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	<title>CARTA &#187; Daniel Leisegang</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Die neuen Warhols </title>
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		<pubDate>Fri, 20 May 2011 17:37:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>

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		<description><![CDATA[Ganz im Sinne Andy Warhols: Im Netz decken zahlreiche Verfremdungen des offiziellen Whitehouse-Pressefotos die morbide Seite dieser Inszenierung auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Andy Warhol hat einst die Kunstwelt revolutioniert: Neben seinen Suppendosen und vielfarbigen Konterfeis waren es vor allem seine „Death and Disaster Paintings“, die ihn in den 60er Jahren weltber&#252;hmt machten.</p>
<p>Als Vorlagen f&#252;r seine Werkreihen „Car Crash“, „Suicide“ und „Electric Chairs“<br />
dienten Warhol auch Pressefotos, die er immer wieder verfremdete, so dass die einstige Bedeutung des Bildes hinter den zahllosen Vervielf&#228;ltigungen zur&#252;cktrat. Bei all seiner schillernden Exzentrik war Warhol vom Tod fasziniert – insbesondere wenn er zur Sensationsmeldung wurde. Seine Werke legen daher auch die morbide Seite des „American Way of Life“ offen.</p>
<p>Rund 50 Jahre nach Warhols Durchbruch zeigt sich: Sein k&#252;nstlerisches Wirken strahlt bis in das „Copy-Paste-Zeitalter“ aus – und wird im Internet massenhaft imitiert. Als j&#252;ngstes Motiv dient der digitalen Pop-Art-Welle eine vom Wei&#223;en Haus ver&#246;ffentlichte Momentaufnahme aus dem „Situation Room“, die Anfang Mai auf s&#228;mtlichen Titelseiten abgedruckt war. Sie zeigt, wie die politische Machtelite der USA in einer Videokonferenz gebannt die T&#246;tung Osama Bin Ladens verfolgt. Die Spannung in dem Raum ist f&#246;rmlich mit H&#228;nden zu greifen: Der fokussierte Blick des US-Pr&#228;sidenten Obama sei „wie ein Laser“ gewesen, unterstrich die „New York Times“.</p>
<div id="attachment_40393" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.flickr.com/photos/whitehouse/5680724572/"><img class="size-full wp-image-40393" title="whitehouse600" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/whitehouse600.jpg" alt="" width="600" height="400" /></a><p class="wp-caption-text">asdfasdf</p></div>
<p>Allein Hillary Clinton scheint in jenem Moment von der Anspannung schier &#252;berw&#228;ltigt: Die Augen weit aufgerissen, h&#228;lt sich die Au&#223;enministerin erschrocken eine Hand vor den Mund. Eilig erkl&#228;rte Clinton ihren Kontrollverlust wahlweise mit einem pl&#246;tzlichen G&#228;hnen oder einer Fr&#252;hjahrsallergie.</p>
<p>Doch es half nichts. Prompt wurde der ehemaligen Pr&#228;sidentschaftskandidatin F&#252;hrungsschw&#228;che unterstellt – nicht zuletzt, weil sie es war, die im Wahlkampf 2008 die au&#223;enpolitischen Qualit&#228;ten ihres Konkurrenten Obama vehement angezweifelt hatte.</p>
<p>Bevor die Ausdeutungen &#252;ber die Schrecksekunde jedoch richtig an Fahrt gewinnen konnten, sprangen der Politikerin im Internet unerwartet zahlreiche Warhols zur Seite – und verarbeiteten das Pressefoto kurzerhand zu Netzkunst. Auf einem Bild sieht man den angestrengten Barack Obama beim Computerspiel mit einem Joystick in den H&#228;nden.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/3608_75898_big.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-40396" title="3608_75898_big" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/3608_75898_big.jpg" alt="" width="600" height="359" /></a></p>
<p>Ein anderes Motiv zeigt die Anwesenden in den unterschiedlichen Kost&#252;men ber&#252;hmter Comic-Helden: Obama selbst ist als Captain America verkleidet, die Au&#223;enministerin als Wonder Woman. Auf einem weiteren Bild ist der beengte Raum bis zum Bersten mit allen erdenklichen Superhelden-Popikonen der j&#252;ngeren amerikanischen Kulturgeschichte gef&#252;llt.<br />
<a href="http://klaq.com/photo-monster-pic-of-the-day-the-superhero-situation-room/"><img class="aligncenter size-full wp-image-40397" title="Superhero-situation-room600" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/Superhero-situation-room600.jpg" alt="" width="600" height="395" /></a></p>
<p>Schon jetzt gestaltet sich die Online-Suche nach dem Originalfoto zwischen all den Pop-Art-Bildern als zunehmend schwierig. Hillary Clinton d&#252;rfte also aufatmen. Zumal im Netz inzwischen auch Bilder zu finden sind, auf denen sie g&#228;nzlich fehlt. So radierte die New Yorker „Di Tzeitung“ die Au&#223;enministerin aus dem Bild, bevor sie es abdruckte. Das in jiddischer Sprache erscheinende Blatt richtet sich vor allem an eine ultra-orthodoxe j&#252;dische Leserschaft und darf aus religi&#246;sen Gr&#252;nden keine Frauen darstellen. Diese Bildmanipulation – die an das von Stalin angeordnete Verschwinden Trotzkis von der Rednerb&#252;hne Lenins erinnert – f&#252;gt den zahlreichen Pop-Art-Spielarten die aus Clintons Sicht vorteilhafteste hinzu.<br />
<a href="http://www.huffingtonpost.com/2011/05/09/hillary-clinton-der-tzitung-removed-situation-room_n_859254.html"><img class="aligncenter size-full wp-image-40398" title="HILLARY-CLINTON-PHOTOSHOPPED" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/HILLARY-CLINTON-PHOTOSHOPPED.jpg" alt="" width="570" height="375" /></a></p>
<p>Was lernen wir daraus? Der entbl&#246;&#223;enden Originalaufnahme ist heute, in Zeiten fl&#252;chtiger medialer Aufmerksamkeit, nur f&#252;r kurze Zeit Ruhm verg&#246;nnt – eben jene sprichw&#246;rtlichen 15 Minuten, die Andy Warhol uns allen einst voraussagte.</p>
<p><em>Dieser Text erscheint in K&#252;rze auch in der Juniausgabe der Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik (www.blaetter.de). Mehr Abwandlungen des Whitehouse-Fotos siehe auch <a href="http://www.funny-city.com/3608/">hier</a>.</em></p>
<p>/th
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40392&amp;md5=bff6ae6c6319d4d1c305a333510f2124" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>&#8220;Neuer Blogaggregator f&#252;r Deutschland: Newshype ist da!&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/39712/neuer-blogaggregator-fur-deutschland-newshype-ist-da/</link>
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		<pubDate>Mon, 11 Apr 2011 22:34:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Gro&#223;es k&#252;ndigt sich an: Ein neuer Aggregator f&#252;r die deutsche Blogosph&#228;re macht sich (endlich) daran, das Erbe von Rivva anzutreten.

Gerade in den letzten Tage tauchte in den Blogs wieder eine Diskussion auf, wo denn die Blogdebatten in Deutschland hin seien, beziehungsweise, dass diese nicht mehr auffindbar sind.

Unsere Antwort auf dieses Problem hat einen Namen: Newshype. Newshype will die meist verlinkten und meist diskutierten Artikel der deutschen Blogosph&#228;re sammeln und damit Debatten zwischen Blogs abbilden. Dazu crawlen wir aktuell &#252;ber 2000 Seiten und zugeh&#246;rige Tweets.

Noch gibt es Zugang zu dem Aggregator nur im Rahmen einer "invitebasierten Beta". Doch schon auf der re:publica stehen die Chancen gut, eine von 500 liebevoll gestalteten Postkarten mit Beta-Invites zu ergattern. 

Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es hier.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gro&#223;es k&#252;ndigt sich an: Ein neuer Aggregator f&#252;r die deutsche Blogosph&#228;re macht sich (endlich) daran, das Erbe von Rivva anzutreten.<span id="more-39712"></span></p>
<blockquote><p>Gerade in den letzten Tage tauchte in den Blogs wieder eine Diskussion auf, wo denn die Blogdebatten in Deutschland hin seien, beziehungsweise, dass diese nicht mehr auffindbar sind.</p>
<p>Unsere Antwort auf dieses Problem hat einen Namen: Newshype. Newshype will die meist verlinkten und meist diskutierten Artikel der deutschen Blogosph&#228;re sammeln und damit Debatten zwischen Blogs abbilden. Dazu crawlen wir aktuell &#252;ber 2000 Seiten und zugeh&#246;rige Tweets.</p></blockquote>
<p>Noch gibt es Zugang zu dem Aggregator nur im Rahmen einer &#8220;invitebasierten Beta&#8221;. Doch schon auf der re:publica stehen die Chancen gut, eine von <a href="http://netzfeuilleton.de/2011/04/wie-bekomme-ich-einen-newshype-invite/">500 liebevoll gestalteten Postkarten</a> mit Beta-Invites zu ergattern. </p>
<p>Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es <a href="http://netzfeuilleton.de/category/newshype/">hier</a>.</p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=39712&amp;md5=0831c79e91b09b843610a60eeb9dae29" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der digitale Katalysator</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2011 10:41:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Glaser wirft vor dem Hintergrund der aktuellen Unruhen einen Blick auf die &#228;gyptische Kommunikationsgeschichte. Die Ironie der aktuellen Entwicklungen: Die Totalabschaltung des Internet hat die Massenproteste geradezu bef&#246;rdert, statt sie zu beruhigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Peter Glaser</strong> wirft <a href="http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Der-digitale-Katalysator-1182006.html">einen Blick</a> auf die &#228;gyptische Kommunikationsgeschichte – von den Brieftauben, &#252;ber das Telefon bis zum Internet. R&#252;ckblickend, so der Schriftsteller, stellten die Kommunikationsbed&#252;rfnisse am Nil immerzu eine gro&#223;e Herausforderung dar. </p>
<blockquote><p>Als ein Sultan im mittelalterlichen Kairo einmal Appetit auf frische Kirschen bekam, die in &#196;gypten aber nicht zu haben waren, schickte sein Wesir 600 Brieftauben von Damaskus nach Kairo. Jede Taube hatte ein Beutelchen mit einer Kirsche an den Fu&#223; gebunden. </p></blockquote>
<p>Heute bedrohen vor allem SMS, Twitter, Blogs &amp; Co das alte Regime – nicht allein durch ihr Potential, Massen zu mobilisieren. Die Ironie der Geschichte besteht gerade darin, dass der Versuch, die neuen Kommunikationsmittel auszuschalten, die j&#252;ngsten Proteste erst richtig anheizten:</p>
<blockquote><p>Die Totalblockade des Internet in &#196;gypten hat das Gegenteil dessen bewirkt, was das Regime beabsichtigt hat. 20 Millionen User hatten zu Hause nichts mehr zu tun, kein Netz – also gingen sie auf die Stra&#223;e.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Der-digitale-Katalysator-1182006.html">Lesenswert!</a></p>
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		</item>
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		<title>Auf dem Weg zum Dauerwerbe-Internet</title>
		<link>http://carta.info/37430/auf-dem-weg-zum-dauerwerbe-internet/</link>
		<comments>http://carta.info/37430/auf-dem-weg-zum-dauerwerbe-internet/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 21 Jan 2011 16:23:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Schleichwerbung]]></category>
		<category><![CDATA[Virales Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Youtube]]></category>

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		<description><![CDATA[Traditionell hat YouTube zu Jahresbeginn einen R&#252;ckblick auf die erfolgreichsten "YouTube ads of 2010" ver&#246;ffentlicht. An der Spitze steht - wenig &#252;berraschend - das Old-Spice-Video "The Man Your Man Could Smell Like". Derartige Werbevideos geh&#246;ren heute zum Internet wie das "www". Welche Folgen aber hat das Virale Marketing f&#252;r die "digitale &#214;ffentlichkeit" und die Kommunikation im Netz?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den <strong>&#8220;klassischen&#8221; Printmedien</strong> ist Werbung f&#252;r den Verbraucher in der Regel klar als solche erkennbar. Das Label &#8220;Anzeige&#8221;  trennt – bei funktionierender Selbstkontrolle unabh&#228;ngiger Medien – den k&#228;uflichen vom unverk&#228;uflichen Teil der Druckseiten. Daraus folgt auch, dass Schleichwerbung hierzulande grunds&#228;tzlich unzul&#228;ssig ist.</p>
<p>Das kommerzielle Werben <strong>in die Privatsph&#228;re hinein</strong> ist zudem noch weitaus strenger reglementiert. Beispielsweise ist Telefonwerbung, die ohne vorheriges Einverst&#228;ndnis des Verbrauchers erfolgt, seit Mitte 2009 strikt untersagt, um die Bel&#228;stigung durch Anrufe von Call-Centern zu unterbinden. Bei einem Versto&#223; droht den Unternehmen eine Geldbu&#223;e bis zu 50.000 Euro.</p>
<p>Wie aber sieht es im Internet aus? Hier hat sich der kommerzielle Kundenfang in eine nur <a href="http://www.spreeblick.com/2011/01/18/jetzt-mit-modernster-technologie-gezielt-an-mir-vorbei-werben/">schwer zu kontrollierende Plage</a> entwickelt. Der allgegenw&#228;rtigen Reklame m&#252;ssen sich die Nutzer zudem mit eigenen Mitteln erwehren &#8211; gleich ob sie privat oder &#246;ffentlich kommunizieren: Adblocker unterdr&#252;cken aufdringliche Werbebanner und hinterh&#228;ltige Layer Ads; Spamfilter verbannen einen Gro&#223;teil &#8220;sexueller Akt*ivitaeten&#8221; aus der privaten Inbox.</p>
