Robin Meyer-Lucht

Tagesschau: Der postmoderne Concierge hat geblinzelt

Robin Meyer-Lucht | 18 Kommentar(e)


Die “lautlose Wirksamkeit” der Tagesschau-Maschinerie basiert auf der Herstellung einer Medienrealität, über die nicht mehr diskutiert werden kann. Genau deshalb wurde der Blogeintrag von Kai Gniffke zum Tabubruch.

27.07.2009 | 

Was ist eigentlich die Hauptleistung der Tagesschau? Diese Frage muss man stellen, um den Streit zwischen ihrem Chefredakteur Kai Gniffke und dem ARD-Hauptstadtstudioleiter in seinem eigentlichen Kern zu begreifen. Denn im Streit der beiden ARD-Vorderen geht es um mehr als persönliche Animositäten zwischen Zentrale und Berliner Büro. Es geht um die Frage der Legitimationsmechanik dieser Nachrichtenmaschinerie.

Die Hauptleistung der Tagesschau ist die permanente Herstellung brauchbarer Medienwirklichkeit. Sie wandelt Ereignisse und Themen in allgemein akzeptierte Nachrichtenwirklichkeit um. Ihr strukturelles Problem, dass sich Realität eigenlicht nicht einfach “nur abbilden” lässt, verdeckt sie durch eine ritenhaft inszenierte Objektivität, die sich auf eigentümliche Weise der Argumentation entzieht.

Man könnte auch sagen: Die Tagesschau ist eine Zaubershow, in der Realität erzeugt wird, über die nicht mehr diskutiert werden kann.

Der Autor Ulrich Schmitz hat die Tagesschau einmal als “postmodernen Concierge” bezeichnet. Concierge, weil sie ein Wächteramt ausübt: Welche Nachrichten werden überhaupt reingelassen? Postmodern, weil die Tagesschau den Nachrichten die Rationalität verweigert.

Und hier kommt nun der Blog-Eintrag von Kai Gniffke ins Spiel: Sein Tabubruch im Tagesschau-Universum bestand darin, die Selektivität der Tagesschau thematisiert, kritisiert und damit zur Diskussion gestellt zu haben:

Aber wenn wir ehrlich sind, hätte man jedes, ja wirklich jedes unserer heutigen Themen auch lassen können. Alles reine Kann-man-machen-Nummern.

Die “lautlose Wirksamkeit” der Tagesschau-Maschinerie basiert bislang jedoch genau darauf, dass solche Fragen undenkbar sind: Die Tagesschau erscheint als die einzig richtige Repräsentation der Wirklichkeit. In diesem System ist für ein “kann man machen” kein Raum. Die Tagesschau schöpft ihre Aura aus einer unhintergeh- und unhinterfragbaren Praxis, in der sich Realität “realisiert”.

Soll die Tagesschau ihren klassischen Nimbus behalten, muss alles richtig und wichtig sein, was sie unternimmt. Für das Eingeständnis “mittelmässiger Themen” oder von “Widrigkeiten im Alltag einer Nachrichtenredaktion”, von denen Gniffke im Spiegel-Kurzinterview spricht, ist da kein Platz.

Ulrich Deppendorf stellt sich daher nicht nur vor seine Hauptstadtstudio-Mitarbeiter, sondern hält vor allem auch eine Kritik der Selektionsmechanismen für wenig sinnvoll:

Dann hätten die Kollegen und Kolleginnen aus dem Hauptstadtstudio und in der Republik ja schon eher die Arbeit für die Tagesschau einstellen können. Im Übrigen halte ich keines der Themen gestern für entbehrlich oder dem Sommerloch geschuldet.

Mit Gniffkes Blog-Eintrag hat der “postmoderne Concierge” Tagesschau geblinzelt. Gniffke hat zugegeben, dass die Tagesschau kontingent ist: Man könnte es so machen, aber auch anders. Manchmal könnnte man es sogar fast auch lassen.

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Die Hauptleistung der Tagesschau ist die permanente Herstellung brauchbarer Medienwirklichkeit.

