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	<title>CARTA &#187; Hans F. Bellstedt</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Netzstreith&#228;hne, gemeinsam k&#246;nnt Ihr den Kampf gewinnen!</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 08:49:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Mitglied der Internet-Enquete hat die "Netzgemeinde" provoziert, die reagierte wie erwartet heftig. Doch Debatten wie diese f&#252;hren nicht weiter.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Das Web 2.0 wird bald Geschichte sein“ – mit dieser k&#252;hnen Voraussage hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling einen mittleren digitalen Tsunami ausgel&#246;st („<a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-netzgemeinde-ihr-werdet-den-kampf-verlieren/6127434.html" target="_blank">Netzgemeinde, Ihr werdet den Kampf verlieren</a>“, Handelsblatt, 30.1.2012). Von Emp&#246;rung &#252;ber bei&#223;enden Spott bis hin zu tiefer Verachtung f&#252;r den zum „Hinterb&#228;nkler“ abgestempelten Rechtsanwalt reichen die Reaktionen auf dessen Philippika. Die Debatte, die das Mitglied der Internet-Enquete des Deutschen Bundestages ausgel&#246;st hat, zeigt, dass im gesitteten Umgang zwischen Digitalisierungsskeptikern und Web-Fanatikern noch reichlich Raum f&#252;r Verbesserungen besteht.</p>
<p>Heveling hat stark &#252;berzogen, und – so darf man vermuten – er hat es bewusst getan. Nur wer polarisiert, wird geh&#246;rt, nur wer provoziert, erh&#228;lt eine Antwort. Daher  S&#228;tze wie: „Auf Mehrheitsverh&#228;ltnisse haben Revolutionen nie wirklich R&#252;cksicht genommen“. Daher der Vorwurf, Netzaktivisten seien „Menschen, die …eine andere Gesellschaft“, ja: einen „digitalen Totalitarismus“ wollten. Und daher die Hypothese, dass eine Allianz aus „digitalen Maoisten und kapitalstarken Monopolisten“ am Werke sei, um die Idee des geistigen Eigentums als Fundament der b&#252;rgerlichen Gesellschaft zu untergraben. Gemach, Gemach, Herr Abgeordneter: Noch wurden keine Guillotinen errichtet, noch wurde kein K&#246;nig aufs Schafott gef&#252;hrt, und noch ist kein Robbespierre in Sicht.</p>
<p>Die lautstark protestierende Netzgemeinde wiederum muss sich fragen lassen, warum sie sich auf diese Provokation einl&#228;sst, anstatt einfach nur cool zu bleiben. „Postpubert&#228;res Affektdenken“, „von Kenntnis weitgehend ungetr&#252;bt“, „merkw&#252;rdig gestrige Hetzschrift“ – das ist starker Tobak, wenn man bedenkt, dass Heveling bei aller &#220;bertreibung vielleicht doch auch einen wunden Punkt getroffen hat. Zum Beispiel den, dass es nach jahrelanger Debatte bis heute nicht gelungen ist, ein dem digitalen Zeitalter und seinen M&#246;glichkeiten entsprechendes Urheberrecht (Stichwort „Dritter Korb“) zu schaffen. Ein Vers&#228;umnis der gesetzgebenden Instanzen, aus dem Unsicherheit und Verunsicherung zugleich resultieren.</p>
<p>Der Pulverdampf, den Heveling mit seinem Beitrag ausgel&#246;st hat, wird sich wieder verziehen. Die Fragen hingegen bleiben: Wie finden Netzskeptiker und Vorreiter der digitalen Revolution zu einem Dialog zusammen, der von gegenseitigem Respekt, Toleranz und Ernsthaftigkeit, statt von gegenseitigen Anschuldigungen, teilweise auch Beschimpfungen, gekennzeichnet ist? Dies kann nur gelingen, wenn beide Seiten verbal abr&#252;sten: Die Unterstellung, Heveling sei ein „Klientelpolitiker“, dem es um die „Durchsetzung konservativer Ideologien“ gehe, f&#252;hrt ebenso wenig zum Ziel wie das Sch&#252;ren einer „Grande Peur“ vor den vermeintlichen Feinden der Freiheit, der Demokratie und des Eigentums. Der Siegeszug der Digitalen bedeutet keineswegs, dass die Errungenschaften der analogen St&#228;nde hinweg gesp&#252;lt werden.</p>
<p>Statt &#252;bereinander herzuziehen, sollten beide Lager daher ihre Gestaltungsf&#228;higkeit unter Beweis stellen: Die der Bewahrung verpflichteten Volksvertreter sollten mindestens so innovativ denken und handeln wie die Unternehmen klassischer Industrien, die l&#228;ngst die Chancen der digitalen Revolution ergriffen haben und sich dadurch g&#228;nzlich neue Wachstumspotentiale erschlie&#223;en. Das gilt nicht nur f&#252;r Verlage: Wenn Daimler-Chef Zetsche auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas das Auto zum „digitalen Begleiter“ ernennt und die M&#246;glichkeiten des Cloud Computing preist, dann zeigt das doch, wie Etabliertes und Neues zum Vorteil aller Akteure miteinander verschmelzen.</p>
<p>Umgekehrt m&#252;ssen auch die Netzapologeten vom Thron hinabsteigen, aus dessen Blickwinkel alles gratis und frei erscheint: Wer Werte schafft, der hat Anspruch auf angemessene, technologiebejahende Verg&#252;tung. Das hat nichts mit „Klientelpolitik“ oder postpubert&#228;rem Verhalten zu tun, sondern mit Anerkennung sch&#246;pferischer Leistung.</p>
<p>Freilich, noch lauern die Kontrahenten in ihren Sch&#252;tzengr&#228;ben, twittern, bloggen und posten gegeneinander, anstatt sich auf eine Erkl&#228;rung (digitaler) Menschen- und B&#252;rgerrechte zu verst&#228;ndigen. Auch die Internet-Enquete wird am Ende einen allumfassenden Konsens m&#246;glicherweise nicht herbeif&#252;hren. Von daher ist auch in dieser Debatte politische F&#252;hrung gefragt: Es braucht Spitzenpolitiker, die in der Lage sind, dem Diskurs eine Richtung zu geben, Wesentliches von Unwesentlichem zu scheiden und somit Orientierung in Fragen digitaler Politik zu stiften. Keine Heerf&#252;hrer, die sich selbst zum „Kaiser“ kr&#246;nen, sondern mit Intellekt und Weitsicht ausgestattete Autorit&#228;ten, die sich ernsthaft mit der Revolution des Netzes auseinandersetzen und Leitplanken definieren f&#252;r das Bewohnen eines Raumes, der unser aller Zuhause geworden ist.
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		<title>Euro-Bonds: Kanzlerin, bleibe hart!</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 15:10:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was gestern die Schulreform in Hamburg war und heute Stuttgart 21 ist, das k&#246;nnte morgen schon der Euro sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/09c2c4ee45e541a2b81a291ed66f524b" alt="" width="1" height="1" />Kanzlerin Angela Merkel muss sich einiges anh&#246;ren in diesen Tagen: Ihr Denken sei „ein bisschen simpel“, ihre Vorstellungen zur Rettung des Euroraums „uneurop&#228;isch“, meint zumindest Jean-Claude Juncker, Premier des Gro&#223;herzogtums Luxemburg.</p>
<p>Hintergrund ist der energische Widerstand der Kanzlerin gegen die Einf&#252;hrung sogenannter Euro-Bonds, von denen Juncker und einige Konsorten in anderen, zumeist s&#252;dlichen EU-Staaten glauben, sie seien dazu geeignet, das Zusammenbrechen des Euro abzuwenden. Auf dem EU-Gipfel Ende dieser Woche in Br&#252;ssel wird es aller Voraussicht nach zum Show-down kommen.</p>
<p>Eine <em>Carta</em>-Kolumne ist nicht der Ort, um &#252;ber den Umgangston zwischen einigen Staats- und Regierungschefs zu richten. Monsieur Juncker wird, so hoffen wir, seine Worte vor Gebrauch gewogen haben. In der Sache aber ist der Kurs dieses &#8211; ansonsten &#252;beraus sprachbegabten &#8211; Alteurop&#228;ers nicht mehr nachzuvollziehen:</p>
<p>Warum, in aller Welt, sollen diejenigen EU-Staaten, die ihre Haushalte noch einigerma&#223;en in Ordnung halten, k&#252;nftig daf&#252;r zahlen, dass anderen EU-Mitgliedern dies nicht gelingt? Denn genau darauf w&#252;rde die Einf&#252;hrung von Euro-Bonds doch hinauslaufen: Die Defizits&#252;nder k&#246;nnen sich zu g&#252;nstigeren Konditionen, als der Markt sie ihnen gew&#228;hrt, refinanzieren.</p>
<p>Die Rechnung daf&#252;r schicken sie einfach nach Berlin. Wenn das die Intention von Juncker und Co. ist, dann haben wir allen Grund, der Kanzlerin den R&#252;cken zu st&#228;rken.</p>
<p><strong>Private Gl&#228;ubiger in Umschuldungen einbeziehen</strong></p>
<p>Und nicht nur bei den Euro-Bonds macht Angela Merkel derzeit vieles richtig. Auch die Forderung, private Gl&#228;ubiger in die allf&#228;llige Umschuldung von Staatsschulden einzubeziehen, ist absolut folgerichtig. Wer einem Anderen Geld leiht (zum Beispiel, indem er Anleihen eines Mitgliedsstaates des Euroraums erwirbt), der l&#228;uft nun einmal das Risiko, dass der Schuldner sp&#228;ter ins Taumeln ger&#228;t und dann nur noch bedingt r&#252;ckzahlungsf&#228;hig ist.</p>
<p>Zugegeben, wir stehen hier vor einem systemischen Problem: In vielen F&#228;llen sind es deutsche und franz&#246;sische Banken und Versicherungen, die diese Schuldtitel in ihren B&#252;chern haben. Aber wo steht geschrieben, dass es Aufgabe des Staates – sprich: des Steuerzahlers &#8211; ist, immer wieder in die Bresche zu springen und die Gl&#228;ubiger herauszuhauen? Diese m&#252;ssen zumindest an einer Restrukturierung von Schuldenpaketen beteiligt werden. Andernfalls drohen immense Steuererh&#246;hungen oder gleich der Staatsbankrott – bei uns. Merkel hat recht: Das „Schlaraffenland“, in dem der Staat f&#252;r alle Risiken aufkommt, muss schleunigst geschlossen werden.</p>
<p>Ebenso richtig war es von der Kanzlerin, EU-Defizits&#252;ndern mit dem tempor&#228;ren Stimmrechtsentzug zu drohen und einen Sanktionsautomatismus bei Verst&#246;&#223;en gegen den Euro-Stabilit&#228;tspakt zu fordern. Dass diese harten Forderungen am Strand von Deauville durch Frankreichs Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy weichgesp&#252;lt wurden, verheisst nichts Gutes. Immerhin ist der Herrscher aus dem Elysée jetzt mit im Boot, wenn es darum geht, die Euro-Bonds zu verhindern.</p>
<p><strong>Hart bleiben!</strong></p>
<p>Merkel handelt noch aus einem anderen Grund so, wie sie handelt: Wenn sich in der deutschen Bev&#246;lkerung der Eindruck verbreitet, die Bundesregierung gebe die Politik eines „harten Euro“ auf, opfere also unsere W&#228;hrung und unsere Exportst&#228;rke auf dem Altar der europ&#228;ischen Einigung – dann ist die Gr&#252;ndung einer deutschen „Tea Party“ nur noch eine Frage der Zeit.</p>
<p>Der politische Humus f&#252;r eine B&#252;rgerbewegung, die den Weg in die Parlamente antritt, ist doch l&#228;ngst da. Und was gestern die Schulreform in Hamburg und heute Stuttgart 21 ist, das ist morgen der Euro. Hans-Olaf Henkel hat mit seinem neuen Buch „Rettet unser Geld“ daf&#252;r schon das Skript geschrieben. Wer wirft das Streichholz, das dieses explosive Gemisch zum Fl&#228;chenbrand werden l&#228;sst? Womit wir nochmal bei Jean-Claude Juncker w&#228;ren:</p>
