Klaus-Peter Schöppner

Der verzweifelte Kampf der SPD gegen die K-Fallen

Klaus-Peter Schöppner | 3 Kommentar(e)

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Der Krisenkurs der SPD erweist sich als weiterer Fallstrick vor der Bundestagswahl. Drei Monate vor der Wahl muss sie ihre Wahlstrategie völlig neu justieren. Selbst die eigenen Anhänger rechnen mehrheitlich nicht mehr mit einer SPD-Regierung.

29.06.2009 | 

Exakt drei Monate vor der Bundestagswahl warten die Genossen weiterhin erfolglos auf den Wechsel in der Wechselstimmung. Schlimmer noch: Die Ausgangslage für die SPD hat sich sogar noch verschlechtert: Zu den bisher schon existierenden vier K-Katastrophen – Klima, Kandidat, Kompetenz, Konjunktur – hat sich noch eine fünfte hinzugesellt, möglicherweise die Wahl entscheidende: der Krisenkurs!

Urplötzlich sind die Deutschen konvertiert: Aus einem Volk der Füllhornforderer ist das der Ordnungspolitiker geworden! In der Woche der Verabschiedung des größten Haushaltsdefizits aller Zeiten halten nur noch 25 Prozent der Wähler Neuverschuldungen für richtig, trotz anhaltender Wirtschaftskrise. Selbst unter den SPD-Wählern sind sie mit 39 Prozent in der Minderheit. Noch vor einem halben Jahr war Schuldenmachen für die Ankurbelung der Wirtschaft in Deutschland mehrheitsfähig!

Bislang waren es vier K-Fallstricke, die gegen die Sozialdemokraten sprachen:

  • Das politische Klima ist unverändert günstig für die Union. Nur für sieben Prozent ist die SPD im Stimmungshoch. Die deutliche Mehrheit glaubt, dass die Union weiterhin den Kanzler stellt. Der Bandwaggon-Effekt spricht also für CDU/CSU.
  • In der Kanzlerfrage kann Merkel ihren Vorsprung gegenüber Steinmeier sogar noch vergrößern. Derzeit führt sie gegenüber dem Herausforderer mit 60:29 Prozent.
  • In fast allen wichtigen Kompetenzbereichen liegt die Union deutlich vor der SPD.
  • Und schlechte Konjunkturdaten machen konservative Parteien umso wählbarer, je näher vor Wahlen die eigene Zukunft anstelle allgemeiner Unzufriedenheit gewählt wird.

Nun auch noch der Krisenkurs! Urplötzlich halten die Deutschen die geordnete Insolvenz für besser als staatliche Schutzschilder, Kredite oder Bürgschaften für die Privatwirtschaft. Ökonomische Kompetenz arbeitsplatzerhaltender als Sozialkompetenz, Wirtschaftsminister zu Guttenberg für den erfolgreicheren Retter für Arbeitsplätze als Arbeitsminister Scholz.

Urplötzlich steht nicht mehr das Wünschenswerte sondern das Realisierbare im Focus der politischen Einstellungen. Die Wirtschafts- dominiert die Verteilungskompetenz!

Vier Gründe haben bei den Deutschen zu diesem Meinungswandel geführt:

  • Das Gespenst von Verschuldungsfalle und der Inflation beunruhigt inzwischen 80 Prozent der Deutschen, in noch stärkerem Maße die Jüngeren.
  • Die Deutschen spüren das Milliardenrisiko „rettender Staat“. 70 Prozent empfinden Staatshilfen für die Privatwirtschaft als reine Geldverschwendung, so glauben z.B. gerade mal 13 Prozent, dass Opel durch die Hilfe des Staates nun längerfristig gerettet ist.
  • Zwei Drittel empfinden die Unterstützung schlecht aufgestellter Unternehmen als einseitig und ungerecht gegenüber den gut arbeitenden.
  • Und noch nicht einmal jeder Zehnte glaubt, dass der Staat auch seinem Unternehmen helfen wird, sollte es einmal in Schwierigkeiten kommen.

Drei Monate vor der Wahl muss die SPD ihre Wahlstrategie völlig neu justieren: Die Dominanz linker Positionen sowie Münteferings „Retten um jeden Preis“- Rhetorik finden nicht mehr das Wohlwollen der Wähler, sondern werden – schlimmer noch – als unaufrichtige Wahlkampfstrategie geoutet. Das erklärt auch, dass Müntefering in diesem Wahlkampf längst nicht mehr eine derart dominante Rolle wie noch 2005 spielen kann. Zumal die SPD ihr Verhältnis zur Linken immer noch nicht geklärt hat: Weiterhin sind es 40 Prozent, die den Genossen zutrauen, im Zweifelsfall auch eine Koalition mit der Linken einzugehen. Eine Gefahr, die sich nach den Landtagswahlen in Thüringen und Saarland eher noch verstärken wird.

