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	<title>CARTA &#187; Christoph Kappes</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 23:19:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Die „Facebook-Revolution“ &#8211; Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbr&#252;che</title>
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		<comments>http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 12:06:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
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		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Diktatoren fallen und Demonstranten Facebook feiern, wenn US-Politiker anonyme Facebook-Accounts fordern und Angela Merkel Twitter lobt, wird es Zeit, die Dinge zu sortieren. Eine ausf&#252;hrliche Reise durch das Themendreieck Netz, Politik &#038; B&#252;rger mit drei kleinen Rant-Bemerkungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #808080;">Inhalt:</span><br />
<span style="color: #808080;">→ Teil 1: Warum das Internet keine politischen Revolutionen macht</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Teil 2: 37 Mechanismen des Internets zur F&#246;rderung gesellschaftlicher Ver&#228;nderungen</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Teil 3: Warum wir kein endg&#252;ltiges Urteil &#252;ber das Internet f&#228;llen k&#246;nnen</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Teil 4: Das Empowerment des Publikums und die Geschmeidigkeit der Demokratie</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Post Scriptum – Der Viertelgeviertstrich</span></p>
<p>Die Diskussion um die „Facebook-Revolution“ hat viele Facetten. Die erste ist, ob dieses Wort tats&#228;chlich &#252;berhaupt von Diskutanten ernsthaft benutzt wurde, denn SPIEGEL ONLINE <a title="Spon" href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,742430,00.html" target="_blank">schreibt</a> zwar als eine der ersten Publikationen ausf&#252;hrlich dar&#252;ber, nennt aber die Quelle nicht. So wollten auch wir es halten, bis wir auf einen <a title="FAZ" href="http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/02/06/jeder-twitt-ein-tritt.aspx" target="_blank">Blogbeitrag </a>der F.A.Z. stie&#223;en, der auf die Basler Zeitung Online verlinkt, welche sich auf den Nachrichtendienst dapd beruft, der eine Politologin namens Harders der FU Berlin als &#196;gyptenexpertin zitiert. Fragt man die Quelle dieses Nachrichtenflusses per Mail, antwortet Frau Professorin Cilja Harders, freundlich und prompt:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>„</em><em>Das habe ich in der Tat gesagt, es war aber nicht alles. Es begann mit Facebook und dann war Al-Jazeera ganz wichtig und, solange die Telefone noch gingen, nat&#252;rlich auch SMS und Telefon. Das Spannende ist, dass die ganze Bewegung ihr Momentum gehalten hat, auch nachdem Telefone und Internet abgeschaltet waren. Es wurde immer weiter gepostet, die Au&#223;enwelt blieb informiert. Intern wurden wieder die alten Festnetzleitungen aktiviert und  in der Kommunikationssperre war Al-Jazeera entscheidend. Nicht umsonst hat das Regime dem Sender die Erlaubnis entzogen f&#252;r einige Tage. Jetzt senden sie wieder aus dem Kairoer Studio.“</em></p>
<p>Und so haben wir als erstes einen Nebenfund: Mehr als dass Facebook zu Beginn eine Rolle spielte, sagt Frau Prof. Harders nicht, mehr wollte sie zumindest nicht sagen. Ihre These ist nicht ganz so steil, wie sie uns gemeldet wurde, weil es schon Facebook-Gruppen gab. Warum hat niemand gefragt, der sie zitierte? Fast 7.000 Google-Treffer, davon so mancher in Leitmedien, sind kein Ruhmesblatt f&#252;r ebendiese.</p>
<p><strong>Teil 1: Warum das Internet keine politischen Revolutionen macht</strong></p>
<p>Sogar f&#252;r den gr&#246;&#223;ten Internet-Freund d&#252;rfte klar sein, dass das Internet  keine Revolution „macht“, es kann nur den Ausdruck entsprechender &#196;u&#223;erungen unterst&#252;tzen. <strong>Auch Panzer „machen“ keinen Krieg, sondern Menschen machen ihn.</strong> Der Grund, dass Menschen politische Ver&#228;nderungen fordern, ist nicht das sch&#246;ne Internet, sondern die dem auftretenden Konflikt zugrunde liegende politische, wirtschaftliche und soziale Konstellation &#8211; einschlie&#223;lich des Zustandes ihrer Freiheitsrechte, ob beschnitten oder nicht. Kommunikationstools sind Verst&#228;rker, nicht Ausl&#246;ser sozialer Interaktion (<a title="neunetz" href="http://www.neunetz.com/2011/02/01/kommunikation-und-organisation-facebook-twitter-und-aegypten/" target="_blank">Quelle</a>). Das Paradoxon daran ist, dass die Abschaltung des Internets, die Abschaltung von Mobilfunk oder der SMS-Massenversand deutliche Symptome der Einschr&#228;nkung von Freiheitsrechten sind, kausal konnten sie dennoch nicht sein f&#252;r zeitlich vorhergehende Ereignisse der Massenbewegung mit digitalen Mitteln. Vermutlich k&#246;nnen wir aber hier ein zweites lernen: <strong>Erst durch die Verbreitung moderner Kommunikationsmittel wird auch ihr Abschalten als Fanal sichtbar.</strong> „Da, seht Ihr!“ ruft der B&#252;rgerrechtler, denn die Handlung (Abschalten) ist nicht mehr Ausfluss von Diktatur, sondern ihr bester Beweis. Das ist das Problem aller Internetsperren, von China bis Tunesien: Sp&#252;rbarer kann man Informationsfreiheit nicht einschr&#228;nken.</p>
<p>Welche Rolle das Web auch immer spielte, man sollte auch <strong>Mobiltelefonie</strong> nicht untersch&#228;tzen (Richard Gutjahr sprach <a title="Gutjahr" href="http://gutjahr.biz/blog/2011/01/kairo/" target="_blank">ad-hoc</a> von „Handy-Revolution“). Denn welches Werkzeug haben Menschen h&#228;ufiger bei sich als Brille und Gebiss? Wir m&#252;ssen uns nicht nur den modernen Businesskasper, sondern wohl auch den modernen, urbanen &#196;gypter – ein sch&#246;nes <a title="Peterglaser" href="http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Der-digitale-Katalysator-1182006.html" target="_blank">Bild</a> von Peter Glaser– als Statue vorstellen, die ein Handy am Ohr hat und so potentiell mit Menschen permanent „connected“ ist. Wir haben weltweit ca. 5 Mrd. Handys bei 7 Mrd. Menschen – eine Quote, die in etwa wohl auch <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,670684,00.html" target="_blank">Kenia</a> findet. Ist mehr Symbolkraft m&#246;glich, als durch zentrales Abschalten dieses weltverbindenden Kopf-Fortsatzes?</p>
<p>Internet-Evangelisten wird die Antwort entt&#228;uschen. Die gr&#246;&#223;ere Symbolkraft geht von Informationen &#252;ber Spitzel, Hunger, Panzern und T&#246;tungen aus, die sich auch ohne Internet wie ein Lauffeuer als Real-Life-Meme verbreiten. Eigentlich verbietet es sich sogar, hier von „Symbolkraft“ zu sprechen, da sich die Kraft dem urspr&#252;nglichen Opfer dieser Handlungen gegen&#252;ber durchweg unsymbolisch zeigt. Wer wagt es, ein Veilchen am Auge wegen seiner „Symbolkraft“ zu erw&#228;hnen? <strong>Nein, wer Panzer befiehlt, wer k&#246;rperliche Gewalt aus&#252;bt, hat im Vergleich zum Internet das m&#228;chtigere Werkzeug</strong>. Das befremdliche daran: Der Mausklick durch normale B&#252;rger f&#252;hrt nur zum „(Dis-)Like“, der Mausklick des Soldaten auch zum echten Tod.</p>
<p>So eingeordnet, darf man die „Macht des Internets“ nicht &#252;bersch&#228;tzen. Die Bezeichnung „Facebook-Revolution“ f&#252;hrt wohl viele Leser in die Irre: <strong>Man schafft es auch mit alten Medien, Massen zu mobilisieren</strong> (mehr <a title="Funckhaus" href="http://funckhaus.blogger.de/stories/1770557/">hier</a>). Auch l&#228;sst sich nicht bestreiten, dass die Nutzung von Online-Diensten f&#252;r B&#252;rgerrechtler kontraproduktiv sein kann, vor allem in autorit&#228;ren Regimes, die den Internetverkehr &#252;berwachen und sich geheimdienstlich in Online-Diensten bewegen. Je mehr sich die gesellschaftliche Kommunikation ins Web verlagert, um so empfindlicher kann sie durch Kill-Switches und Cyberbomben einerseits oder durch Abschalt- und Zensuranweisungen von Regierungen andererseits getroffen werden. Hier zeigt sich die Werkzeugeigenschaft des Internets, das Zweck und Absicht erst durch den handelnden Menschen erf&#228;hrt. Auch der beste Hammer zeigt sich „b&#246;se“, wenn man uns mit ihm schl&#228;gt.</p>
<p>&#220;berhaupt, meine ganz pers&#246;nliche Meinung, ist es <strong>noch ein bisschen fr&#252;h</strong>, von „Revolution“ zu sprechen. Gut, der Diktator musste gehen. Aber was kommt <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745311,00.html" target="_blank">jetzt</a> ? Nach den Gl&#252;ckw&#252;nschen mag ich erst feiern, wenn ich freie Wahlen sehe.</p>
<p><strong>Teil 2: 37 Mechanismen des Internets zur F&#246;rderung gesellschaftlicher Ver&#228;nderungen</strong></p>
<p>Bevor wir die Folgen des Internet-Einsatzes beurteilen k&#246;nnen, m&#252;ssen wir seine Mechanismen und Auswirkungen auf die menschliche Kommunikation verstehen.</p>
<p>Es ist weit verbreitet, das Internet einfach nur als ein neues Medium anzusehen. Das ist schon nicht richtig, weil es andere Medien enthalten kann, man muss es daher als „Meta-Medium“ oder Container ansehen. Aber auch das Meta-Medium f&#252;hrt in die Irre, seit Menschen im Web (! – und nicht nur per Mail oder ICQ) miteinander kommunizieren. Ich denke, der Paradigmenwechsel von Inhalt zu Kommunikationsakten ist der eigentliche Wandel seit dem sog. „Web 2.0“ – dazu aber mehr an anderer Stelle. Durch diese Kommunikation ist es besser, das Internet als „verschachtelten Kommunikationsraum“ (etwa Chris St&#246;cker im <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745005,00.html" target="_blank">SpOn</a>) zu betrachten. Es zeigen sich n&#228;mlich etliche<strong> Besonderheiten dieses „verschachtelten Kommunikationsraumes“, der gesellschaftliche Ver&#228;nderungen f&#246;rdert,</strong><strong> und zwar unabh&#228;ngig von der Staatsform.</strong></p>
<p><strong>Gruppe 1: Internetkommunikation mit Text, Hypertext, Rich Media</strong></p>
<ol>
<li>Kommunikation im Internet ist fast immer <strong>schriftlich</strong> repr&#228;sentiert. Dies f&#252;hrt dazu, dass die Information <strong>weniger fl&#252;chtig</strong> ist als in anderen Formen wie dem Radio oder dem Telefonat. (Das wird sich mit Voice-/Video-Diensten eventuell &#228;ndern). Hierdurch erreicht die Information mehr Menschen. Sie kann auch von diesen solange abgerufen werden, bis sie besser verstanden wurde (z.B. Replay-Funktion).</li>
<li>Auch TV- und Radiosendungen werden mit dem Container Internet verbreitet – und sind im Unterschied zu den fl&#252;chtigen Originalen jederzeit als Konserve abrufbar. Auch hier gibt es also eine <strong>Tendenz zur dauerhaften Verf&#252;gbarkeit</strong> von Information.</li>
<li>Schon nach kurzer Zeit liegen Nachrichten in unterschiedlichen Formaten vor. Durch die <strong>Wahl des Medientyps je nach generellen oder situativen Wahrnehmungsvorlieben</strong> hat der Nutzer bessere Chancen, die Nachricht zu verstehen. (Video, kurz? Oder Text, lang oder kurz? Oder doch Bildergalerie?)</li>
<li>Eine Information wird h&#228;ufig nicht durch Wiederholung, sondern als Referenz weitergegeben (technischer Link oder inhaltliche Referenz). Hierdurch bleibt sie in der <strong>Weitergabe-Kette gut erhalten</strong>, im Gegensatz zum verf&#228;lschenden „Stille-Post“-Effekt der nicht-digitalen Kommunikation.</li>
<li>Durch die <strong>Ubiquit&#228;t</strong> von Information werden die Innenverh&#228;ltnisse einer Region nach au&#223;en sichtbar und umgekehrt die Reaktionen und Meinungen von au&#223;en von innen sichtbar. Dies f&#252;hrt zu einem wichtigen Effekt: <strong>Der Support aus dem Ausland best&#228;rkt B&#252;rgerrechtler auf ihrem Weg</strong>. Umgekehrt helfen Dienste von au&#223;en den Menschen innen, fragmentarisches Wissen zusammenzuf&#252;hren und zu bewerten. Es gibt viele Dankes-Tweets aus &#196;gypten in diese Richtung, die „Sofa“-Aktivisten k&#246;nnen durchaus Wirkung erzielen.</li>
<li><strong>„Verl&#228;ngerung“ von Medien-Infrastruktur (klassische Medien): </strong>Das Internet als Container f&#252;r Medien tr&#228;gt den Inhalt von TV- und Radiostationen noch als Archiv „in“ einer Website, macht diesen bearbeitbar, „remixable“ und verbreitbar (z.B. via Videoplattformen wie Youtube).</li>
<li><strong>Abbildung von Medien-Infrastruktur (klassische Medien): </strong>wie oben, der Sender wird jedoch live gestreamt.</li>
<li><strong>Substitution von Medien-Infrastruktur:</strong> Bei St&#246;rungen der herk&#246;mmlichen &#220;bertragungswege kann eine TCP/IP-basierte Parallelarchitektur die weitere Ausstrahlung der Inhalte sicherstellen. (Beispiel: Satellit einer TV-Station wird durch Regime gest&#246;rt).</li>
<li><strong>Substitution von Medien-Infrastruktur (digitale Medien): </strong>Das Internet als Medien-Container hat eine weitere Eigenschaft. F&#228;llt eine Komponente aus, kann das Internet sie mit ein bisschen Infrastruktur ersetzen, wie das Beispiel des Twitter-Accounts <strong>Speak2Tweet</strong> von Twitter und einer Google-Tochter gezeigt hat, der Anrufe auf Mailboxen via Twitter zug&#228;nglich und im Web abspielbar machte (siehe <a title="Neu" href="http://www.guardian.co.uk/technology/2011/feb/06/twitter-speak-tweet-mubarak-networker" target="_blank">hier</a>).</li>
<li><strong>Dezentralit&#228;t von Daten</strong> gibt es an vielen Stellen im Web. Eine der wichtigsten ist: W&#228;hrend Statusmeldungen von Facebook und Twitter erstens nur zu den Bedingungen dieser Unternehmen zug&#228;nglich sind und zweitens diese beiden Systeme als zentrale System gut angreifbar sind, gibt es inzwischen offene Standards, die auch Backup-Funktion haben, falls ein anderes System ausf&#228;llt. Ein Beispiel ist <a href="http://doost.status.net/">http://doost.status.net/</a>, entwickelt mit OStatus. Folge ist: Wenn Twitter von einem Regime blockiert wird, weichen Nutzer aus (falls es &#252;berhaupt noch eine feste Zuordnung zu Plattformen wie Twitter geben wird). Das Internet wird auch hier <strong>redundant</strong>.</li>
<li><strong>Dezentralit&#228;t des Netzes.</strong> Noch ist es nicht soweit, dass man das Internet nicht „ausschalten“ k&#246;nnte. Mit privaten Funknetzen (insbesondere gr&#246;&#223;erer Reichweite) sowie einer Koppelung nach dem Freifunk-Prinzip wird jedoch irgendwann der Tag kommen, dass zumindest innerhalb eines technisierten Landes bzw. einer Region die Kommunikation m&#246;glich bleibt. W&#228;hrend das Handy-Mobilfunknetz zentrale Strukturen hat, die von einem Regime abgeschaltet werden k&#246;nnen, wird es durch dezentrale Webtechnologie irgendwann nicht mehr m&#246;glich sein, diese Struktur zentral zu st&#246;ren.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 2 sind &#196;nderungen in Kommunikationsstrukturen und –geschwindigkeit:</strong></p>
<ol>
<li>Das Internet bietet <strong>n:n-Kommunikation</strong>, mehrere Personen k&#246;nnen mehrere andere mit einer Information adressieren. Diese Peer-to-Peer-Struktur ist einer der wichtigsten Merkmale. Dennoch geht es zu weit zu sagen „Content was never king. Contact is.“ (typisch <a title="Neu" href="http://www.shareable.net/blog/the-evolution-will-be-socialized" target="_blank">hier</a>), weil es nur eines von vielen Merkmalen ist.</li>
<li>Das Internet hat <strong>virale Mechanismen</strong>. Durch die Kombination von sozialen Beziehungen und Sharingfunktionen erreichen Inhalte durch Mausklick hohe Reichweiten.</li>
<li><strong>Vererbtes Vertrauen:</strong> durch Ketten von Personenbeziehungen wird die Glaubw&#252;rdigkeit von Quellen verst&#228;rkt. Dem algerischen Twitter-Freund meines besten Freundes traue ich sogar mehr als der BBC bei der Frage, ob Algerien das Internet gekappt hat, obwohl ich den Twitter-Freund nie gesehen habe.</li>
<li><strong>Echtzeit-Kommunikation</strong> f&#252;hrt zu einer ungekannten Verbreitungsgeschwindigkeit: Was eben in Kairo geschah, ist sofort an jedem Ort verf&#252;gbar. Das gilt anscheinend nicht nur f&#252;r B&#252;rger-Tweets, sondern f&#252;r die gesamte Nachrichtenwelt, da sich der Prozess der Nachrichtenverarbeitung beschleunigt.</li>
<li>Nachrichtenquellen sind keine Insiderquellen, sondern werden immer mehr jedermann zug&#228;nglich, seien es Breaking-News-Dienste, Nachrichtenagenturen,  Journalisten-Tweets und &#8211; last but not least – berichtende B&#252;rger. Hierdurch findet eine <strong>Verk&#252;rzung der Nachrichtenkette</strong> statt, was nicht nur Zeitvorteile bietet, sondern auch Fehlerquellen und Rauscheffekte reduziert.</li>
<li><strong>Content-Aggregation </strong>ist schon lange bei Suchmaschinen, RSS-Readern und Portalen wie iGoogle/pageflakes/netvibes zu finden. Heute finden wir sie weit leistungsf&#228;higer in Nischen, Beispiele sind tweetmeme/rivva, flipboard, commentarist und noch einige Dutzend mehr. Dadurch k&#246;nnen Information von Absendern eher unbedeutender Reichweiten f&#252;r jedermann sichtbar werden, der nicht viral angesprochen wird. Pointiert gesagt: Ein <strong>B&#252;rgerkriegs-Dashboard</strong> entsteht f&#252;r den beobachtenden B&#252;rger, und er hat gleichzeitig die Chance, eigenen Inhalt auf dieses Dashboard oder fremden Inhalt hierhin zu bef&#246;rdern.</li>
<li><strong>Maschinelle</strong> Zugriffe (z.B. verschiedenen Tweetlisten mit verschiedenen Hash-Tags) auf alle Informationsquellen erm&#246;glichen dem betrachtenden B&#252;rger seinen eigenen „<strong>Gefechtsstand-Monitor</strong>“:  Auf zehn Browsertabs l&#228;sst sich eine Revolution besser verfolgen als die NASA Apollo 11 verfolgen konnte. Es wird spannend, was passiert, wenn sich diese Mechanismen nicht nur auf Text beziehen. Poppt dann die wichtige Fernsehsendung als „Trending TV“ oben rechts auf, neben den Videos meiner Freunde?</li>
<li>Durch <strong>„Social TV“</strong> (Chat, Twitter) wird die Diskussion um TV-Inhalte angesto&#223;en und der gesamte Prozess zeitlich verk&#252;rzt. Das Auditorium sieht, was im TV wichtig ist und kann die Information zeitlich parallel diskutieren und bewerten. Chris St&#246;cker nennt das einen „Echo-Raum“. Zur Erinnerung: Zu einer Abendsendung fand fr&#252;her die Meinungsbildung erst am n&#228;chsten Werktag statt. Heute glauben wir nach zehn Minuten zu wissen, ob eine Show gut ist.</li>
<li><strong>„Public by Default“:</strong> Bei Twitter gut zu beobachten, wie man nach einem einfachen Suchvorgang (Textsuche bzw. Hashtag) oder Lesen einer Personenliste (Followerliste und Empfehlungsliste, z.B. als Tweet „For &lt;thema&gt; follow @person1, @person2…“) direkt die Tweets einer unbekannten und weit entfernten Person beziehen kann.</li>
<li><strong>Internationalit&#228;t.</strong> Das klingt trivial und ist es auch. Wie allerdings dann ganze Gruppen (von ausl&#228;ndischen NGOs, Politikern und Unternehmen bis zu verschiedenen inl&#228;ndischen Personen) &#252;bergreifend vernetzt sind, ist schon beeindruckend <a href="http://www.kovasboguta.com/1/post/2011/02/first-post.html">http://www.kovasboguta.com/1/post/2011/02/first-post.html</a>.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 3 sind neue Angebotsformen</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<ol>
<li><strong>Zentrale Ad-Hoc-Inhalteangebote </strong>sind schnell aufgesetzt. Hierzu geh&#246;ren nat&#252;rlich die bekannten Angebote von Google und Tumblr (siehe <a title="Neu" href="http://www.niemanlab.org/2011/02/tumbling-into-journalism-tumblrs-newsy-tag-pages/" target="_blank">hier</a>), die unter „Public Relations“ einzuordnen sind und daher k&#252;nftig &#252;ber Millionenbudgets verf&#252;gen werden. Was gibt es besseres f&#252;r ein kommerzielles Unternehmen, als mit der richtigen (trojanischen) Idee f&#252;r eine Woche die Aufmerksamkeit der halben Webwelt zu erhalten?<strong> </strong></li>
<li><strong>Jedermann-Ad-Hoc-Inhalt:</strong> ein WordPress-Blog, ein Micro-Blog, eine Website, ein (weiterer) Twitter-Account wie @Anonymous123, eine Facebook-Fanpage, ein Wiki sind schnell aufgesetzt. Hinzu kommen weniger bekannte Dienste, die auf Fl&#252;chtigkeit angelegt sind und verschl&#252;sselte Kommunikation erlauben (Beispiele Pastee <a href="https://pastee.org/">https://pastee.org/</a>,  snipt.org oder One-Click-Microblogging-Dienste nach Machart von txt.io). (Einstieg in die Gattung der Pastebins <a title="Wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pastebin" target="_blank">hier</a> und eine Liste <a title="Wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_pastebins" target="_blank">hier</a>). Hier kommt aus der Programmierszene etwas auf die Politik zu, was noch nicht gesehen wird: Das Jedermann-Wikileaks ist da.</li>
<li><strong>Instant-Kampagnen</strong>: Innerhalb weniger Stunden entstehen Kampagnen-Websites, Unterzeichnerlisten, Shitstorms, Live-Reportagen etc., also spezifische digitale Auspr&#228;gungen von politischem Aktivismus. In Deutschland sehen wir sogar schon, wie eine Kampagnen-Mechanik recycelt wird: <a href="http://undnucdu.de/">http://undnucdu.de/</a> ist nun die schon mindestens dritte Version einer Website aus dem Umfeld von Nico Lumma, die nach immer demselben Prinzip funktioniert. Wie lange dauert es, bis <strong>es Instant-Kampagnen oder -Plugins</strong> gibt, die man sich wie WordPress-Templates aussucht? Gibt es bald den Jimdo-Baukasten in einer Amnesty-Edition? Die Entwicklung beim Voting zeigt den m&#246;glichen Fortschritt.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 4</strong> w&#252;rde ich versuchsweise als <strong>Verdichtung und Verst&#228;rkung</strong> bezeichnen:</p>
<ol>
<li>Bei der Weiterleitung von Information findet eine <strong>Relevanz-Gewichtung mit Resonanz-Verst&#228;rkung</strong> statt: Der nach Lesermeinung wichtigste Tweet setzt sich durch (und je mehr Menschen votieren, desto st&#228;rker wird dieser Effekt),</li>
<li>Das Internet hilft bei der<strong> Aggregation von Nutzer-Meinungen</strong>, ein Voting, das „Faven“ bei Twitter und das „Bewerten“ von Kommentaren oder eine Fanpage auf Facebook sind schnell und leicht eingerichtet und durchgef&#252;hrt. W&#228;hrend oben noch die redaktionellen Inhalte aggregiert wurden, wird hier ein Stimmungsbild einer Personengruppe sichtbar.</li>
<li>Sofern an vielen Stellen des Internets Meinungs&#228;u&#223;erungen auftreten (Beispiel: 3 Leitkommentare in klassischen Medien, 7 in Blogs) entstehen durch die Bewertung, das Zitieren und Referenzieren und durch die Anzahl an Kommentaren <strong>&#252;bergreifende Kommunikationsr&#228;ume</strong>, welche die Einzelplattform in den Hintergrund dr&#228;ngen. Wer einmal intensiv eine Netzdebatte verfolgt hat, kennt den Effekt. Erst sprie&#223;en Beitr&#228;ge, dann beginnt Diskussion, es entstehen Repliken, Verweise etc. &#8211; bis eine Debatte nach ein paar Tagen zum Erliegen kommt. Das w&#252;rde man wohl einen sich selbst organisierenden Kommunikationsraum nennen, den kein anderes Medium so bietet, dass jedermann daran teilnehmen kann. Am Ende entsteht ein Bild dessen, was wichtig war und welchen Beitrag und welchen Autor man sich merken sollte.</li>
<li><strong>Anonyme</strong> Kommunikation als eine weitere Dimension der Kommunikation f&#252;hrt zu einer <strong>Klarheit bei der Meinungs&#228;u&#223;erung</strong>, wie wir sie nicht einmal in freiheitlichen Demokratien bisher kannten: Nicht nur f&#228;llt die R&#252;cksichtnahme auf eventuelle Repressionen durch das politische System weg, es entf&#228;llt auch der Hang, auf eventuellen sozialen Druck R&#252;cksicht zu nehmen. Radikale Positionen sind eben auch in Deutschland leichter gesagt, wenn man anonym spricht. „Tod dem K&#246;nig!“. Kein Wunder, dass ein U.S.-Senator inzwischen von Facebook <a title="Neu" href="http://www.allfacebook.com/u-s-senator-asks-facebook-for-anonymity-option-2011-02" target="_blank">fordert</a>, anonyme Profile zuzulassen.</li>
<li>Die<strong> verkappte Meinungs&#228;u&#223;erung </strong>ist ein junges<strong> </strong>Ph&#228;nomen<strong> </strong>des Social Sharing. Wer einen Link auf Facebook „teilt“, wer Links auf einem Bookmarking-Dienst sammelt, wer einen Tweet retweeted, nimmt inhaltlich keine Stellung, sondern verweist nur auf diesen Link beziehungsweise Tweet. Er wird aber meistens eine ihm genehme Meinung h&#228;ufiger verteilen als eine ihm nicht genehme. Folge: <strong>Trotz der formalen Neutralit&#228;t ist bei Sharing die Wahrscheinlichkeit von Zustimmung h&#246;her als die von Ablehnung.</strong> „Tod dem K&#246;nig“ von @Antagonist erzeugt auf Aggregationsebene (z.B. Top-Tweets) schnell den Eindruck einer bewegten Menschenmenge, die dem Tweet zustimmt. Dieser Eindruck mu&#223; nicht richtig sein, es gen&#252;gt aber die Gewissheit, dass etliche Nutzer den Retweet jedenfalls nicht f&#252;r eine blo&#223;e Weitergabe halten, die vollkommen neutral ist. Vielleicht mu&#223; man aufgrund des offenkundigen Empf&#228;ngerproblems, der in seine eigenen Vorurteilsfallen tappt, hier auch von einer <strong>versehentlichen Meinungsbildung</strong> sprechen.</li>
<li><strong>Kurzinformation </strong>auf Diensten wie Twitter f&#252;hrt durch den Zwang zur Verk&#252;rzung noch zu drei weiteren Effekten: Erstens gibt es Kurzformen der Zustimmung, z.B. „+1“. Zweitens werden komplexe Aussagen zwangsl&#228;ufig zu kurzen Statements reduziert, die f&#252;r Differenziertheit wenig Raum lassen: <strong>Die Welt ordnet sich in die Polarit&#228;t von Pro und Contra.</strong> Drittens hat die Sprache h&#228;ufig appellhaften, imperativen Charakter.</li>
<li>All dies f&#252;hrt beim einzelnen Leser zu einer <strong>vorurteilskonformen Wahrnehmung</strong> und damit insgesamt zu einem „<strong>Aufputscheffekt</strong>“: Nach zehn gleichartigen Tweets (sowohl neutral wie explizit zustimmend) zu einem Thema unterliegt man schnell dem Einfluss derer, die man f&#252;r die vermeintliche Mehrheit h&#228;lt. Es f&#252;hlt sich an wie das Beobachten eines <strong>digitalen Hammelsprungs</strong>: 7 links dagegen, 3 rechts daf&#252;r – auch ich bin dann dagegen.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 5: Verschiedenes</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<ol>
<li>Datenbankgest&#252;tzte Zugangswege auf alle Informationen erm&#246;glichen sekundenschnellen <strong>Zugriff auf Daten</strong>. So entstehen beispielsweise mit Hashtags Zugriffsm&#246;glichkeiten auf „Big Data“, wobei die Zuordnung von Hashtag und Inhalt durch Vereinbarung der Gruppe erfolgt und sehr dynamisch sein kann. Entsprechendes gilt z.B. f&#252;r Fotos von Kriegsschaupl&#228;tzen mit Geokoordinaten.</li>
<li>Es scheinen <strong>neue Rollen</strong> zu entstehen: Zum Demonstranten gesellt sich der Supporter, der eine Website zum Thema baut, aber nicht demonstriert (Beispiel Women of Egypt &lt;<em>FB_Gallery_link&gt;</em>). Vielleicht werden sich unter den Online-Supportern weitere Rollen ausdifferenzieren: der B&#252;rger-Reporter, der Promotor, der Pusher, der Bomber (mit seiner DDoS-Kanone) usw.</li>
<li><strong>Digitaler Klingelbeutel</strong>: Mit der M&#246;glichkeit k&#252;nftiger Handies, Micropayments vor allem via Near Field Communication abzuwickeln, werden Bewegungen in einer weiteren Dimension digitalisiert werden. Crowdfunding im Stile von spot.us, kickstarter, betterplace.org ist heute schon da, man wird jedoch „instant“ zu Spenden aufrufen und auch Spenden vornehmen k&#246;nnen. „Wir brauchen eine Videokamera &#8211; spendet hier“ wird der neue digitale Klingelbeutel, flankiert von Facebooks virtueller W&#228;hrung.</li>
<li>Zus&#228;tzlich hilft das Internet noch bei der <strong>Organisation des Widerstands</strong>: Gruppen finden sich auf Plattformen, sammeln Informationen (z.B. &#252;ber inhaftierte Demonstranten – in einem Wiki als Ad-Hoc-Angebot, siehe oben) und verabreden sich, um nur einige Beispiele zu nennen.</li>
<li><strong>Aktivisten-War-Room:</strong> Was einzelne k&#246;nnen, k&#246;nnen Gruppen erst recht. Die digitale Aktivistengruppe ist geboren, die aus dem Wohnzimmer heraus Kampagnen steuert und entwickelt (Beispiel aus Kairo, Video <a title="Neu" href="http://video.nytimes.com/video/2011/02/08/world/middleeast/1248069622796/cairos-facebook-flat.html)" target="_blank">hier</a>). Mit entsprechenden Kollaborationstools, etwa Google Docs, Skype etc. kann diese Gruppe sich auch virtuell managen.</li>
<li>Alle Beteiligten bedienen sich <strong>echter Monitoring-Tools</strong>, um die Situation analysieren zu k&#246;nnen und im eigenen Interesse in die Kommunikation einzugreifen. Das Internet ist also, weil (noch) dessen &#246;ffentliche Teile ungesch&#252;tzt f&#252;r die Kommunikation eingesetzt werden, transparenter als es Telefonie je war, weil jedermann die Kommunikation mit einfachen Mitteln beobachten kann.</li>
</ol>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zwischenergebnis:</span></strong></p>
<p>Durch das Internet ver&#228;ndern sich kommunikative Prozesse sehr stark. Betroffen sind Inhaltsformen, Vernetzungsstrukturen, Nachrichtenketten, Verdichtungsmechanismen, Beschleunigungseffekte, Meinungsfindung, Aktivismusformen, Beobachtung/Monitoring und Finanzierung, um nur die wichtigsten Schlagw&#246;rter zu nennen.</p>
<p>Wo und wie genau das Internet in &#196;gypten wirkte, ist noch nicht ganz klar. Es ist <strong>eine &#220;bertreibung, von Facebook-Revolution zu sprechen.</strong> Angesichts von 20% <a title="heise" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Algerien-Proteste-mit-oder-ohne-Internet-1188594.html" target="_blank">Internetabdeckung</a>, wird man wohl das Internet (insbesondere Facebook) mit seinen &#196;u&#223;erungs- und Vernetzungsform als ersten Schritt der Artikulation sehen m&#252;ssen, ab kritischer Masse gefolgt von realem Protest auf dem Tarhir-Platz. Ab dieser Stelle hatte Al Jazeera mit seiner Live-Berichterstattung gro&#223;e Kraft, wohl eher <a title="TC" href="http://techcrunch.com/2011/02/13/al-jazeeras-social-revolution-in-realtime/" target="_blank">verst&#228;rkt </a>durch Twitter-Kommunikation als durch Facebook &#8211; und in Wechselwirkung mit dem TV-Streaming.</p>
<p><strong>Teil 3: Warum wir kein endg&#252;ltiges Urteil &#252;ber das Internet f&#228;llen k&#246;nnen</strong></p>
<p>&#196;gypten zeigt: Das Abschalten, das &#220;berwachen und das Versenden von Nachrichten sind auch heute noch das Repertoire von Diktatoren.</p>
<p>Was wir hier an Technik sehen konnten, steht so sehr am Anfang, dass sich ein Lob des „Internets an sich“ verbietet. <strong>Von einer Dystopie vom Stand der Technik her sind wir nicht allzuweit entfernt</strong>: Dass n&#228;mlich zus&#228;tzlich zu den heute erkannten Eingrifssgefahren die Anonymit&#228;t der Internetkommentare von Spezialprogrammen zur Autorenerkennung aufgehoben wird, dass Maschinen zur systematischen digitalen Desinformation als digitale Nebelbomben eingesetzt werden, dass Software-Agenten anhand von Geokoordinaten hohe Personendichten erkennen k&#246;nnen, dass k&#252;nftig Mini-Drohnen B&#252;rger &#252;berwachen. Wer sagt uns denn, dass ein hochtechnisiertes Unrechtsregime nicht eines Tages Facebook-Anfragen von Robots aus verschickt, Misstrauen sch&#252;rende Inhalte verbreitet und die Tentakel des Internet of Things uns nicht in der eigenen Tiefgarage einsperren, weil wir am Nachmittag zuvor einer Facebook-Gruppe beigetreten sind oder etwas getwittert haben, was eine Sentinentanalyse nicht ganz so witzig fand?</p>
<p><strong>Auch wenn diese Dystopie nicht eintritt, vieles ist schon heute m&#246;glich</strong>. Was wird denn aus der n&#228;chsten Revolution, wenn ein Regime ein zentrales Internet-Kommunikationssystem st&#246;rt, ein Plattformanbieter heimlich eine Backdoor zum Monitoring anbringt oder gezielt in die Meinungsbildung eingreift – zum Beispiel durch Zensur von Statusmeldungen oder „Entfreunden“ von Menschen, die bestimmte Themenseiten m&#246;gen (Phantasie eines <a title="FB" href="http://www.allfacebook.com/u-s-senator-asks-facebook-for-anonymity-option-2011-02" target="_blank">Senators</a>) ? <strong>Warum sollte sich Facebook in &#196;gypten anders verhalten (m&#252;ssen) als Vodafone</strong>, eine lokale Repr&#228;sentanz mit Vertriebsfunktion vorausgesetzt, deren Menschenleben gef&#228;hrdet sind? Haben wir wirklich schon einen echten Cyberwar gesehen, eines Regimes gegen seine B&#252;rger, und nicht nur von Regierung zu Regierung gegen ausl&#228;ndische Zentrifugen?</p>
