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	<title>CARTA &#187; Christoph Bieber</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 24 May 2012 17:47:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Der Aufstand des Publikums</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 12:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[W. Lance Bennett]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neuen Medien ver&#228;ndern &#214;ffentlichkeit und B&#252;rgerlichkeit und wirbeln das kommunikative Machtgef&#252;ge zwischen Politik, Medien und Publikum kr&#228;ftig durcheinander. Eine Besprechung aktueller Buch-Neuerscheinungen zum digitalen Strukturwandel der &#214;ffentlichkeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn vom Verh&#228;ltnis zwischen Politik und neuen Medien die Rede ist, ist das Stichwort von der „<strong>Medialisierung von Politik</strong>“ nicht weit. Was hei&#223;t das? Gemeint ist eine Vielzahl von Medienwirkungen, die sich nicht auf den einzelnen Zeitungsleser, Fernsehzuschauer oder Online-Nutzer beziehen, sondern auf die allm&#228;hliche Ver&#228;nderung politischer Prozesse, Institutionen und Systeme. Gingen die wichtigsten Effekte dabei lange auf das Konto der etablierten Massenmedien, so macht sich seit gut einem Jahrzehnt das Internet bemerkbar.</p>
<p>Dank World Wide Web ist die Verbreitung von Texten, Bildern und Videos l&#228;ngst nicht mehr den gro&#223;en Verlags- und Medienh&#228;usern vorbehalten. Immer h&#228;ufiger mischen sich B&#252;rger, Initiativen und Interessengruppen in die &#246;ffentliche politische Debatte ein. Lassen sich &#252;ber das Internet auch solche Menschen f&#252;r die Teilhabe am politischen Prozess gewinnen, die zuletzt politikabstinent waren? Besonders in den Fokus geraten junge Menschen, die <strong>Henry Milner</strong> in seinem Buch „<a href="http://www.amazon.de/Internet-Generation-Historical-Contemporary-Perspectives/dp/1584659386/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1295955527&amp;sr=1-1">The Internet Generation: Engaged Citizens or Political Dropouts</a>“ beobachtet hat. Milner nimmt bei seiner sorgf&#228;ltigen Analyse einen skeptischen Blickwinkel ein: W&#228;chst gerade eine Gruppe „aktiver Netzb&#252;rger“ heran – oder sind die Onliner doch eher „politische Aussteiger“?</p>
<p>In der Mehrzahl ordnet Milner junge Menschen unter 30 Jahren in die zweite Kategorie ein. Wesentlicher Grund f&#252;r die pessimistische Haltung des Autors ist die gro&#223;e Bedeutung des Themas „politisches Wissen“ in seinem Politikkonzept – und dessen auf breiter Front zu beobachtender R&#252;ckgang. Milner vergleicht den politischen Kenntnisstand in den USA, Gro&#223;britannien und Europa miteinander und setzt ihn in Bezug zur Entwicklung politischer Beteiligung. Seine Ergebnisse verweisen auf einen weltweiten R&#252;ckgang politischer Partizipation – am deutlichsten sichtbar anhand derEntwicklung der Wahlbeteiligung.</p>
<p>Milners Fazit: Die Vermittlung von Informationen im Sinne einer politischen Bildung wird durch die Auswirkungen der Medialisierung erschwert, und darunter leidet die Entwicklung hin zum „engagierten B&#252;rger“. Ein Zustand, den der Autor nicht ausschlie&#223;lich dem Internet ankreidet; doch erleichterten dessen Spezifika dem Publikum den Konsum von seichter Unterhaltung: „Mit der Fernbedienung in der Hand kann man ein langweiliges Programm – vielleicht eine Nachrichtensendung – schnell einmal wegdr&#252;cken; mit dem Internet aber hat man die permanente Option zur Auswahl weniger langweiliger Medieninhalte.“ Zwar beschreibt Milner die Internet-Generation nicht ausschlie&#223;lich als passives Unterhaltungspublikum, er ber&#252;cksichtigt auch die Ans&#228;tze einer aktiven, auf Aneignung angelegten Nutzungskultur. Allerdings vermutet er die partizipationsorientierten „Onliner“ in der Minderzahl.</p>
<p><strong>Die Generation Internet macht mobil</strong></p>
<p>Als Beispiel f&#252;r gelungene Mobilisierung gerade von j&#252;ngeren W&#228;hlern verweist Milner auf die Obama-Kampagne, unterstellt hier jedoch vor allem einen erheblichen Star-Bonus: „Es k&#246;nnte sein, dass das Obama-Ph&#228;nomen von 2008 etwas Einzigartiges war, das eine ganz banale Frage aufwirft: F&#252;r wie viele junge Unterst&#252;tzer war Obama einfach nur der Promi des Augenblicks?“ Dass es so einfach wohl nicht ist, zeigt ein Blick auf die Ereignisse rund um die Zwischenwahlen vom November 2010: Seit dem Wahlsieg Obamas hat das konservative Spektrum erheblich aufgeholt und die Mehrheitsverh&#228;ltnisse im Netz auf den Kopf gestellt. Einen erheblichen Anteil daran hatten die „Tea Party Patriots“, ein lose verkn&#252;pftes Netzwerk, das sich als „Soziale Bewegungs-Community“ beschreiben l&#228;sst.</p>
<p>Dieser Begriff ist einer der Kernpunkte in <strong>Victoria Cartys</strong> Buch „<a href="http://www.amazon.de/Wired-Mobilizing-Movements-Technology-Electoral/dp/041588070X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295955667&amp;sr=1-1">Wired and Mobilizing</a>“ – und lie&#223;e sich in Konkurrenz zu Milner ebenfalls als Charaktermerkmal der Generation Internet verstehen. Im R&#252;ckgriff auf theoretische Modelle der Bewegungsforschung unternimmt die Soziologin den Versuch zu kl&#228;ren, wie und warum bei politischen Protesten in den vergangenen Jahren das Internet genutzt wurde. Carty schl&#228;gt dabei einen Bogen von der gegen den Sportartikel-Hersteller Nike gerichteten Kampagne „Students against Sweatshops“ aus dem Jahr 1998 bis zu Obamas erfolgreicher Mobilisierungskampagne 2008.</p>
<p>Die bei aller inhaltlichen F&#252;lle knapp gehaltene Untersuchung eignet sich als anspruchsvolle Begleitlekt&#252;re zu den Ereignissen um die Protestwelle gegen „Stuttgart 21“ oder die Renaissance der j&#252;ngsten CastorProteste. Nat&#252;rlich nutzen auch die etablierten Akteure das Internet als Organisations- und Kommunikationsraum; „Medialisierung von oben“ nennt die Autorin das. Als typisches Beispiel daf&#252;r macht sie die Obama-Kampagne aus, die nur vordergr&#252;ndig ein wenig hierarchischer und flach organisierter Mitmach-Wahlkampf gewesen sei: „Trotz der Bem&#252;hungen von Graswurzelaktivisten bleiben die klassischen politischen Eliten im Zentrum des politischen Prozesses, dabei nutzen sie die computergest&#252;tzte Kommunikation zum B&#252;rgermanagement. Das hei&#223;t, dass Politikmanager digitale Medien nicht nur dazu nutzen, sich an der &#246;ffentlichen Meinung zu orientieren, sondern auch, um deren Entstehung zu beeinflussen.“</p>
<p><strong>Kollektiver Handlungsraum</strong></p>
<p>Eine gro&#223;fl&#228;chige Bestandsaufnahme der neuen politischen Landschaft im Netz unternehmen die Autoren des von <strong>Andrew Chadwick</strong> und<strong> Philip N. Howard</strong> herausgegebenen „<a href="http://www.amazon.de/Routledge-Handbook-Internet-Politics-Chadwick/dp/0415780586/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295955764&amp;sr=1-2">Handbook of Internet Politics</a>“. Neben OnlineWahlkampf, E-Government oder digitaler Staatlichkeit tauchen mehrfach die Themen politisches Engagement und Cyber-Aktivismus auf. So entwickeln Bruce Bimber, Cynthia Stohl und Andrew J. Flanagin das Konzept eines kollektiven Handlungsraums und widmen sich so der vielleicht spannendsten Frage, wenn es um Medialisierung von Politik geht.</p>
<p>Dieser Beteiligungsraum entfaltet sich entlang der Dimensionen „Interaktion“ (durch mehr oder weniger pers&#246;nliche Kommunikation) und „Engagement“ (innerhalb klassischer Institutionen oder als projektbezogene Aktivit&#228;t). Die so entstehende Matrix erlaubt den Autoren nicht nur die Einordnung innovativer politischer Aktivit&#228;ten, die von der Nutzung des Internet gepr&#228;gt sind, sondern auch eine historische Abbildung politischer Organisationsformen. Online-Kommunikation f&#252;hrt nach Ansicht der Autoren zur Ver&#228;nderung s&#228;mtlicher Aspekte politischer Organisation: „Die gr&#246;&#223;te Leistung des Internet als politisches Medium ist seine gro&#223;e Flexibilit&#228;t, denn es kann sowohl Interaktionen wie auch Engagement beeinflussen.“</p>
<p>Diese Unbestimmtheit hat nicht nur den Anstieg „unpers&#246;nlicher“,medial vermittelter Kommunikation zur Folge, sondern kann auch zur Verst&#228;rkung von Bindungen bereits miteinander bekannter Onliner f&#252;hren. „Das Internet hilft gro&#223;en, anonymen Organisationen bei der Suche nach neuen Mitgliedern und der Mobilisierung f&#252;r bestimmte Ziele. Es hilft aber auch kleinen Gruppen von B&#252;rgern mit gemeinsamen Interessen, die sich zusammenschlie&#223;en und gemeinsam handeln k&#246;nnen.“ Obwohl als theoretischer Beitrag angelegt, scheinen hier zwei Themen auf, die in der deutschen Diskussion um Politik im Internet relevant sind: der Umgang der Mitgliederparteien mit der Vielfalt neuer Unterst&#252;tzertypen wie „Freunden“, „Fans“ und „Followern“ und die Nutzung des Internet zur Organisation und Umsetzung von Protestorganisationen, wie etwa den Twitter- und Facebook-Aktivit&#228;ten im Umfeld von „Stuttgart 21“.</p>
<p>&#220;ber die Zusammenh&#228;nge zwischen Identit&#228;t, Technologie und Narrativen diskutieren <strong>W. Lance Bennett</strong> und <strong>Amoshaun Toft</strong> in ihrem Aufsatz „<a href="http://www.amazon.de/Routledge-Handbook-Internet-Politics-Chadwick/dp/0415780586/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295955764&amp;sr=1-2">Transnational activism and social networks</a>“. Zentral f&#252;r solche Formen politischer Kommunikation sei das Verh&#228;ltnis unterschiedlicher Bindungstypen („strong ties“ und „weak ties“) innerhalb der Netzwerke. Bennett und Toft liefern damit &#252;beraus n&#252;tzliches Hintergrundmaterial zu der gerade in den USA gef&#252;hrten Debatte um Authentizit&#228;t und Qualit&#228;t politischer Proteste. Eine Debatte, bei der die Bef&#252;rworter der zu Zeiten der B&#252;rgerrechtsbewegung dominierenden „starken Bindungen“ den neuen Formaten „schwach gebundener“ OnlineKommunikation via Facebook oder Twitter eine politische Wirkung absprechen.</p>
<p>Innerhalb der neuen, internet-basierten oder auch nur internetnutzenden politischen Organisationen &#252;bernimmt nach Bennett und Toft allerdings bereits die Bindungsstruktur wichtige Aufgaben: „Der Kommunikationsprozess wird selbst zur Organisationsstruktur, wenn er die Technologie untrennbar mit dem sozialen Netzwerk selbst verkoppelt.“ Anschaulich illustriert wurde diese Feststellung am Wochenende des Castor-Transports ins Wendland – der harte Kern der Protestierenden operierte vor Ort in der N&#228;he des Endlagers Gorleben, doch erhielt er logistische und kommunikative Unterst&#252;tzung &#252;ber das Internet. Viele „Onliner“ beteiligten sich durch spontane Mitteilungen via Facebook und Twitter an der Berichterstattung &#252;ber die Route des CastorZuges und wurden auf diese Weise zeitweilig Teil einer „virtuellen Protestgemeinschaft“.</p>
<p>Bennetts und Tofts Sichtweise markiert einen qualitativen Sprung in der Debatte um politische Online-Beteiligung: Das Netzwerk wird als Plattform zum integralen Bestandteil der Organisation und liefert einen Grund daf&#252;r, warum das Handeln von Protestierenden in unterschiedlichen historischen Zeitr&#228;umen nur schwer (oder gar nicht) vergleichbar ist. Nebenbei findet sich hier ein Hinweis auf die Sonderstellung der Piratenpartei in der Parteienlandschaft der Bundesrepublik – anders als f&#252;r die Bundestagsparteien ist f&#252;r die Piraten der Kommunikationsprozess tats&#228;chlich inh&#228;renter Bestandteil der Organisation. F&#252;r die etablierten Akteure ist er lediglich ein externes Werkzeug, f&#252;r das noch nicht die richtige Schnittstelle gefunden scheint.</p>
<p><strong>Junge Tante BBC</strong></p>
<p>Zwei eher historisch argumentierende Untersuchungen aus Gro&#223;britannien ordnen die politische Mediennutzung in einen gr&#246;&#223;eren Rahmen ein und kn&#252;pfen damit an J&#252;rgen Habermas’ <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturwandel_der_%C3%96ffentlichkeit">&#220;berlegungen</a> zum „<a href="http://www.amazon.de/Strukturwandel-%C3%96ffentlichkeit-Untersuchungen-b%C3%BCrgerlichen-Gesellschaft/dp/3518284916">Strukturwandel der &#214;ffentlichkeit</a>“ an. <strong>Neil Washbourne</strong> beschreibt in seiner Studie „<a href="http://www.amazon.de/Mediating-Politics-Neil-Washbourne/dp/0335217591/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295956242&amp;sr=1-1">Mediating Politics</a>“ medien- und &#246;ffentlichkeitsbezogene Effekte sowie die Funktionsweise von „Intermedi&#228;ren“ wie Parteien, Lobbygruppen und Institutionen, die sich zwischen Repr&#228;sentierte und Repr&#228;sentanten schieben.</p>
<p>Einen ausf&#252;hrlichen Streifzug durch die allm&#228;hliche Technisierung bzw. Medialisierung der &#214;ffentlichkeit unternehmen <strong>Stephen Coleman</strong> und <strong>Karen Ross</strong> in „<a href="http://www.amazon.de/Media-Public-Discourse-Communication-Interest/dp/1405160403/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295956538&amp;sr=1-1">The Media and the Public</a>“. Coleman und Ross analysieren die Folgen dieser Entwicklungen f&#252;r den &#246;ffentlichen Rundfunk und diskutieren sie anhand des Modernisierungsprozesses der BBC. Bei der Beschreibung der allm&#228;hlichen &#214;ffnung der altehrw&#252;rdigen Rundfunkinstitution ger&#228;t der deutsche Leser ins Staunen – von einem solchen Wandel zu innovativen Formen von Berichterstattung und Zuschauerbeteiligung ist der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande noch weit entfernt.</p>
<p>In der un&#252;bersichtlichen Multimediawelt von heute k&#246;nnen erst im produktiven Zusammenwirken der Beteiligten im Wortsinn politische &#214;ffentlichkeiten entstehen. Der Schl&#252;ssel liegt in der Aktivierung der Zuschauer, die gerade in den neuen Medien immer einfacher wird, denn das „aktive Publikum h&#246;rt nicht einfach nur zu oder sieht fern, es macht sich seinen eigenen Reim auf die Medienangebote, interagiert mit ihnen und setzt sie manchmal auch f&#252;r eigene Zwecke neu zusammen.“ Gemeint sind jene Techniken, die der Politik immer h&#228;ufiger Kopfzerbrechen bereiten: das digitale Bearbeiten von Wahlplakaten und Politikerfotos, die Kritik politischer Personen und Handlungen in Weblogs, das Erstellen, Ver&#228;ndern und Verbreiten von Videos oder die unmittelbare Reaktion auf politische Ereignisse und Aussagen bei Facebook und Twitter.</p>
<p>Mit dem „erweiterten Publikum“ bem&#252;ht Neil Washbourne eine &#228;hnliche Denkfigur. Aktive Zuschauer „sind in diesem komplexen Setting in der Lage, Texte und Nachrichten als ‚Story‘ zu interpretieren und diese Geschichte mit ihrem eigenen Leben zu vergleichen“. Offenbar klaffen aber gro&#223;e L&#252;cken zwischen der medial vermittelten Wirklichkeit und der pers&#246;nlichen Situation, denn f&#252;r Washbourne liegt hier der Schl&#252;ssel f&#252;r die Schwierigkeit der Ansprache jugendlicher W&#228;hler. Die Perspektive des „Hauptpublikums medialisierter Politik“ weicht immer st&#228;rker von der klassischen Institutionenpolitik ab – eine Diagnose, der auch Henry Milner zustimmen k&#246;nnte.</p>
<p>Insbesondere Formate der Zuschauerbeteiligung sind es, die Coleman und Ross in den Blick nehmen. Die alten Formen wie Leserbriefe, Telefonanrufe oder Zwischenrufe des Studiopublikums erlauben nicht mehr als eine „vertikale Interaktivit&#228;t“ zwischen den B&#252;rgern („wir hier unten“) und den Medien oder der Politik („die da oben“). Stadtteilzeitungen, Fanzines oder B&#252;rgerradios beg&#252;nstigen dagegen eine „horizontale Interaktivit&#228;t“, die zur Entwicklung alternativer &#214;ffentlichkeiten f&#252;hren kann und das „Wir-Gef&#252;hl“ des Publikums st&#228;rkt.</p>
<p>Die Ausbreitung des Internet hat inzwischen zu einer „virtual publicness“ gef&#252;hrt, in der Websites, Blogs und soziale Netzwerke die zeitgem&#228;&#223;en Formen einer „politischen Zuschauerbeteiligung“ sind. Wohl wissend, dass sich hier Ans&#228;tze zur Mobilisierung finden lassen, aber auch die Verst&#228;rkung von Informationsungleichgewichten droht, kommen Coleman und Ross zu einem abw&#228;genden Fazit: „Die Erlangung von Aufmerksamkeit ist bislang verschoben in Richtung der &#246;konomisch und politisch M&#228;chtigen. Allerdings gibt es Grund zur Annahme, dass kleinere Akteure im Internet bessere Chancen haben, ein Thema auf die Agenda zu setzen als unter den Bedingungen der alten Medien.“</p>
<p>Ein solcher „Kampf um &#214;ffentlichkeit“ offenbarte sich zuletzt am Beispiel der Schlichtungsgespr&#228;che um „Stuttgart 21“. W&#228;hrend Politik und Massenmedien die Fernseh&#252;bertragung der von Heiner Gei&#223;ler geleiteten Freitagsrunden als „demokratisches Experiment“ feierten, wuchs seitens der B&#252;rgerinitiativen der Unmut &#252;ber das Diskutieren in geschlossener Runde auf der alten Medienb&#252;hne. In der Zwischenzeit sucht nicht mehr nur die gut vernetzte Generation Internet nach M&#246;glichkeiten der &#214;ffnung und Beteiligung am Verfahren – l&#228;ngst nutzt auch das „b&#252;rgerliche Protestmilieu“ neue Technologien, um sich Geh&#246;r zu verschaffen.</p>
<p>Crosspost aus <a href="http://www.internationalepolitik.de/" target="_blank">Internationale Politik</a> (IP) mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor
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		<title>Borrow, recycle, reinvent: Open Data und Johnsons Naturgeschichte der Innovation</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Nov 2010 07:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Steven Johnson]]></category>

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		<description><![CDATA[Verschl&#228;ft man hierzulande gerade einen wichtigen Trend auf dem Weg zur offenen, digitalen Verwaltung? Ist im Pixelsturm der Entr&#252;stung um Google Streetview die spannende Diskussion um die Entwicklung hin zum „Open Government“ untergegangen? Die Thesen aus Steven Johnsons neuem Buch "Where Good Ideas Come From" lassen auch in Deutschland f&#252;r die Zukunft hoffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ba1a6f50a12d48d1956c18faf6efc53a" width="1" height="1" alt=""/>Die Amerikaner haben es vorgemacht, die Briten intelligent kopiert und die Deutschen – nun ja, die hinken hinterher: die Freigabe &#246;ffentlicher Daten &#252;ber Plattformen wie data.gov oder data.uk.gov wird jenseits von &#196;rmelkanal und Atlantik als wichtiger Schritt zur Verwaltungsmodernisierung angesehen. Bei den einstigen Erfindern der modernen Amtsstube spielt die massenhafte Freigabe von Datens&#228;tzen durch Regierungen und nachgeordneten Beh&#246;rden bislang noch keine Rolle.</p>
