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	<title>Kommentare zu: F&#252;r uns oder gegen uns: Codewort Unrechtsstaat</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Fri, 10 Feb 2012 09:23:07 +0000</lastBuildDate>
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		<item>
		<title>Von: Udo Merz</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2804</link>
		<dc:creator>Udo Merz</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 10:20:17 +0000</pubDate>
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		<description>Als geb&#252;rtiger DDR B&#252;rger, der zudem aus politischen Gr&#252;nden auch Bekanntschaft mit den Haftanstalten der Staatssicherheit machen &quot;durfte&quot;, habe ich sehr lange &#252;ber das Thema &quot;Unrechtsstaat&quot; nachgedacht. Nat&#252;rlich gab es in der DDR unendlich viel durch die Regierung und Ihre Handlanger verursachtes Unrecht, dass niemals in Vergessenheit geraten darf und die Menschen unseres Landes mit Sicherheit auch noch lange spalten wird. In sofern war die DDR auf gar keinen Fall ein Rechtsstaat. Aber welcher Staat kann bei genauerem Hinsehen f&#252;r sich schon uneingeschr&#228;nkt beanspruchen ein &quot;Rechtsstaat&quot; zu sein, und dann noch die Frage, was sind eigentlich &quot;Recht&quot; und &quot;Unrecht&quot; und &quot;wer&quot; legt das fest bzw. definiert diese Begriffe.

Nach reiflicher &#220;berlegung bin ich letztlich zu dem Schluss gekommen, dass der Versuch 40 Jahre DDR-Geschichte, den vierzigj&#228;hrigen Lebensweg von weit &#252;ber 17 Millionen Menschen und die Tatsache der Abh&#228;ngigkeit zumindest der DDR-Geschichte (letztlich auch vieler Entwicklungen in der BRD) von der Einflussnahme durch die Alliierten und durch den kalten Krieg auf das Adjektiv &quot;unrecht&quot; zu reduzieren - von gewaltiger Arroganz,  Menschen verachtender Inkompetenz und politischer Unreife zeugt. Eine derart reduzierte Diskussion kann letztlich nur dem Ziel dienen eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der DDR zu verhindern und aus Wahlkampftaktischengr&#252;nden gro&#223;e Bev&#246;lkerungsgruppen politisch zu denunzieren und auszugrenzen. 

Zu den Ausf&#252;hrungen von Herrn Worm l&#228;sst sich nur erg&#228;nzen, dass der kalte Krieg solange dauern wird, wie die Bestrebungen von Menschen wie Ihm anhalten eine ganze Bev&#246;lkerungsgruppe in ein derart primitives Cluster zu pressen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Als geb&#252;rtiger DDR B&#252;rger, der zudem aus politischen Gr&#252;nden auch Bekanntschaft mit den Haftanstalten der Staatssicherheit machen &#8220;durfte&#8221;, habe ich sehr lange &#252;ber das Thema &#8220;Unrechtsstaat&#8221; nachgedacht. Nat&#252;rlich gab es in der DDR unendlich viel durch die Regierung und Ihre Handlanger verursachtes Unrecht, dass niemals in Vergessenheit geraten darf und die Menschen unseres Landes mit Sicherheit auch noch lange spalten wird. In sofern war die DDR auf gar keinen Fall ein Rechtsstaat. Aber welcher Staat kann bei genauerem Hinsehen f&#252;r sich schon uneingeschr&#228;nkt beanspruchen ein &#8220;Rechtsstaat&#8221; zu sein, und dann noch die Frage, was sind eigentlich &#8220;Recht&#8221; und &#8220;Unrecht&#8221; und &#8220;wer&#8221; legt das fest bzw. definiert diese Begriffe.</p>
<p>Nach reiflicher &#220;berlegung bin ich letztlich zu dem Schluss gekommen, dass der Versuch 40 Jahre DDR-Geschichte, den vierzigj&#228;hrigen Lebensweg von weit &#252;ber 17 Millionen Menschen und die Tatsache der Abh&#228;ngigkeit zumindest der DDR-Geschichte (letztlich auch vieler Entwicklungen in der BRD) von der Einflussnahme durch die Alliierten und durch den kalten Krieg auf das Adjektiv &#8220;unrecht&#8221; zu reduzieren &#8211; von gewaltiger Arroganz,  Menschen verachtender Inkompetenz und politischer Unreife zeugt. Eine derart reduzierte Diskussion kann letztlich nur dem Ziel dienen eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der DDR zu verhindern und aus Wahlkampftaktischengr&#252;nden gro&#223;e Bev&#246;lkerungsgruppen politisch zu denunzieren und auszugrenzen. </p>
<p>Zu den Ausf&#252;hrungen von Herrn Worm l&#228;sst sich nur erg&#228;nzen, dass der kalte Krieg solange dauern wird, wie die Bestrebungen von Menschen wie Ihm anhalten eine ganze Bev&#246;lkerungsgruppe in ein derart primitives Cluster zu pressen.</p>
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	<item>
		<title>Von: Tatjana Brode</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2722</link>
		<dc:creator>Tatjana Brode</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2009 11:22:08 +0000</pubDate>
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		<description>@Thomas Worms: Vielen Dank f&#252;r Ihren Kommentar. Sie bef&#252;rworten den Begriff Unrechtsstaat, differenzieren jedoch die ostdeutschen Biographien: &quot;Deswegen muss man aber als ehem. DDR-B&#252;rger noch lange nicht aus Scham im Boden versinken, solange man nicht ma&#223;geblich am allt&#228;glichen Unrecht mitgewirkt hat.&quot; Okay, aber selbst an diesem Punkt sind wir noch nicht angekommen.