<p><strong>Vor einer bestimmten Art der Werbung k&#246;nnen sich die Nutzer allerdings nur schwerlich sch&#252;tzen: viralen Werbevideos.</strong> Im Gegenteil: Sie wirken an der Verbreitung dieser zumeist unterhaltsamen Filmchen aktiv mit.</p>
<p>Erst vor wenigen Tagen hat YouTube einen R&#252;ckblick auf die besten <a href="http://youtube-global.blogspot.com/2011/01/ad-your-ads-could-look-like-looking.html">&#8220;YouTube ads of 2010&#8243;</a> ver&#246;ffentlicht. An der Spitze steht &#8211; wenig &#252;berraschend &#8211; das sensationell erfolgreiche Old-Spice-Video &#8220;The Man Your Man Could Smell Like&#8221;. &#220;ber 25 Millionen Nutzer klickten das Video mit dem ehemaligen NFL-Spieler Isaiah Mustafa allein 2010 an. Die rasante Verbreitung des Videos lie&#223; die Verkaufszahlen der einst angestaubten <a href="http://www.oldspice.com/">Herrenpflegeserie</a> rasant in die H&#246;he schnellen.</p>
<p><object style="width: 320px; height: 205px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="205" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/owGykVbfgUE?fs=1&amp;hl=de_DE" /><embed style="width: 320px; height: 205px;" type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="205" src="http://www.youtube.com/v/owGykVbfgUE?fs=1&amp;hl=de_DE"></embed></object></p>
<p>Wie aber erkl&#228;rt sich der Erfolg solcher Viral-Marketing-Kampagnen?</p>
<p><strong>Zum Ersten</strong> entlassen die Marketingabteilungen ihre Werbeviren gezielt in jene Kan&#228;le, die die meisten von uns inzwischen zur allt&#228;glichen Kommunikation verwenden: Facebook, Twitter und YouTube. Gerade Soziale Netzwerke bieten den idealen N&#228;hrboden, Werbebotschaften &#8220;viral&#8221;, wie Viren, innerhalb k&#252;rzester Zeit von einem Nutzer zum anderen zu &#252;bertragen.</p>
<p><strong>Ein zweiter Grund</strong> f&#252;r den Erfolg: Bei diesen Werbefilmen versagen herk&#246;mmliche Filtersysteme. Fraglich ist zudem, ob die Mehrheit der Internetnutzer die Videos ausblenden w&#252;rde, selbst wenn sie es k&#246;nnten. Denn die Kurzfilme werden <strong>drittens</strong> h&#228;ufig auf Empfehlung von Freunden, Kollegen und Bekannten weitergeleitet, auch weil &#8211; <strong>last but not least</strong> – die jeweilige Produktempfehlung durch den humorvollen, erotischen oder einfach auch nur kreativen Inhalt subtil in den Hintergrund ger&#252;ckt wird.</p>
<p>Der Erfolg im Netz geht inzwischen auch zu Lasten herk&#246;mmlicher Werbung &#8211; sehr zum Verdruss bisheriger Werbepartner. Volkswagen setzt bereits heute bisweilen voll und ganz auf das Social Web. Erstmals stellte der Wolfsburger Autobauer im vergangenen Jahr den neuen Polo-GTI im Rahmen der Kampagne <a href="http://www.facebook.com/volkswagen">„Fast Lane — Driven by Fun“</a> ausschlie&#223;lich auf Facebook vor. In dem dazugeh&#246;rigen Werbevideo ist das angepriesene Automodell gar nicht zu sehen. &#220;berhaupt: Erst am Ende des Films erschlie&#223;t sich Herkunft und ungef&#228;hrer Zweck der gutgelaunten Botschaft.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="205" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/W4o0ZVeixYU?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="205" src="http://www.youtube.com/v/W4o0ZVeixYU?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Bisweilen kann solche – buchst&#228;blich mysteri&#246;se – Werbung auch f&#252;r kalkuliertes Entsetzen sorgen: Im Herbst vergangenen Jahres tauchte bei Chatroulette ein Video auf, das eine vermeintlich freiz&#252;gige Frau zeigte, die sich &#8211; statt zu entkleiden &#8211; pl&#246;tzlich in eine furchteinfl&#246;&#223;ende D&#228;monin verwandelte. Entsprechend gro&#223; fiel der Schock bei den zumeist m&#228;nnlichen Gespr&#228;chspartnern aus. Dabei k&#252;ndigte der kurze Einspieler nur einen neuen Horrorfilm, &#8220;Der letzte Exorzismus&#8221;, an.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="320" height="205" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/dSknjyRdDVY?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="320" height="205" src="http://www.youtube.com/v/dSknjyRdDVY?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p><strong>So unterhaltsam dies Form der Produktwerbung auch sein mag &#8211; fragw&#252;rdig ist, dass sie ohne Folgen f&#252;r die &#8220;digitale &#214;ffentlichkeit&#8221; und die Kommunikation im Internet bleibt.</strong></p>
<p>Tats&#228;chlich stellt virales Online-Marketing, da es ohne Unterschied auf s&#228;mtliche Kommunikationskan&#228;le zugreift, ein m&#228;chtiges, zugleich aber ebenso <strong>beunruhigendes Instrument</strong> dar. Denn im Zuge der kommerziellen Verseuchung &#8220;digitaler &#214;ffentlichkeit&#8221; wandelt sich nach und nach der Kontext unseres gesamten Kommunikationsverhaltens.</p>
<p>In dem zunehmenden <strong>St&#246;rfeuer latenter Werbebotschaften</strong> stellt die Einhegung der Reklame und damit die Filterung relevanter Informationen eine zusehends gr&#246;&#223;ere Herausforderung dar. Die Camouflage-Werbung fordert dem Nutzer <strong>weitaus gr&#246;&#223;ere hermeneutische Leistungen</strong> ab, als beispielsweise das private Telefongespr&#228;ch. Schon heute sind wir gezwungen, unentwegt die &#8220;lebensweltlichen&#8221; von den kommerziellen Botschaften zu unterscheiden, um die f&#252;r uns unmittelbar relevanten Nachrichten aus dem Gespr&#228;chsstrom herausfiltern zu k&#246;nnen.</p>
<p>In Folge dessen drohen &#246;konomische Interessen unser Selbstverst&#228;ndnis wie auch die Wahrnehmung des Gegen&#252;ber zu okkupieren und nachhaltig zu ver&#228;ndern. <strong>Kurzum: Am Ende d&#252;rfte sich nicht weniger als unser gesamter Kommunikationskontext grundlegend wandeln. </strong>Denn die allgegenw&#228;rtigen, unterschwelligen Werbebotschaften f&#252;hren dazu, dass wir uns im Netz – selbst in geschlossenen, virtuellen Freundeskreisen – zunehmend weniger als <strong>Homme</strong> oder <strong><a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Citoyen">Citoyen</a></strong> begreifen, sondern mehr und mehr als <strong>Consommateur</strong> verstehen – und als solche interagieren.</p>
<p>Nutznie&#223;er dieser konsumtiven Durchdringung der Kommunikation w&#228;ren jedoch ausschlie&#223;lich die werbenden Unternehmen. Die &#8220;digitale &#214;ffentlichkeit&#8221;, verstanden als soziale Handlungssph&#228;re, br&#228;che hingegen bereits auseinander, bevor sie sich &#252;berhaupt voll entfalten konnte.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Lesen Sie dazu auch: </em><a href="http://carta.info/36671/youtube-und-die-jogginghosen-gang-eine-weihnachtsgeschichte/"><em>YouTube und die Jogginghosen-Gang</em></a>
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		<title>Braucht das Grundgesetz ein Update?</title>
		<link>http://carta.info/37356/braucht-das-grundgesetz-ein-update/</link>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 13:36:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Susanne Baer, Professorin f&#252;r &#214;ffentliches Recht &#38; Geschlechterstudien und ab Februar Richterin am Bundesverfassungsgericht, fragt in den aktuellen "Bl&#228;ttern" nach der "Verfassungsfitness" des bundesdeutschen Grundgesetzes.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Grundgesetz sichert die Menschenrechte der B&#252;rger im demokratischen Rechtsstaat. Wie aber steht es um die Verfassung im Internet-Zeitalter? Sch&#252;tzt sie uns auch gegen den Missbrauch der Netzfreiheiten? Kurzum: <strong>Ist die Verfassung den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen?</strong></p>
<blockquote><p>
Die Frage, ob das Grundgesetz ein „Update“ ben&#246;tigt, zielt auf <strong>die verfassungsrechtliche Lage in Fragen der Netzpolitik</strong>. Folglich muss am Anfang einer Antwort der Versuch stehen, die netzpolitische Situation zu skizzieren.</p>
<p>In aller K&#252;rze: Das Internet hat Informationen zu „&#246;ffentlichen G&#252;tern“ werden lassen, die unabh&#228;ngig von nationalen Grenzen ausgetauscht werden. Sie k&#246;nnen auch leicht manipuliert werden. Individual- und Massenkommunikation sind kategorial nicht zu unterscheiden: Die „technische Reproduzierbarkeit“ hat mit dem Web eine andere Qualit&#228;t gewonnen, oder, wie es Andreas Vo&#223;kuhle formulierte, einen „Quantensprung“ gemacht. Sind Informationen einmal im Netz, werden sie nicht schlecht oder verbraucht, sie lassen sich sehr kosteng&#252;nstig verbreiten und k&#246;nnen faktisch nicht exklusiv gehalten werden. Das zeigen Wikileaks, die CD mit Bankdaten aus Liechtenstein und auch die eigenen Spuren, der Datennebel der pers&#246;nlichen Netzwerkinformationen. Das Web ist dabei zwar kosteng&#252;nstig, aber nicht umsonst. Es frisst Energie; es bedarf der Ressourcen, um an ihm teilzuhaben.</p>
<p>Also: Herausforderungen, Energiebedarf, Ressourcen, Geschwindigkeit, Datennebel, das alles <strong>in der Habermasschen „postnationalen Konstellation“</strong>. Ist das Grundgesetz in der Lage, darauf ad&#228;quat zu reagieren? Wie steht es verfassungsrechtlich um Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung, Netzzugang und Netzneutralit&#228;t?</p></blockquote>
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		<title>So you still think the Internet is free.</title>
		<link>http://carta.info/37215/so-you-still-think-the-internet-is-free/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Jan 2011 16:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=37215</guid>
		<description><![CDATA[Der Web-Designer YuxiYou veranschaulicht in einer kurzen gelungenen Pr&#228;sentation, wer auf dieser Welt aus welchen Gr&#252;nden und mit welchen Mitteln Inhalte im Internet zensiert.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Web-Designer YuxiYou veranschaulicht in einer kurzen gelungenen <a href="http://yuxiyou.net/open/">Pr&#228;sentation</a>, wer auf dieser Welt aus welchen Gr&#252;nden und mit welchen Mitteln <strong>Inhalte im Internet zensiert</strong>.<span id="more-37215"></span></p>
<p><a href="http://yuxiyou.net/open/"><img class="alignnone size-medium wp-image-37217" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/01/free_internet-300x181.gif" alt="" width="300" height="181" /></a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37215&amp;md5=412cead2bbc2a4e06791477bb511642f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wut und Orientierung. Die Carta-Umfrage (Teil VII und Schluss)</title>
		<link>http://carta.info/37069/wut-und-orientierung-die-carta-umfrage-teil-vii-und-schluss/</link>
		<comments>http://carta.info/37069/wut-und-orientierung-die-carta-umfrage-teil-vii-und-schluss/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 05 Jan 2011 12:38:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
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		<category><![CDATA[2011]]></category>
		<category><![CDATA[Carta-Umfrage]]></category>
		<category><![CDATA[jahresrückblick]]></category>
		<category><![CDATA[Vorschau]]></category>
		<category><![CDATA[Wutbürger]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Carta-Redaktion hat den Autoren dieser Plattform zum Jahreswechsel zwei Fragen gestellt: Welche Person des &#246;ffentlichen Lebens hat Sie 2010 am st&#228;rksten beeindruckt? Und: Welches Thema oder Ereignis wird uns im Jahr 2011 am intensivsten besch&#228;ftigen? Hier die Antworten von Daniel Leisegang.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Beeindruckt haben mich im vergangenen Jahr besonders die Menschen, die in den Stra&#223;en Stuttgarts und nahe Gorleben auf der Schiene demonstrierten. Nicht allein die schiere Menge der Demonstranten bewegte mich, sondern vor allem ihr gemeinsamer Wille, nicht l&#228;nger hinzunehmen, was „da oben“ vor sich geht, und sich mit ganzer Kraft gegen die als undemokratisch wahrgenommenen Entscheidungen zu stemmen.</p>
<p>Wenig ist jedoch geblieben vom Aufb&#228;umen des Citoyen: Die Gei&#223;lersche Schlichtungsrunde hat den schw&#228;bischen Volkszorn kanalisiert und weitgehend zum Verstummen gebracht. Und w&#228;hrend die Castorgegner die Zustellung von Atomm&#252;ll sabotierten, beschlossen Union und FDP die Abkehr vom Atomausstieg.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>2. Wohin aber wendet sich nun die Wut des „Wutb&#252;rgers“? Ein von den Protesten weitgehend unbeeindruckter Politikbetrieb, aber auch die Angst vor den gegenw&#228;rtigen Krisenszenarien – von einer sich abzeichnenden Energiekrise &#252;ber das derzeitige Finanzchaos bis zum drohenden Klimakollaps – d&#252;rften neben der politischen Frustration auch die Zukunftsunsicherheit der B&#252;rger wachsen lassen. Mit anderen Worten: Die (staats-)b&#252;rgerlichen Konstanten geraten weiter ins Wanken.</p>
