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	<title>Kommentare zu: Mindestl&#246;hne und die Privatisierung der sozialen Gerechtigkeit</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Sat, 20 Mar 2010 00:09:29 +0100</lastBuildDate>
	
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		<title>Von: pitsch</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-361</link>
		<dc:creator>pitsch</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2009 10:35:48 +0000</pubDate>
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		<description>Angesichts von 500 Milliarden staatlicher Hilfe fuer die Bankenwirtschaft kann durchaus von einer damit einhergehden Pflicht zu mehr sozialer Verantwortung der Privatwirtschaft gesprochen werden. Gaebe es diese Ausgangslage nicht, haette man auf die Weiterexistenz der betreffenden Wirtschaftszweige verzichten koennen.

Allgemeiner gesehen: Die Positionen radikaler Freimarktvertreter werden spaetestens in diesen Tagen ebenso fragwuerdig wie die der radikalen Marx-Leninisten in Zeiten des Zusammenbruchs der Sovietunion. Wir befinden uns in einer geschichtlichen Wende, in der der Kapitalismus wieder einmal neu erfinden werden muss. Ob dem bereits der betreffende Gesetzesprozess zum Mindestlohn Rechnung traegt, darf bezweifelt werden.

Die Debatten um Mindestlohn sind auch Stellvertreterdebatten um die Diskussion eines gesichereten Grundeinkommens und einer grundlegenden Reform des Steuerrechts. Ihr gegenueber koennten neue Formen der genossenschaftlichen Beteiligung, der Shareholderschaft und anderen experimenteller Marktmodelle gesetzt werden, die zumindest versuchen grundsaetzlicher an die offensichtlich grundlegenden Probleme heranzugehen, statt das zu optimieren was auf viel tieferer Ebene uneffektiv und auf offenbar im Ganzen marktschaedigend ist.  Wir befinden uns hinter einer diskursiven Wasserscheide. Die invisible Hand des freien Marktes ist einer ploetzlichen Machtlosigkeit durch massenhaften Vertrauensverlust ausgeliefert. In ihrem Namen zu argumentieren heisst von nun an, sich einer sofortigen Fragwuerdigkeit auszusetzen, und Alternativen aufzeigen zu muessen, die noch vor Monaten undiskutierbar waren.

Es geht nicht bloss um mehr staatliche Kontrolle, sondern um mehr zivilgesellschaftliche, demokratischere Marktmodelle, welche zumindest helfen die Spekulationspyramiden zu vermeiden, an der Basis der Mindestlohnverdiener steht, der nur ueber bescheidenen Konsum oder den mehr oder weniger gezielten Privatkonkurs an der wunderbaren Geldvermehrung teilhaben konnte.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Angesichts von 500 Milliarden staatlicher Hilfe fuer die Bankenwirtschaft kann durchaus von einer damit einhergehden Pflicht zu mehr sozialer Verantwortung der Privatwirtschaft gesprochen werden. Gaebe es diese Ausgangslage nicht, haette man auf die Weiterexistenz der betreffenden Wirtschaftszweige verzichten koennen.</p>
<p>Allgemeiner gesehen: Die Positionen radikaler Freimarktvertreter werden spaetestens in diesen Tagen ebenso fragwuerdig wie die der radikalen Marx-Leninisten in Zeiten des Zusammenbruchs der Sovietunion. Wir befinden uns in einer geschichtlichen Wende, in der der Kapitalismus wieder einmal neu erfinden werden muss. Ob dem bereits der betreffende Gesetzesprozess zum Mindestlohn Rechnung traegt, darf bezweifelt werden.</p>
<p>Die Debatten um Mindestlohn sind auch Stellvertreterdebatten um die Diskussion eines gesichereten Grundeinkommens und einer grundlegenden Reform des Steuerrechts. Ihr gegenueber koennten neue Formen der genossenschaftlichen Beteiligung, der Shareholderschaft und anderen experimenteller Marktmodelle gesetzt werden, die zumindest versuchen grundsaetzlicher an die offensichtlich grundlegenden Probleme heranzugehen, statt das zu optimieren was auf viel tieferer Ebene uneffektiv und auf offenbar im Ganzen marktschaedigend ist.  Wir befinden uns hinter einer diskursiven Wasserscheide. Die invisible Hand des freien Marktes ist einer ploetzlichen Machtlosigkeit durch massenhaften Vertrauensverlust ausgeliefert. In ihrem Namen zu argumentieren heisst von nun an, sich einer sofortigen Fragwuerdigkeit auszusetzen, und Alternativen aufzeigen zu muessen, die noch vor Monaten undiskutierbar waren.</p>
<p>Es geht nicht bloss um mehr staatliche Kontrolle, sondern um mehr zivilgesellschaftliche, demokratischere Marktmodelle, welche zumindest helfen die Spekulationspyramiden zu vermeiden, an der Basis der Mindestlohnverdiener steht, der nur ueber bescheidenen Konsum oder den mehr oder weniger gezielten Privatkonkurs an der wunderbaren Geldvermehrung teilhaben konnte.</p>
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		<title>Von: Robin Meyer-Lucht</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-83</link>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Nov 2008 12:17:52 +0000</pubDate>
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		<description>Lieber Justus Haucap,