Ich denke gerade an Horst K&#246;hlers Rede vom 3.10.08: &quot;Die DDR ist Vergangenheit. Dabei vergessen wir nicht, dass die einzelnen Geschichten der Menschen in der DDR nicht nur vom System und seinem Unrecht gepr&#228;gt waren. Die meisten haben hart gearbeitet, viel geleistet, sie haben sich umeinander gek&#252;mmert, miteinander gelebt, gelitten und gefeiert. Es gab in der DDR Gl&#252;ck, Erfolge und Erf&#252;llung. Nicht wegen, sondern oft trotz der SED-Diktatur. Deshalb bitte ich um Anerkennung und Respekt f&#252;r die Menschen, die in der DDR ihren Weg gegangen sind, ohne sich schuldig zu machen.&quot;

Hier bitte der Bundespr&#228;sident 20 Jahre nach dem Mauerfall um Respekt f&#252;r die Ostdeutschen, die sich nicht schuldig gemacht haben. Selbst denen ist der Respekt also nicht per se zugestanden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Thomas Worms: Vielen Dank f&#252;r Ihren Kommentar. Sie bef&#252;rworten den Begriff Unrechtsstaat, differenzieren jedoch die ostdeutschen Biographien: &#8220;Deswegen muss man aber als ehem. DDR-B&#252;rger noch lange nicht aus Scham im Boden versinken, solange man nicht ma&#223;geblich am allt&#228;glichen Unrecht mitgewirkt hat.&#8221; Okay, aber selbst an diesem Punkt sind wir noch nicht angekommen.</p>
<p>Ich denke gerade an Horst K&#246;hlers Rede vom 3.10.08: &#8220;Die DDR ist Vergangenheit. Dabei vergessen wir nicht, dass die einzelnen Geschichten der Menschen in der DDR nicht nur vom System und seinem Unrecht gepr&#228;gt waren. Die meisten haben hart gearbeitet, viel geleistet, sie haben sich umeinander gek&#252;mmert, miteinander gelebt, gelitten und gefeiert. Es gab in der DDR Gl&#252;ck, Erfolge und Erf&#252;llung. Nicht wegen, sondern oft trotz der SED-Diktatur. Deshalb bitte ich um Anerkennung und Respekt f&#252;r die Menschen, die in der DDR ihren Weg gegangen sind, ohne sich schuldig zu machen.&#8221;</p>
<p>Hier bitte der Bundespr&#228;sident 20 Jahre nach dem Mauerfall um Respekt f&#252;r die Ostdeutschen, die sich nicht schuldig gemacht haben. Selbst denen ist der Respekt also nicht per se zugestanden.</p>
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	<item>
		<title>Von: Thomas Worm</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2700</link>
		<dc:creator>Thomas Worm</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 00:05:24 +0000</pubDate>
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		<description>Nat&#252;rlich war die DDR ein Unrechtsstaat, was sonst? Deswegen muss man aber als ehem. DDR-B&#252;rger noch lange nicht aus Scham im Boden versinken, solange man nicht ma&#223;geblich am allt&#228;glichen Unrecht mitgewirkt hat. Westdeutsche sind ja auch nicht qua Geburt die besseren Menschen. Genauso, wie ich als Westdeutscher mich auch an schlechte Erlebnisse erinnern darf, so darf man in der DDR auch sch&#246;nes erlebt haben und sich daran mit Freude erinnern. 

