Wolfgang Michal | 64 Kommentar(e)
Der Konflikt zwischen der FAZ und ihrem Blogger Michael Seemann hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Vor allem über das Verhalten des Bloggers! Verkehrte Welt? Oder steckt dahinter eine heimliche Sehnsucht nach Autorität?
29.06.2010 |
Nachdem der Konflikt anfangs (und zu Recht) auf Carta als „Clash der Kulturen“ interpretiert worden ist (hier freier Blogger, da Gatekeeper-Redaktion), wurde allzu schnell versucht, die Sache zu einer individuellen Verfehlung herunter zu reden – mit der widerwärtigen Folge, dass der, der fiel, auch noch getreten wurde, als er schon am Boden lag. Dies offenbart eine Sehnsucht nach Repression, die sicher nicht nur aus dem Wunsch einiger Möchtegern-Journalisten resultiert, sich selbst als gnadenlose Profis zu empfehlen („Wess’ Brot ich ess’, dess’ Lied ich sing’“).
Der Grund für den Rauswurf Michael Seemanns war dessen eigenmächtiges und trotziges Handeln (und nicht primär die Verletzung der Bildrechte). Der Autoritäts-Konflikt eskalierte erst zu dem Zeitpunkt, als Seemann seinen Text abermals auf die Plattform stellte, von der ihn die Redaktion zuvor entfernt hatte.
Ja, ich weiß, der Blogger hat angefangen. Er hat die Rechte von Fotografen verletzt. Aber lassen wir die Kirche doch mal im Dorf: Mit der Bildveröffentlichung wurde weder die Ehre/der Ruf der Fotografen geschändet (die FAZ ist schließlich kein Gossenblatt), noch wollte oder konnte sich Michael Seemann mit der „geklauten“ Leistung eines anderen eine goldene Nase verdienen (denn sein Honorar erhöhte sich durch die Verwendung der ‚kostenlosen’ Bilder um keinen Penny). „Verdienen“ konnte nur die FAZ, und die hat sofort und richtig erkannt, dass es hier um ihren eigenen Ruf als Urheberrechts-Verfechterin geht. Mit der Entfernung der Bilder wäre die Angelegenheit also entschärft gewesen, alles Weitere hätte eine Aussprache zwischen Blogger und Redaktion regeln können.
Wenn nun in der nachfolgenden Kommentierung von einigen Oberwichtigtuern suggeriert wird, Seemann habe sich auf Kosten eines anderen bereichert, so spricht daraus weniger moralische Empörung als Neid, Missgunst, Eifersucht oder Gehässigkeit.
Durch die Überhöhung der (eher kleinen) Urheberrechtsverletzung wurde ein sehr viel wichtigeres Thema verdrängt, nämlich die unerlässliche Freiheit eines jeden Bloggers, in eigener Verantwortung, erlaubnisunabhängig (und nur begrenzt von Art.5, Abs.2 Grundgesetz) eigene Texte veröffentlichen zu können. Woher kommt diese plötzliche Unterwürfigkeit unter die Vorgaben einer altehrwürdigen Redaktion? Woher kommt der plötzliche Kniefall vor den im Abmahnunwesen geltenden, absurd überzogenen Streitwerten bei Urheberrechtsverletzungen in einfach gelagerten Fällen?
Im Ernstfall hätte die FAZ (die mit den von ihr eingeladenen Bloggern ja einen gewissen Zweck verfolgt und somit der Verbreiterhaftung unterliegt) eine Entschädigung an den Fotografen gezahlt, für künftige Zeiten Besserung gelobt (bzw. Unterlassungserklärungen unterschrieben) und dann die notwendigen Schritte eingeleitet, damit solche Fehler nicht wieder passieren. Niemand hätte der FAZ einen Strick daraus gedreht.
Die pragmatische Betrachtung des Falls reichte einigen Kritikern aber nicht aus. Sie wollten Blut sehen und verhöhnten Seemanns freche Art, sich gegen die autoritäre Maßnahme der Redaktion offen zur Wehr zu setzen, wahlweise als blöd oder naiv. Da habe wohl einer „die journalistischen Spielregeln“ nicht begriffen.
Obwohl das Publizieren interessanter (auch interner) Vorgänge zur Bürgerpflicht eines Bloggers gehört, wurde hier sonderbarerweise die Verschwiegenheitspflicht von Angestellten zur moralischen Norm erhoben: Seemann, hieß es unterschwellig, könne noch froh sein, wenn er mit einem blauen Auge davon komme. In manchen Netz-Kommentatoren steckt eben doch ein kleiner Blogwart.
Vermutlich hatte der bis zu seinem FAZ-Engagement nichtkommerziell bloggende Seemann einfach ‚vergessen’, dass die Plattform, auf der er schrieb, eine kommerzielle ist. Und weil es (anders als zwischen freien Journalisten und ihren Auftraggebern) nur wenig Austausch zwischen der Redaktion und dem selbstständig Beiträge einstellenden Blogger gab, ist sein Beharren auf Text-Autonomie verständlich. Was man ihm und anderen Medien-Verzierungs-Bloggern allenfalls vorwerfen kann, ist der Kinderglaube, dass die unterschiedlichen Veröffentlichungs-Kulturen so einfach unter einen Hut zu bringen wären. “Es gibt”, so Adorno/Grebe, “kein richtiges Leben im falschen.”
Zwei Tage vor dem kulturellen Clash schrieb Seemann einen bezeichnenden Eintrag in sein Online-Tagebuch: „Ich hasse Türsteher. Ich hasse die Situation so abgrundtief, dass ich innerlich Gewaltphantasien entwickle. Ich hasse es, wenn mir andere Menschen vorschreiben können, so oder so zu sein, dass ich mich anpassen muss und absurden Maßstäben genügen muss… um irgendwo willkommen zu sein… Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in einer Firma zu arbeiten, denn sofort verliert man die Deutungshoheit über sein eigenes Tun.“
Dass er, der Anarcho-Blogger, diese Selbst-Erkenntnis nicht beherzigt hat, kann man ihm vorwerfen. Nicht vorwerfen kann man ihm seine Auflehnung gegen die Türsteher.


