Redaktion | 21 Kommentar(e)
Erstaunliche Szenen heute in der Bundespressekonferenz: Guido Westerwelle signiert nach kritischen Nachfragen einer Journalistin seine Welt-Kolumne mit den Worten “‘In Liebe’, Ihr Guido Westerwelle”.
26.02.2010 |
Guido Westerwelle (FDP) neigt derzeit augenscheinlich zu besonders deutlichen Gesten. Auf einem lebhaften Termin in der Bundespressekonferenz verwahrte sich der Vizekanzler und Außenminister heute mehrfach dagegen, dass seine Kolumnen nicht genau genug gelesen oder Zitate aus dem Zusammenhang gerissen würden. Als die Journalistin Daniela Vates (Berliner Zeitung) vorschlug, Westerwelle könne doch die Passagen einmal vorlesen, entgegnete Westerwelle: Dies sei jetzt leider nicht möglich, er würde ihr die Kolumne aber gerne “In Liebe” signieren – als Dank für das große Interesse von Vates.
Westerwelle verließ wenig später mit seinem Tross die Pressekonferenz – bis ihm kurz vor dem Ausgang einfiel, dass er ja noch ein Exemplar der Welt-Kolumne dabei habe, das er nun öffentlich signieren und überreichen könnte. Das tat er dann auch unter Anteilnahme dutzender Kameras. Darunter Journalisten, die raunten: “Das hält der Mann nicht mehr lange durch.”
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Exklusives Andenken für die Journalistin Daniela Vates (Berliner Zeitung): "mit Dank für Ihr Interesse 'In Liebe' Ihr Guido Westerwelle
Kommentare bitte in Zurückhaltung und Sachlichkeit.




Ich mache mir Sorgen um Guido.
Muss man einen Kabelbrand im Ironiedetektor haben, um hier eine histrionische Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren?
ich mache mir eher sorgen um ein staatswesen, das solche minister möglich macht.
Passend: Christian “Fonsi” Springer verhält sich im BR zu Guido Westerwellen einmal anders. [Youtube-Video]
In diesem Sinne: Es wird Zeit für Sie, Herr Westerwelle.
[...] “In Liebe” Bundesaußenminister Guido ‘Westerwave’ Westerwelle scheint in guter Stimmung zu sein: auf die Nachfrage einer Journalistin, seine “Welt”-Kolumne einmal vorzulesen, um [...]
Erst signieren, dann resignieren, dann demissieren und reüssieren?
@bee,
“histrionische Persönlichkeitsstörung” triffts zwar nicht schlecht, aber man findet sicher noch bessere Subkategorien von DSM-IV
…Histrioniker sind extrem suggestibel. Leicht werden sie durch andere beeinflusst, wobei sie meist nach Übereinstimmung streben und Positionen des Gegenüber übernehmen. …
Das kann ich erstmal nicht sehen.
Mein Eindruck ist, dass die westlichen Demokratien mittlerweile einen ausserordentlichen Prozentsatz von Narzissten kombiniert mit diversen anderen -ähem- Persönlichkeitsmerkmalen an die ‘Spitze’ bringen.
Blair und Clinton sind Lieblingskandidaten im angelsächsischen Raum.
Aznar, Berlusconi, Schröder, Fischer weitere.
Was mir auffällt, ist, wieviel Juristen darunter sind.
Beispiel:
—
Blair mad? That’s a barmy idea.
Psychiatrist rejects magazine diagnosis of Blair as a psychopath
…
“The qualities that have been cited to prove that Blair is a psychopath are his charm, insincerity and talent for drama,” argues Allan Beveridge in the latest issue of the Journal of the Royal Society of Medicine, out today.
“The most prosaic explanation for these qualities is that he is a lawyer, merely using the tricks of the trade to argue the case. He has the lawyer’s ability to defend positions without necessarily believing in them.”
…
http://www.guardian.co.uk/politics/2003/dec/01/uk.highereducation
“In Liebe” ist die Vorstufe von “Ich liebe Euch doch alle.”
http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Ich_liebe_Euch_doch_alle ;)
„Aloha“ wäre natürlich nicht mehr zu toppen. :) Mal gucken, er ist ja Bundesaußenminister. Noch.
@noname,
in Bayern heisst das seit Streibl “Saludos Amigos”.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amigo-Aff%C3%A4re
Interessant ist, wie das Grundmuster über die Jahrzehnte und die Gesellschaften durchdekliniert wird.
@Groo, ja, ganz interessant. :)
Bei Westerwelles hang zu den Römern hätten die Journalisten ihn mit “Salve magister!” begrüßen sollen. Was hätte WW nur geantwortet? Gefreut hätte er sich bestimmt.
Hier ein Römerspruch: „Semper aliquid haeret“
Wie treffend: http://www.sueddeutsche.de/politik/262/504474/text/
@1: Ganz treffend. Leider.
Lachen ist gesund, sprach die Eule;
lachte und fiel vom Ast.
Thomas Denkler hat die Sache auch gut auf sueddeutsche.de beschrieben – doch leidiger einige Ungenauigkeiten im Text (Pressemitteilung statt Welt-Kolumne, Name der Journalistin fehlt) – und kein Link auf das Carta-Foto. Schade
http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/262/504474/text/
Siehe auch Thomas Denkler bei sueddeutsche.de
http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/262/504474/text/
leider ohne Link auf Carta-Foto – sehr schade eigentlich…
Der Artikel von Herrn Denkler ist wirklich gut:
http://www.sueddeutsche.de/politik/262/504474/text/ :))
Oh, tatsächlich mit „falschen“ Anführungszeichen. Dabei ist doch Deutschland hier.
@#15,#16,
Westerwelles Einkünfte aus Vorträgen von 30*’über 7000€ rundet die SZ auf 250 000 auf. Andere nennen 500 000. Können auch mehr sein.
Welche ‘Leistung’ dahinter steht, bleibt offen.
Der Skandal, so wie ich ihn empfinde, ist, dass er nach Oben grosszügig alles im Diffusen lässt, nach Unten mit jedem Euro rechnet.
Irgendwo muss das Geld ja her kommen.
Ein Euro für IHN muss von 250-500 000 Leuten qua Ein-Euro-Jobber, also 250-500K Stunden ‘erwirtschaftet’ werden.
Das muss ER ja erstmal ‘leisten’.
Vgl #7 –DSM-IV –.
Herr Westerwelle war in der heutigen Pressekonferenz generell etwas spaßig aufgelegt… war auch etwas verwundert.
Na ja, bei aller Euphorie und Spassgehabe :-), Herr Westerwelle ist einfach wieder beim Guidomobil angekommen.
Seine ersten, wie ich fand recht souveränen, Auslandsaufhenthalte, hatten mich hoffen lassen, dass Herr Westerwelle begriffen hatte, was nun seine Aufgabe ist.
Kam leider anders, und nicht nur das, zeugt seine Vorgehensweise doch schlicht davon, dass ich mich für so einen Außen minister schäme! Muss man ja auch mal sagen!
Götz Aly charakterisiert die Leere, den Mangel an Lebenserfahrung und Neugier treffend in der Berliner Zeitung. Ich kann es mir nicht vorstellen, GW vier Jahre zu ertragen. Hoffentlich bekommt er in NRW die Rechnung von den Wählern.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0223/meinung/0031/index.html