Und das Ostdeutschen aus dem Begriff Unrechtsstaat Fragen wachsen, die ihr Selbstverst&#228;ndnis antasten sollte man doch wohl erwarten. Die NS-Zeit tastet ja auch meine Selbstverst&#228;ndnis an, und das, obwohl ich erst 20 Jahre nach ihrem Ende auf die Welt kam. 

Und wenn es in der Politik noch Menschen gibt, f&#252;r die der kalte Krieg noch andauert: da muss man nicht mitmachen, die muss man noch nicht einmal w&#228;hlen. 

Und dass gerade die Union lieber vor anderen T&#252;ren kehrt als vor der eigenen, das ist nun wirklich auch nichts neues. Die Union ist doch unsere westdeutsche Linkspartei, war sie doch das Sammelbecken aller Ex-Nazis, Ewiggestrigen und Spie&#223;er. Einer der &#252;belsten Nazis in den Reihen der CDU war Hans Globke, dessen Gesetzeskommentare waren die juristischen Gleise, die in  Ausschwitz endeten. Der wurde unter Adenauer Staatssekret&#228;r. Mir ist nicht bekannt, dass sich die Union daf&#252;r jemals gesch&#228;mt h&#228;tte.

Wenn sich also heute die Union emp&#246;rt, dann ist das absolut unglaubw&#252;rdig, da der alte Schutthaufen vor der eigenen T&#252;re noch so hoch ist, dass selbst heute dort kein Unionspolitiker sauber dar&#252;ber hinwegkommt.

Also: Unrechtsstaat ist ein durchaus passender Begriff f&#252;r die DDR an dem es nichts zu kritisieren gibt: Genau das war die DDR.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Nat&#252;rlich war die DDR ein Unrechtsstaat, was sonst? Deswegen muss man aber als ehem. DDR-B&#252;rger noch lange nicht aus Scham im Boden versinken, solange man nicht ma&#223;geblich am allt&#228;glichen Unrecht mitgewirkt hat. Westdeutsche sind ja auch nicht qua Geburt die besseren Menschen. Genauso, wie ich als Westdeutscher mich auch an schlechte Erlebnisse erinnern darf, so darf man in der DDR auch sch&#246;nes erlebt haben und sich daran mit Freude erinnern. </p>
<p>Und das Ostdeutschen aus dem Begriff Unrechtsstaat Fragen wachsen, die ihr Selbstverst&#228;ndnis antasten sollte man doch wohl erwarten. Die NS-Zeit tastet ja auch meine Selbstverst&#228;ndnis an, und das, obwohl ich erst 20 Jahre nach ihrem Ende auf die Welt kam. </p>
<p>Und wenn es in der Politik noch Menschen gibt, f&#252;r die der kalte Krieg noch andauert: da muss man nicht mitmachen, die muss man noch nicht einmal w&#228;hlen. </p>
<p>Und dass gerade die Union lieber vor anderen T&#252;ren kehrt als vor der eigenen, das ist nun wirklich auch nichts neues. Die Union ist doch unsere westdeutsche Linkspartei, war sie doch das Sammelbecken aller Ex-Nazis, Ewiggestrigen und Spie&#223;er. Einer der &#252;belsten Nazis in den Reihen der CDU war Hans Globke, dessen Gesetzeskommentare waren die juristischen Gleise, die in  Ausschwitz endeten. Der wurde unter Adenauer Staatssekret&#228;r. Mir ist nicht bekannt, dass sich die Union daf&#252;r jemals gesch&#228;mt h&#228;tte.</p>
<p>Wenn sich also heute die Union emp&#246;rt, dann ist das absolut unglaubw&#252;rdig, da der alte Schutthaufen vor der eigenen T&#252;re noch so hoch ist, dass selbst heute dort kein Unionspolitiker sauber dar&#252;ber hinwegkommt.</p>
<p>Also: Unrechtsstaat ist ein durchaus passender Begriff f&#252;r die DDR an dem es nichts zu kritisieren gibt: Genau das war die DDR.</p>
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	<item>
		<title>Von: Harun Badakhshi</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2684</link>
		<dc:creator>Harun Badakhshi</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 10:05:57 +0000</pubDate>
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		<description>Die Beschreibung des medial vermittelten Status quo, wie n&#228;mlich die Anwendung oder Nicht-Anwendung des Wortes „ Unrechtsstaat“ f&#252;r die DDR innerhalb der bestimmenden politischen Klasse und deren medialen Ausdehnungen die Grenzen zwischen differenten Standpunkten zeigt, ist sachlich absolut richtig. 
Die Abgrenzungen sind nicht nur parteistrategischer Natur, denn das wird erwartet, ist legitim und im Wahljahr 09 reines Marketing. 
Diese Abgrenzungen beziehen sich nicht auf die lebensweltlichen Erfahrungenen der ostdeutschen mit historischer Substanz und im real- und geopolitischen Kontext jener Zeit. 
Die Abgrenzungen finden auch nicht mit Referenz auf reale und objektive Sachverhalte des „Politischen“ statt. 
Es geht nicht um Prinzipien und nicht um Selbstverst&#228;ndnisse der westdeutschen Demokratie. 
Es sind, wie von Tatjana Brode implizit erw&#228;hnt, Spiele. 

