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Ralf Dewenter

Welche Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist sinnvoll?

Ralf Dewenter | 16 Kommentar(e)


In der Debatte über eine mögliche Reform der Öffentlich-Rechtlichen wurde ein interessanter Ansatz ins Spiel gebracht: ein Fonds für öffentlich-rechtliche Programminhalte, um dessen Mittel sich alle Rundfunkanbieter bewerben können.

07.01.2010 | 

Seit geraumer Zeit kommen die öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht mehr aus den Schlagzeilen: Die aktuellen Skandale der Öffentlich-Rechtlichen, die Diskussionen um den Drei-Stufen-Test, die Aufregung um die Einführung eines Smart-Phone Apps, die immensen Kosten der Programmerstellung und die damit verbundene inhaltliche Ausrichtung sowie die immer wieder neuen Überlegungen zur Anpassung GEZ-Gebühr bieten dabei genügend Diskussionsgrundlage.

Einige der genannten Gründe werden auch regelmäßig angeführt, um über eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nachzudenken. Dabei fallen vor allem die mehr als 7 Mrd. Euro ins Auge, die von den Anstalten jährlich ausgegeben werden und damit als die höchsten Ausgaben eines öffentlich-rechtlichen Systems überhaupt gelten. Weitere Gründe finden sich in einer sich veränderten Rundfunklandschaft. So stellen Ausschließbarkeit und knappe Frequenzen heutzutage kein Problem mehr dar. Im Gegenteil, bedingt durch die Digitalisierung lassen sich Inhalte problemlos verschlüsseln, wodurch sich das Ausschlussprinzip ohne Weiteres anwenden lässt. Und auch wenn kein Ausschluss am Rezipientenmarkt stattfindet, so findet dieser sicherlich am Werbemarkt statt. Bedingt durch die Zweiseitigkeit der Rundfunkmärkte besteht häufig auch kein Anreiz zum Ausschluss der Rezipienten. Und auch Programmplätze sind ebenso kein wirklicher begrenzender Faktor mehr.

Viele der Gründe, die zu der aktuellen Form des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland geführt haben, sind also nicht mehr vorhanden. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass keine Begründung mehr für die Existenz des dualen Systems existiert. Die Frage ist nur: Ist das aktuelle System immer noch zeitgemäß? Diese Frage verneinen Hanno Beck und Andrea Beyer in einem gemeinsamen Beitrag und greifen eine Idee von Jörn Kruse zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wieder auf. In ihrem Beitrag schlagen die Autoren vor, die Mittel für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in einem Fonds einzustellen und mit diesem Fonds öffentlich-rechtliche Programminhalte zu finanzieren. Um die Mittel des Fonds können sich nun grundsätzlich alle Rundfunkanbieter bewerben, um damit die entsprechenden Inhalte zu produzieren. Damit würden Private und Öffentlich-Rechtliche in Wettbewerb um die Inhalte zu einander treten. Nach einer „Qualitätskontrolle“ würden dann die Mittel vom Fonds vergeben.

Die Autoren argumentieren, dass es auf diese Weise zu mehr Wettbewerbsneutralität der öffentlich-rechtlichen Inhalte käme, da jedes Unternehmen (wie bei einer öffentlichen Ausschreibung) den Auftrag erhalten könnte. Weiterhin werden positive Effekte bezüglich der Kosteneffizienz und der qualitätswirksamen Anreize gesehen. Auch mehr Trennschärfe von öffentlich-rechtlichen Inhalten (nur bestimmte Inhalte werden finanziert) und eine geringere staatliche Einflussnahme wäre möglich.

Auch problematische Gründe, wie etwa die Sendeplatzwahl, die Kompatibilität mit der bestehenden Rechtsprechung müsste geprüft werden. Und ebenso die Frage, ob die jetzigen Öffentlich-Rechtlichen dann auch kommerzielle (also am Werbemarkt finanzierbare) Angebote erstellen dürften (was ja jetzt schon geschieht) und stärker am Werbemarkt teilnehmen dürften, wäre eine kritische.

