Robin Meyer-Lucht | 23 Kommentar(e)
Jens Seipenbusch auf der IFA-Medienwoche über das Grundproblem der traditionellen Medienindustrie im Netz: “Wenn die Verwertungsindustrie den Zugang zu Werken beschränken will, ist genau das genau das Gegenteil von dem, weshalb sie entstanden ist.”
09.09.2009 |
Es war eine muntere Diskussionsrunde –die Veranstaltung “Urheberrecht im Internetzeitalter” auf der IFA-Medienwoche gestern. Erst durfte Dieter Gorny noch einmal erklären, dass mit der Kulturindustrie im Internet auch die Kreativität zu sterben drohe. Die Buchindustrie durfte sich noch einmal darüber beschweren, dass das Google Book Settlement das Paradigma des Urheberrechts auf den Kopf stelle.
Es dauerte auch einige Zeit bis Jens Seipenbusch, der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, so richtig seine Betriebstemperatur erreicht hatte. Zum Schluss der Debatte wurde er schließlich aus dem Publikum gefragt: “Her Seipenbusch, welches Bild vom Nutzer haben Sie?”
Seipenbusch konnte so etwas grundsätzlicher den Zusammenhang von Demokratisierung und Geschäftsmodell aus Sicht der Piratenpartei skizzieren :
“Die Verwertungsindustrie ist entstanden, weil sie den Zugang zu Werken schaffen soll. Jetzt reden wir darüber, dass die Verwertungsindustrie den Zugang zu Werken beschränken will. Das ist doch nicht in Ordnung.”
Eine lohnende kurze Replik, wie die Piraten denn nun zur Verwertungsindustrie stehen.
Da leider noch kein offizielles Video von der Veranstaltung vorliegt, hier ein kleines Video.
Video: “Die Verwertungsindustrie ist dafür da, Zugang zu Werken zu schaffen – nicht, ihn zu verhindern” (Vimeo/Youtube)
Lohnend ist auch die anschließende Bemerkung des Juristen Michael W. Carroll: Die Unternehmen sollten stärker versuchen, ihre Kunden in Konversationen einzubinden, anstatt weiter zu versuchen, “Kopien” zu verkaufen. Mit Carroll haben wir noch ein Interview gemacht. Es erscheint hier in den nächsten Tagen.


[...] http://carta.info/14548/jens-seipenbusch-nutzerbild-urheberrecht/ a few seconds ago from api [...]
[...] Quelle & Weiterlesen [...]
Seipenbusch und Carroll haben natürlich recht. Das Problem ist das fehlende Umdenken seitens der Verlage, deren alte Geschäftsmodelle auf der digitalen Ebene so nicht mehr funktionieren.
Ein wesentliches Problem sehe ich dabei in der Preissetzung. Digitaler Content muss einfach noch billiger werden (in Relation zu den physischen Einheiten der gleichen Gattung) und damit seine wahren Kosten der Erstellung und Distribution ehrlich reflektieren. Dann wird er sich auch besser verkaufen lassen.
Zudem muss geklärt sein, wie viele Privatkopien man sich von E-Books, Filmen und Musiktiteln machen darf und zu welchen Konditionen mag ggf. ein digitales Werk weiterverkaufen darf (Gebrauchthandel).
[...] http://carta.info/14548/jens-seipenbusch-nutzerbild-urheberrecht/ a few seconds ago from mbpidgin [...]