Kai Gniffke hat damit nicht nur Transparenz hergestellt. Er hat die Tagesschau-Nachrichtengebung als veränder- und diskutierbare Praxis thematisiert. Damit aber würde es nicht mehr eine richtige Art geben, die Tagesschau zu machen, sondern mehrere. Damit hat Gniffke die Kernfunktion seiner Sendung angegriffen: Realität zu erzeugen, über die nicht mehr diskutiert werden kann. Es entstehen Risse in der monolitischen Inszenierung einer Objektivität, von der Gniffke ohnehin verstanden hat, dass es sie nicht geben kann. Gniffke hat damit intuitiv verstanden, dass sich der Begriff von brauchbarer Medienwirtklichkeit langsam verändert.

Deppendorf aber möchte seine Organisation solchen Diskursen nicht augesetzt sehen. Deswegen findet er auch, dass Gniffke über den Charakter der Sendung nicht bloggen müsste.

Der Streit zwischen Deppendorf (Jahrgang 1950) und Gniffke (Jahrgang 1960) dreht sich damit leztlich um die Frage, woraus die Tagesschau in Zukunft Legitimation beim Zuschauer schöpft. Durch paternatlisch-distanziertes Auftreten oder durch zunehmend offensive Selbstthematisierung der eigenen Grenzen.

Dass sich diese Frage überhaupt stellt, zeigt vor allem, wie schwer es ist, sich von liebgewonnen Machttechniken zu verabschieden.

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18 Kommentare

  1. Jürgen Kalwa |  27.07.2009 | 23:26 | permalink  

    Dazu fällt mir eine Episode aus grauer Vorzeit ein, in der der Fernsehmann Horst Königstein die Hauptrolle spielt. Der hatte NDR-intern den Auftrag angenommen, die Arbeit der “Tagesschau” für den eigenen Sender zu dokumentieren und dabei mit der Kamera und dem Mikrofon allen Mitwirkenden der Sendung während ihrer Arbeit im wesentlichen immer nur die eine Frage gestellt: Was machen Sie hier? Die Interviewten gaben ordentliche und illustrative Erklärungen ab, die einem den Alltag der Redaktion sehr gut vermittelt haben. Der fertige Film war informativ und stellte Transparenz her. Es gab für die Oberen des Senders nur ein Problem: Eine solche Darstellungsform zog dem “Concierge” die Kleider aus. Königstein wurde gezwungen, ein Interview einzubauen, in dem der damalige Chefredakteur seiner Sendung den ganzen seriösen Lack wiederanheften konnte. Der Film findet sich leider nicht in der Internet Database:
    http://www.imdb.de/name/nm0477933/. Vielleicht erinnert sich jemand anderer an die Arbeit und kann ein paar Infos dazu nachreichen. Herstellungszeitpunkt: 1973 oder 1974.

  2. robin |  27.07.2009 | 23:51 | permalink  

    Sehr schön – den Film würde ich mir in der Tat sehr gerne ansehen.

  3. Wittkewitz |  28.07.2009 | 00:02 | permalink  

    Wir wissen doch alle, dass die öffentlich-rechtlichen Sendern schon seit Jahren ihre Einnahmen mit lustigen Verträgen der Kamerahersteller und technischen Dienstleister ausgeben und immer dann wenn besonders viel geld für das x-te Studio und die y-ten Kamerzüge oder Ü-Wagen ausgegeben werden, dann kommen erst die enormen Folgekosten zum Zug. Man sieht das gerade bei den atemberaubenden Kosten und Aufwänden für das Archivieren und Verwalten des Videomaterials – und ich rede noch nicht vom völligen Austausch ALLER technischen Grundlagen bei Umzug auf HD…

    Fazit: Die redaktionellen Aufwände und somit deren Kosten sind sehr sehr gering im Verhältnis zum Geld, das in die technischen Bereiche fliesst und das Ganz mit dem Effekt, dass dort noch mehr schlechtes Geld dem guten hiterher geschmissen wird. Und dann kocht noch jeder zweite Landessender sein eigenes Formatsüppchen.

