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	<title>CARTA &#187; Björn Sievers</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 23:19:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Google und die Medien – ein paar Gedanken und Thesen</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 10:01:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Samstag habe ich das Vergn&#252;gen, auf der DJV-Tagung “Besser Online” mit den Kollegen Albrecht Ude und Lars Reppesgaard sowie dem Suchmaschinenentwickler Wolfgang Sander-Beuermann &#252;ber Google und die Medien zu diskutieren. Der Titel des Er&#246;ffnungspodiums, das Peter Jebsen moderiert: “Google sei bei uns!?” Ich sammle dann an dieser Stelle schon mal ein paar steile Thesen Argumente.

Die Leitfrage des Panels – so steht es im Programm – lautet: “Ist die von dem Unternehmen (Google, Anm. des Bloggers) bereitgestellte Infrastruktur ein Segen f&#252;r Onliner oder sollte man Google mit Vorsicht genie&#223;en?” Also los.

Google ist ein Segen f&#252;r Journalisten

Der Journalist und der Internetnutzer in mir liebt Google. Die Suche ist toll, der E-Mail-Dienst un&#252;bertroffen, der Google Reader mein gelebter Traum seit Jahren, Google Docs immer wieder sehr praktisch. Alls in allem kann ich allein mit der Bookmarkverwaltung nichts anfangen, da gibt es mit Delicious wahrlich etwas besseres. Und Flickr hat]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Samstag habe ich das Vergn&#252;gen, auf der <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/rdn-online.de');" href="http://rdn-online.de/besseronline/">DJV-Tagung “Besser Online”</a> mit den Kollegen <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.ude.de');" href="http://www.ude.de/">Albrecht Ude</a> und <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.druckreif-redaktion.de');" href="http://www.druckreif-redaktion.de/lars_reppesgaard.htm">Lars Reppesgaard</a> sowie dem Suchmaschinenentwickler <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/suma-ev.de');" href="http://suma-ev.de/wsb/">Wolfgang Sander-Beuermann</a> &#252;ber Google und die Medien zu diskutieren. Der Titel des Er&#246;ffnungspodiums, das Peter Jebsen moderiert: <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/rdn-online.de');" href="http://rdn-online.de/besseronline/das-programm/">“Google sei bei uns!?”</a> Ich sammle dann an dieser Stelle schon mal ein paar <del datetime="2009-11-15T14:29:40+00:00">steile Thesen</del> Argumente.</p>
<p>Die Leitfrage des Panels – so steht es im Programm – lautet: “Ist die von dem Unternehmen (Google, Anm. des Bloggers) bereitgestellte Infrastruktur ein Segen f&#252;r Onliner oder sollte man Google mit Vorsicht genie&#223;en?” Also los.</p>
<p><strong>Google ist ein Segen f&#252;r Journalisten</strong></p>
<p>Der Journalist und der Internetnutzer in mir liebt Google. Die Suche ist toll, der E-Mail-Dienst un&#252;bertroffen, der Google Reader mein gelebter Traum seit Jahren, Google Docs immer wieder sehr praktisch. Alls in allem kann ich allein mit der Bookmarkverwaltung nichts anfangen, da gibt es mit Delicious wahrlich etwas besseres. Und Flickr hat Google mit Picasa bei weitem nicht erreicht. Ergo: F&#252;r vieles, was Journalisten so tun, ist Google praktisch. Die Suche ist ein unverzichtbares Instrument f&#252;r die Recherche.</p>
<p>Der B&#252;rger in mir ist gleichwohl besorgt. Denn Google sammelt sehr, sehr viele Daten. Und Google sitzt in den USA, meine Daten damit auch. Gleichzeitig ist die US-Regierung (noch st&#228;rker als die deutsche) in den vergangenen Jahren immer hungriger nach Daten geworden. Ziehe ich daraus Konsequenzen: nicht wirklich. Ich rede mir ein, dass ich ja von einem Tag auf den anderen die Finger von Google lassen k&#246;nnte, wohl wissend, dass mir das mit jedem Tag, an dem ich diese wundervollen Dienste nutze, schwerer fiele.</p>
<p><strong>Google ist ein Segen f&#252;r Online-Medien</strong></p>