<p>Allenfalls ein paar randst&#228;ndige Akteure wie das <a href="http://opendata-network.org">Open Data Network e.V.</a> und die Mitglieder des <a href="http://www.gov20.de/">Government 2.0 Netzwerk e.V.</a> setzen sich intensiv mit den M&#246;glichkeiten der dezentralen Bearbeitung &#246;ffentlicher Daten auseinander (vgl. den Beitrag von <a href="http://carta.info/35424/open-data-in-deutschland-ein-langer-weg-zur-freiheit-fuer-behoerdendaten">Julius Endert</a>). Deren Projekte wie „<a href="http://bund.offenerhaushalt.de/">Der transparente Bundeshaushalt</a>“ muten im Vergleich zu den internationalen Vorbildern eher amateurhaft an, sind aber dennoch im nationalen Vergleich als innovativ zu bewerten. Verschl&#228;ft man hierzulande gerade einen wichtigen Trend auf dem Weg zur offenen, digitalen Verwaltung? Ist im Pixelsturm der Entr&#252;stung um Google Streetview die spannende Diskussion um die Entwicklung hin zum „Open Government“ (<a href="http://opengovernment.labs.oreilly.com/">Tim O&#8217;Reilly</a><a href="http://opengovernment.labs.oreilly.com/"></a>) untergegangen?</p>
<p>Ja, genau so scheint es.</p>
<p>Aber sind diese &#214;ffnungsbem&#252;hungen der Beh&#246;rden tats&#228;chlich ein viel versprechender Innovationsansatz? Was k&#246;nnen „offene Daten“ f&#252;r ein Gemeinwesen leisten? Wer au&#223;er den fast schon sprichw&#246;rtlichen „Nerds“ kann mit diesen Daten etwas anfangen? Und wer <em>will</em> das &#252;berhaupt? Ist die nahezu schrankenlose Publikation von Statistiken, Verbrauchs- und Haushaltsdaten wirklich eine so gute Idee?</p>
<p>Fragt man den hierzulande viel zu selten gelesenen US-Autor Steven Johnson, dann lautet dessen Antwort: Ja – und zwar mit einem deutlichen Ausrufezeichen dahinter.</p>
<p>Johnson hat in seinem Buch <em>Where Good Ideas Come From. </em><em>The Natural History of Innovation</em> den sich wandelnden Charakter von Innovationen beschrieben. Er r&#228;umt dabei mit dem Mythos des „genialen Erfinders“ auf und schildert immer wieder relativ lange Vorlauf-Phasen, die dem tats&#228;chlichen Durchbruch einer Innovation vorausgehen. Er verwendet daf&#252;r den Begriff des <em>slow hunch</em>, der „langsamen (Vor-)Ahnung“, die lediglich einen unvollst&#228;ndigen Ansatz oder eine Teill&#246;sung f&#252;r eine sp&#228;ter erfolgende Innovation darstellt.</p>
<blockquote><p>Most hunches that turn into important innovations unfold over much longer time frames. They start with a vague, hard-to-describe sense that there´s an interesting solution to a problem that hasn´t yet been proposed, and they linger in the shadows of the mind, sometimes for decades, assembling new connections and gaining strength. (77)</p></blockquote>
<p>Gesellschaftlich relevante Innovationen sind Johnson zufolge nur in Ausnahmef&#228;llen das Resultat individueller Kreativit&#228;t und Sch&#246;pfungsleistung, sondern entstehen sehr viel h&#228;ufiger in einem langsamen, von R&#252;ckschl&#228;gen und Irrwegen gepr&#228;gten Hindernislauf mit mehreren Teilnehmern.</p>
<p>Dabei gewinnen in den letzten Jahrzehnten vor allem solche Innovationsans&#228;tze an Bedeutung, die von mehreren Akteuren vorangetrieben werden und dabei innerhalb eines nicht-kommerziell gepr&#228;gten Umfeldes agieren. Der &#246;ffentliche Sektor scheint demnach als Umfeld f&#252;r k&#252;nftige Innovationen durchaus gut geeignet:</p>
<blockquote><p>Government bureaucracies have a long and richly deserved reputation for squelching innovation, but they possess four key elements that may allow them to benefit from the innovation engine of an emerging platform. (196)</p></blockquote>
<p><strong>Als diese vier wichtigen Grundbedingungen bezeichnet Johnson den Daten-Reichtum der B&#252;rokratie, ein breit vorhandenes Interesse an &#246;ffentlichen Datenbest&#228;nden, den grunds&#228;tzlichen Willen der B&#252;rger, sich in &#246;ffentliche Prozesse einzubringen und die Tatsache, dass Regierungen sich nicht dem kommerziellen Wettbewerb stellen m&#252;ssen.</strong></p>
<p>Im Falle der US-amerikanischen Open Data-Bewegung sind die „slow hunches“ gut zu erkennen: viele Ideen, die inzwischen ihren Platz auf Websites wie <a href="http://www.data.gov/">data.gov</a>, <a href="http://usaspending.gov/">usaspending.gov</a> oder <a href="http://www.recovery.gov/">recovery.gov</a> gefunden haben, wurden zuvor in kleinerem Rahmen erprobt. Der f&#252;r die Datenoffensive im Wei&#223;en Haus verantwortliche <em>Chief Information Officer</em> <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Vivek_Kundra">Vivek Kundra</a> hatte mit &#228;hnlichen Formaten bereits vor 2008 im Washingtoner Bundesdistrikt experimentiert. In diesem Umfeld ist auch der Wettbewerb <a href="http://www.appsfordemocracy.org/">„Apps for Democracy“</a> entstanden, bei dem Software-Entwickler Anwendungen einreichen konnten, die in einer beliebigen Form auf &#246;ffentlichen Daten basieren.</p>
<p>Johnson verweist gen&#252;sslich auf den letztlich doch verworfenen Arbeitstitel <em>Hack the Disctrict</em> und z&#228;hlt die Erfolge dieser Initiative auf, die er scharf von bisherigen, nach innen zielenden Modernisierungsprogrammen abgrenzt:</p>
<blockquote><p>When Al Gore set about to „reinvent government“ during the Clinton aministration, one of that project ambitious goals was to make the bureaucracy more innovative. (…) What Apps for Democracy suggests is a more open-ended idea: some of the best ideas for government are likely to come from <em>outside</em> the government. (196)</p></blockquote>
<p>Die britischen Bem&#252;hungen um offene Daten setzen ihrerseits schon an den US-amerikanischen &#220;berlegungen an – das Resultat ist ein verbessertes Daten-Handling f&#252;r interessierte Entwickler und vor allem die M&#246;glichkeit zur Einreichung von Ideen zur Nutzbarmachung von Datens&#228;tzen. Auf diese Weise &#246;ffnet sich die Plattform data.gov.uk auch f&#252;r ein weniger technik-affines Publikum.</p>
<p>Auch dieser Lernprozess ist ein typisches Muster erfolgreicher Innovationen. Neues entsteht h&#228;ufig durch die Re-Kombination bereits vorhandener Einzelteile, Johnson belegt dies anhand zahlreicher Beispiele. In seiner „Naturgeschichte der Innovation“ reihen sich dabei unter anderem Johannes Gutenberg, Klimaanlagen, Miles Davis, Ada Lovelace, Korallenriffe und Tim Berners-Lee aneinander.</p>
<p>Wo aber stehen nun die deutschen Open Data-Ans&#228;tze? Wohlwollend betrachtet, k&#246;nnte man sagen, dass sie sich bislang noch in der „Vorahnungsphase“ befinden, verteilt &#252;ber mehrere <em>slow hunches</em>. In Nordrhein-Westfalen haben Open Data-Ideen zwar den Weg in den Koalitionsvertrag gefunden, die von der SPD geforderte Etablierung eines „Landes-CIO“ in der Staatskanzlei ist dagegen gescheitert. Als potenzielle Innovationstr&#228;ger firmieren hierzulande die eingangs genannten Vereine und Initiativen – und gerade das l&#228;sst f&#252;r die Zukunft hoffen.</p>
<p>Denn im Schlusskapitel seines Buchs ordnet Steven Johnson Innovationen aus sechs Jahrhunderten in einem Koordinatensystem, dabei hat sich im Zeitverlauf der „vierte Quadrant“ zur treibenden Kraft entwickelt. Dort versammeln sich keine genialen Erfinderfiguren mit dem n&#228;chsten Patentantrag im Kopf, sondern <strong>Akteurs-Netzwerke</strong>, die nicht in erster Linie durch kommerzielle Interessen angetrieben werden.</p>
<blockquote><p>No, these non-market, decentralized environments do not have immense paydays to motivate their participants. But their openness creates other, powerful opportunities for good ideas to flourish. (232)</p></blockquote>
<p>Der in jedem Fall vorhandene Entwicklungsr&#252;ckstand im deutschen Datenland muss also noch keine &#252;berm&#228;&#223;ige Sorgen ausl&#246;sen. Allerdings sind der <strong>Kontakt und der Austausch mit klassischen Verwaltungsakteuren eine wichtige Grundbedingung f&#252;r einen Erfolg des Open Data-Modells</strong> in der Fl&#228;che – die in der Debatte um Google-Streetview bei einigen Regierungsakteuren grassierende Pixelpanik ist dabei allerdings wenig hilfreich. Doch es gibt ja auch das Modell <a href="http://www.oberstaufen.de/index.shtml?aktuelles&#038;press=0000004448">Oberstaufen</a>.</p>
<p>Gerade im f&#246;deralen System k&#246;nnen die allm&#228;hlich voran schreitenden Experimente mit offenen Daten produktive Konkurrenzen ausl&#246;sen – wenn sich die Beteiligten nicht als Gegner, sondern als Ko-Produzenten begreifen, die jeweils wertvolle Beitr&#228;ge zu einer gemeinsamen, offenen Innovation leisten. Der Preis des Nichtwissens um den Ausgang solcher Prozesse ist dabei in Kauf zu nehmen. Nicht von ungef&#228;hr schlie&#223;t Johnson sein Buch mit den Worten: „borrow, recycle, reinvent“.</p>
<p><em>Steven Johnson: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1594487715?ie=UTF8&amp;tag=berliinsti-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=1594487715">Where Good Ideas Come From: The Natural History of Innovation</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=berliinsti-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=1594487715" border="0" alt="" width="1" height="1" />. New York: Riverhead Books, 2010, 326 Seiten (Amazon-Partnerlink).</p>
<p>Au&#223;erdem gibt es ein gutes <a href="http://www.youtube.com/watch?v=NugRZGDbPFU">Werbevideo</a> von zum Buch:</em><br />
<object width="560" height="340"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/NugRZGDbPFU?fs=1&amp;hl=de_DE"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/NugRZGDbPFU?fs=1&amp;hl=de_DE" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="340"></embed></object>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/35958/borrow-recycle-reinvent-open-data-und-johnsons-naturgeschichte-der-innovation/">Borrow, recycle, reinvent: Open Data und Johnsons Naturgeschichte der Innovation</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/35958/borrow-recycle-reinvent-open-data-und-johnsons-naturgeschichte-der-innovation/#comments">5 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35958&amp;md5=9e19205374780b14d31d8279ac972cca" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Im Maschinenraum der Zensursula-Kampagne</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 06:14:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie "#zensursula" zu einem der erfolgreichsten Internet-Meme und Mobilisierungskampagnen wurde: Dieser Auszug aus "politik digital" nimmt die "historische" Perspektive  zur Bewegung vor einem Jahr ein. Profitieren konnte davon zun&#228;chst die Piratenpartei, inzwischen ist auch deutlich geworden, dass an dieser Stelle das Politikfeld der “Netzpolitik” seine Wurzeln hat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ace9125237264dde8bde6b0d0647efbe" alt="" width="1" height="1" />Als Gerd Eist alias <a href="http://twitter.com/erdgeist/">@erdgeist</a> am fr&#252;hen Morgen des 25. M&#228;rz den Begriff »Zensursula« in eine seiner <a href="http://twitter.com/erdgeist/status/1384916742">Twitter-Mitteilungen</a> einbaute, ahnte er wohl nicht, dass er damit <em>das</em> Online-Wort des Superwahljahres 2009 erfunden hatte. Die Kombination aus »Zensur« und »Ursula« wurde in den folgenden Monaten zum popul&#228;ren Kampfbegriff gegen die von der Ministerin vehement geforderten Internetsperren.</p>
<div id="attachment_34866" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/erdgeist.jpg"><img class="size-medium wp-image-34866" title="erdgeist" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/erdgeist-300x130.jpg" alt="" width="300" height="130" /></a><p class="wp-caption-text">Erdgeists Kombination aus »Zensur« und »Ursula« wurde in den folgenden Monaten zum popul&#228;ren Kampfbegriff.</p></div>
<p>Der unverhohlene Verweis auf die Praxis der Zensur tauchte die Versuche der deutschen Politik, im Umgang mit kinderpornografischen Inhalten neue Wege einzuschlagen und unerw&#252;nschte Online-Inhalte zu sperren, in ein grelles Licht. Von der Leyens Sperrkampagne hatte schon im Januar 2009 begonnen, als auf Initiative des Familien­ministeriums eine Kooperation zwischen dem Bundeskriminalamt und f&#252;nf Internet-Providern zur Blockade von Online-Angeboten vereinbart worden war.</p>
<p>Stein des Ansto&#223;es der Zensursula-Kritiker war dabei das technische Vorgehen, lediglich den Zugang zu den Angeboten zu blockieren, jedoch keine L&#246;schung des Materials <a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/kinder-und-jugend,did=121760.html">vorzunehmen</a>:</p>
<blockquote><p>»Die Sperren […] verhindern, dass die illegalen Seiten mit kinderpornografischem Inhalt durch Eingabe des Namens aufgerufen werden k&#246;nnen. In der Regel erscheint dann eine erl&#228;uternde STOPP-Seite.«</p></blockquote>
<p>Hierf&#252;r hatte das Ministerium einen Entwurf in der Form eines <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kinder_stopp.png&amp;filetimestamp=20090418174246">Stoppschildes</a> vorgelegt, der im weiteren Verlauf der Kampagne zu einem wichtigen visuellen Motiv des Protestes avancierte.</p>
<p>Die plakative Gegen&#252;berstellung »L&#246;schen statt Sperren« hatte das Thema zun&#228;chst als eher technische Verfahrensfrage erscheinen lassen, weshalb die Kritik sich oft auf Hinweise zur Umgehung solcher Blockaden beschr&#228;nkte. Erst durch den Perspektiv­wechsel auf den Vorgang der staatlich gesteuerten Unterdr&#252;ckung von Internet-Inhalten auf einer unsicheren rechtlichen Basis und die Bezeichnung als »Zensurvorwurf« erhielt die Diskus­sion jene Dynamik, die sie zur bisher folgenreichsten netz­politischen Debatte der Bundesrepublik werden lie&#223;.</p>
<p>Die Verh&#228;rtung der Diskussionsfront hatte jedoch auch f&#252;r die Bef&#252;r­worter der Internetsperren Vorteile. Aus deren Perspektive lief es nun auf die Vereinfachung hinaus, dass die Zensursula-Fraktion keine Schritte zur Eind&#228;mmung kinderpornografischer Inhalte einleiten wolle. Prominentestes Opfer dieser Auseinandersetzung wurde der SPD-Politiker Bj&#246;rn B&#246;hning: Im Juni verlieh die <a href="http://www.bildblog.de/8741/wer-ist-schon-gegen-kinderporno-gegner/">BILD-Zeitung</a> dem Berliner den zweifelhaften Titel »Verlierer des Tages«.</p>
<p>Vor allem aber entwickelte Zensursula ein erstaunliches Eigen­leben im Netz. Gerd Eists Tweet wurde zun&#228;chst zwar nur von wenigen Nutzern gelesen, verbreitete sich aber durch andere Twitterer sehr schnell. So notierte Tim Pritlove, ein vor allem f&#252;r seine Online-Radiosendungen bekannter Medien­macher, in seinem Weblog <a href="http://tim.geekheim.de/2009/06/28/das-mrchen-von-zensursula-und-den-sieben-zwergen"><em>The Lunatic Fringe</em></a>:</p>
<blockquote><p>»Dieser Tweet sprang mir sp&#228;ter ins Gesicht und irgendwie gefiel mir die plastische Kopplung der beiden W&#246;rter. Ich formte daraus selbst am sp&#228;ten Abend des selben Tages diesen wenig kreativen Tweet: Eine Zensursula findet statt.«</p></blockquote>
<p>Pritloves Mitteilungen werden aufgrund seiner Online-Bekanntheit von vielen Menschen gelesen: Sein Twitter-Account <a href="http://twitter.com/timpritlove">@timpritlove</a> hat aktuell mehr als zw&#246;lftausend Follower und rangiert damit unter den 50 meistgelesenen in Deutschland.</p>
<p>Damit lagen die Zutaten f&#252;r ein klassisches »<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Internet_meme">Internet-Mem</a>« bereit. Gemeint ist damit zun&#228;chst einmal eine fixe Idee, die sich etwa mit einem Bild, einer Animation oder einem kurzen Video illustrieren l&#228;sst und fortan in hoher Frequenz durch das Internet weitergereicht wird. <a href="http://tim.geekheim.de/2009/06/28/das-mrchen-von-zensursula-und-den-sieben-zwergen/">Zensursula</a> gilt inzwischen als eines der erfolgreichsten dieser kleinteiligen Internet-Ph&#228;nomene, die sich auf unterschiedlichen Wegen durch das Netz verbreiten.</p>
<p>Durch die erste Erw&#228;hnung bei Twitter folgte alsbald die Erweiterung des Begriffs um das Raute-Zeichen. W&#228;hrend der immer hek­tischer werdenden Online-Debatte um die Einf&#252;hrung von Internet­sperren diente der <a href="http://blog.zdf.de/tvduell/2009/09/die-stecknadel-im-heuhaufen--.html">Hashtag</a> #Zensursula nicht nur als absch&#228;tzige &#196;u&#223;erung &#252;ber die Pl&#228;ne von Parlament und Regierung oder als direkter Angriff auf Ursula von der Leyen, sondern auch als Erkennungsmarke, anhand derer man einzelne Diskussionsbeitr&#228;ge wiederfinden und sammeln konnte. Nachtr&#228;gliche <a href="http://www.google.com/trends?q=zensursula&amp;ctab=0&amp;geo=all&amp;date=2009">Auswertungen</a> zur Verwendung von #Zensursula erlauben es daher, Verlauf und Intensit&#228;t der Online-Debatte darzustellen.</p>
<div id="attachment_34871" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/googlechartzensursula.jpg"><img class="size-medium wp-image-34871" title="googlechartzensursula" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/googlechartzensursula-300x148.jpg" alt="" width="300" height="148" /></a><p class="wp-caption-text">Der H&#246;hepunkt der &#246;ffentlichen #zensursula-Auseinandersetzung laut Google Trends.</p></div>
<p>Der H&#246;hepunkt der &#246;ffentlichen Auseinandersetzung l&#228;sst sich damit ganz pr&#228;zise auf den Zeitraum vom 14. bis 21. Juni festlegen: In dieser Woche endete die Laufzeit der Online-Petition gegen die Internet­sperren (16. Juni), diskutierte und beschloss der Bundestag den Entwurf des Zugangserschwerungs­gesetzes (18. Juni) und es gingen in mehreren St&#228;dten Demons­trations­z&#252;ge unter dem Banner »L&#246;schen statt sperren« auf die Stra&#223;e (20. Juni).</p>
<p>Die politische Echtzeitkommunikation spielte dabei aus mehreren Gr&#252;nden eine wichtige Rolle, denn formelle Tr&#228;­ger oder Organisatoren der Kampagne gab es zun&#228;chst nicht. Die eifrige Verwendung des Begriffs Zensursula, die Weiter­leitung oder Kommentierung entsprechender Mitteilungen oder ­auch die Ver&#228;nderung des Twitter-Profilbildes mithilfe eines »Zensiert!«-Schriftzuges sorgten f&#252;r eine allm&#228;hliche Gruppenbildung ­und trugen zu einer virtuellen Identit&#228;tsfindung bei.</p>
