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Stefan Heidenreich

Wenn Nullen Summe ziehen

Stefan Heidenreich | 19 Kommentar(e)


Don Alphonsos F.A.Z.-Blogbeitrag zum “Nullsummenspiel zwischen Frankfurt, Washington, Berlin und Rüsselsheim” ist Unfug von Anfang bis Ende: verschachtelte Blödeleien aus einem fränkischen Kaff, die zynisch und ironisch sein wollen, aber eben doch nur granteliges Gebrabbel am virtuellen Stammtisch sind. Es ist traurig mitanzusehen, wie die F.A.Z. so langsam von Wirrmachern heruntergerockt wird.

10.12.2009 | 

Ein Nullsummenspiel, sagt Don Alphonso. Weil die Deutsche Bank aus den USA 3,2 Milliarden Dollar zuviel bekommen hat, soll GM aka Opel mit 2,6 Milliarden  subventioniert werden.  Rechnen wir’s zusammen: Privatunternehmen erhalten 5,8 Milliarden. Steuerzahler zahlen eben diesen Betrag. Was für ein schönes Nullsummenspiel! Aber damit nicht genug.

Der Artikel strotzt vor Unfug von Anfang bis Ende. Von der “Einführung des Privateigentums irgendwann in den Epochen der Altsteinzeit” wird da schwadroniert, von “einer de facto insolventen Firma, vom amerikanischen Steuerzahler” palavert. Kein Wort und vielleicht auch kein Schimmer von den Geldern, die via HypoReal-Subventionen zu US-Banken geflossen sind. Der  Unterschied zwischen Staaten und Unternehmen wird unterschlagen, man erfährt nichts Erhellendes zur Lage, nur Parolen.

Da reitet Don Alphonso auf seinem zwar hohen, aber ziemlich alten FAZ-Ross durch die Bloglandschaft und verkündet von oben herunter seine Weisheiten zur Lage der Welt, so ahnungslos wie grossmäulig: “Nur dieser Eintrag hier, der überlebt vielleicht in der Erinnerung all jener, die sich auf dessen Grundlage für die richtige Seite entscheiden”. Verschachtelte Blödeleien aus einem fränkbayrischen Kaff, die zynisch und ironisch sein wollen, aber eben doch nur granteliges Gebrabbel am virtuellen Stammtisch sind.

Kein Wunder, dass dem Schirrmacher der Schädel brummt, wenn er solchen Unsinn im Internet lesen muss. Und auch noch im hauseigenen. Der Richterspruch daneben, in dem er uns zum fünften Mal mitteilt, dass die Schweizer Probleme mit Minaretten haben, macht die Sache nicht besser. Dann vielleicht doch lieber Qual.-Journalismus – und wenn man die guten Sachen unbedingt vor den Lesern verstecken will, von mir aus auch mit Leistungs-Schutz. Am Ende macht es doch ein wenig traurig mitanzusehen, wie die F.A.Z. von Wirrmachern herunter gerockt wird.

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19 Kommentare

  1. Connie |  11.12.2009 | 08:04 | permalink  

    Sie haben ja recht, aber trotzdem sollte man diesem Schwachkopf, der sich für einen Wolf hält, nicht soviel Aufmerksamkeit schenken.

    Diese “Persönlichkeiten” pumpen sich doch gerade durch solche Aufmerksamkeiten auf, nur durch diese Aufmerksamkeit erhalten diese Luftnummern wie S.L. ihre “Followers, Freunde” und was das angebliche “SozialeMedium” noch so an pseudo-artigem bereithält.

    Wenn es anderen reicht, daß sich jemand die Haare rosa färbt und nach oben kämmt um als WebZweiNull (ja, NULL!) -Guru durchzukommen, dann sollte man durch Boykott deutlich machen, daß das eben nicht ausreicht.