<p>Auch diesem selbsternannten Mustereurop&#228;er d&#252;rfte es kaum gefallen, wenn politische Entscheidungen in Berlin k&#252;nftig von „Single-Issue“-Fraktionen abh&#228;ngen, die – aufgepeitscht durch die Boulevard-Medien – den Euro auf die Resterampe schieben. Mit Blick auf den Br&#252;sseler Gipfel diese Woche kann deshalb nur eines gelten: „Kanzlerin, bleibe hart“.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36511&amp;md5=2631f7051921107ea11fa44606d1d66b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nicht Glamour, sondern sprachliche Virtuosit&#228;t erkl&#228;rt den Guttenberg-Hype</title>
		<link>http://carta.info/35231/nicht-glamour-sondern-sprachliche-virtuositaet-erklaert-den-guttenberg-hype/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Oct 2010 18:50:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Karl-Theodor zu Guttenberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer das Ph&#228;nomen Karl-Theodor zu Guttenbergs verstehen will, dem hilft nicht so sehr der SPIEGEL weiter - sondern die Lekt&#252;re der in der FAZ abgedruckten zu Guttenberg Rede vom 2. Oktober. Sie ist, wenn nicht alles t&#228;uscht, die Bewerbungsrede eines Dirigentensohns um einen der F&#252;hrungsposten in dieser Republik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c96a2d9b824c4badb7cd18f5a7a030a0" alt="" width="1" height="1" />Es gibt verschiedene Methoden, dem Ph&#228;nomen des beliebtesten deutschen Politikers, Karl-Theodor zu Guttenberg, und seiner Frau Stephanie auf die Spur zu kommen. Entweder man geht so vor wie <em>DER SPIEGEL</em> in seiner neuesten Ausgabe: Die Hamburger stellen „Die fabelhaften Guttenbergs“ glamour&#246;s auf den Titel, erm&#252;den ihre Leser mit lauter Bekanntem (angedrohter Opel-R&#252;cktritt, Kundus-Entzauberung etc.) und bedenken den 38j&#228;hrigen Politstar mit Freundlichkeiten wie „Pingel … mit gelacktem Aussehen“ oder „im deutschen Adelsranking eher niedrig angesiedelt“. Die Auflage des Heftes geht aufgrund des <em>GALA</em>-gleichen Titelfotos vermutlich durch die Decke, der Erkenntniswert der Story freilich gegen Null.</p>
<p>F&#252;r einen etwas anderen Weg entschied sich am 13. Oktober die Frankfurter Allgemeine Zeitung und druckte unter der Headline <a href="http://www.faz.net/s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~EB0181E0DC8D14FB186F89CF8239083FC~ATpl~Ecommon~Scontent.html  ">„Alle Gewalt geht vom Worte aus</a>“ im Feuilleton eine Rede ab, die der Bundesverteidigungsminister am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit vor Parteig&#228;ngern in Berlin gehalten hatte. Die Lekt&#252;re dieser Rede ist um einiges Erkenntnis f&#246;rdernder als die Titelstory in dem Hamburger Nachrichtenmagazin. Sie ist, wenn nicht alles t&#228;uscht, die Bewerbungsrede eines Dirigentensohns um einen der F&#252;hrungsposten in dieser Republik.</p>
<p><strong>Bei&#223;ende Ironie, vernichtende H&#228;rte</strong></p>
<p>Was macht diese Rede aus – wie m&#252;ssen wir sie lesen? Da ist zum einen die spezifische, die ebenso elegante wie schneidende Sprache zu Guttenbergs. Der „Ruck in der Berliner Republik“ sei bisweilen „nur ein St&#252;hlerutschen auf dem Parkett“, spottet Guttenberg gleich zu Beginn. Dann, an die Adresse der Vergangenheitsverkl&#228;rer gerichtet: „Die Behauptung hochm&#246;gender K&#246;pfe, die DDR sei kein Unrechtsstaat gewesen, unterschreitet … die Grenze intellektueller Belastbarkeit“. Bevor wir diese Wendung verstanden haben, holt der Baron zum n&#228;chsten Schlag aus: „Sonderwege, auch solche der Moral, f&#252;hren ins Abseits. Und beim Besetzen des h&#246;heren moralischen Gel&#228;ndes sollte man stets darauf achten, worin das eigene Gep&#228;ck besteht … bei nicht wenigen kann sich auch beim Aufstieg schon Atemnot einstellen“. Derartige Formulierungen, in denen bei&#223;ende Ironie und vernichtende H&#228;rte derart virtuos miteinander verkn&#252;pft werden, sind selten geworden im auf Vorsicht getrimmten Diskursraum der Berliner Republik.</p>
<p>Zum anderen f&#228;llt auf, in welche politische Ahnengalerie der bekennende AC/DC-Fan mit 900j&#228;hriger Familiengeschichte sich mal eben stellt. Das eine Vorbild hei&#223;t &#8211; Konrad Adenauer. Dieser habe „&#220;berzeugungen, einen festen Kompass“ gehabt. Seine „kluge Kunst der Bescheidung“ sei heute ein „so seltenes Gut“. Kaum verklausuliert fordert Guttenberg zum Nachsinnen dar&#252;ber auf, wer in der Gegenwart wohl diese edlen Attribute f&#252;r sich in Anspruch nehmen k&#246;nne.</p>
<p><strong>Der Mann hat noch etwas vor</strong></p>
<p>Sein anderer Ziehvater im Geiste ist Helmut Kohl – ein „Gl&#252;cksfall f&#252;r unser Land“, wie Guttenberg ihn tituliert. Kohl habe stets an seinem Bekenntnis zur Einheit der Nation festgehalten – und er habe Recht behalten. Kohl habe „den Mantel der Geschichte ergriffen und … die Gunst der Stunde genutzt“. Geschickt platziert Guttenberg diese Referenz im ersten Drittel seiner Rede, um gegen Ende – Redenschreiber nennen es „Klammern“ – darauf Rekurs zu nehmen: „Wenn die Geschichte in Bewegung ger&#228;t“, sagt der Mann, der gerade die Wehrpflicht abr&#228;umt, „dann gibt es kein Beiseitestehen … Es bleibt an uns, diese Gestaltungsaufgabe anzunehmen“. An Sendungsbewusstsein mangelt es zu Guttenberg mit Sicherheit nicht.</p>
<p>Unverwechselbare Sprache und das Aufzeigen gro&#223;er, &#252;ber das „Wahltagsdenken“ (K.-T. z. G.) hinausweisender Linien sind zwei tragende S&#228;ulen des Guttenberg’schen Auftritts. <strong>Hinzu kommt der </strong><strong>un&#252;berh&#246;rbare</strong><strong> Anspruch, auch programmatisch Avantgarde zu sein</strong>. H&#246;ren wir noch einmal hin: „Jede Generation hat ihre historische Aufgabe. Wenn nicht alle Zeichen tr&#252;gen, ist es die Aufgabe unserer Generation, den demographischen Wandel zu bew&#228;ltigen. Es gibt f&#252;r diese Aufgabe kein historisches Vorbild &#8230; Niemals gab es so wenig gut ausgebildete J&#252;ngere wie in Zukunft“. Guttenberg hat keine Scheu, sich Biedenkopf, Sarrazin und Schirrmacher zugleich vor die Brust zu nehmen: Die alternde Gesellschaft „innovativ, sch&#246;pferisch und lebenswert“ zu gestalten, ist seines Erachtens m&#246;glich – „zum Nulltarif“ gebe es diesen Umbau jedoch nicht.</p>
<p><strong>„In der Demokratie wird durch das Wort gef&#252;hrt“<br />
</strong></p>
<p>Karl-Theodor zu Guttenberg hat mit seiner Rede vom 2. Oktober 2010 so etwas wie eine Visitenkarte abgelegt. Und er hat insbesondere seinen Freunden im eigenen Lager die Leviten gelesen: „In der Demokratie wird auch durch das Wort gef&#252;hrt. Mitnehmen allein gen&#252;gt nicht“, warnt er, den <em>DER SPIEGEL</em> als „Menschenfischer“ bezeichnet. Wenn Politik zur Beliebigkeit herabsinke, „dann schl&#228;gt die Stunde der Populisten“. Es sind nicht Glanz und Glamour der Guttenbergs, die – so <em>DER SPIEGEL</em> – Merkel und Seehofer gef&#228;hrlich werden k&#246;nnten. Sondern es ist die im politischen Berlin selten gewordene Sprachm&#228;chtigkeit eines Hoffnungstr&#228;gers, der die Politik zum Broterwerb nicht n&#246;tig hat.
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		<title>David Camerons „Big Society“: die “gro&#223;e” B&#252;rger-Gesellschaft als Leitziel</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 12:55:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Schwarz-Gelb]]></category>

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		<description><![CDATA[Die britische Regierung hat, was Schwarz-Gelb fehlt: Einen roten Faden, der erkennen l&#228;sst, wohin sie die Gesellschaft steuern will - die "Big Society" als subsidi&#228;rer, kommunitaristischer Gegenentwurf zum "Big Government".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8c1605c903cd4adca025114aca327bde" alt="" width="1" height="1" />Eines kann man der schwarz-gelben Regierungskoalition im Bund gewiss nicht vorwerfen: dass sie in der Tagespolitik Langeweile aufkommen liesse. Da sollen mal eben der Haushalt saniert, das Energiekonzept der Zukunft gefunden, die Hartz IV-Regels&#228;tze neu justiert und die Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee umgewandelt werden. Nicht wenig f&#252;r eine Regierung, deren Kanzlerin sich zuletzt den Vorwurf des &#8220;strategischen Schweigens&#8221; (<a href="http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&amp;item=5154">Juli Zeh</a>) gefallen lassen musste. Nun also ein ganzes Paket von Gro&#223;baustellen &#8211; als wolle man dem Souver&#228;n beweisen, dass man es besser k&#246;nne.</p>
<p><strong>Schwarz-gelb an der Macht: Es fehlt die &#220;berschrift</strong></p>
<p>Was dieser Regierung und ihrem Handeln aber weiterhin fehlt, ist ein roter Faden – eine &#220;berschrift, die erkennen l&#228;sst, wohin Schwarz-Gelb dieses Land, diese Gesellschaft eigentlich steuern will. Immerhin ist diese Koalition, ungeachtet des dramatischen Umfragentiefs, mit einer komfortablen Stimmenmehrheit im Deutschen Bundestag ausgestattet. Und also mit einer Gestaltungsmacht, die auch durch die neuen Mehrheitsverh&#228;ltnisse im Bundesrat nicht g&#228;nzlich zunichte gemacht wird. Aber noch immer bleibt unklar, wozu die Regierenden dieses Mandat nutzen wollen.</p>
<p>Dass b&#252;rgerliche Parteien durchaus die Kraft haben, ein &#8220;Projekt&#8221; zu definieren, zeigt ein Blick nach Gro&#223;britannien. Dort zieht der neue Premierminister David Cameron mit einer Idee &#252;bers Land, die aufhorchen l&#228;sst: die Idee einer &#8220;Big Society&#8221;.</p>
<p>Cameron und seine Vordenker, darunter vor allem sein engster Berater Steve Hilton, werben offensiv (vgl. <em><a href="http://www.economist.com/node/16789766?story_id=16789766&amp;CFID=141895432&amp;CFTOKEN=25703207">The</a> <a href="http://www.economist.com/node/16791720?story_id=16791720&amp;CFID=141895432&amp;CFTOKEN=25703207">Economist</a></em>) f&#252;r einen R&#252;ckzug des Staates aus einer Reihe von Lebensbereichen. Vor allem auf der lokalen Ebene soll stattdessen die Zivilgesellschaft – B&#252;rger, Initiativen, Unternehmen – mehr Verantwortung &#252;bernehmen: Eltern sollen sich um das Management von Schulen k&#252;mmern, &#196;rzte um die Gesundheitsverwaltung, Betriebe um soziale Wohlfahrtseinrichtungen. Auch bei der Polizei soll es st&#228;rkere kommunale Impulse geben.</p>