    Es bleibt gar keine Zeit, darüber nachzudenken, was sinnvoll wäre, weil es erst mal darum geht, was ist sendefähig und was ist sendefertig.

    Die alte Frage nach der Filterfunktion ist ja gelinde gesagt eine ex post Begründung für den Journalismus und nicht für die Inhalte selbst. ich meine damit, wenn alles zur Auswahl stünde, und sich der Nutzer die Inhalte nach Interesse zusammenstellen würde, dann wären wir im 3. Jahrtausend. Aber die Sender robben sich erstmal technisch in das ausgehende 20. Jahrhundert und entdecken jetzt erst die Tücken der digitalen Formate. Bis die die Tücken des Marktes als Konversation überhaupt verstanden haben, wird die Qualität der Amateurberichterstattung Probleme wie die Kadrage oder den Weißabgleich oder den Ingest in einer Weise marginalisieren, dass sich ganz andere Fragen stellen als die Referenzkraft der Tagesschau. DAs Fernsehen ist ein Nebenbei-Medium. Allein die Werber wissen das schon und nutzen es wie das Radio.

  4. Robin Meyer-Lucht |  28.07.2009 | 00:08 | permalink  

    Da möchte ich doch gleich noch auf dieses wunderbare Zitat hinweisen:

    Transparenz ist die neue Objektivität

    http://www.digitalpublic.de/qualitatsjournalismus-transparenz-ist-die-neue-objektivitat-von-david-weinberger

  5. Michael |  28.07.2009 | 10:13 | permalink  

    Dieser Artikel ist ein interessanter Gedankenanstoß. Aber man hätte einige Gedanken auch zu Ende denken müssen. Wer sagt denn, dass die Tagesschau eine Zaubershow ist, in der Realität erzeugt wird, über die nicht mehr diskutiert werden kann? Gibt es denn nicht massenhaft kommunikationswissenschaftliche Studien, die sich mit der Selektion von Nachrichtenthemen beschäftigen? Sind Nachrichtenfaktoren nicht seit den Anfängen des Zeitungsdrucks einer fortwährenden Diskussion unterworfen? Macht man sich nicht intern genug Gedanken um die Inhalte der Tagesschau? Gibt es nicht zu Organisation, Technik und Inhalt der Sendung spannende Publikationen? Warum wurde auf diese kleinen Details in dem Artikel nicht eingegangen? Und was hat die angebliche “Streit” von Deppendorf und Gniffke, den beide als lächerlich bezeichnen, damit zu tun? Warum ist das ein “Tabubruch”? Macht dieser Artikel dann überhaupt einen Sinn? Und welchen Sinn macht der Kommentar Nummer 3 zu den lustigen Verträgen der Kamerahersteller? Thema verfehlt, setzen, 6!

  6. Wittkewitz |  28.07.2009 | 11:20 | permalink  

    @ Michael aka Troll

    Schade, kein Blog oder Website, die man plonken kann.

  7. Michael |  28.07.2009 | 11:51 | permalink  

    @ Wittkewitz: Wirklich schade. Troll? Plonken? Nimm meine Anspielung bitte nicht persönlich. Aber du hättest den vorangegangen Post auch dafür nutzen können, um zu erklären, was Kamerahersteller, Digitalisierung, schlechtes Geld und Formatsüppchen mit den Inhalten der Tagesschau und der Diskussion um Deppendorf und Gniffke zu tun haben.

  8. »Lesenswertig« am 28. July 2009 | Denkwertig, der persönliche Blog von René Fischer |  28.07.2009 | 12:06 | permalink  

    [...] Tagesschau: Der postmoderne Concierge hat geblinzelt Shared um 00:00 Uhr via Delicious Die “lautlose Wirksamkeit” der Tagesschau-Maschinerie basiert auf der Herstellung einer Medienrealität, über die nicht mehr diskutiert werden kann. Genau deshalb wurde der Blogeintrag von Kai Gniffke zum Tabubruch. [...]