<p>Wir m&#252;ssen also diskutieren, was morgen werden soll. <strong>Es ist denkbar, dass das Internet f&#252;r freie Meinungs&#228;u&#223;erung &#252;berall auf der Welt eines Tages unbenutzbar wird</strong>, wenn wir Technokraten nicht gesellschaftlich in ihre Schranken weisen und von Sicherheitsfanatikern nicht immer wieder eine Rechtfertigung f&#252;r ihre Eingriffe in Freiheitsrechte verlangen – was hierzulande wohl ungeheuer revolution&#228;r klingt, aber schon immer unbestrittene Meinung in der Grundrechtsdogmatik ist, die „Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit“ l&#228;sst gr&#252;&#223;en. <strong>Hier geht es nicht um einen gesellschaftlichen Nebenschauplatz</strong>. Es geht zum ersten um das Primat des Sollens gegen&#252;ber dem K&#246;nnen, zum zweiten um Freiheit versus Sicherheit (Sicherheit ist <a title="VFB" href="http://verfassungsblog.de/es-gibt-kein-grundrecht-auf-schutz-vor-strafttern/" target="_blank">kein</a> gleichrangiges Rechtsgut!) und drittens um eine Betrachtung der ganzen Problematik aus einer historischen Perspektive (bedenkt man die Dauer m&#246;glichen Datenmissbrauchs: ein Menschenleben, von heute an). Was sollen wir in 80 Jahren d&#252;rfen, wenn jeder seine Videodrohnen hat? Steigt die Mi&#223;brauchsgefahr des Internets, weil es weiter in die Wirklichkeit dringt, mit seinen Sensoren und Aktoren? Man muss kein „Matrix“-Fan mehr sein, um die <strong>Dystopie des digitalisierten Totalitarismus</strong> f&#252;r m&#246;glich zu halten.</p>
<p>Die Worte von <strong>Angela Merkel</strong>, dass „es zunehmend schwieriger wird, Twitter und Facebook“ zu sperren, sind nicht gl&#252;cklich gew&#228;hlt. Erstens sind genau diese beiden Systeme jeweils ein <strong>„Single Point of Failure“</strong> – sie zu sperren ist gegen&#252;ber den &#252;brigen 95% der Webnutzung vergleichsweise einfach. Zweitens darf man hoffen, dass die Kanzlerin die beiden Dienste als Stellvertreter f&#252;r „Web-2.0-Dienste“ verstand, als sie ihre Rede hielt, genauer: den Teil des Webs, in dem jedermann ungehindert, kostenlos, von &#252;berall und mit geringen Mitteln publizieren kann („WriteWeb“). Drittens zeugt die Zusatzaussage, es sei „auch &#8230; unser Verdienst“, dass diese Dienste nur schwer zu sperren seien, mindestens f&#252;r mangelndes Feingef&#252;hl in der Diskussion um Netzsperren, Deep-Packet-Inspection, maschinelle Abmahnwarnungen, Kill-Switches und Vorratsdatenspeicherung. Im Kontext gemeint waren mit „unser“ vermutlich die Demokratien westlicher Pr&#228;gung; aus der Perspektive eines Inl&#228;nders mutet diese Aussage jedoch wie eine Provokation an. Wen, wenn nicht Facebook, kann man sperren – ein Unternehmen, das ausschlie&#223;lich U.S.-Server hat, dessen Anschrift bekannt ist und dessen Gr&#252;nders Privatleben von Hollywood verfilmt wurde? <strong>Wer Netzsperren erst gesetzlich festschreibt und danach durch die Exekutive kassiert, muss sie legislativ sp&#228;testens dann aufheben, wenn er &#246;ffentlich sagt, dass nicht einmal Facebook gesperrt werden kann</strong>. „Wir“, die freiheitlichen Demokratien, w&#228;ren jedenfalls gut beraten, den m&#246;glichen Schaden von Sperrarchitekturen nicht nur auf die Gegenwart zu beziehen. Auch nach 60 Jahren Demokratie und Rechtsstaat k&#246;nnen wir nicht sicher sein, was in Dekaden vor uns liegt. Wer wei&#223; schon so genau, ob sich der Weltgeist immer nur zur Vernunft hin bewegt? Tunesien und &#196;gypten sind fast schon ein Beweis daf&#252;r, wie sich das Blatt 20 Tage sp&#228;ter unerwartet wenden kann. <strong>Vielleicht hatte es doch Vorteile, einen Historiker zum Kanzler zu haben?</strong></p>
<p>Es gilt also, langfristiger zu denken. Ich halte es f&#252;r einen Fehler, aus aktuellen Ereignissen mit aktuellen technischen M&#246;glichkeiten ausgerechnet in Afrika auf den Wert des Internets zu schlie&#223;en. <strong>&#220;ber das Internet k&#246;nnen wir vielleicht in 30 Jahren urteilen, wenn ein Despot die H&#228;lfte seiner 50 Milliarden USD in die f&#252;nfte Generation von &#220;berwachungstechnik gesteckt hat. </strong>Bis dahin hei&#223;t es: dezentrale und ausfallsichere Architekturen schaffen und den Austausch von Daten zu standardisieren und eventuell sogar als Anspruch zu regeln. Auch m&#252;ssen wir mittelfristig dar&#252;ber nachdenken, wie wir der Diskriminierung durch private Plattformen bei der Aus&#252;bung grundrechtsrelevanter T&#228;tigkeiten vorbeugen. Privatunternehmen weltweit in dieser Weise zu verpflichten ist ein rechtsdogmatisches und wirtschaftliches Minenfeld und es besteht hier auch kein Grund zur Eile, zumal die schwarzen Schafe nicht Google, Facebook oder Twitter sind. Es geht auch nicht unbedingt um den „gro&#223;en Wurf“, wie man an Kleinigkeiten sieht, ob etwa Facebook einen https-Account anbieten muss. Doch sollte man diese Gemengelage im Blick haben, bevor es wirklich einmal zu Problemen kommt. Wenn sich das Internet und seine Player weiter so entwickeln, wird irgendwann die Frage kommen m&#252;ssen: <strong>Wie k&#246;nnen wir sicherstellen, dass das Betriebssystem der Menschheitskommunikation auch im Notfall und diskriminierungsfrei funktioniert?</strong></p>
<p><strong>Teil 4: Das Empowerment des Publikums und die Geschmeidigkeit der Demokratie</strong></p>
<p><strong> </strong>Wir haben oben (2.) gezeigt, dass das Internet durch seine spezifischen M&#246;glichkeiten die Kommunikation stark ver&#228;ndert. Um die Auswirkungen genauer zu betrachten, ist eine Erkenntnis hilfreich: „<em>Das Web ist ein System, das es anderen Systemen erm&#246;glicht, f&#252;reinander Umwelt zu sein.“ (Markus Spath, <a title="Hckr" href="http://hackr.de/2010/12/04/am-ende-der-wurst" target="_blank">hackr</a></em><em>)</em>. Dies bedeutet, dass man <strong>nicht nur die „Aktivisten“-Kommunikation betrachten</strong> darf, um die Folgen des Internets einzusch&#228;tzen. Man muss stattdessen <strong>einerseits</strong> <strong>die</strong> <strong>Interaktion zwischen Politik, Medien, Publikum und anderen Systemen betrachten, andererseits die Ver&#228;nderungen jeweils innerhalb dieser Systeme</strong> – weil das Internet die Kommunikation innerhalb von Systemen und zwischen diesen tr&#228;gt und ver&#228;ndert.</p>
<p>Diese Gesamtsicht taugt als Habilitationsthema, daher hier nur Grundgedanken:</p>
<p>Im <strong>totalit&#228;ren System</strong>, das Regierung, Parteien, Medien gleichschaltet und hierdurch den gesamten Proze&#223; von a) Meinungs&#228;u&#223;erung &#252;ber b) Willensbildung und c) Verdichtung und d) Wahlentscheidung verhindert und manipuliert, kann das Internet das Publikum bef&#228;higen, sich wider Willen der Herrscher &#246;ffentlich zu &#228;u&#223;ern (WriteWeb, Twitter…), sich eine Meinung zu bilden (Diskussionen in Blogs, in sozialen Netzwerken, auf Twitter…), diese zu verdichten (Follower, Likes, RTs…) und sich zu organisieren und konkrete Aktivit&#228;ten im „Real Life“ zu entwickeln (Aktivismus-Beispiele oben 2.). Sobald im „Real Life“ Ereignisse stattfinden, wird die Systemgrenze zwischen Inland und Ausland &#252;berschritten, die das totalit&#228;re Regime unter Kontrolle hatte: durch Handyaufnahmen im Inland und TV aus dem Ausland wird jedes Ereignis f&#252;r jedermann sichtbar (und zwar &#252;ber Internet UND andere Medien). Durch kommunikative Begleitung („Social TV“) entstehen Verst&#228;rkungseffekte mit gro&#223;er Sprengkraft.</p>
<p>Dies bewirkt das Internet aber „nur“ im Publikum, da alle anderen Systeme kontrolliert, gleichgeschaltet, abgeschottet sind: Es ist das Publikum, das sich &#228;u&#223;ert, diskutiert, sich organisiert, entscheidet und letztlich „auf der Stra&#223;e“ handelt. Hinzu kommt, wie eben gesagt, dass die Systemgrenze zwischen Inlands- und Auslands-Kommunikationsraum f&#228;llt.</p>
<p>In der <strong>Demokratie</strong> sind die Auswirkungen des Internets weitgehender und komplexer, da sich durch die Nutzung des Internets auch das politische System und die Medien ver&#228;ndern. Hier einige schon heute sichtbare Ans&#228;tze, die <strong>zus&#228;tzlich</strong> zu den Publikumseffekten (oben, Diktatur) auftreten:</p>
<ol>
<li><strong>Politisches System</strong>: Das <strong>Innere und somit auch die Qualit&#228;tsm&#228;ngel von Politik werden sichtbarer</strong> als bisher, und zwar von den Ergebnissen (z.B. Gesetzesentw&#252;rfen, die zum Teil recht kompetent in Blogs diskutiert werden, z.B. JMStV), Prozessen (Live-Streams von Parlamentssitzungen, Pressekonferenzen, Aussch&#252;ssen, Enquete…) und Personen (ich meine hier z.B. Tweets einiger Abgeordneter).</li>
<li>Durch Digitalisierung <strong>verliert das</strong> <strong>Mediensystem an Leitkraft</strong>. Wer will, holt sich mit einem Klick mehrere unterschiedliche Meinungen ein, in jedem Fall aber sieht er fast immer kritische Leserkommentare. Schritt 1: Die Einzelpublikation verliert das &#220;berschie&#223;ende an Leuchtkraft, mitunter sogar ihre Glaubw&#252;rdigkeit. Schritt 2: Die Meinungsvielfalt &#252;ber alle Publikationen hinweg wird sichtbarer. Schritt 3: Der nat&#252;rliche Wille zur eigenen Identit&#228;tsbildung verschiebt die eigene Meinungsbildung vom Muster, fremde Wertungen zu &#252;bernehmen, zum Muster, sich selbst zwischen divergierenden Meinungen entscheiden zu m&#252;ssen. Das Selbstvertrauen des Publikums steigt, zumal echte oder scheinbare Experten die Szene mitbestimmen.</li>
<li>Die <strong>Trennung</strong> <strong>von Medien und Publikum wird durch das WriteWeb aufgehoben</strong>: es kann ja jeder schreiben und wird zum Publizisten. (Heutige Reichweiten der Nachrichtenportale best&#228;tigen das noch nicht.) Auch dies kann dazu f&#252;hren, dass das hergebrachte Mediensystem an Wirkung verliert. Vielleicht l&#228;&#223;t es sich auch irgendwann vom Publikum nicht mehr trennen: ein Teil schreibt, und ein Teil liest und kommentiert – der Rest ist Technik zur Distribution, Aggregation, Bezahlung?</li>
<li>Publikum: Das Publikum <strong>erlebt Entfremdung zur Politik</strong>, da erstens das professionelle Mediensystem die Leitkraft verliert (s.o.). Die Entfremdung steigt, wenn sich zweitens das politische System nicht kommunikativ reformieren kann, indem es inhaltsleer-appelative, sinnlose und rituell erstarrte Kommunikationsartefakte wiederholt („Die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zw&#228;nge anders entschlossen“, „FDP statt GR&#220;NE“, „Ich bilde kein Schattenkabinett.“,„Bin beim Sch&#252;tzenfest“-Tweet). Kommt es drittens zu Ergebnissen, die f&#252;r einfache B&#252;rger ohne die Vermittlung der Medien recht skurril aussehen, steigt die Entfremdung: H&#228;tte nicht schon <strong>Pooh der B&#228;r</strong> gefragt, wieso man eine Enquete einsetzt, wenn man zeitgleich eine Kakophonie der skurrilsten Gesetzesvorschl&#228;ge und Vorgehensweisen von Politikern und Ministern bzw. Senatoren in der Presse lesen mu&#223;? Muss man <strong>Vulkanier</strong> sein, um den Widerspruch zwischen der grundgesetzlich verankerten Volkssouver&#228;nit&#228;t einerseits und „EU-Vorgaben“ bei der Vorratsdatenspeicherung andererseits zu erkennen? H&#228;tte <strong>ALF</strong> keine Entschuldigung von seinen Pflegeeltern verlangt, wenn diese ein verfassungswidriges Gesetz zu seiner &#220;berwachung erlassen h&#228;tten?</li>
<li>Die <strong>Kommunikationskan&#228;le zu bespielen wird f&#252;r die Politik m&#246;glicherweise schwieriger</strong>: Das strukturierte, hergebrachte Mediensystem wird zun&#228;chst erg&#228;nzt (und vielleicht auch ersetzt, siehe z.B. newsgrape.com) durch eine dynamische Ad-Hoc-Struktur mit einer Vielzahl von „Input-Stellen“. Hier &#228;ndern sich m&#246;glicherweise Schnittstellen zwischen Politik und Medien (von alt zu neu.)</li>
<li>Der <strong>umgekehrte Kanal von Publikum zu Politik wird immer direkter und schneller</strong>: Gremien und Mandatstr&#228;ger sehen durch moderne Social Media Monitoring Tools den Meinungsstand im Publikum zu allen relevanten Themen. Wir sind keine 10 Jahre entfernt von einer Realtime-Demoskopie, bei der Stabsstellen morgens in Berlin ein umfassendes, gleichf&#246;rmiges Reporting &#252;ber die Volkesstimmung ihren Entscheidern vorlegen. Wenn hier noch herk&#246;mmliche Medien berichten – und das werden sie! – entsteht ein neuer Echtzeit-Echo-Raum.</li>
<li><strong>Leak-Plattformen</strong> sind darauf ausgerichtet, dass kein System mehr eine Innensicht mit Sicherheit annehmen kann. Die Kommunikation dringt entweder nach aussen oder findet nicht mehr digital statt (oder muss verschl&#252;sselt werden.)</li>
</ol>
<p>Es sieht alles danach aus, als w&#252;rde <strong>das Publikum erstens tiefer in Medien- und Politik-System „hineinsehen“ k&#246;nnen (mit ersterem langfristig vielleicht sogar verschmelzen?), sich zweitens st&#228;rker von den etablierten Playern in Medien und Politik distanzieren und drittens st&#228;rker innerhalb (untereinander) zusammenr&#252;cken</strong>. Das kann man Empowerment oder Partizipation nennen und als Weg zur gelebten Volkssouver&#228;nit&#228;t feiern, der durch das Internet geebnet wird. Dabei wirkt die Strukturlosigkeit und die Unvorhersagbarkeit des Publikums mitunter bedrohlich, kann jedoch kurzfristig – weil nicht legitimiert zu Rechtsetzung und Gewaltaus&#252;bung &#8211; nichts „anrichten“, weil es personell von der Legislative entkoppelt ist. F&#252;r die <strong>Synchronisierung zwischen Publikum und  Politik sorgen die n&#228;chsten Wahlen –  und die Politik nimmt dies k&#252;nftig durch ihre Bestrebungen vorweg, die Bewegungen des Publikums m&#246;glichst in Realtime-Demoskopie nachzubilden, am besten in Facebook, damit die Distanz sich eben nicht vergr&#246;&#223;ert. Doch hat nur die Politik in demokratischen Systemen diese „Geschmeidigkeit“ zum Machterhalt. Dem Diktator, der sich nicht anpassen will, wird dieses Empowerment des Publikums zum Ver-H&#228;ngnis.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Post Scriptum – Der Viertelgeviertstrich</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">Nun wissen wir also, dass es eine „Revolution durch Facebook“ nicht gab und eine „Facebook-Revolution“ auch nie behauptet wurde. Trotzdem fanden sich neben den Abschreibern, welche die These kolportierten, auch wieder einmal Protestanten, die gleich die Antithese an die T&#252;r nagelten, beispielsweise im <a title="SPD" href="http://www.spd.de/aktuelles/8474/20110131_keine_facebook_revolution.html" target="_blank">Blog</a> der SPD.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Es ist faszinierend zu sehen, wie 16 Buchstaben und ein Strich das Mediensystem in Schwingung bringen. <strong>Gibt es ein unklareres Wort als „Facebook-Revolution“?</strong> In welchem Verh&#228;ltnis standen „Facebook“ und „Revolution“? Revolution bei Facebook (wie bei Winter-Schlussverkauf), Revolution von Facebook (wie bei Hosen-Tr&#228;ger) oder Revolution zum Zwecke von Facebook (wie bei Killer-Tomate)? Ein Blick in die Wikipedia zeigt: Die Koppelung durch den <a title="Wkp" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Viertelgeviertstrich#Rechtschreibregeln" target="_blank">Viertelgeviertstrich</a> hat gar keine Semantik, die Teile sind auf geheimnisvolle Weise einfach nur verbunden, wie zwei Dinge mit Klebstoff. <strong>Es ist ein Kreuz mit dem Bindestrich</strong>. Profi- Journalisten h&#228;tten hier noch stutziger werden m&#252;ssen als beim Satz „Aber der <em>Islam</em> geh&#246;rt inzwischen auch zu <em>Deutschland</em>“, weil letzterer ja immerhin mit „geh&#246;rt-zu“ die Beziehung zwischen „Islam“ und „Deutschland“ in &#252;berhaupt irgendeiner Weise zu beschreiben versucht.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Nun h&#228;tte man die unklare Wortwahl freundlich ignorieren, den Umst&#228;nden zuschreiben oder bei der Professorin nachfragen k&#246;nnen. Der Reflex ist aber Kritik. Das verwundert, denn auch zur Bezeichnung „November-Revolution&#8221; sind seit 1919 und zur „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mai-Revolution" target="_blank">Mai-Revolution</a>“ seit 1810 keine kritischen Beitr&#228;ge vernommen worden. Es findet sich auf Anhieb auch niemand, der die Bezeichnungen „Prager Fr&#252;hling“, „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Singende_Revolution" target="_blank">Singende Revolution</a>“, „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenrevolution" target="_blank">Tulpenrevolution</a>“ und „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nelkenrevolution" target="_blank">Nelkenrevolution</a>“ als zu euphemistisch kritisiert. Bei der georgischen <a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rosenrevolution" target="_blank">Rosenrevolution</a> gen&#252;gte ein wundersch&#246;ner Satz, ihr den Namen zu geben: „Wir werden Rosen statt Kugeln auf unsere Feinde werfen.“ Hat damals jemand im SPD-Blog geschrieben: „Das ist keine Rosen-Revolution“? Willy Brandt h&#228;tte zu Lebzeiten tagelang sein Zimmer nicht verlassen, und das v&#246;llig zu recht.</p>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/">Die „Facebook-Revolution“ &#8211; Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbr&#252;che</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/#comments">57 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38129&amp;md5=b5516f88148cd181476f4942e2a668b8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Frei schwebende Genies &#8211; aus Netz, Medien und Soziologie</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2010 15:02:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was haben Blogger, Terroristen, Julian Assange und die 68er miteinander zu tun? Die WELT erkl&#228;rt es uns in einem Potpourri beliebter Melodien.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, in Deutschland ist es nicht verboten, seine Meinung zu &#228;u&#223;ern &#8211; es ist sogar erw&#252;nscht. Jedem steht es frei, &#252;ber jeden anderen eine Meinung zu haben &#8211; egal, ob er ihn pers&#246;nlich kennt oder nicht. Dabei darf es keine Rolle spielen, in welcher Form er diese Meinung &#228;u&#223;ert &#8211; ob m&#252;ndlich oder schriftlich &#8211; und an welchem Ort dies geschieht, in einer Kneipe oder einer Zeitung, und zwar auch dann, wenn diese sich zur Qualit&#228;tspresse z&#228;hlt, und erst recht, weil sie sich auf das Grundrecht der Pressefreiheit berufen kann.</p>
<p>Es steht auch nirgendwo geschrieben, da&#223; die in einem derartigen Presseorgan schriftlich ge&#228;u&#223;erte Meinung &#252;ber eine Person auf irgendeiner Tatsache beruhen m&#252;sste. Und doch hat sich Gerd Held, freier Publizist der <em>Welt</em>, in seinem <a title="Welt Held" href="http://www.welt.de/debatte/article11666482/Herrenreiter-Mythos-des-frei-schwebenden-Genies.html" target="_blank">Kommentar</a> „Herrenreiter-Mythos des frei schwebenden Genies“ diese M&#252;he gemacht: Das Gesicht von Julian Assange (Wikileaks) erinnere an das von B&#246;rsenh&#228;ndler <a title="JK" href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A9r%C3%B4me_Kerviel" target="_blank">Jérôme Kerviel</a>, der im Namen seiner Bank f&#252;nf Milliarden Euro verbrannt habe und dessen Auftritt vor Gericht man sich merken m&#252;sse: „ein starrer Blick, fast autistisch in sich gekehrt,“, „eine fast be&#228;ngstigende Maschine“, und so habe auch Assange „einen maskenhaften fast abwesenden Gesichtsausdruck“, sein „Gestus (habe) etwas von der kalten Mechanik, die man von den Videobotschaften terroristischer Zirkel kennt.“</p>
<p>Ob solch klarer Faktenlage er&#252;brigt sich jede weitere Auseinandersetzung mit der Auffassung des Autors. Es ist das Gesicht und der Gestus von Assange, der ihn Terroristen &#228;hnlich sehen l&#228;sst. Ein formal scheinbar nicht angreifbarer Schluss, denn so wie Assange einen Kopf hat, kennt man dies auch von Terroristen &#8211; selbst Klaus St&#246;rtebecker hatte einen solchen bis zu seinem Tod. Und doch, der Leser stutzt: Wenn A ein C und B ein C hat, dann ist A ein B? Wie ging der <em>modus barbara</em>? Alle Menschen sind Griechen? Alle Griechen sind Terroristen? Hier stimmt irgendetwas nicht.</p>
<p>Nach dieser Beschreibung der &#196;u&#223;erlichkeiten von Assange werden wir gefragt: „W&#252;rde dieser Mann z&#246;gern, Informationen &#252;ber die Operation einer internationalen Schutztruppe zu verraten und damit das Leben vieler Menschen zu gef&#228;hrden?“ Da wir nicht wissen, ob er z&#246;gert, denken wir „Nein“ zum ersten Halbsatz und schlie&#223;en auf den zweiten Halbsatz, der dem „damit“ folgt. Das ist schnell passiert, zum Vergleich drei Beispiele: „W&#252;rde Angela Merkel z&#246;gern, den Rettungsschirm zu verdoppeln und damit Europa wieder in das dunkle Zeitalter des 19.Jahrhunderts st&#252;rzen?“, „H&#228;tte Gerhard Schr&#246;der gez&#246;gert, Gazprom zu vertreten und so sein Kanzleramt nachtr&#228;glich zu mi&#223;brauchen?“, „W&#252;rde Hans z&#246;gern, seinem besten Freund Klaus ein Taschentuch zu geben, und ihm so eine Influenza verschaffen?“ Man sieht: Hier stimmt etwas nicht. Es gibt keine zwingende Verbindung zwischen „Informationen verraten“ und „Leben gef&#228;hrden“. Das „damit“ stimmt nicht. Es ist eine Scheinlogik, die auf perfide Art das Vertrauen des Lesers in die Qualit&#228;t seines Presseorgans ausnutzt. Ganz zu Schweigen von der Sachlage: Denn, so schreibt der Autor ja schon selbst, die Enth&#252;llungen br&#228;chten „nichts wirklich neues“. Wie kann trotzdem aus dem Fakt, da&#223; eine Information nichts Neues ist, auf sein Gegenteil, die Gef&#228;hrdung vieler Menschenleben, geschlossen werden? Daf&#252;r braucht es die kalte Mechanik des Gestus von Assange. Was h&#228;tte Axel Springer, der Tr&#228;ger zahlreicher israelischer Auszeichnungen, dazu wohl gesagt?</p>
<p>Nicht besser wird es im n&#228;chsten Absatz, der so verschwurbelt ist, dass man ihn kaum zusammenfassen kann: Es w&#252;rden nun Blogger in ihre Laptops tippen, dass von Wikileaks nur die M&#228;chtigen bedroht seien, und diese Blogger w&#252;rden dabei &#252;bersehen, dass durch Zerst&#246;rung der Institutionen die Macht nicht verschwinde, sondern „unbegrenzt herumflottiere“; dieses wiederum schaffe unsichtbare und unkontrollierbare Herren der Netze. Dieser Absatz h&#246;rt sich gut an, aber h&#228;lt er einer &#220;berpr&#252;fung inhaltlich stand? Will Wikileaks alle Institutionen zerst&#246;ren? Hat im Zusammenhang mit Wikileaks irgendjemand eine „herrschaftsfreie Gesellschaft“ gefordert? Von wem spricht der Autor ganz konkret? Man mu&#223; hier einiges auseinanderhalten: Erstens Wikileaks als Organisation („We open the Government“), zweitens Assanges Ziele, die in der Tat wohl auch gegen ein ungerechtes System gerichtet sind (vgl. Josef Joffe, <a title="JJ" href="http://www.zeit.de/2010/51/P-Zeitgeist" target="_blank">ZEIT Online</a>), drittens &#8220;Anonymous&#8221;, von denen man wohl nicht genau sagen kann, ob es sich um eine Gruppe gelangweilter 15j&#228;hriger Script-Kiddies oder einen auf herrschaftsfreien Dialog gerichteten „Schwarm“ entnannter Personen mit „Not In Our Name“-Wut handelt, die Computersabotage f&#252;r zivilen Ungehorsam halten. Blogger sind es jedenfalls zuletzt, die mit Wikileaks die Zerst&#246;rung von Insitutionen verbinden, und es w&#228;re ein Gebot der Redlichkeit, hier Blog-Ross und -Reiter zu nennen. Nach Blick in <a title="Held" href="http://www.gerdheld.de/Zur_Person.php" target="_blank">Vita und Werke</a> des Autors keimt der Verdacht, da&#223; er Wikileaks mit der Diskussion &#252;ber den „herrschaftsfreien Raum&#8221; der 68er verwechselt. Man m&#246;chte fast (stilistische Imitation!) vorwerfen, da&#223; erst <em>Darth Blogger – The Destroyer of all Institutions</em> als Pappkamerad aufgestellt werden muss, um ihn danach erschie&#223;en zu k&#246;nnen.  So einfach geht es jedenfalls nicht.</p>
<p>Geradezu absurd muten die Worte des Autors an, wenn man sich den Anlass des Artikels vor Augen f&#252;hrt. Fakt ist: Julian Assange wurde in London verhaftet, in ein Gef&#228;ngnis geschafft und einem Richter vorgef&#252;hrt. War Assange „unsichtbar“ – jemand, der Vortr&#228;ge h&#228;lt, in Schweden wochenlang f&#252;r die Staatsanwaltschaft erreichbar ist und der Presse Interviews gibt? Gibt es mehr Sichtbarkeit als auf Millionen von Websites abgebildet und zitiert zu werden, allen voran die Aufmacher von <em>New York Times</em>, <em>Guardian</em>, <em>Spiegel</em>? Hat nicht gerade die k&#246;rperliche Verbringung in ein Gef&#228;ngnis bewiesen, da&#223; Assange nicht „unkontrollierbar“ ist? Gibt es Sichtbarkeit von Intimerem als die durch den <em>Guardian</em> nun in Verkehr gebrachten, herumflottierenden Aussagen einer schwedischen Beischl&#228;ferin &#252;ber ihren „worst sex ever“?</p>
<p>Auch in den Folgeabs&#228;tzen tauchen mit „Systemaufl&#246;sung“, „Abschaffen der Hierarchien“ und dem „Schleifen“ der „Institutionen“ wieder Schl&#252;sselbegriffe der antiautorit&#228;ren Bewegung der 68er auf und werden &#8211; ja, auf wen eigentlich? – auf die „Blogger“, „das Netz“ &#252;bertragen. In der Systemschleifungsschublade liegen nun also Julian Assange, S21-Gegner und die Blogger. Wir werden hier nicht darauf eingehen, dass am Ende des Artikels noch ein Seitenhieb auf deren vierte Kolonne, die Gr&#252;nen, erfolgt und die gesamte Sto&#223;richtung klar wird: „Gr&#252;ne Blogger sind gegen S21 und gef&#228;hrden Menschenleben“. Nein, wir schauen uns die Blogger-These noch einmal genauer an. Haben Personen, die man in den Medien als Vertreter einer Netzbewegung wahrnimmt, eine antiautorit&#228;re oder systemfeindliche Haltung, beispielsweise Sascha Lobo, Felix Schwenzel, Johnny H&#228;ussler, Markus Beckedahl, Constanze Kurz, um nur f&#252;nf aus 50 zu greifen? Schleift man Institutionen dadurch, dass man am politischen Geschehen teilnimmt, in Talkshows diskutiert, mit Politikern kostenlos auf Netzkongressen auftritt, mit Ministerialdirigenten Staatsvertr&#228;ge analysiert, in namhaften Zeitungen f&#252;r „lousy pennies“ publiziert? Was sich da zeigt, ist ein heterogenes Personengef&#252;ge, in dem sich die ganze Palette gesellschaftlicher Grundhaltungen von Ausgrenzung, Teilhabe und Machtanspruch widerspiegelt, immer gepaart mit einem Schuss „konstruktiver Erkl&#228;rb&#228;r“. „Die Netzgemeinde“ ist gerade keine punkige „Anti-Kultur“, und sie hat auch keinen einheitlichen systematisch-ideologischen Unterbau, wie ihn einst die 68er hatten, sie hat keinen Dutschke, keine Strassenschlachten und keinen Ohnesorg &#8211; falls es &#8220;die Netzgemeinde&#8221; denn &#252;berhaupt gibt, was angesichts von mittlerweile &#252;ber 40 Millionen Internetnutzern, 4 Millionen aktiven Internetnutzern und wohl ca. <a title="blogs" href="http://carta.info/405/77000-blogger-in-deutschland-60-prozent-davon-untr-30/" target="_blank">1 Million</a> aktiven Blogs generell eher eine M&#228;r der Jahrtausendwende ist. Vielleicht gibt es eine gemeinsame Wurzel von Wikileaks und einigen aktiven Netzbewohnern in der Hackerbewegung der 1980er Jahre (Mailboxen, CCC, FoeBud etc.), aber das zu er&#246;rtern w&#228;re wohl zu viel der Differenziertheit.</p>
<p>F&#252;r die kr&#246;nenden Abschluss-Thesen des Textes m&#252;ssen zwei Zeugen benannt werden, und zwar keine geringeren als Max Weber und Niklas Luhmann. Schon Weber habe vor 100 Jahren die Selbsterm&#228;chtigung der Funktion&#228;re beobachtet, als der moderne Verwaltungsstaat entstanden sei, diese Funktion&#228;re seien wie die „Gewinner“ „diffuser Netze“ eine Schicht in der Mitte, ohne wirkliche F&#252;hrungskraft. Da ist etwas dran: Permanente „F&#252;hrungs-Kraft“ in einem Netz ist sehr viel schwieriger zu erreichen als solche in einem hierarchischen System mit periodischer F&#252;hrungs-Erm&#228;chtigung. Wenn es aber doch gelingt, und das ist nicht selten so, kann man es aber, statt es abzuwerten, auch positiv sehen: zu Zeiten Max Webers h&#228;tte man auch von Ansehen gesprochen. Denn die Kraft &#8220;wirklicher&#8221; F&#252;hrung folgt aus der Person und ihrem Ansehen, das sie durch Sagen und Tun von anderen erwirbt.</p>
<p>Nicht anders die zweite These &#252;ber „diffuse Netze“, die „ohne fachliche Selbstdisziplin“ sei. Eine „vorpolitische, anma&#223;ende Elite“ erm&#228;chtige sich selbst, habe schon Weber erhellend beobachtet. Je l&#228;nger man &#252;ber den Aufruf zur Selbstdisziplin nachdenkt, desto fassungsloser wird man: Sollen sich (Netz-)Fachexperten mehr disziplinieren und nicht mehr als B&#252;rger &#228;u&#223;ern, welche sie zugleich ja sind? Wie steht es dann mit der Selbstdisziplin von Anw&#228;lten, Facharbeitern, Maurern und Medizinern? Sollen sie das politische Meinen den freien Publizisten &#252;berlassen und auf Rechte aus Art. 5 GG diszipliniert verzichten? Die Ursache f&#252;r diesen vordemokratischen Unfug ist wieder ein Logik-Fehler im Text: Die Analogie zwischen dem modernen Verwaltungsstaat zu Zeiten Max Webers und dem Erstarken „diffuser Netze“ macht allein der Autor und begr&#252;ndet sie mit keinem Wort. Das ist Pattern-Matching auf h&#246;chstem Niveau – ein dunkler, menschlicher Algorithmus entdeckt, dass etwas ist wie etwas anderes, nur irgendwie, und 100 Jahre sp&#228;ter, irgendwarum. Auf eine Begr&#252;ndung k&#246;nnen wir jedoch getrost verzichten, denn die Analogie ist falsch. Wor&#252;ber Weber in der unbelegten Fundstelle vermutlich schreibt, ist ein Mangel an Legitimation der exekutiven Elite zur Entscheidung (statt zur Ausf&#252;hrung). &#220;ber den Mangel an Legitimation des B&#252;rgers zur politischen Meinungsbildung wird Weber ganz sicher keine Aussage getroffen haben. B&#252;rger brauchen keine „Legitimation“, anders als Beamte, um zu meinen und zu wirken. Und wer etwas anderes behauptet, muss sich vordemokratisch nennen lassen.</p>
<p>Nun kommt als zweiter Zeuge Niklas Luhmann ins Spiel: Hinter der Forderung der vorpolitischen anma&#223;enden Elite (Schritt 1: Max Weber) nach B&#252;rgerbeteiligung stecke in Wahrheit das Ziel der eigenen Machtvermehrung (Schritt 2: Niklas Luhmann). Das nennt der Autor „Egozentrik“. Nun, Luhmann hat recht, keine Frage! Selbstverst&#228;ndlich beanspruchen B&#252;rger Machtvermehrung, und zwar Netizens, Blogger, S21-Gegner, Wut-B&#252;rger, Sarrazin-Fans, Euro-Skeptiker. Das ist die Volksegozentrik des Art. 20 II GG, zumeist etwas vornehmer Volkssouver&#228;nit&#228;t genannt.</p>
<p>Bl&#228;ttern wir doch ein wenig bei Luhmann, dessen „<a title="PolSoz" href="http://www.amazon.de/Politische-Soziologie-Niklas-Luhmann/dp/351858541X/" target="_blank">Politische Soziologie</a>“ j&#252;ngst bei Suhrkamp erschien: „Die wechselseitige Entfremdung zwischen Politik und Publikum wird wachsen, wenn die Politik sich auf solche Kommunikationsschranken verl&#228;sst“, schreibt Luhmann in diesem Werk der sp&#228;ten 1960er Jahre (S. 287 ff.), und mit Kommunikationsschranken meint er „Kommunikationssituationen, in denen Mi&#223;trauen kein Ausdruck gegeben werden kann – sei es, da&#223; dies … H&#246;flichkeit und Takt verhindern, sei es, da&#223; die Einseitigkeit der Kommunikation &#252;ber Massenmedien es unm&#246;glich macht.“ Dieses Mi&#223;trauen gegen alles Politische, der schlechte Ruf der Politik, beruhe auf dem „Verdacht, dass die Darstellungen (des Politikers) hergestellt sind und diese Herstellung in einer Art und Weise motiviert ist, die nicht mit dargestellt wird.“ „Die Darstellung mu&#223; … kalkuliert, aber die Kalkulation darf nicht dargestellt werden.“ Die „politische Kalkulation“ k&#246;nne nicht als Motiv dargestellt werden, sondern m&#252;sse in der „Sprache der &#246;ffentlichen Moral“ ausgedr&#252;ckt werden. Die Politik setze sich regelm&#228;&#223;ig das Ziel Wahlerfolg, und ordne diesem Mittel (F&#252;hrer, Allianzen, Selbstdarstellung, Werte und Interessen) unter, eine &#8211; Luhmann w&#246;rtlich &#8211; „Pervertierung der normalen Werteordnung“, die allerdings typisches Ph&#228;nomen aller gro&#223;en Organisationen und eine „sinnvolle Perversion der &#246;ffentlichen Moral“ sei, ohne die Systemkomplexit&#228;t nicht erreicht werden k&#246;nne.</p>
<p>So erhellt uns Luhmann doch: Abweichungen des internen Kalk&#252;ls und von der externen Kommunikation sind systemimmanent im politischen System. Durch Wikileaks werden interne Motive, Kalk&#252;le und Einsichten erkennbar, bevor diese in &#246;ffentliche (W&#228;hler-)Moral uminterpretiert und in externes Handeln der Politik umgewandelt werden. Deckt sich alles, kann Vertrauen wachsen. F&#228;llt es auseinander, entsteht Entfremdung. Wegen dieses Effekts hat Luhmann bereits vor 50 Jahren gewarnt, dass sich Politik nicht auf Kommunikationsschranken der (unidirektionalen) Massenmedien verlassen darf.  Zu diesem Zeitpunkt ahnte er noch nicht, dass das Internet alles daf&#252;r bieten w&#252;rde, diese Schranken aufzuheben. Vielleicht also k&#228;me Luhmann zu einem anderen Ergebnis als der Autor des <em>Welt</em>-Kommentars mit dem intellektuellen Titel „Herrenreiter-Mythos des frei schwebenden Gehirns“. Aber Luhmann schwebte ja recht frei, genauso wie Max Weber, und seine Worte sind perfekt zurechtgelegt, eine fast be&#228;ngstigende Maschine.
