szmtag
Klaus-Peter Schöppner

27. März: Die Wende zum Wahlsieg der Union?

Klaus-Peter Schöppner | 9 Kommentar(e)


69 Prozent der Wähler erwarten derzeit, dass Rot-Grün die nächste Bundestagswahl gewinnen wird. Doch ‘grüne’ Meinungsklima könnte vorübergehen, wenn der Wähler egoistisch wieder auf die Kosten schaut.

07.04.2011 | 

So schnell kann es gehen: Nach Baden-Württemberg ist urplötzlich Rot-Grün die Lieblingskoalition der Deutschen. Weit vor dem bisherigen Favoriten Schwarz-Rot. 69 Prozent der Deutschen erwarten sogar SPD und Grüne als Bundestagswahlsieger 2013. Vor sechs Monaten waren es 33 Prozent: Nun ist also nach Meinung der Deutschen das grüne Zeitalter angebrochen!

Wenn sich die Wähler da mal nicht über sich selbst täuschen. Wahrscheinlicher ist, dass der 27. März die Wende zum Wahlsieg 2013 für CDU/CSU war.

Etwa 300 Wochen umfasst eine Legislaturperiode. Mit dem Zusammentreffen des Atomhorrors und der – wie 70 Prozent es sahen – nur der Wahltaktik geschuldeten Volte in der Atompolitik, fand die Wahl in der Woche mit dem ‚grünsten’ Meinungsklima statt. Angst war bislang zwar immer ein guter Wahlgewinner, meist jedoch ein schlechter Politikgestalter.

Weil Emotionalität als Wahlentscheid schnell durch Ratio, also persönliche Vorteile, abgelöst wird und der Reiz vordergründiger Attraktivität schnell wieder verfliegt, wenn erst der Verstand einsetzt, bekommen die Grünen bald ein Problem mit Wählern, die nie volatiler, nie emotionaler, nie egozentrischer waren. Wie zuletzt die FDP.

Grün muss sich bald dem Stresstest vor dem Wähler unterziehen, der für sie wenig Gutes erwarten lässt. „Verteuert sich Ihr Leben durch grünere Politik“? 70 Prozent der Deutschen befürchteten „Ja“. Etwa die Hälfte wäre bereit, mehr dafür aufzubringen, die andere will die Grünwende, wenn überhaupt ohne Zusatzkosten. 

Mehrere Fakten lassen ein dauerhaftes Erfolgsmodell „Grün“ zweifelhaft erscheinen:

1. Die Kosten

Weil zwei Drittel der Wähler inzwischen ohnehin mit Einkommensverlusten rechnen, wird die Lust auf „teures Grün“ schnell abnehmen. Nur eine Minderheit ist bereit, für eine Ausweitung des „grünen Stroms“ höhere Energiekosten zu tragen. Zudem befürchten sie, dass Abgaben, Sozialversicherungen, Benzin und Lebensmittel noch teurer werden.

2. Die Unehrlichkeit

Drei Viertel der Wähler kritisieren, dass hinter der Grenze noch größere Atomgefahren lauern. Viele Wähler befürchten auch, dass der Ausstieg Arbeitsplätze kosten und die Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiekosten gefährden könnte. Auch befürchten sie steigende Nahrungspreise durch Bio-Kraftstoffe.

3. Unser Landschaftsbild

Deutschland wird ein anderes Land, wenn Kollektoren, Überleitungstrassen, Windparks und Monokulturen die Landschaft prägen. Schon heute beklagen sich mehr als 50 Prozent der Wähler über die „Verspargelung“ der Landschaft durch Windräder.

4. Die Arroganz des “So nicht”

Der Wunsch, dass bei zentralen Aufgaben über Parteigrenzen hinweg zusammengearbeitet wird, ist bei den tief verunsicherten Wählern ungebrochen. Es ist aber fraglich, ob ein Jürgen Trittin oder ein Sigmar Gabriel aus der “So nicht”-Ecke heraufinden.

Zudem hat der Erfolg den Grünen völlig neue Wähler zugespült. Nicht mehr Grüne aus Leidenschaft, sondern aus politischem Kalkül, die aus fast allen politischen Lagern kommen und nun konkrete Ziele haben, die die Grünen nur schwer bedienen können. Weil EU–Recht, Verträge, Bundesrat oder Finanzen dagegen sprechen. Politische Freiheitsgrade sind in Deutschland ausgesprochen eingeschränkt.