  9. robin |  28.07.2009 | 12:10 | permalink  

    @ Michael: Dieser Text nimmt ganz zentrale Ergebnisse der Kommunikations- und Medienwissenschaft auf. Ich arbeite hier unter anderem mit den Forschungsergebnisse von Günter Bentele und Niklas Luhmann zum Nachrichtenwesen, Schmitz habe ich ja schon zitiert. Auch die Thesen von Walter van Rossum spielen eine Rolle. Ich habe mich aber damit begnügt, einen Autor zu zitieren. Auch meiner Sicht werden hier zentrale Ergebnisse der Medien- und Kommunikationsforschung zusammengefasst.

    Die Nachrichtenwert-Theorie halte ich für eine erhebliche positivistische Verirrung der Kommunikationswissenschaft. Sie ist nicht in der Lage, die Mechanik der Nachrichtengebung wirklich zu erklären. Und sie kann nichts zur Frage der gesellschaftlichen Funktion von Nachrichten beitragen.

    Ob man den Streit als Nichtigkeit abtut oder aber zum Anlass zum Nachdenken über das Wesen der Tageschau nimmt, bleibt doch jedem selbst überlassen.

    Noten zu verteilen halte ich jetzt für keinen so ertrebenswerten Stil.

  10. Michael |  28.07.2009 | 12:26 | permalink  

    @ robin: Absolut richtig. Die Zusammenfassung in dem Artikel und dem Kommentar halte ich wie gesagt für einen interessanten Denkanstoß. Diesen wollte ich mit meinen überspitzten Fragen nur fortsetzen. Für die ungerechtfertige Benotung des vorangegangenen Kommentars entschuldige ich mich ausdrücklich.
    Vielleicht sind für eine weitere präzise Zusammenfassung interne Informationen (z. B. “Organisation als Nachrichtenfaktor”, Boetzkes, 2008) und ein direkter Einblick in die Arbeitsprozesse der Tagesschau hilfreich.

  11. Wittkewitz |  28.07.2009 | 13:09 | permalink  

    @ michael

    Nein. Es ist mittlerweile nicht mehr nötig eine Architektur aus Expertise und Hierarchie als Potemkinsches Dorf aufzutürmen. Ich empfehle die Lektüre von diversen Neubestimmungen der Aufgaben der Medien von Weinberger, Haque und natürlich auch Shirky. Grundsätzlich ist die Innenperspektive der Tagesschau-redaktion immer dann wesentlich, wenn es dort exklusive Inhalte gibt. In jedem anderen Fall gilt der folgende Satz:

    News is what somebody somewhere wants to suppress; all the rest is advertising.
    Alfred Harmsworth, 1. Viscount Northcliffe

    Ersatzweise wäre es nun schön, dass 3. Jahrtausend einfach mal einzuführen und alle stakeholder der Tagesschau mit zu integrieren und nicht nur die Politiker und einige Vereine via Rundfunkrat sondern als Nutzer und damit endlich eine Relation einzubauen, die zuvor nur eine Hypothese über evt. Zuschauerbedürfnisse war, die durch fadenscheinige Gfk-Statistiken nur notwendige Begründungen erfährt.

    Wäre es eine Denkmöglichkeit, zu glauben, dass die Filterfunktion ein letzter Nebenkriegsschauplatz des Journalismus ist, der nur schwer verhüllt, dass es eine demokratische Legitimation nur dann geben kann, wenn aus Sicht der Zuschauer ausgewählt wird. Oder um es im Jargon der Medienwissenschaftler auszudrücken (ich bin als Wissenschaftstheoretiker wohl nur Grundlagenforscher) Luhmann hatte Lyotard hinsichtlich der Konstruktion von Öffentlichkeit nichts hinzuzufügen. Warum?

    Lyotard (1979): “Die Öffentlichkeit müßte freien Zugang zu den Speichern und Datenbanken erhalten. [...] Denn die Spieleinsätze werden dann durch Erkenntnisse – oder, wenn man will, Informationen – konstituiert sein, und der Vorrat an Erkenntnissen, der der Vorrat der Sprache an möglichen Aussagen ist, ist unerschöpflich.”