<p>Cameron und seinem liberal-demokratischen Koalitionspartner Nick Clegg geht es um mehr gesellschaftliche Freiheit, um die Ert&#252;chtigung kleiner sozialer Einheiten &#8211; die &#8220;Big Society&#8221; als subsidi&#228;rer, kommunitaristischer Gegenentwurf zum &#8220;big government&#8221;, dem allm&#228;chtigen, &#252;berall hinein regierenden Staat.</p>
<p><strong>Cameron schiebt eine Debatte an</strong></p>
<p>Zugegeben: Das britische politische System ist sehr viel zentralistischer als unsere f&#246;derale Ordnung. Manches von dem, was Cameron &amp; Co. vorhaben, ist im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung in Deutschland schon Realit&#228;t. Gleichwohl lohnt der Seitenblick nach Britannien aus mindestens zweierlei Gr&#252;nden.</p>
<p>Erstens: Es ist ungemein spannend, konzeptionell dar&#252;ber nachzudenken, welche Alternativen es zu dem Automatismus eines &#8220;Der Staat regelt alles&#8221; gibt. Deutschland folgt traditionell einem eher pater- (bzw. mater-)nalistischen Politikansatz. Hierzulande ist es gleichsam selbstverst&#228;ndlich, dass sich der Staat von der Kita &#252;ber Schule und Arbeits-&#8221;Verwaltung&#8221; (!) bis zur gesetzlichen Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung faktisch um s&#228;mtliche Lebensbereiche k&#252;mmert.</p>
<p>J&#252;ngere Errungenschaften wie Elterngeld, Verstaatlichung von Banken oder Bildungschip sind Ausdruck dieser Philosophie einer allzust&#228;ndigen Zentralinstanz. Erw&#228;gt der Staat doch einmal einen Abbau, wie jetzt bei der Bundeswehr, dann geschieht dies aus purer Geldnot. &#220;berzeugender w&#228;re ein proaktiver R&#252;ckbau von Staatst&#228;tigkeit, um so neue Freir&#228;ume f&#252;r gesellschaftliche Kreativit&#228;t und ziviles Engagement aufzumachen.</p>
<p>Zweitens aber zeigen die Angelsachsen wieder einmal, was Kommunikation in der Politik bewirken kann. Schon von &#8220;New Labour&#8221; ging eine unwiderstehliche Faszination aus, mit der Blair, Campbell und Mandelson die Vorherrschaft der Tories hinwegfegten. Obamas &#8220;Yes, we can&#8221; ist zwar inzwischen weitgehend diskreditiert, reichte aber aus, um einen halben Kontinent zu verz&#252;cken. Nun also die &#8220;Big Society&#8221; – wieder so eine &#220;berschrift, die neugierig macht, Aufmerksamkeit auf sich zieht und eine Debatte in Gang setzt, die alle B&#252;rger involviert.</p>
<p>Und genau das fehlt in Deutschland: ein Gesamtziel, nach welchem diese Gesellschaft sich streckt; ein &#8220;Konto&#8221;, auf das s&#228;mtliches Regierungshandeln &#8220;einzahlt&#8221;.</p>
<p>Hier mein Vorschlag: Angelehnt an das britische konservativ-liberale Projekt, sollten auch Merkel und Westerwelle die &#8220;Gesellschaft der B&#252;rger&#8221;, den &#8220;B&#252;rgerstaat&#8221;, eine &#8220;neue B&#252;rgerlichkeit&#8221; zum Leitstern ihres Tuns erheben. Und alle B&#252;rger dazu aufrufen, mehr Verantwortung f&#252;r die Gestaltung ihrer Lebenswelten zu &#252;bernehmen, damit der Staat sich auf seine Kernaufgaben (Innere und &#228;u&#223;ere Sicherheit; F&#252;rsorge f&#252;r Bed&#252;rftige) zur&#252;ckziehen kann.</p>
<p><strong>Die &#8220;gro&#223;e&#8221; (B&#252;rger-) Gesellschaft</strong></p>
<p>Schon klar: Wenn man das Thema &#8220;neue B&#252;rgerlichkeit&#8221; oder – provozierender noch &#8211; &#8220;Weniger Staat&#8221; beim Espresso im politischen Berlin ventiliert, schallt es einem reflexartig entgegen: &#8220;Damit gewinnst Du in Deutschland keine Wahl. Die Menschen wollen Sicherheit, und daf&#252;r ist nun mal der Staat zust&#228;ndig&#8221;.</p>
<p>Mag ja sein. Allerdings hat diese Allzust&#228;ndigkeit &#252;ber die Jahre zu einer Staatsverschuldung von 1,7 Billionen Euro gef&#252;hrt. V&#246;llig zu Recht ruft Wolfgang Sch&#228;uble in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E61F37ED90D864454A1CA9590424B160D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> deshalb zum &#8220;Ma&#223;halten&#8221; auf. Was wir jetzt brauchen, sind politische K&#246;pfe, die den Mut, die vision&#228;re Kraft und das kommunikative Talent aufbringen, die &#8220;gro&#223;e&#8221; (B&#252;rger-) Gesellschaft auch bei uns als Leitziel popul&#228;r zu machen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33060&amp;md5=40bb2ab266a70cf6b1873b097ee03b74" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Pr&#228;sidentenschloss als Denkfabrik: Vielleicht auch eine Drohung</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 11:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsidentenwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian Wulff m&#246;chte "Wissenschaftler, Politiker, K&#252;nstler, kluge K&#246;pfe" ins Schloss Bellevue einladen und eine "Denkfabrik f&#252;r Deutschland" aufbauen. Zumindest kommunikativ ein geschickter Schachzug.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7d7977a5ada046eabed4414c2ef4080b" width="1" height="1" alt=""/>Vielleicht ist es nur ein PR-Coup. Vielleicht ist es eine ziemlich gute Idee. Vielleicht ist es aber auch eine Drohung: Bundespr&#228;sidentenkandidat Christian Wulff (CDU) will im Falle seiner Wahl das Schloss Bellevue – den Amtssitz unseres Staatsoberhaupts am Berliner Tiergarten – zur „Denkfabrik“ umbauen. So verk&#252;ndete es der 51j&#228;hrige Osnabr&#252;cker vier Tage vor dem Zusammentreten der Bundesversammlung in der <em><a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/06/27/christian-wulff-interview/warum-glauben-sie-dass-sie-der-bessere-bundespraesident-waeren-1.html">Bild am Sonntag</a></em>.</p>
<p>PR-technisch ist diese Ansage allemal geschickt: Denn mit einem Schlag zieht der derzeitige Ministerpr&#228;sident von Niedersachsen genau jene Aufmerksamkeit auf sich, die ihm im Wettbewerb mit Joachim Gauck, dem Wunschpr&#228;sidenten von SPD, Gr&#252;nen und gef&#252;hlten 60 Millionen Deutschen, bislang m&#246;glicherweise noch fehlte. „Denkfabrik“, das klingt spannend und interessant, macht neugierig auf mehr. Rein kommunikativ kein schlechter Zug, Herr Kandidat!</p>
<p><strong>Fast alles geh&#246;rt &#252;berdacht</strong></p>
<p>Und eine gute Idee noch dazu. Denn mit dem Wort von der „Denkfabrik“ beschreibt Wulff ein Defizit, das immer mehr Menschen dazu verleitet, der Politik den R&#252;cken zuzuwenden. Gemeint ist die geradezu erschreckende Abwesenheit von Tiefenreflexion, die das politische Gesch&#228;ft, wie wir es erleben, kennzeichnet. Unsere Welt befindet sich bekanntlich in einer der schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Dennoch beschleicht einen das Gef&#252;hl, dass nicht kluges Abw&#228;gen und Hinterfragen, sondern Hast und Kurzatmigkeit das Handeln der politischen Entscheider bestimmen. Eine Milliardenspritze hier, eine neue Steuer da, ein Sparbeschluss dort – eine konzeptionell oder gar strategisch basierte Reformpolitik zur Erneuerung unserer Gesellschaft sieht anders aus.</p>
<p>Jetzt aber kommt Wulff und l&#228;dt zum Denken ein. Da fangen wir doch gleich mal an: Finanzierung unserer Sozialsysteme, Umgang mit Integration und Migration, die Absicherung b&#252;rgerlicher Freiheiten im digitalen Raum – fast alles geh&#246;rt &#252;berdacht. Ob Energieversorgung oder Kinderarmut, ob Nuklearproliferation oder Euro-Krise: die Probleme sind hinl&#228;nglich bekannt, und geredet wird dar&#252;ber zweifelsohne reichlich. Aber an wirklich &#252;berzeugenden Antworten mangelt es. Damit aber wird Politik ihrer vordringlichsten Aufgabe nicht gerecht, n&#228;mlich unser Gemeinwesen so zu gestalten, dass es gut ger&#252;stet ist f&#252;r die Herausforderungen von morgen und &#252;bermorgen.</p>
<p><strong>Ein Hauch von Dupont Circle</strong></p>
<p>Im Schloss Bellevue hingegen, hinter der barocken Fassade dieser preu&#223;ischen Prinzenresidenz, k&#246;nnte k&#252;nftig Zukunft gedacht, k&#246;nnten L&#246;sungen „fabriziert“ werden – ganz wie in den Think Tanks rund um den Dupont Circle in Washington D.C.. Professoren, Unternehmer, K&#252;nstler und Vertreter der Zivilgesellschaft k&#228;men zusammen, um der Politik die Augen zu &#246;ffnen in bezug auf das, was los ist im Land. Politiker w&#252;rden vor allem zuh&#246;ren, Fragen stellen, Impulse aufnehmen, statt immer gleich eine vorgestanzte Antwort ins erstbeste Mikrofon zu sprechen. Gemeinsam w&#252;rden die besten K&#246;pfe der Republik an Ideen und Konzepten feilen, deren Halbwertszeit &#252;ber die n&#228;chste Haushaltswoche, die n&#228;chste Landtagswahl, ja sogar &#252;ber „Anne Will“ hinausweist. Die „Denkfabrik“ im Schloss Bellevue als Planungsstab der Republik – eine faszinierende Idee, ganz unabh&#228;ngig davon, ob der Schlossherr nun Wulff oder Gauck hei&#223;en wird.</p>
<p><strong>Der Geist, den Merkel rief</strong></p>
<p>Womit wir drittens noch bei der Drohung w&#228;ren, die hinter dem Vorschlag auch stecken k&#246;nnte. Nehmen wir einmal an, Wulff w&#252;rde gew&#228;hlt und sogleich ernst machen mit seiner Denkfabrik: Was bedeutete der Think Tank am Tiergarten eigentlich f&#252;r die Kanzlerin – schwingt da nicht der implizite Vorwurf mit, sie denke zu wenig nach, moderiere nur das Tagesgesch&#228;ft, anstatt langfristig tragf&#228;hige L&#246;sungen zu entwickeln?</p>
<p>Hat Wulff das Potential oder auch Ziel, seine eigene Parteichefin schon bald zu &#252;berstrahlen, indem er die gro&#223;en Themen setzt, Antworten pr&#228;sentiert und dadurch Orientierung schafft? Macht er – immer unterstellt, dass er gew&#228;hlt wird – nach ein oder zwei Amtszeiten gar „den Putin“, der vom Staatsoberhaupt zum Regierungschef mutiert? Die Kanzlerin k&#246;nnte den Geist, den sie gerufen hat, eines Tages noch verfluchen: der Schwiegersohn als Schlossgespenst, sozusagen.</p>
<p>Aber jetzt warten wir erstmal den 30. Juni ab.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=29813&amp;md5=9e81b6c68b0d613f83f755f2eb54ba43" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Steuerorgie statt Sparpaket: Schwarz-Gelb verspielt letzten Kredit</title>
		<link>http://carta.info/28502/steuerorgie-statt-sparpaket-schwarz-gelb-verspielt-letzten-kredit/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 09:42:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Schuldenbremse]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Gelb]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>
		<category><![CDATA[Steuerreform]]></category>