@ Wolfgang Michal
Ich finde das ja sehr sympathisch, wie Sie Herrn Seemann hier verteidigen und die von Ihnen zitierte Häme an einigen Stellen fand ich auch überzogen. Trotzdem ist nicht jeder, der die Sache etwas pragmatischer sieht, gleich ein Blogwart und macht nicht gleich einen plötzlichen Kniefall vor den im Abmahnunwesen geltenden, absurd überzogenen Streitwerten bei Urheberrechtsverletzungen in einfach gelagerten Fällen.
Ich finde es etwas einseitig, wenn man Herrn Seemann zubilligt, dass er “vergessen” habe auf einer kommerziellen Plattform zu bloggen, während er als einen der ersten Punkte anführt, dass er bei seiner New York Reise mit dem (kommerziellen) Geld der F.A.Z. kalkuliert hat. Natürlich wäre es besser gewesen man hätte das Problem intern aus der Welt geschafft, auch da stimme ich Ihnen zu. Sich aber über die böse Autorität einer Redaktion aufregen (Türsteher) für sich aber das Recht der Claimabsteckung im eigenen Blog zu beanspruchen ist wiederum sehr einseitig.
Wenn das Zitierte:
„Ich hasse Türsteher. Ich hasse die Situation so abgrundtief, dass ich innerlich Gewaltphantasien entwickle. Ich hasse es, wenn mir andere Menschen vorschreiben können, so oder so zu sein, dass ich mich anpassen muss und absurden Maßstäben genügen muss… um irgendwo willkommen zu sein… Ich kann mir nicht mehr vorstellen, in einer Firma zu arbeiten, denn sofort verliert man die Deutungshoheit über sein eigenes Tun.“
die eigene Auffassung ist, die ich Herrn Seemann gerne zubillige, dann muss man konsequenterweise aber doch unabhängig bleiben, oder?
[quote]Im Ernstfall hätte die FAZ (die mit den von ihr eingeladenen Bloggern ja einen gewissen Zweck verfolgt und somit der Verbreiterhaftung unterliegt) eine Entschädigung an den Fotografen gezahlt, für künftige Zeiten Besserung gelobt (bzw. Unterlassungserklärungen unterschrieben) und dann die notwendigen Schritte eingeleitet, damit solche Fehler nicht wieder passieren. Niemand hätte der FAZ einen Strick daraus gedreht.[/quote]
Die FAZ hat vor dem Rausschmiss von Michael Seemann in einem früheren Fall eine Unterlassungserklärung abgegeben und bezahlt und hat alle ihre Blogger mehrfach und unmissverständlich darauf hingewiesen, dass nur noch Fotos aus dem internen Redaktionssystem oder vom Blogger selbst gemachte Bilder zulässig sind.
Seemann hat diese Anweisung ignoriert und labert jetzt über Freiheit und Unabhängigkeit. Er hat den Unterschied zwischen mein und dein nicht verstanden, glaubt aber, die Welt über die “Geschenkökonomie” belehren zu können.
[...] This post was mentioned on Twitter by Carta, Carta. Carta said: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Nachtrag zur Causa CTRL-Verlust http://goo.gl/fb/U22A0 [...]
“Im Ernstfall hätte die FAZ (…) eine Entschädigung an den Fotografen gezahlt, für künftige Zeiten Besserung gelobt (…)”
Richtig, die FAZ hätte gezahlt, für einen Fehler den Michael Seemann begangen hat. Kommt ihnen das richtig vor?
Und muss es nicht der NORMALfall sein und nicht erst der Ernstfall dass die Fotografen bezahlt werden ?
@Aufmerksamkeit: Ihrem letzten Satz möchte ich ausdrücklich zustimmen. Es ist aber m.E. ein Missverständnis auf beiden Seiten. Ein Blogger braucht eine Plattform, nicht unbedingt eine Redaktion. Eine Redaktion möchte originelle Kolumnisten, aber nicht unbedingt Blogger (die völlig autonom sind oder sein wollen).
Das bessere Modell einer Zusammenarbeit bietet Perlentaucher/Spiegel Online. SpOn bietet eine Plattform (und guckt sich die u.U. vor Übernahme an).
Ist das jetzt eine Verteidigung Seemanns oder der These Cartas, es handele sich um einen “Crash publizistischer Kulturen”?
Auf jeden Fall finde ich es merkwürdig bis kontraproduktiv, einerseits den Kritikern Seemanns Unverhältnismäßigkeit vorzuwerfen (auch wenn das zum Teil nicht falsch ist) und diese andererseits mit Attributen wie “Sehnsucht nach Repression”, “Möchtegern-Journalisten”, “Blut sehen”, “Blogwart” zu versehen.
Einen Beitrag zu einer konstruktiven Diskussion stelle ich mir jedenfalls anders vor.
leicht vom Thmea abweichend, nur als allf. Buchtipp:
John Darnton: Black & White And Dead All Over, 2008
ganz kurz: Darnton war lange Zeit Reporter der New York Times. In dieser
Kriminalkomoedie, deren Titel mittlerweile zu einem gaengigen Begriff wurde,
oft zitiert w ird, geht es um die um den New York Globe und eine Menge
Geschehen in dieser fiktiven Zeitungen.
Herrlich unter anderem darin die Borniertheit und Engstirnigkeit die innerhalb
dieses Betriebes immer wieder so sehr ausschlaggebend ist.
