szmtag
Christoph Kappes

Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets?

Christoph Kappes | 62 Kommentar(e)


Die Zentralisierungstendenzen des Netzes zeigen sich bei Facebook besonders eindrucksvoll. Was ist das Unternehmen Facebook? Welche Stellung strebt es innerhalb seines Ökosystems an? Welche Vor- und Nachteile bietet diese geschlossene Kommunikationswelt den Nutzern wie den Partnerunternehmen? Kurz: Was ist der “Deal Facebook” – und warum lehne ich ihn ab?

28.04.2010 | 

Die auf der f8-Konferenz von Facebook verkündeten Neuerungen haben zu einer Welle von Äuße­rungen geführt (guter Einstieg bei Facebook selbst) und z.B. bei netzwertig und in der U.S.-Fachpresse. Diese Neuerungen – Details werden hier vorausgesetzt – sind wichtige und gute konzeptionelle Schritte für Facebook und wohl auch für die „nächste Generation Internet“. Trotzdem: Nachdem es bereits etliche diskussionswürdige Themen gibt, geht mir Facebook nun zu weit. Ich habe daher mein Facebook-Konto deaktiviert.

Der Auslöser für mich ist der Umgang mit Nutzerdaten – dies aber auch vor dem Hintergrund meiner persönlichen Vorstellungen darüber, wie erstens ein „fairer Deal“ mit Nutzerdaten aussehen sollte und wie sich die Plattform anschickt, zunehmend die Kontrolle über die Daten sozialer Beziehungen zu gewinnen.

Doch von vorne: Was ist das Unternehmen Facebook, welche Stellung strebt es an, was ist daran kritisch und warum bringt mich der Daten­schutz-Komplex dazu, mein Facebook-Konto zu deaktivieren?

Inhalt:

→ A: Facebook – Wachstum auf Steroiden

→ B: Facebook – Ein Unternehmen unter Druck

→ C: Der Protest gegen Facebook

→ D: Facebook – Nummer vier im Krieg der Giganten

→ E: Facebook – die Spinne im Web oder: das neue AOL?

→ F: Der Anlass – Datenschutz und Privatsphäre

→ G: Zusammenfassung

…..

A: Facebook – Wachstum auf Steroiden

…..
Auf den ersten Blick ist Facebook einer unter mehreren Internet-Giganten. Facebook hatte Ende März gut 9,3 Millionen Unique User in Deutschland (anders Netzökonom). Das sind etwas mehr als ein Viertel der Nutzer von google.de, rund 20% weniger als Yahoo und ungefähr das Niveau von MSN oder GMX. Die Facebook-Nutzerzahlen sind also hoch, der Ein­druck relativiert sich aber in Vergleich zu anderen Internetangeboten in Deutschland. Derartige Ver­gleiche nach Unique Usern sind recht valide, dennoch sollte man diese nicht mit der Anzahl regis­trierter Nutzer verwechseln, denn Unique User sind ein technischer Messwert, der aus mehr oder weniger repräsentativen Panels hochgerechnet wird. Aufgrund von Doppelmessungen, z.B. aufgrund von mobilen Endgeräten, und nicht zuordenbaren IP-Adressen ist die tatsächliche Anzahl von Nut­zern vermutlich um mindestens 10% niedriger als die gemeinhin verbreitete Nutzerzahl. Nur Face­book kennt sie genau.

Trotzdem gibt es viele Gründe zu der Annahme, dass Facebook auf dem Weg zur „Nummer 1“ ist:

Das Wachstum von Facebook ist rasant. Nach den konservativen unter den externen Hochrechnun­gen wächst Facebook in Deutschland monatlich um mindestens 500.000 Unique User. Nach dem Autor vorliegenden Analysen betragen die Unique User Ende Januar 7.783.356, Ende Februar 8.153.324 und Ende März 9.388.632, d.h. das durchschnittliche monatliche Wachstum beträgt sogar rund 800.000 Unique User (Hochrechnung aus repräsentativem Panel, ohne Corporate Intranets, ohne facebook.de., was getrennt gemessen mit 200.000 Unique User zu Buche schlägt). Wie viele User wird Facebook in Deutschland erreichen? Es ist nicht abzusehen, wann dieses Wachstum verflacht oder ein Ende nimmt. Unterstellt man ein linea­res Wachstum, würde Facebook Ende 2012 Googles heutige Nutzerzahl erreichen.

Facebook hat, indem es Nutzerprofile und soziale Graphen zum Zentrum erhebt, eine Sonderrolle, strukturell nur mit anderen sozialen Netzwerken vergleichbar. Durch die Verknüpfungen mit anderen Nutzern, Inhalten, Mails, Seiten, Anwendungen und anderem ist die faktische Bindung der Nutzer an die Plattform so hoch, dass Facebook als Marktführer eine kaum angreifbare Stellung erreicht. Anders als bei einer Suchmaschine, deren Wechsel für einige Monate nur zum Verlust der verschmerzbaren letzten Prozente von Suchergebnisqualität führt, ist bei einem sozialen Netzwerk ein Plattformwechsel nur unter Aufgabe und faktisch der Neueingabe sämtlicher Daten mit Nutzerbezug möglich, soweit das Netzwerk nicht die „Mitnahme“ von Daten in andere Netzwerke über offene Schnittstellen unter­stützt. Entgegen dem ersten Eindruck sind E-Mail-Dienste wie GMail, GMX oder web.de demgegen­über weniger bindend, denn der Datentransfer erfolgt bei diesen über offene Protokollstandards (POP3, IMAP), offene Formate (Mail, Kontaktexport etc.) und Mailserver Dritter.

Vereinfacht gesagt: es macht Arbeit, seine Mails und Kontakte von GMX zu transferieren, bei sozialen Netzwerken ist es aber schlicht für Endnutzer nicht möglich, seine Daten aus dem „Silo“ herauszuholen – anders even­tuell für Entwickler mit der neuen Facebook-API.

Es ist auffällig, dass Facebook inzwischen deutsche soziale Netzwerke an Nutzerzahl deutlich überholt hat: Facebook hat fast die doppelte bzw. dreifache Zahl an Unique Usern vergleichbarer Netzwerke wie StudiVZ bzw. SchülerVZ. Wie kann es dazu kommen, wenn – wie eben behauptet – die Nutzer­bindung an soziale Netzwerke besonders hoch ist? Mein Eindruck ist, dass es in erster Linie die At­traktivität des Produktes Facebook selbst sein muss, die Nutzerwünsche besser erfüllt als andere Anbieter: Eigene Features, die Integration von anderen Anwendungen (von Farmville bis Twitter), Usability und Performance des Systems sind beachtlich. Dies ist kein Zufall, son­dern ist meines Erachtens erstens auf striktere „Produktdenke“ und zweitens bessere Finanzierung, Personalverfügbarkeit und Technologiezugriff in der Infrastruktur von U.S.-Firmen (Clusterbildung) zurückzuführen.

In zweiter Linie kommen aber folgende Turbo-Effekte hinzu, welche Facebook ge­stärkt haben und weiterhin stärken werden:

  1. Facebook fungiert nicht nur als Netzwerk, sondern als Plattform für Drittanbieter. Spiele, wie wir sie von Zynga kennen (Farmville, Fishville, Mafia Wars) ken­nen, sind erst der Anfang einer Viralität. Ein Indiz hierfür ist, dass Facebook-Investoren zugleich in Massive Multiplayer-Games investiert haben, die vermutlich als nächstes auf die Plattform gehoben werden. Ob diese Viralität Ausdruck sozialen Handelns oder von Soziopathie ist, sei dahingestellt.
  2. Das Ökosystem um Facebook herum führt weiterhin Nutzer zu: Unternehmen , Verlagsange­bote und Fanseiten aller Art steigern den Traffic auf Facebook deutlich, und zwar nicht nur innerhalb Facebooks, sondern auch über Links aus externen Angeboten und den alten „Tei­len“-Button. Das ist im Sinne eines nachfrageorientierten Handelns nach dem Mantra vieler Social-Media-Berater auch nicht a priori falsch. Ob es aber langfristig klug ist, solange die Kundendaten Facebook gehören, Facebook die Nutzungsbedingungen vorgibt und die Kostenfreiheit für die Zukunft nicht garantiert, steht auf einem anderen Blatt.
  3. Facebook beginnt als primärer Dienst für E-Mails genutzt zu werden, was nicht nur die Nutzungsfrequenz und -dauer erhöht, sondern eine „Facebook-Mailadresse“ zum Standard werden lässt (Chart)
  4. Facebook ist klare Nummer eins unter allen Sharing-Diensten (Zahlen für die USA)
  5. Diese starke Stellung führt zusätzlich aufgrund der Position als Nummer 1 zu einer Art „Mat­thäus-Effekt“, der schon von eBay bekannt ist: wer hat, dem wird gegeben. Der „Marktplatz der Personen“ ist dort, wo er ist. Je mehr die Nutzung der Plattform wächst, desto attraktiver wird die Plattform – und die Hürden für Wettbewerber steigen.

…..

Folgende Turbo-Effekte werden Facebook künftig zusätzlich stärken:

  1. Facebook beginnt, sich als Plattform für eCommerce zu entwickeln (Ein „heißes Startup“ ist Payvment.com, inklusive Paypal-Integration, Beispielbericht).
  2. Facebook wird aller Voraussicht nach das Mail-Modul deutlich verbessern (Projekt „Titan“, mit Integration externer Mailacounts und extern nutzbar unter einer Vanity-URL, z.B. christophkappes@facebook.com, Gerüchten zufolge sogar mit einer Whitelist-Funk­tion, welche Dritte ausschließen kann)
  3. Facebook wird Geolocation-Dienste einführen, experimentiert mit physischen „Tokens“ zum Check-In, verschickt Aufkleber an Gewerbetreibende mit SMS-„Like-it“ an Facebook und stellt so die Verbin­dung zur Offline-Welt her.
  4. Facebook geht nun mit der neuen „Gefällt-mir“-Funktion zusätzlich zum altbekannten Link-Sha­ring den nächsten Schritt in Richtung Content-Aggregation innerhalb der Facebook-Plattform (was außerhalb erscheint, ist technischer Bestandteil von Facebook). Damit aggregiert es aber nicht nur Content, sondern wird als funktionales Element in verschiedensten Web-Anwendungen präsent. Je weiter die Verbreitung fortschreitet, desto mehr werden Nutzer diese Funktion als Teil ihres Surf-Verhaltens erleben und zur Content-Aggregation in Facebook beitragen.
  5. Die neuen „Community-Pages“ enthalten zunächst Wikipedia-Inhalte. Das kann man als Angriff auf die Wi­kipedia sehen. Facebook hat jedoch angekündigt, eigene Inhalte auf Community-Pages zu platzieren. Es ist daher wahrscheinlicher, dass Facebook hier den Erfolg der Content-Farmen Demandmedia bzw. Answers.com nachahmt , um erstens die Nutzungsdauer auf der Plattform zu erhöhen, zweitens struktu­rierte Nutzerdaten zu gewinnen und drittens – Community- Seiten sind öffentlich – künftig Traffic von außen nicht nur über Profilseiten und Statusmeldungen, sondern auch über gut verlinkte „hilf­reiche Inhalte“ zu bekommen.