		<category><![CDATA[Subventionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die schwarz-gelbe Koalition setzt lieber die Steuern rauf, als konsequent und vorbehaltlos zu sparen. Das l&#228;sst einen langsam am Primat und der Gestaltungsf&#228;higkeit von Politik an sich – und dieser Regierung im Besonderen – zweifeln. Klar ist: Wer glaubw&#252;rdig sparen will, muss auch das Hotelprivileg wieder kassieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/549cdc168c9543628f7b1aa8ba3348a4" alt="" width="1" height="1" />Vielleicht sind es nur Ger&#252;chte. Aber wenn schon die H&#228;lfte dessen, was derzeit &#252;ber die Ticker geht (z.B. „&#214;konomen warnen Merkel vor Hauruck-Sparkurs“, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,698435,00.html"><em>Spiegel Online</em></a>), zutrifft, dann plant die Koalition in Berlin kein Sparpaket, sondern eine Steuerorgie.</p>
<p>Es werden angeblich erwogen: eine Ausweitung der LKW-Maut auf vierspurige Bundesstra&#223;en; PKW-Maut f&#252;r alle ab 2012; Steuer auf Flugtickets; Brennelementesteuer f&#252;r Betreiber von Atomkraftwerken; Beseitigung der reduzierten Mehrwertsteuers&#228;tze; Anhebung des Arbeitgeberbeitrages zur gesetzlichen Krankenversicherung; Anhebung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung &#252;ber das beschlossene Ausma&#223; hinaus sowie – latest news – eine Anhebung des Solidarit&#228;tszuschlages von 5,5 auf 8 Prozent. Ach so, die Anhebung des Spitzensteuersatzes nicht zu vergessen, und nat&#252;rlich die Verm&#246;genssteuer. Wie bitte? Richtig, die Finanztransaktionssteuer und die Bankenabgabe k&#228;men auch noch hinzu.</p>
<p><strong>Wo bleibt der Subventionsabbau?</strong></p>
<p>Es ist unfassbar. Mit der Schuldenbremse wollte sich die Bundesregierung ein Instrument zur Selbstdisziplinierung gegeben haben, nach dem Motto: „Selbst wenn wir nicht wollten, wir m&#252;ssen energisch sparen. Denn das steht jetzt sogar im Grundgesetz“. Statt aber endlich damit zu beginnen, an die <em>Ausgaben</em> heran zu gehen, drehen die Parteien wie besessen an der Einnahmenschraube. Und w&#252;rgen damit genau jenes St&#252;ck Wachstum ab, das unser Land dringend braucht, um aus der Krise heraus zu kommen. Schwarz-Gelb verspielt seinen letzten Kredit.</p>
<p>Klar, gespart werden soll auch, namentlich an der Bundeswehr, am Elterngeld und – kein Scherz &#8211; am Berliner Stadtschloss. Aber an die wirklich hei&#223;en Eisen traut sich, den Blick fest auf die Landtagswahlen in 2011 gerichtet, mal wieder keiner heran: Wo bleibt der beherzte Subventionsabbau? Wer stellt sich hin und r&#228;umt ein, dass die erm&#228;&#223;igte Hotelsteuer ein Fehler war? Wer baut den (&#252;ber 140 Milliarden Euro schweren) Etat f&#252;r Arbeit und Soziales so intelligent um, dass bei absoluter K&#252;rzung der Gesamtmittel trotzdem nicht weniger Geld bei den wirklich Bed&#252;rftigen ankommt? Und wer entsch&#228;rft die Zeitbombe der Pensionsverpflichtungen im &#214;ffentlichen Dienst? Och n&#246;. Dann lieber die Steuern rauf.</p>
<p>Aber warum eigentlich? Wir &#228;chzen doch nicht deshalb unter 1,7 Billionen Euro Schulden, weil wir Griechenland vor dem Bankrott bewahren mussten. Sondern weil seit Jahrzehnten in unserem Gemeinwesen die Anreizsysteme falsch gesetzt werden. Jetzt ist der Moment, Arbeitsmarktprogramme zu &#252;berpr&#252;fen, Gratifikationen f&#252;r Nichtbed&#252;rftige auf Beitragsfinanzierung umzustellen und Verwaltungsineffizienzen abzubauen. Jetzt – und nicht &#252;bermorgen.</p>
<p><strong>Mehr Mut statt “Muddling-through”</strong></p>
<p>Das Vertrauen der B&#252;rger in die Gestaltungsf&#228;higkeit der Politik ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Wenn vier von zehn W&#228;hlern, wie in NRW geschehen, nicht zur Wahl gehen, dann ist das ein Armutszeugnis – f&#252;r die Politik. Anstatt aber endlich aufzuwachen und sich zu fragen: „Durch welche Signale k&#246;nnen wir die Menschen wieder ins Boot holen?“, soll denen, die den Pflug ziehen, offenbar noch tiefer in die Tasche gegriffen werden. Dass das die politische Mitte immer weiter schw&#228;cht, w&#228;hrend die Extremen sich ins F&#228;ustchen lachen – das kapiert offenbar immer noch keiner.</p>
<p>Mutiges, intelligentes Sparen, vorbehaltlose &#220;berpr&#252;fung von Staatsaufgaben nebst Abschaffung nicht nachvollziehbarer Steuerprivilegien (z.B. f&#252;r Hotels) – das w&#228;re ein gro&#223;er Wurf im Sinne des „Primats der Politik“. Steuererh&#246;hungen hingegen sind ein Ausweis von Einfallslosigkeit, Besitzstandshandeln und <em>Muddling through</em>. Liebe Koalition&#228;re, ihr habt &#8211; auf Zeit &#8211; die Macht. Jetzt beweist doch endlich mal Mut.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28502&amp;md5=28244ac7cc1db941cfc4821388010260" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nicht „die Spekulanten“, sondern die Schuldenmacher bedrohen den Euro</title>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 10:24:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Staatsschulden]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der kollektiv erzeugten Spekulantenphobie unterschl&#228;gt die Politik den eigentlichen Grund f&#252;r die Existenzkrise des Euro.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2ebdbb85e14049418f2a6be64465b94c" alt="" width="1" height="1" />Schenkt man dem Feuilleton der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em> Glauben, dann erleben wir derzeit „<a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/503322">Die R&#252;ckkehr der Heuschrecke</a>“. So jedenfalls war der Samstagsaufmacher von Tobias Kniebe am 8.5. &#252;ber Oliver Stone’s Wiederauflage des Hollywood-Klassikers „Wall Street“ betitelt. Die Heuschrecken-Headline passt zu dem Feindbild, das derzeit von Politik und Medien systematisch verbreitet wird.</p>
<p>Diesem Feindbild zufolge m&#252;ssen Europa und die Welt mit aller Macht vor gierigen „Spekulanten“ gesch&#252;tzt werden, die schw&#228;chelnde, zumeist s&#252;dl&#228;ndische EU-Staaten zum Abschuss freigegeben h&#228;tten. Den (freilich nicht n&#228;her definierten) Spekulanten, so die einhellige Meinung, m&#252;sse „das Handwerk gelegt werden“. Denn sie, und nur sie, h&#228;tten mit ihrer Attacke auf Griechenland die Eurozone an den Rand des Abgrunds getrieben, weswegen die Milliardenspritze f&#252;r Athen „alternativlos“ gewesen sei.</p>
<p><strong>„Die Spekulanten“ sind wir</strong></p>
<p>Diese kollektive Spekulantenphobie, gen&#228;hrt vom immer tieferen Misstrauen der Politik gegen&#252;ber dem Finanzsektor, unterschl&#228;gt den eigentlichen Grund f&#252;r die Existenzkrise des Euro: Der Euro ringt deshalb ums &#220;berleben, weil nahezu alle Staaten der Eurozone jegliche Haushaltsdisziplin &#252;ber Bord geworfen und ihre Defizite in geradezu astronomische H&#246;hen getrieben haben. Das gilt f&#252;r die PI(I)GS, aber in genau demselben, erschreckenden Ma&#223;e auch f&#252;r Deutschland, Frankreich und Gro&#223;britannien.</p>
<p>Im Durchschnitt des Euroraums wird das Budgetdefizit aller Staaten im Jahr 2010 nach neuesten Berechnungen der EU-Kommission auf 6,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen – der Maastricht-Grenzwert liegt bei drei Prozent. Die Staatsschulden steigen im Eurozonen-Durchschnitt von 66 Prozent des BIP in 2007 auf 88,5 Prozent in 2011. Erlaubt laut Vertrag sind 60 Prozent.</p>
<p>In dieser massiven &#220;berschreitung der erst vor wenigen Jahren beschlossenen Schuldengrenzen liegt der eigentliche Skandal: Die Regierenden in der EU spekulieren darauf, dass die von ihnen zu verantwortenden Haushaltsdefizite sich durch sp&#228;teres Wirtschaftswachstum wie von selbst aufl&#246;sen werden. Die Pfeile des Volkszorns lenken sie derweil auf die b&#246;sen Finanzakrobaten in der Londoner City, in Frankfurt oder New York.</p>
<p>Der Hyperverschuldung jedoch ist nicht beizukommen, indem man auf Ratingagenturen schimpft, Finanztransaktionen mit Steuern belegt oder – wie von Frankreichs Colbertisten immer schon gewollt &#8211; eine „europ&#228;ische Wirtschaftsregierung“ schafft. Letztere w&#252;rde nur den Marsch in eine Transferunion beschleunigen, die am Ende ganz Europa in die Insolvenz treiben k&#246;nnte.</p>
<p>Nein, gegen die &#220;berschuldung hilft nur eins: eisernes, jahrelanges Sparen. Politische F&#252;hrung lie&#223;e sich jetzt darin beweisen, dass die Regierenden vor ihre B&#252;rger treten und ihnen ein f&#252;r alle Mal beibringen, dass einfach kein Geld mehr da ist &#8211; es sei denn, man will den kommenden Generationen noch mehr Schulden hinterlassen. Die Regierungen, allen voran die schwarz-gelbe Koalition im Bund, m&#252;ssen sich zu einem Sparkurs durchringen, den es so noch nicht gegeben hat.</p>
<p>Die im Grundgesetz verankerte „Schuldenbremse“ zwingt uns ohnehin dazu, das Haushaltsdefizit ab sofort um 10 Mrd. Euro pro Jahr zu reduzieren. Wer dieses ambitionierte Ziel erreichen will, der darf vor drastischen Einschnitten und einem R&#252;ckbau &#252;berfl&#252;ssiger Staatst&#228;tigkeiten nicht l&#228;nger Halt machen &#8211; anstatt immer nur auf den n&#228;chsten Wahltermin zu schielen.</p>
<p><strong>A Berlin tea party?<br />
</strong></p>
<p>A propos Wahlen: Die Mehrheit der B&#252;rger dr&#228;ngt darauf, endlich Ernst zu machen mit der Konsolidierung der &#246;ffentlichen Haushalte. Je l&#228;nger die Politik diesen Willen ignoriert, desto gr&#246;&#223;er ist die Gefahr, dass die politischen R&#228;nder weiter gest&#228;rkt und links-, aber insbesondere auch rechtspopulistische Str&#246;mungen sich ihren Weg bahnen.</p>
<p>In den USA entfaltet das Tea Party Movement, mit Sarah Palin als einer seiner Leitfiguren, schon jetzt eine Wucht, die die Mehrheitsverh&#228;ltnisse im Kongress ins Wanken bringt. Es ist die Wut der Steuer zahlenden B&#252;rger auf den alles &#252;berwuchernden, immer riesigere Summen umverteilenden Staat, die das Tea Party Movement zu einer unkalkulierbaren Gr&#246;&#223;e anschwillen l&#228;sst.</p>
<p>Aufgepasst: Eine solche Bewegung kann den <em>contrat social </em>ins Wanken bringen! Die Regierenden in Berlin, Paris und Br&#252;ssel haben die Wahl: Entweder rei&#223;en sie jetzt das Steuer herum und leiten den Ausstieg aus dem Schuldenstaat ein. Oder sie schieben alles auf die „Spekulanten“, sehen in jedem Banker einen Gordon Gekko und belassen derweil in der Haushalts-, Sozial- und Subventionspolitik alles beim Alten. Es k&#246;nnte sie teuer zu stehen kommen.