<p>F&#252;r alle Produzenten von Internetinhalten (also nicht nur f&#252;r Journalisten) ist Google ein Traum. Dem durchschnittlichen deutschen Nachrichtenportal sp&#252;lt Google zwischen 30 und 60 Prozent der Zugriffe auf die Seite. W&#252;rden die Verlage und Sender Google nun ausschlie&#223;en (was mithilfe der <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/de.wikipedia.org');" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Robots_Exclusion_Standard">robots.txt</a> auch ohne ausgefeiltere Programmierkenntnisse ziemlich einfach ist), ihre Portale w&#252;rden deutlich schrumpfen. Weniger Seitenabrufe bedeuten weniger ausgelieferte Werbung, bedeuten weniger Einnahmen, bedeuten weniger Geld f&#252;r Journalismus, bedeuten kleinere Redaktionen, bedeuten weniger Journalismus.</p>
<p>Und trotzdem f&#252;hren Medienmanager und Verleger eine rege Debatte &#252;ber Google. Die Argumentation: Google verdiene mit den Inhalten der Verlage Geld, weil neben den Suchergebnissen Werbung angezeigt wird. Und in der Tat: Google ist eigentlich ein Werbekonzern, der einen ungesund gro&#223;en Teil des Online-Werbemarktes erobert hat. Einer der j&#252;ngeren Beitr&#228;ge zu diesem Thema kommt von einem Dinosaurier der Branche: Rupert Murdoch – das ist der 78-J&#228;hrige, der vom australischen Regionalverleger zum wohl wichtigsten Medienmenschen der Welt wurde und der sich vor einiger Zeit mit dem “Wall Street Journal” die renommierteste Wirtschaftszeitung mindestens der USA einverleibt hat – m&#246;chte Google ausschlie&#223;en, <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.focus.de');" href="http://www.focus.de/digital/internet/paid-content-murdoch-will-google-ausschliessen_aid_452602.html">hat er vor ein paar Tagen gesagt</a>.</p>
<p>Das klingt – auf den ersten Blick – nach &#246;konomischer Selbstaufgabe und kommt doch nicht &#252;berraschend. Schlie&#223;lich ist Murdoch der Verleger, der mit dem “Wall Street Journal” ein – nach allem was man so h&#246;rt – erfolgreiches Paid-Content-Modell sein eigen nennt. Die Wirtschaftszeitung verdient im Internet mit journalistischen Inhalten Geld, und zwar weil die Leser f&#252;r die Inhalte bezahlen. Leute wie Mathias D&#246;pfner denken deshalb wohl an Murdoch, wenn sie, wie der Springer-Chef vor ein paar Tagen auf dem <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.monacomediaforum.org');" href="http://www.monacomediaforum.org/">“Monaco Media Forum”</a> im <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.zeit.de');" href="http://www.zeit.de/digital/internet/2009-11/springer-huffington-doepfner">Streitgespr&#228;ch mit US-Blog-Verlegerin Ariana Huffington</a>, vehement Bezahlinhalte auch f&#252;r ihre eigenen H&#228;user propagieren.</p>
<p>Auf den zweiten Blick f&#228;llt auf, dass Murdoch mit seinem Vorsto&#223; einen Paradigmenwechsel einleiten k&#246;nnte. Was passiert, wenn Microsoft Murdochs News Corp. daf&#252;r bezahlen w&#252;rde, die Inhalte mit der eigenen Suchmaschine Bing indizieren zu d&#252;rfen, der Medienkonzern Google aber ausgeschlossen w&#252;rde? Das k&#246;nnte Google in Bedr&#228;ngnis bringen – und zum Umdenken zwingen, schreibt <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.techcrunch.com');" href="http://www.techcrunch.com/2009/11/13/murdoch-google-bing-mexicanstandoff/">US-Blogger Michael Arrington, der eine These des Chefs der Suchmaschie Mahalo, Jason Calacanis, aufgreift</a> (<a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.buzzmachine.com');" href="http://www.buzzmachine.com/2009/11/15/nose-face-cut-spite-blocking-google/">Jeff Jarvis ist da anderer Meinung</a>). M&#246;glicherweise hat es schon <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/eu.techcrunch.com');" href="http://eu.techcrunch.com/2009/11/13/badda-bing-microsoft-woos-newspapers-by-funding-their-stick-to-beat-google/">ein Treffen gro&#223;er Verlage mit Bing gegeben, um eine gemeinsame Aktion gegen Google vorzubereiten</a>. (Nachzulesen auch bei <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/faz-community.faz.net');" href="http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2009/11/14/verleger-planen-buendnis-gegen-google-und-fuer-microsoft.aspx">Holger Schmidt</a>.)</p>