Tja, und rein zufaellig duerfte diese Komoedie auch in Deutschland recht
gut lesbar sein. (What to read this summer?)
Hier Darnton’s Webseite:
http://johndarnton.com/
["Obwohl das Publizieren interessanter (auch interner) Vorgänge zur Bürgerpflicht eines Bloggers gehört,..."]
Ist das eigentlich irgendwo verbrieft, dass diese vermeintliche “Bürgerpflicht eines Bloggers” höher zu bewerten sei, als die von Ihnen offensichtlich verpönte “moralische Norm einer Verschwiegenheitspflicht von Angestellten”?
Irgendwo hat irgendwer seinen Job als freier Mitarbeiter verloren, weil er sich nicht an betriebliche Vorgaben (CC) und auch an gängige Umgangsregeln (Veröffentlichung des Konfliktes) gehalten hat. Das wars. Willkommen im beruflichen Alltag.
Hieraus vor dem Hintergrund des Ideals einer publizistischen Freiheit bemüht einen Kulturkampf ableiten zu wollen ist dabei sicherlich Ihr gutes Recht.
Nachdem sich jedoch herausstellt, dass Ihnen wenige auf dieser Welle folgen, die Mehrheit der Kommentare also nicht Ihrem Standpunkt entspricht, legen sie nochmal nach und titulieren Befürworter dieser Norm -die übrigens nicht deshalb besteht, um irgendjemanden zu gängeln, sondern allein um den Beteiligten in einer Konfliktsituation die Möglichkeit zu geben ihr Gesicht wahren zu können – als “blogwartige” Domestiken mit dem Hang zum “Möchtegerjournalismus”.
Richtig soweit?
Tschaja – einen Hauch von ‘Infantilität’ hat es für mich dennoch: Man kann ein Spiel nicht radikal ablehnen, und dann trotzdem mitspielen wollen.
Ziemlich skurril das alles. Zum Einen kann man der FAZ keinen Vorwurf machen, dass sie die Oberhoheit über ihre eigenen Seiten behält, vor allem nicht, dass sie zügig gegen erwiesene oder auch vermutete Urheberrechtsverletzungen auf ihren Seiten vorgeht, um Schäden zu vermeiden.
Zum Anderen ist die Reaktion von Herrn Seemann keine Katastrophe, wenn er den Artikel um die beanstandeten Bilder bereinigt in seinem eigenen Verantwortungsbereich wieder einstellt. Dass so ein Verhalten nicht zur Konfliktlösung beiträgt, liegt allerdings auf der Hand. Das Verhalten würde ich als vorschnell und ein wenig kindisch einschätzen.
Die Reaktion der FAZ in Form der Sperrung des gesamten Blogs ist mit Sicherheit überzogen. Die Aussage der Überprüfung von weiteren Urheberrechtsverletzungen ist durchsichtig und fadenscheinig.
Die Ursachen für solche gegenseitig aufschaukelnden Reaktionen sind erfahrungsgemäß persönlicher Natur, gekränkter Stolz oder die Angst vor einem vermeintlichen Autoritätsverlust. Blogger und Redaktionsverantwortlicher bekriegen sich wie die Kleinkinder (“Ich will aber meinen Bagger haben”, “Du kriegst ihn aber nicht”, “Ätsch, ich hab ihn wieder”, “Ällalätsch, jetzt nehm ich Dir alle Deine anderen Spielzeuge auch noch weg.”).
Dass diesem Vorfall irgendwelche grundsätzlichen Bedeutungen beigemessen werden, zeigt doch nur, dass manche digital natives und Blogger egozentrisch und reflexionsfrei mit geringer professioneller Lebenserfahrung auf niedrigem Niveau um sich selbst kreisen. Wenn sich Auftraggeber und Auftragnehmer verkrachen, dann gibt’s halt keinen Auftrag mehr. So ist das nun mal.
Wieso Herrn Seemanns Recht, zu publizieren, was er will und wie er will, damit beeinträchtigt ist, will sich mir nicht erschließen. Ist im Internet seit Kurzem kein Platz mehr?
ich kann dem nicht folgen. ihr seid immer ganz groß im verbreiten von medientheorien, aber bei den simpelsten realen vorgängen haperts dann.
mspr0 hat in naivität und/oder besseren wissens per twitter und blog den tatbestand zwar dargestellt, aber sehr verzerrt, mit abstrusen vermutungen unterlegt. d.h. wer ihm vertraute, und das taten anfänglich eine menge leute, wurde aufs glatteis geführt und lag schlichtweg falsch. das ist genau ins gegenteil umgeschlagen, nämlich in dem mspr0 nun gebasht wird.
ein ganz normaler und simpler vorgang im social-2.0webbing und so.
hinzu kommt, dass er selbst sich zum medientheoretiker aufschwang und in der praxis schichtweg versagte. das ist wie ein friedmann, der nach außen hin auf heiligste moral macht und nach innen hin den osteuropäischen nutten das koks von den titten schnupft. sowas nennt man scheinheilig, darauf standen die leute noch nie. sowas wird immer hart abgestraft.
und so leid es mir für euch nun tut .. wenn da ein chaotischer anarcho auf eine redaktion trifft und jeder nach seinem eigenem handeln handelt, dann ist das kein clash der blogkulturen, sondern da trifft die mehrheit der gesellschaft auf andersdenkende. der mann könnte genauso gut als punk um nen euro betteln. nur würde er dann was tun, was seiner weltansicht entspricht .. bei der FAZ tat er es scheinbar nicht .. nur hätte er sich dann eben auch anders verhalten müssen.
wer nichtmal die verträge kennt, die er abschliesst, der hat nunmal ein grundlegendes problem in dieser welt.
eure aussage halte ich für falsch. bloggen muss nicht jederzeit und überall geschehen. es ist keine pflicht, es ist kein zwang. es ist freiheit insofern, als dass man es überall und jederzeit tun kann, aber sicher nicht muss und keinesfalls sollte. zumal bloggen mit eurer einstellung immer eine randerscheinung bleiben wird .. fernab der realität und entsprechend passend dazu: unrentabel.
haste mal ne flattr-mark?
mfg
mh euer niveau
@Nerddeutschland: Es wurde hier von einigen nicht mehr der Ball gespielt, sondern ziemlich übel nachgetreten. Und das abschätzige “Du begreifst wohl die Spielregeln nicht!” hinterfragt eben nicht mehr die Spielregeln.
