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Wolfgang Messer

Spanien-Milliardenhilfen für Formel 1 und Ferrari? (Update)

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Was passiert eigentlich mit den Unsummen für die Banken? Natürlich werden sie nur für unabdingbar notwendige wirtschaftliche Rettungsaktionen verwendet. Oder?

19.07.2012 | 

Update, 23.7. »

Heute Nachmittag hat der Bundestag mehrheitlich den Milliardenhilfen für spanische Banken zugestimmt. Aber nicht allen Finanzinstituten auf der iberischen Halbinsel scheint es schlecht zu gehen – zu besichtigen bei der Formel 1 am Hockenheimring.

Die spanische “Banco Santander” profiliert sich schon seit Jahren als eifriger Motorsport-Sponsor. Darüber könnte ich als Motorsportfreund und ehemaliger Hobby-Rennfahrer eigentlich nicht meckern. Wenn allerdings unter anderem dieses Sponsoring offensichtlich die realen finanziellen Möglichkeiten der Bank weit übersteigt, weil sie völlig marode ist und ohne Milliardenhilfen der EU den Laden dichtmachen müsste, dann darf man sich schon mal fragen, wo das Geld eigentlich genau landet.

Seit 2007 bezahlt Santander jährlich eine unbekannte Millionensumme an den Formel-1-Zirkus von Bernie Ecclestone, tritt als Hauptsponsor einzelner Rennen auf (wie an diesem Wochenende bei “Großen Preis Santander von Deutschland”), dazu sponsorte die Bank das Team “Vodafone McLaren Mercedes “, seit 2009 darf sich der Ferrari-Formel-1-Rennstall über Werbegelder freuen. Der entsprechende Vertrag wurde erst im Februar bis 2017 verlängert, ungeachtet der horrenden Defizite in der Bankenbilanz.

Rund 70 Prozent der “Santander”-Aktien sind in der Hand von Kleinanlegern, die zusammen mit den kleinen Kontoinhabern schon seit Monaten keine ruhige Zeit mehr haben und um ihr Erspartes bangen müssen. Sie dürften wohl kaum Verständnis dafür haben, dass ihre Bank immer noch direkt oder indirekt wohlhabenden Unternehmen und Magnaten Geld in den Allerwertesten bläst.

Die ebenfalls in Schieflage geratene “Bankia” war bisher eher als Sponsor bei den Zweiradsportlern vertreten, musste aber diesen Monat die Reißlinie ziehen und als Hauptfinanzier des Moto3-GP-Teams “Aspar” aussteigen. Diese Entscheidung konnte allerdings direkt die spanische Regierung betreiben, weil “Bankia” im Mai verstaatlicht worden war. Dass auch andere spanische Banken und Sparkassen (wie die “Caixa de Catalunya”) traditionell Motorsport-Sponsoren sind, sei hier nur mal am Rand erwähnt, weil eine ausführliche Aufzählung schier endlos wäre.

Heute Nachmittag geht es also um 100 Milliarden Euro für spanische Banken aus dem europäischen “Rettungsfonds” EFSF. Es würde mich nicht wundern, wenn auch Bernie Ecclestone und “Scuderia Ferrari”-Teamchef Stefano Domenicali die Daumen drücken, dass der deutsche Bundestag zustimmt.

Update: Wie erwartet, gab es am späten Nachmittag eine breite Zustimmung für das Hilfspaket. Bei der namentlichen Abstimmung wurden 473 Ja-, 97 Nein-Stimmen und 13 Enthaltungen gezählt.

Crosspost von Fastvoice

Update, 23. Juli

Zu diesem Beitrag schrieb mir Alicia Santa Maria, Pressereferentin der “Santander Consumer Bank AG” in Deutschland, heute einige Richtigstellungen und Anmerkungen. So sei die Muttergesellschaft “Banco Santander S.A.” – im Gegensatz zu anderen spanischen Finanzinstituten – eine der wenigen europäischen Banken, die im Zuge der Finanzkrise auf öffentliche Finanzhilfe verzichteten und diese Hilfe auch in Zukunft nicht benötigten. Das hätten auch der Internationale Währungsfonds und die „Stresstests“ der unabhängigen Unternehmensberatungen Oliver Wyman und Roland Berger bestätigt. Die im Beitrag gemachten Äußerungen erweckten daher ein falsches Bild.

