Matthias Schwenk | 16 Kommentar(e)
Das Internet-Manifest zieht Kreise, zuletzt reagierte Bodo Hombach (WAZ-Gruppe) mit einem ins Ungefähre zielenden Rundumschlag. Was aber ist mit der drängenden Frage nach den Geschäftsmodellen der Zukunft? Eine Bestandsaufnahme.
08.10.2009 |
Warum fühlt er sich nur so angegriffen? Bodo Hombach hat in einem langen Artikel auf das Internet-Manifest geantwortet (ohne es jedoch zu verlinken), nur um am Ende auszudrücken, dass er froh sei, dass jetzt die “Debatte endlich angestoßen” ist. In der Substanz ist das nicht wirklich viel, vor allem da das Manifest Schwächen hat, bei denen man ansetzen und die Diskussion weiterbringen könnte.
Etwa bei der Frage nach den Geschäftsmodellen für den Online-Journalismus. Das Manifest gibt sich hier optimistisch kurz und warnt lieber vor Bestandsschutzdenken bei den klassischen Medien (”Tradition ist kein Geschäftsmodell”). Tatsächlich lassen sich aktuell sechs Möglichkeiten ausmachen, wie journalistische Inhalte im Internet finanziert werden könnten:
- Werbung. Heute schon eine tragende Säule für viele Angebote im Internet, wird diese Form der Finanzierung noch auf lange Sicht eine große Rolle spielen. Allerdings handelt es sich hierbei weder um eine “Wunderwaffe” für innovative, neue Medien noch um einen “Jungbrunnen” für Traditionsverlage, die nur mit Mühe den Weg ins Internet finden. Der Grund: Es gibt viel zu viele Seiten im Internet, Werberaum ist alles andere als knapp und das drückt auf die Preise.
- Paid Content. Sollen doch die Kunden für Inhalte bezahlen, so wie es von den gedruckten Medien schon seit Jahrzehnten gewohnt sind. Da es im Internet aber keine Gebietsmonopole mehr gibt und jeder Anbieter vom nächsten nur noch einen Mausklick entfernt ist, funktioniert dieses Modell auf Dauer wohl nur für spezielle Nischenangebote, die keiner breiten Konkurrenz unterliegen. Für den Mainstream ist das keine Lösung.
- Freemium. Die Kunden erhalten einen Teil des Angebots gratis, für mehr Inhalte müssen sie bezahlen. Das Konzept funktioniert sehr gut bei verschiedenen Angeboten im Internet – nur sind dies meist keine klassischen Nachrichtenseiten. Dennoch steckt in diesem Ansatz sehr viel Potenzial für den Online-Journalismus, sofern man “um die Ecke” denken und sich von der klassischen Content-Fixierung lösen kann.
- Miete. Noch sehr exotisch, in Ansätzen aber schon erfolgreich, etwa im Bereich Musik (Spotify, Simfy, Steereo). Die Kunden kaufen die Musik nicht, sondern bezahlen eine monatliche Pauschale dafür, dass sie ein großes Repertoire nutzen können. Stellt man die Bezahlung ein, endet auch der Zugriff auf das Repertoire. Der Unterschied zum Paid Content (Kaufmodell) liegt darin, dass man hier keine Inhalte auf den eigenen Rechner herunterladen kann. Für den Online-Journalismus vermutlich weniger interessant.
- Spenden. Die Wikipedia macht es vor, ein Lexikon auf der Basis einer Stiftung und damit rein spendenfinanziert. Für den Journalismus mit Sicherheit ein Modell, das noch große Bedeutung erlangen wird, auch wenn erste Ansätze in diese Richtung (etwa bei Spot.us) noch wenig erfolgversprechend erscheinen. Das Problem ist hier, dass den bekannten Medien(marken) der Weg in diese Richtung weitgehend verbaut ist, da ein Hubert Burda oder auch Bodo Hombach schlecht mit der Sammelbüchse losziehen können, solange ihre Medienhäuser dem Prinzip der Gewinnmaximierung verschrieben sind.