Hier geht es doch nicht um normale journalistische freie Mitarbeit, sondern um Blogs, die (bislang) selbstständig publiziert werden (per upload durch den Blogger). Deshalb ist dieser Konflikt ein grundsätzlicher zwischen zwei Veröffentlichungskulturen.
Ginge es um normale Kolumnen, dann könnte die FAZ diese ja auch als Kolumnen ausweisen. Dann würden die Beiträge – wie üblich im Journalismus – zunächst an die Redaktion gehen.
Über den Fakt der Urheberrechtsverletzung sind wir uns im übrigen einig.
Nanana. Weder liegt mspro am Boden noch hat irgendwer – weder ein Blogger noch eine Redaktion – Loyalität verdient. Jeder wird so kritisiert wie es passt.
„Wess’ Brot ich ess’, dess’ Lied ich sing’“
Jo – und noch draufhauen, belehren. Dieser Herr Seemann ist mir sympathisch, ebenso wie Künstler, die was wagen.
Die fade FAZ braucht mitunter mehr Qualität (!), frischen Wind und nicht diese selbstverliebten Selbstdarstellungsjournalisten. Willkommen in der Wirklichkeit passt hier besser. ;)
Es sind Einträge wie dieser, die mir vor Augen führen, weshalb ich Wolfgang Michal so gern lese.
Man kann mspro höchstens vorwerfen, sich gegen ein veraltet hierarchisches System aufgelehnt zu haben. Mspro gebührt mein Respekt für seinen Mut und seinen Trotz. Jetzt gehen Sie bitte in Deckung, es folgt Eigenlob. War ich nicht schon lange Zeit vorher zumindest skeptisch?
@tharben: “Man kann mspro höchstens vorwerfen, sich gegen ein veraltet hierarchisches System aufgelehnt zu haben.”
der wusste doch nichtmal was er da tut. also wars auch keine auflehnung sondern fehlendes nachdenken oder generelle unkenntnis der ihm gegebenen situation.
nachträgliche idealisierung hilft da nicht .. allerdings muss man das dank solcher verteidigungsreden nun halt auch noch so benennen wie es ist. ob das hilft.. ich zweifel dran. ihm sicher nicht. aber da könnt ihr euch nun theoretisch die köpfe dran zerbrechen… schöne fallstudie.
mfg
mh
Also wenn schon Ur-Opa Adorno per Überschrift herbeizitiert wird, dann würde ich bei dieser Blogger-Erfahrung eher diesen Satz bemühen: “Einzig listige Verschränkung von Glück und Arbeit läßt unterm Druck der Gesellschaft eigentliche Erfahrung noch offen.” Das muss man lernen, das listige Sein. –Detlef
Als die Sache bekannt wurde, hieß es zunächst, FAZ zensiert/löscht Blog ohne Vorwarnung. Solche Reaktionen hat Michael Seemann durch seine eigene, nicht ganz vollständige Darstellung des Sachverhalts gefördert. Als dann die Hintergründe bekannt wurden und auch die Stellungnahme der FAZ, haben einige in die andere Richtung getreten, vermutlich auch, weil sie sich durch den Blogger nicht zutreffend informiert fühlten.
Dieser Fall, in dem sich beide Seiten nicht optimal verhalten haben, eignet sich aber kaum dafür, Michael Seemann zum Märtyer der freien Bloggerszene zu stilisieren.
Der Blogger wollte die Popularität der FAZ nutzen um seine Artikel zu transportieren, die FAZ die des Bloggers… Da die FAZ kein offenes Bloggingportal betreibt, ist auch klar dass sie eine redaktionelle Kontrolle über die Inhalte ausüben wollen. Es gibt genügend andere Stellen um ein Blog zu betreiben. Das Geschrei darum ist doch völlig übertrieben.
Einzigartig. Jetzt wird aus Seemann noch ein Märtyrer, der sich gegen das mediale Schweinesystem auflehnt. Er hat also vergessen, dass er bei einem erzkapitalistischen Blatt bloggt. Aber wenn die Honorare ausgeblieben wären, dass hätte er sicher bemerkt.
Der Umgang mit Urheberechten und kreativen Leistungen anderer ist kein Merkmal von “Veröffentlichungskulturen”. Es sei denn, man wolle Blogger und Seemann zu den Raubdruckern des Digitalzeitalters machen. Für die jüngeren unter uns: In den 70er und 80er Jahren sind nicht Rosenverkäufer durch die Szenekneipen gezogen, sindern Leute, die Raubdruck-Bücher an den Mann bringen wollten, alles zum Wohle der linken Revolution gegen das Establishment.
In dieser Hinsicht spielt der Text von Wolfgang Michal allen in die Hände, die Blogger für Anarchos halten, mit denen eine gedeihliche Zusammenarbeit mit Verlagen nie möglich sein wird. Also Herr Michal, keine Angst. Ihr freier Journalistenjob wird nicht durch die Blogger bedroht, denn haben ja eine andere “Veröffentlichkungskultur”, im Gegensatz zu Ihnen.
