Christian Heller | 53 Kommentar(e)
Im Internet ist ähnlich der ‘Bibliothek von Babel’ zwangsläufig jeder nur denkbare Inhalt vorhanden. Als Möglichkeit des Umgangs mit Provokationen empfiehlt sich das Ignorieren, entsprechend der alten Regel: Füttere nicht die Trolle! Eine solche Ignoranz wird immer wichtiger, steht als Ressource aber nicht allen Nutzern gleichermaßen zur Verfügung.
04.05.2010 |
Eine Bibliothek von Babel
Im Jahr 1941 schreibt der argentinische Autor Jorge Luis Borges eine Erzählung mit dem Titel “Die Bibliothek von Babel“. Die darin beschriebene Bibliothek enthält eine unbegrenzte Menge an äußerlich gleichförmigen Büchern. Über diese Bücher verteilt findet sich jede mathematisch denkbare Kombination der Zeichen des lateinischen Alphabets zuzüglich Leerzeichen, Punkt und Komma. Die Bibliothek beherbergt also jedes in dieser Form denkbare Buch; jeden in dieser Form denkbaren Text. Sie enthält sämtliche erhaltenen und verlorenen, geschriebenen und ungeschriebenen Bücher sämtlicher Autoren der Antike und Moderne; jeden pornografischen Roman; jedes Wörterbuch jeder tatsächlichen oder erfindbaren Sprache; jede seitenlange Aneinanderreihung desselben Buchstaben; jede sprachlich fassbare Idee, jedes Lob, jede Beleidigung, jede Wahrheit, jede Lüge.
Die Bibliothek aus Borges’ Erzählung wird von Menschen bewohnt, die durch ihre Galerien streifen und nach Bedeutung in diesem allumfassenden Text-Garten suchen. Es werden Glaubenskriege darüber geführt, was in diesen Textmengen Sinn sei und was Unsinn; was Wahrheit oder Relevanz in sich trage und was nicht. Wie soll man sich orientieren, wenn zu jedem Text ein Gegen-Text existiert und kein Text für sich beanspruchen kann, eine autoritäre Sonderstellung gegenüber den übrigen zu besitzen? In ihrer Sinnsuche besonders verzweifelte Bibliothekare greifen zu einem verschmähten letzten Mittel: Sie verbrennen Bücher, denen sie Sinn oder Autorität absprechen, um wieder eine Ordnung der Sinnhaftigkeit herzustellen. Doch ihre Versuche sind ein Kampf gegen Windmühlen: Jeder zerstörte Text existiert milliardenfach anderswo in der Bibliothek weiter, unterschieden im Einzelnen vielleicht nur durch ein verschobenes Komma oder einen verdoppelten Buchstaben.
Was Borges beschreibt, liest sich wie ein Modell für die Informationslandschaft des Internet und die durch sie aufgeworfenen Fragen des Bewertens, Sortierens, Filterns. Im Netz kann man leicht den Eindruck bekommen, jeder nur denkbare Text, jede nur denkbare Idee, jede nur denkbare Hetze sei irgendwo schon aufgeschrieben, durchgespielt, abrufbar. – Wer sich ein Wortspiel ausdenkt und über die eigene Originalität freut, darf es nicht bei Google eingeben: Dann wird er enttäuscht feststellen, dass drei Leute vor ihm in irgendwelchen obskuren Web-Foren bereits den selben Einfall hatten. Wer also beweisen will, dass das Netz dem Schlimmsten Raum biete, wird jedes von ihm erhoffte Extrem irgendwo finden; dasselbe gilt aber auch für das Gegenteil. Das bloße Vorhandensein irgendeiner informationellen Anordnung taugt in dieser Beliebigkeit als Beweis oder Anker für gar nichts mehr.
Algorithmisches Beleidigen
“LUTSCH DAS MIKROFON, SCHLAMPE”, “TITTEN ODER RAUS” und “ARSCHVERLETZTES EMANZENPACK” sind einige der Textfetzen, die in der Woche nach der Netzkultur-Konferenz re:publica eine Debatte über Sexismus im Netz anfeuerten. Mit ihren Wiederholungen wurde eben dort ein Webchat geflutet, der den Live-Stream eines feministischen Panels begleitete. Es gab eine öffentliche Auseinandersetzung mit dieser Episode und der Frage, wie sie zu bewerten sei. Diese Debatte ist ein gutes Beispiel für die Frage nach dem Internet als Bibliothek von Babel.
Am Anfang standen zwei gegensätzliche Interpretationen. Einerseits: Die Beschimpfungen sind offenkundig ein Erzeugnis von Sexisten. Sie und ihre Tolerierung beweisen, dass Sexismus im Netz ein reales Problem ist. Andererseits: Die Beschimpfungen sind nur “Trollerei”, also Provokation um der Provokation Willen. Wer “Trollen” Aufmerksamkeit schenkt, ist selber schuld und bestärkt sie nur in ihrem Verhalten.
Tatsächlich gibt es wenig Zweifel daran, dass die Beschimpfungen aus einer Quelle stammen, für die der Spaß an Trollerei zum grundlegenden Selbstverständnis gehört: dem Web-Forum “Krautchan”, das genau zum Zeitpunkt des zitierten Chats auf der re:publica in einer Parallelveranstaltung Gegenstand war. Ein Ort, der einem Außenstehenden leicht erscheinen kann als die Summe aller Erzählungen über das Böse und Schlechte im Internet: Der Umgangston der anonymen Teilnehmer ist durchsetzt vom Vokabular der Beleidigung, des Mobbings und der gegenseitigen Diskriminierung. Bilder von Unfällen und Kriegsopfern dienen zur Belustigung. Personen des öffentlichen oder nicht so öffentlichen Lebens werden ernannt zu Zielobjekten für Spott und Morddrohung. Kinder werden als Sex-Objekte verglichen und bewertet. Es wird aufgerufen zu Amokläufen, Vergewaltigung und Selbstmord. Sexismus, Rassismus und Antisemitismus sind zelebrierte Währungen des sprachlichen und bildlichen Austauschs untereinander.
Eine so übersteigerte Zusammenballung alles Geächteten sprengt jeden Versuch, sie auf einen bloßen Konversationsraum einiger Sexisten oder Neonazis zurückzuführen. In “Krautchan” wird jeder Extremismus zum Wahnwitz getrieben und so seiner Plausibilitäten und Tolerierbarkeiten beraubt. Chauvinismen geraten zu künstlerischen Spielgegenständen. Klischees und Beschimpfungen werden algorithmisch durchprobiert und zu mathematisch zwangsläufigen Extremen gesteigert. Wer hier welche Äußerung wie meint, diese Frage verliert an Bedeutung in einem Austausch zwischen ausschließlich anonymen Trollen, deren Hauptmotivation die gegenseitige ästhetische Provokation ist. Sie schreiben zudem alle unter einem einheitlichen Namen, so dass sich Anonymität mit Entindividualisierung verbindet. “Krautchan” lässt sich also begreifen als eine Maschine, die automatisiert jede Sorte Text erzeugt, die provoziert; als eine Bibliothek von Babel für Beleidigungen, Drohungen, Rassismen, Sexismen und jede nur denkbare weitere Art des Chauvinismus.