    Aber auch dieser Einwurf schon wieder zuviel der Worte

  2. Klaus Jarchow |  11.12.2009 | 09:30 | permalink  

    Tscha – und aktuell hat er trotzdem schon 185 Kommentare und er steht immerhin in der FAZ. Und hier bei Carta stehen nur zwei Antworten, zählt man meine jetzt mal mit. Das muss beim Don dann wohl an etwas anderem als an den enthaltenen ‘Infos’ liegen, würde ich jedenfalls meinen – unter Zuhilfenahme von ein wenig Logik.

    Versuchen Sie’s, ersatzweise doch auch mal so zu schreiben. Ich meine mit ‘leserunfreundlichen’ langen Nebensätzen, mit massenhaft historischen Reminiszenzen, und seien sie an den Haaren herbeigezogen, mit Wortbildern, Ironie, Polemik, zahllosen Füllwörtern, Alltagsvokabular, einem veränderten subjektiven Standpunkt … kurzum ganz anders, als es Ihnen der Wolf Schneider im Studium erlaubt hat. Motto: You’re leaving the journalistic sector … welcome literacy!

    Apropos: Im Kern bleibt der Text ja ‘richtig’. Die Rechnung geht immer an den hochverehrten Steuerzahler, ob nun mit deutschem oder amerikanischem Pass. Die Steuerflüchtigen kriegen daraus ihre Boni.

  3. Don Alphonso |  11.12.2009 | 11:16 | permalink  

    Ich wäre als Mitglied eines Klauerportals wie dem Ihren ja ein wenig vorsichtig, anderen Schlampereien zu unterstellen – besonders, wenn sie meine oberbayerischen Käffer als “fränkisch” bezeichnen. Was Sie überhaupt nicht verstanden haben ist, dass dem Autor da der Schalk im Nacken sass – meine durch meinen echten Beruf gestützte Privatmeinung ist eine ganz andere, aber hier versuche ich in ironischer Überspitzung einen Irrsinn so zu erzählen, dass er sich für den Kundigen interessanter als das übliche Gejammer liest. Dass manche das nicht verstehen, habe ich in Kauf genommen, und dass Ihr Portal, gegründet von einem bei der FAZ als Berater nicht dauerhaft angekommenen Typen, zu dieser Klasse Nullchecker gehört – überrascht mich jetzt nicht. Von Ihnen kamen bisher bescheidene 30 Leser, und auch die haben sich bei mir nicht beschwert.

  4. Matthias Schwenk |  11.12.2009 | 12:05 | permalink  

    Wo er recht hat, hat er recht, der Don Alphonso. Die “Stützen der Gesellschaft” (schon der Titel!) sind keine Sammelstelle für Fakten, welche von der FAZ im Wirtschaftsteil der Zeitung übergangen worden wären. Eher schon sind sie ein Versuch, unsere zum Teil bittere Realität durch humoristisch-satirische Überhöhung erträglicher zu machen.

    Man muss diesen Stil nicht mögen. Seinem Autor aber Unfug vorzuwerfen ist so, als würde ich an Mathias Richling die Maßstäbe der Tagesschau anlegen und mich darüber empören, dass er in seinen Parodien den Politikern buchstäblich (und regelmäßig!) das Wort im Mund herumdreht.

    Möge also Don Alphonso weiterhin eine Stütze unserer Gesellschaft sein! Carta wird sich die allergrößte Mühe geben, seine “durch echten Beruf gestützte Privatmeinung” (was immer das auch ist) zu respektieren. Allerdings wird er damit leben müssen, auch in Zukunft zitiert und kritisiert zu werden, dafür ist im Internet einfach zu viel Platz und Carta tatsächlich ein “Portal” in dem Sinn, dass dieses Blog auch weiterhin den unterschiedlichsten Sichtweisen und Standpunkten einen Platz einräumt.

  5. Walter Pickavé |  11.12.2009 | 12:06 | permalink  

    Wer ist Don Alphonso?