Das Wort “Märtyrer” findet sich nur unter Kommentar #18 und #20. Interessant, wie sich Diskussionen im Web entwickeln. ;)
@Detlef Borchers: Stimmt. Neben dem Opa Adorno steht allerdings noch sein Enkel Grebe.
@Thomas Stadler: Ein Märtyrer wird hier nicht stilisiert. Steht ja im letzten Absatz des Beitrags.
@Tuttle: Blogs innerhalb von Zeitungen sind keine Blogs mehr, wenn die entscheidende Voraussetzung – der freie upload – fehlt. Das ist ja das Dilemma, um das es hier geht. Denn die Redaktion kann nicht einerseits für Fehler gerade stehen müssen und andererseits nicht eingreifen dürfen. Der Blogger wiederum kann nicht einerseits frei uploaden und andererseits vom Ja der Redaktion abhängig sein. Im Konfliktfall funktioniert dieses Modell nicht.
@Tharben: Ihre Skepsis teile ich.
@dampfbadbiber: Sie haben leider gar nichts verstanden. Nehmen Sie ein Dampfbad.
@noName: Stimmt. Manche Kommentatoren sagen eben direkter was der Autor sich nicht ganz zu sagen traut. ;-)
@auchnoname: Trauen ist nicht das Problem. Märtyrer ist einfach der falsche Begriff.
@auchnoname ;))
„Märtyrer“ hört sich an wie ganz großes Kino. ;) Heute is schwül.
Was wäre denn ein besserer Begriff. So hoch wie derzeit die Wellen schlagen, wird sich kaum ein Verlag mehr so schnell den Seemann ins Haus holen. Da es so schwül heute ist, sage ich einfach mal: Da wird die Publizistenkarriere von Mspro für die Ideologie der “Veröffentlichungskulturen” geopfert.
Es wird auch nichts geopfert, lieber Biber.
Überhaupt nicht erwähnt wird, dass die Texte des Herrn Seemann in der FAZ doch immer recht krass waren, naja, sagen wir mal milde: komisch. eigenartig. gewöhnungsbedürftig. Nicht wenige Leser haben nur den Kopf geschüttelt ob seines Geschwafels. Dann seine Rechtfertigung, nachdem er Mist gebaut hatte, die war ebenfalls “gewöhnungsbedürftig”, genauer: kindisch. Der Mann erscheint mir als Leser nur noch peinlich.
Kennt den jemand persönlich, ist der immer so, äh, “gewöhnungsbedürftig”? Oder ist er einfach nur zu jung und unerfahren?
die unerlässliche Freiheit eines jeden Bloggers, in eigener Verantwortung, erlaubnisunabhängig (und nur begrenzt von Art.5, Abs.2 Grundgesetz) eigene Texte veröffentlichen zu können kann doch ein jeder Blogger auf seiner eigenen Plattform ausleben wie er lustig ist und Kleingeld hat. Aber wer sich mit seinen Beiträgen gegen Honorar auf ein Portal wie FAZ.net begibt, muss sich doch klar darüber sein, dass es da sowas gibt wie Hausrecht, Hierarchien und Hackordnungen. Klar, das muss man nicht toll finden. Aber ich sehe auch nach wie vor nicht, warum ich Michael Seemann für seine, ähem, spezifische Vorgehensweise bewundern müsste. Über die Verhältnismäßigkeit der Blogsperrung durch die FAZ-Redaktion kann man sicher kontrovers diskutieren, aber so wie ich die Dinge sehe, hat sich Seemann ohne echte Not selber ins Aus geschossen und darüber hinaus der Bloggerei einen Bärendienst erwiesen. Aber wenigstens hat eine gewisse Subszene des binären Böhmentums jetzt so etwas wie ihren Säulenheiligen.
Die Wiederholung der These vom “Clash der Kulturen” macht sie nicht richtiger. Hier freier Blogger, da Gatekeeper-Redaktion heisst doch nichts anderes als hier freier Mitarbeiter, da Auftraggeber – oder hier Angestellter, da Unternehmen. Nicht erst seit das Bloggertum aufgetaucht ist, gibt es das Spannungsverhältnis Individuum – Institution. Wir kennen vielfältige Mechanismen, um das Individuum gegenüber der Institution nicht nur dem Nachsehen zu überlassen. Neuerdings sogar den “Shitstorm”. Es gibt gute Gründe, warum bestimmte Abläufe im Verhältnis Individuum – Institution wiederum eine Institutionalisierung erfahren haben. Vielleicht gehört der Shitstorm ja einmal zum Standardinstrumentarium einer modernen Gewerkschaft? Jeder Interessensvertreter, ob Anwalt oder Betriebsrat, rät im Falle einer Auseinandersetzung zunächst zum Gespräch und vermittelt nach Bedarf. Eskalation ist nie die erste Stufe.
Wenn hier überhaupt etwas zusammengeprallt ist, dann doch wohl der mit Vertragsverhältnissen unerfahrende Nerd auf die Arbeitswelt. Das passiert vielen, das Leben lebt sich nicht ohne Spannungen. Zum Glück ruft nicht jeder gleich den “Shitstorm” aus, wenn im Prozess der Sozialisation Konflikte entstehen. Man nennt das auch Erwachsen werden. In diesem Sinne sollte man hier wohl besser vom “Clash der Generationen” sprechen. Nichts neues also unter der Sonne.
Wir lernen: Beim Entfachen eines Shitstorms immer auf die Windrichtung achten!
Hm. Wie wäre es dann wenn Michael Seemann bei Carta.info jetzt in Konsequenz auch als Autor aufgenommen wird?
Und wie wird die Reaktion sein wenn er dann in seinen Artikeln widerrechtlich kopiergeschütztes Material verwendet? Ist das ok? Wird carta.info die Geldforderungen der Rechteinhaber für Michael erfüllen?
