Robin Meyer-Lucht | 3 Kommentar(e)
Neue Zahlen aus Allensbach zeigen: Das Internet gewinnt weiter mit erheblichen Wachstumsraten an Zuspruch. Die derzeitige Print-Krise ist keine Nutzungs-, sondern eine Umsatzkrise.
07.07.2009 |
Die Debatte um Print-Strukturkrise und Online-Euphorie wird mehrmals pro Jahr mit Zahlenmaterial zur Nutzerzuwendung versorgt. Die Berichtssaison 2009 in Sachen Medienwandel eröffnete heute die AWA – eine Studie aus Allensbach, die seit Jahren verlässliche Zahlen liefert und zudem für jedermann online zählbar ist.
Das Kernergebnis: Das Internet gewinnt weiter mit erheblichen Wachstumsraten an Zuspruch. Die Rückgänge bei den Tageszeitungen fallen – nach einem zuletzt starken Verlust – dieses Jahr etwas geringer aus. Medienwandel und Digitaliserung sind folglich in vollem Gange, aber sie krempeln das Mediensystem nur gemächlich um.
Der Anteil der täglichen Internetnutzer in der Gruppe der 14- bis 64-Jährigen ist laut AWA’09 von 40,0 auf 44,3 Prozent gestiegen – ein Wachstum um 10 Prozent. Noch stärker wuchs der Anteil der 14- bis 64-Jährigen, die angebeten, sich gestern im Internet über das aktuelle Geschehen informiert zu haben. Er wuchs von 13,3 auf 16,0 Prozent – ein Wachstum um 20 Prozent — allerdings von einem niedrigen Niveau aus: Diesen 16,0 Prozent stehen weiterhin 44,7 Prozent gegenüber, die sich am Vortag in einer Zeitung über das aktuelle Geschehen informiert haben, – und 64,4 Prozent, die dafür auf das Fernsehen zurückgegegriffen haben.
Die derzeitige Print-Krise in Deutschland ist daher unter dem Blickwinkel der neuen AWA-Zahlen keine akute Nutzungskrise, sondern eine Umsatzkrise im Anzeigenmarkt. Die Anzeigenkunden folgen den Nutzern ins Netz, wo die Anzeigenpreise niedriger sind.
Betrachtet man die Entwicklung der Tageszeitungsreichtweiten über die letzten elf Jahre auf Basis des Wertes “Lesers pro Ausgabe”, der anzeigt, wie viele Leser pro Tag von Tageszeitungen erreicht werden, so ergibt sich folgendes Bild:

Entwicklung der Tageszeitungsreichweiten in Deutschland unter den 14- bis 64-Jährigen (Quelle: AWA 98-09)
Die Tageszeitungen haben 2009 lediglich 0,8 Prozentpunkte an Reichweite verloren. Deutlich weniger als im letzten Jahr. Über die Jahre 2005 bis 2009 bleibt jedoch der Trend eines Rückgangs von 2,8 Prozent pro Jahr. Für die Tageszeitungen bedeuten die neuen Zahlen, dass sich der zuletzt erkennbare Trend bei den Nutzern zumindest in diesem Jahr nicht verstärkt hat. Es bleibt etwas mehr Zeit zur Neuorientierung.


Diesen Trend bei den Anzeigen kann ich bestätigen. Als Online-Kulturportal stellen wir fest, dass Werbekunden, die noch vor zwei Jahren teure Printannoncen in einem großen Orchestermagazin geschaltet haben, nun ausschließlich auf das Internet setzen. Gleiches gilt auch für den Stellenmarkt.
Hagen Kohn
@ VioWorld: Vielen Dank für das Feedback.
In die Medien-Onlinefachpresse hat herausgearbeitet, dass die Zeitschriften zum Teil doch erhebliche Verluste erlitten haben (die AWA ist ja vor allem auch DIE Zeitschriftenstudie).
http://meedia.de/details/article/awa–deutsche-lesen-weniger-zeitschriften_100021620.html
So gesehen sind Zeitschriften möglicherweise noch stärker durch die Konkurrenz durch das Internet betroffen. Weil das Netz gerade auch das Spezielle besser liefert – und Zeitschriftenanzeigenpreise auch besonders hoch sind.
Andererseits: Stern und Spiegel sind Gewinner in der AWA. Einen eindeutigen Trend gibt es nicht so recht.
Die Schwankungen der Reichweiten sind zum Teil dieses Jahr sehr stark ausgefallen ….
[...] AWA 2009: Internet wächst weiter, Zeitungen verlieren weniger — CARTA Das Internet gewinnt weiter mit erheblichen Wachstumsraten an Zuspruch. Die Rückgänge bei den Tageszeitungen fallen – nach einem zuletzt starken Verlust – dieses Jahr etwas geringer aus. Medienwandel und Digitaliserung sind folglich in vollem Gange, aber sie krempeln das Mediensystem nur gemächlich um. (tags: medien) [...]