Wolfgang Michal

Die Schlagzeilen von morgen

Wolfgang Michal | 7 Kommentar(e)

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Es geht wieder aufwärts in Deutschland! Vor allem in den Zeitungen. Ich habe mir – aus sicherer Quelle! – schon mal die Schlagzeilen von morgen besorgt.

06.09.2009 | 

September 2009

  • Wachstumsprognosen werden angehoben.
  • Die Kauflaune steigt.
  • Institute sehen Licht am Ende des Tunnels.
  • Die Rezession ist gestoppt.
  • Der Arbeitsmarkt trotzt der Wirtschaftskrise.
  • Preise sind stabil.
  • Die Aufschwungsignale mehren sich.
  • Die deutsche Industrie sieht wieder mit Optimismus in die Zukunft.
  • Wir haben die Kraft!

27. September 2009

  • Sichere Mehrheit für Merkel.

Oktober 2009

  • Drittes Quartal überraschend im Minus.
  • Einzelhandel beklagt zweistellige Verluste.
  • Autoindustrie wieder im Rückwärtsgang.
  • Die Rezession kehrt zurück.
  • Die Wirtschaftskrise trotzt dem Arbeitsmarkt.
  • Die Preise ziehen an.
  • Ein zweiter Abschwung droht.
  • Banken wieder in Schieflage.
  • Es gibt nichts zu verteilen!

November 2009

  • Mehrwertsteuererhöhung im Gespräch.
  • Längere Laufzeiten für AKWs geplant.
  • Abwrackprämie vor Neuauflage.
  • Pendlerpauschale auf der Kippe.
  • Kommunen schlagen Alarm.
  • Grundsteuer soll steigen.
  • Staatsschulden wachsen.
  • Entlassungswelle in den Betrieben.

Dezember 2009

  • Steuereinnahmen brechen weg.
  • Arbeitslosenzahlen steigen.
  • Kassenleistungen sollen eingeschränkt werden.
  • Nullrunden im Öffentlichen Dienst wahrscheinlich.
  • Rentenkürzungen unausweichlich.
  • Studiengebühren vor drastischer Erhöhung.
  • Umweltauflagen für Betriebe auf dem Prüfstand.
  • Zeitungsverlage erhalten Staatshilfen.
  • Internetregulierungsgesetz vorgelegt.

22./23. Dezember 2009

  • „Agenda 2020“ verabschiedet.
  • Nach zähem Ringen im Vermittlungsausschuss wird das Reformpaket zur nachhaltigen Stabilisierung der deutschen Wirtschaftskraft von Bundestag und Bundesrat gebilligt. Volksvertreter beider Kammern erinnern in einer Gedenkminute an die Verabschiedung der „Agenda 2010“ am 19. Dezember 2003.

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7 Kommentare

  1. ebertus |  06.09.2009 | 19:33 | permalink  

    Ende 2010:

    Die Wenigen, die verbleibenden Besitzenden, die Mächtigen, die Bilderberger und ihre beratervertragsversorgten Politiker ziehen die Mauern um das eigene, schützenswerte Glück noch höher, die “gated communities” werden auch hierzulande Standard und die Bundeswehr kommt endlich im Inneren zum Einsatz….

  2. Robin Meyer-Lucht |  06.09.2009 | 19:33 | permalink  

    Es fehlt noch:

    Oktober 2009:
    – Schwere Einschnisse bei der deutschen Qualitätspresse: Hunderte Stellen fallen weg

    Januar 2010:
    – Musikindustrie begeistert über neue Internetsperren.

  3. Marion Zartner |  07.09.2009 | 12:43 | permalink  

    Ergänze:
    Dezember 2009 – Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Bücher (und andere Produkte und Dienstleistungen) wird angehoben

  4. C.Mayer |  07.09.2009 | 14:30 | permalink  

    Wahrscheinlich treffen 95% der Schlagzeilen wirklich zu. Gehen Sie Herr Michal von einem Wahlsieg von Schwarz/gelb aus oder wird es auch unter Schwarz/rot nicht anders kommen? Fuer Schwarz/gelb wird es wohl kaum reichen. Warum werden Sie fragen? Ganz einfach. Merkel wird ein noch schlechteres Ergebnis einfahren wie 2005 und die FDP nicht ueber 13% kommen. Das sind dann zusammen keine 48%.Da wird Frau Merkel froh sein, mit der SPD weiter regieren zu duerfen. CDU 33%, SPD 26% macht zusammen 59%, eine ziemlich kleine grosse Koalition.

  5. Wolfgang Michal |  07.09.2009 | 15:52 | permalink  

    @C.Mayer: Ich finde, Sie sehen das ziemlich realistisch. Es könnte aber hauchdünn reichen für SG (Überhangmandate!), auf jeden Fall muss sich Merkel auch andere Koalitionen offen halten. Egal wie – die Themen nach der Wahl werden von der Krise diktiert.

    @1-3: Weitere Schlagzeilen sind erwünscht (nur Robin muss erklären, was Einschnisse sind)

  6. JF |  11.09.2009 | 11:19 | permalink  

    Ein bemerkenswerter Artikel. Als weitere Schlagzeilen kann man vielleicht noch
    jene zum Gedenken des 9/11 Terroranschlags dazu nehmen. Jack Shafer,
    Medienkritiker bei Slate hat jedenfalls rechtzeitig davor gewarnt und wieder mal
    getroffen. Und das wird gewohnt ja wieder auch in Europa so laufen.
    Blind your eyes and close your ears
    http://www.slate.com/id/2227796/

  7. rauskucker |  29.09.2009 | 02:17 | permalink  

    Sehr schönes Stück!
    Das Faszinierende ist ja, daß diese Schlagzeilen vorher und nachher jeweils auf “objektiven”, nachprüfbaren Fakten beruhen. Daß es also Kräfte geben muß, die diese “Fakten” so bearbeiten können daß sie passen.
    Erinnert sehr an “1984″, könnte aber zutreffen. Bei den Arbeitslosenzahlen ist die Manipulation ja oft genug belegt worden.

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