Insgesamt enthält der Vorschlag aus meiner Sicht einige interessante Ansätze. Die Möglichkeit, Wettbewerb um die Inhalte zu schaffen, ist aus ökonomischer Sicht extrem reizvoll. Die Kosten könnten deutlich reduziert werden und eine Vermischung von Inhalten, die öffentlich-rechtlichen Bezug haben mit Inhalten, die auch ohne Probleme vom Markt bereitgestellt werden, könnte verhindert werden. Dennoch wirft die Organisation des Fonds noch einige Fragen auf. So ist die Gestaltung des Fonds, bzw. des Entscheidergremiums, das die Aufträge dann vergibt, absolut sensibel. Dieses Gremium müsste möglichst unabhängig über die Vergabe entscheiden und damit sowohl unabhängig von den Öffentlich-Rechtlichen und Privaten als auch unabhängig von politischen Interessen sein. Diese Unabhängigkeit gilt es in jedem Falle zu gewährleisten, um die Gefahr einer möglichen Einflussnahme zu minimieren.

Neben der Unabhängigkeit stellt sich jedoch ein weiteres und wohl weitaus gravierenderes Problem. Mit (bzw. vor) der Entscheidung über die Vergabe der Aufträge wird auch die Entscheidung darüber getroffen, welche Inhalte überhaupt aus dem öffentlich-rechtlichen Fonds finanziert werden sollen. Eine Finanzierung von Fußballübertragungen, von Daily-Soaps, Quiz-Shows, Gerichtsshows usw. fällt wohl kaum in den Bereich des Fonds. Alle diese (und andere Sendungen) werden tagtäglich über den Markt bereitgestellt. Auch ist eine öffentlich-rechtliche Erstellung nicht notwendig, um Verzerrungen in der Meinungsvielfalt zu verhindern.

Es wäre also vorab schon einmal grundsätzlich zu überlegen, was überhaupt dem Programmauftrag entspricht bzw. entsprechen sollte und welche Inhalte grundsätzlich von den Öffentlich-Rechtlichen erstellt werden sollten. Ist diese Entscheidung erst einmal getroffen (oder überdacht worden), so würden damit eine Reihe der aktuellen Probleme schon im jetzigen System gelöst. Es würde damit zwar noch nicht mehr Kosteneffizienz geschaffen und auch die politische Einflussnahme wäre damit nicht gesichert. Mehr Wettbewerbsneutralität als auch eine bessere Trennschärfe zwischen öffentlich-rechtlichen Inhalten und privaten wären aber mit dieser einfachen Maßnahme wohl jetzt schon zu erreichen.

Dieser Beitrag von Ralf Dewenter erschien zuerst im M-Blog der TU Ilmenau. Crossposting mit freundlicher Genehmigung.

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16 Kommentare

  1. Gustav |  07.01.2010 | 13:29 | permalink  

    Zur Terminologie: Ein Fond ist kein Fonds ist kein Font – aua!

  2. Ralf Dewenter |  07.01.2010 | 13:48 | permalink  

    Das stimmt natürlich. Danke für den HInweis.

  3. Jochen |  07.01.2010 | 14:43 | permalink  

    Ich finde die Idee, einen Fonds einzurichten und damit qualitativ hochwertige und gesellschaftlich wünschenswerte Inhalte zu produzieren und zu fördern, sehr gut. Ich denke auch, dass sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen in diese Richtung entwickeln sollte, schließlich geht es ja nicht darum verschiedene Sender und damit gut bezahlte Jobs aufrechtzuerhalten, sondern das Gemeinwohl zu fördern.

    Allerdings sehe ich durchaus auch Probleme bei der Durchführung: Zum einen könnte das Interesse privater Anbieter an sozial wünschenswerten Inhalten gering sein, so dass sie nicht oder nur an kleinere Sender mit weniger Reichweite vergeben werden könnten. Zum anderen könnten sich große Sender darum bemühen, den Ausstrahlungszeitpunkt aber auf ungünstige Sendetermine verlegen. Der Vorteil wäre klar, sie könnten ihr Programm kostenlos füllen, der Konkurrenzsender müsste dies mit eigenen Mitteln machen.

