Robin Meyer-Lucht

Warum Schirrmachers Internetangst-Diskurs nicht zündet

Robin Meyer-Lucht | 21 Kommentar(e)

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Das Unbehagen mit dem Netz ist weit weniger verbreitet als viele glauben.

08.12.2009 | 

Frank Schirrmachers “Paypack” sollte uns die kulturphilosophische Debatte des Herbstes liefern. Christian Stöcker und Sascha Lobo haben gute Repliken geschrieben – doch irgendwie zündet diese Debatte nicht so recht. Einer der Gründe: Das Unbehagen mit dem Netz ist weit weniger verbreitet als viele glauben.

“Häufig unsicher” mit den Netz-Funktionen fühlen sich nämlich weniger als 10 Prozent der 14- bis 49-jährigen Internetnutzer. Und auch bei den 60- bis 69-Jährigen sind dies kaum mehr als ein Fünftel. Viele lassen sich vom Netz eben doch nicht aus der Ruhe bringen – und freuen sich, fleißig die neuen Kulturtechniken zu lernen.

internetangst

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Hätte Schirrmacher eine Positiv-Vision des Netzes geschrieben – sie hätte sich besser verkauft und wäre emphatischer aufgenommen worden.

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21 Kommentare

  1. Jürgen |  08.12.2009 | 20:52 | permalink  

    „Hätte Schirrmacher eine Positiv-Vision des Netzes geschrieben – sie hätte sich besser verkauft und wäre emphatischer aufgenommen worden.“ — Glaube ich nicht. Solche Computer-Jubelbücher gab es schon viele, auch schon vor dem Internet („Die Wunsch-Maschine“ von Sherry Turkle als Gegenbuch zu Weizenbaums „Ohnmacht der Vernunft“-stw). Wenn er ein Buch mit theoretischer Substanz geschrieben hätte, hätte das ein großer Wurf werden können. Herausgekommen ist aber der zweite Aufguß aus dritter Hand, unkonzentriert, fahrig. Er ist an diesem Thema genauso gescheitert wie an allen anderen Themen vorher auch. Insoweit war es keine Überraschung.

  2. Robin Meyer-Lucht |  08.12.2009 | 20:56 | permalink  

    @ Jürgen: Mögliche Position. Oben steht ja auch “EINER der Gründe”.

  3. th. joh. koesters |  08.12.2009 | 21:14 | permalink  

    ich bin jetzt 51und wundere mich doch darüber, wie viele leute aus meinem bekanntenkreis, die ähnlich alt sind wie ich, sich mit neuen medien schwer tun. das ich selber wenig probleme habe, liegt auch wohl daran, daß ich zu der ersten generation der homecomputer-nutzer gehörte – mein erster rechner war ein sinclair zx81… :)

  4. Lupo |  08.12.2009 | 21:16 | permalink  

    Sich besser verkauft? Das buch steht auf platz 3 der Bestsellerliste und hat sich on zweiinhalb Wochen lt Verlag fast hunderttausendmal verkauft. Ob das was ueber die Qualitaet sagt, weiss ich nicht. Aber mir scheint hier redet einer wie der Fuchs von den Trauben. Carta hat so etwas jedenfalls nicht ausgeloest. Aber Meyer Lucht kann ja mal vormachen, wie sich ein Jubelbuch verkauft.

  5. mrlizzard |  08.12.2009 | 21:54 | permalink  

    Wenn noch jemand erläutern könnte was “verstehen wie etwas funktioniert” mit “unbehagen” zu tun hat…

  6. Thomas Television |  08.12.2009 | 22:26 | permalink  

    Ob die Statistik genauso ausfallen würde, wenn die Frage konkreter lauten würde:

    “Was Facebook, Twitter, Social Bookmarking und RSS angeht fühle ich mich oft unsicher, weiß nicht…” usw.