So verliert der zur re:publica produzierte sexistische Chat-Text rasch an Beweiswert für die These, das Netz sei voller Sexisten: Er war das bloße Ausatmen einer zufällig anwesenden Provokations-Maschine, deren Ausstoß sich automatisch auf das herunterfiltert, was in einer gegebenen Atmosphäre als Angriff empfunden wird. Erst das Empfinden derer, die sich betroffen fühlen, verleiht ihm die Qualität des Angriffs. Sind also die Betroffenen gleichzeitig die Verantwortlichen?
In Babel ist der Leser der Autor
Genug Zeit, Autorenmasse, Kreativität und Entfaltungsraum vorausgesetzt, scheint jeder nur denkbare Text zu entstehen. Diese Dynamik durchzieht nicht nur “Krautchan”, sondern Millionen weiterer Salons des Netzes. Sie erzeugt jedes nur denkbare Rauschen und damit auch jedes nur denkbare Signal.
Zwei Beispiele unterstreichen den Trend des Internet zu Borges’ Bibliothek von Babel: Zum einen die “Regel 34″, die in nur halber Scherzhaftigkeit besagt, dass zu jedem denkbaren Gegenstand oder Begriff im Netz Pornographie existiere; und zum anderen das naheliegende Spiel “Google von Babel”: Erfrage zufällige Abfolgen lateinischer Buchstaben bei Google. Bis zu welcher Länge der Zeichenfolge findet Google mindestens ein Ergebnis? (Der Verfasser dieses Artikels findet bis zu einer Länge von sechs Zeichen in Nonsens-Abfolge beinahe immer mindestens eines.)
Den Weg hierher bereitet das Internet, indem es die Engen ausschaltete, durch die sich Text früher einen “Geburtskanal” bahnen musste: die Vorauswahlen durch Verlage, Gatekeeper, normative Werte-Systeme, Autorenschaft. Sie bilden keine Grundbedingung und “Vorzensur” mehr für die Entstehung, das Fortexistieren und die Zugänglichkeit von Text.
Will sich also ein Bild, eine Formulierung, ein Gedanke den Weg ins neue Welt-Text-Orchester bahnen, dann wird ihn kein Zensor, kein guter Geschmack und keine politische Sensibilität aufhalten. Dann braucht er nur einen einzigen von den weltweit bald zwei Milliarden Internet-Nutzern überzeugen, als sein Wirt und Botschafter zu dienen. Und eigentlich nicht einmal mehr das: Unter anonymisierenden Bedingungen wie in “Krautchan” scheint die Rolle individueller Autorenschaft ganz zu verschwinden. Hier entsteht neuer Text bereits permutativ, automatisiert, verselbstständigt.
Dabei haben wir uns vom Prinzip der Auswahl nicht verabschiedet. Wir haben nur seinen Angriffspunkt verschoben: Das Nadelöhr der Auswahl ist nicht mehr der Entstehung und Veröffentlichung vorgeschaltet, sondern der Lektüre. Wir Leser selbst lernen Sortieren, Bewerten, Filtern. So wie eine Spielfilmszene erst in der Montage am Schneidetisch aus Stunden größtenteils überflüssigen Filmmaterials entsteht, so entstehen Wahrheitswerte, politische Bedeutungen, Witz und Pointe in der Netz-Textmasse erst in der Auswahl und Interpretation der Netz-Leserschaft. In Abwandlung von Marshall McLuhans Satz “the medium is the message” (“das Medium ist die Botschaft”) müssen wir im Internet “the query is the message” sagen: Die Anfrage ist die Botschaft. Ich kann mit Suchmaschinen jeden beliebigen Nonsens finden; die Kunst besteht darin, die Suchanfrage so zu formulieren, dass sie Sinn erzeugt.
In alledem gerät das Ignorieren zu einer der wichtigsten Medienkompetenzen. Unsere Aufnahme-Kapazitäten gegenüber der unendlichen Textmasse des Netzes sind begrenzt, daher scheiden wir streng Interessantes von Uninteressantem und blenden letzteres aus. Wir werden wie der Bildhauer, der seinem Material Form gibt, indem er es intelligent beschneidet: Wir geben den Textmassen im Internet Sinn, indem wir unter ihnen auswählen, diskriminieren und große Teile davon wegwerfen. Wir adeln einen Text erst zur Bedeutung, indem wir ihm Aufmerksamkeit schenken.
Das impliziert eine Verantwortung der Leserschaft für das, was sie sich zu Lektüre und Sinn erwählt. Im Netz erzeugt die Leserschaft sinnhaften Text durch Auswahl, Einordnung und Bewertung: die Leserschaft gerät zum Autor. Indem wir die uns übergeordneten Gatekeeper abschafften, haben wir die Verantwortung akzeptiert – oder müssen sie akzeptieren –, selbst unser Gatekeeper zu sein. In der Bibliothek von Babel ist nicht mehr der vorhandene Text für seine Wirkung auf die Leserschaft verantwortlich, sondern die Leserschaft ist es selbst. Wer also in freier Wahl das an sich heran lässt, was ihn verletzt, der ist selber schuld, wenn er darunter leidet.
Förderung der Ressource Ignoranz
Es ist leicht gesagt, dass man das ignorieren solle, was einen stört. Vorher muss natürlich gefragt werden: Ist man überhaupt in der Lage, es zu ignorieren?
In diese Richtung hat sich die feministische Debatte über die sexistischen Trollereien auf der re:publica fortentwickelt. Sie hat sich abgelöst von der Frage nach den Produzenten, nämlich: ob die Beleidigungen denn nun das Erzeugnis echter oder nur gespielter Sexisten seien. Stattdessen: Was lassen wir an solchen Texten zu uns durch, und in wie weit kann man dafür etwa die Betreiber eines Chats für eine Moderations-Funktion in die Pflicht nehmen? Sollte oder darf man Trolle überhaupt ignorieren, wäre das nicht gegenüber schwächeren Opfern ein ethisch verantwortungsloses Wegsehen? Kann man von Menschen, die persönliche Morddrohungen von Stalkern erhalten, einfordern, all sowas als virtuelle Spielerei abzutun und souverän darüber hinweg zu sehen?
Besonders interessant verdichtet der “Nrrrrdz”-Podcast zur re:publica (ab Minute 48) die Debatte: Die Möglichkeit, allem aus dem Weg zu gehen, was einen verletzt, ist ungleich verteilt. Wer einer Verletzung nicht aus dem Weg gehen kann, braucht ein Recht, sich verletzt zu fühlen und dementsprechend zu reagieren. Ignoranz ist etwas, das man sich leisten können muss; eine Ressource, die vor allem jenen Privilegierten zur Verfügung steht, die sich nicht sorgen müssen, was ihre Umwelt über sie denkt, da ihnen die Umwelt wenig anhaben kann.
In der Realität ist oft unklar, wie gefährlich uns eine Äußerung werden kann oder nicht. Es ist ratsam, einen Text ernstzunehmen, so lange hinter ihm viel reale Kraft stehen muss, damit er es durch den Geburtskanal schafft. Entsteht er dagegen, wie mehr und mehr in der Netz-Bibliothek von Babel der Fall, aus permutativer Zwangsläufigkeit, aus spielerischer Beliebigkeit, als Provokation ohne Konsequenz: dann braucht man ihn nicht ohne Weiteres ernst zu nehmen.