- Steuern und Subventionen. Die Kulturflatrate vermeidet das eher negativ belegte Wort “Steuer”, ist aber eine. Nach diesem Prinzip funktioniert schon die beliebte Gebühreneinzugszentrale (GEZ) für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Im Ergebnis führt ein solches Modell zu Wettbewerbsverzerrungen und relativ aufgeblähten Verwaltungseinheiten. Der so produzierte Journalismus hat ein gutes Auskommen, seine Inhalte aber sind von durchwachsener Qualität und dem Einfluss der Politik unterworfen. Insbesondere Diktaturen organisieren ihre Medienlandschaft gerne nach diesem Modell.
Schaut man mit etwas Abstand auf diesen Katalog, so fällt auf, dass die Diskussion um den Übergang ins Zeitalter des Internets hauptsächlich aus der Perspektive der Übertragung von Print auf Online geführt wird. Das aber greift zu kurz, denn im Internet geht es um weit mehr, als die Darstellung und den Verkauf des klassischen Zeitungsartikels. Das neue Trägermedium ist multimedial und rückkanalfähig, was zu ganz neuen Ansätzen führen kann:
- Mischformen. Zu wenig erprobt und angedacht sind etwa Verbindungen aus klassisch-medialem Content und den Prinzipien von Social Networks. In diese Richtung zielte das Portal Zoomer aus dem Hause Holtzbrinck, das leider schon sehr früh wieder eingestellt und somit der Chance beraubt wurde, seine konzeptionellen Mängel nach und nach zu beheben.
- Contentfixierung. Viele Medienmacher sehen ihren Content als den Dreh- und Angelpunkt ganzer Länder und Kontinente. Dabei übersehen sie, dass sich mit der Informationsfülle im Internet der Schwerpunkt allmählich von der reinen Distribution von Content wegverlagert und sich mehr in Richtung Filterung, Sortierung und Bewertung orientieren muss. Hier setzen vorläufig nur mutige Startups an, den traditionellen Medienhäusern ist diese Denkweise offenbar noch fremd.
- Medienkonvergenz. Im Internet ist so vieles möglich, die Verlage bleiben aber überwiegend textfixiert. Bei der FAZ trägt der Stolz über die farbige Bebilderung der Zeitung wohl durch ein ganzes Jahrzehnt, während man eigentlich damit experimentieren könnte, sich über Videoformate einem jüngeren Publikum bekannt zu machen oder einer eher business-orientierten Klientel interaktives Video-Conferencing als Premiumcontent (gegen entsprechende Bezahlung) zu vermitteln. Verlage brauchen künftig neue Produkte auf der Basis der im Internet gegebenen technischen Möglichkeiten. Wem dazu nichts einfällt, dem bleibt am Ende nur die Finanzierung über Werbung und damit eine eher umsatzdünne Zukunft.
- Endgeräte. Die Vielfalt an Endgeräten mit Zugang zum Internet wird immer größer. Spielkonsolen, Smartphones, E-Book-Reader und Tablets zeigen, dass hier noch einiges Neue in Zukunft erwartet werden darf. Auch wenn, wie oben beschrieben, Paid Content in vielen Bereichen wenig gute Aussichten hat, so könnten doch die vielen unterschiedlichen Endgeräte einen Ansatz bieten: Dann nämlich, wenn der Kunde ein Medium optimal auf einem bestimmten Gerät dargestellt haben möchte. Applikationen sind in diesem Sinne der Ansatz für Freemium-Modelle, bei denen weniger für den Content, als vielmehr für dessen bestmögliche Darstellung (und Datenübertragung) bezahlt wird.
Im Ergebnis zeigt sich, dass Medien für eine erfolgreiche Zukunft im digitalen Zeitalter entschieden mehr Kompetenz in Sachen Internettechnologie und Endgeräte haben müssen. Mit dem Wissen um den Betrieb einer Druckerei jedenfalls wird sich online kein erfolgreiches Geschäft aufbauen lassen. Das wäre auch zu einfach, oder?






Man darf Hombach nicht inhaltlich verstehen. Seine Kanonade möchte nur den Beifall der Kollegen vom VDZ erhaschen. Er hat dem schmallippigen Manifest eine noch schalere Brühe dazugestellt.
Man möchte jetzt diejenigen, die man nach oben gebracht hat, an ihre Versprechen erinnern. Es soll ein Regularium geben. Einen Kohlepfennig für die Verleger. Die kleinen und großen Lichter, die im Web herumkrakeelen sind ihm nur Nachweise der Notwenigkeit für ein “basta” von ministerialen Gnaden.