<p>Einen ersten Hinweis auf einen m&#246;glichen Paradigmenwechsel im Suchmarkt (wir erinnern uns: Google indexiert, schaltet Werbung neben Suchergebnissen und leitet den Traffic weiter) haben j&#252;ngst die <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.focus.de');" href="http://www.focus.de/digital/internet/suchmaschinen-twitter-nachrichten-in-echtzeit-bei-google-und-bing_aid_447077.html">Vereinbarungen von Twitter mit Google und Microsoft bzw. Bing</a> geliefert: Twitter wird den Suchmaschinen seine Inhalte zur Verf&#252;gung stellen, damit diese sie indizieren k&#246;nnen. Und vermutlich zahlen beide Konzerne daf&#252;r. Denn die Entwicklung zum Live-Web hat sie in j&#252;ngster Vergangenheit ein wenig alt aussehen lassen (alt hier im Sinn von 1998).</p>
<p><strong>Google zerfl<a href="http://www.dnews.de/altpapier/141731/altpapier-vom-dienstag---lustig-lustig-trallalalala.html">e</a>ddert <a href="http://www.dnews.de/altpapier/141731/altpapier-vom-dienstag---lustig-lustig-trallalalala.html"></a> Journalismus</strong></p>
<p>Google tr&#228;gt einen erheblichen Anteil daran, dass Medien die Klammer um ihre Inhalte verlieren. Eine Zeitung ist eine solche Klammer um Inhalte (das neue “Handelsblatt” ist sogar geheftet), das macht den Charme dieses Produkts ja gerade aus. In der fr&#252;hen Phase der Entwicklung von Medien im Netz haben AOL und Yahoo ihr Gesch&#228;ftsmodell darauf aufgebaut, dem Nutzer einen Ort zu bauen, an dem er alles findet: seine Mails, seine Freunde, seine Nachrichten. Dieses Modell ist tot (AOL fast vergessen und Yahoo nicht eben in bester Verfassung), und das ist auch eine Folge der Googelisierung unserer Internetnutzung. In j&#252;ngster Zeit tragen auch Facebook und Twitter dazu bei.</p>
<p>FOCUS-Online-Chefredakteur Jochen Wegner hat diese Entwicklung vor einiger Zeit in einem <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/in.focus.de');" href="http://in.focus.de/2008/12/interview-zu-nachrichtende-und-onlinejournalismus.html">Interview mit dem “Kress Report”</a> so zusammengefasst:</p>
<blockquote><p><em>“Die Online-Medien wechseln derzeit in einen neuen Aggregatzustand, sie sind nicht mehr in einer festen Klammer gebunden sondern werden gleichsam fl&#252;ssig – unsere Inhalte flie&#223;en in Einzelteilen durchs Netz, Medienmarken gewinnen damit als Absender eine ganz neue Bedeutung.”</em></p></blockquote>
<p>Das hat auch f&#252;r den Journalismus Konsequenzen: Es z&#228;hlt nicht mehr das Gesamtprodukt. In einer Zeitung kann ja auch mal ein schwacher Artikel stehen, der schadet nicht unmittelbar dem Gesamtprodukt. Im Netz m&#252;ssen Medien mit jedem St&#252;ck, das dort drau&#223;en weitergereicht wird oder &#252;ber Suchmaschinen zu finden ist, ihr Markenversprechen einl&#246;sen.</p>
<p><strong>Die Google-Informationsgesellschaft ist (auch) vorindustriell</strong></p>
<p>Wir lebten einst in einer hochspezialisierten Gesellschaft. F&#252;r jede Aufgabe gab es jemanden, der sie erledigte f&#252;r uns. Und wir bezahlten daf&#252;r. Wir haben das Reiseb&#252;ro daf&#252;r bezahlt, uns einen Urlaub zu buchen, den Buchh&#228;ndler, uns ein Buch zu bestellen – und den Zeitungsverlag daf&#252;r, uns Nachrichten und Reportagen zu b&#252;ndeln, auf Papier zu drucken und dieses zu unserem Briefkasten oder wenigstens unserem Kiosk zu transportieren.</p>