Die etablierten Gruppen und Interessenvertreter in den entscheidenden Arealen der Realpolitik der Bundesrepublik haben heute nach zwanzig Jahren immer noch mit der DDR und ihrer Geschichte ein Reservoir an Material, an dem sie sich virulent aber daf&#252;r sehr entspannt, immer besser wissend, rechtens und mit dem siegenden Gestus reiben k&#246;nnen. Die DDR und ihre Geschichte dienen als Abstrakta und als &#220;bertragungsfl&#228;che f&#252;r die Mehrheit der politischen Akteure (1. ,2. ,3. Grades), Journalisten und Historiographen verschiedener Qualit&#228;tsniveaus. Sie alle k&#246;nnen mit diesem Thema in der TV-Show und ihren Print-Metastasen dabei sein, gut punkten und vor allem, und das ist entscheidend in diesem Theater, auf der richtigen Seite sein. 

Der Gestus, der immer wieder medial erschaffen wird und disseminiert ist inzwischen eine Haltung an sich. Die Haltung ben&#246;tigt keine historische Substanz, keine objektive Referenzen, keine kontextuelle Symbolik, sie ist heute zur Schau getragene „Life Style“ der  bestimmenden politischen Kreise der Bundesrepublik, deren medialen Ausdehnungen und derjenigen Experten aus den Kultur- Geisteswissenschaften, die gern in der Aura der Berliner Republik schweben wollen. In der vermeintlichen Sachlichkeit der medialen Debatte, die bar jeder „Sache“ ist, geht jegliche Chance auf politische Analytik, historisch konzeptuelle Arbeit und ideengeschichtliche Stratifizierung verloren, zugunsten der TV-Schau der „Guten“ auf der richtigen Seite. 
Tatjana Brode warnt vor der asymmetrischen Diskussion und pl&#228;diert f&#252;r Dialog. Die Diskussion ist aber ihrer inh&#228;renten Natur (=Intentionen, Zielsetzungen, Endpunkte, ideologische Basis) nach einseitig, determinierend, exkludierend. Es ist eine Illusion, zu hoffen, dass die  bestimmenden politischen Klasse und deren medialen Ausdehnungen sich mit der DDR und ihrer Geschichte auseinandersetzen w&#252;rden, oder gar etwas davon verstehen wollen. 