Carolls Bemerkung ist wirklich gut – macht neugierig auf Euer Interview
Selten so viel Quatsch gehört. Die so genannte Verwertungsindustrie will den Zugang zu Inhalten nicht erschweren oder verbieten, sondern sie will sicherstellen, dass diejenigen, die an der Entstehung dieses Inhalts beteiligt waren, das ihnen dafür zustehende Geld erhalten. Und wenn Matthias Schwenk hier schreibt, digitaler Content solle noch billiger werden, um “seine wahren Kosten der Erstellung” “ehrlich zu reflektieren”, so ist auch das zu kurz gedacht. Die Kosten etwa eines Zeitungsartikels, der online erscheint, bestehen ja nicht allein in den tatsächlich minimen Kosten für den Upload, sondern in der Recherche und in der Arbeit, die ein gut geschriebener 10.000 Zeichenartikel eben machen. Und warum jemand, der sich die Arbeit macht, damit leben soll, dass andere seine Ware einfach klauen, verstehe ich nicht. Oder kann ich in Zukunft auf den Wochenmarkt gehen und mir das Kilo Äpfel klauen, mit der begründung, die verwertungsindustrie in Person des Obstbauern verweigere mir den Weg zu den von mir begehrten Äpfeln?
Und noch etwas dazu, dass erst das Internet es ermögliche, dass die menschen sich frei äußern können. Sie konnten es schon immer. Nur mussten sie dazu früher die texte tippen, vervielfältigen und dann verteilen. Das war vielleicht mühsamer als mal schnell einen Tweet abzusetzen. Aber dass es unmöglich gewesen sei, sich zu äußern ist Quatsch.
Aha, der bekennende Tauss-Unterstützer Seipenbusch findet zu den Sachthemen. Wie interessant.
Leider hat sich die Piratenpartei mit ihrer Stellungnahme zu ihrer Galionsfigur, die sich offensichtlich (in 102 Fälllen!) des Handels mit Kinderpornos schuldig gemacht hat, völlig ins politische Aus geschossen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,647861,00.html
Sorry, aber diese Partei ist nicht ernst zu nehmen. Sie ist allenfalls eine “Interessenvertretung” für besonders naive Nerds.
@Heiko Seitz: Eine Anklage stellt keine Tatsachen “offensichtlich” fest, sondern einen Verdacht, dem in einem Verfahren nachgegangen wird. Gottlob ist das in einem Rechtsstaat so.
Robin Meyer-Lucht, dass Sie ein Propagandist Ihres eigenen Berater-Geschäftsmodells sind, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Aber das jetzt diese Banal Aussage des sonst klugen Seipenbusch die Haltung der Piraten erklären soll ist so ungeheuerlich dämlich, dass mir die Worte fehlen. Genau dasselbe würde jeder Verleger sagen, der hinzufügen würde, und durch free content können wir das halt auf Dauer nicht. Sie wollten nur ihr Video hier reinstellen. SIe halten sich für einen Internet-Kenner. In Wahrheit behandeln Sie das Netz wie ein Oberseminarist die Seminararbeit. Dafür hat doch niemand mehr Zeit. Wenn dann doch bitte bitte einen originellen Gedanken, der nicht von den eigenen Interessen lebt.,
@Bernd: Bitte beachten Sie doch, dass es nach den Kommentarkodex von Carta leider nicht geht, Autoren persönlich zu diffamieren.
Zu ihrem Einwand: Ganz im Gegenteil würde so mancher Verleger sagen, dass es Aufgabe der Verwertungsindustrie ist, den Zugang zu Inhalten zu kanalysieren und genau durch die Verknappung zu monetarisieren. Hier liegt der Unterschied zur Internetmedienindustrie.
[...] Welches Bild vom Nutzer haben Sie, Herr Seipenbusch? — CARTA Jens Seipenbusch auf der IFA-Medienwoche über das Grundproblem der traditionellen Medienindustrie im Netz: Wenn die Verwertungsindustrie den Zugang zu Werken beschränken will, ist genau das genau das Gegenteil von dem, weshalb sie entstanden ist. (tags: piratenpartei Urheberrecht 2009 carta.info robin_meyer-lucht 09/2009) [...]
@Meyer-Lucht: D a s ist also schon eine Diffamierung? Geschäftsinteressen? Oberseminarist? Seminararbeit? Ja, wo bin ich denn hier hingeraten?