<p>Damit aber k&#246;nnte sich der staatsb&#252;rgerliche Zorn am Ende in antib&#252;rgerliche Rage wandeln. Erst vor wenigen Wochen machte das aus dem Franz&#246;sischen ins Deutsche &#252;bertragene <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Der_kommende_Aufstand">Manifest</a> „Der kommende Aufstand“ von sich reden, in dem sich, unterlegt mit rechten Grundt&#246;nen, das Unbehagen &#252;ber die kapitalistische und mit ihr auch gleich &#252;ber die gesamte moderne Gesellschaft ausdr&#252;ckt.</p>
<p>In dieser Schrift offenbart sich exemplarisch das sinistre Antlitz der Wut. Die Anleitung zur Revolution kippt in ihrer Sehnsucht nach einem Schmittschen <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Dezisionismus">Dezisionismus</a> in ein antimodernes Weltbild und sucht statt demokratischer Partizipation den Ausnahmezustand: „Entscheiden ist nur in Notsituationen lebenswichtig, wo die Aus&#252;bung der Demokratie ohnehin fraglich ist. In der restlichen Zeit besteht das Problem des ‘demokratischen Charakters des Entscheidungsprozesses’ nur f&#252;r <a href="http://linksunten.indymedia.org/node/22964">Fanatiker der Prozedur</a>.“</p>
<p>Mit den <a href="http://jungle-world.com/artikel/2010/47/42175.html">Anleihen</a> an Martin Heidegger und Carl Schmitt werden aber zugleich elementare Werte der Aufkl&#228;rung wie Menschenrechte, Gleichheit und Gerechtigkeit &#252;ber Bord <a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/revolution-mit-melancholie/">geworfen</a>. Stehen wir somit am Anfang eines Jahres, in dem sich die angebahnte Entt&#228;uschung mehr und mehr in politische Destruktion verwandelt? L&#228;ngst werden in europ&#228;ischen St&#228;dten wieder brutale Bombenanschl&#228;ge ver&#252;bt, zu denen sich anarchistisch-revolution&#228;re Gruppen <a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/anarchistische-gruppe-bekennt-sich/">bekennen</a>.</p>
<p>Aber nicht nur in Europa g&#228;rt es: Weitaus weniger schmittianisch, doch &#228;hnlich entschieden und wortgewaltig ert&#246;nt es zu Jahresbeginn aus dem Nahen Osten. In einem noch druckfrischen <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/wie-laeuse-unter-den-naegeln/">Pamphlet</a> schreit sich die Jugend von Gaza den Frust aus dem Leib: „Fick dich, Hamas. Fick dich, Israel. Fick dich, Fatah. Fick dich, UN. Fick dich, UNWRA. Fick dich, USA!“</p>
<p>Auch hier bricht sich in erster Linie lautstark Zorn &#252;ber die zweifelsohne menschenunw&#252;rdige Lage in Pal&#228;stina Bahn. Nur noch mit letzter Kraft h&#228;lt die dortige junge Generation an modernen Begriffen fest: “In uns w&#228;chst eine Revolution heran, eine riesige Unzufriedenheit und Entt&#228;uschung t&#252;rmt sich auf. Gelingt es uns nicht, diese Energie in etwas umzuwandeln, das den Status quo infrage stellt und uns etwas Hoffnung gibt, dann wird sie uns zerst&#246;ren.”</p>
<p>Hoffnung? Hans H&#252;tt sieht &#8211; <a href="http://carta.info/36084/der-kommende-aufstand/">hier</a> auf <em>Carta</em> &#8211; in dem Manifest „Der kommende Aufstand“ die franz&#246;sische Antwort auf Cormac McCarthys apokalytptischen Roman „The Road“. In der Tat: Die dr&#228;ngenden Fragen des n&#228;chsten Jahres und vielleicht sogar der n&#228;chsten Dekade d&#252;rften lauten: Wie stellen wir den krisenhaften Status Quo in Frage? Oder anders: Woran orientieren wir uns noch in diesen Zeiten?
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<a href="http://carta.info/37069/wut-und-orientierung-die-carta-umfrage-teil-vii-und-schluss/">Wut und Orientierung. Die Carta-Umfrage (Teil VII und Schluss)</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/37069/wut-und-orientierung-die-carta-umfrage-teil-vii-und-schluss/#comments">3 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37069&amp;md5=35709162600f8218ae4041a347d40398" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wikileaks: Der tiefe Riss</title>
		<link>http://carta.info/34419/wikileaks-der-tiefe-riss-um-die-oekonomisierung/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Sep 2010 12:20:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Domscheit-Berg]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Schmitt]]></category>
		<category><![CDATA[Investigativer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Julian Assange]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblower]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>

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		<description><![CDATA[Der &#252;berraschende R&#252;ckzug des ehemaligen Wikileaks-Sprechers Daniel Schmitt hat den tiefen Riss zu Tage treten lassen, der sich durch die F&#252;hrungsriege der Organisation zieht. Mehr noch: Der Streit um die zuk&#252;nftige Ausrichtung von Wikileaks offenbart, dass das Projekt am Scheideweg steht und – statt aus vergangenen Fehlern zu lernen – an seinen eigenen Wertma&#223;st&#228;ben zu scheitern droht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/097b22b301794a9a8a2ef7b5091c2802" alt="" width="1" height="1" />Wikileaks definiert sich als „Open-Source-Nachrichtendienst“, dessen Ziel es ist, „unethisches Verhalten in Regierungen und Unternehmen“ aufzudecken. Jeder kann der Organisation unter dem Schutzmantel vollkommener Anonymit&#228;t brisante Informationen &#252;bergeben; dank aufwendiger Verschl&#252;sselungsvorkehrungen erfahren nicht einmal die Projektverantwortlichen die Identit&#228;t der Informanten.</p>
<p>Der engagierte Einsatz f&#252;r mehr Transparenz steht jedoch im krassen Widerspruch zu der eigenen &#214;ffentlichkeitsarbeit: Denn Wikileaks gibt – auch um das eigene Vorhaben nicht unn&#246;tig zu gef&#228;hrden – kaum mehr als eine Handvoll vager Informationen &#252;ber sich selbst preis. Damit k&#246;nnen Au&#223;enstehende nicht nachvollziehen, wie unabh&#228;ngig Wikileaks tats&#228;chlich &#252;ber die Ver&#246;ffentlichung eingereichter Geheimdokumente entscheidet. Vielmehr erwarten die Wikileaks-Aktivisten, dass die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger den selbsternannten W&#228;chtern der Wahrheit blind vertrauen – auch wenn Wikileaks selbst keiner &#246;ffentlichen Kontrolle unterliegt. Hierdurch ger&#228;t das Projekt in <a href="http://www.slate.com/id/2262066">Konflikt zu den eigenen Wertma&#223;st&#228;ben</a>, ist doch der Anspruch totaler Transparenz mit der vollkommenen Anonymit&#228;t derer, die sie herbeif&#252;hren m&#246;chten, nur schwer zu vereinbaren.</p>
<p>Hinzu kommt, dass sich die fehlende Transparenz ironischerweise gegen Wikileaks selbst wenden k&#246;nnte. Denn aufgrund des strikten Quellenschutzes wird das interne „Peer-Review“-Verfahren fr&#252;her oder sp&#228;ter sehr wahrscheinlich einer F&#228;lschung aufsitzen. Vor allem aber ist Wikileaks nicht davor gefeit, selbst zum Spielball in den politischen Auseinandersetzungen zu werden.</p>
<p>So wurde der Organisation im November letzten Jahres gezielt die E-Mail-Kommunikation der umstrittenen Klimaforscher der Climatic Research Unit der University of East Anglia zugespielt – offenbar mit der <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/die-dokumente-aendern-nichts">Absicht</a>, in der &#214;ffentlichkeit den Verdacht zu sch&#252;ren, Temperaturmessungen zum Nachweis des Klimawandels seien manipuliert worden. Auf diese M&#246;glichkeit angesprochen, verweisen die Aktivisten stets auf die oberste Priorit&#228;t, glaubw&#252;rdig zu bleiben und s&#228;mtliche zugespielten und f&#252;r authentisch befundenen Inhalte ungefiltert zu ver&#246;ffentlichen.</p>
<p>Damit aber tritt zu der mangelnden Transparenz ein weiteres Problem: <strong>Denn auch wenn das Streben nach unbedingter Wahrheit auf den ersten Blick konsequent erscheint, ignoriert es doch zugleich unerbittlich die Folgen des eigenen Handelns.</strong> Das wird nicht zuletzt an den ethischen Kriterien des Journalismus deutlich, mit denen sich Wikileaks gerne schm&#252;ckt.</p>
<p>Wiederholt reklamierte Julian Assange, der Kopf der Organisation, f&#252;r die Publikationspolitik von Wikileaks den Status „<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-72370243.html">wissenschaftlichen Journalismus</a>“. Allerdings ist einem investigativen Journalisten die Herkunft der ihm zugespielten Informationen in der Regel bekannt. Daher kann und sollte er nicht nur R&#252;ckschl&#252;sse auf die Motive des Informanten ziehen, sondern muss zugleich folgenschwere Publikationsentscheidungen abw&#228;gen, um diese am Ende auch gegen&#252;ber Dritten verantworten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Einer solchen Verantwortung entziehen sich die Wikileaks-Aktivisten – mit fatalen Folgen insbesondere dann, wenn es bei den Ver&#246;ffentlichungen zu „Kollateralsch&#228;den“ kommt. Und diese werden bisweilen sogar bewusst in Kauf genommen: So haben Menschenrechtsorganisationen Wikileaks daf&#252;r kritisiert, in den j&#252;ngst publizierten Kriegsberichten die Namen afghanischer Zivilisten nicht vollst&#228;ndig getilgt zu haben. Amnesty International <a href="http://www.huffingtonpost.com/2010/08/10/amnesty-international-hum_n_677048.html">bef&#252;rchtet</a> daher, dass es in der Folge zu Vergeltungsma&#223;nahmen durch die Taliban kommen k&#246;nnte.</p>
<p>In der Tat r&#228;umte Wikileaks freim&#252;tig ein, die Identit&#228;t „Schuldiger“ gezielt ver&#246;ffentlicht zu haben. Beispielsweise sei, <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/wikileaks-julian-assange-fast-ein-held-1.992375">so Julian Assange</a>, der Name des Leiters einer afghanischen Radiostation nicht unkenntlich gemacht worden, da dieser sich von der US-Armee habe bestechen lassen, pro-amerikanische Berichte zu senden.</p>
<p>Offenbar macht Assange keinen Unterschied zwischen der Ver&#246;ffentlichung geheimer Wirtschaftsvereinbarungen innerhalb eines Rechtsstaats &#8211; wie beispielsweise der Toll-Collect-Vertr&#228;ge &#8211; und der Verbreitung von Geheimdienstinformationen in einem Kriegsgebiet, die den dortigen Konflikt sch&#252;ren k&#246;nnten. <strong>Entscheidend aber ist, dass sich Wikileaks zum Richter &#252;ber die Schuld von Einzelpersonen aufschwingt – und auf diese Weise selbst zum Kombattanten wird</strong>, wenn die unfreiwillig ans Licht Gezerrten vor aller Augen an den Pranger gestellt werden und dadurch – im schlimmsten Fall – am Ende gar mit ihrem Leben bezahlen.</p>
<p>Damit aber nicht genug: Geht es nach Julian Assange, sollen die „Leaks“ zudem noch <a href="http://www.newyorker.com/reporting/2010/06/07/100607fa_fact_khatchadourian">&#246;ffentlichkeitswirksam</a> &#8211; und damit spendenwirksam &#8211; vermarktet werden.  Gerade dieser Vorsto&#223; d&#252;rfte erheblich zu einer Versch&#228;rfung des Streits unter den Wikileaks-Aktivisten gef&#252;hrt haben. So begr&#252;ndet &#8220;Daniel Schmitt&#8221; seinen R&#252;ckzug auch damit, dass sich die Organisation – und allen voran Assange – zunehmend auf gro&#223;e, aufsehenerregende Ver&#246;ffentlichungen konzentriere.</p>
<p>Diese Fokussierung hat seinen gute Grund. Nach eigenen Angaben hat Wikileaks seit Anfang dieses Jahres mehr als eine Mio. US-Dollar an Spendengeldern gesammelt – und damit weit mehr als die erforderlichen 200.000 Euro, welche die operativen Mindestkosten eines Jahres <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E5690EDAAA6584A1082B73235A5930139~ATpl~Ecommon~Scontent.html">decken</a>. Finanzielle Sorgen muss sich Wikileaks somit derzeit nicht machen. Die Organisation gibt zwar nicht preis, aus welchen Quellen die finanziellen Zuwendungen <a href="http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704554104575436231926853198.html">stammen</a>. Allerdings hat Wikileaks eine transparentere Buchhaltung <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/wikileaks-finanzierung-die-spur-des-geldes-1.984781">angek&#252;ndigt</a> und zumindest die Finanzierungsstrukturen &#246;ffentlicher gemacht.</p>
<p>Fest steht, dass die hohen Spendeneinnahmen nicht zuletzt mit Hilfe spektakul&#228;rer Enth&#252;llungen erzielt wurden. F&#252;r besonders gro&#223;e Aufmerksamkeit sorgte das im vergangenen April ver&#246;ffentlichte 18min&#252;tige Video „Collateral Murder“. Es zeigt, wie elf Zivilisten, darunter zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, durch einen Helikopter der US-Armee beschossen und get&#246;tet werden. Die Ver&#246;ffentlichung zahlte sich f&#252;r Wikileaks auch finanziell aus: Innerhalb weniger Tage flossen mehr als 150.000 Euro auf das Spendenkonto der Organisation.</p>