…..

Ergebnis: Facebook wächst rasant, kann schon übernächstes Jahr Google an Nutzung überholen und be­schränkt sich nicht auf die hergebrachten Grundfunktionen sozialer Netzwerke.

Die folgenden Anmerkungen betreffen das Unternehmen selbst, seine Rolle im Web und seinen Umgang mit Datenschutz. Ein Vergleich mit Google ist methodisch nicht ganz sauber, solange nicht klar ist, was beide Unternehmen vergleichbar macht. Wo ich dennoch vergleiche, dann um das Thema Facebook besser zu durchdringen.
…..

B: Facebook – Ein Unternehmen unter Druck

…..
Facebook ist genauso wenig ein soziales Netzwerk, wie Google eine Suchmaschine ist. Es handelt sich vom Geschäftsmodell her gesehen um einen Werbeplayer wie Google, der kostenlose Dienste anbie­tet, um mit Werbung Geld zu verdienen. Die gilt allerdings, und das ist der erste Unterschied zu Google, nur hinsichtlich der bisher bekannt gewordenen Umsatzströme. Werden Unternehmens-Fanpages kostenpflichtig werden oder wird die Einbindung eines „Gefällt-mir“-Buttons eines Tages Geld kosten? Je nachdem, wie das Preismodell aussehen wird, das Facebook seinen Partnern vor­schlagen wird, kann es auch zu Umsatzbeteiligungen kommen, die aus Partnersicht faktisch „Ein­trittsgebühren“ sind. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für Facebook, sondern z.B. auch für Apples iTunes-Plattform und die Suchergebnisseite von Google, auf der man sich als Werbetreibender „ein­kaufen“ kann.

Facebook spielt, rein wirtschaftlich gesehen, bei weitem nicht in der Liga der anderen großen Player. Die Sicht auf „die größte Internet-Nation der Welt“ versperrt den Blick dafür, dass Facebooks Finanz­daten noch nicht erfreulich sind: Das Unternehmen ist im siebten Jahr seiner Existenz nach eigenen Angaben erst seit einem halben Jahr cash-flow-positiv. Rechnet man kalkulatorisch Zinsen auf das Finanzierungsvolumen von mindestens 750 Millionen US-Dollar hinzu, so wird deutlich, dass Face­book nach normalen Grundsätzen kein profitables Unternehmen ist. Was umgekehrt die nachhaltige Renditeerwartung von Investoren angeht, kann man lange spekulieren: egal ob das Unternehmen aber, wie noch vor einem halben Jahr, mit gut 10 Mrd. US-Dollar oder wie nun auf speziellen Börsen für nicht börsennotierte Unternehmen mit 20 oder gar 30 Mrd. US-Dollar bewertet wird, bald wird es einige Milliarden US-Dollar Jahresgewinn ausweisen müssen, wenn es kein überbewertetes Spekula­tionsobjekt sein soll.

Im Ergebnis bedeutet dies, dass Facebook aus binnen-kaufmännischer Sicht von Management und Investoren von einem „papiernen Nichts“ zu einem Big Player werden muss. Kurz­fristig kann dieses Missverhältnis zwischen Nutzung und Gewinn nicht aufgelöst werden, weil der Aufbau eines milliardenschweren Erlösstroms aus Werbung wie bei Google Jahre dauern wird: Google hat drei Jahre gebraucht, um nach der Einführung von AdSense und AdWords den ersten Milliardengewinn im Geschäftsjahr 2005 auszuweisen.

So sehr Facebook auch wirtschaftlich unter Druck steht, an Finanzkraft mangelt es Facebook nicht. Zwar verfügt Facebook nicht über eigene Liquidität zwischen 20 und 40 Mrd. US-Dollar wie die Platz­hirschen Apple, Google, Intel und Microsoft. Facebook ist aber „nach hinten“ über Microsoft, diverse starke VCs sowie ein bisher in Deutschland nicht erörtertes Investorenkonglomerat von DST (Russ­land), Tecent (China) und indirekt auch Naspers (Südafrika) abgesichert, die sowohl in den Spiele­hersteller Zynga als auch in diverse sozialen Netzwerken, Portalen, Massive Multiplayer-Games und Chat-Plattformen investiert haben und dort jeweils erhebliche Geschäftsanteile besitzen.

Im Unterschied zu Google ist Facebook kein börsennotiertes Unternehmen und folgt vergleichbaren Transparenzbestimmungen auch nicht; ganz verlässliche Fakten zur Aktionärsstruktur und zu Finanzdaten sind nicht bekannt. Und: Facebook ist – im Unterschied zu Google – kein profitables Unternehmen, sondern steht unter erheblichem Zahlendruck. Die „Internet-Nation“ Facebook ist das „Griechenland der In­ternet-Giganten“, das von nicht-öffentlich agierenden Investoren finanziert ist. Sie zeichnen jedoch gern neue Anleihen, solange die Gewinnerwartung stimmt.
…..

C: Der Protest gegen Facebook

…..
Das Gewinnproblem von Facebook löst sich kurzfristig nur mit einem Bezahlmodell und erst mittelfristig kommerzieller Werbung, da Facebook außer der Weiterentwicklung hochkomplexer Software auch den Werbemarkt weiter erschließen und zusätzlich die Nutzerakzeptanz entwickeln muß. Dieser Zeithorizont mag Nutzern und Kooperationspartnern „an sich“ egal sein. Es erklärt aber die Vorgehensweise des Unternehmens, das darauf abzielen muss, mit jedem Nutzer in irgendeiner Weise ein paar Dollar Gewinn im Jahr und ein Vielfaches an Umsatz zu erzeugen, und sich von nationalen Datenschützern, Ministern und MdBs auf seinem Weg schwerlich beeindrucken lässt: ein Abfluss an Nutzern schadet zunächst nicht, sondern spart Kosten, solange mit verbleiben­den Nutzern Gewinne erzielt werden können.

Politiker, die mit dem Handeln von Facebook nicht einverstanden sind, können vor diesem Hinter­grund letztlich nur mit hoheitlicher Grenzsetzung agieren, sieht man von den Alternativen der öffent­lichen Förderung, von Aktien in staatlicher Hand, der Förderung von Wettbewerbern, einer Plattform der „Stiftung Datenschutz“ und der Förderung offener Standards einmal ab.

Nutzer müssen die Vor- und Nachteile der Facebook-Nutzung gegeneinander abwägen. Für viele, die z.B. mit Freunden in der Ferne kommunizieren, mag der Nutzensaldo positiv sein. Andere, die zu ei­nem negativen Saldo kommen, sollten bedenken, was der Beitritt in eine Facebook-Protest-Gruppe bewirken kann: Gemessen am monatlichen Mitgliederzuwachs sind 70.000 Personen in Protest­gruppen (Aigner-Initiative, parteiüber­greifende Initiative) sehr wenig, sie verringern den monatlichen Zuwachs um 10%. Sie sind auch absolut nur 1% der Facebook-Population, also eine 1%-Partei. Dies entspricht nicht ganz der Wahrnehmung mancher Medien und ihr Erfolg ist vergänglich, wenn nicht gar kontraproduktiv, da die Abrufzahlen dadurch steigen.

Wahr­scheinlich haben die deutschen Akteure bei dem Versuch, die Facebook-Bestandskunden zu mobili­sieren, sogar Neukunden für Facebook generiert. Der Beitritt in eine Facebook-Protest-Gruppe ist also so klug wie der Einkauf von Waschmittel im Supermarkt, um sich nach dem Bezahlen bei der Kassiererin wegen der ökologischen Unverträglichkeit der Verpackung zu beschweren. Was bleibt, ist die Deakti­vierung oder das Löschen des Kontos und der (ggf. virale) Protest außerhalb von Facebook – nicht anders als bei Konsumgütern auch.
…..

D: Facebook: Nummer vier im Krieg der Giganten

…..
Es gibt in der Fachwelt eine Vielzahl von Veröffentlichungen über die Schauplätze des Kampfes zwi­schen Google, Apple, Microsoft und Facebook. Einige Analysen davon sind methodisch angreifbar, in summa ist aber eine Verschiebung des Nutzungsverhaltens in Richtung Facebook bewiesen: etwa über die Anzahl der Besuche im Vergleich zu Google, die Nutzung von Facebook als Suchmaschine, den Anteil von Facebook als Mail-Dienst und die Stellung als Traffic-Verteiler über Sharing von Inhalten anderer Websites. Die Verschiebung des Nutzungsverhaltens ist ein Indiz dafür, dass es nicht mehr richtig ist, von einem „Dreikampf“ zu sprechen, viel­mehr ist Facebook der vierte im Bunde. All diese Nutzungsdaten sind wichtig für Online-Anbieter, sie zeigen jedoch nicht die darunter liegende wirtschaftliche Konfliktsituation auf: Googles Umsatz be­steht zu 97% aus Werbeumsätzen und wird dabei nun einerseits von Apple mit iAd auf dem Mobile- und dem Home-Segment aus einer starken Stellung heraus angegriffen und andererseits auch von Facebook.

Die Logik des Werbemarktes ist jedoch nicht so, dass alle Werbeplatzanbieter profitieren, weil Wer­beumsätze insgesamt steigen. Vielmehr findet eine Verschiebung von Offline zu Online und innerhalb der Online-Gruppe zwischen den Anbietern und Kanälen statt. Dies bedeutet aus einer wirtschaftli­chen Perspektive: Wenn Apple und Facebook erfolgreich sind, wird Google Federn lassen müssen, es sei denn die Verschiebung der Werbeumsätze von Offline zu Online fängt das wieder auf. Dabei darf man nicht den Fehler machen, auf die Player nur wie ein Zuschauer eines Rugby-Spiels zu sehen, denn es kann auch außerhalb des Spielfeldes zu Verletzungen kommen, die sich derzeit nicht absehen lassen: Werden die Preise für Werbeplätze nochmals stark nachgeben, weil Apple und Facebook mehr Werbeplätze bereitstellen, und – wenn ja – welche Konsequenzen wird dies für andere werbe­finanzierte Anbieter wie Verlage haben? Wird – unter den vorgenannten Annahmen – der Gewinn von Google in einigen Jahren einbrechen und wie wird Google dann agieren? Wird Facebook sein Werbesystem wie Google auch für Werbung auf Drittseiten nutzen? Welche Konsequenzen hätte es, wenn sich zwar Android auf dem Mobile-Markt durchsetzt, jedoch Facebook die meistgenutzte Plattform wird? Bleibt Google am Ende gar keine Alternative als Facebook zu übernehmen oder über signifikante Beteiligung zum Partner zu machen, wäre das kartellrechtlich zulässig und welche Konse­quenzen hätte dieses? Profitieren Inhalteanbieter am Ende doch, weil sie den drei Technologieanbie­tern zwar unterlegen sind und die Kontrolle über den Werbekanal verlieren, aber die Anbieter preis­lich gegeneinander ausspielen können?