<p>Dass sich ­durch die Nutzung verschiedener Techniken der Online-­­Kommu­ni­kation ein Kampagnennetzwerk formiert, das &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum Bestand haben kann und schlie&#223;lich bestimmte Leistungsrollen ausbildet, ist ein g&#228;ngiges Muster bei informellen Online-Kampagnen ohne klares Aktionszentrum. Das kann die Ent­wicklung von Logos, Illustrationen oder anderer visueller Elemente sein, ebenso die Sammlung und Archivierung von Debatten­beitr&#228;gen oder auch die Online-Vorbereitung und Koordination von Offline-Events wie etwa Mahnwachen oder Demonstrationen.*</p>
<p>Im weiteren Verlauf der Kampagne wurde diese virtuelle Protestinfrastruktur immer enger an das sich formierende Netzwerk der Piratenpartei angebunden – damit begann die allm&#228;hliche Institutionalisierung des Widerstandes gegen die Internetsperren&#8230;</p>
<p style="margin-bottom: 1em;">
<p><a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html"><img class="size-full wp-image-34559   alignright" title="poldi-cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a><em>Dies ist ein Ausschnitt aus Christoph Biebers neuen Buch “<a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html">politik digital. Online zum W&#228;hler</a>”, es erschien am 01.10.2010 im <a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/">blumenkamp verlag</a> und kann dort f&#252;r 15 € <a href="http://www.shop-016.de/blumenkamp-p9h1s2-Christoph-Bieber-pol.html">bestellt</a> werden.</em></p>
<p><em>Au&#223;erdem daraus auf Carta:</em></p>
<ul>
<li>1. Teil: <a href="../../34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/">Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</a>, inkl. dem Ausschnitt &#8220;Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA&#8221;.</li>
<li>2. Teil: <a href="../../34569/die-neue-politische-klasse-netzpolitik-org-saschalobo-und-der-chaos-computer-club/">Die neue politische Klasse: netzpolitik.org, @saschalobo und der Chaos Computer Club</a></li>
</ul>
<p><em>Christoph Bieber ver&#246;ffentlichte auf Carta im Juni 2009 auch &#8220;<a rel="bookmark" href="../../11004/acht-thesen-zu-den-folgen-der-zensursula-debatte/">Acht Thesen zu den Folgen der #zensursula-Debatte</a>&#8220;.</em></p>
<p style="margin-bottom: 2em;">
<p>*Ausf&#252;hrlich dargestellt werden diese Mechanismen in Bieber, Christoph (2010): &#8220;NoBailout und #Zensursula. Online-Kampagnen ­­in ­­der Referendumsdemokratie.&#8221; In: Kamps, K./Scholten, H./Schommer, G.­/­Seelig­m&#252;ller, I. (Hg.): <em>Politische Kampagnen in der Referendumsdemokratie.</em> Wiesbaden, im Erscheinen. Eine hervor­ragende &#220;bersicht zur digitalen Identit&#228;tsbildung liefert Costanza-Chock, Sasha (2003): &#8220;<a href="http://ecosia.org/goto.php?w=1&amp;a=0&amp;q=%22Mapping%20the%20Repertoire%20of%20Electronic%20Contention.%22&amp;u=http%3A%2F%2Fwww-scf.usc.edu%2F%7Ecostanza%2Felectronic_rep_draft.pdf">Mapping the Repertoire of Electronic Contention.</a>&#8221; (PDF) In: Opel, Andy/Pompper, Donnalyn (Hg.): <em>Representing Resistance. Media, Civil Disobedience, and the Global Justice Movement.</em> Westport. S. 173-191.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34573/im-maschinenraum-der-zensursula-kampagne/">Im Maschinenraum der Zensursula-Kampagne</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34573/im-maschinenraum-der-zensursula-kampagne/#comments">5 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34573&amp;md5=65f82abfbfba3c06a94708c1971328a8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die neue politische Klasse: netzpolitik.org, @saschalobo und der Chaos Computer Club</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 10:47:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Vertreter der "digitalen Intelligenz" sind mittlerweile wichtige Akteure einer neuen politischen &#214;ffentlichkeit geworden. Ihre Verbindung aus Publikationsplattform mit angeschlossenem Kampagnen­netzwerk, politisch sensibilisiertem Online-­Unternehmer und kollektivem Kontrollorgan mit technologischer Expertise liefert erste Hinweise auf die Beschaffenheit politischer Akteure innerhalb einer vernetzten Zivilgesellschaft. Um sie geht es in diesem exklusiven "Vorabdruck" aus "politik digital. Online zum W&#228;hler".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1733efb1749349eabeee037e4afeecb4" alt="" width="1" height="1" />Politik im und mit dem Internet bringt nicht nur neue Kommuni­kationsroutinen, sondern auch neue Akteure hervor. Franziska Heine zum Beispiel hat ihren Ruf als Gesicht der Zensursula-Kampagne durch die Einbringung der E-Petition erhalten, aber auch durch ihre zahlreichen Auftritte in den alten Medien.</p>
<p>Eine solche Personalisierung ist ein weit verbreitetes Ph&#228;nomen moderner Politik und bietet Chancen wie Risiken zugleich. F&#252;r die Vergr&#246;&#223;erung der &#246;ffentlichen Sichtbarkeit eines Themas sind Einzelpersonen wichtige Aufmerksamkeitsverst&#228;rker, im Fall politischer Kampagnen werden jedoch dar&#252;ber oft die zahl­reichen Aktivisten aus den Tiefen der Netzwerke &#252;bersehen.</p>
<p>Die Fokussierung auf K&#246;pfe statt auf Themen ist zudem – zumindest in einer fernsehbasierten Mediendemokratie wie der Bundesrepublik – der beherrschende Operationsmodus medial vermittelter Politik geworden. L&#228;ngst setzen Politiker und Parteien die Technik der Personalisierung als Kommunikations- und Vereinfachungsstrategie ein, und selbst die Gestaltung von Regierungspolitik lebt inzwischen von diesem Stilmittel. Die Namen Philipp R&#246;sler, Karl-Theodor zu Guttenberg oder ­Kristina Schr&#246;der verweisen weniger auf Inhalte oder Themen der jeweiligen Ressorts als auf die Images eines neuen Typs von Politik-Machern.</p>
<p>Am anderen Ende des Politikbetriebs hat l&#228;ngst auch die Piratenpartei mit den Notwendigkeiten der Personalisierung Bekanntschaft gemacht, denn allein schon um die schnell entstandene Organisation am Leben zu erhalten, sind rudiment&#228;re Hierarchien und F&#252;hrungsstrukturen notwendig. Mit den bisweilen radikal basisdemokratischen Anspr&#252;chen dieser neuen Netzwerkpartei l&#228;sst sich die formale Hervor­hebung einiger weniger K&#246;pfe allerdings kaum vereinbaren – dennoch scheint eine personale Konzentration unumg&#228;nglich, um im Politik­betrieb &#252;berhaupt kompatibel zu erscheinen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus verk&#252;rzt die Fokussierung auf Einzelpersonen den Blick auf andere Triebkr&#228;fte der politischen Online-­Aktivit&#228;ten. Dass hinter den wenigen Leitfiguren eine breite, lebhafte und erstaunlich ausdifferenzierte Szene entstanden ist, die eine kulturelle Fundierung der Netzpolitik darstellt, ist den meisten Beobachtern verborgen geblieben.</p>
<p>Vielleicht k&#246;nnen einige Blogger, Programmierer und Online-Aktivisten, die sich netzpolitischen Fragen widmen, tats&#228;chlich als Vertreter einer »digitalen Intelligenz« gelten, von der seit Ende 2009 immer h&#228;ufiger die Rede ist. Personen wie Jens ­Seipenbusch, Bundesvorsitzender der Piraten­partei, Markus ­Beckedahl, Kopf hinter Deutschlands einfluss­reichstem Weblog netzpolitik.org, oder auch Sascha Lobo, digitaler Platzhirsch, &#246;ffentlicher Einmischer und SPD-Berater, wirken als Vorboten einer neuen politischen Klasse. Auch Frank Rieger und ­Constanze Kurz verleihen nicht nur dem »Chaos Computer Club« zwei Gesichter, sondern greifen in die eminent politischen Debatten um Datenschutz, Informations­sicherheit oder die Einf&#252;hrung von Wahlcomputern ein. Der Bielefelder Medienk&#252;nstler und -aktivist padeluun macht sich seit Jahren um den &#246;ffentlichen Kenntnisstand zu &#220;berwachung und Datenmissbrauch verdient.</p>
<p>Diese Avantgarde wird f&#252;r die gesellschaftlichen Entwicklungen im Zeichen der Digitalisierung allerdings dringend ben&#246;tigt, denn sie nutzt im Zusammenspiel mit der etablierten Medien&#246;ffentlichkeit schon vorhandene Foren, erfindet aber auch neue Formate politischer Kommunikation und Kollaboration. Perspektivisch wichtiger scheint jedoch ein neuer Mainstream, der sich eher unaufgeregt und weniger sichtbar mit den gesellschaftlichen Implikationen der digitalen Kultur auseinander­setzt und etwas darstellt, was man fr&#252;her vielleicht ein soziales Milieu genannt h&#228;tte.</p>
<p><strong>netzpolitik.org, @SaschaLobo, CCC</strong></p>
<p>Das Internet als »nat&#252;rlicher« Lebensraum einer neuen poli­tischen Klasse erscheint als Fluch und Segen zugleich: Die produktive Aneignung dieses Kommunikationsraums und die Verkn&#252;pfung mit den Routinen des Politikbetriebs bietet ganz offen­sichtlich viele M&#246;glichkeiten f&#252;r Quereinsteiger, davon han­deln beinahe alle Online-Erfolgsgeschichten des Super­wahljahres 2009. Dies funktioniert sogar auf einer individuellen ­Ebene, wenn sich Einzelpersonen als relevante Sprecher in einer sich neu formierenden politischen &#214;ffentlichkeit positionieren k&#246;nnen.</p>
<p>Ein herausragendes Beispiel hierf&#252;r ist Markus Beckedahl, dessen seit 2004 aktiver Weblog <strong><a href="http://www.netzpolitik.org">netzpolitik.org</a></strong> inzwischen zu einer Art <strong>Leitmedium </strong>geworden ist. Ver&#246;ffentlicht werden dort Nachrichten, Artikel, manchmal auch Kurzstudien zu aktuellen Themen und Ereignissen im neuen Politikfeld »Digitale B&#252;rgerrechte«. Au&#223;erdem fungiert das Blog als Kampagnen- und Organisationsplattform f&#252;r Veranstaltungen, die sich mit relevanten Fragen zur politischen Nutzung von Computern und Netzwerken befassen.</p>
<p>Das Angebot ist eine feste Gr&#246;&#223;e in der Spitzengruppe der durch den franz&#246;sischen Informations­dienst­leister Wikio erstellten europ&#228;ischen Blog-Rangliste. Mit hoher Reichweite und gro&#223;em Ansehen in internationalen Fachkreisen hat sich das Weblog inzwischen eine Art informelle Meinungsf&#252;hrerschaft zu netzpolitischen Themen erarbeitet. Beckedahl ist ein gefragter Ansprechpartner und Experte, netzpolitik.org wird l&#228;ngst in den alten Medien wahrgenommen und zitiert – von der <em>FAZ </em>genauso wie vom <em>Spiegel</em>, der Tagesschau oder der <em>New York Times</em>.</p>
<p>Noch vor ein paar Jahrzehnten h&#228;tte sich aus diesem Angebot vielleicht eine klassische Print­­publi­ka­tion entwickelt, jedoch w&#228;re dies heute eine eher unzeitgem&#228;&#223;e Institutionalisierung eines &#214;ffentlichkeitsakteurs. Bei Vortr&#228;gen bezeichnet Beckedahl sein Projekt gern als eine Mischung aus <em>taz</em> und Greenpeace, um das Gemenge aus publizistischem Angebot, Interessenvertretung und Nicht-­Regierungsorganisation zu un­ter­streichen. Wichtige Synergieeffekte bringt auch die j&#228;hrlich in Berlin stattfindende Veranstaltung »re:publica«, die vor allem von den Printmedien kritisch als »Leistungsschau der deutsch­sprachigen Blogosph&#228;re« einge­sch&#228;tzt wird. F&#252;r Beckedahl ist die mehrt&#228;gige Konferenz, zu der stets auch hochkar&#228;tige G&#228;ste aus dem Ausland anreisen, eine Mischung aus Agenda-Setting, netzpolitischer Plattform, Szenetreff und finanzieller Grund­sicherung seines Weblogs.</p>
<p>Ebenso in Berlin residiert mit <strong><a href="http://http://saschalobo.com/">Sascha Lobo</a></strong> ein weiterer &#214;ffentlichkeitsakteur, der wie Markus Beckedahl nicht mehr aus der Debatte um die Zukunft des Internet als offener Kommunikations­raum auszuschlie&#223;en ist. Lobo agiert als digitaler Selfmademan, inszeniert sich massiv als Online-Marke, twittert mit dem Rest des Landes um die Wette und schreibt in sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit B&#252;cher zu Themen des digitalen Lebensstils. Er f&#252;hrt ein weitgehend &#246;ffentliches Leben im Netz und »nennt es Arbeit« – im Anklang an den Untertitel eines Buches &#252;ber die »Digitale Bohème«, f&#252;r das er gemeinsam mit dem Publizisten Holm Friebe verantwortlich zeichnet. ­</p>
<p>Lobos hohe Dikurslautst&#228;rke und bisweilen r&#252;cksichtslose Selbstvermarktung haben ihm gerade aus der sogenannten Internet-­Community reichlich Kritik eingetragen. Doch funktioniert das System Lobo nicht durch einen Ausverkauf an die alte und neue Economy, sondern eher in der konsequenten Besetzung &#246;ffentlicher Sprecherrollen. Hierzu nutzt Lobo ein fein gesponnenes Netzwerk aus Online-Pr&#228;senzen, in denen seine private Homepage und vor allem eines der reichweitenst&#228;rksten Twitter-­Profile in Deutschland als zentrale Ankerpunkte fungieren. Lobo macht aus seiner ideologischen Vor­liebe f&#252;r die Sozialdemokratie keinen Hehl und unterst&#252;tzt die Partei als Mitglied in deren »Gespr&#228;chskreis Netzpolitik«, als lautstarker Kritiker der Piraten oder als parteinaher Online-­Intellektueller nach Kr&#228;ften.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Akteur der netzpolitischen Landschaft ist in Berlin beheimatet, wenngleich der »<strong><a href="http://www.ccc.de/">Chaos Computer Club</a></strong>« (CCC) auch in anderen St&#228;dten Deutschlands vertreten ist. Das politische Zentrum dieses bereits 1981 in Hamburg gegr&#252;ndeten Vereins liegt allerdings in der Hauptstadt, dort arbeitet auch die Informatikerin Constanze Kurz, eine wichtige Person f&#252;r die vom CCC ma&#223;geblich mitbestimmte Debatte um den Einsatz von Wahlcomputern. Auch dieser Bereich ist ein elementarer Bestandteil des neuen Politikfeldes.</p>
<p>W&#228;hrend sich die me­diale Aufmerksamkeit beim Thema »Digitalisierung von Politik« h&#228;ufig auf die Entwicklungen im Internet konzentriert, spielen bei immer mehr politischen Prozessen Computer eine zentrale Rolle.</p>
<p>Die Organisation von Wahlen mithilfe rechner­gesteuerter Wahlger&#228;te ist ein solches Einsatzgebiet, und in den letzten Jahren hat gerade die massive Kritik des »Chaos Computer Clubs« erheblichen Einfluss auf die Modernisierung der Stimmabgabe in Deutschland genommen. Hauptansatzpunkte f&#252;r die Forderung nach einem Verbot von Wahlmaschinen sind Sicherheitsl&#252;cken, Manipulationsanf&#228;lligkeit und fehlende Trans­parenz der Stimmabgabe an Wahlcomputern, die anstelle einer herk&#246;mmlichen Wahlurne eingesetzt werden. Mittels eines Tasten­feldes, auf dem der Stimmzettel nachgebildet ist, gibt der W&#228;hler seine Stimme ab, danach erfolgt die automatisierte Ausz&#228;hlung und Speicherung des Wahlergebnisses, das nach Schlie&#223;ung der Wahllokale vom Wahlleiter ausgelesen wird.</p>
<p>Probleme bei der Verwendung solcher Wahlcomputer hatte der CCC im Verbund mit der nieder­l&#228;ndischen Gruppierung »Wir vertrauen Wahlcomputern nicht« aufgezeigt. Dabei wurde die Konvertierung eines rechner­gesteuerten Wahlger&#228;tes in einen Schach­computer vorgef&#252;hrt. Mithilfe eines Videos, das den nur wenige Minuten dauernden Austausch von Speicherbausteinen zeigte, wurden zahlreiche Schwachstellen der Ger&#228;te-Konstruktion offen­gelegt. Durch solche praktischen Demonstrationen der Manipulations­anf&#228;lligkeit schwand das Vertrauen staatlicher Wahl­organisatoren in die von kommerziellen Dienstleistern bereit­gestellte Technologie, w&#228;hrend Mitglieder des CCC zu gefragten Experten in politischen Planungsprozessen wurden.</p>
<p>Im Fall der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl im Jahr 2008 wurde nicht zuletzt durch die Intervention des CCC der Einsatz eines digitalen Wahlstifts verhindert, obwohl der Senat bereits mehrere Millionen Euro in das Wahlsystem investiert hatte und die nachtr&#228;gliche Umr&#252;stung auf Papierstimmzettel und manuelle Ausz&#228;hlungen ebenfalls in Millionenh&#246;he zu Buche schlug. Auch das Bundesverfassungsgericht greift immer wieder auf das Know-How der Computer-Aktivisten zur&#252;ck, wenn es um die Beurteilung gesellschaftlich relevanter Fragen beim Einsatz von Computertechnologie geht.</p>
<p>Akteure wie netzpolitik.org, @saschalobo oder der »Chaos Computer Club« stellen die Spitze eines Eisberges dar. Dieses Trio aus Publikationsplattform mit angeschlossenem Kampagnen­netzwerk, politisch sensibilisiertem Online-­Unternehmer und kollektivem Kontrollorgan mit technologischer Expertise liefert erste Hinweise auf die Beschaffenheit politischer Akteure innerhalb einer vernetzten Zivilgesellschaft.</p>
<p>Je nach F&#228;hig­keiten und Interessenlage dominiert die inhaltliche Auseinandersetzung mit politischen Themen, die Entwicklung neuer Modelle zur Kooperation mit etablierten politischen Akteuren oder die Auseinandersetzung, Pr&#252;fung und Kritik der Hardware-­Seite im technologie-getriebenen politischen Modernisierungsprozess. In all diesen Segmenten werden sich in Zukunft weitere Akteure formieren, die sich mit dem Kontext einer neuartigen Medialisierung von Politik besch&#228;ftigen und dabei den etablierten politischen Kr&#228;ften auf der einen und den Vertretern herk&#246;mmlicher Massenmedien auf der anderen Seite voraus sind.</p>
<p>Das Resultat wird eine neue politische &#214;ffentlichkeit sein, die sich nicht auf die Beobachtung und Begleitung politischer Prozesse beschr&#228;nken wird, sondern aufgrund einer der digitalen, interaktiven Kommunikations­umgebung inh&#228;renten »Architektur der Partizipation« (Tim O’Reilly) auch aktiv in deren Gestaltung eingreift.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Au&#223;erdem zum Thema auf Carta:</em></p>
<ul>
<li> Christoph Bieber: <a href="../../34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/">Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</a> (mit dem ersten Ausschnitt <strong>Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA</strong>)</li>
<li>Stefan Mey: <a rel="bookmark" href="../../27200/beckedahl-netzpolitik-org-ist-ein-open-source-geschaeftsmodell/">Beckedahl: „Netzpolitik.org ist ein Open-Source-Gesch&#228;ftsmodell.“</a></li>
</ul>
<p><a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html"><img class="size-full wp-image-34559  alignleft" title="poldi-cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a><em>Dies ist ein Ausschnitt aus Christoph Biebers neuen Buch “<a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html">politik digital. Online zum W&#228;hler</a>”, es erscheint am heutigen Freitag, den 01.10.2010 im <a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/">blumenkamp verlag</a> und kann dort f&#252;r 15 € <a href="http://www.shop-016.de/blumenkamp-p9h1s2-Christoph-Bieber-pol.html">bestellt</a> werden.</em></p>