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		<title>Deep Reading – Short Thinking</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Dec 2010 13:10:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein tiefes Verstehen digitaler Texte durch eigene Reflexion oder gar ein Nacherle­ben findet beim Lesen zur Informationsaufnahme nicht statt, sagen Neurowissenschaftler. Aber ist das digitale Medium die Ursache oder das, was wir dort mit den Texten machen? Eine Glosse von Christoph Kappes &#252;ber die Auswirkungen des werbefinanzierten Gesch&#228;ftsmodells und den konzeptionellen Internet-Mainstream.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b36b0574a7174ca5b46ad2d2d0620043" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p style="text-align: justify">﻿﻿<em><span style="color: #800080">Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Suche. Dieser Text wurde in f&#252;nf Teile geteilt, musste leider sein. Klicken Sie einfach auf die Zahlen <strong>1-2-3-4-5</strong> und Sie gelan­gen zum jeweiligen Teil.</span></em></p>
<p style="text-align: justify">Digitale Texte &#228;ndern unser Leseverhalten, sagen Neurowissenschaftler:  Lesen zur Informationsauf­nahme verdr&#228;nge „Deep Reading“. Ein tiefes Verstehen durch eigene Reflexion oder gar ein Nacherle­ben findet beim Lesen zur Informationsaufnahme nicht statt. Aber ist das digitale Medium die Ursache oder das, was wir dort mit den Texten machen?</p>
<p style="text-align: justify"><em><span style="color: #800080">Bevor Sie weiter lesen, schauen Sie doch bitte auf das Bild <strong>links</strong>.</span></em> Das haben wir extra eingef&#252;gt, weil es die Klickrate um Faktor 3 erh&#246;ht. Das haben wir gemessen. Und was man misst, das ist dann so. Kann man nichts machen. <em><span style="color: #800080">Bitte jetzt auf den <strong>Pfeil</strong> klicken, dann haben wir einen Page Impres­sion (Seitenabruf) mehr und Ihr Text Impression ist sowieso zuende</span>.</em></p>
<p style="text-align: justify">Das Web wird zu 90 Prozent auf PC-Bildschirmen gelesen, worldwide. Schriften sind dort grobk&#246;rniger als beim Buch. Jahrhundertealte typografische Errungenschaften wie Ligaturen gehen leider irgendwie nicht, auch nicht <span style="text-decoration: underline">Spationieren</span> und <span style="text-decoration: underline">Unterschneidung</span> <em><span style="color: #800080">(zu diesen Begriffen praktische Information, wenn Sie mit der <strong>Maus</strong> dar&#252;ber fahren, daher die Unterstreichung</span>, <span style="color: #800080">vorsichtshalber rot</span>)</em>. Optimale Zeilenbreite aus Jahrhunderten der Lese-Erfahrung ginge wohl, aber diese Breite m&#252;ssen wir leider unterschreiten, weil wir <strong>mehr Platz</strong> f&#252;r anderes brauchen. <em>R<span style="color: #800080">echts ist &#252;brigens auch ein sch&#246;ner Text, falls Sie diesen hier nicht mehr lesen m&#246;gen. Wir w&#252;rden dann sogar auf dem iPad die Seite ein bisschen bl&#228;ttern lassen, macht die New York Times seit heute sogar im Web, wegen Chrome und so, <strong>FlipFlop</strong></span>.</em></p>
<p style="text-align: justify">Internet-S&#228;tze sind kurz. Auch komplexe Gedanken pas­sen in 140 Zeichen. Was man nicht so k&#252;rzen kann, dar&#252;ber muss man schweigen (Rilke, Ich f&#252;rchte mich so, dpa von heute, kam gerade durch den Ticker).</p>
<p style="text-align: justify">Wir schreiben f&#252;r das Internet, mit suchmaschinen­optimierten W&#246;rtern, damit Sie uns finden. Keyword Density, sie wissen schon. (Schade um den Spannungsbogen vor allem bei Leitkommentaren, aber Google sieht den leider nicht, am liebsten bringen wir daher oben das Zauberwort als Spitzmarke an. Wie den <strong>M&#246;rder</strong> im TV-Programm, m&#252;ssen wir gleich mal ausprobieren, Super-Idee!) Und ein <em><span style="text-decoration: underline">Cross-Link</span></em> auf unsere anderen Seiten erh&#246;ht den <span style="text-decoration: underline">Pagerank</span> &#8211; pardon daf&#252;r, aber sonst werden unsere Seiten bei Google nicht auf der ersten Seite gefunden. Unsere Texte sind umgeben von 30% Navigation, das muss leider sein; ist bei <strong>B&#252;chern</strong> ja nicht anders, wenn Sie die mal von der Seite angucken. Und sechs Wer­bebannern je Seite, die nichts anderes bezwecken als&#8230; &#196;h, wo waren wir? Fassen wir uns kurz. Wenn Sie jetzt doch <strong>nicht mehr</strong> weiter lesen wollen, nicht so schlimm. Vielleicht kamen Sie ja sowieso nur hierher, weil unser Suchwort bei Google irgendwie zu diesem Text hier f&#252;hrt, und keiner wei&#223; warum? Das w&#228;re schade um Ihre Zeit und auch um unser Geld f&#252;r die Suchw&#246;rter.<span style="color: #800080"> </span><em><span style="color: #800080">Rechts sind noch mehr Artikel, oder Sie kaufen sich gleich das sch&#246;ne Buch hier</span>.</em></p>
<p style="text-align: justify"><em></em>Und oben, die 100 Pixel hohe <strong>Leiste</strong>, die brauchen wir f&#252;r die Markenf&#252;hrung, die mu&#223; auf jeder Seite sein (beim Buch passt sie nur nicht drauf, auf jede Seite). Unsere Marke steht f&#252;r Inhalt, aber leider, <em><span style="color: #800080">form follows function</span></em>. Und umsonst ist nur der Tod (sch&#246;ner Film, &#252;brigens <span style="text-decoration: underline">hier</span>). Ach wissen Sie, den Link finden Sie auch selbst.</p>
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		<title>Gl&#252;cklich im Kopfgef&#228;ngnis: Internetgiganten im deutschen Feuilleton</title>
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		<pubDate>Wed, 17 Nov 2010 09:04:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In deutschen Kulturressorts und Feuilletons schl&#228;gt Apple, Facebook und Google eine Tonalit&#228;t wie kaum einer anderen Branche entgegen – und man darf wohl fragen: Was denken sich die Autoren bei ihren Artikeln?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5d1959e7aa1841c2bf8f88f22dd5b3e7" alt="" width="1" height="1" />Nach der Lekt&#252;re von „<strong>Gl&#252;cklich im Nutzergef&#228;ngnis</strong>“ (SZ Online von <a title="sz" href="http://www.sueddeutsche.de/digital/facebook-google-und-apple-gluecklich-im-nutzer-gefaengnis-1.1024758" target="_blank">heute</a>) und rund einem Dutzend Artikeln mit  &#228;hnlicher inhaltlicher Linie aus deutschen Kulturressorts und  Feuilletons darf man wohl fragen: Was denken sich die Autoren bei  Artikeln gegen Apple, Facebook und Google?</p>
<p>Keine Frage, &#252;ber Lock-In-Versuche,  &#252;ber Diskriminierung und &#252;ber grenzwertigen Umgang mit Datenschutz muss  man sprechen. Aber was ist das f&#252;r eine Tonalit&#228;t, die sich keine andere  Branche gefallen lassen mu&#223;?</p>
<p>Sezieren wir den j&#252;ngsten Text:</p>
<p>Die drei Unternehmen m&#246;chten als Repr&#228;sentanten von „<em>nicht greifbaren, </em><em>&#252;berh&#246;hten Werten wahrgenomme</em>n“  werden. Sprechen nicht auch Automobilhersteller von „Mobilit&#228;t“ und  „Freude“, Nahrungsmittelhersteller von „Gl&#252;ck“ und „Genu&#223;“,  Partnervermittlungen von „Liebe“ und Verlage von „Klugheit“ und  „Pluralismus“? Ist dem Autor noch nicht aufgefallen, da&#223; Marketing und  Markenbildung &#252;berall zu solchen &#220;berh&#246;hungen greifen, unterwirft er  auch Unilever, Ferrero und BMW denselben Ma&#223;st&#228;ben? Man fragt sich, ob  der Autor entweder unter einem Stein lebt und durch eine Ritze nur  Internetunternehmen sehen kann oder ob irgendetwas anderes die  Wahrnehmung so derartig fixiert. Ist es vielleicht eine klammheimliche  Abneigung gegen Werbung und Marketing, die sich hier an Zielobjekten  Projektionsraum verschafft?</p>
<p>Weiter: „<em>Denn alle wollen nur das Eine: uns, die Nutzer</em><em>.</em>“  Halten wir uns gar nicht erst mit einer Kritik der Rhetorik auf, bei  der Selbstaufgabe, Einverleibung und Verschlungenwerden – der Verlust  des Ich! – mitschwingen, sondern kommen gleich zum Thema: Ist  irgendetwas wundersam oder gar verwerflich daran, da&#223; ein Unternehmen  Nutzer will? M&#246;chten Verlage keine Leser? Wenn doch, ist das gut, oder  irgendetwas hieran schlecht?</p>
<p>„<em>Die drei Unternehmen arbeiten sich  dabei von unterschiedlichen Seiten an uns heran und locken mit der  Einl&#246;sung von Verhei&#223;ungen…</em>“. Ja, Entschuldigung, was machen denn  Verlage jede Woche an meiner Stra&#223;enecke, wenn sie mich mit Studenten  zur Abo-Gewinnung ansprechen? Was ist denn ein Probe-Abo, kein  „Heranarbeiten“ an den Kunden? Und wenn Google mit der Verhei&#223;ung der  „Orientierung“ lockt – wo ist der Unterschied zur Verhei&#223;ung der  Qualit&#228;tspresse? Wohlgemerkt: Ich beschwere mich dar&#252;ber nicht. So  funktioniert Wirtschaft und Kundengewinnung ist ein legitimes Ziel.  Warum also diese Kritik? Vielleicht doch eine subkutane Haltung aus dem  Autoren-Mandelkern, da&#223; Wirtschaft keine legitimen Ziele verfolgt?</p>
<p>Und: „<em>Apple,  ein ehemals siecher Hardware-Hersteller, der vor etwas mehr als 10  Jahren seine auch damals schon sehr sch&#246;nen Produkte kaum an den Mann zu  bringen wusste, treibt inzwischen mit jedem Quartal Umsatz und Gewinn  in die H&#246;he</em><em>.</em>“ Bei Apple und Google seien „<em>schon diese Margen … mythisch</em>“.</p>
<p>Hier halten wir uns kurz bei der Frage auf, was an diesem Margen  „mythisch“ ist: Sind Margen der alten Griechen bekannt? Sind 25%  Umsatzrendite viel – oder vielleicht das Ziel vieler Unternehmen, von  deutschen Banken bis Werbeholdings? Was ist eigentlich das Renditeziel  der S&#252;dwestdeutschen Medienholding (SWMH), die 2002 immerhin knapp 20% <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdwestdeutsche_Medien_Holding" target="_blank">erzielte</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdwestdeutsche_Medien_Holding" target="_blank"> </a>und wie muss man die EBITDA-Rendite Axel Springers in H&#246;he von 26,3% im Segment Zeitungen national attributieren ?</p>
<p>Und,  noch wichtiger: Hat der Autor wohl einmal dar&#252;ber nachgedacht, wo diese  Margen bleiben, wieviele Pensionsfonds Dividenden und Kurssteigerungen  einstreichen, wieviel Innovation durch das Faktum von Unternehmensk&#228;ufen  (Startups) erm&#246;glicht wird, ob Gewinne ein Zeichen von Wertsch&#246;pfung  sind? Wir wissen es nicht und bleiben auf Vermutungen angewiesen,  solange wir nichts derartiges aus Kulturressorts h&#246;ren und warten  vergeblich auf den Tag, an dem sich Wirtschaftsressorts &#252;ber die  Wertsch&#246;pfung von Wagnerfestspielen auslassen. Bis dahin bleibt auch  offen, in welchem Renditekorridor sich Unternehmen bewegen m&#252;ssen, damit  sie aus Leitmedien weder als &#8220;siechend&#8221; noch als &#8220;mythisch&#8221; bezeichnet  werden.</p>
<p>Nun, sagt unser Autor, werden alle drei Anbieter „<em>immer &#228;hnlicher</em>“ und f&#252;hrt drei Sachverhalte zum Beleg an. <em>„</em><em>Facebook  will mit seiner gerade angek&#252;ndigten Universal-Inbox vor allem die  Nutzer von Google-Mail im gro&#223;en Stil auf seine Seite ziehen</em>“   hei&#223;t es – und es klingt gut. Wie aber kommt der Autor auf diese Idee?  Oder k&#246;nnte es alles anders sein, n&#228;mlich so, da&#223; der Wechsel eines  Mailkontos sehr unwahrscheinlich ist, Google je nach Messung nur  zwischen 5 und 12% Marktanteil hat und Facebook genau auf den  gegenteiligen Kundenkreis zielt, weil hier Marktanteile zu gewinnen  sind?</p>
<p>Und: „<em>Google bietet ebenfalls sch&#246;ne Handys an.</em>“  K&#246;nnte es sein, dass das Nexus One ein Flop war und Google derzeit kein  Handy anbietet und auch die neuesten Ger&#252;chte vielleicht auf genau ein  einziges Handy hindeuten, das Google aber nicht herstellt, sondern von  OEMs bezieht? Da&#223; man also mit Fug und Recht behaupten k&#246;nnte: Google  bietet kein Handy an, und wenn, dann nur ein fremdes, das wieder floppen  k&#246;nnte?</p>
<p>„<em>Und  Apple hat dem iTunes-Store vor kurzem ein soziales Musik-Netzwerk,  n&#228;mlich Ping, angeflanscht, &#252;ber das sich iTunes- Nutzer &#252;ber ihre  musikalischen Vorlieben verst&#228;ndigen k&#246;nnen.</em>“ Soll man das  wirklich kommentieren? Versuchen wir es in einem Satz: Ja, Apple hat  Ping vorgestellt, aber es hat keine Akzeptanz und vor allem ist es nicht  „die“ strategische Marschrichtung, sondern die unbedeutendste von etwa  20 Schlachten aller Player – Apple verdient sein Geld mit Hardware und  will ganz bestimmt sein Gesch&#228;ftsmodell nicht Richtung Facebook  umstellen. Fazit: alle drei Belege sind fachlich falsch. Sie untermauern  die These nicht, da&#223; sich alle Player angleichen.</p>
<p>Weiter im Text: „ <em>Ein  Nutzerkunde soll eine komplette Internetwelt unter dem jeweiligen  Firmenlogo vorfinden, die er bequem durchreist und nie mehr verlassen  muss.</em>“ „<em>Wenn  man so will, erf&#228;hrt der Begriff des &#214;kosystems hier eine erweiterte  Bedeutung: &#214;kologisch f&#252;r den Nutzer. &#214;konomisch f&#252;r  die Seitenbetreiber.</em>“ Und, unter Verweis auf Wired, drei Viertel des „Datenaufkommens“ f&#228;nden in „pr&#228;chtig gedeihenden und stetig anwachsenden Infrastrukturseiten der gro&#223;en Firmen, (in) <em>walled gardens</em>, umz&#228;unte(n) G&#228;rten“  statt.</p>
<p>Auch das h&#246;rt sich richtig an. Aber ist es richtig?</p>
<p>Erstens:  noch bietet Googles Kernprodukt Suche vor allem eines: Links nach  drau&#223;en, ein „walled garden“ sieht anders aus. Und wieso liefert Apple  Safari auf jedem iPhone kostenlos? Zweitens: Das „Sollen“ mag sein, aber  es ist nicht das „Ist“: 5% aller Visits in Deutschland finden auf  Googles Suchmaschine statt, maximal 10% auf Facebook und bei  Apple-Seiten Null. Drittens: Was will uns der Autor mit der  Unterscheidung von &#214;kologie und &#214;konomie sagen? Folgt die Nutzung der  Dienste etwa nicht &#246;konomischen Gesetzen des Austauschs – kostenlose  Produktnutzung gegen datenbasierte Werbung?</p>
<p>Man sollte meinen, da&#223;  allein das Faktum der Nutzung ein m&#228;chtiges Indiz f&#252;r ein zweiseitiges  &#246;konomisches Verh&#228;ltnis ist, das &#252;brigens auch ein publizistisches  Qualit&#228;tsprodukt dadurch erreicht, dass der Leser es bequem durchreisen  kann und nichts anderes mehr lesen muss. Doch irgendetwas an diesem  Gedanken muss falsch sein. Aber was? Der Leser bleibt ratlos zur&#252;ck.</p>
<p>Kommen  wir zum Schluss. Unter der Zwischen-Headline „Lizenz zum Gelddrucken“  und einigen unbestreitbaren Bemerkungen zum Gesch&#228;ftsmodell schlie&#223;t der  Autor: „<em>Das  Rennen der Giganten hat begonnen und wird vorerst kein Ende nehmen.  Darum geh&#246;rt das Streuen von Ger&#252;chten &#252;ber spektakul&#228;re Erweiterungen  der Angebote mit zu der Geschichte, welche die drei Firmen gerne &#252;ber  sich erz&#228;hlt h&#228;tten. Und wir, die Nutzer? Wir m&#252;ssen uns den  Facebook-User wohl als gl&#252;cklichen Menschen vorstellen</em>.“ Satz 1 und  2: Ja, stimmt. Satz 3 und 4: Wir m&#252;ssen uns den SZ-Leser nach der  Lekt&#252;re wohl als gl&#252;cklichen Menschen vorstellen &#8211; indes verunsichert  und aufgescheucht von kraftvollen Wortget&#252;men, deren Inhalt entweder  belanglos, falsch oder von unaufgedeckter Weltanschauung gespeist ist.</p>
<p><em><a href="http://ckappes.posterous.com/glucklich-im-kopfgefangnis">Crosspost</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/35828/gluecklich-im-kopfgefaengnis-internetgiganten-im-deutschen-feuilleton/">Gl&#252;cklich im Kopfgef&#228;ngnis: Internetgiganten im deutschen Feuilleton</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/35828/gluecklich-im-kopfgefaengnis-internetgiganten-im-deutschen-feuilleton/#comments">34 comments</a>
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		<title>Sixt &#8211; Ein Unternehmen missbraucht die Demonstrationsfreiheit</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Nov 2010 08:45:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer Sixt f&#252;r ihr Guerillamarketing-Kalk&#252;l kritisiert, muss ein spa&#223;befreiter Spielverderber sein, denn was ist schon passiert? Nun: Es ist das Missverh&#228;ltnis von durchschaubarem Kommerz, wichtigem politischen Thema und billigem Klamauk, das Unwohlsein macht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/80d7c88f35f142c08f7d946b7510007c" alt="" width="1" height="1" />Was hat sich der  Autovermieter Sixt dabei gedacht, als sich seine Mitarbeiter oder die  seiner Werbeagentur Jung von Matt unter die Castor-Aktivisten mischten  und ein Spruchband „Stoppt teure Transporte! Mietet Van &amp; Truck von Sixt!&#8221; <a href="http://www.sixtblog.de/werbekampagnen/der-castor-coup-von-sixt/" target="_blank">aufrollten</a>? Man kann es sich denken: Guerillamarketing mit einer „geilen Idee“, die logische  Fortsetzung der bisherigen Kampagnen mit Politiker-Konterfeis und dies  dank der Kampagnenverl&#228;ngerung ins Internet praktisch kostenlos. Und der  Erfolg gibt Sixt recht, fast 200 Tweets, neun Blogartikel und schon am  n&#228;chsten Tag Schlagzeilen in der Presse: Bild <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2010/11/08/sixt-castor-spot-ist-der-renner/im-internet.html" target="_blank">meldet </a>„Sixt veralbert Castor-Demo mit Werbe-Plakat“, die SZ <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/sixt-werbung-bei-castor-demonstrationen-stoppt-teure-transporte-1.1021192" target="_blank">schreibt </a>&#252;ber die „Die Provokateure vom Dienst“ und der <a href="http://www.freitag.de/alltag/1044-sixt-adelt-den-protest" target="_blank">Freitag </a>„Sixt adelt den Protest“.</p>
<p>Man sollte nicht von Spa&#223;aktionen auf den Mangel an Ernsthaftigkeit  auf der Managementetage schlie&#223;en: Die Provokation war Kalk&#252;l, musste  Kalk&#252;l sein, wenn die Kampagne <a href="http://www.twitter-trends.de/trendverlauf?trend=sixt&amp;period=months">erfolgreich</a> sein sollte. Erst einige  hundert ver&#228;rgerte Internetnutzer konnten der Kampagne zu <a href="http://rivva.de/http://www.sixtblog.de/werbekampagnen/der-castor-coup-von-sixt/">Aufmerksamkeit</a> <a href="http://rivva.de/http://off-the-record.de/2010/11/08/sixt-mischt-werbung-unter-den-castor-protest/"> verhelfen</a>, indem sie ihren Protest durchs Internet trugen und sich so  versehentlich zu n&#252;tzlichen Multiplikations-Idioten machten, bis die  Kampagne in Massenmedien durchschlug. Der Nutzen einer deutlich  sechsstelligen kostenlosen Reichweite l&#228;sst Sixt den Schwund einiger  tats&#228;chlicher oder potentieller Kunden verkraften. So sagt denn auch ein  Unternehmenssprecher in der SZ „Sixt w&#252;rde das ganze wiederholen.“</p>
<div id="attachment_35713" class="wp-caption alignleft" style="width: 239px"><a href="http://twitpic.com/353elj"><img class="size-medium wp-image-35713" title="sixt" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/11/sixt-229x300.jpg" alt="" width="229" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Die Sixt-Aktion provoziert ironische Reaktionen. (Foto: Peter Breuer)</p></div>
<p>Wer Sixt daf&#252;r <a href="http://twitpic.com/353elj">kritisiert</a>, muss ein spa&#223;befreiter Spielverderber  sein, denn was ist schon passiert? Ein paar Billigkr&#228;fte haben f&#252;r die  Dauer eines sehr kurzen Videos ein Spruchband hochgehalten und zeigten  sich in T-Shirts, und zwar genauso lange, wie es brauchte, um Material  f&#252;r den Zusammenschnitt eines <a href="http://www.youtube.com/watch?v=AWjgtriqErI">Youtube-Videos</a> zu haben. Menschen kamen  nicht zu Schaden, Streitereien gab es nicht und weder Polizei noch  Demonstranten wurden in ihrer T&#228;tigkeit behindert. Also kein Problem,  alles easy?</p>
<p>Gr&#252;nde, die Nase zu r&#252;mpfen, gibt es dennoch mehrere: Zum ersten  handelt es sich um einen &#220;bergriff der Werbung in das System der freien  Meinungsbildung. Demonstrationen – egal wof&#252;r oder wogegen – sind ein  elementares Instrument der Meinungsartikulation und sollten von  kommerziellen Auftritten verschont bleiben, um ihre Authentizit&#228;t zu  wahren.</p>
<p>Wer demonstriert, sagt damit „Hier stehe ich und kann nicht  anders“, von Krawall- und Spass-Kids einmal abgesehen. Man stelle sich  einmal vor, dass das Sixt-Beispiel Schule macht: Sponsoring durch  Bandenwerbung, Bustransfers , firmengesponsorte Demonstrantenbl&#246;cke  (wohlm&#246;glich mit unterschiedlichen Pro- und Contra-Sponsoren) – was kommt  noch? Nicht ohne Grund ist es Bestandteil der politischen Kultur in  Deutschland, dass sich Unternehmen mit direkten, politischen &#196;u&#223;erungen  in Massenmedien sehr zur&#252;ckhalten und sich anderer Mittel wie dem des  Lobbyismus bedienen.</p>
<p>Zweitens nutzt die Kampagne Aufmerksamkeit, die  B&#252;rger unter Einsatz ihrer Freizeit f&#252;r eine Sache gewonnen haben und  m&#252;nzt diese Aufmerksamkeit in eigenen wirtschaftlichen Vorteil um. Dabei  gibt sie nichts zur&#252;ck, sondern sie nimmt sogar in Kauf, dass die  Aufmerksamkeit auf Kosten der Versammlungsteilnehmer gewonnen wird. Das  ist – solange es ohne Zustimmung der Demonstranten geschieht – zutiefst  parasit&#228;r.</p>
<p>Drittens er&#246;ffnet diese Kampagne ein neues Gebiet im  Spannungsfeld von Kommerz, Politik und Spa&#223;. Waren bisher bekannte  Politiker die Zielscheiben der Kampagnen, die sich wehren konnten, so  sind es nun einfache B&#252;rger, die sich gegen den parasit&#228;ren  Mitdemonstranten nicht wehren k&#246;nnen, ohne selbst das Grundrecht der  Versammlungsfreiheit zu verletzen. In dieser misslichen Lage bleibt ihnen  nur die Duldung, w&#228;hrend Personen des &#246;ffentlichen Lebens sich zur  Abwehr einer Armada von Fachanw&#228;lten bedienen k&#246;nnen – dort findet die  Auseinandersetzung auf Augenh&#246;he statt, hier nicht.</p>
<p>Auch mag es sein,  dass Humor und Politik nicht unvertr&#228;glich sind, selbst elementaren  politischen „Schwerstgewichten“ wie der Judenverfolgung kann man mit  Humor beikommen. Dies erfordert aber eine kunstvollere Form der  Auseinandersetzung als das Aufrollen eines flotten Spruches. Es ist das  Missverh&#228;ltnis von durchschaubarem Kommerz, wichtigem politischen Thema  und billigem Klamauk, das Unwohlsein macht.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35711&amp;md5=53cd88853d2450ae0572e25c812e7f58" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Google, Apple und Facebook – Der Kampf der Internetgiganten</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 12:14:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dominanz, Datenschutz, Zensur und Marktbeherrschung: Die Giganten der Internetwirtschaft &#228;hneln sich strukturell und sollten auch in der Politik strukturell und damit losgel&#246;st von einzelnen Aktivit&#228;ten betrachtet werden. Ein Vortrag zur Versachlichung der Diskussion.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3df62d0e95d249fe8af90d413aa2f567" alt="" width="1" height="1" />In der &#214;ffentlichkeit entsteht mitunter der Eindruck, zwischen Google, Apple und Facebook finde ein Kampf statt. Ich bin dieser These in einem Vortrag nachgegangen und habe die unterschiedlichen Strategien der beteiligten Unternehmen zusammengestellt.</p>
<p>Seit langem verfolge ich die &#246;ffentliche Berichterstattung und m&#246;chte mit dieser Pr&#228;sentation einen <a href="http://carta.info/autor/christoph_kappes/">weiteren Beitrag</a> zur Versachlichung der Diskussion leisten. Das gilt auch f&#252;r kritische Punkte; sie sind bei allen Unternehmen strukturell gleich und sollten auch in der Politik strukturell und damit losgel&#246;st von einzelnen Aktivit&#228;ten betrachtet werden.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/kappes.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-32381" title="kappes" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/kappes-300x228.jpg" alt="" width="300" height="228" /></a>In meinem Vortrag komme ich zu dem Schluss, dass Apple aufgrund seiner Strategie einen Sonderfall darstellt, den man am besten als Qualit&#228;tsf&#252;hrerschaft in einem Nischensegment beschreiben kann. Das wird von mehreren Elementen bestimmt, namentlich von einer vertikalen Integration zwischen Hardware- und Software-Ebenen mit gewissen Lock-In-Mechanismen. Diese Sonderstellung Apples ergibt sich auch aus der Umsatzstruktur, die von Hardware im Bundle mit Software gepr&#228;gt ist, und der Gewinnsituation, die sich auch aus &#252;berdurchschnittlichen Hardware-Margen bei gleichzeitigem Innovationstempo mit neuen Produkten erkl&#228;ren l&#228;sst.</p>
<p>Google und Facebook sind untereinander direkte Wettbewerber, da sie werbefinanzierte Gesch&#228;ftsmodelle haben, die rein software- bzw. dienste-basiert sind. W&#228;hrend Google einen weit besseren Umsatz je Kunde erzielt, steht Facebook in puncto Kundenbindung besser da. Googles Kerngesch&#228;ft ist durch einige Effekte und den Verteilungskampf um Werbeerl&#246;se mit Facebook mittelfristig in Gefahr, w&#228;hrend Facebooks Innovationstempo viele Potentiale zeigt, die Plattform weiter auszubauen. Ich komme zum Ergebnis, dass Google sich in vielen Gesch&#228;ftsfeldern in einem „Mehrfrontenkrieg“ befindet, – vor allem mit Facebook.</p>
<p>Um einen &#220;berblick zu geben, f&#252;hre ich au&#223;erdem eine Vielzahl der aktuellen Diskussions- bzw. Kritikpunkte mit dem Anspruch auf Vollst&#228;ndigkeit auf. Sie sind bei allen drei Unternehmen gleichartig: Auch bei Facebook wird die Dominanz-Diskussion gef&#252;hrt (Sondertarife mit Telkos bei 0.facebook.com) und die Datenschutz-Diskussion um WLAN-Erfassung gibt es auch bei Apple. Auf eine Wertung verzichte ich jedoch weitgehend.</p>
<p>Abschlie&#223;end zeige ich m&#246;gliche weitere Entwicklungen auf und komme zu dem Ergebnis, dass einerseits mittelfristig seri&#246;se Prognosen &#252;ber die Zukunft der derzeit gro&#223;en Player kaum m&#246;glich sind, da der Internetmarkt weiterhin sehr dynamisch ist und stark w&#228;chst. Andererseits gibt es keinen Grund, von einem wirtschaftlichen Niedergang Googles zu sprechen, nur weil es von Facebook und Apple in verschiedenen Gesch&#228;ftsfeldern angegriffen wird.</p>
<div id="__ss_4975802" style="width: 425px;"><strong style="display: block; margin: 12px 0 4px;"><a title="Google, Apple, Facebook - Der Kampf der Internetgiganten (pdf)" href="http://www.slideshare.net/ckfructus/google-apple-facebook-der-kampf-der-internetgiganten">Google, Apple, Facebook &#8211; Der Kampf der Internetgiganten (pdf)</a></strong><object id="__sse4975802" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="355" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=201008kampfgiganten-100815171330-phpapp01&amp;rel=0&amp;stripped_title=google-apple-facebook-der-kampf-der-internetgiganten" /><param name="name" value="__sse4975802" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="__sse4975802" type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="355" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=201008kampfgiganten-100815171330-phpapp01&amp;rel=0&amp;stripped_title=google-apple-facebook-der-kampf-der-internetgiganten" name="__sse4975802" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
View more <a href="http://www.slideshare.net/">presentations</a> from <a href="http://www.slideshare.net/ckfructus">Christoph Kappes</a>.</div>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Lesen Sie dazu auch von Christoph Kappes:</em></p>
<ul>
<li><a rel="bookmark" href="../../26360/facebook-ein-sonderfall-im-oekosystem-des-internets/">Facebook – Ein Sonderfall im &#214;kosystem des Internets?</a></li>
<li><a rel="bookmark" href="../../21775/google-bashing/">Google-Bashing: Zur politischen &#214;konomie einer Suchmaschine</a></li>
</ul>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=32377&amp;md5=22b5afc1e840d31c882b54e98652a992" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Alles ist &#252;berall: Vergisst das Internet wirklich nichts?</title>
		<link>http://carta.info/31497/alles-ist-ueberall-vergisst-das-internet-wirklich-nichts/</link>
		<comments>http://carta.info/31497/alles-ist-ueberall-vergisst-das-internet-wirklich-nichts/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 11:04:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Die h&#228;ufig zu lesende These „Das Internet vergisst nichts“ gilt nur eingeschr&#228;nkt. Sie mag f&#252;r eine Betrachtungsdauer von wenigen Jahren und bei den "Big Playern" richtig sein, langfristig verschwinden jedoch mehr und mehr Inhalte aus dem Netz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/10eb5d3187d347ffb4d9129c605819b0" alt="" width="1" height="1" />Ich hatte wohl Ende 1993 erstmals mit dem Internet Ber&#252;hrung. &#220;ber die These „Das Internet vergisst nichts“  habe ich erst vor einem Salon der <a href="http://www.i-15.de/info/">Initiative I-15</a> unter dem Motto „Erinnern und Vergessen in Zeiten des Internet“ nachgedacht. Mehr und mehr fiel mir auf, dass die These nicht ganz richtig ist. Ob sie als politisch motivierte &#196;u&#223;erung oder als Warnhinweis geeignet und sinnvoll ist, soll hier nicht Gegenstand sein.</p>
<p>Es verschwinden Internetangebote aller Gattungen, denn auch das Internetarchiv &#8220;<a href="http://www.archive.org">WayBackMachine</a>&#8221; speichert nur Ausz&#252;ge. Mit ihnen verschwinden die Nutzerbeitr&#228;ge in diesen Angeboten. Und es verschwinden Nutzerbeitr&#228;ge aus anderen Gr&#252;nden. In den letzten Jahren gibt es allerdings Tendenzen, die zu einem „Alles-ist-&#252;berall“-Effekt f&#252;hren und so dem Verschwinden m&#246;glicherweise entgegenwirken.</p>
<p><strong>Verschwindende Angebote und Inhalte</strong></p>
<ul>
<li>Es verschwinden ganze Verlagsangebote immer dann, wenn Titel eingestellt werden: Allein die Zahl der j&#228;hrlich eingestellten Fachzeitschriften geht an die hundert. Da viele dieser Angebote einen Online-Ableger haben, wird dieser zumeist mit aus dem Netz genommen.</li>
<li>Nicht anders ist die Situation bei Startups, die ihren Betrieb einstellen, hier eine j&#252;ngere Liste: <a rel="bookmark" href="http://www.deutsche-startups.de/2010/07/22/offline-13-start-ups-die-2010-schon-von-uns-gegangen-sind/">13 Start-ups, die 2010 schon von uns gegangen sind</a></li>
<li>Auch werden Websites vieler Unternehmen abgeschaltet; wer es genau wissen will, suche doch mal nach Corporate Websites der alten Agenturen Bitlab, WWL, Concept, Kabel New Media, Popnet – es ist nichts mehr da und auch bei archive.org sind nur Fragmente. Auf diese Weise sind &#252;brigens auch Mitarbeiterkurzprofile dieser Unternehmen verschwunden.</li>