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<a href="http://carta.info/27189/nicht-die-spekulanten-sondern-die-schuldenmacher-bedrohen-den-euro/">Nicht „die Spekulanten“, sondern die Schuldenmacher bedrohen den Euro</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27189/nicht-die-spekulanten-sondern-die-schuldenmacher-bedrohen-den-euro/#comments">14 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27189&amp;md5=7790e95c6962376aebf67bcafca5e9e0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bittere Pillen, dezenter Jazz: Die Gesundheitsreform als Praxistest der politischen Kommunikation</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 10:48:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesundheitsreform]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Berliner Adlon f&#252;hrte Bundesgesundheitsminister R&#246;sler ein Lehrst&#252;ck politischer Kommunikation auf - und denkt nicht daran, Verbandsvertreter, Pharmalobbyisten oder Steuerzahler zu verschonen. Eine kurze Betrachtung der Dialektik des Philipp R&#246;sler.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/72205aabeec64ee5a925891791892218" alt="" width="1" height="1" />Wenn Du den Menschen Deine politischen Visionen erkl&#228;ren willst, dann gehe nicht nur zu Plasberg oder Illner. Sondern auch einmal ins Berliner Hotel „Adlon“. &#8211; So oder &#228;hnlich m&#246;gen Philipp R&#246;sler und seine Berater gedacht haben, als sie den Auftritt des Bundesgesundheitsministers am Dienstagabend im Ballsaal des namlichen Hauses planten. Gediegen geht es zu in der Nobelherberge am Pariser Platz: Der Springbrunnen im Foyer pl&#228;tschert, livrierte Kellner servieren Tee und Sandwiches, der Pianist untermalt die Szene mit dezentem Jazz. Schnell noch einen Streuselkuchen mit Apfel, bevor die rund 300 G&#228;ste ihre Pl&#228;tze einnehmen: der Saal ist prall gef&#252;llt.</p>
<p>„Millionen neuer Jobs“ k&#246;nnten in der Gesundheitsbranche entstehen, wenn nur die Rahmenbedingungen verbessert werden – so stimmt der Chef des gastgebenden Industrieverbandes das Publikum ein. „Jetzt m&#252;ssen wir die Weichen richtig stellen: Wir m&#252;ssen die Gesundheitskosten von den Lohnkosten abkoppeln!“</p>
<p>Das war das Stichwort f&#252;r Philipp R&#246;sler. Der junge Arzt springt behende ans Pult und kommt ohne weitere Umschweife zum Thema: „In den letzten 20 Jahren hat es sieben Gesundheitsreformen gegeben – und jedes Mal sind die Kosten weiter gestiegen“. Das erinnere ihn, R&#246;sler, irgendwie an die „sieben biblischen Plagen“. Die Zeit sei reif f&#252;r einen Systemwechsel. Die Zeit sei reif f&#252;r eine Beseitigung planwirtschaftlicher zugunsten neuer, wettbewerblicher Elemente im Gesundheitssystem – und f&#252;r die Losl&#246;sung der Beitr&#228;ge zur Gesetzlichen Krankenversicherung vom Arbeitsentgelt. An ihre Stelle m&#252;sse eine einheitliche Pr&#228;mie treten, die zugleich mehr Transparenz f&#252;r die Versicherten und mehr Wettbewerb zwischen den Kassen herbeif&#252;hre. Die Regierung traue den Leistungserbringern mehr zu – und den Versicherten ebenso. Mit der Pr&#228;mie, so der Minister, wolle man den Patienten ert&#252;chtigen: „Wir &#228;ndern das System“.</p>
<p>Begeisterung in allen Stuhlreihen. Nach der Durchquerung der gesundheitspolitischen W&#252;ste unter der schier ewigen Ulla Schmidt scheint pl&#246;tzlich die Erl&#246;sung nah. Der Ballsaal des Adlon erstrahlt im hellen Glanz. Schon vermeint man im Hintergrund die Gl&#228;ser klingen zu h&#246;ren, als R&#246;sler zum zweiten Teil seiner Rede anhebt – und reichlich Wasser in den Wein giesst: „Es geht um Solidarit&#228;t. Und das heisst auch: Der Gesunde st&#252;tzt den Kranken, der Reiche den Armen“. Das leiste das heutige System nicht – Stichwort Beitragsbemessungsgrenze. Die Zuh&#246;rer ahnen es: Jetzt sind sie dran. Der Sozialausgleich im Pr&#228;miensystem erfolgt &#252;ber das…? Genau, &#252;ber das Steuersystem! Und in dieses zahlen wir alle ein, „ein jeder nach seiner Leistungsf&#228;higkeit“, wie R&#246;sler es ungeschminkt beschreibt. Damit ist schnell klar: Himmlische Zust&#228;nde bringt die Gesundheitsreform f&#252;r die schwarz-gelbe W&#228;hlerschaft mit Sicherheit nicht. Und f&#252;r die Pharmaindustrie auch nicht. Ihr bedeutet R&#246;sler, was er vom „wenig marktwirtschaftlichen“ Preisfindungsmodell im Arzneimittelmarkt h&#228;lt: „Ich will nicht von einem Monopol sprechen, aber…“.</p>
<p>Manch ein Mundwinkel zeigt jetzt nach unten. Die Pille, die Doktor R&#246;sler seinem Auditorium verabreicht, ist bitter: Die Pharmaindustrie soll sich m&#246;glichst umgehend mit den Kassen an den Verhandlungstisch setzen. Dabei herauskommen sollen Entlastungen der Kassen in dreistelliger Millionenh&#246;he allein in diesem Jahr. „Das ist nicht sch&#246;n“, bekennt R&#246;sler. „Aber wir m&#252;ssen kurzfristig mehr Geld in das System bekommen“. Pharmakonzerne sollen nicht nur den Nutzen, sondern den Zusatznutzen der Medikamente nachweisen k&#246;nnen, f&#252;r die sie Erstattung beantragen. Das b&#246;se Wort von den „Scheininnovationen“ &#8211; es brauchte gar nicht mehr ausgesprochen zu werden.</p>
<p>Die Verbandsvertreter, Unternehmenslobbyisten und Politikberater waren ins „Adlon“ gekommen, weil sie den gesundheitspolitischen Fr&#252;hling herbeisehnten. Was sie erlebten, war ein Lehrst&#252;ck in politischer Kommunikation: R&#246;sler vermied alles, was auch nur den Anschein der Klientel-Politik erweckt h&#228;tte. Stattdessen verlegte er sich aufs Erkl&#228;ren: Der Minister erkl&#228;rte seinen Zuh&#246;rern in g&#228;nzlich freier Rede zuerst, warum das gegenw&#228;rtige System ein Wachstumshemmer ist. Um ihnen dann in derselben, fast Obama-haften Leichtigkeit beizubringen, dass das verheissungsvolle (weil den Faktor Arbeit entlastende) neue System nur zu bekommen ist, wenn Steuerzahler, Industrie und Leistungserbringer dazu ihren (erklecklichen) Beitrag leisten. Wer jetzt noch auf individuelle Bevorzugung, aufs Verschontwerden spekuliert, der hat schon verloren.</p>
<p>Die Dialektik des Philipp R&#246;sler ist eine andere. Der junge Minister zielt aufs ganze Volk, verbindet Wettbewerb mit sozialem Ausgleich, Transparenz mit solidarischem Transfer, Eigenverantwortung mit Fairness. Dabei beruft er sich auf seine „innere Freiheit“ &#8211; sie erm&#246;gliche es ihm, an seinen &#220;berzeugungen festzuhalten. K&#252;ndigt sich da, unter der hohen Decke des Berliner Nobelhotels, etwa ein neuer Politikstil an? „<a href="http://www.n-tv.de/politik/Soeder-veraergert-Schwarz-und-Gelb-article786945.html">S&#246;der lehnt Kopfpauschale ab</a>“, rattert es kurz darauf &#252;ber die Nachrichtenticker. Der Abend im „Adlon“ markierte nur den Auftakt zu einer Debatte, die st&#252;rmisch zu werden verspricht.
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		<title>Die neuen Leiden des Guido W.</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 12:02:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Andreas Pinkwart]]></category>
		<category><![CDATA[FDP]]></category>
		<category><![CDATA[Guido Westerwelle]]></category>
		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialleistungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Guido Westerwelle setzt wieder auf schrille Provokationen. Er vergibt die Chance, der notwendigen Debatte &#252;ber die Zukunft des Sozialstaats Richtung zu geben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/be6af1beeba742a3953e6720017f5186" alt="" width="1" height="1" />Guido Westerwelle leidet. Er leidet unter den <a href="http://carta.info/22753/fdp-fehler/">dramatisch abst&#252;rzenden Umfragewerten</a> der FDP, dem neuen Image als „M&#246;venpick-Partei“ und jetzt auch noch am geistigen „Sozialismus“ in uns allen – jener „<a href="http://www.welt.de/debatte/article6347490/An-die-deutsche-Mittelschicht-denkt-niemand.html">sp&#228;tr&#246;mischen Dekadenz</a>“, die er in Deutschland ausgemacht haben will. All dies verleitet den 49-j&#228;hrigen Parteichef, Bundesau&#223;enminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland zu &#196;u&#223;erungen, die in den eigenen Reihen verwundertes Kopfsch&#252;tteln, beim Koalitionspartner unverkennbare Distanznahme und bei Opposition und Gewerkschaften Emp&#246;rung und Entr&#252;stung ausl&#246;sen. Auch die Presse findet keine Gnade: von „<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/859/503087/text/">Amoklauf</a>“ (Heribert Prantl) &#252;ber „<a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article6364750/Westerwelle-hat-Recht-ueberzeugt-aber-nicht.html">aus Versehen gew&#228;hlt</a>“ (Thomas Schmid) bis zum &#8220;<a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/FDP-Guido-Westerwelle;art141,3029019">Drau&#223;enminister</a>“ (Lorenz Maroldt) reichen die teils spottenden, teils vernichtenden Urteile.</p>
<p><strong>Die Macht der Liberalen: Wie gewonnen, so zerronnen?</strong><br />
Dabei ist es nachvollziehbar, warum Westerwelles Nerven blank liegen (und sie liegen blank): Kaum ist, nach elf entbehrungsreichen Jahren, die Macht zur&#252;ck gewonnen, so droht sie schon wieder zu zerrinnen. Und das ausgerechnet in Nordrhein-Westfalen, wo sowohl der Parteichef als auch der neue Generalsekret&#228;r der Bundespartei, Christian Lindner, beheimatet sind.</p>
<p>Sollte diese Bastion am 9. Mai verloren gehen und Landeschef Andreas Pinkwart den Posten des Vizeministerpr&#228;sidenten an eine/n Gr&#252;ne/n abgeben m&#252;ssen, dann k&#228;me dies einem Debakel gleich. In dessen Folge ginge nicht nur die schwarz-gelbe Regierungsmehrheit im Bundesrat verloren, es k&#246;nnten auch in der FDP die D&#228;mme brechen. Die Geduld an der Basis ist jetzt schon zu Ende, wie jeder beobachten kann, der in diesen Tagen einer Ortsverbands- oder Fachausschusssitzung beiwohnt. Fliegt die Partei jedoch in D&#252;sseldorf aus der Regierung, dann k&#246;nnte sich auch die F&#252;hrungsfrage stellen. Und das k&#246;nnte f&#252;r Westerwelle ungef&#228;hr so ungem&#252;tlich werden wie sein n&#228;chster Transall-Flug in die Kampfzonen von Afghanistan.</p>
<p>Wenn des Parteichefs Nervosit&#228;t also verst&#228;ndlich ist, dann stellt sich um so mehr die Frage, warum er ausgerechnet in der schrillen Provokation nicht das Heilmittel sieht. Warum er jetzt polarisiert, anstatt zu einen. Und warum er allen Ernstes glaubt, dass die Menschen mehr Tempo bei der Umsetzung liberaler Wahlkampfversprechen sehen wollten, wie es am Ende der blau-gelben Krisenklausur am ersten Februar-Wochenende hie&#223;.</p>
<p>Das Problem liegt nicht darin, dass es den W&#228;hlern zu langsam geht mit der Reform des Steuer-, Renten- oder Gesundheitssystems. Was den fast 15 Prozent FDP-W&#228;hlern fehlt, ist ein klares Bild davon, was die Partei mit ihrem sch&#246;nen Wahlerfolg eigentlich anfangen, wozu sie ihn nutzen, wohin sie Deutschland f&#252;hren will. V&#246;llig zu Recht fragen die B&#252;rger im Land unvermindert nach dem Leitgedanken des schwarz-gelben Projekts – dem &#220;berbau, aus dem diese Koalition ihre Legitimation und ihren Gestaltungsauftrag bezieht. Westerwelle spricht von der „geistig-politischen“ Wende, die er herbeif&#252;hren will. Das klingt verhei&#223;ungsvoll. Noch &#252;berzeugender aber w&#228;re es, wenn diese Chiffre auch mit Inhalt gef&#252;llt w&#252;rde. Und da muss, bitte sch&#246;n, mehr kommen als eine vehemente Verbalattacke auf all diese b&#246;sen Sozialisten da drau&#223;en.</p>
<p><strong>Intellektuelle F&#252;hrung gefragt</strong><br />
Es muss auch deshalb mehr kommen, weil unserem Land eine Auseinandersetzung &#252;ber den Sozialstaat bevorsteht, die all den bisherigen Streit &#252;ber Hartz IV zur Petitesse degradiert. Die Einschnitte, Abgaben- und Steuererh&#246;hungen, die ins Haus stehen, werden bisherige, eher zaghafte Belastungen um ein Vielfaches &#252;bersteigen – weil anders die astronomische Staatsverschuldung nicht in den Griff zu bekommen ist.</p>
<p>Verantwortungsvolle Politik best&#252;nde darin, die B&#252;rger behutsam und ohne weiteren Zeitverzug auf diese Einschnitte vorzubereiten. Derzeit ist Wolfgang Sch&#228;uble auf bestem Wege, die intellektuelle F&#252;hrung in dieser Debatte zu &#252;bernehmen. Guido Westerwelle hat die Wahl: Entweder &#252;berl&#228;sst er dem Finanzminister – mal leidend, mal l&#228;rmend – das Feld. Oder er schwingt sich selber zum Erkl&#228;rer eines grundlegenden Modernisierungsprojekts auf. An der daf&#252;r erforderlichen Kraft mangelt es dem Chefliberalen mit Sicherheit nicht.