vielen Dank f&#252;r die sorgsame Pr&#252;fung der Kommentare.  Ich bin begeistert!

Robin Meyer-Lucht</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Justus Haucap,</p>
<p>vielen Dank f&#252;r die sorgsame Pr&#252;fung der Kommentare.  Ich bin begeistert!</p>
<p>Robin Meyer-Lucht</p>
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		<title>Von: Justus Haucap</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-82</link>
		<dc:creator>Justus Haucap</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Nov 2008 19:54:43 +0000</pubDate>
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		<description>Ich sollte mich wohl zu einer Reihe von Kommentaren &#228;u&#223;ern, auch wenn sich kein einziger auf die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung bezieht, sondern sich in sehr, sehr allgemeiner Natur zum Thema Mindestlohn &#228;u&#223;ern. Einige haben wohl auch Teile meines Textes &#252;berlesen. 

(1) Dass Mindestl&#246;hne Arbeitspl&#228;tze gef&#228;hrden k&#246;nnen, auch wenn das nicht in jedem Einzelfall gilt, ist (leider) das Ergebnis der allermeisten empirischen Studien. So fassen z.B. die beiden amerikanischen Arbeitsmarkt&#246;konomen David Neumark und William Wascher ihren viel beachteten &lt;a href=&quot;http://www.aei.org/docLib/20061201_NeumarkWascherPaper.pdf&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;&#220;bersichtsartikel zum Thema Mindestl&#246;hne&lt;/a&gt; wie folgt zusammen: &quot;&lt;em&gt;Clearly, no consensus now exists about the overall effects on low-skilled employment of an increase in the minimum wage. However, the oft-stated assertion that this recent research fails to support the traditional view that the minimum wage reduces the employment of low-skilled workers is clearly incorrect. The overwhelming majority of the studies surveyed in this paper give a relatively consistent (although not always statistically significant) indication of negative employment effects of minimum wages. In addition, among the papers we view as providing the most credible evidence, almost all point to negative employment effects&lt;/em&gt;.&quot; Man mag diesen Befund sicher bedauern, aber diese Studien lassen sich nun einmal nicht einfach so als irrelevante Spinnereien beiseite wischen, nur weil einem das Ergebnis nicht gef&#228;llt.

