Im Perlentaucher-Virtualienmarkt sieht sich Rüdiger Wischenbart in einen Dreißigjährigen Krieg um das Internet zwischen den Mächten Apple, Amazon, Google und dem Staat versetzt und sucht einen Platz an den Rändern: “Im Ernst, es wäre hoch an der Zeit, zwischen den totalen Medienweltträumen der digitalen Gründerzeitmagnaten […] und den staatlichen Kontrollfetischisten wo auch immer zurück in die banale Welt zu steuern, mit ihren Träumen und Widerspenstigkeiten, mit ihren Risiken und immer neu zu verhandelnden, fragilen Balancen.”
Bei telemedicus bringt Simon Möller eine nüchtern abgewogene Stellungnahme zur Diskussion um die Steuersünderdaten. Er kritisiert die Vermischung juristischer und politischer Kategorien und beschäftigt sich mit weiteren Unschärfen der Diskussion.
Lapidar resümiert Stefan Schulz bei den Sozialtheoristen den Stand der Internetdiskussion, die sich seiner Ansicht nach so darstellt:
“Das Internet macht Spaß, hilft, vereinfacht, beschleunigt, stellt Nähe her, unterhält und informiert. Das Internet kann in seinem gegenwärtigen Zustand als rundum gut bezeichnet und beschrieben werden. Und wer doch was zu mäkeln hat, hat es eben noch nicht richtig verstanden.”
In der Welt beschäftigt sich Jakob Augstein mit den Debatten um Frank Schirrmachers “Payback”. Bedeutsam daran sei weniger das öffentlichkeitswirksame Geständnis einer digitalen Überforderung, sondern die Erweiterung der Perspektive auf die Digitalisierung: “Es ist legitim, sich über die Zukunft der Medien zu sorgen. Aber die Sorge greift zu kurz: Es geht um nichts weniger als das Schicksal des Individuums, das sich mit seiner Identität und seiner Zukunft im Digitalen aufzulösen droht. Ist das in aller Tragweite erkannt?”
Bei Getidan meditiert Georg Seeßlen über die Möglichkeit guten Regierens und über Hirten und Landesherren: “Wenn also Koch ein sozialer Hassprediger ist, dann ist Angela Merkel die Mutter des nationalen Nullsprech. Neben den Hirten tritt die Landesherrin, die sich und ihre Untertanen dem Land gegenüber blinder macht als es Potemkin gegenüber dem Zaren mit seinen berühmten Dörfern gelang.”
Susanne Gaschke hat ein Buch geschrieben, dass “Strategien gegen die digitale Verdummung” der Digitalisten, wie sie sie nennt, entwickeln will. Felix Schwenzel hat sich durchgearbeitet: “Ich vermute, sie will einfach ihre Ruhe (und Recht) haben, sie will das dieses Geschnatter weggeht, dass ihre und die Stimmen ihrer intellektuellen Mitstreiter wieder da sind, wo sie hingehören: ganz oben, da wo die Deutungshoheit und Relevanz sie sanft umwehen.”
In der FAZ beschreibt “Schockwellenreiter” Jörg Kantel Apples neues iPad als Traum der Medienkonzerne: statt einer Universalmaschine eine geschlossene Abspielplattform als Einbahnstraße: “Stellen wir uns einmal vor, wie das Internet aussähe, hätte es die App-Stores schon in den neunziger Jahren gegeben: keine alternativen Browser wie Firefox, keine Wikipedia, keine Weblogs und kein YouTube, und auch Google wäre mit seiner spartanischen Suchmaschine sicher nicht am Torwächter der App-Stores vorbeigekommen.”
Bei kulturama.org berichtet Olga Kapustina über geplante Einschränkungen des Internetzugangs in Weißrussland. Ein Erlass von Präsident Lukaschenko sieht eine zwingende Nutzeridentifizierung vor und bietet die Möglichkeit, missliebige Inhalte und ausländische Top-Level-Domains zu sperren.
Im Rhetorik-Blog “Reden für eine neue Welt” betrachtet Hans Hütt die Wendung vom “Sorge tragen”, wie sie Angela Merkel gern verwendet: “Das Sorgetragen ist historische Abbreviatur, Abkürzung wie Zusammenfassung und Finale quälendster politischer Prozesse. Das Schönste am Sorge tragen aber ist die darin eingebaute Panzerung.”
In den Wochenendfeuilletons beschäftigen sich Frank Schirrmacher und Andrian Kreye mit Apples neuem Tablet-Computer.
Bei Create Digital Music versammelt Peter Kirn einige Kritikpunkte an Apples neuem Tablet-Computer:
In der FAZ berichtet Jürg Altwegg über die digitalen Kulturkämpfe in Frankreich um Hadopi, Urheberrecht & Co. und beobachtet neue Allianzen gegen den im Netz entstandenen “Dritten Stand der Debattenkultur”:
“In seltener Eintracht unterstützen Kulturszene und Kulturindustrie den Kampf gegen das Raubkopieren. … Das Internet hat eine bislang nie vorstellbare Allianz der Kulturschaffenden und der Regierung entstehen lassen. Ihre Front des Widerstands gegen die Piraten ist auch eine Maginot-Linie gegen den Pöbel im Netz.”
Bei netzwertig hält Peter Sennhauser die Erwartungen an Apples Tablet-Computer für überzogen und fragt, warum auch Presseleute in den Fanboyjubel einstimmen. “Niemand hat einem der in regelmäßigen Abständen auftauchenden Häppchen an Nullinformation nachrecherchiert, die immer wieder für neue Spekulationen und ganze Branchenanalysen der IT-Feuilletonisten sorgten, bis das Crescendo gar den Bloggern mitten drin zu viel wurde (ich auch nicht, aber ich habe auch keine einzige Spekulation losgelassen).”
Die FDP gilt seit der Mövenpick-Affäre als Klientelpartei, gegen die allenthalben eine gemeinwohlorientierte Politik gefordert wird. In seinem Kommentar in der taz erinnert Ralph Bollmann daran, dass Gemeinwohl erst das Ergebnis eines Interessenausgleichs im politischen Prozess sein kann.
Im Perlentaucher-Redaktionsblog konstatiert Thierry Chervel ein Versagen der Öffentlichkeit im Gefolge des Streits um Westergaards Mohammed-Karikaturen: “Die Feuilletons sind zu Schutz- und Ausweichräumen eines immer mehr zum Pfäffischen tendierenden juste milieu geworden, das sich von den eigenen Traditionen der Kritik und des Witzes längst abgeschnitten hat.”

David Pachali 