Oliver Geden | 12 Kommentar(e)
Am 1. September tritt in der EU die erste Phase des Verkaufsverbots für klassiche Glühbirnen in Kraft. Manche Medien in Deutschland und Österreich erwecken den Eindruck, als bilde sich bereits eine stille “Volksbewegung” gegen den “Öko-Dirigismus” aus Brüssel. Doch die herkömmliche Kritik an der Effizienzregulierungspolitik der EU geht am Kern des Problems völlig vorbei.
15.08.2009 |
Wenn in wenigen Wochen die erste Phase des Handelsverbots für klassische Glühbirnen in Kraft tritt, werden deutsche und österreichische Medien ihr Publikum noch einmal mit emotionalen Geschichten anzurühren versuchen, voll von bemitleidenswerten Menschen, die es leider versäumt haben, noch rechtzeitig 100-Watt- oder mattierte Glühbirnen zu horten, und die stattdessen im Dunkeln sitzen, oder – schlimmer noch – im fahlblauen Licht der Energiesparlampen. Noch einmal werden Lichtdesigner und Lichtpsychologen ihren großen Auftritt haben, und “Brüssel” vorsätzliche Gesundheitsgefährdung vorwerfen. Der ein oder andere Klimaexperte wird erneut verlauten lassen, dass das Verbot für den Klimaschutz nichts bringe, weil der Emissionshandel den eingesparten CO2-Ausstoß lediglich “umverteile”. Die Blogs der Öko-Skeptiker werden es ein weiteres mal dankbar aufgreifen. Willkommen im Sommerloch.
Was in der Debatte bislang jedoch überhaupt nicht wahrgenommen wird: Das Glühbirnenverbot erfolgt nicht allein aufgrund von klimapolitischen Erwägungen und an die heutigen Energiesparlampen wird sich schon in wenigen Jahren kaum noch jemand erinnern können.
Energieeinsparungen sind nicht nur aus klimapolitischen Gründen sinnvoll, sondern auch aus solchen der Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Energieversorgung. Das völlig korrekte, aber in der Öffentlichkeit weitgehend unverstandene Argument, dass die Förderung von Effizienztechnologien oder von Erneuerbaren im Rahmen des Emissionshandels keine unmittelbaren klimapolitischen Effekte hat, geht am Kern der Sache zumindest teilweise vorbei. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die technologiepolitischen Aspekte solcher Regulierungsformen regelmäßig unterschlagen werden.
Das Glühbirnenverbot ist auch ein Versuch, bislang im Leuchtmittelmarkt unterbliebene Innovationen anzustoßen, die nicht zuletzt deshalb gehemmt wurden, weil Öko-Idealisten die herkömmlichen Energiesparlampen trotz ihrer in der Tat schlechten Lichtqualität gekauft haben. Das erzwungene “Mainstreaming” sparsamer Lampen ist zwar eine Wette auf die Zukunft, aber wenn unsere Ingenieure und Techniker es nicht schaffen, für einen Markt von 500 Millionen Konsumenten preisgünstige Leuchtkörper herzustellen, die warmes Licht bei sparsamem Verbrauch ermöglichen, dann brauchen wir uns mit den wirklich komplizierten Zukunftsfragen gar nicht erst zu beschäftigen. Schon in den letzten Monaten hat sich auf dem Leuchtmittelmarkt einiges bewegt. Aber die mittelfristige Lösung wird nicht bei klassischen Energiesparlampen liegen, sondern in der LED-Technologie, wie sie heute in Japan schon relativ weit verbreitet ist – wenn auch noch zu sehr stolzen Preisen.