(2) Dass ein Mindestlohn sich positiv f&#252;r die &#246;ffentlichen Kassen auswirken kann, weil ggf. weniger Transfers n&#246;tig sind, steht ja auch in meinem Beitrag. Das ist dann aber ein ganz anderer Punkt und hat ja wenig mit dem Einkommen der Betroffenen zu tun. Fakt ist, dass wir in Deutschland beim so genannten Arbeitslosengeld II (eigentlich ein v&#246;llig falscher Name, die Leute arbeiten ja), ziemlich hohe &quot;Transferentzugsraten&quot; haben. Das hei&#223;t: Verdienen die Empf&#228;nger mehr, weil sie mehr arbeiten oder die L&#246;hne steigen, werden ihnen die Transfers recht drastisch gek&#252;rzt. Von einer Lohnsteigerung durch einen Mindestlohn (so die Betroffenenen denn besch&#228;ftigt bleiben) kommt ziemlich wenig bei den Leuten an. Das meiste kassiert (indirekt) der Finanzminister, indem er die Transfers k&#252;rzt. Das ist zwar vielleicht auch f&#252;r manche soziale Gerechtigkeit, aber doch eine eher un&#252;bliche Interpretation, w&#252;rde ich sagen.

(3) Es stellt sich dann auch die prinzipielle Frage: Soll ich lieber L&#246;hne aufstocken, wenn die Leute arbeiten, aber wenig verdienen (&quot;also Arbeitspl&#228;tze subventionieren&quot;), oder den Leuten lieber alles bezahlen, wenn sie arbeitslos sind? Man kann sich zwar w&#252;nschen, dass die Leute mehr f&#252;r das Haareschneiden bezahlen w&#252;rden, aber viele gehen dann eben doch seltener zum Fris&#246;r, schneiden ihren Kindern (und ggf. auch sich selbst) die Haare dann selbst oder organisieren das schwarz, was noch viel unsozialer ist, weil gar nicht mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beigetragen wird. Das gilt - so meine Einsch&#228;tzung - gerade in den Regionen, in denen die Fris&#246;re so weing verdienen, weil es eben Gegenden sind, in denen nicht gerade der Reichtum ausgebrochen ist, um das mal so vorsichtig zu formulieren. Wo die Leute mehr f&#252;r den Haarschnitt zahlen (k&#246;nnen), sind auch die L&#246;hne im Fris&#246;rhandwerk h&#246;her. Und bei Udo Walz d&#252;rften die Fris&#246;re vermutlich noch mehr bekommen (alleine an Trinkgeld).

(4) Nat&#252;rlich k&#246;nnen die Transfers, mit denen L&#246;hne aufgestockt werden, auch missbraucht werden, um L&#246;hne zu dr&#252;cken, ganz klar. Dann flie&#223;en die Subbventionen indirekt dem Unternehmen zu und nicht dem eigentlich zugedachten Empf&#228;nger. Um dem vorzubeugen, kann ein allgemeiner (und nicht branchenspezifischer) moderater Mindestlohn helfen - das bestreiten nur wenige. Mit den momentanen Gesetzesvorhaben hat das aber rein gar nichts zu tun. Hier geht es um branchenspezifische Mindestl&#246;hne, ggf. sogar differenziert nach Qualifikationen etc

(5)  Es ist nicht eine erst von mir eingebrachte Interpretation, dass die Mindestl&#246;hne auch schon die angemessenen Entgelte sein sollen. Das ergibt  sich aus dem Gesetzesenwturf. Dort hei&#223;t es in §4 Absatz 4 des Gesetzes &#252;ber Mindestarbeitsbedingungen (jetzt bekommen einige Leser wieder Hautausschlag, weil ich das Gesetz zitiere - ich wei&#223;, aber trotzdem): &quot;&lt;em&gt;Durch Mindestarbeitsentgelte wird die unterste Grenze der Entgelte in einem Wirtschaftszweig f&#252;r den Besch&#228;ftigungsort festgelegt. Der Fachausschuss kann bei der Festlegung nach Art der T&#228;tigkeit, Qualifikation der Arbeitnehmer und Regionen differenzieren. Er pr&#252;ft im Rahmen einer Gesamtabw&#228;gung, ob seine Entscheidung insbesondere geeignet ist, 1. angemessene Arbeitsbedingungen zu schaffen, (...)&lt;/em&gt;&quot;. Siehe auch &lt;a href=&quot;http://www.bundestag.de/ausschuesse/a11/anhoerungen/gMindestarb_beding/aBTDrs1610485.pdf&quot; rel=&quot;nofollow&quot;&gt;Gesetzesentwurf&lt;/a&gt;. Es steht also im Gesetz, dass die Mindestl&#246;hne, differenziert nach Qualifikation etc., angemessen sein sollen. Das hei&#223;t: Hier geht es um Quasi-Traifvertr&#228;ge. Wof&#252;r braucht man denn dann noch einen Tarifvertrag, wenn der Staat das alles regelt? Und mit welchem Argument soll eine Gewerkschaft dann f&#252;r h&#246;here L&#246;hne streiken, wenn der Staat schon angemessene Arbeitsbedingungen schafft? H&#246;here Forderungen w&#228;ren dann ja anscheinend unangemessen....