<p><strong>Mit Erfolgen dieser Art droht Wikileaks jedoch mehr und mehr in den Sog einer „Aufmerksamkeits&#246;konomie“ zu geraten, die zulasten der postulierten Neutralit&#228;t geht.</strong> So entschied sich Julian Assange bei der Publikation des Videos bewusst f&#252;r den rei&#223;erischen Titel „Collateral Murder“, der sich an die euphemistische Bezeichnung „collateral damage“ (Kollateralschaden) anlehnt. Der Titel „Permission to Engage“ („Erlaubnis zum Angriff“) hingegen <a href="http://www.newyorker.com/reporting/2010/06/07/100607fa_fact_khatchadourian?currentPage=all">wurde verworfen</a>, um eine st&#228;rkere mediale Wirkung zu erzielen.</p>
<p>Diese Begr&#252;ndung erinnert eher an die verkaufsf&#246;rdernden Methoden der Regenbogenpresse als an wissenschaftlichen Journalismus. Ungeachtet dessen sagt Assange euphorisch ein „neues Finanzierungsmodell f&#252;r Journalismus“ voraus – und denkt bereits dar&#252;ber nach, brisante Informationen vorab exklusiv an h&#246;chstbietende Medienpartner zu verkaufen.</p>
<p>Offenbar scheint allen voran Julian Assange nicht bereit, aus Fehlern zu lernen. Vielmehr d&#252;rfte er sich nun mit der &#8220;Suspendierung&#8221; &#8220;<a href="http://carta.info/34343/streit-mit-assange-wikileaks-sprecher-daniel-schmitt-gibt-auf/">Daniel Schmitts</a>&#8221; gegen seine internen Kritiker durchgesetzt haben und seinem Ziel der &#214;konomisierung ein gutes St&#252;ck n&#228;her gekommen sein – die freilich zu weiteren Einschr&#228;nkungen der Transparenz und der Neutralit&#228;t des Wikileaks-Projekts f&#252;hren wird.</p>
<p>Wenn somit die Kombattantenschaft zuk&#252;nftig auch noch als Sensationsmeldung an den Meistbietenden verkauft wird, droht nicht nur die Philosophie der Transparenz den neuen Gesch&#228;ftszielen untergeordnet zu werden. Vor allem aber w&#228;ren Wikileaks hehre Ziele damit endg&#252;ltig ad absurdum gef&#252;hrt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Der Text basiert auf einem l&#228;ngeren Debattenbeitrag, der in wenigen Tagen in den „<a href="http://www.blaetter.de/">Bl&#228;ttern f&#252;r deutsche und internationale Politik</a>“ <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/oktober">10</a>/2010 erscheinen wird.</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Mehr zum Thema auf Carta:</em></p>
<ul>
<li>Wolfgang Michal: <a rel="bookmark" href="../../32652/sieben-todsichere-methoden-wikileaks-zu-erledigen-eine-satire/">Sieben todsichere Methoden, Wikileaks zu erledigen. Eine Satire</a></li>
<li>Christoph Bieber: <a rel="bookmark" href="../../31246/afghanistan-protokolle-die-konjunktur-des-lecks-dank-wikileaks/">Afghanistan-Protokolle: Die Konjunktur des Lecks dank Wikileaks</a></li>
<li>Sebastian Lange und Johannes Altmeyer: <a rel="bookmark" href="../../26867/wikileaks-aus-einer-geheimsache-machen-wir-keine-weitere-geheimsache/">Wikileaks: Aus einer Geheimsache machen wir keine weitere Geheimsache</a> (Interview mit Daniel Schmitt)</li>
</ul>
<p><em>Aktuell au&#223;erdem lesenswert:</em></p>
<ul>
<li>Detlef Borchers: <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E16C61BBFECED4728A6483FCF2CA49830~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Wikileaks – Rausschmiss im Geheimen</a></li>
<li><em> </em>Daniel Schmitt: <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,719604,00.html">Mir bleibt nur der R&#252;ckzug</a> (Interview von Marcel Rosenbach und Holger Stark)</li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Google StreetView: Die &#214;ffentlichkeit als Ware</title>
		<link>http://carta.info/33073/google-streetview-die-oeffentlichkeit-als-ware/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 14:24:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Google Street View]]></category>

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		<description><![CDATA[Schafft Google eine „digitale &#214;ffentlichkeit“? Wird das Private mit mit Street View nun &#246;ffentlich? Nichts dergleichen: Google privatisiert die &#246;ffentliche Sph&#228;re. Mehr noch – die demokratische &#214;ffentlichkeit selbst verkommt zur Ware.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f865908701ee456d90d3e220ebbed97f" alt="" width="1" height="1" />Mario Sixtus <a href="http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/08/erst-dienste-wie-street-view-m.html">mahnt</a> zu Wachsamkeit: Kritik an Google Street View komme einem Angriff auf die Grundrechte jedes Einzelnen gleich. Google Street View mache den &#246;ffentlichen Raum erst wirklich &#246;ffentlich. Dem Geschw&#228;tz von „Phobikern“ sei daher keine Beachtung zu schenken.</p>
<p>Der IT-Berater Jens Best m&#252;nzt diese Weisung kurzerhand in praktisches Handeln um. Mit einer PR-Aktion in eigener Sache hat er sich geschickt in die Debatte um Street View <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,712426,00.html">eingeschaltet</a>: Er will die „freie Zug&#228;nglichkeit“ des „digitalen &#246;ffentlichen Raums“ mit der Kamera in der Hand verteidigen. Wenn es sein m&#252;sse, t&#246;nt er, sei er sogar „bereit, ins Gef&#228;ngnis zu gehen.“</p>
<p>Dem k&#252;hnen Aufr&#252;hrer springt schlie&#223;lich Michael Seemann zur Seite: Der Kritik an Google <a href="http://carta.info/32498/streetview-es-gibt-kein-analoges-leben-im-digitalen/">begegnet</a> er mit digitalem Darwinismus: „Der Sprung ins kalte Wasser wird niemandem erspart bleiben, so oder so. [...] Willkommen in unserer Welt.“</p>
<p>Was veranlasst diese Riege wackerer „Netzaktivisten“, den neuen Google-Dienst nicht nur willkommen zu hei&#223;en, sondern ihn zudem mit martialischer Rhetorik und couragiertem Einsatz gegen Kritik zu verteidigen?</p>
<p>Zum einen unterliegen sie offenbar einem falschen Eindruck davon, was Googles <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2008/februar/das-google-imperium">Gesch&#228;ft</a> im Kern ausmacht. Der Konzern verdient sein Geld in erster Linie mit den pers&#246;nlichen Daten der Nutzer. Auch Street View wird dazu beitragen, mehr und mehr Informationen &#252;ber uns zu gewinnen, die das Unternehmen dann zu zunehmend komplexen Profilen zusammenf&#252;hren kann.</p>
<p>Zum anderen verteidigen Sixtus und Co. etwas, das so &#252;berhaupt nicht existiert. Die Bef&#252;rworter von Street View gehen davon aus, dass Google mit Hilfe des neuen Dienstes nicht weniger als eine „digitale &#214;ffentlichkeit“ der Allgemeinheit verf&#252;gbar mache. Das genaue Gegenteil ist indes der Fall: Google eignet sich nun auch noch in einem bislang nicht gekannten Ausma&#223; unsere &#214;ffentlichkeit an. Diese wird dabei nicht nur kommerzialisiert – <strong>die &#246;ffentliche Sph&#228;re wird von den &#246;konomischen Interessen Googles geradezu durchdrungen und so am Ende selbst zur Ware</strong>.</p>
<p>Auf diese Weise gehen dem &#246;ffentlichen Raum zahlreiche <a href="http://www.perlentaucher.de/buch/27520.html">Kriterien</a> verloren, die ihn zuvor als solchen kennzeichneten:</p>
<p>Erstens dient „&#246;ffentlich“ als <strong>Gegenbegriff zu „privat“</strong>. Der private Raum bezeichnet eine Handlungssph&#228;re, in der die Gesellschaftsmitglieder pers&#246;nliche Ziele und Lebensprojekte verfolgen k&#246;nnen, ohne sich kollektiven Anspr&#252;chen unterwerfen oder sich gegen&#252;ber der Gesellschaft f&#252;r ihre Handeln rechtfertigen zu m&#252;ssen.</p>
<p>Zweitens l&#228;sst sich „&#246;ffentlich“ als Gegenbegriff zu geheim oder vertraulich verstehen. Somit sind beispielsweise Wissensbest&#228;nde, die abgeschirmt sind gegen Beobachtung aber auch gegen den Einfluss von Au&#223;en, aufgrund eingeschr&#228;nkter Zugangsbedingungen nicht &#246;ffentlich. Oders anders gesagt: &#214;ffentlich beschreibt auch und vor allem die <strong>kollektive Verf&#252;gung &#252;ber Ressourcen</strong>, Stichwort: &#246;ffentliches Eigentum.</p>
<p>Drittens verweist „&#214;ffentlichkeit“ auf ein Kollektiv mit einer <strong>Kommunikationsstruktur</strong>, und damit auf eine bestimmte Formation der Gesellschaft, in der sich Meinungen bilden, die dann eine eigenst&#228;ndige politische Wirkung entfalten k&#246;nnen.</p>
<p>Knapp zusammengefasst l&#228;sst sich also sagen, dass in einer demokratischen &#214;ffentlichkeit die B&#252;rger miteinander verhandeln, wie ihr gemeinsamer Raum und seine Infrastruktur ausgestaltet sein soll. Damit obliegt es ihnen auch zu bestimmen, wo die Grenze zwischen &#246;ffentlicher und privater Sph&#228;re verl&#228;uft.</p>
<p>Offensichtlich nehmen zahlreiche B&#252;rger das Fotografieren „ihrer“ Stra&#223;en und Hausfassaden als Eingriff in die Sph&#228;re wahr, die ihnen eigentlich Schutz vor dem unerw&#252;nschten Eindringen kollektiver oder fremder privater Anspr&#252;che gew&#228;hren soll. Bereits die Wahrnehmung, dass Google als privat-wirtschaftlicher Akteur systematisch in das Private einzudringen scheint, sollte demnach eigentlich ausreichen, den <strong>Grenzverlauf zwischen &#246;ffentlicher und privater Sph&#228;re</strong> ernsthaft zu pr&#252;fen und m&#246;glicherweise anzupassen – statt die Kritiker des Dienstes, wie Sixtus es tut, als Phobiker zu beschimpfen.</p>
<p>Und selbst wenn die Bef&#252;rworter des Dienstes Recht behalten sollten, dass Google allein den &#246;ffentlichen Raum fotografiert habe, so verfolgt auch Street View in erster Linie das Ziel, mit einem aufgemotzten Stadtplan den Privatpersonen weitere private bis intime Informationen zu entlocken, die Google dann zu Werbezwecken verwertet. &#220;ber die weitergegebenen Informationen verlieren die Nutzer jedoch nicht nur vollst&#228;ndig die Kontrolle, sie werden regelrecht ihrer privaten Daten enteignet.</p>
<p>Google Street View hat somit – auf die eine oder andere Weise – durchaus Einfluss auf unseren privaten Raum. Entscheidend f&#252;r die aktuelle Debatte ist jedoch, dass nach der langj&#228;hrigen <strong>Kommerzialisierung der privaten Daten</strong> nun auch die zunehmende <strong>Aneignung des &#214;ffentlichen</strong> folgt.</p>
<p>Denn das virtuelle Abbild der „&#214;ffentlichkeit“ verfolgt eben nicht den Zweck, demokratische Entscheidungen herbeizuf&#252;hren und kollektive Verantwortlichkeiten zu organisieren. Auch bed&#252;rfen die Entscheidungen und Handlungen Googles keinerlei demokratischer Legimitation, der Konzern unterliegt nicht einmal der Notwendigkeit sich gegen&#252;ber der &#214;ffentlichkeit rechtfertigen zu m&#252;ssen. <strong>Somit verf&#252;gen die Nutzer &#252;ber keinen entscheidenden Einfluss auf die Unternehmenspolitik Googles – und damit auch nicht auf die „digitale &#214;ffentlichkeit“.</strong></p>
<p>Wie k&#246;nnten wir verhindern, dass Google – was noch am wahrscheinlichste ist – die „&#246;ffentlichen“ Daten von Street View mit denen anderer Diensten verkn&#252;pft? &#8211; Wir wissen ja nicht einmal, welche Daten Google &#252;berhaupt erhebt und in seinem Besitz hat. Wie kann sicher gestellt werden, dass die Informationen, die Google besitzt, nicht gestohlen oder an andere Unternehmen verkauft werden? Oder was k&#246;nnen wir dagegen unternehmen, wenn Google morgen entschiede, dass fortan nur noch eine bestimmte Nutzergruppe kostenfreien Zutritt zu Street View erh&#228;lt?</p>
<p><strong>Das Gegenteil von &#246;ffentlichem Gemeingut, &#252;ber das alle betroffenen B&#252;rger gleicherma&#223;en demokratisch verf&#252;gen und Macht aus&#252;ben k&#246;nnen, hei&#223;t jedoch: Privateigentum.</strong> Und der Global Player Google will uns dieses Privateigentum obendrein als &#246;ffentlichen Service <a href="http://maps.google.de/intl/de/help/maps/streetview/">verkaufen</a>.</p>
<p>Damit aber verwandelt sich der demokratische Souver&#228;n bei Street View in passive Konsumenten; das in der &#246;ffentlichen Sph&#228;re demokratisch legitimierte Recht schrumpft auf die von Google einseitig diktierten Allgemeinen Gesch&#228;ftsbedingungen zusammen. Daher kann diese Form der „digitalen &#214;ffentlichkeit“ schlie&#223;lich ebenfalls nicht dem freien gemeinsamen Austausch der B&#252;rger untereinander zugute kommen.</p>
<p>Die „digitale &#214;ffentlichkeit“ von Google Street View erf&#252;llt daher in keiner Weise den Charakter einer demokratischen &#214;ffentlichkeit. Stattdessen verwandelt Google diese in ein kommerzielles Produkt. Das Unternehmen ist zur Sicherung eigener Vertriebswege inzwischen auch bestrebt, die Netzneutralit&#228;t, eine Grundbedingung des unbeschr&#228;nkten Datenverkehrs im Internet, <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Google-und-Verizon-fuer-Netzneutralitaet-mit-einigen-Hintertueren-1053004.html">auszuhebeln</a>.</p>
<p>Wir sehen uns somit derzeit einer Entwicklung gegen&#252;ber, in der eine kommerzielle <a href="http://www.tinbrain.de/2010/07/die-kolonialisierung-der-offentlichkeiten-teil-iv/">Kolonialisierung</a> des Internet – auch und vor allem durch Google – nicht nur unser Verst&#228;ndnis von &#214;ffentlichkeit, sondern obendrein auch noch die offene Vernetzungsstruktur des Internet bedroht. Was aber braucht es noch, um den Wohlt&#228;ter vom &#220;belt&#228;ter unterscheiden zu k&#246;nnen?
