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Marcel Weiß

Natürlich führt das iPad zu mehr Freiheit für Computernutzer

 | 6 Kommentar(e)


Apple wird mit dem iPad noch lange erfolgreich sein. Nicht zuletzt, weil die Sicherheit vor Schadprogrammen den Nutzern neue Handlungsspielräume eröffnet.

09.08.2012 | 

Sascha Lobo auf Spiegel Online über Steve Jobs’ Antwort an einen Blogger seinerzeit zur Frage, was am iPad eigentlich eine Revolution sei:

Die Antwort von Steve Jobs: Bei Apples Revolution des Post-PC-Zeitalters gehe es natürlich um Freiheit. Und zwar die Freiheit von Schadprogrammen und von Pornografie.

Diese Verwendung des Begriffs Freiheit (der Hund ist frei von Flöhen) hat ein recht bekanntes literarisches Vorbild. In George Orwells Roman 1984 werden in Form des Konzepts Neusprech die Regeln der Sprache auf genau diese Weise neu festgelegt. Da scheint eine Haltung in Jobs’ Antwort durch, über die man sich Sorgen machen könnte.

Es ist wirklich erstaunlich, dass nicht nur in Linux consolidierende Geeks, sondern auch intellektuelle Apple-Nutzer wie Sascha Lobo nicht sehen können, dass der Schutz vor Schadprogrammen natürlich eine Art Freiheit ist.

Warum ist er das? Weil zum ersten Mal Computeranfänger keine Angst mehr davor haben müssen, dass ihr Rechner mit einem falschen Knopfdruck zu einem überdimensionierten Briefbeschwerer wird bis der Verwandte mit Computerkenntnissen wieder vorbeischaut.

Apple hat mit dem iPad, und iOS allgemein, ein Computersystem geschaffen, dass vom Mainstream nutzbar ist: Der Appstore ist der sichere, weil von Apple kontrollierte, Distributionskanal für Apps. Gemeinsam mit dem Sandboxing der Apps ist das Ergebnis ein Computer, auf dem man das System nicht kaputt machen kann, egal wie wenig Ahnung man von Computern hat.

Hand hoch: Wer kennt Rentner, die sich zum ersten Mal einen Rechner kaufen und dann anfangen, dort regelmäßig neue Probramme zu installieren? Oder noch besser: Wer kennt langjährige Computernutzer ohne Nerdallüren, die regelmäßig auf ihrem Windowsrechner neue Programme ausprobieren? Welcher Windowsnutzer macht das überhaupt noch?

Ein sicheres, einfach zu bedienendes Computersystem mag dem Nerd Handlungspielräume wegnehmen, aber es gibt aus dem gleichen(!) Grund dem Nutzer mit weniger Fachkenntnis mehr Handlungsspielraum, weil die Gefahr, etwas versehentlich kaputt zu machen, minimiert bis eliminiert wird.

Natürlich ist das eine Revolution, die für Computernutzer ( für die meisten von ihnen sogar) eine Freiheit bringt, die sie nie bei Windows oder selbst Mac OS X erlebt haben.

Und solang Betriebssystemalternativen zur Verfügung stehen und mit einander konkurrieren können, gibt es auch kein Problem: Jeder kann wählen, ob er mehr Sicherheit oder mehr Bastelkram will.

Das iPhone, das wie das iPad zum die User knechtenden iOS-Regime gehört, führt mittlerweile zu folgenden Szenen:

Rentnerinnen unterhalten sich in der Bahn über Webdienste und Apps. “Apple Appstore. Musst du auch bei dir haben. Ich weiß aber nicht wo.”

Ich wäre gern dabei, wenn Sascha Lobo diesen älteren Damen erklärt, warum ihre neu gewonnene Freiheit eigentlich gar keine ist. Vielleicht sind sie ja nur auf Steve Jobs’ Neusprech-Propaganda hereingefallen?

Disclosure: Ich halte einige wenige Apple-Aktien. Nicht zuletzt, weil ich glaube, dass in ein paar Jahren für die Mehrheit der Bevölkerung die primären Computer Tablets, und da die Mehrheit wiederum iPads, sein werden.