Derzeit befinden wir uns in einem Graubereich zwischen diesen beiden Zuständen; daraus resultiert Unsicherheit. Nicht jeder lebt und denkt postmodern: Manche Drohung kann ernstgemeint sein, manche Hetze kann reale Diskriminierung reproduzieren, mancher mag Unwahrheit oder Propaganda unkritisch aufsaugen. Kann man im Namen der Vorsicht und jener, die gegenüber solchen Eventualitäten verletzlich sind, nicht ganz legitim ein bisschen Verantwortlichkeit und Sensibilität in der Textproduktion, ein paar akzeptierte Wahrheiten und Tabus verlangen?
Der Trend aber zur Bibliothek von Babel erscheint nicht nur anhaltend, sondern auch wünschenswert. Gerade die Abwesenheit von Flaschenhälsen, Bremsen, Unantastbarkeiten und Verboten ist die Freiheit, durch die sich im Netz eine Text-, Wissens-, Intelligenz- und Kommunikations-Explosion ohne Gleichen in der Menschheitsgeschichte vollzieht. Wenn wir diese Entwicklung beibehalten wollen, müssen wir lernen, mit der zugrundeliegenden Freiheit klar zu kommen, ohne sie abzubauen. Eine Eigenverantwortung der “ans Internet angeschlossenen” Menschen zum Ignorieren kann sich so als eine Notwendigkeit erweisen.
Wird jemandem eine Verantwortung aufgebürdet, braucht er aber Mittel und Möglichkeiten, um sie auszufüllen. Sascha Lobo beispielsweise scheint solche zu besitzen: Er hielt auf der re:publica einen Vortrag darüber, wie er souverän Troll-Stürme bis zur wahnwitzigsten Morddrohung übersteht und erfüllte damit einen notwendigen Bildungsauftrag.
In gewissem Maß ist das Ignorieren eine Medienkompetenz, die man lernen und lehren kann. So lange die Bibliothek von Babel in all ihren Besonderheiten wächst, wird das Bedürfnis nach dem Erlernen dieser Medienkompetenz steigen. Gleichzeitig aber ist die Freiheit, zu ignorieren, ungleich und oft unzureichend verteilt: Den Stärkeren scheint sie eher zur Verfügung zu stehen als den Schwächeren. Dieses Ungleichgewicht ist eine ungelöste Aufgabe und wird es wohl noch lange bleiben. Aber wir können wohl festhalten: Wenn wir Ignoranz als eine Ressource betrachten und fördern, dann wird es auch solidarisch wünschenswert, für ihre gleichmäßige Verteilung zu sorgen.




“[Der Chattext] war das bloße Ausatmen einer zufällig anwesenden Provokations-…”…
[Der Chattext] war das bloße Ausatmen einer zufällig anwesenden Provokations-Maschine, deren Ausstoß sich automatisch auf das herunterfiltert, was in einer gegebenen Atmosphäre als Angriff empfunden wird. Erst das Empfinden derer, die sich betroffen fü…
Wie könnte eine solidarische Verteilung von Irgnoranzressourcen aussehen. Sind Internetsperren eine verallgemeinerte Irgnoranzressource? Aber wenn Ignoranz doch eine Kulturtechnik oder wie du sagst: “Medienkompetenz” ist, so ist sie doch erlernbar, oder nicht? Ich finde, da ist noch einiges im Widerspruch.
Auch wenn es immer sperrig und bemüht klingt; wir müssen fragen, wie das aussieht: eine Ethik, eine Solidarität und eine Politik der Ignoranz.
Nee, nee – Trolle sind wirklich so. Das Trolltum ist Teil ihrer Persönlichkeit, wie krank auch immer … Provokation ist ihnen ein Mittel, die eigene innere Sau mal vor die Tür zu lassen. Und das, was sie schreiben, würden sie schon gern tun, sie trauen sich nur nicht. Von diesen Maulhelden zu unterscheiden ist der gewöhnliche Spam – resp. die kommerzielle Linkhurerei. Bei Trollbefall bleibt Löschen das probateste Mittel – oder aber ihnen den stinkenden Mund mit Ata auszuscheuern. Je nach Veranlagung. Mit Borges’ Bibliothek aber hat das meines Erachtens nichts zu tun …
[...] Heller vergleicht auf Carta das Internet mit dem Bild, das Jorge Luis Borges 1941 in seiner Erzählung “Die Bibliothek [...]
Das ist, vor allem in dieser Pauschalität, Blödsinn. Zum Einstieg empfehle ich: http://www.nytimes.com/2008/08/03/magazine/03trolls-t.html?_r=3&pagewanted=all
In “Der Troll im Netz” stellt Wolfgang Michal fest:
Dieses Reservat gibt es mit oben genanntem Forum (und im IRC), daher sollten die Trolle bitte auch dort bleiben und den Rest des Netz-Volkes, die ja nicht mehr an sie gewohnt sind und sie daher schwer einordnen können, nicht behelligen…
Trotzdem müssen wir uns Gedanken machen, wie man Ignoranz in solchen Fällen besser durchhält, denn Nicht-Reagieren könnte wiederum einen falschen Eindruck vermitteln (in dem Fall dann denen, die Ignoranz auch noch nicht “gelernt” haben).
Links zum Kontrollverlust II…
Ich unterbreche nur ungern die Reihe " Managing CTRL-Verlust ", aber für eine wichtige…
Ich finde Trolle gut. Wie Orang-Utans, die neuerdings in Schokoriegeln verarbeitet sind, beweist ihre Existenz, dass das Ökosystem des Netzes noch intakt ist und nicht von Konzernen wie Facebook und staatlichen Eingriffen komplett zubetoniert ist.
Bei dem Thema kann man sich böse im Kreis drehen. Die Ignoranz ist jedenfalls Segen und Fluch gleichzeitg. Ohne Ignoranz reibt man sich schon in der Straßenbahn seelisch auf. Andererseits ist kein vernünftiger Diskurs mehr möglich, wenn sich nur noch Ignoranten gegenüber stehen – darauf hat ja gestern Bazon Brock hingesteuert, der sinngemäß sagte, im Internet wird wie verrückt geschrieben, aber eine entsprechend intensive Lektüre und offene Auseinandersetzung mit den Texten, sozusagen das “Zuhören”, wäre da quasi “tot”. Mit meinen Worten: Das Kommunikationsmodell “kunstwissenschaftliches Oberseminar” geht da gar nicht – und der Grund ist diese Mixtur aus Aufmerksamkeitsdefizit-Syndromen und grassierender Ignoranz.
Die Trolle sind dabei gar nicht das Problem, finde ich. Die sind selbst die konsequentesten Ignoranten und als solche prima erkennbar – so wie man in der Kneipe die Betrunkenen sofort erkennt. Man kann sich dazugesellen oder Abstand halten. Soll jeder halten wie er will. Gefährdet ist da höchstens der gute Geschmack.
Das Problem sind aber nicht die Trolle, sondern wir “Normal-Ignoranten”. Ich sage “wir”, weil sich da keiner ausnehmen kann, selbst die Vielleser und Rundum-Informierten nicht. Wir sind sowieso alle mehr oder minder ignorant, also trollig. Man kann es sich ja nirgendwo besser als im Netz so einrichten, dass man nicht mitkriegt, was man mitkriegen sollte. Und nicht sieht, was deutlich zu sehen ist. Jeder eingeschränkte Blickwinkel darf sich da für allwissend wie Gott halten. Hat mspro nicht mal von der “distribuierten Realität” gesprochen? Das wäre ja eigentlich noch etwas Nettes – wie in einer Bibliothek gäbe es verschiedene Fachbereiche, die haben zwar miteinander wenig zu tun, aber jeder für sich ist halbwegs in Ordnung, realitätshaltig und tendenziell geistig komplett. So läufts aber nicht.