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<a href="http://carta.info/33073/google-streetview-die-oeffentlichkeit-als-ware/">Google StreetView: Die &#214;ffentlichkeit als Ware</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/33073/google-streetview-die-oeffentlichkeit-als-ware/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33073&amp;md5=a202ff7e1cf1842d0e53e2c7489818d9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Facebook-Alternative Diaspora: Die Freiheit liegt in der Verstreuung</title>
		<link>http://carta.info/31587/diaspora-die-freiheit-liegt-in-der-verstreuung/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 15:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<description><![CDATA[Facebook versucht das Netz zu kolonialisieren, kommerzialisieren und zu zentralisieren. Die offene Vernetzungs- und Organisationsstruktur im Internet bietet allerdings effektive M&#246;glichkeiten, sich gegen diese Vereinnahmung zu wehren: „Diaspora“ hat den Anspruch ein offenes und sicheres soziales Netzwerk zu werden und seinen Nutzern die Herrschaft &#252;ber ihre privaten Daten zur&#252;ckzugeben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ea2bb6a43b1f44d5b1c0b3f1d576c391" alt="" width="1" height="1" />Das Internet ist potentiell unbeschr&#228;nkt. Gerade seine technische Offenheit unterscheidet es fundamental von anderen &#220;bertragungstechnologien. Seine „offene DNA“ ist ma&#223;geblich daf&#252;r verantwortlich, dass s&#228;mtliche Datenpakete, die man auf die Reise schickt, ohne Einschr&#228;nkungen an ihr Ziel gelangen k&#246;nnen.</p>
<p>Allerdings droht zunehmend eine Beschr&#228;nkung dieser Offenheit vor allem durch kommerzielle Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Google – aber auch durch Soziale Netzwerke wie Facebook.</p>
<p>Mehr noch: Lange Zeit galt beispielsweise Google als das erfolgreichste Werbeunternehmen im World Wide Web. Allerdings k&#246;nnte Googles Stern bereits <a href="http://netzwertig.com/2010/04/25/google-sind-die-guten-zeiten-bald-vorbei">im Sinken</a> begriffen sein. Denn bislang ist es dem Konzern nicht gelungen, erfolgreich ein eigenes Soziales Netzwerk einzuf&#252;hren. Facebook hingegen hat in den vergangenen Jahren einen erstaunlichen Senkrechtstart hingelegt.</p>
<p>Bereits eine halbe Milliarde Menschen sind bei Facebook registriert. Das Netzwerk besitzt somit eine unvorstellbar gro&#223;e Datenbank der Intimit&#228;ten, in der &#252;ber jeden einzelnen seiner Mitglieder detaillierte Angaben zu Vorlieben, Einstellungen und Freundeskreis gespeichert sind. Diese umfangreichen zentralen Datensammlungen sind eine wertvolle Ressource f&#252;r die Unternehmen – insbesondere f&#252;r den Werbemarkt.</p>
<p>So wie Google mit seinem informellen Firmenslogan „<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Don%27t_be_evil">Don’t be evil</a>“ behauptet, es wolle nichts B&#246;ses tun, nennt Facebook als Ziel „to make the world more open“. Ebenso wie Google missachtet Facebook jedoch nicht nur fundamentale Rechte der Internetnutzer. Das Unternehmen und sein heute 26j&#228;hriger Gr&#252;nder Mark Zuckerberg planen zudem, Facebook und den Rest des Internet miteinander zu verschmelzen. <strong>Ziel ist es, Google zu &#252;berrunden und Facebook zum gr&#246;&#223;ten Online-Werbenetzwerk zu machen.</strong></p>
<p>Hierf&#252;r muss das Netzwerk freilich nach au&#223;en durchl&#228;ssiger werden und sich &#246;ffnen. So &#228;nderte Facebook im Dezember vergangenen Jahres von einem Tag auf den anderen ohne R&#252;ckfrage an die Nutzer die Datenschutzeinstellungen. Private Nachrichten, Kommentare oder Fotos, die bis dahin nur von Freunden eingesehen werden konnten, waren daraufhin &#246;ffentlich zug&#228;nglich. Nachdem es heftige Kritik hagelte, sah sich Facebook gen&#246;tigt, eilig einen besseren Schutz der Privatsph&#228;re der Nutzer zu versprechen.</p>
<p>Dieser R&#252;ckschlag kann Facebook aber nicht von dem Ziel abbringen, mit Hilfe seiner aggressiven Vermarktungsstrategien die &#246;konomische Durchdringung des gesamten Netzes anzustreben. So gab Zuckerberg im April dieses Jahres neue Funktionen bei Facebook bekannt. Sogenannte „Social Plugins“ dienen dazu, Webseiten, Videos und andere Webinhalte bei Facebook zu empfehlen. Die Plugins k&#246;nnen auf jeder Website eingebaut werden und verfolgen vor allem den Zweck, den Einfluss Facebooks in s&#228;mtliche Winkel des World Wide Web auszuweiten.</p>
<p>Diese aggressive Landnahme droht <a href="http://carta.info/26360/facebook-ein-sonderfall-im-oekosystem-des-internets">das Web zu zentralisieren</a> und damit fundamental zu ver&#228;ndern. Denn auf s&#228;mtlichen Seiten, auf denen die Plugins installiert sind, erfasst Facebook Informationen &#252;ber das Surfverhalten aller Besucher dieser Angebote – ohne dass bekannt ist, welche Daten im Einzelnen ausspioniert und an die Netzwerkbetreiber gesendet werden.</p>
<p>Gegen die Pl&#228;ne von Facebook formiert sich allerdings seit einigen Monaten wachsender Widerstand: Ein vierk&#246;pfiges Team aus New Yorker Studenten hat Mark Zuckerbergs Pl&#228;nen den Kampf angesagt und arbeitet bereits an dem offenen Sozialen Netzwerk <strong>„<a href="http://www.joindiaspora.com/">Diaspora</a>“</strong>. Der Name ist Programm: „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diaspora">Diaspora</a>“ entstammt der griechischen Sprache und bedeutet urspr&#252;nglich „ausstreuen, sich zerstreuen“. Die Nutzer sind somit buchst&#228;blich aufgerufen, sich von Facebook abzuwenden und sich zu verstreuen bzw. zu dezentralisieren. Das unmissverst&#228;ndliche Ziel der Entwicklergruppe lautet: <strong>Die Kontrolle &#252;ber die eigenen Daten wieder zu erlangen.</strong></p>
<p>Denn in dem dezentral organisierten Netzwerk Diaspora gilt die Privatsph&#228;re als das h&#246;chste Gut. Jeder Nutzer soll fortan uneingeschr&#228;nkt die Verf&#252;gung &#252;ber seine eigenen Daten erhalten. Zudem soll die gesamte Kommunikation unter den Teilnehmern verschl&#252;sselt erfolgen.</p>
<p>Die Mittel f&#252;r dieses Gegenprojekt zu Facebook stammen nicht aus der Privatwirtschaft, sondern wurden ausschlie&#223;lich von Internetnutzern gespendet. &#220;ber <a href="http://www.kickstarter.com/projects/196017994/diaspora-the-personally-controlled-do-it-all-distr">Kickstarter</a>, ein Web2.0-Dienst, der Gelder f&#252;r die F&#246;rderung unterschiedlichster Projekte sammelt, trugen die Projektgr&#252;nder innerhalb weniger Tage &#252;ber 200.000 US-Dollar zusammen. Ein Zeichen daf&#252;r, dass es ein gro&#223;es Bed&#252;rfnis nach einer Alternative gibt.</p>
<p>Bereits im September soll im ersten Schritt eine dokumentierte API unter freier Lizenz ver&#246;ffentlicht werden, inklusive Quellcode und Basisfunktionen. Allerdings wird anfangs noch ein wenig technische Handarbeit von den Nutzern erwartet: Der individuelle Diaspora-Knotenpunkt, der „Seed“, muss auf einen Webserver oder mit Hilfe von Cloud-Computing-Diensten hochgeladen werden.</p>
<div id="attachment_31592" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/diaspora.jpg"><img class="size-medium wp-image-31592" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/diaspora-300x187.jpg" alt="" width="300" height="187" /></a><p class="wp-caption-text">Bisher gibt es von Dispora kaum mehr als ein paar Screenshots. Auch die Videos lassen noch nicht viel erkennen.</p></div>
<p>Ist Diaspora somit<strong> nur eine Alternative f&#252;r Geeks?</strong> Mitnichten, denn die Entwickler haben sich im zweiten Schritt bereits vorgenommen, die Einrichtung und den Gebrauch von Diaspora erheblich zu vereinfachen, so dass innerhalb weniger Minuten ein kinderleichtes Setup („a dead-simple, five-minute setup“) die Installation erm&#246;glichen soll. Mit Hilfe der Open-Source-Community sollen dar&#252;ber hinaus Updates und zahlreiche Add-ons bereitgestellt werden. So stellt das Entwicklerteam f&#252;r sp&#228;tere Versionen bereits Instant Messaging und Internettelefonie in <a href="http://www.joindiaspora.com/project.html">Aussicht</a>.</p>
<p>Bisweilen scheint es, als sei das Internet der erdr&#252;ckenden Kommerzialisierung nicht gewachsen. Und auch der Ansatz, mit „Diaspora“ eine offene und sichere Alternative zu Facebook aufzubauen, mag auf den ersten Blick dem verzweifelten Unterfangen des kleinen Davids &#228;hneln, mit einer einfachen Steinschleuder den riesenhaften Goliath niederzustrecken.</p>
<p>In der Tat: Von Diaspora gibt es bislang <a href="http://www.joindiaspora.com/2010/07/01/one-month-in.html">kaum mehr als ein paar Screenshots.</a> Und 200.000 US-Dollar geben noch nicht Gewissheit, dass mit dem Open-Source-Netzwerk auch tats&#228;chlich eine einfach zu bedienende Alternative zum zentralisierten, datenhungrigen Facebook heranreift.</p>
<p>Entscheidend aber ist: Am Ende wird es vor allem auf den Willen der Facebook-Nutzer ankommen, sich zu „zerstreuen“. H&#228;tte Dispora jedoch Erfolg, w&#228;re der durch Kleinspenden finanzierte, digitale Graswurzelwiderstand ein erneuter Beleg, dass das Internet sich durchaus auch gegen m&#228;chtige kommerzielle Interessen <a href="http://www.tinbrain.de/2010/07/die-kolonialisierung-der-offentlichkeiten-teil-iv/">zur Wehr zu setzen</a> vermag. Dann h&#228;tte – und das ist die Ironie der Geschichte – gerade die offene Vernetzungs- und Organisationsstruktur des Netzes dazu beigetragen, dass die Nutzer die Hoheit &#252;ber ihre privaten Daten zur&#252;ck erlangen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Ein kurzes Video von Diaspora, das einen ersten Zwischenstand der Entwicklung zeigen soll:</p>
<p><object width="560" height="315"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="movie" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=13026173&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1&amp;autoplay=0&amp;loop=0" /><embed src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=13026173&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1&amp;autoplay=0&amp;loop=0" type="application/x-shockwave-flash" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always" width="560" height="315"></embed></object></p>
<p><a href="http://vimeo.com/13026173">Diaspora Message Propagation (pre-alpha!)</a>.</p>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/31587/diaspora-die-freiheit-liegt-in-der-verstreuung/">Facebook-Alternative Diaspora: Die Freiheit liegt in der Verstreuung</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/31587/diaspora-die-freiheit-liegt-in-der-verstreuung/#comments">9 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31587&amp;md5=01da2485d360af6154d29065e86105ca" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das ungleiche Duell: Wenig mag gegen Wulff sprechen, f&#252;r Gauck jedoch spricht viel.</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jun 2010 11:33:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der n&#228;chste Bundespr&#228;sident muss Mut zu unbedingter politischer Unabh&#228;ngigkeit beweisen. Christian Wulff ist allerdings eher ein nach innen wirkendes Beruhigungsmittel f&#252;r die CDU. Gegen Gauck wirkt er kraftlos und unauff&#228;llig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8014b6da0be9444d8eee003bb1db3ed4" alt="" width="1" height="1" />Nun steht es fest: Am 30. Juni bewerben sich mindestens zwei Kandidaten f&#252;r die Nachfolge Host K&#246;hlers f&#252;r das Amt des Bundespr&#228;sidenten. Christian Wulff, bislang Ministerpr&#228;sident von Niedersachsen, wurde im Eilverfahren von der schwarz-gelben Regierungskoalition ins Rennen geschickt. SPD und B&#252;ndnis90/Die Gr&#252;nen warteten kurz darauf mit einem Gegenkandidaten auf: Ihnen gelang mit der Nominierung Joachim Gaucks, einst Leiter der Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde, ein &#252;berraschender Coup. Die Gegens&#228;tze dieser beiden Anw&#228;rter k&#246;nnten gr&#246;&#223;er kaum sein.</p>
<p><strong>Christian Wulff: Parteipolitisches Beruhigungsmittel</strong></p>