Mal im Ernst: die FAZ hat Hausrecht. Wenn sie die Texte nicht mehr publizieren will ist das ihr gutes Recht. Michael aka mspro hat ein eigenes Blog, das Sperren bei der FAZ hat also nix mit Unterdrückung der Meinungsfreiheit oder ähnlichem zu tun, das ist blanker Unfug. Er kann immer noch alles auf seinem eigenen Blog publizieren, wie ja auch in der FAZ-Erklärung vorgeschlagen (!). Da hat anscheinend die FAZ die Meinungs- und Publizierungsfreiheit im Internet besser verstanden also so mancher andere hier, inklusive dem Autor dieses Artikels.
Und wenn Michael Seemann oder irgendjemand anders Bilder von mir ohne meine Einwilligung verwendet, und sei der Ort der Verwendung noch so schmeichelhaft, kriegt er Ärger. Oder ist es für Sie ok, Herr Michal, wenn ich diesen Ihren Artikel auf meiner Webseite komplett publiziere?
ad 33: „Er kann immer noch alles auf seinem eigenen Blog publizieren, wie ja auch in der FAZ-Erklärung vorgeschlagen (!)“
Hm? Das ist so, als wenn Sie einem Arbeitnehmer, der eine Bratwurst verspeist hat, kündigen und sagen: „Sie können ja in einem anderen Unternehmen arbeiten“. ???
was für ein blödsinniger vergleich.
einer der größten “kritikpunkte” beim aufschrei war, dass nun alle texte für immer verloren sind. die faz hat diesen kritikpunkt anstandslos behoben mit diesem angebot oder dieser zusage.
seinen job los war er wegen seines verhaltens .. bzw. ist er den job denn nun endgültig los oder klingt es bisher nur so, als ob es so wäre? sein blog klingt jedenfalls nicht sonderlich einsichtig… im details. ^^
mfg
mh
ad 35: “die faz hat diesen kritikpunkt anstandslos behoben mit diesem angebot oder dieser zusage.” Tolles Angebot. Wie gnädig! Die Großen und die Kleinen, die Mächtigen und die Abhängigen… Oder: Das Subordinationsverhältnis zwischen Redaktion und Blogger.
In welchem Jahrzehnt leben wir? Interessieren Sie sich nicht für zukünftige Tendenzen/Meinungen/Verhaltensweisen? Pacta sunt servanda, klar. Mal Fünfe gerade lassen.
“Clash of Cultures” – nennt man das jetzt auf Buzzword-Englisch so? Früher hiess das “der schmerzhafte Aufschlag auf dem Boden der Realität”.
Und wieso das apodiktische Gefasel zusammenhangloser Gedanken, um das es dabei geht, lesenswert sein soll, hat mir immer noch keiner erklären können.
ich zitiere mich mal selbst
“mit diesem angebot oder dieser zusage”
ich hab das bewusst offen gelassen, weils mir nicht so ganz klar ist. aber du hast dich dann gleich mal entschieden und das negativ besetztere genommen.. und bist nicht umhingekommen deine meinung darauf basierend zu verbreiten, die sich dadurch bestätigt.
ein grundproblem fast jeder diskussion, da geht es nur noch um recht haben und bekommen, nicht mehr um die thematik an sich.
klassisch dann auch gleich noch der fragende vorwurf … der hiermit zum thema verhaltensweisen übrigens beantwortet sein sollte.
mfg
mh
“Mit der Bildveröffentlichung wurde weder die Ehre/der Ruf der Fotografen geschändet (die FAZ ist schließlich kein Gossenblatt)”
Was ist das denn bitte für eine seltsame Argumentation? Die Fotografen, deren Bilder hier einfach geklaut wurden, sollen vielleicht auch noch zufrieden darüber sein, dass ihre Werke nicht auf einem Projekt wie carta erscheinen, sondern in der ehrenwerten FAZ?
Im Übrigen halte ich die Argumentation, dass es hier um einen Konflikt zwischen der dezentralen Bloggerkultur und einer hierarchisch-zentralistischen Zeitungskultur handele, für ebenso abwegig wie den Versuch, die Sache auf einen unauflösbaren Konflikt zwischen dem fruchtbaren Berliner Urstromtal und dem Sandstein der Hanau-Seligenstädter Senke zurückzuführen.
Für alle diejenigen, die nicht verstehen, warum in manchen Kommentaren hier absichtlich nicht auf den Inhalt des Beitrags eingegangen wird: Es ist der übliche Verdächtige…
@mark793: Hier wird doch niemand bewundert. Es wird versucht zu verstehen, wie es zu diesem doppelten Missverständnis kommen konnte.
@sk (#33)
“Wie wäre es dann wenn Michael Seemann bei Carta.info jetzt in Konsequenz auch als Autor aufgenommen wird?”
Einen Autor wie Michael Seemann kann sich carta.info nun wirklich nicht leisten. In jeder Beziehung.
@Wolfgang Michal (#40)
Sie meinen doch nicht etwa die Stützen der Rebellenbar, oder doch?
Na klasse, ein Spätpubertierender entdeckt, dass er nicht alleine ist auf diesem Planeten, und ein Carta-Autor springt ihm in seinem Erschrecken bei. Was beide völlig vergessen: Die u.a. im Fickt euch!-Text deutlich zu Tage tretende Verachtung gegenüber denen, die angeblich ihre Seele in Firmen verkaufen, treibt die mspr0 so störende Bewertung durch andere auf die Spitze – als totale Entwertung der anderen. Es verwundert nicht, dass er dem eine totalitäre Ideologie entgegensetzen will. Ich arbeite lieber mit selbstbestimmten Menschen.