All dies bietet viel Raum für Spekulation. Werbetreibende, Online-Dienste, Inhalteanbieter, Wirt­schaftspolitiker und Datenschützer sollten ein Auge darauf haben, was die Konflikte wirtschaftlich bedeuten und welche Konsequenzen das hat, damit sie rechtzeitig ihre Interessen sichern.
…..

E: Facebook – die Spinne im Web oder: das neue AOL?

…..
Wie oben unter A. skizziert, ist die strategische Entwicklung von Facebook mehrdimensional:

  1. Das Produkt selbst wird von Facebook funktional ausgedehnt, beispielsweise in den Mail-Bereich (s.o., Pro­jekt „Titan“), aber auch in die Offline-Welt (s.o. A., Geolocation, Tokens und Aufkleber).
  2. Die Plattformarchitektur, bisher vorwiegend von Spieleanbietern genutzt, wird für weitere verti­kale Anwendungen Dritter wie eCommerce und Online-Office ausgebaut.
  3. Facebook enthält neuerdings Inhalte, bietet Inhalteaggregation an und kann durch die Kombina­tion aus „Gefällt-mir“-Wertungen, „Shared-Links“ und strukturierten Interessen (sog. „Connections“), sozialen Graphen sowie den entsprechenden Aktivitäten der „Freunde“ einen vollpersonalisierten Nachrichtenstrom erzeugen, der aufgrund der hohen Verbreitung des personalisierten Facebook-Dienstes jeden bisherigen Aggregator in den Schatten stellt.
  4. Es ist anzunehmen, dass es nicht beim Nebeneinander von Facebook und Bing bleibt, die bis­her nur Logo-Partner sind. Der soziale Graph von Facebook, an Bing übergeben, würde einer­seits zur Verbesserung der Suchergebnisse von Bing führen. Andererseits würde eine Facebook-Integration der Suchmaschine erheb­lich höhere Reichweite bescheren, allein das bisherige Suchaufkommen innerhalb Facebooks sind knapp 3% des Suchmarktes in den USA. Außerdem würde es die Verweildauer der Nutzer auf der Plattform weiter erhöhen. Was sollte beide Partner daran hindern, hier eine Win-Win-Situation einzugehen?
  5. Facebook bietet erstens Analyse-Tools für Anbieter und kann zweitens die Nutzung externer Websites analysie­ren.
  6. Facebook kann Bewegungsprofile von Nutzern erstellen, die zusätzlich tiefe Einblicke in die Nutzung fremder Websites bieten und die – im Unterschied zu Google Analytics und der Suchmaschine – explizit erfolgen und eindeutig Personenidentitäten zugeordnet werden können.

…..

Es ist nicht leicht, diese Entwicklung nach wenigen Tagen zu bewerten, ohne sich beim deskriptiven Teil aufzuhalten. Hier ein Versuch:

  1. Für Endnutzer haben die Neuerungen der f8-Konferenz hohen Nutzwert. Die Informations­selektion über den sozialen Graphen ist sinnvoll, um „Information Overload“ zu begegnen, und auch die Information, welche Personen aus dem eigenen Umfeld eine Webseite explizit gut finden, sollte jedermann bei der Orientierung helfen, um online wie offline Gespräche in dem Wissen zu führen, was generell oder in seinem Umfeld „common sense“ ist und was nicht. Auch wenn sich neue konzeptionelle Probleme wie selektive Wahrnehmung, Fragmen­tierung der Diskurse, explodierende Datenmengen sowie generell Quantität statt Qualität anbahnen, so werden sich diese Probleme in den nächsten Jahren durch verbesserte Verfahren und menschliches Zutun hoffentlich lösen lassen. Zusätzlichen Nutzen bietet die Personalisierung vieler anderer Websites sowie die Gewinnung semanti­scher Daten. Auch gegen personalisierte Werbung ist prinzipiell nichts einzuwenden, weil sie im Nutzungskontext eher als unpersonalisierte Werbung den Nutzerinteressen entspricht und zum Teil auch als informativ empfunden wird.
  2. Für Partner von Facebook entstehen Lock-In-Effekte mit erheblichen Konsequenzen. Vom Ein­satz des iFrames profitiert langfristig nur Facebook, nicht aber die beteiligten Partner-Websites. Denn erstens ist es mittelfristig ein Nullsummenspiel, wenn alle diesen iFrame ein­setzen, sofern das Trafficvolumen dadurch insgesamt nicht steigt – einen Vorteil haben nur „First Mover“. Zweitens decken alle Website-Betreiber nach einiger Nutzungsdauer die Iden­tität ihrer eigenen Kunden an Facebook auf: Facebook hat die Klarnamen, IDs, Fotos etc. von mindestens 10% der Nutzer der Partner-Websites. Das ist schon deswegen problematisch, weil kaum ein Inhalteanbieter dieses wichtige Asset der Kundendaten überhaupt selbst bis­her hatte (Ausnahme sind registrierte User). Ergebnis: Der Gewinn von allenfalls einer leichten Traffic-Erhöhung, „gewonnen“ aber durch Verschenken der Kundendaten an Facebook.
  3. Falls Partner auf die Idee kommen, ihre Werbeplätze durch Facebook vermarkten zu lassen, wird die Nutzung dieser Daten für personalisierte Werbung die Werbeeinnahmen der Part­ner nicht erhöhen, sondern nur die Performance der Werbemittel verbessern, solange Wer­bebudgets nicht steigen. Umgekehrt werden sie Facebook für den Vorteil, der Werbetrei­benden entsteht, ein Stück vom Kuchen abgeben müssen. Im Ergebnis sinken die Werbeein­nahmen der Partner. Hinzu kommt, dass Facebook – das ist das Wesen personalisierter Wer­bung – Wettbewerbsangebote ausliefern könnte. Schließlich gewinnt Facebook ausreichend Nutzerdaten, um eine repräsentative Nutzergruppe für jede teilnehmende Website zu er­stellen und die gewonnen Erkenntnisse Wettbewerbern zu verkaufen oder selbst in Wettbe­werb zu treten.
  4. Partner, die von Inhalten leben, sollten einen Blick auf die Nutzungsbestimmungen von Face­book werfen. Während der Erstellung dieses Artikels waren sie zum Teil nicht aufrufbar. Für den Teilen-Button heißt es aber aktuell unter Ziffer 8.: „Du erteilst uns und anderen Nutzern die Erlaubnis, derartige Links und Inhalte auf Facebook zu verwenden.“ Dies kann man so le­sen, dass Partner durch die Einbindung die Zustimmung zur vollständigen Einbindung ihrer Inhalte erteilen. Schon mit Google Buzz kann man Bilder von Inhalteseiten „remixen“.

…..

Wenn Nutzer – das Datenschutzthema einmal ausgeklammert – also profitieren, warum stehe ich den Neuerungen dann kritisch gegenüber?

  1. Die Neuerungen Facebooks sind nur hinsichtlich der Protokolle und Datenstrukturen “open”. Solange Facebook der einzige Behälter mit Userdaten ist, wird ein Datensilo gefüllt, das unter Kontrolle von Facebook ist: der „Gefällt mir“-Button liefert Daten nur an Facebook. Das ist ein kluger Schachzug und das gute Recht von Facebook, für Wettbewerb und Unabhängigkeit aller anderen Beteiligten im Ökosystem langfristig aber eher hinderlich. Für alle anderen im Ökosystem besser sind dezentrale Strukturen.
  2. Mit Facebook entsteht im Web ein möglicher „single point of failure“, demgegenüber besser sind redundante Strukturen.
  3. Facebook hat bisher keine formalisierte Zusammen­arbeit mit Spezifikationspartnern belegt. Was, wenn Facebook die Spezifikation oder die Nutzungsbestimmungen ändert? Sicher, auch im Falle anderer Standards wie HTML5 wird diskutiert, wer diese faktisch beeinflusst und warum; auch entstehen die meisten Technolo­gie-Standards durch faktische Implementierung. Für alle anderen im Ökosystem besser ist aber ein Konsor­tium, das strukturiert organisiert ist und firmenübergreifend standardisiert.
  4. Mit der strukturierten Erfassung von URLs, der „first Generation API“ des Internets, baut Facebook zusätzlich zu Nutzerdaten einen wertvollen Datenbestand auf, der – so verstehe ich es jedenfalls bisher – nur Facebook gehört. Dieser Punkt bedarf im Hinblick auf die Zukunft des Semantic Web vertiefender Betrachtung an anderer Stelle. Die Idee von Tim Barners-Lee war es jedenfalls nicht, wie Facebook das nun umsetzt.
  5. Facebook führt ein modifiziertes Modell des „fair use“ von Daten ein. Mit den neuen Nutzungs­bestimmungen darf Facebook die öffentlichen Nutzerdaten inklusive sozialem Graphen nicht nur an die benannten Partner, sondern auch an beliebige Partner wie Bing weiter­geben, die sich ihrerseits gegenüber Facebook zur Einhaltung von Datenschutzbestimmungen verpflichten. Aktuell nennt Facebook die Partner Microsoft Docs.com, Pandora und Yelp, welche diese Daten ohne Opt-In nutzen dürfen. Aus User-Sicht mag es ein Geschäft auf Gegenseitigkeit sein, sofern sie ein Part­nerangebot nutzen, weil sie dann als Gegenleistung z.B. bessere Suchergebnisse bekommen, so handhabt es auch Google. Wer diese Partner-Dienste aber nicht nutzt, hat keinen Vorteil von der Datenweitergabe. Der Deal, den Facebook formuliert, ist nicht mehr „Ich, Facebook, gebe, damit Du gibst, damit ich (mit Werbung Dritter) verdiene“, sondern „Ich gebe, damit Du gibst, und dann sehe ich weiter“. So war es schon bei den Lizenzverträgen von Facebook und Twitter mit Google und Bing, nur dass die lizensierten Statusmeldungen und Tweets am Ende immerhin wieder der Allgemeinheit zur Verfügung standen und so auch dem ursprüng­lichen Nutzer nützten. Nun, mit der neuen API und den neuen Nutzungsbestimmungen, geht Facebook einen Schritt weiter, denn die Datenweitergabe nützt zunächst nur Facebook, ohne dass der ursprüngliche Nutzer zwingend Vorteile hätte. Dagegen ist moralisch nichts einzu­wenden. Es sollte nur nicht wundern, wenn Nutzer mit der neuen Verteilungsgerechtigkeit nicht mehr einverstanden sind. Für diese Argumentation braucht es nicht einmal des Rufes „Meine Daten gehören mir!“, denn bei aller Skepsis zu Post-Privacy-Thesen muss man im­merhin anerkennen, dass Daten, die in der Zweierbeziehung Facebook-Nutzer entstehen, Fa­cebook grundsätzlich genauso zustehen könnten wie amazon die Kaufhistorie oder BMW die Daten an Service-Fällen. Nein, es geht nicht um Herrschaft über Daten, sondern es geht allein um „fair use“, ein ausgewogenes Verhältnis des Nutzens beider Seiten. „Meine Daten“ gibt es nur an Microsoft, wenn ich Microsofts Anwendung nutze, und nur an Google, wenn ich einen Google-Dienst nutze. Mein Ver­trauen gebe ich nicht pauschal an den Mittler Facebook, der es nach freiem Ermessen wei­tergeben kann.
  6. Eine Plattform, die den sozialen Graphen kontrolliert, sich als zentrales Traffic-Hub positio­niert und sich dabei anschickt, einen zusätzlichen Layer in das Internet einzuführen, ist ein strategisches Risiko für alle Anbieter, die auf demselben Layer auf das Hub angewiesen sind oder gar auf diesen Layer aufsetzen. Ersteres mag in Deutschland auch bezüglich Google ge­geben sein, es ist jedoch klüger, aus dieser Geschichte zu lernen. Dies gilt jedenfalls solange, wie Facebook nicht wenigstens ein Minimum an Transparenz – etwa vergleichbar mit Google erreicht, bei­spielsweise bei der Suchrelevanz, beim Ranking der Kriterien für die Inhalte-Aggregation und bei empfohlenen Seiten.