  6. Don Alphonso |  11.12.2009 | 12:49 | permalink  

    Aha, verstehe. Und dann kam Carta.info und hat Sie für hohe Summen abgeworben, weil man es nicht verantworten konnte, so einen genialen Schreiber wie Sie so einem Medium wie der FAZ und den dortigen Hungerlöhnen auszusetzen. Nun, da Sie in ihrem Penthaus keinen Platz mehr für noch einen Ferrari auf der Dachterasse haben, dachten Sie sich, es ist jetzt an der Zeit, diesem Niedergangsprodukt mitzuteilen, dass es mit meiner Wenigkeit auf dem Weg zur Verdammnis ist. Fein, fein. Darf ich fragen, wieviel Sie eigentlich bei Carta verdienen?

  7. Insider |  11.12.2009 | 13:09 | permalink  

    Der Umfang der Feuilletons ist ja gar nicht geschrumpft. FAZ nach Fortfall Fortsetzungsroman genauso gross wie vor 5 Jahren, FAS ist um 25 bis 50 Prozent gestiegen. Sagt mir eben, na wer?, Niklas Maak.

  8. Lutz Borchardt |  11.12.2009 | 13:13 | permalink  

    Finde ich schon sehr peinlich. Disclosure wäre angebracht. Und überzeugend ist dieses ganzes Herunterrock-Gerede auch nicht gerade. Alles Interessengemengelage. Und ein “Lichtblick” ist dieser Heidenreich nun auch nicht.

  9. Stefan |  11.12.2009 | 13:17 | permalink  

    “Der Unterschied zwischen Staaten und Unternehmen wird unterschlagen, man erfährt nichts Erhellendes zur Lage, nur Parolen.” Oh Gott, ist das spießig. So was hat mir mein Deutschlehrer auch unter die Aufsätze geschrieben. Mein Gott, das ist SATIRE was der Don da macht, oder auch: Rollenprosa. Oh Gott, jetzt kommen die Hausmeister auch schon von dieser Seite: gealterte, erfolglose Journalisten, die mal eben so rumzensieren und Einträge in diesen als blog getarntes Klassenbuch machen. Puuh.

  10. David |  11.12.2009 | 13:33 | permalink  

    Trashcontent, again.

  11. Stefan Heidenreich |  11.12.2009 | 15:33 | permalink  

    Carta läuft nebenher – zum Spass!
    War eigentlich zu erwarten, dass der Don und seine Fans persönlich werden, sobald’s aus dem Wald so zurückruft, wie er reinbrüllt. Zum Glück muss ich Don A. keine Angaben zu meiner Gehaltsabrechnung machen. Ich frage auch nicht nach seiner.
    Im übrigen hatte der Deutschlehrer ja vielleicht recht. Nicht auszuschließen. Und wenn Satire auf Vorurteilen und Halbwissen baut, taugt sie eben nichts. Kann ja mal vorkommen. Warum die Aufregung?

  12. Mink |  11.12.2009 | 16:11 | permalink  

    @Heidenreich: würde vorschlagen Sonntag mal ganz tradfitionell Zeitung Lesen, FAS, was man so hört.

  13. sianasta |  11.12.2009 | 19:32 | permalink  

    Warum so humorlos? Don Alphonso hat doch ein paar kleine Punkte durchaus anbringen können. Dazu – es ist ein Blog, kein redaktioneller Inhalt, von einer Kunstfigur geschrieben. Also gemach, gemach, der Printjournalismus wird nicht wegen einer Glosse den Bach runtergehen. Was die Wirrmacher und das Stammtischgebrabbel angeht, das hat die FAZ seit Jahren auch alleine hingekriegt. Die volkswirtschaftlichen Analysen, die uns da serviert wurden, entstammten einer gescheiterten Wissenschaft, wie wir alle jetzt wissen, aber noch nicht zugeben. Da tut auch mal ein Blick auf die Anfänge des Eigentums wieder ganz gut und sollte mit dem Begriff “Schwadronieren” nicht allzu leicht abgetan werden.

