Kampagne als “Augmented Reality Game”: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei
25.09.2009 | 17 Kommentare
Die Piratenpartei hat bei dieser Bundestagswahl den einzig echten Mitmachwahlkampf geführt. Dabei trägt die “Mission Bundestagswahl” die Züge eines Rollenspiels, das sich in eine Folge von “Quests” zerlegen läßt: Gelöst wurden bisher die Aufgaben Europawahl, Zulassung zur Bundestagswahl, Übernahme der Mehrheiten in den Sozialen Netzwerken. Und nun steht das vorerst letzte Level mit dem Endgegner Wahlurne an.
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Eine verpasste Chance: Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier hastete das Moderatoren-Quartett ohne Atempause durch die Wahlkampf-Agenda.
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Online-Aktivitäten spielen vor den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und im Saarland kaum eine große Rolle – in allen Ländern sind die “Offliner” stark vertreten.
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Bei der Pressekonferenz der Horst-Schlämmer-Partei spielten die Medien sich selbst. Für die Geh-nicht-hin-Kampagne dagegen hielt man das Publikum für zu dumm. Die Kollisionen von medialer und realer Welt nehmen zu.
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Fernsehduelle mit Vertretern einer großen Koalition gelten als langweilig. Das vorzeitige Ende der Kieler Regierung könnte jetzt zusätzliche Würze in die Debatte bringen – die Parteien stehen schon in den Startlöchern für einen Instant-Wahlkampf.
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Vor dem Hintergrund einer erheblich größer und „normaler“ gewordenen Nutzerschaft werden gesellschaftlich relevante Konfliktbereiche offenbar, die noch vor wenigen Jahren als eher exotische Politik-Gegenstände galten. Damit werden digitale Bürgerrechte zu einem echten Politikfeld.
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Das RTL-Townhallformat war eine Merkel-Befragung im “protected mode”. Worüber die FAS am Vormittag noch nörgelte, zeigte am Abend seine Stärke: Twitter. Nicht dabei: die klassischen Medien in ihrer digitalen Enthaltsamkeit.
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Town Hall vs. Duell? Ein Sender- und Parteienklüngel entscheidet über die TV-Debatten
13.05.2009 | 7 Kommentare
Den Fernsehdebatten fehlt die schlichtende Instanz: Ihre Ausgestaltung liegt in den Händen der marktbeherrschenden Sender-Netzwerke und großen Parteien. Sie sind vor allem Selbstdarstellungs-Vehikel für Spitzenkandidaten und Quotengaranten. Es fehlt ein koordinierter Trialog zwischen Politik, Medien und Wählern.
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Das Online-Team des Weißen Hauses bekommt eine Direktorin für Bürgerbeteiligung. Katie Jacobs Stanton hat das Moderationstool von Change.gov mitentwickelt – und kommt direkt von Google.
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Roland Koch entzog sich in Hessen der direkten 1:1-TV-Auseinandersetzung mit seinem Herausforderer. Schade, verschenkt wird damit eine kompakte Präsentation von Personal und Positionen. Der Zuschauer schaltet gelangweilt ab.
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Die fast schon legendäre Online-Kampagne des Thorsten Schäfer-Gümbel steht für einen atemberaubenden Imagewandel des Internets: vom Wahlkampf-Aschenputtel zur „neuen Machtressource“ schlechthin. Obama-Vergleiche mit „TSG“ sind hingegen völlig überzogen – der hoffnungslose Hesse ist eher in einer Sarah Palin-Situation.
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Die Neuauflage des hessischen Landtagswahlkampfs ist im Gange und eine wesentliche Entscheidung scheint bereits gefallen: Fernsehdebatten wird es bei der Neuauflage der Wahl wohl nicht geben. Das ist bedauerlich.
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Der Wahlsieg von Barack Obama basiert auf den “Rovian politics” der Schlüsselstaaten-Kampagne – und auf dem massiven Einsatz des Internets. Diese Machtressource wird aus der politischen Strategie von Obama nicht mehr verschwinden. Sein neuer Stab für das Weiße Haus steht vor der großen Aufgabe, eine überaus erfolgreiche, bürgerbasierte Online-Kampagne allmählich in “Presidential Politics 2.0″ zu transformieren.
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Am Dienstag stand mit dem so genannten Townhall-Meeting in Nashville (Tennessee) ein neues Format auf dem Debattenkalender – diesmal herrschte keine kalte Studioatmosphäre, John McCain und Barack Obama begegneten sich im Kreise eines ausgesuchten Publikums aus demokratischen, republikanischen und unentschlossenen Wählerinnen und Wählern. Trotz des „Palin-Faktors“ hatte Barack Obama seit Beginn des Debattenzyklus die Führung in den Umfragen ausbauen können – damit war John McCain im Zugzwang: er hatte in den vergangenen Tagen eine „Verschärfung des Tones“ in seiner Wahlkampagne angekündigt, ein Vorhaben, das sich nicht gut mit dem „weicheren“ Gesprächsformat der Bürgerversammlung zu vertragen scheint.
Erstmals in der Debattengeschichte

Christoph Bieber 