Banco Santander sei eine international tätige Bank mit einer starken Präsenz in zehn Kernmärkten, darunter Deutschland, Großbritannien, Brasilien und den USA. Gemäß den Kriterien der europäischen Bankenaufsicht sei Santander eine der solidesten und solventesten Banken in Europa und habe weltweit über 100 Millionen Kunden, die in knapp 15.000 Filialen betreut würden. Somit verfüge Santander über das größte globale Filialnetz einer international tätigen Bank.

Die “Santander Consumer Bank AG” wiederum sei ein deutsches Finanzinstitut nach deutschem Recht, das seit über 50 Jahren in Deutschland tätig sei und deren Kundeneinlagen durch ein zweistufiges Einlagensicherungssystem gesichert seien: Über die Mitgliedschaft bei der “Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH” (EdB) seien die Einlagen bis zu einer Höhe von maximal 100.000 Euro pro Kunde geschützt. Zusätzlich sei Santander in Deutschland Mitglied im Einlagenfonds deutscher Banken e.V.. Das bedeute, dass alle Einlagen, die nicht über die gesetzliche Sicherungseinrichtung (EdB) abgedeckt würden, durch den Einlagensicherungsfonds geschützt seien – aktuell in Höhe von über 459 Millionen Euro pro Kunde. Geschützt seien dabei alle Guthaben von Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentlichen Stellen.

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16 Kommentare

  1. Maik |  19.07.2012 | 15:14 | permalink  

    Auch eine Firma die insolvent bzw. von der Insolvenz bedroht ist muss/sollte durch Werbung auf sich aufmerksam machen. Einfach um am Markt sichtbar zu sein. Dies gilt auch, falls die Firmen staatliche Unterstützung erhalten.
    Was wäre denn das Gegenstück: Eine Firma, die nicht mehr um (neue) Kunden werben darf, deren Verkäufe werden wohl rückläufig sein und die Lage wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit sogar noch verschlimmern. Mit einem Werbeverbot wären die “Rettungsgelder” mit Sicherheit im doppelten Sinne verschwendet.
    Man kann sicherlich über die Ausmaße (quantitativ und qualitativ) der Werbung diskutieren . Das tut der Autor allerdings nicht.

  2. Wolfgang Messer |  19.07.2012 | 15:54 | permalink  

    @Maik: “Werbeverbot”? Keine Rede! Ich wage aber zu bezweifeln, dass zum Beispiel ein weltweites, extrem teures Formel-1-Engagement einer spanischen Bank was Positives zur Image- und Umsatzbildung bringen kann, während sich andere Konzerne bereits überlegen, wegen der andauernden Skandale rund um Ecclestone und Co. (etwa die Causa Gribkowsky) aus der Nummer auszusteigen.

    Wer auf der Einnahmeseite Einbußen hat, muss logischerweise auch bei den Ausgaben sparen (natürlich ohne ganz auf Werbung zu verzichten). Das haben die genannten Banken nicht getan – ein schwerer betriebswirtschaftlicher Fehler, für den unter anderem deutsche Steuerzahler einstehen müssen. Die Zustimmung im Bundestag gilt ja als sicher.

  3. Maik |  19.07.2012 | 16:31 | permalink  

    @Wolfgang: Das schreibst Du aber leider nicht. Wie gesagt, über das Ausmaß der Werbung – sowohl in quantitativer (= Budget) als auch in qualitativer (= Wo) Sicht – kann man sich gerne streiten und lebhaft diskutieren.

    btw: Unter Umständen, d.h. je nach Vertragsgestaltung ist es der Satander (sic! ;-) ) gar nicht möglich aus den Werbeverträgen auszusteigen (zumindest nicht vor Ende der Vertragslaufzeit): pacta sunt servanda. Das ändert zwar nichts an der Diskussion über die Sinnhaftigkeit bestimmter Sponsoringverträge, kann dies aber rein rechtlich kurzfristig nicht ändern.

  4. Art Vanderley |  19.07.2012 | 17:32 | permalink  

    Das berührt das Grundproblem , ob die öffentliche Hand Banken stützen sollte , ohne ein erhebliches Mitspracherecht zu erhalten.
    So mancher ist da gleich für komplette oder für Teil-Verstaatlichung , ein Minimum wären aber Einflußrechte , die die genannten Auswüchse effektiv unterbinden können.

    Darüberhinaus wird viel zu wenig hingeschaut , welche Banken wirklich systemrelevant sind und welche auch getrost pleite gehen dürfen.
    Auch gibt es Ideen , Staaten eher direkt zu retten , und Eurobonds wären auch eine Alternative.
    Eine effektive Bankenregulierung ist an und für sich längst fällig , aber nichts davon geschieht , bevor die Lobbies nicht effektiv entmachtet sind.