    Die privaten Sender müssten den geförderten Inhalten also eine ähnliche Plattform geben wie es die öffentlich-rechtlichen derzeit machen. Es besteht die Gefahr, dass wünschenswerte Programme zwar produziert werden, aber von niemandem wahrgenommen werden. Dies wäre wohl auch keine sinnvolle Verwendung der bereitgestellten Mittel.

  4. Tom |  07.01.2010 | 14:54 | permalink  

    Jochens Bedenken müssen meiner Meinung nach weniger Bedeutung geschenkt werden. Ich sehe kein Problem darin, dass kleinere Sender ein Format übernehmen, das zuvor von einem öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt wurde. Die Hauptsache ist doch, dass ein Format produziert und ausgestrahlt wird, das ansonsten nicht am Markt angeboten worden wäre. Ob dies nun ein „kleiner“ oder „großer“ Sender macht, ist unerheblich.
    Auch den zweiten Problempunkt kann man meiner Meinung nach leicht umgehen, indem man die Ausschreibung mit bestimmten Regularien verbindet. Als solches könnte die Sendezeit bei der Ausschreibung festgesetzt werden. Zudem kann dann die genannte „Qualitätskontrolle“ dafür sorgen, dass eine gewisse Qualität weiterhin besteht (wozu auch die Sendezeit gehört).

  5. Hermann Rotermund |  07.01.2010 | 16:26 | permalink  

    Ein Teil dieser Idee ist in Italien schon realisiert. Der absolut sensible Fonds-Verwalter dort heißt Berlusconi.

  6. Tarantoga |  07.01.2010 | 18:23 | permalink  

    Prinzipiell hätte eine Fonds-Lösung etwas für sich, meiner Meinung nach käme es aber darauf an, die so finanzierten Inhalte in allen Medien der Bevölkerung (auch den Medienunternehmen) frei zur Verfügung zu stellen und nicht irgendwo wegzuschließen.

    Ich glaube aber nicht, dass ein zentrales Gremium eine kritische Neutralität sicherstellen könnte. Als Medienkonsument heute fällt mir auf, dass trotz Brender etc. kritischer, investigativer Journalismus heute eher in den Nischen der Öffentlich-Rechtlichen stattfindet als in den privatwirtschaftlichen Medienkonzernen. Das sollte man unbedingt erhalten.
    Als Nicht-Insider nehme ich an, dass es zu dieser Blüte in den Nischen der ÖR insbesondere kommt, weil reichlich Geld vorhanden ist und untergeordnete Entscheidungsträger “gute” Sachen machen können ohne dabei gleich groß aufzufallen. Was auf 3-Sat passiert interessiert den Herrn Koch zum Glück nicht sonderlich.

    Bei einem zentralen Komitee lassen sich gute, kritische Sachen nicht so einfach verstecken.

  7. Robin Meyer-Lucht |  07.01.2010 | 19:47 | permalink  

    Wir haben den Beck-Text in gekürzter Form nun ebenfalls auf Carta veröffentlicht.

    http://carta.info/21171/reform-oeffentlich-rechtlicher-rundfunk/

  8. Thomas Television |  07.01.2010 | 22:58 | permalink  

    “Eine Finanzierung von Fußballübertragungen, von Daily-Soaps, Quiz-Shows, Gerichtsshows usw. fällt wohl kaum in den Bereich des Fonds.”

    Mal abgesehen, dass ich den Vorschlag ansich nicht sinnvoll finde, da ich nur inhaltlichen, nicht aber strukturellen Reformbedarf bei den ÖR sehe, sehe ich nicht, was dieser Idee, ÖR oder vermittels verteilbarer öffentlicher Gelder sollten etwa keine Soaps produziert werden, zu Grunde liegt. Ich halte das für falsch.