Das größte Manko der Grünen jedoch ist eine demoskopische Sensation: Sie konnte zwar ihren Wählerstamm verdoppeln, ohne jedoch an Kompetenz hinzuzugewinnen: Die Grünen „können nur Umwelt, sonst kaum etwas“, attestieren ihnen 68 Prozent der Wähler. Gerade noch 28 Prozent sehen Energiekompetenz. Bei sozialer Gerechtigkeit, Bildung, Wirtschaft und Außenpolitik liegen sie nur noch zwischen neun und vier, bei Arbeitsmarkt und innerer Sicherheit um drei Prozent.

Was passiert, wenn wir in die nächste Rezession geraten?  „Da bin ich echt überfragt“ – die sympathische Offenheit Winfried Kretschmanns ist da keine Lösung.

Der Gegenentwurf, mit dem sich die Union profilieren könnte, wäre eine Ausgewogenheit: Eine Balance zwischen Wirtschaft und Bürgern. Eine Balance zwischen neuem, grünem Bewahren und dem Veto vor allzu viel Grottenmolchbehinderung.

Wenn sich die Union dazu durchringen könnte, mehr partizipative Elemente in ihre parteiinterne Willensbildung aufzunehmen, wenn sie im Gegensatz zu Hamburg oder Baden-Württemberg wahltaugliche Kandidaten aufstellen würde und wenn sie Innovationsfreudigkeit mit Traditionalismus zu verbinden vermochte, könnte sie wirkungsvoll ihre Zukunftskompetenz nachweisen.

„What goes up – must come down!” Diese politische Regel Nummer eins gilt für Barack Obama, also auch für die Grünen. Das Risiko für die Union besteht eher darin, dass der grüne Abgesang in Hinblick auf die Bundestagswahl 2013 viel zu schnell gehen könnte…

Mehr zu :

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

9 Kommentare

  1. Jens Würfel |  07.04.2011 | 22:41 | permalink  

    Kommt ja selten vor bei Euch, aber bei diesem Beitrag sehe ich weder einen Sinn darin, ihn zu schreiben, noch ihn zu veröffentlichen … geschweige denn, ihn auf Carta zu veröffentlichen.

    Was ist die Intention, was ist das Neue, was die Message?

    Auch nach den dritten Durchlesen bleiben sämtliche Schlussfolgerungen und Interpretationen der erhobenen Daten (ich würde gern die formulierten Fragen sehen) reine Kaffeesatzleserei.
    Und passt besser zu Astro TV.

    Jenseits von journalistisch grenzwertig ist aber, den inhaltlich sicherlich richtigen Absatz …

    Dreiviertel der Wähler kritisieren, dass hinter der Grenze noch größere Atomgefahren lauern. Viele Wähler befürchten auch, dass der Ausstieg Arbeitsplätze kosten und die Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiekosten gefährden könnte. Auch befürchten sie steigende Nahrungspreise durch Bio-Kraftstoffe.

    … mit dieser Überschrift zu versehen: 2. Die Unehrlichkeit

    Diese Art von verbaler Manipulation passt weder zu einem angesehen Meinungsforscher, noch zum kleinen 1 x 1 des Journalismus.

    “Verspargelung”?
    “Grottenmolchbehinderung”?

    Selten so einen Schund bei Euch gelesen.
    Unter Stammtischniveau.

    Vorschlag: Schreibt doch wenigstens “Kommentar” oben drüber – Euch zuliebe.

  2. Tobias |  08.04.2011 | 07:36 | permalink  

    “Der 27. März” ist “die Wende zum Wahlsieg 2013 für CDU/CSU”? Immerhin mal ein origineller Gedanke. Sie muss nur “Innovationsfreudigkeit mit Traditionalismus verbinden”? OK, da endet dann die Originalität, das ist ja nur dröger Politikersprech und eine Botschaft, die mehr oder weniger alle Parteien unters Volk bringen.

    Man könnte fast glauben, dass Herr Schöppner in den letzten 6 Jahren weder Fernsehen geschaut noch Zeitung gelesen hat. In dem Fall hier eine Neuigkeit für ihn: Rotgrün ist gar nicht an der Regierung. Wir haben inzwischen eine Schwarzgelbe Koalition, die seit anderthalb Jahren beim Wähler konsequent den Eindruck hinterlässt, dass “sie es nicht kann”. Und über die wird 2013 abgestimmt, nicht über “Kollektoren, Überleitungstrassen, Windparks und Monokulturen”, die auf mysteriöse Weise innerhalb der nächsten zwei Jahre “die Landschaft” prägen sollen.

