Wolfgang Michal

Die größten Kritiker der Elche sind künftig selber welche

Wolfgang Michal | 11 Kommentar(e)

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Eigentlich ist alles so einfach: Wenn man unzufrieden mit dem Bestehenden ist, macht man halt was Neues. Oder nicht?

13.01.2010 | 

Den Kritikern der Verlage (und den kritischen Medienblogs) wird oft vorgeworfen, sie würden immer nur kritisieren. Besser machen könnten sie es nicht!

Das hört sich zunächst so an wie ein selten doofes Argument. Denn niemand verlangt von einem Filmkritiker, dass er bessere Filme dreht, niemand fordert von einem Architekturkritiker, dass er bessere Häuser baut. Warum sollte ein Medienkritiker also bessere Medien machen?

In manchen Fällen aber trifft ein selten doofes Argument auch mal zu. Und zwar dann, wenn die Kritiker in Glashäusern sitzen und dort mit Steinen werfen. Ist das Glas nämlich kaputt (= schöpferische Zerstörung), sind die Bewohner gezwungen, über stabilere Häuser nachzudenken und diese, wenn möglich, auch noch selber zu bauen.

Medienkritiker, die in Glashäusern sitzen (und dort ihr Geld verdienen), müssen sich also Kritik an ihrer Kritik gefallen lassen. Allerdings gibt es da einige nicht ganz unbedeutende Randbedingungen, die wiederum die Kritiker der Medienkritiker nicht außer Acht lassen dürfen.

Wer von Journalisten verlangt, sie sollten nicht herumjammern, sondern eigene, bessere Medien gründen, der ignoriert, dass es ungleich schwerer ist, bei Null anzufangen, als bereits vorhandenes Kapital, eingespielte Strukturen und wertvolle Produktionsmittel etwas geschickter einzusetzen.

Nicht die, die ohne Kapital und Einfluss beginnen müssen, sitzen auf dem hohen Ross, sondern jene, die auf die Mittellosen herabschauen, obwohl sie selber – trotz guter Bedingungen – nicht mehr reiten können. Das sollte man nicht durcheinander bringen.

Wer Medien gründen will, braucht (leider) Geld.

Zwar kostet die Verbreitung ‚immaterieller’ Inhalte im Netz viel weniger als die Offline-Verteilung, und auch das Trägermedium hat sich drastisch verbilligt, aber die Herstellungskosten für Inhalte und die Lebenshaltungskosten der Inhalte-Produzenten sind außerhalb wie innerhalb des Netzes die gleichen.

In dieser ungemütlichen Situation sagen uns die kalten Propheten der Medienrevolution, es werde uns gar nichts anderes übrig bleiben, als eben 1001 Experimente zu wagen – eins davon werde schon klappen. Das ist wie Lotterie spielen. Aber was wäre die Alternative? Die Hände in den Schoß legen? Abwarten? Hoffen?

Wir vom Netzwerk Autoren+Reporter haben einfach mal angefangen und ein Webmagazin gegründet. Und weil wir nebenher Geld verdienen müssen, und weil wir alle sehr unterschiedlich sind und über keine Zentralredaktion verfügen, hat die Umsetzung ein wenig gedauert, genauer gesagt: 3 Jahre und 103 Tage. Aber seit dem 11. Januar 2010 sind wir online – mit MAGDA, dem Magazin der Autoren.

In der Pressemitteilung zum Start heißt es: „Das ‚Magazin der Autoren’ ist ein journalistisches Experiment in einer Welt ohne Geschäftsmodelle. In dieser Welt müssen auch wir Journalisten uns erst noch zurechtfinden. Aber genau das haben wir ja gelernt: Uns immer wieder auf unbekanntes Terrain zu begeben, neugierig zu bleiben und Antworten auf drängende, nie gestellte oder angeblich unsinnige Fragen zu suchen.“

Mal sehen, was draus wird.

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11 Kommentare

  1. Nichts ist unmöglich... |  13.01.2010 | 17:46 | permalink  

    „Wer Medien gründen will, braucht (leider) Geld.“

    Wie viel? Wirklich viel? Es wäre ja schon fast reizvoll, die vorbezeichnete These ohne Tamtam irgendwann zu widerlegen.

    „Das geht nicht.“ oder „Da muss man richtig investieren, in Vorleistung treten.“ oder „Das geht nur, wenn man einen Geldgeber findet.“ etc. sind abschreckende Sprüche auch in anderen Bereichen, um sich mögliche Konkurrenz vom Hals zu halten. ;)

    Auf jeden Fall sollte doch überlegt werden, wie viel „Geld“ wirklich benötigt wird, insbesondere wenn ein Experiment nebenberuflich aufgebaut wird. Ein paar Spartipps:
    - UG (haftungsbeschränkt), damit kaum was anbrennen kann.
    - Marke (gibt’s schon ab 600,00 €)
    - Blogsystem gratis
    - Software, überwiegend gratis
    - Skype, Flatrates
    - PC und Drucker, Handy (oder vornehmer und mobiler wg. Datensync.: Smartphone!) sind meistens vorhanden
    - Vorzimmer, nein, wozu? Anrufe werden aufs Phone weiter geleitet.
    - Dickes Auto? Wozu? Kann später immer noch.
    - …
    - Auch gratis: Optimismus und ein Händchen – das hat man oder nicht.

    Ich bin jedenfalls gespannt, welche interessanten Medienangebote (der Begriff ist ja weit) neben MAGDA :) initiiert werden.