<li>Dies gilt auch f&#252;r ber&#252;hmte Web-Projekte. Ein h&#252;bsches Beispiel ist der <a href="http://www.wildpark.com/">Wildpark</a>, ein Kreativprojekt der Agentur Pixelpark. Er taucht auf der Suchmaschinenergebnisseite von Google erst auf Seite 2 auf. Und dort findet man unter Umst&#228;nden eine sog. „Konserve“, die Website ist aber &#252;ber die Homepage nicht mehr zug&#228;nglich, da die Browserweiche eine Positivliste ist und bei neueren Browsern versagt. Zudem hat das neue Management im Jahr 2009 einen Relaunch des Projektes <a href="http://www.pixelpark.com/de/pixelpark/presse/pressemeldungen/2009/20090804.html">durchgef&#252;hrt</a>. Ergebnis: das „ber&#252;hmte alte Wildpark“ ist nur noch ein Puzzle f&#252;r kenntnisreiche Arch&#228;ologen. F&#252;r die &#214;ffentlichkeit wird er durch ein neues, andersartiges Angebot ersetzt.</li>
<li>Pressemitteilungen vieler Unternehmen sind nicht mehr auffindbar. In der dynamischen Internetbranche sieht man es besonders gut: W&#228;hrend mein papiernes Archiv seit 1991 Pressemitteilungen aufweist, reichen Online-Archive vieler Unternehmen meistens keine zehn Jahre zur&#252;ck, obwohl das Unternehmen viel l&#228;nger existiert. Als Beispiel sei hier noch einmal Pixelpark angef&#252;hrt: die &#228;lteste zug&#228;ngliche Pressemeldung ist von 2002, das Unternehmen wurde aber schon 1991 gegr&#252;ndet und hat ab 1994 Pressemeldungen im Web ver&#246;ffentlicht.</li>
<li>Bei Unternehmen fallen auch andere Informationen weg. So nennt Pixelpark selbst nur noch als Gr&#252;nder Paulus Neef. Welche Rolle Eku Wand spielte, der heute Professor f&#252;r Design ist, ergibt sich aus nur noch aus <a href="http://www.welt.de/print-welt/article478511/Eku_Wand_fuehrt_virtuell_durch_die_Berliner_Unterwelt.html">Presseartikeln</a> der NewEconomy-Zeit und dessen <a href="http://www.hbk-bs.de/hochschule/personen/eku-wand/biografische-daten/index.php">Biografie</a> auf seiner eigenen Website. &#220;ber die Gr&#252;nde kann man spekulieren. M&#246;glich ist, dass hier eine Organisation einen Gr&#252;nder vergessen hat, weil die dort agierenden Menschen die Geschichte allenfalls noch vom H&#246;rensagen kannten. Die Dokumentation von Geschichte im Internet allein hindert also das Vergessen nicht. Es bedarf Zweifel an der Richtigkeit aktueller Fundstellen und es bedarf eines bewussten daten-arch&#228;ologischen Ausgrabungsprozesses.</li>
<li>Blogs, die jahrelang nicht mehr gepflegt werden, werden vom Betreiber zumeist irgendwann abgeschaltet, zum Beispiel, weil sie die Kosten der Domain nicht mehr tragen m&#246;chten.</li>
</ul>
<p><strong>Verschwindende Nutzerbeitr&#228;ge</strong></p>
<ul>
<li>Mit allen oben genannten Angeboten verschwinden auch deren Nutzerbeitr&#228;ge, insbesondere bei Blogs und Verlagsangeboten.</li>
<li>Dasselbe gilt auch f&#252;r Beitr&#228;ge in gro&#223;en Communities, die privat betrieben und irgendwann eingestellt wurden. Ein gutes Beispiel ist wohl dotcomtod, das 2004 eingestellt wurde; zuvor gingen fast alle Beitr&#228;ge verloren, aufgrund von Streitigkeiten im Kreis der Gr&#252;nder. Aber auch Dutzende gro&#223;er und hunderte kleiner kommerzieller Communities wurden geschlossen, etwa die GMX-Community sowie Giga, ebay, Nintendo und Bym. Aktuell wird gerade die Community <a href="http://www.nextstop.com/go/faq/">nextstop</a> vom Netz genommen, weil sie von Facebook gekauft wurde.</li>
<li>Auch Leserkommentare bei Verlagsangeboten k&#246;nnen verschwinden: Ich habe an einem Relaunch mitgewirkt, bei dem das Projektteam beschlossen hat, s&#228;mtliche alten Leserkommentare nicht auf die neue technische Plattform zu migrieren. So verschwanden zigtausende von Leserbeitr&#228;gen aus dem Netz. Gest&#246;rt hat sich &#252;brigens niemand daran.</li>
<li>Auch Kundenbewertungen „verschwinden“ langfristig. Im eCommerce gilt das immer, soweit das Produktsortiment aktualisiert oder getauscht wird. Wer es nicht glaubt, suche bei Amazon die Kundenbewertungen zu alten Elektronikartikeln. Bei Bewertungsportalen (Qype, Yelp etc.) verschwinden Beitr&#228;ge, wenn das Bezugsobjekt in der Realit&#228;t „stirbt“: Wenn Luigis Ristorante schliesst, wird auch der alte Eintrag irgendwann aus dem Netz genommen, denn ung&#252;ltige Eintr&#228;ge haben f&#252;r Nutzer und Betreiber keinen Sinn mehr. Dasselbe gilt nat&#252;rlich f&#252;r Communities, die als selbst&#228;ndige Produkte eingestellt wurden, ein j&#252;ngeres Beispiel ist <a href="http://www.triphunter.de">Triphunter</a>, das von brands4friends &#252;bernommen wurde.</li>
<li>In dieselbe Kategorie fallen Links von URL-Shortenern, deren Dienste eingestellt wurden. Die K&#252;rzel werden dann nicht mehr aufgel&#246;st, der Link ist „kaputt“ und die Bedeutung des ganzen Nutzerbeitrages steht in Frage. Eines der ber&#252;hmteren Beispiele ist tr.im aus dem August 2009. Es sollte nicht wundern, wenn von fast 200 <a href="http://code.google.com/p/shortenurl/wiki/URLShorteningServices">URL-Shortenern</a> weltweit  der gr&#246;&#223;ere Anteil in K&#252;rze seine Dienste einstellt und somit auch deren alte Links nicht mehr aufgel&#246;st werden.</li>
</ul>
<p><strong>Zwischenergebnis: Ein Leben und Sterben von Teilsystemen</strong></p>
<p>Das Internet ist zwar einerseits ein gro&#223;es Ganzes, andererseits ist es aber auch ein Netz von Teilsystemen, deren Inhalte aus verschiedenen Gr&#252;nden entweder komplett aus dem Netz genommen werden oder welche die Datenl&#246;schung oder -nichtver&#246;ffentlichung autonom entscheiden.</p>
<p>Die Gr&#252;nde daf&#252;r sind bei kommerziellen Angeboten h&#228;ufiger Ver&#228;nderungen auf der Unternehmensebene (&#220;bernahme des Unternehmens, Insolvenz), auf der strategischen Ebene (ein Gesch&#228;ftsfeld wird eingestellt) oder auf der Produktebene (ein Produkt ist wirtschaftlich nicht erfolgreich und wird eingestellt, beschr&#228;nkt fortgef&#252;hrt oder geht in einem anderen auf). Auch wenn ein Online-Produkt zun&#228;chst als „Konserve“ mit geringsten Mitteln aufrechterhalten wird, stellt sich irgendwann die Frage der Betriebskosten. Auch k&#246;nnen es Gr&#252;nde der Unternehmenskommunikation sein, warum ein Produkt am Ende vom Netz genommen wird (veraltetes Corporate Design, Vergessenwollen des Fehlschlages). Bei privaten Angeboten kann es Desinteresse an der Fortf&#252;hrung oder schlicht die Unwilligkeit sein, die Betriebskosten weiterhin zu tragen.</p>
<p>Das Web ist also so vielf&#228;ltig wie das Leben, das aus Geburt und Sterben besteht. In der sachlichen Sprache des Gesch&#228;ftslebens formuliert: Auch Online-Produkte werden ver&#228;ndert, ausgetauscht oder erreichen ihr End of Live. Und, wie wir am Beispiel des unerw&#228;hnten Agenturgr&#252;nders gesehen haben: Manchmal vergissen Menschen etwas, gewollt oder ungewollt, und &#252;berlagern so alte Information mit neuer, bis die alte Information technisch kaum noch zug&#228;nglich ist. Die technischen Zugangsh&#252;rden k&#246;nnten dabei sogar noch zunehmen, da die Komplexit&#228;t der Frontendentprogrammierung in den letzten Jahren deutlich gegen&#252;ber dem „plain HTML der 90er“ zugenommen hat.</p>
<p><strong>Ausblick: Alles &#252;berall</strong></p>
<p>In den letzten Jahren hat sich die Situation allerdings wesentlich ver&#228;ndert: Mit Webservices tauschen Systeme Daten aus und replizieren  diese Daten au&#223;erhalb des Herrschaftsbereiches des Urhebers in  Drittsysteme. Was in einem Teilsystem nicht mehr existiert, lebt gewisserma&#223;en an anderer Stelle weiter. So w&#252;rden Tweets aus Twitter im Google-Index auch dann noch verf&#252;gbar sein, wenn Twitter sein Produkt eines Tages einstellen w&#252;rde. Entsprechendes gilt f&#252;r Tweets, die an Facebook &#252;bergeben werden, und im Grunde f&#252;r alle Social-Media-Plattformen, beispielsweise Digg und flickr, die &#252;ber APIs kommunizieren. Zus&#228;tzlich zu den produktspezifischen APIs wie bei Twitter erlauben Standards den Datenaustausch f&#252;r beliebige Inhaltsobjekte, z.B. Newsfeeds oder Kommentare. Damit entsteht ein „Alles ist &#252;berall“-Effekt.</p>
<p>Dieser „Alles ist &#252;berall“-Effekt gilt allerdings nur so weit, wie Lizenzbestimmungen mit Endkunden die Datenweitergabe erlauben und wie die Bestimmungen zwischen den Plattform-Anbietern nicht zum L&#246;schen von Inhalten verpflichten; so verbietet Facebook beispielsweise den Drittanbietern ausdr&#252;cklich, bei Facebook gel&#246;schte Inhalte in den Drittsystemen weiterhin zu speichern. Ob es hierbei bleibt, ist allerdings unklar. Einerseits werden sich Anbieter immer bem&#252;hen, die Kontrolle &#252;ber ihre Nutzerinhalte zu behalten, andererseits geht die Technik wie immer einen Schritt voraus und kann eine Eigendynamik entwickeln.</p>
<p>Derzeit gilt: F&#252;r Nutzerbeitr&#228;ge auf Plattformen der Big Player und Marktf&#252;hrer (Microsoft, Apple, Google, Amazon, Yelp, Foursquare usw.) ist jedenfalls nicht absehbar, ob und in welcher Dekade die Inhalte aus dem Web verschwinden und wer mit wem Daten austauscht. Entsprechendes – und das wird gerne &#252;bersehen &#8211; gilt f&#252;r Geheimdienste und &#220;berwachungsbeh&#246;rden wie den <a href="http://www.wired.com/dangerroom/2010/07/exclusive-google-cia/">CIA</a>.</p>
<p>Richtiger w&#228;re also „Die gro&#223;en Internet-Plattformen und staatliche &#220;berwachungsbeh&#246;rden vergessen nichts“.</p>
<p><em>Dies ist eine &#252;berarbeitete Version des <a href="http://ckappes.posterous.com/entwurf-vergisst-das-internet-wirklich-nichts">Entwurfs</a>, den Christoph Kappes in seinem &#8220;posterous&#8221; ver&#246;ffentlicht hat.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31497&amp;md5=4f51bc186ba65328c1bbf4bc73fa27ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Leistungsschutzrecht: Ein Fremdk&#246;rper in der Marktwirtschaft</title>
		<link>http://carta.info/28946/leistungsschutzrecht-ein-fremdkoerper-in-der-marktwirtschaft/</link>
		<comments>http://carta.info/28946/leistungsschutzrecht-ein-fremdkoerper-in-der-marktwirtschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 13:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Oeko]]></category>
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		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Marktwirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Verleger wollen ein Recht, das gerade das Kerngesch&#228;ft ihrer Wertsch&#246;pfung sch&#252;tzen soll. Das ist systemwidrig. Eine wirtschaftliche und strategische Sicht auf das Leistungsschutzrecht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/be897b71879a496bb62d8494a04b32c2" alt="" width="1" height="1" />Es ist gut nachvollziehbar, dass man sich hier und da &#252;ber den Schutz von Verlagen angesichts der Schwierigkeiten im Internet, f&#252;r ihre Leistung Umsatz zu erzielen, Gedanken macht. Ich kann und will mich an den filigranen Diskussionen unter Medienfachleuten nicht beteiligen. Mein Blickwinkel ist strategisch und wirtschaftlich, und vielleicht kann ich etwas zum Ganzen beitragen.</p>
<p>Die Unterst&#252;tzung von Verlagen durch einen gesetzgeberischen Eingriff in den Markt setzt voraus, dass erstens das Problem &#252;berhaupt dauerhaft besteht. Doch der Misserfolg von Paid Content ist meines Erachtens angesichts der Fortschritte z.B. beim Micropayment und der unausgesch&#246;pften Chancen von neuen Formaten, Services und exklusiven Inhalten keineswegs gewiss.</p>
<p>Zweite Bedingung f&#252;r einen gesetzgeberischen Eingriff ist, dass die Begr&#252;ndung des VDZ, „dass sich die Presseunternehmen gegen eine unentgeltliche Ausnutzung ihrer Angebote im Internet zur Wehr setzen m&#252;ssten“, &#252;berhaupt materiell richtig ist. An „unentgeltlicher Ausnutzung“ bestehen Zweifel, denn das Ergebnis der Verlagsleistungen, der Inhalt eines Artikels, kann ohnehin vollst&#228;ndig nur auf einem Verlagsangebot konsumiert werden &#8211; die Leistung ist eben nicht in G&#228;nze auf einer Suchmaschine konsumierbar. F&#252;r Headline und Teaser stellt sich zudem die Frage, ob diese &#252;berhaupt schutzw&#252;rdig sind.</p>
<p>Auch die Argumentation mit dem unbestreitbaren Faktum, dass sich viele Leser im Internet mit Artikel-Headline, -Bild und -Teaser auf der Suchmaschine begn&#252;gen, f&#252;r sich allein reicht nicht, denn dieser Fakt kann auch ein Indiz daf&#252;r sein, dass der Langtext nicht nachfragekonform ist, weil f&#252;r jeden Text ein &#220;berangebot von hunderten gleichartiger Texte vorliegt. Selbstverst&#228;ndlich sinkt die Klickrate auf Links, je mehr gleichartige Texte es gibt. Das klingt hart und ist es auch, n&#228;mlich rational marktwirtschaftlich betrachtet: <strong>Es gibt keine Nachfrage f&#252;r den hundersten Aufguss einer Agenturmeldung.</strong></p>
<p>Soweit mit der Sorge argumentiert wird (die ich teile), dass Qualit&#228;tsjournalismus als Institution gef&#228;hrdet ist, muss jedoch f&#252;r einen gesetzgeberischen Eingriff der Beweis erbracht werden, dass nur auf diese Weise journalistische Qualit&#228;t erreicht und erhalten werden kann, um den freien Meinungsbildungsprozess in der Demokratie zu sichern. Doch dieses kann man bestreiten, schlie&#223;lich k&#246;nnten sich Inhalteersteller am Ende des Disruptionsprozesses langfristig in anderen rechtlichen und organisatorischen Konstellationen wiederfinden und auf andere Art dasselbe Ergebnis erzielen. Wer also mit der Gef&#228;hrdung von Qualit&#228;tsjournalismus argumentiert, sollte dies mit Fakten f&#252;r das zu kurierende Symptom unterlegen; ein Umsatzeinbruch allein zeigt hingegen nur, dass die gegenw&#228;rtigen Gesch&#228;ftsmodelle oder schlicht deren Umsetzung mangelhaft und nicht marktkonform sind.</p>
<p>Wenn man all die obigen Argumentationsprobleme beiseite l&#228;sst, ist die L&#246;sung jedenfalls nicht ein Leistungsschutzrecht. Und zwar deswegen, weil es im kapitalistischen Wirtschaftssystem ein ganz normaler Vorgang ist, dass ein Unternehmen eine <strong>Wertsch&#246;pfung</strong> erzielt. Wir sehen hier das interne Unternehmenssystem nach Porter:</p>
<div id="attachment_28951" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/Wertkette_Porter1029_2.jpg"><img class="size-medium wp-image-28951" title="Wertkette_Porter1029_2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/Wertkette_Porter1029_2-300x180.jpg" alt="Wertsch&#246;pfung: Das interne Unternehmenssystem nach Porter" width="300" height="180" /></a><p class="wp-caption-text">Wertsch&#246;pfung: Das interne Unternehmenssystem nach Porter</p></div>
<p>In einer abstrakten <strong>Lieferkette</strong> sieht es so aus, dass dem wertsch&#246;pfenden Unternehmen Lieferanten vorgeschaltet sind, auch ein Klassiker-Diagramm in der Unternehmensstrategie:</p>
<div id="attachment_28950" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/A_companys_supply_chain_Wikipediade.jpg"><img class="size-medium wp-image-28950" title="A_company's_supply_chain_Wikipedia(de)" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/A_companys_supply_chain_Wikipediade-300x98.jpg" alt="Lieferkette" width="300" height="98" /></a><p class="wp-caption-text">Lieferkette</p></div>
<p>Wendet man dieses Strategie-Basismodell auf Zeitungsverlage konkret an, so sieht die <strong>Wertsch&#246;pfungskette bei Zeitungsverlagen</strong> in etwa so aus:</p>
<div id="attachment_28949" class="wp-caption aligncenter" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/wertschoepfungskette.jpg"><img class="size-medium wp-image-28949" title="wertschoepfungskette" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/wertschoepfungskette-300x117.jpg" alt="Wertsch&#246;pfungskette Zeitungsverlage" width="300" height="117" /></a><p class="wp-caption-text">Wertsch&#246;pfungskette Zeitungsverlage</p></div>
<p>Was also will das Leistungsschutzrecht sch&#252;tzen? Das Erreichen einer Wertsch&#246;pfung ist notwendige Bedingung f&#252;r den dauerhaften Erhalt eines Unternehmens in einer Marktwirtschaft. <strong>Was immer auch Verlage mit Leistungen von Autoren tun (Qualit&#228;tssicherung, Lektorat, publizistische B&#252;ndelung etc.), es ist das Wesen ihres Kerngesch&#228;ftes.</strong> Au&#223;erhalb der Medienbranche genie&#223;t kein Unternehmen rechtlichen (!) Schutz zum Erhalt seines Gesch&#228;ftes. Insbesondere dann nicht, wenn es seine Position nicht gegen Angreifer verteidigt, die in seine Dom&#228;ne eindringen, sondern stattdessen freiwillig die Voraussetzungen daf&#252;r schafft.</p>
<p>So ist beispielsweise unter Retailern die Situation nicht anders als bei Publishern. Suchmaschinen und Aggregatoren &#252;bernehmen den Abschnitt der Produktinformation im Kaufprozess, und zwar &#8211; siehe Google Squares &#8211; mit Hilfe semantischer Technologie weit mehr als bisher sichtbar, so k&#246;nnen Produkte beziehungsweise Produktattribute verglichen, sortiert, gefiltert und mit Inhalten verkn&#252;pft werden. Dies bedeutet seit 15 Jahren eine Ver&#228;nderung der Retailbranche und ist vor allem f&#252;r Vollsortimenter ein Problem, die wie publizistische General-Interest-Angebote &#8220;entb&#252;ndelt&#8221; werden und durch Preissuchmaschinen unter Druck geraten. Kein Verband und keine einzige F&#252;hrungskraft aus dem Retail-Markt ruft hier nach dem Gesetzgeber.</p>
<p>Wer Verlagen beistehen will, muss dies in einer marktwirtschaftlichen Ordnung auf andere Weise tun. Es gibt viele andere M&#246;glichkeiten (Steuern, Kulturabgaben, Subventionen, USt-Befreiung etc.), wenn man denn das Problem &#252;berhaupt so wie eingangs sieht und bewertet. Ein Leistungsschutzrecht aber ist systemwidrig.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.ibusiness.de/aktuell/db/259379SUR.html">iBusiness</a>.</em>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/28946/leistungsschutzrecht-ein-fremdkoerper-in-der-marktwirtschaft/">Leistungsschutzrecht: Ein Fremdk&#246;rper in der Marktwirtschaft</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/28946/leistungsschutzrecht-ein-fremdkoerper-in-der-marktwirtschaft/#comments">8 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28946&amp;md5=a942b803ce23c76c631f70d6c5279ff1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Facebook – Ein Sonderfall im &#214;kosystem des Internets?</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 12:06:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Zentralisierungstendenzen des Netzes zeigen sich bei Facebook besonders eindrucksvoll. Was ist das Unternehmen Facebook? Welche Stellung strebt es innerhalb seines &#214;kosystems an? Welche Vor- und Nachteile bietet diese geschlossene Kommunikationswelt den Nutzern wie den Partnerunternehmen? Kurz: Was ist der "Deal Facebook" - und warum lehne ich ihn ab?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/388615f48d6840a8a7d31a474a460993" alt="" width="1" height="1" />Die auf der f8-Konferenz von Facebook verk&#252;ndeten Neuerungen haben zu einer Welle von &#196;u&#223;e­rungen gef&#252;hrt (guter Einstieg bei Facebook <a href="http://blog.facebook.com/blog.php?post=384733792130">selbst</a>) und z.B. <a href="http://netzwertig.com/2010/04/21/massenphaenomen-die-drei-evolutionsstufen-sozialer-netzwerke/">bei</a> <a href="http://netzwertig.com/2010/04/21/f8-face­book-uebernimmt-das-netz/">netzwertig</a> und in der <a href="http://www.readwriteweb.com/archives/facebook_open_graph_the_definitive_guide_for_pub­lishers_users_and_competitors.php">U.S.-Fachpresse</a>. Diese Neuerungen &#8211; Details werden hier vorausgesetzt &#8211; sind wichtige und gute konzeptionelle Schritte f&#252;r Facebook und wohl auch f&#252;r die „n&#228;chste Generation  Internet“. Trotzdem: Nachdem es bereits etliche diskussionsw&#252;rdige Themen <a href="http://carta.info/25462/facebook-ein-zwischenruf/">gibt</a>, geht mir Facebook nun zu weit. <strong>Ich habe daher mein Facebook-Konto deaktiviert</strong>.</p>
<p>Der Ausl&#246;ser f&#252;r mich ist der Umgang mit Nutzerdaten – dies aber auch vor dem Hintergrund meiner pers&#246;nlichen Vorstellungen dar&#252;ber, wie erstens ein „fairer Deal“ mit Nutzerdaten aussehen sollte und wie sich die Plattform anschickt, zunehmend die Kontrolle &#252;ber die Daten sozialer Beziehungen zu gewinnen.</p>
<p>Doch von vorne: <strong>Was ist das Unternehmen Facebook, welche Stellung strebt es an, was ist daran kritisch und warum bringt mich der Daten­schutz-Komplex dazu, mein Facebook-Konto zu deaktivieren?</strong></p>
<blockquote><p><em><strong>Inhalt:</strong></em></p>
<p><em><a href="#Steroide">→ A: Facebook – Wachstum auf Steroiden</a></em></p>
<p><em><a href="#Druck">→ B: Facebook – Ein Unternehmen unter Druck</a></em></p>
<p><em><a href="#Protest">→ C: Der Protest gegen Facebook</a></em></p>
<p><em><a href="#Krieg">→ D: Facebook – Nummer vier im Krieg der Giganten</a></em></p>
<p><em><a href="#Spinne">→ E: Facebook – die Spinne im Web oder: das neue AOL?</a></em></p>
<p><em><a href="#Anlass">→ F: Der Anlass – Datenschutz und Privatsph&#228;re</a></em></p>
<p><em><a href="#Zusammenfassung">→ G: Zusammenfassung</a></em></p></blockquote>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Steroide">A: Facebook – Wachstum auf Steroiden</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Auf den ersten Blick ist Facebook einer unter mehreren Internet-Giganten. Facebook hatte Ende M&#228;rz gut 9,3 Millionen Unique User in Deutschland (anders <a href="http://faz-commu­nity.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2010/04/26/facebook-zieht-deutscher-konkurrenz-da­von.aspx">Netz&#246;konom</a>). Das sind etwas mehr als ein Viertel der Nutzer von google.de, rund 20% weniger als Yahoo und ungef&#228;hr das Niveau von MSN oder GMX. Die Facebook-Nutzerzahlen sind also hoch, der Ein­druck relativiert sich aber in Vergleich zu anderen Internetangeboten in Deutschland. Derartige Ver­gleiche nach Unique Usern sind recht valide, dennoch sollte man diese nicht mit der Anzahl regis­trierter Nutzer verwechseln, denn Unique User sind ein technischer Messwert, der aus mehr oder weniger repr&#228;sentativen Panels hochgerechnet wird. Aufgrund von Doppelmessungen, z.B. aufgrund von mobilen Endger&#228;ten, und nicht zuordenbaren IP-Adressen ist die tats&#228;chliche Anzahl von Nut­zern vermutlich um mindestens 10% niedriger als die gemeinhin verbreitete Nutzerzahl. Nur Face­book kennt sie genau.</p>
<p>Trotzdem gibt es viele Gr&#252;nde zu der Annahme, dass <strong>Facebook auf dem Weg zur „Nummer  1“</strong> ist:</p>
<p>Das Wachstum von Facebook ist rasant. Nach den konservativen unter den externen Hochrechnun­gen w&#228;chst Facebook in Deutschland monatlich um mindestens 500.000 Unique User. Nach dem Autor vorliegenden Analysen betragen die Unique User Ende Januar  7.783.356, Ende Februar  8.153.324 und Ende M&#228;rz 9.388.632, d.h. das durchschnittliche monatliche Wachstum betr&#228;gt sogar rund 800.000 Unique User (Hochrechnung aus repr&#228;sentativem Panel, ohne Corporate Intranets, ohne facebook.de., was getrennt gemessen mit 200.000 Unique User zu Buche schl&#228;gt). Wie viele User wird Facebook in Deutschland erreichen? Es ist nicht abzusehen, wann dieses Wachstum verflacht oder ein Ende nimmt. Unterstellt man ein linea­res Wachstum, w&#252;rde Facebook Ende 2012 Googles heutige Nutzerzahl erreichen.</p>
<p>Facebook hat, indem es Nutzerprofile und soziale Graphen zum Zentrum erhebt, eine Sonderrolle, strukturell nur mit anderen sozialen Netzwerken vergleichbar. Durch die Verkn&#252;pfungen mit anderen Nutzern, Inhalten, Mails, Seiten, Anwendungen und anderem ist die <strong>faktische Bindung der Nutzer an die Plattform so hoch, dass Facebook als Marktf&#252;hrer eine kaum angreifbare Stellung erreicht.</strong> Anders als bei einer Suchmaschine, deren Wechsel f&#252;r einige Monate nur zum Verlust der verschmerzbaren letzten Prozente von Suchergebnisqualit&#228;t f&#252;hrt, ist bei einem sozialen Netzwerk ein Plattformwechsel nur unter Aufgabe und faktisch der Neueingabe s&#228;mtlicher Daten mit Nutzerbezug m&#246;glich, soweit das Netzwerk nicht die „Mitnahme“ von Daten in andere Netzwerke &#252;ber offene Schnittstellen unter­st&#252;tzt. Entgegen dem ersten Eindruck sind E-Mail-Dienste wie GMail, GMX oder web.de demgegen­&#252;ber weniger bindend, denn der Datentransfer erfolgt bei diesen &#252;ber offene Protokollstandards (POP3, IMAP), offene Formate (Mail, Kontaktexport etc.) und Mailserver Dritter.</p>
<p>Vereinfacht gesagt: es macht Arbeit, seine Mails und Kontakte von GMX zu transferieren, bei sozialen Netzwerken ist es aber schlicht f&#252;r Endnutzer nicht m&#246;glich, seine Daten aus dem „Silo“ herauszuholen – <a href="http://mrtopf.de/blog/de/ein-blick-in-die-neuen-entwickler-agbs-von-facebook/">anders even­tuell f&#252;r Entwickler</a> mit der neuen Facebook-API.</p>
<p>Es ist auff&#228;llig, dass Facebook inzwischen deutsche soziale Netzwerke an Nutzerzahl deutlich &#252;berholt hat: Facebook hat fast die doppelte bzw. dreifache Zahl an Unique Usern vergleichbarer Netzwerke wie StudiVZ bzw. Sch&#252;lerVZ. Wie kann es dazu kommen, wenn – wie eben behauptet – die Nutzer­bindung an soziale Netzwerke besonders hoch ist? Mein Eindruck ist, dass es in erster Linie die At­traktivit&#228;t des Produktes Facebook selbst sein muss, die Nutzerw&#252;nsche besser erf&#252;llt als andere Anbieter: Eigene Features, die Integration von anderen Anwendungen (von Farmville bis Twitter), Usability und Performance des Systems sind beachtlich. Dies ist kein Zufall, son­dern ist meines Erachtens erstens auf striktere „Produktdenke“ und zweitens bessere Finanzierung, Personalverf&#252;gbarkeit und Technologiezugriff in der Infrastruktur von U.S.-Firmen (Clusterbildung) zur&#252;ckzuf&#252;hren.</p>
<p>In zweiter Linie kommen aber folgende Turbo-Effekte hinzu, welche Facebook ge­st&#228;rkt haben und weiterhin st&#228;rken werden:</p>
<ol>
<li>Facebook fungiert nicht nur als Netzwerk, sondern als <strong>Plattform </strong>f&#252;r Drittanbieter. Spiele, wie wir sie von Zynga kennen (Farmville, Fishville, Mafia Wars) ken­nen, sind erst der Anfang einer Viralit&#228;t. Ein Indiz hierf&#252;r ist, dass Facebook-Investoren zugleich in Massive Multiplayer-Games investiert haben, die vermutlich als n&#228;chstes auf die Plattform gehoben werden. Ob diese Viralit&#228;t Ausdruck <a href="http://mediacommons.futureofthebook.org/content/cultivated-play-farmville">sozialen Handelns oder von Soziopathie</a> ist, sei dahingestellt.</li>
<li>Das <strong>&#214;kosystem </strong>um Facebook herum f&#252;hrt weiterhin Nutzer zu: Unternehmen , Verlagsange­bote und Fanseiten aller Art steigern den Traffic auf Facebook deutlich, und zwar nicht nur innerhalb Facebooks, sondern auch &#252;ber Links aus externen Angeboten und den alten „Tei­len“-Button. Das ist im Sinne eines nachfrageorientierten Handelns nach dem Mantra vieler Social-Media-Berater auch nicht a priori falsch. Ob es aber langfristig klug ist, solange die Kundendaten Facebook geh&#246;ren, Facebook die Nutzungsbedingungen vorgibt und die Kostenfreiheit f&#252;r die Zukunft nicht garantiert, steht auf einem anderen Blatt.</li>
<li>Facebook beginnt als prim&#228;rer Dienst f&#252;r E-Mails genutzt zu werden, was nicht nur die <strong>Nutzungsfrequenz und -dauer</strong> erh&#246;ht, sondern eine „Facebook-Mailadresse“ zum Standard werden l&#228;sst (<a href="http://www.businessinsider.com/chart-of-the-day-social-networ­king-vs-email-usage-2010-4">Chart</a>)</li>
<li>Facebook ist klare Nummer eins unter allen <strong>Sharing-Diensten</strong> (<a href="http://techcrunch.com/2010/02/16/facebook-44-percent-social-sharing/">Zahlen f&#252;r die USA</a>)</li>
<li>Diese starke Stellung f&#252;hrt zus&#228;tzlich aufgrund der Position als Nummer 1 zu einer Art „Mat­th&#228;us-Effekt“, der schon von eBay bekannt ist: <strong>wer hat, dem wird gegeben</strong>. Der „Marktplatz der Personen“ ist dort, wo er ist. Je mehr die Nutzung der Plattform w&#228;chst, desto attraktiver wird die Plattform – und die H&#252;rden f&#252;r Wettbewerber steigen.</li>
</ol>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Folgende Turbo-Effekte werden Facebook k&#252;nftig zus&#228;tzlich st&#228;rken:</p>
<ol>
<li>Facebook beginnt, sich als Plattform f&#252;r <strong>eCommerce</strong> zu entwickeln (Ein „hei&#223;es Startup“ ist Payvment.com, inklusive Paypal-Integration, <a href="http://www.web-ideas.de/e-commerce/gratis-onlineshop-auf-facebook/">Beispielbericht</a>).</li>
<li>Facebook wird aller Voraussicht nach das <strong>Mail-Modul</strong> deutlich verbessern (<a href="http://techcrunch.com/2010/02/05/facebooks-pro­ject-titan-a-full-featured-webmail-product/">Projekt „Titan“</a>, mit Integration externer Mailacounts und extern nutzbar unter einer Vanity-URL, z.B. christophkappes@facebook.com, Ger&#252;chten zufolge sogar mit einer Whitelist-Funk­tion, welche <a href="http://www.marketingvox.com/is-facebooks-project-titan-really-the-end-of-email-marketing-046595/">Dritte ausschlie&#223;en</a> kann)</li>
<li>Facebook wird Geolocation-Dienste einf&#252;hren, experimentiert mit physischen <a href="http://news.cnet.com/8301-13577_3-20003086-36.html">„Tokens“ zum Check-In</a>, verschickt Aufkleber an Gewerbetreibende mit <a href="http://mashable.com/2010/04/27/facebook-window-decals/">SMS-„Like-it“</a> an Facebook und stellt so die <strong>Verbin­dung zur Offline-Welt</strong> her.</li>
<li>Facebook geht nun mit der neuen „Gef&#228;llt-mir“-Funktion zus&#228;tzlich zum altbekannten Link-Sha­ring den n&#228;chsten Schritt in Richtung <strong>Content-Aggregation</strong> innerhalb der Facebook-Plattform (was au&#223;erhalb erscheint, ist technischer Bestandteil von Facebook). Damit aggregiert es aber nicht nur Content, sondern wird als funktionales Element in verschiedensten Web-Anwendungen pr&#228;sent. Je weiter die Verbreitung fortschreitet, desto mehr werden Nutzer diese Funktion als Teil ihres Surf-Verhaltens erleben und zur Content-Aggregation in Facebook beitragen.</li>
<li>Die neuen  <strong>„Community-Pages“</strong> enthalten zun&#228;chst <a href="http://blog.facebook.com/blog.php?post=382978412130">Wikipedia-Inhalte</a>. Das kann man als Angriff auf die Wi­kipedia sehen. Facebook hat jedoch angek&#252;ndigt, <a href="http://www.v3.co.uk/v3/news/2261662/facebook-adds-wikipedia-updates">eigene Inhalte auf Community-Pages</a> zu platzieren.  Es ist daher wahrscheinlicher, dass Facebook hier den Erfolg der Content-Farmen Demandmedia bzw. Answers.com nachahmt , um erstens die Nutzungsdauer auf der Plattform zu erh&#246;hen, zweitens struktu­rierte Nutzerdaten zu gewinnen und drittens –  Community- Seiten sind &#246;ffentlich – k&#252;nftig Traffic von au&#223;en nicht nur &#252;ber Profilseiten und Statusmeldungen, sondern auch &#252;ber gut verlinkte „hilf­reiche Inhalte“ zu bekommen.</li>