Jip, Kommentare zu den Inhalten und Texten sehr gerne. Persönliche Herabsetzung von Autoren geht leider nicht. So ist das hier.
Zurück zum Thema und zu dem was Hubertus in Kommentar Nr. 6 geschrieben hat. Mir geht es nicht darum, digitale Inhalte in ihrem Preis nur nach den Upload-Kosten zu bemessen, das wäre betriebswirtschaftlich natürlich völliger Unsinn.
Der Preis digitaler Artikel, Bücher, Filme und von Musik muss aber reflektieren, dass hier im Vertrieb bisweilen mehrere Handelsstufen ganz entfallen und zudem auch keine physischen Produktionskosten (Druck…) mehr entstehen.
Ein E-Book sollte daher gut und gerne 50 % weniger kosten als ein gedrucktes Buch. Bei der Musik verhält es sich ähnlich. Lediglich bei Zeitungen und Zeitschriften sieht die Kalkulation anders aus, da hier die Werbung (in diesen Medien) einen erheblichen Teil der Gesamtkalkulation ausmacht.
In der Praxis sind Verlage und Musikindustrie aber nur sehr zögerlich bereit, ihre digitalen Produkte mit nennenswerten Abschlägen gegenüber den konventionellen Produkten zu versehen. Meist wird das mit Mischkalkulationen begründet, was aber bei den Konsumenten nicht gut ankommt. Diese haben nämlich im Gefühl, dass das digitale Produkt eigentlich deutlich billiger sein müsste…
Die gesamte Podiumsdiskussion gibt es hier als Video:
http://www.buchreport.de/nachrichten/online/online_nachricht/datum/2009/09/09/tete-a-tete-mit-piraten.htm
@sumo_su: cool, vielen Dank.
[...] Der Vorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, stand Frage und Antwort. Wer wissen will, was die eigentlich wollen, wird hier bedient: Click [...]
@6 (hubertus):
ich werde meine marktfrau einmal fragen, ob sie denn auch sicherstellen will, dass diejenigen, die an der entstehung meines gemüses beteiligt waren, das ihnen dafür zustehende geld erhalten. (ich werde mich übrigens hüten, das beim discounter, an der tankstelle oder beim kaffeehändler zu tun.)
meine marktfrau verkauft gemüse und verantwortet sich schlagfertig und mit gewissem stolz vor ihren kunden – produkt, preis und leistung rechtfertigen das auf beneidenswerte art. wieso nun so salbungsvoll, wenn es an die verwertungsindustrie geht? lenkt weltrettungsrhetorik nicht eher ab, als dass sie nützt?
wo ist das gesunde selbstverständnis, wo der gewisse stolz, mit dem ehrlich und aufrecht inhalte verkauft werden?
.~.
@dot tilde dot Schon mal selbstbewusst und stolz inhalte im web verkauft? Wenn ja, welcher Art waren sie? Ich kenne niemanden, der erfolgreich dabei gewesen wäre, zumindest nicht, wenn er nicht eine große Organisation, die anderswo Geld verdient, im Rücken hat. Freu mich sehr über die hoffentlich umfangreiche Aufzählung (es geht mir übrigens nicht darum, dass ein Blog, das davon lebt, Anregungen und Hinweise, die ihm von Fans kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, so zusammenfasst, dass das Ganze viele Zugriffe hat und des halb Werbung anzieht. Es geht um den Verkauf von Selbstgemachtem.)
[...] http://carta.info/14548/jens-seipenbusch-nutzerbild-urheberrecht/ [...]