(6) Ein Mindestlohn ist deshalb so schlecht geeignet, sozialen Ausgleich zu schaffen, weil er gar nicht an der individuellen Situation des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin ansetzt und auch nicht ansetzen kann. Wie viele Kinder leben im Haushalt? Hat mein Partner/Partnerin auch Arbeit? Habe ich &#252;berhaupt einen Partner/Partnerin? Und so weiter. Diese Faktoren bestimmen ja, wie viel Hilfe ein Haushalt braucht, um vern&#252;nftig leben zu k&#246;nnen. Danach kann man aber keine L&#246;hne anpassen, ohne den Arbeitsmarkt komplett auszuhebeln.

(7) Ich lasse es jetzt mal dabei, vermutlich habe ich noch Anmerkungen &#252;berlesen, auf die reagiere ich dann sp&#228;ter.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sollte mich wohl zu einer Reihe von Kommentaren &#228;u&#223;ern, auch wenn sich kein einziger auf die Gesetzesvorhaben der Bundesregierung bezieht, sondern sich in sehr, sehr allgemeiner Natur zum Thema Mindestlohn &#228;u&#223;ern. Einige haben wohl auch Teile meines Textes &#252;berlesen. </p>
<p>(1) Dass Mindestl&#246;hne Arbeitspl&#228;tze gef&#228;hrden k&#246;nnen, auch wenn das nicht in jedem Einzelfall gilt, ist (leider) das Ergebnis der allermeisten empirischen Studien. So fassen z.B. die beiden amerikanischen Arbeitsmarkt&#246;konomen David Neumark und William Wascher ihren viel beachteten <a href="http://www.aei.org/docLib/20061201_NeumarkWascherPaper.pdf" rel="nofollow">&#220;bersichtsartikel zum Thema Mindestl&#246;hne</a> wie folgt zusammen: &#8220;<em>Clearly, no consensus now exists about the overall effects on low-skilled employment of an increase in the minimum wage. However, the oft-stated assertion that this recent research fails to support the traditional view that the minimum wage reduces the employment of low-skilled workers is clearly incorrect. The overwhelming majority of the studies surveyed in this paper give a relatively consistent (although not always statistically significant) indication of negative employment effects of minimum wages. In addition, among the papers we view as providing the most credible evidence, almost all point to negative employment effects</em>.&#8221; Man mag diesen Befund sicher bedauern, aber diese Studien lassen sich nun einmal nicht einfach so als irrelevante Spinnereien beiseite wischen, nur weil einem das Ergebnis nicht gef&#228;llt.</p>
<p>(2) Dass ein Mindestlohn sich positiv f&#252;r die &#246;ffentlichen Kassen auswirken kann, weil ggf. weniger Transfers n&#246;tig sind, steht ja auch in meinem Beitrag. Das ist dann aber ein ganz anderer Punkt und hat ja wenig mit dem Einkommen der Betroffenen zu tun. Fakt ist, dass wir in Deutschland beim so genannten Arbeitslosengeld II (eigentlich ein v&#246;llig falscher Name, die Leute arbeiten ja), ziemlich hohe &#8220;Transferentzugsraten&#8221; haben. Das hei&#223;t: Verdienen die Empf&#228;nger mehr, weil sie mehr arbeiten oder die L&#246;hne steigen, werden ihnen die Transfers recht drastisch gek&#252;rzt. Von einer Lohnsteigerung durch einen Mindestlohn (so die Betroffenenen denn besch&#228;ftigt bleiben) kommt ziemlich wenig bei den Leuten an. Das meiste kassiert (indirekt) der Finanzminister, indem er die Transfers k&#252;rzt. Das ist zwar vielleicht auch f&#252;r manche soziale Gerechtigkeit, aber doch eine eher un&#252;bliche Interpretation, w&#252;rde ich sagen.</p>
