se Haushaltspolitik. Dies zeigt vor allem eines: Es ist ein Politiker-Problem. Schlimmer noch: Es beruht auf einem gravierenden Webfehler des politischen Systems. Die gew&#228;hlten Politiker haben einen viel zu kurzen Zeithorizont. Sie haben die Macht und das „Recht“, opportunistisch gegen l&#228;ngerfristige Interessen ihrer B&#252;rger zu handeln. Sie machen sich selbst das Recht (Gesetz), da nur sie, also die Politische Klasse, &#252;ber die Gesetze und Regeln entscheiden k&#246;nnen, weil sie als einzige demokratisch legitimiert sind. <strong>Sie sind somit gleichzeitig Spieler und Schiedsrichter und machen zudem noch die Regeln des Spiels.</strong></p>
<p>Das eigentliche Fundamentalproblem ist das „<a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_5xy0srmHy9QOAeeT.html">Monopol f&#252;r demokratische Legitimation</a>“ der Politischen Klasse. Die Politiker setzen die Regeln und handeln danach, solange es opportun ist. Wenn nicht, findet sich fast immer eine plausibel klingende Begr&#252;ndung. Die weichen Formulierungen und die Ausnahmeklauseln, die sie dann in Anspruch nehmen, haben sie ohnehin schon selbst eingebaut – im Gegensatz zu Vorkehrungen f&#252;r Transparenz, Kontrollrechte Dritter und wirksame Sanktionen, weil dies nicht in ihrem Interesse liegt.</p>
<p>Eine konsequente institutionelle L&#246;sung best&#252;nde darin, das Monopol f&#252;r demokratische Legitimation durch eine duale Legitimation zu ersetzen. Das hei&#223;t, es sollte – neben dem Parlament – eine <strong>parteienunabh&#228;ngige Institution</strong> geschaffen werden, die direkt vom Volk gew&#228;hlt wird und somit ebenfalls demokratisch legitimiert ist. Man k&#246;nnte sie „<a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_ZlE82ka8KbCrrCKK.html">Senat</a>“ nennen.</p>
<p>Der Senat sollte &#252;ber die Top-Personalien aller nicht-politischen Institutionen des Staates (z.B. Zentralbank, Wettbewerbsbeh&#246;rden, Verfassungsgericht, Verwaltung etc.) entscheiden, als Zweite Kammer in der Gesetzgebung (statt Bundesrat) fungieren, l&#228;ngerfristige inhaltliche Regeln (z.B. Verschuldungsgrenzen) initiieren und &#252;ber alle Ausnahmen in und von bestehenden Regeln und Gesetzen entscheiden, die Politiker in Anspruch nehmen wollen. In allen F&#228;llen entscheidet der Senat auf der Basis von (mehreren) Experten-Gutachten, die wettbewerblich beauftragt und namentlich publiziert werden. Der Senat und die Gutachter werden explizit beauftragt, insbesondere die l&#228;ngerfristigen Wirkungen staatlicher Ma&#223;nahmen zu ber&#252;cksichtigen.</p>
<p>Unter solchen Bedingungen w&#228;re es sicher nicht m&#246;glich gewesen, dass sich die Politische Klasse wie k&#252;rzlich geschehen in einem Handstreich &#252;ber die Unabh&#228;ngigkeit der Zentralbank hinweggesetzt h&#228;tte, immerhin – in Gestalt der Bundesbank – eine der erfolgreichsten Institutionen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Und die Bundesbank und die europ&#228;ische Zentralbank h&#228;tten sich sicher st&#228;rker zu Wehr gesetzt, wenn nicht die Politiker &#252;ber die einschl&#228;gigen Positionen entscheiden w&#252;rden, sondern Unabh&#228;ngige.</p>
<p>Auch die Einf&#252;hrung des Euro w&#228;re sicher etwas anders verlaufen. Damals konnte sich die Politische Klasse (nicht nur Helmut Kohl, sondern fast alle Parteien im Bundestag) locker dar&#252;ber hinwegsetzen, dass 60 bis 70 Prozent der Deutschen gegen die &#252;berst&#252;rzte Einf&#252;hrung des Euro und die Abschaffung der D-Mark waren. Dass auch die Mehrzahl der akademischen Experten eurokritisch waren und vorangehende wirtschaftspolitische Harmonisierungsschritte forderten, hat damals keinen Politiker wirklich interessiert.</p>
<p>Nun, da vielen in Deutschland d&#228;mmert, dass wir uns in einem Haftungs- und Transfer-Kollektiv befinden, w&#252;nschen wir uns die Situation zur&#252;ck, als wir noch mit gen&#252;gendem Zeithorizont relativ einfach klare Regeln (z.B. f&#252;r die &#246;ffentlichen Haushalte), unabh&#228;ngige Kontrolleure und wirksame Sanktionen h&#228;tten einf&#252;hren k&#246;nnen.</p>
<p>Nicht nur &#214;konomen wissen, dass Monopole von &#220;bel sind. Warum dulden wir dann noch l&#228;nger das Monopol der Politischen Klasse, statt Reformen am demokratischen System anzupacken? Weil die Politische Klasse auch hierf&#252;r das Monopol hat?
