Wolfgang Michal

Darwin reloaded. Österliche Gedanken über Lämmer & Wölfe

Wolfgang Michal | 2 Kommentar(e)


Nun zeigt sich, wer ein echter Manager ist: Cool handeln unter verschärften Bedingungen!

07.04.2009 | 


Den Leitwölfen tut diese Krise richtig gut.

Zitieren wir mal zwei von ihnen, einen aus der Chefetage und einen, der intellektuell und antiquarisch zur Chefetage zu rechnen ist. Springer-Boss Matthias Döpfner sagt bei turi2.tv: “Mir geht es im Moment in dieser Krise erschreckend gut.“ Und Rainer Meyer, der Küchenchef der blogbar, sagt bei meedia: „In der Krise wird man besser… Wer keine Anzeigen mehr hat, kann wieder anfangen, wirklich spannende Inhalte zu produzieren… Die Leser wollen Wölfe anstatt Pudel.“

Ja, das Heulen der Wölfe ist – zu Darwins 200.Geburtstag – von Berlin bis Starnberg deutlich zu hören. (Auch Bernd Buchholz heult mit, aber den lassen wir mal außen vor).

In der Krise wittern die Wölfe die Chance zur „Marktbereinigung“. Jetzt können sie weghauen, was sie längst schon für überflüssig hielten. Das viele Personal. Die Weicheier. Die Pudel. Die Warmduscher.

Stahlbad ist angesagt.

Und die Lämmer? Sie blöken ängstlich mit. Verweisen auf faule Kollegen. Auf nichtsnutzige Journalisten und Lehrer. Auf gierige Banker, Politiker, Ärzte, Professoren.

Die Gesellschaft gerät allmählich in Wallung. Das Gift des Übelwollens frisst sich durch die Stammtische. Die klammheimliche Lust am Untergang ist präsent.

Die Schwachen, heißt das, sollen endlich sterben.

Zu pessimistisch?

Es ist durchaus möglich, dass die gegenwärtige „epochale Umbruchsituation“ (die von freundlich gesonnenen Wissenschaftlern als chaotischer Beginn einer neuen Renaissance gedeutet wird), eine bessere, modernere, vernetzte und vor allem kooperative Gesellschaft hervorbringt.

Es kann aber auch anders kommen. Die Verwendung der alten Denkmuster (des Sozialdarwinismus – siehe oben) deutet eher auf Mittelalter denn auf Renaissance.*

*Was für ein Glück, dass die große Koalition nicht aus Wölfen besteht.

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2 Kommentare

  1. Robin Meyer-Lucht |  08.04.2009 | 10:52 | permalink  

    Sozialdarwinismus? Stahlbad? Solche Übertreibungen erlösen mich von der vorösterlichen Früherholung – aber mit solchen Provokationen kommen wir nicht weiter. Genauso wenig mit präsidialen Selbstkasteiungen á la “Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt”.

    Die Krise wird gerade von so manchem (http://www.gutes-leben.de/) dafür genutzt so zu tun, als sei mit der Finanzmarktkrise auch die Wettbewerbs- und Innvotationsgesellshaft (auch als Provokationsbegriff gemeint) am Ende.

    Das ist völliger Quark. Und deshalb ist ein bisschen Wolfsgepose wohl notwendig, um die Perspektive mal geradezurücken.

    (Teil 1 meines Kommentars – denke mich warm und schreibe dann später noch etwas).

    Der Text ist schon eine sehr spannende Beobachtung….

    Robin

  2. Wolfgang Michal |  08.04.2009 | 11:52 | permalink  

    @Robin: Dass Veränderungen notwendig sind, versteht sich, aber Döpfners Aussage in einer Zeit, in der gerade viele ihren Job verlieren, geht für mich schwer in Richtung Ackermannsches Victory-Zeichen.

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