Matthias Schwenk | 8 Kommentar(e)
Google und Microsoft liefern sich einen beinharten Wettbewerb im Internet, sehr zum Nutzen ihrer Kunden. In Deutschland fehlen uns solche Unternehmen und damit auch die Einsicht in die künftige Rolle des Internets als Arbeits- und Kommunikationsplattform.
02.06.2009 |
Geschickt arrangiert hat Google das schon: Praktisch zeitgleich als Steve Ballmer Microsofts neue Suchmaschine Bing präsentierte, zog man auf der eigenen Developer Konferenz I/O auch ein Kanichnen aus dem Hut und konnte so einiges an medialer Aufmerksamkeit von Microsoft weg und hin zu sich lenken.
Der Trick gelang mit einem Produkt namens Wave, das nichts Geringeres als der Nachfolger der guten alten E-Mail werden soll. Das Beeindruckende an Wave ist, dass hier eine ganze Reihe elektronischer Dialogmedien, für die man bislang getrennte Produkte nutzt, ineinander verschmolzen werden und so eine deutlich flüssigere Form der Kommunikation erlauben. Ob damit aber wirklich E-Mails vollständig abgelöst werden, darf bezweifelt werden: Viele Menschen werden die Vielfalt der Möglichkeiten von Wave gar nicht brauchen und eher verwirrend finden.
Für Teams, Projektgruppen und Unternehmen aber könnte Wave ein Instrument sein, das die Produktivität erheblich steigert. Aber auch hier muss ein Einwand angebracht werden: Die Konkurrenz nämlich wird sagen, dass sie das alles auch kann. Microsoft etwa bietet mit Unified Communications ein Produkt an, dessen Zielsetzung ähnlich ausgerichtet ist.

Wave ist auch grundsätzlich eine Antwort auf die Frage, wie Menschen in naher Zukunft zusammen arbeiten werden.
Das alles mag für ein Blog wie Carta reichlich technisch und eher deplaziert wirken, gäbe es da nicht auch eine Kulturkomponente. Denn Wave ist auch eine grundsätzliche Antwort auf die Frage, wie Menschen in naher Zukunft zusammen arbeiten werden. Diese Antwort aber, die da von Google kommt (und von den Wettbewerbern nicht sehr viel anders gesehen wird), dürfte hierzulande weithin allenfalls mit Befremden aufgenommen werden.
Unsere Leistungselite nämlich ist auf ein solches Produkt schlicht nicht vorbereitet. Die nahtlose Integration von E-Mail und Chat, Wiki-Funktionalitäten und offenen Schnittstellen (API’s) sind alles Dinge, die dieser “Generation Papier” noch überwiegend fremd sind. Gleichzeitig aber entscheiden genau diese Personen darüber, ob so etwas in ihren Organisationen eingeführt wird oder nicht.
Hier tut sich ein Graben auf, der immer größer zu werden scheint. Thomas Knüwer durfte dies ansatzweise erfahren, als er in seinem Blog (Indiskretion Ehrensache) über die Einsatzmöglichkeiten von Wave im Journalismus reflektierte und in den Kommentaren gleich wieder zurückgepfiffen wurde: Viele bleiben eben lieber beim Althergebrachten stehen und sehen gar keine Notwendigkeit, sich zu fragen, ob eine Software wie Wave eine Redaktion produktiver und schneller machen könnte. Robin Meyer-Lucht hat dieses Phänomen treffend als Modernisierungsversagen bezeichnet.
Dieses Modernisierungsversagen trifft nun mit der Ankündigung von Wave auf die Tatsache, dass das Internet eben nicht nur ein Medienkanal ist, sondern praktisch die Arbeitsplattform der Zukunft sein wird. In der Theorie ist das schon länger bekannt. Nun aber zeigt sich immer klarer, wie es konkret aussehen wird.
In einem Land wie Deutschland, in dem Wissensarbeit und Innovationen das Fundament für den heutigen und künftigen Wohlstand sind, sollte man diese Entwicklung generell und nicht zuletzt in den Medien deutlich positiver begleiten und aktiv fördern. Denn sonst fallen wir im globalen Wettbewerb zu weit zurück.
