Wolfgang Michal | 19 Kommentar(e)
Harte Auseinandersetzungen müssen sein. Aber Verleumdung und Denunziation gehören nicht dazu.
05.08.2009 |
Vor einer Woche schrieb ich einen Beitrag über die „Rückkehr des Autorenjournalismus“ für Carta. Die Redaktion illustrierte den Text mit einem Bild von Rainer Meyer, der sich im Netz als „Don Alphonso“ bezeichnet. Es war ein gutes Autoren-Porträt in Schwarz-Weiß: Meyer in Pose neben dem Kotflügel eines Automobils. Die Redaktion hatte das Foto von einer Website genommen. Es war Bestandteil der Verkaufsförderung für ein Meyer-Buch. Ein Promotion-Foto.
Die Verwendung des Fotos missfiel Herrn Meyer. Das ist sein Recht. Es wäre also sinnvoll gewesen, die Redaktion anzurufen, und um Entfernung des Fotos zu bitten. Das tat Herr Meyer aber nicht.
Stattdessen erhielt ich am Abend des 1. August eine Mail von Rainer Meyer mit der fetten Betreffzeile: „Ihr Klau meines Bildes“. Keine Anrede, keine Grußformel. Dazu der Text: „Ist das die Adresse, an die meine Rechnung gehen kann?“ Es folgte meine Privatanschrift. Zeitpunkt der abgeschickten Mail: 19.06 Uhr.
Eine Minute später, um 19:07 Uhr, stellte Meyer ein gleich lautendes Schreiben mit Nennung meiner vollen Adresse ins Netz. Das heißt, er wollte meine Antwort gar nicht abwarten, sondern gleich drauflos denunzieren, nach dem Motto: Hier wohnt der Verbrecher. Meyer glaubte offenbar, es erhöhe die einschüchternde Wirkung, wenn er mich öffentlich als Urheberrechtsverletzer und Bilderklauer an den Pranger stellt.*
Natürlich hätte Meyer den Sachverhalt klären können. Er hätte ins Impressum schauen und bei Carta anrufen können. Er hätte auch mich anrufen können. Meine Adresse hatte er sich ja besorgt. Stattdessen beschuldigte er mich einfach des Klauens.
Als ich die Mail entdeckte – am Samstag, 22.00 Uhr -, antwortete ich, er solle doch vorsichtig sein mit Tatsachenbehauptungen. Ich wies ihn darauf hin, dass ich als freier Autor nicht für die Bildauswahl verantwortlich bin. Er möge sich bitte an die Redaktion wenden. Ich schrieb tatsächlich „bitte“! Außerdem teilte ich ihm mit, dass ich versuchen würde, die Redaktion zu informieren (was ich auch tat).
Daraufhin mailte er allen Ernstes zurück, es sei ihm „egal“, wer der Verantwortliche sei. Er schrieb nicht etwa: Tut mir leid, dass ich Sie verdächtigt habe, das war ein bedauerlicher Fehler. Er schrieb, um das Maß voll zu machen, am selben Abend einen Blog-Kommentar, in dem er behauptete, auch der Medienjournalist Peter Turi habe mal seinen Job in einer solchen Angelegenheit verloren. Ich fragte Herrn Meyer, ob er keinen Anstand besitze. Er ließ die Frage unbeantwortet.
„So ist er halt, unser Fonsi“, sagen manche, die ich gefragt habe. Sie zucken resignierend die Achseln und schauen weg. Sie sind irgendwie Fonsi-müde. Und so verkommen die schönen Kommentarregeln und sonstigen Selbstverpflichtungen zu ein paar hübschen, aber belanglosen Fußnoten.
*Seine Verleumdung hat Rainer Meyer indirekt eingestanden: Die „angedrohte“ Rechnung für das Foto ist mir bis heute nicht zugegangen.



Ihr Chef hat sich bereit erklärt, das Bild runter zu nehmen. Aber wenn Sie darauf wert legen, kann ich Ihnen natürlich immer noch eine Rechnung schicken.