<p>Und heute? Ein Reiseb&#252;ro habe ich seit mehr als f&#252;nf Jahren nicht mehr betreten. Ferienh&#228;user findet Google f&#252;r mich, Flug und Mietwagen buche ich auch &#252;bers Netz. Auch wenn ich hin und wieder noch in eine Buchhandlung gehe – vor allem in die Kleine ein paar Stra&#223;en weiter, weil ich so kleine Buchhandlungen einfach mag -, der gr&#246;&#223;te Teil meines B&#252;cherbudgets landet bei Amazon. Seit Jahren. Mein Verh&#228;ltnis zu Zeitungen ist &#228;hnlich, wie das zu Buchhandlungen: Ich liebe sie, aber den gr&#246;&#223;ten Teil meines Medienbudgets (hier im Sinn von Aufmerksamkeit) schenke ich dem Netz. Twitter, Blogs und all den Dingen, die mein Google Reader f&#252;r mich zusammenh&#228;lt. RSS und nicht ein Verlag oder eine Redaktion ist die Klammer meiner kleinen Medienwelt.</p>
<p>Und deshalb ist das Google-Zeitalter auch vorindustriell: Wir machen wieder viel mehr selbst. Das geht sogar soweit, dass Handarbeit sich wieder lohnen kann. Mit dem Netz gibt es einen weltweiten Markt f&#252;r Nischenprodukte, die es niemals in die Regale von Ladengesch&#228;ften schaffen w&#252;rden.</p>
<p><strong>Google ist eine Chance f&#252;r Journalismus in der Nische</strong></p>
<p>Journalisten k&#246;nnen sich ihre Nische suchen und dort selbst Verleger werden. Das geht schon kostenlos bei einem Bloghoster; und selbst wenn es ein bisschen professioneller aussehen und selbstgehostet sein soll, bel&#228;uft sich die Investitionssumme auf weniger als 100 Euro im Jahr (die eigene Arbeitszeit, der Internetanschluss und das Netbook, das wir eh alle haben, nicht mitgerechnet). F&#252;r die Distribution der Inhalte sorgt Google. Und Twitter. Und Facebook. Refinanzierungsmodell: Werbung.</p>
<p>Wie das funktionieren kann, erkl&#228;rt zum Beispiel Sascha Pallenberg, der Macher von <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.netbooknews.de');" href="http://www.netbooknews.de/">netbooknews.de</a> in diesem Video:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="480" height="391" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://blip.tv/play/ge9F_eZjAg%2Em4v" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="480" height="391" src="http://blip.tv/play/ge9F_eZjAg%2Em4v" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Dass das mit einem IT-Thema relativ einfach und mit Reportagen aus Nepal eher schwierig ist, ist einer der Haken, den die Sache noch hat. Doch was sollen wir machen. Google ist. Vor allem die deutschen Internetnutzer wollen fast nur Google. Die pessimistische Sicht lautet: Damit m&#252;ssen wir leben. Der Optimist denkt: Darauf kann ich aufbauen. Mir ist aufbauen lieber.</p>
<p>Hab ich was vergessen? Bestimmt.</p>
<p><em>Diesen Text hat Bj&#246;rn Sievers f&#252;r sein Blog <a href="http://bjoern-sievers.de/">Bjoern-Sievers.de</a> geschrieben. Wir &#252;bernehmen ihn mit freundlicher Erlaubnis des Autors.</em>
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			</a>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18291&amp;md5=9567029ec69a0f59b0e7c3c7308a6785" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Offener Brief an DJV-Chef Michael Konken</title>
		<link>http://carta.info/11986/offener-brief-an-djv-chef-michael-konken-2/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 10:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Sievers</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Bj&#246;rn Sievers antwortet auf die Forderung des Deutschen Journalisten-Verbandes nach einer konzertierten Aktion von Verlegern, Politik und Urhebern gegen&#252;ber Google und der "Gratis-Kultur" im Netz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a1d4eb2581d27ed63e680d197a11db" width="1" height="1" alt=""/>Lieber Kollege Konken,</p>