Die psychologische Forschung bringt zur “kognitiven Dissonanz” immer wieder die unglaublichsten empirischen Phänomene ans Licht: “Still a man hears what he wants to hear and disregards the rest.” Genau diese Form der Ignoranz kann sich im Netz richtig austoben, weil man – wie du richtig sagst – für jeden Blödsinn via Google jemanden findet, der mir meine ignoranten Wahnvorstellungen doppelt und dreifach bestätigt. Die Welt als Wille und Vorstellung…
Es wäre doch schade, wenn dann die ganze Gesellschaft wundervoll verlinkt ist, dabei aber letztlich nichts herauskommt als eine riesige Blase an Blödsinn.
Gut, so schlimm ist es nicht. Ich möchte auf die Dialektik hinweisen. Es geht gerade auf indivueller Ebene nicht ohne “Wegklicken”. Für den im Netz stattfindenden gesamtgesellschaftlichen Diskurs und dem, was Kruse gesellschaftliches Selbstbewusstsein nennt, wäre weniger Ignoranz und mehr offene Hirnanwendung allerdings die Utopie (mit vernünftigen Grüßen von Habermas, könnte ich noch anfügen).
Sehr geehrter Christian Heller
Ein nicht so guter Text!
Warum?
Sie ,Herr Christian Heller, unterschlagen den Mitleser das es zwei Typen von Ignoranz gibt!
Die “natürliche Ignoranz” und “die gespielte Ignoranz”(die gespielte Ignoranz = wissen).
(das ist so wie mit der Information\Desinformation – auch die Desinformation ist eine Information)
Will sagen, die Menschen betrachten zwar die Welt dualistisch, kennen ABER unterschiedliche Bewertungsebenen!
Beispiel anhand des Beitrag “Das Potemkinsche Wahl-Web” Autor: Mario Sixtus :
Herr Mario Sixtus analysiert die Web-seiten der Parteien und kommt zum Schluß das die Politiker Dialog emulieren.
[Emulation kann sich auch auf Gerätschaft beziehen oder auf Phänomene, etwa aus der Biologie, Geologie oder Volkswirtschaftslehre, deren Verhalten durch Software oder Maschinen nachgebildet wird.] Quelle: Wiki
Nun, Wir, die Roboter, waren am Wochenende auf Tour und haben mit dem Geschäftsführer der Bündnis90\Die Grünen gesprochen.
Während des Gesprächs (oder sollten Wir lieber “Gebrülle” sagen?) eröffnete der Geschäftsführer das eine Parteispende von der “Allianz Versicherungsgruppe” in höhe von 60000 € eingegangen ist!
Wir fragten Uns wie die Bündnis90\Die Grünen im Sommer\Herbst stimmen werden WENN die Versicherungen um Staatshilfe bitten ?
Keine Antwort! (Ignoranz?)
Diese kleine robotische Anekdote soll belegen das die Webpräsenz DER\DIE\DAS Politiker\Parteien nur so gut oder so schlecht ist wie das Original.(Mensch)
Worst case scenarios der Ignoranz:
Klimawandel gibt es nicht! Arbeitslosenzahl sinkt in einer Weltwirtschaftskrise! Neue Handys und Computer für Afrika (3.Welt) ! nur um ein paar zu nennen.
Nein, Herr Christian Heller “Ignoranz” ist die schlechteste Haltung um mit Problemen in der Gesellschaft um zu gehen!
MfG
Roboter kann man nicht füttern!
Roboter essen nicht!
Stellen Sie sich ein Netz der Zukunft vor, wie beschrieben, in dem es jegliche Art von Inhalten gibt. Die heutigen Suchmaschinen “suchen” auf Anfrage nach diesen Inhalten. Immer wieder stoßen sie bei ihrer Suche auf unerwünschte Werbung, auf besagtes “Trollgehabe” in Foren und Blogs usw. Wäre es nicht viel einfach gar keine Suche durchzuführen sondern (jetzt muss ich improvisieren, da es “noch” keinen Namen dafür gibt) eine “Ausblendung” aller irrelevanten Ergebnisse der nicht durchgeführten “Suche”?
Stimme hier @Android zu.
Das war, ohne den Beitrag sonst bewerten zu wollen, auch mein erster Gedanke. Ignoranz in Konsequenz – nicht in Ausnahmefällen, wo es sicher “gesund” ist – führt eben auch zu schlechten, also ignoranten, Ergebnissen.
Ein schönes Gegenbeispiel ist dies, welches ich gerade in der Zeit gelesen habe. Manchmal muss man auch aktiv dagegensteuern, unbedingt, und Haltung zeigen. Das Beispiel zeigt sehr eindrucksvoll, wie ich finde, dass es sich lohnt, zum Wohle aller!
http://www.zeit.de/2010/18/Rettung-Leutheusser-Schnarrenberger
Wie wäre es einfach mit ‘Jedes zu seiner Zeit’… ?
Aber ernsthaft.
Christian hat eine Verhaltensmöglichkeit zwischen höchster Empörung und grinsender Anerkennung aufgezeigt, die sich wunderbar als Denkansatz im Hinblick auf eine sachlicher geführte Debatte eignet.
@Vera
Will sagen: Die bisherigen Beiträge waren nicht sachlich?
Verstehe ich jetzt gerade nicht.
Wie weit kann Ignoranz denn gehen? Dass ich mir meine kleine heile Welt im Web zusammenklicke und nicht mehr vor die Tür gehe, weil sich die Trolle schon im echten Leben breit gemacht haben? Trolle haben – zum größten Teil – sicherlich keinen ernsthaften Hintergrund außer zu stören und Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenn sie sich aber zusammenrotten und aktionistisch lohnende Ziele angreifen, wie im Text beschrieben, macht mir das schon Angst.
Es gibt keine Staaten mit verschlossenen Grenzen im Internet. Darum kann eine Ignoranz, das Ausblenden von Unerwünschtem, nur bis zu einer gewissen Grenze gehen. Die Auseinandersetzung mit Trollen bleibt dem Internetnutzer kaum erspart, wenn er aktiv teilnehmen will. Wir können also nur solange nach außen ignorieren, wie gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Das hat sicher auch seine Wirkung auf die Trolle, die ihr Ziel, Aufmerksamkeit, dann nicht erreichen. Diese Grenzen, an denen das Trollverhalten echten Schaden anrichtet, müssen immer wieder neu definiert werden, genauso wie die Reaktion darauf.
@Sandra, Trolle sind vereinzelnd vielleicht ganz niedlich, wenn sie aber in Reservate gesperrt werden, ist es wie Benzin auf’s Feuer zu gießen. Ich denke nicht, dass sich das gegenseitige Aufschaukeln, wie es im Artikel beschrieben ist, großartig anders verhält wie die Bldung von extremistischen Gruppen in der Vergangenheit. Dabei spielt es auch keine Rolle, auf welchem Niveau getrollt wird.
@Brett, klar sind sie prima erkennbar. Aber was nützt das, wenn man nicht die Kompetenz hat, sie zu ignorieren? Diese Fähigkeit ist nicht einfach zu erwerben. Vielleicht wird sie einmal ganz selbstverständlich sein, aber das ist heute sicher nicht der Fall. So ziehen die Trolle immer wieder neue Opfer mit in ihren Sog.
