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Redaktion

Die Mär vom Qualitätsjournalismus

Redaktion | 5 Kommentar(e)


Einige Medienmagazine haben sich am Wochenende einen Skandal gebastelt. Mit völliger Sorglosigkeit berichteten sie über einen Journalisten, der ihrer Meinung Experten erfand – und den sie natürlich gleich mit Namen und Bild vorführten.

29.03.2010 | 

Am Wochenende sorgte ein neuer Fall von angeblicher Zitatfälschung in der Medienwelt für Aufsehen. Stefan Niggemeier rückt einige Fakten gerade: Vorurteil im Schnellgericht.

Sebastian Wieschowski, der an der KU Eichstätt-Ingolstadt Journalistik studiert, bezieht auf seinem Blog Stellung:

Ich habe keine Zitate erfunden. Ich habe keine Zitate gefälscht. Aufgrund einer Leserbeschwerde beim Presserat hat sich herausgestellt, dass ein vermeintlicher Anwalt, den ich in mehreren Artikeln zitiert habe, ein Hochstapler war. Das ärgert mich und war ein Fehler von mir – ich hätte den Hintergrund dieser Person genauer prüfen müssen. Ich protestiere aber gegen die vorverurteilende und mich identifizierende Berichterstattung über diesen Fall auf journalist.de und meedia.de. Sie ist einseitig und falsch.

Da mutet die Aussage bei Sputnik fast grotest an, die schnell von erfundenen Experten eines “Spiegel-Online Redakteurs” berichteten:

Wer SPUTNIK hört oder auf SPUTNIK.de klickt, kann sich sicher sein, dass alles, was wir erzählen auf Fakten basiert. Mit der Journalistischen Sorgfaltspflicht nehmen es aber nicht alle Medien so genau. [...]

Niggemeiers Fazit:

Da sind also gestandene Journalisten und Chefredakteure von Medienmagazinen. Sie glauben genau zu wissen, was passiert ist, müssen es aber kurz darauf zurücknehmen. Sie schaffen es nicht, den Verdacht anderer so zu zitieren, dass sie ihn sich nicht zu eigen machen. Sie verzichten auf elementarste Grundregeln von Fairness, Recherche und Journalismus. Ihre Artikel sind hastig zusammen geschludert und strotzen teilweise vor Fehlern. Sie glauben, in größter Eile eine Monate alte Geschichte berichten zu müssen. Und sie sind überzeugt, mal eben die Glaubwürdigkeit, die Existenz eines 25-jährigen Journalistikstudenten zerstören zu dürfen, weil der sauberer hätte arbeiten müssen?

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5 Kommentare

  1. Robin Meyer-Lucht |  29.03.2010 | 19:24 | permalink  

  2. Wolfgang Michal |  30.03.2010 | 13:41 | permalink  

    Der Fall ist zumindest dubios. Das mediummagazin spricht vorsichtig von Ungereimtheiten.
    Dass eine Branche, die momentan hypernervös ist (gerade hatte NEON einen Fälschungsfall, davor ließ die BUNTE Politiker beschatten), alles aufgreift, was das eigene Arbeiten betrifft, ist sehr verständlich. Ja, die Namensnennung war voreilig, aber auch die Vorverurteilung der Vorverurteiler ist voreilig.

  3. Eric Markuse |  31.03.2010 | 12:43 | permalink  

    “Einige Medienmagazine haben sich am Wochenende einen Skandal gebastelt.”

    Das ist falsch. Das ist (wessen) Meinung bei Carta? Wo ist der Autorenname bei einem Meinungsartikel?

    “Da mutet die Aussage bei Sputnik fast grotest an, die schnell von erfundenen Experten eines “Spiegel-Online Redakteurs” berichteten.”

    Auch falsch. Auch Meinung. Empfehlung: Bitte den Radiobeitrag nachhören: http://bit.ly/aegSBk Von einem Spiegel-Online-Redakteur ist darin überhaupt keine Rede. Und grotesk schreibt man mit übrigens k, nicht mit t.

    Frage: Wer bei Carta hat das wo abgeschrieben, ohne eine Gegenposition einzuholen?

    Update: Auch Herr Niggemeier zeigt in seinem neuesten Blogeintrag plötzlich eine deutliche Distanz zu Sebastian Wieschowski – man kann beinahe von einem Rückzieher sprechen. Zitat Niggemeier: “Es gibt auch diverse weitere Ungereimtheiten in Zusammenhang mit anderen Namen in den Texten.” http://www.stefan-niggemeier.de/blog/vorurteil-im-schnellgericht-2/

    Die Mär vom Qualitätsjournalismus – ja, aber bei Carta! Hier wurde ganz schön etwas zusammengebastelt. Aus meiner Sicht ein publizistisches Eigentor.

    Viele Grüße

    Eric Markuse

  4. Sandra Mamitzsch |  31.03.2010 | 13:43 | permalink  

    Lieber Herr Markuse,

    ich habe nicht behauptet, dass Sebastian W. unschuldig ist. Mit dieser Netzlese sollte auf den Artikel von Stefan Niggemeier aufmerksam gemacht werden, der die vorschnelle und aufgeregt Berichterstattung kritisiert. Die Formulierung “rückt einige Fakten gerade” ist dafür tatsächlich nicht ideal.

    Rückzieher ist wohl übertrieben ;)

    Aber gerade weil die Faktenlage so unübersichtlich und widersprüchlich ist, habe ich von meiner gestrigen Kritik an der vorverurteilenden, falschen, identifizierenden Berichterstattung auf journalist.de nichts zurückzunehmen.

    @ Sputnik: Siehe Screenshot bei Niggemeier. Grotesk ist die Überschrift mit anschließender Aussage zur journalistischen Sorgfaltspflicht schon.

    @ Autorenname: Ich habe mittlerweile angefangen die Netzlese auch unter meinem Namen einzustellen und werde das bei kommenden Artikeln so handhaben.

  5. treets |  04.04.2010 | 00:07 | permalink  

    Eric Markuse beklatscht ein Eigentor, was keines ist, und bekommt daher wegen grober Unsportlichkeit eine gelbe Karte.
    Bitte demnächst erst lesen, dann posten.

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