…..

Zusamenfassend und pointiert formuliert: Facebook wächst nicht nur rasant, sondern dehnt sich funktional in alle Richtungen aus und besetzt dabei mit dem sozialen Graphen und semantischen Daten einen zentralen Platz des künftigen Internets. Das ist das gute Recht von Facebook. Ob es aber den Beteiligten des Ökosystems nützt, ist eher fraglich – und im Ergebnis kann genau dies eines Tages das Blatt gegen Facebook wenden, wenn Facebook sein Ökosystem nicht nachhaltig behandelt.
…..

F: Der Anlass: Datenschutz und Privatsphäre

…..
Vorweg: Die neuen Nutzungsbestimmungen sehen entge­gen vielfacher Meinung nicht vor, dass „Facebook die Rechte an Nutzerdaten hat“. Erstens behält der Nutzer das Urheberrecht, zweitens sind die übertragenen Nutzungsrechte nicht-exklusiv und drittens ist die Rechteeinräumung „subject to your privacy and application settings“, d.h. die Verbreitung von Inhalten bestimmt der Nutzer selbst durch ebendiese Einstellungen. Dies ist bei Internetplattformen völlig normal, legitim und zur Zweckerreichung erforderlich. Hier ist das Problem nicht.

Vielmehr kommen mit den neuen Nutzungsbestimmungen zu den bekannten Problemen drei neue hinzu. Bekannt war der Austausch von Mailkontakten mit anderen Plattformen wie GMX und web.de sowie der Umgang mit persönlichen Daten Dritter (Kontaktdaten, Bildmarkierungen). Neu sind die „Connections“ und ihre Voreinstellungen, die Erfassung von externen URLs und der Datenaustausch mit dauerhaft einge­bundenen Partnern. Wo ist bei diesen Neuerungen jeweils das Problem?

Der Sinn sogenannter „Connections“ leuchtet durchaus ein, denn so können Nutzen-Interessen maschinell besser verarbeitet werden als Freitext­angaben. Eine derartige Vorkategorisierung ist im Web auch seit vielen Jahren üblich (z.B. bei Web­mailern und rudimentärer Personalisierung). Jedoch werden vordefinierte Interessen Facebook-Mit­gliedern vom System vorgeschlagen und nach Klick auf die Schaltfläche „Link all to my profile“ öf­fentlich. Sie können erst wieder durch die Änderungen in den Tiefen der Privatsphäre-Einstellungen geändert werden. Das ist exakt das Systemverhalten von Google Buzz, das Datenschützer gerade Google in einem offenen Brief (PDF) vorgehalten haben. Auch Facebook sollte hier nachbessern.

Facebook betont, dass Partnerwebsites keine Nutzerdaten erhalten, loggt aber selbst über den neuen iFrame das Nutzungsverhalten auf fremden Websites mit; dies gilt für Facebook-Mitglieder, die Cookies nicht ausgeschaltet haben und sich in der gleichen Browser­sitzung nicht explizit aus Facebook ausgeloggt haben. Die Datenübergabe an Facebook kann also nicht nur beim Klicken auf den „Gefällt mir“-Button erfolgen, sondern schon dann, wenn eine Seite mit „Gefällt mir“-Button aufgerufen wurde. Dieser Button sieht dem alten „Share“-Button von Face­book, Yigg, Digg und anderen Link-Aggregatoren ähnlich, er bewirkt aber das Tracking des Nutzer­verhaltens auf den Partnerwebsites. Sollte er so verbreitet werden wie Link-Sharing-Funktionen, wird Facebook das Surfverhalten seiner Nutzer außerhalb der Facebook-Plattform kennen – nicht nur auf Angeboten der jetzigen 75 Partner, sondern vielleicht sogar im ganzen Web, ausgenommen die Dienste von Google, Apple und Microsoft.

Dieser Kritik kann man entgegnen, dass der iFrame technisch zu Facebook gehört und der Nutzer dieser Datenweitergabe eventuell in den Facebook-Nutzungsbestimmungen formal zugestimmt hat. Dennoch: Es versteht kein normaler Nutzer diese Technik und er kommt daher nicht auf die Idee, was Facebook hier loggt – es ist neu, dass man auf „einer Website“ (Facebook) die Zustimmung dazu er­klärt, was auf einer „anderen Website“ (z.B. bild.de) geloggt wird. Facebooks Klausel ist also so über­raschend wie die Antragsklausel einer Kreditkartenorganisation, die für das Betreten eines Ladens vorsieht, dass Nutzerdaten nebst Standort per RFID an die Kreditkartenorganisation geschickt wer­den. Es wäre sehr wundersam, wenn ein derartiger Datenschutzhinweis nicht auf den Websites anzubringen wäre, die Facebooks iFrame integrieren, da die gesamte Site inklusive iFrame ein einheitliches Angebot darstellt. Es verblüfft, dass Dutzende von deutschen Websites bereits zwei Werktage nach Vorstellung diese Features integriert haben, ohne ihre Datenschutzbestimmungen zu modifizieren.

Facebook-Nutzer nutzen ihr Profil in der Regel unter Klarnamen mit echten Kontaktdaten. Zu ersterem sind sie sogar nach den Nutzungsbestimmungen gehalten. Facebook erfasst also eindeutig personen­bezogene Daten, anders als Google Analytics und die Google-Suchmaschine, die allenfalls die IP-Ad­resse erfasst. Zwar führt auch Google diese Daten bei Nutzern eines Google-Kontos zusammen, doch hat Facebook schon heute eine höhere Verbreitung: Die Marktanteile von Google Docs, News, Calendar und Talk liegen jeweils unter einem Prozent, von Mail bei 12% (Eigenangaben von Google nach Nielsen Netratings). Denkt man die Entwicklung zwei Jahre weiter, so hat Facebook mehr Nut­zerdaten als Google, und diese nicht nur implizit, sondern auch explizit – inklusive der Beziehungs­daten, die weit mehr als nur eine Kontaktliste sind.
Alle in diesem Abschnitt genannten Punkte sehe ich als Nutzer besonders kritisch: mit erstens der Erfassung meines Surfverhaltens während meiner Login-Zeit (verbunden mit der bisherigen Anforde­rung in den Nutzungsbestimmungen, meine Identität zu offenbaren), zweitens beide Informationen zusammenzuführen und drittens diese Daten an Partner zu übergeben, ohne dass ich viertens davon einen Nutzen habe, hat Facebook einen „Deal“ vorgeschlagen, den ich ablehne. Dies aber auch vor dem Hintergrund, dass das Unternehmen mir keine hinreichende Transparenz bietet.
…..

G: Zusammenfassung

…..
Facebook kann die Nutzerzahlen von Google in Deutschland erreichen. Das Unternehmen steht aber einerseits stärker unter finanziellem Erfolgsdruck und ist andererseits weniger transparent als jeder andere der großen Player. Die Dienste von Facebook wachsen wie die von Google in mehreren Di­mensionen, dies jedoch schneller und auf einer einheitlichen Plattform, welche auf die „Killeranwendun­gen“ E-Mail, Spiele und Office sowie das Inhaltegeschäft abzielen. Im nächsten Schritt, der Einführung von Adsense-ähnlicher Werbung durch Facebook und von iAd durch Apple kann es zwi­schen Google, Apple und Facebook zu Verteilungskämpfen um den Online-Werbemarkt kommen, deren Konsequenzen schwer prognostizierbar sind. Facebook ist eine geschlossene Kommunikati­onswelt, eine unbekannter Suchalgorithmus, eine intransparenter Empfehlungsalgorithmus, eine Plattform ohne Daten-Exit – offen aber für Kundendaten und Inhalte Dritter.

Facebook wird mit dem sozialen Graphen und semantischen Daten einen wichtigen Platz in der Zukunft des Internets besetzen. Dies kann Endkunden nutzen, treibt jedoch alle anderen Partner in Abhängigkeiten, solange Facebook das „Datensilo“ für soziale Graphen ist und sich bei Standards nicht das Heft aus der Hand nehmen lässt. Für Endkunden sind dennoch mindestens fünf Features unter Datenschutzgesichtspunkten kritisch. Über die Zukunft von Facebook wird langfristig entscheiden, wie nachhaltig Facebook mit allen Partnern (Kunden wie Unternehmen) umgeht – seinem Ökosystem, von dem es abhängig ist.

Der Autor dankt dem Internet-Ökosystem für die zahlreichen Ideen, Anregungen und Richtigstellungen auf Twitter und in Blogs, ohne die dieser Artikel nicht möglich gewesen wäre.

…..
Spende für die Kaffeekasse – mit PayPal.
…..

Mehr zu : | | | | | | |

CARTA Kaffeekasse
Carta wird FACEBOOK-Kommentare einführen - demnächst hier...

62 Kommentare

  1. pkabel |  28.04.2010 | 14:16 | permalink  

    Das ist wieder mal ein echter Kappes: fundiert und ausführlich.

    Ein bedeutender Aspekt allerdings ist aus meiner Sicht etwas untergewichtet:

    Das Ökosystem Facebook ist bereits heute für eine große Zahl von Internet-Unternehmen essentiell zur Nutzergewinnung. Es geht also nicht “nur” um Themen der persönlichen Datenintegrität.

    Nicht nur Zynga ist mittlerweile auf dem Rücken/Plattform von Facebook zu einem veritablen Unternehmen herangewachsen (>$600Mio Revenues…).
    Ich spreche auch und insbesondere von den vielen kleineren Startups und Initiativen, die am Tropf von FB-Connect hängen.

    Von den vielen kleineren Unternehmen, die FB als Kundengewinnungs und Ansprache-Plattform verwenden gar nicht zu sprechen.

    So sehr diese Unternehmen wirtschaftlich Facebook benötigen, so sehr hängt aus meiner Sicht der Erfolg von FB ja auch damit zusammen, daß es von so vielen als eine Plattform betrachtet wird. Das ist ja die Natur von Plattformen.

