Michael Spreng

Das Ende der TV-Duelle

Michael Spreng | 3 Kommentar(e)


Mit dem Auseinanderbrechen der großen Koalition in Schleswig-Holstein ist Frank-Walter Steinmeier weiter von der Kanzlerschaft entfernt denn je. Damit hat sich auch das Kanzlerduell erledigt.

27.07.2009 | 

Jetzt hat also auch Frank Walter Steinmeier seine Katherina Reiche. Manuela Schwesig heißt die junge Politikerin aus dem Osten, die Steinmeiers betagter Mannschaft jugendliche Frische verleihen soll. Auch sie soll, wie Katharina Reiche 2002 bei Edmund Stoiber, das Aushängeschild für eine moderne Familienpolitik sein und für mediale Aufmerksamkeit sorgen. Ob das reicht, um der eingeschlafenen Steinmeier-Kampagne neun Wochen vor der Wahl noch Schwung zu geben?

Zum gefühlten zehnten Mal hat Steinmeier jetzt angekündigt, endlich den Wahlkampf zu eröffnen. Es wird auch Zeit. Die Wahllokale werden nicht extra für Steinmeier länger geöffnet. Seine Ankündigungen, endlich loszulegen, wirken inzwischen so einschläfernd wie seine bisher einzige knapp formulierte Wahlkampfbotschaft, die er gebetsmühlenhaft wiederholt:”Ich kann es und ich will es”. Er meint damit sein berufliches Karriereziel Kanzler. Von ihm ist er aber seit dem Auseinderbrechen der großen Koalition in Schleswig-Holstein weiter entfernt denn je. Denn Ralf Stegner plant einen scharfen Konfrontationswahlkampf gegen Schwarz-Gelb. Das bleibt bundespolitisch nicht ohne Folgen.

Gelb war bisher die Hoffungsfarbe der Bundes-SPD. Geht diese – nie wirklich vorhandene Machtoption – endgültig verloren, dann ist Steinmeier kein Kanzlerkandidat mehr – oder nur noch mit derselben Berechtigung wie Guido Westerwelle 2002. Steinmeier ist in Wirklichkeit nur noch der Spitzenkandidat der SPD. Und auch er kann die verbliebenen SPD-Wähler nur noch mit einem scharfen Wahlkampf gegen Schwarz-Gelb an die Urne bringen.

merkel-tvduell

Die kurze Ära der TV-Duelle: Angela Merkel im Wahlkampf 2005

Damit hat sich eigentlich auch das Kanzlerduell erledigt. Das TV-Duell machte nur so lange Sinn, so lange zwei Spitzenkandidaten gegeneinander antreten, die beide die – zumindest theoretische – Chance haben, Kanzler zu werden. Aber ohne Linkspartei (die will er nicht) und ohne FDP (die kriegt er nicht) gibt es keinen Kanzler Steinmeier. Mit derselben Berechtigung kann auch Guido Westerwelle ein TV-Duell mit Angela Merkel verlangen oder die Grünen könnten es fordern, wenn sie denn einen Spitzenkandidaten hätten.

Im Zeitalter schrumpfender Volksparteien und immer stärkerer “kleiner” Parteien geht die kurze Ära der TV-Duelle (2002 bis 2009) ohnehin ihrem Ende engegen. 2013 wird die gute, alte Elefantenrunde wiederkommen. Die Fernsehsender sollten nicht trauern. Die Einschaltquoten 2009 beim “Duell der hängenden Mundwinkel” werden ohnehin geringer sein als 2002 und 2005.

Michael Spreng bloggt auf Sprengsatz, wo auch dieser Beitrag erschienen ist. Siehe zum Thema auch: Steinmeier muss Strategie ändern.

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3 Kommentare

  1. Wittkewitz |  27.07.2009 | 23:48 | permalink  

    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass die beiden Theaterhäuser der öffentlichen Schauspieler namens Volksvertreter und die privat bezahlten Schauspieler namens Lobbyisten und Berater in irgendeiner Weise als demokratische Instanzen wahrgenommen werden, oder doch? Es ist absolut unerheblich welche Branchengedanken gerade aus wessen Mündern in die Diskurssimulation namens Talkshow abgesondert werden.

    Machtfragen werden nicht in der Öffentlichkeit geklärt, außer in dem Fall, das nicht die Ärzte sondern die Patienten mal demonstrieren, außer in dem Fall, dass nicht die Erzieher sondern die Eltern demonstrieren oder das Volk gegen seine Entsafter aus der Bankenwelt. Da das nicht passiert, können Sie versichert sein, dass der Leidensdruck noch nicht so groß ist, dass der Deutsche ein Interesse für das Gemeinwesen entwickelte, das über seine Scholle hinaus ginge. Insofern ist die Hybris der Omnipotenz der Berliner Entourage sehr gut mit ihrer Nabelschau beschäftigt, dann stellt sie immer am wenigsten Schindluder an.

  2. sommernase |  29.07.2009 | 16:29 | permalink  

    Völlig richtig, Herr Spreng. Die längerfristigen Vorhersagen, die schon vor Jahren gemacht wurden, haben sich bestätigt: die SPD ist eine 20%-plus-X-Partei geworden. Ein “Kanzler-Duell” ist da nur noch ein Witz.

  3. K.P. |  04.08.2009 | 09:07 | permalink  

    Kanzlerduelle sind per se ein Witz. Sie zeigen nur, wie gut jemand auswendig gelernte Floskel zur Diskussion nutzen kann. Echte Sponatität komtm da nicht auf. Interessanter wäre, 2 Leute auf einen Marktplatz zu stellen, auf ein Podest jeweils und dabei zu filmen wie sie vom Volke bestürmt werden mit Fragen – das wäre mal interessant.

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