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28094&amp;md5=cea9694a3544e528ef3307521f4beaef" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Rundfunkr&#228;te direkt w&#228;hlen!</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Mar 2009 13:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörn Kruse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Fall Koch/Brender ist nur die Spitze des Eisbergs, was den Einfluss der Parteien bei den Rundfunkanstalten betrifft. Warum sind &#252;berhaupt Parteivertreter in den Rundfunkr&#228;ten? Warum werden diese nicht von den Geb&#252;hrenzahlern direkt gew&#228;hlt? Oder indirekt von einem gew&#228;hlten Gremium, das parteiunabh&#228;ngig ist? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4c3034426088c08e49615bfbb3cd11" alt="" width="1" height="1" /><br />
Es wird seit einiger Zeit &#252;ber die Causa Koch (Causa Brender?) beim ZDF diskutiert. Dazu wurde viel Zutreffendes &#252;ber das ZDF und das Verhalten der Parteien geschrieben. Allerdings ist die eigentliche Ursache der Problematik (soweit ich sehen kann) fast gar nicht er&#246;rtert worden.</p>
<p>Diese besteht in der <strong>grunds&#228;tzlichen Fehlkonstruktion</strong>, dass die Parteien in den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in f&#252;r sie wichtigen Fragen starken Einfluss aus&#252;ben k&#246;nnen, in dem sie die Aufsichtsgremien (mehr oder minder stark) beherrschen. Dies geschieht einerseits durch eigene Sitze in den Gremien, andererseits &#252;ber Vertreter „gesellschaftlich relevanter Gruppen“ die oft <strong>ebenfalls parteinah</strong> sind oder der <strong>Parteienmacht</strong> nichts entgegenzusetzen haben. Einige Beispiele f&#252;r den Hessischen Rundfunk nennt Christoph Hickmann in seinem Text &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/702/462321/text/">Roland Kochs Spielwiese</a>&#8221; in der S&#252;ddeutschen Zeitung. Der Parteieneinfluss ist selten so spektakul&#228;r wie im Fall Koch/Brender. H&#228;ufiger ist die dauerhafte und <strong>subtile Vorfeldwirkung</strong> aufgrund ihrer Macht zur indirekten Karrieref&#246;rderung oder -blockierung von Journalisten und Fernsehmachern.</p>
<p>Die Anstalten halten sich oft ihre Staatsferne zugute. Parteienn&#228;he ist auch nicht besser. Dass die Parteien &#252;berhaupt in solchen Gremien vertreten sind, basiert im Wesentlichen darauf, dass sie ein <a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_5xy0srmHy9QOAeeT.html">„<strong>Monopol f&#252;r demokratische Legitimation</strong>“</a> haben. Sie allein haben das „Mandat“ und nutzen es als Allzweckwaffe. Wo Demokratie draufsteht, sind Parteien drin. Dies sollte man (nicht nur f&#252;r die Rundfunkanstalten, sondern auch f&#252;r andere &#246;ffentliche Institutionen) grunds&#228;tzlich in Frage stellen. Daf&#252;r gibt es mindestens zwei unterschiedliche Reformperspektiven.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
<p>Die erste besteht darin, dass die Mitglieder der Aufsichtsgremien (Rundfunkrat, Fernsehrat) der Rundfunkanstalten <strong>direkt von den Geb&#252;hrenzahlern</strong> gew&#228;hlt werden. Dies k&#246;nnte man per Briefwahl oder online durchf&#252;hren. Es sollte nach L&#228;ndern zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen, so dass jeweils nur eine Teilmenge von Rundfunkr&#228;ten etc. neu gew&#228;hlt wird. Die Kandidaten bewerben sich mit ihrer Medien-Kompetenz und Erfahrung sowie mit ihrer Auffassung zur Programm- und Gesch&#228;ftspolitik des Senders, die sie im Gremium zur Geltung bringen.</p>