<p>mit gro&#223;er Verwunderung habe ich Ihre <a href="http://www.djv.de/SingleNews.20+M5c9507342c3.0.html">Statements zum Thema Urheberrecht und Google</a> gelesen. Ich bin seit etwa zehn Jahren Mitglied im DJV, genauso lange wie ich hauptberuflich als Redakteur arbeite. Der DJV in seiner Funktion als Gewerkschaft hat mich in dieser Zeit nie vertreten, weil weder die Nachrichtenagentur <a href="http://www.ddp.de/">ddp</a> noch mein jetziger Arbeitgeber <a href="http://www.focus.de/">FOCUS Online</a> nach Tarif zahlen. In beiden F&#228;llen habe ich das f&#252;r mich pers&#246;nlich nicht als Nachteil empfunden. Meine Mitgliedschaft und mein zeitweiliges Engagement im <a href="http://www.berliner-journalisten.de/">Verein Berliner Journalisten</a> war vor allem berufsethisch begr&#252;ndet. Ich habe den DJV immer mehr als Berufsverband, denn als Gewerkschaft verstanden. Ein bisschen hat der Verband auch als Netzwerk funktioniert, allerdings nie so gut wie zum Beispiel die Mailingliste <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outbound/article/www.jonet.org');" href="http://www.jonet.org/">jonet.org</a>, <a href="http://www.twitter.com/">Twitter</a>, <a href="http://www.facebook.com/">Facebook</a> und andere. Heute nun frage ich mich, ob es nicht Zeit ist, aus dem DJV auszutreten.</p>
<p>Ich verstehe die Sorgen der Verleger, denn die Ausnahmestellung Googles in der Onlinewerbung ist inzwischen ein ernstes Problem f&#252;r sie (und damit f&#252;r Journalisten, denn auch mein Job h&#228;ngt von Onlinewerbung ab). Die Anzeigenerl&#246;se im Printgesch&#228;ft gehen zur&#252;ck, gleichzeitig heben die Ums&#228;tze mit Onlinewerbung nicht so ab, wie das viele im Markt erwartet haben. Und aus dem vergleichsweise kleinen Online-Werbekuchen schneidet sich dann auch noch Google die gr&#246;&#223;te Portion heraus. Das ist in der Tat dramatisch und stellt viele bisherige Erl&#246;smodelle im Journalismus infrage. In diesem Zusammenhang verstehe ich Ihre Sorgen. Denn wo die Gesch&#228;ftsmodelle zerfallen, da gehen auch Jobs verloren.</p>
<p>Aber ich verstehe nicht, warum ausgerechnet ein Journalistenverband nach sch&#228;rferen oder neuen Gesetzen ruft. Ich zitiere Ihr Statement:</p>
<blockquote><p><em>„Der Gesetzgeber muss einerseits der Gratis-Kultur des Internets zu Gunsten der Urheber einen wirksamen Riegel vorschieben und andererseits die Befugnisse des Bundeskartellamtes so ausweiten, dass die Beh&#246;rde Meinungsmonopole im Internet verhindern kann.“</em></p></blockquote>
<p>Welche Gratiskultur meinen Sie? Niemand, auch nicht Google, hat je einen Verlag oder andere Anbieter gezwungen, Inhalte kostenlos ins Netz zu stellen. Sollen nun Gesetze verbieten, dass zum Beispiel FOCUS Online sich entschieden hat, Journalismus durch Werbung zu finanzieren? Oder sollen Gesetze verbieten, dass Blogger ihre Texte ins Netz stellen, ohne f&#252;r den Abruf Geb&#252;hren zu verlangen? Soll es etwa freien Journalisten (als Urheber) verboten werden, f&#252;r Onlinemedien (und heute sind ja fast alle Medien auch online) zu arbeiten, wenn deren Inhalte f&#252;r alle Internetnutzer (und Google) kostenlos abrufbar sind?</p>
<p>Weiterhin ist mir unklar, welche Meinungsmonopole das Bundeskartellamt verhindern soll. Google kann an dieser Stelle nicht gemeint sein. Zwar ist das Unternehmen in Deutschland fast Monopolist mit seiner Suchmaschine, in vielen anderen M&#228;rkten ist das Bild weniger eindeutig. Dar&#252;ber hinaus ist die Suche – also auch das Finden journalistischer Beitr&#228;ge und damit das Finden von Meinungen – ja nicht das Problem, sondern – wie oben dargelegt – Googles Stellung im Online-Werbemarkt.</p>
<p>Gerade was Meinungsvielfalt angeht, komme ich zu einem anderen Ergebnis als Sie: Nach meinem Empfinden war es nie so einfach, seine Meinung &#246;ffentlich zu &#228;u&#223;ern. Und es war nie so einfach, Geh&#246;r zu finden. Auch weil Google zum Beispiel diesen offenen Brief indizieren wird und er damit gefunden werden kann (f&#252;r einen vorderen Platz m&#252;sste ich allerdings noch etwas h&#228;ufiger DJV und Konken schreiben).</p>
<p>In Ihrer Pressemitteilung hei&#223;t es weiter:</p>
<blockquote><p><em>“Es sei nicht hinnehmbar, dass die Urheber ohne Zustimmung ihre Werke Google zu dessen kommerziellen Zwecken &#252;berlie&#223;en.”</em></p></blockquote>