Es geht hier nicht um Produkte, Märkte und Kunden sondern um Geld durch Verordnungen, die gefälligst passieren sollen, um notleidende Vermögen nicht weiter zu dezimieren.
Mich erinnert das an einen Freund, der in den Achtzigern ein Vermögen machte. Wenn er arbeiten ging, sagte er immer: “Wir gehen jetzt zu den Schweinestechern (Ärzte). Die verstehen von Vermögensbildung soviel wie von der unbefleckten Empfängnis.” Und dann hat er pro Tag Bauherrenmodelle im Wert von Millionen verkauft. Nach acht Jahren hatte er genug Geld um sich vier Hotels in Portugal zu kaufen und dort einen Golfplatz bauen. Heute sind die Bauherrenmodelle pleite, die Ärzte sammeln noch immer alte Ferraris, die Banken verbriefen noch immer faule Kredite….nur die Verleger. Die trifft man nicht mehr so auf Sardinien. Deshalb schicken sie ihre Dobermänner aus, damit sie alles verbeissen, was sich auf die Straße traut. Dann kaufen die Politiker sehr schöne Hundekuchen mit Multivitaminkomplex, damit die Bestien was zum Fressen haben und die Herrchen freuen sich und kraulen ihre Geschäftsführer mit einem Chalet im Tessin.
@Wittkewitz: Aber welche Chance hat so ein “Kohlepfennig” für Verlage tatsächlich? Anders als die Kohle- oder Automobilindustrie ist die Verlagslandschaft um ein Vielfaches zersplitterter. Die Politik könnte das auch aussitzen, schließlich ist das so wichtige öffentlich-rechtliche Fernsehen ja nicht davon betroffen.
Ich verstehe nicht, warum bei der Auflistung von Finanzierungsmodellen für Onlinejournalismus immer auf die Nennung eines öffentlich-rechtlichen Systems verzichtet wird. Im Grunde gibt es das ja schon, es wird aber durch den Rundfunkstaatsvertrag verhindert, der die Online-Angebote des ÖR in die Schranken weist. Da müsste man erstmal ansetzen.
Bodo Hombachs Artikel liest sich übrigens nicht sehr informiert oder wegweisend, sein charakteristischstes Merkmal ist die beschriebene Länge. Er unterbietet damit, wie das auch Wittkewitz feststellt noch das Internetmanifest. Und mal Hand aufs Herz: Wir wissen alle, dass das Manifest nur PR in eigener Sache ist. Die Autoren wollen Berater, Dozenten, Autoren sein. Das ist der Zweck des Manifestes, sein Inhalt nur ein Mittel zum selbigen. Und das ist weder gut noch schlecht, ich denke, es ist vor allem eines: der Wahrheit am nächsten.
Mit anderen Worten: Ansätze zur Diskussion gibt es hier eigentlich nicht so viele. Am Ende wird es vor allem auf eines ankommen: Machen statt Reden. Irgendjemand wird so ein Internetdings hinstellen, dass alles kann, was die Lokalzeitung auch kann (Heimat sein, Verbinden, Abbilden, Anzeigen, Kultur, Veranstaltungen) und vielleicht sogar noch besseren Journalismus bietet. Das würde mich nicht wundern. Und dann brennt dem Hombach aber die Mütze ;)
Platitüden sollten mit Platitüden beantwortet werden: Nieder mit dem Proporzdenken der Verleger! Im Ernst: Wer den Schulterschluss fordert, sollte ihn – zum Nutzen der Leser – auch selbst ermöglichen. Allerdings weniger ala Lobbyist, denn als Inhalteanbieter. In einer Mash-Up Kultur für einzelne Verlagsangebote Geld zu verlangen, wird nicht gelingen. Schon gar nicht, wenn es um “allgemeine News” geht, die es an jeder Straßenecke gibt – auch dank “Citizen Journalism”.