  14. Thomas Maier |  11.12.2009 | 21:51 | permalink  

    (Guter Kommentar, Herr Schwenk.)
    Ich finds aber gut, dass auch mal Artikel vor Meinung strotzen. Egal welcher. Mal einfach so. Ich habe den Eindruck dass manche Journalisten inzwischen Angst haben, ihre Meinung so richtig zu sagen – rauszuhauen, abzufeuern. Gut – darf halt kein totaler Mist sein. Und die Kommentare (auch meine manchmal) und Konterblogeinträge zerfleischen heute doch eh alles was vor ihren Fleischwolf kommt.
    Persönlich finde ich das hier etwas übertrieben.

    Die Meinung sagen unterstütze ich aber immer!

  15. Pit Schultz |  11.12.2009 | 22:46 | permalink  

    gerade nochmal reingelesen. die unerträglichkeit des geschreibsels von don alfonso hat viel mit der unerfreulichkeit des objekt seiner studien gemeinsam. er kommt zwar nicht an die brillianz eines thomas bernhard oder die penetranz eines florian illyes heran, aber die dumpfheit der westdeutschen saturierten mittelschichten denen er durch diffuse ironie zu entkommen versucht wird doch zumindest auf symptomatisch unkonsequente weise transportiert.

  16. Don Alphonso |  12.12.2009 | 19:13 | permalink  

    Oh, die Kommentare von Leuten, die Auskunft über ihre beschränkte Tätigkeit bei der FAZ, haben Sie gelöscht und Ihre eigenen Einlassungen über Ihre angebliche Freundschaft mit FAZ-Mitgliedern gleich mit? Ts ts.

  17. Stefan Heidenreich |  12.12.2009 | 20:20 | permalink  

    @ Don Alphonso: Was nicht zum Text gehört – also auch meinen eigenen ersten Kommentar – haben wir lt. http://carta.info/kommentarkodex/ heute morgen rausgespült. Sie hätten das von ihrer Gefolgschaft aufgebrachte Möchtegern-Skandälchen gerne noch ein wenig ausgewalzt? … “Dumme Kommentare lösche ich relativ frühzeitig und mit großem Vergnügen. Es bringt nichts, sich auf Diskussionen einzulassen, die nur das Ziel haben, Leute persönlich anzugreifen.” …

  18. Don Alphonso |  12.12.2009 | 21:25 | permalink  

    Das war nicht meine Gefolgschaft – glauben Sie, dass die 100, 200 Hansel, die das hier lesen, “meine” Leser sind? Ich wundere mich nur, warum Sie das nicht gelöscht haben, bevor Sie schrieben, dass die FAZ Ihnen zu wenig bezahlte, und Sie mit ihren dortigen Bekannten hausieren gingen. Macht so natürlich alles ein wenig den Eindruck, den man aufgrund der Löschungen nicht nachvollziehen kann: Dass Sie bei der FAZ nicht mehr als Autor tätig sind, dass Ihre Beiträge nicht genial ankamen, und dass Sie “vergessen” haben, diese persönliche Verquickung zu erwähnen. Aber das passt ja ganz gut zu dem Laden – Ihr Mitgründer führt ja auch nicht aus, worin seine tolle Beratungsleisting für die Firmen bestand, die er erwähnt.

  19. Stefan Heidenreich |  12.12.2009 | 22:08 | permalink  

    richtig: Ich hätte gleich löschen und gar nicht auf Abwege eingehen sollen. Im übrigen: sich über etwas zu ärgern und das ungefiltert herauspusten, das sollte ihnen nicht allzu fremd sein, nehme ich an. Wo nehmen sie jetzt nur die Geduld oder den anhaltenden Groll her, auch noch in irgendwelchen vermeintlichen Dritt- und Viert-Verquickungen herumbohren zu wollen? Ich schreibe am nächsten Text … sehr langweilig … zu einer Banker-Rede auf bis.org. Im übrigen habe ich ihren letzten Artikel “Die kleine Schweiz ..” gerne und mit Gewinn gelesen.

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