Ich stimme dir jedoch zu, dass sich nicht jede unschöne Eigenschaft eines Internetlers als Troll manifestiert. Insofern ist es auch ein allgemeines Problem, mit der Bibliothek von Babel umzugehen. Es wird immer Menschen geben, die sich ihre Nischen schaffen und schon Kritik als trollen bewerten, während sie (wir) in ihrer (unserer) multiplen Bestätigung schwelgen.
Auch wenn viele von uns sich größtenteils in ihrem eigenen Sprachraum bewegen, bleiben da noch die Unterschiede in Kultur, Empfinden und auch den interlektuellen und technischen Ressourcen der Regionen auf unsere Erde. Die “Bibliothek von Babel” ist international. Genau deswegen – wir steuern darauf zu – existieren bzw. entstehen Beleidigungen, Beschimpfungen und Herabsetzungen “… milliardenfach anderswo in der Bibliothek weiter [existieren], unterschieden im Einzelnen vielleicht nur durch ein verschobenes Komma oder einen verdoppelten Buchstaben.”
Antworten habe ich derzeit keine. Verbieten? Löschen? Sperren? Anonymität aufheben? Oder alles so laufen lassen?
[...] (C. Stöcker und K. Lischka, SpOn) # Über Abmahnungen (Stefan Niggemeier) # Die Ressource Ignoranz (Christian Heller, carta) # Das Recht der Schwächeren im Internet (Dirk Heckmann, Legal [...]
Danke Christian,
einer der besten Artikel die ich dieses Jahr gelesen habe! Er wird mich sicher noch eine Weile beschäftigen.
[...] Heller hat drüben bei Carta einen lesenswerten Text mit vielen Denkanstößen geschrieben, der sich mit Trollen und der Ignoranz als zentrale [...]
[...] Die Ressource Ignoranz — CARTA – (Tags: relevanzdiskussion Troll filter ) [...]
Ich lachte Bernd.
Wird das Thema hier nicht ein wenig überbewertet und pseudointellektuell hochgerockt? Außerdem kann ich nur Tharben/8. Recht geben: Trolle sind wie Punks, nerven im Zweifelsfall, vor allem, wenn man selbst betroffen ist, aber sie verkörpern auch eine Unabhängigkeit, die den ganzen gefacebookten Konformisten völlig abgeht und die für die Zukunft des Netzes noch einmal sehr wichtig werden könnte.
[...] Die Ressource Ignoranz — CARTA Ignoranz dem Shit und den Trollen – aber die Ressource Ignoranz ist ungleich verteilt. Christian Heller aka @plomlompom schreibt über das Internet als die Bibliothek von Babel am Beispiel der Sexismustrollerei auf der re:publica und bezieht sich auf den letzten nrrrdz Podcast. (tags: internet sexismus ungleichheit trolle netzkultur) var a2a_config = a2a_config || {}; a2a_config.linkname="links for 2010-05-05"; a2a_config.linkurl="http://www.iheartdigitallife.de/links-for-2010-05-05/"; [...]
Ein schöner Beitrag. Ich habe aber zweieinhalb Fragen:
Du schreibst: “Dabei haben wir uns vom Prinzip der Auswahl nicht verabschiedet. Wir haben nur seinen Angriffspunkt verschoben: Das Nadelöhr der Auswahl ist nicht mehr der Entstehung und Veröffentlichung vorgeschaltet, sondern der Lektüre. Wir Leser selbst lernen Sortieren, Bewerten, Filtern.”
In der Tat: Wir alle finden die Freiheit wunderbar, im Netz (fast) alles finden zu dürfen. Dennoch bedienen wir uns im Netz doch auch zahlreicher “Auswähler” (oder gar Gatekeeper?!): (Autoren)Blogs, Rivva (mittlerweile redaktionell betreut) oder regelmäßige Linktipps auf bildblog.de o.a. machen uns eine Auswahl leicht. Wir folgen zudem neben unseren Lieblingsblogs, spannenden Twitter-Linkschleudern und lesen statt etlichen Feuilletons lieber den “Perlentaucher.de”.
Die Auswahl findet auch weiterhin – und zunehmend – über Gatekeeper statt. Mal sind es derer viele, mal wenige. Das Sytem bleibt aber tendenziell ähnlich.
Zudem: Was ist neu an diesem Leseverhalten? Selbst wenn wir einen RSS-Feed abonnieren – lesen wir diesen dann wirklich anders als eine Tageszeitung, wo wir den Sportteil überblättern, den einen Artikel nach dem Lesen des Fetteinlaufs links liegen lassen, dann aber wieder unbeirrt unsere Lieblingskommentatorin verschlingen, weil ihr Name für pointierte Beiträge steht?
Meine zweite Frage lässt sich knapper fassen:
“Gleichzeitig aber ist die Freiheit, zu ignorieren, ungleich und oft unzureichend verteilt: Den Stärkeren scheint sie eher zur Verfügung zu stehen als den Schwächeren.”
Mich irritiert diese Zuschreibung und Zweiteilung. Was soll das genau bedeuten? Wer ist stark, und wer ist schwach? Ist diese eine Unterscheidung in allein kultureller Hinsicht? Dann irritiert mich der Begriff noch mehr. Oder gar in sozialer?
@Aufmerksamkeit
Ich glaubte verstanden zu haben, daß der Artikel sich auf die Debatte nach der re:publica bezieht, die in Teile äußerst emotional geführt wurde.
[...] Heller hat auf CARTA einen sehr spannenden Beitrag zu Ignoranz im Netz geschrieben, der sich inhaltlich zu meinem Post untendrunter anschließt und mspro fragt daraufhin, [...]
Sehr sehr spannender Text danke! Aber.
–Um cognitive bias und sich selbst erfüllende Lektüre auszuhebeln, ist Ignoranz wie du sie beschreibst -iSv einer kultur des Nichtwahrnehmens- wohl eher ungeeignet; außer es ist die Ignoranz in Bezug auf die eigenen! Befindlichkeiten gemeint, Rawls Schleier usw. Ob uns dieser Schleier nun befähigen würde, einen Zustand einzunehmen in dem wir gar nicht mehr wissen können / wollen, ob wir Troll oder Getrollte sind, ist natürlich ne rein philosophische Frage. Insofern @jokahl ists vielleicht pseudointellektuell hochgerockt aber so ohne unerreichbare philosophische Ideale lässt sich eben auch nicht viel rocken…
–Ganz unphilosophisch-praktisch bin ich nur froh, dass ich dies getrollte Panel nicht live miterlebt habe, fand die Sprüche, die im Blognachklapp zutage traten, schon eklich genug. Und dann nur zu sagen, ja lasst sie doch die armen kleinen Berndwürstchen, die wollen doch nur spielen, beim Scheisssturm gehts doch gar nicht um die Inhalte, selbst schuld, wer sich davon provozieren lässt (mhh, frauen?) etc etc…. reicht mMn einfach nicht. Auch gegen inhaltsleere kann man eine Haltung einnehmen, und meine ist in diesem Fall einfach: igitt.
[...] Die Ressource Ignoranz — CARTA Ignoranz dem Shit und den Trollen – aber die Ressource Ignoranz ist ungleich verteilt. Christian Heller aka @plomlompom schreibt über das Internet als die Bibliothek von Babel am Beispiel der Sexismustrollerei auf der re:publica und bezieht sich auf den letzten nrrrdz Podcast. (tags: internet sexismus ungleichheit trolle netzkultur) track back for rich media version by referent tags: apparat, borders, controls, cyborgz, d/r/e/constructions, dada, heteronorm, intersections, realfiction, riotz labels: all, projects, rhizom, simulacra, spectacle print [...]