    Es wird hoch interessant zu beobachten wie es FB gelingt dieses Phänomen zu monetarisieren und die Attraktivität gleichzeitig zu behalten.

    Die Dringlichkeit die seine stattliche Bewertung nun auch in entsprechenden Umsätzen/Gewinnen zu rechtfertigen wird im Artikel übrigens nicht nur treffend dargestellt. Den in diesem Zusammenhang angestellten Vergleich, daß Facebook das Griechenland der Internetwelt ist finde ich höchst unterhaltsam!

    Freu mich jetzt schon auf den nächsten echten Kappes!

    Peter

  2. Tweets that mention Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? — CARTA -- Topsy.com |  28.04.2010 | 14:43 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by pkabel, Carta. Carta said: Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? http://goo.gl/fb/8SZQK [...]

  3. ghostdog21 |  28.04.2010 | 15:59 | permalink  

    Tja, das gibt dem Begriff Datenkrake eine ganz neue Dimension.

    Google erfasst, verarbeitet meine Daten und gibt sie mir mit dem selben Arm wieder oder aber sammelt die Daten um sich drauf zu setzen.
    Da das überwiegend in einer Win-Win-Situation endet kann ich damit leben.
    Dennoch gebe ich bewußt nur ein begrenztes Mass an Daten ein. Und ob diese im Einzelfall real oder fiktiv sind, bleibt mein Geheimnis…

    Wenn ich diesen Artikel jedoch weiter spinne, sehe ich hier Kraken mit den Namen Facebook, Jappy und Co., die schlussendlich als zentrale Schnittstellen zwischen Nutzern und Unternehmen dient.
    Ja sogar für (fast) das ganze Internet.

    Nur entscheiden diese Kraken selbst, was sie von wem an wen weiterleiten und ob überhaupt. Sie werden auch entscheiden, was sie für die Weiterleitung von der einen oder anderen oder beiden Seiten verlangen.

    Grausig.

    Allein die Vorstellung…

    In diesem Sinne, danke für den aufschlussreichen Artikel.

  4. Facebook und die Zentralisierungstendenzen des Webs |  28.04.2010 | 16:29 | permalink  

    [...] Lesenswerter, langer Artikel von Christoph Kappes auf Carta über Facebook: [...]

  5. Pitsch |  28.04.2010 | 16:37 | permalink  

    die Rede vom ökosystem ist in mehrfacher Hinsicht unglücklich.

    im Englischen wurde haeufig ‘eco-system’ in verbindung mit web2.0 und marktwirtschaftlichem clustering verwendet, vor allem von tim o’reilly. es wurde dann zu einem oft genutzten consulting und e-marketing buzzword.

    man definiert in der systemtheorie ein oekologisches system als offen, dynamisch und komplex. das internet selbst ist ein solches system. eine idee von web2.0 war diese aspekte sogar zu verstaerken und durch Apis und Benutzerfreundlichkeit, sozusagen einer weiteren netzwerkschicht von diensten auszuweiten, welche betriebsystemfunktionen von lokalen privaten rechnern auf corporate rechenzentren umlagern helfen.

    facebook aber im gegensatz zum internet gewinnt eben eher aus der reduktion von offenheit, dynamik und komplexitaet. es ist eher ein organismus als ein oekosystem.
    es verfolgt die bewegung der “re-territorialisierung” der offenen daten. es definiert eine schliessung, und aehnelt viel eher den den BBS systemen von compuserve und aol, mit vielen aspekten des webs, der verlinkung und einbettung ist und bleibt es aber ein ‘service’ eines anbieters mit einer zentralen und proprietären datenbankstruktur.

    facebook f8 ersetzt einfach das recht uneffektive facebook connect, es hat mit RDF oder offenen semantischen netzprotokollen wie FOAF nur sehr entfernt etwas zu tun.
    open graph protocol ist nur offen fuer facebook selbst.

    vgl
    http://factoryjoe.com/blog/2010/04/22/understanding-the-open-graph-protocol/

    natuerlich koennte man an der metapher weiter drehen und das raeuber-beute verhaeltnis betrachten oder die inneren und äusseren faktoren die das system destablisieren koennten.

  6. Statt facebook… « Lerncomputer |  28.04.2010 | 19:07 | permalink  

    [...] Wer näheres zu den Gründen meines facegebookten Unwohlseins lesen will: Die Zentralisierungstendenzen des Netzes zeigen sich bei Facebook besonders eindrucksvoll. Was ist das Unternehmen Facebook? Welche Stellung strebt es innerhalb seines Ökosystems an? Welche Vor- und Nachteile bietet diese geschlossene Kommunikationswelt den Nutzern wie den Partnerunternehmen? Kurz: Was ist der “Deal Facebook” – und warum lehne ich ihn ab? mehr lesen …. Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? [...]

  7. Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? – Fructus GmbH – Christoph Kappes |  28.04.2010 | 19:37 | permalink  

    [...] Gleichnamiger Artikel erscheint morgen auf carta.info. [...]

  8. Paul Ney |  28.04.2010 | 20:18 | permalink  

    [Friedrich Dürrenmatt: "Die Physiker"] Nichts für Ungut, aber solche online-communities wie Facebook & Co. erinnern mich irgendwie an das Stück… Atomphysiker versteckt sich im Irrenhaus, um große Entdeckungen besser verhemlichen zu können, während Mitinsassen und auch die Aufseherin Jagd darauf machen… Dürrenmatt wäre auch zu den online-Welten etwas “Geiles” eingefallen…

  9. Christoph Kappes |  28.04.2010 | 21:30 | permalink  

    Update zu Nutzunsgdaten:
    Die aktuellsten und m.E. verlässlichsten öffentlich verfügbaren Zahlen zu FB in D (Unique User, Aufenthaltsdauer etc) finden sich im GfK Media Efficiency Panel. Meines Erachtens verlässlicher als Comscore.
    http://www.gfkps.com/imperia/md/content/ps_de/chart_der_woche/2010/kw_16_10_facebook.pdf

    Ein Kollege, der sein Konto noch nicht deaktiviert hat ;-), wies mich heute auf das Analyse-Tool von FB für Werbetreibende hin. Dort gibt FB selbst die Zahl der Nutzer mit 8,3 Mio Stand heute an.

    @Peter Kabel: Danke für die Blumen. Ja, unter den Unternehmen sind viele kleine, für die der Lock-In-Effekt kritischer sein kann als für die grossen Unternehmen.

    @Pitsch: die Headline heisst “…im Internet”, ich sehe das wie Sie: das Ökosystem ist das Internet. Im Schluss-Satz spreche ich allerdings von “seinem” Ökosystem (von Facebook). Ist das falsch? In meinem Bild ist Facebook ein Organismus … in seinem Ökosystem. Für die Buzzword-Verwendung anderer bitte mich nicht schlagen. Ich habe das schon systemtheoretisch gemeint.

    @Paul Ney: Über Dürrenmatt grübele ich seit Wochen und habe mir die Physiker auf die Leseliste gelegt. Wieso kommen Sie denn auch auf Dürrenmatt? Neugierig.

    @all: DST hat heute ICQ von AOL gekauft.

  10. Christoph Kappes |  28.04.2010 | 21:41 | permalink  

    PS: Im ersten Absatz ist ein redaktionelles Versehen. Es muss heissen “ein Viertel der Nutzer von google.de”. Unique User davon sind 32 Mio. Die Summe aller Unique User aller Google-Angebote ist höher. Diese Zahl kostet aber leider Geld. Genauso wie die Nutzernamen Geld kosten werden, die auf den “Gefällt-mir”-Button klicken :-)

  11. Falk Ebert |  28.04.2010 | 22:07 | permalink  

    Zunächst mal Gratulation zum (gewohnt) gute Artikel. Und vielen Dank für das Recherchieren all dieser kleiner Puzzle-Teile, die das Gesamtbild ergeben, hab das ja teilweise über Twitter mitbekommen. Dazu hätte mir im Moment einfach die Zeit gefehlt.

    Aus Zeitnot auch nur eine knappe Antwort. Vielleicht später (oder bei uns im Blog) mal eine ausführlichere Beschäftigung mit dem Thema…

    Beim Lesen des Artikels ist mir jetzt nichts aufgefallen, was für mich wirklich neu oder schockierend wäre. Dementsprechend werde ich meinen Facebook-Account auch nicht abschalten und auch keine solche Empfehlung an besorgte Freunde weitergeben.

    Bedenklich finde ich die Entwicklung aber ebenso. Und zwar nicht nur diese Bedenken, die durch ein neues Verständnis von “Privatsphäre” ausgeräumt werden könnten, sondern auch die Bedenken hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung und Offenheit des Netzes, die im Text ja trefflich erörtert werden.

    Nur ist der größte Teil der Kritik an Facebook hier auf Zukunftsszenarien und Bedenken gebaut. NOCH ist das ja alles noch gar nicht so schlimm: Die umgehende Personalisierung ist Opt-In, wer sich ausloggt kann auch nicht getracked werden (entgegen Google Analytics, das durch die zahlreichen Google-Dienste wie gmail oder chrome inzwischen vermutlich personenbezogener ist, als wir alle das vermuten) und wer seine Privacy-Settings auch nur halbwegs unter Kontrolle hat, fährt auch sicher mit seinen Daten. Und so kompliziert oder versteckt sind die Einstellungen meiner Meinung nach wirklich nicht.

    Noch ein paar einzelne Punkte:
    - Klar bringt der Like-Button nur den EarlyAdoptern was und später gleicht sich der positive Effekt zwischen den Seitenbetreibern aus. Aber das ändert ja nichts daran, dass unter dem Strich ein Mehrwert für alle bleibt.

    - Wenn der Like-Button irgendwann was kostet, dann ist der innerhalb von zwei Monaten weg vom Fenter. Im Internet kann man, selbst wenn man die Macht von Google oder Facebook hat, Monopolstellungen nicht so einfach missbrauchen. Vielleicht im Bereich Datenschutz, aber nicht im Bereich Monetarisierung.

    -”selektive Wahrnehmung, Fragmen­tierung der Diskurse, explodierende Datenmengen sowie generell Quantität statt Qualität” sehe ich sich nicht unbedingt anbahnen.
    Selektive Wahrnehmung könnte auch weniger werden, da ich nicht mehr nur mitbekomme, was meine 10 besten Offline-Freunde an Artikeln lesen, sondern plötzlich mitbekomme, was meine 250 Online-Freunde interessiert.
    Der Fragmentierung der Diskurse wird durch die neue Technik der Interessens-Seiten eher entgegengewirkt.
    Explodierende Datenmengen haben wir seit den Floppy Disketten und das war noch nie ein Problem.
    Und Quantität statt Qualität müsste durch Filterfunktionen doch eigentlich rückläufig sein, oder?