@Benedikt: Vor dem von Ihnen zitierten Satz steht: “…der Blogger hat angefangen. Er hat die Rechte von Fotografen verletzt…”
Was ich von dem Konflikt (vor allem aber von einem Teil der Reaktionen darauf) halte, habe ich ja oben geschildert.
Vielleicht sehe ich das Ganze in meiner Altersmilde einfach ein bisschen anders als Sie ;-)
Was ist das denn für eine Diskussion? Dem einen halten Sie jugendlichen Starrsinn vor, andere empfehlen Sie ein Dampfbad, was dann noch nicht an Kommentaren passt, wird zu den Rebellen gesteckt. Der Rest hat halt den Text nicht kapiert.
Ihre Kritikfähigkeit deckt sich mit der von Seemann. Beim Clash der Pubklikationskulturen gibt es also durchaus Brücken.
@mh, nur kurz: “Zusage” ist als Begriff im obigen Fall zu unbestimmt, bedarf der konkreteren Ausformung… ;)
#44, “Was ist das denn für eine Diskussion?” Eine unschöne, intolerante, aus der ich mich verabschiede und einen sonnigen Tag wünsche!
@Wolfgang Ich verstehe einfach den Hinweis auf die ehrwürdige FAZ nicht. Ignorieren von geistigem Eigentum wird dadurch nicht besser, wenn es einem “ehrwürdigen” Medium passiert. Ganz im Gegenteil!
@Benedikt: Aus Sicht der Fotografen ist hier gemeint.
Bei Auseinandersetzungen spielen die konkreten Umstände eines Konflikts immer eine Rolle: War die Verletzung eher geringfügig, unbeabsichtigt, in welchem Umfeld etc. Vergleiche ich diesen Fall mit schlimmeren – so kann ich nur sagen: Ja schlimm, aber bitte Kirche im Dorf lassen.
@mh: Gewisse Leute würden die Diskussion gern auf das Problem dieser Urheberrechtsverletzung reduzieren, für mich ist sie lediglich der Anlass, auf das grundsätzliche Problem hinzuweisen: dass eben Blogs auf Zeitungsseiten ihren Charakter verlieren und (ob sie wollen oder nicht) zu integrierten Zeitungskolumnen werden, die ganz im Verantwortungsbereich der Redaktion stehen müssen (und zwar mit allen Konsequenzen). Ob die inhaltlich gut oder schlecht sind, lebendig oder langweilig, steht hier nicht zur Debatte. Es geht darum, wer das Sagen hat. Das heißt, Blogger auf Zeitungs- oder Magazinseiten werden zu (meist geringfügig bezahlten) ganz normalen Mitarbeitern (die im übrigen, das muss auch mal gesagt werden, keine Knechte sind, sondern, wenn es klappt, gut mit der Redaktion zusammenarbeiten). Dieser Statuswechsel ist für manche Betroffene schwierig, vor allem, wenn die Zeitungen gleichzeitig suggerieren, dass ihre Blogger weiterhin freie Blogger sein sollen. Sie halten sich dann möglicherweise für etwas ganz Besonderes. Das verstehe ich schon (und manche schlagen auch um sich, weil sie gern davon ablenken wollen, dass sie im Rahmen einer Zeitung ihre einstige Sonderstellung verloren haben). Andererseits ist ebenso klar, dass die Redaktionen – wie ich oben in den Kommentaren geschrieben habe – die Kontrolle über das brauchen, was sie im Konfliktfall verantworten müssen. Es nützt also nichts, die Illusion unabhängiger Blogs (auf Zeitungsseiten) aufrechtzuerhalten, und genau das hat der Konflikt um Seemann enthüllt.
Die bessere Alternative zum FAZ-Modell ist deshalb die Kooperation – wie sie SpOn z.B. mit der Perlentaucher-Rubrik “Heute in den Feuilletons” eingegangen ist. Genau darüber wird man in der FAZ auch zu reden haben.
@tharben: Ich habe mal in den Blogcharts nach Stützen einer Rebellenbar gesucht, aber leider nichts gefunden…
@Wolfgang Michal, #40: Ihre Einlassungen sind ja wohl nicht nur bei mir so rübergekommen, als würden Sie Herrn Seemann hier ein Heldenbildchen malen: überspitzt gesagt auf der einen Seite der aufrechte, leicht naive Held mit dem reinen Herzen und ohne Arg, auf der anderen Seite die Apparatschiks der alten Ordnung, gegen die jedes Mittel recht ist.
So simpel und schwarz-weiß ist die Welt aber nicht, und ich sehe es als Zeichen zunehmender Reife der Blogosphäre, wenn da etwas genauer hingeguckt wird, für welchen Shitstorm man sich einspannen lässt und für welchen nicht.
@mark793: Also die Begriffe Märtyrer und jetzt Held kommen nicht von mir. Und Reife sehe ich bei Leuten, die gern mobben, auch nicht.
Sorry, ich finde den besagten Blogger ganz vernünftig ( http://mspr0.de/?p=1468 ).
Es geht im konkreten Fall zudem um die Frage, ob es verhältnismäßig ist, eine Bloglöschung vorzunehmen, wenn ein vertragsgebundener Online-Journalist (= Blogger) versehentlich einen Urheberrechtsverstoß begannen hat? Den Fehler bei der Verwendung des Fotos räumte Herr Seemann ein. Ist eine Bloglöschung das adäquate, verhältnismäßige Mittel? Wohl nicht!
Im weitesten Sinn geht es um den Umgang mit freien, journalistisch arbeitenden Mitarbeitern auf Online-Plattformen, mit deren freier Willensäußerung auf der einen Seite geworben wird und die sich auf der anderen Seite vertragsgemäß zu verhalten haben.