<p style="margin-bottom: 8em;">
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34569/die-neue-politische-klasse-netzpolitik-org-saschalobo-und-der-chaos-computer-club/">Die neue politische Klasse: netzpolitik.org, @saschalobo und der Chaos Computer Club</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34569/die-neue-politische-klasse-netzpolitik-org-saschalobo-und-der-chaos-computer-club/#comments">8 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34569&amp;md5=6536f734dc541cb82a3b701c3b3c5fac" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 13:48:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Carta pr&#228;sentiert drei Ausz&#252;ge aus dem Buch "politik digital. Online zum W&#228;hler" - mit so verhei&#223;ungsvollen Titeln wie "Im Maschinenraum der Zensursula-Kampagne" oder "Die neue politische Klasse". Den Anfang macht: "Parteien reloaded" mit einem Blick auf die au&#223;erparteilichen Unterst&#252;tzerorganisationen in den USA, die gerade vor den anstehenden Midterm-Wahlen an Bedeutung gewinnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/27b45b8faf074544b742fabf2a6f5195" alt="" width="1" height="1" />In meinem Buch &#8220;<a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html">politik digital. Online zum W&#228;hler</a>&#8221; nehme ich eine Bestandsaufnahme der Entwicklungen im politischen Teil des Internet seit der US-Pr&#228;sidentschaftswahl 2008 vor: Auf den &#8220;Obama-Effekt&#8221; folgten das deutsche Superwahljahr mit der Zensursula-Kampagne und dem Aufstieg der Piratenpartei.</p>
<p>Soziale Netzwerke und Echtzeitkommunikation geh&#246;ren seitdem zum festen Bestandteil politischer Kommunikation &#8211; doch formiert sich dadurch wirklich eine neue politische Klasse? Sicher ist, dass die Auswirkungen nicht nur online sp&#252;rbar sind: angesichts sinkender Mitgliederzahlen und einer zunehmenden Wahlm&#252;digkeit geraten zuk&#252;nftige Entwicklungspfade der Parteien ebenso in den Blick wie Fragen nach einer mediengest&#252;tzten Modernisierung des W&#228;hlens.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg"><img class="size-full wp-image-34559 alignright" title="poldi-cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a>Auf <em>Carta</em> ver&#246;ffentliche ich in den n&#228;chsten Tagen drei kurze Ausz&#252;ge daraus: im Abschnitt &#8220;<strong>Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA</strong>&#8221; geht es um den sich vor den Midterm-Elections gerade voll entfaltenden Kampf zwischen &#8220;Online-Linken&#8221; und &#8220;Online-Rechten&#8221;. Im Mittelpunkt stehen dabei &#8220;Organizing for America&#8221;, die aus der Obama-Kampagne entstandene demokratische Vorfeldorganisation und die &#8220;Tea Party Patriots&#8221; als deren Gegenst&#252;ck im konservativen Spektrum.</p>
<p>Der zweite Abschnitt ist der Einstieg in das Kapitel &#8220;<strong>Die neue politische Klasse</strong>&#8220;: Hier stelle ich mit Markus Beckedahl, Sascha Lobo und Constanze Kurz drei Vertreter der &#8220;digitalen Intelligenz&#8221; vor, die mittlerweile wichtige Akteure einer neuen politischen &#214;ffentlichkeit geworden sind. Dieses Trio steht dabei f&#252;r die m&#246;glichen Folgen der &#8220;Architektur der Partizipation&#8221;, die Tim O´Reilly in seinem Grundlagentext zum Web 2.0 skizziert hat.</p>
<p>Der dritte Auszug nimmt eine &#8220;historische Perspektive&#8221; ein. Die Passage &#8220;<strong>Im Maschinenraum der Zensursula-Kampagne</strong>&#8221; beschreibt die Entstehung des Hashtags &#8220;#zensursula&#8221; und damit den Beginn der gleichnamigen Kampagne. Profitieren konnte davon zun&#228;chst die Piratenpiratei, inzwischen ist auch deutlich geworden, dass an dieser Stelle das Politikfeld der &#8220;Netzpolitik&#8221; seine Wurzeln hat.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Hier nun der erste Auszug:</p>
<p><strong>Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA</strong></p>
<p>Dass die hierzulande in die Jahre gekommene Organisationsform vielleicht doch noch eine Zukunft hat, zeigt sich in den USA, wo Parteiorganisationen jahrhundertelang nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. In einer &#252;berraschenden Wendung scheint gerade dort die Zersplitterung politischer &#214;ffentlichkeit im Verbund mit den M&#246;glichkeiten individuali­sierbarer politischer Kommunikation und Beteiligung neue politische Vergemeinschaftungsformen hervorzubringen.</p>
<p>So ist aus den &#252;ber die Website <a href="http://my.barackobama.com">My.BarackObama.com</a> registrierten Wahlkampf-­Unterst&#252;tzern die Vereinigung »Organizing for America« (OFA) hervorgegangen: eine Art B&#252;rgerverband, der sich seitdem als eine zweite Parteibasis neben der klassischen Partei­b&#252;rokratie der Demokraten im eher linken, progressiven politischen Spektrum etabliert hat. Oberstes Ziel der OFA ist die Begleitung der pr&#228;sidentiellen Agenda, sichtbar zum Beispiel bei der Durch­setzung der Gesundheitsreform.</p>
<p>Immer wieder hatte sich Obama &#252;ber das OFA-Netzwerk an die Unterst&#252;tzer gewandt und um R&#252;ckhalt f&#252;r seine Ideen geworben. Direkt aus dem Wei&#223;en Haus h&#228;tte der Pr&#228;sident dies nicht tun d&#252;rfen – »Organizing For America« als im Wortsinn »virtuelle Partei­b&#252;rokratie« fungiert hier im Sinne einer Hilfskonstruktion, die den Zugriff auf einen E-Mail-Verteiler mit einer Gr&#246;&#223;en­ordnung im zwei­stelligen Millionenbereich m&#246;glich macht. Charles ­Homans, Autor f&#252;r das Fachjournal Washington Monthly, h&#228;lt die netzbasierte Unterst&#252;tzerstruktur f&#252;r so etwas wie die »Obama-­Partei«.</p>
<p>Falsch ist diese Einsch&#228;tzung sicher nicht. Im ganzen Land haben sich auch nach der Wahl Freiwillige gefunden, die in ihrem pers&#246;nlichen Umfeld die Werbetrommel f&#252;r den Pr&#228;sidenten und seine Politik r&#252;hren. Es wird noch immer zu Nachbarschaftsabenden geladen, an T&#252;ren geklopft und zur Kontaktaufnahme mit Kongressmitgliedern aufgerufen. »Wir haben eine leistungsf&#228;hige und nachhaltige Infrastruktur aufgebaut, in jedem Bundesstaat, sogar in jedem Wahlbezirk des Kongresses gibt es Unterst&#252;tzer«, betont Jeremy Bird, stellvertretender OFA-Direktor.</p>
<p>Die Unterorganisationen auf regionaler Ebene f&#252;hren eigene B&#252;ros, pflegen ihre Facebook-Seiten oder versenden Nachrichten via Twitter. Gerade aus europ&#228;ischer Perspektive scheint hier tats&#228;chlich so etwas wie eine Pr&#228;sidenten­partei zu entstehen, die sich der Begleitung und Durchsetzung der Politik des Wei&#223;en Hauses auf lokaler Ebene verschrieben hat.</p>
<p>Dass es sich dabei um ein zeitgem&#228;&#223;es US-amerikanisches Erfolgs­modell handelt, zeigen die Erfolge der rechtskonser­vativen »Tea-Party«-Aktivisten auf der anderen Seite des ideologischen Grabens im Vorfeld der Zwischenwahlen im November 2010. Nach einem &#228;hnlichen Muster haben sich auch weit jenseits des progressiv-demokratischen Lagers lose miteinander verkoppelte Unterst&#252;tzergruppen formiert, die ebenfalls massiv auf die Mittel der Online-Kommunikation setzen.</p>
<p>Anders als bei OFA fehlen bei der »Tea Party« allerdings die Fokussierung auf einen personellen Fixpunkt und ein zentrales Register als R&#252;ckgrat der Organisation. Zwar wird mit Sarah Palin immer wieder eine republikanische Hoffnungstr&#228;gerin als m&#246;gliche Integrations­figur der Aktivisten genannt, doch ist der tats&#228;ch­liche Stellenwert der ehemaligen Gouverneurin von Alaska im konservativen Ausrichtungsprozess nach der Wahlniederlage von 2008 noch unklar.</p>
<p>Bislang funktioniert die Unterst&#252;tzung im Zeichen des Teebeutels vor allem auf lokaler und regionaler Ebene, oftmals in klarer Abgrenzung zu Themen und Personen aus dem Umfeld von Pr&#228;sident Obama. Bisher das beste Beispiel lieferte die Wahl des Republikaners Scott Brown zum Senator in Massachusetts gegen die vom Pr&#228;sidenten gest&#252;tzte Demokratin Martha Coakley im Fr&#252;hjahr 2010.</p>
<p>Die Zukunft der »Tea Party«-Bewegung ist vor allem an einen Dialog mit der republikanischen Partei gekn&#252;pft. Inhaltliche Standpunkte (Steuersenkungen, B&#252;rokratieabbau, Markt­radika­lismus) werden bislang unabh&#228;ngig von Parteiplattformen platziert, &#252;ben aber durchaus einen Einfluss auf die innerparteiliche Willensbildung und Programmentwicklung aus.</p>
<p>Noch ist aus der grunds&#228;tzlichen Ablehnung der Obama-Administration aber l&#228;ngst keine eindeutig pro-republikanische Str&#246;mung entstanden, sondern im Gegenteil haben die »Tea Party«-Anh&#228;nger in mehreren F&#228;llen das konservative Lager gespalten und so zu Vorwahl-Erfolgen demokratischer Kandidaten gef&#252;hrt. Inwiefern es zu einer Homogenisierung der inner- und au&#223;erparteilichen Str&#246;mungen im konservativen Spektrum kommt, wird erst die zweite H&#228;lfte der Amtszeit von Pr&#228;sident Obama zeigen.</p>
<p>Schon jetzt aber wird deutlich, dass sich in den USA politische Beteiligung und Organisation nicht mehr allein auf die Zeit der gro&#223;en Wahlkampagnen konzentriert, sondern dass gerade durch die produktive Nutzung digitaler, interaktiver Medienangebote eine neue, auf Dauer angelegte Beteiligungskultur m&#246;glich geworden ist.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>&#8220;politik digital. Online zum Wähler&#8221; erscheint am 01.10.2010 im <a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/">blumenkamp verlag</a> und kann dort f&#252;r 15 € <a href="http://www.shop-016.de/blumenkamp-p9h1s2-Christoph-Bieber-pol.html">bestellt</a> werden.</em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/">Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/#comments">4 comments</a>
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		<title>Afghanistan-Protokolle: Die Konjunktur des Lecks dank Wikileaks</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 09:40:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der &#246;ffentliche Umgang mit Informationen befindet sich im Umbruch. Guardian, Times und Spiegel zeigen: Der medialen Aufbereitung der Daten kommt gro&#223;e Bedeutung zu. Eine Bestandgarantie f&#252;r konventionellen Journalismus und "alte Massenmedien" mag wohl kaum noch jemand geben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b12dac425198490db8ea58f4646cd181" alt="" width="1" height="1" />Die koordinierte Ver&#246;ffentlichung der „Afghanistan War Logs“ durch die Internet-Plattform <a href="http://wikileaks.org/"><strong>Wikileaks</strong></a>, die <em><a href="http://www.nytimes.com/interactive/world/war-logs.html">New York Times</a></em>, den <em><a href="http://www.guardian.co.uk/warlogs">Guardian</a></em> und den <em><a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,708311,00.html">Spiegel</a></em> hat seit dem <em>Scoop</em> am Wochenende f&#252;r viel Wirbel gesorgt.</p>
<p>Die „politische“ Auslegung und Kommentierung der Dokumente ist meine  Sache nicht, hierzu fehlen mir die Kenntnisse &#252;ber Hintergrund und  Entwicklung des Konflikts und die diversen milit&#228;rischen Operationen.</p>
<p>F&#252;r mich spannend ist allerdings die <strong>„Neukonfiguration der  &#214;ffentlichkeit“ durch die Nutzung der digitalen, interaktiven  Medienumgebung des Internet</strong>. Wie es der Zufall will, habe ich vor kurzem  einen Vortrag an der <a href="http://www.nrwschool.de/">NRW School of Governance</a> zum Thema „Die Ethik des Lecks“ gehalten, Ankn&#252;pfungspunkt war unter  anderem das von Wikileaks verbreitete „Collateral Murder“-Video eines <a href="http://www.collateralmurder.com/">Helikopterangriffs in Bagdad mit zivilen Opfern</a>.</p>
<p>In der Pr&#228;sentation habe ich die These aufgestellt, dass gerade die  technologisch ver&#228;nderten M&#246;glichkeiten zur Dokumentenweitergabe in  Zukunft f&#252;r eine „Konjunktur des Lecks“ sorgen w&#252;rde:</p>
<blockquote><p>Bedingt durch die Digitalisierung k&#246;nnen inzwischen nicht  mehr nur „einfache“ Text- oder Tondokumente zum Gegenstand von  Informationsweitergaben werden, sondern auch massenmedial vorzeigbare  Filmsequenzen (Collateral Murder) oder abstrakte Datensammlungen  (Steuers&#252;nder-CD). Zugleich &#228;ndert sich auch der Prozess der Weitergabe:  wurde fr&#252;her mit den Medien als „Vierter Gewalt“ ein relativ autarkes  Subsystem mit Informationen versorgt, treten inzwischen NGOs  (Watchdog-Organisationen) und kleinere Medien-Akteure wie Weblogs oder  Online-Plattformen an deren Stelle.</p></blockquote>
<p>Ganz offensichtlich bem&#252;ht sich Wikileaks hier nun um eine  Maximierung der &#246;ffentlichen Aufmerksamkeit und stellt so eine im  Normalfall eher unwahrscheinliche <strong>Allianz dreier gro&#223;er Medienakteure</strong> her. Neben einer zus&#228;tzlichen „Authentifizierungsschleife“ erhalten die  Dokumente dadurch auch so etwas wie ein „Narrativ“: pressegeschichtlich  werden sie in eine Reihe mit den „Pentagon Papers“ gestellt, und die  Konkurrenz von staatlicher Informationshoheit mit der enth&#252;llenden Kraft  der Vierten Gewalt wird betont.</p>
<p>Angesichts des Umfangs der Dokumente erscheint eine solche Rahmung  auch zwingend n&#246;tig, denn wie anders als durch eine <strong>angemessene  journalistische Inszenierung</strong> (der Begriff ist hier ausnahmsweise einmal  positiv konnotiert) h&#228;tte die ungeheure Menge von mehr als 90.000  Einzeldokumenten einem gr&#246;&#223;eren Publikum vermittelt werden k&#246;nnen?</p>
<p>An dieser Stelle f&#228;llt auf, wie unterschiedlich die drei Medien-Partner mit dem Material umgehen. W&#228;hrend der <em><strong>Guardian</strong></em> sich an innovativen Formaten eines „<a href="http://opendata-network.org/2010/04/data-driven-journalism-versuch-einer-definition/">Daten-Journalismus</a>“ (<a href="http://www.guardian.co.uk/media/pda/2010/jan/15/digital-media-journalism-education">Mercedes Bunz</a>) versucht (<a href="http://www.guardian.co.uk/world/datablog/video/2010/jul/25/afghanistan-war-logs-video-tutorial">Video-Tutorial</a>, <a href="http://www.guardian.co.uk/world/datablog/interactive/2010/jul/26/ied-afghanistan-war-logs">Timeline</a>, <a href="http://www.guardian.co.uk/world/blog/2010/jul/26/afghanistan-war-logs-wikileaks">Live-Blog</a>), exekutieren die <em><strong>New York Times</strong></em> und <em><strong>Der Spiegel</strong></em> noch eher den „klassischen Stil“ des Online-Journalismus.</p>
<p>Die <em><strong>New York Times</strong></em> bietet neben ausf&#252;hrlichen Artikeln und Kommentaren auch einige <a href="http://www.nytimes.com/interactive/world/26warlogs.html">Texte im Original</a>, Audio-Files als eine Art „making of“ der Reportage sowie den Redaktions-Blog <a href="http://atwar.blogs.nytimes.com/2010/07/25/the-war-logs/">„At War“</a>, der die Reaktionen auf die Ver&#246;ffentlichungen sammelt und kommentiert.</p>
<p><em><strong>Der Spiegel</strong></em> verbindet dagegen nicht mehr als  (zugegeben: informierte, gut recherchierte und pr&#228;zise geschriebene)  Artikel, einige Grafiken, die unvermeidlichen Fotostrecken und eine  Reihe belehrender „Themenseiten“ zu einem zwar umfangreichen, aber auch  eher konventionellen Nachrichten-Mix.</p>
<p>Im internationalen Vergleich  m&#252;ssen die Hamburger ihren New Yorker und vor allem Londoner Kollegen  den Vortritt lassen. Doch selbstverst&#228;ndlich gilt: Innovation ist l&#228;ngst  nicht alles, zumal bei einem solch sensiblen Thema – allein die moderne  Aufmachung sorgt nicht automatisch f&#252;r einen besseren Journalismus.</p>
<p>Da es jedoch den Anschein hat, als hielte sich der Neuigkeitswert der  in den Dokumenten enthaltenen Informationen in Grenzen, kommt der  medialen Aufbereitung sowie dem „Stil“ des Umgangs in und mit einer  ver&#228;nderten &#214;ffentlichkeit gr&#246;&#223;ere Bedeutung zu. Hier schlie&#223;en sich nun  weiter gehende Fragen an: hat das „Crowdsourcing“ tats&#228;chlich gerade  erst begonnen, wie <strong>Micah Sifry</strong> bei <em>techPresident.com</em> fragt? Der einflussreiche Online-Journalist/Lobbyist hofft auf die <a href="http://techpresident.com/blog-entry/wikileaks-releases-giant-trove-secret-us-documents-afghan-war">Einbindung m&#246;glichst vieler Freiwilliger</a> zur intensiven Pr&#252;fung der verf&#252;gbaren Dokumente und sieht darin einen  Mehrwert, den traditionelle Medien bisher nicht bieten k&#246;nnen.</p>
<p>Noch weiter aus dem Fenster lehnt sich der New Yorker Journalismus-Professor <strong>Jay Rosen</strong>, einer  der profil- und meinungsst&#228;rksten Wissenschaftler in diesem Feld:  <a href="http://twitter.com/jayrosen_nyu/status/19576499228">„Ich  sage ja fast nie, dass irgendwas im Bereich der Medien wirklich neu  ist. Aber heute habe ich nachgedacht und gehe dieses Risiko ein“</a>. F&#252;r Rosen ist die Unabh&#228;ngigkeit von national eingepferchten Kommunikations-Regimes <a href="http://journalism.nyu.edu/pubzone/weblogs/pressthink/2010/07/26/wikileaks_afghan.html">der zentrale Bonus</a> von Wikileaks:</p>
<blockquote><p>„In der Mediengeschichte bis heute darf eine freie  Presse dar&#252;ber berichten, was die M&#228;chtigen geheim halten wollen, weil  nationale Gesetze es so wollen. Wikileaks aber kann &#252;ber das berichten,  was die M&#228;chtigen geheim halten wollen, weil die Logik des Internet es  erlaubt. Und das ist neu.“</p></blockquote>
<p>Das Resultat der „Afghan War Logs“ ist f&#252;r  Jay Rosen schlie&#223;lich ein neues journalistisches Konzept: „Wikileaks ist  die erste staatenlose Nachrichtenorganisation der Welt“. Vielleicht  l&#228;sst sich der englische Begriff der <strong>„stateless news organization“</strong> noch  besser als „staatlich ungebunden“ &#252;bersetzen – in jedem Fall r&#228;umt Rosen  mit der bisher zementierten nationalen Ausrichtung von  „Medien&#246;ffentlichkeit“ auf.</p>
<p><strong>Am Ende steht schlie&#223;lich der R&#252;ckblick auf die „Konjunktur des Lecks“.<br />
</strong></p>
<p>Die Ver&#246;ffentlichung der Dokumente &#252;ber <a href="http://www.wikileaks.org/">Wikileaks.org</a> und vor allem die Debatte um den Umgang damit zeigt sehr deutlich, dass  sich der „&#246;ffentliche Umgang mit Informationen“ in einem Umbruch  befindet. &#214;ffentlichkeit mag heute noch auf die Mitwirkung etablierter  Akteure aus der Welt der „alten Massenmedien“ angewiesen sein, doch eine  Bestandsgarantie mag hierauf wohl kaum noch jemand geben.</p>
