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	<title>CARTA &#187; Frank-Walter Steinmeier</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>&#8220;Die Beziehung von Medien und Demokratie ist heute manchmal br&#252;chig&#8221;</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 17:20:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank-Walter Steinmeier</dc:creator>
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		<description><![CDATA[SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier &#252;ber die Ziele seiner Medienpolitik: Es gelte, neue Vermachtungsstrukturen à la Google klein zu halten, das Breitband aufs Land zu bringen, den Verlegern ein Leistungsschutzrecht zu gew&#228;hren und bei der dpa &#252;ber ein Stiftungsmodell nachzudenken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine moderne Demokratie kann nicht existieren ohne verantwortliche, der Demokratie verpflichtete und moderne Medien. Gerade unsere Demokratie in Deutschland hat das immer wieder erfahren. Zwei Jahrestage rufen uns das in Erinnerung: Die Weimarer Demokratie ist nicht zuletzt am schleichenden Gift der antidemokratischen Haltung, an der publizistischen Hetze gegen die Demokraten und Parteien und am mangelnden Respekt vor den Institutionen der Demokratie zugrunde gegangen. Aber auch die <strong>gl&#252;cklichsten Momente deutscher Demokratiegeschichte sind mit dem Einfluss der Medien</strong> verbunden. Der Mauerfall w&#228;re ohne den Einsatz unserer Medien – und hier vor allem der &#246;ffentlich-rechtlichen – ohne den Schutz der Bilder f&#252;r die damaligen Oppositionellen, ohne die ermutigende Berichterstattung gegen das Schweigen der DDR-Medien nicht m&#246;glich gewesen. Um so mehr ist es uns heute Verpflichtung, hieran zu erinnern und die richtigen Schlussfolgerungen f&#252;r unsere Demokratie zu ziehen.</p>
<p>In <strong>Artikel 5 des Grundgesetzes</strong> konzentriert sich, was in Jahrhunderten f&#252;r die Freiheit und gegen Willk&#252;r, Zensur und Drangsalierung errungen worden ist.<strong> </strong>Aber wir sp&#252;ren auch, dass die <strong>Beziehung von Medien und Demokratie heute manchmal br&#252;chig</strong>, besch&#228;digt und bedroht ist. Hiergegen gilt es gemeinsam anzugehen. Denn nach wie vor lebt die Demokratie von einer von den Medien hergestellten und getragenen &#214;ffentlichkeit. Stirbt diese &#214;ffentlichkeit, dann stirbt auch die Demokratie.</p>
<p>Um so mehr sollten Politik und Medien gemeinsam diesen &#246;ffentlichen Diskurs pflegen. Mit Abstand und Kritik, aber eben auch mit Respekt f&#252;r einander. &#214;ffentliche Meinung und ver&#246;ffentlichte Meinung sind nicht zu trennen und &#214;ffentlichkeit, das haben wir sp&#228;testens von <strong>J&#252;rgen Habermas</strong> gelernt, ist eine zentrale Kategorie der aufkl&#228;rerischen Tradition, die aber eben auch einem tief greifenden Strukturwandel unterworfen ist. Die Massenmedien haben die Rolle eines elektronischen Lagerfeuers &#252;bernommen. Im Idealfall sammeln, b&#252;ndeln und bewerten sie, was eine Gesellschaft bewegt und bewegen m&#252;sste, und tun das in der Weise, dass in einer Gesellschaft Meinungsvielfalt und -zugang gew&#228;hrleistet sind.</p>
<p><strong>Das gilt es auch im Zeitalter des Internets zu bewahren und neu zu schaffen.</strong> Auch wenn sich &#214;ffentlichkeit heute l&#228;ngst in zahllose Teil&#246;ffentlichkeiten verwandelt und sich fallweise nur noch mit Alterskohorten oder Milieus verbunden hat, bleibt &#214;ffentlichkeit als Demokratie begr&#252;ndendes Ganzes, als gesellschaftliche Zielvorstellung g&#252;ltig. Auf sie hin muss die Medienlandschaft organisiert werden, um ihren Rang f&#252;r das demokratische Ganze zu sichern. Genau das steht im Mittelpunkt verantwortlicher Medienpolitik in der Demokratie. Ihr besonderes Kennzeichen muss heute sein, dass es sich um eine Politik handelt, die <strong>nicht auf die Kr&#228;fte des Marktes allein setzt</strong>, sondern eine steuernde, st&#252;tzende Hand der Gesellschaft, notfalls auch des Staates gew&#228;hrt. Letzteres gilt vor allem dort, wo nicht nur eine vor&#252;bergehende Marktschw&#228;che, sondern ein offensichtliches Marktversagen im Medienbereich festzustellen oder zu erwarten ist.</p>
<p>Gerade die Entwicklung der Massenmedien in den letzten 50 Jahren hat gezeigt, dass das freie Spiel der Kr&#228;fte, eine entfesselte, &#252;berwiegend unregulierte Entwicklung nicht der Vielfalt dient, sondern der Konzentration von Medienmacht den Weg ebnet. Strategien, die die Entwicklung der  Medien allein dem Markt &#252;berlassen, f&#252;hren &#252;berall dort – auch und gerade in der westlichen Welt – zu einer Entwicklung,  die der amerikanische Wirtschaftshistoriker Robert McChesney so beschrieben hat: <strong>Rich Media. Poor Democracy.</strong> Wer die Medien dem Markt &#252;berl&#228;sst, schw&#228;cht sie in ihrer demokratischen Rolle und macht sie ausschlie&#223;lich zu Waren und Dienstleistungen.</p>