<p>Was f&#252;r das ZDF und die anderen Rundfunkanstalten gilt, w&#228;re in &#228;hnlicher Weise auch f&#252;r die jeweiligen Landesmedienanstalten zur Regulierung des privaten  Rundfunks anwendbar. <strong>Auch hier ist es eine Fehlkonstruktion, dass die Parteien die einzelnen Medienanstalten beherrschen und damit auf die privaten Medien Einfluss nehmen k&#246;nnen</strong>. Auch hier ist es vorzuziehen, dass die B&#252;rger die obersten Gremien der Landesmedienanstalten selbst w&#228;hlen. Ein Schritt in die richtige Richtung w&#228;re es schon, wenn eine Teilmenge von den B&#252;rgern direkt gew&#228;hlt wird und der Rest vom Parlament des Landes.</p>
<p>Die zweite Reformperspektive besteht darin, dass die Mitglieder der Aufsichtsgremien der Rundfunkanstalten und der Landesmedienanstalten ihrerseits von einer <strong>Zweiten Kammer (Senat) auf Bundes-und/oder L&#228;nderebene</strong> gew&#228;hlt werden (ausf&#252;hrlicher <a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_DZXnYkeMvqhL8e88.html">hier</a>). Der Senat wird direkt von den B&#252;rgern gew&#228;hlt und ist unabh&#228;ngig von den Parteien, d.h. Funktionstr&#228;ger von Parteien (und evtl. auch von Verb&#228;nden) k&#246;nnen keine Senatsmitglieder sein.</p>
<p>Ein solcher direkt gew&#228;hlter Senat h&#228;tte eine eigenst&#228;ndige demokratische Legitimation neben derjenigen des Parlaments. Wegen seiner Parteienferne k&#246;nnte man ihm auch viele andere Personalentscheidungen &#252;bertragen, um Parteipatronage in staatlichen &#196;mtern und Institutionen zu verhindern. Auch <strong>die Ernennung von Verfassungsrichtern </strong>w&#228;re hier besser aufgehoben als im <strong>Kuhhandel</strong> der Parteien.</p>
<div class="box">Lesen Sie zu diesem Thema auch folgende Texte auf CARTA:<br />
Robin Meyer-Lucht: <a href="http://carta.info/5833/brender-zdf-bundestag/">Brenders Rapportgremium: Ein kleiner Bundestag</a><br />
Peter Loesche: <a href="http://carta.info/5713/zdf-brender-parteipatronage/">ZDF-Streit um Brender: Nichts als Parteipatronage</a><br />
Robin Meyer-Lucht: <a href="http://carta.info/5945/mediendebatte-im-bundestag/">Mediendebatte im Bundestag: Vielfalt, Freiheit, Konvergenz, Quote, Brender</a></div>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=6732&amp;md5=d9fa177344f3ae40423755acee5a216a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Superwahljahr? Wahlen super? Wir brauchen mehr und differenziertere Wahlen.</title>
		<link>http://carta.info/5219/superwahljahr-parteien/</link>
		<comments>http://carta.info/5219/superwahljahr-parteien/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Feb 2009 17:22:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jörn Kruse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
		<category><![CDATA[Gewaltenteilung]]></category>
		<category><![CDATA[politischer Diskurs]]></category>
		<category><![CDATA[Superwahljahr]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist eigentlich super am Superwahljahr? F&#252;r eine Qualit&#228;t der Politikergebnisse ist unter den gegebenen Bedingungen jedenfalls nicht gesorgt. Der Begriff "Superwahljahr" suggeriert den B&#252;rgern einen Einfluss, den sie mit ihrem "Pauschalkreuz" tats&#228;chlich gar nicht haben. Wir brauchen mehr und differenziertere Wahlen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2eb5f1314d651a4e2895f739c16036" alt="" width="1" height="1" /><br />
F&#252;r unser Gemeinwesen bewirken Wahlk&#228;mpfe zun&#228;chst vor allem, dass eine Sachpolitik – sofern sie &#252;berhaupt noch stattfindet – nur noch unter wahltaktischen und PR-Gesichtspunkten gemacht und von der medialen &#214;ffentlichkeit auch so bewertet wird. Ob sich unsere Gesellschaft, die (auch ohne die Finanzkrise) vor hohen Anpassungs- und Gestaltungserfordernissen steht, das leisten kann, muss bezweifelt werden. Vordringlich w&#228;re eigentlich eine zukunftsorientierte und tatkr&#228;ftige Politik, die allen Sachverstand der Gesellschaft b&#252;ndelt und in effektive Reformpolitik umsetzt. Aber dies scheint eine Illusion zu sein. Der Begriff des &#8220;Superwahljahres&#8221; suggeriert den B&#252;rgern einen Einfluss, den sie tats&#228;chlich gar nicht haben.</p>