    Bestimmte Formate, etwa Soaps oder Casting-Shows erreichen nunmal sehr viele Menschen. Die Realität, etwa der aktuelle Zustand des Senders RTL zeigen, dass aus ökonomischen Gründen hier vor allem nur niedrige Triebe befriedigt werden. Theoretisch wären die ÖR in der Pflicht populäre Formate wie eben auch Soaps und andere auf hohem Niveau zu produzieren um dem entgegen zu wirken. Das geschieht aber zu wenig, und auch bei der hier aufgeführten Argumentation scheint dafür kein Platz zu sein.

    Es gibt zahlreiche kritische Auseinandersetzungen mit dem Unterhaltungsprogramm der privaten Rundfunkanstalten, etwa diese hier von Stefan Niggemeier:

    http://www.stefan-niggemeier.de/blog/freaks/

    Da 1. solche Freak-Formate sehr viele Menschen, vor allem auch Heranwachsende erreichen und 2. ökonomisch öffensichtlich sinnvoll sind, sehe ich hier Regulationsbedarf. Mit einem TV Sender wie ZDFneo hat sich das ÖR nach zahlreicher Kritik offensichtlich schon dazu entschieden hier, im bestehendem System eine Alternative bereitzustellen. Das müsste stärker forciert werden, statt wie mit diesem Vorschlag hier genau das Gegenteil, nämlich die Beschneidung des öffentlicht-rechtlichen Systems zu fordern.

    Anders als übrigens das öffentlich-rechtliche ZDF, dass sich mit neo nun offensichtlch aus sich selbst heraus reformfähig zeigt, prallt sämtliche Kritik der Öffentlichkeit an RTL etwa ab. Da muss man nicht lange überlegen, welches System gerade keiner Reform bedarf.

  9. Ralf Dewenter |  08.01.2010 | 10:32 | permalink  

    @Jochen, @Tom: Sendezeiten und Qualitätsstandards können in der Tat bei der Ausschreibung festgesetzt werden, da sehe ich auch keine Probleme. AUch die größe des Senders, sehe ich erst einmal unkritisch.

    Ob sich Private um diese Sendungen überhaupt bewerben, hängt natürlich davon ab, welche Finanzierung der Programme vorgesehen ist, bzw. ob mit den ausgeschriebenen Programmen höhere Einnahmen erzielt werden können, als mit alternativen Sendungen. Es muss sich also für die Privaten lohnen. Wenn ich mir aber die jetzigen Anreize der ÖR ansehe, kosteneffizient zu arbeiten, bin ich guter Hoffnung.

  10. Ralf Dewenter |  08.01.2010 | 10:54 | permalink  

    @Thomas Television: Da liegen wir wahrscheinlich zu weit auseinander, da ich sowohl inhaltlichen als auch strukturellen Reformbedarf sehe.

    Trotzdem verstehe ich nicht, inwiefern die Tatsache, dass Soaps von vielen Menschen gesehen werden, eine Begründung dafür sein sollte, dies als Aufgabe der ÖR zu sehen. Und was sind Soaps oder Casting-Shows “auf einem hohen Niveau”? Und wer beurteilt das? Wenn man die hier zitierten Freak-Sendungen kritisiert, kann man doch nicht fordern, die ÖR sollten bitteschön auch solche Formate zeigen. Sie sollten sie nicht besser Sendungen produzieren, die nicht über Werbung finanzierbar sind.

    Die “niederen Beweggründe” von RTL entstehen nun einmal aus der Notwendigkeit, ökonomisch zu handeln. Was die Zuschauer sehen wollen bringt Quote und was Quote bringt, bringt Werbeeinnahmen, so what? Der Vorschlag (den ich zwischen den Zeilen glaube zu erknnen) jetzt auch bei den Privaten über weitere Regulierungen nachzudenken und ihnen vorzuschreiben, welche Qualität oder Ausrichtung ihre Sendungen haben müssen, macht mir allerdings Angst.

  11. Thomas Television |  08.01.2010 | 21:39 | permalink  

    “Trotzdem verstehe ich nicht, inwiefern die Tatsache, dass Soaps von vielen Menschen gesehen werden, eine Begründung dafür sein sollte, dies als Aufgabe der ÖR zu sehen.”