  5. Thomas Pietschmann |  19.07.2012 | 18:09 | permalink  

    Und wieder einmal ein schlecht recheriert Artikel eines unbedeuteten Schreibers.
    1. Banco Satander erzielt lediglich 13% des Gewinnes aus Spanien.
    2. Mehrere unsabhaenige WP´s haben dem Unternehmen eine der solidesten Kapitaldecken nachgewiesen (bessere als viele Deutsche Banken)
    3. Es finden regelmaessige Dividenzahlungen (aktuell 10% Rendite die oben genannten Kleinanleger statt
    4. Das riskante Immobilengeschaeft im eigen Lande wurde bereits 2007 eingestellt, da ging es bei anderen erst richtig los.

    Nach ein Wort zu Bankia … die Bank war auch solide … bis die spanishce Regierung der Meinung war “Zwangsehen” vieler kleiner mit einem starken wuerden das Problem beheben… falsch gedacht.

    Also wenn man keine Ahnung hat … informieren und dann Schreiben

  6. Maik |  19.07.2012 | 18:34 | permalink  

    @Wolfgang: Das schreibst Du aber leider nicht.

    Wie gesagt, über die Ausmaß – sowohl in quantitativer (=Budget) als auch qualitativer (=Wo) Hinsicht – kann man sich herrlich streiten und gerne diskutieren.

    btw: Es kann auch sein, dass Satander (sic!) je nach Vertragsgestaltung gar nicht aus den Werbeverträgen herauskommt (zumindest nicht vor Ende der Laufzeit): pacta sunt servanda! D.h. man kann sich über das Werbeausmaß streiten, ändern kann man es zumindest kurzfristig allerdings erst mal nicht.

  7. Maik |  19.07.2012 | 18:39 | permalink  

    Sorry für das Doppelposting. Ich blick die Veröffentlichungspraxis bei carta nicht, dachte der Beitrag wäre verschluckt worden oder als spam aussortiert.

    @Carta: Das mit den Kommentaren finde ich äußerst nervig und ist auch unschön. V.a., wenn Kommentare erst später freigeschaltet werden, dann aber oben zum Absendezeitpunkt einsortiert werden, obwohl zwischenzeitlich auch schon andere Beiträge veröffentlicht wurden.

  8. Wolfgang Messer |  19.07.2012 | 19:08 | permalink  

    @Maik: Was ist an dem Satzteil im Beitrag “Wenn allerdings unter anderem dieses Sponsoring offensichtlich die realen finanziellen Möglichkeiten der Bank weit übersteigt …” so schwer zu verstehen? Und wenn Santander z. B. nicht erst im Februar den Vertrag mit Ferrari verlängert hätte, wäre er Ende 2014 ausgelaufen.

    @Maik & Thomas Pietschmann: Was bitte ist “Satander”? Habe ich das irgendwo versehentlich geschrieben?

    @Thomas Pietschmann: Danke für Ihre netten Worte. Dass Moody’s erst jüngst die Banco Santander (sic!) auf Baa2 und Barclays die Aktie auf Kursziel 4,25 Euro heruntergestuft hat (“underweight”) sowie von einem zusätzlichen Kapitalbedarf von 15 Milliarden Euro bis 2014 ausgeht, hat nichts zu sagen? Die Dividendenrendite rührt im Übrigen hauptsächlich vom niedrigen Aktienkurs her – aktuell waren es sogar über 12%, in absoluten Zahlen 79 Eurocent Dividende pro Aktie (schlecht recherchiert?).

    Ein paar weitere Daten finden sich hier:
    http://markets.ftd.de/stocks/factsheet_overview.html?ID_NOTATION=5770666
    Eine gute Performance sieht anders aus.

  9. Maik |  19.07.2012 | 19:28 | permalink  

    @Wolfgang:

    Satander hast Du nirgemds versehentlich geschrieben. Ich kenne das (vom hörensagen) als interne Bezeichnung von ehemaligen RBSlern nach Übernahme durch die SATANder

    “Was ist an dem Satzteil im Beitrag…”: Es geht mir darum, dass man mit pauschalen “Du kannst Dir das nicht leisten, also lass es!” nicht weit kommt. Denn dann dürfte wie gesagt keine insolvente Firma mehr Werbung machen. Das was Du in Deinem ersten Absatz in Deiner ersten Antwort auf meinen Kommentar geschrieben hast, das wäre z.B. einmal ein Ansatz einer inhaltlichen Kritik am Sponsoring von Satander und den Bankenhilfen für dieses Sponsoring.