<p>Das „Leck“ als neue Standardsituation &#246;ffentlicher  Kommunikationsprozesse steht offenbar vor einer gro&#223;en Karriere. Der  damit verbundene Grundgedanke, dass Transparenz als Basis politischen  Handelns noch st&#228;rker in den Vordergrund r&#252;ckt, liegt ebenso nahe wie  die Vermutung, dass Medien hier eine wichtige Rolle spielen. Dabei ist  eine allm&#228;hliche Akzentverschiebung weg von einer durch die „alten  Massenmedien“ gepr&#228;gten Struktur hin zu einer Vielfalt aus miteinander  vernetzten Klein- und Kleinstmedien zu erwarten.</p>
<p><strong>Zuletzt:</strong> die &#220;berlegung, dass „&#214;ffentlichkeit“ und  „Transparenz“ in Zukunft vor allem mittels technik-zentrierter L&#246;sungen  realisiert werden, ist ganz sicher keine beruhigende Perspektive.  Allerdings eine wahrscheinliche.</p>
<p><em>Diesen Beitrag hat Christoph Bieber auch in seinem Blog &#8220;<a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2010/07/27/die-konjunktur-des-lecks/">Internet und Politik</a>&#8221; ver&#246;ffentlicht.</em></p>
<p><em>Im <a href="http://www.swr.de/swr2/-/id=7576/did=6695824/pv=mplayer/vv=popup/nid=7576/1dj2tck/index.html">SWR2</a> sprach er heute &#252;ber Wikileaks und wie die sogenannten &#8220;Watch-Dogs&#8221; unsere Medien&#246;ffentlichkeit ver&#228;ndern:</em><br />
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<p><small>
<a href="http://carta.info/31246/afghanistan-protokolle-die-konjunktur-des-lecks-dank-wikileaks/">Afghanistan-Protokolle: Die Konjunktur des Lecks dank Wikileaks</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/31246/afghanistan-protokolle-die-konjunktur-des-lecks-dank-wikileaks/#comments">9 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31246&amp;md5=d00ec9964dfe662c03dba49b2bbf4d15" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Schreib Zukunft&#8221;-Spot – Nike sieht die WM als Spektakel und Afrika nur per Satellit</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 17:03:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball-WM]]></category>
		<category><![CDATA[Nike]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Nike-Werbespot zur WM 2010 ist eine fulminante Bilderreise durch die Fu&#223;ballwelt und verl&#228;sst sich ganz auf die globale Pr&#228;senz von Stars, Sport und Marke, die auch im Spot selbst vor allem medial vermittelt wird – eine Parabel auf die Gesetze des sportiven Showbusiness.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/94608eb974bb42d6a5960d9d0296dcc7" alt="" width="1" height="1" />Die Fu&#223;ball-WM in S&#252;dafrika steht vor der T&#252;r – sie ist l&#228;ngst nicht nur sportlicher Wettkampf, globales Medienereignis und politisches Statement, sondern auch eine gro&#223;e Verkaufsveranstaltung. Das virale Marketing mit Videoclips ist nur eine von zahlreichen Strategien der „globalen Spieler“ auf dem Sportartikelmarkt.</p>
<p>Platzhirsch Nike (14,6 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2009), Verfolger adidas (10,4 Milliarden Euro) und „Underdog“ Puma (2,5 Milliarden Euro) n&#228;hern sich dem Turnier auf ganz unterschiedliche Weise. Dies zeigt sich zum Beispiel an den aufw&#228;ndigen Videoclips, die im Vorfeld der WM produziert wurden und derzeit die Runde bei YouTube machen. Die gr&#246;&#223;te Aufmerksamkeit wurde dabei dem dreimin&#252;tigen Nike-Spot „Schreib Zukunft“ zu Teil:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/aTBjjvbzwqc&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/aTBjjvbzwqc&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object><br />
<a href="http://www.youtube.com/watch?v=aTBjjvbzwqc" target="_blank">Gr&#246;&#223;er direkt bei YouTube</a></p>
<p>Werbefilmerisch kn&#252;pft der Spot an einen WM-Klassiker aus den Nike-Studios an. Schon 1998 dribbelten sich in einem &#228;hnlich furiosen Bilderbogen Romario, Roberto Carlos, Rivaldo und allen voran der damalige Superstar Ronaldo zu den sommerleichten Kl&#228;ngen von “Mas que nada” durch Flughafen-Absperrungen, d&#252;pierten wartende Passagiere ebenso wie &#252;berraschtes Wachpersonal und entlockten dem franz&#246;sischen “enfant terrible” (und Nike-Kollegen) Eric Cantona anerkennende Blicke.</p>
<p>Diesmal aber geht es um mehr. In der Regie des Hollywood-erfahrenen Alejandro Iñarritu („21 Gramm“, „Babel“) beschreibt der Kurzfilm die Folgen von Sieg und Niederlage f&#252;r die Helden im Zeichen des „Swoosh“, dem Logo des US-amerikanischen Herstellers. Eine fulminante Bilderreise durch die Fu&#223;ballwelt zeigt in kurzen Sequenzen Rooney, Ribéry und Co. wahlweise als umjubelte Helden oder am Boden zerst&#246;rte Verlierer. <strong>Bezeichnender Weise spielt der WM-Austragungsort hier keine Rolle, Nike verl&#228;sst sich auf die globale Pr&#228;senz von Stars, Sport und Marke, die auch im Spot selbst vor allem medial vermittelt wird – eine Parabel auf die Gesetze des sportiven Showbusiness, in dem gesehen werden beinahe wichtiger ist als siegen.</strong></p>
<p>Entsprechend aufgeladen ist der Ank&#252;ndigungstext im Blog auf der <a href="http://inside.nike.com/blogs/nikefootball-de_DE/2010/05/25/nike-schreib-zukunft-vollversion">Nike-Website</a>:</p>
<blockquote><p>„F&#252;r die Nationalspieler ist die Zeit gekommen um ihren Namen in das Holz der ewigen Fu&#223;ballgeschichte zu ritzen. Ein Pass, ein Zweikampf oder ein Freistoss k&#246;nnen die Hoffnung einer ganzen Nation zerst&#246;ren oder sie dazu veranlassen dir ein Denkmal zu bauen.“</p></blockquote>
<p>Solche Sinnspr&#252;che lesen auch Besucher der in &#228;hnlicher Machart inszenierten Niketown-Gesch&#228;fte. In der Berliner Filiale stand kurz nach der Er&#246;ffnung 1999 “Die Zukunft des Sports liegt in den Herzen und Seelen junger Athleten” an der Wand, in New York hie&#223; es „Survival of the Fittest, Strongest, Quickest“</p>
<p>Der Werbefilm ist temporeich und mit Liebe zum Detail inszeniert, mit spektakul&#228;ren wie &#252;berraschenden Bildern – f&#252;r viele Zuschauer und Kommentatoren im Netz schlicht und einfach: perfekt.</p>
<p>Doch hinter der glitzernden Oberfl&#228;che finden sich auch Ansatzpunkte zur Kritik. So <a href="http://fromaleftwing.blogspot.com/2010/05/puma-does-world-cup-ad-better-with.html">notiert</a> Jennifer Doyle im Blog „From a Left Wing: The Cultural Politics of Soccer“: “Der Nike-Clip ist aufgeblasen und gew&#252;rzt mit machohaften Elementen und Sexismus.“ In der Tat, Frauen spielen im Spot (fast) keine Rolle, sie sind lediglich nette Staffage in den Karrieretr&#228;umen von Cannavaro, Rooney und Ronaldo.</p>
<p>Hier gibt es jedoch eine kleine Ausnahme – es ist vermutlich kein Zufall, dass Ronaldinhos &#220;bersteiger lediglich zu Millionen von Facebook-Daumen, dem YouTube-Film eines Frauenfu&#223;ballteams, oder einem farbenfroh pr&#228;sentierten „Samba-Robics“-Video f&#252;hren. Ein ironischer Seitenhieb auf den ein wenig ins fu&#223;ballerische Abseits geratenen Brasilianer? Doch wie zum Trost versucht sich auch Basketball-Idol Kobe Bryant an den schlurfenden Bewegungen der dribbelnden Nike-Celebrity.</p>
<p>Die anderen Helden haben dagegen sehr viel „m&#228;nnlicher“ codierte Traumsequenzen vor Augen: Personality-Show im TV (Cannavaro), Ritterschlag (Rooney), Biopic und Denkmal (Ronaldo). Trotz solcher Zukunftsaussichten <a href="http://industry.bnet.com/advertising/10006884/why-nikes-awesome-world-cup-ad-shows-dwindling-power-of-official-sports-sponsorships/">attestiert</a> Werbe-Experte Jim Edwards dem Clip einen „magischen Realismus“, der gerade noch ernst genommen werden k&#246;nne.</p>
<p>Dass es f&#252;r Didier Drogba oder Franck Ribéry, deren Spielhandlungen auf dem Rasen von anderen Nike-Stars unterbunden werden, keine Szenarien gibt, liegt am Ausr&#252;ster der jeweiligen Nationalteams: Frankreich l&#228;uft in adidas auf, die Elfenbeink&#252;ste tr&#228;gt Puma. Das im Clip gezeigte Abrei&#223;en eines Ribéry-Plakats ist somit auch eine Spitze gegen den Konkurrenten aus Herzogenaurach, denn ab 2011 tr&#228;gt die „Equipe Tricolore“ den „Swoosh“ auf der Brust – f&#252;r 42,6 Millionen Euro pro Jahr.</p>
<p>Ein „close reading“ des anspielungsreichen Nike-Bilderbogens, das sich problemlos <a href="http://www.youtube.com/watch?v=h7ohlB6Z1JY">noch fortsetzen lie&#223;e</a>, liefert also zahlreiche Informationen &#252;ber die Befindlichkeit des Unternehmens vor dem gro&#223;en Turnier. Man kann Jim Edwards durchaus folgen, wenn er die gro&#223;e Anstrengung des Nike-Clips als den Versuch darstellt, adidas´ Position als offizieller WM-Sponsor zu untergraben: <strong>„Es ist ein weiterer Beweis daf&#252;r, dass man mit geschicktem Marketing sogar das gr&#246;&#223;te Sportereignis der Welt „besitzen“ kann – ohne auch nur einen Cent daf&#252;r zu bezahlen.“</strong> In der Tat – die WM wird in den drei Minuten nie explizit erw&#228;hnt. Lediglich in einer kurzen Einstellung, die einen TV-Satelliten zeigt, l&#228;sst sich mit etwas gutem Willen ein Teil der Silhouette des afrikanischen Kontinents erkennen.</p>
<p>Hier findet die vielleicht sch&#228;rfste Abgrenzung zur deutschen Konkurrenz statt. Die Herzogenauracher ziehen in ihren zur WM gestarteten Produktlinien kulturelle Verbindungslinien nach Afrika – adidas unter anderem mit dem WM-Ball „Jabulani“, der Elemente der s&#252;dafrikanischen Landesgeschichte aufnimmt, Puma mit dem „African Unity Kit“, einem Gemeinschaftstrikot f&#252;r die vier Teams aus Algerien, der Elfenbeink&#252;ste, Ghana und Kamerun. Nike konzentriert sich auf die mediale Verwertung des firmeneigenen Star-Potenzials. Das ist zwar konsequent, zeigt aber auch, das man bei Nike vor allem auf Zahlen schaut, wenn man die Zukunft schreiben m&#246;chte.</p>
<p><em>Hinweis: Christoph Bieber ist zwar Politikwissenschaftler, hat sich aber auch schon einmal ausf&#252;hrlicher mit Turnschuhen und anderen Sportartikeln auseinandergesetzt. Vgl. <a href="http://www.sneaker-story.de">www.sneaker-story.de</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28389&amp;md5=e9002fd69429732cb2f3eecd1c50950e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Westminster h&#228;ngt: Kr&#228;nkung der &#8220;Vorzeige-Demokratie&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/27030/westminster-haengt-kraenkung-der-vorzeige-demokratie/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 01:05:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wahlnacht in Gro&#223;britannien ist erwartungsgem&#228;&#223; spannend. Und auch wenn die bisherigen Resultate noch keine Struktur erkennen lassen: Einige tiefgreifende Probleme des Wahlsystems und die schwierigen Mehrheitsverh&#228;ltnisse zeigen sich bereits jetzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/344b67a7984f4e279e386c6d926b4ff5" alt="" width="1" height="1" />Die <strong>Wahlnacht in Gro&#223;britannien</strong> nimmt den erwartet spannenden Verlauf. W&#228;hrend allm&#228;hlich die  Ergebnisse aus den Wahlkreisen <a href="http://www.guardian.co.uk/politics/2010/may/06/uk-election-results-2010-live">verk&#252;ndet werden</a> und sich so die neue  Sitzverteilung f&#252;r das Unterhaus ergibt, zeichnen sich einige Resultate  ab, die in den n&#228;chsten Tagen (oder Wochen) noch f&#252;r Diskussionsstoff  sorgen werden.</p>
<p><em>Hung Parliament</em><br />
Zwei Stunden nach Schlie&#223;ung der Wahllokale sieht es so aus, als w&#252;rde  es keine absolute Mehrheit f&#252;r eine der gro&#223;en Parteien geben. Was  andernorts der Normalfall ist, treibt vielen Briten schon seit Tagen  Sorgenfalten auf die Stirn. Eine Koalitionsregierung in Westminster  wirkt wie ein politisch-kultureller Bruch, der die politische Klasse vor  neue Herausforderungen zu stellen scheint. Insbesondere f&#252;r die  Konservativen, die das <em>hung parliament</em> im Wahlkampf als  Schreckgespenst skizziert haben, k&#246;nnte der Umgang mit der  Patt-Situation zu einer Gratwanderung der Glaubw&#252;rdigkeit werden.</p>
<p><em>Das LibDem-Paradox</em><br />
Eine n&#228;chste Auff&#228;lligkeit ist die Diskrepanz zwischen elektoraler  Unterst&#252;tzung und elektoralem Erfolg der Liberaldemokraten unter dem  “gef&#252;hlten Wahlkampfsieger” Nick Clegg. Voraussichtlich erreicht die  dritte Kraft einen Spitzenwert bei den Stimmanteilen, ohne allerdings  die Anzahl ihrer Sitze im Unterhaus signifikant verbessern zu k&#246;nnen. Im  BBC-Exitpoll bei Schlie&#223;ung der Wahllokale waren sogar leichte Verluste  gegen&#252;ber 2005 prognostiziert worden. Dadurch ger&#228;t das – von vielen  als &#252;berholt angesehene – Mehrheitswahlrecht in den Mittelpunkt der  Diskussion. Wesentlicher Kritikpunkt ist das “first past the  post”-System, das den Gewinner (oder die Gewinnerin) der einfachen  Mehrheit in den 650 Ein-Personen-Wahlkreisen mit dem Einzug ins  Parlament belohnt. Auf diese Weise entstehen viele “wasted votes” –  Stimmen f&#252;r ungew&#228;hlte Kandidaten meist kleiner Parteien, die nicht im  Parlament repr&#228;sentiert werden. Das vermutliche Scheitern der  Liberaldemokraten, die trotz einer breiten Unterst&#252;tzung im Land nicht  ad&#228;quat im Parlament vertreten sein werden, wird die Debatte um die  Modernisierung des Wahlsystems befeuern. Es scheint naheliegend, dass  k&#252;nftig ein st&#228;rkerer Anteil von Elementen aus dem Verh&#228;ltniswahlrecht  eingefordert werden.</p>
<p><em>Missing Ballot Papers</em><br />
Zus&#228;tzliche Munition d&#252;rften die Kritiker des Wahlsystems durch die  vielen Berichte &#252;ber Probleme und Engp&#228;sse in Wahllokalen erhalten: in  den ersten Stunden nach Schlie&#223;ung der Wahllokale wurden mehrfach  Polizeieins&#228;tze geschildert, die entt&#228;uschte W&#228;hlergruppen vor  geschlossenen <em>polling stations</em> zerstreuen mussten. Die Aussagen  der W&#228;hler klingen bisweilen bizarr: “As I eventually got to the table a  student was almost in tears as she thought I was going to take her  place and she told me she had queued for two and a half hours!” (zitiert  aus dem BBC-Liveticker). Auch scheinen handgreifliche  Auseinandersetzungen nicht ausgeschlossen, so zeigte der Sender Sky News  Bilder eines Streits von “gescheiterten W&#228;hlern” mit Mitgliedern der  lokalen Wahlleitung, vereinzelt wurde auch der Abtransport der Wahlurnen  blockiert. Es w&#252;rde nicht wundern, wenn morgen Parallelen zur  Skandal-Wahl in den USA 2000 gezogen werden – erst der umstrittene  “Florida Re-Count” hatte damals die Wahlentscheidung zugunsten von  George W. Bush erbracht. Schon ist die Rede von “legal consequences”,  wobei eine Wahlanfechtung wohl nur in der <em>yellow press</em> ein  gr&#246;&#223;eres Thema werden d&#252;rfte.</p>
<p>Dennoch wird es spannend sein zu beobachten, inwiefern die  “Vorzeige-Demokratie” von Westminster mit einer solchen “Kr&#228;nkung”  umgehen wird. Die unzureichende Ausstattung von Wahllokalen mit Papier  und Personal wirkt wie ein Anf&#228;ngerfehler, den OSZE-Beobachter  gew&#246;hnlich neuen Demokratien im &#246;stlichen Europa ins Stammbuch  schreiben. Zugleich bietet sich hier einmal mehr an Ansatzpunkt f&#252;r die  Wiederaufnahme der Debatte um den Einsatz von Wahlmaschinen – genau  solche Situationen k&#246;nnten wohl vermieden werden, wenn automatisierte  Systeme zur Erfassung von W&#228;hlerstimmen zum Einsatz k&#228;men.</p>
<p>Es deutet sich an, dass die <em>General Election</em> auch in den  n&#228;chsten Tagen noch Stoff f&#252;r weiter f&#252;hrende Diskussionen liefern wird.  Das eigentliche Wahlergebnis scheint dabei nur in zweiter Linie  interessant – die tiefer liegenden Probleme wie die M&#246;glichkeit einer  Koalitions- oder Minderheitenregierung, eine Reform des Wahlrechts und  die Modernisierung der Stimmabgabe d&#252;rften die bleibenden Themen des  britischen Wahljahrganges 2010 sein.</p>
<p><em><a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2010/05/07/westminster-hangt/">Crosspost</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/27030/westminster-haengt-kraenkung-der-vorzeige-demokratie/">Westminster h&#228;ngt: Kr&#228;nkung der &#8220;Vorzeige-Demokratie&#8221;</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27030/westminster-haengt-kraenkung-der-vorzeige-demokratie/#comments">2 comments</a>
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		<title>#UKvote: Der Wahltag im britischen Social Web</title>
		<link>http://carta.info/26922/ukvote-der-wahltag-im-britischen-social-web/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 09:39:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Werbefl&#228;chen auf Youtube, Plattformen zum Stimmentausch und die Aufforderung, das Parlament "zu h&#228;ngen": Gro&#223;britannien erlebt die erste "Social Media Wahl" – und die k&#246;nnte sein politisches System fundamental ver&#228;ndern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/aecef7edf2ae4942a334b68fff6e1399" alt="" width="1" height="1" />Eine Woche, zwei Wahlen. Im Umfeld der Unterhauswahlen in Gro&#223;britannien entfaltet sich ein facettenreicher Online-Wahlkampf, der andeutet, dass auf der britischen Insel die Grenzen zwischen den Medienumgebungen allm&#228;hlich durchl&#228;ssiger werden. TV-Ereignisse ziehen eine starke Online-Resonanz nach sich und f&#252;r den Wahltag sind Gemeinschaftsprojekte zwischen Print-Anbietern und Online-Dienstleistern angek&#252;ndigt. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen scheint dagegen von einem anderen, eher analogen Kaliber.</p>
<p>Allerdings verbietet sich ein n&#228;herer Vergleich aus systematischen Gr&#252;nden, denn nat&#252;rlich ist die Tragweite der Abstimmungen v&#246;llig verschieden: die Prognosen zur <em>general election</em> deuten auf einen Umbruch im britischen Zwei-Parteien-System hin und der Wahlgang k&#246;nnte ex post als <em>critical election</em> verstanden werden. In Nordrhein-Westfalen handelt es es sich dagegen „nur“ um eine <em>second order election</em>, die unterhalb der nationalen Ebene angesiedelt ist und bei den W&#228;hlern generell auf geringeres Interesse st&#246;&#223;t. Allerdings ist diese Landtagswahl im bev&#246;lkerungsreichsten Bundesland die hierzulande wohl wichtigste Abstimmung &#8220;zweiter Ordnung&#8221; – und noch dazu die erste seit der Bundestagswahl im Herbst 2009.</p>