Ein R&#252;ckblick auf die politische Geschichte und Ideengeschichte der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts sprengt den Rahmen dieses Kommentars und kann separat diskutiert werden, was in dieser Diskussion z&#228;hlt ist der Gestus. Die Westdeutschen waren und sind unschuldig. Wir waren fr&#252;her &#252;ber den Ausdruck subjektiver Unschuld in den Gesichtern der Passanten westdeutscher Fu&#223;g&#228;ngerzonen immer sehr verbl&#252;fft gewesen. Das jedoch ist nicht verbl&#252;ffend. Sie wurde und wird vermittelt, die Unschuld. Die Guten sind auf der Seite derer, sie sich Jahrzente darum k&#252;mmerten, dass endlich alles gut wird. 

Die Codeworte sind massenmediale Schlagworte, die k&#246;nnen nur als solche appliziert werden. In keiner der TV-Shows wurde ernsthaft die Implikationen der Kategorien „Staat“, „Rechtsstaat“, „Unrechtsstaat“ er&#246;rtert, wozu auch, was z&#228;hlt ist der Gestus des Guten, Gerechten und Unschuldigen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beschreibung des medial vermittelten Status quo, wie n&#228;mlich die Anwendung oder Nicht-Anwendung des Wortes „ Unrechtsstaat“ f&#252;r die DDR innerhalb der bestimmenden politischen Klasse und deren medialen Ausdehnungen die Grenzen zwischen differenten Standpunkten zeigt, ist sachlich absolut richtig.<br />
Die Abgrenzungen sind nicht nur parteistrategischer Natur, denn das wird erwartet, ist legitim und im Wahljahr 09 reines Marketing.<br />
Diese Abgrenzungen beziehen sich nicht auf die lebensweltlichen Erfahrungenen der ostdeutschen mit historischer Substanz und im real- und geopolitischen Kontext jener Zeit.<br />
Die Abgrenzungen finden auch nicht mit Referenz auf reale und objektive Sachverhalte des „Politischen“ statt.<br />
Es geht nicht um Prinzipien und nicht um Selbstverst&#228;ndnisse der westdeutschen Demokratie.<br />
Es sind, wie von Tatjana Brode implizit erw&#228;hnt, Spiele. </p>
<p>Die etablierten Gruppen und Interessenvertreter in den entscheidenden Arealen der Realpolitik der Bundesrepublik haben heute nach zwanzig Jahren immer noch mit der DDR und ihrer Geschichte ein Reservoir an Material, an dem sie sich virulent aber daf&#252;r sehr entspannt, immer besser wissend, rechtens und mit dem siegenden Gestus reiben k&#246;nnen. Die DDR und ihre Geschichte dienen als Abstrakta und als &#220;bertragungsfl&#228;che f&#252;r die Mehrheit der politischen Akteure (1. ,2. ,3. Grades), Journalisten und Historiographen verschiedener Qualit&#228;tsniveaus. Sie alle k&#246;nnen mit diesem Thema in der TV-Show und ihren Print-Metastasen dabei sein, gut punkten und vor allem, und das ist entscheidend in diesem Theater, auf der richtigen Seite sein. </p>
<p>Der Gestus, der immer wieder medial erschaffen wird und disseminiert ist inzwischen eine Haltung an sich. Die Haltung ben&#246;tigt keine historische Substanz, keine objektive Referenzen, keine kontextuelle Symbolik, sie ist heute zur Schau getragene „Life Style“ der  bestimmenden politischen Kreise der Bundesrepublik, deren medialen Ausdehnungen und derjenigen Experten aus den Kultur- Geisteswissenschaften, die gern in der Aura der Berliner Republik schweben wollen. In der vermeintlichen Sachlichkeit der medialen Debatte, die bar jeder „Sache“ ist, geht jegliche Chance auf politische Analytik, historisch konzeptuelle Arbeit und ideengeschichtliche Stratifizierung verloren, zugunsten der TV-Schau der „Guten“ auf der richtigen Seite.<br />