Banner und klassisches Anzeigengeschäft sind offenbar untauglich, aber das muss ja nicht das Ende aller Überlegungen sein. Die Tatsache, dass die Verleger mit ihrem halbherzigen Aufbau von Webangeboten, bisher kein Monetarisierungskonzept gefunden haben, heißt ja nicht automatisch, dass keines existiert. Konstruktive Überlegungen jenseits traditioneller Verlegerdenke sind gefragt – nicht die Regulierer! Beispiele gefällig? http://bit.ly/4EfMOK
@Thomas Television: Die öffentlich-rechtlichen Zeitungen sind in meinem Artikel unter Punkt 6 “Steuern und Subventionen” subsumiert. Aber wollen wir das wirklich? Bei uns lesen Sie in der ersten Reihe? Mit dem Zweiten liest man besser? ;-)
@Christoph Salzig: Danke für den Beitrag und den Link. Damit kommen Beispiele in die Diskussion.
[...] polemisiert nach einer Meldung von turi2 Matthias Schwenk. Peter Turi verweist dabei auf einen umfangreichen und fundierten Beitrag Schwenks zu »Hombachs Reaktion aufs Internet-Manifest«. Bodo Hombach (WAZ-Gruppe) verweist auf [...]
Nur selektiv zwei Punkte zum Eingangstext:
1. Die “tragende Säule” namens Werbung. Passive Werbung an der Bande kann ich schon ertragen, klicke sie bei Interesse auch mal an; und bei carta habe ich den Werbefilter derzeit deaktiviert. Was ich jedoch nicht mag, wo “man” schon mal beinahe aggressiv reagiert, ist bewegliche, blinkende und derart Aufsehen erheischende Werbung; gar noch in den Lesetext eingewoben. Daher wird die Mehrzahl der User – like me – wohl grundsätzlich mit aktivem Blocker im Netz unterwegs sein. Klar, da verpasst man schon mal ein Highlight, wie die INSM-Werbung bei “The European”; hier ebenfalls besprochen.
2. E-Book-Reader (hier auch bereits anderweitig erwähnt) könnten eine gute, technisch durchaus bereits halbwegs ausgereifte Lösung sein, nicht nur für Bücher sondern ebenfalls für anderen Contet, wie z.B. Zeitungen. Nur, als “puppet on an string” wollte ich mich nicht zur Verfügung stellen, sollte der Schwerpunkt auf dem Inhaltlichen liegen, anstelle von Anwendergängelung und Überwachung. Habe das anderweitig mit wenigen Zeilen ganz persönlich erläutert:
http://www.freitag.de/community/blogs/ebertus/kindle-goes-grundgesetz-etc
@ebertus: Die Kritik an den sich stark in den Vordergrund drängenden Werbeformaten mancher Seiten kann ich nur unterstreichen. Das wird bisweilen des Guten zuviel getan.
Bei den E-Book-Readern wird man sehen müssen, wie unauffällig bzw. unaufdringlich etwa Amazon das Leseverhalten am Kindle observiert. Aber schon die Möglichkeit für sich genommen dürfte nicht gerade verkaufsfördernd sein.
[...] http://carta.info/15987/hombachs-reaktion-aufs-internet-manifest-verweist-auf-die-contentfixierung-d... [...]
@Matthias Schenk:
“Die öffentlich-rechtlichen Zeitungen sind in meinem Artikel unter Punkt 6 “Steuern und Subventionen” subsumiert”
Ein öffentlich-rechtliches System ist ja eben nicht steuerfinanziert oder (durch den Staat) subventioniert! Es ist staatsfern und nur dem öffentlichen Auftrag verpflichtet, nicht dem Staat, nicht der Wirtschaft oder anderen Personen oder Gruppen (etwa jenen die zahlungsbereit sind (= Pay Content) oder jenen, die bestimmte Themen bezahlen wollen (Spendenmodell)).
Was sie als Steuern oder Subventionen ansprechen betrifft ja eine staatliche Unterstützung für unfähige Unternehmer, ähnlich der Staatshilfen für die Banken. Mit einem Unterschied (den sie mglw. richtig erkennen in ihrer Antwort an Witkewitz): Verlage sind nicht (so) systemrelevant wie die Banken. Ein Steuer- und subventionsfinanzierter, aber sich in privater Hand befindender Journalismus wäre in der Tat eine Katasthrophe. Journalismus dient der Öffentlichkeit und gehört daher auch in den Besitz der Öffentlichkeit.