  12. noName |  28.04.2010 | 22:22 | permalink  

    Facebook? Überflüssig! Find’s richtig blöd. Kein echter Mehrwert.
    @Paul Ney, schon klar. Bei Ihnen muss man wieder um die Ecke denken. ;)

  13. Redaktion Carta |  28.04.2010 | 23:05 | permalink  

    @Christoph Kappes
    Danke für den Hinweis, ist geändert @google.de

  14. cmi |  28.04.2010 | 23:11 | permalink  

    Suuuuuuuuper Artikel! Da mein Flattr-Account noch in der Warteschlange ist, gibts was in die Kaffeekasse :)

  15. Bye, bye, Facebook « okej |  28.04.2010 | 23:26 | permalink  

    [...] überwachen müssen. Ich möchte nicht informiert sein müssen und darüber diskutieren, ob Facebook gut oder böse ist. Eine Plattform automatisiert mit Inhalten in Zweitverwertung zu füllen, weil es dafür eine [...]

  16. 5 vor 12 (heute: 4 + 3) : netzpolitik.org |  28.04.2010 | 23:57 | permalink  

    [...] Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? (Christoph Kappes, carta) # Facebook: So werden 5.000 Fans relevant (w&v) # Ein Weltkonzern [...]

  17. Stefan |  29.04.2010 | 00:51 | permalink  

    Ist schon süß, das oben im Text das “Tracking des Nutzerverhaltens” bei Facebook kritisch beleuchtet wird und unten auf der Seite der leuchtende Flattr-Button prangt. Schon klar, Facebook ist evil und Flattr sind die Guten. Bleibt die Frage ab wieviel Millionen Nutzer Flattr evil wird.

  18. Stefan |  29.04.2010 | 00:53 | permalink  

    Und ja, meine Orthographie ist gewöhnlich besser.

  19. Tweets that mention jetzt mal Traktat über Facebook lesen. "Was ist der “Deal Facebook” und warum lehne ich ihn ab?" -- Topsy.com |  29.04.2010 | 00:54 | permalink  

    [...] This post was mentioned on Twitter by David. David said: jetzt mal @ChristophKappes' Traktat über Facebook lesen. "Was ist der “Deal Facebook” und warum lehne ich ihn ab?" http://carta.info/26360/ [...]

  20. paule |  29.04.2010 | 01:19 | permalink  

    ich kann dem vorredner stefan (kommentar 17/18) nur zustimmen. weder die einbindung des javasripts von flattr noch der iframe von kaschingle finden eingang in der datensch(m)utzerklärung von carta.info. immerhin google analytics ist ehrlicherweise erwähnt. da würde mich der iframe von facebook auf dieser seite auch nicht mehr jucken. entweder ich nutze tracking-blocker oder eben nicht..

  21. Christoph Kappes |  29.04.2010 | 01:25 | permalink  

    @Falk Ebert: Danke.

    Ich habe nichts gegen die dahinterstehenden Konzepte.

    Ich gucke – neben einer Haltung dazu, wie ich mir das Internet strukturell vorstelle – aus einer kaufmännisch-strategischen Sicht: “Mehrwert für alle”? Bei kommerziellen Anbietern bestreite ich das. Der Fehler, den wieder (!) alle machen, ist Reichweite mit Umsatz zu verwechseln. Entschuldigung, aber die “Attention Economy” ist Berater-XXX (damit meine ich nicht Dich). Was zählt, ist Umsatz (ARPU) – und die Summe an Werbung verschiebt sich nur auf die Aggregatoren – mit einem Intermediär mehr, der Margen einstreicht und die Preise verfallen lässt. Das kann man alles für unproblematisch halten, aber gerade diejenigen, die werbefinanzierte Geschäftsmodelle haben, sollten bitte erstmal nachdenken, statt First Mover sein zu wollen, ohne zu wissen warum und wohin.

    Ich frage mal einfach: was treibt einen Anbieter wie ReadWriteWeb dazu, seine Kunden auf Facebook zu treiben, auf diese Art wie hier:
    http://www.readwriteweb.com/archives/special_offer_to_our_facebook_friends.php

    Schicke ich, wenn ich Fischhändler bin, meine Kunden zum Fischmarkt, wo sie alle sind – und zahle dann eine zusätzliche Miete für meine (Zweit-) Bude an den Marktvermieter? Kann klappen, muss aber nicht. Und klappt wahrscheinlich dann besonders schlecht, wenn der Marktvermieter meine Kundendaten hat und die Kunden damit anschreibt – steht ja in den Nutzungsbestimmungen. Sieh Yelp-Meldung von heute: Like-It-Button eingebaut, Facebook schreibt die Gewerbetreibenden mit einem Aufkleber an – mit Facebook-Feedback-SMS.

  22. w |  29.04.2010 | 08:19 | permalink  

    Schöner Vortrag dazu, von Miriam Meckel: http://tinyurl.com/26tgkj4

  23. Facebook und die Idee des sozialen Internets | aquarius: We leverage your digital potential |  29.04.2010 | 10:30 | permalink  

    [...] Facebook übernimmt das Netz). Auch sehr eindrucksvoll ist der Artikel von Christoph Kappes über FB’s Zentralisierungstendenzen (Lesenswert!). Doch nicht nur in Deutschland regt sich Widerstand, auch in den USA werden die [...]

  24. Volker Meise |  29.04.2010 | 12:05 | permalink  

    Der Analyse stimme ich fast uneingeschränkt zu – bis auf einen Punkt: Ich bin mir nicht sicher, ob Facebook derzeit schon unter Profitabilitätszwang steht. Natürlich verlangen die Investoren ihren ROI, aber das muss ja nicht über Gewinnbeteiligung laufen. Es sieht mir eher so aus, dass ein Exit über IPO die wahrscheinlichere Variante ist:

    Ich sehe ehrlich gesagt auch mit den Neuerungen noch keine konkret umsetzbaren Geschäftsmodelle für Facebook abseits Google-ähnlicher Werbung. Bis Facebook also einen der Größe bzw. dem investierten Kapital angemessenen Gewinn ausweisen kann, dauert es noch ein wenig, wie der Vergleich mit Google zeigt. Und selbst wenn Facebook seine Einnahmen deutlich steigern kann, ist ein IPO mit 20 bis 30 Mrd. US-Dollar Börsenwert für die Investoren kurz- bis mittelfristig trotzdem die attraktivere Option.

    Damit ist die strategische Vorgabe für Facebook klar: Noch mehr wachsen und sich unersetzlich machen, um den Unternehmenswert zu steigern. Genau das tut es mit den neuen Features, wie ja sehr detailliert dargelegt wurde.

    Darum werden auch die Like-Buttons kostenfrei bleiben, denn sie dienen der tieferen Verzahnung von Facebook mit dem Rest des Webs und somit dem Wachstumsziel. Daher wird sich Facebookk auch um Nutzerverluste kümmern Denn der Aussage, dass Nutzerverluste Facebook mehr nutzen als schaden, stimme ich nicht zu. Über den Netzwerkeffekt leidet bei weniger Nutzern der Nutzen für die verbleibenden Teilnehmer, welche dann eher einen Grund zum Absprung haben. Es ist also im Interesse von Facebook, dem entgegenzuwirken. Ob allerdings die paar Aigner-Fans die Wahrnehmungsschwelle überschreiten, wage ich mal zu bezweifeln.

    Spannend wird es IMHO, sollte Facebook wirklich an die Börse gebracht werden und dann den Rentabilitätszwängen der Großinvestoren ausgesetzt werden. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was dann mit den bis dahin gesammelten Daten alles angestellt wird, um die dann geforderten Umsatzziele zu erreichen.

  25. Christoph Kappes |  29.04.2010 | 12:57 | permalink  

    @Volker Meise: Danke. Bin, was den Zahlendruck von Facebook angeht, auch nicht sicher, da ich weder Businesspläne habe noch Investoren kenne. Darum habe ich beide Sichten mit “validen” Zahlen zu untermauern versucht – noch “Griechenland”, aber starkes Wachstum und starke Investoren.

    In einen spekulativen Teil würde wohl auch gehören:
    - Arrington spricht von 100 Mrd Bewertung
    - Die letzten Zahlen sind mehr als ein halbes Jahr her. Wenn der ARPU je User gleich bleibt (irgendjemand hat mal 3 USD/User gerechnet, aber damit wäre ich seehr vorsichtig), müsste Facebook angesichts des User-Wachstums inzwischen Gewinne einfahren, da sich die Nutzerzahl ungefähr verdreifacht hat. Dummerweise kennen wir aber die Kosten nicht, also vergessen wir das wieder :-)
    - Gerüchten zufolge liegt Mark Zuckerberg bei rund 15%
    Mehr dazu möchte ich nicht schreiben… und man weiss nicht, wer was warum kommuniziert. Leider kümmert sich bisher niemand “investigativ” darum. Das ist ein Fall für einen kompetenten Wirtschaftsjournalisten mit Budget.

  26. Paul Ney |  29.04.2010 | 13:49 | permalink  

    Betr. #9, comment-12833, Christoph Kappes am 28.04.2010 21:30 “@Paul Ney: [...] Wieso kommen Sie denn auch auf Dürrenmatt? Neugierig.”

    Gleiche Wellenlänge?! ;-) Ich würde auch “noName” (#12, comment-12837 vom 28.04.2010 22:22) gerne zitieren: “@Paul Ney, schon klar. Bei Ihnen muss man wieder um die Ecke denken. ;)” ;-) Übrigens, mit manchen Gewehren kann man bereits um die Ecke schießen…

  27. Roland Kühl-v.Puttkamer |  29.04.2010 | 14:07 | permalink  

    Vielen Dank für die ausführlichen und fundierten Recherchen und Gedanken. Sie beschreiben ziemlich präzise, was auch mir durch den Kopf und noch mehr durch den Bauch geht. Die “give & take”-Balance im System Facebook verlagert sich. Zentrales Unbehagen auch bei mir trotz oder gerade wegen der APIs und iFrames: das proprietäre Datensilo inkl. Social Graph bei FB. Und diese Gutmenschenleier von Zuckerberg mit geradezu postreligiöser Emo-Verpackung. Dagegen hört sich Google´s Mantra “don´t be evil” regelrecht “bodenständig” an ;-)
    http://www.werbeblogger.de/2009/03/10/soziale-netzwerke-ein-paralleluniversum/

  28. Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? « Hartmut Ulrich – Randbetrachtungen |  29.04.2010 | 14:45 | permalink  

    [...] Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? Die Zentralisierungstendenzen des Netzes zeigen sich bei Facebook besonders eindrucksvoll. Was ist das Unternehmen Facebook? Welche Stellung strebt es innerhalb seines Ökosystems an? Welche Vor- und Nachteile bietet diese geschlossene Kommunikationswelt den Nutzern wie den Partnerunternehmen? Kurz: Was ist der “Deal Facebook” – und warum lehne ich ihn ab? via carta.info [...]

  29. Hannes |  29.04.2010 | 16:59 | permalink  

    Danke für den Artikel, habe ihn mit Freuden gelesen und habe dann diese Nachricht heute bei TechCrunch mit ganz anderen Augen gelesen:

    http://techcrunch.com/2010/04/28/50000-websites-have-already-integrated-facebooks-new-social-plugins/

  30. Christoph Kappes |  29.04.2010 | 19:43 | permalink  

    @Roland Kühl-v. Puttkamer: Wollte schon ranteln, als ich den Remix einiger meiner Gedanken in Ihrem Artikel las, und sah dann das Datum ;-). Den Link kann ich den Lesern hier sehr empfehlen. Ähnliches heute auf iBusiness, wo mein Artikel rezensiert wurde, dort sind 3 Szenarios (leider nur für Abonnenten).