<p>Christian Wulff ist ein nieders&#228;chsischer Landesvater wie aus dem Bilderbuch: Er besuchte in Osnabr&#252;ck die Schule, machte hier Abitur und studierte Jura, um anschlie&#223;end, in Osnabr&#252;ck, als Rechtsanwalt t&#228;tig zu sein.</p>
<p>Wulffs politischer Aufstieg ging bisweilen stockend doch beharrlich vonstatten: Mit 16 Jahren trat er in die Junge Union ein, von 1978 bis 1980 war er ihr Bundesvorsitzender. 1994 und 1998  forderte er als CDU-Landesvorsitzender zweimal erfolglos Gerhard Schr&#246;der heraus, erst 2003 konnte er sich gegen Sigmar Gabriel durchsetzen und wurde zum nieders&#228;chsischen Ministerpr&#228;sidenten gew&#228;hlt.</p>
<p>Betrachtet man das politische Wirken Wulffs n&#228;her, ist er bislang weder durch besondere politische Kreativit&#228;t noch durch ausgesprochene Gedankentiefe aufgefallen. Im Gegenteil: Sein Politikstil wie auch die Arbeit der schwarz-gelben Landeskoalition zeichnet sich weitgehend durch Ger&#228;uschlosigkeit aus. In j&#252;ngster Zeit hat allein die Berufung der bundesweit ersten Ministerin mit t&#252;rkischem Migrationshintergrund kurzzeitig f&#252;r Aufmerksamkeit gesorgt.</p>
<p>Die politische Unauff&#228;lligkeit des 50-J&#228;hrigen kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings entgegen: Mit der Wahl Wulffs w&#252;rde nur eine kleine L&#252;cke in die Reihen der Christdemokraten oder gar des Bundeskabinetts gerissen werden. Der Verlust des Bundesfinanzministers Wolfgang Sch&#228;uble oder der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hingegen w&#228;ren derzeit kaum wett zu machen. Entscheidend aber d&#252;rfte gewesen sein, dass Wulff parteiintern weitgehend unumstritten ist. Seine in erster Linie parteipolitisch motivierte Nominierung bedeutet damit vor allem eins: Sie ist ein nach innen wirkendes Beruhigungsmittel f&#252;r die CDU und die seit Monaten hilflos agierende Regierungskoalition in Berlin.</p>
<p><strong>Joachim Gauck: Ein b&#252;rgerlicher Kandidat mit deutsch-deutscher Biographie</strong></p>
<p>Mit der Nominierung des weit &#252;ber Parteigrenzen hinaus respektierten Gauck ist der informellen Koalition aus SPD und Gr&#252;nen indes &#252;berraschend ein politisches Meisterst&#252;ck gelungen. Joachim Gauck ist von einem deutlich anderen Kaliber als der jung wirkende, unscheinbare Wulff. <strong> Vor allem aber ist Gauck nicht nur Gegenkandidat zu Christian Wulff, sondern vor allem ein Gegenentwurf zu der Art und Weise, wie der Niedersachse von der CDU zum Kandidaten gek&#252;rt – oder besser: ausgez&#228;hlt – wurde.</strong></p>
<p>Mag wenig gegen Wulff sprechen, f&#252;r Gauck spricht viel: Die politische Biografie des 70j&#228;hrigen spiegelt 20 Jahre nach der Wende einen wichtigen Teil bundesdeutscher Geschichte wider. Somit kann Gauck auch zweifelsohne auf eine Lebenserfahrung zur&#252;ckblicken, die weit &#252;ber die nieders&#228;chsische Provinz hinausreicht.</p>
<p>Der DDR-B&#252;rgerrechtler und protestantische Pastor war Mitbegr&#252;nder des Neuen Forums und sa&#223; ab M&#228;rz 1990 als ihr Abgeordneter in der Volkskammer. Auch lange nach seinen zwei Amtszeiten als erster Leiter der Stasi-Unterlagenbeh&#246;rde hat sich Gauck wiederholt und bisweilen zu beharrlich f&#252;r eine Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ausgesprochen – was insbesondere weiten Teilen der Linkspartei missf&#228;llt. Aus diesem Grund verf&#252;gt Gauck auch nur &#252;ber geringen R&#252;ckhalt in der Linkspartei und d&#252;rfte aus ihren Reihen auch nur wenige Stimmen erhalten.</p>
<p>Dennoch widerspricht diese Nominierung gerade dem Lager- und Proporzdenken bundesdeutscher Politik und repr&#228;sentiert vielmehr eben jene &#220;berparteilichkeit, die das Amt des Bundespr&#228;sidenten kennzeichnen sollte. Nicht von ungef&#228;hr hat Gauck sich selbst einst als einen „linken, liberalen Konservativen“ bezeichnet.</p>
<p>Wulff wird es schwer haben, die bundesdeutsche Bev&#246;lkerung zu <a href="http://umfrage.tagesschau.de/umfrage/poll_dbdata.php?oid=koehlernachfolge116">&#252;berzeugen</a>, dass er tats&#228;chlich der bessere Kandidat ist. Bereits bei Gaucks Vorstellung am vergangenen Freitag warb dieser durchaus geschickt in sanfter Ruck-Rhetorik, gew&#252;rzt mit einer hom&#246;opathischen Dosis Kapitalismuskritik, f&#252;r sich. Er wolle, so Gaucks optimistische Botschaft, an die gl&#252;cklichen Ereignisse von 1989 erinnern und „diesen Mut zu Aufbruch, Kreativit&#228;t und Freiheit neu wecken“. Zugleich appellierte er, den ungebrochenen &#246;konomischen Wachstums- und Gl&#252;cksversprechungen in krisenhafter Zeit „streng [zu] misstrauen“.</p>
<p>Der CDU-Kandidat Wulff klingt vergleichsweise kraftlos wie abgegriffen, wenn er seine Motivation <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/international/teile_der_fdp_laufen_offenbar_zu_gauck_ueber_1.5923778.html">beschreibt</a>: Ihn reizten vor allem „die M&#246;glichkeiten, auf Menschen zuzugehen, etwas f&#252;r den Zusammenhalt der Gesellschaft zu tun und die schwierigen Jahre, die vor uns liegen, zu erkl&#228;ren.“</p>
<p><strong>Offene Fragen</strong></p>
<p>Bislang sieht dennoch alles nach einer recht sicheren Sache f&#252;r Christian Wulff aus.</p>
<p>Sein Gegenkandidat Gauck w&#252;rde bei der Wahl immerhin etwa 60 &#220;berl&#228;ufer der schwarz-gelben Mehrheit ben&#246;tigen, um entgegen aller Prognosen ins Schloss Bellevue einziehen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Allerdings k&#246;nnte der christdemokratische Anw&#228;rter noch <a href="http://blog.esowatch.com/?p=1543">ins Straucheln</a> geraten: Schlie&#223;lich <a href="http://www.prochrist.org/Main/Verein/Unterstuetzer.aspx">unterst&#252;tzt</a> Wulff aktiv die Missionarsbewegung „<a href="http://www.prochrist.org/Main/Verein/Leitbild.aspx">Pro Christ</a>“ – ein dunkler Fleck auf seiner ansonsten farblosen Weste. Erst vor wenigen Tagen, am 19. Mai 2010, hatte der Ministerpr&#228;sident auf einer Tagung des evangelikalen „Arbeitskreises Christlicher Publizisten“ (ACP) eine Rede zum Thema „Politik aus christlichem Geist in einer modernen Welt“ gehalten.</p>
<p>„Pro Christ“ wie auch der ACP widersetzen sich der „Verw&#228;sserung der biblischen Botschaft“ und treten f&#252;r fundamentalistischen Standpunkte ein: Sie bef&#252;rworten den Kreationismus, hetzen gegen Homosexualit&#228;t und lehnen Abtreibungen strikt ab. Sektenbeauftragte <a href="http://www.ndrinfo.de/programm/sendungen/reportagen/vortragwulff100.html">kritisieren</a> zudem, dass sich der ACP mehr oder weniger direkt gegen den s&#228;kularen Verfassungsstaat ausspricht und bisweilen auch die N&#228;he zu rechtsextremen Parteien sucht.</p>
<p>Und eine weitere Frage k&#246;nnte f&#252;r die kommende Wahl noch erheblich an Bedeutung gewinnen: Horst K&#246;hler ist nach eigenen Angaben aus mangelndem Respekt „f&#252;r sein Amt“ zur&#252;ckgetreten. Doch das schwarz-gelbe „Projekt K&#246;hler“, so wird mittlerweile <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0605/meinung/0115/index.html">spekuliert</a>, ist nicht nur aufgrund der vermeintlich „missverst&#228;ndlichen“ Aussagen des Bundespr&#228;sidenten zum Afghanistankrieg gescheitert.</p>
<p>K&#246;hler hatte also wom&#246;glich gravierende verfassungsrechtliche Bedenken bei der Ausfertigung des &#8220;Gesetzes zur &#220;bernahme von Gew&#228;hrleistungen im Rahmen eines europ&#228;ischen Stabilisierungsmechanismus&#8221;. Sein R&#252;cktritt k&#246;nnte daher auch mit dem zunehmenden Druck der Bundeskanzlerin und ihren warnenden Hinweis vor den Konsequenzen, eines drohenden Zusammenbruchs des Euro, zu tun haben. K&#246;hler mag sich unter diesen Umst&#228;nden gegen seinen Willen gen&#246;tigt gesehen haben, das Gesetz zu unterzeichnen – und zur&#252;ckzutreten.</p>
<p>Sollten sich diese Vermutungen best&#228;tigen, h&#228;tte letztendlich die politische N&#228;he zu Kanzlerin Merkel zum R&#252;cktritt des Bundespr&#228;sidenten gef&#252;hrt. Um so mehr m&#252;sste sein Nachfolger mit seiner Lebensf&#252;hrung und seiner Lebenserfahrung gew&#228;hrleisten, dass er sich seiner verfassungsrechtlichen Verantwortung bewusst ist. Und er m&#252;sste unzweifelhaft deutlich machen, dass er &#252;ber den Mut zu unbedingter politischer Unabh&#228;ngigkeit verf&#252;gt – eine Haltung, die f&#252;r das h&#246;chste Staatsamtes unabdingbar ist.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28639&amp;md5=9878a970c2e3bbb7ed40219731ed7086" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Elena: Die neue Volksz&#228;hlung</title>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 16:40:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Elena scheitert nicht nur beim versprochenen B&#252;rokratieabbau - es ist auch das gr&#246;&#223;te Vorratsdatenspeicherungsprojekt der Bundesrepublik und Gro&#223;feldversuch f&#252;r unausgereifte Chipkartentechnik. Es gibt noch eine ganze Reihe Probleme zu l&#246;sen, wenn das Projekt nicht v&#246;llig scheitern soll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c3afc013d1ee43b4bc5a87d4aaa76f31" alt="" width="1" height="1" />„Weniger B&#252;rokratie, mehr Effizienz“ verspricht das Bundeswirtschaftsministerium vollmundig in seinem Faltblatt, mit dem es f&#252;r den zu Jahresbeginn eingef&#252;hrten Elektronischen Entgeltnachweis, kurz: Elena, wirbt. Elena soll die Einkommensdaten aller abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten – betroffen sind knapp 40 Millionen B&#252;rgerinnen und B&#252;rger – erfassen und zentral in einer Datenbank zusammenf&#252;hren.</p>
<p>Fortan sollen die Arbeitgeber die Sozialversicherungsmeldungen und Beitragsnachweise an Krankenkassen monatlich zus&#228;tzlich an die Zentrale Speicherstelle (ZSS) der Deutschen Rentenversicherung weiterleiten. Das erkl&#228;rte Ziel ist es, in Zukunft Sozialleistungen wie Arbeitslosen-, Eltern- und Wohngeld papierlos beantragen zu k&#246;nnen und das Berechnungsverfahren zu beschleunigen.</p>
<p>Elena kann jedoch nicht nur das Versprechen der „Entb&#252;rokratisierung“ nicht einl&#246;sen. Entscheidend ist vielmehr, dass damit das gr&#246;&#223;te Datenerfassungs- und Datenvernetzungsprojekt entstanden ist, das es jemals in der Bundesrepublik gegeben hat. Die unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ige Datensammlung erfolgt allein auf den vagen Verdacht hin, dass der Arbeitnehmer eines Tages eine Sozialleistung beantragen k&#246;nnte.</p>
<p>Das Verfahren st&#246;&#223;t daher insbesondere bei Datensch&#252;tzern auf massive Kritik. Sie bef&#252;rchten einen unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Infolgedessen haben mehr als 22.000 B&#252;rger im M&#228;rz Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung Elena eingereicht.</p>
<p><strong>Gigantische Datensammlung</strong></p>
<p>Im Detail enthalten die Datens&#228;tze unter anderem Angaben zu Einkommen, Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnis und -zeitraum, Arbeitsstunden und Kirchensteuer, Krankheits- wie Urlaubstagen. Und das von s&#228;mtlichen abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten aber auch von Beamten, Richtern und Soldaten.</p>
<p>Fest steht bereits, dass die meisten bei der ZSS hinterlegten Daten niemals abgerufen werden. Doch damit nicht genug: Mit dem neu eingef&#252;hrten Verfahren versucht die Bundesregierung zudem, an weitere sensible Daten der Arbeitnehmer zu gelangen. So m&#252;ssen Unternehmen ab sofort beispielsweise auch die Gr&#252;nde f&#252;r Abmahnungen, Fehlzeiten und K&#252;ndigungen nennen.</p>
<p>Worin der Nutzen der erhobenen Informationen liegen soll, erkl&#228;rt die Bundesregierung jedoch nicht. Anfangs hatte die schwarz-gelbe Koalition sogar vorgesehen, dass die Anzahl der Streiktage &#252;bermittelt wird. Gerade solche Daten k&#246;nnten aber zur beh&#246;rdlichen Kontrolle „aufs&#228;ssiger“ Arbeitnehmer missbraucht werden. Nach heftigen Protesten auch seitens der Gewerkschaften wird die Beteiligung an Arbeitsniederlegungen nun unter „sonstige unbezahlte Fehlzeit“ aufgef&#252;hrt.</p>