Tatjana Brode warnt vor der asymmetrischen Diskussion und pl&#228;diert f&#252;r Dialog. Die Diskussion ist aber ihrer inh&#228;renten Natur (=Intentionen, Zielsetzungen, Endpunkte, ideologische Basis) nach einseitig, determinierend, exkludierend. Es ist eine Illusion, zu hoffen, dass die  bestimmenden politischen Klasse und deren medialen Ausdehnungen sich mit der DDR und ihrer Geschichte auseinandersetzen w&#252;rden, oder gar etwas davon verstehen wollen. </p>
<p>Ein R&#252;ckblick auf die politische Geschichte und Ideengeschichte der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts sprengt den Rahmen dieses Kommentars und kann separat diskutiert werden, was in dieser Diskussion z&#228;hlt ist der Gestus. Die Westdeutschen waren und sind unschuldig. Wir waren fr&#252;her &#252;ber den Ausdruck subjektiver Unschuld in den Gesichtern der Passanten westdeutscher Fu&#223;g&#228;ngerzonen immer sehr verbl&#252;fft gewesen. Das jedoch ist nicht verbl&#252;ffend. Sie wurde und wird vermittelt, die Unschuld. Die Guten sind auf der Seite derer, sie sich Jahrzente darum k&#252;mmerten, dass endlich alles gut wird. </p>
<p>Die Codeworte sind massenmediale Schlagworte, die k&#246;nnen nur als solche appliziert werden. In keiner der TV-Shows wurde ernsthaft die Implikationen der Kategorien „Staat“, „Rechtsstaat“, „Unrechtsstaat“ er&#246;rtert, wozu auch, was z&#228;hlt ist der Gestus des Guten, Gerechten und Unschuldigen.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: Tatjana Brode</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2682</link>
		<dc:creator>Tatjana Brode</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2009 09:39:02 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=10258#comment-2682</guid>
		<description>@pfote^: Vielen Dank f&#252;r Ihren Kommentar. Kurze Anmerkung zur Sprache: ehemalige DDR geht nat&#252;rlich nicht, ehemalige DD-B&#252;rgerrechtler und ehemalige Stasi-Opfer finde ich zumindest bedenkenswert, weil wir ja seit 20 Jahren in der Bundesrepublik leben und auch in dieser biographischen Epoche wesentliche Lebensleistungen ankern. Mit Ostaligie meine ich, die DDR einseitig zu beurteilen, Beispiel: Fr&#252;her war alles besser, weil es 10-Klassen-Gesamtschulsystem gab, das dem skandinavischen System &#228;hnelt - ohne zu erw&#228;hnen, unter welchem Vorzeichen unterrichtet wurde. 
Ihre Ansicht zum Begriff &quot;Unrechtsstaat&quot; teile ich: Er ist in der aktuellen Debatte  - vor allem im Vorfeld der Bundespr&#228;sidentenwahl - als politisches Codewort gegen die Linkspartei verwendet worden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@pfote^: Vielen Dank f&#252;r Ihren Kommentar. Kurze Anmerkung zur Sprache: ehemalige DDR geht nat&#252;rlich nicht, ehemalige DD-B&#252;rgerrechtler und ehemalige Stasi-Opfer finde ich zumindest bedenkenswert, weil wir ja seit 20 Jahren in der Bundesrepublik leben und auch in dieser biographischen Epoche wesentliche Lebensleistungen ankern. Mit Ostaligie meine ich, die DDR einseitig zu beurteilen, Beispiel: Fr&#252;her war alles besser, weil es 10-Klassen-Gesamtschulsystem gab, das dem skandinavischen System &#228;hnelt &#8211; ohne zu erw&#228;hnen, unter welchem Vorzeichen unterrichtet wurde.<br />
Ihre Ansicht zum Begriff &#8220;Unrechtsstaat&#8221; teile ich: Er ist in der aktuellen Debatte  &#8211; vor allem im Vorfeld der Bundespr&#228;sidentenwahl &#8211; als politisches Codewort gegen die Linkspartei verwendet worden.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: pfote^</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2673</link>
		<dc:creator>pfote^</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 14:25:23 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=10258#comment-2673</guid>
		<description>Sehr geehrte Frau Brode,