<p>Dass alle Macht vom Volke ausgeht und die B&#252;rgerpr&#228;ferenzen die demokratische Politik bestimmen, ist formal sicher zutreffend, inhaltlich jedoch kaum. Wenn ein B&#252;rger f&#252;r s&#228;mtliche bundespolitische Entscheidungen der n&#228;chsten vier Jahre <strong>nur eine einzige Stimme zur Verf&#252;gung </strong>hat, kann er seine<strong> Pr&#228;ferenzen f&#252;r die einzelnen Politikfelder </strong>nicht zur Geltung bringen, da sie in der gro&#223;en Gemengelage vieler Sachprobleme, Interessen, Ideologien und Personalia untergehen oder gar von kurzfristig-zuf&#228;lligen Wahlkampfthemen &#252;berlagert werden.</p>
<p>Viele B&#252;rger w&#252;rden (wenn sie denn k&#246;nnten) f&#252;r verschiedene Politikfelder (z.B. Innen-, Au&#223;en-, Wirtschafts-, Sozial-, Steuer-, Umweltpolitik etc.) durchaus unterschiedliche Parteien w&#228;hlen. Sie stimmen jetzt also mit ihrem Kreuz in der Wahlkabine notgedrungen f&#252;r Politikvorschl&#228;ge auf einzelnen Feldern, die sie gar nicht wollen.</p>
<p>Wenn man die B&#252;rger als demokratischen Souver&#228;n ernst nehmen w&#252;rde, sollte man &#252;ber politikfeldspezifische Stimmabgaben der B&#252;rger nachdenken, die im politischen Prozess Wirkung entfalten (anders als reine Meinungsumfragen). Zum Beispiel k&#246;nnte man Gremien, die die Funktion heutiger Parlamentsaussch&#252;sse haben, direkt von den B&#252;rgern w&#228;hlen lassen (<a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_5xy0srmHy9QOAeeT.html">mehr hier</a>). Dies erfordert jedoch eine Bereitschaft, &#252;ber die Institutionen der Demokratie in Deutschland einmal neu nachzudenken.</p>
<p>Das Gleiche gilt auch f&#252;r das Verh&#228;ltnis von Parlament und Regierung und die fehlende <strong>Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive</strong>. Die B&#252;rger sollen gegenw&#228;rtig  mit einem einzigen Wahlakt sowohl (direkt) das Parlament als auch (indirekt) die Regierung w&#228;hlen. Viele B&#252;rger w&#252;rden (wenn man sie lie&#223;e) einen/eine bestimmte/n Kanzlerkandidaten/in w&#228;hlen, aber vielleicht nicht seine/ihre Partei und schon gar nicht alle Politikvorschl&#228;ge derselben. <strong>Aber so viel Differenzierung ist f&#252;r den Souver&#228;n nicht drin.</strong> Ein einziges Pauschalkreuz ist alles, was die Macher des Grundgesetzes und der Wahlgesetze ihm zugestehen.</p>
<p>Die W&#228;hler einiger Parteien wissen nicht einmal, wof&#252;r ihre Stimmen sp&#228;ter verwendet werden, da h&#228;ufig erst die nachfolgenden Koalitionsverhandlungen &#252;ber die Macht entscheiden. Verhilft eine Gr&#252;nen-Stimme der CDU oder der SPD zur Mehrheit? Und gibt es &#252;berhaupt eine Mehrheit, die eine Regierung handlungsf&#228;hig macht und in die Lage versetzt, eine vern&#252;nftige Politik zu konzipieren und durchzusetzen?</p>
<p>Warum wird in Deutschland nicht dar&#252;ber nachgedacht, das Parlament und die Regierung von den B&#252;rgern separat w&#228;hlen zu lassen und damit die Gewaltenteilung zwischen Legislative und Exekutive wieder herzustellen. Diesbez&#252;glich kann das <strong>amerikanische Verfassungssystem</strong> mit getrennten Wahlen des Pr&#228;sidenten, des Repr&#228;sentantenhauses und des Senats durchaus ein Modell f&#252;r eine Reformdiskussion sein.</p>