  3. noName |  08.04.2011 | 08:40 | permalink  

    Die medienmanipulative Art des Verfassers ist mir bei seinem vorherigen Posting aufgefallen ( http://carta.info/33568/ist-die-deutsche-tea-party-im-anzug/#comment-18982 ).

    Unseriös, wenn ein Geschäftsführer einer führenden Sozial- und Marktforschungsgesellschaft hier – wie #1 zutreffend angemerkt hat – Kaffeesatzleserei betreibt.

  4. Wolfgang Michal |  08.04.2011 | 12:06 | permalink  

    @Jens Würfel: Ich kann Ihnen nur recht geben. Das ist eher eine Stammtisch-Analyse.

  5. Chat Atkins |  08.04.2011 | 12:23 | permalink  

    Der Irrtum in diesem großen Faselblasülz besteht schon darin, zu glauben, die Wähler würden nur gebannt auf ihr Portemonnaie schauen. Nochmals: Der Wähler gehorcht einer ‘FDP-Rationalität’ im Kern eben nicht, er kennt eine ganze Reihe anderer Werte, und er ist glücklicherweise kein ‘homo oeconomicus’ mit Gelfrisur über einem großen intellektuellen Hohlraum, er ist auch kein Politiker oder BWLer … und er ist erst recht kein ‘Marktforscher’. Man könnte zutreffender sagen – er hat eine natürliche Aversion dagegen, von Öchsperten “vera…t” zu werden, weil er das als Beleidigung seiner Intelligenz empfindet, einer Intelligenz, welche diejenige der angesprochenen Berufsgruppen oft weit übertrifft.

    Die Grundthese – “der 27. März 2011 sei die Wende zum Wahlsieg 2013 für CDU/CSU” – die klingt für mich jedenfalls ähnlich weltfern wie Folgendes: “Stalingrad läutete den endgültigen Sieg der deutschen Wehrmacht ein.”

  6. stilstand» Blogarchiv » Wenn, wenn, wenn … |  08.04.2011 | 13:06 | permalink  

    [...] Konditionalsätze scheitern zumeist nicht erst an einer unzulässigen Schlussfolgerung, sondern zumeist schon an der Prämisse, die sie eingangs setzen. Trotzdem wirken sie im Politbetrieb deshalb überzeugend, weil sie aus einer blindlings erhaschten Voraussetzung folgerichtige Schlüsse zu ziehen scheinen. “Wenn im Himmel Jahrmarkt wäre …” so pflegt der Volksmund diese Form der angewandten PR-Sprache zu glossieren. Hier ein besonders inhaltsleeres Beispiel – mit nachfolgender Dekonstruktion: “Wenn sich die Union dazu durchringen könnte, mehr partizipative Elemente in ihre parteiinter… [...]

  7. Suppenkasper |  08.04.2011 | 18:02 | permalink  

    OMG
    Eine nichtlinke Meinung. Wech damit.

  8. Christian Benduhn |  08.04.2011 | 18:15 | permalink  

    Kann sein, kann auch nicht sein, was Herr Schöppner schreibt. Muss man aber gleich ausfallend werden, wenn einem seine Voraussagen nicht gefallen?
    Dürfen nur noch grün-rote Ansichten geäußert werden, um nicht beschimpft zu werden?

  9. Chat Atkins |  08.04.2011 | 18:51 | permalink  

    @ Christian Benduhn: Es geht hier nicht um rechts oder links, sondern um eine defizitäre Argumentation, die einzig von einem Wunsch als Prämisse getragen ist, die also aus dem Feenland stammt. Etwas belastbare Logik möchte schon sein … oder man sollte “Deutschland – ein Frühlingsmärchen” in den Titel schreiben.

    Wahlpräferenzen folgen nicht primär ökonomischer Rationalität … so viel Wissen darf ich als Leser verlangen, wenn jemand über das Wahlverhalten einen solch selbstgewissen Riemen schreibt, womit er prophetisch weit in die graue Zukunft blicken will. Selbst wenn Marktradikale das nicht glauben mögen, es gibt nun mal keinen “Wählermarkt”, nicht alles ist ‘Ökonomie’. Daran ist noch nichts ‘links’, das ist schlicht Stand der Wissenschaft …

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.