    Ich denke, wir sind uns einig darüber, dass der ÖR unter anderem einen Bildungsauftrag hat. Ich bin davon überzeugt, dass man die Leute da abholen und erreichen muss, wo sie sich am liebsten aufhalten. Wenn also eine relevante Anzahl Menschen, und das ist der Fall, Soaps schaut, muss man ihnen eben auch dort den öffentlich-rechtlichen Bildungsauftrag nahe bringen durch entsprechende Inhalte. Das das nicht zwingend der Fall vielen ÖR-Soaps ist, sehe ich auch so.

    Zweitens denke ich, dass es ebenfalls Aufgabe der Öffentlich-Rechtlichen ist, auch in fiktionalen Formaten eher die Lebenswirklichkeit der Menschen, ein Normen- und Wertesystem wiederzuspiegeln, um Zuschauern einen Fixpunkt für ihr eigenes Handeln geben zu können. In der “Lindenstraße” sehe ich das als gegeben an. Diese entspricht eher der Lebenswirklichkeit der meisten Menschen als “GZSZ”. Betrachten wir darüber hinaus Soap-Formate wie gescripete Doku-Soaps bei RTL, Sat.1 oder ProSieben, in denen es um Konflikt statt um Ausgleich geht, um das Außergewöhnliche statt das Normale, in der Menschen bloßgestellt werden, statt Toleranz vermittelt, dann wird deutlich wie wichtig es ist, dass es auch öffentlich-rechtliche Seifenopern geben muss.

    “Und was sind Soaps oder Casting-Shows ‘auf einem hohen Niveau’? Und wer beurteilt das?”

    Es geht mir vor allem um die neuen Reality-Darstellungsformen. Mit dem “Steinzeit-Experiment” haben etwa die öffentlichen-rechtlichen schon moderne Reality mit Bildungsinhalten geliefert. Die BBC produziert mit “The Apprentice” eine niveauvollere Reality Show. Ein Beispiel für eine Seifenoper auf hohem Niveau wäre “Mad Men”, das aber interessanter Weise tatsächlich aus der Privatwirtschaft kommt, allerdings aus dem Pay-TV.
    Die Frage “Wer beurteilt das?” ist sinnlose Polemik, denn die impliziert, dass man etwa den “Pipi-Kandidaten” bei DSDS sowohl als niveauvoll als auch niveaulos beurteilen könnte. Das ist nicht der Fall. Jeder beurteilt das und zwar nach Maßgaben wie Authentizität, Ausstattung, Tiefe der Charaktere und Dialoge, den Motiven, Metaphern, die eine Darstellung erhält, nach gesellschaftlichen Grundfragen, die aufgewurfen werden, danach wie passend Musik, Schnitt, Kamerafahrten sind, danach ob neue Ideen, Innovationen enthalten sind usw. usf. . Wie man die Erkenntnisse die man daraus gewinnt instutionalisieren kann, ist auch keine unlösbare Frage. Mit meinem Blog trage ich als Teil der Gesellschaft zum Beispiel dazu bei, übrigens ohne mich in einem Wettbewerb zu befinden oder ein Profitinteresse zu haben.

    “Die ‘niederen Beweggründe’ von RTL entstehen nun einmal aus der Notwendigkeit, ökonomisch zu handeln?”

    Damit machen sie ja ihre eigene Argumentation unnötig kaputt. Es ist tatsächlich so, dass der Markt jedes Bedürfnis entsprechend befriedigen wird, dass entsteht, sei es nach möglichst blutrünstigen Killerspielen, danach das teilweise leicht behinderte Kandidaten bei DSDS öffentlich bloßgestellt werden, wie im Mittelalter auf dem Markt.Sie wollen sich doch nicht ernsthaft auf dieses Niveau begeben?

    Allerdings ist es überhaupt nicht zwingend so, dass ökonomisches Handeln zwangsweise dazu führen muss, dass Krethi und Plethi nur Brüllshows schauen dürfen. Der US-Pay-TV-Markt zeigt ja, dass ich dort auch in der Privatwirtschaft plötzlich qualitativ hochwertiges Fernsehen entwickeln kann. Das allerdings ist ja dann nur für wenige gedacht, also ein Sonderfall.