[...] In einem sehr lesenswerten Beitrag von Christian Heller vergleicht er die heutige Informationslandschaft Internet mit der Erzählung „Die Bibliothek von Babel“, in der alles Sinnvolle und Sinnlose in Buchform vereint sein soll. Stimmt diese Annahme, so wird die Ressource Ignoranz immer wichtiger, beispielsweise wenn es um die Provokationen von Kommentar-Trollen geht. [...]
Der Text der Bibliothek zu Babel unterliegt hier einem Irrtum. Derart viele Permutationen erschweren letztlich das Auffinden sinnvoller Texte überhaupt. Ein Text wird ja sinnvoll in Relation zum Kontext seines Erscheinens, zu dem er kontrastiert wird, so dass er Anregungen und Perspektiven bieten kann. Texte beziehen sich fast immer auf ein Außen. Derart viele Permutationen verunmöglichen letztlich das Auffinden einer für Wahrheit und damit Entwicklung dieses Außen.
Zunächst ist erstmal festzustellen: Das Kontrastieren ist immer Arbeit. Wenn Trolle, wie hier gedacht wird, als Erzeuger unbedeutsamer Permutationen gesehen werden sollen, so stören sie doch immer noch eine gute, zielorientierte Perspektiven- und Realitätsproduktion, indem sie unnütze Arbeit erzeugen. Dies wäre ein Problem, dass man ohnehin nicht wegignorieren könnte…
Aber so einfach ist das ohnehin sowieso nicht.
Denn was ist der Kontext, was ist die Kontrastfolie, die Realität vor der ein Text sinnvoll wird, woraus besteht sie? Sie besteht aus allem Erlebten und daher auch Angelesenen eines Lesers. Also auch dem Wissen, das er sich wohl oder übel in eine Trollfalle tapsend zugezogen hat.
Was wäre in diesem Falle die „Ressource Ignoranz“? Das Wegzensieren eigener Erfahrungen. Das notwendige, schon immer auskaschieren des Realitätshintergrundes, mit dem man lebt und denkt und in dem andere leben und denken. Dafür braucht man aber ein starres, abgelöstes Kriterium, eine Ideologie. Nur eine solche Ideologie ist geeignet Trolltexte ohne weiteres auszusperren, im Gegenzug sperrt sie einen aber unweigerlich in ein Weltbild ein. Dabei wird die wichtigste Ressource überhaupt demoliert: intellektuelle Offenheit.
Der Term „Ressource Ignoranz“ ist daher nicht nur ungemein albern oder ärgerlich sondern, wenn man unbedingt will (und um eine weitere Permutation einzuschieben): ideologisch und gefährlich.
Eine Bibliothek von Babel…
QUOTE:Im Jahr 1941 schreibt der argentinische Autor Jorge Luis Borges eine Erzählung mit dem Titel “Die Bibliothek von Babel“. Die darin beschriebene Bibliothek enthält eine unbegrenzte Menge an äußerlich gleichförmigen Büchern. Über diese Bücher verte…
trolle sind der gerechte preis für user generated content. sie sind die kehrseite eines angebots, das dem leser erlaubt, sich _unmittelbar_ zu äußern. wenn man das als chance begreift, muss man sich halt kümmern.
you can’t eat the cake and have it too.
.~.
Hallo Christian,
schöner Text, viele gute Anregungen zum weiter Denken. Einer gefällt mir besonders gut, Dein (immer auf neue wichtigen) Hinweis, dass wir dank Internet die Chance haben die gatekeeper überflüssig zu machen und selbst Autoren unserer text-wahrnehmung zu werden. Mit all den Konsequenzen von freiheit, die oftmals Mühsam und Arbeit bedeutet.
Den knackpunkt in deiner Argumentation sehe ich hier:
“In der Realität ist oft unklar, wie gefährlich uns eine Äußerung werden kann oder nicht. Es ist ratsam, einen Text ernstzunehmen, so lange hinter ihm viel reale Kraft stehen muss, damit er es durch den Geburtskanal schafft.”
Genau das ist der Haken an der Sache. Im Bild, dass Brett zeichnet: ich weiß häufig nicht, ob der pöbelnde Suffkopf in der Kneipe eventuell doch ein Messer bei sich hat, das er ggf. sogar gegen mich einsetzt, wenn ich nicht aufpasse. Und da ist es hilfreich, Kontexte zu kennen und mit anderen Solidarisch zu sein.
Denn: “Allein machen sie dich ein” – wie schon TonSteinScherben wussten ..
Beachtenswerter Beitrag, interessante Diskussion der Netzwelt und seiner Bewohner/innen — “netizen”, “net citizen”. Zur Typologie von Forenbesuchern (Foren als Usenet-Newsgroups, Blogs usw.) und zu Verhaltensmustern möchte ich auch ein — noch nicht historisches — Schmuckstück empfehlen: Scott A. Golder and Judith Donath, “Social Roles in Electronic Communities”, http://web.media.mit.edu/~golder/projects/roles/golder2004.pdf .
In Internet-Foren zeigt sich jedoch auch ein neuer Typus — mehr oder weniger anonym auftretende Agenten, die eine Art Öffentlichkeits- bzw. Lobbyarbeit leisten. Sie sitzen also in Foren und arbeiten für ihre Auftraggeber. Ein Agent versucht manchmal, eine Kritik beschwichtigend abzuwenden, oder pöbelt Mit-Autoren extreme Weise an. Das ist etwas anderes als das Wirken eines “asozialen Elements”, das oft gar nicht versteht was er/sie da im Forum treibt… Sonst ist Öffentlichkeitsarbeit, in diesem Sinne als Medienschau (früher meist Presseschau) und aktive Beteiligung an Diskussionsräumen verstanden, eine legitime Tätigkeit. Da entstehen auch Internet-bezogen neue bzw. ziemlich sichere ;-) Arbeitsplätze…
[...] Heller Die Ressource Ignoranz Ein interessanter Denkanstoß für eine Versachlichung der [...]
[...] Den Bezug dieser zwei Medaillenseiten zum Internet betrachtet Christian Heller auf Carta in seinem sehr lesenswerten Artikel Die Ressource Ignoranz. [...]
[...] bereitstehenden zusätzlichen Werkzeugleiste erst richtig zur Geltung. Und daß man ganz ohne freundlich-ignorante Unterstützung bei der Auswahl in dieser digitalen Bibliothek von Babel verloren wäre, muß doch sowieso jedem einleuchten. Weniger ist [...]
[...] auf solch einem Button wenig Sinn ergibt. Auf Carta hat das Christian Heller lesenswert als die Ressource Ignoranz [...]
[...] Christian Heller: Die Ressource Ignoranz [...]