Ach so, und das hier “vergessen” Sie natürlich, oder wie auch immer man das bezeichnen soll:
# Don Alphonso | 01.08.2009 | 15:10
Nett wäre es, wenn ich mit meinem Bild (alle Rechte bei mir) nicht für dieses bescheuerte Blafasel drittklassiger Selbstverständlichkeiten herhalten müsste. Bitte stehlen Sie sich den Inhalt für ihre Gosse woanders zusammen.
Seit 15.10 Uhr stand das unter Ihrem Beitrag. Lesen Sie keine Kommentare? oder passt das einfach nicht in Ihre Story? Ihre Redaktion habe ich um 15,15 Uhr aufgefordert, das Bild zu löchen. Wissen Sie nicht? Ach je. Und dann schreiben Sie sowas? ts. Darf ich jetzt auch mal schreiben, was ich über Sie denke?
Ich habe keinen Chef. Und erwarte eine Entschuldigung von Ihnen.
In dem, was ich Ihnen schicken lassen werde, werden Sie danach vergeblich suchen. Nur zu Ihrer nformation: Die “Verleumdung”, die Sie mir nachsagen, ist ein in Deutschland ein Straftatbestand (§ 187 StGB). Das können Sie schreiben, wenn Sie einen entsprechenden Erlass gegen mich erwirken, aber im Moment hätte ich eher dazu Anlass wegen Ihrer Behauptungen.
Wenn sich dieser so unappetitliche wie absurde Streit fortsetzt, liefert er demnächst wenigstens eine Antwort auf die Frage, wer künftig mit journalistischen Inhalten im Internet wird Geld verdienen können: die Anwälte.
So. Ich habe jetzt an Ihre Redaktion und Robin Meyer-Lucht geschrieben, dass ich wissen will, wo die Rechnung hingehen sol l- die Urheberrechtsverletzung ist ja unstrittig. Ich bin ja gar nicht so. Die sollen mir das sagen, dann geht die Rechnung raus. Ich mein, ich hätte ja darauf verzichtet, aber wenn Sie wollen: Bitte! Gerne! So ist es ja auch nicht.
Und dann werde ich Sie nochmal fragen, wohin die folgenden Briefwechsel gehen sollen, wenn Sie Wert darauf legen. Denn so wie ich das sehe, riskieren Sie mit ihren Unterstellungen gerade eher Cartas Wohlergehen, als Ihr eigenes. Aber das werden wir herausfinden. Ist das für Sie in Ordnung?
Akzeptieren Sie doch einfach mal, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Und Cartas Wohlergehen hatten Sie am 1.8. in der Blogbar unter der Überschrift kommentiert: “Krepiert einfach”.
[...] legt sich jemand mit dem Don an: http://carta.info/12814/der-herr-meyer-ueber-sehr-schlechte-manieren-im-netz/ [...]
Ich hätte nicht gedacht, dass ich von einem Autoren aufgefordert werde, dabei nachzuhelfen, aber wenn es Ihr Anliegen ist? Ich mein – warum nicht?
Ansonsten möchte ich mal Ihr Augenmerk auf Ihr Impressum hier lenken. Da steht:
“Carta entsteht als Gemeinschaftsprodukt seiner Autoren. Carta-Autoren sind als Diensteanbieter nach § 8 Abs. 1 TDG für ihre eigenen Inhalte, die diese Internetseite zur Nutzung bereithält, nach den allgemeinen Vorschriften verantwortlich.”
So. Und bei welchem Beitrag stand nun das geklaute Bild von mir? Bei Ihrem. Sie können sich das gerne mit Carta auseinanderfieseln und sich beschweren, dass die Ihnen ein Bild untergeschoben hat, aber Carta ist nach Eigenaussage nur und ausschliesslich für namentlich nicht gekennzeichnete Beiträge verantwortlich. Damit bleibt es formaljuristisch erst mal an Ihnen hängen. Insofern wundert es mich schon, wenn Sie nun öffentlich nach Rechnungen fragen. Aber bitte. Ihnen kann geholfen werden.
Diese Ausführung stellt keine Anwaltsdienstleistung dar und ist – für den weiteren Fortgang der Ereignisse angesichts Ihrer erkennbar dringenden Wünsche zu zahlen erstaunlicherweise – immer noch kostenlos. Ansonsten möchte ich Sie freundlich bitten, die in Ihrem Beitrag veröffentlichten falschen Tatsachenbehauptungen, nachdem Sie ja nun aufgeklärt wurden, zu berichtigen.