</ol>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Ergebnis: <strong>Facebook w&#228;chst rasant, kann schon &#252;bern&#228;chstes Jahr Google an Nutzung &#252;berholen und be­schr&#228;nkt sich nicht auf die hergebrachten Grundfunktionen sozialer Netzwerke</strong>.</p>
<p>Die folgenden Anmerkungen betreffen das Unternehmen selbst, seine Rolle im Web und seinen Umgang mit Datenschutz. Ein Vergleich mit Google ist methodisch nicht ganz sauber, solange nicht klar ist, was beide Unternehmen vergleichbar macht. Wo ich dennoch vergleiche, dann um das Thema Facebook besser zu durchdringen.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Druck">B: Facebook – Ein Unternehmen unter Druck</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Facebook ist genauso wenig ein soziales Netzwerk, wie Google eine Suchmaschine ist. Es handelt sich vom Gesch&#228;ftsmodell her gesehen um einen Werbeplayer wie Google, der kostenlose Dienste anbie­tet, um mit Werbung Geld zu verdienen. Die gilt allerdings, und das ist der erste Unterschied zu Google, nur hinsichtlich der bisher bekannt gewordenen Umsatzstr&#246;me. Werden Unternehmens-Fanpages kostenpflichtig werden oder wird die Einbindung eines „Gef&#228;llt-mir“-Buttons eines Tages Geld kosten? Je nachdem, wie das Preismodell aussehen wird, das Facebook seinen Partnern vor­schlagen wird, kann es auch zu Umsatzbeteiligungen kommen, die aus Partnersicht faktisch „Ein­trittsgeb&#252;hren“ sind.  Dies gilt selbstverst&#228;ndlich nicht nur f&#252;r Facebook, sondern z.B. auch f&#252;r Apples iTunes-Plattform und die Suchergebnisseite von Google, auf der man sich als Werbetreibender „ein­kaufen“ kann.</p>
<p>Facebook spielt, rein wirtschaftlich gesehen, bei weitem nicht in der Liga der anderen gro&#223;en Player. Die Sicht auf „die gr&#246;&#223;te Internet-Nation der Welt“ versperrt den Blick daf&#252;r, dass <strong>Facebooks Finanz­daten noch nicht erfreulich</strong> sind: Das Unternehmen ist im siebten Jahr seiner Existenz nach eigenen Angaben erst seit einem halben Jahr cash-flow-positiv. Rechnet man kalkulatorisch Zinsen auf das Finanzierungsvolumen von mindestens 750 Millionen US-Dollar hinzu, so wird deutlich, dass Face­book nach normalen Grunds&#228;tzen kein profitables Unternehmen ist. Was umgekehrt die nachhaltige Renditeerwartung von Investoren angeht, kann man lange spekulieren: egal ob das Unternehmen aber, wie noch vor einem halben Jahr, mit gut 10 Mrd. US-Dollar oder wie nun auf speziellen B&#246;rsen f&#252;r nicht b&#246;rsennotierte Unternehmen mit 20 oder gar 30 Mrd. US-Dollar bewertet wird, bald wird es einige Milliarden US-Dollar Jahresgewinn ausweisen m&#252;ssen, wenn es kein &#252;berbewertetes Spekula­tionsobjekt sein soll.</p>
<p>Im Ergebnis bedeutet dies, dass Facebook aus binnen-kaufm&#228;nnischer Sicht von Management und Investoren <strong>von einem „papiernen Nichts“ zu einem Big Player</strong> werden muss. Kurz­fristig kann dieses Missverh&#228;ltnis zwischen Nutzung und Gewinn nicht aufgel&#246;st werden, weil der Aufbau eines milliardenschweren Erl&#246;sstroms aus Werbung wie bei Google Jahre dauern wird: Google hat drei Jahre gebraucht, um nach der Einf&#252;hrung von AdSense und AdWords den ersten Milliardengewinn im Gesch&#228;ftsjahr 2005 auszuweisen.</p>
<p>So sehr Facebook auch wirtschaftlich unter Druck steht, an Finanzkraft mangelt es Facebook nicht. Zwar verf&#252;gt Facebook nicht &#252;ber eigene Liquidit&#228;t zwischen 20 und 40 Mrd. US-Dollar wie die Platz­hirschen Apple, Google, Intel und Microsoft. Facebook ist aber „nach hinten“ &#252;ber Microsoft, diverse starke VCs sowie ein bisher in Deutschland nicht er&#246;rtertes <strong>Investorenkonglomerat </strong>von DST (Russ­land), Tecent (China) und indirekt auch Naspers (S&#252;dafrika) abgesichert, die sowohl in den Spiele­hersteller Zynga als auch in diverse sozialen Netzwerken, Portalen, Massive Multiplayer-Games und Chat-Plattformen investiert haben und dort jeweils erhebliche Gesch&#228;ftsanteile <a href="http://venturebeatprofiles.com/company/profile/facebook?search=simple">besitzen</a>.</p>
<p>Im Unterschied zu Google ist Facebook <strong>kein b&#246;rsennotiertes Unternehmen</strong> und folgt vergleichbaren Transparenzbestimmungen auch nicht; ganz verl&#228;ssliche Fakten zur Aktion&#228;rsstruktur und zu Finanzdaten sind nicht bekannt. Und: Facebook ist &#8211; im Unterschied zu Google &#8211; kein profitables Unternehmen, sondern steht unter erheblichem Zahlendruck. Die „Internet-Nation“ Facebook ist das <strong>„Griechenland der In­ternet-Giganten“</strong>, das von nicht-&#246;ffentlich agierenden Investoren finanziert ist.  Sie zeichnen jedoch gern neue Anleihen, solange die Gewinnerwartung stimmt.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Protest">C: Der Protest gegen Facebook</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Das Gewinnproblem von Facebook l&#246;st sich kurzfristig nur mit einem Bezahlmodell und erst mittelfristig kommerzieller Werbung, da Facebook au&#223;er der Weiterentwicklung hochkomplexer Software auch den Werbemarkt weiter erschlie&#223;en und zus&#228;tzlich die Nutzerakzeptanz entwickeln mu&#223;. Dieser Zeithorizont mag Nutzern und Kooperationspartnern „an sich“ egal sein. Es erkl&#228;rt aber die Vorgehensweise des Unternehmens, das darauf abzielen muss, mit jedem Nutzer in irgendeiner Weise ein paar Dollar Gewinn im Jahr und ein Vielfaches an Umsatz zu erzeugen, und sich von nationalen Datensch&#252;tzern, Ministern und MdBs auf seinem Weg schwerlich beeindrucken l&#228;sst: <strong>ein Abfluss an Nutzern schadet zun&#228;chst nicht, sondern spart Kosten, solange mit  verbleiben­den Nutzern Gewinne erzielt werden k&#246;nnen</strong>.</p>
<p>Politiker, die mit dem Handeln von Facebook nicht einverstanden sind, k&#246;nnen vor diesem Hinter­grund letztlich nur mit hoheitlicher Grenzsetzung agieren, sieht man von den Alternativen der &#246;ffent­lichen F&#246;rderung, von Aktien in staatlicher Hand, der F&#246;rderung von Wettbewerbern, einer Plattform der „Stiftung Datenschutz“ und der F&#246;rderung offener Standards einmal ab.</p>
<p>Nutzer m&#252;ssen die Vor- und Nachteile der Facebook-Nutzung gegeneinander abw&#228;gen. F&#252;r viele, die z.B. mit Freunden in der Ferne kommunizieren, mag der Nutzensaldo positiv sein. Andere, die zu ei­nem negativen Saldo kommen, sollten bedenken, was der Beitritt in eine Facebook-Protest-Gruppe bewirken kann: Gemessen am monatlichen Mitgliederzuwachs sind 70.000 Personen in Protest­gruppen (<a href="http://www.facebook.com/group.php?gid=106150219424653">Aigner-Initiative</a>, <a href="http://www.facebook.com/group.php?gid=112043458820354">partei&#252;ber­greifende Initiative</a>) sehr wenig, sie verringern den monatlichen Zuwachs um 10%. Sie sind auch absolut nur 1% der Facebook-Population, also <strong>eine 1%-Partei</strong>. Dies entspricht nicht ganz der Wahrnehmung <a href="http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag46690_res-.html">mancher Medien</a> und ihr Erfolg ist <a href="http://meiseonlinestrategie.posterous.com/datenschutz-debatte-uber-facebook-beruhigt-si">verg&#228;nglich</a>, wenn nicht gar kontraproduktiv, da die Abrufzahlen dadurch steigen.</p>
<p>Wahr­scheinlich haben die deutschen Akteure bei dem Versuch, die Facebook-Bestandskunden zu mobili­sieren, sogar Neukunden f&#252;r Facebook generiert.<strong> Der Beitritt in eine Facebook-Protest-Gruppe ist also so klug wie der Einkauf von Waschmittel im Supermarkt, um sich nach dem Bezahlen bei der Kassiererin wegen der &#246;kologischen Unvertr&#228;glichkeit der Verpackung zu beschweren.</strong> Was bleibt, ist die Deakti­vierung oder das L&#246;schen des Kontos und der (ggf. virale) Protest au&#223;erhalb von Facebook – nicht anders als bei Konsumg&#252;tern auch.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Krieg">D: Facebook: Nummer vier im Krieg der Giganten</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Es gibt in der Fachwelt eine Vielzahl von Ver&#246;ffentlichungen &#252;ber die Schaupl&#228;tze des Kampfes zwi­schen Google, Apple, Microsoft und Facebook. Einige Analysen davon sind methodisch angreifbar, in summa ist aber eine Verschiebung des Nutzungsverhaltens in Richtung Facebook bewiesen: etwa &#252;ber die Anzahl der Besuche im Vergleich zu Google, die Nutzung von Facebook als Suchmaschine, den Anteil von Facebook als Mail-Dienst und die Stellung als Traffic-Verteiler &#252;ber Sharing von Inhalten anderer Websites. Die Verschiebung des Nutzungsverhaltens ist ein Indiz daf&#252;r, dass es nicht mehr richtig ist, von einem „<a href="http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2010-04/google-apple-microsoft">Dreikampf</a>“ zu sprechen, viel­mehr ist Facebook der vierte im Bunde. All diese Nutzungsdaten sind wichtig f&#252;r Online-Anbieter, sie zeigen jedoch nicht die darunter liegende wirtschaftliche Konfliktsituation auf: Googles Umsatz be­steht zu 97% aus Werbeums&#228;tzen und wird dabei nun einerseits von Apple mit iAd auf dem Mobile- und dem Home-Segment aus einer starken Stellung heraus angegriffen und andererseits auch von Facebook.</p>
<p>Die Logik des Werbemarktes ist jedoch nicht so, dass alle Werbeplatzanbieter profitieren, weil Wer­beums&#228;tze insgesamt steigen. Vielmehr findet eine Verschiebung von Offline zu Online und innerhalb der Online-Gruppe zwischen den Anbietern und Kan&#228;len statt. Dies bedeutet aus einer wirtschaftli­chen Perspektive: <strong>Wenn Apple und Facebook erfolgreich sind, wird Google Federn lassen m&#252;ssen</strong>, es sei denn die Verschiebung der Werbeums&#228;tze von Offline zu Online f&#228;ngt das wieder auf. Dabei darf man nicht den Fehler machen, auf die Player nur wie ein Zuschauer eines Rugby-Spiels zu sehen, denn es kann auch au&#223;erhalb des Spielfeldes zu Verletzungen kommen, die sich derzeit nicht absehen lassen: Werden die Preise f&#252;r Werbepl&#228;tze nochmals stark nachgeben, weil Apple und Facebook mehr Werbepl&#228;tze bereitstellen, und – wenn ja – welche Konsequenzen wird dies f&#252;r andere werbe­finanzierte Anbieter wie Verlage haben? Wird – unter den vorgenannten Annahmen – der Gewinn von Google in einigen Jahren einbrechen und wie wird Google dann agieren? Wird Facebook sein Werbesystem wie Google auch f&#252;r Werbung auf Drittseiten nutzen? Welche Konsequenzen h&#228;tte es, wenn sich zwar Android auf dem Mobile-Markt durchsetzt, jedoch Facebook die meistgenutzte Plattform wird? Bleibt Google am Ende gar keine Alternative als Facebook zu &#252;bernehmen oder &#252;ber signifikante Beteiligung zum Partner zu machen, w&#228;re das kartellrechtlich zul&#228;ssig und welche Konse­quenzen h&#228;tte dieses? Profitieren Inhalteanbieter am Ende doch, weil sie den drei Technologieanbie­tern zwar unterlegen sind und die Kontrolle &#252;ber den Werbekanal verlieren, aber die Anbieter preis­lich gegeneinander ausspielen k&#246;nnen?</p>
<p>All dies bietet <strong>viel Raum f&#252;r Spekulation</strong>. Werbetreibende, Online-Dienste, Inhalteanbieter, Wirt­schaftspolitiker und Datensch&#252;tzer sollten ein Auge darauf haben, was die Konflikte wirtschaftlich bedeuten und welche Konsequenzen das hat, damit sie rechtzeitig ihre Interessen sichern.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Spinne">E: Facebook – die Spinne im Web oder: das neue AOL?</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Wie oben unter A. skizziert, ist die strategische Entwicklung von Facebook mehrdimensional:</p>
<ol>
<li>Das Produkt selbst wird von Facebook funktional ausgedehnt, beispielsweise in den Mail-Bereich (s.o., Pro­jekt „Titan“), aber auch in die Offline-Welt (s.o. A., Geolocation, Tokens und Aufkleber).</li>
<li>Die Plattformarchitektur, bisher vorwiegend von Spieleanbietern genutzt, wird f&#252;r weitere verti­kale Anwendungen Dritter  wie eCommerce und Online-Office <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Microsoft-startet-Online-Office-in-Facebook-984000.html">ausgebaut</a>.</li>
<li>Facebook enth&#228;lt neuerdings Inhalte, bietet Inhalteaggregation an und kann durch die Kombina­tion aus „Gef&#228;llt-mir“-Wertungen, „Shared-Links“ und strukturierten Interessen (sog. „Connections“), sozialen Graphen sowie den entsprechenden Aktivit&#228;ten der „Freunde“ einen <strong>vollpersonalisierten Nachrichtenstrom</strong> erzeugen, der aufgrund der hohen Verbreitung des personalisierten Facebook-Dienstes jeden bisherigen Aggregator in den Schatten stellt.</li>
<li>Es ist anzunehmen, dass es nicht beim Nebeneinander von Facebook und Bing bleibt, die bis­her nur Logo-Partner sind. Der soziale Graph von Facebook, an Bing &#252;bergeben, w&#252;rde einer­seits zur Verbesserung der Suchergebnisse von Bing <a href="http://searchengineland.com/facebooks-alternative-internet-vision-and-its-search-implications-40420">f&#252;hren</a>. Andererseits w&#252;rde eine Facebook-Integration der Suchmaschine erheb­lich h&#246;here Reichweite bescheren, allein das bisherige Suchaufkommen innerhalb Facebooks sind knapp 3% des <a href="http://www.insidefacebook.com/2010/04/10/facebooks-search-traffic-continues-to-grow/">Suchmarktes</a> in den USA. Au&#223;erdem w&#252;rde es die Verweildauer der Nutzer auf der Plattform weiter erh&#246;hen. Was sollte beide Partner daran hindern, hier eine Win-Win-Situation einzugehen?</li>
<li>Facebook bietet erstens <a href="http://www.thomashutter.com/index.php/2010/04/facebook-whitepaper-moglichkeiten-facebook-insights-fur-fanpages/">Analyse-Tools f&#252;r Anbieter</a> und kann zweitens die Nutzung externer Websites analysie­ren.</li>
<li>Facebook kann <strong>Bewegungsprofile </strong>von Nutzern erstellen, die zus&#228;tzlich tiefe Einblicke in die Nutzung fremder Websites bieten und die – im Unterschied zu Google Analytics und der Suchmaschine  – explizit erfolgen und eindeutig Personenidentit&#228;ten zugeordnet werden k&#246;nnen.</li>
</ol>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Es ist nicht leicht, diese Entwicklung nach wenigen Tagen zu bewerten, ohne sich beim deskriptiven Teil aufzuhalten. Hier ein Versuch:</p>
<ol>
<li>F&#252;r Endnutzer haben die Neuerungen der f8-Konferenz <strong>hohen Nutzwert</strong>. Die Informations­selektion &#252;ber den sozialen Graphen ist sinnvoll, um „Information Overload“ zu begegnen, und auch die Information, welche Personen aus dem eigenen Umfeld eine Webseite explizit gut finden, sollte jedermann bei der Orientierung helfen, um online wie offline Gespr&#228;che in dem Wissen zu f&#252;hren, was generell oder in seinem Umfeld „common sense“ ist und was nicht. Auch wenn sich <strong>neue konzeptionelle Probleme</strong> wie selektive Wahrnehmung, Fragmen­tierung der Diskurse, explodierende Datenmengen sowie generell Quantit&#228;t statt Qualit&#228;t anbahnen, so werden sich diese Probleme in den n&#228;chsten Jahren durch verbesserte Verfahren und menschliches Zutun hoffentlich l&#246;sen lassen. Zus&#228;tzlichen Nutzen bietet die Personalisierung vieler anderer Websites sowie die Gewinnung semanti­scher Daten. Auch gegen personalisierte Werbung ist prinzipiell nichts einzuwenden, weil sie im Nutzungskontext eher als unpersonalisierte Werbung den Nutzerinteressen entspricht und zum Teil auch als informativ empfunden wird.</li>
<li>F&#252;r Partner von Facebook entstehen <strong>Lock-In-Effekte</strong> mit erheblichen Konsequenzen.  Vom Ein­satz des iFrames profitiert langfristig nur Facebook, nicht aber die beteiligten Partner-Websites. Denn erstens ist es mittelfristig ein Nullsummenspiel, wenn alle diesen iFrame ein­setzen, sofern das Trafficvolumen dadurch insgesamt nicht steigt &#8211; einen Vorteil haben nur „First Mover“. Zweitens decken alle Website-Betreiber nach einiger Nutzungsdauer die Iden­tit&#228;t ihrer eigenen Kunden an Facebook auf: Facebook hat die Klarnamen, IDs, Fotos etc. von mindestens 10% der Nutzer der Partner-Websites. Das ist schon deswegen problematisch, weil kaum ein Inhalteanbieter dieses wichtige Asset der Kundendaten &#252;berhaupt selbst bis­her hatte (Ausnahme sind registrierte User). Ergebnis: Der Gewinn von allenfalls einer leichten Traffic-Erh&#246;hung, „gewonnen“ aber durch Verschenken der Kundendaten an Facebook.</li>
<li>Falls Partner auf die Idee kommen, ihre Werbepl&#228;tze durch Facebook vermarkten zu lassen, wird die Nutzung dieser Daten f&#252;r personalisierte Werbung die Werbeeinnahmen der Part­ner nicht erh&#246;hen, sondern nur die Performance der Werbemittel verbessern, solange Wer­bebudgets nicht steigen. Umgekehrt werden sie Facebook f&#252;r den Vorteil, der Werbetrei­benden entsteht, ein St&#252;ck vom Kuchen abgeben m&#252;ssen. <strong>Im Ergebnis sinken die Werbeein­nahmen der Partner.</strong> Hinzu kommt, dass Facebook &#8211; das ist das Wesen personalisierter Wer­bung &#8211; Wettbewerbsangebote ausliefern k&#246;nnte. Schlie&#223;lich gewinnt Facebook ausreichend Nutzerdaten, um eine repr&#228;sentative Nutzergruppe f&#252;r jede teilnehmende Website zu er­stellen und die gewonnen Erkenntnisse Wettbewerbern zu verkaufen oder selbst in Wettbe­werb zu treten.</li>
<li>Partner, die von Inhalten leben, sollten einen Blick auf die Nutzungsbestimmungen von Face­book werfen. W&#228;hrend der Erstellung dieses Artikels waren sie zum Teil nicht aufrufbar. F&#252;r den Teilen-Button hei&#223;t es aber aktuell unter Ziffer 8.: „Du erteilst uns und anderen Nutzern die Erlaubnis, derartige Links und Inhalte auf Facebook zu verwenden.“ Dies kann man so le­sen, dass Partner durch die Einbindung die Zustimmung zur vollst&#228;ndigen Einbindung ihrer Inhalte erteilen. Schon mit Google Buzz kann man Bilder von Inhalteseiten „remixen“.</li>
</ol>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Wenn Nutzer &#8211; das Datenschutzthema einmal ausgeklammert &#8211; also profitieren, warum stehe ich den Neuerungen dann kritisch gegen&#252;ber?</p>
<ol>
<li>Die Neuerungen Facebooks sind nur hinsichtlich der Protokolle und Datenstrukturen “open”. Solange Facebook der einzige Beh&#228;lter mit Userdaten ist, wird ein Datensilo gef&#252;llt, das unter Kontrolle von Facebook ist: der „Gef&#228;llt mir“-Button liefert Daten nur an <a href="http://mashable.com/2010/04/26/facebook-openness-debate/">Facebook</a>. Das ist ein kluger Schachzug und das gute Recht von Facebook, f&#252;r Wettbewerb und Unabh&#228;ngigkeit aller anderen Beteiligten im &#214;kosystem langfristig aber eher hinderlich. F&#252;r alle anderen im &#214;kosystem <strong>besser sind dezentrale Strukturen</strong>.</li>
<li>Mit Facebook entsteht im Web ein m&#246;glicher „<a href="http://factoryjoe.com/blog/2010/04/22/understanding-the-open-graph-protocol/">single point of failure</a>“, demgegen&#252;ber <strong>besser sind redundante Strukturen</strong>.</li>
<li>Facebook hat bisher keine formalisierte Zusammen­arbeit mit Spezifikationspartnern belegt. Was, wenn Facebook die Spezifikation oder die Nutzungsbestimmungen &#228;ndert? Sicher, auch im Falle anderer Standards wie HTML5 wird diskutiert, wer diese faktisch beeinflusst und warum; auch entstehen die meisten Technolo­gie-Standards durch faktische Implementierung. F&#252;r alle anderen im &#214;kosystem <strong>besser ist  aber ein Konsor­tium</strong>, das strukturiert organisiert ist und firmen&#252;bergreifend <strong>standardisiert</strong>.</li>
<li>Mit der strukturierten Erfassung von URLs, der „first Generation API“ des Internets, baut Facebook zus&#228;tzlich zu Nutzerdaten einen wertvollen Datenbestand auf, der – so verstehe ich es jedenfalls bisher – nur Facebook geh&#246;rt. Dieser Punkt bedarf im Hinblick auf die Zukunft des Semantic Web vertiefender Betrachtung an anderer Stelle. Die Idee von Tim Barners-Lee war es jedenfalls nicht, wie Facebook das nun umsetzt.</li>
<li>Facebook f&#252;hrt ein modifiziertes Modell des „fair use“ von Daten ein. Mit den neuen Nutzungs­bestimmungen darf Facebook die &#246;ffentlichen Nutzerdaten inklusive sozialem Graphen nicht nur an die benannten Partner, sondern auch an beliebige Partner wie Bing weiter­geben, die sich ihrerseits gegen&#252;ber Facebook zur Einhaltung von Datenschutzbestimmungen verpflichten. Aktuell nennt Facebook die Partner Microsoft Docs.com, Pandora und Yelp, welche diese Daten ohne Opt-In nutzen <a href="http://blog.facebook.com/blog.php?post=384733792130">d&#252;rfen</a>. Aus User-Sicht mag es ein Gesch&#228;ft auf Gegenseitigkeit sein, sofern sie ein Part­nerangebot nutzen, weil sie dann als Gegenleistung z.B. bessere Suchergebnisse bekommen, so handhabt es auch Google. Wer diese Partner-Dienste aber nicht nutzt, hat keinen Vorteil von der Datenweitergabe. Der Deal, den Facebook formuliert, ist nicht mehr „Ich, Facebook, gebe, damit Du gibst, damit ich (mit Werbung Dritter) verdiene“, sondern <strong>„Ich gebe, damit Du gibst, und dann sehe ich weiter“</strong>. So war es schon bei den Lizenzvertr&#228;gen von Facebook und Twitter mit Google und Bing, nur dass die lizensierten Statusmeldungen und Tweets am Ende immerhin wieder der Allgemeinheit zur Verf&#252;gung standen und so auch dem urspr&#252;ng­lichen Nutzer n&#252;tzten. Nun, mit der neuen API und den neuen Nutzungsbestimmungen, geht Facebook einen Schritt weiter, denn die Datenweitergabe n&#252;tzt zun&#228;chst nur Facebook, ohne dass der urspr&#252;ngliche Nutzer zwingend Vorteile h&#228;tte. Dagegen ist moralisch nichts einzu­wenden. Es sollte nur nicht wundern, wenn Nutzer mit der <strong>neuen Verteilungsgerechtigkeit</strong> nicht mehr einverstanden sind. F&#252;r diese Argumentation braucht es nicht einmal des Rufes „Meine Daten geh&#246;ren mir!“, denn bei aller Skepsis zu Post-Privacy-Thesen muss man im­merhin anerkennen, dass Daten, die in der Zweierbeziehung Facebook-Nutzer entstehen, Fa­cebook grunds&#228;tzlich genauso zustehen k&#246;nnten wie amazon die Kaufhistorie oder BMW die Daten an Service-F&#228;llen. Nein, es geht nicht um Herrschaft &#252;ber Daten, sondern es geht allein um „fair use“, ein ausgewogenes Verh&#228;ltnis des Nutzens beider Seiten. „Meine Daten“ gibt es nur an Microsoft, wenn ich Microsofts Anwendung nutze, und nur an Google, wenn ich einen Google-Dienst nutze. Mein Ver­trauen gebe ich nicht pauschal an den Mittler Facebook, der es nach freiem Ermessen wei­tergeben kann.</li>
<li>Eine Plattform, die den sozialen Graphen kontrolliert, sich als zentrales Traffic-Hub positio­niert und sich dabei anschickt, einen zus&#228;tzlichen Layer in das Internet einzuf&#252;hren, ist ein <strong>strategisches Risiko f&#252;r alle Anbieter</strong>, die auf demselben Layer auf das Hub angewiesen sind oder gar auf diesen Layer aufsetzen. Ersteres mag in Deutschland auch bez&#252;glich Google ge­geben sein, es ist jedoch kl&#252;ger, aus dieser Geschichte zu lernen. Dies gilt jedenfalls solange, wie Facebook nicht wenigstens ein Minimum an Transparenz – etwa vergleichbar mit Google erreicht, bei­spielsweise bei der Suchrelevanz, beim Ranking der Kriterien f&#252;r die Inhalte-Aggregation und bei empfohlenen Seiten.</li>
</ol>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Zusamenfassend und pointiert formuliert: <strong>Facebook w&#228;chst nicht nur rasant, sondern dehnt sich funktional in alle Richtungen aus und besetzt dabei mit dem sozialen Graphen und semantischen Daten einen zentralen Platz des k&#252;nftigen Internets. Das ist das gute Recht von Facebook. Ob es aber den Beteiligten des &#214;kosystems n&#252;tzt, ist eher fraglich – und im Ergebnis kann genau dies eines Tages das Blatt gegen Facebook wenden, wenn Facebook sein &#214;kosystem nicht nachhaltig behandelt</strong>.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Anlass">F: Der Anlass: Datenschutz und Privatsph&#228;re</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Vorweg: Die neuen <a href="http://www.facebook.com/terms.php?">Nutzungsbestimmungen</a> sehen entge­gen vielfacher Meinung nicht vor, dass „Facebook die Rechte an Nutzerdaten hat“. Erstens beh&#228;lt der Nutzer das Urheberrecht, zweitens sind die &#252;bertragenen Nutzungsrechte nicht-exklusiv und drittens ist die Rechteeinr&#228;umung „subject to your privacy and application settings“, d.h. die <strong>Verbreitung von Inhalten bestimmt der Nutzer selbst</strong> durch ebendiese Einstellungen. Dies ist bei Internetplattformen v&#246;llig normal, legitim und zur Zweckerreichung erforderlich. Hier ist das Problem nicht.</p>
<p>Vielmehr kommen mit den neuen Nutzungsbestimmungen zu den bekannten Problemen drei neue hinzu. Bekannt war der <a href="http://yuccatree.de/2010/03/facebook-im-test-wie-gut-funktioniert-die-datenschleuder-wirk­lich/">Austausch von Mailkontakten</a> mit anderen Plattformen wie GMX und web.de sowie der <a href="http://carta.info/25462/facebook-ein-zwischenruf/">Umgang mit pers&#246;nlichen Daten Dritter</a> (Kontaktdaten, Bildmarkierungen). Neu sind die „Connections“ und ihre Voreinstellungen,  die Erfassung von externen URLs und der Datenaustausch mit dauerhaft einge­bundenen Partnern. Wo ist bei diesen Neuerungen jeweils das Problem?</p>
<p>Der Sinn sogenannter „<a href="http://blog.facebook.com/blog.php?post=382978412130">Connections</a>“ leuchtet durchaus ein, denn so k&#246;nnen <strong>Nutzen-Interessen maschinell besser verarbeitet</strong> werden als Freitext­angaben. Eine derartige Vorkategorisierung ist im Web auch seit vielen Jahren &#252;blich (z.B. bei Web­mailern und rudiment&#228;rer Personalisierung). Jedoch werden vordefinierte Interessen Facebook-Mit­gliedern vom System vorgeschlagen und nach Klick auf die Schaltfl&#228;che „Link all to my profile“ &#246;f­fentlich. Sie k&#246;nnen erst wieder durch die &#196;nderungen in den Tiefen der Privatsph&#228;re-Einstellungen ge&#228;ndert werden. Das ist exakt das Systemverhalten von Google Buzz, das Datensch&#252;tzer gerade Google in einem offenen Brief (<a href="http://www.priv.gc.ca/media/nr-c/2010/let_100420_e.pdf">PDF</a>) vorgehalten haben. Auch Facebook sollte hier nachbessern.</p>
<p>Facebook betont, dass Partnerwebsites keine Nutzerdaten erhalten, loggt aber selbst &#252;ber den neuen iFrame das Nutzungsverhalten auf fremden Websites mit; dies gilt f&#252;r Facebook-Mitglieder, die Cookies nicht ausgeschaltet haben und sich in der gleichen Browser­sitzung nicht explizit aus Facebook ausgeloggt haben. Die Daten&#252;bergabe an Facebook kann also nicht nur beim Klicken auf den „Gef&#228;llt mir“-Button erfolgen, sondern schon dann, wenn eine Seite mit „Gef&#228;llt mir“-Button aufgerufen wurde. Dieser Button sieht dem alten „Share“-Button von Face­book, Yigg, Digg und anderen Link-Aggregatoren &#228;hnlich, er bewirkt  aber das <strong>Tracking des Nutzer­verhaltens auf den Partnerwebsites</strong>. Sollte er so verbreitet werden wie Link-Sharing-Funktionen, wird Facebook das Surfverhalten seiner Nutzer au&#223;erhalb der Facebook-Plattform kennen – nicht nur auf Angeboten der jetzigen 75 Partner, sondern vielleicht sogar im ganzen Web, ausgenommen die Dienste von Google, Apple und Microsoft.</p>
<p>Dieser Kritik kann man entgegnen, dass der iFrame technisch zu Facebook geh&#246;rt und der Nutzer dieser Datenweitergabe eventuell in den Facebook-Nutzungsbestimmungen formal zugestimmt hat. Dennoch: Es versteht kein normaler Nutzer diese Technik und er kommt daher nicht auf die Idee, was Facebook hier loggt – es ist neu, dass man auf „einer Website“ (Facebook) die Zustimmung dazu er­kl&#228;rt, was auf einer „anderen Website“ (z.B. bild.de) geloggt wird. Facebooks Klausel ist also so &#252;ber­raschend wie die Antragsklausel einer Kreditkartenorganisation, die f&#252;r das Betreten eines Ladens vorsieht, dass Nutzerdaten nebst Standort per RFID an die Kreditkartenorganisation geschickt wer­den. Es w&#228;re sehr wundersam, wenn ein derartiger Datenschutzhinweis nicht auf den Websites anzubringen w&#228;re, die Facebooks iFrame integrieren, da die gesamte Site inklusive iFrame ein einheitliches Angebot darstellt. Es verbl&#252;fft, dass Dutzende von deutschen Websites bereits zwei Werktage nach Vorstellung diese Features integriert haben, ohne ihre Datenschutzbestimmungen zu modifizieren.</p>
<p>Facebook-Nutzer nutzen ihr Profil in der Regel unter Klarnamen mit echten Kontaktdaten. Zu ersterem sind sie sogar nach den Nutzungsbestimmungen gehalten. Facebook erfasst also eindeutig personen­bezogene Daten, anders als Google Analytics und die Google-Suchmaschine, die allenfalls die IP-Ad­resse erfasst. Zwar f&#252;hrt auch Google diese Daten bei Nutzern eines Google-Kontos zusammen, doch hat Facebook schon heute eine h&#246;here Verbreitung: Die Marktanteile von Google Docs, News, Calendar und Talk liegen jeweils unter einem Prozent, von Mail bei 12% (Eigenangaben von Google nach Nielsen Netratings). Denkt man die Entwicklung zwei Jahre weiter, so hat Facebook mehr Nut­zerdaten als Google, und diese nicht nur implizit, sondern auch explizit – inklusive der Beziehungs­daten, die weit mehr als nur eine Kontaktliste sind.<br />
Alle in diesem Abschnitt genannten Punkte sehe ich als Nutzer besonders kritisch: mit erstens der Erfassung meines Surfverhaltens w&#228;hrend meiner Login-Zeit (verbunden mit der bisherigen Anforde­rung in den Nutzungsbestimmungen, meine Identit&#228;t zu offenbaren), zweitens beide Informationen zusammenzuf&#252;hren und drittens diese Daten an Partner zu &#252;bergeben, ohne dass ich viertens davon einen Nutzen habe, hat <strong>Facebook einen „Deal“ vorgeschlagen, den ich ablehne</strong>. Dies aber auch vor dem Hintergrund, dass das Unternehmen mir keine hinreichende Transparenz bietet.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Zusammenfassung">G: Zusammenfassung</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Facebook kann die Nutzerzahlen von Google in Deutschland erreichen. Das Unternehmen steht aber einerseits st&#228;rker unter finanziellem Erfolgsdruck und ist andererseits weniger transparent als jeder andere der gro&#223;en Player. Die Dienste von Facebook wachsen wie die von Google in mehreren Di­mensionen, dies jedoch schneller und auf einer einheitlichen Plattform, welche auf die „Killeranwendun­gen“ E-Mail, Spiele und Office sowie das Inhaltegesch&#228;ft abzielen. Im n&#228;chsten Schritt, der Einf&#252;hrung von Adsense-&#228;hnlicher Werbung durch Facebook und von iAd durch Apple kann es zwi­schen Google, Apple und Facebook zu Verteilungsk&#228;mpfen um den Online-Werbemarkt kommen, deren Konsequenzen schwer prognostizierbar sind.<strong> Facebook ist eine geschlossene Kommunikati­onswelt, eine unbekannter Suchalgorithmus, eine intransparenter Empfehlungsalgorithmus, eine Plattform ohne Daten-Exit</strong> – offen aber f&#252;r Kundendaten und Inhalte Dritter.</p>