Danke für all die Antworten, die ich jetzt erst gründlich lese. Ich war die letzte Woche über außer Landes und kam nur eingeschränkt zum Internetzen. Ich picke mir mal einige Antworten zum Be-Antworten heraus :-)
1. ad mspro:
Internetsperren widersprechen der Idee der Ignoranz als einer Ressource, da sie nicht in individueller Wahl einsetzbar, sondern vorgegeben sind; jedenfalls, insoweit sie entweder für eine bestimmte Personengruppe nur schwer zu umgehen sind oder aber ihr Umgehen bestraft würde. Ein Gedankenspiel der folgenden Art wäre aber möglich: Der deutsche Staat (sich mehr als Dienstleister denn als Diktator verstehend) wird zum Internetzugangsanbieter, für deutsche Staatsbürger wählbar als eine unter vielen Alternativen; und als solcher bietet er ein staatlich geprüftes Internet an, vorgefiltert entsprechend seiner Vorstellungen z.B. von deutscher Leitkultur und deutschen Tabus, “böse” Inhalte ausblendend. Man kann also diese deutschstaatliche Vorfilterung beanspruchen, muss es aber nicht. Das De-Netz wäre also ein wählbarers Gatekeeping-Instrument anstatt einer Top-Down-vorgeschriebenen Zensur. Dann würde das auch der Idee von Ignoranz als einer Ressource entsprechen, die sogar vom Staat zur Verfügung gestellt werden kann.
Ignoranz als Medienkompetenz ist eingeschränkt erlernbar, abhängig von ihrer Verfügbarkeit als Ressource. Das ist wie beim Golf-Spielen: Sicher erfüllt jeder mit hinreichender Körperlichkeit einige der Voraussetzungen, um Golf zu lernen. Eine Voraussetzung, die aber in dieser Menge sicher nicht bei allen gegeben ist, ist der Zugang zu Golfplätzen, die (sag ich mal jetzt so, zur Verdeutlichung meines Bildes, ohne ernsthafte Kenntnis der Golfkultur) nur eingeschränkt verfügbar sind und restriktive Zugangsbedingungen haben, die eine bestimmte soziale Klasse begünstigen. Golfspielen wäre also als Technik durchaus jedem erlernbar, aber eingeschränkt durch die Knappheit der Ressource Golfplatz.
2. ad Sandra:
Wir müssen vielleicht auch lernen, ein Nicht-Reagieren anders zu bewerten. Nicht mehr davon auszugehen, zu wissen, aus welcher Informationsmasse jemand seine Auswahl trifft, auf die er reagiert; und deshalb auch es zu unterlassen, diese Auswahl an sich als Statement (z.B.: der ignoriert alle Einwürfe x, weil er anti x ist; der ignoriert alle Einwürfe y, weil er keine Antwort auf y hat) zu bewerten.
3. ad Brett und Android und Anwen:
Wer ignoriert, muss sich natürlich auch bewusst sein, dass er ignoriert. Er darf nicht davon ausgehen, dass die individualisierte Sicht der Welt, die er sich zuschneidet, eine objektive und alles vollständig abbildende ist. Es ist dann Teil der Medienkompetenz, nicht vorschnell aus der eigenen Ignoranz heraus Bereiche normativ zu bewerten, über die man eigentlich wissen sollte, dass man wenig über sie weiß. Vielleicht wäre ja eine Form an Bescheidenheit im Normativen und Bewerten das Tausch-Objekt, um die Ressource Ignoranz verkauft zu bekommen.
4. ad Carsten H.:
Das ist einfach eine Frage der Suchanfragenformulierung. Ich suche nicht nur nach allen Ergebnissen mit x, sondern nach allen Ergebnissen mit x abzüglich y und z. Gute Suchmaschinen sind also immer auch schon Ausblende-Maschinen.
5. ad Harald:
“Diese Grenzen, an denen das Trollverhalten echten Schaden anrichtet”, die sind meines Erachtens Teil des Problems, dass wir in der Grauzone sind zwischen Text, der nur durch Sinn entsteht und nur als solcher verstanden werden kann, und der aus Beliebigkeit stammenden und in Beliebigkeit zielenden Bibliothek von Babel; und dass es also Unkenntnis und Uneinigkeit darüber gibt, ob ein gegebener Text ernstgenommen werden sollte oder nicht. Der Schaden aus einer Unwahrheit etwa könnte dadurch entstehen, dass sie von manchen ernstgenommen wird. Und wie du feststellst, diese Grenzen “müssen immer wieder neu definiert werden, genauso wie die Reaktion darauf.” So lange also alles noch nicht ganz so clear-cut ist, ist Ignoranz sicher auch nicht immer die valide Option, mit der Situation umzugehen. Der Trend hin zur Bibliothek von Babel bedeutet meines Erachtens aber, dass die Bedeutung der Ignoranz als Option ansteigt. Aber ja, im Moment kommen wir wohl doch noch nicht daran vorbei, im Einzelfall abzuwägen und genauer hinzuschauen, um zu entscheiden, ob ein Ignorieren hier eine gute oder eine schlechte Wahl ist.
6. ad Daniel Leisegang:
Ja, in gewisser Weise gibt es nach wie vor Gatekeeper. Sie sind unserem Zugang zu Text oder dessen Erzeugung aber nicht mehr als notwendige Bedingung vorgeschaltet; sie werden von uns selbst ausgewählt, als Dienstleister, als Instrument. Sie bestimmen unseren Informationszufluss nur noch soweit, soweit wir sie uns als Ignorier-Agent engagiert haben. Faktisch ist der Umbruch von der einen Situation zur anderen natürlich nicht so radikal, dass er sich von Schwarz zu Weiß wie von einer Sekunde auf die nächste abspielt; aber er ist eine fortschreitende Verlagerung der Gewichtung bzw. der Filter-Position.
“Stärkere” vs. “Schwächere” ist eine sehr vage Umschreibung, ja. Es gibt in vielen Situationen Menschen mit unterschiedlich starkem Ignorier-Vermögen. Ob ich einer Drohung zum Beispiel schulterzuckend den Rücken zuwenden kann, hängt davon ab, inwieweit und mit welcher Leichtigkeit ich in der Lage wäre, eine reale Gefahr abzuwehren, die hinter ihr stehen könnte. Bin ich superreich und habe ein gewaltiges Anwälte-Arsenal, kann ich jede Mahnung und jede Abmahnung in meinem Briefkasten lachend in den Papierkorb werfen und die wenigen Fälle, wo das Drohpotential dahinter stärker wird (und sich die Farbe der Briefe zu ändern beginnt), dann immer noch von den mir zur Verfügung stehenden Mitteln ohne exponentiell größeren Aufwand für mich abwehren; ich spare mir dann im Endergebnis eher Stress als ihn zu erzeugen, weil ich mir um den Großteil der Drohungen von Anfang an keine Sorgen machen muss. Bin ich dagegen knapp bei Kasse, ohne Rechtsschutzversicherung und leicht angreifbar, muss ich auch jeder Drohung dieser Art Gehör schenken, denn jede potentielle Gefahr ist eine potentiell existenzvernichtende für mich. Im ersten Fall kann ich mir aufgrund meiner Stärke eher Ignoranz leisten als aufgrund meiner Schwäche im zweiten.
7. ad Noel:
Du siehst also als Quelle fürs Ignorier-Vermögen nur ein absolutes Bekenntnis zu einer harten, exklusiven Ideologie? Ich glaube, man kann intellektuelle Offenheit behalten, indem man Ignorier-Vorlagen (meinetwegen: Ignorier-Ideologien) nicht als neuen Gatekeeper-Diktator sich absolut vorschaltet, sondern sich ihrer als eines Instrumentes bewusst bleibt, das man auch immer mal wieder probeweise wechseln oder ausschalten kann und sogar muss, um sich nicht in Sackgassen zu manövrieren. Es gibt kein vorurteilsfreies Denken; wichtig ist aber, sich nicht von einem bestimmten Vorurteil allzu abhängig zu machen. (Alles in Maßen.)