<p>(3) Es stellt sich dann auch die prinzipielle Frage: Soll ich lieber L&#246;hne aufstocken, wenn die Leute arbeiten, aber wenig verdienen (&#8221;also Arbeitspl&#228;tze subventionieren&#8221;), oder den Leuten lieber alles bezahlen, wenn sie arbeitslos sind? Man kann sich zwar w&#252;nschen, dass die Leute mehr f&#252;r das Haareschneiden bezahlen w&#252;rden, aber viele gehen dann eben doch seltener zum Fris&#246;r, schneiden ihren Kindern (und ggf. auch sich selbst) die Haare dann selbst oder organisieren das schwarz, was noch viel unsozialer ist, weil gar nicht mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beigetragen wird. Das gilt &#8211; so meine Einsch&#228;tzung &#8211; gerade in den Regionen, in denen die Fris&#246;re so weing verdienen, weil es eben Gegenden sind, in denen nicht gerade der Reichtum ausgebrochen ist, um das mal so vorsichtig zu formulieren. Wo die Leute mehr f&#252;r den Haarschnitt zahlen (k&#246;nnen), sind auch die L&#246;hne im Fris&#246;rhandwerk h&#246;her. Und bei Udo Walz d&#252;rften die Fris&#246;re vermutlich noch mehr bekommen (alleine an Trinkgeld).</p>
<p>(4) Nat&#252;rlich k&#246;nnen die Transfers, mit denen L&#246;hne aufgestockt werden, auch missbraucht werden, um L&#246;hne zu dr&#252;cken, ganz klar. Dann flie&#223;en die Subbventionen indirekt dem Unternehmen zu und nicht dem eigentlich zugedachten Empf&#228;nger. Um dem vorzubeugen, kann ein allgemeiner (und nicht branchenspezifischer) moderater Mindestlohn helfen &#8211; das bestreiten nur wenige. Mit den momentanen Gesetzesvorhaben hat das aber rein gar nichts zu tun. Hier geht es um branchenspezifische Mindestl&#246;hne, ggf. sogar differenziert nach Qualifikationen etc</p>
<p>(5)  Es ist nicht eine erst von mir eingebrachte Interpretation, dass die Mindestl&#246;hne auch schon die angemessenen Entgelte sein sollen. Das ergibt  sich aus dem Gesetzesenwturf. Dort hei&#223;t es in §4 Absatz 4 des Gesetzes &#252;ber Mindestarbeitsbedingungen (jetzt bekommen einige Leser wieder Hautausschlag, weil ich das Gesetz zitiere &#8211; ich wei&#223;, aber trotzdem): &#8220;<em>Durch Mindestarbeitsentgelte wird die unterste Grenze der Entgelte in einem Wirtschaftszweig f&#252;r den Besch&#228;ftigungsort festgelegt. Der Fachausschuss kann bei der Festlegung nach Art der T&#228;tigkeit, Qualifikation der Arbeitnehmer und Regionen differenzieren. Er pr&#252;ft im Rahmen einer Gesamtabw&#228;gung, ob seine Entscheidung insbesondere geeignet ist, 1. angemessene Arbeitsbedingungen zu schaffen, (&#8230;)</em>&#8220;. Siehe auch <a href="http://www.bundestag.de/ausschuesse/a11/anhoerungen/gMindestarb_beding/aBTDrs1610485.pdf" rel="nofollow">Gesetzesentwurf</a>. Es steht also im Gesetz, dass die Mindestl&#246;hne, differenziert nach Qualifikation etc., angemessen sein sollen. Das hei&#223;t: Hier geht es um Quasi-Traifvertr&#228;ge. Wof&#252;r braucht man denn dann noch einen Tarifvertrag, wenn der Staat das alles regelt? Und mit welchem Argument soll eine Gewerkschaft dann f&#252;r h&#246;here L&#246;hne streiken, wenn der Staat schon angemessene Arbeitsbedingungen schafft? H&#246;here Forderungen w&#228;ren dann ja anscheinend unangemessen&#8230;.</p>
<p>(6) Ein Mindestlohn ist deshalb so schlecht geeignet, sozialen Ausgleich zu schaffen, weil er gar nicht an der individuellen Situation des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin ansetzt und auch nicht ansetzen kann. Wie viele Kinder leben im Haushalt? Hat mein Partner/Partnerin auch Arbeit? Habe ich &#252;berhaupt einen Partner/Partnerin? Und so weiter. Diese Faktoren bestimmen ja, wie viel Hilfe ein Haushalt braucht, um vern&#252;nftig leben zu k&#246;nnen. Danach kann man aber keine L&#246;hne anpassen, ohne den Arbeitsmarkt komplett auszuhebeln.</p>
