Miriam Meckel | 11 Kommentar(e)
Die drei Debattenphasen der Westerwelle erklärt: Exposition, Eskalation, Endphase.
19.02.2010 |
[Westerwelle, die] Argumentkonstrukt, das vornehmlich in auf öffentliche Aufmerksamkeit und Erregung ausgerichteten deutschen politischen Debatten verwendet wird und auf kurzfristige Wirkeffekte zielt.

Die Westerwelle besteht in ihrer Grundform aus drei Phasen:
(1) Exposition: Oft eingeführt mit dem Satzbestandteil „Es kann nicht sein dass …“. Der Verwender der Westerwelle formuliert damit eine Selbstverständlichkeit als provokante These, die den Beginn des sich räumlich und zeitlich verändernden Diskursfeldes markiert.
(2) Eskalation: Wenn es doch sein kann, dass die öffentlich zur Diskussion gestellte These auf Widerspruch trifft, wird im zweiten Anlauf mit dem Ziel, mehr Wortmaterie durch den virtuellen Raum zu transportieren, die These durch ein behauptetes Sprechverbot verstärkt („Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass …“).
(3) Endphase: Die These wird teilweise zurückgenommen, modifiziert, ins Allgemeine verwässert oder ins Gegenteil verkehrt. Inhaltlicher Bestandteil des Argumentkonstrukts sind dann lediglich noch Allgemeinplätze, die allerdings durch eine vermeintlich verstärkende Formulierung eingeleitet werden (z.B. „Ich bleibe dabei ….“). Diese sollen – wenngleich dem ursprünglichen Argumentkonstrukt widersprechend – rhetorische und inhaltliche Konsistenz suggerieren.
Die Westerwelle wird als Sprach- und Erregungskonstrukt bevorzugt in solchen politischen Debatten eingesetzt, mit denen die Debattenführer von anderen Themen ablenken oder diese aus dem Aufmerksamkeitsfokus der Öffentlichkeit hinausdrängen wollen. In physikalischer Hinsicht gehört die Westerwelle im Gegensatz zur mechanischen Welle in die Kategorie der Gravitationswellen, die sich in einem Vakuum ausbreiten können.


Sehr schön!
Tscha – es langweilt auf Dauer aber auch, wenn ständig diese große Westerwellen durch die Presse schäumen.
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Glanzvolle Analyse, wissenschaftlich(!) unanfechtbar und gepaart mit eben dem Esprit, den wir alle schmerzlich vermissen – auch und gerade bei dem, der zufällig (oder geschickterweise?) den Namen des Phänomens usurpiert hat.
Lichtwellen breiten sich auch im Vakuum aus. Gravitationswellen wurden noch nicht experimentell nachgewiesen.
[...] Brandung beigelegt — CARTA – "Die drei Debattenphasen der Westerwelle erklärt: Exposition, Eskalation, Endphase. " (Tags: Rhetorik Politik ) [...]
Klingt ganz logisch. Mich wundert, dass eine ansonsten hervorragende Debatten-”Zeitschrift” wie Carta jedoch nicht Miriam Meckels Vergangenheit als Mitarbeiterin von Wolfgang Clement mitschwingen lässt. Hält man sich vor Augen, dass Frau Meckel sicherlich auch schon einmal mit der Westerwave-Technik gearbeitet hat, bekäme ein spannender Text zum Thema Empörungs- und Skandalisierungs-Demokratie noch ein zusätzliche Dimension.
@ Eike Wenzel: Auf Carta schreiben fast ausschließlich Leute, die irgendwann einmal für irgendjemanden gearbeitet haben und das auch nocht tun. Weil auf Carta ja nicht nur klassische Journalisten schreiben. Bitte beachten Sie doch, dass das erste Wort in Artikel 5 GG “jeder” heißt. Dort steht nicht “Nur Leute, die nie für irgendjemanden gearbeitet haben, …”.
Entsprechend würde mich freuen, wenn Sie sich einfach in Achtung von Artikel 5 GG mit den Positionen unserer Autoren auseinandersetzen – und persönliche Unterstellungen einfach ganz woanders abladen.
:-))) Da sitzt der Redakteur am Sonntagnachmittag mit dem Grundgesetz in der Hand in der Stube und meiert seine Leser ab. Das mit der Debatten-Zeitschrift nehme ich dann vorsichtshalber zurück, sonst kommen Sie mir noch mit dem Anwalt. Ihre Unterstellung, hier würde irgendwelche GG-Paragraphen nicht beachtet, ist lächerlich, mit Kanonen auf Spatzen geschossen und schlicht peinlich.
Okay, die zweimalige Erwähnung des Grundgesetzes war übertrieben. Aber derartige “Enthüllungskommentare” mit ad-hominem-beigeschmack nerven.
Physikalische Definition von Westerwellen
… Der physikalische Laie verwechselt den akustischen Eindruck von Westerwellen oft mit menschlicher Sprache.
Quelle: http://anonymus.posterous.com/westerwellen