<p>Facebook wird mit dem sozialen Graphen und semantischen Daten einen wichtigen Platz in der Zukunft des Internets besetzen. <strong>Dies kann Endkunden nutzen, treibt jedoch alle anderen Partner in Abh&#228;ngigkeiten</strong>, solange Facebook das „Datensilo“ f&#252;r soziale Graphen ist und sich bei Standards nicht das Heft aus der Hand nehmen l&#228;sst. F&#252;r Endkunden sind dennoch mindestens f&#252;nf Features unter Datenschutzgesichtspunkten kritisch. &#220;ber die Zukunft von Facebook wird langfristig entscheiden, wie nachhaltig Facebook mit allen Partnern (Kunden wie Unternehmen) umgeht &#8211;  seinem &#214;kosystem, von dem es abh&#228;ngig ist.</p>
<p><em>Der Autor dankt dem Internet-&#214;kosystem f&#252;r die zahlreichen Ideen, Anregungen und Richtigstellungen auf Twitter und in Blogs, ohne die dieser Artikel nicht m&#246;glich gewesen w&#228;re.</em></p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
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<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
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		<title>Facebook: Ein Zwischenruf.</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 21:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die deutsche Politik versucht, hastig und mit den falschen Mitteln &#246;ffentlichen Druck auf Facebook aufzubauen. Dabei lautet die eigentliche Frage: Welche grunds&#228;tzliche Haltung hat das Facebook-Management zu Privatsph&#228;re und Datenschutz?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7f4d72be133f4c6e8e418bf77e1c9361" alt="" width="1" height="1" />Die Diskussion um die Gesch&#228;ftsbedingungen von Facebook hat in den letzten Tagen einen neuen H&#246;hepunkt erreicht: Nachdem Ministerin Aigner einen „offenen Brief“ an Marc Zuckerberg auf Facebook ver&#246;ffentlicht hat und Verbraucherschutzverb&#228;nde vor Facebook <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2010/04/07/ganz-offiziell-verbraucherzentrale-warnt-nutzer-vor-facebook-raet-zum-wechsel-umfrage/">warnten</a>, findet sich nun auch ein &#252;berparteilicher Zusammenschluss von Politikern, die zur Mitgliedschaft in einer <a href="http://www.facebook.com/group.php?v=info&amp;ref=search&amp;gid=112043458820354">Facebook-Privatsph&#228;re-Gruppe</a> auffordern.</p>
<p>Dieses Vorgehen halte ich f&#252;r falsch und, mehr noch, sogar f&#252;r sch&#228;dlich. Warum?</p>
<p><strong>A. Die sachliche Ebene</strong></p>
<p>Zun&#228;chst zur Sache selbst:</p>
<p>1. Facebook wird <del datetime="2010-04-12T10:02:59+00:00">nur</del> haupts&#228;chlich f&#252;r einen einzigen Punkt kritisiert, n&#228;mlich die neuen Datenschutzbestimmungen mit der Weitergabe von Daten an Partner ohne vorherige Zustimmung im Einzelfall. Das ist ein Problem, aber der falsche Fokus, denn es mangelt nicht an Aktivit&#228;ten, die man kritisieren k&#246;nnte:</p>
<ul>
<li>Die Einblendung von Freunden in Werbeanzeigen,</li>
<li>den <a href="http://yuccatree.de/2010/03/facebook-im-test-wie-gut-funktioniert-die-datenschleuder-wirklich/" target="_blank">Datenaustausch mit gmx</a>,</li>
<li>das systematische Verstecken von Privatsph&#228;re-Optionen (bis hin zur L&#246;schung des eigenen Profils),</li>
<li>das <a href="http://netzwertig.com/2010/02/06/ueberarbeitete-homepage-facebook-versteckt-link-zum-abmelden/" target="_blank">Anzeigen der Applikationen von Kontakten</a>,</li>
<li>das dauerhafte Verbleiben von Links auf Inhalte, auch nachdem diese auf „privat“ umgestellt wurden (!),</li>
<li>das Markierenk&#246;nnen von Personen auf Fotos Dritter,</li>
<li>mangelhafte Beschwerdem&#246;glichkeiten, wenn andere Nutzer Rechtsverst&#246;&#223;e begehen,</li>
<li>das systematische Verleiten auf vermeintlich harmlose Applikationen Dritter, die keinen anderen Zweck als Nutzerdatensammlung haben (auf Facebook-Entwickler-Foren findet sich dazu lebhafter Austausch),</li>
<li>das systematische Verleiten von Nutzern, via iPhone-Applikation vertrauliche Kontaktdaten auf Facebook hochzuladen,</li>
<li>die <a href="http://www.facebook.com/apps/application.php?id=260733615244&amp;ref=mf" target="_blank">maschinelle Analyse</a> von Statusmeldungen – in Kombination mit der neuerdings gemeldeten Erweiterung „Facebook Mail“ vermutlich ein ganz gro&#223;es Thema, das der Diskussion um GMail nicht nachstehen wird.</li>
</ul>
<p>Diese Liste ist nicht einmal vollst&#228;ndig. Es zeugt nicht von Sachkenntnis, dass die Beteiligten hier nur einen einzigen Aspekt thematisieren. Richtig w&#228;re, einmal „das Ganze“ anzusprechen. Wenn sich in diesem einen Fall die &#246;ffentlichen Wogen wieder gl&#228;tten, wie sie das nach einigen Monaten immer tun, wird es umso schwieriger werden, das „System Facebook“ zu kritisieren und Grenzen zu setzen.</p>
<p>2. Die &#246;ffentliche Diskussion vermittelt den Eindruck, Facebook habe bereits gehandelt. Dieser Eindruck ist falsch. Im Gegenteil, Facebook <a href="http://www.facebook.com/note.php?note_id=115649245114589" target="_blank">verweist </a>v&#246;llig zu Recht darauf , dass man nur neue Bestimmungen zur Diskussion gestellt habe. Wer dies mit der Old Economy vergleicht, wird Facebook hier sogar einen Pluspunkt geben m&#252;ssen: Welches andere Unternehmen diskutiert mit seinen Kunden vor der &#196;nderung von Gesch&#228;ftsbedingungen, &#246;ffentlich, schriftlich und intensiv?</p>
<p>3. Es geht Facebook nach eigenen Angaben nicht um eine generelle Zustimmung zur Datenweitergabe an Dritte. Im Gegenteil, Facebook schlie&#223;t das f&#252;r seine Werbepartner ausdr&#252;cklich aus, hier soll anonymisiertes Targeting von Werbemitteln stattfinden. Die Zustimmung betrifft Partner, deren Anwendungen dauerhauft eingebunden werden sollen, was auch in Deutschland nicht un&#252;blich ist. <a href="http://blog.facebook.com/blog.php?post=379388037130&amp;ref=mf:" target="_blank">Materiell geht es um drei ausgew&#228;hlte Partner</a>: Yahoo, AOL Chat, CNN Streams. Alle drei F&#228;lle haben Nutzwert und sind meines Erachtens durchaus nachvollziehbare Weiterentwicklungen des Kernproduktes und vor allem – gemessen am Datenaustausch mit den Entwicklern scheinbar harmloser, viraler Applikationen – sind sie wenig bedenklich, weil es sich um angesehene, etablierte Unternehmen handelt. Damit argumentiere ich inhaltlich, formal ist ein Opt-Out auch aus meiner Sicht ein Foul, sofern und soweit die Klausel auch bisher nicht genannte Partner umfasst.</p>
<p>Fazit: Die richtige Diskussion, aber Thema verfehlt. Das richtige Thema w&#228;re die generelle Haltung des Facebook-Managements zu Privatsph&#228;re und Datenschutz.</p>
<p><strong>B. Die politische Ebene</strong></p>
<p>1. Nach Ansicht des hamburgischen Datenschutzbeauftragten w&#228;re die angestrebte &#196;nderung ein Versto&#223; gegen §4 Abs. 2 BDSG. Warum wird nicht diskutiert, ob er damit richtig liegt? Stattdessen rauscht drei Tage lang der Bl&#228;tterwald. Ebenso sagt er, es l&#228;ge ein Versto&#223; gegen die Safe-Harbour-Erkl&#228;rung vor. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Safe Harbour entgegen landl&#228;ufiger Meinung sehr wohl Mechanismen vorsieht, wie zu verfahren ist, wenn ein U.S.-Unternehmen gegen die Bestimmungen verst&#246;&#223;t, denen es sich unterworfen hat. Ich erwarte von Ministern, dass sie sich hierzu &#228;u&#223;ern, gegebenenfalls den Rechtsweg beschreiten und/oder ihr Vorgehen mit Amtstr&#228;gern des Bundes oder der EU abstimmen.</p>
<p>2. F&#252;r ein ministerielles Vorgehen ist ein „offener Brief“ an den CEO, geschrieben an einem Ostermontag, eine unangemessene Vorgehensweise. Bevor man zu solchen Mitteln greift, gilt es a) Rechtsverst&#246;&#223;e zu pr&#252;fen und gegebenenfalls mit den daf&#252;r vorgesehenen Mitteln dagegen vorzugehen, b) Hintergrundgespr&#228;che zu f&#252;hren, c) einen Gesetzesentwurf anzusto&#223;en. Dies w&#228;re zielf&#252;hrender als ein &#246;ffentlicher Affront, zumal ein wenig Besch&#228;ftigung mit Marc Zuckerberg und der Finanzierungssituation von Facebook schon nach kurzem googeln ergibt, dass Mr. Zuckerberg ein 25j&#228;hriger Papier-Milliard&#228;r ist, der fr&#252;her <a href="http://www.businessinsider.com/how-mark-zuckerberg-hacked-connectu-2010-3" target="_blank">E-Mail-Accounts gehackt</a> hat und von seinen Investoren abh&#228;ngig ist, da sein Unternehmen nicht ann&#228;hernd den Gewinn erwirtschaftet, den ein Unternehmen mit einer derart hohen Bewertung erwirtschaften muss. Kurz gesagt: Ein dezenter Brief oder Anruf bei den Investoren oder eine Einladung zu einem Tee w&#228;re vermutlich zielf&#252;hrender gewesen. Und dieses Vorgehen w&#228;re auch so, wie bisher Einwirkungen der Politik in Unternehmen funktioniert haben: dezent und ohne Au&#223;enwirkung – und gerade deswegen erfolgreich. Man stelle sich einmal zum Vergleich vor, dass der Bundeswirtschaftsminister einen offenen Brief an den neuen Vorstandsvorsitzenden von SAP schreibt, weil das FI-Modul des ERP-Systems die handelsrechtlichen Vorschriften zur Speicherung von Buchhaltungsvorg&#228;ngen nicht einh&#228;lt, oder der Bundesumweltminister einen Brief an Porsche schreibt, weil das neue Modell die Umwelt sch&#228;digt. Wird das der neue Politik-Stil in Deutschland?</p>
<p>3. Ich sehe es als B&#252;rger sehr kritisch, dass Amtstr&#228;ger, seien es Minister oder Mitglieder des Bundestags (egal welcher Colour), nicht die Wege beschreiten, die f&#252;r die Amtsaus&#252;bung vorgesehen sind. Der Souver&#228;n hat diese Amtstr&#228;ger nicht nur gew&#228;hlt, sondern auch erm&#228;chtigt, mit staatlicher Gewalt (im abstrakten Sinne) zu agieren, seien es „Rechtshinweise“, Bescheide, Gesetze, oder parlamentarische Hearings, Aussch&#252;sse und Enquete-Kommissionen, um politische Probleme zu analysieren und politisch sowie ggf. rechtlich zu l&#246;sen. Ein „offener Brief“ geh&#246;rt nicht zu diesem Repertoire. Und das erst recht nicht, wenn der Minister einerseits vorgeblich als Privatperson und Facebook-Mitglied handelt, dabei aber andererseits mit seiner Amtsbezeichnung unterzeichnet (– und dies zu allem &#220;berflu&#223; auch noch mit unzutreffender Ministeriumsbezeichnung.)</p>
<p>4. In der Aufforderung von Politikern an die Bev&#246;lkerung, einer entsprechenden Facebook-Gruppe beizutreten, sehe ich sogar einen Fall dessen, was man im Management „unzul&#228;ssige R&#252;ckdelegation“ nennt. Der Souver&#228;n hat durch Wahlen die Aus&#252;bung politischer Macht an die gew&#228;hlten Instanzen delegiert. Wenn diese nun, vielleicht gut gemeint, den Souver&#228;n motivieren, seinerseits politischen Druck auszu&#252;ben, stellen sie ihre eigene Verantwortlichkeit in Frage. Die Analyse und L&#246;sung einer derartigen Problematik ist Aufgabe der Politik. Ein Scheitern dieses Vorgehens w&#228;re daher auch ein Scheitern der Politik.</p>
<p>Fazit: Auch Beschwerdeweg, Form und Adressat sind falsch. Dabei steht f&#252;r mich au&#223;er Frage, dass &#246;ffentlicher Druck auch zum richtigen Ergebnis f&#252;hren <em>kann</em>; nach meiner Auffassung heiligt aber der Zweck nicht die Mittel.</p>
<p>Crosspost von <a href="http://www.fructus-gmbh.de/blog/2010/04/facebook-ein-zwischenruf"><em>fructus</em></a><em>.</em>
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		<title>Gedanken zu Google Street View</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Mar 2010 11:33:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Google Street View]]></category>

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		<description><![CDATA[Google Street View wird nur rechtlich und polemisch diskutiert. Gedanken muss man sich jedoch auch um die materiellen Aspekte machen: Wem geh&#246;ren die Daten? Welche Verkn&#252;pfungsm&#246;glichkeiten bieten Location Based Services in Zukunft? Reicht die Anonymisierung aus? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Street View und Kriminalit&#228;t?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/67d2431fa82c41d2a9e1e9f9ea09a5eb" alt="" width="1" height="1" />Die Diskussion um Google Street View nimmt kein Ende. Hier ein Versuch, das Thema zu strukturie­ren und zu bewerten.</p>
<p><strong>A. Grundsatz</strong></p>
<p>Es steht jedermann zu, im &#246;ffentlichen Raum Fotos anzufertigen. Dies gilt nicht nur f&#252;r Privat­personen, sondern auch f&#252;r Autoren und Verlage, die diese Fotos in B&#252;chern und auf Web­sites verwerten. Ich sehe keinen Grund, Google, Bing und Landkartenhersteller anders zu behan­deln als Autoren und Verlage. Zwischen einem Bildband oder einer Website „Architektur der Friedrichstrasse“, vor einem halben Jahr werktags aufgenommen, und dem entsprechenden Ausschnitt von Street View ist kein inhaltlicher Unterschied.</p>
<p><strong>B. Aktuelle Detaildiskussion</strong></p>
<p>1. Die h&#228;ufig anzutreffende Argumentation, Google d&#252;rfe eine Maximalh&#246;he nicht &#252;berschrei­ten, weil dann die (durch Mauern, Z&#228;une etc. bewusst geschaffene) Privatsph&#228;re ber&#252;hrt sei, leuchtet zun&#228;chst einmal ein. „&#220;ber den Zaun zu gucken“ geh&#246;rt sich nicht. Zwar hat die Rechtsprechung in Promi-Paparazzi-F&#228;llen bestimmte Techniken (Leitern, Teleobjektive etc.) als Verletzung der Privatsph&#228;re angesehen, im Falle eines jedermann fotografierenden Autos, das die Fotos &#246;ffentlich sichtbar und mitten auf der Stra&#223;e macht, halte ich aber die &#220;bertragbarkeit f&#252;r nicht gegeben. Eine Regelung der maximalen Aufnahmenh&#246;he w&#228;re also neu und sie m&#252;sste f&#252;r jedermann gelten, der Fotos ver&#246;ffent­licht.<br />
Eine solche Regelung gibt es aber bisher aus verschiedenen Gr&#252;nden nicht. Erstens, weil sie nicht abgrenzbar ist: M&#252;ssten auch Aufnahmen von h&#246;her gelegenen H&#228;usern verboten werden? Ist es erlaubt, wenn sich ein 1,90-Mann auf eine Bierkiste stellt und von dort ein Foto macht? Darf man mit einem Super-Teleobjektiv von einem 1 km weit entfernten, h&#246;he­ren Standort aus Fotos machen? Ich kann mir keine justiziable Regelung vorstellen, die keine Rechtsunsicherheit f&#252;r weite Teile der Bev&#246;lkerung schafft. Diskutanten, die eine solche Grenze fordern, m&#246;gen bitte einen Regelungsvorschlag unterbreiten oder begr&#252;nden, f&#252;r welchen digitalen Anbieter hier eine Sonderregelung gerechtfertigt ist. Zweitens habe ich Zweifel an einer materiellen Rechtfertigung einer solchen Forderung, denn eine entsprechende Diskussion h&#228;tte l&#228;ngst bei Google Earth gef&#252;hrt werden m&#252;ssen, da hier Luftbilder „von oben“ ganz neue Einblicke geben: Ich kenne tats&#228;chlich eine Hausbesitzerin, die eine bisher nicht einsehbare Treppe schwarz gestrichen hat, damit potentielle Einbrecher diesen Zugang zu ihrem Grundst&#252;ck nicht erkennen. Und drittens, wohl der schwerwie­gendste Grund, warum es eine solche Regelung nicht geben sollte: Es ist nicht ohne Grund gesetzlich nicht verboten, &#252;ber den Zaun zu gucken, ohne und mit Stelzen. Es ist n&#228;mlich nur eine unerw&#252;nschte, moralisch zweifelhafte Handlung, die unterhalb der Schwelle rechtlicher P&#246;nalisierung liegen sollte.</p>
<p>2. Schwieriger zu beurteilen scheint mir die Frage, welche Bilddaten Anbieter wie Google spei­chern und ver&#246;ffentlichen d&#252;rfen. Zun&#228;chst zur Rechtslage: Nach meinem Kenntnisstand gibt es ein Recht am eigenen Bild, das auch f&#252;r das Einstellen durch Private gilt; dieses wird jedoch auf sozialen Netzwerken und Fotoplattformen in dramatischem Umfang ignoriert. Wenn ich also werten soll, dann w&#252;rde ich eher hier als bei Street View ein Problem sehen, da hier Aufnahmen in privaten Si­tuationen entstanden sind: Klaus in Badehose am Strand, Lisa im Arm von Heinz, Eduard mal wieder vor einer leeren Weinflasche. Im &#246;ffentlichen Raum je­doch, den Google nutzt, sollte das Risiko sehr gering sein, in einer kompromittierenden Situa­tion aufgenommen zu werden. Und wenn es doch geschieht, wie etliche Beispiele aus Street­ View zeigen, sehe ich kein Schutzbed&#252;rfnis: man bohrt eben nicht &#246;ffentlich in der Nase und wenn, dann guckt man vorher, wer gerade fotografiert. Aber: Die massenhafte Missachtung des allgemeinen Pers&#246;nlich­keitsrechtes durch Private darf nat&#252;rlich kein Ma&#223;stab f&#252;r Google &amp; Co sein. Was falsch ist, ist falsch, egal ob durch Gunther (der alle Strand- und Partyfotos machte) oder durch Google. Es ist also richtig, dass Google anonymisieren muss.</p>
<p>3. Ein Knackpunkt ist hingegen, ob Google die nicht-anonymisierten Daten &#252;berhaupt speichern darf. Die Antwort muss meines Erachtens nein sein. Wer das anders sieht, muss sich der Frage stellen, ob die Speicherung im Ausland geschehen darf. Diesbez&#252;glich verstehe ich die Antwort von BDSG-Experten als „Nein“, ich zweifele aber daran, ob dieses Konzept &#252;berhaupt noch zeitgem&#228;&#223; ist: Das 40 Jahre alte Konzept des BDSG zielt auf kommerzielle Inlandsanbieter und wird dem weltweit verteilten Internet in Zeiten der Virtualisierung nicht gerecht. Das BDSG ist insoweit ein stumpfes Schwert, die Situation Anlass f&#252;r eine international einheitliche Regelung. Wor&#252;ber man tats&#228;chlich nachdenken muss ist, ob man &#252;ber die Durchsetzbarkeit von Anspr&#252;chen deutscher Rechteinhaber neu nachdenken muss. Eine blo&#223;e Beitrittserkl&#228;rung ausl&#228;ndischer Unternehmen im Rahmen von Safe Harbour reicht jedenfalls nicht.</p>
<p><strong>Zwischenergebnis: Google Street View „an sich“ ist erlaubt. Die rechtlichen Bedenken, sofern man sie mit mir teilt, sind marginal und k&#246;nnten von Google ausger&#228;umt werden.</strong></p>
<p><strong>C. Materielle Aspekte</strong></p>
<p>1. Nicht unproblematisch erscheint mir der Dienst in l&#228;ndlichen Gebieten. Damit meine ich allerdings nicht den Gesichtspunkt der Privatsph&#228;re (wie <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,681084,00.html">Gutachter</a> im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz), denn ich kann aus den Ver&#246;ffentlichungen keinen Grund erkennen, warum vom Grundsatz (oben A.) abgewichen werden sollte. Ich meine den Gesichtspunkt der Kriminalit&#228;t, und auch dies nicht unter rechtlichen Gesichtspunkten, sondern unter dem Gesichtspunkt sozialer Erw&#252;nschtheit bzw. Sch&#228;dlichkeit. Bef&#252;rworter von Street View argumentieren dagegen gern mit der hohen sozialen Kontrolle gerade in Kleinst&#228;dten und D&#246;rfern. Dies ist aber ein Trugschluss, weil sich die Kontrolle eben nur auf die Mitglieder der &#246;rtlichen Gemeinschaft bezieht, m&#246;gliche T&#228;ter jedoch von au&#223;en kommen und &#252;ber den Dienst Daten &#252;ber lokale Verh&#228;ltnisse erfahren, die sie aufgrund der sozialen Kontrolle sonst nicht unbeobachtet erhalten w&#252;rden. Plakativ formuliert: B&#228;uerin Erna „wei&#223; alles &#252;ber das Dorf“. Dieb Detlev kommt nicht aus dem Dorf und erf&#228;hrt &#252;ber Street View, was er nicht erfahren w&#252;rde, ohne von Erna beobachtet zu werden. F&#252;r dieses Problem sehe ich keine L&#246;sung, kann aber auch nicht einsch&#228;tzen, ob es nicht eher ein akademisches Problem ist. Gibt es einen nachweislichen Effekt zwischen Street View und Kriminalit&#228;t? Ich habe dazu keine Daten gefunden. Die jahrelange Existenz von Google Earth ohne entsprechende Nachrichten spricht gegen eine Gefahr, wenngleich Earth auch nicht diese hohe Aufl&#246;sung bietet.<br />
Vorl&#228;ufiges Ergebnis: Solange keine Kausalit&#228;t zwischen Street View und Kriminalit&#228;t nachgewiesen ist, ist ein Eingriff in die Gewerbefreiheit von Google meines Erachtens nicht zu rechtfertigen. Und, wer sich dar&#252;ber Gedanken macht, m&#246;ge bitte Dienste wie <a href="http://www.flightradar24.com">flightradar24.com</a> betrachten; das Problem der Ver&#246;ffentlichung kriminalit&#228;tsf&#246;rdernder Information ist m&#246;glicherweise gr&#246;&#223;er als Street View und nur mit einer &#252;bergreifenden Analyse und Regelung angemessen l&#246;sbar.</p>
<p>2. Vielfach wird ge&#228;u&#223;ert, es sei nicht „fair“, wenn Google von privaten H&#228;usern Fotos mache und diese zum Zwecke des Geldverdienens verwerte. Das Gef&#252;hl ist verst&#228;ndlich, das Verwerten derartiger Fotos ist jedoch – siehe Grundsatz – schon lange geltende Praxis, weil es geltendes Recht ist, dass aus dem Eigentumsrecht an Gegenst&#228;nden kein Verbotsrecht der Verwertung von Fotos folgt, (BGH, „<a href="http://de.wikisource.org/wiki/Bundesgerichtshof_-_Friesenhaus">Friesenhaus</a>“), weil der Eigent&#252;mer seine Herrschaftsrechte weiterhin unbeeintr&#228;chtigt aus&#252;ben kann. In Deutschland und anderen L&#228;ndern gilt dar&#252;ber hinaus die sog. „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Panoramafreiheit">Panoramafreiheit</a>“, wonach sogar Fotos von urheberrechtlich gesch&#252;tzten Geb&#228;udekonstrukten verwertet werden d&#252;rfen. Anders kann es beim allgemeinen Pers&#246;nlichkeitsrecht sein, wenn der Eigent&#252;mer in einen Zusammenhang mit Werbung gestellt wird, das ist jedoch derzeit bei Street View nicht der Fall.</p>
<p>3. Fraglich ist aus meiner Sicht, ob die Anonymisierung ausreicht, die Google vornimmt. Gen&#252;gt es, Gesichter und Kfz-Nummernschilder durch Verwischen unkenntlich zu machen? Ich behaupte, dass ich 90% meiner privaten Kontakte an anderen Merkmalen erkenne: an Kleidungsst&#252;cken (mindestens drei Arten), an der Kombinatorik der zig-fachen Attribute dieser Kleidungsst&#252;cke (khaki-braune Jacke mit langen &#196;rmeln, Pelzkragen und Stickerei-Emblem hinten), Zusatzmerkmalen (Tasche, Aufkleber) sowie K&#246;rpermerkmalen (Haltung, Gr&#246;&#223;e, Proportionen). In Verbindung mit Kontext (Ort und Zeit, ggf. Tweets) erscheint mir eine Person gut erkennbar. Entsprechendes gilt f&#252;r Dritte, die genug Daten &#252;ber eine Person haben, ohne sie zu kennen. Falls ich damit richtig liege, sollte man nicht von „Anonymisierung“ sprechen. Die Unkenntlichmachung des Gesichtes wirkt auf den ersten Blick wie das Pendant zum „Schwarzen Balken“ in Print-Medien, sie ist aber nicht dieses Pendant, da kein redaktioneller Auswahlprozess des Bildmaterials vorausgeht. Sitzen wir mit der Annahme von „Anonymisierung“ hier einem kollektiven Denkfehler auf?</p>
<p><strong>4. Bedenken habe ich durch die Integration anderer Daten in Street View.</strong> Ich habe an anderer Stelle schon ausgef&#252;hrt, dass mir die k&#252;nftige Entwicklung mehrerer Technologien und Konzepte Sorgen macht. In diesem Fall sind es erstens Location Based Services, d. h. Geokoordinaten an Daten wie Tweets, Check-Ins und Bildern, und zweitens derart codier­te Bilder, die durch Privatpersonen aufgenommen werden, sowie drittens maschinelle Personenerkennung. Alles zusammen f&#252;hrt zu einem Privatsph&#228;re-Problem, weil nun von belie­bigen Personen aufgenommene und ins Internet gestellte Bilder in einer einheitlichen Ober­fl&#228;che abrufbar sind: Man sieht das Haus und gleichzeitig Bilder von Menschen, die darin wohnen, und zwar Bilder aus ihrem privaten Umfeld bis zum Urlaubsfoto.<br />
Nun kann man sich auf den Standpunkt stellen, die einzige Ursache sei, dass Privatpersonen zuvor sorglos mit eigenen Daten umgingen oder Dritte nicht an Aufnahmen hinderten. Es mag in der Tat sein, dass sich das Nutzungsverhalten k&#252;nftig restriktiv entwickeln wird, wenn diese Technologien zum Einsatz kommen &#8211; auch heute ist ja beispielsweise die Geokoordinaten-Nutzung selbst von internet-affinen U.S.-Twitterern unterhalb von 1%. Ich f&#252;rchte jedoch, durch mobile Nutzung und den tats&#228;chlichen Nutzen vieler Anwendungen wird diese Quote drastisch steigen, ich selbst habe zum Beispiel irgendwann dann doch Geokoordinaten-&#220;bertragung auf meinem iPhone f&#252;r Navigation, Qype und lokale Kinonews freigeschaltet. Man muss also zwischen Nutzen und Schaden abw&#228;gen.<br />
Mir scheint es am sinnvollsten zu sein, die Erfassung von Geokoordi­naten anders zu behandeln als deren Ver&#246;ffentlichung. Wenn ich also Qype Radar nutze, ist die &#220;bermittlung von Geokoordinaten unbedenklich, und solange Qype mit diesen Daten vertrauensvoll und im &#220;brigen gesetzeskonform umgeht, ist auch hier noch kein politisches Problem. Das Problem entsteht erst durch Ver&#246;ffentlichung an andere Dienste. Es ist also nicht selbstverst&#228;ndlich, wenn Qype die Daten auf seiner Plattform zug&#228;nglich macht, etwa diese Daten mit meinen Review oder mit jedem Nachschlagen ver&#246;ffentlichen w&#252;rde.<br />
Und da wir weniger &#252;ber Qype reden: Das eine ist, dass Google f&#252;r die „Nearby-Suche“ meine Geokoordinaten nutzen soll, das andere, ob Google sie ver&#246;ffentlichen darf. Hier liegt ein strukturelles Problem von internet-typischen Mashups und APIs: es ist eben nicht schon deswegen okay, dass Daten zwischen Diensten getauscht werden, nur weil es technisch m&#246;glich ist. Bei Facebook etwa leuchtet es jedermann ein, dass Statusmeldungen nicht ohne Nutzer-Zustimmung an Suchmaschinen bereitgestellt werden. Ich m&#246;chte meine Nutzungseinwilligung nicht f&#252;r die Weiterverwendung meiner Daten in beliebigen Web-An­wendungen abstrakt erteilen, sondern ich erteile sie konkret f&#252;r den genutzten Dienst. Das m&#252;sste meines Erachtens f&#252;r jede Art von Dienst gelten: nur weil ich auf meiner Seite ein Bild mit Geokoordinaten ablege, hei&#223;t das zwar – ohne entsprechende robots.txt – dass Suchmaschinen das Bild indizieren und anzeigen d&#252;rfen, aber noch lange nicht, dass diese die Geokoordinaten verarbeiten d&#252;rfen.<br />
Ich bin mir sicher, dass diese Problematik mit dem Semantic Web immer deutlicher werden wird: <strong>Wir brauchen granularere Rechte an strukturierten Daten</strong>, die ins Internet gestellt wurden. Das w&#252;rde im &#252;brigen auch die Qualit&#228;t der Webnutzung verbessern: wie sollen sonst Visitenkarten mit privaten Zusatzdaten (z.B. Mobilnummer, private Maildresse &#8211; analog etwa XING) ausgetauscht werden? Ich wei&#223;, dass dies Forderungen (erstens konkrete Nutzungseinwilligung ohne Verwertungsrechte in anderen Plattformen, zweitens granulare Rechte) viele neue Probleme nach sich ziehen &#8211; mir geht es aber um grunds&#228;tzliche Gedanken, die m&#246;glicherweise weiter entwickelt werden k&#246;nnen.</p>
<p>5. Angesichts m&#246;glicher Gefahren freue ich mich, dass Google nun Einspr&#252;che von Hausbesitzern und Mietern zul&#228;sst. Die weiter gehende Forderung nach einem (vorherigen) Opt-In erscheint mir &#252;berzogen, da diese Zustimmung auch bei anderen Nutzungen nicht erforderlich war. Frau Aigner hat im &#252;brigen recht mit Ihrer <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,682129,00.html">Forderung</a>, dass von Street View auch Offliner betroffen sind, die naturgem&#228;&#223; &#252;ber andere Wege als das Online-Medium informiert werden sollten. Indes ist diese Forderung inzwischen wohl ad acta zu legen, weil sie erf&#252;llt wurde und werden wird: Die Presse hat nun bereits sehr breit berich­tet und dies wird beim Start von Street View in Deutschland mit Sicherheit auch nochmals intensiv geschehen.</p>
<p>6. Bei Street View taucht noch ein andere Frage auf: Wem stehen eigentlich die Daten materi­ell zu? Geh&#246;rt das Stadtbild nicht der Allgemeinheit? Man kann sich hier auf den Standpunkt stellen, dass das Ganze eben mehr als die Summe seiner Teile ist. Vielleicht sind es die Nachwirkungen meines 68er-Gemeinschaftskundelehrers, aber mein Bauch sagt: <strong>Diese Bilder „geh&#246;ren irgendwie uns“.</strong> Wobei ich mit „geh&#246;ren“ eine wirtschaftliche und rechtliche Dimension meine, denn Google stellt diese Daten ja „uns“ zur Verf&#252;gung.<br />
Vielleicht ist mein Gedanke abstrus und schon deswegen erledigt, weil mit der Umsetzung von Stadtplanung in die Wirklichkeit das Konzept als solches eben der Allgemeinheit gewidmet wird und Google – als Teil der Allgemeinheit – die gleichen Rechte haben sollte wie jeder andere auch. Ich k&#246;nnte mir jedoch auch vorstellen, dass in bestimmten F&#228;llen digitaler Erfassung (nicht nur von Google) ein (einfaches) Nutzungsrecht zumindest f&#252;r die &#246;ffentliche Hand entsteht oder diese Nutzungsrechte erwerben kann. Dies nur als Anregung, noch nicht einmal als ausgego­rener Vorschlag. Denn dasselbe m&#252;sste dann f&#252;r Profi-Fotos von Au&#223;enarchitektur gelten und auch f&#252;r Bewegtbilder aller Art – das will ich nicht und es w&#252;rde schwer, hier eine Grenze zu ziehen. Die „Stra&#223;en von San Francisco“ geh&#246;ren nicht den B&#252;rgern von San Francisco.</p>
<p>7. Die Street-View-Diskussion erscheint mir politisch gesehen zu reaktiv. Mindestens ebenso gerechtfertigt wie Kritik an Google w&#228;re die F&#246;rderung von Open-Source-Projekten zur Erfas­sung des &#246;ffentlichen Raumes. Also die F&#246;rderung von <a href="http://www.openstreetmap.de/">OpenStreetMap</a> und auch die Unterst&#252;tzung einer Infrastruktur, die zu den Ergebnissen von Street View f&#252;hrt. Das w&#228;re ein wirklich konstrukti­ver Ansatz.<br />
Kritik ist immer einfach, Bessermachen besser. Am Ende entschiede dann Quali­t&#228;t und ein vielleicht sogar besseres Konzept, weil alle mitmachen. Das w&#252;rde freilich ein paar Millionen kosten.</p>
<p>Schlu&#223;bemerkung: Die &#246;ffentliche Diskussion wird – abgesehen von polemischen und daher unangemessenen &#196;u&#223;erungen aus dem politischen Raum &#8211; sehr von der Rechtslage gepr&#228;gt. Das ist, was Aufsichtsbeh&#246;rden angeht, auch richtig so. In der &#246;ffentlichen Diskussion sollten jedoch die materiellen Aspekte diskutiert werden. Wir befinden uns nach 40 Jahren IT in der Old Economy nunmehr mit Internet, sozialen Austauschm&#246;glichkeiten im „Write-Web“ und Cloud Computing m&#246;glicherweise an der Schwelle zu neuen Konzepten und Ordnungsprinzipien wie vor hundert Jahren im Stra&#223;enverkehrsrecht, als Autos nicht mehr nur als schnelle Kutschen, sondern als eigenst&#228;ndige Betriebsgefahr angesehen wurden.</p>
<p><em>Diesen Artikel ver&#246;ffentlichte Christoph Kappes auch im <a href="http://www.fructus-gmbh.de/blog/2010/03/gedanken-zu-google-streetview">Fruchtmark-Blog</a>.</em></p>
<p><em>Zu diesem Thema au&#223;erdem auf Carta:<br />
</em></p>
<ul>