8. ad Moritz:
?
ad Moritz:
Sorry für das Fragezeichen unter deinem Namen im letzten Kommentar, habe diesen zu schnell aus meinem Editor ins Kommentar-Feld gepasted :-) Im Wesentlichen sollte da auch nur “Ack” stehen bzw. die selbe Antwort wie 5. ad Harald.
[...] Die Ressource Ignoranz — CARTA Ignoranz dem Shit und den Trollen – aber die Ressource Ignoranz ist ungleich verteilt. Christian Heller aka @plomlompom schreibt über das Internet als die Bibliothek von Babel am Beispiel der Sexismustrollerei auf der re:publica und bezieht sich auf den letzten nrrrdz Podcast. (tags: internet sexismus ungleichheit trolle netzkultur) [...]
Vorschläge zu einer Politik der herrschaftsfreien Kommunikation…
Nachdem ich im Zuge der Reihe "managing CTRL-Verlust" den aus der Netzsperrendiskussion (Teil…
[...] und ich betreibe kein Bildbrett. plomlompom macht sich auf CARTA weitere Gedanken zum Thema: Die Ressource Ignoranz. erlehmann 21. April 2010, [...]
Hallo Christian,
danke für Deine gute Rückmeldung. Ist genau die Frage, wie sich ignoranz als Option entwickelt im sich veränderenden Kommuniaktionsgebaren der modernen Gesellschaft. Die besagte Grenze wird immer “beta” sein.
Grüße Moritz
[Der Klügere gibt nach... und der Unmensch nutzt es aus...] Den Thread verfolgte ich weiter, mich fragend, ob die Ignoranz oder die Ignoration (Ignorierung usw.) zur Debatte steht. Es geht also um Ignoration, während Ignoranz in erweitertem Sinne oft genau darauf abzielt. “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß” ist oft eine Ignorations-Strategie.
Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, doch bereits vom Homo Erectus an, so kann man daraus Vielerlei lernen, man muß ja nicht auf jede Provokation reagieren. Viele Generäle haben eine Schlacht verloren, weil sie dem Gegner auf den Leim gegangen sind und sich von ihm steuern ließen… Der Ritter des Mittelalters mußte den Handschuh aufheben und sich dem Zweikampf stellen, das war er seiner Ehre schuldig, während die (Un-)Sitte bis in die späte bürgerliche Gesellschaft überlebt hat (auch Mitterand hat sich mal duelliert). Aber einen Handschuh kann man ja auch zertreten…
Die globale Verbreitung der Massenmedien stellte eine neue Dimension dar. Kann oder muß man auf alles reagieren, was z.B. auf der anderen Seite der Erde verzapft wird? Gilt der Postversand eines Handschuhs?! ;-) Viele VIPs (Very Important Person) greifen zur ULK-Waffe — UnterLassungsKlage, es wäre aber eine düstere Zukunft, wo alle Gerichte einen ULK-Senat einrichten…
Die allerneueste Dimension stellt, sicherlich, das Internet bzw. Web-2.0 dar. Das potenziert alle Möglichkeiten des Bösen… Etwas militärisch formuliert: Ein neues Schlachtfeld ist entstanden und hier muß jede/r die neue Taktik bzw. Strategie erlernen. Etwas zu ignorieren und danach ggf. austeilen, muß in der Neuzeit angepaßt anlernen. Ignoration ist nicht eine Ressource im eigentlichen Sinne des Wortes, man spricht von Intelligence Quotient oder Emotion Quotient, so müßte man m.E. auch an Ignoration Quotient denken. (Ich habe mir ein bißchen Theorie, aber nicht die Ausstellung von Rezepten vorgenommen.)
Danke für die Antwort. Ist mir aber ein klein wenig zu “moralisch” – hinter “sollte” und “müsste” stand noch nie Etwas Erreichbares, wenn es die ganze Menschheit betrifft.
Vielleicht ist es aber im Netzt auch sowieso anders als im wirklichen Leben, weil wir hier ja nicht allein sind.
Die “Bibliothek zu Babel” hat ja im Netz auch eine babelsche Leserschaft: Alles, was irgendwo irgendjemand schreibt, wird früher oder später auch von irgend jemand anderem wahrgenommen und bewertet.
Dadurch wird das Zusammenspiel von Wahrnehmen und Wegsehen zu einer Gruppenaktion, die zu beiden Seiten hin Schwerpunkte setzt: Bestimmte “wertvolle” Beiträge rücken ins Licht, vieles wertlose rückt kontinuierlich tiefer in den Schatten. Und manches, das zu unrecht im Schatten ein vernachlässigtes Dasein fristet, wird vielleicht doch irgendwann entdeckt? Vielleicht kann man also einfach auf die automatische Arbeit des wirren, vielgestaltigen Kollektivs vertrauen? Z.B. bei Twitter läuft ein typischer automatischer Filterprozess ab: Von den vielen Infos, die man sich täglich reinzieht, gibt jeder nur einen Bruchteil als interessant weiter, während er den Großteil nicht ignoriert, aber auch nicht ins hellere Licht rückt. Dabei nutzt jeder selbst wieder gefilterte Links von anderen … d.h. ich nutze immer extern vorgeschaltete Filter, bevor ich meinen eigenen Filter aktiviere. Letztlich ist das ganze ein Subtraktionsverfahren – beim einzelnen Menschen bleibt immer nur wenig vom Gesamtkosmos hängen. Aber zusammen ist der Kosmos groß und ultra-differenziert.
Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden ist immer die entscheidende Weggabelung. Die Division von “wichtig” und “nicht wichtig”, “nowendig” und “nicht notwendig” ist einer der hilfreichsten Intelligenzfunktionen überhaupt, oft noch wichtiger als Logik.
[...] Schlagzeilen von gestern anschreien. Eigentlich ist es das Gegenteil einer Informationsflut: Ignorieren war noch nie einfacher. Ich frage mich manchmal, ob hier nicht der tiefere Grund für die [...]
Nachtrag zum Alltag und damit zur Vernichtungskraft Ignoranz: http://adflash.eu/2010/05/schau-weg/
Ist – wie meistens – das gleiche Problem mit den hoch angesiedelten abstrakten Begriffen: Sie umgreifen so viele Erscheinungen, dass sie innerhalb von komprimierten Kontexten sinnvoll sind. Deine “Ressource Ignoranz” ist in deinem gewählten Kontext ganz okay, “im Allgemeinen” kommt man da mit aber schnell dem verwirrten Denken nahe.
Plattformneutralität, Gender und die verdammte der Realität…
Das letzte Wochende habe ich auf der SIGINT verbracht, einer großartigen Konferenz des Chaos Computer…
[...] das [...]
[...] einfach löschen kann, binden sie Energie, es müssen Umgangsweisen, Abwehrmechanismen und Ignoranz entwickelt werden. Zwar gibt es inzwischen auch kreative Ansätze, mit den Kommentaren offensiv [...]
[...] einfach löschen kann, binden sie Energie, es müssen Umgangsweisen, Abwehrmechanismen und Ignoranz entwickelt werden. Zwar gibt es inzwischen auch kreative Ansätze, mit den Kommentaren offensiv [...]
[...] auch, in der jede zukünftige und denkbare Maschine als Möglichkeit bereits enthalten ist. Eine Maschine von Babel also. Eine Maschine, deren Möglichkeitsfeld die Gesamtheit dessen ist, was sich informationell [...]