<p>&#220;ber beide Wahlen (und die zugeh&#246;rigen Online-Wahlk&#228;mpfe) erf&#228;hrt man hierzulande nicht allzuviel, die jeweiligen &#8220;Themenseiten&#8221; sind bei den gro&#223;en Nachrichtenportalen oft ein paar Klicks von der Startseite entfernt. Und so entgeht dem deutschen Publikum eine durchaus spannende Wahl im britischen Sektor des Social Web, die einige Innovationen hervorgebracht und auch ein Echo aus alten Online-Zeiten parat h&#228;lt.</p>
<p>Im Schatten <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,689099,00.html">drei Fernsehdebatten</a> hat sich ein <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2010/04/16/uk-erste-twitteranalysen/">aktives Online-Publikum</a> entwickelt, das w&#228;hrend dieser medialen Gro&#223;ereignisse eifrig Kommentare auf Facebook gepostet oder getwittert hat. Einige Online-Medien haben es verstanden, diese Aktivit&#228;ten aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Ein Resultat davon wird eine „Twitter-Landkarte“ sein, die das Abstimmungsverhalten am heutigen Wahltag abbilden soll: die Angabe eines Teils der Postanschrift in einem entsprechend markierten Tweet (der relevante Hashtag lautet <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23ukvote">#ukvote</a>) will der Dienstleister <a href="http://www.tweetminster.co.uk/">Tweetminster</a> zur Visualisierung der Wahlbeteiligung nutzen. &#196;hnlichkeiten mit den Aktivit&#228;ten zur US-Pr&#228;sidentschaftswahl 2008 sind sicher kein Zufall, eher handelt es sich um Fortschreibungen des damaligen Leuchtturmprojektes <a href="http://www.twittervotereport.com/">Twitter Vote Report</a>.</p>
<p>Es ist also davon auszugehen, dass das Internet auch in Gro&#223;britannien einen erheblichen Beitrag zur Medialisierung des Wahltags leisten wird &#8211; darunter zu verstehen ist die Nutzung des digitalen, interaktiven Kommunikationsraums im unmittelbaren zeitlichen Umfeld der Stimmabgabe, sowohl durch die Politiker wie auch durch die B&#252;rger. Dass die Wahlk&#228;mpfer ihre Bem&#252;hungen zur W&#228;hlermobilisierung in den Stunden bis zur Schlie&#223;ung der Wahllokale intensivieren werden, ist l&#228;ngst ein Gemeinplatz und war im Bundestagswahlkampf durch Aktionen wie <a href="http://www.gruene.de/einzelansicht/artikel/gruener-wahlkampf-72-stunden-non-stop.html">„3 Tage wach“</a> der Gr&#252;nen sichtbar. Dass sich aber auch einige B&#252;rger bis zuletzt &#252;ber den Gang der Stimmabgabe, erste Prognosen oder einfach nur die H&#246;he der Wahlbeteiligung im eigenen Wahlkreis informieren werden und so ihre eigene Stimmabgabe hinausz&#246;gern, ist ein noch relativ neues Ph&#228;nomen.</p>
<p>Zwar ist in der Wahlforschung die Figur des <em>late deciders</em> durchaus bekannt &#8211; hiermit wird ein unentschlossener W&#228;hler beschrieben, der erst kurz vor der Wahl seine Partei- oder Kandidatenpr&#228;ferenz festlegt. Doch war mit „kurz“ meist ein Zeitraum von wenigen Tagen vor der Wahl gemeint und nicht unbedingt der Wahltag selbst. Durch die Verf&#252;gbarkeit von Echtzeit-Informationen werden die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/United_Kingdom_general_election,_2010#Marginal_seats_for_main_parties"><em>marginals</em></a>, besonders hart umk&#228;mpfte Wahlkreise, zum digitalen Ausflugsziel von Kampagnentreibenden, Wahlberichterstattern und interessierten Netzb&#252;rgern.</p>
<p>Gerade an dieser Stelle ist in Gro&#223;britannien ein Sonderfall zu beachten: durch das starke Aufkommen der Liberaldemokraten als „dritte Kraft“ ist das bisher starre Zwei-Parteien-System in Bewegung geraten. Ein Effekt ist die Auseinandersetzung mit der Bildung einer Koalitionsregierung, angesichts stets stabiler Regierungsmehrheiten f&#252;r <em>Labour Party</em> oder <em>Conservative Party </em> ist dies durchaus ein markanter Einschnitt f&#252;r die politische Kultur auf der Insel (und treibt bisweilen groteske Bl&#252;ten, wie diese <a href="http://ymlp.com/zlC1qL">„Informationsseite“</a> zur Effektivit&#228;t von Koalitionsregierungen zeigt).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die neuartige Dreier-Konstellation zwischen Noch-Premier Gordon Brown, dem konservativen Favoriten David Cameron und <em>LibDem</em>-Aufsteiger Nick Clegg sowie den jeweiligen Parteiorganisationen ist denn auch Ansatzpunkt f&#252;r die Vorschl&#228;ge zum <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32578/1.html"><em>tactical voting</em></a>: mit diesem Begriff versuchen insbesondere Labour-Politiker die eigene Anh&#228;ngerschaft von der Stimmabgabe f&#252;r die Liberaldemokraten zu &#252;berzeugen &#8211; sofern der eigene Vertreter im Wahlkreis keine Chance hat und ein Sieg des konservativen Konkurrenten droht.</p>
<p>Als Folge dieser &#8220;Ann&#228;herungsversuche&#8221; sind einige spezialisierte Online-Plattformen entstanden, die sich an der Vernetzung und Vermittlung &#8220;tauschbereiter&#8221; W&#228;hler versuchen (ausf&#252;hrlicher vorgestellt wird dieses Echo auf den Vorgang des Vote-Swapping anl&#228;sslich der US-Pr&#228;sidentschaftswahl des Jahres 2000 <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32578/1.html">hier</a>).</p>
<p>Spannend sind dabei weniger Sichtbarkeit und Reichweite der Websites, denn selbst in der Kombination der Plattformen erreichen die Online-Angebote zur taktischen, koordinierten Stimmabgabe nur ein sehr begrenztes Publikum. Allerdings generieren sie Effekte in den alten Medien, so ver&#246;ffentlichten gleich mehrere Zeitungen Tactical Voting Guide (<a href="http://www.guardian.co.uk/politics/2010/may/05/election-2010-tactical-voting-guide">Guardian</a>, <a href="http://www.independent.co.uk/news/uk/politics/the-independent-guide-to-tactical-voting-1963012.html">Independent</a>, <a href="http://www.mirror.co.uk/news/top-stories/2010/05/04/general-election-tactical-voting-guide-how-you-can-save-britain-from-a-tory-nightmare-115875-22231573/">Mirror</a>). Die politischen Kuppelservices quer zu den Wahlkreisen wie in der Facebook-Gruppe <a href="http://www.facebook.com/group.php?gid=113063712048609&amp;amp;v=info">Voting Buddies</a> sind jedoch eher <em>politics for the long tail</em>, also die Ansprache extrem kleiner, spezialisierter Zielgruppen. Gerade dies ist jedoch ein interessanter Aspekt beim Blick in die Zukunft, auf die Zeit der fortschreitenden Zersplitterung der &#214;ffentlichkeit.</p>
<p>Zugleich &#228;u&#223;ert sich im Umfeld der w&#228;hlerseitig koordinierten Stimmabgabe auch eine fundamentale Unzufriedenheit mit dem aktuellen Wahlsystem, die sich am deutlichsten anhand der Website <a href="http://hang-em.com/">Hang´em</a> illustrieren l&#228;sst. Unter dem Logo des am Galgen h&#228;ngenden britischen Parlaments k&#246;nnen sich tauschbereite W&#228;hler &#252;ber die Wahlkreisgrenzen hinweg mit „Gleichgesinnten“ vernetzen, um eine Patt-Situation (<em>hung parliament</em>) zu erreichen. Wesentliche Motivation ist dabei nichts weniger als die Modernisierung des gesamten Wahlsystems. Gezielt sollen <em>marginals</em>-Kandidaten aus den „dritten Parteien“ unterst&#252;tzt werden, die eine Mehrheitsbildung nach klassischem Muster verhindern k&#246;nnten.</p>
<p>Der Voraussetzungen f&#252;r einen spannenden Wahltag in Gro&#223;britannien sind also geschaffen &#8211; ein weiteres Anzeichen daf&#252;r, dass heute die erste <em><a href="http://www.guardian.co.uk/media/2010/apr/30/social-media-election-2010">social media election</a></em> (The Guardian) stattfindet, deutet sich auch in der Verteilung der Kampagnen-Etats an: Camerons Konservative haben jedenfalls schon mal <a href="http://twitter.com/tweetminster/statuses/13434928991">Werbefl&#228;chen an ungew&#246;hnlicher Stelle</a> reserviert.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26922&amp;md5=1870d02100804e801bde600a6c0ccec3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gro&#223;britannien: TV-Debatte mit Brown, Cameron, Clegg und 76 Regeln</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Apr 2010 15:04:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die "Sp&#228;tentwickler" von der britischen Insel proben das TV-Duell. In nicht weniger als 76 Punkten sind die Regeln f&#252;r die Sendung festgehalten, nicht einmal Zuschauerreaktionen d&#252;rfen eingeblendet werden. Die Debatte kann man im ITV-Stream &#252;ber das Netz verfolgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4df38c904b00430aa3a53aa41ddd5d85" alt="" width="1" height="1" />Es klingt &#252;berraschend, aber die am Donnerstag beginnende Serie von drei TV-Debatten im diskussionsfreudigen Gro&#223;britannien ist tats&#228;chlich eine Premiere – <strong>bislang gab es keine prominenten Rededuelle zwischen den Spitzenkandidaten der Parteien</strong>. Die B&#252;rgersprechstunden mit Gordon Brown (Labour Party), David Cameron (Conservative Party) und Nick Clegg (Liberal Democrats) sind die prominenteste Neuheit im britischen <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,689099,00.html">Medienwahlkampf</a>.</p>
<p>Im Parlament geh&#246;rt der wortreiche Streit dagegen zum Standard, beg&#252;nstigt durch die aus dem brititschen Mehrheitswahlrecht folgende Dominanz der beiden gro&#223;en Parteien oder auch durch die auf Konfrontation angelegte Sitzordnung im Unterhaus. Mehrere Versuche, &#246;ffentlichkeitswirksame TV-Debatten in den Wahlkampf zu integrieren, waren zuvor gescheitert: So wollte der Labour-Politiker Harold Wilson als Herausforderer 1964 offenbar dem US-Vorbild John F. Kennedy nacheifern. Dessen Wahlerfolg &#252;ber Richard Nixon 1960 wird stets auch mit der besseren Performance in den „Great Debates“ in Verbindung gebracht. 1987 hatte sich Margaret Thatcher einer Debatte mit ihrem Herausforderer Neil Kinnock verweigert – die „Eiserne Lady“ hatte sich auf die W&#252;rde des Amtes und den Charakter der Parlamentswahlen berufen. Damit ist Gro&#223;britannien sogar im Vergleich mit Deutschland ein „Sp&#228;tentwickler“ in Sachen TV-Debatte – das Format hat l&#228;ngst seinen Siegeszug angetreten und wurde allein 2009 an vermeintlich exotischen Orten wie etwa Iran, Afghanistan oder der Mongolei umgesetzt.</p>
<p>Premierminister Brown schm&#252;ckt sich zwar mit der Tatsache, dass er als erster Bewohner von Downing Street No. 10 an einer solchen Debatte teilnimmt, doch k&#246;nnte man ihm dies auch <strong>als Schw&#228;che auslegen</strong>. Amtsinhaber stimmen meist dann den Anfragen ihrer Herausforderer zu, wenn sie sich einen Bonus f&#252;r die eigene Kampagne versprechen. Solche Offenheit kann auch zum Verh&#228;ngnis werden. Das passende Beispiel aus den USA lieferte Gerald Ford, der die bis 1976 pausierenden Pr&#228;sidentschaftsdebatten wiederbelebte. Ohne Not bot er seinem Kontrahenten Jimmy Carter eine gro&#223;e B&#252;hne, produzierte selbst einen spektakul&#228;ren Patzer („there is no Soviet domination of Eastern Europe“) – und verlor.</p>
<p>Zur eigenen Absicherung spielt Brown nun das <em>expectation game</em> – er gilt nicht als glanzvoller Rhetor, bereitet sich aber dem Vernehmen nach seit Wochen intensiv auf die Debattenserie vor. Ziel der &#220;bung ist die &#220;berraschung der Zuschauer mit einer gelungenen Performance und damit der Beweis, dass der Premierminister auch in dieser Disziplin &#252;berzeugen kann. In den USA haben zuletzt John McCain und vor allem Sarah Palin dieses Register gezogen – im Vorfeld hatten sie offensiv mit ihrer Debattierschw&#228;che kokettiert, um letztlich ganz passable Vorstellungen am Rednerpult abzuliefern.</p>
<p>David Cameron, dessen Image zuletzt im Verbund mit sinkenden Umfragewerten seiner Conservatives einige Kratzer abbekommen hatte, steht dagegen unter gro&#223;em Druck. Er muss aus der Debatte als Sieger hervor gehen, sonst verschiebt sich das <em>momentum</em> der Kampagne noch weiter in Richtung von <em>Labour</em>. Vor allem f&#252;r die weitere Kampagnenplanung ist ein sicherer, fehlerfreier Auftritt notwendig, einen Patzer oder ein allzu defensives Verhalten kann er sich nicht erlauben. Hier allerdings kommt Cameron der <em>protected mode</em> der Debatten zugute – in einer Dreier-Konstellation, die zudem durch einen Moderator und f&#252;r alle Teilnehmer gleichlautende B&#252;rgerfragen abgefedert ist, d&#252;rfte es nicht zur direkten Konfrontation mit den politischen Gegnern kommen.</p>
<p>Als gef&#252;hlter Sieger gilt im Vorfeld allerdings der Liberaldemokrat Nick Clegg, der als Vertreter der dritten Kraft im britischen Zweiparteiensystem seinen ersten Erfolg bereits in der Tasche hat. Denn anders als in Deutschland hat die Debatten-Organisation aktuelle Umfragewerte ber&#252;cksichtigt – etwa 20 % der Briten wollen f&#252;r die Liberaldemokraten stimmen, 31 % f&#252;r die noch regierende Labour-Partei und 37 % f&#252;r die Konservativen. Durch die Teilnahme an den prominenten Gespr&#228;chsrunden begegnet Clegg seinen Konkurrenten Brown und Cameron auf Augenh&#246;he – in punkto Sichtbarkeit ein gro&#223;er Gewinn f&#252;r seine Partei, die mit einer <strong>Perspektive als Koalitionspartner in einem <em>hung parliament</em></strong> lieb&#228;ugelt.</p>
<p>Nimmt man die Gestaltung der <em>Prime Minister</em> Debates etwas genauer in den Blick, dann hat es den Anschein, als wolle man sich im Vereinigten K&#246;nigreich gleich an die Spitze der weltweiten Debattenkultur setzen. Die 76 Unterpunkte der <a href="http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/politics/election_2010/8587362.stm">&#220;bereinkunft zur Regelung des Sendeformates</a> d&#252;rften jedenfalls eine Rekordmarke sein – Debattenteilnehmer und TV-Sender haben die Produktionsbedingungen minuti&#246;s geregelt, &#252;ber die Redezeitverteilung (Nr. 46-48), die Gestaltung des B&#252;hnenbildes (Nr. 66-68) bis hin zum <strong>Verbot der Einblendung von Zuschauerreaktionen</strong> (Nr. 71). Die drei Debatten sind nach dem Muster der US-amerikanischen „Townhall-Meetings“ organisiert, das Meinungsforschungsinstitut ICM wurde f&#252;r die Auswahl der repr&#228;sentativen Zuschauer-Panels engagiert. Produziert werden die jeweils 90 Minuten langen Sendungen in unterschiedlichen Landesteilen: so &#252;bertr&#228;gt der Privatsender ITV aus dem Nordwesten, darauf folgt eine Produktion von Sky aus S&#252;dengland, f&#252;r die &#246;ffentlich-rechtliche BBC sind die Midlands vorgesehen.</p>
<p>Die Erwartung einer schlechten Wahlbeteiligung, die noch deutlich unter den 61% von 2005 liegen d&#252;rfte, hat einen wesentlichen Beitrag f&#252;r das Zustandekommen der TV-Debatten geleistet. Sowohl die veranstaltenden Fernsehsender wie auch die teilnehmenden Politiker lassen keine Gelegenheit aus, um die hohe Reichweite und den politischen Bildungscharakter dieser auf drei Folgen begrenzten Miniserie hervorzuheben. Auch in Zeiten von Politikverdrossenheit und Wahlm&#252;digkeit sind Debatten zwischen Spitzenpolitikern verl&#228;ssliche Quotenbringer – selbst wenn das deutsche Kanzlerduell 2009 einen massiven Zuschauereinbruch zu verzeichnen hatte, so war es mit gut 14 Millionen Zuschauern mit Abstand das wichtiges TV-Format im Bundestagswahlkampf. &#196;hnlich prominent d&#252;rften sich die drei <em>Prime Minister Debates</em> platzieren – allein der Premierencharakter wird dabei auch viele politikabstinente B&#252;rger vor den Fernseher locken.</p>
<p><em>Die Debatte wird ab 21.30 Uhr mitteleurop&#228;ischer Zeit (8.30pm Ortszeit) vom Sender ITV &#252;bertragen. Die Debatte kann &#252;ber einen <strong>Stream auf </strong><a href="http://www.itv.com/electiondebate/"><strong>ITV.com</strong></a> verfolgt werden.</em>
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<a href="http://carta.info/25670/grossbritannien-tv-debatte-mit-brown-cameron-clegg-und-76-regeln/">Gro&#223;britannien: TV-Debatte mit Brown, Cameron, Clegg und 76 Regeln</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/25670/grossbritannien-tv-debatte-mit-brown-cameron-clegg-und-76-regeln/#comments">One comment</a>
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		<title>Einstimmig? Die Internet-Enquête ist eingerichtet</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 16:30:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Enquete-Kommission]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute wurde im Bundestag die Einrichtung der Enquête-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" beschlossen. Zumindest auf einen Wissenstranfer darf man hoffen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/722536d642e14f0a944c68c81e0f9a46" alt="" width="1" height="1" />Heute hat der Bundestag &#252;ber den Einrichtungsantrag der Enquête-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” abgestimmt – die gute Nachricht ist, dass er einstimmig angenommen wurde. Die schlechte, dass sich bei der Abstimmung vielleicht hundert Abgeordnete im Plenarsaal befanden (mal sehen, was das Protokoll dazu sagt).</p>
<p>Nat&#252;rlich kann man sagen, dass die Einrichtung eine beschlossene Sache gewesen ist &#8211; der bisweilen geringe Stellenwert der Plenaraktivit&#228;ten ist ja hinl&#228;nglich bekannt. Trotzdem: Die Diskrepanz zwischen parlamentarischem Interesse und den Bem&#252;hungen der Redner, das Internet als monumentales gesellschaftliches Thema darzustellen, gibt zu denken. So wichtig, wie die Vertreter der Fraktionen das Thema heute reden wollten, ist es im parlamentarischen Alltag dann eben doch nicht.</p>
<p>Das zeigt auch ein kurzer Blick auf die Rednerliste: die MdBs Koeppen (CDU/CSU), &#214;zoguz (SPD), Brandl (CDU/CSU), Wanderwitz (CDU/CSU), Schulz (FDP) oder Behrens (Linke) standen bisher nicht unbedingt in den ersten Reihen der Diskussion um netzpolitische Themen und auch die designierten Enquête-Mitglieder von Notz (Die Gr&#252;nen) oder Klingbeil (SPD) sind eher neu im virtuellen Politikfeld „Netzpolitik“. Das gilt auch f&#252;r den kommenden Enquête-Vorsitzenden Fischer (CDU/CSU) – erhellend dazu ist auch der kleine Beitrag dr&#252;ben bei <a href="http://www.homopoliticus.de/2010/03/04/ich-habe-eine-seite-bei-facebook/">Homo Politicus</a> &#252;ber die Online-Pr&#228;senzen einiger Enquête-Mitglieder.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich ist ja nichts einzuwenden gegen die Nutzung dieses Instruments zur „Vorbereitung von Entscheidungen &#252;ber umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe“ – so ist die Rolle der Enquête-Kommissionen in §56 der Gesch&#228;fts­ordnung des Deutschen Bundestages umschrieben.</p>