<li><em><span style="text-decoration: underline;"></span><a href="http://carta.info/23393/google-manager-leiteritz-street-view-ist-eine-moderne-form-der-landkarte/">Google-Manager Leiteritz: “Street View ist eine moderne Form der Landkarte.”</a></em></li>
</ul>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/23941/gedanken-zu-google-street-view/">Gedanken zu Google Street View</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/23941/gedanken-zu-google-street-view/#comments">31 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=23941&amp;md5=92529189ffb43ab4b1b2021fb3c81599" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Stellenausschreibung: Ein Internetminister f&#252;r die Bundesrepublik Deutschland</title>
		<link>http://carta.info/23653/stellenausschreibung-internetminister/</link>
		<comments>http://carta.info/23653/stellenausschreibung-internetminister/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 16:08:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Internetminister]]></category>

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		<description><![CDATA[BITKOM-Pr&#228;sident Scheer fordert einen Internet-Staatsminister. Gen&#252;gt das? Die Diskussion der politischen Ebene der letzten Wochen um Google StreetView, Zugangserschwerung und JMStV zeigt nicht nur eine kurzfristige Kakophonie und handwerkliche Probleme, sondern ein grundlegendes Defizit in der politischen Struktur auf h&#246;chster Ebene.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Jedes Gro&#223;unternehmen hat inzwischen einen CIO. Dessen Aufgaben und Chancen f&#252;r die &#246;ffentliche Hand w&#228;ren nicht minder vielf&#228;ltig, operativ wie strategisch. Es geht, plakativ gesagt, nicht „nur“ um Menschenrechte, sondern vor allem um eine Kernfunktion einerseits im internationalen Wettbewerb und andererseits f&#252;r Bildung und Meinungsbildung. Es geht um actio statt reactio.</p>
<p style="text-align: left;">Nun w&#228;re die Schaffung eines <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Bitkom-Chef-kritisiert-Internetpolitik-der-Bundesregierung-942138.html">neuen Bundesorgans</a> weder eine Garantie f&#252;r die Erf&#252;llung ihrer neuen Aufgaben noch ein kurzfristiges Unterfangen. Aber reicht das als Grund, die Aufgabe f&#252;r nicht minder wichtig als „Umwelt“ oder „Ern&#228;hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz“ zu halten?</p>
<p style="text-align: left;">Zur Diskussion ein schneller Entwurf einer Stellenanzeige f&#252;r eine(n) „Internetminister/-in“ und ein Pl&#228;doyer, die Chancen und Risiken der Digitalisierung mittelfristig mit mehr Kompetenz, intensivem Dialog und neuen Konzepten anzugehen:</p>
<p align="center">
<p align="center">Beim neu geschaffenen Bundesministerium f&#252;r Internet, Digitalisierung und Online-Gesundheit ist die Stelle einer/eines</p>
<p align="center"><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<h1 style="text-align: center;"><strong>Internetministers/-in</strong></h1>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p align="center">Kennziffer: ANR-GNG, Besoldung gem. § 11 BMinG</p>
<p>per 1. August 2010 zu besetzen.</p>
<p>Ihre Aufgabe ist die ordnungspolitische Gestaltung des Internets angesichts der Herausforderungen Datenschutz und Privatsph&#228;re, die Planung und Umsetzung der Infrastruktur des Bundes zur Digitali­sierung aller Prozesse und die F&#246;rderung von Infrastrukturl&#246;sungen zum politischen Meinungs­bil­dungsprozess in der Demokratie.</p>
<p>Ferner obliegt Ihnen – im Zusammenwirken mit anderen Bun­des­ministerien und deren Bundesoberbeh&#246;rden – die Entwicklung des Standortes Deutschland als Takt­geber der internationalen Entwicklung, insbesondere werden Sie im Dialog mit Finanzinvestoren, Unternehmern und Hochschulen sowie Forschungseinrichtungen eine nationale Offen­sive planen und steuern, welche die Entwicklung bedeutender Unternehmen in den Bereichen Suchmaschinen, Se­mantisches Web und Future Internet zum Ziel hat.</p>
<p>Unter Federf&#252;hrung des Bil­dungsministeriums werden Sie innovative Vorschl&#228;ge entwickeln, wie Bildung in Deutschland durch Digitalisierung einen Schub bekommen kann, beispielsweise durch das Digitalisieren von B&#252;chern nach dem Vorbild von Google, jedoch durch den Erwerb von Nutzungsrechten von Verlegern und Autoren.</p>
<p>Sie begleiten zudem das Bundeskanzleramt sowie Ministerien bei schwierigen Entschei­dungsprozessen, insbeson­dere Gesetzesentw&#252;rfen in den Bereichen Netzneutralit&#228;t und Jugend­schutz; dabei achten Sie da­rauf, dass Bundesorgane ihre Ressourcen auf wesent­liche und konstruktive Vorschl&#228;ge konzentrie­ren. Ihre Aufgabe ist ferner die mittelfristige Tech­nologiefolgen-Einsch&#228;tzung f&#252;r die gesellschaftliche und politische Entwicklung, beispielsweise in den Bereichen Profiling und Augmented Identity.</p>
<p>In Ihrem Haus wer­den au&#223;erdem neue Gesch&#228;ftsmodelle auf Kon­sequenzen f&#252;r die Wirtschaftspolitik gepr&#252;ft. Unter Mit­wirkung des Bundesdatenschutzbeauftragten entwickeln Sie neue technische und rechtliche Konzepte zum Schutze der Pri­vatsph&#228;re, beispiels­weise L&#246;schungs- und Auskunftsanspr&#252;­che gegen Privatunternehmen und M&#246;glichkeiten zur &#220;ber­nahme gewonnener Daten in den &#246;ffentli­chen Raum als „Open Source“ einerseits und technisches Verfallsdatum, &#246;ffentliche Plattformen zum Reputationsmanagement und zur technischen Herrschaft personenbezo­gener Datenobjekte im Semantic Web andererseits. Sie begleiten die Gr&#252;ndung der Stiftung „Datenschutz“ auf dem Weg zu einer angesehenen Aufkl&#228;rungs-, Forschungs- und Pr&#228;ventionsorganisation.</p>
<p>Sie haben eine Hochschulausbildung mit &#252;berragendem Abschluss und verf&#252;gen &#252;ber eine mindes­tens 10-j&#228;hrige Berufserfahrung als Vorstand bzw. Gesch&#228;ftsf&#252;hrer von IT-/Internetunternehmen. Ihre tech­nischen Kenntnisse reichen &#252;ber s&#228;mtliche Ebenen der Internet-Architektur, um mit techni­schen Ressourcen Ihres Hauses zu einer fundierten qualifizierten Einsch&#228;tzung aller o.g. Themen zu kom­men.</p>
<p>Sie sind bereit, sich in die Grundlagen des Urheberrechtes und des Internet-Rechts z&#252;gig ein­zuarbeiten. Dar&#252;ber hinaus sind Sie kommunikationsstark, weil Sie mit sehr unterschiedlichen gesell­schaftlichen Gruppen kommunizieren werden; dabei wird von Ihnen eine eigene Meinung erwartet, da Sie sich weder in­strumentalisieren noch von Ideologen t&#228;uschen lassen. Das Philosophieren &#252;ber­lassen Sie jedoch anderen. Sie twittern nicht, weil Sie daf&#252;r keine Zeit haben; stattdessen sorgen Sie f&#252;r nicht-virtuellen Dialog von Experten,  Politikern und Medienvertretern im &#246;ffentlichen Raum.</p>
<p>Die Stelle ist zun&#228;chst auf 1 Jahr befristet. Ihre Aufgabe ist es in diesem Zeitraum, den Namen des Ministeriums sowie seine Aufgaben n&#228;her zu definieren und eine Planung vorzulegen. Bei erfolg­rei­cher Bew&#228;ltigung dieser Aufgabe wird die Position an Sie unbefristet vergeben.</p>
<p>Bewerbungen bitte direkt an: Internetminister@de-mail.de
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<p><small>
<a href="http://carta.info/23653/stellenausschreibung-internetminister/">Stellenausschreibung: Ein Internetminister f&#252;r die Bundesrepublik Deutschland</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/23653/stellenausschreibung-internetminister/#comments">29 comments</a>
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		</item>
		<item>
		<title>Vier Thesen zum Tablet</title>
		<link>http://carta.info/22286/apple-tablet-thesen/</link>
		<comments>http://carta.info/22286/apple-tablet-thesen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 16:33:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Apple]]></category>
		<category><![CDATA[Tablet]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn alles l&#228;uft wie die Ger&#252;chte seit Monaten vermuten lassen, wird das neue Apple-Tablet bald &#252;berall zu sehen sein. Vier Anmerkungen, bevor sich die Kameras Steve Jobs zuwenden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d14b719b6bba44de8a66bd1623869f3c" alt="" width="1" height="1" /><span style="color: #ffffff;">.</span><br />
<strong>1. </strong></p>
<p>Das Tablet bietet neue M&#246;glichkeiten der Pr&#228;sentation von Inhalten, einfache Navigation und wird damit endlich das Web <strong>lesefreundlicher</strong> machen: Ein Ger&#228;t, dass man irgendwo im Wohnbereich nutzen kann, um zu lesen. Ich glaube an das Konzept, wenngleich ich mich frage, ob die Akzeptanzerwartungen nicht ein bisschen zu hoch sind, weil man – ganz praktisch gesehen – so ein Ger&#228;t ohne Herrenhandtasche nicht bei sich tragen kann.</p>
<p><strong>2. </strong></p>
<p>Was ich nicht glaube: dass eine solche <strong>geschlossene Plattform</strong> auf Dauer eine gute L&#246;sung f&#252;r Verlage und andere Inhalteanbieter ist. Zwar bietet sie – soweit man dies vor der Pressekonferenz ahnen kann – wohl digitales Rechtemanagement und &#252;ber iTunes sicherlich auch einen zentralen Shop, doch wird Apple wie im Applikationsbereich die Konditionen vorgeben. Das Gesch&#228;ftsmodell ist darauf ausgerichtet, eine „Provision“ einzubehalten, bei der ich mich frage, was diese eigentlich rechtfertigt. Nun muss sich ein Unternehmen f&#252;r hohe Gewinne nicht rechtfertigen, aber es ist schon bei iTunes offensichtlich, dass Apples gute Rendite auch daraus resultiert, dass weit mehr als die Kosten f&#252;r die Infrastruktur eingespielt werden.</p>
<p>Ich vermute, dass Apple aus gutem Grund das iPhoneOS und eben nicht MacOS als Betriebssystem ausgew&#228;hlt hat. Mit dieser technisch geschlossenen Plattform wird Apple allen Inhalteanbietern die Konditionen diktieren, sobald ausreichend Marktanteile gewonnen sind. Apple verfolgt – wie Google und jedes andere Unternehmen auch – die Absicht, Gewinne zu erzielen. Wie simpel der Effekt ist, hat man schon vielfach beobachten k&#246;nnen, beispielsweise bei eBay-Verkaufsagenten, die erst aus dem Boden schossen, um dann durch ver&#228;nderte Konditionen wirtschaftlich zu vertrocknen.</p>
<p><strong>3. </strong></p>
<p>F&#252;r <strong>Inhalteanbieter</strong> mag es eine Weile sinnvoll sein, den Wettbewerb zwischen den Anbietern Apple, Amazon und Google f&#252;r <strong>bessere Konditionen</strong> zu nutzen. Aber wie lange mag das gehen in einer Branche, die heterogen ist, wenig kooperiert und deren Mitglieder man teilweise als <em>notleidend</em> apostrophieren k&#246;nnte? Ich f&#252;rchte, die L&#246;sung kann nur darin liegen, dass Inhalteanbieter eigene Plattformen schaffen oder sich auf offenere Plattformen begeben. Ob Android die richtige Wahl ist, darf man bezweifeln, denn solange Google im Online-Werbemarkt eine dominante Stellung hat, wird Google diese Stellung &#252;ber geringere Umsatzanteile aus Werbeerl&#246;sen ausspielen.</p>
<p><strong>4. </strong></p>
<p>Ungeachtet dieser wirtschaftlichen Diskussionen: Falls mit neuen Endger&#228;ten vom Typ „Tablet“ der Durchbruch von <strong>Bezahlinhalten</strong> gelingt, wird dies auch der Debatte um die „Ver&#228;nderung des Denkens“ eine neue Richtung geben.</p>
<p>Es ist n&#228;mlich nicht nur die Hardware, die uns bislang das „Deep Reading“ erschwert (geringaufl&#246;sende Schriften, suboptimale Schriftsetzung, unzureichende Zeilenl&#228;ngen). Die eigentliche Ursache ist die <strong>Oberfl&#228;che</strong> des digitalen Mediums, die mit einem <strong>werbefinanzierten</strong> Gesch&#228;ftsmodell betrieben wird: Zwischen&#252;berschriften, Suchwortoptimierte Texte, verk&#252;rzte S&#228;tze, Inhalte-Teaser, ein Drittel Navigation auf jeder Seite zur Traffic-Optimierung – und Werbung, die keinen anderen Zweck verfolgt, als vom Inhalt abzulenken. Da haben Redakteure der guten, alten Schule schon recht. Und auch der Teil der digitalen Fraktion, die sich noch an das Web der fr&#252;hen neunziger Jahre erinnern kann, wird best&#228;tigen, um wie vieles man fr&#252;her besser lesen konnte, als die ersten Hypertexte ohne Werbung mit Browsern der ersten Generation entstanden.</p>
<p><em>Weitere Links zum &#8220;Apple Special Event&#8221; <a href="http://carta.info/22248/apple-tablet-vorab/">hier</a>.</em>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/22286/apple-tablet-thesen/">Vier Thesen zum Tablet</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/22286/apple-tablet-thesen/#comments">11 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22286&amp;md5=18819a57383a250ce8439a5a2eedb52c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Google-Bashing: Zur politischen &#214;konomie einer Suchmaschine</title>
		<link>http://carta.info/21775/google-bashing/</link>
		<comments>http://carta.info/21775/google-bashing/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 12:45:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Suchmaschinen]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=21775</guid>
		<description><![CDATA[Google gilt vielen derzeit als Inbegriff des Bedrohlichen. Angebracht w&#228;re es dagegen, Google als rational handelndes Wirtschaftsunternehmen zu begreifen. Erst dann lie&#223;en sich unbegr&#252;ndete &#196;ngste von tats&#228;chlichen Gefahren unterscheiden. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/07cb95c1d1ec4251b30de86354518333" alt="" width="1" height="1" /><span style="font-size:75%;color: #ffffff;">.</span></p>
<blockquote style="font-size:80%;"><p><em><strong>Inhalt:</strong><br />
<a href="#Intro">→ Intro</a></em></p>
<p><em><a href="#Wasist">→ Was ist und was macht Google eigentlich?</a></em></p>
<p><em><a href="#Warum">→ Warum handelt Google so?</a></em></p>
<p><em><a style="padding-left: 30px;" href="#Fuenf">→ F&#252;nf Ebenen der &#8220;Googlenomics&#8221;</a></em><br />
<em><a style="padding-left: 30px;" href="#Detail">→ Produktfelder im Detail</a></em></p>
<p><em><a href="#Politische">→ Politische Bewertung der Aktivit&#228;ten Googles</a></em></p>
<p><em><a style="padding-left: 30px;" href="#Gaengige">→ G&#228;ngige Kritikpunkte</a></em><br />
<em><a style="padding-left: 30px;" href="#Gefahren">→ Gefahrenfelder</a></em></p>
<p><em><a href="#Conclusio">→ Conclusio</a><br />
</em></p></blockquote>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Intro">Intro</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Google kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Eine unvollst&#228;ndige Auswahl der letzten Wochen:<em> </em></p>
<p><em>Verlage zeigen dem Bundeskartellamt Indizien an, nach denen Google seine Marktmacht <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Verleger-Google-soll-Websuche-offenlegen-906897.html">mi&#223;brauche</a> – Google „will die Weltherrschaft“ (<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,665813,00.html">Spiegel Online</a>) – es erw&#228;chst ein „quasistaatliches Gebilde“ (<a href="http://www.zeit.de/digital/internet/2010-01/google-china-zensur-3?page=all">Zeit Online</a>), das China „offenbar &#228;hnlicher ist, als der unbedarfte Beobachter annehmen k&#246;nnte“ (<a href="http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/marktberichte/:das-kapital-china-will-was-google-will/50060157.html">FTD</a>) – Google <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,670288,00.html">bietet ein Handy an</a> – Google kann 2020 Gedanken lesen (<a href="http://www.nature.com/nature/journal/v463/n7277/full/463026a.html">Nature</a>) – Google wird von der Bundesjustizministerin als „Riesenmonopol“ mit „Gigantomanie“ <a href="http://www.spiegel.de/international/germany/0,1518,671426,00.html">kritisiert</a> – in Frankreich wird die <a href="http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:online-debatte-sarkozy-droht-webfirmen-mit-google-steuer/50057677.html">Google-Steuer</a> gefordert.</em><br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Die &#246;ffentliche Diskussion um Chancen und Gefahren der digitalen Netz&#246;konomie ist mittlerweile zu einer Google-Diskussion geworden. Der Stand der Diskussion l&#228;sst sich in vier Punkten res&#252;mieren:<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p><strong>(1)</strong></p>
<p>Die einschl&#228;gigen Fachmedien beschreiben die Produkte nicht nur, sondern verkn&#252;pfen damit sehr unterschiedliche Erfolgschancen und Bewertungen. In vielen Statements von Kollegen, von Online-Meinungsmachern und auch von etablierten Meinungsbildnern &#252;berwiegen die Kritikpunkte, ob es nun Datenschutz, die beherrschende Marktstellung der Suchmaschine, den Umgang mit Urheberrechten oder das Vorgehen in China betrifft. Zu jedem Einzelthema ist – trotz insgesamt eher durchwachsener Qualit&#228;t – viel Fundiertes gesagt und geschrieben worden, aber keine der Diskussionen scheint mir soweit abgeschlossen, dass ich sagen k&#246;nnte: die Argumente sind ausgetauscht.<strong> </strong></p>
<p><strong>(2)</strong></p>
<p>Die &#246;ffentliche Diskussion hat auch eine marktpolitische, interpretierende Ebene. Welcher Player k&#228;mpft gegen wen, auf welchem Feld, mit welchen Mitteln und warum? Wo ist harter Wettbewerb, wer schmiedet Allianzen, wer &#228;ndert wo seine Taktik? Es ist eine Gemengelage entstanden, die niemand mehr in allen Punkten durchschaut, auch ich nat&#252;rlich nicht.<strong> </strong></p>
<p><strong>(3)</strong></p>
<p>Auf der politischen Diskussionsebene hat sich eine Lagerbildung unter den Diskutanten etabliert: hier die Fanboys, unkritisch und immer nach vorne gerichtet, dort die r&#252;ckw&#228;rtsgewandten Kulturpessimisten, die weder die Technik verstehen noch Disruption erkennen. Ein sachlicher Diskurs ist aber schwer m&#246;glich, wenn die Motivation und Kompetenz der jeweiligen Gegenseite angegriffen wird. Die Spitzenvertreter beider Lager, die gerade sich selbst f&#252;r besonders gute Kommunikationsprofis halten, sollten einmal dar&#252;ber nachdenken, wohin das eigentlich f&#252;hren soll.</p>
<p>Ursache dieses Klimas sind geradezu komplement&#228;re Kompetenzen beider Lager: w&#228;hrend es den einen neben sprachlicher Gewandtheit im Diskurs an medientheoretischer, marktpolitischer und rechtlicher Kompetenz mangelt, fehlen den anderen mitunter Kenntnisse &#252;ber Chancen und Grenzen von Techniken und Gesch&#228;ftsmodellen – und schlicht auch die Praxis.<strong> </strong></p>
<p><strong>(4)</strong></p>
<p>Auch nach pers&#246;nlichen Gespr&#228;chen mit Internet-Kollegen, Wirtschaftsvertretern und politischen Entscheidern bleibt mein Eindruck: die Diskussion ist konfus. Und hinter vorgehaltener Hand hei&#223;t es auch: so ganz blicken wir nicht durch. Auch ich im &#252;brigen nicht.</p>
<p>Folgende Fragen sind zu beantworten: Was ist und was macht Google? Warum handelt Google so und nicht anders? Wie ist das alles zu bewerten? Alle Ausf&#252;hrungen hier sind als erste Ann&#228;herungen zu verstehen: mit Verk&#252;rzungen, Spekulationen und auch einem Schuss Meinung.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Wasist">Was ist und was macht Google eigentlich?</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
<strong>(1)</strong></p>
<p>Heute noch bei Laien anzutreffen ist die Meinung, Google sei nichts weiter als eine Suchmaschine. Betrachtet man das Gesch&#228;ftsmodell, wird jedoch deutlich, dass Google 99% des j&#228;hrlichen Umsatzes (rund 26 Milliarden Dollar) mit Textanzeigen erwirtschaftet, also in erster Linie ein <strong>Werbeplayer</strong> ist, dessen Kunden Werbetreibende sind – deren Werbung wiederum zu zwei Dritteln auf eigenen Produkten und zu einem Drittel auf Fremdprodukten geschaltet wird.<br />
<strong> </strong></p>
<p><strong>(2)</strong></p>
<p>Google ist auch ein <strong>Anbieter von Softwareprodukten</strong>. Diese werden zwar sehr unterschiedlich vom Markt angenommen, manche Produkte sind aber so erfolgreich, dass sie Wettbewerber sichtbar verdr&#228;ngen (z.B. Analytics, GMail, Navigationssysteme) oder das Potential dazu haben wie das Office-Produkt Docs und der Browser Chrome, der nach anf&#228;nglichen Schwierigkeiten w&#228;chst.</p>
<p>Google als Softwarehersteller tritt in Wettbewerb gegen viele Unternehmen in vielen Segmenten an, ganz oder in Teilen, gegen Platzhirsche wie Microsoft, aber auch gegen Startups wie DropBox und Zoho und etablierte Player wie web.de und Kerio – auch gegen etablierte OpenSource-Projekte wie Mozillas Firefox und OpenOffice.<span style="color: #ffffff;"> </span></p>
<p><strong>(3)</strong></p>
<p>Seit der Vorstellung des <a href="http://www.google.com/phone/">Nexus One</a> ist zudem klar: Google ist auch ein <strong>Handyhersteller</strong>. HTC ist der Erstausr&#252;ster (OEM), Google gibt die Marke dazu und leistet Direktvertrieb, neben anderen Partner-Handelskan&#228;len. Google ist damit Wettbewerber etwa von Nokia.</p>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h4><strong>Zwischenergebnis </strong></h4>
<p><strong>Google ist nach Umsatz ganz &#252;berwiegend ein Werbeplayer (Bereithaltung und Vermittlung von Werbepl&#228;tzen), zugleich ein Softwareanbieter und auch ein Handyhersteller.</strong><br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Einige Schachz&#252;ge der letzten Monate machen die Einsch&#228;tzung, was Google macht und will, nicht leichter: die Palette reicht vom Echtzeit-Kommunikationstool <a href="http://wave.google.com/">Wave</a> &#252;ber Prototypen im Verlagsumfeld (<a href="http://livingstories.googlelabs.com">Living Stories</a>, <a href="http://fastflip.googlelabs.com/">Fast Flip</a>) und Basistechnologien wie einem <a href="http://code.google.com/speed/public-dns/">Nameserver</a>, einer Programmiersprache (<a href="http://golang.org/">Go</a>), Onlinevideo (&#220;bernahme von <a href="http://www.on2.com/">On2</a>) bis hin zu – ger&#252;chteweise – einem <a href="http://www.huffingtonpost.com/ramon-nuez/htc-and-google-making-a-t_b_409800.html">Tablet-PC</a>. Dazu kommt noch Voice-IP, das seit Jahresmitte als <a href="https://www.google.com/voice">Google-eigener Dienst</a> und als Android-Applikation angeboten wird. Im Vergleich zu Google sind Unternehmen wie SAP, Oracle, Intel und Sun Nischenanbieter; einen vergleichbaren Mehrfrontenkrieg von Hardware &#252;ber Infrastruktur und Softwarelayer bis hin zur Nutzungsart (Desktop, Mobile, Home) leisten sich allenfalls Microsoft und Apple.</p>
<p>Ist es nach alledem richtig, dass das Gesch&#228;ftsmodell von Google <strong>werbefinanziert</strong> ist? Nicht immer: Firmenl&#246;sungen wie die Google <a href="http://www.google.com/apps/intl/en/business/index.html">Apps for Enterprise</a>, das Hardware-/Software-Bundle Google <a href="http://www.google.com/enterprise/search/gsa.html">Search Appliance</a> und s&#228;mtliche Cloud-Services sind kostenpflichtige Business-to-Business-Dienstleistungen. Mit Nexus One tritt Google zudem als Hersteller auf, der einen Erl&#246;sstrom aus Handelsumsatz generieren wird – nicht anders als Apple mit dem iPhone. Dazu kommen Lizenzerl&#246;se f&#252;r die Bereitstellung der Suchmaschine an T-Online, AOL, Freenet und andere Anbieter.</p>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Warum">Warum handelt Google so?</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Betrachtet man die <a href="http://cdixon.org/2009/12/30/whats-strategic-for-google/">Umsatzstruktur</a>, ergibt sich folgendes Bild: <strong>Google unternimmt alles, was der Kette der Werbung dient, vom Werbetreibenden bis zur Auslieferung der Anzeigen an Endkunden.</strong> Dies ist das Kerngesch&#228;ft, das &#252;ber viele Jahre weiter wachsen wird, weil sich Werbebudgets von Offline nach Online verschieben. F&#252;r ein hochprofitables Unternehmen, den Platzhirschen in einem Wachstumsmarkt, gibt es wenig Grund, seine Ressourcen auf anderen M&#228;rkten einzusetzen und damit finanzielle Risiken einzugehen.</p>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h3><strong><a name="Fuenf">F&#252;nf Ebenen der &#8220;Googlenomics</a></strong></h3>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Bei einer schematische Gruppierung aller Aktivit&#228;ten Googles lassen sich, mit Bezug auf die Werbefinanzierung, <strong>f&#252;nf Ebenen</strong> unterscheiden:<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
<span style="font-family : arial, helvetica;"> </span></p>
<p style="font-size:80%;font-family : arial, helvetica; background-color:#B0B0B0"><strong>(1) Strategische Projekte mit unmittelbarem Werbebezug zur Erh&#246;hung von Reichweite, Qualit&#228;t und Performance der Werbemittel</strong></p>
<ul>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Ausbau der Suchmaschine in mehreren Dimensionen</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Personalisierte Dienste</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Dienste zur Gesch&#228;ftsabwicklung</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Suchmaschine hinsichtlich Gegenstand (Maps, Street View, B&#252;cher, Produkte etc.), Art (AdWords, AdSense, YouTube), Verfahren (PageRank etc.), Technologie (Rich Snippets, Square),</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Online-Produkte, die als Werbetr&#228;ger tragf&#228;hig werden oder die Performance von Werbung verbessern (insbesondere Docs, Mail, Talk)</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Mittlerfunktion zwischen Werbetreibenden und -empf&#228;ngern mit neuen Werbeformen (Goggles, Call-In-Ads etc.), Lokales Marketing (Latitude, Goggles)</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Annexprodukte wie Google Analytics, Ad Planner und Trends zur Analyse und Abwicklung des Werbegesch&#228;ftes; Google Affiliate Network</li>
</ul>
<p style="font-size:80%;font-family : arial, helvetica; background-color:#B0B0B0"><strong>(2) Strategische Projekte bei Umbr&#252;chen in der Mediennutzung mit nachgewiesener Monetarisierungsm&#246;glichkeit</strong></p>
<ul>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Mobile Endger&#228;te: Hardware Nexus One, Betriebssystem Android</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Tablet-PC</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Livingstories, Fast Flip</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Dienste f&#252;r Lokales Marketing, Google WiFi for Airports</li>
</ul>
<p style="font-size:80%;font-family : arial, helvetica; background-color:#B0B0B0"><strong>(3) Projekte bei Umbr&#252;chen in der Mediennutzung unklarer Monetarisierung, aber schon hoher Reichweite</strong></p>
<ul>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Echtzeit: Wave</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Soziale Netzwerke (&#220;bernahme?, YouTube)</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Voice</li>
</ul>
<p style="font-size:80%;font-family : arial, helvetica; background-color:#B0B0B0"><strong>(4) Technologische Projekte zur St&#228;rkung der Online-Plattform</strong></p>
<ul>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Betriebssystem ChromeOS/ChromiumOS</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Browser Chrome/Chromium</li>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">Internet-Infrastruktur &amp; Formate (Cloud-Services, DNS, Gears, natives Video ab HTML 5)</li>
</ul>
<p style="font-size:80%;font-family : arial, helvetica; background-color:#B0B0B0"><strong>(5) Labs, interne Piloten</strong></p>
<ul>
<li style="font-size:75%; font-family : arial, helvetica; background-color:#DEDEDE; ">geh&#246;ren in die Klassen 1 bis 4, wenn sie erfolgreich und marktreif sind</li>
</ul>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h3><a name="Detail">Produktfelder im Detail</a></h3>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<p>Um Googles Unternehmensstrategie genauer in den Blick zu kommen, einige Schlaglichter auf ausgew&#228;hlte Produktfelder:</p>
<h4><strong>Google-Suche</strong> (Strategische Projekte mit umittelbarem Werbebezug)</h4>
<p style="padding-left: 30px;">Google speichert Suchanfragen aller Nutzer nicht mehr nur &#252;ber 18 Monate und personalisiert f&#252;r eingeloggte Nutzer eines Google-Accounts, sondern ordnet diese Suchanfragen seit Dezember <a href="http://googleblog.blogspot.com/2009/12/personalized-search-for-everyone.html">auch nicht-eingeloggten Usern</a> mit Hilfe eines Cookies zu. Die Qualit&#228;t der Suchergebnisse wird wichtiger: Erstens w&#228;chst das Webseitenvolumen weiter an, zweitens entsteht mit der Integration von Echtzeit-Beitr&#228;gen ein gigantisches Volumen an „Junk“, drittens arbeiten Suchmaschinenoptimierer den Relevanzzielen einer Suchmaschine entgegen. Mit verschiedenen technischen Entwicklungen bem&#252;hen sich alle (!) Suchmaschinenanbieter darum, die Spreu vom Weizen zu trennen: von Content-Filterung mit semantischen Verfahren bis zur Analyse von Strukturen sozialer Netzwerke reichen die Ideen, die meines Wissens jedoch f&#252;r den massenhaften Einsatz noch nicht robust genug sind. Suchmaschinen behelfen sich daher derzeit mit der einfachsten L&#246;sung, der Personalisierung, um die Qualit&#228;t der Trefferlisten zu verbessern.</p>
<h4><strong>Mobile und Tablet</strong> (Strategische Projekte bei Umbr&#252;chen)</h4>
<p style="padding-left: 30px;">Am Erfolg mobiler Internetnutzung m&#246;chte auch Google partizipieren, obwohl Apple hier Platzhirsch ist und &#252;ber eine geschlossene Verwertungskette (iTunes-Shop, iPhoneOS und iTunes-App) die Plattform so geschlossen hat, dass sie auch Google als Werbetr&#228;ger verschlossen ist. Hierzu geh&#246;rt das Android-Betriebssystem und auch das eigene Android-Handy, weil die gut 20 anderen Android-Anbieter entweder zu schwach sind oder eigene Wege so stark verfolgen (z.B. Nokia in Bezug auf andere Betriebssysteme und Download-Shops), dass der <a href="http://www.appleinsider.com/articles/09/11/03/canalys_q3_2009_iphone_rim_taking_over_smartphone_market.html">Vorsprung von Apple</a> im Mobile-Markt nicht z&#252;gig genug aufgeholt werden kann.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Tablet-PCs und diverse Endger&#228;te aus dem Home-Entertainment-Bereich erlauben aufgrund der Bildschirmgr&#246;&#223;e und neuer Bedienkonzepte eine neue Nutzung und neue Werbeformate, auf die Google au&#223;er Adsense bisher keine Antwort hatte. Living Stories und das k&#252;rzlich in Google News integrierte Fast-Flip-Projekt bieten f&#252;r diese Nutzungsarten Oberfl&#228;chen, Informationszug&#228;nge und Bedienkonzepte an. In diesem Zusammenhang w&#228;re auch ein eigenes „Google-Tablet“ zu sehen, um den wahrscheinlich in den n&#228;chsten Jahren erfolgreichen neuen Endger&#228;te-Kanal nicht wieder an den Mobile-Platzhirschen Apple zu verlieren.</p>
