Netzlese
Robin Meyer-Lucht | 2 Kommentar(e)
Die DIW-Studie zum Schrumpfen der Mittelschicht löste eine mittelgroße Essaywelle im Meinungsjournalismus aus. Jürgen Kaube hält die Studie für eine “Zumutung”.
17.06.2010 |
Eben noch durfte Franz Walter auf Spiegel Online den Frust der Mittelschicht beschwören:
Die Mitte träumt von einer neuen Stunde null. Die Mitte, die sonst gern wahren und tradieren möchte, sehnt sich nach dem Bruch, nach einem radikalen Neuanfang der politischen Institutionen.
Nun kommt schon Jürgen Kaube daher und versucht in der F.A.Z. die DIW-Studie, deren Mittelstandsthesen gerade allerorten hochgeschrieben werden, wieder herunterzuschreiben. Das Ganze sei eine “inszenierte Mittelschichtspanik”, eine “eine messideologisch angerichtete Konfusion”:
Noch unverschämter ist nur, was die Autoren am Ende der Studie machen. Sie warnen vor Fremdenfeindlichkeit und Ausländerhass, die sich aus Statusängsten der Mittelschicht ergeben könnten. Und verweisen an dieser Stelle auf das Buch „Deutsche Zustände, Folge 8“ des Bielefelder Pädagogen Wilhelm Heitmeyer. Just die darin enthaltenen Studien aber geben keinen signifikanten Hinweis auf mehr Fremdenfeindlichkeit als Folge der jüngsten Wirtschaftskrisen. Nicht einmal für Statuspanik. Von Mittelschichten ist in ihnen überhaupt nicht die Rede.



[...] This post was mentioned on Twitter by Carta and Carta, yovadis / Manuel D.. yovadis / Manuel D. said: RT @carta_: #FAZ über die DIW-Studie zur angeblichen Mittelstandspanik: “eine messideologisch angerichtete Konfusion” — Lesetipp http://bit.ly/dBUzmg [...]
Der Artikel in der FAZ kommt mir vor wie Satire. Ohnehin scheint inzwischen alles als Satire bezeichnet zu werden, was inhaltlich und sprachlich missglückt ist – mit wenigen Ausnahmen. Exakt 57 x (!!!) kam das Wort „Schicht“ im FAZ-Artikel vor! Wie krass ist das denn? Und inhaltlich, ja inhaltlich habe ich den Eindruck, als wenn der FAZ-Autor auf’m Mond lebt. Soviel Realitätsferne habe ich selten zur Kenntnis nehmen müssen. Das kann nur Satire sein!