<p>Auch dieses Argument verstehe ich nicht. Die Urheber sind die Journalisten, die ihre Werke in der Regel Verlagen zur Verwertung &#252;berlassen. Daf&#252;r schlie&#223;en beide Seiten entsprechende Vertr&#228;ge. Die Verlage wiederum k&#246;nnen entscheiden, zu welchen Konditionen sie Inhalte, f&#252;r die sie die Verwertungsrechte haben, zug&#228;nglich machen. Stellen sie sie ins Internet, dann kann auch Google zugreifen, und zwar immer dann, wenn Verlag eben das gestatten (wie einfach Google und andere Suchmaschinen ausgeschlossen werden k&#246;nnen, erkl&#228;rt der Werbekonzern <a href="http://googlepolicyeurope.blogspot.com/2009/07/working-with-news-publishers.html">hier</a>).</p>
<p>Google (und andere) indizieren die Inhalte (wof&#252;r sie kein Geld nehmen), diese stehen damit nicht mehr nur online, sondern sind auch zu finden (die Suche refinanziert Google &#252;ber Werbung), was sich deutlich positiv auf die Abrufzahlen der Websites der Verlage auswirkt – und damit auch auf deren Werbeeinnahmen. (Dass sich im Netz Performance Marketing und damit vor allem Google AdSense als Werbeform durchgesetzt hat und das Displaygesch&#228;ft, das die Verlage vorwiegend betreiben, nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist nicht allein <del datetime="2009-07-17T15:52:14+00:00">Schuld</del> Verdienst es Suchkonzerns.)</p>
<p>Weiterhin ist mir unklar, wie Sie diesen Satz meinen, lieber Kollege Konken:</p>
<blockquote><p><em>„Ein wirksames Vorgehen gegen&#252;ber Google setzt voraus, dass Verleger und Gewerkschaften an einem Strang ziehen.“</em></p></blockquote>
<p>Was genau ist mein Interesse und das Interesse meiner Kollegen in diesem Zusammenhang? Kann ein “Vorgehen” gegen Google Arbeitspl&#228;tze retten? Vorausgesetzt, der DJV ist gemeinsam mit den Verlegern erfolgreich, wie stellen Sie sicher, dass Journalisten partizipieren, also Geh&#228;lter und Honorare steigen?</p>
<p>Um das am Ende dieses Schreibens noch einmal zu betonen: Google ist in der Tat zu einem sehr m&#228;chtigen Konzern geworden. Allein deshalb sollte das Kartellamt und jeder Einzelne darauf achten, ob Google seine Marktmacht missbraucht. F&#252;r Verlage und damit traditionelle Gesch&#228;ftsmodelle im Journalismus wird die starke Stellung von Google in der Onlinewerbung in Kombination mit der generellen Entwicklung des Werbemarktes zu einer existenzbedrohenden Gefahr. Doch kann das schon Grund genug sein f&#252;r einen Schulterschluss zwischen Journalistenverband und den nat&#252;rlichen Gegenspielern, den Verlegern?</p>
<p>Aus meiner Sicht sollte ein Journalistenverband seine Energie (und meine Beitr&#228;ge) darauf verwenden, &#252;ber die Zukunft des Journalismus und neue Erl&#246;smodelle nachzudenken. Allein der Blick nach vorn erscheint mir angesichts der schnellen, durch neue Technologien getriebenen Entwicklungen zielf&#252;hrend.</p>
<p>Die Gewerkschaft DJV hat mich noch nie vertreten, nun aber habe ich das Gef&#252;hl, dass es der Berufsverband das auch nicht mehr tut. Es w&#252;rde mich freuen, lieber Kollege Konken, wenn Sie diesen Brief als Ermunterung auffassen w&#252;rden, mit mir und vielen anderen Kollegen in einen Dialog einzusteigen. Themen haben wir genug.</p>
<p>Mit herzlichen Gr&#252;&#223;en<br />
Bj&#246;rn Sievers</p>
<p><em>Bj&#246;rn Sievers hat diesen <a href="http://bjoern-sievers.de/2009/07/17/offener-brief-an-djv-chef-michael-konken/">offenen Brief</a> auf <a href="http://bjoern-sievers.de/">seiner Website</a> ver&#246;ffentlicht. Wir &#252;bernehmen den Brief mit freundlicher Genehmigung des Autors.</em>
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<a href="http://carta.info/11986/offener-brief-an-djv-chef-michael-konken-2/">Offener Brief an DJV-Chef Michael Konken</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/11986/offener-brief-an-djv-chef-michael-konken-2/#comments">12 comments</a>
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