Es ist doch ganz einfach: Nur ein unabhängiger Journalismus und ein unabhängig von Interessen dritter finanzierter Journalismus kann das leisten, was Journalismus in unserer Gesellschaft leisten soll. Daneben darf (muss!) es natürlich wie auch immer finanzierten privaten Journalismus geben. Aber nur, wenn die Basis ein öffentlich-rechtliches System absichert, dass sicherstellt, dass es auf allen (!) Kanälen immer ein weites Angebot an unabhängigem Journalismus gibt.
Jeder der das anders sieht, muss meiner Ansicht nach mit anderen Motivationen handeln, als der “Wie sichern wir den besten Journalismus”-Motivation.
Meiner Meinung nach greift die Fixierung auf Geschäftsmodelle zu kurz. Wenn keiner bereit ist, für die dahinter liegenden Inhalte Geld zu bezahlen, hilt das beste Modell nichts.
Ich habe mir dazu ein paar eigene Gedanken gemacht: http://www.meiseonlinestrategie.de/index.php/meistermeise-blog/39-blogonlinestrategie/65-geschaeftsmodelle-weiter-gedacht-auf-die-inhalte-kommts-an Freue mich auch eine Diskussion.
@Thomas: ARD und ZDF werden Ihnen zustimmen, ich nicht. Denn unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk finanziert sich über die Gebühren, die von der GEZ eingezogen werden. Diese Gebühren kann man auch als eine Art Steuer ansehen, da sie gesetzlich geregelt ist.
Schaffe ich mir einen Hund an, muss ich Hundesteuer bezahlen. Kaufe ich ein Radio, werden Rundfunkgebühren fällig. In beiden Fällen trifft mich eine Zahlungspflicht, weil der Gesetzgeber das so geregelt hat. Ob das Inkasso über das Finanzamt oder die GEZ läuft, macht keinen wesentlichen Unterschied.
In Polen soll übrigens der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab 2010 direkt aus dem Staatshaushalt finanziert werden, die Rundfunkgebühr wird dann abgeschafft.
Das Problem der relativen Staats- bzw- Poltiknähe eines öffentlich-rechtlichen Nachrichtenwesens bleibt, wie hier auf Carta immer wieder thematisiert wird.
“Das Problem der relativen Staats- bzw- Poltiknähe eines öffentlich-rechtlichen Nachrichtenwesens bleibt, wie hier auf Carta immer wieder thematisiert wird.”
Wenn die Nähe zu groß wird, dann ist das ja eine Fehlentwicklung, dann ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht das was er sein sollte.
Wenn allerdings private Medienanbieter, so wie gerade im Internet, nur noch aufs Geld schauen und es zu bestimmten Zuständen kommt, wie etwa schlechter Inhalt, mangelnde Innovationsfreude, schlechte Arbeitsbedingungen für Freie oder auch angestellte Journalisten, Journalismus schlechter Qualität, wenn all das geschieht, dann ist das nicht in selben Maße eine Fehlentwicklung, sondern vielleicht sogar richtig: Denn in allererster Linie soll ein Unternehmer, ein Verlag eines: Geld verdienen, je effizienter desto besser. Und dazu muss dann eben auch mal der Journalismus schlechter, aber effizienter sein, möglicherweise ganze Nachrichtenseite nur noch von Maschinen gebaut werden (nachrichten.de).
Da hilft es auch nichts, zu sagen Eigentum verpflichte ja grundgesetzlich gesehen. Wo ist da die Grenze? Wieviel muss gespart werden, damit der Pflicht nicht mehr nachgekommen wird? Wieviel ökonmische Effizienz ist wünschenswert, und wieviel nicht? Und dann soll ich mich auch noch darauf verlassen, dass es einem Verleger wirklich Sorgen mache, übernehme er zu wenig Verantwortung? Dass die Gesellschaft es schon aushandeln wird über Diskussionen und Manifeste?
Wenn auf der anderen Seite schon ein System etabliert ist, dass all das, was mit der Verlegern erst erstritten werden muss, Grundaufgabe und Daseinszweck ist?
Aus diesem Grunde bin ich froh darüber, dass es in Deutschland ein öffentlich-rechtliches Mediensystem gibt.
Das genau ist das Problem des Internetmanifests und der Diskussion zwischen Interneteliten und Bodo Hombach – sie alle sind Teil eines Teilsystem des Journalismus, des Journalismus der Verlage.