<p>Faktisch hat die Bundesregierung mit Elena nicht weniger als eine Volksz&#228;hlung f&#252;r Arbeitnehmer eingef&#252;hrt – deren Abfrage auch noch regelm&#228;&#223;ig alle vier Wochen wiederholt wird. Bisher wurden die Einkommensdaten dagegen erst dann von den Arbeitgebern eingeholt, wenn sie von den &#196;mtern auch ben&#246;tigt wurden. Zwar ist zu begr&#252;&#223;en, dass (ehemalige) Arbeitgeber nun nicht mehr davon erfahren, wenn einer ihrer Angestellten Sozialleistungen beantragt. Der Preis f&#252;r dieses geringe Mehr an betriebsinterner Vertraulichkeit f&#228;llt allerdings dramatisch hoch aus.</p>
<p><strong>Missbrauch ausgeschlossen?</strong></p>
<p>Zudem d&#252;rfte die Datenbank, allein schon wegen der schieren Masse an privaten Informationen, nicht nur auf Hacker und Adressh&#228;ndler gro&#223;e Anziehungskraft aus&#252;ben. Der Staat k&#246;nnte – &#228;hnlich wie zuvor bei den Mautdaten – die Zweckbindung der gespeicherten Daten aufheben. Wer garantiert daher, dass die staatliche Sammelwut eines Tages nicht auch Begehrlichkeiten bei anderen Beh&#246;rden weckt, wenn zum Beispiel Finanz&#228;mter Steuererkl&#228;rungen mit den hinterlegten Einkommensdaten abgleichen wollen?</p>
<p>Um Bedenken wegen eines m&#246;glichen Missbrauchs auszur&#228;umen, werden die Daten zwar pseudonymisiert und in verschl&#252;sselter Form gespeichert. Der Zugriff sollte dann eigentlich nur mit dem sogenannten Zwei-Schl&#252;ssel-Prinzip m&#246;glich sein: Beantragt ein Arbeitnehmer Sozialleistungen, m&#252;ssen er und der Beh&#246;rdenmitarbeiter mittels Chipkarten die Freigabe der Daten zeitgleich autorisieren.</p>
<p>Allerdings werden die Profile erst nach Eintreffen auf den Servern der ZSS kodiert – eine entscheidende Schwachstelle. Zudem ist bei Elena auch eine sogenannte Backdoor, eine Art technischer Hintert&#252;r, vorgesehen, beispielsweise f&#252;r den Fall, dass ein Arbeitnehmer seine Chipkarte verliert. Ein Datenzugriff ist damit auch ohne die entsprechende Signatur m&#246;glich. Die alternative „Ende-zu-Ende-Verschl&#252;sselung“, bei der ausschlie&#223;lich die Chipkarte des einzelnen B&#252;rgers den Zugang zu den verschl&#252;sselten Daten gew&#228;hrt, wurde von der Bundesregierung nicht erwogen.</p>
<p><strong>Gro&#223;feldversuch Smartcard</strong></p>
<p>Aber auch diese Vorkehrung b&#246;te noch keine ausreichend Sicherheit. Denn Elena ist zugleich ein staatlich gef&#246;rderter Gro&#223;feldversuch f&#252;r eine bislang unausgereifte Chipkartentechnik – in dem das Prinzip der Datensicherheit durch &#246;konomische Interessen erfolgreich in den Hintergrund gedr&#228;ngt wird.</p>
<p>Geht es nach dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM), soll die Chipkarte sprichw&#246;rtlich die eierlegende Wollmilchsau des digitalen Zeitalters werden. Mit ihr soll der B&#252;rger sich nicht nur elektronisch ausweisen, sondern auch bezahlen k&#246;nnen.</p>
<p>Die Smartcard lie&#223;e sich sogar als mobile Krankenakte einsetzen. Denn auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) oder der neue elektronische Personalausweis (nPA) lassen sich als Signaturkarte verwenden. Gerade die eGK gilt seit Jahren als „Leuchtturmprojekt“ wechselnder Regierungen – und als ein gl&#252;ckloses Vorhaben zudem. So scheiterten Testl&#228;ufe bereits fr&#252;h am Widerstand der Patienten und &#196;rzte, die datenschutzrechtliche Bedenken geltend machten.</p>
<p>Und auch gegen den neuen Personalausweis formiert sich zunehmend Widerstand. Er soll ab kommenden November auf einem RFID-Chip Informationen, etwa von Fingerabdr&#252;cken, speichern. Gerade die Funktechnik RFID sch&#252;tzt jedoch nicht hinreichend vor einer missbr&#228;uchlichen Abfrage der pers&#246;nlichen Daten und damit vor dem Diebstahl der digitalen Identit&#228;t. Ungeachtet dieser Risiken l&#228;sst die Bundesregierung den B&#252;rgern keine Wahl: Sie sind ab 2012 verpflichtet, sich eine Signaturkarte anzuschaffen.</p>
<p><strong>Das Ende von Elena?</strong></p>
<p>Schlie&#223;lich ist Elena auch ein kostspieliges Unterfangen. Zwar verspricht die Bundesregierung den Unternehmen j&#228;hrliche Einsparungen in H&#246;he von mehr als 85 Mio. Euro. Diese Summe wird allerdings in erster Linie gr&#246;&#223;eren Unternehmen zugute kommen. Denn die monatliche Daten&#252;bermittlung b&#252;rdet insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen erheblichen b&#252;rokratischen Mehraufwand und damit zus&#228;tzliche Kosten auf.</p>
<p>Zu guter Letzt scheinen noch Unklarheiten bei der H&#246;he der Ausgaben vorzuherrschen. So sch&#228;tzt das Bundeswirtschaftsministerium die Kosten f&#252;r den Aufbau der notwendigen Infrastruktur auf insgesamt knapp 90 Mio. Euro; die gleiche Summe d&#252;rfte dar&#252;ber hinaus j&#228;hrlich auf Bund, L&#228;nder und Kommunen zukommen. Das aber bedeutet nichts anderes, als dass die zugesagten Ersparnisse zu gro&#223;en Teilen mit Steuermitteln gegenfinanziert werden m&#252;ssen.</p>
<p>Das BMWi erw&#228;gt mittlerweile, Betriebe bis zu einer bestimmten Gr&#246;&#223;e von der Speicherung auszunehmen. Diese kurzfristige Korrektur wird allerdings nicht ausreichen, um die zahlreichen Probleme von Elena zu l&#246;sen. Entscheidend ist vor allem, dass der Elektronische Entgeltnachweis eben jene Prinzipien der Datensicherheit, Verfahrenstransparenz und Kontrolle verletzt, die das Bundesverfassungsgericht erst k&#252;rzlich in seiner Entscheidung zur Vorratsdatenspeicherung nachdr&#252;cklich gest&#228;rkt hat.</p>
<p>Dies alles f&#252;hrt die Ziele von Elena g&#228;nzlich ad absurdum. Die Bundesregierung aber muss sich daher fragen lassen, ob Datensparsamkeit dem propagierten B&#252;rokratieabbau nicht weit mehr gedient h&#228;tte.</p>
<p><em>Die <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/mai/elena-die-neue-volkszaehlung">Langfassung</a> dieses Beitrags findet sich in den <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2010/mai">aktuellen</a> »Bl&#228;ttern f&#252;r deutsche und internationale Politik« (<a href="http://www.blaetter.de">blaetter.de</a>).</em>
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		<title>Niedriglohn und Flexibilisierung: Abbau der Mittelschicht à la FDP</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 16:46:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Guido Westerwelle beklagt den fehlenden Lohnabstand. Doch die von der FDP propagierte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sorgte f&#252;r sinkende L&#246;hne und ist daran mitverantwortlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1e0be9df325e4466b45e3cb29d38b963" alt="" width="1" height="1" /> Guido Westerwelle darf zufrieden mit sich sein: Seit &#252;ber einer Woche diskutiert das ganze Land seine Forderungen, mit denen er einer Politik der sozialen Grausamkeiten den Weg ebnen m&#246;chte. Er hatte unter anderem moniert, dass sich der Abstand zwischen den Einkommen der Besch&#228;ftigten und den Bez&#252;gen von Hartz-IV-Empf&#228;ngern bedrohlich verringere. Die Hartz-IV-Diskussion trage „<a href="http://www.welt.de/debatte/article6347490/An-die-deutsche-Mittelschicht-denkt-niemand.html">sozialistische Z&#252;ge</a>&#8220;, die arbeitende Mittelschicht d&#252;rfe „nicht der Depp der Nation sein“. Nachdem sich die anf&#228;ngliche Emp&#246;rung etwas gelegt hat, mehren sich nun die Stimmen, die dem FDP-Vorsitzenden beispringen und in der Sache <a href="http://www.zeit.de/2010/08/01-Hartz-IV">Recht geben</a> wollen.</p>
<p>Auch wenn die suggestive Kraft gro&#223; sein mag, die von Westerwelles lautstark vorgetragener Warnung ausgeht – die Bef&#252;rworter &#252;bersehen, dass es gerade auch eine von der FDP propagierte Politik war, die in den zur&#252;ckliegenden Jahren zu Lasten der mittleren und unteren Einkommensgruppen gegangen ist. Es ist offensichtlich, dass die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes – eine Kernforderung der FDP – ma&#223;geblich f&#252;r den R&#252;ckgang der Mittelschicht verantwortlich ist. Der marktliberale Westerwelle warnt damit zugleich vor einer Entwicklung, die er selbst bislang unentwegt eingefordert hat.</p>
<p>Vor allem die seit Jahren kontinuierlich sinkenden Reall&#246;hne sind verantwortlich daf&#252;r, dass sich das Arbeitsentgelt von immer mehr Menschen den Hartz-IV-S&#228;tzen ann&#228;hert. Der Anteil der L&#246;hne am gesamten Volkseinkommen ist mittlerweile auf ein <a href="http://www.diw.de/de/diw_02.c.289460.de/themen_nachrichten/realloehne_seit_2004_ruecklaeufig_lohnquote_erreicht_rekordtief.html">Rekordtief</a> von 61 Prozent gefallen. Gestiegen ist hingegen der Anteil der Einkommen aus selbstst&#228;ndiger T&#228;tigkeit und Kapitalverm&#246;gen.</p>
<p>Infolgedessen ging der Wohlstandszuwachs der letzten Jahre vor allem zu Lasten der mittleren und unteren Einkommensgruppen. So stellt Markus Grabka vom Deutschen Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung (DIW) <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/2-aeusserungen-zu-hartz-iv-wie-viel-wahrheit-steckt-in-westerwelle-1543926.html">fest</a>, dass in den letzten Jahren „<strong>die unteren zwanzig Prozent der Einkommensbezieher in Deutschland real – also unter Ber&#252;cksichtigung der Preissteigerung – etwa zehn Prozent ihres Einkommens verloren</strong>. Die einkommensst&#228;rksten zehn Prozent haben demgegen&#252;ber 15 Prozent gewonnen.“</p>
<p>Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen ist in den zur&#252;ckliegenden zehn Jahren um mehr als zehn Prozentpunkte zur&#252;ckgegangen. Prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse hingegen, geringer bezahlt und befristet, haben an Bedeutung gewonnen.</p>
<p>Das hei&#223;t: Nicht zuletzt auch die massive Ausweitung des <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/niedriglohnsektor-waechst/">Niedriglohnsektors</a> ist f&#252;r den allgemeinen R&#252;ckgang der Einkommen verantwortlich. Die Niedriglohnschwelle liegt bei zwei Dritteln des mittleren Lohns; inzwischen arbeiten bereits 6,5 Millionen Menschen f&#252;r ein Arbeitsentgelt, das zum &#220;berleben kaum ausreicht. Gut zwei Millionen Menschen gehen sogar f&#252;r einen Bruttostundenlohn unter sechs Euro einer T&#228;tigkeit nach. Dar&#252;ber hinaus gibt es 1,3 Millionen Aufstocker, die trotz Arbeit zus&#228;tzliche Unterst&#252;tzung ben&#246;tigen; die H&#228;lfte von ihnen geht sogar einer Vollbesch&#228;ftigung nach.</p>
<p>Kurzum: Die L&#246;hne werden mehr und mehr in Richtung des Existenzminimums gedr&#252;ckt und am Ende sogar noch vom Staat gef&#246;rdert, damit die Bezieher &#252;ber ein existenzsicherndes Einkommen verf&#252;gen. Hartz IV sollte urspr&#252;nglich jedoch weniger dazu dienen, mit Steuermitteln gef&#246;rderte Kombil&#246;hne einzuf&#252;hren. Vielmehr sollte es die Grundversorgung derer sichern, die zumeist ohne eigenes Verschulden ihre Arbeit verlieren und – trotz des gebetsm&#252;hlenartig wiederholten Versprechens kommender Vollbesch&#228;ftigung – keine neue Besch&#228;ftigung finden.</p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht hat mit deutlichen Worten angemahnt, die Berechnungsgrundlage der Hartz-IV-S&#228;tze zu &#252;berarbeiten. Guido Westerwelle aber verfolgt eine gef&#228;hrliche <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2009/dezember/schwarz-gelbe-sozialcamouflage">Strategie</a>, wenn er die Hartz-IV-Bezieher gezielt gegen die Gruppe der Besserverdienenden ausspielt und die Abstiegs&#228;ngste einer <strong>zunehmend dezimierten Mittelschicht</strong> instrumentalisiert. Dass sich arbeiten f&#252;r erhebliche Bev&#246;lkerungsteile immer weniger lohnt, ist letztlich auch Ergebnis von Niedrigl&#246;hnen. Wer diesen Zusammenhang &#252;bersieht, <a href="http://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2009/dezember/propaganda-der-ungleichheit">spaltet</a> &#8211; wie Westerwelle &#8211; die Gesellschaft.