    Außerdem schreibst Du ja selber, dass erst 2014 Schluss gewesen wäre ohne Verlängerung. Also: Was soll der Aufschrei jetzt?

    @Thomas: Einen etwas freundlicheren, zumindest neutralen Umgangston würde ich mir auch wünschen.

  10. Thomas Pietschmann |  19.07.2012 | 20:28 | permalink  

    Also… ich würde dem Ergebnis einer Ratingagentur mit Blick auf die Vergangenen Erfahrungen keinen so grossen Stellenwert einräumen. Aber wie auch immer die Leute glauben nun das was einen die vermeindlichen Experten vorgeben. Sollte Sie je vorhaben Aktien zu kaufen Empfehle ich Ihnen nicht nicht nur den aktuellen Wert des Unternehmens zu betrachten, vielmehr gilt es mögliche Kursgewinne anhand der Brachenperformance abzuleiten. Hier zeigt sich das die Aktie weniger Wert verloren hat als andere Bankaktien bzw. der Markt.
    Aber schreiben Sie mal weiter was sich gut am deutschen Stammtisch verkauft.

  11. Vera Bunse |  19.07.2012 | 23:37 | permalink  

    Es tut uns leid, die Kommentare bleiben im Spam-Filter hängen, dahinter steckt keine Absicht.

  12. Wolfgang Messer |  19.07.2012 | 23:58 | permalink  

    @Maik: Da sind halt die Weichen schon in der Vergangenheit (also mindestens bereits 2007) falsch gestellt worden. Ich vermute da einen gewissen Größenwahn im Bankensektor, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat und der trotz Krisen und Einbrüchen immer noch nicht überwunden ist. Warum auch, denn nur sehr selten musste bisher ein Bankmanager für die eigene Misswirtschaft auch wirklich selbst büßen – das übernehmen meist die subalterne Belegschaft, die Kunden, kleine Anteilseigner und bei völligem Versagen dann irgendein “Rettungsschirm” oder eine “Bad Bank” aus Steuergeldern.

    Das geniale Finanzwirtschaftsprinzip “Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren” mit allen Facetten, Fehlleistungen und Lobbyisten wäre dann aber wieder ein eigenes Thema für einen anderen, sehr, sehr langen Beitrag.

  13. Wolfgang Messer |  21.07.2012 | 00:38 | permalink  

    @Thomas Pietschmann: An diesem Freitag hat Santander das von Moody’s vorhergesagte Kursziel von 4,25 Euro bereits erreicht – nach einem Tagesverlust von rund 7 Prozent. Die Anleger haben inzwischen innerhalb eines Jahres knapp die Hälfte Ihrer Investition verloren. Soviel zu “keinem so großen Stellenwert” der Rating-Agenturen.

  14. Thomas Pietschmann |  22.07.2012 | 20:11 | permalink  

    Anbei einge Links zur Bank

    http://www.geschaeftsberichte-portal.de/gbp/unternehmensberichte.html?unternehmen=banco-santander-s-a

    Hier wird mehr als klar, dass diese Bank definitiv keine externe Hilfe braucht und Gelder für das Formel 1 Sponsoring bereit stellen kann.

  15. Wolfgang Messer |  23.07.2012 | 00:11 | permalink  

    @Thomas Pietschmann: Ob die Anleger der offenen Immobilienfonds bzw. des Dachfonds von Santander wohl auch dieser Meinung sind?
    http://www.ptext.de/nachrichten/santander-kapitalprotekt-geschlossen-anleger-auszahlungen-zielfonds-397740

  16. Thomas Pietschmann |  23.07.2012 | 10:04 | permalink  

    Oh man man man…
    Nur wurde der Fond in der Vergangenheit von der SEB Verkauf und auch in dieser Zeit geschlossen, im Zuge der Übernahme durch die Santander Gruppe gegen aber nun mal alle Rechte und Pflichten auf den neuen Eigentuemer ueber.

    Ich kann nur an Sie als “Journalist” appellieren tun Sie das was Sie einmal in Ihrem Studium gelernt haben … Recherchieren Sie ordentlich und begeben Sie sich nicht auf das Niveau der Bildzeitung indem sie durch Phrasendrescherei aufmerksamkeit erregen.

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