Allerdings verringert sich diese Gefahr tagtäglich: Nicht nur, weil die SPD nach der Europawahlschlappe in der Sonntagsfrage mit 24 Prozent wieder auf Tiefstwert zurückgefallen ist, sondern sich gleichzeitig auch die Linke auf rasanter Talfahrt befindet: Statt 15 Prozent, wie noch vor einem halben Jahr, würden sie heute gerade mal neun Prozent wählen. 68 Prozent der Deutschen erwarten inzwischen schwarzgelb nach dem 27. September auf den Regierungsbänken.

Wahlentscheidender aber könnte sein, dass auch 61 Prozent der SPD-Anhänger nicht mehr mit einer roten Regierung rechnen. Denn Aufholjagd geht nur, wenn die Genossen noch eine Chance auf den Sieg wittern. Doch nur noch 30 Prozent rechnen – wenigstens noch mit einem achtbaren Ergebnis.

Die Self-Fulfilling Prophecy, also der Glaube, es doch noch zu schaffen, war die Dominante der Schröder-Wahlkämpfe. Vor allem das unterscheidet die Schröder- von der Steinmeier-SPD.

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3 Kommentare

  1. Querdenker |  30.06.2009 | 11:30 | permalink  

    Die SPD hat sich in den letzten Jahren thematisch vollkommen isoliert. Die CDU/CSU agiert thematisch wie eine besser geführte sozialdemokratische Partei, lediglich mit christlichem C im Namen. Die Links Partei holt sich als Protestpartei mit Ihren Illusorischen Forderungen die ultralinken Wähler der SPD ab.

    Und die Partei , die alles richtig macht sind die Grünen. Die Grünen sind mittlerweile die zentrale Partei der politischen Linken in Deutschland und werden über kurz oder lang die SPD als Volkspartei und zweitstärkste Kraft ablösen. Die Grünen haben es geschafft mit Ihren Urthemen der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Sie werden nicht mehr nur als Ökopartei gesehen. Wenn man sich die Erfolge der Grünen auf kommunaler Ebene anschaut, in Stuttgart, Freiburg, Tübingen, München, Berlin (insbesondere Kreuzberg-Friedrichshain, P-Berg) und Hamburg, dann muss man erkennen das sie in der Mitte der politischen Gesellschaft angekommen ist. Kein Wunder , dass auch die CSU sich auf einmal inhaltlich begrünen lassen will. Grüne Wähler sind längst keine weltverbessernden, vegetarischen Fundis mehr, sondern stammen aus allen Gesellschaftsschichten. Die SPD kann Ihre Erfolge nur schlecht verkaufen , da sie sich nicht aus derzeitigen Problemen herausreden kann, nach 11 Jahren in der Regierung. Es herrscht eine Wechselstimmung zu Lasten der SPD. Sie hat es auch versäumt sich im Parteienspektrum eine Identität beizubehalten und Kernkompetenzen auf bestimmten Feldern zu haben , wie es sich z.b. die Grünen beim Umweltschutz, die FDP bei den Steuern, oder die CDU bei der inneren Sicherheit hat. Die SPD muss beispielsweise viel mehr das Thema Chancengleichheit angehen, und einfach bessere Lösungen zum Thema Bildung anbieten sowie einen klaren wirtschaftspolitischen Kurs angehen (im Hinblick auf Staatsinterventionen bei Unternehmen).

  2. Lesefuchs |  30.06.2009 | 15:17 | permalink  

    …und Kernkompetenzen auf bestimmten Feldern zu haben , wie es sich z.b. die Grünen beim Umweltschutz, die FDP bei den Steuern, oder die CDU bei der inneren Sicherheit hat.
    ……

    Genau das was uns die Medien suggerieren!!!

    FDP Steuern: Aber nur Senkungen – egal ob Staats- und damit letztendlich Bevölkerungsschädigend (bei ordentlicher transparenter Verteilung gegenüber jetzt). Vorteile nur für Unternehmen hinter dem Deckmantel den Bürger zu entlasten.

    CDU innere Sicherheit: Durch ständige Angstmacherei und Hetze gegen Islamismus weitgehende Beschneidung der Bürgerechte (u.a. Vorratsdatenspeicherung / Internetüberwachung) = STASI 2

    Grüne Umweltpartei: Aus pazifistischer Umweltpartei zu Kriegsbefürwortern und Lobbyförderern (J. Fischer).

    SPD als Steigbügelhalter für den, der die Regierungsbeteiligung verspricht !!!

    Augen auf lieber “Querdenker” und nicht nur lesen was in BILD und co. steht !!!

    Bei Schwarz/Gelb wird es allen Bürgern plötzlich besser gehen (!).
    Es wird dann Politik für ALLE Bürger, nicht nur die oberen 10% gemacht (!).
    Wer daran glaubt (falls die Umfragen echt sind und nicht nur Suggestionen), hat in den letzten 3 Jahren aber auch NICHTS mitbekommen !!!

  3. Hofnarr Florian |  30.06.2009 | 17:00 | permalink  

    Für einen Kurswechsel ist es denke ich schon zu spät. Da die SPD aber erfahren im Wahlkampf ist und die Union sich gerade selber ein Bein stellt, könnte die Sozialdemokratie sich so eben noch in eine erneute große Koalition retten.

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