Stephan Ruß-Mohl | 3 Kommentar(e)
Der Bericht “State of the News Media” zerstört so machen Mythos: Dass eine fragmentierte Medienlandschaft mehr Themen umwälzen würde, etwa. Oder die Legende vom Internet-Wahlkampf von Obama.
05.04.2009 |
Die US-Zeitungsbranche befindet sich nahezu „im freien Fall“. Etwa ein Fünftel aller Journalisten, die 2001 noch in einer Redaktion gearbeitet haben, sind bereits entlassen – und das schwierigste Jahr steht mit 2009 wohl noch bevor, so das Project for Excellence in Journalism in seinem soeben vorgelegten Jahresbericht zum Zustand der amerikanischen Medien.
Spannend an dem Bericht ist vor allem, wie sich der drastische Schrumpf-Prozess der Redaktionen auf die journalistische Qualität auswirkt. Die Forscher beobachten eine „deutliche Verengung“ der Berichterstattungs-Agenda. Paradoxerweise erhielten in einer „sich fragmentierenden Medienkultur“ immer weniger Themen Medienaufmerksamkeit, obschon sich die Zahl der Anbieter dank des Internets vervielfältige. So hätten 2008 die Hälfte der verbreiteten Nachrichten nur zwei Themen gegolten, dem Präsidentschaftswahlkampf und der „metastasierenden Wirtschaftskrise“. In der internationalen Berichterstattung sieht es noch verheerender aus: Der Irak-Krieg kommt in den US-Medien kaum noch vor. Um nochmals 75 Prozent ist die Berichterstattung gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Dabei hatten die Forscher schon im Jahr zuvor moniert, der Krieg verschwinde allmählich aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Noch einen Mythos zerstören die Forscher. Die Präsidentschafts-Kampagne sei – entgegen landläufigen Darstellungen auch in Europa – nicht der erste Internet-Wahlkampf gewesen. Tatsächlich handle es sich eher um eine „hybride Kampagne“, in der die „alten“ und die „neuen“ Medien komplementäre, eng aufeinander bezogene Rollen gespielt hätten. Jedenfalls seien die traditionellen Medien, also Print, TV und Radio im Wahlkampf „alles andere als irrelevant“ gewesen. Der Studie liegen Inhaltsanalysen von 48 Nachrichten-Anbietern zugrunde. Analysiert wurden 70 000 Beiträge.
Mehr zum Bericht “State of the News Media 2009″ auch hier (Carta) und hier (Netzökonom).
Stephan Russ-Mohl schreibt diese Kolumne für die österreichische Wochenzeitung “Die Furche” und für Carta.



[...] Zustand der amerikanischen Medien des Project for Excellence in Journalism hin. Und diese Sätze seiner kurzen Analyse machen mich sehr [...]
Ob das auch Deutschland droht? Nicht wenn die Verlage früh genug umdenken und sich auf die neue Welt einstellen.
[...] Arbeit ist schon frappierend und vielleicht sollten besonders die strauchelnden amerikanischen Zeitungsverlage mal einen Blick auf Utkos Arbeiten werfen. Es könnte vielleicht helfen. Allerdings bleibt die [...]