Crosspost von neunetz.com

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6 Kommentare

  1. Wolf Reisser |  09.08.2012 | 18:58 | permalink  

    Da ist sie also: die Freiheit durch Bevormundung. Und was Apple bietet, ist ja tatsächlich eine digitale “gated community” – und das nicht nur im technischen Sinn, denn die Nutzer werden von dem Konzern auch gleich noch von politisch oder moralisch missliebigem “Content” befreit. Oder verwechselt der Autor Freiheit einfach nur mit einem Plus an Sicherheit, wie sie jede gated community bietet?

  2. OliverH |  10.08.2012 | 16:18 | permalink  

    “Und solang Betriebssystemalternativen zur Verfügung stehen und mit einander konkurrieren können, gibt es auch kein Problem: Jeder kann wählen, ob er mehr Sicherheit oder mehr Bastelkram will.”

    …und wir gehen mal kurz darüber hinweg, das Apple das gerade für Tablets mit allen Mitteln verhindern will.

    Im Übrigen ist es illusorisch zu glauben, dass der Applestore langfristig Sicherheit bietet. Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis Mittel und Wege gefunden werden, die Kontrollen zu umgehen. Im Gegenteil: Je mehr Apple und seine Fans damit angeben, desto mehr werden sich die entsprechenden Leute angestachelt fühlen.

    Im Übrigen: Meine Eltern sind auch Rentner – und haben zu Hause Windows-Rechner. Und alles, was sie mit denen machen möchten bekommen sie auch hin.

    Das Rentner-Argument ist ja ganz hübsch, verkennt aber, dass wir nicht mehr 1990 haben sondern 2012 und etliche heutige Rentner Computer durchaus aus ihrer Arbeitszeit kennen – und der Anteil wird wachsen, nicht sinken.

  3. Apfel Kompot |  11.08.2012 | 05:06 | permalink  

    Schutz vor Schadprogrammen natürlich eine Art Freiheit ist

    hmm google mal “Mat Honan remote wipe”, dann weist Du welche Freiheit gemeint war. Der hat ALLES verloren, 8 Jahre eMailkoorespondenz, Fotos vom ersten Lebensjahr seiner Tochter, Festplatte vom Notebook UND das dumme iPad haben sie im auch leer ge wiped.

    Schöne Neue ver-Apple-t Welt

  4. Apfel Kompot |  11.08.2012 | 05:12 | permalink  

    Apple hacken for Dummies:

    Also du rufst da an, sagst du willst das Passwort haben. Kriegst du. Details kann man im Mat Honan Hack nachlesen, die paste ich hier mal nicht.

    Via iCloud kann man dann alle Daten klauen. Oh, nicht nur kopieren … richtig KLAUEN, also auf dem Rechner löschen. Der Rechnerbesitzer guggt dann in die nicht mehr vorhandenen Röhre, da ja Flachbildschirm! Vierstellig PIN Eingabe gibt’s dann da.

    Was mich ja besonders begeistert ist, wie weit man da jemanden *ownen* kann. Telefon abgestellt, Laptop *Dusted*, iPhone *Dusted*, iPad *Dusted* also völliger Datenverlust dank iCloud (die hilf beim Daten klauen!) #Apple #Epic #Fail

  5. mpunkt |  15.08.2012 | 09:56 | permalink  

    Was treibt den Autor bloß dazu derart für einen Konzern, seinen autokratischen “Freiheits”begriff und seine totalitäre Softwarearchitektur in die Bresche zu springen? Die Antwort kennt nur der Autor. Ich für meinen Teil habe das Apfellogo mit dem Staatswappen von Nordkorea überklebt und erkläre meiner Umgebung gerne, warum.

  6. Harald |  18.08.2012 | 21:09 | permalink  

    Google zeigt dir zuerst, wo du am besten Geld ausgeben kannst statt Informationen, die du wirklich suchst, Apple blockiert Inhalte, die ihre fundamental-religiösen Kunden verprellen könnte, über Amazon Reviews habe ich auch schon ähnliche Kritik gelesen …

    Statt von Staatsseiten immer nur auf den Nutzer zu zielen sollten wir und die Politik sich mal Gedanken machen, welche gesetzlichen Grenzen diese mächtigen Kontentschleuser brauchen, um nicht die Meinungsfreiheit direkt und indirekt einzuschränken.

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