Robin Meyer-Lucht | 14 Kommentar(e)
Nach der Absage von Dagmar Gräfin Kerssenbrock wird eine echte öffentliche Debatte zu Tagesschau.de weiter aufgeschoben.
18.02.2010 |
Für den 2. März war eine Carta-Diskussionsveranstaltung mit Dagmar Gräfin Kerssenbrock (NDR-Rundfunkrat), Wolgang Blau (Zeit Online), Christoph Keese (Axel Springer Verlag) und mir als Moderator geplant. Es sollte um den merkwürdigen App-Streit und die bisherigen Erfahrungen im Drei-Stufen-Test für Tagesschau.de gehen. Wir hätten die Veranstaltung gestreamt. Es wäre eine der wenigen Debatten mit beiden Seiten zu diesem Thema gewesen und ich war fest entschlossen, diese möglichst sachlich und fair zu veranstalten.
Gestern nun hat Dagmar Gräfin Kerssenbrock leider abgesagt. Sie schreibt:
Mit Ihrer Veröffentlichung im “Spiegel” haben Sie diesem Treffen die Gesprächsgrundlage entzogen. Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass Sie angesichts der bevorstehenden Veranstaltung diese Kampagne initiiert haben.
Ich bedauere diese Absage sehr. Die Mitberatungsvorlage des NDR-Rundfunkrates im Tagesschau.de-Drei-Stufen-Test entzieht aus meiner Sicht der Diskussion nicht die Gesprächsgrundlage, sondern sie schafft vor allem eine. Eine öffentliche Debatte über den Stand des Drei-Stufen-Tests hätte ich sehr wichtig gefunden. Im Zuge der Verfahrensvorbereitung hieß es aus der ARD: “Der öffentliche Dialog über unsere Angebote, der die Prüfung durch die Gremien begleitet, ist dabei zugleich auch eine Chance für uns selbst.” In einer Pressemitteilung fordert die SPD: “Die Dialog-Kultur zwischen Verlagen, kommerziellen Rundfunkveranstaltern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk muss dringend gestärkt werden.” Bei ähnlichen Verfahren im Zusammenhang mit der BBC werden Gutachten und Beschlussvorlagen übrigens Monate vor der Entscheidung zur öffentlichen Diskussion gestellt.
Die NDR-Rundfunkratsvorsitzende hat dem öffentlich Dialog im Rahmen dieser Veranstaltung leider eine Absage erteilt. Ich hoffe, dass es andere Gelegenheiten geben wird.





Welche Veröffentlichung im Spiegel ist gemeint? Diese hier?
Öffentlich-Rechtliches Internet, NDR-Rundfunkrat stellt Tagesschau.de Freifahrschein aus, Von Robin Meyer-Lucht
@ Tharben: genau
Wie bitte? Wegen dieses relativ deskriptiven Beitrags ist Gräfin Kerssenbrock beleidigt? Peinlich. Souveräner Umgang mit einer kritischen Öffentlichkeit sieht anders aus.
bin ja vielleicht ein bißchen langsam, aber hat die gräfin abgesagt, weil du die punkte veröffentlicht hast, oder weil ihr der text nicht passte?
@ Tim: ja.
@ Vera: Das hat sie so genau nicht geschrieben. Ich glaube beides.
Da empfinde ich wenig Mitleid, Robin. Du wechselst die Masken, wie es Dir gerade passt: Mal kommst Du als Berater mit Deinem zu großen Teilen von Verlagen beauftragten Berlin Institute daher, berätst unter anderem “Spiegel Online”, veröffentlichst bei Deinem Kunden ein äußerst einseitiges Stück über die ARD-Pläne, in denen Du unter anderem verschweigst, dass mit den anstehenden Beschränkungen und gegen Deine These (“Freibrief”) mehr als die Hälfte aller bestehenden Videos und Texte gelöscht werden müssen – und dann trittst Du als vermeintlich objektiver Diskutant auf, unter der Kappe von Carta. Wunderst Du Dich wirklich, dass das auf Missfallen stößt? Schwierig! Und dennoch: Dass eine solche Debatte nun entfällt, ist äußerst schade. Vielleicht kann sich ja ein objektiverer Gastgeber dazu durchringen, die Runde erneut einzuladen. (Aufruf!)