    Und weil sie von Angst sprechen: dass aber für die Massen zwingend die Vorführung unbedarfter Menschen ein ökonomisch sinnvolles Modell sein soll, das macht mir Angst.

    Warum mehr Regulationen, die durch Gesellschaft und Politik in Gang gesetzt werden müssten, also einer demokratischen Abstimmung und Legitimation unterliegen, ihnen mehr Angst machen als Produkt des Profitstrebens einzelner, dass in ihrem Sinne wohl keinerlei Kontrolle oder einer möglichst geringen unterliegen soll und bei dem offensichtlich alles erlaubt sein soll, was “ökonomisch sinnvoll” ist, dass ist für die meisten Menschen sehr schwer zu verstehen.

  12. Zukünftige Finanzierung der vierten Gewalt « Strietzel´s Ecke |  09.01.2010 | 00:53 | permalink  

    [...] zur zukünftigen Finanzierung des Medienmarktes diskutiert. Die Idee der Kulturflatrate oder eines Fonds. Meine Einschätzung ist die, dass noch eine Menge Vorschläge mit Potenzial, die kommenden zehn [...]

  13. Ralf Dewenter |  09.01.2010 | 12:06 | permalink  

    “Ich denke, wir sind uns einig darüber, dass der ÖR unter anderem einen Bildungsauftrag hat. Ich bin davon überzeugt, dass man die Leute da abholen und erreichen muss, wo sie sich am liebsten aufhalten.”

    Das sehe ich anders, die Leute sollen selbst entscheiden, was sie sehen wollen. Daher sollen sie auch nicht abgeholt werden und schon gar nicht durch ör Soaps. Das ist reine Verschwendung von Gebühren. Und die Frage, wer das beurteilt, ist keine Polemik, sondern ein absolut ernst gemeintes Argument. Sollen die Redakteure oder soll der Sozialpädagoge darüber entscheiden, welche Casting-Show Niveau hat und von den Zuschauern gesehen werden soll?

    Im Übrigen sehe ich die Notwendigkeit, ökonomisch zu handeln, nicht als negativ an. Es ist darüber hinaus auch nicht alles erlaubt, was ökonomisch sinnvoll ist. Man sollte die Menschen aber auch nicht unterschätzen. Man muss ihnen nicht immer sagen, was gut für sie ist, was sie z.B. im TV sehen sollen und was nicht. Und Angst macht mir nicht eine demokratische Legitimation, sondern die Idee, neben dem Ausbau der ör Anstalten, auch noch eine starke Regulierung der privaten Sender und ihrer Inhalte anzustreben. Alternativ können wir doch gleich zu einem rein staatlichen System zurückkehren, dann können wir wenigsten alle Inhalte komplett bestimmen.

  14. Thomas Television |  09.01.2010 | 16:05 | permalink  

    “Das sehe ich anders, die Leute sollen selbst entscheiden, was sie sehen wollen.”

    Das sind wir ja einer Meinung. Deswegen finde ich es ja legitim, dass die Leute Soaps und Casting-Shows schauen. Anders als sie habe ich dazu keine von oben herab Haltung, wonach Soaps eine etwa primitiverere (aber durch den Markt eben logischer abgedeckter) Form des Medienkonsums wären. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse, aber nicht jeder Mensch ist in der Lage, zu reflektieren oder zu fordern, dass seine Bedürfnisse optimal abgedeckt werden. Stimmen Sie nicht zu, dass jeder Mensch so auch jeder produzierende Mensch oder Entscheidungsträger das bestmögliche für alle anstreben soll anstelle des ökonomisch profitablesten? Wenn wir also wissen, dass der ÖR bessere Qualität liefert, dann scheint mir das eben das beste System zu sein, dieses Ziel zu erreichen.

    “Und die Frage, wer das beurteilt, ist keine Polemik, sondern ein absolut ernst gemeintes Argument. Sollen die Redakteure oder soll der Sozialpädagoge darüber entscheiden, welche Casting-Show Niveau hat und von den Zuschauern gesehen werden soll?”