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		<title>Abgaben rauf, Sozialleistungen runter: Die schwarz-gelbe „Agenda 2010“</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 11:31:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weniger Steuern, h&#246;here Sozialleistungen: Vor den Wahlen in Nordrhein-Westfalen verspricht die schwarz-gelbe Koalition das Blaue vom Himmel. Doch so dumm sind die W&#228;hler nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/71b7ce1e5a3d4055aef36793c79f241a" alt="" width="1" height="1" />Zwei politische Gro&#223;debatten werden das Jahr 2010 pr&#228;gen: die Steuerpolitik vor dem Hintergrund der dramatischen &#246;ffentlichen Verschuldung – und Afghanistan. Auf beiden Themenfeldern &#252;ben sich die Berliner Koalition&#228;re zunehmend in Wahrheitsverschleierung: Das Haushaltsdefizit, so vernehmen wir, wird sich im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs von selbst abbauen. Deshalb spr&#228;che trotz 100 Milliarden Euro Neuverschuldung im neuen Jahr nichts gegen Steuererleichterungen im Umfang von &#252;ber 20 Milliarden Euro pro Jahr – sagt zumindest die FDP. Und in Afghanistan k&#246;nne man allm&#228;hlich damit beginnen, &#252;ber einen geordneten R&#252;ckzug nachzudenken. Eine Truppenverst&#228;rkung hingegen sei f&#252;r Deutschland „keine Option“.</p>
<p><strong>Mehr Ehrlichkeit wagen</strong></p>
<p>Bedeutend ehrlicher w&#228;re es, den Deutschen zu sagen, dass angesichts des rekordhohen Haushaltsdefizits der Staat schon jetzt kaum noch handlungsf&#228;hig ist. Ob Autobahnen, Familienzusch&#252;sse oder Schwimmb&#228;der – alles steht unter dem Vorbehalt der nicht mehr gegebenen Finanzierbarkeit. Warum in dieser Lage ausgerechnet Steuersenkungen das Allheilmittel sein sollen, ist nicht nur s&#228;mtlichen Wirtschaftssachverst&#228;ndigen, sondern auch der Mehrheit der Menschen im Land schleierhaft.</p>
<p>Ehrlich w&#228;re es auch, den Deutschen zu sagen, dass es schon in K&#252;rze zu Steuer- und Abgabenerh&#246;hungen der verschiedensten Art kommen muss. So stehen die abstrusen Ausnahmeregelungen bei der Mehrwertsteuer zu Recht auf dem Pr&#252;fstand: Die vielen Millionen, die dem Staat beim Verkauf von Tierfutter oder Schnittblumen (oder neuerdings bei &#220;bernachtungen im Hotel) entgehen, sind durch nichts zu rechtfertigen. Absehbar ist auch, dass der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung angehoben werden muss, will man die N&#252;rnberger Bundesagentur f&#252;r Arbeit vor dem Kollaps bewahren. Auch die Einf&#252;hrung einer PKW-Maut sowie die Abschaffung der Steuerbefreiung von Feiertags- und Nachtzuschl&#228;gen sind nur noch eine Frage der Zeit. All dies verschweigt die Politik.</p>
<p>Ehrlich w&#228;re es weiterhin, uns B&#252;rger auf schmerzliche Einschnitte bei den Sozialleistungen vorzubereiten. Einf&#252;hrung einer – ordnungspolitisch durchaus vertretbaren – Gesundheitspr&#228;mie, &#220;berpr&#252;fung der Rentengarantie, K&#252;rzung familienpolitischer Leistungen – die Tabuisierung solcher und &#228;hnlicher Ma&#223;nahmen  wird sich allenfalls noch bis in den Fr&#252;hsommer aufrechterhalten lassen.</p>
<p>Ehrlich w&#228;re es schlie&#223;lich, uns zu sagen, dass der Krieg in Afghanistan einen signifikanten, m&#246;glicherweise sogar erh&#246;hten Einsatz der Bundeswehr unter Inkaufnahme t&#246;dlicher Risiken erforderlich macht. Wenn die USA ihre Truppen um bis zu 30 000 Soldatinnen und Soldaten verst&#228;rken, mit welchen Argumenten will sich die Bundesregierung der Teilhabe an dieser Aufstockung verweigern?</p>
<p><strong>Der B&#252;rger ist schlauer</strong></p>
<p>Der Grund f&#252;r die fl&#228;chendeckende Verschleierung liegt auf der Hand: Anfang Mai 2010 wird in Nordrhein-Westfalen gew&#228;hlt. Und nichts f&#252;rchten Merkel und Westerwelle mit Blick auf ihre hauchd&#252;nne Mehrheit im Bundesrat mehr als den Verlust der Macht am Rhein. Deshalb wird den B&#252;rgern fast alles versprochen: Steuersenkungen, h&#246;here Sozialleistungen, selbst wenn erkennbar nichts davon bezahlbar ist.</p>
<p>Aber wie klug ist dieses Man&#246;vrieren eigentlich? Es mag Zeiten gegeben haben, in denen die W&#228;hler in guter alter Autorit&#228;tsgl&#228;ubigkeit den Politikern das, was sie verk&#252;ndeten, auch abgenommen haben. Aber diese Zeiten sind gottlob vorbei. Gegen die kollektive Intelligenz, die das digitale Zeitalter hervorgebracht hat, kommt kein Heilsversprecher mehr an. Der volle &#220;berblick &#252;ber die verheerende Lage der Staatsfinanzen (wie auch &#252;ber die Zust&#228;nde in Afghanistan) ist nur einen Mausklick entfernt. Wahlen werden nicht mehr auf Marktpl&#228;tzen entschieden, sondern immer mehr im digitalen Debattenraum. Und dort l&#228;sst sich niemand etwas vorgaukeln: die Ehrlichkeit des Netzes ist gnadenlos.</p>
<p><strong>Die Karten auf den Tisch legen</strong></p>
<p>Alle Parteien, aber besonders die Bundesregierung, m&#252;ssen sich dieser Ehrlichkeit stellen – und endlich die Karten auf den Tisch legen. Die Abwahl droht nicht dem, der unbequeme Wahrheiten offen adressiert – sondern dem, der bevorstehende, unvermeidbare H&#228;rten aus purer Wahlkampftaktik unter den Teppich kehrt.
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<a href="http://carta.info/20969/schwarz-gelb-steuerpolitik-verschuldung-nrw-wahlen/">Abgaben rauf, Sozialleistungen runter: Die schwarz-gelbe „Agenda 2010“</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/20969/schwarz-gelb-steuerpolitik-verschuldung-nrw-wahlen/#comments">6 comments</a>
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		<title>Heute im Bundestag: Das „Wie-halten-wir-NRW“-Gesetz</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Nov 2009 12:14:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Nordrhein-Westfalen]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Harry Carstensen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wachstumsbeschleunigungsgesetz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wahlen in Nordrhein-Westfalen stehen ins Haus und die Koalition verteilt mit dem "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" noch einmal Verg&#252;nstigungen. Den Hammer wird Finanzminister Sch&#228;uble erst danach herausholen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9131f9f775484cd3ae2c181bc5118a2f" alt="" width="1" height="1" /><br />
Seit vier Wochen regiert in Berlin die schwarz-gelbe Koalition. Die Bilanz ist wahrhaft beeindruckend: Ob Gesundheitspolitik oder Betreuungsgeld, ob Vertriebenenstiftung oder Hotelsteuer: Selten waren nach einer Regierungsbildung so schnell so viele Reizw&#246;rter in Umlauf. Und selten hatte man so fr&#252;h den Eindruck, es mit einer reinen Zweckbeziehung zu tun zu haben – einer „versp&#228;teten Koalition“, wie Gerd Appenzeller es im „Tagesspiegel“ vom 29.11. formuliert. <em>Bonjour tristesse </em>ist das Leitmotiv der Regierung Merkel II, selbst wenn mit Kristina K&#246;hler die Kabinettsrunde um ein Zahnpastal&#228;cheln reicher wird.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;">Freilich, einen Pfeil hat Kanzlerin Angela Merkel noch im K&#246;cher: Mit dem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“, welches an diesem Montag im Rahmen einer &#246;ffentlichen Anh&#246;rung im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2009/27942156_kw48_finanzen/index.html">beraten wird</a>, soll nun alles besser werden. Das Kindergeld wird um 20 EUR im Monat, der Kinderfreibetrag um rund tausend Euro erh&#246;ht. Wer erbt, zahlt weniger Steuern, w&#228;hrend Unternehmen ein St&#252;ck weit von dem unter Schwarz-Rot beschlossenen Aberwitz befreit werden, Gewerbesteuer auf Mieten oder Leasingraten zahlen zu m&#252;ssen. </span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;">Bis hierhin scheint alles gut. H&#246;chst umstritten zwischen dem Bund und einzelnen L&#228;ndern, insbesondere Schleswig-Holstein, ist jedoch der Plan, auf Hotel&#252;bernachtungen nur noch sieben Prozent Mehrwertsteuer zu erheben. Die daraus resultierenden Steuerausf&#228;lle, so der Kieler Ministerpr&#228;sident Peter Harry Carstensen, k&#246;nne sein Bundesland nicht verkraften. Bewegt sich die Bundesregierung nicht, dann wollen die Nordlichter dem ersten gro&#223;en Gesetz der neuen Berliner Koalition ihre Zustimmung verweigern – f&#252;r Merkel und ihren Finanzminister Wolfgang Sch&#228;uble die gr&#246;&#223;te anzunehmende Blamage.</span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;"><strong>Deichgraf, bleibe hart</strong></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;">Es gibt gute Gr&#252;nde daf&#252;r, dass Deichgraf Carstensen seine Stimme gegen diesen Teil des Gesetzes erhebt. Dabei ist der bef&#252;rchtete Steuerausfall ordnungspolitisch kein besonders &#252;berzeugendes Argument. Entscheidend ist vielmehr, dass mit der steuerlichen Bevorzugung von Hotels – ungeachtet der Ank&#252;ndigung, unser Steuersystem einfacher zu gestalten – ein weiterer Ausnahmetatbestand im Steuerrecht geschaffen wird. Als wenn wir nicht schon genug davon h&#228;tten. Es mag ja sein, dass Hoteliers in grenznahen Regionen immer mehr G&#228;ste an ihre Wettbewerber jenseits der Landesgrenze verlieren, weil dort geringere Steuern erhoben werden. Aber deshalb dieser einen Branche einen Vorteil zu gew&#228;hren, den sie aller Wahrscheinlichkeit nicht einmal an ihre Kunden weiterreichen wird – das ist keine Wirtschafts-, sondern Klientelpolitik. </span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;">Gleichwohl werden Bund und L&#228;nder sich schon irgendwie einigen. Ein Scheitern kann sich die Koalition gar nicht leisten. Denn Anfang Mai 2010 sind Wahlen in NRW. Und dort geht es buchst&#228;blich ums Ganze: Gelingt es Ministerpr&#228;sident J&#252;rgen R&#252;ttgers im Verein mit den Liberalen, erneut die SPD zu schlagen, dann ist Merkels Mehrheit im Bundesrat zumindest bis 2011 einigerma&#223;en sicher. Geht NRW aber verloren, zum Beispiel weil Sigmar Gabriel Ernst macht mit Rot-Rot-Gr&#252;n, dann wird es ungem&#252;tlich in Berlin. Dann findet Gesetzgebung nicht auf lichten schwarz-gelben H&#246;hen statt, sondern im Maschinenraum namens Vermittlungsausschuss – f&#252;r Merkel, Westerwelle &amp; Co. ein traumatisches Szenario. </span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;">So gesehen, ist das Wachstumsbeschleunigungsgesetz in Wahrheit ein „Wie-verteidigen-wir-die-Macht-in-Nordrhein-Westfalen“-Gesetz. Es geht darum, die B&#252;rger noch einmal vom s&#252;&#223;en Saft vielf&#228;ltiger Verg&#252;nstigungen nippen zu lassen, bevor Finanzminister Sch&#228;uble endg&#252;ltig den Hammer herausholt und <span style="color: #000000;">&#8220;in jedem Jahr strukturell zehn Milliarden Euro sparen“ will (Sch&#228;uble zur <em>Stuttgarter Zeitung</em>, 28.11.2009).</span></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;"><strong>D&#252;sseldorf ist wichtiger als Delhi</strong></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span style="font-family: Georgia,serif;">Mikropolitisch gedacht, gibt eine solche Mehrheitsverteidigungsstrategie sicherlich Sinn. Aber von der neuen Regierung wird man mehr erwarten d&#252;rfen als parteipolitisches Machtkalk&#252;l. Politik muss endlich wieder Gestaltungskraft beweisen. Draussen auf den Weltm&#228;rkten tobt der Wettbewerb wie eh und je &#8211; die Krise hat die Globalisierung keineswegs beendet, allenfalls unterbrochen. Chinesen, Inder und Andere haben l&#228;ngst zu alter St&#228;rke zur&#252;ckgefunden. Dringend erforderlich w&#228;re es, die deutsche Volkswirtschaft auf diese Herausforderungen auszurichten. Stattdessen halten wir uns mit Hotelsteuern, Herdpr&#228;mien und der Causa Steinbach auf, denken mehr an D&#252;sseldorf als an Delhi und lassen zu, dass Deutschland bei der Neubesetzung der EU-Kommission mit dem Energieportfolio abgespiesen wird – ein Linsengericht! Merkel, Westerwelle und Seehofer haben den B&#252;rgern dieses Landes einen Politikwechsel versprochen. Wenn sie den nicht bald einleiten, wird die Tristesse zum Dauerzustand.