<p>Gefragt werden muss allerdings, wie sie diesem Auftrag zwischen Politik und Wissenschaft als Allparteien-Gremium nachkommen kann – es passt ins Bild, dass unter <a href="http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&amp;site=internetundpolitik.wordpress.com&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.open-enquete.de%2F">www.open-enquete.de</a> die drei FDP-Mitglieder schon eine erste „Dialog-Website“ eingerichtet haben. Mal sehen, ob die anderen Fraktionen hier gerne mitreden m&#246;chten.</p>
<p>Ein solches Vorgehen ist symptomatisch – denn gerade weil die verschiedenen Teilthemen, die das virtuelle Politikfeld „Digitale B&#252;rgerrechte“ konstituieren, &#252;ber viele Baustellen im politischen System verteilt sind, wird es die Enquête-Kommission als neuer „Vernetzungsakteur“ schwer haben. Das Wirtschaftsministerium erkl&#228;rt mit Unterst&#252;tzung der Kanzlerin das Internet zum Jobmotor, im Innenministerium denkt man schon lange &#252;ber staatliche Kontroll­t&#228;tigkeiten nach, die Justizministerin will Entscheidungen der Vorg&#228;ngerregierung korrigieren, die Ministerin f&#252;r Ver­braucherschutz die Macht der Internet-Konzerne einschr&#228;nken – wie soll sich die vergleichs­weise kleine Enquête-Kommission gegen die entscheidungs­politischen Schwergewichte behaupten?</p>
<p>Und dennoch birgt die Einrichtung des Gremiums auch Chancen – schlie&#223;lich ist dies einer der wenigen Lernorte im Parlament, und wenn sich Abgeordnete und Experten auf das ein oder andere Experiment einlassen, scheint ein Wissenstransfer mehr als nur wahrscheinlich. Doch von einer fraktionsgebundenen „Dialog-Seite“ bis zum ersten „EnquêteCamp“ in den R&#228;umen des Bundestages ist es noch ein weiter Weg…</p>
<p><em>Christoph Bieber bloggt bei <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/internetundpolitik.wordpress.com/');" href="http://internetundpolitik.wordpress.com/">Internet und Politik</a>. <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2010/03/04/internet-enquete/">Crosspost</a> mit freundlicher Genehmigung.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=23834&amp;md5=2dbd7fedc4663cb1fd1fcdf650bba7e1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die FAZ: das neue Zentralorgan der Nerds?</title>
		<link>http://carta.info/22994/faz-nerds/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Feb 2010 15:16:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
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		<description><![CDATA[Kommt jetzt der "binary turn"? Eine Spurensuche zur Nerdisierung der FAZ.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2a17536781744ebe939463aa64828a1a" alt="" width="1" height="1" />Vor einiger Zeit hatte ich – eher im Scherz – die altehrw&#252;rdige <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> in ein paar Tweets als „Nerd-Zentralorgan“ <a href="http://twitter.com/drbieber/status/7780003943">bezeichnet</a>. Anlass waren Frank Schirrmachers ganzseitige <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~ECDFFB52576C1433783CB47AB44B8426F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Verteidigung der Nerds</a> kurz vor der Bundestagswahl, die <a href="http://www.faz.net/f30/common/Suchergebnis.aspx?term=apple+ipad&amp;x=0&amp;y=0&amp;allchk=1">Publikationsoffensive</a> im Umfeld der iPad-Enth&#252;llung oder die &#214;ffnung der FAZ als Plattform f&#252;r bekennende Nerds, wie etwa beim <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E38A2F6DD0A734EB789AAD27EDE6F9A35~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Artikel</a> von Frank Rieger (Chaos Computer Club). Nachdem das Wort vom „Zentralorgan“ immer mal wieder aufgegriffen wurde, habe ich dar&#252;ber nochmal ein wenig nachgedacht und ein paar Gedanken zum „binary turn“ der FAZ notiert.</p>
<p>Klar ist eines: Frank Schirrmacher ist die treibende Kraft hinter diesem Prozess, da gen&#252;gt ein Blick in seinen <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E149ED15DCBFD428A9FFB97A11D93D8E3~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Leitartikel</a> vom 23. Januar, in dem er vehement nach mehr digitaler Intelligenz in und f&#252;r Deuschland ruft (ein Schelm ist, wer schon bei diesem Datum die Nerd-Alarmglocken <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dreiundzwanzig">l&#228;uten h&#246;rt</a>). Man k&#246;nnte hinter dieser Neuausrichtung des FAZ-Feuilletons auf Debatten und Gegenst&#228;nde digitaler Kultur zun&#228;chst einmal eine flankierende Berichterstattung zu seinem j&#252;ngsten Buchprojekt <em>Payback</em> vermuten, doch das w&#228;re viel zu vordergr&#252;ndig und w&#252;rde Herrn Schirrmachers Gesp&#252;r f&#252;r Themen nicht gerecht.</p>
<div id="attachment_22998" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/mount_otz/314247425/"><img class="size-medium wp-image-22998" title="Frankfurter Allgemeine Zeitung f&#252;r Deutschland auf Flickr" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/faz_hbf-300x199.jpg" alt="faz_hbf" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">FAZ: Binary Turn? (Foto: otzfeld, cc-by-nc-sa)</p></div>
<p>Inhaltlich ist dieser Schwenk – der immerhin ein wenig wegf&#252;hrt von den Gen-, Bio- und Nano-Technologie-Debatten der letzten Jahre – absolut zu begr&#252;&#223;en, denn in der Tat hat der &#246;ffentliche Diskurs in Deutschland zu Fragen der Digitalisierung und ihrer sozialen Folgen erheblichen Nachholbedarf. Einen besonderen Twist bekommt diese Nerdisierung allerdings durch die immer mal wieder durchbrechende Arroganz und Ablehung der Online-Kultur – die sich an ganz unterschiedlichen Stellen des Blattes zeigt, aktuell zum Beispiel an der mindestens schlagseitigen Position im Fall Hegemann.</p>
<p>Schaut man etwas genauer hin, dann finden sich einige Hinweise darauf, dass die FAZ schon sehr viel l&#228;nger ein Ort f&#252;r Nerds ist – eine kleine Spurensuche. <strong></strong></p>
<p><strong>Beweisst&#252;ck 1: Das Feuilleton vom 27. Juni 2000</strong></p>
<p>&#220;ber mehrere Seiten hinweg hatte die FAZ einen Auszug aus dem Code des menschlichen Genoms ausgedr&#252;ckt, der manchem als „ungelesenster Artikel der deutschen Mediengeschichte“ <a href="http://netzwertig.com/2008/03/23/hallelujah-schirrmacher-macht-uns-ein-foejetong/">gilt</a>. Er&#246;ffnet wurde damit eine Publikationsinitiative unter dem Banner der von John Brockman initiierten „Third Culture“-Debatte, die auf die Verschr&#228;nkung des intellektuellen Diskurses zwischen Natur- und Geisteswissenschaften abzielte. Die „digitale Wende“ wurde diesmal „nur“ mit einigen Schirrmacher-Texten er&#246;ffnet. Doch wer wei&#223;: vielleicht folgt demn&#228;chst ja noch eine Doppelseite im Bin&#228;rcode. <strong></strong></p>
<p><strong>Beweisst&#252;ck 2: Der t&#228;gliche Blogeintrag auf Seite eins<br />
</strong></p>
<p>Als gro&#223;e publizistische Z&#228;sur wurde im Rahmen des Relaunchs vom 5. Oktober 2007 ein farbiges Foto auf die traditionsreiche Seite eins montiert. Seitdem entwickelt sich dieses Aufmacherfoto mehr und mehr zum t&#228;glichen Blogeintrag. Nat&#252;rlich kommentieren die Bildauswahl und der Begleittext ein zentrales Thema des Weltgeschehens – doch stilistisch finden sich hier h&#228;ufig Elemente von Verk&#252;rzung, Verweis und Kommentar, die charakteristisch f&#252;r die im Blattinnern h&#228;ufig kritisierte Blogosph&#228;re sind.</p>
<p>Und vielleicht ist es nur eine pers&#246;nliche Wahrnehmung, aber haben die Bildunterschriften in letzter Zeit nicht immer mal wieder die magische 140-Zeichen-Grenze unterschritten? Doch selbst wenn nicht – viele Bildkommentare funktionieren exakt so wie ein typischer <em>Twitpic</em>-Post: das Bild illustriert ein Thema, eine Idee und der Text setzt Verweise auf die Stellen zum Weiterlesen im Blatt. Andersherum formuliert: genau so k&#246;nnte die „Seite eins“ der FAZ auch twittern.</p>
<p><strong>Beweisst&#252;ck 3: Die Nerds sind nicht nur im Feuilleton</strong></p>
<p>Nicht so sehr ein konkretes Beweisst&#252;ck, eher eine Sammlung von Indizien zur These – blickt man nur fl&#252;chtig auf verschiedene Ressorts, dann finden sich &#252;berraschend viele Beispiele f&#252;r „nerdige“ Berichterstattung: die &#252;berraschend blumig zur Schau getragene Detailversessenheit der „Technik und Motor“-Redaktion oder die nicht selten hochgradig verschl&#252;sselten Berichte aus der Feinschmeckerwelt. Das Ins-Blatt-Schmuggeln von Material aus Entenhausen durch die bekennenden Donaldisten Patrick Bahners und Andreas Platthaus z&#228;hlt ebenso dazu wie die kenntnisreiche „Netzwirtschaft“ immer Dienstags im Wirtschaftsteil – all dies sind kleine Hinweise auf die Verankerung der FAZ in der sprichw&#246;rtlichen Nerd-Kultur. Nimmt man FAZ.net noch hinzu, dann sollte an dieser Stelle noch die Inkorporierung von <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/about.aspx">Don Alphonso</a> und <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/crtl-verlust/default.aspx">Michael Seemann</a> erw&#228;hnt werden.</p>
<p>Doch was ist das Resultat dieser sicher l&#252;ckenhaften und ausbauf&#228;higen &#8220;Beweisf&#252;hrung&#8221;? Gibt es &#252;berhaupt eines? Ausgangspunkt der &#220;berlegungen war ja die eher scherzhafte Bezeichnung der FAZ als &#8220;Nerd-Zentralorgan&#8221;, eine fl&#252;chtige Blattkritik hat immerhin einige Hinweise auf Elemente der zuletzt viel zitierten &#8220;Nerd-Kultur&#8221; geliefert. Na und?</p>
<p>Um es noch einmal klar zu sagen: die Forderung nach mehr &#8220;digitaler Intelligenz&#8221; oder besser: der verst&#228;rkten Diskussion &#8220;digitaler Themen&#8221; in der deutschen &#214;ffentlichkeit ist unbedingt zu unterst&#252;tzen – Schirrmachers <em>Payback</em> und den Thesen von der Informations&#252;berlastung zum Trotz. Allerdings sollte der Begriff des &#8220;Nerds&#8221; oder der &#8220;Nerd-Kultur&#8221; etwas pr&#228;ziser ausbuchstabiert werden, als dies bisher geschieht – denn sonst wandelt die FAZ auf einem schmalen Grat und macht sich angreifbar. Wo das hinf&#252;hren kann, hat vor kurzem Thomas Kn&#252;wer gezeigt, der einen Artikel von Frank Schirrmacher <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/02/wie-frank-schirrmacher-sich-seine-experten-aufblast/">zerlegt</a> hat.</p>
<p>An solchen Beispielen zeigt sich auch die Br&#252;chigkeit der Konstruktion einer &#8220;Nerd-FAZ&#8221;, die zwar die Chance erkannt hat, den Ton f&#252;r einen neuen gesellschaftlichen Diskurs anzuschlagen, sich dabei aber noch ein genaueres Bild von der Situation an der digitalen Kulturfront machen m&#252;sste.
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			</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22994&amp;md5=ff2b6cdf90e912f62d5bf08b16c911fa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Das Jahr in 140 Zeichen: Die politischen Tweets des Jahres</title>
		<link>http://carta.info/20904/twitter-politik-jahresrueckblick/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 16:15:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Impuls kam – wie so oft – aus den USA: das Online-Magazin Politico.com bemerkte die Twitterisierung der Politik und k&#252;rte die zehn wichtigsten Tweets des Jahres.

Auch wenn Twitter im Allgemeinen (und das politische Twittern im Besonderen) hierzulande noch immer bel&#228;chelt wird, so l&#228;sst sich eine solche Liste durchaus auch f&#252;r Deutschland anlegen. Eine Spontanrecherche in gut twitternden Kreisen erbrachte die folgende kleine Liste der politischen Tweets des Jahres 2009.

(Achtung: es handelt sich hier „nur“ um eine chronologisch gef&#252;hrte Liste, kein wertendes Ranking!)

1. 

Zum Jahresauftakt zieht Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel auf Twitter relativ alleine seine Bahnen, meldet sich zu allen Tages- und Nachtzeiten und kommentiert regelm&#228;&#223;ig das Geschehen auf landes- wie bundespolitischer Ebene. Inzwischen scheint er auch perfekt f&#252;r (auto)mobiles Twittern ausger&#252;stet zu sein

&#220;berhaupt scheint Hessen eine heimliche Twitter-Hochburg zu sein (siehe auch #9) – der neue Parlamentarisch]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/20d1195e286d40728bc3914a6a3fbf10" alt="" width="1" height="1" />Der Impuls kam – wie so oft – aus den USA: das Online-Magazin <em>Politico.com</em> bemerkte die Twitterisierung der Politik und k&#252;rte die <a href="http://www.politico.com/news/stories/1209/30933.html">zehn wichtigsten Tweets des Jahres</a>.</p>
<p>Auch wenn Twitter im Allgemeinen (und das politische Twittern im Besonderen) hierzulande noch immer bel&#228;chelt wird, so l&#228;sst sich eine solche Liste durchaus auch f&#252;r Deutschland anlegen. Eine Spontanrecherche in gut twitternden Kreisen erbrachte die folgende <strong>kleine Liste der politischen Tweets des Jahres 2009</strong>.</p>
<p>(Achtung: es handelt sich hier „nur“ um eine chronologisch gef&#252;hrte Liste, kein wertendes Ranking!)</p>
<p><strong>1. </strong></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-20905" title="twitter_tsg" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/12/twitter_tsg.png" alt="twitter_tsg" width="310" height="135" />Zum Jahresauftakt zieht <strong>Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel</strong> auf Twitter relativ alleine seine Bahnen, meldet sich zu allen <a href="http://twitter.com/tsghessen/status/3998839197">Tages- und Nachtzeiten</a> und kommentiert regelm&#228;&#223;ig das Geschehen auf <a href="http://twitter.com/tsghessen/status/5820360125">landes-</a> wie <a href="http://twitter.com/tsghessen/status/3426646711">bundespolitischer </a>Ebene. Inzwischen scheint er auch perfekt f&#252;r (auto)mobiles Twittern <a href="http://twitter.com/tsghessen/status/4702566833">ausger&#252;stet</a> zu sein</p>
<p>&#220;berhaupt scheint Hessen eine heimliche Twitter-Hochburg zu sein (siehe auch #9) – der neue Parlamentarische Staatssekret&#228;r im Wissenschaftsministerium, <strong>Helge Braun</strong> (Gie&#223;en), gl&#228;nzt etwa mit diesem <a href="http://twitter.com/HBraun/status/5717179983">Hochqualit&#228;tstweet</a> (Danke, <a href="http://www.twitter.com/dr_meyer">@dr_meyer</a>!).</p>
<p><strong>2.</strong> <a href="http://twitter.com/JuliaKloeckner/status/1892765932"></a></p>
<p><a href="http://twitter.com/JuliaKloeckner/status/1892765932">Julia Kl&#246;ckner</a> und <a href="http://twitter.com/UlrichKelber/status/1892752611">Ulrich Kelber</a> verraten das Ergebnis der Bundespr&#228;sidentenwahl.</p>
<p>Der Tweet „<em>Leute, Ihr k&#246;nnt in Ruhe Fu&#223;ball gucke. Wahlgang hat geklappt.</em>“ von @JuliaKloeckner scheint inzwischen gel&#246;scht. Eine „Vorsichtsma&#223;nahme“ mit Blick auf die Landtagswahl 2011 in Rheinland-Pfalz, bei der die „Twitter-S&#252;nderin“ (BILD) gegen Kurt Beck antreten wird?)</p>
<p><strong>3. </strong><a href="http://twitter.com/Mitzeichner/status/1732081489"></a></p>
<p><a href="http://twitter.com/Mitzeichner/status/1732081489">@mitzeichner</a> z&#228;hlt 50.000 Unterschriften f&#252;r die Petition gegen Internetsperren – nach <a href="http://twitter.com/Mitzeichner/status/1732146357">nicht einmal 70 Stunden Laufzeit</a>.</p>
<p>Die <a href="http://rbq.github.com/mitzeichner/">Dynamik</a> der Kampagne wirkt sich im Jahresverlauf ma&#223;geblich auf die Entwicklung der Piratenpartei aus – deren Mitgliederzuwachs beginnt schlagartig mit dem Ablauf der Petition und der Bundestagsabstimmung zum Zugangserschwerungsgesetz im Juni.</p>
<p><strong>4.</strong></p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-20907" title="twitter_tauss" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/12/twitter_tauss.png" alt="twitter_tauss" width="310" height="173" />Der langj&#228;hrige SPD-Abgeordnete <strong>J&#246;rg Tauss</strong> <a href="http://twitter.com/tauss/status/2251282049">erkl&#228;rt seinen Parteiaustritt </a>und wechselt zur Piratenpartei.</p>
<p>Mit dem spektakul&#228;ren Wechsel generierte Tauss einen massiven Follower-Zuwachs und katapultierte sich an die Spitze der politischen Twitter-Charts in Deutschland.</p>
<p><strong>5.</strong></p>
<p><a href="http://www.pro-radebeul.de/index.php?ka=1&amp;ska=profil&amp;pid=1">Patrick Rudolph</a> (alias @pr_radebeul) <a href="http://1.bp.blogspot.com/_-bbdoz-QgEQ/SpqNSRIvwKI/AAAAAAAAIfo/LvJxHcomwzY/s1600-h/Bild+6.png">plaudert</a> die hochgeheimen Exitpolls f&#252;r die Landtagswahlen in Sachsen, Saarland und Th&#252;ringen aus.</p>
<p>Der Stadtverordnete aus Radebeul versetzt damit Meinungsforscher, <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2009/09/05/in-eigener-sache-nachlese/">Medien</a> und den <a href="http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_09/presse/55_Twitter.html">Bundeswahlleiter</a> in helle Aufregung.</p>
<p><strong>6.</strong></p>
<p>Die erste Sitzung des 16. Bundestages wird zur Twitterparty – <a href="http://twitter.com/soerenbartol/status/5195983650">S&#246;ren Bartol</a>, <a href="http://twitter.com/Volker_Beck/status/5197416215">Volker Beck</a> und  <a href="http://twitter.com/Halina_Waw/status/5226647688">Halina Wawricek</a> feiern mit (vgl. auch die sch&#246;ne Zusammenstellung dr&#252;ben bei <a href="http://www.homopoliticus.de/2009/10/27/konstituierung-des-bundestags/">Homo Politicus</a>).</p>
<p><strong>7.</strong></p>
<p><a href="http://twitter.com/muentefering/status/4471310181">@muentefering</a> tritt zur&#252;ck (Franz M&#252;ntefering aber noch nicht).</p>
<p><img class="alignright size-full wp-image-20908" title="twitter_muentefering" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/12/twitter_muentefering.png" alt="twitter_muentefering" width="308" height="170" />Der <a href="http://www.metronaut.de/?p=1018">zugeh&#246;rige Bericht</a> der Agentur Metronaut („Wir waren Franz M&#252;ntefering“) erkl&#228;rt vieles &#252;ber das F&#252;hren eines Fake-Accouts und beinahe noch mehr &#252;ber die Twitter-Kompetenz deutscher Journalisten.</p>
<p><strong>8.</strong></p>
<p>Im Sp&#228;therbst beginnen die H&#246;rs&#228;le zu twittern – in <a href="http://twitter.com/lmubrennt/status/5365446347">M&#252;nchen</a>, <a href="http://twitter.com/hu_audimax">Berlin</a>, <a href="http://www.twitter.com/marburgstreikt">Marburg</a> und anderswo informieren Twitter-Accounts &#252;ber die aktuellen Ereignisse im Hochschulstreik.</p>
<p>Die Hashtags #unibrennt und #unsereuni dominieren die Rankings und sorgen f&#252;r eine Vernetzung und Verbreitung der <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2009/11/23/bestpractices/">Studierendenproteste</a>.</p>