    Nicht der Redakteure oder Sozialpädagogen entscheiden darüber, was gute Qualität ist, sondern die Medienmachern befinden sich bereits vor der Entscheidung über ein Programm in einem System, dass Qualität produziert. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk übrigens bessere Informationsangebote (und Unterhaltungsangebote) hat als der private ist anders als sie das immer wieder versuchen anzudeuten keine Geschmackssache, sondern ein Faktum. Dies lässt sich – dass wissen Sie – mit qualitativ empirschen Methoden auch nachweisen.

    Nun könnten Sie noch argumentieren, dass die privaten ja gerade deshalb so schlecht sind, weil wir ein duales Rundfunksystem haben. Die Alternative ist einem stärker wettbewerbsorientiertem Medien-Markt meines Erachtens aber eine Angleichung in der Mitte, sowie die Auslagerung von besonders guten Angeboten in einen Bereich, auf den die Mehrheit der Menschen keinen Zugriff mehr hat. Man nennt das Paid-Content. Ich bin überzeugt davon, dass die Mehrzahl der Menschen das nicht möchte. Das duale System mit einem starken öffentlichen-rechtlichem Rundfunk in seiner Mitte ist das beste System, dass ich mir vorstellen kann. So soll es bleiben.

    “Alternativ können wir doch gleich zu einem rein staatlichen System zurückkehren, dann können wir wenigsten alle Inhalte komplett bestimmen.”

    Ich kann das Dystopische, dass da in ihren Worten mitschwingt, leider nicht nachvollziehen oder teilen. Diese Idee ist aber schlichtweg unrealistisch. Ich denke, wir müssen wieder dahin kommen, dass die Gesellschaft miteinander diskutieren und aushandeln kann, was sie möchte. Dann braucht sie auch keinen allgegenwärtigen starken Staat, sondern ist in der Lage Selbstverantwortung für sich zu übernehmen. Vor der Selbstverantwortung steht allerdings die Erziehung, die Bildung und die Sozialisation, und an der sind eben auch vielerlei Medien beteiligt. Und öffentlich-rechtliche Medien können all das eben schlichtweg besser leisten.

  15. links for 2010-01-09 « TV… und so |  09.01.2010 | 18:01 | permalink  

    [...] Welche Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist sinnvoll? — CARTA Eine interessante Diskussion auf Carta, an der ich mich beteiligt habe. Sie macht die Forderungen und die Geisteshaltung derjenigen, die eine Liberalisierung des Rundfunksystems fordern sehr deutlich. Insofern also aufschlußreich. (tags: ör carta rundfunk liberalisierung) Über dieses TV Blog Willkommen auf tvundso.com: Das private, unkommerzielle und unabhängige Fernsehblog. Hier finden Sie Rezensionen, Artikelsammlungen und TV Kritiken zu US-Serien, Filmen, X Factor, Dschungelcamp, The Apprentice, American Idol, DSDS, Supertalent, Reality TV, Sitcoms, Big Brother, Britain's Got Talent und allem was sonst noch so passiert in der TV Welt. Aktueller Hinweis: Ich schreibe NICHT für Quotenmeter, Serienjunkies oder ein anderes Web-Magazin, sondern nur hier auf tvundso.com. Aktuell Best of Reality 2009 (Videos) Friendfeed Auf Friendfeed könnt ihr alle von mir freigegebenen Aktivitäten im Netz verfolgen: Lesezeichen, Youtube, Last.fm, Twitter und Kommentare auf anderen Blogs. Big Brother 10 Big Brother 10 – Alle Infos TVundso abonnieren Kommentare RSS Info: Was ist ein RSS-Abo? Per E-Mail abonnieren [...]

  16. Thomas Television |  11.01.2010 | 17:32 | permalink  

    Das der Trackback da mit so umfangreichem Inhalt hier aufschlägt, ist definitiv ein Fehler. Im Prinzip kann alles nach “Insofern also aufschlußreich.” gelöscht werden, falls es stört.

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