seit ich vor langer Zeit Viktor Klemperers LTI gelesen habe, achte ich sehr auf die benutzte Wortwahl, „offizielle Sprachregelungen“ und &#228;hnliches. Die gab&#039;s in der DDR zuhauf, sind aber heutzutage ebenfalls immer h&#228;ufiger anzutreffen. Ihr „Unrechtsstaat“ geh&#246;rt da ebenso dazu wie „ehemalige DDR-B&#252;rgerrechtler“ oder „Ostalgie“. Die DDR war kein Rechtsstaat, dar&#252;ber braucht man nicht zu reden (ob wir noch in einem leben, dar&#252;ber w&#228;re zu diskutieren, meines Erachtens nicht). Aber Unrechtsstaat .. die Bundesregierung weigerte sich seinerzeit strikt, Pinochet&#039;s Chile als Unrechtsstaat zu brandmarken, ebenso wie S&#252;dafrikas Apartheitregime. Und verglichen mit denen war die DDR .. naja Sie k&#246;nnen es sich selber ausmahlen. Oder glauben Sie ernsthaft, in der DDR ging es schlimmer zu als im Chile der 70er Jahre? 
Nein, den Leuten die die DDR als Unrechtsstaat festgeschrieben haben m&#246;chten geht es nicht um Menschenrechte, Schie&#223;befehl und Stasiopfer. Es geht ihnen um das Abw&#252;rgen jeglicher Diskussion politischer Inhalte, die sich irgendwie mit dem Themenkomplex „links“ verbinden lassen, als bewiesenerma&#223;en falsch, ewig-gestrig und veraltet, jeder der sich gegen dieses Dogma wehrt, und auf eine tats&#228;chliche Aufarbeitung dr&#228;ngt (die es nie gegeben hat), ist ein Ostalgiker. Ist ihnen schon mal aufgefallen, das „DDR“ meist ein „ehemalige“ vorangestellt bekommt (so als ob den meisten noch nicht aufgefallen ist, dass es diesen Staat nicht mehr gibt)? Oder um auf ihr „ehemalige DDR-B&#252;rgerrechtler“ zur&#252;ckzukommen, was soll damit angedeutet werden? Haben diese Leute aufgeh&#246;rt, B&#252;rgerrechtler zu sein, als die DDR aufgel&#246;st wurde? Fast scheint es so, sind doch fast alle tragenden Kr&#228;fte der 89er Revolution komplett von der medialen und politischen Bildfl&#228;che verschwunden.
Und ich m&#246;chte gern wissen was f&#252;r Vokabeln man gefunden h&#228;tte, w&#228;ren von der DDR betriebene Konzentrationslager auf Kuba bekannt geworden, oder die NVA h&#228;tte durch nichts gerechtfertigte Angriffskriege irgendwo in der dritten Welt durchgef&#252;hrt ..</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrte Frau Brode,</p>
<p>seit ich vor langer Zeit Viktor Klemperers LTI gelesen habe, achte ich sehr auf die benutzte Wortwahl, „offizielle Sprachregelungen“ und &#228;hnliches. Die gab&#8217;s in der DDR zuhauf, sind aber heutzutage ebenfalls immer h&#228;ufiger anzutreffen. Ihr „Unrechtsstaat“ geh&#246;rt da ebenso dazu wie „ehemalige DDR-B&#252;rgerrechtler“ oder „Ostalgie“. Die DDR war kein Rechtsstaat, dar&#252;ber braucht man nicht zu reden (ob wir noch in einem leben, dar&#252;ber w&#228;re zu diskutieren, meines Erachtens nicht). Aber Unrechtsstaat .. die Bundesregierung weigerte sich seinerzeit strikt, Pinochet&#8217;s Chile als Unrechtsstaat zu brandmarken, ebenso wie S&#252;dafrikas Apartheitregime. Und verglichen mit denen war die DDR .. naja Sie k&#246;nnen es sich selber ausmahlen. Oder glauben Sie ernsthaft, in der DDR ging es schlimmer zu als im Chile der 70er Jahre?<br />
Nein, den Leuten die die DDR als Unrechtsstaat festgeschrieben haben m&#246;chten geht es nicht um Menschenrechte, Schie&#223;befehl und Stasiopfer. Es geht ihnen um das Abw&#252;rgen jeglicher Diskussion politischer Inhalte, die sich irgendwie mit dem Themenkomplex „links“ verbinden lassen, als bewiesenerma&#223;en falsch, ewig-gestrig und veraltet, jeder der sich gegen dieses Dogma wehrt, und auf eine tats&#228;chliche Aufarbeitung dr&#228;ngt (die es nie gegeben hat), ist ein Ostalgiker. Ist ihnen schon mal aufgefallen, das „DDR“ meist ein „ehemalige“ vorangestellt bekommt (so als ob den meisten noch nicht aufgefallen ist, dass es diesen Staat nicht mehr gibt)? Oder um auf ihr „ehemalige DDR-B&#252;rgerrechtler“ zur&#252;ckzukommen, was soll damit angedeutet werden? Haben diese Leute aufgeh&#246;rt, B&#252;rgerrechtler zu sein, als die DDR aufgel&#246;st wurde? Fast scheint es so, sind doch fast alle tragenden Kr&#228;fte der 89er Revolution komplett von der medialen und politischen Bildfl&#228;che verschwunden.<br />
Und ich m&#246;chte gern wissen was f&#252;r Vokabeln man gefunden h&#228;tte, w&#228;ren von der DDR betriebene Konzentrationslager auf Kuba bekannt geworden, oder die NVA h&#228;tte durch nichts gerechtfertigte Angriffskriege irgendwo in der dritten Welt durchgef&#252;hrt ..</p>
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		<title>Von: Jeeves</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2654</link>
		<dc:creator>Jeeves</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 17:23:32 +0000</pubDate>
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		<description>Soweit ist ja damals nicht mal der Springerverlag gegangen; die nannten&#039;s nur 
Anf&#252;hrungszeichenDDRAnf&#252;hrungszeichen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Soweit ist ja damals nicht mal der Springerverlag gegangen; die nannten&#8217;s nur<br />
Anf&#252;hrungszeichenDDRAnf&#252;hrungszeichen.</p>
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	<item>
		<title>Von: rml</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2626</link>
		<dc:creator>rml</dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2009 08:07:05 +0000</pubDate>
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		<description>@ Oskar Piegsa: Sehr sch&#246;ne Hinweise, danke. rml</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ Oskar Piegsa: Sehr sch&#246;ne Hinweise, danke. rml</p>
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		<title>Von: Oskar Piegsa</title>
		<link>http://carta.info/10258/fuer-uns-oder-gegen-uns-codewort-unrechtsstaat/comment-page-1/#comment-2623</link>
		<dc:creator>Oskar Piegsa</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2009 22:44:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=10258#comment-2623</guid>
		<description>Lesenswert dazu: der Text von Prof. Dr. Richard Schr&#246;der in der FAZ vom 8.5.2009 (&quot;Vor Recht Macht&quot;).