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		<title>Die Entsorgung der Qualit&#228;t: Die Medienkrise und die Ausbeutung der freien Journalisten</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 18:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Medienkrise versch&#228;rft die Arbeitsbedingungen der freien Journalisten und l&#228;sst den Unterschied zwischen unabh&#228;ngiger Information und PR weiter schwinden. Damit verliert der Journalismus weiter an Glaubw&#252;rdigkeit und begibt sich in den freien Fall.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/110fc6865d0047638040387d48cb43bb" alt="" width="1" height="1" />Die Printmedien befinden sich in einer schweren Krise. Eine Strategie, die ihr &#246;konomisches &#220;berleben sichert, haben die meisten Verlage noch nicht gefunden. Stattdessen herrscht in den meisten Redaktionsh&#228;usern strikter Sparzwang. Unter dem steigenden Marktdruck werden tiefgehende interne Umstrukturierungen vorgenommen: ganze Ressorts werden eingestellt, Redaktionen zu sogenannten News-Rooms zusammengelegt und Zeilenhonorare &#252;ber die Schmerzgrenze hinaus gek&#252;rzt.</p>
<p>Diese Entwicklung spitzt sich in der derzeitigen Wirtschaftskrise zus&#228;tzlich zu. Im Fr&#252;hjahr hat zum Beispiel die WAZ-Gruppe bei ihren vier NRW-Titeln 300 der knapp 900 Redaktionsstellen gestrichen. Im Gegenzug erhielt deren Online-Portal „Der Westen“ gerade einmal 20 neue Mitarbeiter.</p>
<p>Auch die S&#252;ddeutsche Zeitung, auflagenst&#228;rkste &#252;berregionale Tageszeitung dieser Republik, plant bis Ende kommenden Jahres 60 Stellen in Verlag und Redaktion streichen, um so 10 Millionen Euro einzusparen. Es wird gemunkelt, diese Summe werde f&#252;r die Bankverbindlichkeiten der S&#252;dwestdeutschen Medienholding (SWMH) ben&#246;tigt, die vor zwei Jahren die Mehrheit am Verlag der SZ f&#252;r insgesamt 700 Millionen Euro aufkaufte.</p>
<p>Selbst die verhei&#223;ungsvolle Online-Welt muss gegenw&#228;rtig Federn lassen. Am Freitag entschied der Verlag M. DuMont Schauberg, die Netzeitung <a href="http://carta.info/17791/netzeitung/">einzustellen</a> und s&#228;mtlichen Mitarbeitern betriebsbedingt zu k&#252;ndigen. Das Schicksal ihres Automagazins „Autogazette.de“ war da bereits besiegelt – drei Redakteuren ist vor wenigen Tagen gek&#252;ndigt worden. Die Erstellung der Autobeilage der Berliner Zeitung, bislang Aufgabe der „Netzeitung“, liegt fortan in den H&#228;nden der Full-Service-Agentur „Raufeld Medien“. Sie verf&#252;gt <a href="http://www.raufeld.de/cms/index.php?id=9">nach eigenen Angaben</a> „&#252;ber ein Netzwerk von mehr als 100 freien Autoren“.</p>
<p>Einsparungen, Entlassungen und Outsourcing: Die tiefen Einschnitte in den Verlagsh&#228;usern versch&#228;rfen vor allem die Arbeitsbedingungen einer zugleich wachsenden Berufsgruppe, die der freien Journalisten. Allein in den vergangenen zehn Jahren d&#252;rfte sich ihre Zahl, so sch&#228;tzt der Deutsche Journalistenverband (DJV), auf etwa 25.000 verdoppelt haben.</p>
<p>Freie Journalisten verf&#252;gen &#252;ber kein geregeltes Einkommen und erhalten ihre Honorare bemessen an den gedruckten Zeilen. Der Zeitaufwand, um f&#252;r eine gute Story zu recherchieren, wird nicht ber&#252;cksichtigt. Laut einer Studie (<a href="http://www.dfjv.de/fileadmin/user_upload/pdf/DFJV_Studie_Freie_Journalisten.pdf">PDF</a>) des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes verdient ein freier Zeitungsjournalist, zumeist m&#228;nnlich und im Mittel 47 Jahre alt, monatlich im Durchschnitt knapp 2500 Euro brutto. Aufgrund der erdr&#252;ckenden Marktkonkurrenz sind die Freien h&#228;ufig gezwungen, Knebelvertr&#228;ge anzunehmen, mit denen sie s&#228;mtliche Rechte an ihren Texten an die Verlage abtreten. Eine zus&#228;tzliche Verwertung ihrer eigenen Beitr&#228;ge ist ihnen damit nicht mehr m&#246;glich.</p>
<p>Das Gehaltsgef&#228;lle ist gro&#223; und knapp ein Drittel der freien Journalisten verdient gerade einmal bis zu 1000 Euro. Viele suchen daher ein zweites Standbein: So &#252;bt einer Studie der LMU M&#252;nchen (<a href="http://www.dfjv.de/fileadmin/user_upload/pdf/DFJV_Studie_Arbeitsmarkt_fuer_Journalisten.pdf">PDF</a>) zufolge jeder zweite freie Journalist neben seiner T&#228;tigkeit als Autor eine Nebent&#228;tigkeit &#8211; zumeist im Bereich &#8220;PR/Werbung&#8221; &#8211; aus.</p>
<p>Schlie&#223;lich wird sich ein „Freier“ gut &#252;berlegen, ob er f&#252;r wenige hundert Euro wochenlang einer aufw&#228;ndig recherchierten Story nachgeht, wenn Unternehmen und Lobbyorganisationen PR-Texte in Auftrag geben und diese Leistungen auch noch besser bezahlen.</p>
<p>So hat die neoliberale Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft k&#252;rzlich drei Journalisten f&#252;r das Projekt „Deutschland 24/30“ <a href="http://carta.info/12327/insm-deutschlandreise/">angeheuert</a>, die „die „der sozialen Marktwirtschaft gegen&#252;ber positiv eingestellt und einem unternehmernahen Auftraggeber gegen&#252;ber aufgeschlossen sind.“ Sie sollten der Frage nachgehen, was aus der „guten alten Sozialen Marktwirtschaft“ geworden sei. Die Reportage d&#252;rfte am Ende im Sinne der Auftraggeber gewesen sein: Schlie&#223;lich bei&#223;t niemand die Hand, die einen f&#252;ttert.</p>
<p>Wenn die Meinungen von Journalisten, und damit die „vierte Gewalt“ als solche, infolge der Ausbeutung an den Meistbietenden verschleudert werden kann, nehmen fraglos nicht nur die unmoralischen Angebote der Lobbyorganisationen weiter zu – der Unterschied zwischen unabh&#228;ngigen Informationen und interessengeleiteter PR droht am Ende g&#228;nzlich zu verschwinden.</p>
<p>Der Wettlauf nach unten verwandelt sich zudem in den freien Fall: Wenn billiges Infotainment und PR zunehmend kritischen Journalismus aus den Spalten verdr&#228;ngen, ist die Glaubw&#252;rdigkeit der redaktionellen Berichterstattung selbst in Gefahr. Die Leser werden weiter abwandern und im Internet Alternativen suchen, die Anzeigenkunden werden ihnen folgen.</p>
<p>Der Ausweg aus dieser mehrdimensionalen Medienkrise indes ist denkbar einfach: Es ist ein Irrtum anzunehmen, journalistische Qualit&#228;t gebe es zum Nulltarif. L&#228;ngst hat die Diskussion &#252;ber die Zukunft des Journalismus sowie unterschiedliche Erl&#246;smodelle, von Micro-Payments bis hin zur Kulturflatrate, an Fahrt gewonnen. Allein auf diese Weise k&#246;nnen Verlage aus dem Teufelskreis ausbrechen, investigative Recherchen gef&#246;rdert und nicht zuletzt auch die Ausbeutung der freien Journalisten gestoppt werden.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=17798&amp;md5=2914884e03050e47c21b2bc13b88819d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Zukunft des Wissens: Google Books, Open Access und die Informationsgesellschaft von morgen</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 13:20:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Digitalisierung der Kulturg&#252;ter ver&#228;ndert unseren Zugang zum Wissen tiefgreifend. Das Netz erlaubt es, das Wissen der Menschheit allgemein zug&#228;nglich zu machen und erm&#246;glicht es einem Konzern wie Google, sich eine unermessliche Zahl digitalisierter Buchkopien anzueignen. Derzeit scheint es, als laufe die technische Entwicklung einer vergleichsweise beh&#228;bigen Rechtsordnung davon.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Johannes Gutenberg vor gut 500 Jahren die beweglichen Lettern erfand, l&#246;ste er damit eine mediale und kulturelle Revolution aus. Seine Neuentwicklung vereinfachte entscheidend den mechanischen Buchdruck und legte den Grundstein f&#252;r die industrielle Massenproduktion von B&#252;chern. Zugleich erm&#246;glichte sie damit erstmals in der Geschichte die exakte Reproduktion von Wissen.</p>
<p>Einige Jahrhunderte sp&#228;ter erhielt die Gutenberg-Galaxis mit der Erfindung von Tontr&#228;gern, Radio und Fernsehen erstmals Konkurrenz, die sie allerdings in ihren Grundfesten nicht ersch&#252;ttern konnte. Erst die Erfindung des Internet stellt das Primat der gedruckten &#220;berlieferung radikal in Frage. <a href="http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3215">&gt;&gt; weiterlesen bei den <em>Bl&#228;ttern f&#252;r deutsche und internationale Politik</em></a></p>
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<a href="http://carta.info/17303/die-zukunft-des-wissens-google-books-open-access-und-die-informationsgesellschaft-von-morgen/">Die Zukunft des Wissens: Google Books, Open Access und die Informationsgesellschaft von morgen</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/17303/die-zukunft-des-wissens-google-books-open-access-und-die-informationsgesellschaft-von-morgen/#comments">No comment</a>
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