<p>(7) Ich lasse es jetzt mal dabei, vermutlich habe ich noch Anmerkungen &#252;berlesen, auf die reagiere ich dann sp&#228;ter.</p>
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	<item>
		<title>Von: Start von Carta: Gute Ansätze, schlechte Sätze » medienlese.com</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-81</link>
		<dc:creator>Start von Carta: Gute Ansätze, schlechte Sätze » medienlese.com</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Nov 2008 13:38:11 +0000</pubDate>
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		<description>[...] Inhaltlich g&#228;be es da also nichts zu meckern, das Problem war einzig und allein ein Missgriff sprachlicher Natur. Das Problem von Carta w&#228;re folglich jetzt der &#8216;R&#252;ckfall&#8217; in alte Fehler, die im Impressum schon halbwegs ausgemerzt wurden. Hierf&#252;r gibt es erste Anzeichen: [...]</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>[...] Inhaltlich g&#228;be es da also nichts zu meckern, das Problem war einzig und allein ein Missgriff sprachlicher Natur. Das Problem von Carta w&#228;re folglich jetzt der &#8216;R&#252;ckfall&#8217; in alte Fehler, die im Impressum schon halbwegs ausgemerzt wurden. Hierf&#252;r gibt es erste Anzeichen: [...]</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Wenn &#8220;mindestens&#8221; angemessen ist &#171; shifting reality</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-78</link>
		<dc:creator>Wenn &#8220;mindestens&#8221; angemessen ist &#171; shifting reality</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 11:54:22 +0000</pubDate>
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		<description>[...] ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen.&#8221; - schreibt Justus Haucap bei Carta (dem neuen Blog on the block)  Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende [...]</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>[...] ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen.&#8221; &#8211; schreibt Justus Haucap bei Carta (dem neuen Blog on the block)  Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende [...]</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Carta und die &#8220;Unwägbarkeiten der Online-Publizistik&#8221; &#8212; ring2*</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-77</link>
		<dc:creator>Carta und die &#8220;Unwägbarkeiten der Online-Publizistik&#8221; &#8212; ring2*</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 11:10:49 +0000</pubDate>
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		<description>[...] tendenzi&#246;s bunzen tut auch der Autor des zweiten Textes - &#252;ber Mindestl&#246;hne, den ich lese. Justus Haucap kann mir auch nicht erkl&#228;ren, wieso [...]</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>[...] tendenzi&#246;s bunzen tut auch der Autor des zweiten Textes &#8211; &#252;ber Mindestl&#246;hne, den ich lese. Justus Haucap kann mir auch nicht erkl&#228;ren, wieso [...]</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: ring2</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-75</link>
		<dc:creator>ring2</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 09:52:20 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://cartaweb.de/?p=929#comment-75</guid>
		<description>&quot;Im Grunde ist jedoch der ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen.&quot;