Als Autor bin ich für das verantwortlich, was ich zu Carta hochlade (= für meine eigenen Inhalte), Ihr Bild war nicht dabei.
Tja, dann haben Sie bei Carta wohl ein massives Problem mit dem Impressum und der Haftungsfrage, und presserechtlich gilt nun mal das, was im Impressum steht. So wie ich das sehe, wäre die saubere Lösung: Ich schicke Ihnen die – oben deutlich angeforderte – Rechnung, Sie zahlen und wenden sich dann mit Ihren Ansprüchen an Carta. Wäre das in Ihrem Sinne?
Dass Sie für die von Ihnen oben verbreiteten Unterstellungen aber definitiv selbst haften, wissen Sie aber schon, oder?
(und nein, an Gegengeschäften nach dem Motto “dann zeigen Sie halt mein Bild für 12 Stunden auf Ihrem Blog” habe ich kein Interesse)
In den vergangenen Monaten habe ich Carta sehr schätzen gelernt, wegen seiner oft klugen Beiträge und auch wegen der Diskussionen in den Kommentaren. Carta hebt sich wohltuend ab von vielen anderen Blogs, in deren Kommentardebatten man oft genug den Eindruck hat, dass es nicht darum geht, seine eigene Meinung an der der anderen zu reiben, sondern darum, dem anderen zu zeigen, wer den längeren Atem hat bzw. schlicht mehr Zeit.
Ganz im Ernst, Don Alphonso: Bei allem Verständnis für den Ärger darüber, dass Ihr Bild ohne Ihre Erlaubnis veröffentlicht wurde, finde ich Ihr Autreten im Ton völlig unangemessen und bei Carta deplatziert. Und bevor Sie sich jetzt die Mühe machen, auch noch mich anzugehen: Ich werde diese Debatte nicht weiter verfolgen, dafür ist mir die Zeit zu schade.
[Disclosure, nachgetragen: Zufällig ist Herr Schächtele Vorstand des kleinen Journalistenverbandes, bei dem auch Herr Michal mitwirkt. Ist aber nur Zufall. Echt.]
If you argue with an idiot, after a while, it’s hard to tell who the idiot is.
was lernen wir daraus oder wußten es schon zuvor? journalisten spielen gern beleidigte leberwurst und don alphonso ist ein rüpel.
Don Alphonsos Ergüsse haben schon fast brodersches Format (damit meine ich z.B. den Mailwechsel zwischen Pöbel-Broder* und dem Tübinger OB Palmer über Felicia Langer, wie ihn die Stuttgarter Nachrichten dokumentiert haben. Während Palmer ganz ruhig bleibt, kriegt Broder immer mehr Schaum vor den Mund, er eskaliert sich also selbst). Deswegen mein Ratschlag: Auch DA soll hinter seinem Ohr einen An-/Aus-Knopf haben, vielleicht schaltet ihn mal jemand aus? Und vielleicht hat auch wer einen Cognac und ein feuchtes, kühles Tuch. Den Cognac kann DA trinken, das Tuch kann er sich auf die Stirn legen. Das hilft.
*PS: Das ist als Meinungsäußerung zu verstehen. Es ist keine Tatsachenbehauptung. Natürlich nicht.
PPS: Jetzt aber Ruhe hier.
Unter Bloggern läuft ja viel Bildverwendung nach dem Motto: Wenn jemand damit nicht einverstanden ist, soll er sich melden, wir lösen das dann. Das mag nicht ganz sauber sein juristisch, ich finde es ganz praktikabel.
Aber würde auch sauer werden, wenn ich in den Kommentaren darauf hinweise, dass ich ein Bild entfernt haben möchte – und dann passiert erst mal gar nichts obwohl ein anderer, viel später geposteter Kommentar beantwortet wird.
Bevor hier eine Verleumdungsunterstellung auf die nächste folgt, schließen wir die Diskussion und verweisen auf den Kommentarkodex. In den Kommentaren hier haben wir schon einmal darauf hingewiesen, dass die Bildauswahl nicht vom Autor stammte.