<h4><strong>Echtzeitkommunikation und Communities</strong> (Strategische Projekte bei Umbr&#252;chen)</h4>
<p style="padding-left: 30px;">Die Strategie bei diesen reichweitenstarken Nutzungsarten ist eine doppelte: Integration in das Kernprodukt Suche, und zwar gegen Entgelt (einem Umsatzanteil). Verk&#252;rzt gesagt also ein Kooperationsmodell mit den jeweiligen Platzhirschen Twitter und Facebook. Alternativ: &#220;bernahmen eines oder beider Player oder jedenfalls – meine ganz pers&#246;nliche Hypothese – einen Angriff auf Twitter durch Wave. Warum? Wave ist im technischen Kern ein Chatserver. In Kombination mit dem Handyclient kann dies ein noch unerkannter Wettbewerb zu Twitter sein. F&#252;r einen gr&#246;&#223;eren strategischen Ansatz spricht auch, dass wir einerseits das Endprodukt bis heute nur schemenhaft erkennen k&#246;nnen (Wave ist noch nicht einmal in der Beta-Phase) und die Nutzungsszenarien weiterhin unklar sind, obwohl Google ein ungew&#246;hnlich massives Testfeld mit einer Million Nutzern f&#228;hrt.</p>
<h4><strong>Google Voice</strong> (Strategische Projekte bei Umbr&#252;chen)</h4>
<p style="padding-left: 30px;">Dies ist vermutlich nicht nur der Versuch, Telefoniedienste auf IP und somit Web-Technologien zu bef&#246;rdern, sondern auch den <em>walled garden</em> der Telekommunikationsanbieter aufzubrechen, bei der die komplette Wertsch&#246;pfungskette in der Hand eines Players liegt. Mit diesem Aufbrechen hatte schon Apple begonnen. Den Zugang zum Kunden wird Google &#252;ber das Betriebssystem Android und Schl&#252;sselapplikationen (Browser, Suche, Maps) bekommen, sodass die Telko-Portale auf der Mobile-Plattform weiter an Bedeutung verlieren.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Ich wage zudem die These, dass internetbasierte Echtzeitdienste die SMS langfristig ersetzen werden; sie sind wom&#246;glich weiterhin kostenlos, in andere digitale Medien integriert (Stichworte URL-Integration, Rich Media) und funktional leistungsf&#228;higer. Der Voice-Dienst w&#228;re also langfristig der n&#228;chste Dienst, der die Telkos auf den Netzbetrieb zu reduzieren versucht. Dass Google in Netzinfrastruktur investieren wird, ist bisher unbest&#228;tigt; es spricht einiges daf&#252;r, dass der Weihnachten gestartete Dienst „Wi-Fi for Airports“ nicht der letzte Schritt ist. Schon l&#228;nger betreibt Google in Mountain View ein drahtloses Netzwerk, in der Zentrale auch eine <a href="http://www.crunchgear.com/2007/11/16/google-already-has-cellphone-network-up-and-running-at-its-headquarters/">eigene Infrastruktur</a> f&#252;r Mobiltelefonie.</p>
<h4><strong>Technologieprojekte</strong> zur St&#228;rkung der Online-Plattform</h4>
<p style="padding-left: 30px;">Der Online-Werbemarkt w&#228;chst auch dadurch schneller, dass das Online-Medium besser wird: etwa durch einen schnellen Browser, Online-Applikationen, eine neue Programmiersprache (Go), oder bessere Skalierbarkeit. Soweit ich es nachvollziehen konnte, sind Googles Ans&#228;tze hier allesamt technisch und konzeptionell beachtliche Ans&#228;tze und L&#246;sungen. Dass sie Wettbewerbern wie Microsoft, Apple, Adobe und sogar Amazon schaden, steht auf einem anderen Blatt.</p>
<p><strong><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></strong></p>
<p><strong>In Betrachtung der (unterstellten) Unternehmensstrategie ist also jeder Schritt wirtschaftlich logisch und stringent.</strong><strong> </strong>Es braucht keinen philosophischen Unterbau, um Googles Handeln zu erkl&#228;ren, auch nicht in Richtung Weltherrschaft, Scientology oder &#228;hnlichem.</p>
<p><strong>Google ist</strong></p>
<ul>
<li><strong>ein Anbieter von </strong><strong>Informationsinfrastruktur</strong>, vom Betrieb &#252;ber Netzinfrastruktur und Betriebssysteme, Sprachen und Frameworks bis hin zu Applikationen und Services</li>
<li><strong>mit dem Ziel, Werbung zu verkaufen und zu vermitteln</strong>, die</li>
<li><strong>auf der Suchmaschine, auf Partnerwebsites und in Applikationen </strong>(Internet und Mobile) <strong>platziert wird.</strong></li>
</ul>
<p><strong><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></strong><br />
F&#252;r die &#246;ffentliche Diskussion w&#228;re zun&#228;chst schon viel gewonnen, wenn Google als rational handelndes Wirtschaftsunternehmen auf der Grundlage seiner Strategie verstanden w&#252;rde. Viele Diskussionen w&#252;rden so an Sch&#228;rfe verlieren und an Pr&#228;gnanz gewinnen.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Politische">Politische Bewertung der Aktivit&#228;ten Googles</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Immer wieder werden in der Diskussion um Google eine Reihe von Einw&#228;nden ge&#228;u&#223;ert, die ich – ingesamt oder in Teilen – f&#252;r unberechtigt halte. Zun&#228;chst sollen hier einige der oft ge&#228;u&#223;erten, mir aber weniger problematisch erscheinenden Kritikpunkte genauer betrachtet werden. Anschlie&#223;end zu m&#246;glicherweise bedeutsameren Kritikpunkten.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h3><strong><a name="Gaengige">G&#228;ngige Kritikpunkte</a></strong></h3>
<p><strong><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
</strong></p>
<h4><strong> 1. Die „bedrohliche Menge“ an Aktivit&#228;ten</strong></h4>
<p><strong> </strong>Was Produkte, Gesch&#228;ftsfelder und Erl&#246;sstr&#246;me angeht, muss man feststellen: Google ist ein <strong>Mischkonzern</strong> mit einem <strong>Kernprodukt</strong>, ein paar Nebenprodukten und einigen wichtigen Services; vergleichbar etwa einem Automobilkonzern, der PKWs, LKWs und weitere Services wie Finanzierung und Flottenmanagement anbietet. Wo dessen Thema „Mobilit&#228;t“ ist, ist Googles Thema „werbefinanzierte Information“. Ein Ausrei&#223;er ist die Eigenmarke Nexus, in Bezug auf die Branche ist Google jedoch weit von einem Mischkonzern mit eigenen Handelsmarken wie z.B. OTTO entfernt, der zus&#228;tzlich Handel, Logistik und Touristik in einem Konzern vereint. Kurz gesagt: in dieser Hinsicht ist Google ein ganz normaler Konzern. Wenn man, wie hier, Google auf der Basis eines marktwirtschaftlichen Standpunktes betrachtet, sind Anzahl, Umfang und Tempo der Aktivit&#228;ten das gute Recht von Google.</p>
<p>Ich pers&#246;nlich empfinde es sogar als Leistung, wie wenig „auff&#228;llig“ Google in den zw&#246;lf Jahren seit seiner Gr&#252;ndung geworden ist, verglichen mit anderen gro&#223;en Unternehmen in &#228;hnlichen Positionen. Kein Datenleck, kein <a href="http://www.techcrunch.com/2009/10/31/scamville-the-social-gaming-ecosystem-of-hell/">Scamville-Skandal</a>, keine nennenswerte Downtime, keine Privacy-Tricks und keine Aff&#228;ren, wie wir sie hierzulande inzwischen leider gewohnt sind.<strong> </strong></p>
<h4><strong>2. Offensives Gesch&#228;ftsgebaren</strong></h4>
<p>Sicher, manches w&#252;rde ich mal vorsichtig mit dem Wort „offensiv“ bezeichnen – doch will man einem Marktteilnehmer ernsthaft Offensivit&#228;t vorwerfen? Ich halte es da eher mit Schumpeter, demzufolge Unternehmertum darin besteht, Innovation durch „sch&#246;pferische Zerst&#246;rung“ zu schaffen, und gestehe daher Unternehmen eine gewisse Grundaggressivit&#228;t zu. <strong>Google ist ein Big Schumpeter.</strong> Womit ich nicht sagen will: es ist „gut“ im ethischen Sinne. Ob man diese Messlatte ansetzen will, ist eine Frage der Wirtschaftsethik. W&#228;hrend es sich von einem neoklassischen Standpunkt aus eher verbietet, die Kategorie „gut“ &#252;berhaupt zu diskutieren, sehen andere es als Selbstverst&#228;ndlichkeit an, dass Ethik den Rahmen f&#252;r wirtschaftliches Handeln setzt. Zu welchem Standpunkt man neigt, ist eine politische Frage, die diesen Artikel vollends sprengen w&#252;rde.</p>
<p>Meine Sicht: Entweder argumentieren wir moralisch-ethisch und fragen:<em> Ist es gut oder schlecht, was Google tut?</em> Oder wir argumentieren wirtschaftspolitisch, dann lautet die Frage in etwa: <em>Sch&#228;digt das Handeln den Markt oder verhindert es ihn?</em><strong> </strong></p>
<h4><strong>3.</strong> <strong>Marktbeherrschende Stellung</strong></h4>
<p>Es ist unstreitig, dass Google an bestimmten Stellen eine solche Position erreicht hat. Dabei geht es nicht nur um Zugang &#252;ber die Suchmaschine in H&#246;he von 91,7%, die andere Anbieter faktisch verdr&#228;ngt hat. Es geht heute wirtschaftlich um die Dominanz im deutschen <strong>Online-Werbemarkt</strong>, an dem Google – entgegen der h&#228;ufig falsch interpretierten <a href="http://www.ovk.de/online-werbung/daten-fakten/werbeinvestitionen-nach-segmenten.html">OVK-Statistik</a> – einen L&#246;wenanteil von ca. zwei Dritteln hat, so dass bereits Vermarkter ihre Kr&#228;fte <a href="http://www.faz.net/s/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1/Doc~EF5D80418F07A49EEB61D7B06B6ACD7D0~ATpl~Ecommon~Scontent.html">zu b&#252;ndeln beginnen</a>.</p>
<p>Man sollte jedoch vorsichtig damit sein, allein hieraus einen moralischen Vorwurf zu machen. Denn das blo&#223;e Vorliegen einer marktbeherrschenden Stellung ist in Deutschland grunds&#228;tzlich erlaubt, entscheidend ist erst der Missbrauch dieser Position (siehe § 19 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschr&#228;nkungen, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gwb/">GWB</a>). Entflechtungsm&#246;glichkeiten wie in den USA gibt es eben <a href="http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~E6364D491682240199C1D54DE251C0524~ATpl~Ecommon~Scontent.html">noch nicht</a>. Soweit Google in dieser Rolle ist, hat das Unternehmen bestimmte Regeln aus dem GWB einzuhalten, etwa die Gleichbehandlung. Die Aufgabe der Kartellbeh&#246;rden ist es, dar&#252;ber zu wachen; AT&amp;T etwa wurde in den USA bereits in Baby-Bells zerschlagen.</p>
<p>In Deutschland gab es zwar <a href="http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Verlage-pruefen-Kartellbeschwerde-gegen-Google_87594.html">Berichte</a> &#252;ber eine drohende wettbewerbsrechtliche Klage der Verleger, mir ist jedoch kein Fall bekannt, in dem Google in Deutschland wegen Verletzung dieser Pflichten mit Erfolg verklagt wurde. Aus ebenjener wettbewerbspolitischen Perspektive lie&#223;e sich den „offensiven“ Aktivit&#228;ten auch Positives abgewinnen. Apples Versuch, mit Hilfe von iPhone und iTunes einen sehr erfolgreichen <em>walled garden</em> zu bepflanzen, wird mit Android eine offenere Plattform entgegengestellt. Als Marktwirtschaftler freue ich mich &#252;ber jede Aktivit&#228;t, die Wettbewerb verst&#228;rkt; umgekehrt freue ich mich selbstverst&#228;ndlich nicht &#252;ber den Marktanteil bei der Suche und im Online-Werbemarkt. (Und das ist Schizophrenie: Der wettbewerbspolitisch denkende Teil meines Gehirns w&#252;nscht sich mindestens drei gleich starke Suchmaschinen; der informationshungrige Teil allerdings, dass ich nur eine nutzen muss, weil alle Wettbewerber gleiche Ergebnisse liefern.)</p>
<p>Aus einer wettbewerbspolitischen Perspektive muss man Google ebenfalls zugute halten, dass es im Vergleich zu anderen Playern offene Standards sehr weitgehend <a href="http://googleblog.blogspot.com/2009/12/meaning-of-open.html">unterst&#252;tzt</a>. Ebenso, dass Google verglichen mit der Erlk&#246;nig-Mentalit&#228;t anderer Branchen eine eher offene Informationspolitik pflegt.<strong> </strong></p>
<h4><strong>4. Google als quasi-staatliches Gebilde</strong></h4>
<p>Auf der Sachebene f&#228;llt es schwer, sich zu den offensichtlich boulevardesken &#220;bertreibungen wie „Riesenmonopol“, „Weltherrschaft“ und „quasi-staatliches Gebilde“ zu &#228;u&#223;ern. Richtig ist, dass Google international eine bedeutende Stellung als Werbeplayer und Internet-Diensteanbieter hat und im Suchmaschinenmarkt in Deutschland marktbeherrschend ist. Falsch ist, dass Google ein quasi-staatliches Gebilde ist, denn nach Robert Jacksons Begriffspr&#228;gung fehlt es sowohl an der empirisch-faktischen als auch an der juristischen Staatlichkeit. Vielleicht muss man Google als dominant und pr&#228;gend im Internet ansehen, und das auch supranational.<strong> </strong></p>
<h4><strong>5. Intransparente Unternehmensstrategie </strong></h4>
<p>Google &#228;u&#223;ert sich nicht zur eigenen Strategie und wird daf&#252;r gelegentlich kritisiert. Diese Kritik ist mir nicht nachvollziehbar. Unternehmensstrategien sind a priori nicht f&#252;r die &#214;ffentlichkeit bestimmt, weil sie dann dem Wettbewerb bekannt werden. Auch der Slogan „Don&#8217;t be evil“ wird gern in Diskussionen benutzt. Man sollte jedoch bedenken, dass dies die Essenz eines ausf&#252;hrlichen <a href="http://investor.google.com/conduct.html">Code of Conduct</a> darstellt, der sich an Mitarbeiter und das Board von Google richtet. Darin enthalten ist etwa das Teilziel, „unbiased access to information“ zu bieten, was Google trotz aller <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Censorship_by_Google">Zensurdiskussionen</a> insgesamt gut gelingt.</p>
<p>Der Anspruch, den Google dort formuliert, ist hoch („Google aspires to be a different kind of company.“), und so muss sich das Unternehmen auch daran messen lassen. Als Richtschnur einer Kritik ist der Slogan jedoch ungeeignet: Wer w&#252;rde einen S&#252;&#223;warenhersteller ernsthaft nach dem Wahrheitsgehalt seines Slogans beurteilen?</p>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h3><strong><a name="Gefahren">Gefahrenfelder</a></strong></h3>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Was bei mir bleibt, ist ein ungutes Gef&#252;hl, das sich in erster Linie auf vier Aspekte bezieht:</p>
<ol>
<li>Unsicherheit bei der Einsch&#228;tzung k&#252;nftiger „tektonischer“ Verschiebungen von M&#228;rkten,</li>
<li>Unabh&#228;ngigkeit der Suchmaschine im Meinungsbildungsprozesss,</li>
<li>Unsicherheit im Umgang mit Daten und</li>
<li>Die Meta-Ebene der Politik.</li>
</ol>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h4><strong> (1) Unsicherheit bei der Einsch&#228;tzung k&#252;nftiger „tektonischer“ Verschiebungen von M&#228;rkten</strong></h4>
<p>Langfristig gesehen ist eine <strong>strategische Drehung</strong> <strong>zu neuen Wettbewerbskonstellationen</strong> m&#246;glich. Beides w&#228;re auf Jahre hinaus unklug, solange das Kerngesch&#228;ft wachsend und hochprofitabel ist. Aber was ist, wenn es dies eines Tages nicht mehr ist? Selbstverst&#228;ndlich kann Google sich erstens – in welcher Organisationsform auch immer – redaktionelle Inhalte exklusiv beschaffen und damit den direkten Wettbewerb mit Verlagen antreten. Es w&#228;re sogar eine logische, den Mechanismen des Internets innewohnende Mechanik, den Intermedi&#228;r auszuschalten; nichts anderes geschieht ja durch die Partnerschaft mit der Nachrichtenagentur AP, die nur aus Verhandlungsgr&#252;nden <a href="http://paidcontent.org/article/419-ap-reportedly-close-to-new-licensing-deal-with-yahoo/">ausgesetzt</a> ist.</p>
<p>Selbstverst&#228;ndlich kann Google Checkout in Kombination mit semantischer Produktsuche die Position von Retailern bedrohen. Selbstverst&#228;ndlich kann auch Google bisher kostenlose Services um kostenpflichtige Premium-Services erg&#228;nzen – das w&#228;re im Web ein normales Vorgehen – und damit zu Softwareherstellern in Wettbewerb treten. Und im Mobile-Markt – im Falle eines gro&#223;en Erfolges von Android und Chrome – k&#246;nnte es eines Tages nur ein Release-Wechsel sein, um wieder ein geschlossenes &#214;kosystem wie bei Apple einzuf&#252;hren.</p>
<p>Aus einer abstrakt-marktwirtschaftlichen Perspektive sollte man hier aber nicht &#252;ber fiktive Handlungen in der Zukunft diskutieren, sondern die <strong>gegenw&#228;rtige Situation</strong> beobachten. Das Wesen von Ordnungsgesetzen und Verf&#252;gungen ist, dass sie als <em>ultima ratio</em> dann erlassen werden, wenn es Anlass zu ihnen gibt und das geltende Recht nicht reicht.</p>
<p>F&#252;r den Fall, dass Android die f&#252;hrende Mobile-Plattform wird, f&#252;hrt der Einfluss auf das Betriebssystem zusammen mit der Herrschaft &#252;ber wesentliche Applikationen zu einer &#228;hnlichen Stellung wie der von Microsoft im Desktop-Markt. Welche Bedeutung dieser Markt haben wird, sieht man schon aus Analysten-Einsch&#228;tzungen, nach denen die <a href="http://findarticles.com/p/articles/mi_m0EIN/is_2008_Jan_14/ai_n24229177/">Werbeums&#228;tze</a> in drei Jahren 24 Milliarden Dollar und <a href="http://www.computerweekly.com/Articles/2010/01/18/239992/6bn-bonanza-for-mobile-apps-in-2010-says-gartner.htm">Lizenzerl&#246;se</a> aus Anwendungen 30 Milliarden Dollar erreichen werden. Der Markt <a href="http://www.mobilemarketingwatch.com/mobile-advertising-to-grow-45-in-2010-to-3.8b-4840/">mobiler Werbung</a> w&#228;chst allein in diesem Jahr um 45%.</p>
<p>Man sieht heute schon, wie die Mobile-Applikation s&#228;mtliche Google-Dienste so integriert, dass ein neuer <em>walled garden</em> in einem „<em>semi-open garden</em>“ entsteht. Dies gilt erst recht, wenn Google-Accounts st&#228;rker genutzt werden und die neue Version der „GDisk“ angenommen wird. Dies sollte jedoch den neuen EU-Wettbewerbskommissar auf den Plan rufen, flankiert von seiner Vorg&#228;ngerin, die nun f&#252;r die „Digitale Agenda“ designiert ist und <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Neelie-Kroes-bekennt-sich-zu-Netzneutralitaet-905397.html">erkl&#228;rt</a> hat, ihre bisherige Linie fortsetzen zu wollen.</p>
<h4><strong>(2) Unabh&#228;ngigkeit der Suchmaschine im Meinungsbildungsprozesss</strong></h4>
<p>Google greift – aus einer Position des Gate-Keepers – unmittelbar und mit strategisch motivierter Absicht nach Mehr vom Werbemarkt. Wegen dieses fundamentalen Konfliktes mit der Medienbranche sind mittelfristig Sorgen um den Zustand der politischen Meinungsbildung in Deutschland nicht unberechtigt. Das Thema ist aber derart breit diskutiert, dass ich diesen Punkt nur der Vollst&#228;ndigkeit halber aufz&#228;hle.</p>
<p>Ich halte es f&#252;r wahrscheinlich, dass das, was wir heute in Teilen der Verlagsbranche beobachten, sich im Handel eines Tages ebenso zeigen wird, wenn semantische Verfahren kommen. Die Warenpr&#228;sentation und weitere Zugangswege werden dann – wie im Verlagswesen – von Suchmaschinen bzw. Aggregatoren geleistet, Retailer werden dann online auf den Warenkorb reduziert und verlieren Einfluss auf den Kaufprozess. Die Einbeziehung lokaler Werbung des station&#228;ren Handels (Goggles &amp; Co) wird eine weitere Verschiebung ausl&#246;sen. Wir werden hier noch mehr Disruption erleben.</p>
<p>Die Vermehrung von Marktmacht, wenn die Suchmaschine in die dem Kaufprozess vorgelagerten Informationsprozesse eintritt, ist neu; auch weil es &#252;ber mehrere Branchen hinweg (Verlage und Handel, s.o.) auftreten k&#246;nnte. Wenn dieses Szenario eintritt, w&#252;rde eine neuartige wettbewerbspolitische Betrachtung erforderlich.</p>
<p>Last, but not least: Google verf&#252;gt mit der Homepage der Suchmaschine &#252;ber den besten Werbeplatz des Internets. Die Entwicklung der letzten Monate in den U.S.A. zeigt die Tendenz, diesen Werbeplatz f&#252;r eigene Zwecke mehr und mehr zu nutzen. War es zun&#228;chst nur der kostenlose Browser Chrome, der auf diesem Werbeplatz beworben wurde, so ist es nun <a href="http://mashable.com/2010/01/06/nexus-one-gets-prime-ad-real-estate-google%E2%80%99s-homepage/">seit Kurzem</a> das kostenpflichtige Handy Nexus. Dies geschieht auch bei Nutzung des seit Weihnachten angebotenen „<a href="http://www.techcrunch.com/2010/01/08/google-nexus-one-wifi/">Wi-Fi for Airports</a>“ in den U.S.A. Nach deutschem Recht k&#246;nnte dies wettbewerbswidrig gegen&#252;ber anderen Handyherstellern und somit ein Versto&#223; gegen § 19 GWB sein, was genauer zu analysieren w&#228;re.</p>
<p>Welche <strong>medienpolitischen Handlungsoptionen f&#252;r eine diskrimierungsfreie Plattform</strong> bieten sich hier? Google erreicht in Deutschland gut 16 Millionen Nutzer t&#228;glich (<a href="http://www.acta-online.de/">ACTA 2009</a>). Das ist ein Vielfaches von Spiegel Online, das nur rund eine Million Nutzer erreicht. Beide Angebote sind unterschiedlich: w&#228;hrend die Suchmaschine nur bereits erstellte Inhalte maschinell verarbeitet, werden die Inhalte vom Anbieter des Nachrichtenportals von Menschen erstellt bzw. bearbeitet. Doch stellt sich die Frage, wie die Unabh&#228;ngigkeit der Suchmaschine von artfremden Interessen gesichert werden kann, denn sie ist sicher etwas anderes als ein redaktionelles Angebot, wohl aber – im Hinblick auf den Meinungsbildungsprozess – nicht minder wichtig, weil ihre Nutzung erstens h&#228;ufig der Ausgangspunkt der Meinungsbildung ist und sie zweitens – wie jeder Web-Analytiker wei&#223; – bei 30-70% des Traffics dem Besuch des redaktionellen Angebotes vorausgeht. Daher sollte schon heute politisch diskutiert werden, inwieweit eine neutrale und diskriminierungsfreie Suche nicht auch medienrechtlich verankert werden sollte.</p>
<p>Der Rundfunkstaatsvertrag kennt im Rahmen der &#8220;<a href="http://www.alm.de/123.html">Plattformregulierung</a>&#8221; z.B. Regeln, die einen diskriminierungsfreien Zugang zu Set-Top-Boxen und sogenannten &#8220;elektronischen Programmf&#252;hrern&#8221; sicherstellen sollen. In den Mediengesetzen ist auch geregelt, redaktionelle Inhalte und Werbung zu trennen und zu kennzeichnen. Ich halte es f&#252;r bedenkenswert, diese Plattformregulierung f&#252;r das Internet weiterzuentwickeln. Warum sollte man nicht Aggregatoren auf eine unmanipulierte Selektion verpflichten – und ihnen nur unter Auflagen erlauben, selbst im Inhalte-Gesch&#228;ft t&#228;tig zu sein? Es gibt gerade im Medienbereich sehr strenge Normen und Gesetze, um Sch&#228;den zu begrenzen. H&#228;tte man keine Mediengesetze erlassen, wenn Rudolf Augstein und andere sich „Seien wir nicht b&#246;se“ auf die Fahnen geschrieben h&#228;tten? Welcher Ma&#223;stab soll k&#252;nftig gelten, wenn Nachrichtenaggregation und eigene Inhalteerstellung sich weiter vermischen?</p>
<h4><strong> (3) Unsicherheit im Umgang mit Daten</strong></h4>
<p>Dieser Aspekt wird schon so breit diskutiert, dass ich hier nur kurz zwei Aspekte aufgreifen will, die den Stand der Diskussion betreffen.</p>
<p>Niemand kann langfristig vorhersehen, welche Nutzerdaten welche Schl&#252;sse erlauben werden. Dass die Technikfolgenabsch&#228;tzung der Technik hinterherhinkt und Technik somit &#196;ngste erzeugt, ist wohl Natur der Sache. Doch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sind diese hier wohl verst&#228;ndlich; mehr noch, wer hier pro Google argumentiert, die Einw&#228;nde seien „typisch deutsch“ , argumentiert unhistorisch. Ich pers&#246;nlich w&#252;rde sogar sagen: es ist gut, dass das &#246;ffentliche Bewu&#223;tsein hier noch nicht verblasst ist. Zu diskutieren w&#228;re, wie die <strong>Verschiebung der Datenschutzproblematik vom &#246;ffentlich-rechtlichen in den privatrechtlichen Raum</strong> zu bewerten und zu l&#246;sen ist. Das <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,596685,00.html">sagt</a> immerhin auch der Pr&#228;sident des Bundesverfassungsgerichts.</p>
<p>Das Datenschutzthema wird – das ist meine subjektive Meinung – mit falschem Fokus und <strong>zu kleinteilig diskutiert</strong>. Die Diskussion, ob „Google mehr &#252;ber uns wei&#223; als wir selbst“, ist schon einige Jahre alt, sie wird anhand der personalisierten Dienste wie GMail <a href="http://mashable.com/2007/06/01/my-soul-and-10-other-things-that-google-owns/">gef&#252;hrt</a>; auch best&#228;tigt Google seit langem, dass Inhalte von Mails zu Werbezwecken maschinell ausgewertet werden.</p>
<div id="attachment_21956" class="wp-caption alignright" style="width: 290px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/evilinternet_tabelle.png"><img class="size-full wp-image-21956  " title="Hier klicken f&#252;r Gro&#223;ansicht: Tabelle 'The Evil Internet'" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/evilinternet_preview.png" alt="evilinternet_tabelle_preview" width="280" height="208" /></a><p class="wp-caption-text">Tab.: &quot;The Evil Internet&quot; (Klicken f&#252;r Gro&#223;ansicht)</p></div>
<p>Der Datenschutz wird zudem noch eine viel gr&#246;&#223;ere Dimension als heute bekommen. Es geht n&#228;mlich nicht um Google, es geht auch nicht um Suchmaschinen allein, es geht auch nicht um Facebook oder Soziale Netzwerke. Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Wir wissen aufgrund eines studentischen Experiments am M.I.T., dass m&#228;nnliche Homosexualit&#228;t durch den Abgleich von Freundeslisten maschinell <a href="http://www.boston.com/bostonglobe/ideas/articles/2009/09/20/project_gaydar_an_mit_experiment_raises_new_questions_about_online_privacy/">leicht erkennbar</a> ist. Daran ist nicht das M.I.T. oder Facebook schuld; es setzt auf einer Struktur der betroffenen Gruppe auf, die gewisserma&#223;en statistische „Natur der Sache“ ist und zu Wahrscheinlichkeitswerten in Bezug auf ein bestimmtes Attribut (n&#228;mlich Homosexualit&#228;t) f&#252;hrt. Man sollte hier keine Stellvertreterdiskussion am Beispiel von Google f&#252;hren. Es geht um ein Thema, das die halbe Branche, wichtige Technologien und somit die Nutzung des Internet schlechthin betrifft.</p>
<p>Die <strong>Gesichtserkennung </strong>etwa, wie sie Google in Picasa bereits <a href="http://googleblog.blogspot.com/2009/09/picasa-35-now-with-name-tags-and-more.html">anbietet</a>, ist eine neue Dimension. Anders als die genannten Tendenzen ist dies nicht „nur“ eine Technologie, die freiwillig abgegebene Daten in irgendeiner Weise verarbeitet. Mit der Zuordnung des Gesichts wird die Anonymit&#228;t in der &#246;ffentlichen (und gegebenenfalls auch privaten!) Realit&#228;t aufgehoben. Nun ist auch das kein Google-Thema allein. Google hat jedoch mit der Implementierung dieser Funktion in Googles einen Weg eingeschlagen, mit dem es sich an die Spitze des technisch M&#246;glichen setzt, auch wenn man bislang auf die fehlende Freischaltung dieser Funktion verweist. Eine solche Technologie f&#252;hrt dazu, dass jedermann der M&#246;glichkeit beraubt wird, sich der digitalen Erfassung zu entziehen. Ich halte das f&#252;r eine neue Qualit&#228;t des Eingriffs in Privatsph&#228;re, die nicht mehr vertretbar ist. Dabei ist es f&#252;r meine politische Bewertung unerheblich, dass nicht Google die Fotos macht. Ma&#223;geblich ist, dass Google hier Services bereitstellt.</p>
<h4><strong> (4) Die politische Meta-Ebene</strong></h4>
<p>Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, welchen <strong>Einfl&#252;ssen</strong> Google langfristig ausgesetzt sein wird. Neben einem Managementwechsel sind externe Einflussnahmen auf das Management und sogar ein Takeover m&#246;glich. Inwieweit dies passieren kann, ist eine Frage des Vertrauens in das politische System der USA; eine Frage der Phantasie ist es, wer eines Tages die entscheidenden Aktienpakete erwerben wird.</p>
<p>Da sich aus einer historischen Sicht Nationen um &#214;lfelder, Zugangswege und andere Ressourcen gestritten haben, w&#228;re es aus meiner Sicht keine „angstbedingte &#220;bertreibung“, sondern eine sachliche, historisch bedingte Prognose, dass man auch um Google eines Tages streiten k&#246;nnte. Hinzu kommen die M&#246;glichkeiten der Industriespionage, freilich auch dies eher ein Problem des Umgangs mit dem Internet insgesamt als ein Problem im Zusammenhang mit Google.<br />
<strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Ich habe nach einigen Hintergrundgespr&#228;chen nicht den Eindruck, dass die Politik der Entwicklung noch folgen kann. Bisher jedenfalls habe in der Politik niemanden getroffen, der die heutigen M&#246;glichkeiten gut kennt, sich eine Prognose der technischen M&#246;glichkeiten mittelfristig vorstellen und diese auch politisch rational bewerten kann.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
<h1><strong><a name="Conclusio">Conclusio</a></strong></h1>
<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
Das Vorgehen von Google folgt – so weit von au&#223;en erkennbar – einer rationalen Unternehmensstrategie, die zun&#228;chst einmal nachvollzogen werden sollte. Es gibt keine andere Absicht als die zun&#228;chst einmal legitime der Gewinnerzielung. Wer &#252;ber das Handeln von Google urteilen m&#246;chte – und das ist jedermanns Recht – sollte das Handeln von der Absicht, die Gegenwart von der Zukunft und ethisch-moralische Standpunkte von wettbewerbsrechtlichen und marktpolitischen Standpunkten trennen und im &#252;brigen Google an anderen Konzernen messen.</p>
<p>Einige Sorgen scheinen mir berechtigt, andere nicht. Die &#8220;bedrohliche Menge&#8221; an Aktivit&#228;ten, das &#8220;offensive Gesch&#228;ftsgebahren&#8221; und weitere Punkte sind m.E. kaum so problematisch, wie oft verlautbart wird. Was die Gefahren angeht, mag es sachdienlich gewesen sein, die &#246;ffentliche Diskussion pointiert zu f&#252;hren. Jetzt aber sind wir an einem Punkt angelangt, an dem Versachlichung geboten ist. Dies gilt vor allem f&#252;r die von mir genannten Punkte tektonischer Marktverschiebungen, den Datenschutz und die Missbrauchsm&#246;glichkeiten von Daten in privater Hand. Diese Themen sind aber nach meiner Einsch&#228;tzung strukturell keine reinen „Google-Themen“, sondern der technischen und konzeptionellen Entwicklung des Internets geschuldet, hier ist im Grunde nur die Spitze des Eisbergs im Horizont der Diskussion.</p>
<p>Die politischen Instanzen w&#228;ren – soweit dies nicht bereits im Hintergrund geschieht – gefordert, statt der punktuellen &#196;u&#223;erungen in einen strukturierten Dialog zu treten, der sich auf Basis absehbarer technischer M&#246;glichkeiten mit der mittelfristigen Zukunft in f&#252;nf bis zehn Jahren befasst. Dies ist komplizierter als die Diskussion um eine Internetsperre, aber auch n&#252;tzlicher. Nicht nur Gefahren, sondern auch Regelungschancen liegen hier. Dazu geh&#246;ren – um nur einige Beispiele zu nennen, nicht, um deren Umsetzung zu fordern – konstruktive Mechanismen wie ein Privacy-Layer im Internet, neuartige Anspr&#252;che z.B. auf L&#246;schung privater Daten, organisatorische Trennungsgebote oder ver&#228;nderte aufsichtsrechtliche Strukturen.</p>
<p style="text-align: center;"><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
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<p><span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span><br />
<em>Der Ehrenpreis f&#252;r das Redaktorat dieses Dokuments geht an David Pachali.</em><br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;..</span></p>
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