Das eigentliche Problem der EU-Politik im Bereich Energieeffizienz liegt aber nicht im Glühbirnenverbot oder anderen vorübergehenden Einschränkungen der Konsumentensouveränität, sondern in der Architektur des europäischen Regulierungsansatzes. Das immer wieder genannte Gesamtziel einer 20-prozentigen Effizienzsteigerung bis 2020 ist rechtlich vollkommen unverbindlich. Verbindlich sind lediglich die Verbrauchsobergrenzen, die im Rahmen der Öko-Design-Richtlinie für insgesamt 19 Produktgruppen in einem jeweils sehr aufwändigen Verfahren beschlossen werden sollen. Dazu zählt nicht nur die Glühbirne, sondern auch Umwälzpumpen, Standby-Schaltungen oder Kühlschränke. Das ist grundsätzlich nicht sinnlos, aber man reguliert dabei eben nur den relativen Energieverbrauch, nicht den absoluten.
Wenn die Bürger aber immer größere Wohnungen heizen, immer mehr Elektrogeräte immer länger betreiben oder mit ihrem sparsameren Auto längere Strecken zurücklegen, dann wird in absoluten Mengen nichts oder nur wenig eingespart – das aber müsste das Ziel sein. Zudem geht der produktzentrierte Ansatz vollkommen an den systemischen Fragen vorbei, etwa der optimalen gesellschaftlichen Organisation des Personen- und des Güterverkehrs, oder der Wirkungsgrade bei Energieerzeugung, -umwandlung und -transport. Besser wäre es deshalb, die Einsparziele für die EU-Mitgliedstaaten rechtsverbindlich zu machen. Die 27 Regierungen könnten dann eigenverantwortlich überlegen, mit welchen Mitteln sie die Einsparziele am kostengünstigsten erreichen wollen. EU-weite Standards für einzelne Produktkategorien wie Leuchtmittel wären auch in einem solchen Politikansatz noch sinnvoll. Aber sie wären – aufgrund der vergleichsweise geringen Einspareffekte – nachrangig gegenüber den wirklich wichtigen Energieverbrauchssektoren.


Resultate:
Erfahrungen und Ergebnisse beim Einsatz von 474 Energiesparlampen bei 19 verschiedenen Projekten sind ersichtlich unter:
http://meinekleine.kleinezeitung.at/999999/stories/350845/
[...] Das Glühbirnenverbot: ein letztes Flackern im Sommerloch Shared um 20:55 Uhr via Delicious Am 1. September tritt in der EU die erste Phase des Verkaufsverbots für klassiche Glühbirnen in Kraft. Manche Medien in Deutschland und Österreich erwecken den Eindruck, als bilde sich bereits eine stille “Volksbewegung” gegen den “Öko-Dirigismus” aus Brüssel. Doch die herkömmliche Kritik an der Effizienzregulierungspolitik der EU geht am Kern des Problems völlig vorbei. [...]
Das Glühbirnenverbot ist auch ein Versuch, bislang im Leuchtmittelmarkt unterbliebene Innovationen anzustoßen,
Diese Aussage kann man ruhig noch etwas härter formulieren: Das Glühbirnenverbot dient vor allem dazu, die Konsumenten dazu zu zwingen, solche Leuchtmittel zu kaufen, die vor allem von europäischen Herstellern produziert werden.
Die gute alte Glühbirne, wir werden sie vermissen…Was kann man nehmen als Alternative, Energiesparlampen mit natürlich wirkendem Licht?
Ich hab vor kurzem den Bericht in der brandeins darüber gelesen und bin schon etwas überrascht wie man sowas durchbringen kann. In meinen Augen hat das nur was mit neuem Aufschwung für die Wirtschaft zu tun – allein der Test von vielen Energiesparlampen hat gezeigt dass diese oft nicht das halten was sie versprechen.
Ich bin heute extra noch einmal 30km gefahren um mir Glühbirnen in großen Mengen zu kaufen. Ich habe festgestellt, dass es etliche Anwendungen gibt, wo die Energiesparlampen deutlich im Nachteil sind und ich die alten Birnen benötige. So hielten die Energiesparlampe bei der Eingangsbeleuchtung (häufiges Ein- Ausschalten duch Bewegungsmelder) gerade mal ein halbes Jahr, eine der alten Birnen läuft schon seit zwei Jahren problemfrei, etc. etc.