Die FAZ-Verantwortlichen scheinen mir, was den Umgang mit Online-Journalisten angeht, oftmals überfordert zu sein. Der Verriss von verschiedenen „Bloggern“ im Print ist nur ein Beispiel. Die direkte Bloglöschung kann dann nur die Konsequenz sein. „Verkehrte Welt?“, ja.
@Wolfgang Michal (#47) Versuchen Sie es mal mit # Gesellschaft der Barblogger # Rebellen für Bares # Rebellen bar jeder Stütze # Barrebellen für Bloggesellschaft gestützter Märkte
@Wolfgang Michal, #49: Wortwörtlich natürlich nicht, aber im Subtext sind sie schon präsent. Und das wissen Sie auch genau.
Ausreißer gab es sicher auf beiden Seiten des Meinungsspektrums, diverse Tweets und Kommentare aus der Followerschaft und Fankurve des CTRL-Verlierers waren auch nicht gerade mit der Goldwaage abgewogen. Wenn man wissen will, warum das Echo nun mehrheitlich gegen Seemann gelaufen ist, muss man vielleicht auch die sehr, äh, unterschiedliche Rezeption seiner FAZ-Texte vor Augen halten. Dann bräuchte man zur Erklärung womöglich gar nicht so sehr irgendwelche wolkigen Konstrukte wie heimliche Lust an der Repression oder Blogwart-Mentalitäten bemühen.
@mark793: Verwechseln Sie hier nicht “mehrheitlich” mit der Lautstärke der Hofschranzen-Fankurve gewisser Leute? Sie nennen das mit viel Nachsicht “Ausreißer”.
Nach einigen Telefonaten über die speziellen Hintergründe der Seemannschen Kurzschlussreaktion habe ich aber ein gewisses Verständnis – nein, nicht für die Urheberrechtsverletzung – aber für das entnervte Wieder-Hochladen des Textes.
Und glauben Sie mir: Auch in meinem Subtext war kein “Held” mit eingebaut.
@tharben: Ich habe alles abgesucht, sogar #Stützkorsett für Rebellen. Ich konnte nichts Relevantes finden. Sorry
Herr Michal, zugegeben, ich habe das Echo nicht quantitativ-empirisch erfasst und bin auch nicht jedem Trackback gefolgt. Mag daher sein, dass ich den Support für Seemann nicht in seiner ganzen Breite erfasst habe (zumal ich einschlägiges Getwitter nur stichprobenartig zur Kenntnis genommen habe). Mit “Ausreißer” meinte ich, dass ich nicht soo viele Kommentare gesehen habe, denen ich tatsächlich das Etikett “Mobbing” ankleben würde. Aber ich gestehe jedem zu, da anders zu empfinden. Ich sage auch nicht, dass ich gar kein Verständnis hätte für das Wiederhochladen des Beitrags – oder für Genervtsein von komplizierten redaktionellen Prozessen (das ist seit zwei Jahrzehnten immer wieder mal Aufstrich für mein täglich Brot). Aber einen Sachzwang für Herrn Seemann, mit dem (wie ich finde vorzeitigen) Gang an die Öffentlichkeit die Sache erst so richtig zu eskalieren, sehe ich nach wie vor nicht.
Wenn Sie sagen, dass Sie den Helden, Märtyrer oder Säulenheiligen _nicht_ in den Subtext Ihres Eintrags und Ihrer Kommentar-Repliken gewebt haben, nun gut, dann wird das wohl so sein. Aber es kam nicht nur bei mir so an…
@Wolfgang Michal (#53) Wo habe ich nur meinen Kopf? Entschuldigen Sie. Diesmal müsste alles drinstehen was Sie wissen müssen: Gesellschaftsstützen der marktrebellische Blogs ohne Bar
Kann das sein, das hier gestern noch eine ganze Latte von Kommentaren war?
Zensurversuch, oder gibt die Technik in der Hitze auf?
Wir arbeiten daran… In eigener Sache: Umbauarbeiten im Kommentarbereich
Auch wenn ich verstehe, das da Technik dazwischen sitzt, whatever happend to 'make before break'?
Ich bekomme bei der ganzen Sache nicht ein Bild aus dem Kopf.
Die FAZ ist dabei eine große Shopping Mall – die Journalisten die Boutiquen und man kommt auf die Idee, das es an Fressbuden (Blogs) mangelt. Man muss halt nur den Gestank unter Kontrolle halten, was z.B. Don Alphonso und Co. auch immer schön mit netten Bildchen gelingt.
Nur mspro hat seine Dönerbude nicht ganz so gut im Griff und nun stinkt die ganze Mall nach Döner und das zum wiederholten Male ;)
[...] CARTA – Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Nachtrag zur Causa CTRL-Verlust [...]
Es gibt einen im Grundgesetz verankerten Anspruch, Textmüll samt “kleinen Urheberrechtsverletzungen” in der FAZ gegen Honorar zu veröffentlichen?
Großes Kino, lieber Wolfgang Michal; man merkt wie umfassend ihr Verständnis unserer Verfassung ist.
Da bin ich lieber “Oberwichtigtuer”.
[...] Michal legt bei Carta nochmal schön dar, warum es beim Streit Mspro vs FAZ nicht einfach nur um ein paar Bildrechte [...]
Dieser Satz aus dem obigen Beitrag gilt natürlich auch für die gerade vorgeführten weltkompakt-Blogger: “Was man ihm und anderen Medien-Verzierungs-Bloggern allenfalls vorwerfen kann, ist der Kinderglaube, dass die unterschiedlichen Veröffentlichungs-Kulturen so einfach unter einen Hut zu bringen wären.”
[...] entlassen hat, wurde diese Woche auf allen Kanälen berichtet. Hier die News, hier ein originelles Nachwort incl. der unverzichtbaren Diskussion in den [...]