@19 (hubertus):
nein, bis jetzt nur körperliche erzeugnisse, mit zuwächsen über das netz. über werbefinanzierten kleinkram und dienstleistungen rund um kmu im netz habe ich noch nicht hinauskommen wollen. noch hat sich in meinem bereich die prophezeihung der papierlosen welt nicht erfüllt und der tag nur 25 stunden.
ich muss ihnen zugestehen, dass mein eingangs polemischer tonfall dem thema offensichtlich nicht angemessen war. über berufliche existenzen ist schlecht spaßen.
aber wie darf ich ihre gegenfrage darüber hinaus verstehen? haben wir uns hiermit geeinigt, dass es für tagesaktuelle inhalte im netz keine geschäftsidee gibt, die man selbstbewusst vertreten könnte? gibt es überhaupt eine zukunft für qualität, leidenschaft für beruf und produkt, und für wertschöpfung, von der menschen leben können?
wenn die verwertungsindustrie wirklich baldigst störben sollte, wird es an den fehlenden geschäftsmodellen gelegen haben, und nicht an der moral. dafür, dass ein meckertopf mit komischem namen in einer kommentarspalte es auch nicht besser hingekriegt hat, wird sich auch dann keiner einen kanten brot kaufen können.
mein koordinatensystem für körperlos geld verdienen im netz war bis jetzt:
abo-modelle: gut. erfolgreich hier z. b. world of warcraft, ein paar arkane newsletterdienste für special interests.
werbefinanzierung: mäßig bis schlecht, ernährt offensichtlich kaum einzelkämpfer. eine der vielen gratwanderungen hierbei: wie qualität im inhalt transportieren, wenn die werbung den leser mit voller breitseite anschreit?
mischmasch, also freemium: könnte gehen. hat da jemand erfahrungen?
.~.
@ dot tilde dot:
Statt gleich über die Geschäftsmodelle zu reden, sollte man sich im ersten Schritt fragen: Gibt es derzeit im tagesaktuellen News-Bereich eine Unterversorgung?
Ich persönlich würde mir hier und dort gerne andere Akzente wünschen. Für die große Mehrheit der Nachrichtennutzer kann ich mir aber nicht vorstellen, dass sie sich angesichts eines Angebots von SpOn über Focus.de, von FAZ.NET bis Sueddeutsche.de, von Heise.de und Golem.de, von Tagesschau.de und Heute.de, Zeit Online bis FTD.de unterversorgt fühlen.
Anbieter mögen derzeit keine tollen Margen verdienen – aber sie machen wacker weiter.
Zumindest als Nutzer muss sich also derzeit über “Gibt es ein geschäftsmodell oder nicht?” keine Sorgen machen. Es gibt nämlich ein ganz schön fettes Angebot.
Und natürlich läuft ganz viel auf Werbefinanzierung oder aber : Bundleabos hinaus.
Wir werden es erleben….
@dot tilde dot
ich sehe es auch so: wenn es keine geschäftsmodelle gibt, die online-journalismus lukrativ macht jenseits von angeboten, die von den guten alten holzmedienverlegern querfinanziert werden, wird es bald keinen mehr geben, inernet-manifeste hin oder her. da es dann, glaubt man etwa dem herrn knüwer, auch keinen printjournalismus mehr geben wird, weil e einfach altmodisch ist, sehe ich schwarz, denn das hieße dann ja: no journalism at all. ich selbst glaube nämlich nicht, dass jeder journalist ist.
@robin meyer-lucht: das ist aber doch ein wenig überraschend: ein inernet-manifest unterzeichnen,indem die rede davon ist, dass es zahlreiche beispiele für funktionierende geschäftsmodelle im online-journalismus gibt, und dann hier auf lauter quersubventionierte seiten zu verweisen, die bis af wenige ausnahmen kein eigenes geld verdienen. dass anbieter trotz fehlender margen wacker weiter machen: geschenkt: was sollten sie denn sonst tun. dass nicht existiert, was google nicht findet, ist doch das credo nicht nur von jeff jarvis, sondern von fast jedem. und anerson sagt ja auch, dass man alles gratis raushauen soll, irgendwie ließe es sich schon finanzieren, asonsten gilt für ihn ja: dann macht man als musiker musik ebennicht für geld, sondern weils spaß macht. na denn, viel spaß!!