Ich finde es eine Gängelei des Verbrauchers und eine Unverschämtheit, diesen zu benachteiligen, damit – wie hier postuliert – ein Innovationsschub bei den Unternehmen einsetzt.
Die Glühbirne:
besteht aus Glas, Metall und ein paar unkritischen Zusatzstoffen und kann problemlos thermisch verwertet oder deponiert werden. Wird üblicherweise im Hausmüll entsorgt.
Die Energiesparlampe:
besteht aus Glas, Metall, Kunststoff, Quecksilber und elektronischen Komponenten. Kann nicht über den Hausmüll entsorgt werden, sondern gehört in den Sondermüll. Wird meist (wie die Glühlampe) aus Asien importiert (europäische Hersteller??). Und hält länger im Dauereinsatz. Alles in allem kann man die Energiesparlampe fokussiert auf die Anwendung vielleicht als Energiesparlampe bezeichnen, wenn man allerdings Herstellung, Transport und Entsorgung betrachtet, dann fällt die Ökobilanz schon weit weniger günstig aus. Der Verbraucher spart Energie, allerdings belastet er die Umwelt mit Sondermüll, der wieder energieintensiv recycelt werden muss.
Ich verstehe den Aufruhr nicht.
Ich verwende seit ca 2000 ausschließlich Energiesparlampen. Natürlich nicht die potthässliche 99-Cent-Ware aus der Baumarkt-Grabbelkiste, genauso wenig wie ich vorher die ständig ausfallenden Billigglühbirnen gekauft habe. Sondern Qualitätsware, z.B. von Philips (aber nicht nur), die auch warmes, natürliches Licht zustandebringen.
Wir haben durch diese und weitere Energiesparmaßnahmen zu zweit unseren Stromverbrauch unter den Wert gedrückt, den ich in den 90er Jahren noch alleine verbraucht habe, ohne jede Einbuße im Komfort.
Im Gegenteil: die Tatsache, dass die Energiesparlampen erst mit der Zeit heller werden ist deutlich angenehmer für das Auge, ganz besonders morgens im Badezimmer.
Meine Großmutter hat mir vor zwei Jahren unter anderem einen riesigen Karton mit allen möglichen Glühbirnen verschiedenster Bauart vererbt. Ich habe die ein Jahr aufbewahrt und dann aus Platzgründen unbenutzt komplett entsorgt – ich hatte einfach keinen Bedarf dafür.
Ich werde die Glühbirne überhaupt nicht vermissen.
Ich war mein ganzes Leben lang stets für die europäische Einigung.
Das nun wirksame Glühbirnenverbot trägt mit dazu bei, meinen seit einigen Jahren steigenden Skeptizissumus gegenüber der EU weiter zu befördern.
Das Verbot wurde ohne jede vorherige öffentliche Diskussion beschlossen (von wem eigentlich genau?). Ich werde den Verdacht nicht los, dass es sich lediglich um das Ergebnis gelungener “Lobbyarbeit” der Leuchtmittelindustrie handelt, die nun umweltschädlich hergestellte teure Leuchtmittel dem Verbraucher zwangsweise andrehen kann.
Sagt eure Meinung unter
http://www.gegen-gluehbirnenverbot.de/
Vielleicht können wir noch etwas ändern.
” Die 27 Regierungen könnten dann eigenverantwortlich überlegen….”
Eigenverantwortlich? LOL Das wäre ja das genaue Gegenteil von EU….
[...] Jahr so intensiv in den Medien durchgekaute Thema des Glühbirnenverbots für nicht mehr als ein “Flackern im Sommerloch” gehalten hatte (ich belasse das jetzt mal dabei, unabhängig davon, dass man über die [...]