@ Daniel: Jip, manchmal kommt es eben zu diesen Rollenclashs. Damit muss ich umgehen.
Dass das Stück “äußerst einseitig” sei, weise ich entschieden zurück. Es ist eine Zusammenfassung, was der NDR-Rundfunkrat vorschlägt. Einseitig ist, wie der Rundfunkrat mit dem Staatsvertrag umgeht. Dass die Hälfte der Videos gelöscht werden muss, steht übrigens nicht in dem Entwurf.
“Objektiv” liegt doch schon lange im Mülleimer der Kommunikations- und Kulturwissenschaft….
Stimmt, das steht da nicht. Zu einer journalistischen Veröffentlichung gehört es aber auch, die Gegenseite anzuhören und die Folgen zu recherchieren. Das hast Du nicht getan und bist lieber den bequemen Weg gegangen: Papier ziehen und notieren statt weiter zu recherchieren. Deshalb: einseitig. Übrigens störe ich mich bloß daran. Dass Du das Papier öffentlich gemacht hast, hilft ja im Prinzip der Diskussion. Mir geht es hingegen um die Art und Weise, die ich nicht fair und wenig hilfreich finde. Aber Du sagst ja selbst: Rollenclash.
@ Daniel: Nee, sehe ich ganz anders: Ich habe über das Papier mit keiner Seite gesprochen – deswegen ist es auch nach dieser Definition nicht einseitig.
Kommentar gelöscht
@ Tharben: Sorry, aber der Kommentar verstieß eindeutig gegen Punkt 4 der Carta-Kommentarrichtlinien.
@Robin: Ich finde, da machst Du es Dir aber schon sehr einfach. Journalistische Standards sehen jedenfalls anders aus. Finde Kommentar Nr. 9. ziemlich entlarvend. Du magst ja wirklich ein fundierter Berater sein, Trends erkennen und brauchbare Strategien entwickeln. Aber ob Du Dir mit Deinen Journalisten-Spielchen einen Gefallen tust? Ich weiß ja nicht…
@ Daniel: Lieber Daniel, ich werde mich in Zukunft auch zu vielen anderen Themen äußern – etwa Jugendmedienschutz, Leistungsschutzrecht. Und ich werde das mit dem guten Gewissen tun, einfach das zu sagen, was ich für richtig halte.
Ich schließe jetzt mal den Kommentarthread zu diesem Text, um mal ein wenig Ruhe in die Sache zu bringen.
Aus gegebenen Anlass möchte ich kurz auf folgende Sache hinweisen: In einem epd-Artikel wird mir vorgeworfen, ich hätte nicht über den Tagesschau.de-Drei-Stufen-Test auf Spiegel Online schreiben dürfen, weil ich selbst in dem Verfahren eine Stellungnahme abgegeben habe und damit selbst “Partei” sei.
Es gäbe zu dieser Einlassung wäre viel zu sagen. Hier aber nur ganz kurz: Durch eine Stellungnahme im Drei-Stufen-Test ist es gerade nicht so, dass daraus irgendeine eine Rolle im Verfahren folgt. Stellungnehmen kann jeder und Netzpolitik dazu ja auch ganz explizit aufgerufen. Die Stellungnehmenden sind nicht Teil des Verfahrens und haben keine Rechte.
Ich nehme diesen Hinweis aber dennoch sehr ernst und werde beim nächsten Mal sehr genau prüfen, dass ich die einschlägigen Transparenzrichtlinien auch ohne jeden Zweifel einhalte.