Dort hei&#223;t es:

&quot;Dass die DDR kein Rechtsstaat war, ist tats&#228;chlich die korrekte Formulierung. Sie klingt aber leider viel zu harmlos, n&#228;mlich wie ein Sch&#246;nheitsfehler, der duch andere Vorz&#252;ge ausgeglichen werden kann. (...) Der eigentliche Skandal war aber gar nicht dieses oder jenes emp&#246;rende Urteil, sondern das Prinzip.&quot;

Ebenso wie:

&quot;Viele Westdeutsche g&#246;nnen den Ostdeutschen nicht die gelungene Revolution.&quot; 

Finde ich aber leider gerade nicht online.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Lesenswert dazu: der Text von Prof. Dr. Richard Schr&#246;der in der FAZ vom 8.5.2009 (&#8220;Vor Recht Macht&#8221;).</p>
<p>Dort hei&#223;t es:</p>
<p>&#8220;Dass die DDR kein Rechtsstaat war, ist tats&#228;chlich die korrekte Formulierung. Sie klingt aber leider viel zu harmlos, n&#228;mlich wie ein Sch&#246;nheitsfehler, der duch andere Vorz&#252;ge ausgeglichen werden kann. (&#8230;) Der eigentliche Skandal war aber gar nicht dieses oder jenes emp&#246;rende Urteil, sondern das Prinzip.&#8221;</p>
<p>Ebenso wie:</p>
<p>&#8220;Viele Westdeutsche g&#246;nnen den Ostdeutschen nicht die gelungene Revolution.&#8221; </p>
<p>Finde ich aber leider gerade nicht online.</p>
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