komisch, das belegen sie an keiner Stelle.

&quot;Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende soziale Gerechtigkeit sorgen k&#246;nnen. Das Schaffen sozialer Gerechtigkeit ist daher eine Aufgabe des Staates.&quot;

... und das kann ein Mindestlohn durchaus. Nur dass dann der Beitrag zu sozial gerechten L&#246;hnen/Einkommen nicht allein aus Sozialtransfers, wie bisher und von Ihnen propagiert stattfindet, sondern durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber mitfinanziert wird. Diesen Aspekt schieben sie leider einfach so beiseite. Schade.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Im Grunde ist jedoch der ganze Versuch verfehlt, &#252;ber Mindestl&#246;hne soziale Gerechtigkeit zu schaffen.&#8221;</p>
<p>komisch, das belegen sie an keiner Stelle.</p>
<p>&#8220;Es ist richtig, dass Markt und Wettbewerb nicht f&#252;r umfassende soziale Gerechtigkeit sorgen k&#246;nnen. Das Schaffen sozialer Gerechtigkeit ist daher eine Aufgabe des Staates.&#8221;</p>
<p>&#8230; und das kann ein Mindestlohn durchaus. Nur dass dann der Beitrag zu sozial gerechten L&#246;hnen/Einkommen nicht allein aus Sozialtransfers, wie bisher und von Ihnen propagiert stattfindet, sondern durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber mitfinanziert wird. Diesen Aspekt schieben sie leider einfach so beiseite. Schade.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: mspro</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-71</link>
		<dc:creator>mspro</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 00:14:30 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://cartaweb.de/?p=929#comment-71</guid>
		<description>Es sind die L&#246;hne doch erst so sehr gesunken, seit dem sie die Regierung durch Hartz4 zus&#228;tzlich alimentiert, sofern sie nicht zum &#252;berleben reichen, und gleichzeitig die Arbeitslosen zur Annahme solcher Stellen gezwungen wurden. Dieses System f&#252;hrt eben zu einer staatlichen Subvention von Lohndumping, mit deren Folgen wir derzeit leben.

Der so genannte &quot;Marktpreis&quot; von Arbeit wurde durch den Zwang, solche Stellen anzunehmen &#252;berhaupt ad absurdum gef&#252;hrt, denn auf einem &quot;freien&quot; Arbeitsmarkt w&#252;rde niemand f&#252;r Geld arbeiten, das einem nichtmal satt macht.

Im &#252;brigen hatten wir vor Hartz4 bereits einen impliziten Mindestlohn. Denn Stellen mit Bezahlung, die nur knapp oberhalb der Sozialhilfe siedelten, wurden aus gutem - und ja, wirtschaftlich rationalem - Grund nicht angenommen.