  7. Jürgen |  08.12.2009 | 23:15 | permalink  

    @Lupo: Wir wissen ja, wie solche Behauptungen über Verkaufszahlen zustandekommen …

    @ mrlizzard: Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Unbehagen_in_der_Kultur

  8. Niko |  08.12.2009 | 23:32 | permalink  

    Am interessantesten ist doch eigentlich der Unterschied zwischen der Gruppe 20-29 und 30-39. Behaupten hervoragender Medienkompetenz zur Alterkaschierung?

    Unbehagen…

  9. Thomas Maier |  09.12.2009 | 02:05 | permalink  

    @robin.
    ich glaube nicht, dass es in erster linie absicht gewesen ist, eine apokalypse der medientechnologien zu prophezeihen. so wie es von unkompetenten menschen wie lobo aufgenommen wurde. vielmehr sollte wohl auf die gefahren hingewiesen, die entstehen, wenn es zu einer zu hohen bereitsschaft kommt anderen daten zu überlassen die einem selbst gehören und man das bewusstseinda für verliert, dass diese eigenen daten sensibilität genießen müssen. natürlich war sein großer fehler, dies in seinem buch nicht so hervorgebracht zu haben, dass es nicht wie ein wechselbad zwischen pirat schirrmacher und kulturpessimist schirrmacher wirkt sondern wie ein pirat schirrmacher, der differenziert for den möglichen gefahren warnt, die aus zu lässigem datenschutz resultieren. ansonsten hätte jeder andere etwas schriftstellerisch begabte ab-50-jährige dieses buch schreiben können. und lobo und co. fallen natürlich in ihrer überhebllichkeit und inkompetenz voll drauf rein. schade, herr schirrmacher. wie zu erwarten, herr lobo.

  10. John |  09.12.2009 | 02:59 | permalink  

    Wieso Fehler wenn das buch auf derbestsellrrliste ganz oben steht? Begreife diese diskussion nicht.

  11. Nanuk |  09.12.2009 | 05:18 | permalink  

    Ich habe das Buch gelesen und zwar hier in Amerika, wo die Diskussion jedenfalls sehr gezuendet hat. Und ich schuettle den Kopf. Nicht ueber Schirrmacher, was ja offenbar gewuenscht ist, sondern ueber Robin Meyer Lucht. Stoecker und Lobo haben das Buch nicht gelesen sondern auf Interviews reagiert und damit genau das gemacht was Schirrmacher wollte. Mainstream ist naemlich etwas anderes als die Debatte ueber die Cloud, zu der Payback uebrigens auch Neues beitraegt. Man kann vieles an dem Buch kririsieren, aber ohne Zweifel hat Nicholas Carr recht, der von neuen und faszinierenden Thesen spricht. Lucht und die seinen haengen sich an einem einzigen Punkt auf. Und zu der Wirkung. Ich wuenschte ich haette mit einem anspuchsvollen Buch so eine Wirkung wie Schirrmacher. Was Luchts These angeht: ist das Satire? Vor dem Internet hat niemand Angst. Aber sehr wohl vor seinen Algorithmen. Siehe Googles aktuelle Pressemeldungen. Also ehrlich gesagt, Meyer-Lucht sondert das gleiche strunzdumme Gerede ab wie alle die deutschen Internetberater, die ihren laecherlichen Beratungsmarkt beackern wollen. Good night.

  12. Linkwertig: Boxee, IT-Gipfel, Thunderbird » netzwertig.com |  09.12.2009 | 09:55 | permalink  

    [...] » Warum Schirrmachers Internetangst-Diskurs nicht zündet — CARTA [...]

  13. Fritz Goergen |  09.12.2009 | 12:02 | permalink  

    Manche Junge sind eben immer schon alt – und manche Alte werden das nie.