<p><strong>9. </strong><a href="https://twitter.com/kristinakoehler/status/6166904501"></a></p>
<p><a href="https://twitter.com/kristinakoehler/status/6166904501">Kristina K&#246;hler</a> twittert als Bundesministerin weiter (und gibt auch das Briefeschreiben nicht auf).</p>
<p>Auch ohne ihre &#252;berraschende Berufung ins Familienministerium w&#228;re @kristinakoehler im Jahresr&#252;ckblick aufgetaucht – sie nutzte im Rahmen ihrer <a href="http://www.rtl-hessen.de/videos.php?start=10&amp;video=7424&amp;kategorie=33&amp;PHPSESSID=n0i6pnv1jem90ms7i3s1adjcp6">Bundestagskampagne</a> nicht nur Twitter, sondern auch andere soziale Netzwerke massiv. Und setzte sich in ihrem Wahlkreis immerhin gegen die bisherige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul durch.</p>
<p><strong>10.</strong></p>
<p>Der nieders&#228;chsische Landtagsabgeordnete <strong>Helge Limburg</strong> <a href="http://j.mp/5Vlp2t">stellt auf seine Weise &#214;ffentlichkeit her</a> (das ist der pers&#246;nliche „Politeia-Tweet“ des Jahres von <a href="http://www.twitter.com/codeispoetry">@codeispoetry</a> – danke sehr!).</p>
<p>Zugleich erh&#228;lt damit die Debatte um die „Rechtm&#228;&#223;igkeit“ des Twittern aus Plenarsitzungen neuen Schwung – in Augsburg ist bereits ein <a href="http://www.politik-digital.de/AugsburgTwitterVerbot">Twitter-Verbot f&#252;r Sitzungen des Stadtrates</a> in Kraft.</p>
<p>Der kleine Jahresr&#252;ckblick auf die 140-Zeichen-Ereignisse zeigt, dass das umstrittene Ph&#228;nomen Twitter zumindest in der deutschen Politik angekommen ist – von anderen Gesellschaftsbereichen l&#228;sst sich das nur bedingt behaupten. Die bisweilen arrogant und h&#228;misch gef&#252;hrte &#246;ffentliche Debatte &#252;ber Sinn bzw. Unsinn des K&#252;rzestformates wird sicherlich auch im n&#228;chsten Jahr gef&#252;hrt werden.</p>
<p>Die US-Kollegen von <em>Politico.com</em> gehen von einer „Domestizierung“ und „Verharmlosung“ der Twitter-Kommunikation durch politische Akteure aus.</p>
<p>Danach sieht es in Deutschland eher nicht aus.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erscheint als Crossposting von Christoph Biebers <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2009/12/29/top10tweets/">Internet und Politik</a>.</em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/20904/twitter-politik-jahresrueckblick/">Das Jahr in 140 Zeichen: Die politischen Tweets des Jahres</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/20904/twitter-politik-jahresrueckblick/#comments">3 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=20904&amp;md5=825e0a38f5ff849904dd3afb3f223323" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hier und da: Studentenproteste im Netz</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Nov 2009 10:44:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Welche Plattformen und Praktiken bei den aktuellen Studentenprotesten wichtig sind – eine &#220;bersicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/aa6eb78a3537464f8169e5e4078455d0" alt="" width="1" height="1" />&#220;ber den „digitalen Gehalt“ der aktuellen Hochschulproteste wird inzwischen vielerorts spekuliert (ich trage dazu bei, so gut ich kann). Hier nun eine <strong>kleine Liste</strong> <strong>von</strong> <strong>good practices</strong>, die zeigen, warum eine gute Protest-Pr&#228;senz im Web 2.0 tats&#228;chlich funktional sein kann. Nat&#252;rlich ist die Aufz&#228;hlung unvollst&#228;ndig, sie wird fortlaufend aktualisiert. Kommentare, Hinweise und Erg&#228;nzungen – gerne!</p>
<p><strong>1.</strong><strong> <a href="http://unibrennt.at/">unibrennt.at</a></strong></p>
<p>Die <strong>zentrale Protestplattform</strong> f&#252;r die Aktionen in &#214;sterreich b&#252;ndelt die Aktivit&#228;ten und ist eine &#252;bersichtliche Anlaufstelle. Sie funktioniert nicht nur als klassische „Homepage“, sondern bindet auch die diversen Web 2.0-Plattformen ein – auf diese Weise werden die vielen „<a href="http://futurezone.orf.at/stories/1632088/">digitalen Lagerfeuer</a>“ (die – sehr treffende – &#220;berschrift des ORF-Beitrages ist nicht von mir!) integriert.<strong></strong></p>
<p><strong>2. Google-Mashups</strong></p>
<p>Die Karte <a href="http://maps.google.at/maps/ms?ie=UTF8&amp;hl=de&amp;msa=0&amp;msid=116283369278129786033.0004778dfa81fb402d565&amp;source=embed&amp;ll=49.781264,12.348633&amp;spn=11.357555,23.291016">„Unsere Unis“</a> mit den Proteststandorten von Tom Schaffer (<a href="http://twitter.com/schaffertom">@schaffertom</a>) ist zum heimlichen Protestportal geworden. Mit inzwischen mehr als einer Million Zugriffen erzielt diese <strong>weltweite Visualisierung</strong> eine extrem hohe Reichweite. Die Ortsmarken enthalten zudem Verweise auf die lokalen Streikseiten und bieten so Verzweigungsm&#246;glichkeiten in die Protesthochburgen an.<strong><br />
Update</strong>: inzwischen gibt es auch so etwas wie <strong>„Micro-Maps“</strong>, die die Besetzungen von Hochschuleinrichtungen an einzelnen Standorten anzeigen. Hier das Beispiel aus <a href="http://maps.google.de/maps/ms?hl=de&amp;ie=UTF8&amp;t=h&amp;msa=0&amp;msid=108995755942264907340.000478c2c2f4753dd077f&amp;z=14">Gie&#223;en</a>.</p>
<p><strong>3. </strong><strong><a href="http://unibrennt.tv/">unibrennt.tv</a></strong></p>
<p>Das auf die <strong>Sammlung und Sortierung von Online-Videos</strong> spezialisierte Portal tr&#228;gt dem Bedeutungszuwachs der audiovisuellen Protestinhalte Rechnung. Die Website bezeichnet sich zwar als „globales Portal“, doch dominieren (bislang) noch die Beitr&#228;ge aus &#214;sterreich. Ein &#228;hnliches Angebot mit dem Fokus auf Deutschland (oder eine bessere, nach L&#228;ndern rubrizierbare Darstellung auf unibrennt.tv) w&#252;rde einen Beitrag dazu leisten, die Flut der lokalen Berichte zu archivieren und recherchierbar zu machen.<strong></strong></p>
<p><strong>4. <a href="http://www.twitter.com/unibrennt">@unibrennt</a></strong></p>
<p>Der <strong>Twitter-Account</strong> des ersten besetzten H&#246;rsaals in Wien ragt mit seinen knapp 2.500 Followern aus der Vielzahl der kaum wahrgenommenen Streik-Twitterer heraus. Noch spannender w&#228;re ja eine koordinierte Namensgebung von Twitter-Accounts aus Hochschulstandort und H&#246;rsaal-Name gewesen (umgesetzt etwa bei @hu_audimax). Das h&#228;tte die Liste der „Dinge, die twittern“ sehr produktiv erweitert und wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit in den alten Medien gefunden als die diversen Lokal-Accounts wie <a href="http://twitter.com/marburgstreikt">@marburgstreikt</a>, <a href="http://twitter.com/giessenstreikt">@giessenstreikt</a>, <a href="http://twitter.com/StreikBielefeld">@streikbielefeld</a>…<strong></strong></p>
<p><strong>5. Twitter-Listen</strong></p>
<p>Die Vielzahl der lokalen Twitter-Accounts (vgl. Punkt 4.) macht die Verfolgung der aktuellen Ereignisse nicht unbedingt leicht – die umfangreiche Liste <a href="http://twitter.com/#/list/Twitgeridoo/das-thema-bildung-brennt">„Das Thema Bildung brennt“</a> von @twitgeridoo zeigt, wie man die vielstimmigen Berichte wieder integrieren kann. Leider hat sie erst 34 Follower.<strong></strong></p>
<p><strong>6. Hashtags</strong></p>
<p>Die Begriffe <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23unsereuni">#unsereuni</a>, <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23unibrennt">#unibrennt</a>, <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23bildungsstreik">#bildungsstreik</a> spielen eine gro&#223;e Rolle bei der „digitalen Wiedervereinigung“ der Protestinhalte im Netz. Von &#214;sterreich ausgehend, haben sich #unibrennt und #unsereuni nachhaltig in den deutschen Twitter-Rankings eingenistet. Der etwas harmlosere #bildungsstreik kam etwas sp&#228;ter aus Deutschland dazu. Neben der Funktion der „Erkennungsmarke“ in der Kurzmitteilungsflut k&#246;nnen gut gew&#228;hlte Hashtags aber auch zur Pointierung und Unterst&#252;tzung eines Kampagnenanliegens beitragen – das beste Beispiel in Deutschland ist sicher #zensursula, das gleicherma&#223;en als Erkennungsmerkmal und politische Aussage funktioniert. Hier haben die Proteste noch Potenzial…<strong><br />
PS</strong>: Blickt man in die USA, dann haben die dortigen Hashtags oder auch Twitter-Accounts einen „aggressiveren“ Einschlag, dort findet man neben <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23UCstrike">#UCstrike</a> (f&#252;r den Streik an der University of California in Berkeley) etwa <a href="http://twitter.com/reclaimUC">@reclaimUC</a> („UC zur&#252;ckerobern“) oder <a href="http://search.twitter.com/search?q=%23occupyca">#occupyca</a> („Kalifornien besetzen“).<strong></strong></p>
<p><strong>7. Live-Blogging</strong> (Mikro oder Makro)</p>
<p>Als die Server des <a href="http://www.dailycal.org/">Daily Californian</a> am 20. November von der gro&#223;en Zahl der Zugriffe &#252;berfordert waren, berichtete die Hochschulzeitung der UC Berkeley per Twitter von der <a href="http://www.dailycal.org/article/107610/live_blog_about_60_protesters_lock_selves_in_wheel">Besetzung der Wheeler Hall</a> auf dem Campus. Diese Form der Ticker-Berichterstattung ist besonders dann hilfreich, wenn kein Livestreaming m&#246;glich ist.<strong></strong></p>
<p><strong>8. Soziale Netzwerke</strong></p>
<p>Vorbildlich gestaltet ist die &#246;sterreichische <strong>Facebook</strong>-Seite <a href="http://www.facebook.com/unsereuni">Audimax Besetzung in der Uni Wien</a>, die einerseits als direkter Protestsammelpunkt fungiert, gleichzeitig aber auch viele Vernetzungsleistungen erbringt und auf andere Online-Inhalte und -Plattformen verweist.<br />
(Frappierend ist auch der Unterschied zum Versuch, eine gleichartige Seite bei <strong>StudiVZ</strong> einzurichten – ein Blick auf die Hyperlink-Adresse zum Edelprofil <a href="http://www.studivz.net/Profile/xgQ7NhrgY8shuA2B5cm56U9b8cW7sAW_iW9m0s790ME">„Bildungsstreik – Proteste jetzt weltweit“</a> spricht B&#228;nde.)<strong></strong></p>
<p><strong>9. Wikis</strong></p>
<p><strong></strong>Auch hier haben die &#214;sterreicher die Nase vorn, ebenfalls unter der Domain unsereuni.at finden sich auf <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Main_Page">Verweise auf lokale Wiki-Angebote der bestreikten Hochschulen</a>. Neben aktuellen Terminen, <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Category:AG">Kontaktdaten und Infos zu den AGs</a> und nat&#252;rlich <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Forderungskatalog">Forderungskatalogen</a> finden sich dort auch detaillierte <a href="http://unsereuni.at/wiki/index.php/Chroniken:_%E2%80%9CWas_bisher_geschah%E2%80%9D">Protestchroniken</a>.</p>
<p>Fortsetzung folgt.</p>
<p><em>Christoph Bieber bloggt bei <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/">Internet und Politik</a>. <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2009/11/23/bestpractices/">Crossposting</a> mit freundlicher Genehmigung. Ebenfalls von ihm zum Thema: <a href="http://www.freitag.de/alltag/0947-hochschulproteste-bildungsstreik-internet-twitter-google-protestlandkarte">Es ist Bewegung im Netz</a> beim Freitag.</em>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/18777/bildungsstreik-web/">Hier und da: Studentenproteste im Netz</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/18777/bildungsstreik-web/#comments">4 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18777&amp;md5=f911338e2823e9c5ca7efeae845ec2ec" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Koalitionsverhandlungen: Wo bleibt die digitale Anreicherung? Wo bleibt Twitter? Wo bleiben die Blogs?</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 15:01:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Koalitionsverhandlungen w&#228;ren ein ideales Testfeld, um politische Alltagsroutinen auch nach dem Wahlkampf digital anzureichern: Kontinuierliche Tweets zum Verhandlungsgeschehen und allabendliche Blogeintr&#228;ge von den Verhandlungsf&#252;hrern k&#246;nnten die Spekulationswut der Hauptstadtmedien angenehm konterkarieren. Obama hat das alles vorgemacht. Hierzulande k&#228;mpft nur noch @westerwave gegen einen typisch deutschen Offline-Herbst.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f710e97efc9648af98a427999a487698" width="1" height="1" alt=""/>Der (Online-)Wahlkampf ist vorbei &#8211; und damit auch die Vergleiche mit der &#220;ber-Referenz Obama. Aber warum eigentlich? Denn auch bei der Regierungsbildung setzte der US-Pr&#228;sident Ma&#223;st&#228;be in Sachen digitaler Mediennutzung.</p>
<p>W&#228;hrend der &#220;bergangsphase zwischen dem Wahltag im November und der formellen Amts&#252;bernahme im Januar lagen arbeitsreiche Monate der so genannten Presidential Transition &#8211; in dieser von langer Hand geplanter &#220;bergangsphase vollzieht sich der eigentliche Regierungswechsel und das Regierungsteam nimmt Gestalt an. Auch das inhaltliche Profil wird gesch&#228;rft, und obwohl in den USA ein pr&#228;sidentielles System vorherrscht, so hatten einige Verhandlungen durchaus &#196;hnlichkeiten mit den gerade gestarteten Koalitionsverhandlungen.</p>
<p>Auch in Deutschland hat gerade eine Transitionsphase begonnen, in politikwissenschaftlicher Perspektive d&#252;rfte man die Amtsperioden wohl &#8220;<strong>Merkel I</strong>&#8221; und &#8220;<strong>Merkel II</strong>&#8221; nennen. Der Auftakt der Koalitionsverhandlungen hat medial ein breites Echo gefunden, auch die organisatorische Dimension bis hin zur personellen Besetzung einzelner Arbeitsgruppen wurde verschiedentlich beleuchtet.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/wester2.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-16000" style="margin: 4px;" title="wester2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/wester2-300x190.jpg" alt="wester2" width="300" height="190" /></a>Doch gibt es auch einen Anteil digitalen Medieneinsatzes auf Seiten der Verhandelnden? Sieht man mal von den t&#228;glichen Tweets eines gewissen <a href="http://twitter.com/westerwave">@westerwave</a> ab &#8211; wohl eher nicht. Zwar hat es sich im Laufe des vergangenen Jahres zwar herum gesprochen, dass die Werkzeuge des Web 2.0 gut f&#252;r den Online-Wahlkampf seien. Doch dass man auch &#252;ber den Wahltag hinaus <strong>politische Arbeitsroutinen digital anreichern</strong> kann, das ist wohl das n&#228;chste Neuland f&#252;r die deutsche Politik. Eine fl&#252;chtige Twitter-Umfrage hat erste Kommentare und Anregungen hervorgebracht, weitere k&#246;nnen folgen &#8211; gerne auch hier in den Kommentaren.</p>
<p>Es muss ja nicht gleich das hyperkomplexe Google Wave sein (danke <a href="http://twitter.com/cle50000">@cle50000</a> f&#252;r den Hinweis  ;-) , doch einige basale Tools aus der auf Kollaboration angelegten Web 2.0-Kommunikation k&#246;nnten auch im Rahmen von Koalitionsverhandlungen sinnvoll eingesetzt werden. <a href="http://twitter.com/kre8tiv">@kre8tiv</a> hat mit deutlich weniger als 140 Zeichen einen ersten vorschlag f&#252;r die begleitung der aushandlungen <a href="http://twitter.com/kre8tiv/status/4679896859">vorgelegt</a>:</p>
<blockquote><p>Arbeitsgruppen: Wikis | Kurze Zwst&#228;nde: Microblogging | B&#252;ndelung des Tages: Vorsitzenden Blogs.</p></blockquote>
<p>Damit w&#228;re schon mal eine minimale Begleitung des komplexen Procedere aus der Innenperspektive m&#246;glich &#8211; selbstverst&#228;ndlich k&#246;nnen relevante Details zur&#252;ckgehalten werden. Generell herrscht aber eher Skepsis, was den Verhandlungsstil der k&#252;nftigen Regierungspartner angeht, zudem wird Koalitionsverhandlungen ein Status als legitimer &#8220;R&#252;ckzugsraum&#8221; f&#252;r Face-to-Face-Kommunikation zugestanden (besten Dank f&#252;r die Facebook-Kommentare!).</p>
<p>Allerdings w&#228;re mit einem kontinuierlichen Informationsfluss direkt aus dem Verhandlungsgeschehen heraus <strong>der Spekulationswut der Hauptstadtmedien ein Kontrapunkt</strong> gesetzt &#8211; und eine aktive Beeinflussung der &#246;ffentlichen Debatte ist sicherlich imInteresse der verhandelnden Akteure.</p>
<p>Ein Blick auf die Aktivit&#228;ten im Umfeld der Obama-Transition im vergangenen Herbst kann weitere Impulse liefern. Unter dem Motto &#8220;<a href="http://change.gov/open_government/yourseatatthetable">Your Seat at the Table</a>&#8221; waren vormals interne Besprechungen von Arbeitsgruppen in verschiedenen Politikfeldern per Online-Video zug&#228;nglich gemacht worden. Parallel dazu hatten die Leiter dieser<br />
Meetings knapp die Diskussionsgegenst&#228;nde geschildert und interessierte B&#252;rger zur Kommentierung in einem &#8220;Citizen Briefing Book&#8221; aufgerufen. Aus dieser, letztlich zwar nur <strong>symbolischen, &#214;ffnung </strong>resultierten mehrere Zehntausend Eintr&#228;ge auf der Website zum administrativen Wandel, change.gov.</p>
<p>Eine derartige Digitalisierung werden wir hierzulande wohl nicht erleben &#8211; obwohl die Domain <a href="http://www.koalitionsverhandlungen.de/">koalitionsverhandlungen.de</a> bereits registriert ist. Allerdings liegen die Rechte bei der Autonat GmbH in Landshut, und es ist nicht davon auszugehen, dass der Domaininhaber Ralf Zm&#246;lnig in den n&#228;chsten Tagen offizielle Anfragen daf&#252;r erhalten<br />
wird.</p>
<p>Die Transitionsphase des President-elect Barack Obama kann im Nachhinein als Vorbote f&#252;r eine <strong>allm&#228;hliche Modernisierung der Regierungskommunikation</strong> auf ganz unterschiedlichen Feldern betrachtet werden. Personelle Umstruktierungen und die Etablierung neuer Positionen im Bereich Online-Medien und E-Government nahmen bereits vor der offiziellen Amts&#252;bernahme ihren Anfang, und ganz allm&#228;hlich<br />
gewinnen Konzepte wie &#8220;Government 2.0&#8243; an Kontur.</p>
<p>Trotz aller Systemunterschiede zwischen Washington und Berlin k&#246;nnte man nun auch die Performance der Koalitionsverhandlungen <strong>als ersten Ma&#223;stab f&#252;r den Willen zur Weiterf&#252;hrung der Online-Aktivit&#228;ten aus dem Wahlkampf</strong> ansehen – nicht nur das E-Campaigning selbst war in den Tagen vor dem 27 . September ein gr&#246;&#223;eres Thema. Wir werden sehen, ob das Web 2.0nur einen Sommer lang politisch aufbl&#252;hen durfte &#8211; und nun wieder ein <strong>typisch deutscher Offline-Herbst</strong> folgt.
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