Ulrike Langer

Medienlinks zum Wochenstart: 11 Dinge und 10 hässliche Wahrheiten

Ulrike Langer | 3 Kommentar(e)


Diesmal mit: Unangenehme Wahrheiten über den Journalismus, profitables sublokales Netzwerk, Was Journalisten von ihren aktiven Nutzern halten, Fremdschämen bei und für Raab

13.09.2009 | 

Top-Tipp:

Eleven Things I’d Do If I Ran a News Organization

Dan Gillmore von Mediactive, Experte für digitale Mediengeschäftsmodelle und Social Media-Investor, wirft einen kritischen Blick auf die vorherschenden Prinzipien des Journalismus und würde Chef eines Nachrichtenmediums einiges anders machen. Zum Beispiel Punkt 3: “Transparenz wäre ein Kernelement. Jeder Artikel enthält eine Box mit einer Auflistung: Was wir nicht wissen.” Eine Einladung zur kollaborativen Entwicklung von Beiträgen mit den Nutzern.

Weitere Tipps:

10 ugly truths about modern journalism

10,000 words kritisiert ebenfalls den Zustand des Journalismus. Zu den “10 hässlichen Wahrheiten” lässt sich noch eine 11. hinzufügen: Agenturen und Medien fallen auf Fälschungen hinein, deren Wahrheitsgehalt sich in einer Minute per Google überprüfen lässt.

Ein Selbstmord, der keiner war

Gegenbeispiel: Die FAZ lässt Revue passieren, warum sie nicht auf den “Bluewater”-Fake hereingefallen ist.

WordPress, Twitter, The Elk Club

The Nieman Journalism Lab berichtet über ein Journalistenehepaar in Ann Arbor, Michigan, das nach der Einstellung der letzten (oder einzigen?) örtlichen Zeitung, ein sublokales Nachrichtennetzwerk aufgebaut hat, dass sich schon ein Jahr nach Start wirtschaftlich trägt. Allerdings auch dank Selbstausbeutung.

Interview: Google News’ Josh Cohen: Can The Aggregator Ever Win Over Publishers?

Paid Content hat den Geschäftsführer von Google News, Josh Cohen, interviewt. Cohen benennt als eine der größten Herausforderungen einer Bezahlschranke vor Netzinhalten, den Umstand, dass die Beiträge dennoch – oder gerade – für Suchmaschinen auffindbar bleiben müssen, damit zahlungswillige Nutzer nicht nur über die Homepage des Portals dorthin geführt werden können.

Google developing a micropayment platform and pitching newspapers: “‘Open’ need not mean free”

Nieman Journalism Lab berichtete als erster über Googles Pläne, ein Micro-Payment-System für kostenpflichtige Netzinhalte von Verlagen auf Basis seiner Zahlplatform “Google Checkout” zu entwickeln. Auf deutsch berichtet FAZ-Netzökonom Holger Schmidt: Entwickelt Google ein lTunes für Verlage?

Media Talk USA: Will hyperlocal save journalism?

Jeff Jarvis spricht im seinem Guardian-Podcast (30 min) u.a. mit einem Old-School-Journalisten und einer Bloggerin in New Jersey: Jim Willse ist Chefredakteur des Star Ledger, und Deb Galant betreibt das sublokale Netzwerk barista.net. Interessant: Willse gesteht, dass er morgens nur online Nachrichten liest und nicht einmal sein eigenes Blatt als Frühstückslektüre konsumiert.

Future of Journalism Conference: The newsroom view of user content

Medienforscher haben Journalisten von der BBC und einer britischen Regionalzeitung nach ihrer Einstellung zu Social Media im Journalismus und Kollaboration mit den Nutzern befragt. Die Ergebnise fielen ernüchternd aus. ”Zeitverschwendung”, “lästig” und  ”hält von der eigentlichen Arbeit ab”, waren häufige Antworten. Vorstellung der Studie im Guardian.

Fremdschämen bei und für „Schlag den Raab“

Erst wird in den Netzwerken kollektiv über einen Unsympathen bei ”Schlag den Raab” hergezogen, am Tag danach regt sich die Twitter- und Bloggerwelt vorhersehbar über den Schwarm auf, der angeblich versagt habe. (Kann ein Schwarm versagen?) Eine differenziertere Darstellung gibt es bei Richard Gutjahr: “Den Raab-Tieren zum Fraß vorgeworfen. Ich schäme mich, dass ich selbst auf diese Inszenierung reingefallen bin.

Die Fachjournalistin Ulrike Langer bloggt auf medialdigital, wo sie auch diese Linktipps regelmäßig veröffentlicht. Carta übernimmt die Linktipps mit freundlicher Genehmigung der Autorin als Crossposting.

3 Kommentare

  1. Ein Stück Reflexion | nullwert |  13.09.2009 | 23:30 | permalink  

    [...] Schlag den Raab gestern (via). Gut, dass ich die Scheisse nicht gesehen habe!) Dieser Eintrag wurde am Sonntag, September [...]

  2. FS |  14.09.2009 | 10:24 | permalink  

    Ob “Hyperlocalism” wirklich die Lösung ist? Ich erinnere mich an Gespräche die ich mit Redakteuren von Shore Publishing, einem hyperlokalen Zeitungsverlag aus Connecticut, hatte. Die meinten, die Zeitungskrise würde sie genauso treffen wie alle anderen auch.

  3. Ulrike Langer |  14.09.2009 | 11:08 | permalink  

    @ FS:
    Sublokaler Journalismus hat meiner Meinung eine Riesenchance. Wie oft überblättern wir beim Blick in die Tagezeitung ellenlange Vereinsberichte und Nacherzählungen von Stadtteilfesten, die uns überhaupt nicht interessieren, weil sie am anderen Ende der Stadt oder – auf dem Land – in dem Kaff hinter den sieben Bergen stattfanden. Bei lokalen Themen muss die Themenauswahl wirklich so lokal wie möglich sein, um relevant zu sein. Das kann aber nur unter Einbeziehung des Schwarms gelingen, niemals können Redakteure und bezahlte freie Mitarbeiter eine Berichtstattung nach dem Prinzip ” jede Straße zählt ” alleine stemmen.

    Die Lokalsenderkette center.tv (u.a. Köln, Düsseldorf, Aachen) macht das schon ganz gut: Ein Heer freiwilliger Bürgerreporter beliefert den Sender mit Rohmaterial und Beiträgen. Entlohnung: Stolz, vom Sender ernst genommen zu werden, von Nachbarn und dem Metzger auf einen Beitrag angesprochen zu werden. Zu dieser Kooperation auf Augenhöhe müssen Verlage auch hin kommen, damit sublokale Plattformen nicht nur konzeptionell, sondern auch wirtschaftlich funktionieren können. Darüber hinaus braucht es eine Ansprache neuer potenzieller lokaler Werbekunden, denen das Verbreitungsgebiet einer ganzen Lokalzeitungsausgabe bisher immer noch zu groß und damit zu ineffektiv ist.

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