<p><strong>Deswegen sehen wir Medien immer als beides: als Wirtschafts- und als Kulturgut, als Produkt der Warengesellschaft und zugleich als Tr&#228;ger eines »&#246;ffentlichen Dienstes«, eines public service.</strong> Dieser &#252;ber Jahrzehnte zwar immer wieder in Frage gestellte, aber zuletzt immer wieder tragende Ansatz hat dazu gef&#252;hrt, dass die Verbindung von Medienentwicklung und demokratischer Entwicklung eng und produktiv war. Nicht zuletzt die Einrichtung eines &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks hat diese Vorstellung jederzeit am Leben erhalten und mit Leben gef&#252;llt. Gelitten hat sie, wenn und wo die Medien – darin der Entwicklung der Finanzm&#228;rkte nicht un&#228;hnlich – im Zuge einer weltweiten Deregulierung auf den Markt verwiesen wurden. Gelitten haben sie, seit die Verbindung zwischen publizistischem und &#246;konomischem Handeln nicht mehr selbstverst&#228;ndlich ist. Gelitten haben sie, seit die Gewinner der Gesellschaften sich nicht mehr um den Gewinn der Gesellschaft k&#252;mmern wollten.</p>
<p>Da diese Entwicklung immer auch eine Schw&#228;chung demokratischer Entwicklungen, Tugenden und Errungenschaften bedeutet, muss man &#252;ber Instrumente nachdenken und sie gegebenenfalls auch einf&#252;hren, die die  Balance zwischen dem Kulturgut und dem Wirtschaftsgut wieder herstellen. <strong>Aktuell ist deshalb &#252;ber die folgenden Instrumente und M&#246;glichkeiten nachzudenken:</strong></p>
<ol>
<li>Ein zeitgem&#228;&#223;es <strong>Medienkonzentrationsrecht</strong>, das vor allem auch der Entwicklung der Speichermedien (<em>on demand</em>) Rechnung tr&#228;gt und neue Vermachtungsstrukturen (<strong>Google</strong> und Co.) klein h&#228;lt.</li>
<li> Nach wie vor: Breitband aufs flache Land, <strong>gleiches Netz f&#252;r alle</strong>!</li>
<li> Ein Reformmodell – zum Beispiel als Stiftung – f&#252;r eine unabh&#228;ngige deutsche Nachrichtenagentur f&#252;r den Fall, dass sich das Gesch&#228;ftsmodell von <strong>dpa</strong> trotz notwendiger innerer Reformen auf Dauer nicht tr&#228;gt und sich weitere Gesellschafter abwenden.</li>
<li> Erleichterungen im <strong>Pressefusionsrecht f&#252;r die Zeitungen</strong> sowie die Einf&#252;hrung eines Leistungsschutzrechts f&#252;r Verlage im Urheberrrecht, damit kostspielig erstellte Inhalte nicht beliebig kostenlos kommerziell verwertet werden k&#246;nnen.</li>
<li> <strong>Ein Rechtsrahmen f&#252;r Internetangebote</strong>, der sicherstellt, dass die sich heute schon abzeichnenden und die schon realisierten M&#246;glichkeiten des Missbrauchs die positiven M&#246;glichkeiten nicht verdunkeln.</li>
<li> <strong>Anreize f&#252;r private TV-Veranstalter</strong>, ihrer &#246;ffentlichen Aufgabe mehr als bisher nachzukommen.</li>
<li> Ein <strong>Geb&#252;hrenmodell</strong>, das die Finanzierung des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht auf eine absch&#252;ssige Bahn schiebt.</li>
<li> Das Auflegen und j&#228;hrliche Fortschreiben eines <strong>Medienatlas</strong> mit allen f&#252;r die Vorstellungen des Art. 5 GG relevanten Daten f&#252;r Deutschland als eine gemeinsame Anstrengung von Bund und L&#228;ndern.</li>
</ol>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Alle diese Ma&#223;nahmen haben nur ein einziges Ziel: Die Leistungsf&#228;higkeit des deutschen Mediensystems wenigstens auf dem heutigen Stand zu erhalten, besser noch, auszuweiten.</p>
<p>Ein vielf&#228;ltiges Mediensystem ist die Voraussetzung f&#252;r eine lebendige Demokratie. Dem wollen wir zur Geltung verhelfen!</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/mediagovernance-web.jpg"><br />
</a><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/mediagovernance_web.jpg"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-14265" style="border: 1px solid black; margin: 4px;" title="mediagovernance_web" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/mediagovernance_web-74x119.jpg" alt="mediagovernance_web" width="74" height="119" /></a><em>Dieser Text von Frank-Walter Steinmeier ist aus dem Band &#8220;<a href="http://www.vorwaerts-buch.de/de/debatte,66,1/">Media-Governance und Medienregulierung</a>&#8220;, herausgegeben von Marc Jan Eumann und Martin Stadelmaier. Berlin: Vorw&#228;rts Buch 2009.<br />
</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14150&amp;md5=95de6154f95282908113d82c82dd7877" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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