Bei Google kann man derweil der Zukunft gelassen entgegen sehen. Mit Wave hat man weiten Teilen der Internetbranche einen ziemlichen Schrecken eingejagt und sich selbst einen Traum erfüllt. Denn Wave dürfte das sein, was sich viele Mitarbeiter für ihre Arbeit bei Google schon lange gewünscht haben: Eine integrative Plattform, mit der man besser kommunizieren und einfacher zusammen arbeiten kann.
Für das also, was bei Google heute schon (intern) Realität ist, muss in Deutschland noch sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, bis die Einsicht in die Realitäten dazu führt, dass man so ein Produkt auf breiter Ebene als wünschenswert einstuft, anstatt seine Potenziale zu verkennen und ignorieren.





Das Fazit: Wave ist Post-Paper und unsere Leistungselite ist darauf nicht vorbereitet, finde ich sehr spannend.
danke für den text,
robin
Bei Wave verschmelzen buchstäblich herkömmliche Kommunikationsmedien wie E-Mail oder Instant Messaging mit Programmen wie einer Textverarbeitung. Alles kann nahtlos ineinander übergehen, aber natürlich auch schön getrennt bearbeitet werden.
Damit kann man zweifellos sehr produktiv arbeiten. Man muss aber bereit sein, von Ausdrucken, Vorlagemappen und Papierumläufen Abschied nehmen zu können!
Wie – kein Ausdrucken mehr?
Das geht mir zu weit.
;)
Mit dem Ausdrucken könnte es schon schwierig werden, wie heute schon bei Blogs oder Wikis. Denn da gibt es keine starren Seiten mehr.
Zudem legt Wave seinen Fokus auf die Konversation: Während man eine klassische E-Mail noch als eine Art “Brief” auffassen kann, der sich ausdrucken und ablegen lässt, steht der Begriff “Wave” viel mehr für den Dialog, also eine Anfrage und deren Antwort bzw. Diskussion unter mehreren Personen. Da dürfte es teilweise schon schwierig werden, Elemente daraus abzugrenzen und auszudrucken (obschon es technisch sicher möglich sein wird).
Insgesamt erleben wir hier einen Paradigmenwechsel: Während sich (klassische) Programme wie die Textverarbeitung stark an der Analogie zum Papier orientieren, gibt sich Social Software (Blogs, Wikis, Twitter, Wave…) deutlich freier und versucht gar nicht mehr, sich an Papierformaten oder Druckstandards festzuhalten. Viel mehr steht jetzt die Interaktion und Zusammenarbeit (“Collaboration”) im Vordergrund – etwas das auf Papier so nie möglich war.
Die Schwierigkeiten beim Ausdrucken nicht-statischer Dokumente (man sollte nicht vergessen, daß Ausdrucken auch Vorteile hat – man hat den Kram griffbereit, auch wenn gerade kein Rechner zur Verfügung steht) ließen sich durch den Einsatz von E-Readern wie dem “Kindle” mittelfristig beheben. Heute wird in Word getippt und auf Papier gedruckt – morgen in Wave bearbeitet und im E-Reader bis zur nächsten Bearbeitung zwischengelagert… das Papier wird quasi von zwei Fronten angegriffen ;-). Und vielleicht fällt der Schritt zu einem irgendwann (fast) papierfreien Büro vielen leichter, wenn sie diesen “Umweg” nehmen. Wenn die Dinger irgendwann preiswerter werden, isses wohl eh billiger, jedem Mitarbeiter ein Kindle zur Verfügung zu stellen, als jede Woche tonnenweise tote Bäume zu ordern.
[...] Leistung von Xing verblasst allerdings ein bisschen vor dem Hintergrund, dass Google Wave als Ankündigung im Raum steht und damit schon die nächste Generation von Plattformen zur [...]
[...] Google weiß man das sehr wohl, weil dort auch an ganz anderen Kalibern gearbeitet wird, etwa an Google Wave. Das sollte auch den Verlagen bewusst sein, die an Fast Flip [...]
[...] weiteres Signal ist natürlich Google Wave und das im doppelten Sinn: Einmal die Ankündigung des neuen Produktes und dann auch die [...]