Der Mindestlohn wird sicher helfen diesen Wahnsinn an Subventionen f&#252;r Unternehmen einzud&#228;mmen. Warum man aber nicht Hartz4 in seinen Grundz&#252;gen wieder aufhebt und damit das selbe viel unb&#252;rokratischer erreicht, verstehe ich auch nicht. Vermutlich wegen des Eingest&#228;ndnisses.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Es sind die L&#246;hne doch erst so sehr gesunken, seit dem sie die Regierung durch Hartz4 zus&#228;tzlich alimentiert, sofern sie nicht zum &#252;berleben reichen, und gleichzeitig die Arbeitslosen zur Annahme solcher Stellen gezwungen wurden. Dieses System f&#252;hrt eben zu einer staatlichen Subvention von Lohndumping, mit deren Folgen wir derzeit leben.</p>
<p>Der so genannte &#8220;Marktpreis&#8221; von Arbeit wurde durch den Zwang, solche Stellen anzunehmen &#252;berhaupt ad absurdum gef&#252;hrt, denn auf einem &#8220;freien&#8221; Arbeitsmarkt w&#252;rde niemand f&#252;r Geld arbeiten, das einem nichtmal satt macht.</p>
<p>Im &#252;brigen hatten wir vor Hartz4 bereits einen impliziten Mindestlohn. Denn Stellen mit Bezahlung, die nur knapp oberhalb der Sozialhilfe siedelten, wurden aus gutem &#8211; und ja, wirtschaftlich rationalem &#8211; Grund nicht angenommen.</p>
<p>Der Mindestlohn wird sicher helfen diesen Wahnsinn an Subventionen f&#252;r Unternehmen einzud&#228;mmen. Warum man aber nicht Hartz4 in seinen Grundz&#252;gen wieder aufhebt und damit das selbe viel unb&#252;rokratischer erreicht, verstehe ich auch nicht. Vermutlich wegen des Eingest&#228;ndnisses.</p>
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		<title>Von: Hans-Georg Sausse</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-60</link>
		<dc:creator>Hans-Georg Sausse</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 13:20:26 +0000</pubDate>
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		<description>Einmal mehr wird hier der Dauersubventionierung von Arbeitspl&#228;tzen das Wort geredet. Beispiel Friseurhandwerk: Dort werden – zum Teil per Tarifvertrag abgesichert  – so lausige L&#246;hne gezahlt, dass die – zumeist weiblichen – angestellten Friseure nur mit staatlichen Transferleistungen &quot;&#252;berleben&quot; k&#246;nnen. Hei&#223;t: Ich finanziere mit meinen Steuern das Haareschneiden anderer Leute. Was f&#252;r ein reiches Land m&#252;ssen wir sein, dass wir das Haareschneiden subventionieren? &lt;strong&gt;Die L&#246;sung kann doch nur lauten: Das Haareschneiden muss teurer werden, damit die Friseure davon leben k&#246;nnen.&lt;/strong&gt;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Einmal mehr wird hier der Dauersubventionierung von Arbeitspl&#228;tzen das Wort geredet. Beispiel Friseurhandwerk: Dort werden – zum Teil per Tarifvertrag abgesichert  – so lausige L&#246;hne gezahlt, dass die – zumeist weiblichen – angestellten Friseure nur mit staatlichen Transferleistungen &#8220;&#252;berleben&#8221; k&#246;nnen. Hei&#223;t: Ich finanziere mit meinen Steuern das Haareschneiden anderer Leute. Was f&#252;r ein reiches Land m&#252;ssen wir sein, dass wir das Haareschneiden subventionieren? <strong>Die L&#246;sung kann doch nur lauten: Das Haareschneiden muss teurer werden, damit die Friseure davon leben k&#246;nnen.</strong></p>
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		<title>Von: Anonymous</title>
		<link>http://carta.info/929/mindestloehne-und-die-privatisierung-der-sozialen-gerechtigkeit/comment-page-1/#comment-48</link>
		<dc:creator>Anonymous</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Nov 2008 12:41:40 +0000</pubDate>
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		<description>Freue mich sehr &#252;ber diesen informativen Artikel, der die Fragw&#252;rdigkeit angeblich &quot;sozial gerechter&quot; Gesetzesvorhaben deutlich macht. Gerade der Post-Mindestlohn war eher das Ergebnis wahltaktischer &#220;berlegungen als ein Beitrag zur Gerechtigkeit. Auf die Arbeitspl&#228;tze bei den Post Wettbewerbern hatte er zusammen mit der MwSt-Befreiung der Deutschen Post verheerende Auswirkungen!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Freue mich sehr &#252;ber diesen informativen Artikel, der die Fragw&#252;rdigkeit angeblich &#8220;sozial gerechter&#8221; Gesetzesvorhaben deutlich macht. Gerade der Post-Mindestlohn war eher das Ergebnis wahltaktischer &#220;berlegungen als ein Beitrag zur Gerechtigkeit. Auf die Arbeitspl&#228;tze bei den Post Wettbewerbern hatte er zusammen mit der MwSt-Befreiung der Deutschen Post verheerende Auswirkungen!</p>
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