Insofern ist die Frage, die das Internetmanifest stellt, nicht die nach dem besten Journalismus im Internet, sondern nach dem besten privatwirtschaftlich-organisiertem Journalismus (mit Profitinteresse). Das ist Fakt.
Ob das aber wirklich der beste Journalismus für diejenigen, denen er dienen soll, nämlich allen Menschen, ist, das ist damit gar nicht beantwortet.
Ich denke, in nur einem Punkt, kommen Menschen mit meiner Ansicht und die privatwirtschaftlich orientierten zusammen: Institutionen wie Wikipedia müssen zukünftig ebenfalls öffentliche Mittel erhalten, insofern sie das wollen und sich explizit auch öffentlichen Aufgaben verpflichten in zu definierender Form.
@Volker Meise: Guter Hinweis. Die Qualität der Inhalte ist natürlich eine entscheidende Voraussetzung für jede Vermarktungsstrategie.
@Thomas: Der Kritikpunkt sitzt! Das Internet-Manifest ist zwischen den Zeilen in der Tat etwas verlagslastig. ;-)
Widerspruch melde ich bei der Wikipedia an: Das Lexikon stellt eine enorme Bereicherung dar und funktioniert bislang gut mit seinem Spendenmodell. Warum daran etwas ändern?
“Widerspruch melde ich bei der Wikipedia an: Das Lexikon stellt eine enorme Bereicherung dar und funktioniert bislang gut mit seinem Spendenmodell. Warum daran etwas ändern?”
Das war nur als Beispiel gedacht. Sachen _wie_ Wikipedia könnten/sollten zukünftig auch in den Genuss öffentlicher Förderung kommen, wenn sie das wollen. Schon allein vorrausschauend, damit auch außerhalb beider Systeme, privat wie öffentlich-rechtlich, noch ein drittes Model, quasi ein idealistisches konkurrenzfähig ist. Denn: Wir wissen das von den NGOs – Spenden gibt es meist nur dann, wenn es Themen betrifft, die die oft “Luxusprobleme” des reichen Westens betreffen. Ein öffentlicher Fördertopf für etwa Blogs von bislang unbeachteten “Randgruppen” im In- wie Ausland wäre sicher sinnvoll.
Noch was anderes, um auf etwa Bodo Hombach/Die Verlage zurückzukommen. Dieser Kommentar hier bei Stefan Niggemeier, den fand ich auch sehr gut:
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/internet-manifest-ping-pong/#comment-110659
Jetzt einen “Kohlepfennig” für Verlage zu erwarten halten ich für etwas naiv. Im Gegensatz zu den Banken – bei der Autoindustrie ist das noch wieder etwas anderes – beschleunigt die aktuelle Krise den schon vorgegebenen Niedergang der Printmedien. Gekommen wäre er so oder so.
Die Internetseiten von vielen Verlagen sind zum weglaufen. Die fehlende Verlinkung und Kontaktiermöglichkeit wurde hier ja schon zu genüge erwähnt. Ebenfalls schlimm finde ich aber, wenn ich nur auf eine begrenzte Menge von Artikeln anstatt auf das gesamte Archiv zugreifen kann. Gerade bei wissenschaftlichen Artikeln würde ich schon gerne die Beiträge der letzten Wochen nachlesen. Und die Werbung kann auch schlimm sein, wenn sie hüpft, zuckt und flimmert, während ich daneben den Text lesen will. Da greife ich doch lieber auf Weblogs zurück, auch wenn ich mich dann mit anderen Themen beschäftige als ich vielleicht vorher wollte.
Dazu sollten wir nicht vergessen, dass Einnahmequellen, die zu einer Zeitung neben den Verkaufseinnahmen gehören, im Internet weggebrochen sind. Keiner braucht mehr eine Zeitung für das Kinoprogramm, die Wohnungs- oder Stellensuche.
Insofern sehe ich in Bodo Hombachs Artikel auch eher einen Aufschrei in Torschlusspanik über das ach so böse Internet, das unser gutes altes Recht und Moral ignoriert und das unbedingt mit Gesetzen in ihre Grenzen verwiesen werden muss, und wenigstens ein Gegengewicht aus geschulten Journalisten braucht.