    Die Tagesschau kann man mir kaum als literarische Öffentlichkeit darlegen, da sie ja selten an der Berichterstattung teilhat. Denn wie oben angedeutet, hat die Kritik jetzt im öffentlichen Raum der postmodernen agora wie z. Bsp. im Web einen freien Raum, der nicht durch Herrschaftssysteme wie akademische Referenz oder Selbstreferenzialität (Agenturen, Journalistengespräche) beengt wird. Und das erst recht in einem multikuturellen Feld wie der EU. Siehe hierzu auch Cathleen Kanter “Kein modernes Babel – Kommunikative Vorraussetzungen europäischer Öffentlichkeit”.

    Die ganzen technischen Probleme und Nebenkriegsschauplätze, die die ARD, das ZDF und die Landesfunkhäuser als Wettbewerb auffassen und durchführen wirft solche Diskussion um Bürger als Medien um ein Jahrzehnt zurück. Die Tagesschau ist insofern entweder ein Sprachrohr oder ein Bremsklotz für die Demokratisierung der Informationshoheit.

  12. Thomas Strobl |  28.07.2009 | 13:19 | permalink  

    Sehr schöner Beitrag, aber die Bedeutung dieses Blogeintrags wird – so zumindest mein Eindruck – überschätzt: offenbar greift der Gniffke ja nicht das “Porgramm” (nach luhmannscher Diktion) per se an, sondern nur dessen mangelhafte Anwendung im konkret behandelten Fall. Mit anderen Worten: Manöverkritik.

    Was anderes wäre es gewesen, wenn er geschrieben hätte, die rules & procedures der ARD in der Auswahl und Aufbereitung von Themen taugen prinzipiell nichts mehr. Damit hätte er die Selektionsfähigkeit der ARD hinterfragt und an ihrem Nimbus gekratzt.

  13. Dirk Pohlmann |  28.07.2009 | 14:15 | permalink  

    Für mich zeigt die Diskussion zwischen den beiden ARD-Nachrichten-Ikonen nur, dass zumindest Herr Deppendorf verbissen humorfrei zu sein scheint. Aber die Vermutung hatte ich schon länger. Herrn Gniffke kann man da nur den alten Volksmund nachwerfen: “Selbstkritik ist der erste Schritt zur Besserung.”

  14. Robin Meyer-Lucht |  28.07.2009 | 14:45 | permalink  

    @ Thomas Strobl: Von der Tendenz her sicher richtig. Natürlich ist die Sache eigentlich banaler. Das Tagesschau.de-Blog war eigentlich mal eine Erfindung des Hauptstadtstudios – und aber nutzt es vor allem Gniffke für seine Programmanmerkungen. Geht den Berlinern ein wenig auf den Wecker….

    Auf der zweiten Ebene kann es aber auch grundsätzlicher betrachten: Im ARD-Sprech ist “Alles reine Kann-man-machen-Nummern” möglicherweise aber auch schon eine Fundamentalkritik an der sorgsam errichteten blauen Fassage.

    @ Dirk Pohlmann: Ich denke auch, dass Deppendorf in dieser Sache deutlich verloren hat. Niggemeier hat wirklich vernichtend über ihn in der FAS geschrieben. Ich würde Langzeitschäden im Standing von Deppendorf nicht auschließen wollen.

    Morgen erscheint sein neuer Podcast “Deppendorfs Woche”. Ich bin mal gespannt, wie mutig er auf die Situation reagiert.

  15. xconroy |  28.07.2009 | 21:27 | permalink  

    Mir stellt sich eher die Frage, ob und inwieweit dieser Sturm im Wassergläschen tatsächlich Einfluß auf das Wirkungsfeld der Tagesschau hat, also auf die sehr große Mehrheit der Zuschauer, die einfach nur Tagesschau gucken und gar nicht wissen, wer Herr Gniffke ist, daß der ein Blog hat und was der da schreibt.