    @Hannes: Kein Wunder bei dem Avatar ;-)

    Zum Gefällt-Mir-Button auf Carta kann ich nichts sagen. Ich bin nur Autor. Das ist aber wohl eine vergleichbare Situation wie bei Spreeblick, wo sich Johnny Haeussler auch kritisch geäussert und dann doch den Button eingebaut hat – die Anzahl an Likes ist viel höher als die Retweets. Für diejenigen, die keine grossen Werbeumsätze haben, ist der Deal im Moment wohl ja auch von Vorteil. Facebook profitiert also vom Long Tail, weil der Long Tail profitiert (?). Der Lock-In bei denen, die vor dem Long Tail sind, sieht da anders aus.

    Ich bin gespannt, was das für kleine Aggregatoren wie Rivva bedeutet (zumal auch hier der Deal sein könnte, die Likes mit zu integrieren!) und ob die schiere Menge an Likes die Retweets langfristig weniger bedeutend machen wird. Das ist eine Seite des Quantitätsproblems.

  31. Volker Meise |  29.04.2010 | 21:19 | permalink  

    Ein paar Gedanken zum Like-Button (und bitte korrigiert mich jemand, sollte ich da etwas nicht verstanden haben). Ich bin mir nämlich nicht so sicher, ob die Wirkung so außerordentlich ist, wie vielfach gesagt wird.

    Wenn ich als FB-Nutzer auf einen Button auf einer Webseite klicke, sehen das meine Freunde auf Facebook und interessieren sich vielleicht auch dafür – zumindest theoretisch. Denn wenn ich eine gewisse Anzahl von Kontakten habe, diese fleißig auf Like-Buttons klicken und ich nicht permanent auf meine Timeline gucke, dann bekomme ich die meisten Nachrichten schlicht nicht mit – sie laufen durch, ohne dass ich sie wahrnehme. Der virale Effekt dürfte daher recht begrenzt sein.

    Als Webseitenbetreiber ist es zwar nett, einen Button zu haben – denn je mehr “likes” ich habe, desto beliebter ist die jeweilige Webseite (und vielleicht fließt die Anzahl der likes ja auch mal in die Google Ranking-Kriterien mit ein). Ich kann auch ggf. sehen, wer meine Seite gut findet – aber was dann weiter? Soll ich jeden einzelnen FB-Nutzer, der bei mir geklickt hat, händisch verfolgen, um ihm etwas zu verkaufen? Das scheitert am unverhältnismäßigen Aufwand und auch daran, dass ich mich mit privaten Nutzern erst einmal befreunden muss, um ihnen eine Nachricht zu schicken.

    In der derzeitigen Form sind meiner Meinung nach die like-Buttons daher etwas überbewertet. Das ändert sich erst, wenn Instrumente von Facebook oder anderen geschaffen werden, welche die dort gewonnene Daten strukturieren und damit besser nutzbar machen.

  32. susann |  29.04.2010 | 21:23 | permalink  

    Ich als durchschnittlicher Internet und – Social-Network-User bin von dem ganzen Spekulieren und doch wieder harten Faktenaustausch sehr verunsichert und habe auch vor einigen Tagen meinen facebook-account deaktiviert. Nicht nur, dass ich dem Ganzen nicht traue – ich sehe keinen Grund darin, unbedingt einen facebool-account zu haben, da ich auf anderen Social-Network-Plattformen zu finden und vom “Unterhaltungsniveau” facebooks (farmville, Glücksnuss etc.) eh völlig unterfordert bin.

    Der Hype um facebook macht mich langsam “müde”. Sollen die doch erstmal ihren Blödsinn durchziehen und dann schauen wir mal, was das Resultat ist. Wer einen facebook-account hat, muss sich halt gut überlegen, wie er den nutzt.
    Alles muss man ja nicht mitmachen und DAUs wird es immer geben.

  33. Bye Bye Facebook (Update) - Susannalyse |  29.04.2010 | 21:28 | permalink  

    [...] So, das wäre erledigt: mein facebook-Account ist gerade deaktiviert und weil ich es einfach nicht lassen konnte, habe ich ein Bildschirmfoto gemacht, als ich die Frage beantworten sollte, warum ich mein Konto deaktivieren möchte (jedesmal das gleiche, wenn man irgendwas kündigt). Warum ich das getan habe? Nun es gibt viele Gründe:1. das "Unterhaltungsangebot" unterschritt mein Niveau (Glücksnuss, FarmVille etc.)2. egal wo ich auch im Netz mich bewegte, facebook war überall (Connect) und wie das so ist, mit Dingen die man zu oft "aufnimmt": es kotzt einen einfach irgendwann nur an3. ich konnte sehr gut annalysieren, wer von meinen "Freunden" viel "zockt" und mehr Zeit mit Spielchen verbringt, als was Sinnvolles zu tun und vor allem, mit welchen Spielchen die sich so beschäfftigen…blöd wenn man sich überall mit dem facebook-Account verbindet und tatsächlich glaubt, dass wäre etwas Gutes – ich will das aber eigentlich nicht wissen4. da ich in verschiedenen Netzwerken mal reingeschnuppert hatte, war ich sowieso für jeden Freund "auffindbar" und kontaktierbar, also da kommt es auf facebook nun auch nicht mehr an (Update)Auch wenn ich langsam nix mehr von facebook lesen will: hier eine gute Recherche und Fakten zum Fall Facebook-Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets [...]

  34. Angelegenheiten - flattr #undso |  30.04.2010 | 13:40 | permalink  

    [...] ansprechenden Sozialverteilerebene auch der angesprochene Like-Button, trotz all der berechtigten Kritik, die Zuckerbergs Open Graph Project so auf sich zieht. Was soll’s? Ich habe Facebook schon [...]

  35. CTRL-Verlust |  30.04.2010 | 17:11 | permalink  

    Plattformneutralität als Politik…

    Dies ist der zweite Teil der Reihe über das, was man wohl unvorsichtiger Weise "Politik" nennen könnte, ich mich aber entschlossen habe, "managing CTRL-Verlust" zu nennen. Warum das ich das tat, ist vielleicht im letzten Teil schon …

  36. Facebook ist raus! | Fein am Main | Frankfurt |  30.04.2010 | 21:51 | permalink  

    [...] es zum Beispiel differenziert & ausführlich in diesem Artikel beschrieben ist, sind wir mittlerweile ebenfalls der Meinung, dass der Deal “Daten gegen [...]

  37. Bjoern Habegger |  01.05.2010 | 07:46 | permalink  

    Da ist es wieder das deutsche Paradoxon zum Thema Datenschutz. Da ich es selbst nicht besser auf einen Nennen bringen kann, als dies Jeff Jarvis tut, meine Linkempfehlung hierzu: http://t3n.de/news/republica-2010-jeff-jarvis-270824/

    Ich bin mir nicht sicher ob es einfach ein Verständigungsproblem oder doch eher ein Problem des persönlichen Verstandes ist. Der Gesetzgeber verbietet seit Jahren die Vermummung meines Gesichtes bei Demonstrationen. Es besteht die Pflicht sich selbst ausweisen zu können bei Kontrollen und wo immer der Gesetzgeber es für nötig hält, werde ich auf digitalen Medien erfasst.
    Das ist akzeptiert, weil gut? Hm, ich habe natürlich die Wahlmöglichkeit: Akzeptieren, oder einfach das Haus nicht mehr verlassen. Rollos runter und schon kann nicht mal mehr mein Nachbar in mein Haus hereinschauen.
    Googles Streetview jedoch ist evil. Meine Interessen bei Facebook kund zu tun, wie früher am Stammtisch – ist es auch.
    Das beherbergt für mich eine seltsame Mischung aus Schizophrenie.

    Socialmedia und elektronische Vernetzung sind die Basis des gesellschaftlichen Zusammenleben im 21.Jahrhundert. Akzeptiert ist. Veränderungen sind elementarer Bestandteil des Lebens. Und anstelle des Nachbarschaftlichen und Kleinbürgerlichen Geschwafels auf dem Marktplatz im Dorf, zerreist man sich in “elektronischen Netzwerken” das Maul über die Gardinenfarben des Nachbarn oder seinen Hand zu banalen Handlungen.
    Der Unterschied liegt in der Umgewöhnung der Menschen. Veränderungen sind böße. In diesem Sinne verwechselt der “ach so aufgeklärte” Mensch nur seine Angst vor Veränderungen und seine damit einhergehende Angst vor Anpassung und Notwendigkeiten zur Verhaltensentwicklung mit scheinbar “bößen” Machtstrukturen derer die erkannt haben, wie Menschen sich vernetzen wollen. Wie man Wissen und Kommunikation für alle bereitstellt.

  38. Bjoern Habegger |  01.05.2010 | 07:50 | permalink  

    Korrigierte Version: “Blödes Rechtschreibprogramm” :)
    Erst lesen, dann clicken ;)

    +++++
    Da ist es wieder das deutsche Paradoxon zum Thema Datenschutz. Da ich es selbst nicht besser auf einen Nenner bringen kann, als dies Jeff Jarvis tut, meine Linkempfehlung hierzu: http://t3n.de/news/republica-2010-jeff-jarvis-270824/
    Ich bin mir nicht sicher ob es einfach ein Verständigungsproblem oder doch eher ein Problem des persönlichen Verstandes ist. Der Gesetzgeber verbietet seit Jahren die Vermummung meines Gesichtes bei Demonstrationen. Es besteht die Pflicht, sich selbst ausweisen zu können bei Kontrollen und wo immer der Gesetzgeber es für nötig hält, werde ich auf digitalen Medien erfasst.
    Das ist akzeptiert, weil gut? Hm, ich habe natürlich die Wahlmöglichkeit: Akzeptieren, oder einfach das Haus nicht mehr verlassen. Rollos runter und schon kann nicht mal mehr mein Nachbar in mein Haus hereinschauen.
    Googles Streetview jedoch ist evil. Meine Interessen bei Facebook kund zu tun, wie früher am Stammtisch – ist es auch.
    Das beherbergt für mich eine seltsame Mischung aus Schizophrenie.
    Socialmedia und elektronische Vernetzung sind die Basis des gesellschaftlichen Zusammenleben im 21.Jahrhundert. Akzeptiert es. Veränderungen sind elementarer Bestandteil des Lebens. Und anstelle des Nachbarschaftlichen und Kleinbürgerlichen Geschwafels auf dem Marktplatz im Dorf, zerreist man sich in “elektronischen Netzwerken” das Maul über die Gardinenfarben des Nachbarn oder seinen Hang zu banalen Handlungen.
    Der Unterschied liegt in der Umgewöhnung der Menschen. Veränderungen sind böße. In diesem Sinne verwechselt der “ach so aufgeklärte” Mensch nur seine Angst vor Veränderungen und seine damit einhergehende Angst vor Anpassung und Notwendigkeiten zur Verhaltensentwicklung mit den scheinbar “bößen” Machtstrukturen derer, die erkannt haben, wie Menschen sich vernetzen wollen. Wie man Wissen und Kommunikation für alle bereitstellt.