<p>Bei (direkter oder indirekter) Wahl der Regierung durch das Volk w&#252;rden sich eventuelle „Koalitionen“ zur Unterst&#252;tzung eines bestimmten Kanzlerkandidaten schon vorher zusammenfinden und sich den B&#252;rgern zur Wahl stellen. Nach der K&#252;r eines Regierungschefs, die man durch entsprechende Abstimmungsregeln gew&#228;hrleisten kann, wird  dieser sich weitgehend unabh&#228;ngig von bestimmten regionalen oder soziografischen  Zw&#228;ngen die jeweils geeigneten Minister ausw&#228;hlen. Die formalen Kompetenzen der Regierung und des Parlaments sind in der Verfassung etc. zu definieren. Soweit die Regierung f&#252;r ihre Politik neue Gesetze ben&#246;tigt,  w&#252;rde sie sich in dem von der Regierung unabh&#228;ngigen Parlament um entsprechende Mehrheiten f&#252;r ihren Entwurf bem&#252;hen. Unter diesen Bedingungen m&#252;ssen dann die einzelnen Abgeordneten nicht mehr ihren Blick darauf richten, ob sie die Regierung st&#252;tzen oder st&#252;rzen wollen (da dies nicht in ihrer Macht steht), sondern sie k&#246;nnen sich <strong>auf die inhaltliche Thematik und die politischen Positionen konzentrieren</strong>, f&#252;r die sie von den B&#252;rgern bei den Parlamentswahlen gew&#228;hlt wurden.</p>
<p>Heutzutage haben die Bundestagswahlen f&#252;r die Parteien und Politiker aus einem besonderen Grund eine ganz herausragende Bedeutung. Die Wahlen versehen sie mit dem kostbarsten demokratischen Gut und dem Schl&#252;ssel zur Macht. Das ist das generelle Mandat bzw. die umfassende demokratische Legitimation. Da es auf Bundesebene nur eine einzige Wahl gibt, n&#228;mlich diejenige zum Bundestag, haben die Bundestagsparteien gemeinsam ein <strong>Monopol f&#252;r demokratische Legitimation</strong>. Dies erm&#246;glicht ihnen (im Einzelnen im Rahmen der jeweiligen Mehrheiten) grunds&#228;tzlich &#252;ber fast alles Staatliche zu entscheiden, und zwar sowohl &#252;ber die Inhalte der Gesetzgebung und des Regierungshandelns, als auch &#252;ber die Top-Personalien fast aller staatlichen Institutionen. Erst dies macht es zum Beispiel m&#246;glich, dass das Parteibuch eines Bewerbers f&#252;r ein staatliches Amt eine relevante Rolle spielen kann und nicht nur seine fachliche Qualifikation.</p>
<p>Wenn man das Monopol der Parteien relativieren m&#246;chte, k&#246;nnte man die <strong>„zweite Kammer“</strong> (bisher der Bundesrat) so gestalten, dass sie explizit von den Parteien unabh&#228;ngig ist und direkt vom Volk gew&#228;hlt wird. Sie verf&#252;gt damit &#252;ber eine eigenst&#228;ndige demokratische Legitimation <span lang="fr-FR">(<a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_DZXnYkeMvqhL8e88.html">mehr hier</a></span><span lang="fr-FR"><a href="http://www.hsu-hh.de/kruse/index_DZXnYkeMvqhL8e88.html"></a>).</span></p>
<p lang="fr-FR">Eine solche zweite Kammer („Senat“) sollte ihre Entscheidungen unter systematischer Nutzung beauftragter, externer Fachkompetenz treffen. Deren Argumente und Bewertungen werden bei inhaltlichen Fragen zeitnah publiziert. Damit werden die tats&#228;chlichen politischen Alternativen transparenter und der politische Diskurs in der Gesellschaft relevanter.</p>
<p>Eine zweite Kammer, die nicht aus Berufspolitikern besteht, f&#246;rdert au&#223;erdem die politische   Partizipation der B&#252;rger. Bisher kontrollieren die Parteien durch ihr Legitimationsmonopol den Bottleneck beim Zugang zu allen politischen und staatlichen &#196;mtern. Dies ist auch deshalb problematisch, weil die Attraktivit&#228;t der Parteien f&#252;r engagierte B&#252;rger im Laufe der Jahre kontinuierlich abgenommen hat und die Rekrutierungsbasis f&#252;r politische &#196;mter damit sehr schmal geworden sind. Eine Erh&#246;hung der Partizipation der B&#252;rger st&#228;rkt die Demokratie.</p>
<p>Sind Wahlen also super? Ja, das w&#228;ren sie grunds&#228;tzlich, wenn die B&#252;rger sich differenziert entscheiden k&#246;nnten und nicht nur mit einer <strong>vierj&#228;hrigen Pauschalstimme</strong>. Wir brauchen also<strong> viel mehr  und differenziertere Wahlen </strong>als bisher. Technisch d&#252;rfte das im Internetzeitalter viel weniger Aufwand bedeuten als jemals zuvor.</p>
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