  14. Dieter Rantel |  09.12.2009 | 12:14 | permalink  

    Sorry, auch wenn ich Ihren Eindruck teile, so muss ich doch leider anmerken, dass die hier eingepflegte Umfrage / Grafik nichts mit der von Herrn Schirrmacher angeregten Diskussion zu tun hat. Was ich bisher gelesen habe, kritisiert Schirrmacher u.a. eine Überforderung durch zuviel Input und zuviel Gleichzeitigkeit. Die hier angeführte Umfrage bezieht sich m. E. nach auf die Frage nach der Usability, also danach, ob man weiss, wie man was im Internet macht. Ich bin etwas enttäuscht, dass sie sich auf das “ich will meine thesen belegen, also nehme ich irgendeine grafik, die das ungefähr belegen könnte, wenn man nicht genau hinsieht”.

  15. HaNi |  09.12.2009 | 13:25 | permalink  

    Ich finde, die Ideen von Frank Schirrmacher zünden sehr wohl, das zeigen mir auch die vielen Diskussionen darüber in meinem Freundeskreis. Und dass es nicht nur uns so geht, zeigt ein Blick auf die Bestsellerliste. PAYBACK hat eine bahnbrechende Auseinandersetzung über ein Thema ausgelöst, das uns in Zukunft noch viel stärker beschäftigen wird.

  16. vera |  10.12.2009 | 15:23 | permalink  

    die unsäglichen vampir-bücher sind auch bestseller. soviel dazu.

    wenn irgendwo schirrmacher drauf steht, wird es auch gekauft.
    ein grund dafür könnte dennoch sein, dass die diskussion über das thema (aber so was von!) überfällig ist, dass jeder intelligentere gedanke dazu gern aufgegriffen wird. dafür spricht auch die mittlerweile recht umfangreiche kommentierung, sowohl der vorabdrucke als auch des buchs, durch autoren verschiedenster couleur. egal, wie man zu schirrmacher und seinen publikationen steht: könnten wir das nicht als startschuss für eine BREITE diskussion der netzthemen ansehen? die wäre bitter nötig.

  17. Stefan Herwig |  10.12.2009 | 16:29 | permalink  

    ALso ch lese das Buch gerade, fidne es bisher argumentativ nachvollziehbar, und auch in großen teilen zutreffend.

    Was überhaupt nicht zutrifft, ist es das Buch mit obenstehenden Statistik in Einklang zu bringen.

    Es geht in Schirrmachers Buch um kognitive Überforderung und Unformaung, nicht darum ob jemand im Internet eine funktion “Kapiert” hat oder nicht. Ich weiss auch wie Myspace/Facebook oder Twitter funktioniert, es nervt trotzdem.

    Aber es ist schon klar, dass sich eine Debatte über dieses Thema im Netz selbst wohl kaum entzünden wird. Das wäre auch von einer gewissen Ironie geprägt.

  18. Anna Lena |  03.01.2010 | 10:42 | permalink  

    Hallo Robin oder Herr Meyer-Lucht (je nach Präferenz),

    ich fand die Statistik interessant und würde sie gerne in einer Infografik verwenden, kann sie (oder die entsprechenden Daten) aber nicht in der 2009-er Version (http://www.acta-online.de/main_newst.php?selection=9) finden.

    Ein Hinweis oder Link wäre super.

    Vielen Dank!

    Anna Lena

  19. robin |  03.01.2010 | 18:28 | permalink  

    @ annalena: Mehrere Verlage bieten “Online-Zählservices” an, bei denen man auch ACTA-Daten abrufen kann. Mit einer kleinen Google-Recherche findest du das sofort. Bitte die Nutzungsbedingungen beachten. ;)

  20. Anna Lena |  04.01.2010 | 16:51 | permalink  

    @robin besten Dank! Auf Nutzungsbedingungen, Rechte und Quellen wird natürlich brav geachtet :)

  21. Dominik |  15.01.2010 | 17:15 | permalink  

    Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich sagen: Dieser Artikel hat nichts damit zu tun.

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