  39. Glanzlichter 11 « …Kaffee bei mir? |  01.05.2010 | 13:26 | permalink  

    [...] Christoph Kappes Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? [...]

  40. Christoph Kappes |  01.05.2010 | 15:04 | permalink  

    @Bjoern Habegger: Mit den Formulierungen “Problem des persönlichen Verstandes” “seltsame Mischung aus Schoziphrenie, Social Media und elektronische Vernetzung” sowie “ach so aufgeklärt” sind Sie hier auf der falschen Plattform.

  41. Bjoern Habegger |  01.05.2010 | 16:42 | permalink  

    @Hr. Kappes besten Dank für Ihre “Aufklärung”. Passt bestens zum gemalten Bild derer, die sagen wollen, wer – wo – wann richtig ist.
    Schönes Wochenende noch.

  42. Protokoll vom 01. Mai 2010beiTrackback |  01.05.2010 | 17:18 | permalink  

    [...] Facebook – Extended Edition Christoph Kappes erklärt im Interview, warum er seinen Account bei Facebook stilllegt, welche Rolle die Firma wirtschaftlich und im Netz spielt, welche Form Proteste haben können und was er Usern empfiehlt. Die ausführliche Variante heisst dazu heisst “Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets?“. [...]

  43. Ich |  01.05.2010 | 18:28 | permalink  

    Da fragt man sich doch, warum auch diese Seite hier Facebookintegration hat…

    Ich bin zumindest ausgeloggt und habe Skripte verboten – der In-Kontakt-bleibe-Aspekt hält mich bisher aber noch vom Löschen ab.
    Infos zu mir haben die eh nicht , außer Name und zwei Zitate in meinem Profil.
    Das größte Problem sehe ich alleridngs darin, dass den meisten das ganze nichtmal im geringsten bewusst ist.

    Just my 2 Cents …

  44. TRB 178: Micropayment, Netzsperren, Facebook, @podschnackbeiTrackback |  01.05.2010 | 20:54 | permalink  

    [...] Rieger über das CCC-Verhältnis zum Innenminister de Maizière 26:05 Christoph Kappes erklärt Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? 37:52 Blogger privat: Timo Neuhaus ist ein [...]

  45. OWP28: Open Facebook? – Der deutsche OpenWeb-Podcast |  02.05.2010 | 12:49 | permalink  

    [...] Christoph Kappes auf CARTA über Zentralisierung http://carta.info/26360/facebook-ein-sonderfall-im-oekosystem-des-internets/ [...]

  46. Gerso |  02.05.2010 | 19:17 | permalink  

    @Bjoern Habegger:
    “Socialmedia und elektronische Vernetzung sind die Basis des gesellschaftlichen Zusammenleben im 21.Jahrhundert.”

    Diese Aussage trifft (bis jetzt) noch nicht einmal für die Generation der Digital Natives zu, insofern sind auch die Schlussfolgerungen in Frage zu stellen. Ich bin 18, kontaktfreudig und würde mich als vielfältig interessiert bezeichnen. Aber vielleicht 60% meines Umfelds hat einen Networking-Account, höchstens. Die allermeisten Freunde erreiche ich per Anruf, SMS, ICQ oder E-Mail. Irgendwelches Social Zeugs ist mir dazu ganz einfach zu umständlich. Warum soll ich darauf hoffen, dass jemand eine Statusmeldung liest, wenn ich auch einfach anrufen kann? Bis zur “Basis des gesellschaftlichen Zusammenlebens” ist es da (hoffentlich) noch ein weiter Weg.

  47. Social Media in Unternehmen – oder, Papa sind wir schon da? « Totterturm |  03.05.2010 | 14:49 | permalink  

    [...] mit der Diskussion um die positiven Effekte von Social Media an. Überhaupt, weißt diese wichtige Diskussion, die Christoph Kappes hier zwar sehr lang aber um so lesenswerter am Beispiel Fa…, auf einen durch Social Media ausgelösten tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel hin. Der [...]

  48. Facebook, Jeff Jarvis und die Erbsünde in der Share Economy | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Facebook, Jeff Jarvis und die Erbsünde in der Share Economy |  10.05.2010 | 13:47 | permalink  

    [...] wenn sich in Deutschland ebenfalls wieder kritische Stimmen zu Facebooks aktueller Strategie mehren (und wir das Thema “Facebook”  im Werbeblogger [...]

  49. Gelesen: Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem » Andreas Mauf |  11.05.2010 | 15:48 | permalink  

    [...] Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? — CARTA Mit Facebook entsteht im Web ein möglicher „single point of failure“, demgegenüber besser sind redundante Strukturen. [...]

  50. Facebook und die Privatsphäre – Eine Sammlung » tautoko weblog |  16.05.2010 | 22:50 | permalink  

    [...] Ausführliche Analyse auf Carta: Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? [...]

  51. Datenschleuder Facebook an die Kette legen | primus inter pares |  19.05.2010 | 13:57 | permalink  

    [...] Facebook ist nicht gerade dafür bekannt, sensibel mit Daten und E-Mail-Adressen umzugehen. Zwar dringt immer nur das nach außen, was ich selbst freigebe. Gleichwohl agiert Facebook als amerikanisches Unternehmen recht freimütig. [...]

  52. Facebook’s Expansionspläne massiv in der Kritik | aquarius Digital Potential Blog |  25.05.2010 | 11:46 | permalink  

    [...] Facebook übernimmt das Netz). Auch sehr eindrucksvoll ist der Artikel von Christoph Kappes über FB’s Zentralisierungstendenzen (Lesenswert!). Doch nicht nur in Deutschland regt sich Widerstand, auch in den USA werden die [...]

  53. Walter Schärer |  30.07.2010 | 19:42 | permalink  

    Die hier beschriebenen neuen Facebook-Funktionen sind für mich ein guter Grund, erst recht Facebook-User zu bleiben: Ich will doch aus eigener Erfahrung wissen, was hier abgeht!

    Ich gehe davon aus, dass Facebook noch eine ganze Weile sehr erfolgreich agieren wird. Trotz des hier eindrücklich beschriebenen finanziellen Druckes wird der IPO angeblich auf 2012 verschoben. Die scheinen also noch gut Luft zu haben.

    In meinem privaten Blog ist Facebook nach Google bereits der zweitgrösste Traffic-Lieferant, ohne dass ich Facebook intensiv nutze (bisher nur den Like-Button). Ich habe aber keine Bedenken wegen eines allfälligen Lock-Ins: Sollte Facebook tatsächlich an die Börse gehen, werden sie dadurch zwar die weitere Finanzierung sichern, aber auch zu Transparenz und zum Wohle des Nutzers gezwungen. Alle negative PR, wie zum Beispiel die aktuelle Privacy-Diskussion, wäre für den Aktienkurs Gift. Das können sie sich dann gar nicht mehr erlauben und deshalb nur für alle Parteien “sinnvolle” Dienste weiterentwickeln.

    Google zeigt ja sehr eindrücklich, dass nicht mal die hellsten Köpfe der Branche und alles Geld der Welt einfach so einen erfolgreichen Dienst garantieren. Letztlich entscheiden weiterhin die User über Erfolg oder Misserfolg.

  54. CARTA |  03.08.2010 | 17:34 | permalink  

    Diaspora: Die Freiheit liegt in der Verstreuung…

    Facebook versucht das Netz zu kolonialisieren, kommerzialisieren und zu zentralisieren. Die offene Vernetzungs- und Organisationsstruktur im Internet bietet allerdings effektive Möglichkeiten, sich gegen diese Vereinnahmung zu wehren: „Diaspora“ h…

  55. Das Ökosystem des Online-Datings | Loverty |  19.11.2010 | 17:58 | permalink  

    [...] jemand damit angefangen, alles Mögliche als Ökosystem zu bezeichnen. Und dann ging es los … Facebook, Filehoster und Abmahner, das Betriebssystem Ubuntu und sogar: Botnetze als [...]

  56. Männig » Friends for iPhone: Genial oder Trojaner? |  16.12.2010 | 11:48 | permalink  

    [...] – zur Verfügung stellt, sollte man über die Zusammenhänge im Bilde sein. Ein entsprechender Artikel von Christoph Kappes auf Carta ist zwar etwas länglich und datiert auch schon vom Frühjahr 2010, sollte aber für jeden [...]

  57. Carmen_31 |  07.03.2011 | 12:37 | permalink  

    Hallo, wir nutzen Facebook im Shopping Bereich gerne. Hierzu gibt es ja bereits unterschiedliche Lösungen wie z.B. http://www.favourite-solutions.de oder ähnliche die man auch ohne Bedenken einsetzen kann.

  58. Buch „Datenfresser“ lesen! « Leben im Netz |  16.05.2011 | 17:47 | permalink  

    [...] ———– Noch etwas zum Thema, das ich vor ein paar Tagen gelesen habe: http://carta.info/26360/facebook-ein-sonderfall-im-oekosystem-des-internets/ Der Blogger Christoph Kappes erklärt, warum er sein Facebook-Konto deaktiviert [...]

  59. Facebook: Bin dann mal wieder weg « … Kaffee bei mir? |  27.09.2011 | 21:55 | permalink  

    [...] Christoph Kappes: Facebook – Ein Sonderfall im Ökosystem des Internets? [...]

  60. Tinbrain » “Diaspora”: Die Freiheit liegt in der Verstreuung |  13.11.2011 | 14:02 | permalink  

    [...] aggressive Landnahme droht das Web zu zentralisieren und damit fundamental zu verändern. Denn auf sämtlichen Seiten, auf denen die Plugins installiert [...]

  61. Unzweifelhafte und zweifelhafte Erfolgsfaktoren von Facebook: Isolationsfurcht als Klammer!? — CARTA |  14.05.2012 | 10:02 | permalink  

    [...] vom 7.Mai 2012 gerufen hat, lassen sich nicht lange bitten: über Facebook wurde bereits viel geschrieben und muss aktuell  selbstverständlich viel geschrieben werden, denn immerhin nähert sich [...]

  62. Unzweifelhafte und zweifelhafte Erfolgsfaktoren von Facebook: Isolationsfurcht als Klammer!? | |  18.05.2012 | 00:02 | permalink  

    [...] Altpapier vom 7.Mai 2012 gerufen hat, lassen sich nicht lange bitten: über Facebook wurde bereits viel geschrieben und muss aktuell selbstverständlich viel geschrieben werden, denn immerhin nähert sich der [...]

Sie möchten diesen Text kommentieren?

Ihr Name (erforderlich):

Ihre E-Mail (erforderlich):

Ihre Website:

Über Facebook oder Twitter einloggen:

Sie können Ihren Kommentar mit HTML-Befehlen formatieren.