</span></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=19237&amp;md5=1bfb183f5528cc811aa083a37d209844" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Projekt f&#252;r Schwarz-Gelb: die Aufstiegsgesellschaft</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 11:02:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der neuen schwarz-gelben Koalition fehlt es bislang an einem politischen Leitgedanken. Sie m&#252;sste auf Bildung setzen und sich "Aufstieg f&#252;r alle" auf die Fahnen schreiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2723cc5a03cf4cdb8105fc81e81fde5c" width="1" height="1" alt=""/>Unser Land verharrt in einer r&#228;tselhaften Ratlosigkeit. Ein Blick in die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 4. Oktober offenbart die ganze geistige Leere, in der wir seit dem Wahlausgang vom 27. September herumrudern: Da findet sich im gesamten Politikteil kein einziger (!) Beitrag &#252;ber die Frage, was die neue Regierungskoalition im Bund mit ihrer Mehrheit denn nun anfangen sollte. Stattdessen ein St&#252;ck &#252;ber die jungen „<a href="http://www.faz.net/s/RubF3CE08B362D244869BE7984590CB6AC1/Doc~E79F62ECA93E5431A911093C6D89562E6~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Schnurris</a>“ der FDP und ein <a href="http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E2F10E2D4317B4DABACE0288DC76CC092~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Leitartikel</a> von Volker Zastrow &#252;ber die j&#252;ngsten Verbalentgleisungen von Thilo Sarrazin. Regierungswechsel &#8211; war da was?</p>
<p>Man kann diese intellektuelle Erschlaffung einzelnen Medien zum Vorwurf machen. Aber hauptverantwortlich sind noch immer die Parteien. Denn da kommt ja gar nichts: Wohin man auch schaut und h&#246;rt, die wesentliche Errungenschaft des 27. September scheint darin zu bestehen, sich trotz Stimmenverlust an der Macht gehalten (Union) bzw. mit fulminantem Ergebnis die Machtteilhabe errungen zu haben (FDP). Dass die Menschen in diesem Land Anspruch auf einen Zukunftsentwurf haben -  das scheint bei der Mehrzahl der soeben gew&#228;hlten Volksvertreter noch nicht angekommen zu sein.</p>
<p>Das Problem dabei ist: Wenn wir die Dinge einfach laufen lassen, dann schlittern wir geradewegs in das hinein, was Ulf Poschardt als die „zweite sozialliberale Koalition“ – diesmal halt unter F&#252;hrung der Union – <a href="http://debatte.welt.de/kommentare/159060/die+chancen+der+zweiten+sozialliberalen+koalition">bezeichnet hat</a>. In diesem Falle k&#246;nnte Henryk M. Broders d&#252;stere <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/3-Oktober-DDR-Linkspartei%3Bart141,2913839">These</a>, wonach sich die Verh&#228;ltnisse in der Bundesrepublik immer mehr den Zust&#228;nden in der DDR angleichen, der Realit&#228;t gef&#228;hrlich nahe kommen.</p>
<p><strong>Zentraler Leitgedanke gesucht</strong></p>
<p>Vielleicht kommt es aber auch anders. Vielleicht raffen sich Merkel, Westerwelle &amp; Co auf und definieren den einen, zentralen Leitgedanken, mit dem sich das Regierungshandeln der n&#228;chsten Jahre &#252;berw&#246;lben lie&#223;e – einen &#220;berbau, der uns motiviert, mobilisiert und aktiviert; ein Projekt, dass dieselbe Kraft zum Aufbruch hat wie Rot-Gr&#252;n in seinen Anfangsjahren, und gleichzeitig mehr Greifbarkeit als Kohls „geistig-moralische Erneuerung“. Kurzum: Von Schwarz-Gelb muss ein Versprechen ausgehen.</p>
<p>Das Versprechen, nach dem wir Ausschau halten, darf sich nicht darin ersch&#246;pfen, dass wir „Wachstum brauchen“. Nat&#252;rlich brauchen wir Wachstum, weil Wachstum Arbeit und Arbeit soziale Sicherheit schafft. Aber mit Wachstum allein erreicht man die Herzen der Menschen nicht. Dasselbe gilt f&#252;r Begriffe wie Eigenverantwortung, Freiheit oder Steuersenkungen: Das im Grunde richtige Standardvokabular des politischen B&#252;rgertums ist durch die Wirtschaftskrise in kommunikativen Misskredit geraten. Ebenso unredlich w&#228;re das Versprechen von mehr sozialer Gerechtigkeit. Jedenfalls, wenn damit lediglich neue Transferleistungen gemeint sind, f&#252;r die nachweislich gar kein Geld mehr da ist. Eine neue Idee muss her.<br />
<strong><br />
Aufstieg f&#252;r alle</strong></p>
<p>Die Idee k&#246;nnte darin bestehen, dass die Regierung es sich zum Ziel macht, allen Menschen in diesem Land mehr Chancen f&#252;r den ganz pers&#246;nlichen Aufstieg zu verschaffen. Keiner bleibt zur&#252;ck: Der Arbeitslose erh&#228;lt die Chance, sich durch Weiterbildung f&#252;r die Jobs der Zukunft zu qualifizieren. Die junge Frau t&#252;rkischer Herkunft bekommt Familie und Berufst&#228;tigkeit unter einen Hut, anstatt nach der Geburt ihres Kindes aus dem Arbeitsmarkt heraus zu fallen. Der Handwerksgeselle mit Ambitionen auf den Meistertitel wird in den Stand versetzt, einen eigenen Betrieb zu gr&#252;nden, ohne dass B&#252;rokratie und Substanzsteuer ihm das Leben schwer machen. „Medienkompetenz“ und „Wirtschaft“ werden Pflichtf&#228;cher an allen Schulen. Und unsere Universit&#228;ten bilden mehr Ingenieure aus, damit wir von Indien und China nicht nur noch die R&#252;cklichter sehen.</p>
<p>Im Kern geht es um Bildung. Es geht um Wissen, den Treibstoff der Informationsgesellschaft. Und es geht um Mobilit&#228;t im Sinne von Durchl&#228;ssigkeit der Milieus. Die Qualit&#228;t der Bildung darf, da hat &#252;brigens die SPD recht, nicht vom Elternhaus abh&#228;ngen. Sondern es muss auch dem Arbeiterkind m&#246;glich sein, Vorstandschef einer Gro&#223;bank zu werden. Aufstiegsmobilit&#228;t, Bildungschancen, Verbesserungsoptionen f&#252;r alle: Das k&#246;nnte die „Mondlandung“ von Schwarz-Gelb werden – mit 4 Prozent Bildungsanteil am BIP als Rakete.</p>
<p><strong>Set me free</strong></p>
<p>„Germany sets Merkel free“, frohlockt „The Economist“ am 3. Oktober, nicht ohne mahnend <a href="http://www.economist.com/opinion/displaystory.cfm?story_id=14548863">hinzuzuf&#252;gen</a>, dass die neue Koalition nun aber auch „liefern“ muss. So sehen wir das auch: Rentengarantie und Abwrackpr&#228;mie waren gestern. Die Flickschusterei muss ein Ende haben. An der Schwelle zum 2. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hat Deutschland die Chance, in puncto Bildungsniveau, Ausbildungssystem und Innovationskraft in die Spitzengruppe der OECD aufzusteigen und dabei alle Menschen mitzunehmen –<em> no citizen left behind!</em> Wenn Schwarz-Gelb sich dieses Ziel vornimmt, dann k&#246;nnte die Aufstiegsgesellschaft zur n&#228;chsten, gro&#223;en Erz&#228;hlung werden. Mit 80 Millionen Autoren.
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		<title>Opel: Rettungskonstruktion mit Risiko</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 12:58:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bilanztechnisch k&#246;nnte der Magna/Sberbank-Deal dem Autobauer den Todessto&#223; versetzen. Magna h&#228;lt sich mit Staatshilfe &#252;ber Wasser, vor der Wahl aber werden die Finanzierungsfragen wohl weiter offen bleiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bf63a8694000db5ed47dfd53e2f88d" alt="" width="1" height="1" />Das Delikate an dem Opel-Deal, der am 10. September verk&#252;ndet wurde, ist die Finanzkonstruktion, auf dem er basiert: Das Gesch&#228;ft kann nur zustande kommen (unterzeichnet ist es ja noch nicht), weil der Staat Kreditzusagen im Gesamtumfang von 4,5 Mrd Euro gibt. Die Bundesregierung steht bereit, einen Teil dieser Summe zu garantieren. Aber auch die &#252;brigen EU-L&#228;nder mit Opel-Standorten sollen b&#252;rgen. Ob sie das tun werden, ist v&#246;llig offen. Die R&#252;ckzahlungsdauer f&#252;r die Staatskredite soll f&#252;nf Jahre betragen. Damit der Staat sein Geld auch tats&#228;chlich bekommt, sollen mindestens 30 Prozent des Nettogewinns, den Opel erwirtschaftet, f&#252;r Zins und Tilgung der Kredite verwendet werden.</p>
<p>Nettogewinn? Allein diese Klausel kann man angesichts eines Opel-Vorsteuerverlusts von voraussichtlich 2,4 Milliarden Euro im laufenden Jahr nur als k&#252;hn bezeichnen. Verbessert sich die Einnahme- und damit die Ertragssituation von Opel nicht signifikant, dann m&#252;ssen bald weitere Bankkredite aufgenommen werden, um &#252;berhaupt nur die Zinsen auf die Milliardenschuld zahlen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Bilanztechnisch betrachtet, stellt sich Opel mit der jetzt angestrebten L&#246;sung also keinen Deut besser, als wenn der Finanzinvestor Ripplewood das Rennen gemacht h&#228;tte. Ripplewood h&#228;tte, wie jeder Finanzinvestor, Opel mit Schulden &#252;berh&#228;uft, unter deren Last das Unternehmen jahrelang gest&#246;hnt h&#228;tte. Die Magna/Sberbank/GAZ-L&#246;sung l&#228;uft letztlich auf dasselbe hinaus: Durch den Milliarden-Kredit der &#246;ffentlichen Hand geht „New Opel“ mit einer Schuldenlast an den Start, die aus dem Cash-Flow des hochdefizit&#228;ren Unternehmens auf Jahre nicht zu bedienen sein wird – ein leider allzu vertrautes Ph&#228;nomen, welches wir von ProSieben-SAT1/SBS ebenso „gut“ kennen wie von vielen anderen Transaktionen. Fremdfinanzierte &#220;bernahmen, bei denen die Verbindlichkeiten sogleich auf die Bilanz des Kaufobjekts abgew&#228;lzt werden, waren bislang – zumal in Niedrigzinsjahren &#8211; das Wesensmerkmal des Private-Equity-Gesch&#228;fts. Nun erleben wir etwas &#196;hnliches – diesmal mit Public Equity. Holzmann l&#228;sst – hoffentlich nicht – gr&#252;&#223;en.</p>
<p>Heiligt wenigstens der Zweck die Mittel? Geht es hier nicht um die Rettung von 50 000 Arbeitspl&#228;tzen und vielen weiteren tausend in der Zulieferindustrie? Nat&#252;rlich geht es das – &#252;brigens nicht zuletzt beim scheinbaren Sieger Magna, dessen eigentliches Motiv doch darin besteht, einen seiner wichtigsten Abnehmer (und damit sich selbst) mit staatlicher, also Steuerzahlers Hilfe &#252;ber Wasser zu halten. Davon abgesehen, weiss jedoch niemand, ob durch die jetzt getroffene Vorvereinbarung auch nur ein einziger Arbeitsplatz nachhaltig gerettet wurde. Das Beispiel Philipp Holzmann lehrt, dass der faktische Einstieg des Staates in ein marodes Unternehmen nur noch die letzte Etappe auf dem Weg in die Totalliquidation bedeuten kann. Dann aber werden auch der letzte Job, die letzte Werkbank und das letzte rote Backsteintor in den Schlund gerissen. Bis zum Wahlabend mag der Vorhang vor dem Opel-St&#252;ck jetzt erst einmal geschlossen bleiben. Dahinter aber sind fast alle Fragen offen. Vor allem Finanzierungsfragen.</p>
<p><em>Ebenfalls zum Thema auf Carta: <a href="http://carta.info/14641/opel-entscheidung/">Opel: das deutsche Wahlspektakel</a>, von Ursula Weidenfeld.</em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/14712/opel-magna-finanzkonstruktion/">Opel: Rettungskonstruktion mit Risiko</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/14712/opel-magna-finanzkonstruktion/#comments">2 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14712&amp;md5=9302ae36ec0c0eff21aa37a9dc6285f7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wahlkampf 2009: kein Wettbewerb der Ideen, sondern Wortgepl&#228;nkel, keine Sprachkunst, sondern Spr&#252;che</title>