    Im Kontext der Subkultur der medien- und journalismuskritischen Bloggergemeinde ist das Infragestellen der Methoden (wenn schon nicht der Sache an sich) seitens eines der Gestalter natürlich fast schon ein Paradigmenwechsel, aber selbst wenn ein solcher stattfände: würde das Durchschnittspublikum davon was mitbekommen? Oder auch nur unterschwellig beeinflußt werden? Das bewährte System “Tagesschau” wird sich dadurch sicher nicht verändern – in welche Richtung denn auch? Ein one-to-many-Medium wie das TV, das seine Angebote nicht konstant (wie das Netz) vorhalten kann, sondern innerhalb eines begrenzten Zeitfensters rüberbringen muß, wird kaum auf Filtermechanismen verzichten können bzw. auch kaum andersartige Filtermechanismen einsetzen können, als es bereits tut.

    Es gäbe aber schon Möglichkeiten für mehr Transparenz, nur diese würden voraussetzen, daß das reine, zeitbegrenzte Push-Medium sich weit mehr mit dem Netz, äh, vernetzt, als es das bislang tut, und zwar einmal

    - inhaltlich: also über – in der Sendung wohlgemerkt, nicht auf tagesschau.de – prominent plazierte Links zu weiterführenden Informationen, die während eines Berichtes eingeblendet werden, wobei bitte gerne auch Quellen und Themen verwendet werden sollen, die weniger im Mittelpunkt stehen (von den “Reportern ohne Grenzen” gibt es ja so ne Topliste der meistvernachlässigten Themen…)

    - meta-transparent: also einen besonders auffälligen Link, am besten während der ganzen Sendung sichtbar, auf eine Seite (bei tagesschau.de), wo erklärt wird, warum genau diese Nachrichten ausgewählt wurden und welche NICHT ausgewählt wurden und warum nicht (was viel Arbeit wäre, da für jede Sendung neu zu machen… naund? Stellen schaffen, anyone?)

    - technisch: wer mit der Bierflasche links und der Fernbedienung rechts vor der Glotze sitzt, rennt idR nicht zum PC und tippt nen Link ab. Das muß viel niedrigschwelliger gehen. Wenn mal in paar Jahren TV-Geräte selbstverständlicher zum Browsen herhalten, als sie es heute tun, wäre es zb. möglich, mit der Fernbedienung den Link direkt auf der Mattscheibe anzuklicken und die entsprechenden Infos zu sehen (Splitscreen, zb).

    Aber das ist bestimmt wieder alles viel zu innowatief^^

  16. robin |  29.07.2009 | 10:52 | permalink  

    @ 15. xconroy : “würde das Durchschnittspublikum davon was mitbekommen? Oder auch nur unterschwellig beeinflußt werden? Das bewährte System “Tagesschau” wird sich dadurch sicher nicht verändern”

    Sie dürfen hier nicht so pessimistisch sein. Natürlich wird diese Diskussion über Wirkung und Mechanismen der Tagesschau nicht unter Beteiligung des “Durchschnittspublikums” geführt. Solche Nachdenkprozesse könnnen aber über die Zeit durchaus das Selbstbild der Redaktion verändern. Ich denke, dass der Anlass einen Konflikt deutlich gemacht hat, über den jetzt auch intern viel nachgedacht wird. Und über die Zeit kommt ein Teil dieser Diskussion auch bei weiteren Teilen des Publikums an.

  17. peet |  01.08.2009 | 14:45 | permalink  

    Ich glaube dagegen, dass auch in diesem “Streit” wie auch in der gesamten Institution Tageschau-Blog die dampfablassende Funktion einer Boulevardisierung steckt und sich offenbart. Eine Institution, die eine staatliche Bedeutung ersten Grades hat, gaukelt hier vor, sie sei durchsichtig, zurückfragbar, dialogfähig, kritikfähig. Unterm Strich aber zeigt sie eine plauderige Pinnwand für Lob und Tadel in der Art einer Leserbriefredaktion. Das soll heißen, ich würde beides nicht überbewerten. Anders gesagt, es wäre zu schön, wenn sich die Lesedeutung dieses Postings bewahrheiten würde. :-)

  18. jan krone |  31.08.2009 | 23:24 | permalink  

    wie wahr, wie wahr….

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