  2. Robin Meyer-Lucht |  13.01.2010 | 17:51 | permalink  

    @ “Nichts ist unmöglich…”: Dann wäre natürlich noch zu fragen, wieviel Geld Sie benötigen, um Medien zu betreiben…..

    Ich habe den Magda-RSS-Feed abonniert und bin sehr gespannt.

  3. Nichts ist unmöglich... |  13.01.2010 | 17:58 | permalink  

    Zum 2. Absatz: Das hab ich natürlich auch sofort gemacht, @Robin Meyer-Lucht! :)

    Zum 1. Absatz: Ich glaub, nicht wirklich viel.

  4. Wittkewitz |  13.01.2010 | 18:29 | permalink  

    Das kommt immer darauf an, ob man noch zur scheinbar aussterbenden Spezies derjenigen gehört, die Familie haben, Miete zahlen und ab und zu etwas essen. Wenn man da im Trupp asketisch vorgeht, kann man mit einem Toastbrot, einer Decke und einem Paar Schuhe sowie eine paar Netbooks, Flatrate und ‘nem Smartphone natürlich ein tolles Online-Magazin aufziehen. Wenn man weiterhin eisern spart, kann man sich nach einem Jahr sogar mehrere Netbooks und Smartphones leisten. Über die kann man dann sogar Testberichte schreiben. Nee, is klar.

  5. Matthias Schwenk |  13.01.2010 | 18:50 | permalink  

    Nichts ist unmöglich? Ohne Geld wird dem Magazin auf Dauer auch noch etwas anderes fehlen: Ein Budget für Fahrten bzw. Reisen zu den Themen und Sujets, die man nicht unmittelbar vor der Nase hat oder sich einfach so aus den Fingern wird saugen können.

    Ich wünsche MAGDA viel Erfolg und freue mich schon über die ersten, tollen Artikel. Meine Freude wäre aber noch größer, wenn schon erkennbar wäre, wie sich MAGDA ein Budget für die eigene Arbeit erarbeiten will.

  6. Statt Hugo oder “mag i net” nun also Madga. » blog.frei! |  13.01.2010 | 19:11 | permalink  

    [...] der A, Wolfgang Michael, berichtet bei Carta ebenfalls von diesem Versuch, als Medienkritiker die Kritik an der Kritik auszuhebeln, indem man [...]

  7. Wolfgang Michal |  13.01.2010 | 19:42 | permalink  

    Mein Gott, wie lange hat der Johannes Gensfleisch gebraucht, bis er einen Sponsor für seine blöde Messingletterndruckmaschine gefunden hatte. Gensfleisch alias Gutenberg hatte am Ende wenig von seiner Erfindung, aber der gefundene Sponsor, der Kaufmann Johann Fust, machte 400 Prozent Gewinn.

    Also stimmt: Toastbrot wird nicht reichen.

  8. JF |  14.01.2010 | 10:44 | permalink  

    Die Gründungsfrage und solche Kosten kann man – wer Sinn für Humor hat -
    auch etwas lockerer angehen. Zum Beispiel den armen Poet von Spitzweg
    als Nachdenkhilfe, zum Brainstorming heranziehen. Und davon ausgehend halt dann wirklich existentiell beginnen, zudem ohnehin praktisch jedermann ein armer Poet ist in diesen Zeiten und nicht schwierig ist Gleichgesinnte zu finden. Das ist auch wichtig.
    http://ivanmedienhorror.blogspot.com/2009/12/meditation-in-der-wirtschaftskrise-der.html

  9. Wolfgang Michal |  14.01.2010 | 11:36 | permalink  

    Wir sehen das locker. Das Geld wird uns schon finden.
    D.h., wir gehen “in Vorlage”. Daher kommt übrigens das Wort “Verleger”.

  10. ralf_becker |  19.01.2010 | 01:46 | permalink  

    Ein interessanter Artikel, der jedoch die Frage nach dem Geschäftsmodell weiter offenlässt. Weiterhin “nur” werbefinanziert?

    Eine Möglichkeit wäre der Ansatz, als Paid Service “Paid Personalization” einzuführen. These der Kunde zahlt für Personalisierung. Auch die BILD digital-Chefin hat kürzlich im MEEDIA Interview gesagt, dass Usability ein Faktor für Zahlungsbereitschaft sei.
    Diesen Gedanken habe ich auf meinem Blog weitergesponnen:
    http://mediarise.wordpress.com/2010/01/09/warum-die-paid-content-debatte-den-kunden-vergisst-und-dabei-eine-losung-ubersieht/

    Vorschlag: die Personalisierung verkauft den Content, der in der Tat häufig im Wert überschätzt wird – zumindest wenn es um Wetternachrichten, Agenturmeldungen oder TV-Programminfomationen geht.
    “Organisation ist ein Geschäftsmodell” schreibt Jeff Jarvis in “What would Google do?” – also möglicherweise auch die Organisation unseres Informations-, Medien- und Entertainment-Konsums?

    Problematisch allerdings: die mögliche Kostenführerschaft eineses Unternehmens, das die Personalisierung anbietet, ohne Kosten für Content-Produktion zahlen (zu müssen). Dann sind wir wieder beim Leistungsschutzrecht, das hier auf dieser Seite ja ein rotes Tuch ist…

  11. Wolfgang Michal |  21.01.2010 | 13:03 | permalink  

    @ralf becker: Ein interessanter Vorschlag, bezahlt würde sozusagen über den RSS-Feed, oder? Jeder bezahlt seine persönliche Menü-Zusammenstellung (wie in der Kantine)?

    Als Verleger sind wir mit Magda erst mal in Vorlage gegangen (daher kommt ja das Wort Verleger = in Vorlage gehen).

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