		<link>http://carta.info/13424/wahlkampf-2009-kein-wettbewerb-der-ideen-sondern-wortgeplaenkel-keine-sprachkunst-sondern-sprueche/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Aug 2009 16:51:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<description><![CDATA[Liebe Politiker, wir sind gerne bereit, die Politik ernst zu nehmen und unseren Pflichten nachzukommen. Aber k&#246;nntet Ihr uns, Eure W&#228;hlerinnen und W&#228;hler, bitte auch einmal ernst nehmen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b4687a6eed9d90077d9136f9adca4f" width="1" height="1" alt=""/><em>Wir haben die Kraft</em>, mit <em>mehr netto vom brutto</em> und dem <em>sofortigen Abzug aus Afghanistan</em> ein <em>gentechnikfreies</em> Deutschland <em>ohne Atomkraftwerke</em> zu schaffen. <em>Und deshalb w&#228;hle ich SPD</em>. Ungef&#228;hr so l&#228;sst sich die Essenz der Parteienwerbung, mit der wir in diesen Tagen behelligt werden, zusammenfassen. Es ist schon haneb&#252;chen: Da durchl&#228;uft unser Land die schwerste Wirtschaftkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Aber den Strategen in den Parteizentralen f&#228;llt nichts Gehaltvolleres ein als altbekannte, vollkommen sinnentleerte Phrasen.</p>
<p>Wahlen sind nach unserem Verst&#228;ndnis die Festspiele der Demokratie. Sie sind das vielleicht wichtigste Mittel, um dem parlamentarischen System in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden neue Legitimation zu verleihen. Zugleich dienen sie dazu, uns B&#252;rger in die Pflicht zu nehmen: Wir stehen in der Pflicht, uns mit politischen Angeboten auseinanderzusetzen, um nach Abw&#228;gung der Argumente eine Wahl zu treffen – eine Wahl, mit der wir Macht auf Zeit delegieren. Soviel zur Theorie. Realiter, in der dr&#252;ckenden Hitze des Sommers 2009, erleben wir keinen B&#252;hnenzauber, sondern Banales; keinen Wettbewerb der Ideen, sondern Wortgepl&#228;nkel; keine Sprachkunst, sondern Spr&#252;che. Liebe Politiker, wir sind gerne bereit, die Politik ernst zu nehmen und unserer Pflichten nachzukommen. Aber k&#246;nntet Ihr uns, Eure W&#228;hlerinnen und W&#228;hler, bitte auch einmal ernst nehmen?</p>
<p><strong>Der Exportweltmeister – haarscharf am Abgrund</strong><br />
Zugestanden: In der Mediendemokratie ist es auch Aufgabe der Politik, komplexe Zusammenh&#228;nge in klare, verst&#228;ndliche Botschaften zu pressen. Soviel Kommunikation muss sein. Aber Kommunikation ersetzt Konzepte nicht. Zumal in einer Zeit, wo erkennbar wird, dass eine Gesellschaft, die sich fast ausschlie&#223;lich vom Export ern&#228;hrt, bei gr&#246;&#223;eren weltwirtschaftlichen Turbulenzen rasch am Abgrund steht. Der <em>Economist</em> hat es k&#252;rzlich <a href="http://www.economist.com/displayStory.cfm?story_id=14177599&amp;CFID=75886030&amp;CFTOKEN=37177094">auf den Punkt</a> gebracht: Kein Land weltweit leidet unter der Krise so stark wie Deutschland. Wenn wir jetzt nicht den Umstieg auf eine innovative, hochtechnologiebasierte Dienstleistungswirtschaft vollziehen, dann finden wir uns schon bald im Industriemuseum wieder. In dem jeder seine Rentengarantie – aber kaum noch jemand Arbeit hat.</p>
<p>Zumindest Frank-Walter Steinmeier hat erkannt, dass das so nicht weitergehen kann. Sondern dass wir eine neue Idee von diesem Land, eine Vision f&#252;r dieses Land ben&#246;tigen. Deshalb hat er, der Architekt der „Agenda 2010“, seinen „Deutschlandplan“ ausgearbeitet. Von diesem mag man im Detail nun halten, was man will. So teile ich die Auffassung nicht, dass mit der B&#252;rgerversicherung oder einer B&#246;rsenumsatzsteuer die n&#228;chste Weltkrise verhindert werden kann. Aber dass der Kanzlerkandidat der SPD sich wenigstens die M&#252;he macht (und damit auch uns selber zwingt), &#252;ber den Tag hinaus zu denken &#8211; das darf durchaus gew&#252;rdigt werden.</p>
<p><strong>Ob Opel oder Werften: Alles muss raus</strong><br />
Die b&#252;rgerlichen Parteien hat Steinmeier mit seinem Plan (dessen N&#228;he zum „Green New Deal“ unverkennbar ist) ganz augenscheinlich auf dem linken Fuss erwischt: W&#228;hrend die Liberalen von ihrem Credo nicht abr&#252;cken, mit Steuersenkungen werde alles besser, kassieren Merkels J&#252;nger ein „industriepolitisches Konzept“ (<a href="http://static.rp-online.de/layout/fotos/HBTGc7Y4.pdf">PDF</a>) aus dem Hause Guttenberg am Tag nach seinem Erscheinen auf geradezu kaltbl&#252;tige Weise („spiegelt nicht den Willen der Union wider“). F&#252;r Grundsatzdebatten bleibt ohnehin wenig Zeit, wo man doch gerade damit besch&#228;ftigt ist, gleich mehrere deutsche Unternehmen an russische Magnaten zu verkaufen. Derzeit stehen Opel, die Wadan-Werften und Quimonda auf der „Alles-muss-raus“-Liste.</p>
<p><strong>Wir wollen Ideen, Konzepte und Zukunftsentw&#252;rfe</strong><br />
So bleibt das seltsame Gef&#252;hl, dass die Parteien am liebsten gar keinen, oder allenfalls einen „chirurgischen“ Wahlkampf f&#252;hren wollen – m&#246;glichst schnell, m&#246;glichst kurz und unter Vermeidung von Kollateralsch&#228;den. Der W&#228;hler wird in Watte gepackt und soll einfach nur sein Kreuz an der richtigen Stelle machen. In den seligen Zeiten des immerw&#228;hrenden Wachstums mag diese Taktik noch aufgegangen sein. Heute aber, liebe Politikerinnen und Politiker, lassen wir Euch diesen Nicht-Wahlkampf, dieses Nicht-Aufrufen von Themen einfach nicht mehr durchgehen.</p>
<p>Heute wollen wir Ideen, Konzepte und Zukunftsentw&#252;rfe sehen. Wir h&#228;tten gerne eine Antwort auf die Frage, wie es denn nun weitergeht nach einem Jahr mit sechs Prozent BIP-R&#252;ckgang. Wie Deutschland sich k&#252;nftig positioniert gegen&#252;ber China, Indien oder Brasilien – denn diese wachsen schon wieder. Und was geschehen muss, damit aus 4 Millionen Arbeitslosen nicht pl&#246;tzlich sechs werden. Die „Kraft“ in diesem Land haben ganz offenkundig nicht die Parteien, sondern die Menschen, die hier leben. Wenn ihnen nicht bald mehr Substanz geboten wird, dann kann der 27. September noch heiter werden.
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		<title>Irgendwas klemmt</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 10:35:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Oeko]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Bankenkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Die „Kreditklemme“ ist das neueste Lieblingsthema der wahlk&#228;mpfenden Politiker. Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck droht mit „Ma&#223;nahmen, die es so noch nicht gegeben hat“. Mit ihrem Vorschlag, Eigenkapitalforderungen zu deckeln, schubst die Bundesregierung die Institute ins n&#228;chste Abenteuer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9a65d468b3c1a9135233e9051a72e9" alt="" width="1" height="1" />Die Banken sind einfach arm dran. Erst hie&#223; es monatelang, die Geldh&#228;user seien zu hohe Risiken eingegangen und h&#228;tten die Welt durch ihr gierig-spekulatives Vorgehen in die Krise geritten. Jetzt h&#246;ren und lesen wir, die b&#246;sen Banken weigerten sich, das quasi zinsfreie Geld der EZB an die kleinen und mittleren Unternehmen weiterzugeben. Dadurch versch&#228;rften sie die Rezession, die sie selber verursacht haben. Die „Kreditklemme&#8221; ist das neueste Lieblingsthema unserer wahlk&#228;mpfenden Politiker. Um die vermeintliche Blockade aufzubrechen, droht Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck (SPD) mit „Ma&#223;nahmen, die es so noch nicht gegeben hat“.</p>
<p><strong>Klagen statt Klemme</strong><br />
Blicken wir, zur Beruhigung der Gem&#252;ter, kurz auf die Fakten: Laut FAZ vom 7.7.2009 betrug die vergebene Kreditsumme deutscher Banken an Unternehmen und Selbst&#228;ndige im M&#228;rz dieses Jahres 1 363 Mrd. Euro, das waren 70 Mrd. Euro mehr als im Jahr zuvor. Die Volks- und Raiffeisenbanken hatten per Ende Mai einen Kreditbestand in H&#246;he von 375,9 Mrd Euro zu verzeichnen, das sind zehn Mrd. oder 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Und die Sparkassen haben nach eigenen Angaben ihr Kreditneugesch&#228;ft mit Unternehmen in den ersten vier Monaten des Jahres um rund sechs Prozent ausgeweitet. Das schlie&#223;t zwar, worauf Alexander Hagel&#252;ken in der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em> vom 7.7. <a href="http://www.sueddeutsche.de/finanzen/89/479578/text/">hinweist</a>, nicht aus, dass „ein gro&#223;er Engpass (erst noch) bevorsteht“, sich also die Realit&#228;t „in der Statistik noch nicht niederschl&#228;gt“. <strong>Trotzdem scheint das Geklage &#252;ber eine Kreditklemme doch arg &#252;berzogen.</strong></p>
<p>Zus&#228;tzlich irritierend: Die neuerliche Jagd auf die Banken setzt genau in dem Moment ein, wo die neuesten Horrorzahlen &#252;ber die IKB an die &#214;ffentlichkeit gelangen. Dieses vollst&#228;ndig marode, am Tropf des Staates h&#228;ngende Institut ben&#246;tigt, zus&#228;tzlich zu den f&#252;nf Soffin-Milliarden, die es schon erhalten hat, nochmals derer sieben. <strong>Wer vor diesem Hintergrund von den Banken fordert, dass sie ohne R&#252;cksicht auf Verluste, sprich Kreditausf&#228;lle, frisches Geld ausleihen, der muss sich fragen lassen, was er nun eigentlich will</strong>: Banken, die ihr Haus in Ordnung bringen; oder Banken, die – kaum scheint die Krise abzuklingen – gleich wieder aufs Eis gehen. Beides zusammen geht leider nicht.</p>
<p><strong>Auf ins n&#228;chste Abenteuer?</strong><br />
Fest zu stehen scheint: Die Banken sind noch immer nicht aus dem Gr&#246;bsten heraus. So hat die Bundesbank in einer <a href="http://www.bundestag.de/ausschuesse/a08/anhoerungen/zweckgesellschaften/index.html">Anh&#246;rung des Bundestags-Haushaltsausschusses</a> am 15.6.2009 die Summe der potenziell „toxischen“ Papiere, die noch in den Bilanzen deutscher Banken schlummern, auf 200 bis 230 Mrd Euro beziffert. Zwar haben die Banken durch das nunmehr beschlossene Bad-Bank-Gesetz die M&#246;glichkeit, ihre vergifteten Papiere auszulagern. Restrisiken aber bleiben. Deshalb ist es immens wichtig, dass die Banken zun&#228;chst wieder ausreichend Eigenkapital aufbauen. Erst dies versetzt sie in die Lage, in begrenztem Umfang (Kredit-)Risiken einzugehen. <strong>Wer stattdessen</strong> (wie am 7.7. die Bundesregierung)<strong> seine EU-Partner mit dem Vorschlag konfrontiert, die Eigenkapitalanforderungen zu deckeln, um so die Kreditvergabe anzukurbeln, der schubst die Institute geradewegs ins n&#228;chste Abenteuer. </strong>Noch verwegener erscheint uns der Vorschlag, dass der Staat selber als Kreditgeber einspringt. Gut, dass Bundesbank-Pr&#228;sident Axel Weber dieser fixen Idee eine klare Absage erteilt hat.</p>
<p><strong>Schluss mit dem Roulette</strong><br />
Hans-Werner Sinn schreibt es in seinem Buch „Kasino-Kapitalismus“ in aller Deutlichkeit: Banken und andere Finanzdienstleister haben „mit einem Minimum an Eigenkapital“ immer gr&#246;&#223;ere Kredite vergeben, ohne die Bonit&#228;t ihrer Schuldner ernsthaft gepr&#252;ft zu haben. Die den Ausleihungen gegen&#252;berstehenden Forderungen wurden syndiziert und weiterverkauft – das „Roulette“ (Sinn) auf den Weltkapitalm&#228;rkten konnte beginnen. Jetzt, nach dem b&#246;sen Erwachen, achten zumindest einige Banken darauf, dass ihre Ausleihungen mit mehr Eigenkapital hinterlegt sind. Und sie pr&#252;fen ernsthaft, ob der potentielle Kreditnehmer auch in der Lage ist, den Kredit sp&#228;ter zur&#252;ckzuzahlen. Wenn dies – was abzuwarten bleibt – bedeutet, dass die Banken aus der Krise gelernt haben, dann sollte die Politik dar&#252;ber eigentlich froh sein.</p>
<p><em>Ebenfalls zum Thema: Wolfgang M&#252;nchaus Financial-Times-Kolumne: </em><a href="http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-M%FCnchau-Scheinl%F6sungen-gegen-die-Klemme/537165.html"><em>Scheinl&#246;sungen gegen die Klemme</em></a>
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